Charles Rotter

Die Ingenieure, die das britische Stromnetz im Gleichgewicht halten, äußerten gegenüber den Ermittlern ihre Besorgnis darüber, ob sie diese Aufgabe weiterhin bewältigen können. Dies berichtet die „Times“ in einem Artikel von Emily Gosden, Ben Ellery und Juliet Samuel über die Untersuchung, die die Anwaltskanzlei Eversheds Sutherland beim National Energy System Operator (NESO) durchgeführt hat und die NESO heute veröffentlicht hat.

Die Untersuchung begann mit einer enger gefassten Fragestellung. Im Juli wandten sich Whistleblower an die damalige Schattenministerin für Energie Claire Coutinho und behaupteten, dass das Kontrollraumpersonal angewiesen worden sei, Entscheidungen in Live-Dokumenten ohne Prüfpfad festzuhalten, und dass das Team für Unternehmensangelegenheiten während der Hitzewelle im Juni Einfluss auf operative Entscheidungen genommen habe, um den Ruf des NESO zu schützen. NESO beauftragte Eversheds am 13. Juli.

Eversheds konnte diese konkreten Vorwürfe nicht belegen, und die Mitteilung von NESO geht darauf ein. Was die Kanzlei jedoch feststellte:

Dazu gehörte eine „Kultur der Reputationssensibilität, die die operativen Entscheidungsprozesse beeinflusste“. – Quelle

Der betreffende Tag ist der 23. Juni. Eine Hitzewelle führte zu einem Rückgang der Erzeugung aus erneuerbaren Energien, Gaskraftwerke schalteten sich ab und die Last durch Klimaanlagen stieg an. Die Netzfrequenz lag während des größten Teils der Stunde von 17:30 bis 18:30 Uhr unter der von NESO festgelegten Betriebsuntergrenze von 49,8 Hz und erreichte einen Tiefstwert von 49,66 Hz, was jedoch noch über der gesetzlichen Grenze von 49,5 Hz lag. NESO folgte mit „Electricity Margin Notices“ für die Abendspitzen am 24. und 26. Juni. Im Juli erklärte NESO, das System habe durchgehend sicher funktioniert.

Die Leitstelle sah das anders:

Mitarbeiter der Leitstelle erklärten, NESO hätte am 23. Juni nicht behaupten dürfen, das System sei „nicht gefährdet“, da „das System über mehrere Stunden hinweg kontinuierlich die Betriebsgrenzwerte überschritten habe und die Betreiber rund um die Uhr daran arbeiteten, das Gleichgewicht wiederherzustellen“. – Quelle

Zu den Warnungen, die ausgesprochen wurden, und denen, die es nicht wurden:

Ein Zeuge beschrieb ein „stillschweigendes Einverständnis und die Erwartung seitens der Führung, nur das zu hören, was sie hören wollte“, und erklärte, er habe sich unter Druck gesetzt gefühlt, eine positive Botschaft zu vermitteln und den Vorgesetzten zu versichern, dass „alles in Ordnung“ sei. Ein Zeuge sagte, dass diejenigen „niedergemacht“ würden, die Bedenken äußerten. – Quelle

Die Verantwortlichen an der Leitstelle hielten also den öffentlichen Bericht vom 23. Juni für falsch, und mindestens einer von ihnen war der Ansicht, dass Warnungen unter Berücksichtigung ihrer Wirkung in der Presse abgewogen wurden.

Der Bericht beschränkte sich nicht auf einen einzigen unerfreulichen Abend:

Darin wurde festgestellt, dass „innerhalb der Leitwarte ein hohes Maß an Stress und Besorgnis hinsichtlich der aktuellen Lage der Energiewirtschaft und der langfristigen Fähigkeit zur Aufrechterhaltung des Netzgleichgewichts herrscht – angesichts der Herausforderungen des Übergangs zur Netto-Null-Emissionswirtschaft und der zunehmenden Abhängigkeit von erneuerbaren Energien, die weniger flexibel sind als konventionelle Erzeugungsformen, sowie der aktuellen Energiemarktstrukturen“. – Quelle

Die „Times“ fügt ein Detail hinzu, das diese Besorgnis teilweise erklärt. Viele kleinere Stromerzeuger und Batteriespeicher arbeiten nicht direkt mit NESO zusammen, sodass die Ingenieure deren Produktion nur schätzen und ihnen keine Anweisungen erteilen können. Eversheds befragte 28 leitende Mitarbeiter der Leitstelle sowie acht Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Organisation. NESO beschäftigt rund 2.700 Mitarbeiter, davon etwa 130 in der Leitstelle.

Der NESO-Vorsitzende Paul Golby erklärte, die Ergebnisse lieferten keine Belege für die Vorwürfe, und der Vorstand werde die Ausarbeitung einer Stellungnahme beaufsichtigen. Ofgem-Geschäftsführer Tim Jarvis sagte, der Bericht werfe „wichtige und besorgniserregende Fragen zur Arbeitskultur“ bei NESO auf. Ofgem gibt an, noch keine Schlussfolgerungen aus den Ereignissen im Juni gezogen zu haben.

Eversheds wurde nie gefragt, ob das Netz am 23. Juni seine Sicherheitsstandards erfüllt habe. Coutinho wies im Juli im Unterhaus darauf hin. Diese Frage ist Gegenstand einer separaten Untersuchung der Ofgem, die laut einem Bericht der „Times“ nun bis ins nächste Jahr verlängert wurde.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/10/19/NESO-officials-said-the-grid-is-safe-NESO-engineers-not-so-much/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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