Die Daten sind da. Werfen wir einen Blick darauf, wie das Aushängeschild der globalen Erwärmung in der Saison 2022-2023 abgeschnitten hat…
Massenbilanz „Oberfläche“
Das grönländische Inlandeis nimmt von September bis zum darauffolgenden Juni an Masse zu und beginnt dann, wenn die Temperaturen mit Beginn des späten Frühlings steigen, durch Oberflächenschmelze mehr Eis zu verlieren als durch Neuschnee zu gewinnen.
Dies wird als „Schmelzsaison“ bezeichnet, die in der Regel bis Ende August andauert, wobei Schneezuwachs minus Eisverluste als „Oberflächen-Massenbilanz“ (SMB) bezeichnet werden.
Die nachstehende Graphik, erstellt mit freundlicher Genehmigung des Dänischen Meteorologischen Instituts (DMI), zeigt die SMB über die letzten 12 Monate.
Die blaue Linie im oberen Diagramm zeigt die tägliche SMB (in Gigatonnen), während die blaue Linie im unteren Diagramm die kumulierte SMB (ebenfalls in Gigatonnen) seit Beginn der Saison (1. September 2022) darstellt. Die graue Linie ist der multidekadische Durchschnitt.
In der letzten Saison (1. September 2022 – 31. August 2023) erreichte der grönländische Eisschild eine Oberflächenmassenbilanz von etwa 400 Gt. Damit liegt er über dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010 und ist der 15. höchste SMB-Wert in den Daten der letzten 43 Jahre.
Die Saison 2022-2023
Die Saison begann mit überdurchschnittlichen Schneefällen im September. Im Oktober und November kam es zu einer Reihe außergewöhnlicher Schneefälle, die im Dezember in rekordverdächtigen Zuwächsen gipfelten. Die kumulierte SMB lag in dieser Saison nicht nur über dem Durchschnitt, sondern auch über der historischen Variabilität (graue Fläche), wie die obige Grafik zeigt.
Im Spätwinter folgte jedoch eine recht trockene, wenn auch immer noch kalte Periode, in der die akkumulierte SMB auf den multidekadischen Durchschnitt zurückfiel (graue Linie). Im April und Mai sank die SMB dann unter den Durchschnitt. Mit Beginn des Monats Juni kam es jedoch zum bemerkenswertesten Merkmal in der Entwicklung des Jahres 2023 – der ausgedehnten Wachstumsphase bis in die sommerliche Schmelzperiode hinein.
Bis in den Juli hinein lag das kumulierte SMB um etwa 150 Gt über dem Durchschnitt.
Die Auswirkung dieses zusätzlichen Schnees bedeutete, dass der Beginn der „Ablations“-Saison (Schmelzsaison) offiziell auf den 29. Juni festgelegt wurde, was 16 Tage später ist als der Median 1981-2022. Die Ablationssaison ist definiert als der erste Tag von drei aufeinanderfolgenden Tagen mit einer SMB unter -1Gt.
Grönland war in dieser Saison kalt und schneereich, eine Tatsache, die das Establishment zwar zugibt, aber gerne auf ein „Blocking-Muster“ schiebt.
Bei einer solchen Konstellation hat der Jetstream die Form des griechischen Großbuchstabens Omega (Ω), der, wenn er sich über Grönland befindet, arktische Luft dort festhält, aber subtropische Wärme ungewöhnlich weit nach Norden in den Osten Nordamerikas und in den Westen Europas zieht.
Grönland blieb kalt, während Teile Nordamerikas und Europas (kurzzeitig) Hitzewellen erlebten, aber das ist nicht das Werk eines globalen Siedepunkts, wie uns die Katastrophisten glauben machen wollen, sondern es handelt sich vielmehr um einen schwachen und mäandrierenden meridionalen Jetstream, der, aus welchem Grund auch immer (ich behaupte, dass er mit geringer Sonnenaktivität zusammenhängt, da dies bei weitem am plausibelsten ist), in den letzten Jahren immer stärker in Erscheinung getreten ist.
Die nachstehende Karte zeigt ein Beispiel für dieses wiederkehrende Zirkulationsmuster, welches dafür sorgt, dass das kalte Wetter über Grönland erhalten bleibt, während sehr warme Luftmassen nach Kanada und Europa advehiert werden:
Die folgende Grafik soll das Muster verdeutlichen:
Wie bereits erwähnt, scheint die Häufigkeit dieses „wellenförmigen“ Jetstreams in Zeiten geringer Sonnenaktivität zuzunehmen. Wenn weniger Energie in das System eindringt, schwächen sich die normalerweise starren, von Westen nach Osten verlaufenden Jets ab, und die Form wird Omega (Ω) oder „meridional“.
Dieser Prozess – oder genauer gesagt seine Folge, d. h. unregelmäßige Wettermuster – wird von den heutigen Aktivisten-Wissenschaftlern allgemein als „Klimawandel“ bezeichnet, und es wird fälschlicherweise behauptet, dass er durch eine Reduzierung der Kohlenstoffemissionen „behoben“ werden kann.
Die Schmelzsaison 2023
Im Sommer 2023 kam es zu ausgedehnten Schmelzperioden des grönländischen Eisschildes, unterbrochen von Perioden, in denen das Eis auf Rekordhöhe gehalten wurde.
Mitte August nahm Grönland zwar vorzeitig an Masse zu, doch ein darauf folgender starker Schmelzschub machte dem ein Ende. Dennoch erholte sich das Land sehr schnell wieder, und die Zuwächse lagen erneut über dem Durchschnitt, was ein starkes Ende der Saison bedeutete.
„Gesamt“-Massenbilanz
Die Oberflächenmassenbilanz (SMB) ist nur eine von drei Komponenten, wenn es darum geht, den Gesamtzustand eines Eisschildes – seine Gesamtmassenbilanz (TMB) – zu bestimmen; die anderen sind die marine Massenbilanz (MMB) und die Basalmassenbilanz (BMB).
Im Fall von Grönland besteht die MMB aus dem Abbruch von Eisbergen, dem so genannten „Kalben“. Die BMB – für Grönland weitgehend unbedeutend – bezieht sich auf Eisverluste an der Basis des Eisschildes, die hauptsächlich durch Reibungseffekte und den Wärmefluss aus dem Boden verursacht werden.
Die Komponenten der Gesamtmassenbilanz, die bis 1987 zurückreichen, sind in der nachstehenden Grafik dargestellt – die MSM sollten sie genau beachten.
Die SMB ist in blau dargestellt, die MMB in grün, die BMB in gelb und die Gesamt-TMB in rot. Die Zahlen sind in Gt pro Jahr angegeben. Das Diagramm basiert auf Aktualisierungen von Mankoff et al. (2021), erstellt von Carbon Brief:
Dies sind die Daten, die leicht zugänglichen offiziellen Daten, zu denen jede Nachrichtenagentur nebst deren Erfüllungsgehilfen Zugang hat, und was sie eindeutig zeigen, ist, nun ja, nicht viel – sicherlich nichts, worüber man nach Hause schreiben müsste, und ganz sicher nichts „Katastrophales“.
Es ist zwar eine Tatsache, dass die Gesamt-Massenbilanz zwischen Ende der 1990er Jahre und 2012 abgenommen hat, doch hat sich der Trend seither ganz klar in Richtung eines allgemeinen Wachstums verschoben. Dies wird in der nächsten Grafik deutlicher dargestellt (in welcher der Wert für 2023 noch nicht enthalten ist):
Man beachte auch die feinen Unterschiede zwischen den beiden Diagrammen. Beide wurden unter Verwendung der Daten von Mankoff et al. (2021) erstellt, aber in der ersten, von den AGW-Befürwortern des „Carbon Brief“ erstellt, wurden bestimmte TMB-Jahre um ca. 80 Gts nach unten verschoben. Dadurch sieht es so aus, als sei das TMB seit 1996 nicht mehr positiv gewesen, während es laut dem zweiten Diagramm erst seit 2018 positiv ist.
– Ungeachtet dessen zeigen beide Diagramme einen Trend (ab 2012) zurück zum Gesamtwachstum.
Verschleierung seitens der MSM
Obwohl die Saison 2022-2023 für das grönländische Inlandeis wieder eine gesunde Saison sein wird, wird in den etablierten Medien viel vertuscht.
Heute, am 18. Oktober, macht eine neue Runde der Panikmache in den Medien die Runde: „Das Grönland-Eisschild wird bei einer globalen Erwärmung von 2°C schmelzen“, berichtet der pflichtbewusste Propaganda-Arm des Establishments, von The Times über Nature bis zur NBC.
„Der zweitgrößte Eisschild der Erde wird einen Kipppunkt überschreiten, der zu seinem völligen Verlust führt, wenn die globale Erwärmung auf etwa 2°C steigt, haben Wissenschaftler gewarnt“ (man beachte, dass sie das Spiel auf ‚2°C‘ erhöht haben, zeigen doch ihre Daten, dass wir jetzt ereignislos 1,5°C überschritten haben).
Aber das Zuckerbrot der Hoffnung wird immer noch hingehalten (Zitat unten), was diese ganze Scharade noch durchsichtiger macht, denn selbst nach dem stillen Verstreichen jahrzehntelanger früherer Kipppunkttermine können die Mächte nicht zulassen, dass wir das Handtuch werfen. Wozu soll das gut sein? Es gibt noch so viel mehr totalitäres Terrain, das sie erkunden können.
„Das europäische Forscherteam sagte, dass das grönländische Eisschild vor dem Zusammenbruch bewahrt werden könnte, wenn es der Menschheit gelingt, die globalen Temperaturen mit gigantischen neuen Wäldern und CO₂ aus der Luft saugenden Maschinen wieder zu senken“, schreibt die Times weiter.
Die Dreistigkeit der Medien zu behaupten, die Schmelzsaison 2023 sei in irgendeiner Weise alarmierend, ist bestenfalls Rosinenpickerei und schlimmstenfalls blanker Betrug. Selbst die hartnäckigsten Befürworter des Klimawandels müssen das sehen, so blind kann die Propaganda nicht sein.
Aber ich bin nicht naiv.
Nicht-alarmierende Grönlanddaten dienen nicht der Untergangserzählung, und jede ehrliche Berichterstattung darüber würde riskieren, die intravenöse Verabreichung von Angst zu unterbrechen, die jetzt angesichts der zunehmenden Immunität der Massen gegen Katastrophen ständig verabreicht werden muss.
Das ist die Aufgabe der Medienkonzerne heutzutage, vielleicht war es schon immer so: Eine Bevölkerung, die ständig verängstigt ist und immer auf die nächste „Krise“ wartet, die sie zu stürzen und zu ruinieren droht, ist viel leichter ruhig zu halten, unter die Fuchtel zu nehmen, zu kontrollieren, zu besitzen.
Link: https://electroverse.info/how-the-greenland-ice-sheet-really-fared-last-season-2022-2023/
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE
Wir freuen uns über Ihren Kommentar, bitten aber folgende Regeln zu beachten:
Ganz grob kann man aufgrund des Diagramms mit den verschiedenfärbigen Graphen sagen, daß der durch Niederschlag bedingte Zuwachs (blau) als groben Mittelwert etwa 300 Gt/y ausmacht. Hingegen beträgt der Abfluß des Schelfeises (grün) zwischen 450 und 500 Gt/y. Das Schelfeis ist aber nicht weg. Es wandelt sich in Meereis um und kalbt im Laufe der Zeit über Eisberge ab.
Die Frage ist also, wie wird Schelfeis gerechnet? Wo wird es wie dazu gezählt? Der Anstieg des Schelfeisabfluß deutet auf eine schneller werdende Fließgeschwindigkeit hin. Und das würde theoretisch auf einen größer werdenden Nachschiebedruck hindeuten, was aber von der blauen Linie nicht bestätigt wird. Es ist aber anzunehmen, daß das Eis auf dem Weg zur Küste immer dichter wird und bei Entstehung als Schnee im Inneren am wenigsten dicht ist.Was unterschiedliche Gt je gleicher Volumenseinheit ergibt.
Wie beurteilen das die Grönlandspezialisten hier?
Ich bin Schüler der 11. Klasse und im Erdkundeunterricht hatten wir neulich ein Diagram „Eisschmelze in Grönland“, in dem die betroffene Fläche in drei Graphen dargestellt war: als Schnitt 1980…2010 sowie die selektiv ausgewählten Jahre 2012 und 2016. Bein Durchlesen dieses EIKE-Artikels wurde mir dann bewusst, dass sich die Autoren des Erdkundebuchs wissentlich zwei Jahre mit (extrem) hoher Eisschmelze herausgesucht hatten – die Absicht ist natürlich klar: die Schülern sollen „erkennen“, dass das Grönlandeis durch „AGW“ immer weniger wird – mithilfe von Rosinenpickerei gelingt das bei den meisten Schülern wahrscheinlich auch.
Im Text wird dann noch behauptet: „Der durchschnittliche Temperaturanstieg [in Grönland] in den letzten Jahren lag bereits bei 1 bis 2 °C pro Jahr“. Das kommt mir ziemlich viel vor – ist das tatsächlich so, wieder einmal Rosinenpickerei oder bloß FAKE NEWS? Weiß einer der Kommentatoren hierzu vielleicht näheres?
Da stellt sich die Frage, was ist eine gesunde und was eine gegeteilige Saison?
Einen Trend zurück zum Gesamtwachstum, halte ich für eine ’sportliche‘ Interpretation, einen Trend zu weniger Massenverlust seit 2012 könnte man zustimmen. Nachdem der Kurvewert für 2023 (diser Wert fehlt noch in der Grafik) wieder ca 80 Gt unter dem 2022er Wert sein wird kann man sich fragen, ob der Trend wirklich nachhaltig nach oben geht. Noch sind wir deutlich im Massenverlust.
MfG
Ketterer
„Nicht-alarmierende Grönlanddaten dienen nicht der Untergangserzählung, und jede ehrliche Berichterstattung darüber würde riskieren, die intravenöse Verabreichung von Angst zu unterbrechen“
Ach, was können wir uns glücklich preisen, dass wir unsere grünen „Journalisten“ und unsere Klima- und Energiewende-Politiker haben! Die uns von früh bis abends mit dem Klima verar….., verdummen und abkassieren. Die Dümmsten von allen, die Grünen, haben die Ideologie-Verblöd… zur Staatsraison erhoben – Absurdistan, wie wir (nicht alle) es gewählt haben.
Interessant die Massenbilanz des grönländischen Eisschilds beurteilt zu sehen. Wir haben die meridionalen Wellenströmungen zu meinen Studienzeiten als Rossby-Wellen dem Polarjetstream zugeordnet, wobei ich diese Begrifflichkeit kaum mehr lese. Ungeachtet dessen, verwundert es natürlich niemanden hier, das die MSM eine datenunabhängige und andersartige Sau durchs Dorf treiben, die für das Narrativ noch hübsch gepimpt wird. Das geht heute überall so, beispielsweise schickt der Bundeslandwirtschaftsminister zur Kartoffelernte folgende Pressemitteilung raus: Gute Kartoffelernte 2023 trotz klimabedingter Wetterkapriolen
Erste Auswertung zeigt stabile Ergebnisse unter schwierigen Bedingungen
Er will uns sagen: 2% mehr Kartoffeln als letztjährig und 1 % über dem langjährigen Mittel. Neu sind „klimabedingte Wetterkapriolen“, das sind nämlich keine normalen Wetterkapriolen, so wie früher, sondern die sind halt klimabedingt. Aber man kennt ja den Spruch: die dümmsten Minister haben die dicksten Kartoffeln. Gibt’s diese Erkenntnis auch bei Gletschern?
@W. Kundel: Schönes Bespiel: „Gute Kartoffelernte 2023 trotz klimabedingter Wetterkapriolen“, aber es hat nichts mit dummen Ministern zu tun. Grüne Politics und deren Kumpane sind hinterhältig berechned, letztendlich über Leichen gehend, antifreiheitlich und wohlstandszerstörend, ausreichend fachfremd sowie äußerst egoistisch motiviert, oder?