Visionäre sind immer willkommen

E. Musk war vor einiger Zeit beim Retten der Welt sehr generös und machte dazu ein großartiges „Speichergeschenk“ an Australien, welches einem mit Deutschland vergleichbarem Öko-Energiewahn frönt, in der Umsetzung jedoch bereits weiter ist und es dadurch sein Energiesystem schon heute „an die Wand gefahren“ hat:
EIKE 30. Juli 2017: Der Visionär E. Musk (Tesla) rettet Südostaustralien für 32 Sekunden vor dem Blackout

Unsere Qualitätsmedien berichteten natürlich etwas anders darüber. Wobei „Bericht“ falsch ist, denn es wurde wie üblich, unisono eine Meldung des „Wahrheitsinstituts“ dpa weitergeleitet:
SPIEGEL ONLINE 01.12.2017: Tesla nimmt weltgrößte Batterie in Betrieb
Manager Magazin
01.12.2017: Lithium-Ionen-SpeicherTesla nimmt in Australien weltgrößten Akku in Betrieb
Auch bekannte Fachperson*innen für Klima und Energie waren davon begeistert, denn so eine Tat wird Leuchtturmcharakter für deutschlands (kommende) Energie-Probleme haben:
Klimaretter.Info, 15. Juli 2017: Teslas Riesenbatterie: Topp, die Wette gilt
Tesla-Chef Elon Musk ist nun offiziell eine Wette mit Südaustralien eingegangen: In 100 Tagen will er dort die weltgrößte Batterie aufbauen – dauert es länger, kriegt der australische Bundesstaat den millionenschweren Stromspeicher geschenkt.
… Jetzt will er für die südaustralische Regierung die weltgrößte Batterie mit einer Kapazität von 129 Megawattstunden bauen – in 100 Tagen.
Klimaretter.Info[2] … Australien, speziell Südaustralien, litt unter großflächigen Stromausfällen, weil die Klimaanlagen des Landes durch den besonders heißen australischen Sommer stark hochgefahren waren und das Stromnetz überlasteten. Rund 90.000 Haushalte saßen im Dunkeln, die Industrie durfte nur noch eingeschränkt arbeiten.

Nur doppelt so teuer wie versprochen

Inzwischen liegen über dieses Projekt die fehlenden Daten zu den Kosten vor [2] und es lohnt sich, diese anzusehen.
Einmal hat das Projekt nicht nur die angesagten, „50 Millionen Dollar oder mehr“ gekostet [3], sondern landete bei 90 Millionen US-Dollar [3], zusätzlich kostet es pro Jahr noch zwischen 4 … 5 Millionen Dollar Betriebskosten.
Nun kennt man das von öffentlichen Projekten auch bei uns als Normalfall und wäre damit keine Erwähnung wert.
Interessant wird es erst, wenn man diese hochgelobte Speicher“Lösung“ auf deutsche Verhältnisse überträgt.

Die Speicherlösung ist kein Problem – nur unbezahlbar

Für unsere Politiker ist das Speicherproblem längst gelöst:
Onetz 25.05.2018: Ein Speicher für die Zukunft
… Der neue Batteriespeicher der Kraftwerksgruppe Pfreimd öffnet das Tor für das Stromsystem der Zukunft. Mit einem Knopfdruck nimmt ihn Bayerns Energie- und Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer in Betrieb.

Leider ist auch dieser Staatssekretär der CSU (Studium der Politik- und Sozialwissenschaften) einer von denen, bei welchen man irgendwie den Verdacht nicht los wird, dass sie entweder außer von Politik keine Ahnung haben, oder falls unvermutet doch, sie etwas verheimlichen.

Denn das Nachrechnen der „Speicherlösung der Zukunft“, ausgeweitet auf den Bedarf Deutschlands auf Basis der Kosten des angeblich so billigen Tesla-Batteriespeichers, ergibt eine Investitionssumme, die vor dem „Tor der Zukunft“ erschauern lässt:

Tabelle der Akkuspeicherkosten auf Basis des australischen TESLA-Akkuprojektes. Basis: Tesla-Speichervolumen: 129 MWh

Mögen Akkus in Zukunft noch etwas billiger werden. Aber die orientierenden Kostenvolumen von 28 Billionen EUR zur Ersterrichtung von ausreichend Akkuspeicher und zusätzlich 627 Milliarden EUR jährliche Betriebs- und Akku-Austauschkosten bringt vielleicht machen realistisch Veranlagten ins Grübeln.

Kein Wunder, dass ganz wichtige Energiefachpersonen deshalb darauf hinweisen, dass es viel vorteilhafter ist, erst einmal gar nicht daran zu denken, sondern zuerst unser bewährtes Energiesystem vollständig kaputt zu machen. Danach ist die Not bestimmt so groß, dass niemand mehr über Kosten reden wird:
Klimaretter.Info: [3]Quaschning sieht solche Großprojekte aber nicht als Bedingung für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren: „Es wird gern vorgeschoben, dass große Projekte wie der Netz- oder Speicherausbau erstmal fertig sein müssen, bevor die Energiewende losgehen kann“, kritisiert er.
Fragt man Quaschning, sind Netze und Speicher sogar der letzte Schritt. Der erste heiße Kohleausstieg – und der ist in Australien noch nicht weit fortgeschritten.

Leider wurde dieser Vorschlag: Wenn du viele Probleme hast, schaffe ein großes und die vielen kleinen verschwinden von alleine, von unserer Politik inzwischen vollständig als richtungsweisender Lösungsansatz übernommen.
Allerdings hat man bei manchen den Eindruck, dass sie einiges nicht richtig verstanden haben:
Deutschlandfunk, Sendung vom 21.01.2018: Annalena Baerbock im Gespräch mit Barbara Schmidt-Mattern
… Das ist vollkommen klar. An Tagen wie diesen, wo es grau ist, da haben wir natürlich viel weniger erneuerbare Energien. Deswegen haben wir Speicher. Deswegen fungiert das Netz als Speicher. Und das ist alles ausgerechnet. Ich habe irgendwie keine wirkliche Lust, mir gerade mit den politischen Akteuren, die das besser wissen, zu sagen, das kann nicht funktionieren. Die Bundesnetzagentur, das Bundeswirtschaftsministerium war mit dabei in den Sondierungsgesprächen, als Experten geladen, haben das durchgerechnet. Das ist machbar …
Wer so fest von seinem Wissen überzeugt ist, diskutiert natürlich nur noch mit Fachpersonen, die dem eigenen vorbehaltlos zustimmen. Das macht Herr Schellnhuber vom PIK:
Klimaretter.Info: Münchner Klimaherbst 2015
Hans Joachim Schellnhuber … Dort habe ihm eine Phalanx „älterer Herren“, die sich allesamt als Klimaskeptiker entpuppten, gegenüber gesessen, die ihn mit völlig unhaltbaren, längst widerlegten Thesen konfrontiert habe. Zeitverschwendung für jemand wie Schellnhuber, der zwecks Weltrettung von Termin zu Termin, von Auftritt zu Auftritt jettet. Der Ärger über die unbotmäßigen Fragensteller war dem Wissenschaftler auch heute noch anzumerken.
An diesem Abend freilich sprach er zu einem Publikum, das ihm förmlich an den Lippen hing
.
Warum soll ihm das eine ausgewiesene „Wissensgröße“ der GRÜNEN nicht nachmachen. Diskussionen mit unabhängigen Fachpersonen, deren Karriere nicht von (der Zustimmung zu) politischen Vorgaben abhängig sind, hat man schlichtweg nicht mehr nötig und sie „fressen“ auch nur etwas von der zur Weltrettung auch bei GRÜNEN überwichtigen Zeit.

Wie könnte man Deutschland noch vor solcher Intelligenz retten?

Man soll aber nicht immer nur auf die GRÜNEN und „kleine Leute“, wie Staatssekretäre der (künftigen) Splitterpartei CSU eindreschen, in der hohen Politik sind die selbsternannten Fachpersonen nicht besser:
SVZ.de
16. September 2014: Riesenakku fürs Stromnetz
… Batteriespeicher wie der in Schwerin seien ein „wichtiger Schritt nach vorn für die erneuerbaren Energien und eine wichtige Voraussetzung, um sich Schritt für Schritt von Kohle und Gas verabschieden zu können“, erklärte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gestern. Für Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist das Werk indes der Einstieg in intelligente Lösungen auf dem Erneuerbaren-Energien-Markt, die „betriebswirtschaftlich und ohne Dauersubventionen am Markt erfolgreich betrieben“ werden können: „Die Energiewende muss gelingen, ohne dass sie permanent neue Kostensteigerungen auslöst.“ Bei der Entwicklung von Speichertechnologien müsse auf die „Kosteneffizienz Augenmerk gelegt werden“. Mecklenburg-Vorpommern zeige indes, wie die Energiewende funktionieren könne, sagte Gabriel …

Wohl nur, sofern sich Geschichte wiederholt

Australien ist nicht nur beim Ökostromausbau und den daraus folgenden Problemen Deutschland weit voraus, es hat auch schon einen Regierungswechsel hinter sich. Und auf einmal sieht die Betrachtung dort anders aus:
Ruhrkultour: [2] “chaotisch und überteuert”
… Keane erinnert an das Versprechen Elon Musks, die Batterie innerhalb von 100 Tagen zu bauen. Musk habe es während eines heute berühmten Twitter-Austauschs mit dem Unternehmer Mike Cannon-Brookes gegeben.
Die Kosten des Projekts haben den Zorn der Regierung Süd-Australiens auf sich gezogen, sagt Keane. Sie beschuldige ihren Vorgänger, eine “eilige, chaotische und teure Lösung für das Energieprobleme in Südaustralien” betrieben zu haben. 

Quellen

[1] SPIEGEL ONLINE 01.12.2017: Tesla nimmt weltgrößte Batterie in Betrieb

[2] Ruhrkultour September 27, 2018: 90 Millionen US-Dollar Für Tesla-Batterien In Süd-Australien

[3] Klimaretter.Info, 15. Juli 2017: Teslas Riesenbatterie: Topp, die Wette gilt