Zwei Billionen für die Energiewende

FRANKFURTER ALLGEMEINE 15.11.2017: Um Klimaziele zu erreichen: Zwei Billionen Euro für die Energiewende
… haben Technikwissenschaftler die Voraussetzungen für die politisch unstrittige „Dekarbonisierung“ bis zur Mitte des Jahrhunderts und ihre Folgen für Deutschland beleuchtet. Das Ergebnis liegt seit Dienstag auf 100 Seiten vor. Demnach dürfte sich der Stromverbrauch aus regenerativen Quellen bis 2050 womöglich verdoppeln. „Als Folge müsste die Kapazität der Windkraft- und Photovoltaikanlagen auf ein Fünf- bis Siebenfaches anwachsen.“
Auch die potentiellen Kosten haben die Wissenschaftler abgeschätzt. Je nach Höhe des Reduktionsziels von 70 oder 85 Prozent CO2-Minderung gegenüber 1990 dürften sie „im Bereich von 1000 bis
2000 Milliarden Euro liegen“. Auf die nächsten 33 Jahre heruntergebrochen, seien das jährlich 30 bis 60 Milliarden Euro oder 1 bis 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, heißt es in der Studie, die die drei Wissenschaftsakademien Leopoldina, Acatech und Union gemeinsam vorgelegt haben. Da das Minderungsziel der Politik allerdings bei 80 bis 95 Prozent liegt, dürften die Kosten mit zwei Billionen Euro deutlich unterschätzt sein.
Damit bestätigt sich wirklich alles, was bisher auf EIKE (und den vielen anderen, kritischen Portalen) zum EEG berichtet und vorhergesagt wurde. Sogar dass die GREEN-Lieferanten nicht zuverlässig liefern können, haben diese Fachleute inzwischen nach vielen EEG-Jahren und langwieriger Recherche herausgefunden:
FRANKFURTER ALLGEMEINE: … Zudem brauche man Reservekapazitäten, um die Versorgung abzusichern, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Dafür setzen die Technikfachleute einen Umfang an, der „etwa dem heutigen konventionellen Kraftwerkspark entspricht“. Konkret rechnen sie mit 100 Gigawatt konventioneller Kraftwerksleistung – das sind fast 20 GW mehr, als heute gebraucht werden und die Grünen aktuell als ausreichend für die Versorgungssicherheit erachten.

Fachpersonen und Vorhersagen

Einer C. Kemfert, welche unermüdlich in ihrem Blog und vielen Talkshows und Interviews das Mantra des billigen EEG erzählt, müsste die Diskrepanz langsam auffallen:
PROTEO SOLUTIONS: Claudia Kemfert (Kolumne): Energiewende – Wahnsinn?
Die Öko- Energien müssen als Sündenbock für unverhältnismäßige Preissteigerungen herhalten. Der Strompreis könnte schon heute stabil bleiben, wenn auch die preissenkenden Faktoren an die Stromkunden weiter gegeben werden würden.
… Es geht darum, von fossilen Energien wegzukommen und gezielt auf das Energiesparen zu setzen. Dann werden die Bürger in Deutschland auch mittelfristig nicht mehr be- sondern entlastet …
[1] … Wenn man die ältesten und ineffizientesten Braunkohlekraftwerke sofort vom Netz nähme, würde man den Überschussstrom, den wir in Deutschland haben, vermindern. Das senkt die Kosten, da Netzengpässe und System-Inflexibilitäten abnehmen. Auch die EEG-Umlage könnte sinken, weil sich der Börsenstrompreis stabilisiert. Strompreise sind aber nicht alles, wichtig ist vor allem der Energieverbrauch
… in Deutschland ist es anders. Hier zeigen Umfragen, dass die Deutschen in der Tat bereit sind, Geld für die Energiewende zu bezahlen

Lieber erzählt sie als Ökonomin jedoch, dass, wer keine Energie benötigt, mit deren steigenden Preisen auch keine Probleme hat – dies eigentlich aber unwichtig sei, da „die Deutschen“ ja gerne bereit sind, bald auch bei den Strompreisen den Europameister (aktuell steht nur noch Dänemark davor) anzustreben.
Agora, komischer Weise als Think-Tank bezeichnet, in Wirklichkeit eher ein Lobbyverein, kam vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls zu ganz anderen Schlüssen, auch solchen, welche sich bereits ein halbes Jahr später als falsch erwiesen (Siemens baut nicht nur in der konventionellen Kraftwerkssparte ab, sondern hat auch in seinem Windkraftsektor massivste Probleme [2]):
PV Magazine 30. Juni 2017: Agora Energiewende skizziert das große Bild
… Die stark gesunkenen Kosten für Photovoltaik und Windkraft hebt Graichen hervor…
„Die gute Nachricht lautet: Die notwendigen Technologien für den Schritt bis 2030 sind alle kostengünstig vorhanden.
Damit lasse sich der volkswirtschaftliche Nutzen der Energiewende maximieren und die Kosten minimieren. „Die Energiewende ist aufgrund der stark gesunkenen Kosten für erneuerbare Energien und Batterien inzwischen auch zu einem Wettbewerbsthema zwischen den Volkswirtschaften geworden“, erklärt Graichen weiter.

Die Vorhersagen der EEG-Erfolge mit immer niedrigeren Preisen zeigen sich inzwischen als das, was sie immer schon waren: Ideologischer Müll.

Das EEG als deutsche Mustervorlage zur Weltrettung darf aber nicht aufgegeben werden, deshalb …

ist jede Diskussion zu diesen Erkenntnissen obsolet.
Leider verfallen auch die Experten im Bericht der F.A.Z. danach sofort wieder in das ihnen von der Politik vorgegebene Denkmuster:
Die Wende muss gelingen, da sie zur Rettung der Welt erforderlich ist. Kosten spielen deshalb keine wirkliche Rolle. Damit der Bürger sie leichter akzeptiert, darf jedoch nichts mehr billiger erscheinen. Und dazu ist es am Einfachsten, bisher Bewährtes und Billiges so teuer zu machen, bis das wirklich Teure billig erscheint. Eine Denkweise, mit der sich Politiker schon immer anfreunden konnten.
FRANKFURTER ALLGEMEINE: … Als zentrales Steuerungselement für die Energiewende raten die Experten zu einem einheitlichen, wirksamen CO2-Preis. Dafür schlagen sie zwei Wege vor: Entweder müsse der europäische Emissionshandel neben Energie und Industrie auch auf Sektoren wie Gebäude und Verkehr ausgeweitet und mit einem Mindestpreis versehen werden, oder die Emissionen von Kohlendioxid müssten mit einer Steuer bepreist und verteuert werden. Eine nationale CO2-Steuer könnte das europäische System des Emissionshandels sinnvoll ergänzen.

Als einziges beim EEG sind die steigenden Kostenschätzungen stabil

Es ist davon auszugehen, dass unsere Politiker diesen Vorschlag annehmen und es zur erwarteten Explosion der Kosten für den Bürger kommt, der bald sein Haus, seine Heizung, sein Auto umbauen, den Strom selbst erzeugen, ihn in Flautezeiten selbst speichern und zusätzlich noch auf alles CO2-Steuern bezahlen muss.
Was natürlich noch nicht ausreicht. Denn für die, welche es nicht mehr bezahlen können, muss er es ja auch noch übernehmen. In den Jamaika-Verhandlungen forderten es die Grünen schon einmal vorsichtshalber unter dem Begriff „faire Wärme“, zum Start erst einmal nur mit läppischen 11 Milliarden EUR [3].

Frau C. Kemfert schlägt zurück

Eine Fachperson, deren einzige Reputation in der Unterstützung der Klima- und CO2-Minderungshysterie besteht, kann den Vorwurf, die Kosten nur schön zu reden, nicht auf sich sitzen lassen.
Deshalb sandte sie eine Redakteurin aus ihrem Klimaretter-Blogfundus zum Klimaaktivisten James Hansen zur Befragung. Schließlich wusste man, welche Antworten dieser liefern würde. Und wirklich, auch dieser (Klimaaktivist) ist sich sicher, dass alles nichts kostet:
KLIMARETTER.INFO, Samstag, 18. November 2017: [4] Wir haben längst den Notstand erreicht
Der bekannte US-Klimaforscher und Aktivist James Hansen sieht die Welt noch immer auf einem schlechten Weg im Kampf gegen die Erderwärmung. … Die Tragödie der gesamten Klimawandelgeschichte ist, dass die erforderlichen Maßnahmen nichts kosten würden!
Im Interview erklärt er – beziehungsweise wiederholt das bekannte Statement -, warum das so sein wird: Wenn die Energie durch CO2-Abgaben so teuer gemacht wird, dass sie keiner mehr bezahlen kann, wird man keine mehr benötigen und sofort ist alles billiger. Man erinnert sich, es ist genau die gleiche Ökonomendialektik, der auch Frau Kemfert anhängt, womit sich C. Kemfert als herausragende Energiewissenschaftlerin bestätigt (fühlt).
James Hansen: [4] Wir haben das technologische und wissenschaftliche Potenzial für die Energiewende, aber die schaffen wir nur mit einer Abgabe oder Steuer auf CO2. Das wäre der Anreiz für Ingenieure, saubere Energien zu entwickeln, und der Öffentlichkeit bietet es einen Anreiz, auf ihren CO2-Fußabdruck zu achten.
Herr Hansen ist ebenfalls davon überzeugt, dass mehr Steuerlast generell nützlich ist, weil es „beflügelt“ und die Politiker solche Zusatzeinnahmen ihren Untertanen zurückgeben.
James Hansen: [4] … Ökonomische Studien zeigen, dass es die Wirtschaft beflügelt, wenn man Öl, Gas und Kohle mit einer grenzüberschreitenden Abgabe belegt. Denn das bringt Geld ein, das die Regierung an die Allgemeinheit zurückgeben kann.

Leider ist Herr J. Hansen ein Befürworter der Atomkraft

Man muss es dem Klimaretter-Blog zugutehalten, dass er auch den zweiten Teil des Interviews voll veröffentlicht. Denn darin outet sich Herr Hansen als ein vehementer Atomkraft-Befürworter:
[4] Redakteurin: Sie befürworten Atomkraftwerke als Teil des Kampfes gegen den Klimawandel. Deutschland steigt aus der Atomenergie aus, weil eine Bewegung über mehrere Jahrzehnte vor der Gefahr durch radioaktive Verseuchung gewarnt hat.
J. Hansen: … Wenn Deutschland keine Atomkraftwerke haben will, muss es keine haben. Aber sie haben nicht das Recht, das den anderen 195 Staaten reinzuwürgen – Deutschland hat vor etwa anderthalb Jahrzehnten auf einem Klimagipfel dafür gesorgt, dass sich Atomenergie nicht als Maßnahme zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen finanzieren lässt. Sie behaupten, dass Atomenergie nicht sauber wäre.
Redakteurin: Ist sie ja auch nicht – die Gesundheitsgefahr durch radioaktive Strahlung ist doch unbestritten.
J. Hansen: … In Deutschland ist eine Quasi-Religion entstanden, die nicht auf Fakten basiert. Mehr als 10.000 Menschen sterben am Tag aufgrund der Partikel, die durch die Verbrennung von fossilen Stoffen entstehen. Die Weltgesundheitsorganisation hat mehrfach darauf hingewiesen und ihre jüngste Schätzung ist sogar noch höher. Das sind mehr als in der Geschichte der Atomenergie.
Quellen
[1] ntv: Montag, 13. November 2017: Interview mit Claudia Kemfert „Der Industriestandort ist nicht gefährdet
[2] msn Nachrichten 09.11.2017: In der Sparte Power & Gas, der die Energiewende zu schaffen macht, brach das Ergebnis von Juli bis September um 40 Prozent ein. Aber auch mit erneuerbaren Energien läuft es nicht: Der spanisch-deutsche Windanlagenbauer Siemens Gamesa schrieb sogar Verlust. Erst vor wenigen Tagen kündigte Gamesa die Streichung von 6000 Arbeitsplätzen an. In der Siemens-Kraftwerkssparte wird zudem der Abbau von mehreren tausend Stellen erwartet.
[3] TYCHIS EINBLICK 20. November 2017: FDP: Merkel hat nur grüne Forderungen erfüllt
[4] KLIMARETTER.INFO, Samstag, 18. November 2017: Wir haben längst den Notstand erreicht