Würde man ganz Hessen mit Windrädern in der in der Fotomontage (unten) illustrierten Dichte nutzen, so würde die erzeugte Strommenge nicht ausreichen, um den Flughafen Frankfurt mit ausreichend synthetischem Kerosin zu versorgen. Berücksichtigt man den Vogelschutz, benötigt man mehr als die doppelte Landesfläche bzw. hat entsprechend weniger Stromertrag in Hessen.

Von Klaus Maier

Oft ist davon die Rede, dass soundso viele Windräder soundso viele Haushalte mit Strom versorgen können. Es werden Zahlen und Diagramme gezeigt, die den Fortschritt der Energiewende positiv darstellen: So wurden beispielsweise im Jahr 2025 bereits 55 Prozent des Stroms durch erneuerbare Energien gedeckt. Viele meinen, dass die Energiewende damit bereits zur Hälfte abgeschlossen sei, doch das ist ein Trugschluss! Es fehlen nämlich die Sektoren Wärme (Gebäudeheizung, industrielle Hochtemperaturprozesse) und Verkehr, die zusammen den Hauptteil, nämlich vier Fünftel des Endenergiebedarfs, ausmachen.

Das Ziel der Dekarbonisierung ist, dass keine CO2-Emissionen mehr aus Verbrennungsprozessen mit fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas entstehen dürfen. Zunächst denkt man dabei an Gas-, Öl- und Kohlekraftwerke, doch die Sektoren Wärme und Verkehr werden, wie gesagt, gerne vergessen. Dazu gehört auch der Flugverkehr, bei dem Kerosin, ein Produkt der Erdölraffination, verbrannt wird. Entsprechend den Dekarbonisierungsbereichen Strom, Wärme und Verkehr habe ich in einer Studie die Konsequenzen von drei konkreten Fällen untersucht:

1. Großkraftwerk Mannheim (Kohleersatz durch 1.400 Windräder für Strom und Fernwärme)
2. Flughafen Frankfurt (Ersatz von fossilem Kerosin durch synthetisches Kerosin mit 7.600 Windrädern) und
3. Stahlwerk Thyssenkrupp (Ersatz von Kohle/Koks für „grünen“ Stahl mit 3.450 Windrädern).

(Anmerkung: Alle Windräder haben eine installierte Leistung von 5 Megawatt.)
In meiner Studie habe ich berechnet, wie viele Windenergie- und Solaranlagen sowie wie viel Speicherkapazität für eine vollständige Dekarbonisierung jeweils nötig wären.

Flughafen Frankfurt

Am Beispiel des Flughafens Frankfurt möchte ich den beeindruckendsten der drei Fälle herausgreifen: die Dekarbonisierung des Flugbetriebs. Doch auch die beiden anderen Fälle, die nur einen kleinen Bruchteil der deutschen Endenergie ausmachen, erfordern jeweils 5.000 bzw. 15.000 km2 dicht mit Windrädern bebautes Land.

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Kerosin kann nicht nur aus Erdöl, sondern auch CO2-frei auf Basis von Wasserstoff synthetisch hergestellt werden. Insgesamt benötigt die Herstellung von synthetischem Kerosin bei zukünftiger Prozessoptimierung 20 Megawattstunden Strom pro Tonne. Für die 4,5 Millionen Tonnen Kerosin, die der Flughafen Frankfurt jährlich benötigt, sind das 90 Terawattstunden – fast so viel, wie alle deutschen Windräder an Land im Jahr 2025 zusammen erzeugt haben.

Die Berechnungen für den Fall mit den wenigsten Windenergieanlagen ergeben 7.600 Anlagen. Photovoltaikanlagen und Speicher kommen noch hinzu, wobei ich mich hier auf die Windräder  konzentriere, da sie das Landschaftsbild prägen. Es stellt sich die Frage, was das für das Landschaftsbild bedeutet. Zahlen allein sagen wenig aus.

Das Titelfotor oben zeigt ein Panoramafoto des Frankfurter Flughafens, in das eine KI etwa 600 der benötigten 7.600 Windräder eingezeichnet hat. Aber eine Landkarte kann einen noch plakativeren Eindruck vom Ausbauumfang vermitteln. Das unten folgende Bild verdeutlicht das tatsächliche Ausmaß. Es zeigt einen dicht bebauten Ausschnitt von Mittelhessen mit etwa 2.300 der insgesamt 7.600 Windenergieanlagen der 5-Megawatt-Klasse auf einer Fläche von 7.500 km2. Die Windräder rücken dabei bis auf 1.000 Meter an die Wohnbebauung heran. Ohne Vogelschutzeinschränkungen sind so in Hessen rund 6.400 Windräder baubar. Damit benötigt – statistisch gesehen – ein Windrad gut drei Quadratkilometer von den 21.000 Quadratkilometern Hessens.

Illustration: Dipl.-Ing. Klaus Maier

 

Würde man ganz Hessen mit Windrädern dieser Dichte nutzen, so würde die erzeugte Strommenge nicht ausreichen, um den Flughafen Frankfurt mit ausreichend synthetischem Kerosin zu versorgen. Berücksichtigt man den Vogelschutz, benötigt man mehr als die doppelte Landesfläche bzw. hat entsprechend weniger Stromertrag in Hessen.

Dabei ist die Strom- und Wärmeversorgung für Haushalte und Wirtschaft in Hessen noch nicht einmal berücksichtigt. Dies entspräche rund 70.000 Gigawattstunden Endenergie bzw. weiteren 6.000 großen Windrädern – plus Photovoltaikanlagen. Auch die zusätzlich nötige Energie für den Verkehr auf Straßen, Schienen und Flüssen wäre damit noch nicht abgedeckt. Es würden also noch einmal grob 3.400 Windräder hinzukommen. Aber wohin damit, wenn Hessen wegen des synthetischen Kerosins schon zugebaut ist? Selbst durch den Import sehr teurer synthetischer Energieträger – eine oft genannte Alternative – ließe sich diese Mangelsituation nicht beheben.

Um den nötigen CO2-freien Strom zu erzeugen, müsste man andere Bundesländer um Unterstützung bitten und auch dort Landesteile mit vielen Windrädern bebauen. Diese sind in einer ähnlichen Situation und haben natürlich ihre eigenen Flächenprobleme.

Die politische Dimension

Über die exorbitanten Kosten soll an dieser Stelle nicht gesprochen werden. Solche Betrachtungen erfordern detaillierte Szenarien für ganz Deutschland, die ich in einer anderen, umfangreichen Arbeit erstellt habe. Abschließend betrachten wir den zentralen Grund, um den es bei der Dekarbonisierung geht: die Reduktion der sogenannten Weltdurchschnittstemperatur. Diese lässt sich theoretisch berechnen.

Im betrachteten Fall, bei dem eine Fläche, die größer ist als das Bundesland Hessen, mit eng platzierten 7.600 Windenergieanlagen bebaut werden müsste, würde die Temperatur – rein rechnerisch und basierend auf dem Klimasensitivitätsmodell des IPCC – um weniger als 6 Millionstel Grad Celsius fallen. Dies verdeutlicht das extreme Missverhältnis zwischen technischem Aufwand, Landschaftszerstörung und dem beabsichtigten Effekt der globalen Temperaturminderung.

Die drei Beispiele (Kraftwerk, Flughafen und Stahlerzeugung) decken zudem nur einen kleinen Teil des Energiebedarfs ab. Für ganz Deutschland wäre der Aufwand um ein Vielfaches höher. Die Frage ist: Wie viel Landschaft und Fläche sind wir zu opfern bereit – und das für einen Effekt, der sich nicht mehr messen lässt? Dieser technische und politische Offenbarungseid hat längst direkte ökonomische Konsequenzen. Da darf man nicht die Augen verschließen, sondern muss genau hinschauen.

Eine gute Projektleitung erkennt, wenn der Aufwand inakzeptabel groß wird und die angestrebten Vorteile verschwindend gering sind. In einem solchen Fall stellt sie das Projekt sofort ein. Das gehört zum Grundwissen und zu den Fähigkeiten eines qualifizierten Projektleiters. Die Bundesregierung als Projektleiterin der Energiewende ist dazu jedoch nicht willens, da alle politisch Verantwortlichen der letzten 20 Jahre eingestehen müssten, dass sie sich fundamental geirrt haben. Daher wird die Energiewende voraussichtlich weitergeführt, bis die erdrückende Faktenlage dem ein Ende setzt. Die getätigten und künftigen Ausgaben für die Energiewende haben bereits fast eine Billion erreicht und werden weitere Billionen erfordern. Diese Mittel wurden und werden sinnvollen und nötigen Investitionen entzogen. Die Folgen sind bereits jetzt deutlich sichtbar: Die Infrastruktur zerfällt, das Bildungssystem erodiert, und es findet eine Deindustrialisierung statt. Und das ist erst der Anfang. Der eingeschlagene Kurs hat mittlerweile so viel Schwungmasse, dass die schlimmen Folgen kaum noch abzuwenden sein werden.

Wenn Deutschland am Boden liegt, wird am Ende niemand die Verantwortung übernehmen wollen. Die Zeche zahlen wie immer die Steuerzahler – also wir alle. Schuld werden dann vermutlich diejenigen sein, die nicht genug mitgemacht haben – so, wie man das von den Versuchen des Sozialismus kennt.

Dipl.-Ing. Klaus Maier: Studium der Nachrichtentechnik (Elektrotechnik plus Informatik), beruflich 35 Jahre in Forschung und Entwicklung tätig, u.a. internationale Forschungsprojekte. Ab 2007 im Ruhestand. Seit 2014: mehr als 20 Studien bzw. Artikel sowie ein Buch zur Energiewende geschrieben, Gutachter zur Wasserstoffwirtschaft im Landtag, Mitorganisator der Energiewendetagung 2022 in Stuttgart

Der Beitrag erschien zuerst bei ACHGUT hier

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