Die an dem größten Sabotageakt Deutschlands – genannt Energiewende – beteiligten Politiker aller Couleur sind nicht naiv oder dumm. Sie wissen Bescheid, sie wissen genau, was sie da für einen gigantischen Schaden angerichtet haben. Jetzt geht es darum, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben.
Von Manfred Haferburg
Ich habe mehrere Tage gebraucht, um mich von meinem Schleudertrauma, dass ich mir beim Kopfschütteln zuzog, wieder einigermaßen zu erholen. Auch die Beule am Kopf, die entstand, als ich mir mit eigener Hand gegen die Stirn schlug, schwillt langsam ab. Langsam verraucht auch die Wut über die unfassbare Heuchelei und kognitive Dissonanz der einstigen Volkspartei CDU/CSU und geht in Resignation über.
Da kommt der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland im Januar des Jahres 2026 um die Ecke und fragt beim Neujahrsempfang der Wirtschaft in Halle/Saale, ob es denn „irgendwann mal wieder akzeptable Marktpreise in der Energieerzeugung“ geben würde. Er versucht, die Schuld für die immer irrer werdende Energiewende jemand anderem in die Schuhe zu schieben. In anklagendem Ton heuchelt er: „Wir machen die teuerste Energiewende der Welt. Ich kenne kein zweites Land, das es sich so schwer macht und so teuer macht wie Deutschland. Wir haben uns da etwas vorgenommen, was wir jetzt korrigieren müssen, aber wir haben eben zu wenig Energieerzeugungskapazitäten… Es war eben ein schwerer strategischer Fehler, aus der Kernenergie auszusteigen. Wenn man es schon macht, hätte man wenigstens vor drei Jahren die letzten verbleibenden Kernkraftwerke in Deutschland am Netz lassen müssen, damit man wenigstens die Stromerzeugungskapazitäten hat, wie wir es zu dem damaligen Zeitpunkt hatten.“
Diese Aussage ist an Chuzpe kaum zu übertreffen. Er schiebt die Schuld an der Energiemisere seiner Vorgängerin und der Ampel-Regierung zu, wobei er damit sogar recht hat. Er vergisst aber dabei absichtsvoll, sein eigenes diesbezügliches Versagen zu erwähnen. Da ruft ein Dieb: „Haltet den Dieb!“
Friedrich Merz rechnet mit der Vergesslichkeit der Wähler
Kann nicht irgendwer mal den Bundeskanzler daran erinnern, in welcher Partei er ist? Oder, dass er seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages ist – mit einer Unterbrechung von 2009 bis 2021. Seit 2021 sitzt er wieder im Bundestag. Oder dass er, um Kanzler zu werden, einen Koalitionsvertrag mit der SPD geschlossen hat, in welchem das Wort Kernenergie gar nicht auftaucht? Oder dass er kraft seiner Richtlinienkompetenz dem Energiewendezirkus ein Ende machen könnte?
Ein gutes halbes Jahr vor der Abschaltung der letzten drei Kernkraftwerke, genauer gesagt am 22. September 2022, brachte die AfD einen Entschließungsantrag in den Bundestag ein, der den Weiterbetrieb der damals noch laufenden Kernkraftwerke forderte. Der Antrag war ein Änderungsantrag zum Atomgesetz und enthielt folgende Kernforderungen: Stoppen der Abschaltung der drei letzten deutschen Kernkraftwerke (Isar 2, Emsland, Neckarwestheim 2) sowie Entfristung der Laufzeiten im Atomgesetz und Abschaffung der Strommengenbegrenzung.
Die vereinigten Parteien der sogenannten demokratischen Mitte, die ja bekanntlich bis in die linkeste Ecke hineinreicht, schmetterten den Antrag einstimmig ab, auch die CDU/CSU Fraktion. Auch die FDP stimmte gegen den Antrag. Ganz offensichtlich rechnet Friedrich Merz mit der Vergesslichkeit der Wähler. Sie sollen wohl auch vergessen, dass sich die Merz-Regierung im Koalitionsvertrag zur Fortsetzung der Politik der Klimaneutralität bis 2045 bekennt.
Hätte der Antrag der AfD am 22. September 2022 im Bundestag eine Mehrheit bekommen – mit den Stimmen der CDU/CSU, der FDP und der AfD, hätte es zwar knapp, aber gereicht –, würden heute in der Bundesrepublik Deutschland wahrscheinlich sechs, aber mindestens drei große Kernkraftwerksblöcke für Grundlast sorgen. Dann hätte die Kernkrafttirade des Herrn Bundeskanzler Merz wenigstens ein Minimum von Substanz und wäre nicht ganz so frech und völlig absurd. Aber die Brandmauer war der CDU/CSU und der FDP viel wichtiger als das Wohl des Volkes und der Wirtschaft.
Die CDU/CSU kann sich nicht herausreden, dass sie die Folgen des Kernenergieausstieges nicht vorher gekannt hätte. Richtig klar wurde mir das im März 2024 während eines Interviews, zu dem mich die Plattform „markt intern“ eingeladen hatte. Mir war ein Expertengespräch mit einem CDU-Energiepolitiker versprochen worden. Der Interviewer Gregor Kuntze-Kaufhold hatte dazu den Volkswirt und Bundestagsabgeordneten Dr. Klaus Wiener gewonnen, der im Ausschuss für Wirtschaft und Energie des Bundestages sitzt. Dieses Gremium ist für alle Aspekte der Energiewende und die damit verbundenen Fragen des Klimaschutzes sowie für das Thema Energieeinsparung zuständig – also der richtige Mann.
Sie wissen genau, was sie da für einen gigantischen Schaden angerichtet haben
Der Interviewer gab sich alle Mühe, dem CDU-Politiker eine Bühne für seine Ausführungen zu bieten. So kam ich die ersten 15 Minuten gar nicht zu Wort, während die feinen Unterschiede der Akzeptanz von Kernkrafttechnologien in CDU/CSU-Köpfen detailliert herausgearbeitet wurden. Es zeigte sich, dass Herr Dr. Wiener durchaus sachkundig über die Kernenergie sprechen konnte. Er wusste über den immensen Restwert der nun in Zerstörung befindlichen Kraftwerke, den er mit 140 Milliarden Euro bezifferte, die mutwillig zerstört werden. Er nannte korrekt die Grenzkosten von 2 bis 3 Eurocent pro Kilowattstunde und vertrat über den Weiterbetrieb bzw. das Wiederanfahren der Kernkraftwerke durchaus vernünftige Ansichten, die ich teilen konnte. Aber – immer dann, wenn es konkret wurde, öffnete er den Satzstanzbaukasten. Er schob die Schuld an der Zerstörung der Kraftwerke der Ampelregierung in die Schuhe und vergaß, dass es die Kanzlerin Merkel von seiner Partei war, die in einer Panikreaktion den Ausstieg eingefädelt hatte.
Es lohnt sich, dieses Gespräch unter dem Gesichtspunkt der Äußerungen von Kanzler Merz noch einmal anzusehen. Da kommt es zu einer Szene (Min. 31:40), die typisch für den Umgang von Medien und Politik mit der Kernkraft ist. Dr. Wiener behauptete, dass die CDU/CSU ja schon jahrelang für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke werbe, aber leider, leider, leider keine Mehrheit dafür zustande bringen könne. So wäre es nun mal in einer Demokratie. Ich erhob daraufhin den Einwand: „Ihre Fraktion hat im Dezember geschlossen gegen einen Antrag auf Weiterbetrieb der letzten Kernkraftwerker gestimmt, weil der Antrag von der falschen Partei kam“. Wiener schaute betreten in die linke untere Ecke: „Das ist noch einmal ein besonderes Thema.“ Der Moderator hakte sofort ein: „Das müssen wir jetzt auch nicht wirklich vertiefen…“, um dann etwas über irgendeine volkswirtschaftliche Seite herumzustottern.
Die an dem größten Sabotageakt Deutschlands – genannt Energiewende – beteiligten Politiker aller Couleur sind nicht naiv oder dumm. Sie wissen Bescheid, sie wissen genau, was sie da für einen gigantischen Schaden angerichtet haben. Es geht weder ums Klima noch um das Wohl des Volkes. Es geht nunmehr hauptsächlich darum, den eigenen Parteikopf aus der Schlinge zu ziehen und die Schuld jemand anderem in die Schuhe zu schieben. Es scheint schon sehr schlimm um die Energiewende zu stehen, wenn Kanzler Merz und die Seinen jetzt, auf Merkel und die Ampel zeigend, rufen: „Haltet den Dieb!“ Und die Bürger, was machen die? Sie wollen davon nichts hören, schnallen den Gürtel enger und wählen weiterhin die Saboteure.
Von Klaus Dieter Humpich und Manfred Haferburg und finden Sie in der Achgut-Edition das Buch:
Atomenergie – jetzt aber richtig
Das Nachwort stammt von dem Wissenschaftsphilosophen Michael Esfeld. Sie können das Buch hier in unserem Shop bestellen. Zum Inhalt des Buches: Es ist keine Frage ob, sondern lediglich wann „die dümmste Energiepolitik der Welt“ (wallstreet-Journal) – in Deutschland euphemistisch „Energiewende“ genannt – beerdigt wird. Und was dann? Überall auf der Welt werden längst wieder die Weichen für die Kernenergie gestellt, CO2-frei wie bisher, aber intelligenter, resilienter, mobiler und preiswerter als je zuvor. Die Atomenergie kann auch hierzulande der Nukleus für einen neuen Wohlstand sein, auch diese Einsicht wird sich unter der Last des Faktischen durchsetzen. Die beiden Energieexperten Manfred Haferburg und Klaus Humpich analysieren den deutschen Irrweg und zeigen Wege aus der Sackgasse. Dieses Buch ist ein Almanach der Vernunft für alle, die in Deutschland erfolgreich wirtschaftlich tätig sind und damit fortfahren wollen.
Manfred Haferburg Manfred Haferburg wurde 1948 im ostdeutschen Querfurt geboren. Er studierte an der TU Dresden Kernenergetik und machte eine Blitzkarriere im damalig größten AKW in Greifswald. Wegen des frechen Absingens von Biermannliedern sowie einiger unbedachter Äußerungen beim Karneval wurde er zum feindlich-negativen Element der DDR ernannt und verbrachte
Der Beitrag erschien zuerst bei ACHGUT hier















Wir freuen uns über Ihren Kommentar, bitten aber folgende Regeln zu beachten:
- Bitte geben Sie Ihren Namen an (Benutzerprofil) - Kommentare "von anonym" werden gelöscht.
- Vermeiden Sie Allgemeinplätze, Beleidigungen oder Fäkal- Sprache, es sei denn, dass sie in einem notwendigen Zitat enthalten oder für die Anmerkung wichtig sind. Vermeiden Sie Schmähreden, andauernde Wiederholungen und jede Form von Mißachtung von Gegnern. Auch lange Präsentationen von Amateur-Theorien bitten wir zu vermeiden.
- Bleiben Sie beim Thema des zu kommentierenden Beitrags. Gehen Sie in Diskussionen mit Bloggern anderer Meinung auf deren Argumente ein und weichen Sie nicht durch Eröffnen laufend neuer Themen aus. Beschränken Sie sich auf eine zumutbare Anzahl von Kommentaren pro Zeit. Versuchte Majorisierung unseres Kommentarblogs, wie z.B. durch extrem häufiges Posten, permanente Wiederholungen etc. (Forentrolle) wird von uns mit Sperren beantwortet.
- Sie können anderer Meinung sein, aber vermeiden Sie persönliche Angriffe.
- Drohungen werden ernst genommen und ggf. an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben.
- Spam und Werbung sind im Kommentarbereich nicht erlaubt.
Diese Richtlinien sind sehr allgemein und können nicht jede mögliche Situation abdecken. Nehmen Sie deshalb bitte nicht an, dass das EIKE Management mit Ihnen übereinstimmt oder sonst Ihre Anmerkungen gutheißt. Wir behalten uns jederzeit das Recht vor, Anmerkungen zu filtern oder zu löschen oder zu bestreiten und dies ganz allein nach unserem Gutdünken. Wenn Sie finden, dass Ihre Anmerkung unpassend gefiltert wurde, schicken Sie uns bitte eine Mail über "Über Uns->Kontakt"Liebe Frau Fröhlich,
Statistik ist schwer zu verstehen. Mit Statistik lässt sich aber auch trefflich lügen.
Sie arbeiten in Ihrer Grafik mit Absolutwerten, ohne einen Blick auf das Ganze.
Die Stromerzeugung aus Kernenergie ist nicht gesunken, sondern gewachsen. Die Erneuerbaren wachsen schneller. Es dauert eben länger, ein KKW zu bauen, als Windräder, oder Solarpaneele.
Der weltweite Stromverbrauch ist seit 2004 stark gestiegen – von rund 14.800 TWh auf über 27.000 TWh im Jahr 2022. Das bedeutet nahezu eine Verdopplung in weniger als zwei Jahrzehnten, getrieben vor allem durch Wachstum in Asien, Elektrifizierung und Digitalisierung. Und er wird massiv weiter steigen. Die IEA erwartet, dass der Stromverbrauch bis 2030 nochmals um 20–30 % steigt, vor allem durch Elektromobilität, Wärmepumpen und KI.
Die globale Stromproduktion zeigt einen starken Anstieg sowie eine Verschiebung im Energiemix:
Ein Windrad hält aber nur 20 – 25 Jahre, ein KKW dagegen 60 – 80. Weltweit sind aktuell rund 63 Kernkraftwerks‑Reaktoren im Bau. Diese Zahl stammt aus der PRIS‑Datenbank der Internationalen Atomenergie‑Organisation (IAEA), der zuverlässigsten globalen Quelle für Reaktorstatus.
Bitte missverstehen sie mich nicht. Ich habe gar nichts gegen die „Erneuerbaren“, auch wenn sie alle 20 Jahre erneuert werden müssen. Wo sie hinpassen – nur zu. Ich habe nur etwas dagegen, Energiequellen in Freund und Feind aufzuteilen.
Die Menschheit braucht jedes Bisschen Energie, das sie kriegen kann. Aber ein Industrieland allein auf dieser Basis versorgen zu wollen, ist unbezahlbar und aus technischer Sicht absurd. Strom ist weder böse, noch schmutzig – er ist das Blut in den Adern einer Volkswirtschaft, egal, woraus er gewonnen wird.
In diesem Sinne mit freundlichen Grüßen
Unterschrieben, Herr Haferburg, schön, dass Sie hier sind.
Die Vergesslichkeit der Wähler (zumindest eines Teils der Wähler) ist nach meiner Meinung längst bewiesen. Diejenigen, die bei der AfD ihr Kreuz machen (wollen), haben 1.000 Jahre vergessen.
Es kann aber auch sein, dass in den neuen Bundesländern diese 1.000 Jahre schamhaft verdrängt wurden und so die Menschen dort nie Gelegenheit hatten zu lernen, wie das damals so kam. Die konnten nichts vergessen, weil sie es nie wussten. Das sollten die schnellstens nachholen.
Das ist die dreckigste und bösartigste „Nicht-Argumentation“, die ich hier bis heute erlebt habe. Was aber auch bedeutet, daß sie nichts besseres haben, als diesen blödsinnigen Schwachsinn. Nur macht das nichts mehr. Dieses Gelaber von Nazis hat sich so dermaßen abgenutzt, daß es jetzt auf diejenigen zurückfällt, die es damit versuchen.
Tja, Herr Achatz, das ist es wohl bei einem Teil unserer Bevölkerung, wie man an Ihrem Beitrag sieht.
Es gibt inzwischen offensichtlich einen nicht unerheblichen Anteil in unserer Bevölkerung, der Lust auf noch einmal 1000 Jahre hat.
Wer soll das sein? Die M+M´s? (Merz, Merkel …)
Was genau meinen sie mit 1000 Jahre vergessen?
Sind sie da einer Propaganda aufgesessen?
Was hat denn die konservative AD mit nationalen Sozialisten zu tun?
Die Kernkraft verliert weltweit an Bedeutung in Strommix und das seit Jahrzehnten bereits.

Die Kernkraft hatte mal über 17% Anteil im Strommix, das ging zurück auf nur noch 8,96% im Jahr 2024.
Es zeichnet sich bereits jetzt ab das selbst die 8,96% vom Jahr 2024 im Jahr 2025 nicht erreicht wurden beim Atomstrom.
Die Musik spielt bei den Erneuerbaren in Stromsektor und das auch weltweit.
Träum weiter!
Frau Frölich, dass Sie immer wieder die Statistik sowie Zunahme der Jahresstromerzeugung aus Sonne und Wind bemühen, zeigt dass Sie das Thema Stromversorgung überhaupt nicht verstanden haben und erst recht nicht dass für die (garnicht nötige) Dekarbonisierung ab 2045 bei weitgehendem Ersatz der Fossilen unser Strombedarf auf etwa das 4fache steigt und saisonale Schwankungen sowie Dunkelflauten und Hellbrisen (soweit nicht alternativ etwa 300 Gaskraftwerke gebaut werden) mit etwa 140 TWh an Speichern für heute ~46 Billionen € bewältigt werden müssen. Allein diese Stromspeicher würden pro Einwohner von D etwa 550.000 € kosten.