38. Analysewoche 2026 von Rüdiger Stobbe

Es ist eine bemerkenswerte Analysewoche. Bis zum kalendarischen Herbstanfang stieg die Windstromerzeugung jeden Tag kontinuierlich an. Am Sonntag erreichte sie in der Nacht und fast nochmal am Abend (höchster Wert der Analysewoche) sogar die Strombedarfslinie. Die 38. Analysewoche des Jahres 2026 bot damit ein schönes Vorspiel zur Tag- und Nachtgleiche, die am Tag darauf die dunkle Jahreszeiten Herbst und Winter einläutete. Bereits am Montag wurde der Wochenhöchstpreis für Strom erzielt. Ab 19:00 Uhr wurden 697€/MWh fällig, weil in Deutschland kaum noch PV-Strom erzeugt wurde. Die Onshore-Windstromerzeugung kam praktisch ebenfalls zum Erliegen. Der Offshore-Windstrom riss es mit 1,5 GWh auch nicht heraus. Der Gesamtbedarf an Strom lag über 58 GWh, die Residuallast bei 56 GWh. Gut 12 GWh wurden aus dem benachbarten Ausland zum besagten Preis von 697€/GWh nach Deutschland importiert. Der Rest des benötigten Stroms wurde zu genau dem gleichen Preis in Deutschland fossil hinzu ergänzt.

Ab Mittwoch fiel der Strompreis über die Mittagsspitze und länger – zum Beispiel Sonntag von 01:00 bis 17:00 – Richtung Null-Linie und unterschritt diese manchmal ein wenig. Preisdifferenzgeschäfte waren täglich möglich und wurden vor allem von den Nordländern, aber auch zum Beispiel von der Schweiz und Frankreich getätigt.

Einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der 38. Analysewoche 2026 gibt Agora Energiewende. Die Hochrechnung im Vergleich zu den aktuellen Zahlen sieht in dieser Woche so aus.

Was ist Kraftwerks-Leistung? Was ist Energie?

Gigawatt (GW) ist eine Einheit für Leistung, also für die maximale Fähigkeit eines Kraftwerks, Strom zu erzeugen. Gigawattstunden (GWh, TWh) sind eine Einheit für Energie, also für die tatsächlich produzierte Strommenge über eine bestimmte Zeit. Die Beziehung ist einfach: Energie = Leistung × Zeit. Ein Kraftwerk mit 1 GW Leistung erzeugt bei Volllast theoretisch maximal: 1 GW × 8.760 h = 8,76 TWh pro Jahr. Wie viel elektrische Energie tatsächlich entsteht, bestimmt beim Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerk im weitesten Sinn der Mensch über die Brennstoffzufuhr und Zufuhrdauer. Die Energie für eine Stunde wird üblicher- und für den Normalbetrachter irreführenderweise mit GW bezeichnet. Die manchmal verwendete Schreibweise „GWh pro Stunde“ ist nur eine umständliche Form von GW – mathematisch kürzt sich die Stunde („h“ und „pro Stunde“) weg.

Bei Wind- und Solarkraft bestimmt nicht der Betreiber, sondern das Wetter die Strom-Produktion. Eine 5-MW-Windkraftanlage könnte theoretisch 43,8 GWh/Jahr erzeugen, liefert an Land aber realistisch in Deutschland nur etwa 20 Prozent davon (auf See 40 bis 50 Prozent), also rund 8,8 GWh/Jahr – im Mittel 1 MW-Dauerenergie. Bei Solarpaneelen mit ebenfalls 5 MW installierter Leistung halbieren sich die Werte nochmals wegen verschiedener Kapazitätsfaktoren: Nacht, Winter, flacher Sonnenstand, Bewölkung und Temperaturverluste.

Tageswerte

Jeder Tag beginnt mit dem Überblick, den Agora Energiewende zur Verfügung stellt. Die smard.de-Charts und -Tabellen ermöglichen vielfältige Analysen. Erkunden Sie das Potenzial.

Kaum Windstrom über Tag.  Die Strompreise.

Die Strom-Bedarfslinie wird regenerativ überschritten, Windstrom steigt, PV-Strom ist stark. Die Strompreise.

PV-Strom lässt stark nach, Windstrom steigt weiter. Die Strompreise.

Windstrom wird steigt weiter, PV-Strom mittel. Die Strompreise.

Freitag, 18.9.2026

Stärker werdende Windstromerzeugung gleicht schwächelnde PV-Stromerzeugung aus. Die Strompreise.

Windstrom zieht weiter an, PV-Strom erreicht Bedarfslinie wegen des bedarfsarmen Wochenendes.   Die Strompreise.

Windstrom wieder stärker, PV-Strom lässt nach. Die Strompreise.

Die bisherigen Artikel der Kolumne „Woher kommt der Strom?“ seit Beginn des Jahres 2019 mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de.

Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Ab Ausgabe 1/2026 bilden die öffentlichen Analyseseiten smard.de, Agora Energiewende und Energy-Charts die wesentliche Datengrundlage dieser Kolumne. 

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