Markus Lanz am 25. Mai 2023: wie eine Talkshow nicht sein darf

Auf den Hinweis hin, EIKE und meine Person seien in dieser Talkshow angesprochen worden, habe ich mir sie angesehen. „Angetan“ wäre die bessere Bezeichnung, denn sie war unterirdisch und das Anschauen vergeudete Zeit. Im Gegensatz zu ähnlichen Diskussions-Sendungen im deutschen Fernsehen noch vor wenigen Jahrzehnten, macht man es sich jetzt sehr einfach. Wie es funktioniert, zeigt die Talk-Show von M. Lanz am 25.5.2023 mustergültig:

  • Man lade einen Aktivisten-Klimaforscher ein, hier den Kollegen Prof. Mojib Latif, dazu eine Journalistin mit gleicher Meinungsrichtung, hier Melanie Amann und schließlich ein der Meinung aller Anwesenden widersprechendes „Opfer“, hier Steffen Kotré von der AfD. Immerhin waren es nur drei „Jäger“ gegen ein Opfer (Diskussionsleiter zu den Jägern gezählt). Oft ist in aktuellen deutschen Talkshows das Verhältnis von Opfer zu Jägern aber noch ungünstiger.
  • Bei allen drei Eingeladenen konnte sich der Diskussionsleiter darüber sicher sein, was zu erwarten war. Bei M. Latif war es besonders einfach. Latif ist für den üblichen Klima-Alarm zuständig, mit wohlbekannter Berufung auf eine nicht vorhandene überwältigende Mehrheit der Fachwissenschaft, bei der aktuell auch ein deutscher Nobelpreisträger nicht mehr fehlen darf. Über Frau M. Amann gibt das Internet Auskunft, auch hier waren keine Überraschungen zu erwarten. Ein kurzer Blick auf die berufliche Vita von Steffen Kotré stellt schließlich sicher, dass er kein fachlich ebenbürtiger Gegner von Latif war. Die Jagd konnte nicht schief gehen. Es war eine ebenso klare Angelegenheit wie in früheren Jahrhunderten für den jagenden Adel, der das ihm von unzähligen Hunden und Reitern zugetriebene Jagdwild bequem erledigte.
  • Zu all dem kommt noch die Unsitte aktueller deutscher Talk-Shows hinzu, einen ordentlichen Diskussionsstil bewusst zu vermeiden. Es wird zugelassen, dass die Rede des Opfers von den Jägern permanent durch Dazwischenquatschen unterbrochen und gestört wird. Das Umgekehrte wird dagegen nicht zugelassen. Ferner werden die Redezeiten für alle Teilnehmer in der Regel dem gewünschten Resultat angepasst.

Im Folgenden sei nur auf das Klimathema in der Talkshow eingegangen. Es war keine Diskussion, sondern ein Einkreisen und permanentes Niederknüppeln des Opfers. Natürlich hätte Herr Kotré wissen müssen, dass seine Fach-Kenntnisse für eine Diskussion mit M. Latif nicht ausreichen und die Einladung vielleicht ausschlagen sollen. Vielleicht wollte er es aber auch gar nicht. Wie dem auch sei, Mut, Ruhe und Konsequenz von Herrn Kotré nötigten mir allen Respekt ab. Im Vergleich mit den fachlichen Nullnummern einer Annalena Baerbock und anderer grüner Politiker(innen) ohne ordentlichen Berufshintergrund war S. Kotré sogar ein hochrangiger Experte. Solange es nicht um klimawissenschaftliche Details ging, schlug er sich nämlich auch fachlich gut.

Bei der „Argumentation“ von M. Latif war dagegen alles, aber auch wirklich alles, nicht nur fachlich höchst fragwürdig, sondern oft sogar schlicht falsch. Er spulte das übliche Klima-Alarmisten-Narrativ mustergültig ab – mit geschulter Ausbreitung all der inzwischen bestens bekannten Klima-Angstszenarien für staunende Laien.  Zu seinen dreistesten fachlichen Falschbehauptungen gehörte, dass die mittelalterliche Warmzeit (MWP) nur ein lokales Phänomen gewesen sei. Ob er die umfangreiche Fachliteratur nicht kannte, welche die MWP als weltweites Phänomen auf allen Erdteilen belegt? Eher unwahrscheinlich. Hier ein Überblick zur MWP mit allen Quellenangaben.

Es ist im Übrigen nicht mehr nötig, auf alle Argumente von M. Latif im Einzelnen einzugehen, weil in meinem Beitrag „Klimarealismus statt Klimanotstand“ eine fachliche Widerlegung bereits schon länger vorliegt. So gut wie alles, was M. Lativ von sich gab, ist darin wiederzufinden und wird auf Basis der Fachliteratur und oft sogar der Basis des IPCC selber widerlegt. Insbesondere wird in diesem Beitrag auch auf die Schwächen der von M. Lativ so hoch gelobten Klimamodelle eingegangen, die es freilich bis heute nicht einmal fertigbringen, die Klimavergangenheit ohne künstliche Korrekturen wiederzugeben (s. die dortige Fachliteraturquelle 46), von gemäß M. Latif in der Talkshow behaupteten Vorhersagen ganz zu schweigen.

Nichts an den fachlichen Märchenerzählungen von Herrn Latif in der Talk-Show war neu, alles mehr oder weniger ein langweiliger und bestens bekannter alter Hut. Für jemanden, der auf fachlich Interessantes gespannt war, war es eine Enttäuschung. Was ist aber schon von einem medial gehätschelten Aktivisten-Klimaforscher zu erwarten, der „nie wieder Schnee in Deutschland“ (hier) auf Grund seiner unzuverlässigen Klima-Modelle vorhersagte und trotz dieser Blamage immer noch die Chuzpe besitzt, dem Publikum mit der „Aussagekraft“ seiner Klimamodelle imponieren zu wollen.

Die Aussagen von Herrn Lanz zu meiner Person überraschten dagegen ein wenig. Sie waren durchweg falsch. In persönlichen Angriffen und Verleumdungen bin ich ja schon einiges von den deutschen Medien gewöhnt, insbesondere die ZEIT tat sich in dieser Hinsicht hervor (hier), (hier). Also jetzt auch in einer Talkshow von M. Lanz. Hier die Berichtigungen: Ich war nicht Professor für Strömungsmechanik, sondern an der HTW des Saarlandes Professor für Informatik, Operations Research und lehrte eine Zeit lang auch Physik. Zum zweiten ist die Behauptung von M. Lanz über meine angebliche Aussage falsch „wir brauchen keine Klimaforscher“. Es handelt sich dabei um eine freie Erfindung der Süddeutschen Zeitung (hier) aus dem Jahr 2010. Ich bin gegen diesen Unsinn damals nicht vorgegangen, weil dabei nichts herauskommt und es mir die benötigte Zeit nicht wert war.

Man ist versucht, Herrn Lanz zu fragen „warum nicht einmal unter dem Stichwort Horst-Joachim Lüdecke googeln (hier)“? Schließlich hat Journalismus auch etwas mit Recherche zu tun. Dann wäre Zutreffendes über meine Hochschultätigkeit dabei herausgekommen und M. Lanz hätte meine begutachteten Klimafach-Fachpublikationen (hier) zur Kenntnis nehmen können, u.a. die in Climate of the Past der European Geosciences Union oder in Scientific reports von Nature. Also ein Klimaforscher, der gemäß SZ deren Unnötigkeit betont?

Als fachlich ein wenig besser kundig als Herr S. Kotré, wäre ich gerne an seiner Stelle gewesen – weil aber M. Latif gekniffen hätte, war es eine Unmöglichkeit. „Kneifen“ ist die Strategie aller Aktivisten-Klimaforscher, wenn sie Gefahr laufen, auf einen einigermaßen gleichwertigen Gegner zu treffen. Freie Diskussion auf Augenhöhe ist in ihrer Strategie nicht vorgesehen. So beispielsweise leider auch nicht in der von Prof. Hans-Joachim Schellnhuber (den ich persönlich übrigens schätze), der vor mehreren Jahren eine Klima-Diskussionsveranstaltung in Regensburg in letzter Sekunde absagte, weil er auf der Teilnehmerliste meinen Namen entdeckte – so teilte es mir damals eine verantwortliche Person der Veranstaltung mit. Die Diskussion kam durch seine Absage nicht zustande. Was „Kneifen“ betrifft, schießt aber eindeutig Prof. Harald Lesch den Vogel ab, hier meine ausführliche EIKE-News von 2017 über die bereits skurrilen Vorgänge um H. Lesch bei seiner „Diskussionssuche mit EIKE“.

Man sollte den deutschen Talkshow-Unfug gelassen sehen. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen. Die DDR hat schließlich auch nicht ewig gehalten. Wenn man für deutsche Talkshows nicht Zwangsbeiträge zahlen müsste, könnte man sie komplett vergessen. Und wenn es denn wirklich Talk-Shows sein müssen, sollte man sie sich besser bei Servus-TV anschauen, wo noch eine ordentliche Diskussionskultur eingehalten wird.

Allmählich dämmert es der deutschen Bevölkerung, dass es sich beim Klimaschutz und der damit begründeten Energiewende nicht um die „Rettung der Welt“ vor einer nicht vorhandenen gefährlichen globalen Erwärmung geht, sondern um neue Geschäftsmodelle der großen Finanzinvestoren wie Black Rock und gelangweilter Milliardäre. Den Geldsegen von Milliardären nehmen die grün-kommunistischen Ideologen und Klimakleber dankbar an (siehe dazu „Am goldenen Faden“, Junge Freiheit vom 24. Mai 2023).

Nun beginnen „Klimaschutz“ und Energiewende nicht nur der wirtschaftlich schlechter gestellten deutschen Bevölkerung, sondern auch dem Mittelstand spürbar ans Portemonnaie zu gehen. Man darf gespannt sein, wann auch bei den lammgeduldigen Deutschen der Klimaschutz- und Energiewendespaß aufhört. Die französische Politik in Gestalt ihres Präsidenten Emmanuel Macron beginnt sich bereits in die richtige Richtung zu bewegen (hier).

Lesetipp:

Markus Lanz versus Steffen Kotré – Ein beschämender Schauprozeß

Videotipp:




Graichen – nur ein kleiner Fisch!

von Andrea Andromidas und Horst-Joachim Lüdecke

Es ist stark zu hoffen, dass der Rücktritt des Patrick Graichen nur ein Anfang ist, dass der Wirtschaftsminister ihm so schnell wie möglich folgt und dann die eigentliche Aufgabe angepackt wird: Das wirkliche Übel ist nämlich das Gebilde mit dem Namen AGORA, das schon unter Angela Merkel als regierungseigene Lobby entstanden war und nun seit zwei Jahren unter dem Dach der „Smart Energy For Europe Platform“ GmbH sein Unwesen treibt (hier).

Von den ca. 15 Millionen an finanzieller Zuwendung für AGORA kommen neuerdings noch gute 12 Millionen aus amerikanischen Stiftungen und Fonds dazu (hier, hier). Stellt sich die Frage, ob hier bestimmte Interessen einer günstigen Gelegenheit auflauern. Dazu hilft vielleicht auch ein Blick auf den AGORA-Aufsichtsrat [1].

Durch die totale Abschaltung ihrer letzten Kernkraftwerke wurde die Industrienation Deutschland tatsächlich einem Experiment ausgesetzt, auf welches die Strategen der AGORA schon lange abzielten. Das Experiment könnte die Überschrift tragen:

„Wie bringt man eine Industrienation dazu, sich selbst zu zerstören?“

In einem Strategiepapier aus dem Jahr 2017 mit dem Titel „Energiewende und Dezentralität“ beschreiben die  AGORA-Analysten detailliert, wie die „physikalischen Gegebenheiten“ sogenannter erneuerbarer Technik, sobald man sie als tragende Technik akzeptiert hat, eine entwickelte Industriewirtschaft Schritt für Schritt verändern soll. Dabei wird von AGORA ohne jedwede seriöse technisch-physikalische Basis ein riesiger Berg von ideologiegetragenen technischen Hirngespinsten propagiert, deren Versagen inzwischen allen Fachleuten bestens bekannt und sogar schon für jeden Laien erkennbar ist: Und zwar an stetig ansteigenden Energiepreisen, am gesetzlichen Zwang zu extremem Unsinn wie Wärmepumpen (Wärmepumpen sind allenfalls geeignet für Nischenanwendungen), an den vom Steuerzahler getragenen Subventionen für E-Autos, um politische Zulassungswunschzahlen zu erreichen (wobei nicht ersichtlich ist, woher der ganze Strom zu ihrem Betrieb einmal kommen soll), an der Einführung von komplett unwirtschaftlicher Wasserstoffwirtschaft, an konsequenter Verspargelung deutscher Landschaften, bis auch der letzte Vogel geschreddert und der letzte Windrad-Anrainer sein Haus aufgegeben hat – usw. usw.

All dieser Aberwitz wird bemüht, um bei gerade einmal knapp 2% weltweitem CO2-Anteil Deutschlands ein paar Hundertstel Grad Celsius weniger globaler Mitteltemperatur in ein paar Jahrzehnten zu erzielen. Über den geistigen Zustand, oder besser, den ideologischen Irrsinn von Leuten, die solches propagieren, kann sich jeder ein eigenes Bild machen. Die Agenda von AGORA bedeutet im Klartext nichts anderes, als das komplexe und empfindliche Getriebe einer hochentwickelten Industriewirtschaft mit Sand zuzuschütten, damit zu zerstören und durch ein energetisches Wolkenkuckucksheim zu ersetzen. Hier ist dies alles im Einzelnen zu studieren.

Unter dem Euphemismus „Große Transformation“ wurde seit vielen Jahrzehnten die Umwandlung einer Industrie- zu einer Energiemangel-Wirtschaft betrieben, mit all den daraus resultierenden gesellschaftszersetzenden Problemen. Wer uns dieses Schicksal ersparen will, muss sich darüber im Klaren sein, dass mit dem Rücktritt von Graichen nur ein kleiner Fisch geopfert wurde. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, das Bündnis, das die deutsche Regierung mit der AGORA-Lobby und weiteren NGO’s geschlossen hat, umgehend aufzukündigen und damit endlich wieder zu demokratischen Regeln sowie zur energiepolitischen Vernunft zurückzukehren. Ein funktionierendes Verfassungsgericht, hätte sich schon längst der Schädigung unserer parlamentarischen Demokratie durch regierungsnahe NGO’s annehmen müssen.

Quellen

[1]

AGORA – Aufsichtsrat

Vorsitzender
Dipl.-Ing R. Andreas Kraemer
Gründer und ehemaliger Direktor des Ecologic Institut, Berlin, Deutschland

Stellvertretende Vorsitzende
Rebecca Collyer
Direktorin International Clean Energy | European Climate Foundation, Den Haag, Niederlande
Hal Harvey
Geschäftsführer Energy Innovation, Mill Valley, Kalifornien, USA
Sabrina Schulz
Co-Geschäftsführerin econnext AG, Berlin, Deutschland

Mitglieder
Mbongiseni Buthelezi
Geschäftsführer Public Affairs Research Institute, Johannesburg, Südafrika
Vera Brenzel
Direktorin für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, TenneT, Brüssel, Belgien
Lars Grotewold
Leiter Bereich Klimaschutz, Stiftung Mercator, Essen, Deutschland
Murielle Gagnebin
Projektleiterin Europäisch-Französische Energiepolitik, Agora Energiewende, Berlin,
Deutschland
Carla Marie Reemtsma
Universitätsstudentin, Berlin, Deutschland
Artur Runge-Metzger
Ehemaliger Direktor DG Climate, EU-Kommission, Brüssel, Belgien
Eliot Whittington
Direktor des Centre for Policy and Industrial Transformation, Cambridge Institute for
Sustainability Leadership, Cambridge, Vereinigtes Königreich

Stand: 16.3.2023




Wer die Physik nicht kennt, tappt in die Falle! Wie Windmühlen zur politischen Falle wurden

von Andrea Andromidas, April 2021

Deutschland war ein Musterland industrieller Entwicklung. Deutschland war auch ein Beispiel dafür, dass der über Generationen erkämpfte Wohlstand in keinem Widerspruch zum Umweltschutz steht. Die Wissenschaftstradition, die das ermöglichte, geht zurück bis ins 17. Jahrhundert und länger.

Wie konnte es passieren, dass das Land von Albert Einstein und Max Planck der ganzen Welt demonstriert, dass es jeden physikalischen Verstand verloren hat? Wir schafften den Transrapid ab, wir schaffen die Kernenergie ab, die Automobilproduktion … wo soll dieser Selbstzerstörungsprozess enden? Neuerdings erheben wir selbst Anspruch auf Landmasse im Ausland, um dort „grünen Wasserstoff“ produzieren zu können. Der klinische Ausdruck für das, was die politische Klasse als „Große Transformation“ plant, muß erst noch erfunden werden, weil die Geschichte kein Beispiel für diesen gigantischen Unsinn hat.

Als Albert Einstein im Jahr 1905 seine berühmte Formel (E=mc2) veröffentlichte, verstanden die klügsten Köpfe der Welt sofort,  was das für die zukünftige Entwicklung der Energietechnik bedeuten würde. Die sich anschließenden revolutionären Entdeckungen eröffneten ein gewaltiges Potential, das über Dampfmaschine und Verbrennungsmotor weit hinausging. Die fundamentale Äquivalenz von Materie und Energie, wie sie in den Bereichen der Kernspaltung, der Kernfusion und der Materie-Antimaterie-Reaktionen zum Ausdruck gelangt, eröffnet in der Tat unbegrenzte Möglichkeiten. Jeder Industriemanager wußte früher, dass die Beherrschung immer höherer Leistungs- und Energiedichten im Produktionsbereich ein unverzichtbares Maß für die steigende Produktivität einer Volkswirtschaft und den wachsenden Lebensstandard seiner Bevölkerung ist.

Und jetzt?

Im 21. Jahrhundert erklärt man in Deutschland, dass Dampfmaschine, Verbrennungsmotor und Kernspaltung (noch dazu aus ganz verschiedenen Gründen!) zu gefährlich seien und geht zurück zu Leistungs- und Energiedichten des Mittelalters! Es soll hier nicht bezweifelt werden, dass Windmühlen in irgendwelchen abgelegenen Gegenden zeitweise vorteilhaft sein können. Auch der Nutzen einer begrenzten Anzahl von Solarpaneelen in abgelegenen Dörfern oder auf irgendwelchen Dächern kann nicht schädlich sein.

Die Politik der deutschen Energiewende jedoch verfolgt das extreme Ziel, auf die wirtschaftliche Anwendung und Beherrschung von Techniken höherer Leistungsdichten zu verzichten – und rennt damit  aus Dummheit in den Ruin.

Die Gegner der Industriepolitik haben seit  mindestens 50 Jahren auf diese physikalische Falle gesetzt. Sie scheinen – im Gegensatz zu der Mehrheit naiver Industrievertreter  und einer  naturwissenschaftlich weitgehend ungebildeten Bevölkerung – ziemlich genau zu wissen, wie man die Unwissenden Schritt für Schritt dazu bringt, sich selbst zu zerstören.

Es folgen drei Beispiele, die zeigen, wie bewußt diese Strategie eingesetzt wird:

Beispiel 1: Die „flächenfressende Energiestrategie“ der Agora

Die von finanzstarken Geldgebern getragene Institution mit dem Namen „Agora“ beschreibt freimütig, in  welche Falle das Projekt  „Energiewende“ führt. Man kann das in einem Strategiepapier aus dem Jahr 2017 mit dem Titel „ Energiewende und Dezentralität“ nachlesen. Die Autoren lassen den Leser darin wissen, daß die „physikalischen Gegebenheiten“ sogenannter erneuerbarer Technik, sobald man sie als tragende Technik akzeptiert hat, für eine entwickelte Industriewirtschaft wie Sand im Getriebe sind und zwangsläufig das ganze System verändern werden.

Der erste wesentliche Treiber ist die Physik, da der massive Ausbau von Wind- und Solaranlagen aufgrund der Physik der Wind- und Solarressourcen zu einer verteilteren Erzeugungsstruktur führt…“ ( Energy from space . Wegen der zu geringen Leistungsdichte muß der Strom auf den dafür notwendigen Flächen umständlich eingesammelt werden.)

Der zweite wesentliche Treiber ist die daraus resultierende Entwicklung der Akteursstruktur, da eine verteiltere Erzeugungsstruktur auch mit sich bringt, dass die Zahl der Stromproduzenten um ein Vielfaches steigt und bereits gestiegen ist.

Während es noch in den 1990-ern lediglich eine dreistellige Anzahl von Kraftwerken gab, die ganz Deutschland mit Strom beliefert haben, gibt es heute bereits mehr als 1,5 Millionen Stromerzeuger.

Der dritte wesentliche Treiber in Richtung Dezentralität sind technologische Entwicklungen auf der Stromnachfrageseite ( Stromspeicher, Elektromobilität, Wärmepumpen) sowie die digitale Revolution, die eine Vernetzung und Einbindung dezentraler Anlagen … ermöglichen … Diese Treiber sind weitestgehend unabhängig von politischer Regulierung und verschwinden insofern nicht mehr – sie werden vielmehr zwangsläufig dafür sorgen, dass Dezentralität dauerhaft ein neues Strukturmerkmal der Stromwirtschaft bleibt.

Mit der Transformation des von fossilen und nuklearen Energieträgern beherrschten Energiesystems hin zu einem regenerativen wird ein in vielen Dimensionen fundamentaler struktureller Wandel ausgelöst.

Diejenigen, denen die Zusammenhänge zwischen Physik und Wirtschaft nicht bekannt sind, werden jetzt naiv fragen: na und? Darüber reden doch alle, was ist daran so schlecht?

Antwort: Es ist der ungeheure wirtschaftliche Aufwand, der durch die genannten „Treiber“ zwangsläufig entstehen muß, und der mit wachsendem Ausbau der flächenfressenden, wetterabhängigen Technik zur unerträglichen Belastung und Verteuerung des gesamten wirtschaftlichen Prozesses führt. Das permanente Gerede von Effektivität dient lediglich der Täuschung, denn in Wirklichkeit wird eine über Jahrhunderte entstandene Produktivität auf diese Weise systematisch zerstört.

Wetterabhängige Technik, digitale Vernetzung, immer kleinteiligerer Strukturen und ein zunehmend chaotischer Marktmechanismus benötigen außerdem ein krebsartig anwachsendes Management, das mit dem Ausdruck „Sand im Getriebe“ nur unzureichend charakterisiert ist. Im Vergleich mit dem vorher vorhandenen, bestens organisierten Energie-System, welches wetterunabhängig für sichere, bezahlbare und umweltfreundliche Stromproduktion sorgte, ist es nicht übertrieben, diese Methode als eine Waffe gegen die Industriegesellschaft zu bezeichnen.

Der erschreckendste Aspekt wird gerade in der von CDU-Wirtschaftsminister Altmaier beschrittenen Wasserstoff-Strategie deutlich: Deutschland hat nicht genug Fläche, um den Bedarf an sogenanntem grünen Wasserstoff überhaupt zu produzieren! Sollen wir dadurch abermals zu einer Politik der territorialen Expansion getrieben werden?

Beispiel 2: 1970er Jahre – Amery Lovins & Co.

Ein fundamentaler Strukturwandel wurde seit den Anfängen des Club of Rome, also in den 70er Jahren  geplant. Es gibt dazu ein sehr lesenswertes Dokument von Dr.Penczynski (verstorben 2017) aus dem Jahr 1978, das im Auftrag der Siemens AG entstand. Das kleine Buch trägt die Überschrift: „Welche Energiestrategie können wir wählen“ und beschreibt eine Diskussion , die im Jahr 1977 am IIASA-Institut stattfand (Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg bei Wien) 2.

Daran nahmen neben Dr. Penczynski teil:  Prof. Häfele, der damalige Vizechef des IIASA, ehemals Leiter des Projekts „Schneller Brüter“ in Kalkar von 1960 bis 1972; der bekannte Dennis Meadows, Mitautor der Club of Rome- Studie „Limits to Growth“ („Grenzen des Wachstums“) und Amery Lovins, bis heute einer der  radikalsten Ökologen. Lovins gründete 1982 das Rocky Mountain Institute und spielte später auch eine Rolle beim Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Technologie. Die Diskussionsrunde wurde inszeniert, um den bereits weit fortgeschrittenen Weg zu moderner Kerntechnologie infrage zu stellen.

Das Thema lautete: Welche Energiestrategie sollen wir wählen?

  1. Den Weg der „soft“ Energie (sogenannte erneuerbare Techniken) oder
  2. Den Weg der „harten“ Energie (fossile Brennstoffe und Kerntechnik)?

Dr. Penczynski erkannte in aller Klarheit die wirkliche Absicht hinter dieser als wissenschaftlich verbrämten Debatte. Er verstand die  Absicht der Leute des Club of Rome, besonders die von Lovins, die sogenannten Erneuerbaren als politische Waffe mit dem Ziel eines Systemwechsels einzusetzen.

Dr. Penczynski schrieb: „Das Gedankengut des Soft-Energieweges entspringt dem soziopolitischen Bereich, die Einbeziehung des Energiesektors als wichtigen Teil unserer Gesellschaft soll diesen Weg des sozialen Wandels technologisch vorbereiten und gangbar machen helfen. Der Bewertungsschwerpunkt der Energietechnologien liegt deshalb bei nicht-wirtschaftlichen Faktoren. Die Stoßrichtung ist eindeutig gegen die Kernenergie als den Inbegriff einer zentralisierten Energie-,Wirtschafts-, Bevölkerungs- und Machtstruktur gerichtet …

Unter technisch-wirtschaftlichen Aspekten erscheint das Konzept des soft energy path nicht lebensfähig. Das technische Potential der Soft-Technologien ist nicht in der Lage, mit der quantitativen und qualitativen Entwicklung der Menschheit Schritt zu halten und den voraussehbaren Energiebedarf bei einer katastrophenfreien Entwicklung zu decken. Hier muß erst der von den Soft-Exponenten angestrebte tiefgreifende soziale Wandel stattfinden, so dass drastische Änderungen von Wertvorstellungen angestrebt werden. Dazu müssen der Übergang zu ländlichen Siedlungsstrukturen, starke Reduktion des Bevölkerungswachstums und Einbußen im materiellen Wohlstand von dem Großteil der Bevölkerung freiwillig akzeptiert werden.

Die Soft-Technologien sind die kapitalintensivsten aller Alternativen zu Öl und Gas. Der Soft-Pfad fordert für die Industrienationen so schnell wie möglich ein energetisches Nullwachstum“.

Wie von Dr. Penczinsky in aller Klarheit überliefert, hatten diese Leute schon damals die Gesellschaftsveränderung im Sinne der „Großen Transformation“ anvisiert und den Marsch durch die Institutionen angetreten.

Beispiel 3: Die radikalen Grünen vom DAVOS FORUM

Es ist durchaus bemerkenswert, dass in dem kürzlich erschienenen Buch „Covid 19: The Great Reset“ die systemverändernde Wirkung mittelalterlicher Energiedichte erneut ganz deutlich betont wird. Die Finanz-Oligarchie, die sich seit Neuestem in aller Öffentlichkeit als der eigentliche Initiator fanatischer Dekarbonisierung zu erkennen gibt, war seit den Gründungstagen des Club of Rome der wirkliche Nutznießer grüner Ideologie. Nicht erst seit heute bevorzugen ihre Vertreter eine Gesellschaft, in welcher eine kleine Schicht reicher Priester regiert, die Masse der Menschen aber dumm bleibt, Verzicht übt und zahlenmäßig (endlich) wieder abnimmt. Deswegen verwundert das folgende Zitat auf Seite 142 (englische Ausgabe) keineswegs:

Selbst beispiellose und drakonische Lockdowns, bei denen 1/3 der Weltbevölkerung mehr als einen Monat lang in ihren Häusern eingeschlossen war, erwiesen sich in keinster Weise als brauchbare Dekarbonisierungsstrategie, da die Weltwirtschaft dennoch weiterhin große Mengen an Kohlendioxid emittierte. Wie könnte eine solche Strategie also aussehen? Die enorme Größe und Tragweite der Herausforderung kann nur durch eine Kombination aus zwei Faktoren bewältigt werden: Erstens: Eine radikale und tiefgreifende Systemveränderung der Art und Weise, wie wir die Energie erzeugen, die wir zum Leben benötigen, und zweitens: Strukturelle Veränderungen in unserem Konsumverhalten.

Wollen wir wirklich weiterhin den Gegnern der Industriegesellschaft und unseres Wohlstandes die Zerstörung unserer Zukunft überlassen? Kehren wir lieber zurück zur Vernunft, werfen wir die von außen verpassten ideologischen Scheuklappen ab und lassen die Naturgesetze (Physik) walten! Die Zukunft gehört dem Fortschritt, d.h. neben den effektiven fossilen Brennstoffen der Kernenergie und Kernfusion!

Mehr zum Thema:

https://www.bueso.de/stoppt-gruenen-feudalismus

 https://www.bueso.de/deutschlands-rolle-beim-aufbau-weltwirtschaft

 https://www.bueso.de/raumfahrt

  • AGORA, 2012 gegründet, bezeichnet sich als Denkfabrik und ist mit den verschiedensten deutschen Institutionen verbunden. Sie wird finanziert von der Mercator Stiftung und der von internationalen Geldgebern getragenen European Climate Foundation. Die ECF finanzierte nach eigenen Angaben in der Vergangenheit auch Aktionen von BUND, KlimaAllianz, Deutsche Umwelthilfe und Campact eV. gegen konventionelle Kohlekraftwerke in Deutschland. Bezüglich des Engagements heißt es: „In der Strategie der ECF spielt Deutschland als größtes und wirtschaftlich stärkstes EU-Land eine zentrale Rolle.“
  • Peter Penczynski, „Welche Energiestrategie können wir wählen?“, 2. überarbeitete Auflage 1978; erschienen bei Siemens-Aktiengesellschaft, Abteilung Verlag



Einfluss von Ozeanzyklen auf die aktuelle Warmphase in Deutschland

von Dr. Ludger Laurenz

Zum Mitnehmen:

  • Das hohe Temperaturniveau der letzten 20 Jahre in Deutschland mit außergewöhnlich viel Sommer-Sonnenschein kann primär auf die aktuelle Warmphase der Atlantischen Multidekadischen Oszillation AMO und die Ausbreitung des „Western Hemisphere Warm Pool“ WHWP zurückgeführt werden.                                                    
  • In den nächsten 10 Jahren ist zyklusbedingt mit Sinken der Temperatur des Oberflächenwassers im Atlantik, in der Karibik und dem östlichen tropischen Pazifik zu rechnen. Dadurch werden in Deutschland Temperaturniveau und Sonnenscheindauer sehr wahrscheinlich wieder zurückgehen.
  • Seit 2008 auftretende Frühjahrstrockenheit beruht auf einer ca. 15-jährigen niederschlagsarmen Zyklusphase, die sich während des ca. 65-jährigen AMO-Zyklus regelmäßig wiederholt. In den nächsten Jahren ist allmählich mit Normalisierung der Frühjahrsniederschlagsaktivität zu rechnen.
  • Es ist verwunderlich, dass der Deutsche Wetterdienst im Klimatologischen Rückblick auf 2022 kein Wort über den Einfluss der Ozeanzyklen auf Wetter und Klima in Deutschland verliert, das hohe Temperaturniveau der letzten Jahrzehnte mit anthropogenem Einfluss begründet und politische Maßnahmen gegen den Klimawandel fordert.

Seit fünf Jahren suche ich nach natürlichen Zyklen in historischen Klimadaten. Meine Motivation beruht auf dem Misstrauen gegenüber der Behauptung, die aktuelle Warmphase sei allein oder primär anthropogen verursacht, wie in Klimatologischer Rückblick auf 2022 . Die Ergebnisse meiner bisherigen Recherche sind in einer Publikation (Solarer Einfluss auf den Regen in Europa , 2019) und mehreren Beiträgen in klimanachrichten.de dokumentiert. Die Publikation wäre ohne erhebliche Unterstützung durch Sebastian Lüning und Horst Lüdecke nie entstanden.

Immer wieder bin ich bin bei der Suche nach natürlichem Einfluss auf Wetter und Klima auf die Variation der Sonnenaktivität als Hauptverursacher gestoßen, sowohl bei der Suche mit Hilfe von google scholar als auch bei der Suche in historischen Klimadatenreihen, die im Internet reichlich verfügbar sind.

 

Methode zur Sichtbarmachung von solarem Einfluss: Übereinanderstapeln gleicher Zyklusphasen mit Zykluslängen von ca. 11, 22 und 65 Jahren

Bei der Suche nach solarem Einfluss in historischen Klimadaten hat mir die Publikation von  S. C. Chapman et al. 2021 sehr geholfen. Er hat erstmals die Startjahre der ca. 22-jährigen Hale-Zyklen der Sonne aufgrund sonnenphysikalischer Messwerte definiert und benannt. Mit Hilfe dieser Startjahre ist es eine Leichtes, solaren Einfluss in historischen Wetterdatenreihen nachzuweisen.

Ein Beispiel liefert die Niederschlagssumme der 2. Jahreshälfte der Niederlande in der folgenden Abbildung. In dieser Darstellung sind fünf gleiche ca. 22-jährige Zyklusphasen aus dem Zeitraum seit 1926 übereinandergestapelt.

 Abbildung 1: Niederschlagssumme im zweiten Halbjahr in den Niederlanden in fünf Hale-Zyklen der Sonne

 

Das Absinken der Niederschlagssumme von Zyklusjahr 7 zu 8 kann kein Zufall sein, sondern nur über den sich ca. alle 22 Jahre wiederholenden Einfluss der Sonnenaktivität auf die Erdatmosphäre erklärt werden. Der solare Einfluss ist in den anderen Beneluxstaaten und Deutschland ähnlich. Zahlreiche Nachweise von solarem Einfluss, untermauert durch Literaturhinweise, sind in klimanachrichten.de dokumentiert. Frau S. Veretenenko 2022 liefert eine plausible Erklärung für den Einfluss variierender Sonnenaktivität auf die Erdatmosphäre und Niederschläge.

 

Neues Projekt: Wie Karibik und Atlantik uns periodisch einheizen und schöne Sommer bescheren

Ist die aktuelle Warmphase in Deutschland mit 1,7 Grad höherer Temperatur gegenüber 1881 anthropogen verursacht oder das Resultat natürlicher Zyklen, oder beides? Um die Antwort auf diese Frage möglichst anschaulich darstellen zu können, wird im ersten Schritt der Temperaturtrend der Ozeanoberfläche dargestellt, die die Luft erwärmt, bevor sie mit Südwestwind nach Europa getragen wird. Dazu werden zwei Datensätze genutzt, die von der Amerikanischen Wetterbehörde NOAA bereitgestellt werden, die Atlantische Multidekadische Oszillation AMO und die Oszillation der Ausdehnung des „Western Hemisphere Warm Pool“ WHWP,  Monthly Atmospheric and Ocean Time Series . Die Gebiete, aus denen die Daten stammen, sind in der folgenden Abbildung erkennbar.

Abbildung 2: Flächenbezug von AMO und WHWP

 

Die AMO beeinflusst das Klima auf der gesamten Nordhalbkugel von der Arktis bis in die Sahelzone oder Indien s. google scholar  und Europa, s. Lüdecke et al. 2020.  Sie hat eine Periodenlänge von gut 60 Jahren. Aktuell befindet die AMO am Ende einer Warmphase. Bei der AMO handelt es sich um eine natürliche Temperaturschwankung, die schon seit mehreren Jahrhunderten nachweisbar ist. Die Schwankungsbreite der AMO mit ca. 0,5 Grad bewegt sich auch aktuell im Rahmen der natürlichen Variabilität.

Die Ausdehnung des Warmwasserpools der westlichen Hemisphäre (Western Hemisphere Warm Pool, WHWP), in dem das Wasser im Sommer wärmer als 28,5 °C ist, erstreckt sich vom östlichen tropischen Nordpazifik bis zum Golf von Mexiko und der Karibik und überschneidet sich in seiner Spitze mit dem tropischen Nordatlantik. Den WHWP habe ich einbezogen, um den zyklischen Einfluss der zweitwärmsten „Badewanne“ der Erde mit einem Sommertemperaturniveau von über 28,5 °C auf das europäische Temperaturniveau überprüfen zu können. Die Variabilität des WHWP beeinflusst die Hurricane Aktivität und das Temperaturniveau weiter Gebiete der Nordhalbkugel (Literatur).

Für das Gebiet der AMO und des WHWP wurde schon 2015 eine Schlüsselrolle für den langfristigen globalen Erwärmungstrend und die atmosphärische Zirkulation mit einer ca. 65-jährigen Variabilitätskomponente festgestellt.

Um den Einfluss von AMO und WHWP auf den Temperaturtrend möglichst anschaulich darstellen zu können, werden zunächst wie schon in dem Beispiel in Abbildung 1 Zeitabschnitte gleicher Zyklusphasen übereinandergestapelt. Als Zykluslänge für die genannten Oszillationen wird versuchsweise der Zeitraum von drei Hale-Zyklen der Sonne, entsprechend ca. 65 Jahre gewählt. Aus jüngsten Veröffentlichungen verdichten sich die Hinweise auf eine Verknüpfung zwischen dem auf der Sonne nachweisbaren ca. 60-jährigen Zyklus und den ca. 60-jährigen Zyklen wie zum Beispiel in der AMO, WHWP oder auch PDO. (Scafetta 2020,  Veretenko 2021, Olilla 2022). Der Zeitraum von ca. 65 Jahren ergibt sich, wenn jeweils drei Hale-Zyklen mit den von Chapman genannten Startjahren hintereinander gereiht werden, s. Tabelle 1.

 

Tabelle 1: Hale-Zyklen der Sonne und ca. 65-jähriger AMO-Zyklus seit 1837, in Klammern Dauer der Zyklen in Jahren. Festlegung des ersten Jahres der Hale-Zyklen in Anlehnung an S. C. Chapman et al. 2021

 

Der Trend der AMO ist in den letzten drei Zyklen stabil

Mit Hilfe der so ermittelten Phasenlänge lassen sich ca. 65-jährige Zeitabschnitte der AMO wie in der folgenden Abbildung festlegen, in denen sich der Zyklus wiederholt.

Abbildung 3: Trend der AMO seit 1870 mit Startjahren der ca. 65-jährigen AMO-Zyklen

 

Werden die drei ca. 65-jährigen Zeitabschnitte der AMO übereinandergestapelt, wird sichtbar, wie sich der Lauf der AMO von Zyklus zu Zyklus wiederholt.

Abbildung 4: Trend der AMO im ca. 65-jährigen AMO-Zyklus seit 1858

 

Die drei Zyklen folgen einem gemeinsamen Trend. Aktuell (graue Säule, 2022) befindet sich die AMO am Ende der letzten Warmphase und noch auf sehr hohem Niveau gegenüber den beiden vorlaufenden Zyklen (blau und grün). In den nächsten Jahren ist mit mehr oder wenige starkem Sinken des AMO-Index und Abkühlung des nördlichen Atlantiks zu rechnen.

 

Flächenausdehnung des WHWP variiert zyklisch und im Gleichschritt mit der AMO

Zeitgleich und deckungsgleich zur AMO schwankt die Flächenausdehnung des WHWP, s. folgende Abbildung. Hier ist der AMO-Trend aus der vorherigen Abbildung mit blau gestrichelter Linie übertragen.

Abbildung 5: Trend der WHWP seit 1950 im ca. 65-jährigen AMO-Zyklus

 

AMO und WHWP scheinen von demselben äußeren Antrieb synchronisiert zu werden. Ob tatsächlich die periodisch schwankende Sonnenaktivität die treibende Kraft ist, wird sicher in den nächsten Jahren geklärt werden können.

Während der Trend der Wassertemperatur bei der AMO in den drei Zyklen annähernd gleich ist (s. Abb. 4), unterscheidet sich die Flächenausdehnung des WHWP zwischen dem aktuellen (rot) und vorhergehenden Zyklus (grün) in der Mitte des 3. Hale-Zyklus (gelbes Rechteck) um ca. 4 Mio. km², mehr als der zehnfachen Fläche von Deutschland. Dieser Unterschied dürfte zumindest einen Teil des außergewöhnlich hohen Temperaturniveaus der letzten 20 Jahre in Deutschland erklären.

Da AMO und Oszillation des WHWP synchron verlaufen, kann nicht festgestellt werden, wer von beiden den größeren Einfluss auf das Temperaturniveau in Europa hat. Eventuelle geht von der WHWP ein bisher unterschätzter Beitrag aus. Wenn sich die Ausdehnung der „zweitwärmsten Badewanne der Erde“ in Zykluswarmphasen um mehr als das 10-fache der Fläche von Deutschland ausdehnt, ist wegen der hohen Wassertemperatur von >28,5 Grad und der enormen Energiemenge, die an die Luft abgegeben wird, ein bedeutender Anteil an der Erwärmung in Europa vorstellbar.

 

Temperaturtrend in Island eng mit der AMO und der Oszillation des WHWP verknüpft

In welchem Umfang der Temperaturtrend von Atlantik incl. der Karibik und des östlichen tropischen Pazifiks auf Europa übertragen wird, zeigt die folgende Abbildung mit dem zyklischen Temperaturtrend von Island. Wegen der Insellage im Atlantik ist in Island noch am ehesten mit einer Temperaturübertragung von der Ozeanoberfläche zu rechnen.

Abbildung 6: Trend der Temperatur im Sommerhalbjahr in Island seit 1903 im ca. 65-jährigen AMO-Zyklus

 

Auch in dieser Darstellung ist der Temperaturtrend der AMO eingefügt. Der Temperaturtrend in Island verläuft parallel zum AMO-Trend. So kann der Temperaturanstieg der letzten 30 Jahre in Island von gut einem Grad allein durch den Trend der AMO und Oszillation des WHWP erklärt werden. Das gleiche gilt für den Eisverlust in der Arktis.

 

Arktische Meereisfläche eng mit der AMO und der Oszillation des WHWP verknüpft

Der Zusammenhang zwischen arktischer Meereisfläche und AMO-Zyklus ist in unzähligen Publikationen unübersehbar belegt, s. google scholar. Die Arktischen Meereisfläche wird seit 1979 durch Satelliten gemessen. Die Antikorrelation zwischen AMO und der Meereisausdehnung wird durch die folgende Abbildung veranschaulicht. Hier werden die Septemberdaten am Ende der Schmelzsaison gewählt.

Abbildung 7: Trend der Arktischen Meereisfläche seit 1979 im ca. 65-jährigen AMO-Zyklus

 

Obwohl die Satellitendaten weniger als einen AMO-Zyklus füllen, kann am Kurvenverlauf die Antikorrelation zwischen dem AMO-Index und der arktischen Meereisfläche abgelesen werden. Je wärmer der Nordatlantik, je höher das Temperaturniveau in Island und der Arktis, umso größer der Eisverlust. Hinsichtlich der Meereisfläche befinden wir uns aktuell mitten in der Minimumphase. In den nächsten 5 bis 10 Jahren dürfte die Meereisfläche wieder zulegen.

 

Aktuelle Warmphase in Deutschland vom Trend der AMO und Oszillation des WHWP beeinflusst

Auch im Gebietsmittel von Deutschland hinterlassen die AMO und die Oszillation des WHWP im Temperaturtrend des Sommerhalbjahres tiefe Spuren, s. nächste Abbildung.

Abbildung 8: Trend der Temperatur im Sommerhalbjahr im Flächenmittel von Deutschland seit 1881 im ca. 65-jährigen AMO-Zyklus

 

Im aktuellen Zyklus (rot) verlaufen die Kurven für den Trend der Mitteltemperatur und der AMO (blau) parallel. Der gesamte Temperaturanstieg in Deutschland in den letzten 40 Jahren lässt sich auf den Einfluss der AMO und die Oszillation des WHWP zurückführen.

Aber warum koppelt sich der Temperaturtrend des aktuellen Zyklus (rot) ab der Mitte des 65-jährigen AMO-Zyklus um das Jahr 2000 herum von den vorherigen älteren Zyklen ab und steigt um ca. 1 Grad höher? Die Ursache könnte in der Oszillation des WHWP liegen. Bei dem WHWP in Abbildung 5 ist die Fläche mit > 28°C im Zeitraum 2016 bis 2021 (rote Linie im gelben Feld) ca. 4 Mio. km² größer als 65 Jahre zuvor von 1950 bis 1955 (grün). Diese Differenz könnte sich auf das Temperaturniveau in Deutschland ausgewirkt haben.

 

Erheblicher Einfluss von AMO und WHWP auf die Sonnenscheindauer in Potsdam

Auch die Sonnenscheindauer in Deutschland unterliegt dem Einfluss von AMO und WHWP, s. nächste Abbildung. Hier werden die Daten von Potsdam genutzt, weil diese bis 1893 zurückreichen, während die Daten für das Gebietsmittel von Deutschland erst seit 1951 verfügbar sind.

Abbildung 9: Trend der Jahressonnenscheindauer in Potsdam seit 1893 im ca. 65-jährigen AMO-Zyklus

 

Der Einfluss des ca. 65-jährigen AMO-Zyklus auf die Sonnenscheindauer ist unübersehbar. Der Trend der Sonnenscheindauer nimmt in den beiden Zyklen in ähnlichen Bahnen bis ins letzte Drittel des Zyklus um beachtliche ca. 200 Stunden zu. Der Trend im aktuellen Zyklus (rot) verläuft bis 2017 parallel zum vorhergehenden Zyklus (blau). Bis 2017 lässt sich der Anstieg der Sonnenscheindauer in den letzten 30 Jahren allein auf den Trend von AMO und Oszillation des WHWP zurückführen. Einen weiteren Beleg für die Verknüpfung von Atlantiktemperatur und Sonnenscheindauer in Europa liefern Andrzej A. Marsz et al. 2021.

Die regelmäßige Zunahme der Sonnenscheindauer während des AMO-Zyklus wirkt als Temperaturverstärker der AMO. Die Luft in Europa wird in Warmphasen durch die Atlantik- und Karibikoberfläche vorgewärmt und schließlich durch verlängerte Sonnenscheindauer in Deutschland weiter aufgeheizt (Laurenz 2021).

Die Ursache extrem hoher Sonnenscheindauer in den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2022 auf einen langfristigen Trend zurückzuführen und in die Zukunft zu interpolieren, lässt sich aus der Darstellung nicht ableiten. Eher dürfte die aktuelle Sonnenaktivität für diese Extremjahre verantwortlich sein  (Laurenz 2021). Abbildung 1 mit der Niederschlagssumme im zweiten Halbjahr in den Niederlanden zeigt, wie Änderungen der Sonnenaktivität den Wettercharakter von Einzeljahren bestimmen können. In Abbildung 1 stand für 2018 bei der Sonnenaktivität die Erzeugung von Dürre in den Niederlanden auf dem Programm. Parallel dazu dürfte die Sonnenaktivität in 2018 auch für die Rekordsonnenscheindauer in Potsdam verantwortlich gewesen sein (s. Abb. 9).

 

Frühjahrstrockenheit der letzten 15 Jahre in Deutschland korreliert mit ca. 65-jährigem AMO-Zyklus

Mit dem 65-jährigen Periodenzeitraum lassen sich auch noch andere Klima- und Wetterphänomene erklären. In Deutschland ist das Frühjahr seit 2008 ununterbrochen eher zu trocken, mit unterdurchschnittlicher Niederschlagssumme im April. Der April gilt als Frontmonat des Sommers. Dürre und ausgetrocknete Böden Ende April verringern die Wolken- und Niederschlagsbildung in der Folgezeit. So kann sich eine Aprildürre in eine Frühsommer- und Sommerdürre weiterentwickeln. Dass sich dieser Trend bald wieder umkehren dürfte, soll die nächste Abbildung zeigen:

Abbildung 10: Trend des April-Niederschlags in Deutschland seit 1881 im ca. 65-jähr. AMO-Zyklus

 

Der Niederschlagstrend folgt in allen drei Zyklen einem gemeinsamen Trend. In der ersten Hälfte des dritten Hale-Zyklus liegt die Niederschlagssumme in den drei Zyklen (schwarz, grün, rot) um fast 20 mm bzw. ein Drittel niedriger als in der davor oder danach liegenden Zykluszeit. In den kommenden fünf Jahren dürfte sich das Niveau der Aprilniederschlagssumme wieder normalisieren, die Gefahr von Frühsommertrockenheit in Deutschland wieder abnehmen.

 

Warum übersieht der Deutsche Wetterdienst den Einfluss der Ozeanzyklen auf die aktuelle Warmphase in Europa?

Die Verknüpfung zwischen AMO- und WHWP-Zyklen mit dem Temperaturtrend in Deutschland bzw. Europa ist in der Literatur umfangreichst beschrieben und in den Darstellungen in diesem Beitrag unübersehbar. So verwundert, dass der fast vollständig von Steuermitteln abhängige Deutsche Wetterdienst in seinem letzten Jahresbericht kein Wort über Ozeanzyklen verliert, die Erwärmung praktisch allein mit anthropogenem Einfluss begründet (Klimatologischer Rückblick auf 2022). Hier ein kleiner Ausschnitt der Zusammenfassung:

 „Seit dem Jahr 1881 haben wir nun einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur in Deutschland von 1,7 Grad. Dieser lässt sich nur durch den menschgemachten Klimawandel erklären. Seit Anfang der Siebziger Jahre hat sich dieser Erwärmungstrend deutlich beschleunigt und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich dieser in den nächsten Jahren verlangsamen wird. Wir erleben inzwischen Hitzeperioden und -intensitäten, die wir aus den Klimamodellen eigentlich erst in ein paar Jahrzehnten erwartet hätten. Dies alles muss für uns eine starke Motivation sein, den Klimaschutz in Deutschland und global bedeutend stärker voranzutreiben, denn Anpassung ist viel teurer und selbst bei uns nur begrenzt möglich.“

 




Schweizer Solarstrom-Bonanza: Ist die Schweiz noch ganz bei Sinnen?

von Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke

Eine gute Freundin der Familie des Autors hörte während ihres Schweizer Ski-Urlaubs eine Radiosendung des Schweizer Radios und Fernsehens SRF über die aktuelle „Photovoltaik-Bonanza“ in der Schweiz und schickte ihm den Link zur Sendung (hier). Beim Anhören dieses Radiobeitrags traute man seinen Ohren nicht mehr. Falls man nämlich im guten Glauben an die Solidität der Schweizer Industrie und ihrer Hochschulen meinte, dort wäre es mit der technischen und sachlichen Vernunft besser bestellt als bei uns in Deutschland, wurde man eines „Schlechteren“ belehrt.

Als „Experte“ kam in der Sendung der Schweizer Professor Jürg Rohrer zu Wort. Dieser Professor ohne(!) Promotion lehrt an der Hochschule „ZHAW Life Sciences und Facility Management Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen“ (was ist darunter eigentlich konkret zu verstehen?) und ist zu all dem auch noch gemäß seiner Hochschulwebseite (hier) Mitglied von WWF, VCS, Greenpeace, Pusch, Alpenclub (SAC), mountain wilderness, Energiestiftung (SES), SSES, und Grüne Partei. Somit entsteht die Frage, wie Herr Rohrer seine gleichzeitigen Mitgliedschaften in „Alpenclub und mountain wilderness“ mit den Mitgliedschaften bei den größten Umweltzerstörern der heutigen Zeit, nämlich den Grünen (Windräder in Deutschland, Biomais in Bayern und jetzt Photovoltaik in der Schweiz) und bei dem das Kriminelle streifenden Verein Greepeace (hier), in einer einzigen Person zu vereinen vermag.

Auf der Hochschulwebseite von Herrn Rohrer ist unter Aus- und Fortbildung „dipl. Masch. Ing. ETH, CAS Hochschuldidaktik“ zu finden, die ETH Zürich ist es glücklicherweise nicht. Dass Herr Rohrer aber als praxisgestählter Ingenieur zur Erhöhung des Schweizer BIP beigetragen hat, darf mit hoher Wahrscheinlichkeit bezweifelt werden. Böse Zungen würden ihn eher als Aktivist, hier speziell als Advokat der Photovoltaik und Professor für Geschwätz-Wissenschaft bezeichnen, der durch stramm-grüne Agitation mit einer Professur belohnt wurde. Der SRF sollte sich fragen, ob in seinem Interview nicht der berühmten Bock zum Gärtner gemacht wurde, aber vermutlich war dies von den mehrheitlich rot-grünen Journalisten ja auch gewollt.

Über den sachlichen Unsinn der Photovoltaik (PV) zum Zweck der Stromversorgung eines modernen Industrielandes ist bereits genug geschrieben worden. PV ist allenfalls sinnvoll in sonnenreichen Drittländern, in denen große Teile der Bevölkerung noch ohne Stromversorgung in Hütten leben und mit einer kostengünstigen PV-Anlage, durch ein paar Autobatterien abgepuffert, zumindest Ihr Smartphone, den Fernseher und eine Sparbeleuchtung betreiben können. Selbst im komplett energieverrückten Deutschland beträgt 2022 der Solarstromanteil etwa 11 % (hier), das sind dann nur 1,8 % Anteil an der deutschen Primärenergie, weil der Stromanteil an der deutschen Primärenergie grob 16 % ausmacht.

Am besten ist der reale Stellenwert der PV aus folgender Grafik abzulesen, in welcher der Erntefaktor ERoEI als das „Verhältnis der gesamten während der Lebenszeit einer Methode zur Stromerzeugung erzeugten elektrischen Energie zu derjenigen Energie, die für ihren Betrieb selber aufgewendet werden musste“ gezeigt wird. Die Stromerzeugungsverfahren sind dabei Sonne, Energiemais, Wind, Gas, Kohle, Wasser und Kernkraft. Das „Trio fatal“ Sonne, Wind und Energiemais erfüllt nicht einmal die Minimalforderungen der OECD-Länder! Man beachte, dass nur ein deutliches ERoEI > 7 Stromgewinnung gemäß der ökonomischen Schwelle von OECD-Ländern sinnvoll macht.

 

Erntefaktoren für Methoden der Stromerzeugung, gepuffert, d.h. der Fluktuationsausgleich von Sonne und Wind ist berücksichtigt. Sonne, Energiemais (Biomasse) und Wind liegen unter der ökonomischen Schwelle von OECD-Ländern. Das Bild entspricht Fig. 2 der begutachteten Original-Studie des renommierten Wissenschaftsverlags Elsevier (hier) und wird im Buch „H.-J. Lüdecke, Klima und Energie, expert-Verlag, 4. Auflage“ gezeigt. Für Sonne beträgt der ERoEI Wert 2,4.

In der SRF-Sendung über die „Photovoltaik-Bonanza“ kamen nur Befürworter der PV, aber keine Kritiker zu Wort. Den Befürwortern ging es überdeutlich nur um die „Kohle“, man vermeinte geradezu in ihren Augen den soliden Schweizer Franken blitzen zu sehen, wenn sie ständig von Bundeszuschüssen redeten. Kein Wort war dagegen zu hören über die extrem geringe Energiedichte von Sonneneinstrahlung, die in unseren Breite nur extrem mickrige 10-15 W/m2 gemittelter Jahresleistung von Solarpanelen ermöglicht (hier), ebenfalls kein Wort über die Probleme mit der Stabilität des Stromnetzes, wenn immer mehr Wind- und Sonnen-Flatterstrom ins Netz gedrückt wird (mindestens 30 – 40% Grundlastkraftwerke mit Gas, Kohle, Öl, Uran inkl. der starken Schweizer Wasserkraft sind nötig, bei weniger gesicherter Grundlast ist Netz-Stabilität nur noch mit Stromzuteilungswirtschaft möglich – Wäsche waschen nur noch, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht usw.) und schlussendlich kein Wort über den irrsinnigen Verbrauch von Anschlusskabeln für PV in alpinen Höhenlagen der Schweiz. Wo soll das ganze Kupfer für die Kabel herkommen und wer soll das alles bezahlen? Pardon, liebe Leserinnen und Leser, die Bundeszuschüsse bezahlen es natürlich.

Das Einzige, was bei allen Aussagen in der Sendung überhaupt stimmte, war die etwas größere Leistung von Solarzellen bei Kälte in Wintermonaten, wobei der korrekte Umkehrschluss, nämlich das Absacken der Solarpanelen-Leistung bei großer Wärme in heißen Sommermonaten, verschwiegen wurde. Die Gegenaussage zu  „größere PV-Leistung in Kälte“ wurde dann von unserem professoralen Experten in der SRF-Radiosendung salopp unter den Teppich gekehrt: dass nämlich die Sonnenscheindauer von zum Beispiel Bayern in den 6 wärmeren Monaten April-September etwa das 2,5-fache der 6 kälteren Monate beträgt (DWD), in der Schweiz dürfte das Verhältnis ähnlich sein. Wie soll man die in einer Schweizer Radiosendung fast schon unglaubliche Anhäufung von Falschaussagen und Verschweigen von bekannten technischen Zusammenhängen eigentlich bezeichnen, ohne jede Höflichkeit abzulegen?

Beim Thema „Kälte bzw. Hitze“ von Solarpanelen kann sich der Autor nicht einer interessanten persönlichen Anekdote enthalten: Als Experte und vor etwa 2 Jahrzehnten erhielt er eine seltsame telefonische Anfrage von einem Ing.-Büro, welches nach einigem Zögern damit herausrückte, dass es Solarstrom in der Sahara im Auge hatte. Diesen Leuten war immerhin bekannt, dass die Solarzellenleistung bei starker Erhitzung extrem einbricht, und sie wollten einfach einmal eine fachliche Einschätzung zu einer angedachten Wasserkühlung der Solarzellen hören. Das Telefonat wurde nicht sehr lang, als den netten Kollegen klar gemacht wurde, dass das Wasser (woher inder Wüste nehmen?) erst einmal unter Energieverlusten mit dem ohnehin spärlichen PV-Strom zu kühlen sei, zudem auch noch die Aufrechterhaltung der Zirkulation des Kühlwassers energieverbrauchend ist und diese Idee daher wohl eher zur Kategorie „Schnaps“ zählt.

Als Fazit darf man die Schweiz inzwischen aus der Liste der Länder mit einer technisch und umweltgemäß vernünftigen Energiepolitik streichen. Der einzige noch verbliebene Rettungsanker dieses ehemals freien Landes sind die Volksabstimmungen, und man versteht nun, dass Volksabstimmungen in Deutschland politisch gefürchtet sind wie der Teufel in der heiligen Messe. Das Selbstbewusstsein und der Mut der Schweizer in Zeiten, als sie sich gegen einen übergriffigen burgundischen Herzog in zwei extrem blutigen Schlachten von Murten und Grandson ihre Freiheit zurückeroberten, sind lange vorbei. Heute ist es offenbar Beschlusslage, dass in den Schweizer Freiflächen in großem Stil völlig unsinnige Solaranlagen installiert werden sollen. Aber auch die Schweizer Anbiederung an die grüne EU lässt nichts Gutes für die Freiheit dieses Landes erwarten. Die Titelfrage dieses Beitrags ist daher nicht ganz unangebracht.