Im Netzwerk der „Klima-Leugner“

von Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke

Das Internet ist immer für Überraschungen gut. Insbesondere, wenn Video-Ersteller meinen, sich des Vereins EIKE „kritisch“ annehmen zu müssen. Zu den fragwürdigen und meist urkomischen Produkten dieser Art ist nun jüngst ein Video mit der Bezeichnung „Exposed: Das Netzwerk der Klima-Leugner hinzugekommen. Dieses Video können wir wegen seiner unfreiwilligen Komik, aber auch anerkennungswerten technischen Qualitäten nicht übergehen. Robert Grünfeld hat dies bereits in einer ersten EIKE-News unternommen (hier). Dieser Beitrag ist eine Ergänzung von Roberts EIKE-News.

Es ist sinnlos, sich mit Erstellern von Videos vernünftig auseinanderzusetzen, wenn diese etwas ganz anderes als Vernunft im Schilde führen. Wohl nicht ganz zufällig nennt das Video keine Autoren. In diesem Beitrag sollen deswegen auch nur die Zuschauer des Videos angesprochen werden, die danach vielleicht interessiert-kritisch einen Blick auf unsere EIKE-Seite werfen und unsere Faktenbetonung kennenlernen. Sogar spätere EIKE-Mitglieder, vor allem aber Leser unserer Webseite, wurden nicht selten auf ähnliche Weise auf uns aufmerksam. Dies ist auch der Grund, warum wir jede Art von Kritik an EIKE schätzen – je unterirdischer sie ist, um so besser. Wir vertrauen nämlich dem bewährten Effekt, dass ein vernünftiger und interessierter Zeitgenosse selber beurteilen kann, was er so liest oder sich anschaut, sich bei Interesse näher informiert, kurz, ganz anders reagiert, als es sich manche Video-Macher vorstellen.

Um dem interessierten Leser den „Genuss“ des Videos fachlich zu erleichtern, geht es in dieser News um die gröbsten Unrichtigkeiten, die wir, im Gegensatz zum Ton des Videos, freundlich und gutgelaunt berichtigen werden.

Erster Abschnitt des Videos

Das auch im Video zu hörende „Klimaleugner“ ist ein Nonsense-Begriff. Die Existenz realer Dinge wie auch „Klima“ kann man nicht leugnen. Etwas tiefer geht das Wording „Leugnen eines Konsens der Klimawissenschaft“. Ist leider auch falsch. Es gibt keinen Konsens in der Wissenschaft! Man erkennt dies bereits daran, dass Nobelpreise nur Wissenschaftler bekommen, die sich vom Mainstream abgewendet und interessantes Neuland betreten haben. Man wird als Wissenschaftler auch nur sehr schwer eine Fachveröffentlichung in einer renommierten Fachzeitschrift unterbringen, die inhaltlich lediglich einen bekannten Konsens wiederkaut.

Was haben also die fragwürdigen Unterstellungen des Videos mit EIKE zu tun? Hierzu folgende kleine Berichtigungen und Klärungen:

EIKE gibt selbstverständlich auch der Annahme Raum, dass der Mensch einen Teil zur jüngsten globalen Erwärmung beigetragen hat. Dieser Teil ist allerdings zu klein, um messbar und infolgedessen schädlich zu sein. Kein Klimawissenschaftler kann bis heute das Gegenteil beweiskräftig belegen. Der vermutete Grund der jüngsten globalen Erwärmung durch anthropogenes CO2, nämlich genau dieses Spurengas CO2, ist sogar nützlich. Man denke an den vermehrten Pflanzenwuchs (insbesondere von Nahrungspflanzen) durch mehr CO2 in der Luft (hier), und das ist nun definitiv keine Annahme, sondern durch unzählige Messungen belegt.

EIKE empfiehlt eindringlich, die IPCC-Sachstandsberichte zu lesen, die alle mit AR anfangen – „Assessment Reports“. In den AR-Reports findet sich kein schlüssiger Beweis, dass die globale Erwärmung der letzten 150 Jahre maßgebend vom Menschen verursacht wurde. Wäre auch erstaunlich, denn was verursachte dann die vielen stärkeren Erderwärmungen und Abkühlungen vor der Industrialisierung?

„Klima“ ist lokal, es gibt zahlreiche Klimazonen von tropisch bis polar und bedeutet nicht nur Temperatur, sondern auch Regen, Luftdruck, Windstärke, Vorkommenshäufigkeit von Tornados usw.  und dies auch noch als statistischer Mittelwert über mindestens 30 Jahre. So definiert es die Weltmeteorologieorganisation WMO. EIKE ist der begründeten Auffassung, dass der Mensch nicht für eine maßgebende Änderung dieses statistischen Mittelwerts in irgendeiner Klimazone verantwortlich ist. Die Natur hatte schon früher, als es noch gar kein menschgemachtes CO2 gab, ganz andere Eier an Klimakatastrophen der Menschheit ins Nest gelegt.

Eine maßgebende Veränderung in Häufigkeit und Stärke von Stürmen, Überschwemmungen, Dürren seit 1950 über jeweils mindestens jeweils 30 Jahre, also in Klimazeiträumen, konnten weder der IPCC-AR5 von 2014/2015, noch der jüngste IPCC-AR6 von 2021 auffinden. EIKE erkennt die riesige und oft gute Arbeit des IPCC an, leider aber ist bei dieser Institution beileibe nicht alles gut. Was nicht in Ordnung ist, sind keine Kleinigkeiten, sondern eine längere Geschichte, die in unseren zahlreichen EIKE-News detailliert nachzulesen, in der EIKE-Klimaschau-Serie anzuschauen und inzwischen auch in Sachbüchern wie (hier), (hier) nachzulesen ist.

 Hauptteil des Videos

Gelungen ist den Video-Machern die „Spinnengrafik“ mit EIKE im Zentrum des Netzes sowie der köstlichen Satz „und hinter EIKE verbergen sich mächtige Institutionen“ (Video Originalton). Wirklich super, liebe Video-Macher, dass Ihr dies nun endlich gemerkt habt: EIKE die allmächtige Spinne im Netz riesiger Organisationen! Ist aber nun EIKE der Kellner von ExxonMobil, Koch-Brüder, CFAKT, FDP, CDU, AfD …, oder gar umgekehrt der Chefkoch? Hätte man gerne gewusst, das Video sagt’s leider nicht. Chef-Koch würde uns natürlich besser gefallen. Nur in Sachen AfD ist es für’s Video ausgemachte Sache: EIKE ist der Chefkoch des Kellners AfD in Sachen Klima und Energie. Und sogar Friedrich Merz von der Union sei durch eine „EIKE-Strategieänderung“ (Video-Originalton) zum Kellner degradiert worden. Darauf sind wir ganz besonders stolz. Wird freilich Herrn Friedrich Merz nicht gefallen. Wir freuen uns über jeden weiteren prominenten Unterstützer, auch wenn F. Merz sich andauernd entschuldigt, rechts zu sein. Es wird höchste Zeit für die CDU-Führung, sich für überhaupt nichts mehr zu entschuldigen, ehrlich für Rechts einzutreten und Links zu zeigen, wo der Bartel den Most holt (süddeutsche Redewendung). Wäre etwas interessantere Demokratie als heute.

Vom Video leider danebengegriffen ist das „vermeintlich“, welches den Fachexperten von EIKE angeheftet wird, die in zahlreiche Parlamentsanhörungen eingeladen wurden. „Vermeintlich“ oder nicht entscheiden zuerst einmal die einladenden Parlamentarier, nicht irgend ein Video. Wie entscheidet aber die Fachwelt? Ganz einfach: International fachlich anerkannt ist ein Experte, der seine Forschungsarbeiten in international renommierten Klima-Fachjournalen veröffentlicht – steht im Kurs sogar höher als eine Dissertation. Dass solche Veröffentlichungen fachlich interessant und in Ordnung oder aber umgekehrt Schrott sind, entscheiden anonyme Reviewer – das sind nautral urteilende Forscher des betreffenden Fachs mit internationalem Renommee. Sie machen fast immer auch verpflichtende Verbesserungsvorschläge für den eingereichten Text, falls dieser weitgehend in Ordnung ist. Das Ganze nennt sich „Peer Review“ oder „begutachtet“ und beurteilt ausschließlich die fachliche Qualität einer eingereichten Forschungsarbeit.

Klickt man nun auf „Publikationen“ der EIKE-Seite, sind alle wissenschaftlichen Publikationen von EIKE-Mitgliedern aufgelistet, die in begutachteten Fachjournalen erschienen sind. Die besten Journale dabei waren bisher: Polarforschung (Alfred Wegener Institut Bremerhaven); Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics (Elsevier); Climate of the past (European Geosciences Union); Frontiers in Earth Science (Frontiers); Journal of Hydrology: Regional Studies (Elsevier), und – auf der Pole-Position – Scientific Reports (Nature). Auf Grund ihrer Veröffentlichungen in diesen Journalen werden inzwischen zwei EIKE-Autoren als regelmäßige Reviewer eingeladen – unentgeltlich, weil Review eine wissenschaftliche Ehre, Verpflichtung und leider auch viel Arbeit ist. Eine Fachstudie von EIKE-Autoren wurde übrigens im IPCC-AR6 zitiert. Das zum „vermeintlich“ im Video.

Das Video hat ersichtlich etwas gegen die AfD. Ist kaum verständlich, denn einen bestimmten Prozentsatz an „schrägen Vögeln“ hat jede politische Partei. Bei den Grünen sind es Mitglieder, aktuell sogar Minister(innen), die „mit Deutschland nichts anfangen können“ oder sogar „zum Kotzen finden“ und dabei gleichzeitig – man entschuldige die Polemik – auch noch als fachliche Vollpfosten gelten. Bei der AfD sind‘s dagegen ewig Gestrige, die ihre Klappe nicht halten können.  Die „schrägen Vögel“ im restlichen politischen Parteienspektrum sind um keinen Deut besser als diese Beispiele. Nicht verschwiegen werden soll dagegen, dass die AfD als Alleinstellungsmerkmal die größte Anzahl und Qualität an echten Fachleuten aufweist. Diese hatten sich im Beruf bewährt und wissen, was in Wirtschaft und Industrie vor sich geht. Das ist hier nicht als politische Werbung zu sehen, sondern schlichte Tasache.

Mit „schrägen Vögeln“ in politischen Parteien muss eine resiliente Demokratie fertig werden. Und dies macht der Wähler, nicht ein undemokratischer Verfassungsschutz, den es in keiner anderen Demokratie weltweit gibt und der inzwischen selber eine eigene Beobachtung dringend nötig hätte. In jeder ordentlichen Demokratie reicht übrigens das Spektrum von Links über Mitte nach Rechts. Ohne AfD – programmatisch deckungsgleich mit der früheren CDU/CSU, die Älteren werden sich noch erinnern – wären im heutigen Deutschland die rechten Sitzbänke und ein Teil der Mitte-Bänke in den Parlamenten leer, also nur noch Links und linke Mitte? Das ist dann wohl keine Demokratie mehr.

Dass sich aktuell nur die AfD die von EIKE vertretende wissenschaftliche Beurteilung über „Klimaschutz“ und „Energiewende“ zu Eigen gemacht hat, freut und bestätigt EIKE in fachlicher Hinsicht. Es begünstigt zudem den dringend notwendigen demokratischen Wettstreit aller parlamentarisch vertretenen Parteien um die besten volkswirtschaftlichen Lösungen, den es aktuell wegen undemokratischer Ausgrenzungsaktionen nicht gibt.  Hoffentlich wachen allmählich auch andere Parteien als die AfD aus ihrem Klima- und Energiewende-Koma auf,  bevor es für unser Land zu spät ist. Wenn politische Parteien nur noch Führungspersonal aufweisen, das mehrheitlich ohne abgeschlossene Berufsausbildung und spätere ernsthafte Arbeit in der Wirtschaft, also ohne jedwede Kenntnis und Berührung mit dem realen Erwerbsleben allein Politik als Hauptberuf vorweist, entstehen  genau die Katastrophen, die wir aktuell erleben. Anmerkung: EIKE ist übrigens gemäß Vereinssatzung parteilos, seine Mitglieder bilden so gut wie alle Parteien ab.

Zum Soziologen des Videos, Prof. Dr. Matthias Quent: Böse Zungen würden ihn angesichts seiner sachlich abstrusen Behauptungen als Geschwätzwissenschafts-Professor bezeichnen. Seine Aussage „Parteien rechtsaußen stellen den Klimawandel besonders intensiv in Frage“ (Video-Originalton) ist ein Musterbeispiel dafür. Niemand stellt den Klimawandel in Frage, denn fortwährenden Klimawandel gibt es seit Bestehen der Erde, Klimastillstand in irgendeiner Klimazone der Erde ist unbekannt. Bei Primitivaussagen wie „Klimawandel leugnen“ kommen Zweifel auf, wie manche Leute zu einer Professur gelangten.

In der Folge des Videos geht es um die Finanzierung von EIKE und von den mit EIKE befreundeten Organisationen. Nur vermutete Verbindungen von Institutionen sind im Video gezeigt, nichts dagegen über die Finanzierung selbst. Leider miserabel recherchiert! Warum habt Ihr Euch, liebe Video-Macher, nicht an uns gewandt, um unsere mit Porsche- und großen BMW‘s vollgestellten Garagen vor unseren Prunkvillen (alles sebstverständlich aus Geld der Erdölindustrie) abzulichten  und dann zu veröffentlichen? Ihr hättet offene Türen eingerannt.

Und warum der klagende Ton beim Thema Finanzierung? Sogar am Rande der Kriminalität agierende NGO’s wie Greenpeace leben von Finanzierungen aus Quellen, die bemerkenswerterweise indirekt beim deutschen Staat beginnen und bis hin zu Banken und fragwürdigen Milliardären reichen (hier, hier, hier). Oder man schaue sich nur einmal die Finanzierung des PIK an. Aktuell sind es 12,6 Mio. Euro aus der Leibnitz-Gemeinschaft und 19,2 Mio. Euro Drittmittel für Forschungsprojekte. Aus früheren Jahren erinnert sich noch der Autor, dass die Spender des PIK stolz auf der PIK-Webseite veröffentlicht wurden, da waren sogar Kirchenorganisationen dabei, also das Geld von Gläubigen. Ob die davon wussten? Heute darf man raten, wer sich alles hinter den „Drittmitteln“ verbirgt. Aber die Gegenseite darf darf natürlich keine Geldquellen haben. Ist nicht besonders ausgewogen, oder meint Ihr nicht, liebe Video-Macher?

Dritter Teil des Videos

In ihm breitet das Video eine steile Verschwörungstheorie aus, die daraus hinausläuft, dass EIKE ausgerechnet das Konzept des Dual Fluid Reaktors (DFR) benutzt, um damit sozusagen die  Erneuerbaren abzuwürgen und auszustechen. Abstrusität und Unterhaltungswert dieser „EIKE-Verschwörung“ sind kaum zu überbieten.  Tatsächlich argumentiert EIKE – ganz ohne DFR – wie folgt:

  1. „Klimaschutz“ ist eine ideologisch-religiöse Bewegung. Die daraus hergeleiteten Maßnahmen wie CO2-Vermeidung sind derart teuer, dass sie ganze Volkswirtschaften ruinieren. Ihre gewünschten Auswirkungen – Veränderung irgendeines Klimas in irgendeiner Klimazone der Erde – gibt es nicht.
  2. „Sogenannte erneuerbare Energien haben prinzipiell unbehebbare Nachteile: Sie sind zu teuer, zu  platz-/materialfressend, extrem umweltschädigend, wetterabhängig, nicht grundlastfähig und insbesondere für eine dicht besiedelte moderne Industrienation völlig ungeeignet“ (hier).
  3. EIKE setzt sich für eine Energieversorgung ein, wie sie vor dem verbrecherischen verhängnisvollen „Great Reset“ (hier, hier) erfolgreich existierte, nämlich einen Mix aus Kohle, Gas und Uran. „Erneuerbare“ sind willkommen, aber nur dann, wenn sie ohne staatliche Subventionen Strom bedarfsgerecht und ohne Naturzerstörungen liefern.

Die Folgen des Ukrainekriegs werfen auf die unlösbaren Probleme der „Erneuerbaren“ bereits ein so helles Licht, dass es jeder mit klarem, nicht von Klima-Weltrettung geschädigtem Verstand von selbst sieht: EIKE liegt mit seinen Bemühungen sachlich richtig! „Erneuerbare“ mit ihren minimalen Leistungsdichten – oder anders ausgedrückt zu dünnen Energien – und ihrem wetterabhängigem Flatterstrom (Energiemais hier ausgenommen) sind nichts anderes als der Weg zurück ins energetische Mittelalter. Wenn zufällig der kommende Winter wieder mal einer mit -15 °C über Wochen wird, ohne ausreichend Gas und Strom, wird auch dem Letzten klar, was energetisches Mittelalter bedeutet. Der das Hauptsteueraufkommen tragende Mittelstand ist dann sowieso weg. Wir können nur noch hoffen, dass uns dieser Worst-Case erspart bleibt.

Die von EIKE propagierte Lösung von Kohle, Gas und Uran entspricht dem, was die in Sachen Energieversorgung wesentlich klügere Welt der Chinesen, Inder, Afrikaner, Russen und Südamerikaner tatsächlich macht, immerhin die weite Mehrheit der Erdbevölkerung. Im Gegensatz zu den Deutschen haben sie das Rechnen in Sachen Energieversorgung noch nicht verlernt.  Erst nach frühestens 100 bis 150 Jahren wird dieser Energiemix nur noch aus Kernkraftwerken der Generation IV bestehen. Die Generation IV – Kernkraftwerkstypen weisen infolge ihrer Brutoption Brennstoffreichweiten von hunderten Millionen Jahren auf und weisen so gut wie keinen radioaktiven Abfall mehr auf. Das Verbrennen von fossilen Stoffen geht mit dieser Entwicklung zu Ende. Die Kernfusion ist nach fachlicher Einschätzung des Autors leider kein Weg, der zu einer wirtschaftlichen Lösung führt.

Der vom Video so negativ und etwas gehässig gezeichnete Dual Fluid Reaktor ist ein vielversprechendes und schon sehr weit theoretisch ausgearbeitetes Generation IV – Projekt, das genug aussichtsreich erscheint, um ihm intensiv Forschung und Entwicklung zu widmen. Mehr vertritt EIKE nicht! Falls realisierbar, vergehen ohnehin noch Jahrzehnte, bis konkret Strom aus ihm ins Netz fließen könnte. Andere Typen von Generation IV-Reaktoren, hier die russischen BN-Reaktoren, sind dagegen bereits Realität in Form von seit Jahrzehnten erfolgreich laufenden Pilotanlagen, die schon Strom ins Netz speisen (hier).  Nach Auffassung des Autors sollten im Übrigen wesentliche Anteile der unverhältnismäßig hohen Mittel zur Fusionsforschung besser in die Erforschung von Kernkraftwerkstypen der Generation IV geleitet werden.

Endteil des Videos

Gegen Ende des Videos werden zur Lösung der Energiekrise intelligente Stromnetze, Sektorkoppelung und Wasserstoffkraftwerke angepriesen. Hier die Fakten, wobei intelligente Stromnetze weggelassen werden, denn sie erzeugen keinen Strom, sondernd können ihn allenfalls besser und intelligenter verteilen.

  • Sektorkoppelung: die Video-Macher wissen offenbar nicht, was damit gemeint ist. Sie bedeutet, dass man allen Energieverbrauch Deutschlands, also alle Energieverbrauchs-Sektoren und nicht nur die bisherigen elektrischen Verbraucher, vollständig an die Stromerzeugung koppelt. Zur Zeit werden nur 5% – 6% des Gesamtenergieverbrauchs von Deutschland aus Wind und Sonne gedeckt. Weil Strom 1/6 des Energie-Gesamtverbrauchs ausmacht, tragen Wind und Sonne etwa 30% zur Stromversorgung bei – nur im statistischen Mittel, denn bei Dunkelflaute läuft gar nichts mehr. Man kann dann leicht abschätzen, wie viele neue Windräder und Solarpanelen nötig werden, um alle Energie Deutschlands aus diesen beiden Quellen, im Mittel und daher leider nicht zu jeder erforderlichen Zeit, zu erzeugen. Deutschland wäre dann unbewohnbar. Die viele Zehntausende benötigter Handwerker für diese Aktion gibt es auch nicht. Und bei Dunkelflaute fehlt immer noch Strom.
  • H2-Kraftwerke: H2 muss erst einmal erzeugt werden, das kann man nicht wie Erdgas irgendwo aus dem Boden herausausholen. Bei Erzeugung, Transport und Lagerung gehen bis zu 80% der aufgewendeten Energie verloren. H2 diffundiert durch so gut wie alle Wände von Rohren und Behältern, denn es ist das kleinste Molekül überhaupt. H2 kann nur unter höchstem Druck gelagert werden, es hat eine viel zu kleine Energiedichte usw. usw. Wenn man von „technologischen Luftschlössern“ redet, so ist Wasserstoff als Gasersatz das Musterbeispiel des technologischen Luftschlosses schlechthin. Die einschlägige Industrie wünscht natürlich eine H2-Wirtschaft, weil sie davon profitiert.

Eigentlich müsste es inzwischen jeder Zeitgenosse mit klarem Verstand begriffen haben: Wind und Sonne wurden seit vielen Jahren mit Subventionen überschüttet, mit Vorzugseinspeisung wurde ihnen der Weg geebnet und mit aller Macht vorangetrieben. Es hat dennoch nichts genützt, die aktuelle Energiekrise ist der Beweis. Heute sind in Deutschland mehr als 30.000 Windräder installiert, welche unsere Landschaften verunstalten, Anrainer mit Infraschall gesundheitlich schädigen und Flugtiere töten, insbesondere auch die so wichtigen Insekten und dennoch auch bei beliebig vielen weiteren Anlagen keine Grundversorgung leisten können. Wind und Sonne erzeugen nur ca. 5% der deutschen Gesamtenergie und das nur in Form von wetterabhängigem Flatterstrom. Bei Dunkelflaute erzeugen sie noch nicht einmal den mehr.

Nun plötzlich kommt die Ukrainekrise daher und entlarvt gnadenlos, dass es mit Wind und Sonne definitiv nicht geht. EIKE, aber auch alle anderen Fachleute wussten es von Anfang an, letztere trauten es sich leider nicht, es zu sagen, oder sich gar zu wehren. Insbesondere die Industrie hätte vereint genug Gewicht gehabt, um dem „Great-Reset“ die Stirn zu bieten, ließ sich aber, wie im Musterfall der Autoindustrie, jedesmal wehrlos abschlachten. Zum Video ein Fazit: Ein technisch gut gemachter Streifen voller Unrichtigkeiten, fachlichem Unsinn und nicht besonders freundlichen Unterstellungen gegenüber EIKE. So etwas ist uns stets willkommen, denn viele Zuschauer können ganz gut selber darüber urteilen, was ihnen so vorgesetzt wird und schauen dann neugierig bei uns rein, falls sie uns noch nicht kennen. So eine tolle Werbung schaffen wir gar nicht. Also nochmals ganz herzlichen Dank an Euch, liebe Video-Macher. Wir freuen uns jetzt schon auf jedes weitere Video dieser Art.




Mazedonien, die EU und die Grundsätze der modernen Welt

Eine Rede für junge Eliten, in Ohrid, Nordmazedonien, 29. Sept. 2022

Von Dr. Václav Klaus, Präsident der Tschechischen Republik von 2003 – 2013

Vielen Dank für die Einladung. Dies ist meine zweite Reise in diese schöne Stadt und an ihren berühmten See und meine zweite Teilnahme an der von meinem langjährigen Freund und Kollegen, Präsident Gjorge Ivanov, organisierten Schule für junge Führungskräfte.

Ich finde die Idee, Schulen dieser Art zu organisieren, sehr positiv und produktiv. Vor siebenundfünfzig Jahren, im Jahr 1965, hatte ich die Gelegenheit, an einem ähnlichen Treffen in Frankreich, Annecy, teilzunehmen, einem Ort mit einem Alpensee, der fast so schön ist wie der in Ohrid. Ich muss gestehen, dass ich absichtlich das Adverb „fast“ verwendet habe.

Das Wichtigste an solchen Treffen sind nicht nur die Vorlesungen angesehener Professoren, sondern auch die unorganisierten Debatten unter den Teilnehmern in ihrer so genannten „freien Zeit“. Ich nehme an, Sie haben die gleiche Erfahrung gemacht.

Der Titel des Treffens in Annecy lautete „Wie kann man die Entwicklungshindernisse überwinden“, was heute nicht mehr so ein großes Thema ist wie damals. Aber die großen Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sind noch nicht verschwunden. Selbst zwischen den europäischen Ländern.

Meine Sommerschule fand in einer ganz anderen Zeit statt. Wir beide – wir in der Tschechoslowakei, der heutigen Tschechischen Republik, und Sie in Jugoslawien, dem heutigen Mazedonien oder vielleicht Nordmazedonien – waren Bürger des Konzepts der Staatsbürgerschaft, das das kommunistische System ablehnte. Es sah in Jugoslawien vielleicht etwas liberaler aus als in anderen kommunistischen Ländern, aber es war auch Kommunismus mit all seinen Problemen, Tragödien, Irrationalitäten und Ineffizienzen. Und mit all seinen Grausamkeiten, die mit der fatalen Unterdrückung der Menschenrechte verbunden waren.

Der Kommunismus ist vorbei. Wir sollten nicht den Fehler wiederholen, alte und damit völlig unangebrachte und fehlgeleitete Schlachten zu schlagen. Wir stehen jetzt vor anderen Problemen und anderen Herausforderungen, die jedoch in ihren Folgen dem alten Regime näher sind, als es das oberflächliche Denken vermuten lässt. Das politische System, in dem wir jetzt leben, ist sehr weit von einer klassischen politischen Demokratie entfernt, die auf parlamentarischem Pluralismus mit ideologisch klar definierten politischen Parteien beruht. Aufgrund dessen bewegen wir uns bereits seit vielen Jahren immer tiefer in die Welt der Postdemokratie. In ähnlicher Weise ist das Wirtschaftssystem, das wir heute erleben, keine klassische Marktwirtschaft, sondern eine weitgehend politisch kontrollierte und regulierte Mischwirtschaft.

Als Nicht-Experte für Mazedonien oder den gesamten Balkan frage ich mich, was die größte Herausforderung (oder Herausforderungen) für dieses Land und diese Region in der heutigen Zeit ist. Von außen betrachtet, sehe ich sie in den folgenden Punkten:

  1. in der immer wieder versprochenen, also lang ersehnten, aber immer noch nicht realisierten Mitgliedschaft einiger Länder des westlichen Balkans in der Europäischen Union;
  2. in der Position Mazedoniens als Transitland in der gegenwärtigen Ära der Massenmigration;
  3. in dem historisch schwierigen Zusammenleben der Nationen und Nationalitäten in dieser Region;
  4. in dem relativ neuen Problem der Auswirkungen und Folgen der gegenwärtigen Wirtschafts- und Energiekrise, die für ein Land wie Mazedonien eine importierte und keine hausgemachte Krise ist.

Ad 1: Ich bin mir der gemischten Gefühle vieler Mazedonier in Bezug auf die EU-Mitgliedschaft bewusst, was sich nur teilweise durch die Altersunterschiede erklären lässt – junge Menschen sind traditionell EU-freundlicher als ältere. Dies ist freilich nicht das Hauptproblem. Das Problem ist das Verhalten derjenigen, die für die Entscheidungsfindung in diesem Bereich zuständig sind.

Wir Tschechen haben damit unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Außerdem sind wir seit 2004 Mitglied der EU, also schon seit mehr als 18 Jahren. Wir haben viel kürzer auf die Mitgliedschaft gewartet als Sie. Trotzdem hat es uns auch nicht gefallen, auf der Warteliste zu stehen. Wir waren nicht bereit, die „Lehrer gegen Schüler“-Position in unseren Verhandlungen mit der EU zu akzeptieren, und wir waren zutiefst verletzt, dass wir von den Westeuropäern offen und ausdrücklich bevormundet wurden. Ich denke, Sie wissen darüber ein wenig Bescheid.

Ich kann Ihnen versichern, dass dieses Gefühl bei uns immer noch vorhanden ist. Die Kluft zwischen alten und neuen EU-Mitgliedern ist immer noch zu spüren. Wir haben unser politisches System und unsere Wirtschaft in den 1990er Jahren radikal umgestaltet. Sie unterscheiden sich jetzt nicht wesentlich von Westeuropa. Unser Pro-Kopf-BIP ist höher als in Griechenland, Portugal und Spanien und ähnlich hoch wie in Italien. Das scheint aber nicht auszureichen. Ich kann daher die Gefühle der Mazedonier mehr als verstehen, vor allem, wenn sie die Versprechungen sehen und hören, welche die EU der Ukraine kürzlich gemacht hat, um ihre Beitrittsgespräche mit der EU zu beschleunigen.

Wir haben sehr gemischte Gefühle, was die Auswirkungen unserer EU-Mitgliedschaft angeht, auch wenn unsere Erwartungen nicht allzu hoch waren. Ursprünglich wollte ich sagen „wir haben immer noch sehr gemischte Gefühle“, aber die jüngsten Veränderungen waren in dieser Hinsicht nicht positiv. Jetzt ist es noch schlimmer. In der hypothetischen Kosten-Nutzen-Gleichung bezüglich unserer Mitgliedschaft erleben wir eine negative Entwicklung. Wir spüren jetzt mehr die Kosten als den Nutzen.

Nach dem Fall des Kommunismus wollten wir Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft werden. Wir wollten freundlich und umfassend mit anderen EU-Mitgliedern zusammenarbeiten, aber wir wollten nicht nur ein kleiner und irrelevanter Teil einer straff organisierten politischen Union werden. Wir wollten keine Provinz sein. Die Entwicklungen in der EU sind zunehmend von der politischen Einigung geprägt, während die wirtschaftlichen Aspekte des Integrationsprozesses – als Folge der wiederholten wirtschaftlichen Schwierigkeiten im letzten Jahrzehnt – von vielen von uns als ein zunehmendes Problem gesehen werden.

Nach dem Fall des Kommunismus haben wir alle Aspekte unseres politischen und wirtschaftlichen Systems radikal dezentralisiert, während das gegenwärtige europäische Integrationsmodell durch eine zunehmende Zentralisierung, durch die Bürokratisierung des gesamten europäischen Kontinents, durch das Vertrauen auf einen paternalistischen Wohlfahrtsstaat und durch die immer größere Rolle der grünen Ideologie gekennzeichnet ist. Unsere Transformation beruhte auf der Entpolitisierung, Deregulierung, Entsubventionierung und Dezentralisierung unserer Wirtschaft. Zu unserem großen Bedauern werden unsere Wirtschaft und Gesellschaft dank der Ideologie des Europäismus, die eine Harmonisierung und Vereinheitlichung fordert, repolitisiert, rereguliert, resubventioniert und rezentralisiert. Sie sollten auf diese Tendenzen achten. Sie können sie in den EU-Mitgliedsländern des Balkans, die nicht weit von Ihnen entfernt sind, selbst beobachten.

Ad 2. Im Jahr 2015 wurde Europa infolge einer bekannten Geste der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und als Folge des wachsenden Einflusses der Ideologie des Multikulturalismus zum Ziel einer riesigen Welle der Massenmigration aus dem Mittelmeerraum, dem Nahen Osten und Afrika. Einige europäische Länder wurden zum Endziel der Migranten, andere waren „nur“ Transitländer, was – wenn ich mich nicht irre – auf Mazedonien zutrifft.

Das Verhalten Westeuropas und der EU in dieser Frage war höchst irrational. Sie waren nicht in der Lage, mit dem grundlegenden Unterschied zwischen individueller und Massenmigration umzugehen (siehe mein Buch „Europe All Inclusive: A Brief Guide to Understanding the Current Migration Crisis“, das bereits in acht Sprachen veröffentlicht wurde) und versuchten, der Massenmigration mit Methoden zu begegnen, die der individuellen Migration angemessen sind.

Das Ergebnis ist bekannt: eine riesige Zahl außereuropäischer Migranten in unseren Ländern, ein zunehmender Verlust an Kohärenz innerhalb der europäischen Nationalstaaten, große Inseln unkooperativer und feindseliger Nachbarschaften in unseren Regionen und Städten, ein wachsendes Gefühl der Unsicherheit auf Seiten der normalen Europäer und nicht zuletzt erhebliche finanzielle Kosten.

Die Versuche progressiver Aktivisten, den Nationalstaat zu zerstören, der seit Jahrhunderten der Grundbaustein einer demokratischen europäischen Gesellschaft war, werden immer erfolgreicher. Sie helfen den EU-Politikern, die Rolle der einzelnen Mitgliedstaaten zu unterdrücken und die Entscheidungsfindung in Brüssel ohne großen Widerstand zu zentralisieren. Die Mazedonier sollten wissen, dass sie nicht in ein Europa der Nationalstaaten eintreten werden, sondern in ein Europa der zentralisierten Entscheidungsfindung auf kontinentaler Ebene. Ich vermute, dass Sie etwas Ähnliches in der Zeit des Osmanischen Reiches erlebt haben, aber diese Erinnerungen sind nicht mehr vorhanden. Sie sind vergessen.

Apropos Migration: Ich finde es irrational, dass mein Land – im Namen der EU – Polizisten und Zollbeamte schickt, um Ihnen zu helfen, Migranten aus einem anderen EU-Mitgliedstaat (der südlich von Mazedonien liegt) zu blockieren.

Ad 3. Wir in Mitteleuropa sind uns des schwierigen Zusammenlebens der Nationen und Nationalitäten auf dem Balkan bewusst, zumindest im Vergleich zu unserer Region. (Ich beeile mich zu sagen, dass wir die Ukraine nicht als Teil Mitteleuropas betrachten.) Das Balkanproblem hat seine historischen Ursachen, die nicht leicht zu überwinden sind. Es ist auch die Folge der gescheiterten Teilung Jugoslawiens vor dreißig Jahren, aber es ist in nicht geringerem Maße – nach meinem Verständnis – das Ergebnis der unglücklichen Einmischung westlicher Länder in die Ereignisse in der Region in den 1990er Jahren. Es ist heutzutage in Europa politisch nicht korrekt, dies so zu interpretieren, aber ich bin davon überzeugt.

Wie dem auch sei, dieses Erbe hat das Image der Region in den Führungsetagen der westlichen Welt erheblich beeinträchtigt. Ich habe versucht, die Balkanländer bei vielen internationalen Zusammenkünften zu verteidigen, jedoch mit sehr begrenztem Erfolg. Es ist schwierig, die apriorischen Haltungen zu ändern. Es wäre ein großer Erfolg, wenn dies gelänge.

Ad 4. Mazedonien und die gesamte Region sind indirekte Opfer des Chaos und der Selbstzerstörung des Westens, die in den letzten Jahrzehnten begonnen und sich in den letzten Jahren radikal beschleunigt hat. Die Energiekrise und die äußerst zerstörerische Inflation sind nicht ihre Ursachen, sondern ihre Folgen. Es ist eine importierte Krise für Ihre Region. (Das gilt auch für mein Land.)

Ich spreche sehr oft von der Selbstzerstörung des Westens (dies ist der Titel eines Buches, das im August 2020 von meinem Institut veröffentlicht wurde). Ich sehe sie in den Auswüchsen des Multikulturalismus, im Genderismus, im Kosmopolitismus und Transnationalismus, im Human-Rightismus, im Sieg der politischen Korrektheit, in der Absurdität der Cancel Culture usw. Ich sehe sie in der zerstörerischen Grünen Revolution, die durch die Erklärung der EU zum so genannten Green Deal in Schwung gekommen ist. Dier Green Deal – und nicht der Ukraine-Krieg – ist die wahre Ursache der aktuellen Energiekrise. Die jüngsten Preisschocks und die Zerstörung der Versorgungskette sind ein Alptraum für die Bürger der Tschechischen Republik bei dem nahenden Winter.

Die irrationale Finanz- und Geldpolitik, die nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008-2009 einsetzte und durch riesige Haushaltsdefizite, Nullzinsen und ein schnelles Geldmengenwachstum gekennzeichnet war, hat ein tiefes wirtschaftliches Ungleichgewicht geschaffen, ein makroökonomisches Ungleichgewicht, das unweigerlich zu Inflation führt. In meinem Land haben wir die höchste Inflationsrate, die ein lebender Tscheche je erlebt hat. Sie hat in diesem Sommer 17,5 % erreicht.

Ich weiß, dass die mazedonische Inflationsrate in der Nähe dieses Wertes liegt. Anstatt die Verantwortung für die Inflation zu übernehmen und zu versuchen, sie zu beseitigen, versuchen unsere Regierungen, sie auszugleichen, was ein hoffnungsloses Unterfangen und ein falsches und irreführendes politisches Projekt ist. Wir erwarten eine weitere Beschleunigung der Inflation, wenn alle Energiepreise in die Verbraucherpreisindizes „verschoben“ werden, was bald geschehen wird.

Nochmals: Die derzeitige Inflation ist kein Zufallsphänomen. Sie ist nicht nur die Folge von Fehlern in der Steuer- und Geldpolitik. Sie ist das logische Ergebnis einer Revolte gegen die Wirtschaft und ihre Gesetze, einer Revolte gegen die in der heutigen Zeit so angesagte neue wirtschaftliche Denkweise. Im Englischen hören wir manchmal den Begriff „entitlement society“, aber der deutsche Begriff „Anspruchsgesellschaft“ scheint mir verständlicher zu sein. Daran wird auch eine bessere Auswahl von Finanzministern oder Zentralbankgouverneuren nichts ändern. Es ist ein tiefer liegendes gesellschaftliches Problem.

Ich sollte zumindest kurz auf den tragischen Ukraine-Krieg eingehen. Wie ich vor zwei Wochen auf einem wichtigen internationalen Forum in Polen sagte: „Die Ukrainer haben ihn nicht verdient. Auch die einfachen Russen haben ihn nicht verdient. Auch nicht die Länder in der Nachbarschaft, wie die Tschechische Republik“. Wir wissen, dass der Krieg langfristige Folgen für uns alle haben wird. Die Tschechische Republik steht weltweit an erster Stelle, was die Zahl der ukrainischen Flüchtlinge pro Kopf der Bevölkerung betrifft. Und wir sind in hohem Maße von russischem Öl und Gas abhängig.

Der Krieg ist nicht vom Himmel gefallen. Er hat sich schon lange angebahnt. Das Problem hat dort nicht im Februar 2022 begonnen. Schon 2014 habe ich vor der Destabilisierung der Ukraine und vor der wachsenden Konfrontation zwischen dem Westen und Russland gewarnt. Zu meinem großen Bedauern hat sich die Konfrontation zu einem ausgewachsenen Krieg mit Tausenden von Opfern, mit massiven Zerstörungen in weiten Teilen des Landes und mit grundlegenden Veränderungen in der internationalen Atmosphäre entwickelt. Die Verhandlungen zwischen dem Westen und Russland hätten schon vor langer Zeit beginnen müssen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und habe versucht, in aller Kürze meine wichtigsten Ansichten und meine größten Sorgen über die heutige Welt zum Ausdruck zu bringen.

 

Anmerkungen der EIKE-Redaktion

Wir danken dem ehemaligen Tschechischen Staatspräsidenten Dr. Vaclav Klaus ganz herzlich für die freundliche Genehmigung, seine Rede in Nordmazedonien in den EIKE-News abzudrucken (Übersetzung des Englischen Originals von Prof. Dr. H.-J. Lüdecke). Die fett wiedergegebenen Sätze oder Begriffe sind deckungsgleich mit denen des englischen Originals.

Es dürfte unsere Leser kaum überraschen, dass EIKE den Inhalt der Rede von Vaclav Klaus vollumfänglich teilt, nämlich für klassische Demokratie in parlamentarischem Pluralismus, für souveräne freie Nationen in einer reformierten EU, gegen Planwirtschaft in Deutschland und der EU und für freie soziale Marktwirtschaft etwa im Sinne Ludwig Ehrhards. Auch in der entschiedenen Ablehnung von „Klimaschutz“, Energiewende und „Great Reset“  ( auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos propagierte Weltdiktaturbestrebungen, hier), hier), hier ) sind EIKE und Vaclav Klaus deckungsgleich. Zwei EIKE-Mitglieder, einer davon der Autor dieser Zeilen, sind mit Vaclav Klaus anlässlich von Vorträgen auf gemeinsamen Veranstaltungen bereits über viele Jahre persönlich bekannt.

 

 

 

 

 




Das Ende der Energiewende: Eine Anhörung im sächsischen Landtag

von Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke

Als Vorbemerkung zum Titel dieses Beitrags sei darauf hingewiesen, dass sogar der sächsische Ministerpräsindent  Michael Kretschmer bereits von „gescheiterter Energiewende“ spricht (hier).

Bei einer inzwischen zweistelligen Anzahl von parlamentarischen Anhörungen in Landtagen und Bundestag fand meine jüngste im sächsischen Landtag am 9. Sept. 2022 in Dresden statt. Für alle Veranstaltungen luden mich jeweils nur die jeweiligen AfD-Fraktionen ein, andere politische Parteien waren nicht an kritischen Fachstimmen zu „Klimaschutz“ oder „Energiewende“ interessiert. In einer ordentlichen Demokratie ist so etwas eigentlich schwer vorstellbar, denn technische und naturwissenschaftliche Fakten sind parteilos. Kontroverse Diskussionen sind das Lebenselixier jeder guten Demokratie. Selbstredend wäre ich gerne auch Einladungen anderer parlamentarisch vertretener Parteien gefolgt.

Bei allen Anhörungen handelte es sich leider um Veranstaltungen in voneinander strikt getrennten Blasen. Von den Parlamentariern werden Fragen nur an die von der jeweils eigenen Fraktion eingeladenen Experten gerichtet. Damit wird leider sachlicher Meinungsstreit in dann sicher spannenderen Diskussionsrunden vermieden. Zudem wird übersehen, dass ohne kontroverse Diskussionen vernünftige politische Entscheidungen, die über das übliche Befolgen der vorgegebenen Parteilinien hinausgehen, erst gar nicht möglich sind.

Die hier besprochene Anhörung hatte zudem noch folgende Besonderheit, die sich aus der aktuell prekären Entwicklung des deutschen Energiesektors, aber auch aus einer leider fehlenden Konkretisierung der im AfD-Antrag formulierten Forderungen ergab. Die Eingangsstellungsnahmen, PPT-Präsentationen und Ausarbeitungen der geladenen Fachleute sowie insbesondere die Frage-Antwort-Phase behandelten zu viele unterschiedliche Sichtweisen und Partikularinteressen. Das eigentliche Kernthema „wie muss eine wirtschaftliche und umweltschonende Energieversorgung Sachsens nach der gescheiterten Energiewende aussehen?“ kam daher zu kurz.

Die gesamte Anhörung wurde vom Landtag als Video aufgenommen, welches aber auf seinem Server leider nicht zur Verfügung steht. Die AfD-Fraktion hat sich deswegen vom Landtag mein 10-minütiges Eingangsstatements besorgt und auf ihrem eigenen AfD-Kanal veröffentlicht. Ich hatte dabei weder Einfluss, noch davon Kenntnis und betone, um Missverständnisse auszuschließen, dass ich mit dem Titel des Videos „Die Lüge vom Klimaschutz“ und der inzwischen weiter am Ende des Videos hinzugekommenen politischen Werbung nichts zu tun habe. Der Begriff „Lüge“ kam in meiner Anhörung nicht vor, und welche politische Strömung mit meinen Sachaussagen übereinstimmt oder nicht, gehört zu einem anderen Thema als meine fachlichen Aussagen in der Anhörung.

Dennoch wird hier nachfolgend dieses Video gezeigt (38 000 Aufrufe am 16.9.2022), welches dank der Bemühungen der AfD verfügbar ist. Der Zuschauer dieser EIKE-News erhält somit die Gelegenheit, wichtige Zusammenhänge über unsere Energieversorgung in einem nur 10-minütigen Kurzbericht zu erfahren.

Bemerkenswert an dieser, aber auch allen meinen vorangegangenen Anhörungen war, dass nicht wenige der anwesenden Parlamentarier die von den Experten geäußerte Fachkritik nicht hören wollten, weil sie unverkennbar dem grün-ideologischen Weltbild zuwiderlief. Vermutlich wurde wegen technischen Bildungsmangels die deutlich formulierte Fachkritik nicht einmal verstanden. Das ist schade, denn nur Zuhören, Verstehen und dann die eigene Position in fairer Diskussion verteidigen, sind die demokratischen Tugenden. Entsprechend wurde es leider auch nicht versucht, die von den anwesenden Fachkritikern gemachten Aussagen wenigstens einmal mit harten Fragen zu erschüttern, so dass sich eine zielstellende Diskussion hätte entwickeln können. Kurz, die Kritik wurde ignoriert, so als sei sie nie erfolgt, und nur die eigenen geladenen Experten wurden mit bestätigenden Fragen beschäftigt.



Schlussbemerkung und Fazit

Jedes System – hier der kaum noch überschaubare Komplex „Energiewende“ – bricht zusammen, wenn die Widersprüche zwischen Realität und Narrativ oder Propaganda unüberbrückbar geworden sind. Genau dies passiert gerade in Deutschland. Es ist kaum vorstellbar, dass die Energiewende noch eine Zukunft hat, weil sie sich ohne begründbaren Sachbezug einzig auf das religiös-ideologische und volkswirtschaftlich unbezahlbare Konstrukt „Klimaschutz“ stützt, weil sie absolut keinen Nutzen erbringt, weil sie extrem umweltschädlich ist und weil sie Deutschland in der schwersten Krise seit 1945 zurücklässt.

Stenografisches Protokoll der Anhörung inkl. Eingangsstatements und meine schriftliche Stellungnahme

Die Dokumentation des sächsischen Landtags umfasst jedes gesprochene Wort, jede schriftliche Stellungnahme und jede ppt-Präsentation und wurde vom Landtag allen eingeladenen Fachexperten als pdf zugesandt. Die Anhörung war öffentlich, so dass der gesprochene Teil der Dokumentation  hier veröffentlicht ist. Darauf folgt noch meine eigene schriftliche Stellungnahme, leider aber nicht die der Expertenkollegen, weil sie deren geistiges Eigentum ist und mir ihr Einverständnis zur Veröffentlichung nicht vorliegt. Der Landtag bzw. die Expertenkollegen sind aber vermutlich bereit, auf persönliche Anfrage hin selber ihre PPT-Präsentation oder Stellungnahme zur Verfügung zu stellen.

Update 4.10.2022: auf Wunsch von Lesern steht meine Stellungnahme inzwischen auch als pdf (herunterladbar) auf meiner Webseite – mit Dank an meinen Freund Siegfried Hettegger, Ersteller/Manager meiner Webseite (hier).

muendlicher_Teil_7_9586

 

Stellungnahme_7_9586

 




Die Beurteilung des konventionellen Narrativs zur globalen Erwärmung

von Prof. Dr. Richard Lindzen

Vorbemerkung von EIKE:

  • der Beitrag von R. Linzen erschien vor Kurzem als Presseerklärung der Global Warming Policy foundation (GWPF), einem EIKE nahe stehenden klimakritischen think tank in Großbritannien. Er ist in Englisch verfasst. Von uns wurde nur die Zusammenfassung frei ins Deutsche übersetzt, weil Interessierte an den physikalischen und meteorologischen Einzelheiten in aller Regel genug Englisch beherrschen, um den Text von R. Lindzen problemlos im Original zu lesen.
  • Lindzen ist einer der renommiertesten und bekanntesten Klimawissenschaftler weltweit (hier). Er ist Professor am MIT und seit 2013 im Altersruhestand. Sein Beitrag ist kein begutachteter Fachaufsatz, sondern eine weitgehend verständlich gehaltene Zusammenstellung zum „Treibhauseffekt“, der seit 1850 gemessenen globalen Erwärmung und der tatsächlichen Wirkung des anthropogenen CO2.
  • Der Bericht sei insbesondere auch den zahlreichen Amateuren empfohlen, die der Versuchung nicht widerstehen können, ihre eigenen bahnbrechenden Geistes-Ergüsse zum Thema „Treibhauseffekt“ der Öffentlichkeit anzudienen – bei fehlenden physikalischen Grundlagen, Unkenntnis der Fachliteratur und Weigerung einer eigenen Publikationseinreichung in einem begutachteten Fachjournal .

Zusammenfassung des Berichts von R. Lindzen in Deutsch

Das eindimensionale Bild des Treibhauseffekts und der Rolle des Kohlendioxids in diesem Mechanismus dominiert die aktuellen Darstellungen über das Klima und die globale Erwärmung. Wir überprüfen kurz dieses Bild. Anschließend erörtern wir die Unzulänglichkeiten dieses Ansatzes, weil wir es tatsächlich mit einem dreidimensionalen Klimasystem zu tun haben. Ein Problem dabei ist die Bestimmung welche Temperatur auf der realen Erde der Temperatur in einem eindimensionalen Modell entspricht. Dies wiederum führt zu der traditionellen Erkenntnis, dass es auf der Erde in der Tat viele Klimazonen gibt. Darüber hinaus gab es profunde Veränderungen in der Temperaturdifferenz zwischen den Tropen und den Polarregionen über Jahrtausende hinweg, wobei sich die Temperatur der Tropen nur wenig veränderte.

Das populäre Narrativ nimmt an, dass kleine Änderungen in den Tropen in höheren Breiten verstärkt werden. Es gibt keine Grundlage für diese Annahme. Vielmehr wird der Unterschied durch dynamische Wärmeflüsse in der Atmosphäre und den Ozeanen bestimmt und dieser Fluss von der baroklinen*) Instabilität der Atmosphäre kontrolliert. Änderungen der mittleren Erdtemperatur sind in erster Linie auf Veränderungen der Tropen-Pol-Temperaturdifferenz zurückzuführen und nicht auf Veränderungen des Treibhauseffekts. Die Stabilität der tropischen Temperaturen angesichts stark schwankender Wärmeströme aus den diesen Breitengraden deutet auf die Existenz starker negativer Rückkopplungen in der radiativ-konvektiven Reaktion der Tropen hin. Zum Schluss, werden wir auf die so genannten Auswirkungen des Klimawandels eingehen.

*) Anm. EIKE: Unter Baroklinität versteht man, dass Flächen jeweils gleichen Druckes und jeweils gleicher Temperatur nicht parallel zueinander liegen, sondern dass sie sich schneiden. Auf einer Temperaturfläche existiert daher ein Druckgradient und umgekehrt (Wikipedia). An dieser Stelle sei auch auf das von Lindzen empfohlene Video (hier) über den Wärmetransfer durch Baroklinität am Beispiel eines rotierenden Tanks hingewiesen.

Lindzen-global-warming-narrative

 




Scholz in Prag und seine unerwartete Rede: Das wollen wir Tschechen nicht hören!

Der langjährige ehemalige tschechische Ministerpräsident Dr. Vaclav Klaus hat in der Schweizer Weltwoche Ausgabe 25/2022 vom 1. September 2022 die Rede von Bundeskanler Olaf Scholz, die dieser am 29. August 2022 (hier) in der Karlsuniversität von Prag hielt, kritisch kommentiert. Da es bei dieser Kritik auch maßgebend gegen die aberwitzige „Green-Deal-Politik“ der EU geht, die EIKE entschieden ablehnt und bekämpft, drucken wir die Kritik von Vaclav Klaus hier vollständig ab. Wir warteten mit unserem Abdruck auf Bitte von Herrn Vaclav Klaus das Erscheinen in der Weltwoche erst einmal ab und danken herzlich für die Zurverfügungstelung seiner Kritik an EIKE.

Von Vaclav Klaus

Bundeskanzler Scholz ist in Prag zum schlechtesten Moment angekommen. Der Sommer geht zu Ende, die Kinder kehren aus den Ferien zurück, die Eltern sind auf der Suche nach verschiedenen Schulsachen für den ersten Schultag, und dazu herrscht die Inflation. Die Inflation in der Höhe von 17,5 % ist die höchste in unserer Geschichte. Deutschland hat andere Erfahrungen. Wir hatten noch nie eine so hohe Inflation. Besonders die Energiepreise brechen alle Rekorde. Einige tschechische Politiker, insbesondere Politikerinnen, empfehlen, zu Hause dicke Pullover für die Winterkälte zu stricken (nicht zufällig haben dieselben Politiker vor zwei Jahre vorgeschlagen, die Covid-Masken zu Hause zu nähen). Dazu kommt Scholz nach Prag und hält da seine deutsche, aber als „europäisch“ bezeichnete Rede.

Scholz kam nach Prag als – für die meisten Tschechen – neuer, relativ unbekannter Bundeskanzler, der bisher kein Thema der tschechischen politischen und medialen Debatten war. Im Vergleich zu Namen wie Kohl oder Merkel ist er kein Objekt der Stammtischgespräche. Ich weiß nicht, ob er Prag wirklich kennt. In seiner Rede an der Karlsuniversität, die ein paar Stunden vor dem Treffen mit dem tschechischen Ministerpräsidenten stattfand (absichtlich oder aus Zeitmangel?), bewies er gute Kenntnisse der Details der tschechischen Geschichte und der Stadt Prag.

Waren das seine Worte oder die Worte seiner Redenschreiber? Sprach er aufrichtig ober wollte er den Pragern schmeicheln? Als ein authentischer Prager habe ich Prag wirklich sehr gern. Trotzdem war ich mehr als überrascht zu hören, als er sagte, dass gerade Prag eine Stadt ist, „deren Erbe und Gestalt so europäisch sind wie die kaum einer anderen Stadt unseres Kontinents.“ Was sagen die Bürgermeister verschiedener deutscher Städten dazu?

Die Hauptbotschaft von Scholz‘ Rede war die leere Floskel: „Unsere Zukunft ist Europa“. Was soll dieser Satz bedeuten? Was wollte Scholz damit sagen? Dass unsere Zukunft nicht in Asien oder Amerika liegt? Dass wir nicht zu Russland gehören? Nein, er wollte sagen, dass wir „mehr“ Europa brauchen, daß wir mehr über uns in Brüssel, nicht in Prag, Berlin oder Rom entscheiden sollten.

Das wollen die Tschechen nicht hören. Lange Zeit wurde über sie in Wien und in Moskau (sechs Jahre lang auch in Berlin) entschieden. Sie sind deshalb sehr froh, daß sie zusammen mit dem Fall des Kommunismus endlich ihre Selbstständigkeit und Freiheit gewonnen haben, ihre eigene Geschichte selbst zu gestalten. Scholz hat in Prag dramatisch und radikal vorgeschlagen, in Europa „zu Mehrheitsentscheidungen überzugehen“. Das hat uns so erschrocken, daß wir sein ergänzendes Adverb „schrittweise“ überhört haben. Was bedeutet das Wort „schrittweise“? Morgen, ab dem ersten Januar nächstes Jahres, oder vielleicht später?

Scholz will nicht schrittweise, aber sofort – als vereintes Europa – auf der internationalen Bühne „mit einer Stimme“ sprechen. Dazu missbrauchte er die russische Aggression in der Ukraine. Nicht zum ersten Mal wurde ein Krieg oder eine Krise genutzt, um die  Demokratie einzuschränken.  Das haben wir schon erlebt. Scholz erwähnte den inhaltslosen Begriff „Europa als Friedensprojekt“, bedauerte aber, dass es nur „innerhalb der Europäischen Union“, nicht außerhalb, d.h. nicht gegenüber dem Rest der Welt angewendet wird. Europa ist aber kein Friedensprojekt. Diese Terminologie ist nur der Ausdruck eines schlechten deutschen Gewissens. Authentische europäische Demokraten und Liberalen – wie die Schweizer – brauchen keine Festung Europas, die sich gegen andere Länder und Kontinente richtet.

Verschiedene „Kleinigkeiten“ seiner Rede möchte ich nicht kommentieren. Was kann man zu dem Gedanken sagen, dass „es ein Glück für uns alle ist, dass heute Präsident Biden im Weißen Haus sitzt“. Ist dessen Unentschlossenheit und Unsicherheit wirklich so gut für uns alle? Ist er wirklich ein Glück? Wir sind schon lange Zeit Opfer der Green-Deal-Politik der Europäischen Union. Können vernünftige Menschen die Idee „mehr Tempo beim Klimaschutz“ gerade heute begreifen und unterstützen? Gibt es „illiberale Demokratie“ gerade in einigen osteuropäischen Ländern oder in der gesamten Struktur der Europäischen Union? Usw.

Scholz schlagt vor, „Brücken zu bauen statt Gräben aufzureißen“. Kann seine Rede in Prag dazu beitragen?