Bloß nicht den Hype glauben!

Roger Pielke Jr.

Globale Katastrophen im Jahre 2022, eine vorläufige Abschätzung

Im September stellte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, anlässlich der Veröffentlichung eines Berichts mit dem ironischen Titel „United in Science“ folgende Behauptungen auf:

Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen, extreme Stürme und Waldbrände werden immer schlimmer und brechen die Rekorde mit immer alarmierenderer Häufigkeit. Hitzewellen in Europa. Kolossale Überschwemmungen in Pakistan. Langanhaltende und schwere Dürren in China, am Horn von Afrika und in den Vereinigten Staaten.

Das neue Ausmaß dieser Katastrophen hat nichts Natürliches an sich. Sie sind der Preis für die Abhängigkeit der Menschheit von fossilen Brennstoffen. Die Zahl der wetter-, klima- und wasserbedingten Katastrophen ist in den letzten 50 Jahren um das Fünffache gestiegen.

Wie ich und andere dokumentiert haben, ist Guterres Behauptung, die Zahl der Katastrophen sei um 500 % gestiegen, eine reine Falschaussage. Eine offensichtlichere und ungeheuerlichere Falschbehauptung werden Sie in öffentlichen Diskussionen von einer wichtigeren Institution nicht finden. Erschwerend kommt hinzu, dass die falsche Behauptung eines massiven Anstiegs der Katastrophen von niemand Geringerem als der Weltorganisation für Meteorologie legitimiert wird, einem der Gründungsorgane des IPCC.

Ich beschäftige mich seit fast 30 Jahren mit der Erforschung von Katastrophentrends und der Rolle, die (a) die Anfälligkeit und Gefährdung der Gesellschaft und (b) Klimaschwankungen und -veränderungen spielen. Dabei habe ich die konzertierten und erfolgreichen Bemühungen der Klimabefürworter beobachtet, Desinformationen über Katastrophen zu schaffen und zu verbreiten, wohl wissend, dass praktisch alle Journalisten und Wissenschaftler schweigen und zulassen, dass die falschen Informationen unkontrolliert verbreitet werden – und manchmal helfen sie sogar, sie zu verstärken.

Die Leser hier werden wissen, dass die tatsächliche Wissenschaft von Wetter- und Klimaextremen und den damit verbundenen Katastrophen weitaus differenzierter und weniger apokalyptisch ist, als es im öffentlichen Diskurs zumeist dargestellt wird. Die wissenschaftliche Realität schmälert nicht die Bedeutung der Klimaschutzpolitik, aber sie sagt etwas über die Standards der wissenschaftlichen Integrität aus.

In meinem heutigen Beitrag gebe ich einige vorläufige Informationen zu den globalen Katastrophen des Jahres 2022. Die heute verfügbaren Informationen sind unvollständig – das Jahr ist noch nicht ganz vorbei, und es sind noch nicht alle Datenanalysen durchgeführt worden, und die, die durchgeführt wurden, sind nur ein erster Schnitt. Die heute verfügbaren Informationen ermöglichen uns jedoch einen ersten Blick auf die Katastrophen des Jahres 2022 in historischer Perspektive.
Sicherlich gab es 2022 einige bemerkenswerte wetter- und klimabedingte Katastrophen, darunter:

● Überschwemmungen in Pakistan, Südafrika, Nigeria, Indien, den Vereinigten Staaten und Brasilien

● Dürre in Europa, Ostafrika und China

● Wirbelsturm Ian in Florida

Vorläufige Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2022 weltweit bis zu 11 000 Menschen bei wetter- und klimabedingten Katastrophen ums Leben kommen werden, was nach Angaben des Centre for Research on the Epidemiology of Disasters [CRED] in etwa dem Durchschnitt des vergangenen Jahrzehnts entspricht. Die Gesamtsterblichkeitsrate für Wetter- und Klimakatastrophen lag 2022 bei etwa 1,4 Menschen pro Million, was eine der fünf niedrigsten jährlichen Sterblichkeitsraten darstellt, seit Daten verfügbar sind (seit mehr als einem Jahrhundert) – und ich wage zu behaupten, in der gesamten aufgezeichneten menschlichen Geschichte. Die Jahre mit niedrigeren Sterbeziffern sind alle jüngeren Datums: 2021, 2018, 2017, 2016 und 2014. Noch vor 30 Jahren, im Jahr 1992, war die weltweite Todesrate durch Wetter- und Klimakatastrophen mit 29,0 pro Million mehr als 20 Mal so hoch. Der Rückgang der menschlichen Auswirkungen von Katastrophen ist eine wissenschaftliche und politische Erfolgsgeschichte, die weithin unterschätzt wird.

Werfen wir einen Blick auf einige erste Daten zu den Katastrophen des Jahres 2022, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich dieses Jahr in die jüngere Geschichte einfügt. Hier konzentriere ich mich auf die Gesamtzahl der Wetter- und Klimakatastrophen und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen. In einem späteren Beitrag werde ich auf einige Besonderheiten näher eingehen, darunter die unterdurchschnittliche Aktivität der tropischen Wirbelstürme im Jahr 2022 und die rekordverdächtig niedrigen Emissionen aus Wald- und anderen Bränden. Detaillierte Informationen zu den globalen Überschwemmungen und Dürren im Jahr 2022 müssen erst durch weitere Daten und Analysen ermittelt werden. Meinen jüngsten Beitrag mit einem detaillierten Blick speziell auf die USA können Sie hier lesen.

Gesamtzahl der globalen Katastrophen

Quelle: CRED. Die Schätzung von 325 für 2022 basiert auf 300 Wetter-, Klima- und Wasserkatastrophen bis November, plus 27 geschätzte für Dezember (=300/11).

Die obige Grafik zeigt, dass laut CRED EM-DAT – die gleiche Datenbank, auf die WMO und Guterres ihre falschen Behauptungen stützen, aber ich schweife ab – im Jahr 2022 insgesamt etwa 330 Katastrophen auftreten werden, wenn man die EM-DAT-Kriterien für die Aufnahme berücksichtigt. Die Anzahl der Katastrophen im Jahr 2022 entspricht in etwa dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre und liegt etwa 10 % unter der jährlichen Anzahl der Katastrophen im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts. Auch die weitergehenden Auswirkungen dieser Katastrophen (Todesfälle, wirtschaftliche Verluste) entsprechen diesen Trends.

Auf der Grundlage dieser Daten, die von CRED seit dem Jahr 2000 als zuverlässig angesehen werden, gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Zahl der weltweiten Wetter- und Klimakatastrophen zunimmt. Das bedeutet, dass es – unbestreitbar – keine Beweise für eine weitere falsche Behauptung der UNO gibt: „Die Zahl der Katastrophenereignisse wird bis 2030 voraussichtlich 560 pro Jahr erreichen – oder 1,5 pro Tag, statistisch gesehen.“ (Sehen Sie hier nach.)

Ich bin neugierig: Wann fangen Journalisten an, die Fakten über Katastrophen zu berichten und Fehlinformationen zu widerlegen?

Globale Verluste durch Katastrophen

Aktualisiert von Pielke 2019. Hinweis: Die Schäden für 2022 werden auf der Grundlage vorläufiger Schätzungen von Swiss Re und des geschätzten BIP-Wachstums für 2022 auf der Grundlage des IWF geschätzt. Die endgültigen Zahlen können höher oder niedriger sein, und in den verbleibenden Tagen des Jahres 2022 können noch weitere Schäden auftreten.

Der globale Rückversicherungsriese Swiss Re projizierte, dass im Jahr 2022 Katastrophenschäden in Höhe von insgesamt 260 Mrd. USD zu verzeichnen sein werden. Auf der Grundlage dieser Schätzung und einer Schätzung des IWF für das globale BIP-Wachstum im Jahr 2022 können wir davon ausgehen, dass die weltweiten Schäden durch Wetter- und Klimakatastrophen im Jahr 2022 etwa 0,2 % des globalen BIP betragen werden. Das entspricht in etwa dem Mittelwert der Jahre 1990 bis 2021. In diesem Zeitraum sind die Schäden (im Verhältnis zum BIP) jedoch zurückgegangen, wie Sie in der obigen Abbildung sehen können, die eine von Experten überprüfte Analyse aktualisiert, die ich erstmals 2019 veröffentlicht habe.

In den letzten sechs Jahren waren die Schäden im Verhältnis zum BIP höher als im vorangegangenen Jahrzehnt, was größtenteils auf das Fehlen starker Wirbelstürme in den Vereinigten Staaten in diesem Zeitraum (2005-2017) zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist, dass die Hurrikanschäden in den USA in der Vergangenheit mehr als 60 % der „globalen“ Katastrophenschäden ausmachten. Es gibt auch keine Anzeichen für eine dramatische Beschleunigung der Katastrophenschäden im Verhältnis zum globalen BIP, die im Stern-Bericht vor mehr als 15 Jahren prognostiziert worden war. Wann immer also von „Milliarden-Dollar-Katastrophen“ und ihrem angeblichen Zusammenhang mit dem Klimawandel die Rede ist, lässt sich das mit einem einzigen Wort zusammenfassen: Desinformation.

Fazit auf globaler Ebene

Katastrophen sind furchtbar – Menschen sterben und werden vertrieben, Eigentum und Infrastruktur werden beschädigt und zerstört, und die Wirtschaft kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Planet Erde ist ein Ort der Extreme. Wirbelstürme, Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen und andere Arten von Extremereignissen sind normal und waren es schon immer.

Allerdings birgt der vom Menschen verursachte Klimawandel das Potenzial, Extremereignisse häufiger oder schlimmer zu machen. So gibt es zum Beispiel bereits gute Belege dafür, dass Hitzewellen vielerorts intensiver geworden sind, und dieser Anstieg ist auf die zunehmenden Treibhausgase zurückzuführen. Für die meisten Arten von Wetter- und Klimaextremen ist es jedoch weder gelungen, einen Trend zu erkennen noch ihn auf menschliche Einflüsse auf das Klima zurückzuführen.

Nehmen Sie das nicht von mir, sondern vom IPCC.

Gleichzeitig ist die Fähigkeit der Gesellschaften, sich auf Extremereignisse vorzubereiten und sich von ihnen zu erholen, eine bemerkenswerte Geschichte politischer Erfolge – die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit Katastrophen ist von Millionen pro Jahr vor einem Jahrhundert auf Tausende pro Jahr im letzten Jahrzehnt gesunken. Das sind immer noch zu viele, aber wir sollten anerkennen, dass dies auch eine enorme Leistung darstellt. Wir können und sollten mehr tun.

Leider wird heutzutage jede Wetter- und Klimakatastrophe als eine Art „Aushängeschild“ für die Klima-Katastrophe herangezogen. Jedes Extremereignis und die damit verbundenen menschlichen Auswirkungen werden schnell zu einem Symbol für etwas anderes – wie eine verfehlte Energiepolitik, raffgierige Unternehmen für fossile Brennstoffe, böse Politiker oder gefühllose Jet-Set-Milliardäre. Das ist ein einfaches und mächtiges Narrativ, das aber auch unglaublich irreführend ist.

Solche selbstbewussten Behauptungen über die Ursachen haben nicht nur eine schwache wissenschaftliche Grundlage, sondern lenken auch davon ab, worauf wir uns im Zusammenhang mit Katastrophen eigentlich konzentrieren sollten – auf die Katastrophen selbst und die gesellschaftlichen Bedingungen, die ihnen zugrunde liegen. Ein Extremereignis ist keine Katastrophe. Eine Katastrophe tritt nur dann ein, wenn ein Extremereignis auf eine unvorbereitete, verletzliche und exponierte Gemeinschaft trifft. Weitere Fortschritte bei der Abschwächung der Auswirkungen von Katastrophen auf die menschliche Gesellschaft werden daher von einer besseren Vorbereitung, einer geringeren Anfälligkeit und einem besseren Umgang mit der Gefährdung abhängen.

Die Verringerung der Treibhausgase ist natürlich von entscheidender Bedeutung. Aber das gilt auch für weitere Fortschritte bei der Verringerung der Auswirkungen von Katastrophen. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Dinge, und die Verwechslung von Ersterem mit Letzterem bedeutet nicht nur einen Verlust an politischem Fokus, sondern auch einen Triumph der Desinformation über fundierte Wissenschaft. Wir können uns mit der Notwendigkeit der Dekarbonisierung der Weltwirtschaft befassen und weitere Fortschritte bei der Eindämmung von Katastrophen erzielen – beides gleichzeitig, ohne das eine mit dem anderen zu verwechseln. Dies erfordert jedoch einen Grad an Ehrlichkeit in unseren Diskussionen über diese Themen, der verloren gegangen ist. Mal sehen, ob wir sie wiederfinden können.

Link: https://rogerpielkejr.substack.com/p/dont-believe-the-hype?mc_cid=82b361cccf&mc_eid=2677af5302

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Früher haben wir die schlimme Natur geduldig ertragen, jetzt wollen wir vom Westen (viel) Geld dafür

Helmut Kuntz

Seit auf dem letzten Klimagipfel auch dank vehementer, deutscher Unterstützung beschlossen wurde, für Klimaschäden Reparationszahlungen zu leisten, werden stetig neue und immer schlimmere Einschläge des Klimawandels gemeldet.
Nun hat es auch die Salomonen erwischt, wie es ein erschütternder Bericht von dort ausweist.

Klimawandel im Südpazifik: „Für uns geht es ums Überleben”

Ein Journalist (Studium Politikwissenschaften und Sinologie), welcher eigentlich über das Verhältnis zwischen den Salomonen und China berichten wollte, wurde vom EU-Botschafter der Salomonen genötigt, stattdessen zu berichten, wie sein Inselstaat wegen dem Klimawandel buchstäblich ums Überleben kämpft.

Wie das Interview zeigt, kennt sich der Journalist wohl bestens mit dem Klimawandel aus, weiß also selbst genau, wie schlimm dieser auch dort schon wütet. Selbstverständlich kann er auch den daran alleine schuldigen Westen benennen, und so braucht der Botschafter nur noch zu seinen Fragen das Erwartete bestätigen:
[1] Frankfurter Rundschau, Sven Hauberg, 03.01.2022 (Auszug): Klimawandel im Südpazifik: „Für uns geht es ums Überleben”
Pazifische Inselstaaten wie die Salomonen sind besonders stark von Klimawandel betroffen. Im Interview erzählt der EU-Botschafter des Landes, was er vom Westen fordert – und warum er auf China setzt.

… Mosé, EU-Botschafter der Salomonen, will bei dem Treffen dann aber doch nicht über das Verhältnis seines Landes zu China reden. Ein anderes Thema sei ohnehin drängender, sagt er: Der Klimawandel ist für das Land mit seinen rund 700.000 Einwohner eine existenzielle Bedrohung. „Die Zeit läuft uns davon“, warnt Mosé, der auch in Deutschland die Interessen seines Landes vertritt, im Interview mit der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA.
Journalist: Herr Botschafter, wie wirkt sich der Klimawandel auf den Salomonen aus?
Der Klimawandel ist eine existenzielle und ernste Gefahr für die Salomonen und viele andere Inselstaaten im Pazifik. Besonders betroffen sind kleine Atolle und Gebiete in Küstennähe. Die Strände werden weggespült, das zwingt die Menschen, ihre Dörfer aufzugeben und weiter ins Inland zu ziehen. Weil der Meeresspiegel steigt, verschmutzt auch das Trinkwasser. Viele Bauern auf den Salomonen, die bislang zum Beispiel Taro oder Süßkartoffeln angebaut haben, können das nicht mehr. Aber auch Menschen, die in höherliegenden Gebieten leben, sind betroffen. Zum Beispiel, weil Erosion die Böden zerstört.
Journalist: Auch Unwetter werden wegen des Klimawandels immer häufiger …
Wir erleben häufiger schwere Regenfälle, was zu Überschwemmungen führt und Straßen wegspült. Auch Wirbelstürme nehmen zu. Früher gab es vielleicht alle fünf Jahre einen schweren Sturm, heute ein oder zweimal pro Jahr. Kaum ist die eine Katastrophe überstanden, kommt die nächste.
Journalist: Auch viele andere Inseln der Region leiden unter den Auswirkungen des Klimawandels. Wo zeigt sich das besonders?
Besonders betroffen sind zum Beispiel Inselstaaten wie Tuvalu, die Marshallinseln oder Kiribati. In 50 oder 100 Jahren existieren viele dieser Inseln vielleicht nicht mehr. Für uns geht es jetzt ums Überleben. Die wissenschaftlichen Daten zeigen, dass wir an einem Kipppunkt stehen. Wichtige Entscheidungen dürfen jetzt nicht vertagt werden. Sonst ist es zu spät. Tuvalu etwa besteht aus mehreren Atollen, die oft nur ein paar Zentimeter über dem Meeresspiegel liegen. Da kann es vorkommen, dass eine besonders hohe Welle das halbe Atoll überflutet.
Journalist: Die westlichen Industriestaaten tragen die Hauptverantwortung für den Klimawandel, während die Salomonen und andere Inselstaaten ganz besonders darunter leiden. Macht Sie das wütend?
Ja, das macht mich wütend. Wir tragen weniger zum Klimawandel bei als andere, und trotzdem leiden wir am meisten darunter. Die Industriestaaten wissen, was ihre Handlungen für Konsequenzen haben und vor welchen Problemen wir stehen. Trotzdem handeln sie viel zu langsam. Keiner kann heute mehr ernsthaft leugnen, dass es die globale Erwärmung gibt und wie sie sich weltweit auswirkt. Schon alleine, weil nicht mehr nur die ärmeren Länder betroffen sind. Sogar in Europa bekommt man ja die Auswirkungen schon zu spüren. Wir aber merken jeden Tag aufs Neue, was der Klimawandel bedeutet.
Journalist: Klimawandel: Die reichen Staaten sind schuld, die armen Länder leiden
Journalist:
Was fordern Sie vom Westen konkret?
Wir fordern, dass sich die großen Industriestaaten stärker daran beteiligen, die ärmeren Länder finanziell zu unterstützen.

Südseeparadiese

Es geht nicht darum, dass schlimme Naturereignisse nicht wie geschildert geschehen würden. Es geht darum, dass solche dort schon immer geschahen und das sich stetig verändernde Klima entgegen den Behauptungen daran bisher keine Verschlimmerungen bewirkt hat.

Es gibt (bei uns leider nicht nur) eine Partei, welche an ideologie-bedingter Dummheit kaum übertroffen werden kann. Das war schon früher so, wie ein Wahlbrief an die Bewohner der Carteret-Inseln (etwas nordwestlich der Salomon-Inseln vor Neu-Neuguinea gelegen) im Südpazifik zeigt:
Wahlbrief von Bündnis 90/ Die Grünen „an die Bewohner der Carteret Inseln“ (Auszüge):

… Ihre Heimat ist ein Ort, von dem wir Deutschen träumen. Eine Südseeidylle mit weißen Palmenstränden, umgeben von türkisfarbenem Wasser, das funkelnde Unterwasserlandschaften birgt. Welche Wunder die Natur schaffen kann, das wussten Sie schon, als Sie Kinder waren.
Sie leben in diesem Paradies seit vielen Jahrhunderten. Doch nach der Landung der Europäer begann der Niedergang Ihres Landes. Hungersnöte, Übervölkerung und monokulturelle Landwirtschaft zwangen viele Ihrer Landsleute schon vor Jahren zur Flucht.
… Wir tragen die Verantwortung für diese Katastrophe. Nicht nur bei Ihnen, überall auf der Welt sind die Vorboten der Klimakatastrophe sichtbar: Eisberge schmelzen, der Meeresspiegel steigt, die Unwetter werden schwerer, ganze Landstriche werden verwüstet. Am schlimmsten trifft es die Menschen in den Ländern, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen. Wie Sie … Wir, der Norden, sind in der Pflicht, endlich zu handeln.

Warum offenbart dieser Wahlbrief Dummheit? Weil das Leben auf den Südseeatollen nur für Touristen und zur genau richtigen Jahreszeit „paradiesisch“ ist. Während der Taifunzeit ist es dort die Hölle, wenn ein Tsunami kommt ebenfalls. Dazu gibt es Malaria und ohne Lebensmittel in Dosen kann man schnell verhungern, denn ohne Zufuhr von außen herrscht eklatanter Nahrungsmangel.

Bild 1 Atolle im Südpazifik. Die im Zeitungsartikel genannten gekennzeichnet. Quelle: Pacific Sea Level and Geodetic Monitoring Project Monthly Sea Level and Meteorological Statistics

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Lügt man jedoch lange genug, wird es zur Wahrheit

Was der Botschafter der Salomonen dem Redakteur berichtet, kennen EIKE-Leser inzwischen durch viele Artikel (nicht nur) des Autors. Immer ist es das gleiche „Spiel“: Ein Vertreter eines Landes berichtet jemandem, der alleine das hören will, von schlimmen Auswirkungen des Klimawandels. Eine Faktennachschau zeigt dann allerdings verblüffend oft, dass die angeblich so sichere Zuordnung zum Klimawandel nicht stimmen kann:
[Link] EIKE, xxx: Seit der Klimawandel alle Probleme dieser Welt erklärt, kann jedes Kind „Minister“. Teil 2(2)
[Link] EIKE, 02.12.2022: Ich will Geld vom reichen Westen …
[Link] EIKE, 21.11.2022: Früher musste man seinen Namen zumindest tanzen können, heute reicht es, sich werbewirksam anzukleben
[Link] EIKE, 27.05.2022: Wieder schlägt der Klimawandel unbarmherzig zu: Nun versinkt auch Lagos (Nigeria) im Atlantik
[Link] EIKE 22.11.2021: Klimakrise: Weltkulturerbestadt Saint-Louis (Senegal) versinkt im Meer. Nur ist der Meeresspiegel dort gar nicht gestiegen.
Auch beim Artikel der Frankfurter Rundschau [1] ist das wieder der Fall, zumindest nach Überzeugung des Autors.

Man würde annehmen, dass das doch irgendwann irgendjemandem auffallen müsste. Frau Merkels zerstörendes Wirken über viele Jahre und nun das abschließende, GRÜNe, konsequente „Auskehren“ allen restlichen Verstandes in politischen Leitungsfunktionen haben es allerdings geschafft, die Klimahysterie so konsequent in deutsche Gehirne einzuhämmern, dass dazu keine Hoffnung mehr besteht. Bei seiner Tagespostille kann es der Autor fast täglich erleben. Kein Leitkommentar oder Artikel, in dem nicht irgendwie der wichtige Klimawandelkampf beschworen wird.

Das gilt auch für Energie, wie es der aktuelle Hype um das Buch von Prof. Michael Sterner „So retten wir das Klima“ zeigt. Herr Sterner – ein geistiges Double von C. Kemfert (rein persönliche Meinung des Autors) – erzählt: „Es ist alles da, was wir für eine nachhaltige Energiewende brauchen – wir müssen nur wollen“.
(Nicht nur) die Redaktion der Nordbayerischen Nachrichten war des Lobes voll. Endlich einer, der sich traut, C. Kemferts Energie-Märchen hemmungslos noch weiter zu spinnen: Speicher gibt es genügend, Wasserstoff bald auch, über Kosten reden lohnt nicht, weil diese Energie immer billiger wird und und und.
Nachdenken braucht man darüber nicht. Wirklich jedes eingesparte kg vom bösem Kohlendioxyd ist beliebig viel Geld und Mühe wert und wenn es nur ideologischer Nutzen ist.
Das Schlimme ist: Herr Stern weiß mit Sicherheit, worüber er redet. Aber mit streng an die politischen Wünsche angepassten Ergebnissen von „Wissenschaft“ kommt man halt schneller und sicherer weiter …

Die Daten

Zurück zu den wegen des Klimawandels ums Überleben kämpfenden Atollen der Salomonen. Eigentlich hat der Autor mit seinen bisherigen Artikeln schon die ganze Südsee „abgegrast“ und trotzdem noch nirgens die allseits gemeldeten Untergänge gefunden.
Die Welt ändert sich jedoch täglich und wenn es so glaubhaft berichtet wird, muss doch etwas Wahres daran sein. Was bleibt dann übrig, als wieder und wieder die Messdaten nachzusehen, um wieder und wieder zu dem einzigen Schluss zu kommen, dass die westliche „Intelligenz“ einfach betrogen werden will um das Geld der Bürger zur Begleichung einer selbst erfundenen Klima-Erbschuld und des persönlichen Egos in die weite Welt hinauswerfen zu können.

Meerespegel

Zeitungsartikel [1]: Weil der Meeresspiegel steigt, verschmutzt auch das Trinkwasser.
Ein häufig zu lesendes Argument. In aller Regel allerdings eine direkte Folge von notgedrungenem, übermäßigem Abpumpen der geringen Süßwasservorkommen und oft auch zumindest mangelhafter Abwasser- und Abfallsysteme.

Nun der Pegelverlauf bei und um den Salomonen. Wer den Artikel über Palau [2] noch in Erinnerung hat, dem kommen solche Pegelverläufe bekannt vor. Sie sind das typische Ergebnis von Erdbeben infolge Vertikalverschiebungen der pazifischen Bruchkante. Oder glaubt jemand, dass der Klimawandel um 2016 plötzlich auf die Idee kam, den Pegel so ansteigen zu lassen wie in den Bildern 2 und 3?

Bild 2 Meerespegelverlauf bei den Salomon-Inseln von 1994 – 2022. Vom Autor erstellt und ergänzt. Datenquelle: Australian Government Pacific Sea Level and Geodetic Monitoring Project

Der Pegelverlauf von Tuvalu zeigt das Gleiche Geschehen:

Bild 3 Meerespegelverlauf bei Tuvalu von 1992 – 2022. Vom Autor erstellt und ergänzt. Datenquelle: Australian Government Pacific Sea Level and Geodetic Monitoring Project

Kiribati zeigt das Beben von 1998, das von 2016 aber nicht mit einem Folgeanstieg. Daneben zusätzlich ein längeres Pegelbild von Kiribati aus einem anderen Viewers mit der Ergänzung (rot) um die aktuellen Werte des linken Bildteils.

Mit dem längeren Pegelverlauf lässt sich der Pegelanstieg sicherer ableiten. Und er liegt irgendwo zwischen 0 … 1 mm/pa.

Bild 4 Meerespegelverlauf bei Kiribati von 1992 – 2022. Vom Autor erstellt und ergänzt. Datenquelle: Australian Government Pacific Sea Level and Geodetic Monitoring Project. Dazu der Pegelverlauf aus einem anderen Viewer mit Ergänzung (rot) durch den Autor

Bei dem anderen Viewer lassen sich weitere Verläufe aus diesem Atollgebiet ansehen. Sie unterscheiden sich teils deutlich, allerdings ist trotzdem kein klimawandelbedingter, unnatürlich hoher Pegelanstieg zu erkennen.

Bild 5 Verschieden Pegelverläufe aus dem Atollgebiet von Kiribati

Im Pegelverlauf der Marshall-Inseln lassen sich beide Erdbeben wieder sehen. Auch dort lässt sich ableiten, dass ohne Erdbeben seit dem Jahr 2000 praktisch kein Pegelanstieg erfolgt ist.

Bild 6 Meerespegelverlauf bei den Marshall-Inseln von 1992 – 2022. Vom Autor erstellt und ergänzt. Datenquelle: Australian Government Pacific Sea Level and Geodetic Monitoring Project

Fazit

Der angegebene, klimawandel-bedingte (übernatürliche) Meerespegelanstieg ist in den Tidenpegel-Messdaten aller im Zeitungsartikel genannten Atollen nicht zu finden. Zu finden sind Vertikalverschiebungen durch Erdbewegungen, da sich alle diese Atolle auf/an der pazifischen Bruchkante befinden. Wäre es nicht so, würde es diese auf Vulkanen aufgebaute Atolle nicht geben.

Die Fluten

Zeitungsartikel [1]: Tuvalu etwa besteht aus mehreren Atollen, die oft nur ein paar Zentimeter über dem Meeresspiegel liegen. Da kann es vorkommen, dass eine besonders hohe Welle das halbe Atoll überflutet.
Suggeriert wird, dies wäre aufgrund eines Meeres-Pegelanstiegs der Fall. Nun kann das nicht sein, weil er (auch) dort nicht stark genug stattfindet.

Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass besonders hohe Wellen auf diese Küsten treffen, zum Beispiel bei den nicht seltenen Tsunamis. Solche Wellen können geradezu extrem hoch werden. Dagegen ist der minimale Pegelanstieg reinste Bagatelle.

Zitat: Die größte in Salomonen bislang registrierte Flutwelle erreichte eine Höhe von 12,10 Metern. Bei diesem Tsunami am 01.04.2007 kamen 50 Menschen ums Leben.

Bild 7 Listung von Tsunamis bei den Salomonen

Früher gab es vielleicht alle fünf Jahre einen schweren Sturm, heute ein oder zweimal pro Jahr

Zeitungsartikel [1]: Auch Wirbelstürme nehmen zu. Früher gab es vielleicht alle fünf Jahre einen schweren Sturm, heute ein oder zweimal pro Jahr. Kaum ist die eine Katastrophe überstanden, kommt die nächste.
Auch diese regelmäßig wiederholte Anschuldigung an das Wetter ist bekannt. Bei der Sichtung von Palau war es genau so. Dort zeigte es sich, dass die Daten genau das Gegenteil – ein deutliches Abnehmen – aussagten. Gleich werden wir sehen, dass es auch bei den Salomonen so ist.

Bei der Colorado State University, Department of Atmospheric Science, Tropical Meteorology Project [Link] finden sich dazu Daten. Anbei damit erstellte Grafiken des Autors.
Der Botschafter hat recht. Jedes Jahr gibt es in diesem Meeresgebiet 5 … 10 heftige Stürme und bis auf wenige Ausnahmen mindestens einen, oft auch mehrere schlimme Hurricans.
Mit seinem viel wichtigeren Aussageteil, früher wären es viel weniger gewesen, liegt er aber mehr als voll daneben. Sehr unwahrscheinlich, dass er es nicht weiß, aber sagen muss er es einem Reporter aus dem reichen Westen ja nicht:

Bild 8 South Pacific Ocean, Named Storms. Vom Autor erstellt. Quelle: Colorado State University, South Pacific Ocean Historical Tropical Cyclone Statistics

Bild 9 South Pacific Cat 3+ Hurricans. Vom Autor erstellt. Quelle: Colorado State University, South Pacific Ocean Historical Tropical Cyclone Statistics

Bild 10 South Pacific Ocean, Accumulated Cyclone Energy. Vom Autor erstellt. Quelle: Colorado State University, South Pacific Ocean Historical Tropical Cyclone Statistics

Fazit

Die Aussage, früher hätte es weniger Stürme gegeben und aktuell nähmen sie sogar zu, können die Daten nicht entfernt bestätigen, sondern sagen dazu das Gegenteil. Das ist oft so, wenn Einheimische mit Aktivistenschulung berichten. Schließlich wissen auch Einheimische inzwischen, was die „Westliche Intelligenz“ hören möchte. Und sie wissen, dass das sogar Geld in ihre Kassen spült.

Schwere Regenfälle

Zeitungsartikel [1]: Wir erleben häufiger schwere Regenfälle, was zu Überschwemmungen führt und Straßen wegspült

Auch diese Behauptungen sind bekannt. Und auch diese lassen sich mit einer Studie widerlegen:
[3] Trends in total rainfall

… Station trends in annual total and extreme rainfall for 1961–2011 are spatially heterogeneous andlargely not statistically significant. This differs with the results of earlier studies that show spatially coherent trends thattended to reverse in the vicinity of the South Pacific Convergence Zone (SPCZ).
Station trends over the 1961–2011 period are largely non-significant (approximately 95% of stations) andspatially heterogeneous except in the South Pacificsubtropics where all the station trends are negative although not significant

Bild 11 [3] Figure 4. Subregional time series for total rainfall (units: mm). Dashed line indicates ordinary least squares fit. (a) West Pacific Monsoon (WPM),(b) North ITCZ (nITCZ), (c) Southwest SPCZ (swSPCZ), (d) Central Tropics (CT), (e) South Pacific subtropics (ST) and (e) Far east SPCZ(feSPCZ)

Fazit

Wirklich keine Behauptung ist plump genug, um bei uns nicht als Beleg für Klimawandelschäden gelten zu dürfen. Der Redakteur ist dafür ein Paradebeispiel (es hätte aber genau so gut einer der Nordbayerischen Nachrichten, der SZ oder sonst einer Zeitung sein können).
Im ganzen „Interview“ hat der Redakteur an den Aussagen über Samoa nicht die geringste Spur von Zweifel, umgekehrt, er bestätigt die Aussagen und gibt sie vor. Es ist inzwischen eine Manie der sich für intelligent haltenden geworden, das Geld der Bürger als Klimabuße in die Welt schleudern zu müssen, Zweifel würden da nur stören.

Leider ist dazu nicht im Entferntesten ein Ende in Sicht. Und Opfermythen können Jahrtausende überdauern.
Wir Bürger werden in naher Zukunft an alle nicht-westlichen Erdbewohner welche über schlechtes Wetter hadern, Zahlungen leisten (müssen). Denn das ist von der UN gefordert und wird als Verpflichtung feministischer Außenpolitik eisern umgesetzt:
[4] António Guterres behauptete bei der Veröffentlichung eines Berichts: „United in Science“:

Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen, extreme Stürme und Waldbrände werden immer schlimmer und brechen die Rekorde mit immer alarmierenderer Häufigkeit. Hitzewellen in Europa. Kolossale Überschwemmungen in Pakistan. Langanhaltende und schwere Dürren in China, am Horn von Afrika und in den Vereinigten Staaten.
Das neue Ausmaß dieser Katastrophen hat nichts Natürliches an sich. Sie sind der Preis für die Abhängigkeit der Menschheit von fossilen Brennstoffen. Die Zahl der wetter-, klima- und wasserbedingten Katastrophen hat sich in den letzten 50 Jahren verfünffacht.

António Guterres, Auszüge aus seiner Rede bei CO27:
Das Klimachaos ist eine Krise von biblischem Ausmaß … Die Zeichen sind überall zu sehen. Statt eines brennenden Busches stehen wir vor einem brennenden Planeten. Die Stimmen derer, die an vorderster Front von der Klimakrise betroffen sind, müssen gehört werden … Unser Planet befindet sich immer noch in der Notaufnahme.
… Wir müssen die Emissionen jetzt drastisch reduzieren
… Ein Fonds für Verluste und Schäden ist wichtig – aber er ist keine Lösung, wenn die Klimakrise einen kleinen Inselstaat von der Landkarte spült oder ein ganzes afrikanisches Land in eine Wüste verwandelt.
Klimabefürworter – angeführt von der moralischen Stimme junger Menschen – haben die Agenda durch die dunkelsten Tage hindurch in Bewegung gehalten. Sie müssen geschützt werden.
Ihnen allen möchte ich sagen, dass wir Ihre Frustration teilen. Aber wir brauchen Sie jetzt mehr denn je … Jeder Einzelne von uns muss jeden Tag in den Schützengräben kämpfen.
Lassen Sie uns gemeinsam im Kampf für Klimagerechtigkeit und Klimaziele nicht nachlassen.

Der Generalsekretär der UN kann vollkommen frei entgegen allen Fakten solchen eklatanten Unsinn über das Wetter behaupten, ohne auch nur mit geringster Kritik konfrontiert zu werden. Irgend etwas versagt da vollkommen in unserem Wissenschaftssystem.
Über die unsäglich dummen, faktenfreien Reden unserer feministischen Aussenpolitikerin zum Klima wurde in den vorhergehenden Artikeln schon berichtet, deshalb hier keine Wiederholung.

Hoffnung

Nicht, dass der Klimaalarm-Hype bald beendet würde. Nachdem die problemlos gelungene, ja von vielen geforderte, Besteuerung der Atemluft Unsummen in die Kassen der immer geldhungrigeren Regierenden spült, ist ein Abschaffen dieser automatisch sprießenden und vor allem sich ständig erhöhenden Geldquelle vollkommen unrealistisch. Eher ist ein Ausweiten auf weitere Atmoshärenbestandteile und sonstige Klima-schadensverursachende Tätigkeiten zu erwarten und teilweise schon in Vorbereitung.

Es geht um Bestätigungen, dass angeblich sichere Dogmen der Klimakirche falsch sein können. Hier zum Beispiel der (angeblich) sicher sterbenden Korallenriffe(für EIKE-Leser allerdings ein längst bekanntes Thema).
So meldete die SZ am 2. Februar 2022: ... Korallen gehören zu denjenigen Lebewesen, die der Klimawandel besonders hart trifft. Selbst wenn es gelingen sollte, die Erderwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen, werden bis Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich 70 Prozent aller Korallenriffe verschwunden sein. Schon bei einer Erwärmung um zwei Grad Celsius dürften es 99 Prozent sein, also so gut wie alle. Das haben verschiedene Studien unabhängig voneinander gezeigt.

Dass das nicht stimmen kann, konnte der Autor in einem Reportagevideo des BR24 „erleben“, als eher zufällig gezeigt wurde, dass vor Afrika Korallen in Meeresgebieten blühen und gedeihen, in welcher laut Aussage einer Fachperson (im Video) Korallen vor Hitze sterben müssen. Im Video wurde er durch einen Tauchgang selbst mit seiner vorherigen Falschaussage konfrontiert. Leider brach das Video dann dieses Thema ab, denn wen interessiert das schon …

Und nun wird gemeldet, dass Korallen sich „auf wundersame Weise“ erholen können. Ökokirche eben.
[5] The Daily Digest (stark gekürzt): Ein vom Aussterben bedrohtes Korallenriff gedeiht jetzt und verändert unser Verständnis der Ozeane
… Die einst gebleichten und absterbenden Korallenriffe rund um die südlichen Line Islands von Kiribati scheinen sich auf wundersame Weise erholt zu haben, und das ändert alles, was wir darüber wissen, wie sich der Klimawandel auf unsere Ozeane auswirken wird.
… Enric Sala und seine engagierten Meeresbiologen besuchten 2009 zum ersten Mal die Korallenriffe der südlichen Line Islands … Was wir vorfanden, war ein Paradies“, schrieb Sala in einem Artikel, den er in National Geographic veröffentlichte, „von Menschen unberührte Riffe mit einem blühenden Korallendschungel voller großer Fische.
… Leider wurde Kiribatis unberührtes Korallenriff in den Jahren 2015 und 2016 fast zerstört, nachdem ein beispielloses El-Niño-Ereignis im Pazifischen Ozean große Bereiche der Gewässer rund um den südlichen Teil der Line Insel fünfzehn Wochen lang ungewöhnlich warmen Temperaturen ausgesetzt hatte.
Mehr als die Hälfte war gebleicht …
Als ein Teil von Salas ursprünglichem Team 2017 zum Riff zurückkehrte, stellten sie fest, dass mehr als die Hälfte davon zerstört worden war …
… Erst 2022 konnte Sala zum Korallenriff der südlichen Line Inseln zurückkehren und was er vorfand, versetzte ihn in Erstaunen … Ich konnte nicht glauben, was ich sah“, schrieb Sala und fragte sich, ob die Erwärmung des Riffs überhaupt eine Tragödie war.
Das Riff war wieder makellos
„Der Boden war mit lebenden, wunderschönen Korallen bedeckt, bis zu einer Tiefe von 100 Fuß … wir waren wieder im Paradies.“ Unsere Korallenriffe können heilen.
… Die Erfahrung lehrte Sala und Meeresbiologen, dass sich Korallenarten an steigende Temperaturen anpassen können, aber was noch wichtiger ist, dass Korallenriffe viel besser in der Wiederherstellung sind und unser Verständnis unserer Ozeane grundlegend verändert haben.

Quellen

[1] Frankfurter Rundschau, 03.01.2022: Klimawandel im Südpazifik: „Für uns geht es ums Überleben”
[2] EIKE, 21.11.2022: Früher musste man seinen Namen zumindest tanzen können, heute reicht es, sich werbewirksam anzukleben

[3] S. Mc Gree at al., 2013: An updated assessment of trends and variability in total and extreme rainfall in the western Pacific
[4] Achgut, 5.1.2023: Klimakatastrophe? Die Daten und der Hype

[5] The Daily Digest, Zeleb Es, 4. Jan. 2023: Ein vom Aussterben bedrohtes Korallenriff gedeiht jetzt und verändert unser Verständnis der Ozeane

 




2022 – Ein Energiewendejahr im Rückblick

Äußerlich entspannt konnten wir und unsere Fortschrittsregierung über den Jahreswechsel auf unsere Energie-Versorgungslage blicken. Das ist Folge gut gefüllter Gasspeicher, weiter oder wieder laufender konventioneller Kraftwerke, sparsamer Haushalte und abgesenkter Industrieproduktion, vor allem aber des Wirkens eines uns gnädigen Wettergottes, dem hiermit herzlich gedankt sei. Wind- und Sonnenergie werden kräftig ausgebaut. Sie sind weiterhin nicht in der Lage, Versorgungssicherheit herzustellen. Das kann man feststellen, wenn man sich die Zahlen des Jahres 2022 ansieht. Man kann es auch ignorieren, wie die Regierung es tut.

von Frank Hennig

Ein weiteres speziell deutsches Energiewendejahr liegt hinter uns. Die wirtschaftliche Lage hat sich weiter verschlechtert. 39 von 49 vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) befragten Branchen blicken pessimistisch auf 2023. Die Hoffnungen, nach der Pandemie wieder kräftig loslegen zu können, werden vor allem durch die hohen Energiepreise zunichte gemacht. Und nein, man kann es nicht oft genug wiederholen: Putin ist nicht der Grund, er ist nur der Booster.

Bereits im Jahr 2021 verdreifachten sich die Börsenstrompreise, die CO2-Zertifikatepreise hatten sich schon in den fünf Jahren vor Kriegsbeginn verzehnfacht. In Europa wurden seit 2017 mehr als 20 Gigawatt (GW) Kohlekraftwerksleistung stillgelegt, in Deutschland allein 11 GW. Der gegenwärtige Energiemangel ist vor allem deutscher und EU-weiter Abschaltpolitik geschuldet. Die Brückentechnologie Erdgas wurde zwar oft, aber folgenlos erwähnt. Die 30 oder mehr bis 2030 zu errichtenden Gaskraftwerke hat niemand initiiert. Nun fehlt ohnehin das Gas.

Bis Juni lieferte Russland noch die volle Gasmenge, erst ab September wurden die Lieferungen völlig eingestellt. Ein Großteil des Speicherinhalts, den wir jetzt nutzen, ist also noch russisches Gas. Das wird 2023 anders sein. Wir werden dann vor allem deshalb mehr Gas brauchen, weil die Kernkraftwerke vermutlich für immer stehen werden und weitere Kohlekraftwerke ebenso. Aber wir haben ja die „Erneuerbaren“!

Ein Blick auf die Zahlen von 2022 ernüchtert. Der Zubau an Windkraftanlagen um mehr als 1,5 GW beziehungsweise mehr als 6 GW solcher der Fotovoltaik führte in keiner Weise zu einer Sockelbildung des Angebots, das heißt einer erwähnenswerten Versorgungssicherheit. Nennenswerte Stromspeicher sind nicht gebaut worden.

Die Menge des Stroms aus diesen Anlagen schwankte wieder beträchtlich. Im März betrug die Minimalleistung aller Wind- und Solaranlagen ganze 0,9 Prozent ihrer installierten Leistung. Ein fast hundertprozentiges absicherndes Backup bleibt nötig. Selbst in windreichen Monaten wie dem Februar lieferten die Windkraftanlagen im Durchschnitt nur 49,5 Prozent der theoretisch möglichen Leistung. Auch die Fotovoltaik blieb mit einem Spitzenwert von 63,9 Prozent im August unter ihren rechnerischen Möglichkeiten. Das ficht die Energiewendeerfolgsjournalisten nicht an. Sie nehmen die installierte Leistung einfach als künftig erzeugte an und rechnen dann eine Anzahl an Haushalten hoch, die man würde versorgen können. Meine Familie möchte nicht zu diesen Haushalten gehören.

Die Erkenntnisse aus den Vorjahren gelten auch für 2022:

– Mit Erzeugern von Zufallsstrom kann kein einziges konventionelles Kraftwerk ersetzt werden.

– Durch die Absicherung und zunehmend weiter notwendige Systemeingriffe verteuert sich der Strom weiter. Bereits 2021 wurden 1,4 Milliarden Euro für Maßnahmen des Redispatchs und des Einspeisemanagements gebraucht. Die Kosten werden für 2022 höher sein.

Die „minimale Mehrproduktion“

Die noch laufenden und übrigens rissfreien deutschen Kernkraftwerke (KKW) senkten im Streckbetrieb allmählich ihre Leistung ab:

Günstig wirkte sich der Umstand aus, dass die französischen KKW nach und nach wieder ans Netz gehen:

Klimaminister Habeck sprach angesichts der noch laufenden deutschen KKW von einer „minimalen Mehrproduktion“. Immerhin überstieg die produzierte Strommenge dieser nur drei (!) KKW die Windstrommenge von See im Jahr 2022 deutlich1. Auch die Fotovoltaik (PV) war nach seiner Definition kein wesentlicher Bestandteil der Stromversorgung. Im ersten Quartal 2022 kamen 9 TWh aus der gesamten PV in Deutschland, die verbliebenen Kernkraftwerke brachten es auf 8,5 TWh.

Ehrlicherweise muss man also konstatieren, dass die Windkraft offshore wie auch die PV zeitweise nur unbedeutende Mengen liefern. Können sie dann „Säulen“ einer künftigen Energieversorgung sein und berechtigt das zum Abschalten wetterunabhängig laufender Kraftwerke?

Die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen ging seit August auf null zurück. Nur für 29 Stunden am Jahresende, bei viel Wind, hohen Temperaturen und wenig Last, fielen die Börsenpreise noch einmal unter die Null. Das bedeutet, dass es den so genannten Überschussstrom de facto nicht mehr gibt. Vielen Investitionen von Stadtwerken und Versorgern in Anlagen des P2H (Power to heat), also vereinfacht formuliert in große Tauchsieder zur Wärmeerzeugung, wird damit die wirtschaftliche Basis entzogen. Strom, dessen Abnahme noch prämiiert wird, kostenlosen oder billigen Strom gibt es nicht mehr. Damit trägt auch die Idee einer preiswerten Wasserstofferzeugung aus Grünstrom nicht mehr. Jeder Wind- oder Solarstromerzeuger tut gut daran, seinen Strom direkt ins Netz zu verkaufen und so die Gewinne zu maximieren, anstelle den Strom für grünen Wasserstoff zu verschenken oder zu verramschen. Vermutlich wird es aber hier einen neuen Subventionstatbestand geben.

Ein Markt für grünen Wasserstoff soll hochlaufen. Die am lautesten danach rufen, wissen, dass es ein Subventionsmarkt sein wird und sie wollen ein möglichst großes Stück vom Steuergeld-Kuchen haben. Habeck will einen „Markt bauen“, auch hier zeigt sich sein Unverständnis der Marktwirtschaft. Freie Märkte existieren und regulieren sich selbst, so man sie lässt. Man braucht und kann sie nicht „bauen“. Natürlich müssen sie politisch gerahmt sein, um Auswüchse zu vermeiden. Einige –zig Jahre sozialer Marktwirtschaft in der Bundesrepublik haben gezeigt, dass Markt und Soziales sehr wohl harmonieren können. Ist die Wirtschaft erfolgreich, gibt es mehr zu verteilen. Die derzeit zu beobachtende ökologistische Staatsplanwirtschaft hingegen lebt nicht von Wachstum, sondern von selbstverursachter Schrumpfung und „gerechter“, aber insgesamt unsozialer Verteilung von Mangel.

Die Regierung will natürlich viel, viel und noch viel mehr Wind- und Solaranlagen. Die Ziele für die Windkraft sehen so aus:

Ab 2025 sollen jährlich 7,8 GW Windkraftleistung netto zugebaut werden, unter Berücksichtigung des Rückbaus von Altanlagen. In der Annahme, dass Anlagen der 5-Megawatt-Klasse errichtet werden und durchschnittlich 301 Werktage pro Jahr genutzt werden können, würde dies bedeuten, dass ab 2025 an jedem Werktag (Montag bis Samstag) mehr als fünf Anlagen ans Netz angeschlossen werden müssten. Das ist nicht optimistisch, sondern unrealistisch. Vor dem Hintergrund der teils oder völlig abgewanderten deutschen Windindustrie (Rotorblätter, Türme, Spezialgussteile), der verfügbaren Mengen an Stahlbeton, der verfügbaren Technik (Großkräne), des Mangels an Fachkräften, der wetterabhängigen Montage und weiter steigender Anlagenpreise wird dies offensichtlich die zu erwartenden Möglichkeiten übersteigen.

Das Windkraft-Journal bezeichnete die Ausschreibungsrunde „Wind an Land“ vom 1. Dezember 2022 als „völliges Desaster“. Von 1.190 ausgeschriebenen Megawatt installierbarer Leistung wurden nur 203 bezuschlagt. Bereits die zwei Ausschreibungsrunden vorher waren unterzeichnet. Obwohl die Obergrenzen für 2023 bei der Windkraft auf 7,35 Cent pro Kilowattstunde angehoben wurden (vorher 5,88 Cent), wird sich der Neubau von Windkraftanlagen auf Grund geringer Energiedichte und immer schlechterer Standortbedingungen weiterhin wenig rentieren. Der Wind schickt eben doch eine Rechnung und die Windkraft würde auf dem freien Markt nicht bestehen, vor allem dann nicht, wenn man ihr die hohen Systemkosten verursachergerecht zuschreiben würde.

Natürlich könnte man die Regularien ändern und den Zubau an Erneuerbaren verstaatlichen und mit Steuergeld finanzieren, aber das dürfte politisch vorerst noch schwer durchsetzbar sein.

Man kann Wünsche als Ziele aufschreiben, ihre Erreichung wird aber schwierig. Die Bundesregierung hält immer noch am Ziel 400.000 neuer Wohnungen fest, obwohl jeder weiß, dass diese Zahl nicht erreichbar ist. Zumal dann, wenn der Großteil des Betons künftig in die Fundamente neuer Windkraftanlagen gehen soll.

Es ist offensichtlich auch eine Frage der Führungsfiguren. Ein Wirtschaftsminister ohne Grundkenntnisse von Marktwirtschaft, eine Bauministerin ohne Kenntnisse der Baubranche, eine Verteidigungsministerin in High-Heels im Sand von Mali und ohne Kenntnisse des Militärs, geschweige denn selbst erlebten Wehrdienstes – belassen wir es an der beispielhaften Aufzählung.

Theorie und Praxis

Unterdessen sieht Klimaminister Habeck

deutliche Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Er verweist auf beschlossene Gesetze zur Beschleunigung des Ausbaus.“

So vermeldet vom Hofmedium tagesschau.de.

Beschlossene Gesetze bedeuten im Deutschland von heute längst nicht, dass sie auch Realität werden, vor allem, wenn sie ohne jede Plausibilitätsprüfung gebastelt werden. Noch nie wurde eine Energiestrategie irgendeiner deutschen Bundesregierung umgesetzt. Warum es gerade jetzt in Anbetracht des handelnden Personals gelingen sollte, bleibt rätselhaft. In typisch politischer Allmachtszuschreibung geht Habeck davon aus, dass staatlich induzierte Entwicklungen „schnell“ umgesetzt werden könnten. Ein Blick in den Rückspiegel täte gut. Der BER genannte „Fluchhafen“ Berlin-Brandenburg brauchte 14 statt sechs Jahren Bauzeit, der vom Staatskonzern DB gemanagte Umbau des Hauptbahnhofs in Stuttgart wird es vermutlich auf 15 anstelle neun Jahren Bauzeit bringen. Der Neubau des Schiffshebewerks in Niederfinow dauerte 14 Jahre, das Vorgängerbauwerk war vor fast hundert Jahren in sieben Jahren errichtet worden, zwar kleiner, aber mit entsprechend weniger technischen Möglichkeiten.

Eine gewisse Skepsis sollte also bei einem angekündigten schnellen Ausbau von „Erneuerbaren“, von Netzen und anderer Infrastruktur angebracht sein. Die Medien beten den Zweckoptimismus nach und schreiben Kohle- und Kernkraft tot. Währenddessen stellte der ostdeutsche Braunkohleförderer und –verstromer LEAG im Jahr 2022 950 neue Mitarbeiter ein, vor allem zur Steigerung der Kohleförderung und der Wiederinbetriebnahme zweier Jänschwalder Kraftwerksblöcke mit einer Laufzeit bis mindestens Juni 2023. Zum 1. Januar nahm der Block 7 des Großkraftwerks Mannheim wieder seine Arbeit auf, bis zum März 2024. Und dann?

Die Regierung und die sie begleitenden Medien sprechen immer noch von einer erfolgreichen Energiewende, trotz Krieges in Europa von einem „idealerweise“ möglichen Kohleausstieg bis 2030. Sie fordern regierungskonform den „Energiewende-Turbo“, den „Energiewende-ICE“ und was der Phrasen mehr sind, um über die mediale Buschtrommel den immer schnelleren, entschlosseneren, ehrgeizigeren Ausbau zu fordern von – na, Sie wissen schon.

Seit Juli 2022 wird die EEG-Umlage nicht mehr erhoben. Die hohen Strompreise am Markt bescheren den EE-Betreibern Windfall-Profits, die jede Umlage übersteigen. Das Umlagekonto brauchte nicht mehr angetastet werden. Im August betrug der Kontostand über 17 Milliarden Euro. Ein großer Teil davon (13 Milliarden) wird eingesetzt, um die ausufernden Netzentgelte aufzufangen. Irgendwann ist das Konto leer.

Staatsgeld aus Müll

Gleichzeitig wird der Eindruck erweckt, die Regierung arbeite heldenhaft und fleißig an unser aller Entlastung. Abgesehen davon, dass wir einen Großteil der steigenden Belastungen mehreren Bundesregierungen überhaupt erst zu verdanken haben, wird auch hier das Instrument der Halbwahrheit zur Desinformation eingesetzt.

Nur als Randnotiz erfährt der Medienkonsument – und nur, wenn er sich dafür interessiert – dass ab Januar auch die Müllverbrennung in den Emissionshandel einbezogen wird. Das ist insofern eine Besonderheit und anders als im fossilen Kraftwerkssektor, dass man sie kaum deutlich reduzieren und auch nicht abschaffen kann. Die Deponierung ist verboten.

Müllverbrennungsanlagen (MVA) können keine anderen Brennstoffe einsetzen. Durch mehr Recycling ist es sicher möglich, die Müllmengen etwas weiter zu reduzieren, aber wir sind im internationalen Vergleich in der Frage der Kreislaufwirtschaft bereits gut aufgestellt. Eine emissionsmindernde Wirkung ist nicht zu erwarten, ausschließlich eine Zusatzbelastung für Bürger und Unternehmen. Für das Jahr 2023 rechnet der Bundesverband der deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e.V. (BDE) mit Kosten von 900 Millionen Euro, die dann entsprechend der so genannten Preistreppe des BEHG (Brennstoffemissionshandelsgesetz) jährlich steigen – ohne jeden Effekt „fürs Klima“.

Die Müllgebühren werden steigen. Welche Regelungswirkung soll die CO2-Bepreisung beim Müll haben? Mehr Müll wird im Gelben Sack, in der Landschaft und am Ende beim Steuerzahler landen, mehr Müll wird durch die eigene Esse gehen, so man eine hat. Vielleicht nehmen auch die Müllexporte nach Malaysia, Indonesien oder die Türkei zu. Wie umweltgerecht dort entsorgt wird, weiß niemand. Der Weg in die Meere ist dann kurz. Es wäre einfach, Müllexporte zu verbieten, damit die Reststoffe bei uns kontrolliert verbrannt werden. Diese thermische Verwertung dann noch zu verteuern, ist kontraproduktiv.

Dabei ist die Müllverbrennung netzdienlich, grundlastfähig und regelbar. Mehr als ein Gigawatt Strom werden zumeist eingespeist, das ist an manchen Tagen mehr, als Wind und Sonne zusammen liefern können.

Der Staat braucht Geld. Kosmetische Diskussionen in Wahlkampfzeiten über die Absenkung der Stromsteuer oder die Mehrwertsteuer auf Energie dienen der Ablenkung.

Die Aufrufe der grünen Bourgeoisie und ihrer Medientrompeten zum Verzicht auf den Karibikurlaub und den neuen SUV sind eine Verhöhnung der Bevölkerung, der immer zahlreicher werdenden Tafelkunden und flaschensammelnden Rentner. Der Trend, dass nicht mehr Atomkerne gespalten werden, sondern die Gesellschaft, geht weiter.

Auch 2022 zeigte, die deutsche Methode einer Energiewende ist weltweit einmalig. Wir sind die Geisterfahrer der globalen Entwicklung und werden die Welt nicht retten. Wir können nur hoffen, dass wir von der Welt gerettet werden. Vielleicht nimmt uns jemand als Kolonie.

Abschließend möchte ich mich bei Rolf Schuster von vernunftkraft.de bedanken, der auch 2022 wieder die Daten der Netzbetreiber akribisch zusammengetragen hat und so einen schnellen und aussagekräftigen Überblick über unseren Energiemix im Stromnetz gibt. Vergleichbares findet man zum Beispiel bei den Bundesverbänden der Wind- und Solarwirtschaft aus gutem Grund nicht. Dort wird vernebelt, zum Beispiel mit der Sprachregelung, dass nur in wenigen Stunden des Jahres Windkraftanlagen keinen Strom liefern. Das klingt besser als eine Verfügbarkeit von etwa 20 Prozent, die sich aus der Volllaststundenzahl ergibt.

1 – www.ag-energiebilanzen.de

 




Woher kommt der Strom? Die kalte Dunkelflaute ist zu Ende

51. Analysewoche 2022

von Rüdiger Stobbe 

Die kalte Dunkelflaute ist zu Ende. Selbstverständlich ist die PV-Stromerzeugung auch in der 51. Analysewoche [2030; 2040 & Factsheet KW 51] wintermäßig weiterhin gering. Die Windstromerzeugung hingegen ist zum Wochenbeginn recht kräftig. Sie kann das Niveau aber nicht halten und sinkt im Verlauf der Woche. Dreimal wird der Import von Strom erforderlich. Die Preise sind volatil. Tendenziell fallen sie.

Vorschau: In der Weihnachtswoche wird bei wenig Bedarf und im Verhältnis zum Strombedarf sehr starker Windstromproduktion die Strom-Übererzeugung für geringe Strompreise sorgen. Strompreise, die häufig an der Null-Linie kratzen. Mehr dazu in der nächsten, in der letzten Analysewoche des Jahres 2022.

Detailanalysen

Bei der Tabelle mit den Werten der Energy-Charts und dem daraus generierten Chart handelt es sich um Werte der Nettostromerzeugung, den „Strom, der aus der Steckdose kommt“, wie auf der Website der Energy-Charts ganz unten ausführlich erläutert wird. Nutzen Sie den höchst empfehlenswerten virtuellen Energiewende-Rechner. (Wie viele Windkraft- und PV-Anlagen braucht es, um Kohle- und/oder Kernkraftstrom zu ersetzen? Zumindest im Jahresdurchschnitt.) Ebenso den bewährten Energierechner.

Schauen Sie sich an, wie sich eine angenommene Verdopplung (Original-Excel-Tabelle) beziehungsweise Verdreifachung (Original-Excel-Tabelle) des Wind- und Photovoltaik- (PV)Stroms auswirken würde. Beachten Sie bitte, dass der Strom bei entsprechender Kennzeichnung im Chart (= 1) oft eben nur im Tagesdurchschnitt ausreicht.

Man erkennt, dass zum Beispiel gut 40 Prozent regenerative Stromerzeugung im Jahr 2021 nur ein Durchschnittswert sind und dass die knapp 50 Prozent im Jahr 2020 trotz Zubaus weiterer regenerativer Stromerzeugungsanlagen durchaus nicht sicher erreicht werden (1. Januar bis 25. Dezember 2022 = 45,7 Prozent). Das physikalisch-technische Problem: Weht der Wind schwach, wird auch bei Vervielfachung der Windkraft- und PV-Anlagen weiter wenig Strom produziert. Weht er hingegen richtig stark, wird sehr, sehr viel Strom produziert. Dann müssen die Windkraftanlagen unter Umständen aus dem Wind genommen, abgeregelt werden. Was das kostet, wie sich die diversen Regulierungsnotwendigkeiten (Eisman) bei einer Stromversorgung mit „Erneuerbaren“ bei den Kosten auswirken, wird hier behandelt.

CO2-Ausstoß bleibt auf hohem Niveau

Die Betrachtung der CO2-Emissionen dieses Jahres offenbart, dass sich Deutschland wieder in die Regionen des Jahres 2018/19 bewegt = über 400 g CO2/kWh. Meine Prognose: Bis zum Ende des Jahres wird der CO2-Ausstoß weiter auf hohem Niveau bleiben. Im Jahr 2023 wird eine nochmalige Steigerung ohnehin der Fall sein. Da braucht es keinen Propheten. Das Kernkraftwerke-Aus bedeutet noch mehr Ersatz- und Ergänzungsstrom aus Gas- und Kohlekraftwerken.

Die Tabellen mit den Import- und Exportzahlen plus Chart vom 1. Januar 2016 bis zum 25. Dezember 2022 sowie der Vortrag von Professor Georg Brasseur von der TU Graz sind sehr erhellend. Professor Brasseur folgt nicht der Wissenschaft. Er betreibt Wissenschaft.

Die WiSo-Dokumentation zum Blackout ist dank Professor Harald Schwarz von der BTU Cottbus und diversen Energiewendeprotagonisten (Mindset-GraichenKemfertPaech) in jeder Hinsicht – realistische Einschätzungen/spinnerte Träumereien – informativ. Dass die Energiewende faktisch gescheitert ist, veranschaulicht Professor Fritz Vahrenholt in seinem Vortrag beim „Berliner Kreis in der Union“.

NEU: Ein ausführlicher Enexion Artikel zur Kalten Dunkelflaute vom 28.12.2022

Am 13. Dezember 2022 erschien der Enexion-Artikel Energiekrise – Wärmepumpen & Mehr. Ein Ausschnitt:

„Hinzu kommt, dass Wärmepumpen nur dann “grün” sind, wenn regenerativ erzeugter Strom per Wind, Solar oder – unsere Meinung – per Kernkraft zum Betrieb erzeugt wird. Dieser notwendige grüne Wind- und PV-Strom ist aktuell nicht mal in dem Umfang vorhanden, um den heutigen Strombedarf – ohne Wärmepumpen, ohne E-Mobilität – zu decken. Dementsprechend werden Wärmepumpen in den nächsten Jahren mit fossilem Strom betrieben werden und haben deshalb praktisch keinerlei Dekarbonisierung-Funktion.

Was im Übrigen auch für die E-Mobilität gilt. Die Idee große Mengen zusätzlicher Stromverbraucher zu installieren, Millionen Elektro-Autos in den Markt zu drücken, ohne den notwendigen regenerativ erzeugten Strom bereitstellen zu können, ist höchst fragwürdig. Der aufmerksame Betrachter fragt sich, wem das nutzen soll. Die Dekarbonisierung wird jedenfalls nicht vorangetrieben werden. Im Gegenteil.“

Ich möchte wieder und besonders auf einen Artikel hinweisen, der auf der Achse erschienen ist und mögliche Folgen einer intensiven Stromerzeugung per Windkraft thematisiert: Wenig Wind durch Windkraft heißt Dürre und Starkregen! Kann es sein, dass gerade Windkraftwerke die Energiewende konterkarieren?

Sehr zu empfehlen, aber leider hinter der Bezahlschranke ist der FAZ-Artikel vom 8. Oktober 2022: ZU BESUCH BEI TRANSNETBW – Stromversorger kämpft gegen Blackout-Gefahr.

Beachten Sie bitte unbedingt die Stromdateninfo-Tagesvergleiche, möglich bis 2016, in der jeweiligen Tagesanalyse unten. Dort finden Sie die Belege für die im Analyse-Text angegebenen Durchschnittswerte und vor allem auch die Im- und Exportwerte. Der Vergleich beinhaltet einen Schatz an Erkenntnismöglichkeiten. Das Analysewerkzeug stromdaten.info ist ein sehr mächtiges Instrument, welches mit dem Tool Fakten zur Energiewende nochmals erweitert wurde. Falls Sie die Agora-Handelstage vermissen: bitte die in den Tagesanalysen verlinkte Agora-Chartmatrix aufrufen.

Wichtige Info zu den ChartsIn den Charts von Stromdateninfo ist Solarstrom gelb markiert und immer oben, oft auch über der Bedarfslinie. Das bedeutet aber nicht, dass dies der Strom ist, der exportiert wird. Im Gegenteil. Wegen des Einspeisevorrangs wird dieser Strom, genau wie anderer regenerativ erzeugter Strom, bevorzugt in das Netz eingespeist. Zum Export bleibt praktisch nur konventionell erzeugter Strom übrig, der immer allein aus Netzstabilisierungsgründen benötigt wird. Gleiches gilt für zusätzliche Stromsenken, umgangssprachlich Stromverbraucher genannt.

Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge zum Beispiel erhöhen den Bedarf erheblich, so sie denn im geplanten Umfang realisiert werden sollten. Der hierfür zusätzlich benötigte Strom wird aber durchaus nicht regenerativ gedeckt. Die Sonne scheint nicht mehr und länger, der Wind weht nicht stärker, nur weil zusätzlicher Strom benötigt wird. Deshalb wird der zusätzlich benötigte Strom aktuell immer zusätzlich konventionell erzeugt. Jedenfalls so lange, bis der „massive Ausbau“ der „Erneuerbaren“ plus Speicher realisiert wurde und 100 Prozent grüner Strom nicht nur im Durchschnitt, sondern auch tatsächlich zur Verfügung steht, wenn er benötigt wird.

Tagesanalysen

Montag, 19.12.2022Anteil Wind- und PV-Strom 43,07 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 52,42 Prozent, davon Windstrom 42,66 Prozent, PV-Strom 0,41 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,34 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix [20302040]. Der Handelstag „Strom-Import/Export“.

Der Montag [20302040] beginnt mit kräftiger Windstromproduktion. Der preis ist über Tag hoch. Trotz des vielen Stroms, der im Markt ist. Der Bedarf in Europa ist offensichtlich vorhanden. Die Im- und Exportwerte Deutschlands, die von Deutschlands Nachbarn und die Strompreise des Tages plus die Zusammensetzung der deutschen Stromimporte können hier analysiert werden.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 19. Dezember ab 2016.

Dienstag, 20.12.2022Anteil Wind- und PV-Strom 43,33 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 53,01 Prozent, davon Windstrom 42,57 Prozent, PV-Strom 0,76 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,69 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix [20302040]. Der Handelstag „Strom-Import/Export“.

Am Dienstag [20302040] wird der bundesdeutsche Strombedarf komplett mit in Deutschland erzeugtem Strom gedeckt. Der Strompreis entwickelt sich ähnlich wie am Montag. Die Im- und Exportwerte Deutschlands, die von Deutschlands Nachbarn und die Strompreise des Tages plus die Zusammensetzung der deutschen Stromimporte können hier analysiert werden.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 20. Dezember ab 2016.

Mittwoch, 21.12.2022Anteil Wind- und PV-Strom 33,15 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 44,42 Prozent, davon Windstrom 32,11 Prozent, PV-Strom 1,04 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,28 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix [20302040]. Der Handelstag „Strom-Import/Export“.

Eine Windstromsenke [20302040] sorgt ab 6:00 Uhr  für den ersten Stromimport dieser Woche. Der Strompreis bleibt hoch. Die Im- und Exportwerte Deutschlands, die von Deutschlands Nachbarn und die Strompreise des Tages plus die Zusammensetzung der deutschen Stromimporte können hier analysiert werden.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 21. Dezember ab 2016.

Donnerstag, 22.12.2022Anteil Wind- und PV-Strom 38,47 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 50,03 Prozent, davon Windstrom 37,05 Prozent, PV-Strom 1,42 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,55 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix [20302040]. Der Handelstag „Strom-Import/Export“.

Heute [20302040]konsolidiert sich die Windstromerzeugung auf etwas niedrigerem Niveau als an den Vortagen. Bei etwas weniger überschüssigen Strom bewegen sich die Strompreise über Tag wieder um die 220€/MWh-Marke. Die Im- und Exportwerte Deutschlands, die von Deutschlands Nachbarn und die Strompreise des Tages plus die Zusammensetzung der deutschen Stromimporte können hier analysiert werden.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 22. Dezember ab 2016.

Freitag, 23.12.2022Anteil Wind- und PV-Strom 26,94 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 40,84 Prozent, davon Windstrom 25,89 Prozent, PV-Strom 1,05 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,90 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix [20302040]. Der Handelstag „Strom-Import/Export“.

Die zweite Windstromsenke [20302040] der Woche führt zu erneutem Stromimport. Bemerkenswerterweise führt das diesmal nicht zu einer wesentlichen Steigerung des Strompreises. Die Im- und Exportwerte Deutschlands, die von Deutschlands Nachbarn und die Strompreise des Tages plus die Zusammensetzung der deutschen Stromimporte können hier analysiert werden.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 23. Dezember ab 2016.

Samstag, 24.12. 2022Anteil Wind- und PV-Strom 39,00 Prozent. Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 54,27 Prozent, davon Windstrom 36,48 Prozent, PV-Strom 2,52 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,28 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix [20302040]. Der Handelstag „Strom-Import/Export“.

Der Bedarf sinkt. Heiligabend. Über Tag [20302040] sackt die Windstromerzeugung ab. Die PV-Stromerzeugung legt etwas zu. Das Preisniveau sinkt erheblich. Die Im- und Exportwerte Deutschlands, die von Deutschlands Nachbarn und die Strompreise des Tages plus die Zusammensetzung der deutschen Stromimporte können hier analysiert werden.

Belege für die Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 24. Dezember ab 2016.

Sonntag, 25.12.2022Anteil Wind- und PV-Strom 40,54 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 57,87 Prozent, davon Windstrom 36,62 Prozent, PV-Strom 3,92 Prozent Strom Biomasse/Wasserkraft 17,33 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix [20302040]. Der Handelstag „Strom-Import/Export“.

Am ersten Weihnachtstag [20302040] wird Stromimport notwendig. Der Strompreis fällt nochmals. Die Im- und Exportwerte Deutschlands, die von Deutschlands Nachbarn und die Strompreise des Tages plus die Zusammensetzung der deutschen Stromimporte können hier analysiert werden.

Belege für die Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 25. Dezember ab 2016.

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier.

Rüdiger Stobbe betreibt den werbefreien Politikblog www.mediagnose.de.




Experten befürchten, dass es auch im nächsten Winter zu einer Energiekosten-Krise kommt – vielleicht sogar noch viel schlimmer

August Graham, PA Business Reporter
Wenn sich Europa bei der Deckung seines Gasbedarfs zunehmend auf LNG-Tanker verlässt, wird es auf Jahre hinaus höhere Preise zahlen müssen.

Die Augen der Experten richten sich bereits auf Weihnachten 2023, da in Europa trotz der Energiekrise, die den Kontinent seit mehr als einem Jahr im Griff hat, die Lichter über die Festtage nicht erloschen sind.

Während sich die Netze weiterhin darauf konzentrieren, die Versorgung der Haushalte mit genügend Gas und Strom für die kommenden Monate sicherzustellen, befürchten Experten bereits, dass sich die gleichen Herausforderungen im nächsten Winter wiederholen und vielleicht sogar noch verschärfen könnten.

Und die Auswirkungen der derzeitigen Gaskrise könnten sogar noch länger anhalten. Im Dezember warnte eine der angesehensten Energieberatungsfirmen in UK, dass die Gaspreise bis zum Ende des Jahrzehnts hoch bleiben könnten. Und das, obwohl die Briten in diesem Winter mehr Geld als je zuvor ausgeben müssen, um ihre Häuser warm zu halten. Dasselbe gilt für die meisten Länder Europas, wo die Gas- und Strompreise in den letzten anderthalb Jahren in die Höhe geschossen sind.

Die Situation auf dem Kontinent im nächsten Winter wird nicht zuletzt davon abhängen, wie kalt die Monate Januar, Februar und März ausfallen werden, sagen Experten. Wenn das Wetter für die Jahreszeit ungewöhnlich mild ist, werden die Menschen wahrscheinlich nicht so viel Gas zum Heizen ihrer Häuser benötigen, so dass die europäischen Gasspeicher am Ende des Winters über mehr Reserven verfügen. Dies würde es dem Kontinent erleichtern, seine Vorräte im Sommer wieder aufzufüllen, auch ohne russisches Gas.

Martin Young, ein leitender Analyst bei Investec sagte, dass vor dem nächsten Winter auch etwas mehr Windkraft ans Netz gehen wird, was die Stromversorgung unterstützen wird. Bei einigen Kohle- und Atomstromerzeugern herrscht jedoch noch Unsicherheit. Die Regierung hat mit alten Kohlekraftwerken, die stillgelegt werden vereinbart, dass sie bei Bedarf in diesem Winter wieder ans Netz gehen können. Bislang war dies nicht notwendig, aber die Minister wollen diese Vereinbarung möglicherweise bis zum nächsten Winter verlängern.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir keine großen Veränderungen auf der Angebotsseite in UK sehen werden. Letztendlich wird es davon abhängen, wo wir den Winter verbringen, wenn man sich den weiteren europäischen Kontext ansieht“, sagte er.

Obwohl die Lieferungen aus Russland im letzten Sommer versiegten, kam immer noch etwas Gas durch, so dass die Europäer es für schlechte Zeiten zurücklegen konnten. Im nächsten Sommer werden die Pipelines, die Russland mit Europa verbinden, wahrscheinlich fast vollständig abgeschaltet werden. Infolgedessen wird ein Großteil des nach Europa importierten Gases mit Schiffen aus den USA, Katar und anderen Ländern angeliefert werden müssen.

Es gibt jedoch nur eine begrenzte Anzahl von Flüssiggastankern (LNG) auf der Welt und eine begrenzte Anzahl von Plätzen, an denen sie in Europa anlegen können. Um mehr von diesem Gas – das auf etwa -160 °C abgekühlt wird, um es flüssig zu machen, damit es leichter gelagert und transportiert werden kann – an die europäischen Küsten zu bringen, wurden in den letzten Monaten Projekte für neue Terminals ins Leben gerufen oder beschleunigt.

Im Dezember eröffnete Deutschland sein erstes LNG-Terminal überhaupt und signalisierte damit einen massiven Wandel in der Energiepolitik des Landes, das in der Vergangenheit so stark von russischen Gasimporten abhängig war. Zwei weitere LNG-Terminals sollen im nächsten Jahr in Deutschland eröffnet werden.

UK sowie Spanien und Portugal verfügen über die größten LNG-Importkapazitäten in Europa, was ihnen den Zugang zu den Weltmärkten ermöglicht. Allerdings verfügt die iberische Halbinsel nur über wenige Gaspipelines, die sie mit dem übrigen Europa verbinden, so dass die spanischen Terminals für die Nachbarländer weniger nützlich sind.

Obwohl Centrica vor kurzem einen alten, stillgelegten Gasspeicher wieder in Betrieb genommen hat, gibt es im Vereinigten Königreich nur wenige Orte, an denen das im Sommer importierte LNG gelagert werden kann. Daher wird ein großer Teil des Gases, das an den britischen Terminals ankommt, direkt nach Europa, insbesondere in die Niederlande, re-exportiert, wo es zur Vorbereitung auf den Winter in unterirdische Lagerstätten gepumpt wird.

Gas aus Norwegen und den Gasfeldern in UK wird auch dazu dienen, die europäischen Vorräte für die wärmeren Monate aufzufüllen, wenn Haushalte und Unternehmen weniger Gas benötigen. Doch obwohl LNG eine Teillösung für die Gasversorgung Europas bieten kann, kann es die Gaspreise nicht auf das frühere Niveau drücken. LNG ist bereits eine teure Art, Gas zu transportieren – es braucht viel Energie und teure Ausrüstung, um es für die Tanker kalt genug zu bekommen und zu halten. Und da LNG-Tanker überall hinfahren können, um sich das lebenswichtige Gas zu sichern, das Europa braucht, muss es die Preise überbieten, die Käufer in aller Welt zu zahlen bereit sind.

Wenn sich Europa also zunehmend auf LNG-Tanker verlässt, um seinen Gasbedarf zu decken, wird es jahrelang höhere Preise zahlen müssen. Cornwall Insight, ein angesehenes Energieberatungsunternehmen mit Sitz in East Anglia, geht davon aus, dass die Preise bis zum Ende des Jahrzehnts hoch bleiben werden.

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Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

Anmerkung: Dieser Beitrag ist dem jüngsten Rundbrief der GWPF entnommen, weshalb kein expliziter Link angegeben werden kann. Die Übersetzung kann aber mit Klick auf das Original überprüft werden.