Kernkraft, nein danke?

Die Angst der Deutschen vor der Kernkraft

Der hastige, panikartige Beschluss der Bundesregierung von 2011, aus der Stromerzeugung mittels Kernkraft auszusteigen (Stichwort Fukushima), war falsch, ist falsch und wird falsch bleiben. Aber die wohl meisten Deutschen haben vor der Kernkraft Angst. Mit Tatsachen ist ihr schwer beizukommen. Wer es versucht, stößt sofort auf Ablehnung, Tatsachen sind unerwünscht. Schon der Versuch wird wahrgenommen als Angriff auf die persönliche Meinung. Die steht unerschütterlich fest: Meine Angst gehört mir, die lasse ich mir nicht nehmen. Weil diese Angst besteht, müssen Politiker sie ernst nehmen. Aber sie ist irrational, sie ist geschürt, über Jahrzehnte, von Medien, von Politikern, an der Spitze die „Grünen“. Verantwortungsvolle Politiker hätten nicht mitschüren, sondern aufklären sollen. Das ist leicht gesagt und schwer getan. Politiker riskieren Wählerverlust, den Rückhalt ihrer Partei, den Mandatsverlust. Jetzt wird die Angst weitergeschürt. Der Anlass ist der Abschlussbericht über den Versuchsreaktor in Jülich.

Der Auftrag, die Betriebsgeschichte des Versuchsreaktors zu untersuchen

Dieser Reaktor ist längst stillgelegt, seit 21 Jahren. Betrieben worden war er von 1967 bis 1988. Niemand ist zu Schaden gekommen. Nicht stilllegen ließ sich jedoch die Diskussion über ihn und über die mit ihm zusammenhängenden technischen Fragestellungen. Dabei ging es auch um überhöhte Temperaturen im Reaktorkern, die seinerzeit angeblich nicht erkannt worden seien, und um angeblich hohe Freisetzungen von Spaltprodukten aus den Brennelementen. Die beiden für den Reaktor verantwortlichen Gesellschaften „nahmen dies schließlich zum Anlass, die Betriebsgeschichte des Versuchsreaktors durch externe Experten untersuchen zu lassen“. Weiteres dazu hier. Diese Expertengruppe hat ihre Arbeit aufgenommen im Sommer 2011. Ihr Bericht liegt mit dem Datum 26. März 2014 inzwischen vor. Morgen am 10. Juni findet dazu eine öffentliche Veranstaltung statt.*)

Feststellungen in der Untersuchung medial zum Skandal aufgeblasen

Doch schon vor der Veranstaltung wurde der Bericht medial instrumentalisiert, um gegen die Kernkraft im allgemeinen und gegen den Versuchsreaktor im besonderen zu polemisieren und dasjenige zum Skandal aufzublasen, was die Expertengruppe in ihrem Bericht beanstandet oder glaubt, beanstanden zu müssen. Ein Beispiel dafür liefert die Aachener Zeitung vom 26. April. Unter der Überschrift „Blindflug durch ein hochgefährliches Experiment“ teilte sie ihren Lesern mit, der Versuchsreaktor sei auf ganzer Breite gescheitert. Es habe Manipulationen, Vertuschungen, Täuschungen, Beschwichtigungen und einen sehr ernsten Störfall gegeben, der hochgefährliche Folgen hätte haben können. Durch den Bericht über den Reaktorbetrieb ziehe sich die mangelnde Kontrolle in vielen Bereichen wie ein roter Faden – eben wie eine Art Blindflug durch eine gefährliche Technologie. Den Vorsitzenden der Expertengruppe, Christian Küppers, zitiert das Blatt mit dessen Fazit „Vorher habe ich mir nicht vorgestellt, dass man an so eine gefährliche Technik in Deutschland so herangeht.“ Dem Expertenbericht selbst ist diese alarmistische Feststellung nicht zu entnehmen; er ist wissenschaftlich kühl und nüchtern gehalten. Seine Kurzfassung hier, seine Langfassung hier, der vollständige Zeitungsbericht hier.

Pannen, Störfälle, Eingriffe – ein Versuchsreaktor arbeitet nie gleich störungsfrei

Aber „gescheitert auf ganzer Breite“ ist der Versuchsreaktor keineswegs, jedenfalls nicht an sich selbst, nicht technisch. Wohl hat es Pannen und Störfälle gegeben, wohl zum Beispiel die Eingriffe per Hand in die Sicherheitsschaltung für eine zu hohe Kühlgasfeuchte, wodurch die Messbereiche umgestellt wurden, damit es nicht zu einer Schnellabschaltung kam. Aber für dergleichen war es schließlich ein Versuchsreaktor, und für Versuche, für das Erkennen möglicher Pannen und für das Beheben von Störfallen ist so ein Reaktor schließlich vorgesehen. Neue Technik, die in der Praxis erprobt wird, funktioniert nie gleich störungsfrei. Fehler werden gefunden, Schwächen werden erkannt – und behoben. Ebendies war die Aufgabe des Reaktors.

Ein Opfer der aufgeheizten Stimmung gegen die Kernkraft

Nicht deswegen also ist für den Reaktor in Jülich das Ende gekommen. Letztlich wurde er ein Opfer des Reaktorunfalls von Three Mile Island (1979) und von Tschernobyl (1986) und der damit gegen die Kernkraft politisch aufgeheizten Stimmung in der breiten Öffentlichkeit. Die hat bei zu vielen Menschen das Vertrauen in die Sicherheit von Kernkraftwerken zerstört. Dass es sich bei beiden Katastrophen um ganz andere Reaktortypen handelte als beim Jülicher Versuchsreaktor spielte in dieser Stimmung keine Rolle. Die Politiker bekamen Fracksausen Da nützten ihm auch seine überragenden und unbestreitbaren sicherheitstechnischen Eigenschaften nichts, obwohl sie, wie es im Expertenbericht heißt, „mit beträchtlichem Aufwand gegenüber Politik und Fachöffentlichkeit herausgestellt“ wurden. Zusätzlich, so ist dort ebenfalls zu lesen, hätten ihm „die schlechten Betriebsergebnisse“ und „das Ausbleiben neuer Aufträge“ geschadet.

Der Versuchsreaktor mit dem Kugelhaufen und das Ziel mit ihm

Wie ist es überhaupt zu dem Versuchsreaktor gekommen? 1959 hatten sich fünfzehn kommunale Elektrizitätsversorgungsunternehmen zur Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR GmbH) zusammengeschlossen. Ihr Ziel war, die Machbarkeit und Funktionsfähigkeit eines gasgekühlten, graphitmoderierten Hochtemperaturreaktors (HTR) zu demonstrieren. Dieser AVR-Versuchsreaktor, kurz dann meist nur „der AVR“ genannt, wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zur damaligen Kernforschungsanlage Jülich (KFA) gebaut, die sich seit 1990 Forschungszentrum Jülich (FZJ) GmbH nennt.

Die drei großen Vorteile des Reaktors in Jülich

Dieser AVR in Jülich war ein Kugelhaufenreaktor. Erfunden hat solche Reaktoren der amerikanische Chemiephysiker Farrington Daniels (1889 bis 1972). Den Jülicher Kugelhaufenreaktor der AVR GmbH entwickelt hat in den 1950er Jahren der deutsche Physiker und Nukleartechniker Rudolf Schulten (1923 bis 1996) an den (damaligen) Kernforschungsanlagen Karlsruhe und Jülich. Im Kugelhaufenreaktor wird das Brennmaterial (Thorium, Uran oder Plutonium) in Graphitkugeln eingeschlossen. Etwa 5 Prozent der Masse einer tennisballgroßen Kugel besteht aus Körnern des radioaktiven Materials. Durch diesen Einschluss ergeben sich drei große Vorteile. Leicht verständlich hat sie der Physiker Jörg Ringshier beschrieben. Vor allem ist der Reaktor inhärent sicher.

Der Fachleute-Protest gegen den Zeitungsbericht

Gegen den Bericht in der Aachener Zeitung (AZ) vom 26. April und gegen andere ähnliche skandalisierende Darstellungen haben drei ehemalige Mitarbeiter und Studenten von Rudolf Schulten am 2. Mai in einem Brief an die AZ Einspruch erhoben und protestiert: Urban Cleve, Reinhard Böhnert und Helmut Alt, alle drei promovierte Ingenieure. Cleve hat an der RWTH Aachen Energietechnik studiert und dort auch promoviert und war Hauptabteilungsleiter für Technik der BBC/Krupp Reaktorbau GmbH, Böhnert emeritierter Professor für Anlagenbau und Verfahrenstechnik und Helmut Alt emeritierter Professor für Elektrotechnik und Informationstechnik. Die BBC/Krupp Reaktorbau GmbH war es, die den AVR geplant, konstruiert, montiert und in Betrieb genommen hat.

„Es war der Betrieb des sichersten Kernkraftwerks der Welt“

In ihrem Brief schreiben die drei mit dem AVR vertrauten Fachleute unter anderem: „Der Störfall von 1978 wurde nicht verschwiegen, sondern wissenschaftlich analysiert und bewertet, so, wie sich das für den Forschungsauftrag dieses Atom-Versuchs-Reaktorprojektes gehörte. Diese Analyse hatte mit Zustimmung aller zuständigen Aufsichtsgremien den Weiterbetrieb bis zum 31.12.1988 unter der Betriebsleitung von Egon Ziermann zur Folge.“ Es folgen ein paar technische Erläuterungen zu den grundlegenden Konstruktionsdaten des Reaktors, die aber nur Fachleuten etwas sagen. Dann als ein Fazit: „Es war also kein Blindflug durch eine der gefährlichsten Technologien, sondern der Betrieb des sichersten Kernkraftwerks der Welt. Der Dampferzeugerstörfall war kein Störfall sondern, nach der, allerdings erst später eingeführten, INES-Bewertungsskala der IAEA eine Störung nach INES 1 (das bedeutet: Störung, Abweichung vom normalen Betrieb der Anlage).“

„Kein anderes KKW hätte zweimal diesen Test-GAU überstanden“

Und ferner: „Alle weiteren Ereignisse die in dem Bericht erwähnt werden, waren Ereignisse nach Ines 0, (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung), waren also zum Teil noch nicht einmal meldepflichtige Vorgänge. Es wurde also nichts vertuscht und das FZ-Jülich braucht sich auch für nichts zu entschuldigen.“ Im Übrigen sei der Jülich-Reaktor das einzige Kernkraftwerk in der Welt, mit dem zweimal ein “Test-GAU” durchgeführt worden sei. Niemand habe davon etwas gemerkt, und der Reaktor habe nach einigen Tagen der Abkühlung völlig problemlos weiterbetrieben werden können. „Er ist also das Kernkraftwerk mit der allerhöchst-denkbaren Sicherheit, kein anderes KKW in der Welt hätte einen solchen Test überstanden.“ Der vollständige Brief hier. Zugleich wendet er sich gegen das, was am 27. April Spiegel-Online vom Expertenbericht über den Reaktor geschrieben hatte. Der Bericht beschreibe haarsträubende Zustände: „Gefährliche Pannen wurden vertuscht, Strahlungsaustritte nur zufällig entdeckt.“ Der Spiegel-Bericht hier.

Was der Mit-Erbauer Urban Cleve im Expertenbericht alles vermisst

Einer der vier Experten, die den Bericht über den AVR verfasst haben, war der (am 27. April 2014 gestorbene) Leopold Weil, promovierter und habilitierter Ingenieur und zuletzt Leiter des Fachbereichs “Sicherheit in der Kerntechnik” des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Ihm hatte der Energietechniker Urban Cleve als einer der Mit-Erbauer des Reaktors am 26. März 2014 folgendes geschrieben: „Nach einer ersten Durchsicht vermisse ich:
1.) Den Hinweis, daß der AVR für eine Primärgasaktivität von 10 hoch 7 Curie ausgelegt und konstruiert worden ist. Gemessen wurden später im Durchschnitt 360 Curie, das ist fast der Faktor 1:1 Million. Damit relativieren sich alle beschriebenen “überhöhten Ereignisse und Messungen von Spaltprodukten”.
2.) Den Hinweis auf: – siehe Abb. 3 atw-Heft 12/2009 und atw. 5.1966 S. 269 -271 – Versuche mit der Kugelbettschüttung. Hieraus ergibt sich die Erklärung, daß einzelne BE an den “Einbuchtungen der Grafitwand” nur partiell gekühlt werden. Die ‚geschmolzenen Monitor-Kugeln’ haben wahrscheinlich, und das war bekannt, an diesen ‚Einbuchtungen’ gelegen und konnten nicht vollständig gekühlt werden. Die erwarteten höheren Temperaturen konnten, da sie weder festigkeitsmäßig noch in Bezug auf Spaltproduktdurchtritte hätten gefährdet werden können, oder eine Gefährdung hätte eintreten können, bewußt in Kauf genommen. Diese etwas geringer gekühlten Elemente wurden beim weiteren Durchlauf durch das Core dann wieder vollständig gekühlt. Im Verhältnis zu der Gesamtzahl der Elemente lagen sie bei sicher unter 1%. Das im 1:1 Experiment ermittelte “Kühl-Strömungsprofi” des Cores war erstaunlich gleichmäßig von Wand zu Wand. (Erläuterung kpk: Mit Core ist der Reaktorkern gemeint, mit BE Brennelemente)
3.) In diesem Zusammenhang fehlt auch der Hinweis, daß in 21 Betriebsjahren nur 210 BE wegen Bruchs ausgeschleust werden mußten.
4.) Aus einer Undichtigkeit im Überhitzer des Dampferzeugers kann kein “Wasser” austreten, sondern nur Dampf. Hier liegt der alles bestimmende Gedankenfehler des Herrn Dr. Moormann. Die Darstellung in Ihrem Bericht ist also falsch. Das gefundene Wasser kondensierte erst nach Abschaltung des Reaktors an den kalten Stellen. Es handelte sich daher auch nicht um einen “Störfall” sondern um eine “Störung” nach Ines 1.
5.) Bei allen Kritikpunkten fehlt mir der Hinweis auf eine mögliche Gefährdung der Anlage. Sie hätten dann objektiverweise erwähnen sollen, daß alle beschriebenen kritischen Ereignisse /Störungen Ines 0-1 entsprachen, ja meist keinerlei Einfluß auf einen sicheren Betrieb des AVR hatten.
Dies nur zu den wichtigsten Punkten. Bitte informieren Sie hierzu auch Ihre Kollegen der Expertengruppe. Für eine kurze Stellungnahme wäre ich Ihnen dankbar, vielleicht überarbeiten Sie dann Ihren Bericht noch einmal, bevor Sie diesen übergeben.“
Leopold Weil hat darauf zwar am 30. März kurz geantwortet, aber zu keinem der Einwendungen von Cleve Stellung genommen – wohl deswegen, weil ihn seine Krankheit schon zu sehr mitgenommen hatte. In der postwendenden Antwort schreibt Cleve unter anderen:

„Warum nur diese negative Darstellungen?“

„Der Bericht ist zwar wissenschaftlich hochinteressant, nur, alles was beschrieben ist, war untersucht und die konstruktiven Maßnahmen waren getroffen. Auch fehlt der Hinweis, daß der AVR ein Versuchsreaktor war. Sie haben richtig geschrieben, daß zahlreiche Brennelemente (BE) verschiedener Konsistenz und Fertigung in diesem Reaktor untersucht worden sind. Alle waren noch in der Entwicklung!! Wegen der hochsicheren Auslegung für 10 hoch7 Curie Primärgasaktivität war der AVR ja hierzu auch bestens geeignet. Warum dann diese negative Darstellung? Die Aktivität im THTR war so gering, daß eine Totalemission des Kühlgases keine Evakuierung der Umgebung erforderlich gemacht hätte. Das war sicher auch ein Erfolg, der auf den Experimenten mit BE im AVR zurückzuführen ist. Auch dies hätte man erwähnen können. Warum nur diese negative Darstellungen? Wenn ein Nichtfachmann dies liest, kann er nur denken: “waren die von allen guten Geister verlassen?” dabei war der Betrieb des AVR ein toller, ja man kann fast sagen, einmaliger Erfolg. Politisch kann man alles schlechtreden, vor allem, wenn man keine Verantwortung für das trägt, was man schreibt. Ein Auto fährt ja auch noch, wenn mal eine Birne aus der Beleuchtung ausfällt, das sind in einem KKW schon meldepflichtige Ereignisse. Daß es nur 46 waren, ist phänomenal gut, oder?“ (Erläuterung kpk: Mit THTR ist der Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktor vom Typ Kugelhaufenreaktor in Hamm gemeint).

„Die grundlegenden Fehler schon in der Aufgabenstellung“

Gleich am 2. April schrieb Cleve an Weil nochmals: „Mir ist nicht klar, warum von der Expertenkommission niemand vom alleinigen Planer und Konstrukteur des AVR gehört wurde. Der AVR wurde ausschließlich von der damaligen BBC/Krupp Reaktorbau GmbH geplant, konstruiert, montiert und in Betrieb genommen. Da die grundlegenden Fehler schon in der Aufgabenstellung der Einleitung stehen, kann der ganze Bericht nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Ich habe während der ganzen Zeit meiner Tätigkeit mit Verantwortung für all diese Fragen, weder bei Besprechungen intern, noch mit dem Kunden AVR noch mit den Genehmigungsbehörden oder den zuliefernden Gesellschaften je einen einzigen Mitarbeiter der damalig KFA als Teilnehmer erlebt. Daher kann die KFA überhaupt keine Kenntnisse von der wichtigen Zeit der Erstellung des AVR-KKW haben. Die KFA hatte auch nichts mit dem/der AVR zu tun. Ausgenommen hiervon war nur Prof. Dr. R. Schulten als ehemaliger GF der BBK, er hatte noch einen Beratervertrag mit BBC.“ (Erläuterung kpk: Kunde AVR = Kunde Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH, KFA = Kernforschungsanlage Jülich, KKW = Kernkraftwerk, GF = Geschäftsführer, BBK = Bundesanstalt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe)

„China baut seine neuesten Reaktoren heute noch so“

Und weiter: „Ich vermag beim besten Willen in dem ganzen Bericht nichts erkennen, was zu einer Gefährdung des AVR hätte führen können. Die hohe Verfügbarkeit von ztw. über 92 % ist doch ein Zeugnis hiervon, ganz abgesehen von den zweimaligen “Test-GAU” Experimenten. Auch die Funktion der Helium-Gasreinigungsanlagen wurde nicht erwähnt. Auch diese waren für die “Erstauslegung des AVR” mit einer Aktivität des Primärgases von 10 hoch 7 Curie ausgelegt, also völlig überdimensioniert und mit einer Doppelummantelung viel zu sicher gebaut. Probleme gab es erst durch Herrn Dr. R. Moormann,**) der bislang allen Diskussionen ausgewichen ist. In meinem Vortrag vor dem ICAPP in Nizza habe ich erklärt, daß der Moormann-Report der KFA eine Schande für die KFA darstellt. Diese Formulierung habe ich Herrn Dr. Moormann und auch Prof. Dr. Bachem***) zuvor mitgeteilt, da kein Einwand kam, habe ich das auch so vorgetragen, mit Zustimmung der EU-FZ-Petten. Siehe auch meine Ausführungen mit Dialog mit Dr. Moorman im ‚Zukunfsdialog der Bundeskanzlerin’. China baut seine neuesten Reaktoren heute noch so, daß der erfundene “Moormann-Störfall” eintreten könnte. Sind die alle soviel ‚dummer’ als Herr Dr. Moormann, es waren ja überwiegend seine Kollegen, die er damit heute noch ‚an den Pranger’ stellt.“ (Erläuterungen kpk: ICAPP = International Congress on Advances in Nuclear Power Plants im Mai 2011, EU-FZ-Petten = EU-Forschungszentrum – Institut für Energie – im niederländischen Petten).

“Der erdachte Moormann-Störfall”

Am 6. Juni hat Cleve auch an die FAZ geschrieben und zu Moormann dies: „Ich, und nicht nur ich, haben Herrn Dr. Moormann mehrfach um ein Gespräch gebeten. Er hat dies stets verweigert. Seine These wird weltweit von keinem Nuklearphysiker geteilt. Sein erdachter Störfall ist so trivial, daß wohl kaum jemand das nicht von selbst erkennt. Er wurde schon in den 50iger Jahren, als Dr. Schulten noch Mitarbeiter bei BBC in Mannheim war, von allen denkbaren Forschungsinstituten und TÜV untersucht. Ohne eine positive Stellungnahme wäre die AVR nie gegründet worden. Die beiden im Bau befindlichen KKW in China werden nach dem gleichen Prinzip gebaut, heute noch, auch hier könnte also der Moormann-Störfall eintreten. Die maßgeblichen Nuklearphysiker in China haben an der KFA studiert, sind, genauso wie er, Schüler von Prof. Dr. Schulten. Sie kennen den Bericht genau und bauen seit 6 Jahren weiter.“ Die FAZ hatte am 6. Juni eine ganze Seite über den Expertenbericht geschrieben und zog dieses Fazit: „Vor 36 Jahren kam es im Forschungsreaktor Jülich zu einem Störfall. Die Grünen sagen, Deutschland sei nur um Haaresbreite einem GAU entgangen. Doch Belege dafür gibt es nicht.“ Der ganze FAZ-Bericht hier.

Cleves Darstellungen gehören zur Beurteilung zwingend dazu

Cleve ist nach eigener Aussage der letzte noch Lebende aus der oberen Führung von der Erbauerfirma BBC/Krupp. Er hat am 2. Mai auch an Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft geschrieben hier, ferner an den Leiter des Forschungszentrums Jülich Professor Bachem hier sowie an die Expertengruppe hier. Mir liegen Stellungnahmen von Urban Cleve auch aus den Jahren 2008 bis 2013 vor, die hier nicht alle aufzuführen sind. Man mag zu seinen Einwendungen und Erklärungen sagen, ein damals Mitverantwortlicher versuche, sich von der Kritik im Expertenbericht reinzuwaschen. Nichtfachleute können das zwar schwerlich beurteilen. Auch ich bin einer von ihnen. Aber diese Einwendungen gehören zur Beurteilung zwingend dazu, denn sie klingen vernünftig, plausibel und nicht abwegig. Daher müssen auch sie öffentlich werden.

In Deutschland entwickelt, aber Deutschland hat nichts davon

Als Erkenntnis bleibt, wie Jörg Rings (a.a.O.) schreibt, „dass diese Technik zwar in Deutschland erfunden wurde, aber Deutschland fast nichts davon hat“. Und aus heutiger Sicht müsse man das echt bedauern: „Wenn noch 20 Jahre daran geforscht worden wäre, könnte man heute nochmal für Kernenergie sein und solche neuen Reaktoren bauen statt neuer Kohlekraftwerke.“Kernkraft ade, o weh, o weh.
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*) Um 18 Uhr im Technologiezentrum Jülich (TJZ). Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich (Anfahrt hier). Bis zum 5. Juni bestand die Möglichkeit, Fragen zum Bericht einzusenden. Die Experten wollen sie bei der Veranstaltung beantworten. Kontakt zur Expertengruppe: avr-expertengruppe@fz-juelich.de
**) Wer ist R. Moormann? Bei Wikipedia findet sich dies über ihn: hier
***) Wer ist Prof. Dr. Bachem? Siehe hier. Die Stellungnahme des Forschungszentrum Jülich vom 28. April 2014 zum Expertenbericht hier.
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Unsere Gesellschaft ist grundsätzlich unehrlich

Christian Schlüchter war Forscher und Lehrer an der ETH Zürich, wo er 1990 die Lehrbefugnis erwarb. Von 1993 bis 2012 war er Inhaber des Lehrstuhls für Umwelt- und Quartärgeologie an der Universität Bern. Schlüchter forschte in den Alpen, in der Antarktis, in Neuseeland, auf dem Plateau von Tibet und in der Türkei. Auf der Home Page der Universität Bern werden über 2000 wissenschaftliche Publikationen von ihm aufgeführt (hier).
Der Bund, eine Schweizer Tageszeitung der Stadt Bern, hat ein längeres Interview mit Christian Schlüchter veröffentlicht, das wir nachfolgend in voller Länge veröffentlichen. Wir danken dem Bund für die freundliche Genehmigung für diese Veröffentlichung. Der Artikel des Bund selber ist auch im Internet (hier) aufzufinden. Nun das Interview:
Herr Schlüchter, Sie haben aufgrund der Analyse von Holzfunden im Vorfeld von Gletschern herausgefunden, dass Hannibal bei der Überquerung der Alpen meist durch den Wald, aber nie über Gletscher ging.
Das ist pointiert ausgedrückt. Mit Hannibal wurde ich im Laufe meiner Forschungen aber tatsächlich konfrontiert. Ein Freund sagte mir, dass ich die Öffentlichkeit darauf vorbereiten sollte, vom hehren Bild der Alpen mit Gletschern im Abendrot Abschied zu nehmen – zugunsten einer «hannibalistischen Welt».
Was meinen Sie mit «hannibalistischer Welt»?
Die Waldgrenze lag viel höher als heute, Gletscher gab es kaum. In keinem der detaillierten Reiseberichte aus der Römerzeit werden Gletscher erwähnt.
Den ersten Holzfund machten Sie am Steingletscher im Sustengebiet. Es habe sie «tschuderet», sagten Sie später. Wie haben Sie das gemeint?
Bis in die 90er-Jahre beschränkte sich die Gletscherforschung auf eine Datierung der Gletschervorstösse und Moränenstände. Dabei ging vergessen, was zwischen den Vorstössen geschah. Man kannte nur 50 Prozent der Gletschergeschichte. Und plötzlich stiess ich auf dieses Holz, wenige Meter vor dem Gletscher. Es war zerschlissen, als ob jemand mit einem stumpfen Beil daran gearbeitet hätte. Mir war sofort klar: Das ist ein Dokument, wie man es bisher noch nie gefunden und analysiert hatte. Der Baum musste älter sein als die Kleine Eiszeit (1400 bis 1850). Ich liess ihn umgehend im Labor datieren.
Und wie alt war er?
Knapp über 4000 Jahre alt.
Was haben Sie sich dabei gedacht?
Ich müsse weitere Belege finden. Kurz darauf war ich mit Studierenden im Val Malenco im Veltlin, wo wir auf ein Seelein vor einem kleinen Gletscher stiessen. Das Gewässer wurde gestaut von einer Moräne aus der Kleinen Eiszeit. In deren Erosionsrillen fanden wir zusammengedrückte Sedimente eines weiteren Sees mit organischen Spuren. Diese waren praktisch gleich alt wie das Holz am Steingletscher. Das heisst: Vor der Kleinen Eiszeit gab es bereits ein Seelein, das dann vom Gletscher zugedeckt wurde. Zwei Jahre später fand ich zahlreiche Hölzer am Unteraargletscher. Seither habe ich mehr oder weniger regelmässig weitere Belege gefunden.
Dort, wo heute der Unteraargletscher liegt, war einst grüne Fläche?
Es war eine Landschaft mit einem breiten, verwilderten Fluss. Wir fanden auch viele über 2000-jährige Torfstücke.
Haben Sie je daran gedacht, dass 10’000 Jahre Erdgeschichte neu geschrieben werden müssten?
Nein, nein. Das wäre vermessen. Die holozäne Gletschergeschichte war ja nicht mein primäres Forschungsgebiet.
Aber bis dahin ging man ja von einem Rückgang der Gletscher seit dem Ende der Eiszeit aus?
Ja, mehr oder weniger, mit etwas oszillierenden Gletscherzungen. Man hat sich aber nicht überlegt, was zwischen den Vorstössen geschehen ist. Es hat mich fasziniert, mehr über die Rückzugsphasen der Gletscher zu erfahren.
Die Reaktionen auf Ihre Entdeckungen waren harsch. Der Berner Klimaforscher Heinz Wanner hielt Ihnen vor, aus Holz- und Torfanalysen alleine könne man keine Rückschlüsse auf die Bewegungen der Gletscher schliessen. Dazu brauche es Energie- und Massenbilanzen.
Ich hätte das Holz gar nicht finden dürfen, weil ich nicht zum engeren Kreis der Holozän- und Klimaforscher gehöre. Meine Funde haben daher viele Experten auf dem falschen Fuss erwischt: Jetzt hat ein «Laie» etwas gefunden, was die Holozän- und Klimaforscher hätten finden müssen.
Also ging es bloss um Forscherneid, und die Einwände waren haltlos?
Ich würde das nicht so ausdrücken. Wir hatten am Anfang aber Mühe, Publikationsmöglichkeiten in wissenschaftlichen Zeitschriften zu finden. So mussten wir die ersten Beiträge in methodischen Publikationen unterbringen. Wieso sollte es Massenbilanzen brauchen, wie Wanner sagte? Ein Gletscher geht zurück, wenn die Masse schwindet. Wenn die Masse wieder zunimmt, stösst auch der Gletscher vor. Die Lage der Gletscherzunge ist ein leicht verzögertes Abbild der Massenbilanz.
Haben Sie das Gespräch mit Herrn Wanner gesucht?
Wir haben uns öfters darüber unterhalten. Er hat mir schliesslich anvertraut, dass er aus einem unserer Aufsätze zitiert habe. Das ist eine Ehre für uns.
Sie standen in einem fremden Gärtchen herum?
Das ist etwas zugespitzt formuliert. Ich habe ein Leben lang geforscht, was Gletscher mit ihrer Unterlage machen. Dabei habe ich mir zwangsläufig auch Gedanken über die Gletschergeschichte gemacht. Wir haben zum Beispiel eine andere Datierungsmethode entwickelt als die gängige C-14-Methode, die auf organischen Materialien basiert. Mit unserer Methode kann man das Alter einer geologischen Oberfläche bestimmen.
Das waren die Forschungen an der Felskante des Rhonegletschers beim Hotel Belvédère?
Genau. Diese Publikation hatte für grosses Aufsehen gesorgt. Wir wollten prüfen, ob die vom Rhonegletscher freigegebene Felsfläche schon einmal der kosmischen Strahlung ausgesetzt war. War der Gletscher schon einmal so klein wie heute? Ist das messbar anhand der Isotopen an der Oberfläche des Gesteins? Die Resultate waren klar und eindeutig. Die Felskante war in den letzten 10’000 Jahren während 5800 Jahren eisfrei.
Dann ist der heutige Zustand des Gletschers der Normalfall?
Der Gletscher war mehrheitlich gar noch kleiner. Vorher hiess es bei unseren Publikationen jeweils: «Der Schlüchter ist wieder einmal holzen gegangen.» Nun war klar, dass unsere Forschungsergebnisse sich nicht nur auf die Altersbestimmung von Holz stützten. Von da an konnten wir ungehindert publizieren. Ein Jahr später fanden wir im Vorfeld des Glacier du Mont Miné im Wallis riesige Stämme. Bei der Altersbestimmung konnte festgestellt werden, dass diese Bäume innerhalb eines Jahres gestorben sind. Das war das zweite Mal, dass es mich «tschuderet» hat.
Der Gletscher stiess sehr rasch vor?
Vielleicht wurden die Bäume nicht vom Gletscher direkt, sondern von Murgängen gefällt. Das Todesjahr konnte exakt auf 8195 Jahre vor heute datiert werden. Die Sauerstoffisotope im grönländischen Eis zeigen um 8200 Jahre vor heute eine markante Abkühlung. Damals stiessen die meisten Gletscher in Grönland rasch vor. Unsere Funde am Glacier du Mont Miné zeigten, dass dieses Kälteereignis offenbar auch die Alpen erfasste.
Deshalb kamen Sie zum Befund, dass die Bewegungen der Gletscher vor allem von der Aktivität der Sonne abhängen?
Nein, darauf kam ich schon vorher. Aber von da an konnten unsere Forschungen nicht mehr negiert werden.
Der UNO-Weltklimarat prophezeite 2001, dass die Alpengletscher im Jahr 2100 weitgehend verschwunden sein werden. Ihre Forschungen stehen da quer in der Landschaft?
Ich würde das nicht so formulieren. Wir haben Folgendes gezeigt: Erdgeschichtliche Erwärmungsphasen waren stets intensiv, rasch und von Katastrophen begleitet. Heute befinden wir uns immer noch in einer exponentiellen Zunahme der Erwärmung nach der Kleinen Eiszeit.
Laut UNO-Weltklimarat kommt zusätzlich zur erdgeschichtlichen Erwärmung aber noch die vom Menschen gemachte dazu?
Richtig. Aber es gilt zu bedenken, dass das System extrem dynamisch ist und nicht linear funktioniert. Die Gletscher rücken nicht friedlich vor, bleiben eine Weile liegen und gehen dann zurück.
Warum bewegten sie sich in den letzten 200 Jahren denn viel dynamischer als vorher?
Das trifft so nicht zu. Man kannte früher nur Bruchstücke der Geschichte und wusste nicht, dass das System so dynamisch ist. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Höchststand der Kleinen Eiszeit, die Gletscher waren vorgerückt. Dann fielen sie zurück. In den 1980er-Jahren gab es aber erneut Vorstösse.
Der Rückgang Mitte des 19. Jahrhunderts fiel doch mit dem Beginn der Industrialisierung zusammen?
Diese Frage ist bis heute nicht beantwortet: Wieso gingen die Gletscher Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, obwohl der grosse CO2-Anstieg in der Atmosphäre erst später kam? Warum «kippte» die Erde in derart kurzer Zeit in eine Erwärmungsphase? Warum gab es in den 1880er-, 1920er- und 1980er-Jahre wieder Vorstösse? Ein berühmter Klimaforscher liess in den 1980er-Jahren in «Bund» und BZ verlauten, uns stehe die nächste Eiszeit bevor.
Es schleckt aber keine Geiss weg: Der Gletscherschwund ist rasant.
Ja. So katastrophal wie am Ende der letzten Eiszeit. Aber das System funktioniert nicht linear. Früher oder später muss die Klimaforschung die Frage beantworten, warum der Rückgang der Gletscher am Ende der Kleinen Eiszeit um 1850 derart rasch eingesetzt hat.
Das CO2 spielte keine Rolle für den Gletscherschwund?
CO2 spielt eine Rolle. Aber man kann es nicht zur alleinigen Ursache erklären, ohne die Vorstösse der Gletscher in den 1980er-Jahren zu erklären. Zudem müsste man erklären, welche Rolle das CO2 bei den grossen erdgeschichtlichen «Wendepunkten» zum Beispiel vor 115’000 Jahren spielte.
Da gab es ja noch keine Menschen.
Eben. Warum wurde es da kälter? Warum wurde es vor 17’500 bis 18’000 Jahren wieder wärmer? Ich negiere nichts, ich will aber wissenschaftliche Antworten auf diese Fragen.
Sie führen die Gletscherbewegungen auf die Sonnenaktivität zurück. Da müssten wir heute in einer Phase grosser Sonnenaktivität sein.
Auf der Nordhalbkugel sind wir heute in einer Phase mit Abkühlungstendenzen. Trotzdem gehen die Gletscher zurück. Viele sind überzeugt, dass der Mensch dafür verantwortlich ist. Für mich persönlich ist das nicht die zentrale Frage. Unsere Gesellschaft ist grundsätzlich unehrlich. Man spricht immer vom «Hockey-Stick», der eine lange Phase konstanter Temperaturen mit einer exponentiellen Erwärmung in den letzten 100 Jahren anzeigt. Aber es ist eigentlich ein «Double-Stick», weil man auch die Bevölkerungszunahme zeigen müsste. Darüber spricht aber niemand. Der Konnex zwischen Erderwärmung und Bevölkerungszunahme wird nicht gemacht.
Warum ist eine menschliche Ursache der Klimaerwärmung für Sie nicht zentral? Sind Sie ein Zyniker?
Nein, ganz im Gegenteil. Aber wir wissen noch so wenig, wenn wir nicht erklären können, warum die alpinen Gletscher am Ende der Kleinen Eiszeit zurückgingen. Und warum die Kleine Eiszeit überhaupt angefangen hat. Haben die Römer mit Heizen aufgehört, sodass es weniger CO2 in der Atmosphäre gab?
Nach dem Untergang des Römischen Reiches ging es kulturell ja schon etwas bachab.
Das ist jetzt aber auch zynisch. Die Zeit, die wir betrachten, ist doch viel zu kurz.
Beim sogenannten Klimagate vor ein paar Jahren wurde ein Mail eines Wissenschaftlers publik, der schrieb, man müsse die Kleine Eiszeit wegdefinieren.
Genau diese Diskussion berührt mich nicht, weil sie nicht ehrlich ist.
Es geht wohl um Geld.
Es geht auch um Geld für Forschung und Renommee.
Unterstellen Sie den Forschern des UNO-Weltklimarates politisches Kalkül?
Ich wurde einmal aus Versehen an ein Meeting in England eingeladen. Die Diskussion dort war sehr denkwürdig. Sie wurde von jemandem des East Anglia Climate Center geführt, das wegen der publizierten E-Mails im Zuge von «Klimagate» in die Kritik geraten war. Der Gesprächsleiter sprach als eine Art Vater. Er setzte sich auf einen Tisch vor der versammelten Gemeinde und nahm die Messages entgegen. Diese kommentierte er entweder wohlwollend oder ablehnend. Zuletzt ging es um Tipps, wie man welches Gesuch an welcher Stelle für bestimmte Forschungen formuliert. Für mich war es beeindruckend, zu sehen, wie der Gesprächsleiter Informationen gesammelt und selektioniert hat. Mir geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Naturwissenschaft.
Die Naturwissenschaft wird korrumpiert?
Viele Naturwissenschafter sind heute Zudiener von Politikern, aber nicht mehr Naturwissenschafter, denen es um neues Wissen und Daten geht. Und das macht mir Sorge. Es gibt in der Geschichte viele Beispiele für das Versagen der Naturwissenschaft, weil der Mut gefehlt hat. Dasselbe gilt auch für andere Disziplinen, aktuell zum Beispiel für die Ökonomie.
Und heute sind wir wieder in einer Situation, in der man gewisse Möglichkeiten im Voraus ausschliesst?
Es gibt schon Fragen, die tendenziell (noch) ausgeblendet werden. Mehr und mehr jungen Forschern wird aber bewusst, dass der Stellenwert der Forschung sinkt, je mehr sie sich der Politik ausliefert.
Laut einem weiteren Berner Klimaforscher, Thomas Stocker, haben wir nur noch die Wahl zwischen einer Erderwärmung um zwei oder um vier Grad. Ist das Hysterie?
Die Erfindung des Teufels war die grandioseste Erfindung, die die Menschheit je gemacht hat. Man kann viel Geld machen, wenn man ihn an die Wand malt. Andererseits wären die möglichen Auswirkungen einer Erwärmung auf eine so komplexe und verwöhnte Gesellschaft wie die heutige gravierend – vergleichbar mit der Situation, die die Völkerwanderung ausgelöst und das Römische Reich zum Einsturz gebracht hat.
Ist es nicht beängstigend, wenn die Gletscher im Jahr 2100 weg sind?
Sie kommen wieder, weil wir auf der Nordhalbkugel noch im Modus der Eiszeit sind. Die Gleichgewichtslinie, also die Linie zwischen Nähr- und Zehrgebiet eines Gletschers, lag zu Zeiten Hannibals mindestens 300 bis 350 Höhenmeter höher als heute. Die Durchschnittstemperatur lag anderthalb Grad über jener von 2005. Erdgeschichtlich ist die jetzige Entwicklung nicht neu.
Gab es in der Römerzeit auch aufgetaute Permafrostböden, Murgänge und gefährdete Verkehrswege?
Murgänge gibt es in der Phase des Übergangs von kalt zu warm. Danach sind diese Böden wieder stabil. Das geht oft vergessen. Unsere Infrastruktur heute ist aber viel verletzlicher als damals.
Die Alpen ohne Permafrostböden wären kein Drama?
Mittelfristig nicht. Kurzfristig ist es für Bauten in diesen Böden dramatisch.
Ist die Wasserversorgung durch den Gletscherschwund nicht gefährdet?
Auf die Reserven der Wasserversorgung hätte das einen Einfluss, da der Gletscher als Speicher entfällt. Auf die Wasserversorgung als solche nicht. Es ist unwahrscheinlich, dass es in den Alpen keinen Niederschlag mehr gibt.
Werden die Kinder Ihrer Enkel dereinst noch Gletscher erleben?
Ich versuche meinen Enkeln zu vermitteln, dass der Mensch nicht der Herr des Universums ist. Ich ermahne sie zu einem schonenden Umgang mit unseren Ressourcen, zum Beispiel dem Wasser. Man muss nicht jeden Tag duschen. Und ich versuche ihnen zu zeigen, dass sich die Umwelt verändert.
Trotzdem traten Sie als Kronzeuge gegen die Klimaerwärmung in der «Weltwoche» auf.
Ich habe mich nie politisch eingemischt.
Sie traten an SVP-Versammlungen als Gastreferent auf.
Ich habe vor allen Parteien gesprochen – nicht immer über «Eis und Holz».
Nochmals: Was steckt hinter den Gletscherschwankungen? Am Hebel der Veränderungen steht die Sonnenaktivität. Zudem spielen tektonische Bewegungen und die Verschiebung der Jahreszeiten in der Nordhemisphäre eine Rolle. Ein Auslöser können auch Vulkane sein.
Dieser Beitrag erschien zuerst in "Der Bund" 




Teil II Videos von der VII. IKEK Mannheim jetzt verfügbar: heute Prof. Henryk Svensmark und Prof. Nir Shaviv

Prof. Hernryk Svensmark vom Centre for Sun-Climate Research of Danish National Space Centre, berichtet über neue Erkenntnisse über den Einfluss der kosmischen Höhenstrahlung -moduliert durch den Sonnenwind, auf das globale Klima. Seine grundlegende Idee dieser Modulation, letztendlich der Wolkenbildung und durch diese die Lufttemperatur, durch die Höhenstrahlung und den Sonnenwind erfährt immer mehr Unterstützung durch Beobachtungen. 

Für alle Ipad-Iphone Safari Nutzer: Hier die URL zum Direktanwählen: http://www.youtube.com/watch?v=EDTmM74nDcw
Die Frage, die es nun zu klären gilt, ist, wie die Kondensationskerne, die zu Bildung von Wolken unbedingt erforderlich sind, durch Sonnenwind und Höhenstrahlung gebildet werden. Wie auch einige andere ist die Vortragssprache Englisch. Wir bedauern dass wir die deutsche Übersetzung nicht verwenden dürfen.
Auch Prof. Nir Sahviv vom Racah Institute of Physics – The Hebrew University of Jerusalem war schon häufig Gast auf den EIKE Klima- und Energiekonferenzen. Er liefert die astrophysikalische Ergänzung der Theorie von Svensmark zur Steuerung der Entstehung von Wolken durch die Modulation der kosmischen Höhenstrahlung durch den Sonnenwind.

Für alle Ipad-Iphone Safari Nutzer: Hier die URL zum Direktanwählen: https://www.youtube.com/watch?v=bs0UWctZ7hU

Zusätzlich beschreibt er, wie auch die Höhenstrahlung beim Wandern des Sonne durch den äußeren Bereich der Milchstraße selbst moduliert wird und damit massiven Einfluss auf die längerfristige Groß-Klima-Entwicklungen nimmt. 
Auch dieser Vortrag ist in Englisch. Die deutsche Übersetzung steht uns leider nicht zur Verfügung




Teil I Videos von der VII. IKEK Mannheim jetzt nach und nach verfügbar: Zuerst Prof. R. Lindzen und Donna Laframboise

Prof. Richard (Dick) Lindzen (MIT USA)zeigt in seinem Vortrag anlässlich der 7. Internationalen Klima- und Energiekonferenz die Verständnis- Beurteilungs und Interpretationsdifferenzen auf, die zwischen den realen Beobachtungen wichtiger Klimaparameter und deren Modellberechnungen liegen. 

Seine Schlussfolgerung: Echte Wissenschaft jedenfalls ist es nicht, was viele Klimamodellierer als Wissenschaft ausgeben. Mehr eine Art Religion. 
Der Vortrag ist durchgängig in Englisch, die vor Ort Simultanübersetzung durfte nicht als Tonspur verwendet werden. Gleichzeitig war besonders am Ende der aufgezeichnete Originalton von tlw. so schlechter Qualität, dass die Wiedergabe des Vortrages kurz vor dem Schlusswort abgebrochen werden musste.
Die engagierte kanadische Journalistin Donna Laframboise berichtet über die Ergebnisse ihrer Recherchen bezüglich des Status und der Qualität der am IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) Prozess beteiligten Wissenschaftler. 

Es stellt sich zu ihrer großen Überraschung heraus, dass eine sehr große Zahl der dem IPCC zuarbeitenden Autoren und Leitautoren wichtiger Kapitel der verschiedenen Berichte (I, II, III) weder über die behauptete Qualifikation verfügten, noch dass sie zu der der ebenfalls behaupteten Creme de la Creme ihrer Fächer gehörten. Sie sind im schlechtesten Sinne ausschließlich oder tlw. als Aktivisten und Funktionäre aggressiver Umweltgruppen einzustufen. Werden aber als Top-Wissenschaftler dem weltweiten Publikum – insbesondere vom IPCC Chairman Rajendra Pajauri-  angepriesen und erfolgreich der Politik und insbesondere den Medien verkauft. 
Ebenso verhält es sich mit der verwendeten und zitierten zigtausendfacher "Forschungsliteratur" die z.B. beim 4. Bericht von 2007  in mehr als 30 % aller Zitate, aus nicht begutachteter Literatur bis hin zu Pamphleten der Aktivistengruppen des WWF sowie anderer Umweltgruppierungen besteht. 
Ebenso weist Frau Laframboise klar nach, dass das IPCC entgegen seiner Behauptungen keine wissenschaftliche Körperschaft, sondern ein reine politische Aktivistenveranstaltung ist, deren rein politische Agenda unter dem Mantel der Wissenschaft durchgesetzt werden soll. 
Frau Laframboise ist trotz der jetzt fast 25 jährigen Tätigkeit des IPCC immer noch verwundert, dass neben ihr kein einziger investigativer Journalist die hochtrabenden Behauptungen des IPCC über seine Forscher und Mitglieder überprüft hat. Diese Verwunderung hält bis heute an.
Der Vortrag wurde in englischer Sprache anlässlich der 7. Internationalen Klima- und Energiekonferenz am 10. April 2014 in Mannheim gehalten




Spanien kürzt „Erneuerbare“ Subventionen drastisch – und ist damit ein Vorbild für die Deutschen

In der Welt vom 31.5.14 lesen wir:

Vor Kurzem noch wurde Spanien als Europameister der Windenergie gelobt. Außerdem wurden überall im Land neue Solarparks gebaut, und die erneuerbaren Energien wurden zur wichtigsten Quelle für die Energieversorgung auf der Iberischen Halbinsel.

Allein an dem zweiten Halbsatz ist zu erkennen, dass die Autorin Frau Ute von dem Thema über dass sie schreibt keine Ahnung hat. „Erneuerbare“ Energien können wg. des Mangels an Speichern nie zur wichtigsten Quelle einer „Energieversorgung“ sein. Und wenn es diese Speicher gäbe – die derzeit nirgends aber auch wirklich nirgends in Sicht sind- würden sie die Kostenexplosion nur noch weiter weiter vestärken.
Und weiter lesen wir.

„Doch diese Zeiten könnten bald vorbei sein. Denn das spanische Industrieministerium will die Subventionen für den "sauberen Strom" kräftig zurückfahren. Das ganze Land müsse sparen, und da müsse auch die Energiebranche ihren Beitrag leisten, heißt es lakonisch aus dem Industrieministerium.
Dieses Argument scheint schlüssig, denn die Zahlen, die die Regierung jetzt prüft, sind in der Tat gigantisch. Auf etwa 200 Milliarden Euro belaufen sich die Subventionen, die auf der Iberischen Halbinsel in Anlagen für grünen Strom fließen werden. Etwa 56 Milliarden Euro davon wurden bereits ausgezahlt. Der Löwenanteil war die recht großzügige Einspeisevergütung bei Wind- und Sonnenenergie, die seit etwa 1995 zahlreiche Investoren aus dem In- und Ausland anlockte.
Die restlichen 143 Milliarden würden in den nächsten 20 Jahren während der Restlaufzeit der schon ans Stromnetz angeschlossenen Anlagen, ganz vorne dabei die Solarparks, fällig. Da ist wohl auch Industrieminister José Manuel Soria zu der Überzeugung gekommen, dass hier nur noch ein Machtwort hilft. So sollen nach seinen Plänen die Subventionen für die Energiebranche in diesem Jahr um etwa 20 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro gesenkt werden. Doch der Industrieminister hat die Rechnung ohne die betroffenen Anleger gemacht, sie laufen Sturm gegen die geplanten Subventionskürzungen.“

Damit hat Spanien fast zu den gigantischen Summen, die wir Deutsche bezahlen müssen, aufgeschlossen. Belaufen sich doch hier die Zahlungszusagen aus den Altverträgen an die Besitzer von NIE (Nachhaltig Instabile Energien) bereits Ende 2013 auf ca. 330 Mrd €, die in den kommenden zwanzig Jahren zu erbringen sind. Doch Spanien ist nun schon am Ende der Fahnenstange angekommen und zieht die Notbremse. Deutschland wird wohl noch eine ganze Weile warten müssen. 
Weiterlesen hier in die Welt.