Wenn die Schollen Trauer tragen

Okay, es war mein Fehler. Ich hätte wissen müssen: Wenn Staatsfunker wie die vom NDR eine Einrichtung wie das Ozeaneum in Stralsund verdächtig oft bejubeln, dann muss an Letzterem was faul sein.
Hat mich 16 Euro Eintritt gekostet, diese Wahrscheinlichkeit prompt bewiesen zu bekommen. Der 2008 unter großem Brimborium eröffnete Bau („Norddeutschlands größter Museumsneubau“) ist architektonisch licht und luftig, inhaltlich aber untermittelprächtig, verglichen mit Meeresmuseen in Frankreich oder England. Da gibt es zu viel Präpariertes, Ausgestopftes, Ausgestelltes, zu wenig Lebendiges, sinnlich Erfassbares. Und viel zu viel ideologischen Müll.
Die Großaquarien sind hübsch, aber auch nicht mehr als State of the Art. Der 25 Meter hohe, mit einer Million Liter Salzwasser gefüllte Aquariumszylinder in der Lobby des Berliner Hotels Radisson Blu ist imposanter als jedes Becken in Stralsund. Und wer seinen Kindern Robben, Eisbären und Pinguine in Aktion zeigen will, dazu den ersten Walross-Nachwuchs eines deutschen Zoos, geht sowieso nach Hamburg, in die Sektion Eismeer des Tierparks Hagenbeck. Zwar kriegt man da auch so manche Ökolektion verpasst. Aber nicht mit dem Holzhammer, wie in Stralsund.
In puncto Zeigefingergefuchtel, Katastrophenbeschwörung, Untergangsgeraune und Klimapanikverbreitung nämlich lässt sich das Ozeaneum von nichts übertreffen. Reihenweise warnen Schautafeln, das „intensive Wirken des Menschen“ bedrohe dieses und jenes, eigentlich alles. Steht das Ende der Dorschfischerei bevor? Sind sämtliche Meere bald leergefischt? Wann versauert das Meer durch Kohlendioxideintrag? Wie schädlich sind Aquakulturen? Shrimp-Farmen zerstören Mangrovenwälder und Küstenlinien! Müllstrudel verteilen sich über die Ozeane! Fischereiflotten erzeugen tödliche Fischfallen! Weltweit brechen die Bestände des Roten Thuns zusammen („Für die Ausstellung konnte kein Tier mehr beschafft werden“)! Kein Lebewesen hat eine Chance, Grundschleppnetzen zu entkommen! Der Klimawandel bedroht sogar unsere Wale (Gegenmaßnahme: „Fahren Sie weniger Auto, wechseln Sie zu einem Ökostromanbieter“)!
O Gottes Engel wehre, und rede du darein!
In einer Ecke läuft ein Video über steigende Meeresspiegel. Der berühmte Meeresforscher Robert Atzorn, nebenberuflich Darsteller in meist etwas trashigen TV-Streifen, fabuliert da was von einem Meerespiegelanstieg von 50 Zentimeter bis Ende des Jahrhunderts. Diese Information, die er vom IPCC oder aus dem Maya-Kalender haben könnte, hat ihn derart geschockt, dass er empört ausruft: „Nach den Malediven werden die Küsten der Kontinente überspült. Warum lassen wir das zu?“ Die Neigung ehemaliger Fernsehgrößen zu pathetischen Ökotiraden könnte man das Hannes-Jaenicke-Syndrom nennen: Wenn die eigene Bildschirmkarriere nicht mehr so recht flutscht, zum Weltretter honoris causa taugt man noch allemal.
Masochisten willkommen! Wer ins Ozeaneum von Stralsund geht, löhnt dafür, sich von fanatischen Doomsayers in den Hintern treten zu lassen; als unverantwortlicher Dreckskerl, dessen Konsumgier die Meere in eine Kloake verwandelt hätte. Soweit vielen Dank. Natürlich wird in solchen Geisterbahnen nie erwähnt, dass sich Endzeitgeblöke und Worst-Case-Szenarien meist irgendwann still verabschieden. Warum gibt es an der Nordseeküste eigentlich noch Robben, und zwar weitaus mehr als vor der Robbensterbenhysterie der 1980er („Spiegel“-Titel: „Friedhof Nordsee“)?
Warum gab es noch nie so viele Schollen in der Nordsee wie 2014 (Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer: „Wir können auf den Schollen bis nach Helgoland laufen, ohne nass zu werden“)? Wo doch Greenpeace den Plattfisch seit Jahren für hochbedroht hält („Streiche die Scholle von deinem Speiseplan“). Warum hat die Wasserqualität in Nord- und Ostsee fast überall zu-, nicht abgenommen? Ja, woran liegt das wohl? Weil alles den Bach runter geht?
Der Grund, warum die Umwelt immerfort den Bach runterzugehen hat, ist simpel: nur dann gehen die Spendeneinnahmen von Greenpeace nach oben. Die Sekte hat das Ozeaneum ideologisch ursupiert, wie auch „Klimahaus“ in Bremerhaven oder das „Umweltzentrum“ auf Spiekeroog und artverwandte Einrichtungen. Neben der Lobbyorganisation „Stiftung Offshore Windenergie“, dem von Fördergeld übersprudelten „Deutschen Klimarechenzentrum“ sowie dem Institut für Meereskunde-Geomar in Kiel (dort wirkt der kregle Klimaclown Mojib „Winter-wird-es-nicht-mehr-geben“ Latif) ist es immer wieder Greenpeace, die sich im Ozeaneum breit macht. Greenpeace gibt den Poltergeist des Museums.
Ein anderthalbstündiger Film zeigt die Aktivitäten der Schadstoff-Rechenkünstler („Brent Spar“). Fragen der Besucher, so erfährt man auf Schildern, beantwortet die Sekte gern per E-Mail („Stichwort Ozeaneum“). Wodurch sie an die Adressen möglicher Sympathisanten kommt. Jahr für Jahr besuchen fast 600.000 Menschen das Ozeaneum, darunter viele Kinder und Jugendliche. Und sie zahlen für die Propaganda-Show auch noch. So etwas nennt man eine Win-Win-Situation. Für Greenpeace.
Etwas Gutes hat das Ozeaneum aber doch. Am 21. November tritt dort Achse-Autor Vince Ebert mit seinem Wissenschaftskabarett-Programm „Evolution“ auf. Diese Show kommt garantiert ohne Greenpeace aus.
Beitrag erschien zuerst auf: achgut.com




Eine Reise nach Tschernobyl

Da kam mir das Angebot von Dr. Hermann Hinsch aus Hannover, mit ihm in die Ukraine nach Tschernobyl zu reisen, gerade recht. Der Physiker war über viele Jahre für Strahlenmessungen im Versuchsbergwerk  Asse verantwortlich, in dem die optimale Einlagerung schwach radioaktiver Stoffe erprobt wurde. Er war bereits einmal 1992 in Tschernobyl und er beherrscht Russisch. Seine Frau hat die Reise vom 21. bis 27. August hervorragend organisiert. Neben Frau Hinsch und meiner Frau hat sich der kleinen Gruppe noch der Dipl.-Geologe Norbert Rempe aus New Mexico, USA, angeschlossen. Er hat fachlich und publizistisch an der Einrichtung einer Endlagerstätte für radioaktiven Abfall in den USA mitgewirkt. Er hatte ein neu entwickeltes Strahlenmessgerät mitgebracht, um selbst die Radioaktivität zu überprüfen.
Der Flug nach Kiew verlief problemlos. In der ukrainischen Hauptstadt konnte man von dem Bürgerkrieg nichts merken. Die Straßenkaffees waren voll. Alle Geschäfte waren geöffnet. Hochzeiten wurden gefeiert. Auf dem Maidanplatz baute man die letzten herausgerissenen Pflastersteine wieder ein. Alles war friedlich. 

Daten über Tschernobyl 

Wir fuhren in einem Kleinbus mit Fahrer und einem staatlichen Führer nach Tschernobyl. Die Besuche von Tschernobyl müssen rechtzeitig angemeldet werden. Für die Genehmigung und die Fahrt wird kräftig kassiert.
Das Strahlenmessgerät von Herrn Rempe war für insgesamt sieben Stunden während dieses Besuchs eingeschaltet. Nach einer Fahrzeit von knapp 2 Stunden erreichten wir die Sperrzone von Tschernobyl. Die Atomreaktoren wurden etwa 20 Kilometer von der Grenze zu Weißrussland gebaut. Zur Kühlung wurde der Fluss Pripyat zu einem See mit einer Fläche von 22 Quadratkilometer angestaut. Der Wirkungsgrad der Kernkraftblöcke lag bei knapp 30 Prozent. Es mussten also mehr als 70 Prozent der in Wärme umgewandelten Kernenergie vom Kühlwasser abgeführt werden. Dazu wurde das Wasser vom Stausee über einen Kanal zum Kraftwerk und das erwärmte Wasser wieder zurück geleitet. Die große Stauseefläche ließ das Wasser dann wieder abkühlen. In dem Kühlwasserkanal wurden Welse ausgesetzt, die heute die stattliche Länge von mehr als einen Meter haben. Nach Angaben unseres Führers ist das Fleisch der Fische selbst in unmittelbarer Nachbarschaft des Kraftwerks nur unwesentlich radioaktiv belastet. In den Knochen konnte eine deutliche, aber unkritische Strahlenerhöhung durch das Isotop Cäsium 137nachgewiesen werden.
Das Kernkraftwerk ging 1977 mit dem Block 1 in Betrieb. Ab 1983 waren die ersten 4 Blöcke mit einer elektrischen Leistung von zusammen 3.800 Megawatt angeschlossen. 2 weitere Blöcke waren im Bau. Alle Reaktoren waren Graphit moderiert; das heißt, die Brennstäbe waren von Graphit umgeben.
Wenige Kilometer von den Reaktoren wurde eine riesige Frühwarn-Radaranlage (zur Identifizierung von eventuellen amerikanischen Interkontinentalraketen) gebaut, die eine Leistung von 10 Megawatt hat. Das Kernkraftwerk war also auch notwendig als sichere und ausreichend starke Energiequelle für diese Anlage. Die hohe Leistung wurde jeweils im Abstand von wenigen Sekunden benötigt.  
Am 26. April 1986 kam es zu einer Kernschmelze im Block 4. Der Graphit entzündete sich. Es gab eine Knallgasexplosion und einen großen Brand. Das einfache Fabrikdach über dem Reaktor (es gab keine Stahlbetonhülle wie bei allen kommerziellen westlichen Reaktoren) war kein Schutz und wurde zerstört. Der Rauch, den östliche Winde Richtung Europa trieben, transportierte radioaktive Isotope weit nach Westen. Sie konnten noch in Deutschland nachgewiesen werden. Die daraus resultierende zusätzliche Strahlung war aber in Deutschland und in den anderen Europäischen Ländern niemals gesundheitsgefährlich.
Nach dem Reaktorunfall wurden die drei intakten Blöcke weiter betrieben. 9.000 Menschen arbeiteten weiterhin in unmittelbarer Umgebung des zerstörten Reaktors. Block 2 wurde 7 Jahre nach dem Unfall still gelegt. Block 1 folgte 3 Jahre später. Block 3 in unmittelbarer Nachbarschaft des Unglückreaktors ging erst auf Druck der Europäischen Union und nach einer Ausgleichzahlung im Dezember 2000 vom Netz. Die Blöcke 5 und 6 wurden nach dem Unfall nicht weiter gebaut.
Die Ukraine hat heute noch 15 Kernreaktoren mit einer Bruttoleistung von 13.800 Megawatt in Betrieb. Weitere 2 Reaktoren mit je 1.000 Megawatt Leistung sind im Bau und sollen 2015 ans Netz gehen.

Tote durch den Reaktorunfall

Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) und die Internationale Atom Energie Organisation (IAEA) haben die Folgen des Reaktorunfalls auf die Menschen untersucht.  Die Berichte über die Todesfälle durch die radioaktive Strahlung sind sehr unterschiedlich. Sicher ist das Auftreten der Strahlenkrankheit (Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall, Haarausfall, Hautveränderungen, Kreislaufbeschwerden) bei 134 Feuerwehrleuten und Hubschrauberpiloten, die den Brand gelöscht haben. Sie waren der starken Strahlung ohne nennenswerten Schutz ausgesetzt. Davon starben 28 im Jahr der Katastrophe. In den nächsten 8 Jahren starben 19 weitere Helfer, die von der Strahlenkrankheit betroffen waren. Ein Teil dieser Todesfälle wird auf die Strahlenkrankheit zurückgeführt.  
Danach konnten akute Verstrahlungen nicht mehr nachgewiesen werden. Es gab etwa 6.000 Krebserkrankungen der Schilddrüse in den Gebieten um Tschernobyl und den Gebieten in Russland und Weißrussland, in die der Rauch größere Mengen radioaktives Jod transportiert hatte. Der Krebs wurde weitgehend erfolgreich bekämpft. Es waren praktisch nur Kinder betroffen, die zur Zeit des Unfalls jünger als 5 Jahre waren. Bei Erwachsenen trat keine höhere Rate an Erkrankungen der Schilddrüse auf.  Bis 2011 starben 15 von den 6.000 erkrankten Menschen.  
Nach Angaben der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) wurden mit Ausnahme von Schilddrüsenkrebs in den am stärksten kontaminierten Gebieten keine erhöhten Krebsraten festgestellt, die eindeutig auf die Strahlung zurückgeführt werden können.
Der staatliche Führer nannte uns jedoch einige tausend Todesfälle durch den Reaktorunfall. Auf Nachfrage waren dies alle Sterbefälle von den mehr als 200.000 Menschen, die aus der Schutzzone um das Kraftwerk evakuiert wurden. Weder das Sterbealter noch die Todesursache sind bewertet worden.
Auch den Grünen waren die sachlich fundierten Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht schwerwiegend genug. So hat die grüne Europa-Abgeordnete, Rebekka Harms, eine Studie von den Briten Ian Fairlie und David Sumner angefordert, die weitaus schwerwiegendere gesundheitsschädigende Folgen des Reaktorunglücks voraussagen. Die Wirklichkeit hat diese Voraussagen bisher aber nicht  bestätigt.  
Dagegen hat die Evakuierung, die mit der Strahlengefahr begründet wurde, zu einem deutlichen Ansteigen der Selbstmordrate geführt. Die Angst, langsam sterben zu müssen, führt wohl häufiger zu der Entscheidung auf ein schnelles Ende. Aber auch der Verlust des Hauses und sozialer Bindungen führen zu Ängsten, Stress und Hoffnungslosigkeit.  

Strahlenbelastung:

Die Messung und Bewertung radioaktiver Strahlung wird häufig kompliziert dargestellt und kann viel Verwirrung stiften. Es sollen hier die wesentlichen Tatsachen kurz erwähnt werden. 
Becquerel  (Bq): 1 Bq ist ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde.
Die Energie und die Zerfallsprodukte sind je nach Isotop unterschiedlich. 1 Bq = 1 / s
In unserem Körper ist Kalium mit 0,012 Prozent des radioaktiven Kalium-Isotops 40 vorhanden. Die Isotope erzeugen 40 bis 60 Bq pro Kilogramm Körpergewicht. Die zweite große körpereigene Strahlenquelle ist das Kohlenstoff-Isotop C14. Zusammen mit einigen weiteren radioaktiven Isotopen als Spurenelemente strahlt der Mensch mit rund 8.000 Bq. Die „innere“ Strahlung ist in Deutschland etwa ein Zehntel der natürlichen Strahlung.Becquerel ist kein ausreichendes Maß für die Strahlenbelastung, da die Energie nicht angegeben wird. 
Gray  (Gy): Gray ist die Strahlungsenergie, die von einen Kilogramm Masse  aufgenommen wird. Sie wird in Wattsekunden pro Kilogramm angegeben.
1 Gy = 1 Ws / kg
Dies ist die biologisch wirksame Strahlungsenergie. 
Die radioaktive Strahlung besteht jedoch aus α-, β- und γ-Strahlung, die wegen ihrer unterschiedlichen Massen und Geschwindigkeiten unterschiedliche biologische Wirksamkeit haben. Für die biologische Wirksamkeit werden daher Wichtungsfaktoren eingeführt. Die biologisch wirksame Strahlung wird in Sievert gemessen.
Sievert (Sv): Sievert ist die biologisch wirksame Äquivalenzenergie einer radioaktiven Strahlung. Auch Sievert wird in Wattsekunden pro Kilogramm  angegeben.
1 Sv = 1 Ws / kg          
Für γ- oder Röntgenstrahlung ist der Wichtungsfaktor 1.  α- und β-Strahlung haben höhere Wichtungsfaktoren.
Für die nachfolgenden Betrachtungen wird ausschließlich Sievert verwendet.

Strahlenwerte:

Strahlenleistung in Mikrosievert pro Stunde  (μSv/h).

Natürliche Strahlung in Deutschland:                                      0,1 –   0,6
Natürliche Strahlung in der Welt:                                           0,1 – 30*     (*Ramsar, Iran)
Sperrgebiet Tschernobyl unbelastet                                        0,1
am Kraftwerk maximal                                                          12
(am Kraftwerk max. am 30.8.1992 17)
Bereich der Rauchwolke                                                        0,6 – 8
Durchschnitt bei Besuch                                                       ≤1
Flug in 10 km Höhe                                                             4 – 5
Zug von Kiew nach Odessa                                                  0,1
Grenzwerte in Deutschland  zusätzlich zur Hintergrundstrahlung:
Kernkraftwerk Umgebung                                                      0,3
                      Endlager                                                        0,01
                  Kernforschung und Medizin                                   2,3   (20.000 μSv/Jahr)

Strahlendosis (Strahlenenergie) für Reiseabschnitte in Mikrosievert (μSv)

Flüge: Bremen-Amsterdam-Kiew:                                                                12
           Odessa-Kiew-Amsterdam-Bremen:                                                   15
           Sperrzone Tschernobyl:                                                                   4,5
Zugfahrt  Kiew-Odessa:                                                                              0,9
Die weitaus größte Strahlenbelastung auf der Reise waren die Flüge. Der Besuch in Tschernobyl war weniger als ein Fünftel der Flugbelastung. Alle Strahlenbelastungen waren gesundheitlich ungefährlich.
 

Maßnahmen nach dem Unfall

Nach dem Aufschrei über die gefährliche Strahlenverseuchung vor allem von Europa mit Deutschland an der Spitze wurde 36 Stunden nach dem Unfall die Stadt Pripyat innerhalb von 2 Stunden evakuiert. Pripyat liegt ca. 4 Kilometer nordwestlich vom Kraftwerk. Die Stadt hatte über 40.000 Bewohner, die weitgehend für das Kraftwerk arbeiteten. Danach wurden auch die umliegenden Dörfer geräumt und die Verbots- und Kontrollzone auf einen Radius von 30 Kilometern ausgeweitet. Insgesamt mussten mehr als 200.000 Menschen ihre Wohnung verlassen.
Gleichzeitig ging der Betrieb des Kraftwerks weiter. Die Bedienungsmannschaften arbeiteten 2 Wochen im Kraftwerk und kehrten dann für 2 Wochen zu ihren ausgesiedelten Familien zurück. Sie wohnten in der verlassenen Stadt Pripyat. Schwimmbad und Sporthalle der Stadt nutzten die Arbeiter noch bis zum Jahr 2000. Heute hat die Natur sich wieder ausgebreitet. Die mehrstöckigen Häuser sind von dichten Baumwuchs umgeben und von den Straßen kaum zu sehen. Sie sind ausgeschlachtet. Fenster, Türen und Armaturen konnte man wohl an anderer Stelle gut brauchen.
Nach den Angaben unseres Führers wohnen heute rund 100 Menschen wieder in der Sperrzone. Ein Teil der Sperrzone soll in Kürze aufgehoben werden.
Nach unseren Messungen können alle gefahrlos in ihre alte Heimat in der Sperrzone zurückkehren. In weiten Bereichen gibt es nur die überall vorhandene Hintergrundstrahlung von ca. 0,1 μSv. Doch selbst die durch Isotope kontaminierten Bereiche um das Kraftwerk und unter der Rauchfahne haben maximale Strahlenleistungen von 12 μSv/h. Das ist ein Drittel der natürlichen Strahlung, die in Ramsar im Iran gemessen wird. Unter dieser Strahlung leben Menschen seit Jahrhunderten ohne höhere Krebsraten oder Erbschäden. So sind auch von Tschernobyl keine Daten bekannt über Strahlenschädigungen des Bedienungspersonals der drei intakten Reaktoren, die nach dem Unfall noch lange weiter betrieben wurden.

Gefährdung durch radioaktive Strahlen

Radioaktive Strahlung durchdringt den Körper und zerstört Gene, wenn sie von der Strahlung getroffen werden. Die Zellen sind dann nicht mehr teilungsfähig. Sie sterben ab und müssen vom Körper abgebaut werden. Sie werden von Nachbarzellen, die weiter teilungsfähig sind, ersetzt. Unser Körper hat sich auf diese Arbeit eingestellt. Es kommt erst zu ernsthaften Schädigungen, wenn die Strahlung und damit die Zerstörung der Gene so hoch ist, dass der Körper die Schäden nicht mehr reparieren kann. In Tschernobyl hat sich gezeigt, in vielen Fällen kann der Körper längerfristig selbst hohe Strahlenschäden fertig werden. Denn von den 138 strahlenkranken Feuerwehrmännern und Hubschrauberpiloten starben nur 28 innerhalb von 8 Monaten.  
Bewohner in Gebieten mit hoher natürlicher Strahlung sind nach einer Reihe von Berichten gesunder und leiden weniger unter Infektionskrankheiten. Krebs und Fehlgeburten sind nicht erhöht. Unser Körper braucht offensichtlich eine ausreichende Strahlendosis (Hormesis) für ein optimales Wohlbefinden.

Folgerungen 

Die Wirkung radioaktiver Strahlung auf den Menschen ist noch nicht voll verstanden. Sicher ist jedoch, die Angst verbreitenden Warnungen vor tödlichen Gefahren durch einen GAU in einem Kernkraftwerk über Jahrhunderte und Gesundheitsschäden über die kommenden  Generationen sind um viele Größenordnungen zu hoch. Dies hat Tschernobyl gezeigt. Die Warnenden müssen sich im Klaren sein, dass sie viele Menschen bereits durch ihre unbewiesenen Schreckensaussagen ins Unglück oder gar in den Selbstmord getrieben haben. Es wird höchste Zeit, sachlich und ohne ideologische Vorbehalte die breite Öffentlichkeit über die Wirkung radioaktiver Strahlung aufzuklären.
Hans-Günter Appel




UNO startet Propaganda-Kampagne zum Klimagipfel- ARD macht bereitwillig mit

Die wenige Minuten langen Videos, die von weltweiten Wettermoderatoren präsentiert werden, sollen eine Art Science Fiction darstellen, die nach Angabe der WMO nach dem aktuellen Stand der Klimaforschung im Jahre 2050 Wahrheit werden könnte. Doch sehen diese Katastrophen-Wetterberichte eher wie eine billige Propaganda-Kampagne aus. Im angelsächsischen Raum wird sowas als “Climate Porn” bezeichnet.

Pressekonferenz der WMO am 9.9.14 zur Kampagne. Man beachte die gähnende Leere. Insgesamt 5 Journalisten sind anwesend. Bild Tagesschau, Screenshot R. Hoffmann 
Die WMO hat extra für diese Kampagne einen YouTube-Kanal eingerichtet. Hier ist der Beitrag des Dänischen Fernsehens:

Für Deutschland beteiligt sich übrigens die ARD an dieser Kampagne, die Ausstrahlung ist bei uns für den 19. September geplant, eine besonders unangenehme Verschwendung von Gebührengeldern. Unter ernsthaften Wissenschaftler ist unbestritten, dass solche Katastrophenszenarien genau das Gegenteil bewirken können, zumal die Objektivität dieser Präsentationen mehr als zweifelhaft ist.
Übernommen vom Blog Wetter Center mit Dank an den Autor Marco Radke-Fretz und an Spürnase Thomas Globig, den Wetterfrosch von ndr, mdr und rbb der sich von diesem Machwerk distanziert. 




Ökoimperialismus aus Prinzip

2007 wurde das Buch in Deutschland neu aufgelegt. Joachim Radkau, renommierter Umwelthistoriker, schrieb eine ausführliche Einleitung zum Reprint. Er lobte Carson, lobte die Wirkmacht ihres Buch, das Umdenken hin zum ökologischen Bewusstsein. Eine Kleinigkeit vergaß Radkau: DDT hatte zuvor nach Ansicht der National Academy of Science der USA rund 500 Millionen Menschen das Leben gerettet. DDT wurde nämlich nicht nur als Pflanzenschutzmittel eingesetzt, sondern ­– im Vergleich dazu in sehr sparsamen Dosierungen – auch zur effizienten Bekämpfung der Anopheles-Mücke, der Überträgerin der Malariakrankheit. Das Verbot von DDT wiederum ist deshalb für einige Milliarden schwerste Krankheitsfälle verantwortlich, für Malaria-Epidemien, für bis zu drei Millionen Malariatote pro Jahr(!), infolgedessen für volkswirtschaftliche Schäden, für Not und Elend in Afrika und Südasien.
Carsons Buch und seine Folgerungen sorgten dafür, dass die moderne Umweltbewegung gleich in ihren Anfängen ihre Unschuld verlor. Sie ging damit über Leichen, viele Millionen Leichen. Die Strategen der ersten Stunde sorgten dafür, dass das Verbot umfassend gelten sollte, auch für die geringen Dosen in der Mückenbekämpfung. Einige äußerten sich dabei in einer Weise, die nahelegt, dass ihnen das Schicksal von Afrikanern nicht nur gleichgültig war, sondern dass sie im DDT-Verbot und die ungebremste Malaria womöglich auch eine Lösung für das "Umweltproblem" Mensch, die Überbevölkerung sahen.
Das DDT-Verbot markierte daher schon zu Beginn einen nicht unbedeutenden Seitenaspekt der Bewegung: den Ökoimperialismus. Wir ergötzen uns an Grundsätzen, die wir aus unserer komfortablen Situation der Reichen aufstellten, oft genug nur symbolisch begründet, und oktroyieren sie anschließend kraft unserer wirtschaftlichen Potenz den armen Ländern auf, die damit größte Probleme bekommen.
Der Kampf gegen die Malaria mit DDT war nach dem Krieg in Afrika, Lateinamerika und Asien äußerst erfolgreich. Beispiel Sri Lanka: 1948 noch 2,8 Millionen Fälle, 1963 nur noch 17. Beispiel Sansibar: 1958 waren 70 Prozent aller Bewohner malariakrank, 1964 nur noch fünf Prozent. Ähnlich lief es in anderen Ländern. Dann kam das DDT-Verbot. Und Länder, in denen der Kampf gegen die Malaria fast gewonnen schien, wurden wieder auf die Ausgangslage zurück geworfen. Dabei war das DDT-Verbot das Ergebnis eines ausgesprochen dubiosen Anhörungsverfahrens im US-Kongress, ein Schlüsselerlebnis für die aufkommenden Ökoverbände der USA.
Charles Wurster, in den sechziger Jahren führender Wissenschaftler beim amerikanischen Environmental Defense Fund (EDF), brachte es damals auf den Punkt: "Wenn die Umweltbewegung über DDT obsiegt, wird sie eine nie gekannte Autorität gewinnen. Es geht um viel mehr als nur DDT." Entsprechend verbissen betrieben die Verbände ihre Lobbyarbeit. Das Verbot kam, wurde über die Entwicklungshilfe und offen oder versteckt angedrohte Handelssanktionen auch in den malariaverseuchten Ländern durchgesetzt.
Parallel dazu stellte sich immer klarer heraus, dass das Verbot haltlos war. Nach und nach entkräfteten dutzende wissenschaftliche Studien, die in angesehenen Blättern wie "Science" oder "Lancet" veröffentlicht wurden, die Horrorszenarien aus Rachel Carsons Buch, und erst recht die Mär, dass jemals Menschen durch angemessenen Gebrauch von DDT zu Schaden gekommen wären. Doch DDT war Teufelszeug, ist Teufelszeug und wird immer Teufelszeug bleiben. In manchen Ländern nahm deshalb die Malariaepidemie erneut so dramatische Ausmaße an, dass vernünftige Köpfe die zwischenzeitliche Verwendung von DDT wieder durchsetzten, teilweise – doch dies erfolgte ohne dass es einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde.
Bei allem Zynismus des Verbotes hätte all das wenigstens einen Sinn ergeben können: Wenn nämlich die Akteure der globalen Umweltpolitik daraus gelernt hätten und sich ihrer Verantwortung auch für die Lebenssituation in den Ländern Afrikas und Asiens wenigstens ein wenig bewusster geworden wären. Doch auch Jahrzehnte später gilt: Erfolge von Umweltkampagnen, das Beharren auf Prinzipien ist wichtiger als die Solidarität, selbst wenn die Prinzipien auf keinem sachlich begründeten Fundament fußen.
Fünf Millionen Kinder erblinden heute jährlich wegen Unterversorgung an Vitamin A, bei vielen weiteren führt das Defizit zu Hirnschädigungen oder zu frühkindlichem Altern. 670.000 von ihnen sterben deshalb laut wissenschaftlichen Studien, und zwar jedes Jahr. Vor allem in Indien und anderen Staaten Asiens. Der Grund: Reis, dort auf dem Land bisweilen das ausschließliche Nahrungsmittel, sorgt einfach nicht für ausreichende Vitaminversorgung. Alle Appelle oder Hilfen hin zu größerer Nahrungsvielfalt, die das Problem natürlich lösen könnte, sind weitgehend gescheitert, an der Armut, aber auch an eingefahrenen Nahrungsgewohnheiten.
Es gäbe einen Ausweg aus dem Dilemma. Aber das hat einen Makel – nicht in Indien oder auf den Philippinen oder sonst wo auf der Welt, sondern ausschließlich bei uns, im reichen, bestens versorgten Europa, und deshalb kann der Ausweg nicht zum Zuge kommen. Die kurz- oder mittelfristige Lösung des Problems wäre nämlich eine Reissorte, die genetisch verändert ist.
Nach jahrzehntelanger Forschung, Entwicklung und wissenschaftlicher Prüfung haben zwei Biologen, Ingo Potrykus und Peter Beyer, eine Reissorte hervorgebracht, den sogenannten "Goldenen Reis", der Betacarotin enthält, ein Provitamin, aus dem der menschliche Körper Vitamin A aufbauen kann. Fünf bis sechs Millionen Kinder hätten eine Chance der Erblindung oder dem Tod zu ergehen, wenn sie ihn essen dürften. Man müsste nicht mehr warten, bis sich in Jahrzehnten die Nahrungsgewohnheiten verändern, die Wirkung könnte unmittelbar eintreten.
Doch der Reis darf noch nicht einmal für den Verzehr angebaut werden. Eine internationale, finanzstarke Lobby aus Umweltverbänden der reichen Länder sorgt bis zum heutigen Tag dafür, dass der genveränderte Reis noch keine Zulassung hat. Bestens vernetzt baut sie über die heimischen Regierungen Druck auf die Verwaltungen in den Entwicklungsländern auf. Und Aktivisten ihrer Partnerorganisationen in Asien werden unterstützt, damit sie zum Zertrampeln von Versuchsfeldern übers Land fahren können.
Alles nur aus einer dem hiesigen Luxus geschuldeten Biolandbau-Seeligkeit, die von einer längst nicht mehr gegebenen (warum auch?) gentechnikfreien Welt träumt, und die ebenso über Leichen geht, wie weiland das völlig unnötige DDT-Verbot. Dabei sind die sachlichen Argumente auch hier, gegen den Goldenen Reis längst entkräftet. Es gibt keine gesundheitlichen Verfänglichkeiten, und es werden auch keine Konzerne mit dem Goldenen Reis reich, was stets als Kritikpunkt angeführt wird. Ingo Potrykus hat den Reis ohne sie entwickelt, ja streckenweise auch gegen sie. Er hat den Saatgutkonzernen die nötigen Patente abgerungen, indem er ihnen drohte, sie ansonsten öffentlich an den Pranger zu stellen. Es geht schließlich um Leben und Tod, ein Argument, das die Konzerne – ganz im Gegensatz zu den Umweltverbänden – überzeugte.
So könnte der Goldene Reis kostenlos an die kleinen und mittleren Farmer abgegeben werden, und, da der Reis nicht als Hybridreis entwickelt wurde, kann das Saatgut aus jeder Ernte wieder neu gewonnen werden – zwei Eigenschaften, die fälschlicherweise immer wieder in Abrede gestellt werden, weil sie dem Klischee der Gentechnik widersprechen.
Ansonsten sollen jetzt nur noch allzu durchsichtige Argumente den Einsatz verhindern. Mal ist danach zu wenig Betacarotin im Reis, mal wird vor einer Überdosis gewarnt.
Das Hauptargument, das übrig blieb, ist bezeichnend genug und dokumentiert die Schwäche der Kritiker nur zu deutlich: Der Goldene Reis, so heißt es inzwischen allenthalben, sei das "Trojanische Pferd", das mithilfe von Argumenten der Humanität die Gentechnik salonfähig machen solle. Mit anderen Worten: Man hat Angst davor, dass die Einführung einer gentechnischen Pflanze alle Gegenargumente entkräftet. Mit noch anderen Worten: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Ulli Kulke ist Reporter und Journalist Bei WELT und WELT am SONNTAG

Mit Dank übernommen von Deutscher Arbeitgeberverband hier




Geht beim “Milliarden-Überschuss beim Ökostrom” alles mit rechten Dingen zu?

Jeden Monat werden von den Netzbetreibern in Deutschland die Zahlen zur Einspeisevergütung veröffentlicht. Wichtig sind im Wesentlichen die Einnahmen (übers EEG) und die Ausgaben an die EE-Produzenten. Daraus ergibt sich dann die Monatsbilanz. In einem typischen Jahr ergibt sich daraus das Bild, dass im Winter mehr Geld in die EEG-Kasse eingezahlt wird, als an EE-Vergütung an die Produzenten ausgeschüttet werden muss. Hauptgründe dafür sind, dass die besonders teure Photovoltaik in dieser Zeit kaum produziert und dass wegen des höheren Stromverbrauchs im Winter über die Umlage mehr Geld eingenommen wird. In dieser Zeit ist das Saldo also Positiv, das EEG-Konto füllt sich.

Einnahmen und Ausgaben gehorchen Zyklen

Irgendwann im Frühjahr dann ändert sich das Bild. Meist ab April oder Mai wird wegen des dann anfallenden PV-Stroms und der entsprechend hohen Vergütung (zusammen mit den geringeren EEG-Einnahmen wegen des geringeren Stromverbrauchs) das Saldo negativ. Abhängig davon ob der Herbst besonders sonnig oder windig ausfällt, bleibt der Zustand so, bis das Saldo ab September oder Oktober wieder positiv wird. Wie sich das in den letzten Jahren abgespielt hat, zeigt die folgende Abbildung.

Man erkennt zum Beispiel, dass am Ende des Jahres 2011 das EEG-Konto ausgeglichen war. Entsprechend wurde von 2011 auf 2012 die EEG-Umlage kaum erhöht. Allerdings wurde Ende 2011 und im ganzen Jahr 2012 sehr viele Photovoltaik-Anlagen hinzugebaut. Dadurch stiegen die Ausgaben rapide an, so dass das EEG-Konto 2012 tief im Minus abschloss. Im Jahr 2013 wurde die EEG-Umlage bekanntlich auf 5,27 und 2014 schließlich auf 6,24 Cent angehoben.


Die Entwicklung der Ökostrom-Umlage von 2003 bis 2014.

Mehr Einnahmen, stagnierende Ausgaben

Wie man in der ersten Abbildung erkennt, führen die jüngste Anhebung und auch der Umstand dass 2014 bislang weder ein gutes Wind- noch ein gutes Sonnenstrom-Jahr war dazu, dass sich das EEG Konto bis zum Mai des Jahres  auf den bisherigen Höchststand von gut 1,6 Milliarden Euro Guthaben füllte. Man war also gut für die traditionell teuren Monate Juni bis September gerüstet, so das man damit rechnen konnte, dass der Anstieg der EEG-Umlage Ende des Jahres diesmal sehr klein ausfallen, oder gar entfallen würde. Also ähnlich wie von 2011 auf 2012.
Dass es jetzt sogar zu einer Senkung der EEG-Umlage kommen soll ist allerdings schon eine Überraschung. Ein Zusammenhang mit der Novelle EEG ist laut Spiegel noch nicht gegeben.
Mit der im August in Kraft getretenen Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die Förderkürzungen vorsieht, hat die Entwicklung noch nichts zu tun – deren Auswirkungen werden erst bei 2016 sichtbar werden.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung vermutet, dass der schlechte Sommer mit wenig Sonnenstunden die Hauptursache ist:
Gabriel hilft, dass die Sonne wenig schien und die teuren Solaranlagen weniger Kosten verursacht haben als erwartet. Das dürfte auch das überraschend hohe Plus von 442 Millionen Euro im August auf dem Ausgleichskonto erklären.
Und der Tagesspiegel aus Berlin mutmaßt gar, dass hinter der jetzt angekündigten Senkung ein perfider Rechentrick der Regierung steckt. In den letzten Jahren sei in die EEG-Umlage eine Liquiditätreserve eingebaut worden, die so hoch angesetzt war, wodurch die EEG-Umlage in diesem Jahr zu hoch angesetzt wurde. Das hätte einerseits geholfen, den Handlungsdruck zur Durchführung einer Reform zu erhöhen, andererseits würde die dadurch jetzt erforderliche Rücknahme der (zu hohen) Umlage der EEG-Raform schnelle Erfolge liefern:
Die hohe Umlage hat Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) geholfen, die EEG-Reform durchzudrücken und lässt ihn jetzt irgendwie gut aussehen.

Die Erklärungen sind unzureichend

Beides ist irgendwie richtig, erklärt aber nicht warum die EEG Einnahmen im August in diesem Jahr höher ausgefallen sind, als die Ausgaben. Ein Plus im Saldo im August hat es bislang noch nicht gegeben. Mit über 400.000 Euro fiel es sogar fast so hoch aus, wie das im Januar diesen  Jahres.

Dabei war der August gar nicht so negativ für EE-Produzenten, wie man nach dem schlechten Wetter eigentlich hätte vermuten können. Zwar war die  Photovoltaik mit 14,0 % Auslastung um einiges unter dem Mittelwert der Jahre 2011 bis 2013 (16,1 %) Die Auslastung der Windkraft lag mit 12,6 % allerdings über dem Mittelwert der Jahre 2011 bis 2013 (11,6 %). Auch war das Jahr 2014 bis heute nicht so schlecht für die Produzenten von Wind- und Photovoltaikstrom, wie ein Blick auf die Tabelle links zeigt. Im letzten Jahr waren die Auslastung (Januar bis August) sogar deutlich schlechter, und nach dem Jahr wurde die Umlage deutlich erhöht.
Was tatsächlich zu dem Plus im Monatssaldo beim EEG-Konto geführt hat, zeigt ein Blick in die Abrechnung. Diese unterliegen der Veröffentlichungspflicht und können auf der von den deutschen Netzbetreibern eingerichteten SeiteNetztransparenz.de eingesehen werden. Und hier findet man auch, warum die Bilanz für den Monat August so positiv ausfällt.
Auf der Ausgabenseite der Bilanz machen den größten Teil die finanziellen Förderungen nach den Paragraphen 19, 52, 57 (1) und 100-102 aus. Das sind die klassischen Zahlungen der Einspeisevergütung an diejenigen EE-Produzenten, die Ihren Strom ins Netz einspeisen und die zur Zeit der Inbetriebnahme ihrer Anlage gültigen Vergütungssätze beziehen.

Marktprämie zweitgrößter Kostenblock

Der zweitgrößte Kostenpunkt (und in manchen Monaten sogar der größte) ist die Auszahlung der sogenannten Marktprämie (§ 33g des EEG von 2012). Diese wird an EE-Produzenten bezahlt, die ihren Strom selbst vermarkten, also an einen Stromanbieter oder Netzbetreiber verkaufen. Da der hierbei erzielte Preis naturgemäß deutlich niedriger ist als die garantierte EE-Vergütung, erhalten die Erzeuger die Differenz ausbezahlt. Im Juli dieses Jahres betrugen die Direktzahlungen für EE-Strom kanpp 1,7 Milliarden Euro, das waren knapp 69 Prozent der Gesamtausgaben in dem Monat. Die Prämienzahlungen machten mit 737 Millionen Euro knapp 30 Prozent aus.
Die Überraschung kommt, wenn man sich die Zahlen vom August anschaut. 1,43 Milliarden für Direktzahlungen, also wetterbedingt weniger als im Juli, aber überhaupt keine Zahlung für die Marktprämie. 


In der Zeile 1a steht seit diesem Monat nicht mehr, wie bisher“Prämienzahlungen nach § 33g, § 33i, § 35 (1a) EEG”, sondern schlicht “entfallen ab 1.8.2014″. Demnach kann die Aussage von Spiegel Online, mit der im August in Kraft getretenen Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes haben die guten Zahlen nichts zu tun, so ganz nicht stimmen.
Wer zahlt die Marktprämie ab dem 01.08.2014?
Fakt ist, dass die Marktprämie mit der EEG-Novelle nicht abgeschafft wurde. Die Paragraphen 34 bis 36 in neuen EEG regeln diese und klingen (zumindest für einen juristischen Laien wie mich) ganz ähnlich wie die bisherige Regelung. Nur, scheinen ab August die Kosten hierfür aus einem anderen Topf zu kommen.
Die hier zu klärende Frage ist also: Wird die Marktprämie auch weiterhin wie bislang ausbezahlt? Wenn das so ist, und wenn das nicht so wäre hätte man davon sicher von Seiten der EE-Lobby gehört, aus welchen Mitteln wird diese dann jetzt bestritten, wenn nicht mehr aus der EE-Umlage? So wie sich der Fall bisher darstellt, sieht die Geschichte nach dem Milliarden-Überschuss bei der Ökostrom-Zulage nach einer Mogelpackung aus.
Zuerst erschienen bei ScienceSceptical