Meinungsbeitrag: Warum wir aus der heutigen und unausgereiften Kernenergie aussteigen sollten … und warum Klima- und Kernenergieskeptiker vieles gemeinsam haben

Siehe auch im Internet mit Diskussionsforum: www.klimanotizen.de/html/klima-_und_kernenergieskepsis.html
Fossile Energien leisten den überwiegenden Anteil an der weltweiten Energieversorgung. Eine Welt im Wohlstand ohne sie ist auf längere Zeit nicht vorstellbar. Und die Ressourcen sind dabei auch auf lange Zeit gesichert.
Warum sollte man nun Energieformen in großem Umfang einsetzen, die im Vergleich schlechter abschneiden, als die Fossilen?
Jede andere Energieform muss sich an den Fossilen messen lassen. Dabei interessieren vor allem  Wirtschaftlichkeit, Verfügbarkeit, Versorgungssicherheit, Gesundheit/Umweltverträglichkeit und Sicherheit (bspw. Terrorismusgefahr).
Heutige Kernkraftwerke liefern auch nur Strom wie die Fossilen und das zu einem höheren Preis und großer Gefährdung der Sicherheit und Belastung zukünftiger Generationen.
Ein oft angeführter Vorteil der Kernenergie – die Energiedichte – ist gleichzeitig auch die eigentliche Ursache ihrer Sicherheitsprobleme.
Im Folgenden wird gezeigt, wie die heutige und real existierende Kernenergie bei einem Vergleich mit den Fossilen in relevanten Punkten deutlich schlechter abschneidet.
Es wird auch gezeigt, dass Klima- und Kernenergieskeptiker (eigentlich) natürliche Verbündete sind.
Besonders gravierend: ein starker Ausbau der Kernenergie wäre ein Eldorado für den Islamischen Staat und andere Terroristen.
Hinweis: Einige Anmerkungen zur Radioaktivität im Anhang
Inhalt
1. Sechs Mindestanforderungen an die Kernenergie
2. Gibt es  Alternativen?
3. Fukushima, der aktuelle Anlass
4. Heutige KKWs haben kaum lösbare Sicherheitsprobleme
5. Sichere KKWs wären zu teuer und schaffen sich daher selber ab
6. KKWs sind die wichtigste Voraussetzung zur Verbreitung von Atomwaffen
7. KKWs werden nicht benötigt, da es ausreichend saubere fossile Energie für einen langfristigen Übergang gibt
8. Wie wird die Kernenergie verteidigt?
9. Vollversorgung durch KKWs?
10. Heutige KKWs sind Folge eines  Versagens der Fachwelt – ähnlich wie beim Klima und anderen Themen
11. Klima- und Kernkraftskeptiker sind natürliche Verbündete
12. Für die Kernenergie – zum Schaden der Klimaskepsis und des Fortschritts
1. Sechs Mindestanforderungen an die Kernenergie
Leitgedanke: So sicher wie moderne Fossile Energie
Angewandt auf die Besonderheiten der Kernenergie müssen folgende sechs Bedingungen gestellt werden, um bei einem Vergleich mit den Fossilen bestehen zu können:
Kernenergie …
♦  muss inhärent sicher sein,
  muss eine zuverlässige Folgenbegrenzung bei Angriffen (Terror, Krieg) und Havarien haben,
  darf nur geringe Mengen radioaktiver Abfälle hinterlassen,
  darf keine Weiterverbreitung von Atomwaffen ermöglichen,
  darf auch bei maximalen gesellschaftlichen Umbrüchen (Krieg, Failed State) nur geringe, begrenzte Folgen haben und
  muss die dauerhafte Funktionssicherheit vorstehender Bedingungen im Dauerbetrieb nachgewiesen haben.
Wird auch nur eine dieser Bedingungen nicht zuverlässig erfüllt, dann kann die reale Kernenergie keine Alternative zu den Fossilen sein. Die Risiken wären groß.
Keine der real existierenden Kernenergietechnologien ist jedoch in der Lage alle vorstehenden Bedingungen zu erfüllen.
Daher ist die derzeitige realexistierende Kernenergie in Sicherheitsfragen gegenüber den Fossilen ein Rückschritt und sollte bei neuen Kraftwerken nicht mehr eingesetzt werden.

2. Gibt es  Alternativen?

Es gibt ausreichend fossile Brennstoffe für mehr als 200, vielleicht sogar für 1.000 Jahre7. Eine realistische Alternative zu den Fossilien im Großmaßstab gibt es derzeit nicht. Ein Klimaproblem wegen den CO2-Emissionen ist nicht vorhanden5. Die Energiewende mit den Erneuerbaren kann bereits als gescheitert6 betrachtet werden.
Alle über die real existierende Kernenergie hinausgehenden Konzepte sind mehr oder weniger reine Theorie ohne ausreichende Bewährung in der Praxis.
Menschlicher Erfindergeist wird jedoch im Laufe des 21. Jahrhunderts attraktive Alternativen entwickeln: vielleicht auf solarer oder aber auch auf atomarer Basis.
Die Zeit für die Menschheit ist dafür in ausreichendem Umfang vorhanden.

3. Fukushima, der aktuelle Anlass

Zusätzlich zum Erdbeben und dem Tsunami  in Japan hat die Havarie des Kernkraftwerkes Fukushima die Bevölkerung dort hart getroffen. Der dort verwendete Siedewasserreaktor (SWR) ist nicht inhärent sicher.
Evakuierung aus der 30 und mehr Kilometerzone, unverkäufliche landwirtschaftliche Produkte, Belieferungsschwierigkeiten der lokalen Supermärkte aus Angst vor Strahlung, Exportschwierigkeiten, etc.. Die weltweite Aufmerksamkeit ist vom eigentlichen Erdbeben abgelenkt. Am KKW haben die Zuständigen nicht viel im Griff und machen einen unbeholfenen  und unvorbereiteten Eindruck. Währenddessen war es nicht absehbar, ob das Schlimmste überstanden ist oder erst noch bevorsteht. Vor allem wegen der fehlenden inhärenten Sicherheit geriet das KKW außer Kontrolle.
Wäre dort ein fossiles Kraftwerk mit der reichlich vorhandenen Kohle gebaut worden, ginge es den Menschen dort heute deutlich besser.
Die heutige Kenenergie ist kein Ausdruck technologischen Fortschritts, da sie unausgereift ist. Die Glaubwürdigkeit der Kernindustrie bezüglich Sicherheit ist mittlerweile dramatisch geschrumpft.
Immer deutlicher wird, was Klima- und Kernenergieskeptiker gemeinsam haben: Sie stehen unausgereiften und u.a. vom Staat in den Markt gedrückten Konzepten und Technologien gegenüber, die großen Schaden anrichten.

4. Heutige KKWs haben kaum lösbare Sicherheitsprobleme

Die Terrorgefahr ist hochaktuell. Die Attentäter vom 11. September 2001 hätten sich auch ein KKW als Ziel aussuchen können, was im Erfolgsfalle zu einer dauerhaften großräumigen radioaktiven Verseuchung geführt hätte. Ein kräftiger Beschuss durch Raketen o.ä. würde jederzeit das gleiche bewirken.
Außergewöhnliche Naturereignisse wie Erdbeben, Fluten und Erdrutsche würden viele KKWs überfordern und zu ähnlichen oder schlimmeren Ergebnissen führen wie in Fukushima. Warum sollte man den stets abwiegelnden und beschönigenden Erklärungen der Betreiber noch Glauben schenken?
In anderen Technologiebereichen wie der Automobilindustrie ist es üblich, Sicherheit praktisch und glaubwürdig zu demonstrieren (bspw. Crashtests). Warum entfällt das bei den KKWs?
Realistische Sicherheitstest mit Flugzeugen, Geschossen, Sabotage, etc. unterbleiben, weil ihre Durchführung nicht nur überaus teuer wäre, sondern auch zu großräumiger Verstrahlung führen könnte.
Daher stellt der Umgang mit der Sicherheit bei der Kernenergie einen Rückschritt dar, da auf einen solchen realitätsnahen Nachweis verzichtet wird. Berechnungen und Modellierungen gelten als ausreichend. Das erinnert an die analoge Praxis beim Klimaalarmismus.
Das Haftungsrisiko für die Betreiber von KKWs wird in Wirklichkeit nach der Wirtschaftlichkeit definiert und deckt bei Weitem längst nicht alle Kosten ab.
Kernenergie erfordert kurz- und langfristig ununterbrochene, stabile Verhältnisse weltweit. Wer hätte sich vor einigen Jahrzehnten noch archaische Ideologien mit Selbstmordterrorismus in einer modernen Welt vorstellen können? Die Risiken der heutigen Kernenergie passen nicht in diese real existierende Welt.
Solange die Sicherheit der Kernenergie nicht praktisch und der Öffentlichkeit gegenüber nachvollziehbar demonstriert wird, kann eine ausreichende Sicherheit als nichtexistent gelten. Warum sollten nicht Kohlekraftwerke als Referenz für ein akzeptables Sicherheitsrisiko für die Kernenergie gelten?  Das wäre auch in Übereinstimmung mit dem Fortschrittsbegriff.
Wir Deutschen haben seit Jahrzehnten eine kritische und aktive Öffentlichkeit gegenüber der Kernenergie, während die Japaner eher unkritisch gewesen sind.
Ein derart anfälliges KKW wie in Fukushima wäre höchstwahrscheinlich in Deutschland wegen der kritischen Öffentlichkeit nicht gebaut worden.

5. Sichere KKWs wären zu teuer und schaffen sich daher selber ab

Allein die umfassende Sicherung gegen Terroranschläge dürfte so hohe Kosten verursachen, dass keine KKWs mehr gebaut werden würden. Ein seinerzeit diskutiertes Ministeriumspapier4 zur Sicherheitsüberprüfung dürfte bei konsequenter Umsetzung das Aus vieler KKWs bedeuten.

6. KKWs sind die wichtigste Voraussetzung zur Verbreitung von Atomwaffen

Die Verbreitung von Atomwaffen gehört zu den größten weltweiten Problemen.
Iran, Nordkorea, Pakistan und früher der Irak, u.a. binden dabei die internationale Aufmerksamkeit und Ressourcen. Die vorhandenen oder erstrebten Atomwaffen dieser Länder verhindern langfristig Problemlösungen und sichern menschenverachtende Diktaturen. Was passiert, wenn in Pakistan die Islamisten den atomaren Bereich übernehmen? Das ist inzwischen realistisch geworden.
Ohne die Kernenergie hätten wir diese Probleme mit der Weiterverbreitung von Atomwaffen und ihren Folgen nicht.

7. KKWs werden nicht benötigt, da es ausreichend saubere fossile Energie für einen langfristigen Übergang gibt

Alle gegenwärtigen und zukünftigen Probleme durch die heutige Kernenergie sind vermeidbar, wenn beispielsweise auf die reichlich vorhandenen Fossilen  Kohle und Gas gesetzt wird. Dabei können problemlos Übergangszeiten von mindestens 200 Jahre überbrückt werden bis es etwas Besseres gibt. Heutige Kohlekraftwerke sind im Gegensatz zu früher sauber, was einen echten Fortschritt darstellt.
Kohle ist auch die vergleichsweise günstigste Energie. Die Erzeugungskoste n1 für Strom aus Kraftwerken, die 2010 fertig wurden, betragen pro kWh: Braunkohle 2,5 ct, und Steinkohle 3,3 ct. Die Alternativenergien liegen astronomisch darüber.
Die Stromerzeugungskosten bei der Kernenergie für Neubauten müssen wohl deutlich nach oben korrigiert werden und liegen inzwischen sogar in der Größenordnung der Erneuerbaren.
So vereinbarte Großbritannien einen auf 30 Jahre festgelegten Garantiepreis von 11 ct/KWh für neu zu errichtende Kernkraftwerke.  Das ist mehr als es bei Windenergieanlagen (9 ct/KWh) in Deutschland üblich ist.
Bei den unterschiedlichen Energiearten gibt es normalerweise unterschiedliche Anzahl von Opfern durch verschiedene Einflüsse. Dabei werden jetzt Statistiken2 in die Diskussion gebracht, bei denen die Kohle mit relativ viel angegebenen Opfern (161 Tote pro TWh) oben und die Kernenergie (0,04 Tote pro TWh) ganz unten rangiert. Klimaskeptiker haben jedoch leidvolle Erfahrungen gemacht, wie Statistiken so aufbereitet werden können, dass sie einen gewollten Eindruck hinterlassen. In diesem Fall sind die Angaben für Kohle grob irreführend, denn es sind dort Tote weltweit durch Abgase gemeint. Da alle Kohlekraftwerke in Deutschland über eine Rauchgaswäsche verfügen, sind solche Angaben irrelevant.

8. Wie wird die Kernenergie verteidigt?

Klimaschutz ist inzwischen das zentrale Argument zum Bau von KKWs weltweit geworden. Die früheren Argumente wie „Die Lichter gehen aus!“ und für saubere Luft gegen schmutzige fossile Energien sind längst überholt oder waren nie zutreffend.
Desweiteren wird mit Ressourcenschutz und nur geringen Gefahren argumentiert. Fukushima sei bald vorbei und dann wenig dramatisch ausgegangen. Gerade wir in Deutschland seien hysterisch und voller Zukunfts- und Fortschrittsängste. Die Medien wären voller Unwahrheiten in wesentlichen Punkten. Diese Sichtweisen mögen zur subjektiv empfundenen Entspannung beitragen, begründet aber nicht die Notwendigkeit von Kernenergie.
Über Kernenergie wird von ihren Verteidigern in der Regel nicht ganzheitlich diskutiert. Das Restrisiko durch überraschend große Naturereignisse (Erdbeben, Fluten)  wird als gering eingeschätzt. Fukushima ist jedoch  ein Beispiel, dass die Betreiber nicht mit einem Ereignis dieser Größenordnung gerechnet hatten. Ebenfalls werden der Terrorismus und Kriegsereignisse wenig einbezogen. Auch die Verbreitung von Atomwaffen besonders an Schurkenstaaten spielt bei den Betrachtungen der Verteidiger kaum eine Rolle.
Zur ganzheitlichen Betrachtung gehören auch die Bewertung  von Alternativen und die Frage, ob die heutige Kernenergie angesichts des Restrisikos überhaupt gebraucht wird.
Nirgends gibt es einen Beleg, dass die Kernenergie unverzichtbar sei.
Auch hier gibt es meiner Beobachtung nach eine Vermeidungshaltung in der Diskussion.
Die fossilen Energien erleben gerade einen Aufschwung. Neue Fördermöglichkeiten bei Schiefergas haben einen Trend ausgelöst und auch die Kernenergie preislich stark unter Druck gesetzt. Vor allem, wenn Nachrüstungen angeordnet werden. Es gibt eine Abschätzung, wonach die USA über die meisten Energiereserven weltweit verfügen und sogar zum Nettoexporteur werden können. Es ist derzeit viel in Bewegung bei den fossilen Energien.

9. Vollversorgung durch KKWs?

Wie bei den Erneuerbaren wird auch bei der Kernenergie fast immer nur über die Stromversorgung geredet. Dabei macht diese nur ca. 20% des Primärenergiebedarfes Deutschlands aus.
Entscheidend ist jedoch:
Wie groß wäre der Aufwand, wenn Deutschland eine Voll- oder Teil- (50%) Versorgung des Primären Energiebedarfs aus KKWs hätte?
Folgende Rechnung9 ist dabei – erst einmal vorläufig  – entstanden:
100%-Lösung: 357 KKWs ständig in Betrieb, à 2.000 MW.
Danach müssten jedes Jahr 7 KKWs fertig gestellt werden und gleich viele abgeschaltet und entsorgt werden.
50%-Lösung: wie vor, jedoch 178 KKWs in Betrieb, 4 KKWs müssten jährlich neu gebaut und gleich viele abgeschaltet und entsorgt werden.
Plus zusätzliche Infrastruktur mit allem was dazu gehört.
Fazit: Eine derartige Energieinfrastruktur wäre ein Eldorado für Terroristen und andere Feinde des Fortschritts!
Gerade für den “Islamischen Staat” dürfte das ein “gefundenes Fressen” sein.

10. Heutige KKWs sind Folge eines  Versagens der Fachwelt – ähnlich wie beim Klima und anderen Themen

Die Kernenergie ist nicht im freien Markt eingeführt worden wie Autos oder Computer. Sie war das Ergebnis einer Anstrengung gesellschaftlicher Gruppen und des Staates aufgrund „höherer“ Einsicht. Die Energiewirtschaft war ursprünglich skeptisch. Politischer Druck hat die Kernenergie durchgesetzt und das erinnert an den Klimaschutz und die Erneuerbaren Energien.
Arnolf Baring in der FAZ3:
Die Anfänge der deutschen Kernenergie-Debatte
Blickt man zurück auf die Anfänge der Kernenergie-Debatte, stellt man fest, dass in den fünfziger und sechziger Jahren unter Politikern aller Parteien und Publizisten aller Richtungen Euphorie herrschte, ein wahrer Atomenthusiasmus. Diese Euphorie war Ausdruck einer allgemeinen Aufbruchsstimmung im Deutschland der Nachkriegszeit, zumindest in der Bundesrepublik. Wirtschaftswachstum und technologische Innovation waren damals Inbegriffe des gesellschaftlichen Fortschrittsdenkens. Dem entsprach die rückhaltlose Bejahung neuer Technologien, die eine gute, eine bessere Zukunft verhießen.
Ausgelöst wurde die Atombegeisterung durch die berühmte "Atoms for Peace"- Rede des amerikanischen Präsidenten Eisenhower vor den Vereinten Nationen 1953. Diese Ausführungen weckten in der Weltöffentlichkeit die Hoffnung, nach dem nuklearen Schrecken von Hiroshima und Nagasaki werde die Kernenergie nunmehr für friedliche Zwecke eingesetzt.
Skepsis gegenüber der Kernenergie wurde in diesen frühen Jahren ausgerechnet von jenen geäußert, bei denen man es am wenigsten erwarten würde: von der Energiewirtschaft. Zu einer Zeit, in der die fossilen Energieträger im Übermaß zur Verfügung standen, beugten sich die Erzeugergesellschaften nur zögerlich dem politischen Druck, in die teure und komplexe neue Energietechnik zu investieren. Interessanterweise wurden die Risiken der Kernenergie gerade in Betreiberkreisen zu jener Zeit noch recht offenherzig diskutiert – etwa die gesundheitsschädlichen Wirkungen der radioaktiven Strahlungen oder das Problem der Entsorgung radioaktiver Abfälle.
Bis in die sechziger Jahre hinein fanden solche kritischen Stimmen jedoch keinen bedeutsamen öffentlichen Widerhall.
Aus der Fachwelt gab es bis Ende der 70er kaum Kritik an der Sicherheit der Kernenergie. Sie war bereit das große Restrisiko zu verteidigen oder durch Schweigen zu tolerieren. Darin liegt das Versagen der Fachwelt.
So schrieb die Kernindustrie damals in der Broschüre „66 Fragen, 66 Antworten“:  „Ernsthafte Wissenschaftler haben sich nicht auf die Seite der Gegner gestellt“. Zehn Jahre später war das schon anders. Die Klimaskeptiker machen inzwischen eine analoge ähnliche Erfahrung.

11. Klima- und Kernkraftskeptiker sind natürliche Verbündete

Beides sind soziale Bewegungen und haben den gleichen Gegner: den Klimaalarmismus.
Klimaskeptiker sehen darin nicht nur ein falsches wissenschaftliches Konzept für die Zukunft. Wenn es nur um Wissenschaft ginge, dann wäre die Auseinandersetzung eine rein akademische, wie es sie in der Wissenschaftsgeschichte immer wieder gab.
Klimaskeptiker sehen darin jedoch vielmehr eine Fehlorientierung der Gesellschaft, die dabei ist großen Schaden zu nehmen: in Wirtschaft, Politik/Demokratie und Wissenschaft. Der Klimaalarmismus zeigt fundamentalistische Tendenzen.
Kernkraftskeptiker sehen die Sicherheit großräumig gefährdet und sind mit den Argumenten des Klimaalarmismus konfrontiert, der dabei ist weltweit KKWs wieder durchzusetzen. Das Hauptargument dabei ist die Reduktion menschengemachter Treibhausgase wie CO2 zur Vermeidung einer vorausgesagten Klimakatastrophe.
Bisher gibt es zwischen diesen beiden Bewegungen eine große Distanz. Viele Klimaskeptiker meinen, dass die Kernkraftgegner fortschrittsfeindlich sind und viele von ihnen gesellschaftlich radikale Ziele verfolgen. Die meisten Kernkraftskeptiker selbst jedoch würden dieses vehement bestreiten.
Die allermeisten Kernkraftgegner meinen, dass sie ihre Ziele auf Abschaltung der KKWs mit dem Klimaschutz und den Erneuerbaren Energien erreichen müssen. Sie haben noch nicht erkannt, dass sie die falschen Partner haben.
Zwischen diesen beiden Bewegungen gibt es bisher so gut wie keine Kontakte. In einer Zusammenarbeit würden jedoch riesige Chancen für beide Seiten liegen.

12. Für die Kernenergie – zum Schaden der Klimaskepsis und des Fortschritts

Inzwischen sind weltweit einige bekannte Ökoaktivisten von ihrer Kritik an der Kernenergie abgerückt und sehen nun die Klimazukunft bei der Kernenergie besser aufgehoben, als dagegen zu sein.
Viele Klimaskeptiker, die die Kernenergie befürworten, sehen sich jetzt bestätigt. Wenn sogar bekannte Ökoaktivisten die Kernenergie befürworten, dann muss es ein starkes Argument für sie sein. Wird jedoch nicht eher umgekehrt ein Schuh daraus?
Liegt es nicht nahe, dass es Leute sind, die aus Sicht der Klimaskepsis schon einmal grob danebenliegen und nur wegen dem Kimaalarmismus nun für die Kernenergie sind? Folgt nicht eher aus dem einen Irrtum der nächste? Erleben wir bald gemeinsame Resolutionen und Demos von kernenergiebefürwortenden Klimaskeptikern und Klimaalarmisten? Sind diese vielleicht sogar auch natürliche Verbündete?
In einer aktuellen Broschüre von EIKE (8) wird faktisch ein allererster Schritt in Richtung Zusammenarbeit von Klimaschützern und klimaskeptischen Kernenergiebefürwortern getan. Dor8t (, S. 24) heißt es:
Wer allerdings die Klima-CO2-Warnungen ernst nimmt, sei darauf hingewiesen, dass die weltweit arbeitenden Kernkraftwerke 2012 etwa 2,4 Milliarden Tonnen CO2 –Emissionen (von insgesamt ca. 33 Mrd t) vermieden haben.” Auch anderen Stellen dieser Broschüre wird die Treibhausgasvermeidende Rolle der Kernenergie immer wieder fast lobend hervorgehoben.
Von einer weltweiten positiven Wirkung von CO2 auf das Pflanzenwachstum ist im Gegensatz zu sonst bei EIKE in dieser Broschüre nun keine Rede mehr.
Jedenfalls spielte und spielt die unausgereifte Kernenergie den Wachstums- und Fortschrittskritikern seit 40 Jahren in die Hände. Und viele Freunde des Wachstums und des Fortschritts spielen den unfreiwilligen nützlichen Aktivisten für die Kernenergie und deren Gegner gleichzeitig.
Es ist nicht fortschrittlich für die Verbreitung einer unausgereiften Technologie zu sein. Im Gegenteil.
Vielleicht ist es jetzt an der Zeit die Sprachlosigkeit, Informationsblockaden und die teilweise Diskursunfähigkeit der Lager zu überwinden.
Klaus Öllerer
Publizist
www.KlimaNotizen.de, 0170 92 60 771, Klaus.Oellerer@oellerer.net
Letzte Änderung: 16.09.2014
Siehe auch >> Antworten auf “Hundert gute Antworten
Anhang
Grundsätzliche Anmerkungen zur Gefährlichkeit der Radioaktivität
* Diese wird von Kernenergiegegnern oft masslos übertrieben und von Befürwortern manchmal unterschätzt.
* Diese kann möglicherweise in geringem Ausmaß sogar nützlich sein.
* Die reale Möglichkeit der umfassenden Freisetzung des radioaktiven Inventars einer Kernenergieanlage ist nicht hinnehmbar (Tschernobyl, Fukushima). Große Landstriche würden ggfs. unbewohnbar. Es gibt genügend Energiealternativen.
Quellen
1) Stromerzeugungskosten
http://www.klimanotizen.de/2010.10.16_Stromerzeugungskosten_www.energie-verstehen.de_-_Das_Informationsportal_des_BMWi_fur_Verbraucher.pdf
2) Tote nach Energiearten
Bei Kohle werden Abgastote gezählt. In Deutschland haben jedoch alle Kohlekraftwerke eine Rauchgaswäsche.
http://nextbigfuture.com/2011/03/deaths-per-twh-by-energy-source.html
3) Die Anfänge der deutschen Kernenergie-Debatte
http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EAD3C1D5168B74DC2A201DA0EAB23CB52~ATpl~Ecommon~Scontent.html
4) Internes Papier – Regierung erwägt strengere Vorschriften für AKW
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,751741,00.html
5) Kein Klimaproblem mit CO2-Emissionen
Siehe bei folgenden Links:
www.kaltesonne.de,  www.eike-klima-energie.eu, www.wattsupwiththat.com, www.KlimaNotizen.de  
6) Scheitern der Erneuerbaren
Energiewende und die Kosten
http://tiny.cc/v858mw
7) Genügend Fossile Energien sind vorhanden
„Energie – Beam me up, Scotty“
http://www.klimakontroverse.de/2013.10.31_Energie_Beam_me_up_Scotty.pdf
8) Energiepolitisches Manifest
Argumente für die Beendigung der Energiewende
http://www.eike-klima-energie.eu/uploads/media/Energiepolitisches_Manifest_31-01-2014_23_10.pdf
9) Vollversorgung durch KKWs?
Annahmen:
Primärenergiebedarf Deutschland: ca. 4.000 Mrd KWh
Pro KKW: 2 Mio KW, 7.008 h jährliche Verfügbarkeit (80%), Anzahl Reservekraftwerke: 25%, angenommene Lebensdauer: 50 Jahre., Bedarf bei 100%-Versorgung: 357 KKWs, jährlicher Neubau und Entsorgung von jeweils 9 KKWs
Der Einfachheit halber ohne Berücksichtigung von Grund- und Spitzenlast.

Stellungnahme von Dr. Dietmar Ufer vom 12.10.14

Herrn Öllerers Ausführungen sind von einer einzigartigen Besessenheit geprägt: Von Angst! Und damit befindet er sich in bester Gesellschaft mit großen Teilen der deutschen – und leider nicht nur der deutschen – Politik. Die einen haben Angst vor der Kernenergie („Nuklearphobie“), andere Angst vorm Klimawandel („Klimaphobie“), weitere haben Angst vorm Ende der Energieressourcen („Energiemangelphobie“) – ohne irgend eine oder zwei dieser Ängste oder sogar aller drei gleichzeitig (wie in der Bundesregierung) lässt sich offenbar keine „moderne Energiepolitik“ mehr betreiben. (Ich bin mir natürlich darüber im Klaren, dass es noch viel mehr Ängste gibt, mit Hilfe derer die Menschheit „regiert“ und dirigiert wurde und wird…) 
Wenn derartige Ängste, wie sie hier von Herrn Öllerer formuliert wurden, schon immer die Menschheit beherrscht hätte, würden wir heute noch Feuersteine sammeln, um sie zu Faustkeilen umzuarbeiten – und hätten Angst davor, dass Feuersteine bald nicht mehr zu finden sein könnten.
Natürlich sollte auch berücksichtigt werden, dass Angst zu großen Teilen auch aus Unwissenheit entspringt: Es ist ja auch schwierig, ein Kernkraftwerk zu verstehen… Noch schwieriger zu verstehen sind neue technische Entwicklungen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie, wie sie in vielen Ländern der Erde betrieben werden – trotz der Warnungen von Herrn Öllerer. Die Tatsache, dass Deutschland auf die gegenwärtig sichersten Kernkraftwerke der Welt verzichten will und sogar weitere Forschung zur Weiterentwicklung nicht mehr fördert, sogar verbietet sind, zeugt vom erkennbaren Niedergang des Wissenschaftsstandortes D. und vom zu erwartenden Untergang des Wirtschaftsstandortes D. Man könnte auch von Dekadenz eines Landes sprechen, dass sich einbildet, so wohlhabend zu sein, dass es keinen energietechnischen Fortschritt mehr braucht… (Das gilt sinngemäß auch für andere Fachgebiete, z. B. die Stammzellforschung oder die Gentechnik!) Herr Öllerer bekämpft die gegenwärtigen Kernkraftwerke – will aber auch keine neuen, die noch sicherer, noch kostengünstiger sind. Öllerer und die deutsche Energiepolitik – vereint in die Steinzeit zurück?
Viele der hier genannten Contra-Öllerer-Argumente kann man nur unterstreichen, auch das Argument von Hanna Thiele, wonach die Begründung für die Kernenergie in Deutschland Hand in Hand ging (und leider immer noch geht) mit der „Klimaphobie“. Wenn der deutschen Nuklear-Wissenschaft und -Industrie (Deutsche Physikalische Gesellschaft, Deutsches Atomforum etc.) zu ihrer Rechtfertigung nichts anderes einfällt als die Angst vor der Klimakatastrophe zu schüren, dann muss das als ein mit abgrundtiefer Dummheit gepaarter Opportunismus gebrandmarkt werden, auch wenn damit namhafte Persönlichkeiten angeprangert werden. Falsch ist es aber, nur wegen dieses durch nichts zu rechtfertigenden Fehlverhaltens der deutschen Kernenergielobby die gesamte Nuklearwirtschaft ins Abseits zu stellen! Nebenbei bemerkt: Die Kernenergietechnik in der DDR, zu der ich (auf Grund meiner fachlichen Vergangenheit) beste Beziehungen hatte, hat sich nie einer solchen Argumentation bedient! Unsere Sorge waren die immensen Schwefeldioxid-Emissionen der Braunkohlenkraftwerke. Der Begriff „Klimaschutz“ spielte weder in der wissenschaftlichen Debatte noch in der Praxis eine Rolle. Dass Kohlendioxid ein Schadstoff sei, habe ich erst nach 1990 „gelernt“!
Abschließend noch ein Faktum aus einem untergegangenem Land: Das KKW Lubmin lieferte auch Fernwärme zur Beheizung der Neustadt des benachbarten Greifswald.

 




Unverbesserliche Weltverbesserer

Ihr Bio-Wahn ernährt die Großstadt-Ratten. Sie zwingen uns Energiesparlampen und fragwürdige  Wärmedämmung auf: Die Plage der selbsternannten Weltverbesserer.


Zwar steht der seriöse Beweis noch aus, aber nehmen wir einfach mal an, es würde auf der Erde durch menschlichen Einfluss wirklich kontinuierlich wärmer, was können wir tun? Dieselbe Wissenschaft, die uns erst ermöglichte, unseren Planeten zu missbrauchen, bietet uns dafür etliche patente Pläne: Ein Sonnenschirm im All könnte Sonnenenergie abfangen, Dünger im Meer könnte CO2 neutralisieren, Aerosole in der Atmosphäre sollte einen Treibhauseffekt minimieren, neue Kunststoffschäume müssten CO2 binden.

Klingt alles gut, ist auch gut, aber nur, wenn es funktioniert. Bei den meisten der oben genannten Projekte haben andere Wissenschaftler aber so massiv vor schlimmen Folgen für das Gleichgewicht der Natur gewarnt, dass sie uns wohl erspart bleiben. Was bleibt, ist die Angst vor dennoch auf uns wartenden Erfahrungen, wie sie die Australier beispielsweise mit der Aga-Kröte gemacht haben, die als biologisches Ungezieferbekämpfungsmittel angesiedelt wurde, und nun zur furchtbaren Plage wird. Nicht nur hier wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Tatsächlich tendiert der Mensch dazu, mit den besten Absichten den größten Schaden anzurichten.

Bestialisch stinkende Flure

Beim Versuch, der Umwelt nachhaltig zu helfen, müssen wir also nicht nur auf Profiteure aufpassen, die Panik schüren, um davon zu profitieren, sondern schlicht und einfach auch mit unserer aller Dummheit rechnen. Je unübersichtlicher die Welt wird, desto mehr wird der Irrtum zu einer dominierenden Entwicklungskraft.
Denken wir nur an die vom nächsten Jahr an gesetzlich vorgeschriebene Biotonne inklusive Zwangsmülltrennung. 70 Kilo Essensreste pro Einwohner und Jahr könnten so gerettet werden, hat ein Think-Tank errechnet, der auf den lustigen Namen Witzenhausen-Institut hört. All die schönen Nahrungsmittel, die die Überflussgesellschaft in den Müll befördert, könnten doch, so kommt die naive Idee beim gutwilligen Verbraucher an, wenn schon nicht ins hungerleidende Afrika gebracht so doch wenigstens recycelt werden.
In der Praxis hat sich stattdessen schon längst gezeigt, dass die Hausflure und Wohnungen bestialisch zu stinken beginnen und dass Ungeziefer und Krankheiten einen perfekten Nährboden finden. Natürlich gibt es geruchsbindende Chemikalien, denn die kommerzbegleitende Wissenschaft hat schließlich immer eine Lösung zu bieten. Nur ob diese Chemikalien zu einer positiven Ökobilanz beitragen, wage ich vage zu bezweifeln. Und werden wir dann bald mit der Tonne auch eine Müllpolizei bekommen, die Trennverweigerer verfolgt und ihrer gerechten Strafe zugeführt? Man erinnere sich nur an die Klima-Polizei, die die Grünen unter Kindern rekrutieren und ausbilden wollten, um Umweltfrevler direkt an die Behörden zu melden.

Gemüse für die Ratten

Doch reden wir über Fakten, beispielsweise über die Inhalte. Laut Inhaltskatalog des Bundesumweltministeriums dürfen sich die häuslichen Ratten auf Gemüse, Milchprodukte (keine Milch), verdorbene Speisereste und Fisch freuen. Da sieht man bestätigt, dass der Fisch am Kopf zu stinken beginnt. Sägespäne sind erlaubt, aber nur von unbehandeltem Holz. Was für eine praktikable Unterscheidung. Und schließlich gehört auch Grasschnitt zum Biomüll. Jeder Kleingärtner weiß, wie sehr Rasenschnitt nach kürzester Zeit stinkt. Menschen mit geschwächter Atemfunktion bekommen Dauerhusten und Asthmaanfälle. Die extreme Hitzeentwicklung des Vergärungsprozesses könnte übrigens auch zur Selbstentflammung führen. Eine zündende Idee also.
Ein nachhaltiges Problem bei der Biotrennung ist die Tatsache, dass die doofen Deutschen mehrheitlich ihren Biomüll in Plastiktüten zur Tonne bringen, wo die kostbare Substanz bis zur Abholung vor sich hin reifen muss. Diese Tüten müssen die Abfallentsorger dann mühsam wieder aus der Pampe klauben. Doch sind die Deutschen wirklich so doof? Ist es ökologisch sinnvoller, die faulenden Substanzen in der Wohnung im Eimer zu sammeln, diesen Eimer auszuschütten und ihn dann in der Wohnung mit Trinkwasser und Spülmittel zu säubern?
Doch die Wissenschaftler von BASF und anderswo bieten uns natürlich eine Lösung an: die recycelbare Biotüte. 10.000 Tonnen teure Tüten warten auf die Verbraucher. In Berlin wurden im Modellversuch solche Beutel an 21.000 Haushalte verteilt. Trotz unentgeltlicher Tüten sank der orthodoxe Plastikbeutelanteil aber nur von 19 auf 7%.

Ökologisches Perpetuum Mobile

Ist dieses Ergebnis im biofreundlichen Yuppie-Bezirk Prenzlauer Berg schon nicht wirklich überzeugend, so kulminieren die Zweifel angesichts der fragwürdigen Biotüten an sich. Diese werden aus Polyester, Maisstärke, Zellulose und Polymilchsäure hergestellt. Der versprochene Zerfallsprozess findet nur bei einer bestimmten Wärmeentwicklung in Kompostieranlagen statt. „Wenn Sie die Tüte in den Wald oder ins Meer schmeißen, passiert gar nichts”, sagt selbst Helge Wendenburg vom Biotonnen-Umweltministerium. Auch zur Wiederverwertung von Bioabfällen etwa als Dünger würden die Biokunststoffe keinen positiven Beitrag leisten.
Und schließlich wird die Produktion der Biotüte weitere Mais-Einöden in der Landwirtschaft produzieren mit all ihren bekannten Nachteilen wie Monokultur, giftige Schädlings- und Unkrautbekämpfung, versauerte Böden und landschaftliche Hässlichkeit. Man erinnere sich nur an die Debatte um das Bio-Benzin. „Biologisch abbaubare Kunststoffe für Verpackungen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, haben keinen ökologischen Vorteil”, bringt es der Fachbereich für Kreislaufwirtschaft im Umweltbundesamt auf den Punkt. Wie praktisch, dass die Inhalte der Biotonne in der Hauptsache zu Dünger verarbeitet werden: geradezu ein ökologisches Perpetuum Mobile.
Dumm gelaufen, könnte man meinen, wenn die Müll-Idee ein Einzelfall wäre. Doch das Phänomen des Verschlimmbesserns lässt sich durch alle Bereiche unserer zivilisatorischen Ver- und Entsorgung durchdeklinieren. Bei Energiesparlampen, die sich als so physiologisch und psychologisch schädlich wie unpraktikabel erwiesen haben, fängt die Aufzählung an. Ein Dauerbrenner (beim Ärgern, nicht beim Funktionieren) sind die Windmühlen, die ihr bisschen Strom meist dann produzieren, wenn ihn keiner braucht. Doch weit mehr ebenso katastrophale Öko-Irrtümer werden meistens ignoriert. Hier und heute aber zwei weniger.

Zwei Million Euro Leibrente

Wärmedämmung hat allein schon durch die Herstellung der Materialien eine negative Ökobilanz, ganz zu schweigen von Schimmelbildung in den Räumen und erheblicher Entsorgungsprobleme. Nicht genug damit: Schon 1985 hatte die Fraunhofer-Gesellschaft ermittelt, dass die Verwendung von Dämmstoffen, die die einstrahlende Sonnenwärme ja reflektieren, im Vergleich zu den vorhandenen Massivwänden den Heizenergieverbrauch nicht senkt, sondern in die Höhe treibt.
Britische Forscher haben auch noch errechnet, dass die deutschen Heizwertberechnungen um 30-40% an der Realität vorbeigehen. Entsprechend weit lag nämlich der tatsächliche Verbrauch bei wenig gedämmten Häusern niedriger als in der offiziellen Kalkulation. Man ahnt es schon: Bei den sogenannten Niedrigenergiehäusern, war der Verbrauch dafür deutlich höher als vorher berechnet. Zu entsprechenden Ergebnissen kam auch eine Studie der staatlichen Förderbank KfW.
Die Politik der Bundesregierung fordert davon unbeeindruckt jährlich steigende Dämmleistungen im Interesse der Bauindustrie. Deshalb kostet das bauliche Energiesparen den Bürger und den Steuerzahler laut einer Prognos-Studie bis zum Jahr 2050 rund 838 Milliarden Euro. Das Energieeinsparpotenzial hingegen liege bei nur 370 Milliarden. Angesichts dadurch gesicherter 250.000 Arbeitsplätze könnte man weniger umweltschädlich jedem dieser Bauarbeiter auch zwei Million Euro Leibrente auszahlen. Doch moderne Umverteilung im ökologischen Gewand funktioniert eben anders. Für ihre Rente sollen die Arbeiter gefälligst viele (arbeitslose) Kinder machen. Aber das ist ein anderes Thema.

Steigendes Grundwasser

Nicht eingerechnet in die Aufwandskalkulation ist die Tatsache, dass erste signifikante Bauschäden an den Dämmungen nach ungefähr 20 Jahren auftreten. Gesamtkosten in Höhe von weiteren Hunderten von Milliarden Euro bis 2050 sind die Folge. Dabei sind schon derzeit mehr als ein Viertel der Baukosten eines Einfamilienhauses auf Energiesparrichtlinien zurückzuführen. Und dieselben Leute, die diese Form von Öko cool finden, demonstrieren dann gegen Mietpreiserhöhungen.
Wärmedämmung hilft sowieso nicht viel gegen durch steigendes Grundwasser verursachte Wasserschäden. Allein in Berlin sind 200.000 Menschen von dem Phänomen bedroht, dass anscheinend durch ökologisch korrekten Wasserverbrauch verursacht wird. Seit 25 Jahren hat sich der Wasserverbrauch in Berlin halbiert und entsprechend stieg das Grundwasser, obwohl die Experten bis vor kurzem unbeirrt prognostizierten, dass die Spree bald aus Wassermangel rückwärts fließen werde. In Sachsen-Anhalt gibt es sogar bereits ein Notprogramm zur Grundwasser-Schadensabwehr. Bekannt dürfte inzwischen sein, dass die Wasserbetriebe wegen der (wasser-)sparsamen Bürger seit längerem die Kanalisation mit Trinkwasser spülen müssen, weil sich die Rohre sonst zusetzen würden. Paradoxe Umwelt-Welt.
Natürlich sind all das ausgewählte Beispiele, die in keiner Weise die grundsätzliche Notwendigkeit von Umweltmaßnahmen infrage stellen sollen. Die Politik war hier solange außerordentlich berechtigt und erfolgreich – bis der Umweltwahn mehr und mehr dysfunktionale Lösungsansätze zur Realisierung kommen ließ. Hier geht es stattdessen darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es im Umgang mit der Natur oder auch nur einer komplexen Zivilisation keine Patentrezepte gibt.

„Lust an der Angst“

Auffällig ist, dass die Menschen, je unübersichtlicher die Probleme werden, zu immer einfacheren Lösungen tendieren. Das ist ein bisschen wie der von Psychologen beschriebene Effekt, bei dem sich Leute bei Anschaffungen desto weniger Gedanken machen, je teurer das Objekt ist. Für den umstrittenen Öko-Warner Alexander Neubacher haben wir es aber auch mit einem Irrationalismus zu tun, der aus der „Lust an der Angst“ genährt und von „parareligiösen Phänomenen“ in der Szene der Umweltaktivisten gepflegt wird.
Fakt ist, dass wir eben oft nicht wirklich wissen, welche Probleme wir überhaupt haben – und zwangsläufig können wir nicht wissen, was gegen sie zu unternehmen ist. Befördert durch den von mir schon mehrfach beklagten Aufklärungspositivismus, nach dem man alle Probleme zu meistern fähig zu sein glaubt, vor allem wenn man Experten und Wissenschaftlern vertraut, wird der Mensch immer unmündiger gehalten und verhält sich auch entsprechend. Auch hier bedarf es dringend des kybernetischen Denkens oder wenigstens einer Reaktivierung des gesunden Menschenverstandes. Besonders die Projekte, die offensichtlich auf die Qualität oder in die Milliarden gehen, sollten wir doch aufzuspüren in der Lage sein.




Auswertung der Energiedaten des Bundeswirtschaftsministeriums und Bundesumweltministeriums- Darstellung der CO2-Zahlen

In dieser Auswertung werden die Erfolge der deutschen Klimaschutzpolitik dargestellt.
Seit der Einführung des EEG gab es eine weltweit einmalige Fokussierung der deutschen Ressourcen auf den Ausbau der so genannten „Erneuerbaren Energien“.
Die in diesem Dokument gezeigten Grafiken basieren auf eine Auswertung der Veröffentlichungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, so wie des Bundesumweltministeriums.
Hierzu wurde auf folgende veröffentlichte Exceltabellen zugegriffen:
BMWi: http://www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energiedaten-und analysen/Energiedaten/gesamtausgabe,did=476134.html
BMU:   2014-Feb_agee-stat-zeitreihen_EE.xlsx    (Ist zur Zeit nicht erreichbar)
Bild 1 (rechts, zum Vergrößern anklicken) zeigt die Darstellung der BMU Zeitreihe Tabellen 11 bis 33. Hier wurde die, meines Erachtens, errechnete und nicht eine gemessene Vermeidung von CO₂ dargestellt. Da die Zahlen eine Einsparung darstellen sollen, habe ich mir erlaubt, diese auch negativ darzustellen. Da die Wind und Solarenergie im Fokus stehen, werde ich mich auch nur auf diese „Energieträger“ konzentrieren.
Wie aus dem grünen Balken zu erkennen ist, wurde eine errechnete Einsparung von 0,1 Megatonnen = 100.000to CO₂ im Jahr 1990, eine Einsparung von 63,2 Megatonnen (63.200.000to) im Jahr 2013 erreicht.
Diese Zahl wird als Beleg und Argument für den Ausbau der „Erneuerbaren“ herabgezogen. Doch merken Sie sich den grünen Balken. Dieser wird in den nächsten Darstellungen einfließen.
Rechnet man die Zahlen um, erkennt man einen Trend, der meines Erachtens zeigt, daß in den ersten Jahren nach der Einführung der des EEG, die besten Standorte besetzt wurden. Die Anlagen, die zur Zeit und in der Zukunft installiert werden, senken aber tendenziell die Effektivität des Kraftwerkparks aus Wind und Solar.
Dies ist im Bild 2 dargestellt.

Das nun folgende Bild 3 zeigt, welch geringer Einfluss der Einsatz von Wind und Solarenergie auf die Emissionen Deutschlands hat. Die Absenkung der CO₂-Emissionen ist eher dem Niedergang der Industrie in den neuen Bundesländern, sowie der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands geschuldet.

Bild 4 (innen Bild 5) zeigt die Bemühungen Deutschlands zur CO₂-Vermeidung im Vergleich zu den größten Emittenten China und den USA. 

Endgültig zur Farce verkommt die „Vorreiterrolle Deutschlands“  wenn man sich das Bild 5 (innen Bild 6) betrachtet.

Warum geht den Ministern Gabriel und Hendriks nicht ein Licht auf, wenn sie diese Zahlen aus den eigenen Ministerien anschauen? Kann es sein, daß die Ministerialbeamten ihre Chefs nicht erschrecken wollen oder liegt es an der ideologischen Brille der Klimarettung, die einen nüchternen Blick auf die Zahlen verhindert?
Die Emissions-Sparbemühungen Deutschlands jedenfalls, verschwinden im statistischen Rauschen.
Der Anteil Deutschlands an den weltweiten CO₂-Emissionen, sank von 1990 = 4,6% auf  2,4% im Jahr 2013 , ohne das dieser Anteil, auch nur ansatzweise, durch Deutschland beeinflußt wurde.
Den größten „Erfolg“ des EEG liegt aber auf einer anderen Seite. Deutschland steht im Begriff, das teuerste Land weltweit für den Strompreis der Haushalte zu werden. Zum Vergleich: Die Haushalte in den USA zahlen ca. 9 bis 10 Ct/kWh. Siehe Bild 7
 
Gleichzeitig wird mit dem Bild 8 (unten) deutlich gezeigt, wie weit man von einer 100% EE-Stromversorgung ist.

Die verteufelten Energieträger Kernkraft und Kohle lieferten im Jahr 2013 die 4,5-fache Energie bei einer vergleichbaren installierten Leistung von ca. 66 GW.

Fazit:

Die Ziele der Politik, aus Deutschland ein Vorbild für eine CO₂-freie Gesellschaft zu transformieren,  hat dieselbe volkswirtschaftliche Vernichtung noch Volksvermögen zur Folge, als ob wir einen Krieg führen und verlieren würden.
Wird diese Entwicklung nicht gestoppt, so droht Deutschland auf das Niveau eines Drittweltlandes abzusinken, ohne irgendeinen Effekt auf den weltweiten CO₂ Ausstoß zu erreichen.
Was dies bedeuten kann, erkennt man zur Zeit in dem von Ebola betoffenen Afrika, südlich der Sahara.
Der Pro Kopf-Verbrauch an elektrischer Energie liegt bei 124 Kilowattstunden im Jahr. Dies bedeutet aber auch, keine Kühlschränke, keine Infrastruktur zur Wasser Ver.- und Entsorgung, keine industrielle Arbeitsplätze in einer effizienten und arbeitsteiligen Volkswirtschaft, die eine Voraussetzung ist, sich eine teure medizinische Infrastruktur leisten zu können.
Gleichzeitig zerstören wir unsere letzten naturbelassenen Flächen durch den Zubau mit den von mir so genannten SoDa-Kraftwerken und SoDa Stromleitungen, die quer durch die Republik verlegt werden.
( SoDa = Diese Anlagen stehen die längste Zeit des Jahres einfach so da.) 
Politik, Medien, und auch die Kirchen argumentieren, daß ich an die Zukunft meiner Kinder denken soll.
Daran denke und arbeite  ich jeden Tag.
Denn diese Entwicklung verfrühstückt meine zukünftige Rente und treibt gleichzeitig die wertschöpfenden industriellen Arbeitsplätze meiner Söhne in das Ausland.
Rolf Schuster im Oktober 2014




Entgegnung zu den Kommentaren „Abschätzung der globalen Erwärmung durch CO2 und solaren Einfluss“

Link zum Harde Beitrag hier
Herrn Urbahn (#15) möchte ich nur antworten, dass ich hier nicht etwas erzähle, was die Politik hören möchte. Ich denke, eher das Gegenteil ist hier der Fall. Ich kann Ihnen auch versichern, dass ich meine Publikationen zur Klimathematik in meiner Freizeit mache als Pensionär (siehe #117) und sämtliche Publikationskosten (open access) selber trage. Auch wundere ich mich sehr, woher Herr Paul so genau weiß, dass ich ein AGW-Vertreter wäre (#25). Ich versuche nicht, einen unmöglichen "CO2-Treibhauseffekt" zu retten, sondern betrachte ausschließlich  physikalische Gesetzmäßigkeiten, um mir hierüber ein eigenes Urteil bilden zu können, ob und in welchem Maße eine globale Erwärmung durch CO2 überhaupt möglich ist. Ein gleiches Vorgehen würde ich auch einigen Anderen in dieser Runde empfehlen, statt mit bösen Unterstellungen zu agieren.
Wehlan und Paul sollten lieber erst ein bisschen nachdenken, bevor sie so unqualifizierte Statements – nicht nur über meine Arbeit, sondern generell über den Treibhauseffekt – in diese Runde posaunen. Es ist ziemlicher Unfug, von einem Selbsterwärmungsmechanismus oder Perpetuum Mobile zu reden (#2, 24). Dazu sollte man sich erst einmal die Gesamt-Energiebilanz anschauen. Ebenso ist es Unfug, dass Gase in der unteren Troposphäre nicht strahlen sondern nur absorbieren würden (#115). Moleküle ebenso wie schwarze Körper, die absorbieren, emittieren auch. Diese Emission nennt man bei Gasen spontane Emission, und sie stellt die von der Atmosphäre in Auf- und Abwärtsrichtung abgegebene Wärmestrahlung dar, die in ihrer Intensität bestimmt wird durch die Temperatur der Gase über die Absorptionslänge, die in der Tat etwas mit Sättigung zutun hat. In der Nähe der Erdoberfläche ähnelt die Gegenstrahlung über weite Bereiche einem Planck’schen Strahler, bis auf einen starken Einbruch um 10 µm (optisches Fenster, siehe Abb. 7c meiner Arbeit).
Zu #16: Dass die CO2-Konzentration verzögert ansteigt (nach Prof. M. Salby ca. 9 Monate) aufgrund einer Erwärmung, ausgelöst vor allem durch eine erhöhte Solaraktivität, bestreitet niemand in diesem Kreis. Dies hat nur zur Konsequenz, dass sich damit die Klimasensitivität zusätzlich als Rückkopplung oder Verstärkung auf die Solarsensitivität auswirken wird.
Wer hier versucht, Nebel zu verbreiten (#18) und laienhafte Thesen in die Welt setzt, dürfte ziemlich klar sein. Hierzu zählt insbesondere auch unser weiterer THE-Leugner und Mikroturbulenz -Experte Kramm, der nur Rechnungen und Modelle akzeptiert, bei der die Turbulenzerscheinungen mit berücksichtigt werden, die jede Ameise bei ihrem Lauf auf der Erdoberfläche hinterlässt. Um so verwunderlicher ist es, dass sich dieser Experte in drei eigenen Veröffentlichungen ausführlich mit dem trivialen Zweilagen-Modell beschäftigt, wenn es doch gar keinen Treibhauseffekt und nach seiner singulären Meinung auch keine Klimasensitivität gibt.
Ebenso verwunderlich ist deshalb, dass er hier die GCMs so großartig herausstellt, die alle samt und sonders nicht in der Lage waren und sind, die Klimaentwicklung der letzten 17 Jahre und auch für die nähere Zukunft anzugeben, aber von einer Klimasensitivität im Mittel von 3,2 °C ausgehen, die es ja aber nach Kramm überhaupt nicht gibt.
Was sollen also all die länglichen Ausführungen hier und an anderer Stelle. Kramm sollte das alles erst einmal klären mit seiner eigenen Innung, bevor er hier nur persönliche Diffamierungen, Beleidigungen und Nebelgranaten versprüht. Wie Frau Mayr in #74 richtig feststellt, wäre es schön zu sehen, wo der große Unterschied liegt zwischen meinem "blühenden Unsinn" und Kramms Großartigkeit.
Eine Gegenstrahlung wird von Kramm nicht geleugnet, aber eine Absorption und Temperaturerhöhung der Erdoberfläche hierdurch soll nicht möglich sein. Offensichtlich wird der 1. Hauptsatz der Thermodynamik ausgeschaltet. Dafür wird der 2. Hauptsatz aber bemüht, der für diese Situation gar nicht zutrifft (siehe hierzu die treffenden Ausführungen in #86-Landvoigt, #96-Holtz und #118-Mayr).
Zu der Diskussion über die Berücksichtigung von ENSO, PDO oder AMO ist nur anzumerken, das ich in der hier diskutierten Arbeit ausschließlich die Gleichgewichts-Klimasensitivität (equilibrium climate sensitivity – ECS) und nicht die transiente Klimasensitivität (TCS) berechne. Oszillationsperioden mitteln sich heraus und haben keine Auswirkungen auf die Angabe der Gleichgewichts-Klimasensitivität. Einschränkungen hierzu gibt es lediglich bei einer zugrunde gelegten thermisch induzierten Wolken-Rückkopplung, bei der sich Oszillationen überlagern und den Rückkopplungs-Koeffizienten verändern können. Hierbei wird in meinen Abschätzungen jeweils von dem worst-case ausgegangen, dass die beobachtete Erwärmung in den 80er und 90er Jahren nur durch CO2 induzierte thermische Bewölkungsänderung verursacht wird. Im Text weise ich explizit darauf hin, ebenso dass es bei der Berechnung der Erwärmung über das letzte Jahrhundert kleinere Abweichungen geben kann, da mein Modell vom Gleichgewichtsfall ausgeht im Unterschied zur Realität.
Zu #41- Urbahn: Wer die Arbeit gelesen hat, wird feststellen, dass zwar die zunächst berechneten Werte mit zwei Stellen hinterm Komma aufgeführt sind, aber die Angabe der Endresultate nur eine Kommastelle enthalten. Eine Angabe über die Unsicherheit ist ebenfalls nachzulesen.
 Zu #45,60,93-Fischer: Ich will nur daran erinnern, dass bei einer Verdopplung von CO2 die Absorption der terrestrischen Strahlung in der Atmosphäre um gerade einmal 1,5 % ansteigt, und die Gegenstrahlung bei mittlerer Bewölkung weniger als 1 %. Wenn dann die Gegenstrahlung über den TE grob eine Temperaturerhöhung von 33 K bewirkt, inklusive aller Rückkopplungseffekte, dann kann – vereinfacht gerechnet – eine Verdopplung von CO2 gerade einmal ein weiteres % hiervon erzeugen, also aufgerundet 0,4 °C. Durch solch eine einfache Überschlagsrechnung mag die Größenordnung der Klimasensitivität verdeutlicht werden. Zu Frage 3: Wie richtig bemerkt unter #65-Robel und #66-Landvoigt, ist das vorgestellte Modell ausgerichtet auf die Ermittlung der ECS, nicht auf den Verlauf oder die Vorhersage des Klimas.
Zu #64-Schönfeld: Ist das so schwer, dass im Gleichgewicht die Erde so viel Leistung abstrahlen muss (über die gesamte Oberfläche) wie sie aufnimmt von der Sonne (Projektionsfläche)?
Zu #67-Kramm: Arbeiten, die einen grundsätzlichen Treibhaus(Atmosphären)-Effekt und die physikalische Sinnhaftigheit der Klimasensitivität infrage stellen, sind in der Tat in diesem Kontext nicht zitierfähig. Weil Kramm überfordert ist, Flüsse von sensibler und latenter Wärme anhand von lokalen Temperatur- und Feuchteverteilungen selber zu berechnen, führt er sie einfach als externe Größen in sein abgespecktes Modell ein und orientiert sich hinsichtlich deren Größen an Trenberth et. al. Nichts anderes mache ich auch für die Festlegung eines "Arbeitspunktes", um den dann allerdings eine kleine Störung von 1 % in der Absorptionsänderung durch CO2 betrachtet wird. Es dürfte doch wohl jedem mit einem Minimum an physikalischem Grundverständnis klar sein, dass sich die Absolutwerte von sensibler und latenter Wärme mit einer veränderten Bodentemperatur ebenfalls leicht verschieben. Bei 1 % Absorptionsänderung nehme ich hierfür einen linearen Zusammenhang an. Dabei ist es gleichgültig, ob eine potentielle Temperatur oder die absolute Temperatur betrachtet wird. Beide sind bis auf die 2. oder sogar 3. Stelle hinter dem Komma in der bodennahen Übergangsschicht identisch. Solch eine T-Abhängigkeit führt zu einer deutlichen negativen Rückkopplung, die in anderen Modellen nicht berücksichtigt wird und ein Grund von vielen für eine niedrigere Klimasensitivität liefert.
Zu #91-Kramm: Mehrfach musste ich schon feststellen, dass Kramm erst losposaunt, bevor er eine Arbeit richtig ließt, wenn überhaupt. Wie ich das von mir vorgestellte Zwei-Schichten-Modell definiere, sollte Kramm bitte mir überlassen. Die Erdoberfläche kann sehr wohl eine Schicht oder Lage darstellen, die Energie aufnimmt und abgibt. Für eine Gleichgewichtsbetrachtung spielt die Wärmekapazität einer Wasser- oder Landoberflächenlage (Aqua-Planet) überhaupt keine Rolle. Auch seine Ausführungen zur zeitlichen Änderung der Gesamtenergie sind in diesem Zusammenhang vollständig irrelevant und nur wieder Nebelgranaten.
Zirkulationen und Austausch zwischen verschiedenen Zonen behandele ich nicht, da hier eine globale ECS und keine Klimasensitivitäten von Einzelzonen betrachtet werden.
Ich muss nicht mit irgend einem Tunen von vorne beginnen, da Trenberth’s Energie- und Strahlungsbilanz nur einen Arbeitspunkt definiert. Abweichungen hierum durch CO2-Konzentrationsänderungen zur Ermittlung von ECS werden maximal in der 2. Stelle hinterm Komma beeinträchtigt.
Ich verwende in der Tat einige wenige zusätzliche Parameter, um eine realistische Abbildung der relevanten Atmosphärenprozesse zu beschreiben, die für die Berechnung der ECS sinnvoll sind, und verzichte auf 1000 anderer Parameter, die in den GCMs verwendet werden, die Rechnungen chaotisch werden lassen und für die Ermittlung von ECS sowieso keine Bedeutung haben.
Auch sollte sich Kramm einmal den Text zu Abb. 13 der Arbeit durchlesen, dann würde er vielleicht entdecken, dass diese Graphik für wolkenfreien Himmel gilt und gerade den Unterschied zu einer mittleren Bewölkung sowohl für die mittlere Bodentemperatur wie für die Klimasensitivität darstellt.
Zu #105-Bäcker: Mir ist kein Modell für die Berechnung von Spektren bekannt, bei dem auf 228 Schichten zurückgegriffen wird. Es werden üblicherweise nur 13 – 45 Schichten verwendet, die zudem noch mit grob strukturierten Spektralbändern durchgeführt werden und eine gegenseitige Überlappung sowie Interferenz von Wasserdampf und CO2 nicht vernünftig abbilden können. Zudem wird dabei von einer um einen Faktor 2 zu geringen Wasserdampf-Konzentration ausgegangen, die für gemäßigte Breiten zutrifft aber nicht global.
Zu #113-Heß: Und Hajo Lange gibt auch ein einfaches Modell für den Treibhauseffekt an.
Zu #126-Kramm: Den Ausführungen ist nichts hinzuzufügen (ist ja auch Lehrbuchwissen). Nur der letzte Satz stellt alle Logik wieder auf den Kopf. So ist das, wenn man sich einmal verrannt hat.  




Schweiz: Wasser fällt Wind und Sonne zum Opfer

An praktisch allen einigermaßen geeigneten Schweizer Flüssen wurden bereits ab dem späten 19. Jahrhundert Staustufen errichtet und mithilfe von Turbinen Strom erzeugt. Heute liefern solche Laufwasserkraftwerke rund 1/4 des Schweizer Strombedarfs von etwa 65 Terawattstunden (TWh) im Jahr. Da sie keine teuren Brennstoffe benötigen, können sie relativ preisgünstig produzieren. Nicht zuletzt deshalb lagen die Strompreise in der Schweiz trotz der allgemein hohen Lebenshaltungskosten des Landes noch vor wenigen Jahren im europäischen Vergleich eher im Mittelfeld als im oberen Bereich.
Bild rechts:Schweizer Laufwasserkraftwerk an einem der Nebenflüsse des Rheins (Symbolbild)
Deutsche EE-Überproduktion drückt die Erzeugerpreise auch im Nachbarland
Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz ist Grundlage für die Subventionierung „erneuerbarer Energien“ wie Wind- und Solarstrom mit aktuell rund 23 Mrd. € pro Jahr. Das hat zu einem planlosen Boom bei der Errichtung entsprechender Anlagen geführt, mit einer besonderen Schwerpunktbildung von Solaranlagen in den sonnenreichen südlichen Bundesländern und von Windenergieanlagen im Norden. Insbesondere in den Mittagsstunden speisen Solaranlagen im Verein mit Windanlagen inzwischen so viel gar nicht benötigten Strom ins Netz, dass dieser teils mit Zuzahlungen ins Ausland verschenkt werden muss, Bild 1.

Bild 1. Am 11.5.2014 wurde in Deutschland Strom wegen der chaotischen Überproduktion aus Wind- und Solaranlagen mit Geldgeschenken bis zu 65 € pro MWh in die in- und ausländischen Märkte gedrückt (Grafik: Rolf Schuster)
Diese Praxis nannte man früher Dumping, sie ist insbesondere in Indien und China sowie anderen asiatischen Ländern bis heute in äußerst unguter Erinnerung. Noch verheerender ist jedoch der langfristige Effekt der durch die subventionierte EE-Erzeugung immer weiter nach unten gedrückten Börsenstrompreise, die inzwischen gegen 30 €/ MWh (3ct/ kWh) tendieren, Bild 2. Aufgrund des international liberalisierten Strommarktes verhageln diese Preise auch den Betreibern von Wasserkraftanlagen in der Schweiz das Geschäft.

Bild 2: Die Strompreise an der EPEX sind mit dem Ausbau der deutschen Solar- und Windanlagen immer tiefer gefallen (Grafik: Proteus Solutions GbR)

Strompreisentwicklung eines typischen Schweizer Laufwasserkraftwerks

Bei diesem Preisniveau können Wasserkraftwerke schon längst nicht mehr mithalten. Für Deutschland mit seinem im Vergleich niedrigeren Preisniveau liegen die Gestehungskosten für Strom aus Wasserkraft bei 10,2 €/ MWh [WAKO]. Dennoch konnte das hier beispielhaft betrachtete Laufwasserkraftwerk noch 2002 bei einem Abgabestrompreis von 7,5 CHF/ MWh mit zufriedenstellendem Ertrag wirtschaften. Dieser Strompreis muss jedoch in regelmäßigen Abständen mit den Abnehmern – regionalen Netzbetreibern, Gemeinden usw. – neu ausgehandelt werden. Da sich diese inzwischen auch am internationalen Markt orientieren, ist er aufgrund des aus Deutschlands hereindrängenden Dumpingstroms in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Aktuell kann das Wasserkraftwerk für sein Produkt deshalb nur noch 6 CHF/ MWh (umgerechnet 4,9 €/ MWh) erzielen. Berücksichtigt man die seit 2002 fortschreitende Inflation, so sind die realen Einnahmen des Kraftwerks für sein Produkt „Strom aus Wasserkraft“ seit 2002 um 25 % zurückgegangen.

Zukunftsperspektiven

Der Blick auf diese Zahlen zeigt, dass sich Schweizer Betreiber von Laufwasserkraftwerken bisher im Prinzip hervorragend geschlagen haben. Bis jetzt war es ihnen möglich, Strom für knapp die Hälfte des vergleichbaren Preises in Deutschland zu erzeugen. Mit dem tendenziell immer weiter sinkenden Niveau ist jetzt jedoch das Ende der Möglichkeiten erreicht. Zum einen drückt aufgrund der langen Abschreibezeiträume der Kapitaldienst selbst für Investitionen, die bereits vor 30 Jahren vorgenommen wurden. Hinzu kommen erhebliche laufende Kosten für Reparatur und Instandhaltung, da ein solches Kraftwerk im Betrieb einem erheblichen Verschleiß unterliegt. Dies betrifft sowohl die eigentlichen Generatoren als auch periphere Einrichtungen wie die Reinigungsanlagen für die Rechen, welche Schwemmgut aus den Turbineneinlässen heraushalten. Hinzu kommt der Instandhaltungsaufwand für die Baulichkeiten und sonstigen Einrichtungen über und unter Wasser, die durch Strömung und Erosion ständig Schäden erleiden und instandgesetzt werden müssen. Zudem muss für die Einrichtungen ausreichend Personal vorgehalten werden, sowohl für die laufende Überwachung und Instandhaltung als auch für den Bereitschaftsdienst bei Notfällen. Ein Ausdünnen der Personaldecke ist aufgrund der meist ohnehin geringen Belegschaftsgröße solcher Kraftwerke kaum denkbar.
Mit dem langfristig weiter sinkenden Preisniveau an den Strombörsen ist daher ein „Kipppunkt“ erreicht, ab dem der Betrieb nicht mehr sehr viel länger aufrechterhalten werden kann. Es drohen Schließungen und der Verlust von Arbeitsplätzen. Die völlig überzogene Förderung sogenannter erneuerbarer Energien in Deutschland ist dabei, die umweltfreundliche Wasserkraft in der Schweiz aus dem Markt zu drängen. Und in den Belegschaften wächst die Sorge um die Sicherheit der Arbeitsplätze.
Fred F. Mueller
Quellen:
[PROT] http://www.proteus-solutions.de/~Photovoltaik/Strompreis:tM.F06!sM.EX1.asp
[WAKO] http://www.stromerzeugung-stromverbrauch.de/Stromerzeugung/Stromerzeugungskosten/Stromerzeugung-Kosten.html