Wissenschaftliche Neutralität: Nicht an der TU Berlin!

Die TU Berlin ruft zur Teilnahme an der Klima-Demo von Friday For Future auf. Ist dies mit ihrem gesetzlichen Neutralitätsauftrag in Forschung und Lehre überhaupt vereinbar?

Das Informationsschreiben der TU findet sich unten im Anhang. Der TU-Kanzler Lars Oeverdieck regt sogar an, allen Beschäftigten der TU die Teilnahme an den Demonstrationen zu ermöglichen. Wie sich dies mit der TU-Satzung, dem Arbeitsrecht und weiteren gesetzlichen Randbedingungen vereinbaren läßt, bleibt sein Geheimnis. Aber Berlin gehört unbeschadet solch kleinlicher Bedenken bekanntlich schon eher zu manchen failed states von Afrika als zu einem modernen funktionierenden Land.

Vielleicht sollte man sich bei der TU-Initiative an folgende Forderung erinnern, die untrennbar mit wertfreier Wissenschaft verbunden ist:

Wertfreie Wissenschaft ist in einer funktionierenden Demokratie ausschließlich der Wahrheit verpflichtet, muss sich stets in Frage stellen und darf sich grundsätzlich nicht an industrielle, politische oder ideologische Interessen verkaufen (unpolitische Forschungsarbeiten im industriellen Auftrag zur Drittmitteleinwerbung und für Promotions- und Diplomarbeiten ausgenommen).

Die Motive von Wissenschaftlern, die sich nicht an diese unabdingbare Forderung halten, sind unrelevant. Sie lassen sich nämlich immer als für die menschliche Gemeinschaft nützlich oder gar unverzichtbar angeben. Die Wirklichkeit sieht anders aus. In einem heute kaum noch vorstellbaren Extremfall wurde aus unvollständig gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Kampagne geschmiedet, die Menschenleben gekostet hat. Es war die Eugenik des dritten Reichs. Das „damals ehrenwerte Motiv“ der beteiligten Forscher war die „Reinhaltung der arischen Rasse“.

Mit diesem Extrembeispiel soll keine Verbindung zwischen der heutigen CO2-Kampagne und einem der dunkelsten Punkte der deutschen Wissenschaft hergestellt werden. Es darf aber dennoch gefragt werden, ob sich die Forderung nach Weltklimarettung durch CO2-Reduktionen, so sehr von dem oben zitierten Motiv vor etwa 85 Jahren unterscheidet. Allein der Sammelbegriff „Klima“ ist platter Unsinn, denn die Erde weist unterschiedliche Klimazonen auf – von tropisch bis polar. Welches „Klima“ soll denn nun gerettet werden? Die Russen würden sich sicher über mehr Erwärmung von Sibirien freuen, um eine erste Gegenstimme zu nennen. Und die Sahelzone freut sich über die Ergrünung ihrer Wüstengrenzen infolge des zugenommenen CO2. Zumindest unvollständig gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse und Folgen haben die Vorhaben vor 85 Jahren und von heute jedenfalls gemeinsam.

Hinzu kommt, dass CO2-Vermeidung Drittländern den Weg zu mehr Wohlstand und Lebensqualität versperrt oder ihn zumindest massiv erschwert. CO2-Vermeidung nimmt damit implizit auch den Verlust von Menschenleben in Kauf. Liest man den Teilnahmeaufruf der TU muss man schließlich den Eindruck gewinnen, es mit einem Kindergarten zu tun zu haben. So steht in der  Mitteilung der TU wörtlich „Die Notwendigkeit für Klimagerechtigkeit wurde in diesem Jahr durch Flutkatastrophen und andere extreme Wetterereignisse besonders verdeutlicht. Ein zeitnahes Handeln wird unabdingbar“ (Zitatende). Das ist – mit Verlaub – platter Schwachsinn und beweist auch noch, dass die Verfasser noch nicht einmal die IPCC-Berichte kennen. Dort im AR5 und jetzt im AR6 wird eindeutig dargelegt, dass keine Zunahme von Extremwettereignissen auffindbar ist (Ausnahme ist eine schwache Zunahme von Temperaturextremen, verständlich, denn wir tauchen seit 1850 immer noch aus der 400 Jahre andauernden „kleinen Eiszeit“ auf).

Generell wird es stets gefährlich, wenn sich Forscher außerwissenschaftlichen Institutionen wie Forderungen der Straße (FFF), Demonstrationen von Dummköpfen (FFF), von Ideologen oder sonstigen fragwürdigen Zeitgenossen zur Verfügung stellen und ihre Forschungsergebnisse für Missbrauch freigeben. Im hier geschilderten Fall der TU Berlin handelt es sich um den Druck der Straße, betrieben von ahnungslosen Heranwachsenden, finanziell gesponsort und gesteuert von rücksichtslosen Ideologen.

Man darf hoffen, dass der hier so vehement hervorpreschende Präsident der TU, Christian Thomsen, der lt. Mitteilung sogar persönlich an den Demos teilnehmen will, einmal in die Geschichtsbücher eingeht. Mit den Geschichtsbüchern hatte es nämlich auch der Physiker Philipp Lenard, der sich zum Wortführer einer „Deutschen Physik“ verstieg, aber im Gegensatz zu Christian Thomsen wenigstens einen Nobelpreis vorweisen konnte. Man weiß heute, was aus der Deutschen Physik geworden ist – unsere GPS-Navigationssysteme funktionieren nicht mit Deutscher Physik, sondern Dank der Theorie des genialen jüdischen Physikers Albert Einstein. Ob die CO2-Kampagne mehr Erfolg haben wird als die damalige „Deutsche Physik“, muss sich noch zeigen. Zweifel dürfen erlaubt sein, denn die wissenschaftlichen Grundlagen der CO2-Hypothese sind mehr als wackelig und ihre glorreichen Konsequenzen als „Deutsche Energiewende“ liegen gleichzeitig mit der Physik, den technischen Regeln, der Verhältnismäßigkeit und der Volkswirtschaft überquer. Um jetzt nicht als „Klimaleugner“ durchzugehen – CO2 erwärmt, allerdings ist die Frage „wie stark“ völlig offen.

Zumindest die folgende interessante Vermutung wird wohl für immer ungeklärt bleiben: Warum machen sich immer wieder renommierte Forscher, die fachlich durchaus etwas geleistet haben, mit außerwissenschaftlichen Kampagnen gemein, von denen jeder Dummkopf sehen kann, dass sie niemals gut ausgehen können. Drei Motive stehen zur Auswahl: Dummheit, Idelogie, Karrierestreben. Sie dürfen wählen, liebe Leser.

 

Anhang Mitteilung  der TU Berlin an alle Mitarbeiter und Studenten

Informationsschreiben des Präsidiums versendet durch die Stabsstelle Kommunikation, Events und Alumni, An alle Beschäftigten, alle Studierenden

Klima-Demonstration am 24. September 2021 und Information über Möglichkeiten zur Freistellung

Sehr geehrte Beschäftigte und sehr geehrte Studierende der TU Berlin,

am Freitag, dem 24. September 2021, finden bundesweite Laufdemonstrationen im Rahmen des globalen Klimastreiks von Fridays for Future in ganz Deutschland und Europa statt. Auf der Berliner Großdemonstration wird es dabei einen Hochschulblock geben – unterstützt durch die TU FFF Studierendeninitiative und den Scientists for Future – an welchem auch ich als Präsident der TU Berlin teilnehmen werde.

Forschung zum Nutzen der Gesellschaft – so lautet der Anspruch der Technischen Universität Berlin. Forschung zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit stehen dabei ganz oben auf der Agenda. Dieses Anliegen trägt die TU Berlin nicht nur in die Lehre und Forschung, sondern unterstützt ihre Mitglieder und Studierenden in deren persönlichem Engagement für den Klimaschutz.

Die Notwendigkeit für Klimagerechtigkeit wurde in diesem Jahr durch Flutkatastrophen und andere extreme Wetterereignisse besonders verdeutlicht. Ein zeitnahes Handeln wird unabdingbar. Daher setzt die TU Berlin als wissenschaftliche Institution am kommenden Freitag gemeinsam mit den Demonstrierenden ein Zeichen für Klimaschutz.

Informationen zur Demonstration:

TU-Treffpunkt: Kreuzung Scheidemannstraße/Yitzhak-Rabin-Straße (vor dem Bundestag). Treffpunkt auf Maps: https://goo.gl/maps/hozSMc2E2rKQnPpn7

Der Zugang zum Treffpunkt ist über die Scheidemannstraße aus West und Ost und/oder über die Heinrich-von-Gargern-Straße aus Nord möglich. Der südliche Zugang über die Yitzhak-Rabin-Straße ist nicht möglich.

Startzeit: 13 Uhr (Start des Programmes ab 12 Uhr)

Ende der Hauptdemonstration wird ca. 16 Uhr mit Programm ebenfalls vor dem Bundestag sein.

Außerdem startet um ca. 10 Uhr eine Zubringerdemonstration von Fridays for Future TU Berlin vor dem TU-Architekturgebäude für alle interessierten TU-Mitglieder – egal welcher Statusgruppe. Dort werde ich ein kurzes Grußwort an alle Teilnehmenden richten.

Die TU Berlin möchte allen Beschäftigten und Studierenden ermöglichen, an der Zubringerdemonstration oder vor allem an der großen Laufdemonstration ab 13 Uhr teilzunehmen. Hierfür können Sie sich – wie bereits bei früheren Klima-Demonstrationen – von Studium und Arbeit freistellen lassen.

Gruß, Ihr

Christian Thomsen

im Namen des Präsidiums der TU Berlin




„Klimaschutz“ und Energiewende so kurz wie möglich

Die aktuellen Pressemeldungen und Wahlbarometer lassen bei vielen Lesern sicher den Wunsch aufkommen, sich einmal unabhängig und kurz über diese beiden heutigen Kernthemen zu informieren. Der nachfolgende Text soll dies ermöglichen.

Der deutsche „Klimaschutz“

  • Die Klimawissenschaft ist noch weit davon entfernt, belastbare Klima-Aussagen ehrlich verantworten zu können – insbesondere Aussagen über den fast völlig unbekannten Wert der Erwärmungswirkung des menschgemachten CO2 und die ebenfalls noch weitgehend unbekannten Mechanismen der natürlichen Klima-Antriebe. Klimamodelle können diesen Mangel nicht beheben, denn sie lagen bei ihren Allgemeinaussagen stets falsch.
  • Es gibt keinen Klimanotstand! Vor der Industrialisierung war es fast beliebig oft wärmer und kälter als heute. Dies gilt gleichermaßen auch für Temperaturänderungen. Es muss daher schon gute Gründe für eine behauptete maßgebende(!) menschgemachte globale Erwärmung geben. Diese guten Gründe gibt es aber nicht. Dass der Mensch zur Erwärmung beiträgt, soll nicht bestritten werden.
  • Die Fachliteratur nennt unzählige, oft extrem auseinanderliegende Werte für die „Klimasensitivität = hypothetische globale Erwärmung bei jeder CO2-Verdoppelung“. Trägt man die Fachliteraturwerte gegen die Zeit auf, was die Klimaforscher Francois Gervais und Nicola Scafetta unternommen haben, wird sichtbar, dass die Klimasensitivität mit der Zeit monoton abnahm. Ihr „Bestwert“ liegt heute zwischen 0,5 bis 1,5 °C. Das ist unbedenklich und genügt sogar dem fragwürdigen Pariser Klimaübereinkommen.
  • Dem weit überwiegenden Teil der Menschheit wie in China, Indien, Russland, Afrika usw. ist Klimawandel völlig gleichgültig. Man strebt dort mit aller Kraft nach mehr Wohlstand. Der ist aber nur durch Energiegewinnung mit höchsten Leistungsdichten zu erreichen, Näheres dazu unten „Die deutsche Energiewende“.
  • CO2 ist als Hauptbestandteil der Photosynthese das Lebensgas. Je mehr CO2 in der Atmosphäre, um so mehr Pflanzenwuchs und Ernteerträge. Eine gewissenhafte Gegenüberstellung dieser realen Vorteile von ansteigendem CO2 gegen seine nur vermuteten Erwärmungsnachteile sucht man bis heute vergebens.
  • Der menschgemachte CO2-Anstieg in der Atmosphäre ist prinzipiell auf ein Maximum von etwa 800 bis 1000 ppm begrenzt. Um den jeweils aktuellen CO2-Gehalt zu erhöhen, muss die Menschheit ihre CO2-Emissionen ständig steigern, dem sind aber durch Endlichkeit der fossilen Brennstoffe Grenzen gesetzt. Bei hypothetisch gleichbleibenden CO2-Emissionen pendelt sich dagegen ( wegen der großen Zeitträgheit des globalen CO2-Kreislaufs nur sehr langfristig )  eine konstante CO2-Konzentration in der Atmosphäre ein. Alles vom Menschen emittierte CO2 geht dann ins Meer, welches beliebig viel CO2 aufnehmen kann. Bereits heute landet von jeder Tonne anthropogenem CO2 nur eine halbe Tonne in der Luft, die andere Hälfte wird zu gleichen Teilen vom Meer und den Pflanzen aufgenommen. Infolge der großen Zeitträgheit des Systems sind zudem über viele Jahrzehnte alle CO2-Maßnahmen der Menschheit wirkungslos, ob sie nun die nächsten Jahrzehnte ihre CO2-Emissionen steigert oder vermindert.
  • CO2-Vermeidung belastet wegen extrem hoher Kosten unseren auf industrieller Produktion basierenden Wohlstand. 6% EU-Beitrag und insbesondere 2% Deutschlands an den weltweiten CO2-Emissionen sind global verschwindend. Das Argument, alle müssten mitmachen, geht fehl, weil die oben genannten Hauptemittenten von CO2 gar nicht daran denken mitzumachen. Wenn einmal ausreichend CO2-freie Kernkraftwerke weltweit laufen, ist der CO2-Spuk ohnehin zu Ende. Uns wird es vermutlich folgendermaßen gehen: China wird unbeabsichtigt und allein durch seine industrielle Vorbildfunktion dafür sorgen, dass Deutschland wieder auf den Weg der Vernunft zurückkehren muss, um nicht in der dritten Welt zu landen
  • Einzige Frage ist nur, wie groß die Zerstörung Deutschlands fortgeschritten sein wird, bevor der Wendepunkt der Wende erreicht ist.

 

Die deutsche Energiewende

  • Zuerst eine unverzichtbare Info: Energie [kWh] = Leistung [kW] x Zeit [h] oder Leistung = Energie/Zeit, und schließlich noch Leistungsdichte = Leistung/Fläche [kW/m2]. Jetzt verwechseln Sie zumindest nicht mehr Energie mit Leistung und unterscheiden sich damit wohltuend von der Mehrheit der deutschen Medien.
  • Die Definition von Fortschritt lautet: „Methoden der Energieerzeugung zu verwenden, die immer höhere Leistungsdichten aufweisen“. Historische lief es ab mit menschlicher Arbeitskraft, über Zugtiere, Wasser- und Windmühlen, Dampfmaschinen, Benzinmotoren, bis aktuell zu Kernkraftwerken. Diese Reihe ist naturgesetzlich. Je höher Zivilisation und Wohlstand, um so höher die Leistungsdichten und der Energiebedarf. Niemand möchte wieder zurück ins Mittelalter, man denke nur an vereiterte Backenzähne damals und einen Zahnarzt heute oder an Segelschiffsreisen damals und ans bequeme Fliegen heute. Unsere Lebenserwartung steigt immer noch an.
  • Nun der alles entscheidende Knackpunkt: Höchste Leistungsdichten sind gleichbedeutend mit geringstem Aufwand an Kosten und Material und geringster Naturbelastung. Lassen Sie mich dies, weil vielleicht nicht unmittelbar einleuchtend, mit „Energie = Fische“ in einem See veranschaulichen. Im Fischernetz pro Zeit landende Fische entsprechen damit „Energie pro Zeit pro Fläche“, also der Leistungsdichte. Gibt es „wenig Fische im See = geringe Leistungsdichte“, braucht man große Flächen, also „riesige Netze = großer Materialaufwand und große Kosten“, um genügend „Fische = Energie“ zu ernten. Schwimmen dagegen „sehr viele Fische im See = hohe Leistungsdichte“, reicht ein „kleines Netz = geringer Materialaufwand und geringe Kosten“. Sie können es auch aus direkt aus  Leistung = Fläche x Leistungsdichte ersehen. Kleine Leistungsdichte kann nur mit großer Fläche ausgeglichen werden. Schauen wir uns jetzt konkret Windräder an, die Glaubens-Kathedralen der neuen deutschen Energiewelt!
  • Daten eines modernen Windrads: Gewicht mit Fundament ca. 6000 t, gemittelte Jahresleistung = 3 bis 5 Automotoren. Warum so wenig Leistung? Weil eine riesige, vom Windradpropeller überstrichene Fläche erforderlich ist, um aus dem extrem leistungsdünnen Wind überhaupt nennenswert Energie zu ernten. Trotz vieler Zehntausender Windradungetüme bis 200 m hoch von offshore bis hin in ehemals geschützte deutsche Wälder ist die Windrad-Energieernte im Jahreszeitmittel dramatisch schlecht. Alle deutschen Windräder und Solaranlagen zusammen erbringen im Jahresschnitt infolge der geringen Leistungsdichten von Wind aktuell nur grob 4% der gesamten deutschen Primärenergie, Photovoltaik 2%. So wenig kann doch gar nicht stimmen! Na, dann googeln Sie doch einfach „BMWI Erneuerbare Energien“, dort erste Grafik, und beachten Sie noch, dass Strom grob 1/6 der Primärenergie ausmacht.
  • Die für die Stabilität des Stromnetzes fatale Fluktuation von Wind- und Sonnenstrom infolge wechselnden Wetters und Wolkenbedeckung kam dabei noch gar nicht zur Sprache. Je mehr Fluktuationsstrom, um so kostspieliger und verlustreicher wird es, ihn brauchbar ins Stromnetz einzubringen. Bei Dunkelflaute gibt es nichts mehr, dann wieder, wenn die Herbststürme übers Land und das Meer ziehen, schießt die Leistung über und der Strom muss gegen Aufpreis ins Ausland verschenkt werden, weil Windmüller auf die gesetzliche Strom-Abnahmepflicht des Staates bauen. Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke liefern dagegen konstanten bzw. leicht regelbaren Strom und sind in dieser Hinsicht problemlos.
  • Sie wissen nun hoffentlich, warum Deutschland die höchsten Strompreise weltweit hat.
  • Fazit: Es ist unmöglich, ohne extreme Kosten, ohne Stromsperren und ohne Stromzuteilungswirtschaft à la DDR eine moderne Industrienation zu 100% mit Wind- und Sonnenstrom zu betreiben. Wer dies dennoch behauptet, hat seinen Verstand verloren, oder will betrügen. Beachten Sie auch, dass die in den Medien stets genannten Zahlen von Windradleistungen Mogelpackungen, weil nie erreichte Nennleistungen sind. Im bundesdeutschen Schnitt liefern Windräder jahresgemittelt nämlich nur etwa 16% ihrer Nennleistung – wegen des v*v*v-Gesetzes und ihrer wetterabhängigen Stromlieferung. Bei fossilen Kraftwerken und Kernkraftwerken ist dagegen Nennleistung stets die reale Leistung. Man darf die deutsche Energiewende noch kürzer auch so charakterisieren: Sie ist ein Kampf gegen Naturgesetzlichkeiten, technische Regeln, den Dreisatz und das kleine Ein-mal Eins. Solch ein Kampf endet zuverlässig im Desaster!
  • „Was ist denn nun die sinnvollste und naturschonendste Stromerzeugungsmethode? Nach heutigem Stand ausschließlich Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke, wobei anteilig die Kosten entscheiden. Erneuerbare, die bereits ausgereizte Wasserkraft ausgenommen, sind es nicht. Dies ist keine persönliche Meinung, sondern der Weg, den die Mehrheit der Welt geht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die extreme Naturzerstörung und das Vertreiben der deutschen energieintensiven Industrie ins Ausland den richtigen Weg auch für uns erzwingt. Damit soll der letzte Satz unter „Klima“ hier nur noch einmal ausgesprochen werden: Die Frage ist, wie groß die Zerstörung Deutschlands fortgeschritten sein wird, bevor dieser Wendepunkt erreicht wird.

 

Diese Zusammenfassung enthält keine allgemeinen Quellen oder gar Fachliteratur oder nähere Erklärungen wie z.B. das oben erwähnte  v*v*v-Gesetz von Windrädern, denn sie finden alles überreich und im Detail erklärt in den folgenden Büchern (in 1. nur Klima, in 2. Klima und Energie)

  1. F. Vahrenholt und S. Lüning, Unerwünschte Wahrheiten: Was Sie über den Klimawandel wissen sollten, Langenmüller, 2020
  2. H.-J. Lüdecke, Energie und Klima: Chancen, Risiken und Mythen, expert-Verlag, 4. Auflage, 2020

Ein Wort noch zum aktuellen Wahlkampf, weil die Grünen „Klimaschutz“ und Energiewende an erste Stelle gesetzt haben und alle anderen Parteien ihnen mehr oder weniger hinterher hecheln – die AfD ausgenommen. Offenbar erfolgt diese grüne Schwerpunktsetzung, weil bei den wirklich wichtigen Themen wie Renten, Migration, EU-Oktroi, Geldstabilität usw. mehr oder weniger Leere herrscht. Da alle Parteien, von der genannten Ausnahme abgesehen, den für unser Land extrem teuren und naturschädigenden Unfug von Klimaschutz und Energiewende – halb aus Dummheit oder Ideologie, halb aus wahltaktischen Überlegungen – zu ihrer eigenen Agenda machen, haben Sie in der Wahlkabine nur zwei Alternativen: Die neue Einheitspartei, stets zu Koalitionen untereinander bereit, bestehend aus SED, rot, grün, gelb bis hin zu schwarz (ehemalig schwarz!) auf der einen und die zum Gottseibeiuns von den Medien stilisierte AfD auf der anderen Seite. Eine lebendige Demokratie mit Abgeordneten, die nur ihrem Gewissen und nicht einer Partieilinie verpflichtet sind, sieht anders aus. Ich wünsche viel Vergnügen.

 

 

 

 

 




Das Perpetuum Mobile der CDU

Bekanntlich nimmt kein Patentamt Erfindungen an, welche auf ein perpetuum mobile zielen, also eine Maschine, die ohne Energiezufuhr dennoch endlos läuft. Nun macht das CDU-Präsidium einen neuen Versuch zum Perpetuum Mobile.

Im ZDF-Teletext war am 30.08.2021 nämlich die folgende Kurzmeldung zu lesen

Zitat: „Steigerung auf 100 Prozent: CDU will Erneuerbare Energien“. Mit einem 15-Punkte-Plan will die CDU einen „Turbo“ für Erneuerbare Energien zünden. Das nach dpa-Informationen vom Präsidium beratene Konzept zielt darauf ab, dass Deutschland „so schnell wie möglich“ seinen Strombedarf zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien deckt. Wirtschaft und Privathaushalte bräuchten künftig deutlich mehr Strom als heute. „Dieser Strom muss nachhaltig, regenerativ und aus Erneuerbaren sein – und dieser Strom soll für Verbraucher und Unternehmen günstiger werden als der Strom heute.“ Zitatende

Dunnerlüttchen! Mit „Herausforderung“ wie es so schön in Neudeutsch heißt, ist dieser Plan wirklich nicht mehr zu vergleichen. Er will weit mehr. Die beiden Erneuerbaren Wind und Sonne machten nämlich 2018 gerade einmal 5% der deutschen Primärenergie aus, und sehr viel mehr ist danach nicht passiert. Da ist also noch viel Luft nach oben drin, zurückhaltend ausgedrückt. Ferner sollen Wirtschaft und Privathaushalte künftig deutlich mehr Strom als heute verbrauchen! Schlussendlich soll der Strom aus diesen Magerkühen „Erneuerbaren“ auch noch zu 100% kommen und dies sogar günstiger als heute, obwohl Deutschland jetzt schon die höchsten Strompreise weltweit hat. Das ist kein Perpetuum Mobile mehr, das ist Rastellis Zauberei auf höchstem Niveau – Respekt, Respekt, liebe CDU.

Voller Begeisterung beglückwünschen wir daher Euch CDU und schreiben Eurem Präsidium den folgenden offenen Brief

Liebes CDU Präsidium,

wir beglückwünschen Euch zu dem kühnen „Erneuerbaren-Plan“, der die Erfindung des Perpetuum Mobile noch weit in den Schatten stellt und wünschen Euch allen Erfolg. Ihr habt ja schon längst diese alten demokratischen Zöpfe abgeschnitten, dass Abgeordnete nur ihrem Gewissen verpflichtet sind und habt dafür die Parteilinie eingestzt. Gut so, alte Zöpfe gehören weg. Jetzt geht Ihr sogar den Weg der durchregierenden Einheitspartei zusammen mit Euren neuen Schwesterparteien DDR, rot, grün und gelb, wir gratulieren. Die böse Schwefel-AfD ist ja schon längst ausgebootet, mehr als schmollen ist nicht mehr. Ihr habt also das Klügste getan, um Eure Wählerschaft kräftig zu vergrößern. Nur eine kleine Bitte wagen wir auszusprechen: Nehmt mit Eurem Perpetuum-Mobile-Erneuerbaren-Konzept vielleicht doch ein wenig Rücksicht auf die vielen Chinesen, die beim Lesen Eures kühnen Plans durch lebensgefährliche Lachanfälle erschüttert werden, so dass, von Euch verantwortet, mit zahlreichen Lach-Opfern in China zu rechnen ist.

Aber halt: War vielleicht doch alles nur ein Wahl-Spaß, weil die Umfragen für die ehemalige erste Volkspartei so mies sind. Tja, hättet Ihr vielleicht doch besser Mutti schon viele Jahre zuvor in den wohlverdienten Ruhestand geschickt. Jetzt habt Ihr den Salat, es ist leider zu spät. Mehr als „wir schaffen das“, bekommt Ihr von Mutti nicht mehr zu hören, wenn überhaupt. Sie selber hat es nämlich wirklich geschafft und zwar Euch zusammen mit ganz Deutschland.

 




In Südafrika ging das viertgrößte Kohlekraftwerk der Welt in Betrieb

Während Deutschland und die EU auf Klimaneutralität setzt, ist die Kohle in Afrika auf dem Vormarsch. Dort leben rd. 1,2 Mrd. Menschen. Bis 2050 könnten es sogar 2,5 Mrd. Menschen werden. 500 Mio. Afrikaner haben keinen Strom. Und wenn, dann steht er nur gelegentlich zur Verfügung.

Mit Stromabschaltungen (euphemistisch load shedding, Lastenminderung, genannt) bis zu 10 Stunden am Tag versucht der Netzbetreiber Escom immer wieder, einen Netzzusammenbruch zu verhindern. Daher gehen immer wieder die Lichter aus. Auch in den Gold- und Diamantenbergwerken, die das Rückgrat der südafrikanischen Wirtschaft bilden.

Nun ist aber Hoffnung in Sicht. Nach rd. 14 Jahren Bauzeit und mehrfachen Kostenüberschreitungen ist nunmehr eines der viertgrößten Kohlekraftwerke mit 4.764 Megawatt an Leistung ans marode Stromnetz gegangen. Es befindet sich rd. 350 km nördlich von Johannesburg bei Lephalale und ist fast baugleich mit dem 2017 in Betrieb gegangenen Kohlekraftwerk Kusile, 150 km östlich von Johannesburg in der Provinz Limpopo gelegen. Das modernste Kraftwerk der Welt hat rd. 7 Mrd. EUR gekostet. Finanziert wurde Medupi von der KfW IPEX-Bank. Beteiligt ist die KfW mit 81,5 Mio. EUR.

Trotz angeblicher Klimakrise setzt Afrika mit seinen reichlich vorhandenen unverritzten Kohlevorkommen auf diesen preiswerten Energieträger. Da der Anteil der Kohle am Gesamtenergiemix in Afrika bei 75 % liegt, hat das neue Kraftwerk eine planbare Zukunft. Der Kraftwerksbetreiber ESCOM rechnet mit einer Laufzeit von 50 Jahren. Also viel weiter als der in Deutschland vorausgesagte Kipppunkt des Klimasystems. Von dieser Art von Panikmache haben sich die Afrikaner angesichts des enormen Energie-und Lebensmittelhungers u.a. aufgrund der seit Jahrzehnten bestehenden Korruption und Vetternwirtschaft bisher nicht sonderlich beeindrucken lassen.

Daher planen Sie den Bau von weiteren 20 Kraftwerken im Südosten des Landes mit einer Gesamtleistung von mehr als 47 Giga-watt, um die Konjunktur endlich anzukurbeln. Zum Vergleich: mit Stand vom März 2021 waren in Deutschland gerade einmal 38 Gigawatt installierter Leistung aus Braun-und Steinkohlekraftwerken am Netz. Ägypten will ebenfalls neue Kohekraftwerke mit einer Leistung von 12,6 Gigawatt bauen.

Das ist auch bitter notwendig. Denn nach Angaben des ESCOM-Vorstands Andre de Ruyter sind die Kraftwerksanlagen und Spannungsumwandler in Südafrika zum Teil mehr als 45 Jahre alt. In den kommenden Jahren würden immer noch rd. 4000 Megawatt an elektrischer Leistung fehlen. Das entspricht einem Bedarf von etwa zehn Mio. Haushalten, so ESCOM-Betriebsleiter Jan Oberholzer. Zur Überbrückung sollen daher Flüssiggas-Generatorschiffe vor den Häfen von Kapstadt auf Port Elizabeth und Durban für 20 Jahre verankert werden. Die Kosten dafür werden auf gut 12 Mrd. EUR geschätzt. Vom Bau neuer Windkraftanlagen ist dagegen nicht die Rede.

Mit der Bereitstellung von preiswerter Kohleenergie in Afrika ist die UN und die EU, wie zu erwarten war, nicht einverstanden. Der Grund: eine größere Unabhängigkeit Afrikas würde den Wohlstand in Europa u.U. gefährden. Also will die UN-Klimakonferenz im britischen Glasgow Anfang November 2021 sicherstellen, dass die Industriestaaten mindestens 100 Mrd. US-Dollar Afrika und anderen Entwicklungsländern bereitstellen, um dort ein angeblich klimafreundlicheres Energiesystem aufzubauen. Selbstverständlich unter der Prämisse, mit diesem Geld nur das Klima retten zu wollen. Bisher wurden  78,9  Mrd. US-Dollars überwiesen. Offen bleibt dabei, wie ein Land in Armut ohne CO2-Produktion in den nächsten Jahren Wirtschaftswachstum erreichen soll.

Oder soll es weiterhin bei der bewährten Abhängigkeit bleiben? Die Klimakrise halten wir für ein vorgeschobenes Argument, um diese gewollte Abhängigkeit besser zu kaschieren. Wie das deutsche Beispiel zeigt, ist die Produktion regnerativer Energie viermal so teuer wie die Bereitstellung von Energie aus Kohle, von den enormen Problemen der Leistungsfluktuation von Wind und Sonne ganz zu schweigen. Und in Afrika dürfte die Produktion aufgrund der niedrigen Löhne um ein vielfaches preiswerter sein. Aber das will man nur hinter vorgehaltener Hand zur Kenntnis nehmen. Lieber spielt man sich als Retter in der Not auf. Wir sagen daher was es ist: ein unehrliches Spiel, bei dem der Verlierer weiterhin der Gleiche bleiben wird.

Südafrikas Jugend hat jetzt eine Zukunft – dank der Kohle, weil

die Kohle nicht nur ein Garant für preiswerte und zuverlässige Energieerzeugung ist, sondern auch für Beschäftigung und zunehmenden Wohlstand in Afrika sorgt. Das war im Ruhrgebiet und in England zu Beginn der Industriealisierung um 1850 genauso. Überhaupt ist Afrika reich an Bodenschätzen wie Metallen, Aluminium, Kobalt und Kupfer. Die Batteriehersteller freut es. Die Umwelt allerdings weniger.

Quellenhinweise

Deutschlandfunk vom 02.08.2021; Tagesspiegel vom 02.08.2021; Welt vom 02.08. 2021; ARD-Tagesschau vom 05.04.2021 ( Flüssiggas-Generatorschiffe in Kapstdadt); ZPP-Ingenieure.de vom 04.08.2021; Handelsblatt vom 20.12.2019; ORF.at vom 02.08.2021; kfw-ipex-bank.de, Pressemitteilung vom 22.05.2009 sowie RK-Redaktion vom 11.08.2021

EIKE dankt der Revierkohle (RK) für die freundliche Genehmigung, diesen Beitrag, der zuerst in den Energienachrichten der RK, Augustausgabe 2021 erschien, nun auch in den EIKE-News zu veröffentlichen.

Zum Schluss eine heute leider notwendige Erklärung

Von interessierten Ideologen und Medien wird oft behauptet, EIKE sei AfD-nah. Im EIKE-Grundsatzpapier ist dagegen unmissverständlich unter Ziele und Verpflichtungen nachzulesen: „…als öffentliches Forum die Klima- und Energiefakten ideologiefrei darzustellen“ / „EIKE ist unabhängig und wirkt nur in eigenem Auftrag“ / „EIKE ist naturwissenschaftlich orientiert“ / „EIKE sieht sich dem Naturschutz und dem sparsamen Umgang mit Ressourcen verpflichtet“. EIKE gehört somit keiner Lobby an, weder der Kohle-, Erdöl, Gas-, Kernenergie, Windrad-, Photovoltaik- oder sonst einer Lobby. Decken sich irgendwelche Parteiprogramme mit fachlich begründeten EIKE-Ergebnissen aus Klima und Energie, begrüßt EIKE selbstverständlich diese fachliche Nähe. In solchen Fällen schlechthin politische Übereinstimmung zu suggerieren ist falsch und perfide. Meinungsunterdrückung hat in unserer Demokratie nichts zu suchen.

 

 




Uni-Klima: Wie in der DDR, nur mit Bananen

von Prof. Dr. Walter Krämer
Fakultät für Statistik
Technische Universität Dortmund

Ein befreundeter Ex-Professor einer ostdeutschen Universität schreibt mir: „In der vergangenen Woche traf ich einige meiner alten Bekannten. Mehrfach hörte ich den Satz: ‚Jetzt haben wir wieder die DDR, nur mit Bananen‘ …“

Wie war das intellektuelle Klima an den Hochschulen der DDR? Für einen ersten Eindruck empfehle ich mal, bei einer Sitzung einer Berufungskommission gewisser geisteswissenschaftlicher Fakultäten Mäuschen zu spielen. Da sind die Deja-vu-Erlebnisse am stärksten. Aber auch in anderen Fächern wird es zusehends opportuner, die eigene Meinung zu verbergen, sich an ein ideologisch gesteuertes Meinungsklima anzupassen und bei Maßnahmen mitzumachen, die man zwar missbilligt, gegen die man sich aber nicht zu protestieren traut.

Vergleichbar einem multimorbiden Patienten sind die deutschen Universitäten dabei mehreren Treibern des aktuellen Siechtums ausgesetzt. Einer ist die bedingungslose Unterwerfung unter das Bologna-Diktat der Wissenschaftsministerien. Damit wurde den deutschen Universitäten sozusagen das Rückgrat gebrochen. Wie kann man nur eine weltweit anerkannte, Milliarden Euro teure Marke wie den deutschen Diplomingenieur gegen billige US-amerikanische Mickey-Maus-Grade wie Bachelor und Master tauschen, von den sonstigen studentenfeindlichen Umstrukturierungen völlig abgesehen?

Die Ingenieurfakultäten schäumten, aber hielten ihren Mund oder protestierten – von einigen Ausnahmen wie immer abgesehen – nur verbal. An meiner eigenen Fakultät, der einzigen für Statistik im ganzen deutschen Sprachgebiet, hatten wir einen extrem erfolgreichen Studiengang etabliert, Arbeitslosenquote 0,0 Prozent, der wurde durch einen simplen Ministererlass einfach ausradiert. Außer dass der Schreiber dieser Zeilen vor laufender WDR-Kamera ein Bachelor-Zeugnis verbrannte, blieb der Protest dagegen eher moderat.

Argumente pauschal als „wenig hilfreich“ abtun

Dann kam die Bundeskanzlerin und klassifizierte eine durchaus diskussionswürdige These des damaligen Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin zur deutschen Bevölkerungspolitik als „wenig hilfreich“, nur um im gleichen Atemzug zuzugeben, sie hätte das Buch noch nicht gelesen. Damit wurde allen Ideologen quasi ein Freibrief ausgestellt, missliebige Meinungen auch ohne ein Eingehen auf Argumente pauschal als „wenig hilfreich“ einfach abzutun. Was dann auch in großem Maßstab geschah. Gibt es irgendeine deutsche Universität, wo seitdem nicht missliebige Referenten auf Betreiben wichtiger akademischer Leistungsträger wie des Allgemeinen Studentenausschusses oder der Gleichstellungsbeauftragten wieder ausgeladen, Gastvorträge abgesagt oder Vorlesungen störungshalber abgebrochen wurden? Nicht wegen Mängeln in der wissenschaftlichen Substanz, sondern weil gewissen Ideologen etwas an den Thesen nicht gefiel. Eben nicht hilfreich.

Wie die Dominosteine fielen die für akademische Standards verantwortlichen Universitätsverwaltungen und Rektorate dabei reihenweise um. Noch Anfang der 1970er führte die wiederholte Störung einer Vorlesung des liberalen Marktwirtschaftlers Wolfram Engels an der Uni Frankfurt dazu, dass alle Professoren der Wirtschaftsfakultät mit Rückendeckung des Rektorats für zwei Wochen ihre Vorlesungen einstellten. Dann war Ruhe; hätte nochmals ein Randalierer die Engels-Vorlesungen gestört, wäre er von der großen Mehrheit der lernwilligen Studenten windelweich geprügelt worden.

Heute dagegen knickt das Rektorat der Uni Hamburg rückgratlos vor einer kleinen Gruppe gewaltbereiter Chaoten ein, die den Euro-Kritiker Bernd Lucke an seinen Vorlesungen zu hindern suchen. Statt sie einfach aus der Uni rauszuwerfen, wie es sich für Gegner des freien Meinungsaustausches gehört, wurde mit ihnen wie von gleich zu gleich verhandelt und wachsweich nach Kompromissen gesucht. „Nachdem ich 90 Minuten lang als Nazi-Schwein beschimpft worden (bin) und jeder Versuch, zu Wort zu kommen, niedergebrüllt wurde,“ schreibt mir Bernd Lucke, „veröffentlichten der Präsident und die Senatorin eine Pressemitteilung, in der es hieß, dass Universitäten ‚diskursive Auseinandersetzungen‘ über kontroverse Standpunkte aushalten müssten. Der Präsident hat es auch abgelehnt, nach dem Vorfall, was nur er hätte tun können, Anzeige wegen Hausfriedensbruchs zu stellen.“

Respekt vor der freien Rede erwarten

Und so blühen allenthalben in der deutschen Hochschullandschaft „diskursive Auseinandersetzungen“ aller Art, ungestört von feigen Rektoraten, die das Wort Zivilcourage noch nichtmal aus dem Lexikon zu kennen scheinen. Wo bleibt die deutsche Universität, die so handelt wie die University of Chicago in den USA (an die keine einzige deutsche Universität hinsichtlich Qualität der Forschung und Lehre auch nur entfernt heranreicht), die potenzielle Studienanfänger in einem Rundbrief wissen lässt, dass sie von allen Universitätsmitgliedern den Respekt vor der freien Rede und Toleranz gegenüber Andersdenkenden erwartet und allen Studierwilligen, die eine Karriere als Betroffenheitskasper anstreben, dringend empfiehlt, eine andere Lehranstalt zu suchen?

Hierzulande werden Hochschulangehörige, die sich bei jeder ihnen nicht passenden Meinungsäußerung persönlich beleidigt fühlen, fast schon hofiert. „Im Herbst 2017 habe ich eine Ringvorlesung organisiert und einen Referenten eingeladen, der zum Thema Freiheit und Selbstbestimmung im Islam gesprochen hat“, sagt die Integrationsforscherin Sandra Kostner, die Gründerin des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit, in einem Interview auf der Netzplattform Faust Kultur.

„Und er hat an einer Stelle natürlich auch über das Kopftuch gesprochen. Er sprach dann erst mal darüber, wie sich das mit dem Kopftuch entwickelt hat, von der Zeit vor Mohammed, während der Zeit Mohammeds und eben bis heute und sagte dann noch drei Sätze, und ein Satz hat sich relativ gut eingebrannt: Wenn eine erwachsene Frau freiwillig das Kopftuch trägt, muss man das natürlich akzeptieren. Sie soll sich aber dann immer bewusst sein, dass sie damit auch das Patriarchat auf der Schulter trägt. Und er finde das bei Lehrerinnen aufgrund der staatlichen Neutralität nicht akzeptabel. Daraufhin stand eine Kopftuch tragende Studentin auf und verließ aus Protest den Raum. Es war natürlich ihr Recht, aber nicht besonders reif, und es war schade. Sie kam vier Wochen später zu mir. Ich kannte sie bis dahin gar nicht. Es war eine hochschulöffentliche Veranstaltung. Sie teilte mir mit, dass sie Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen den Referenten gestellt hätte.“

Vermutlich ist die Sache dann im Sand verlaufen. Aber wie kann man überhaupt nur auf diese Idee verfallen? Ich selbst hatte einmal an meinem schwarzen Brett an der TU Dortmund eine Aussage des Kollegen Olaf Henkel zum Thema Islam und Demokratie plakatiert: „Kein einziges der 52 islamisch regierten Länder dieser Welt ist eine Demokratie. Zufall?“ An diesem Beispiel wird auch jedem Laien sofort – wie vom Aushänger dieses Spruches intendiert – das Prinzip eines statistischen Signifikanztests klar. Natürlich haben muslimische Studenten die Entfernung dieses Zitats verlangt. Krämer ignoriert das, aber die Unileitung nicht – mit dem Vorwand, das schwarze Brett im Flur behindere die Feuerwehr, wurde dieses in eine dunkle Ecke verbannt. Da hängt der Aushang immer noch, aber keiner liest ihn mehr.

Angst vor den Kettenhunden des korrekten Denkens

In einem weiteren Aushang hatte ich den inzwischen verstorbenen Linkskomiker und Liebhaber kubanischer Zigarren Wiglaf Droste mit dem Hitler-Spruch zitiert: „Der Nationalsozialismus hätte in Deutschland niemals siegen können, hätte ich nicht das Rauchen aufgegeben.“ Bekanntlich waren Churchill, Stalin und Roosevelt lebenslange Kettenraucher. Gedacht war dieser Spruch als Appell zum Nachdenken, was die Wahrheit einer Aussage mit dem Menschen zu tun hat, der diese Aussage tätigt. Immerhin ist ein ja guter Teil der gesundheitspolitischen Positionen der Grünen von den Nazis abgeschrieben. Kam aber leider nicht so an. Und natürlich ging die linke Presse sofort auf die Beschwerden der Studenten ein. „Menschenverachtung“ war noch das mindeste, was ich mir zu meinem Aushang anhören musste.

In einem gut funktionierenden Hochschulsystem würden dergleichen Beschwerdeführer umgehend zu einem Besuch bei einem Psychiater ihres Vertrauens eingeladen. Aber das deutsche System funktioniert eben nicht gut. Auch die Spitzenorganisation der deutschen Wissenschaft, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, liefert hier ein schlechtes Bild. Allein weil einige aufgeregte Ideologen dagegen protestieren, wird ein Video des bekannten Kabarettisten Dieter Nuhr von der DFG-Netzseite entfernt. An der Peinlichkeit dieses Verhaltens ändert auch die auf Druck empörter Wissenschaftler (ja, die gibt es noch) erfolgte Wiederaufnahme des Videos nicht viel.

Das ist aber nur der sichtbare Teil der intellektuellen Repression. Wie viele Vorträge werden überhaupt nicht erst angekündigt, wie viele wissenschaftliche Arbeiten, wie viele Bücher nicht geschrieben, wie viele Fragen überhaupt nicht erst gestellt, weil man Angst vor den Kettenhunden des korrekten Denkens hat? Ein Kollege von mir hatte keine Angst und verglich einmal die Intelligenz von Zuwanderern mit der von Eingesessenen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Daten wurden sorgfältig erhoben und auch nicht ansatzweise mit Bedacht so ausgesucht, dass am Schluss ein vorab festgelegtes Ergebnis herauskommt, der benutzte Test ist Standard in vergleichbaren Fragestellungen und gilt zumindest als diskussionswürdiger Versuch zur kulturunabhängigen Quantifizierung des notorisch schlüpfrigen Begriffs der Intelligenz. Das Ergebnis: Migranten sind im Durchschnitt weniger intelligent.

Es folgte der voraussehbare Pawlowsche Reflex, inklusive wüster persönlicher Beschimpfungen, einer gut vernetzten, faktenresistenten Ideologenfront. Aber wenn es denn so ist, wie diese Studie in Bestätigung einer Reihe anderer konstatiert, dass die Migration nach Deutschland gewisse Intelligenzindikatoren im Durchschnitt eher senkt statt hebt, dann ist es eben so. In Kanada dagegen, wo man schon lange eine aktive Migrationspolitik betreibt, sind die Migranten und deren Kinder im Durchschnitt klüger als die Einheimischen (gemessen an diversen Tests), sie drücken den Durchschnitt nach oben. In Deutschland drücken Migranten den Durchschnitt nach unten.

Wären die Ergebnisse der Studie andere gewesen, hätte man sie sicher in den aktuellen Kritikerkreisen hoch gelobt. Zum Glück hatte der Autor schon eine akademische Dauerstelle. Sonst hätte er in Deutschland nie eine bekommen.

Mediengestützte Unterdrückung missliebiger Meinungen

Die dritte Zutat der grassierenden intellektuellen Partiallähmung des deutschen Universitätssystems ist der Würgegriff gewisser Medien. Auch in anderen Ländern sind diese vor allem an Sensationen und Dramatik interessiert. Das liegt in der Natur der Sache und soll überhaupt kein Vorwurf sein. Auch dass Unileitungen und die Vergeber von Fördermitteln zusehends darauf achten, dass die in ihrem Einflussbereich stattfindende oder von ihnen finanzierte Forschung eine gute Presse hat, ist ein – leider – internationales Phänomen. Aber fast nur in Deutschland werden die Dramen und Sensationen sorgfältig nach gewissen Kriterien vorsortiert (von offen totalitären Systemen wie Russland oder Nordkorea natürlich abgesehen) und haben viele Medien einen derart ideologisch vorgeprägten Drall.

Da aber auch Wissenschaftler das stramm linksgestrickte Denkmuster in deutschen Journalistenköpfen kennen, wird man sich hüten, mit irgendetwas in die öffentliche Diskussion zu treten, was dort zu Kommentaren wie „rechts“ oder sogar „Nazi“ führen könnte. Der Schreiber dieser Zeilen kann sich das erlauben, er bewirbt sich nicht mehr auf Professuren und hat bereits genug Preise und Auszeichnungen erhalten, aber ein Wissenschaftler am Anfang einer Laufbahn eben nicht. Die Ethnologin Susanne Schröter von der Frankfurter Goethe-Universität hatte einmal eine Konferenz zum islamischen Kopftuch veranstaltet, mit Befürwortern wie Gegnern. Danach ist es nach ihren eigenen Angaben für sie erheblich schwieriger geworden, an Drittmittel heranzukommen. Sie hätte halt nur Befürworter einladen dürfen …

Da kann man nur hoffen, dass solche Beschimpfungen wegen ihres inflationären Vorkommens nicht mehr wahrgenommen oder bei noch selbst denkenden Zeitgenossen sogar als Kompliment gewertet werden.

Selbst in vielen naturwissenschaftlichen Fakultäten hat diese mediengestützte Unterdrückung missliebiger Meinungen und Fakten inzwischen beängstigende Formen angenommen. So müssen sich etwa Biologen heute öffentliche Anfeindungen gefallen lassen, wenn sie sich erlauben, die wissenschaftlich bestens fundierte These zu vertreten, dass es eben zwei Geschlechter gibt: XX und XY. Dass es daneben, wenn auch sehr selten, intersexuelle Menschen gibt, ist so normal wie dass es weiße Kaninchen mit blauen Augen gibt. Aber das darf man an vielen Deutschen Universitäten nicht mehr sagen, sonst ist man ein Rechter oder ein Rassist. „Auf diese Art und Weise wird das Forschungsklima an den Universitäten vergiftet. In den betroffenen Fachbereichen haben dann Studierende, aber auch Wissenschaftler, Angst, ihre Meinungen frei zu äußern, weil sie denken, es kann gefährlich für ihre Karriere sein,“ sagt Sandra Kostner.

Abgrundtiefe Feigheit

Ihre wahre Wiederauferstehung erlebt die Stasi-Kultur an deutschen Universitäten aber mit der reihenweisen Verabschiedung von Vorschriften, welcher Ausdrucksweise man sich im Verkehr mit anderen Forschern zu bedienen habe. Ich spreche natürlich von den teils aberwitzigen Verrenkungen der deutschen Sprache, die Akademikern heute zugemutet werden, um die verbale Gleichbehandlung aller Geschlechter zu garantieren. Aus Angst vor schlechter Presse stimmt dann auch ein ausgewiesener Wirtschafts- oder Physikprofessor im erweiterten Senat seiner Universität mit „ja“, wenn ein politisch korrekt erzogener Antragsteller fordert, alle Hochschullehrer der Universität in deren Grundordnung mit „Professorin“ anzureden.

Dass das generische Maskulinum für ihn ein Fremdwort ist, dass er nicht weiß, dass selbst die notorische Seenotrettungsfrau Carola Rackete großen Wert darauf legt, ein Kapitän zu sein, das alles kann man noch verzeihen. Aber nicht zu verzeihen ist die abgrundtiefe Feigheit, die sich darin offenbart. Und so kommt es dann, dass die deutsche Sprache an deutschen Universitäten zu einem hirnlosen Gestammel verkommt, das man auch noch gut finden muss. Wer sich heute auf einen Lehrstuhl bewirbt oder auch nur vermeiden will, von der kleinen, aber tonangebenden Genderlobby seiner Fakultät gemobbt zu werden, tut gut daran, einen tiefen Knicks vor dem Gesslerhut dieses politisch korrekten Gesinnungssprechs zu tun: „In der vergangenen Woche war ich in x und traf einige meiner alten Bekannten“, schreibt mir ein befreundeter Ex-Professor einer ostdeutschen Universität. „Mehrfach hörte ich den Satz: ‚Jetzt haben wir wieder die DDR, nur mit Bananen‘ …“

Eine fast schon zirkusreife Gendernummer hat sich die Fernuni Hagen mit einem öffentlich zugänglichen Video gegönnt:

Ab der Stelle 8:35 heißt es dort: „Haltet endlich eure weißen Münder und lasst uns die Agenda setzen.“ Diese bemerkenswerte Aussage hat sich ein Bekannter von mir im Akademischen Senat zu zitieren erlaubt („Reaktion: betretenes, sekundenlanges Stillschweigen des ganzen Senatssaales“). Als er dann das Rektorat um eine Erklärung bat, was das mit „Diversität“ zu tun hätte, wenn die Ausübung akademischer Rechte an die Hautfarbe geknüpft werden soll, erfolgte ein „peinliches Herumeiern“ nach dem Motto „nicht rassistisch gemeint“.

Eine ganze Kulturnation zum Affen machen

Das gleiche Rektorat hätte vermutlich geschäumt, hätte der Pächter der Unimensa ein Zigeunerschnitzel angeboten. Ein absoluter Karrierekiller ist deshalb auch die Unterstützung eines Aufrufs gegen Exzesse der Gendersprache, wie ich ihn vor einigen Monaten als Reaktion auf die Abschaffung des generischen Maskulinums durch die Dudenredaktion initiiert hatte. Ein mir bekannter Nachwuchswissenschaftler aus einer geisteswissenschaftlichen Fakultät hatte trotzdem unterschrieben, worauf ihm bedeutet wurde, dass es nun wohl mit seiner Verbeamtung nichts mehr werden würde.

Daran erkennt man am besten ein verrottetes akademisches System: Dass zu selbstverständlichen Dingen wie der öffentlichen Unterstützung eines seriösen Aufrufs so etwas wie Mut gehört. Zusammen mit 40 Kollegen habe ich kürzlich mit einem Video die Künstleraktion #allesdichtmachen unterstützt. „Gerade sah ich Ihr mutiges Statement auf youtube, bravo!“ schreibt mir ein Kollege (was den Mut betreffend nicht zutrifft, mir kann keiner mehr was wollen), zugleich um Nachsicht bittend, dass er es mir nicht gleichtue. „Es ist nicht opportun, das als noch aktiver Kollege zu sagen.“ – „Ich bewundere Ihre Standhaftigkeit in puncto deutsche Sprache, aber auch anderen politischen Themen und würde es Ihnen sehr gerne gleichtun“, schreibt mir ein anderer. „Ich selber strebe eine Professur im Fach x an und selbst hier, im wahrscheinlich am wenigsten politisch aufgeladenen Fach, würde eine öffentlich geäußerte ‚abweichende‘ Meinung zu den üblichen Themen mit großer Sicherheit zum Ende der wissenschaftlichen Karriere führen (zumindest in Deutschland). Ich sehe für mich deshalb leider momentan keinen anderen Weg, als bis zur Verbeamtung die Faust in der Tasche zu machen.“

So ballen tausende deutscher Hochschullehrer ihre Faust nur im Geheimen, so dass niemand sie als Ideologieschädling erkennt. Es werden auch täglich mehr, aber zugrundegehen werden die aktuellen Stasistrukturen an deutschen Universitäten vermutlich nicht an aktivem Widerstand, sondern so wie die DDR an der intrinsischen Idiotie ihrer eigenen Konstruktion. Die Widersprüche, Inkonsistenzen und Effizienzverluste der Gedankenkontrolle übersteigen irgendwann die Deutungsmacht der Kontrolleure. Wenn eines Tages der letzte Hausmeister sich weigert, auf allen Gängen des Instituts zum dritten Mal im Jahr die Klotürschilder auszuwechseln, fällt das Kartenhaus der Neue-Welt-Konstrukteure zusammen. Wäre das nicht ein passendes Dissertationsthema in Kulturanthropologie im Jahr 2221, zweihundert Jahre weg von hier, wenn man über die aktuellen Verirrungen vielleicht nur noch lachen wird (auch wenn deren Aufarbeitung mehrere Jahre Sozialprodukt gekostet hat): „Untersuchen Sie, wie eine kleine Clique aus durchgeknallten Feministen, germanistischen 40-Watt-Leuchten und ideologisch verblendeten Menschheitsrettern eine ganze Kulturnation zum Affen machen kann.“

Die EIKE-Redaktion dankt Herrn Prof. Krämer für die freundliche Genehmigung des ungekürzten und unveränderten Abdrucks seines Aufsatzes in EIKE. Er erschien zuerst in Achgut am 12 August 2021.