Erneuerbare Wissenschaft

von Frank Hennig

In der Politik und der sie begleitenden Wissenschaft ist der Glaube fest und das Wissen eher dünn. Zahlen werden so lange verschoben, bis die Energiewende ein Erfolg werden wird – theoretisch.

Flexibilität in Energiewendefragen ist für die interessengeleitete Wissenschaft unabdingbar. Da das Unvermögen der „Erneuerbaren“ kaum noch zu verbergen ist, müssen die Thesen nicht nur permanent wiederholt, sondern auch angepasst werden.

Die jüngsten Entwicklungen auf den Energiemärkten, sichtbar durch Mangel und steigende Preise, haben öffentliches Interesse geweckt. Um Zweiflern zeitnah zu begegnen, gilt es nun, die Richtigkeit des nationalen Wegs der Energiewende zu bekräftigen. „100 Prozent erneuerbare Energie für Deutschland …“ überschrieb im April das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Studie, die den Weg zeigen und wissenschaftlich begründen will. Gleich im ersten Satz gibt es klare Kante:

„Die auf europäischer Ebene, in Deutschland als auch in vielen Bundesländern, Städten, Gemeinden, Quartieren und kleineren Einheiten vereinbarten Ziele zu Dekarbonisierung, Klimaschutz, Teilhabe und andere führen zu einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energien („100% EE“), da weder fossile noch fossil-atomare Technologien ökologisch wie ökonomisch tragfähige Lösungen sind. Jedoch stellt sich die Frage der Ausgestaltung …“

Das erinnert in der Absolutheit der Formulierung an die Thesen des Politbüros der realsozialistischen DDR, mit denen jede Grundsatzdiskussion von vornherein verhindert werden sollte. Immerhin lernen wir, dass „vereinbarte Ziele“ zu einer „Vollversorgung“ führen werden – offenbar unumstößlich und mit Gewissheit. Also wenn ein vereinbartes Ziel auch zur Realisierung führen würde, hätte es mit Elbphilharmonie, BER und Stuttgart 21 keine Terminprobleme geben dürfen. Von anderen nicht erreichten Zielen wie dem Ausbau des Glasfasersystems, der Digitalisierung oder einer preiswerten Energieversorgung nach Paragraf 1 des Energiewirtschaftsgesetzes ganz zu schweigen. Dass Kohle und Kernkraft keine Lösungen seien, sieht man global zwar anders, aber ideologisch gefestigte deutsche Wissenschaftler dürfen das natürlich ignorieren.

Wie in derartigen Studien üblich, ignoriert man weitgehend den Ist-Zustand und rechnet munter Szenarien bis zum Jahr 2040 hoch. Der dann „exogen vorgegebene“ Strombedarf von jährlich 1.070 Terawattstunden (TWh) soll unter anderem befriedigt werden durch 128 bis 300 Gigawatt (GW) Fotovoltaik (heute 58 GW) und 124 bis 218 GW Windkraft (heute 64 GW). Schon die Angabe der zu installierenden Fotovoltaik in Gigawatt anstelle des physikalisch korrekten Gigawattpeak (GWp) zeigt, wohin die Reise geht, nämlich zum Schieben von Zahlen auf dem grünökologischen Institutstisch, schematisch und eindimensional CO2-zentriert.

GWp beschreibt die Maximalleistung der Paneele bei optimalem Sonnenstand und optimaler Temperatur. Verrechnet mit durchschnittlich zu erwartenden 900 Volllaststunden im Jahr ergäben die 128 GWp am Ende 115 TWh, also gerade ein Zehntel des Strombedarfs, der zudem im Winter am höchsten ist, wo die Sonne kaum liefert. Es ist nicht einmal das Doppelte der heute noch laufenden sechs Kernkraftwerke. Die 124 GW Windkraft – als Minimum – sollen vorrangig dezentral, also an Land verstreut, entstehen. Die Flächenkonflikte dürften allerdings kaum mehr als 80 GW zulassen und selbst bei dieser großen Anlagenzahl käme es zunehmend zur gegenseitigen Verschattung und abnehmendem Ertrag pro Anlage. 124 GW Windkraftkapazität würden im günstigsten Fall etwa 270 TWh Strom bringen, also gerade ein Viertel des Bedarfs.

Wie alle einschlägigen Studien dieser Art ignoriert man die erforderliche Gleichzeitigkeit von Produktion und Verbrauch und rechnet mit Durchschnittswerten. In der Praxis würde eine Verdreifachung der Wind- und Solarkapazitäten folgende Wirkung haben, hier am Beispiel des Monats Oktober 2021:

Darstellung: Rolf Schuster

Ergebnis wären Zeiten großen bis zu dreifachen Überangebots wie zwischen dem 19. und 23. des Monats, aber auch Zeiten des Mangels wie vom 6. bis 8. Das soll dann offenbar der Wasserstoff richten, für den man einen zusätzlichen Strombedarf von 139 TWh ansetzt, der auch noch national erzeugt werden soll. Das macht dann bei der Wiederverstromung ganze 35 TWh (optimistisch gerechnet) und reicht kaum, längere Täler zu füllen. Tiefer muss man in das Zahlenwerk nicht einsteigen, es ist schlicht nicht plausibel.

Dann bliebe noch das Erdgas, aber selbst das ist verpönt: „Nach dem Kohleausstieg muss jetzt der Ausstieg aus fossilem Erdöl und Erdgas (dessen CO2-Bilanz bei einer Lebenszyklusanalyse noch schlechter ausfällt als die der Kohle) zielgerichtet und zeitnah auf den Weg gebracht werden“, schreibt Professor von Hirschhausen im DIW-Wochenbericht.

Natürlich befasst man sich nicht mit den profanen Fragen von Terminen, Kosten, Finanzierung und der Frage, wo die riesigen Kapazitäten zur Herstellung der Anlagen und die Rohstoffe herkommen sollen. Auch die Auswirkungen eines solchen extremen Ausbaus auf die Rohstoffpreise und auf Flora und Fauna, Wetter und Klima werden ignoriert. Das „Terrestrial Stilling“, das abnehmende Windaufkommen infolge der Vielzahl von Windkraftanlagen wie auch die Austrocknung von Landschaften durch den vertikalen Lufttransport dieser werden auch nur erwähnt. Desgleichen die Hotspots immer größer werdender Freiflächenanlagen der Fotovoltaik, die zu örtlicher Erwärmung und damit Austrocknung führen.

Wie in vielen anderen derartigen Studien werden auch die wirtschaftlichen Wechselwirkungen ausgeblendet. Welcher der Super-Thinktanks sah eigentlich voraus, dass bei steigenden Gaspreisen Düngemittel und AdBlue knapp werden (Anm. der EIKE-Redaktion: AdBlue ist eine flüssige Harnstofflösung, die bei Fahrzeugen mit SCR-Systemen zur Reduzierung der Stickoxidemissionen vor einem speziellen Katalysator eingespritzt wird, dort mit den Schadstoffen reagiert und diese fast vollständig in Wasserdampf und ungefährlichen Stickstoff umwandelt)? Wer hat kalkuliert, welche steigenden Gasverbräuche und -preise der Atom- und Kohleausstieg zur Folge haben werden?

Die deutsche Energiewende bewirkte inzwischen, dass neben „Blitzkrieg“ und „Kindergarten“ auch die „Dunkelflaute“ Einzug in den englischen Sprachraum hielt und den Begriff „dark doldrums“ verdrängt. Sie ist keine deutsche Erfindung, war früher aber bedeutungslos. Nun kommt sie international sprachlich zu Ehren. Im Original liest sich das so„In fact, according to a study of weather in the U.S. and Germany, these dunkelflauten can last for as long as two weeks.“

 

Passend gemacht

Gegebenenfalls passt man beim DIW die Theorie nachträglich an geänderte Realitäten an. Frau Professor Kemfert antwortete noch im Juli auf die Frage, ob es möglich sei, den gesamten Energiebedarf Deutschlands aus „erneuerbaren“ Energien zu decken, sehr selbstbewusst: „Ja, es ist technisch möglich, ökonomisch effizient und es ist auch in kürzester Zeit machbar …“ Im November schwenkte sie dann bezüglich des nötigen Wasserstoffs ein. Selbst wenn sofort begonnen werde, die „erneuerbaren“ Energien massiv auszubauen„Man muss wohl eher in Zeiträumen von zehn bis 15 oder sogar 20 Jahren denken.“

Viel mehr als wissenschaftlich verbrämten Energiewende-Populismus hat das DIW nicht zu bieten. „Hört auf die Wissenschaft“, wird oft gerufen, nicht nur von hüpfenden Kindern. Aber nicht einmal das DIW hört auf die internationale Wissenschaft, deren Erkenntnisse zum Beispiel über das IPCC, den politischen Arm von Klimawissenschaftlern, verbreitet werden. Im 6. Sachstandsbericht vom 9. August 2021 heißt es:

„Die wichtigsten Minderungsmöglichkeiten im Energieversorgungssektor sind die Verbesserung der Energieeffizienz, die Reduzierung flüchtiger nicht-CO2-THG, die Umstellung von Brennstoffen z.B. der Wechsel von fossilen Brennstoffen mit hohen spezifischen THG-Emissionen, z.B. Kohle, zu solchen mit niedrigeren, z.B. Erdgas, die Nutzung regenerativer Energien, die Nutzung von Kernenergie und die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS)

Keine einzige der Minderungsoptionen im Energiesektor wird ausreichen, um den Anstieg der globalen durchschnittlichen Temperaturänderung unter 2° über dem vorindustriellen Niveau zu halten.
[Hervorhebungen vom Autor]

Im Klartext: Nur mit den „Erneuerbaren“ allein werden die Emissionen nicht wirksam begrenzt werden können. Dies wird beim DIW hochmütig ignoriert.

Aber auch das höchste wissenschaftliche Beratergremium der Bundesregierung, der Sachverständigenrat, der durch „Wirtschaftsweise“ besetzt sein soll, schwimmt immer mehr im Flachwasser. In ihrem „Reformplan“ wimmelt es von Plattitüden zu den Themen Bildung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Kritik ist nicht zu finden, dafür der Hinweis auf den hippen Klimaklub der Willigen und die Transformation und dass man die Rente reformieren könne. Versorgungssicherheit und Energiepreise sind kein Thema. Die Angst vor Konkretem war offenbar groß. Mit „neuen Technologien“ sind natürlich nur solche auf Basis alter „Erneuerbarer“ gemeint. Immerhin ist der Rat quotenmäßig korrekt besetzt.

Bei der Frage nach dem akademischen Niveau in Deutschland bleibt oft nur das Echo als Antwort: „Wo?“

EIKE dankt dem Autor Frank Hennig und dem Blog Tichys Einblicke ganz herzlich für die Genehmigung, diesen Beitrag zu übernehmen, der am 1.Dez. 2021 in Tichys Einblick erschien.



Ein offener Brief an Frau Laura Wahl (Grüne), Mitglied des Thüringer Landtags und Flugblattaktivistin

Liebe Frau Wahl,

im Flugblatt „EIKE, Die Lobby der Klimaleugner*innen“, das unerwünscht in meine Mailbox flatterte, ist zu lesen

wir haben uns zusammengeschlossen …, um gezielten Desinformationskampagnen entgegenzutreten

Diesem Motto ist zuzustimmen, niemand will Desinformation. Das Flugblatt zeichnet das Klimabündnis Ostthüringen und damit maßgebend Sie.

Nun ist da aber das Problem, dass ausschließlich Ihr Flugblatt selbst desinformiert und verleumdet. Zudem haben Sie sich auch noch separat an Hotels in Gera gewendet  https://gruene-gera.de/partei/kv-news/article/offener-brief-und-hinweise-zur-bewertung-der-internationalen-eike-klima-und-energiekonferenz/?fbclid=IwAR3PUFC52vMUzEuPjkO8h4nLWupOJWZTdlHeED1U1_r_nkpYA1EhBXzQq_U. In umgangssprachlichem Klartext, aber auch juristisch bezeichnet man so etwas als Nötigung.

Lassen Sie mich jetzt stellvertretend nur eine maßgebende Desinformation/Verleumdung auf Ihrem Flugblatt herausgreifen (der korrekten Wiedergabe wegen mit dem Gendersternchen, ansonsten verweigere ich mich solchem Sprachunsinn).

Die bei EIKE auftretenden Wissenschaftler*innen publizieren nicht in anerkannten Journalen, bei denen Qualität und Fundiertheit von anderen Forschenden mittels Peer-Review geprüft wurde“.

Die Fakten demgegenüber finden Sie unübersehbar auf die EIKE-Hauptseite (www.eike-klima-energie.eu) unter „Publikationen“. Hier sind alle peer-reviewed Publikationen von EIKE-Autoren aufführt. Sie können jede einzelne mit Googlescholar aufrufen und in der Regel den gesamten Text frei herunterladen. Die Journale finden Sie im Internet, darunter zum Beispiel auch das renommierte „Climate of the Past der Europäischen geophysikalischen Union“ oder „Hydrology: Regional Studies von Elsevier“, das beim Thema Hydrologie zu den weltbesten Fachjournalen überhaupt gehört. Das sind aber nur die Fachpublikationen von EIKE-Mitgliedern. Unter den ausländischen Rednern auf unserer Konferenz finden Sie noch weit mehr. Einfach die Informationen zu den Rednern unserer Konferenz „googeln“.

Zusätzlich zu dem hier herausgegriffenen Punkt wimmelt es von weiteren Desinformationen und Verleumdungen in Ihrem Flugblatt wie „EIKE hat kein Büro“, „EIKE ein Verein, an Stelle von EIKE ist ein gemeinnütziger e.V.“, „EIKE sei Öllobby“ und weiteres mehr. Alle diese Behauptungen auf dem Flugblatt sind falsch, ihre Überprüfung auf Richtigkeit ist zu all dem auch noch kinderleicht.

Nun kennen Sie vielleicht „Vermute keine Absicht, wenn Dummheit ausreicht“. Es fällt bei Ihrem Flugblatt aber schon sehr schwer, nur Dummheit zu unterstellen. Ich kann mir beim besten Willen nichts Einfacheres vorstellen, als sich sachgerecht über wissenschaftliche Veröffentlichungen von EIKE-Autoren zu informieren (oben stehts, wie es geht) oder die Existenz unseres Büros in Jena zu verifizieren. Es wird sicher ein Mitglied der Grünen in Jena geben, der sich persönlich vor Ort informieren könnte. Wenn er nett und höflich ist, bekommt er vielleicht von uns auch noch einen Kaffee.

Dass Sie für solche fragwürdigen Aktionen wie Ihr Flugblatt verantwortlich zeichnen, lässt fragen, ob Sie Ihr Mandat als Landtagsabgeordnete Thüringens und als Demokratin überhaupt ernst nehmen. Als Mandatsträger haben Sie die ethische Pflicht dafür zu sorgen, dass sachlich korrekt in Ihrem Flugblatt berichtet wird. Um nun nicht missverstanden zu werden: Nichts gegen eine andere Auffassung zur Klimafrage als die unsere. Dissens ist die Grundvoraussetzung jeder Wissenschaft und auch für Diskussionen unter gesitteten Zeitgenossen. Ohne Disses gäbe es keinen wissenschaftlichen Fortschritt. Vielleicht haben Sie in der Schule oder Ihrem Studium ja mal aufgepasst und mitbekommen, dass niemals Konsens, sondern stets Abweichler vom Mainstream die wissenschaftlichen Erkenntnisse weitergebracht haben. Dissens darf aber nicht, wie in Ihrem Flugblatt erfolgt, mit Desinformation, Falschaussagen, Verleumdungen verwechselt werden.

Ich erwarte nun, dass Ihr Flugblatt unverzüglich berichtigt wird, oder infolge zu geringer Vorlaufzeit zumindest auf Ihrer oder den Webseiten weiterer Unterzeichner eine berichtigende Gegendarstellung erfolgt und sie mir diese Gegendarstellung mit Links zukommen lassen. Das Schreiben an Sie ging mit CC auch an den Präsidenten unseres gem.e.V., Herrn Dr. Thuss, zu.

Sie finden übrigens auf der EIKE-Webseite in den Menüpunkten „über uns“, „die Mission“, „Grundsatzpapier Klima“ den Satz „EIKE sieht sich dem Naturschutz und dem sparsamen Umgang mit Ressourcen verpflichtet“. Dies ist der Grund, warum wir uns zum Beispiel gegen Windräder mit ihren millionenfachem Vögel- und Insektentötungen aussprechen und die Kernenergie propagieren. Als politisch exponiertes Mitglied Ihrer Partei, die sich schließlich einmal den Naturschutz auf die Fahne geschrieben hatte, sollte Ihnen unser Leitfaden zumindest bekannt vorkommen. Falls Sie sich ernsthaft sachlich informieren wollen, laden wir Sie gerne zu unserer Konferenz ein. Und, weil die Gelegenheit so günstig ist, bieten wir Ihnen an, während der Konferenz an einer Podiumsdiskussion bspw. am Sonnabend dem 13.11.21 zur Thematik teilzunehmen. Sicheres Geleit und anständiges Benehmen unsererseits wird zugesichert. Kurze Mitteilung genügt.

Ihre Antwort bitte an mich und an m.limburg@eike-klime-energie.eu.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke, EIKE Pressesprecher




Der Energie-Schock

Von Dr. Lars Schernikau

Der economist schreibt: „Unser Cover in dieser Woche befasst sich mit dem ersten großen Energieschock im grünen Zeitalter. Seit Mai ist der Preis für den Warenkorb aus Öl, Kohle und Gas um 95 % gestiegen. Die amerikanischen Benzinpreise haben die Marke von 3 Dollar pro Gallone erreicht, Stromausfälle haben China und Indien heimgesucht.

Titelbild economist vom 16.Okt. 2021

Großbritannien hat wieder Kohlekraftwerke in Betrieb genommen. Und Wladimir Putin hat Europa gerade daran erinnert, dass seine Brennstoffversorgung vom guten Willen Russlands abhängt. Die aufkommende Energiepanik zeigt, wie sehr das moderne Leben von ausreichend viel Energie abhängt: Ohne diese Energie können Rechnungen nicht mehr bezahlt werden, in den Häuser wird es kalt, und Unternehmen kommen zum Stillstand.“

 

2021 Deutschland, tägliche Elektrizitäts-Auktions-Preise (Day Ahead Auktion) (Frauenhofer Website)

Es wurde weltweit so viel über die Energieproblematik geschrieben, dass ich nicht auf alle Punkte eingehen kann. Ich möchte nur betonen, dass ich es absolut unverantwortlich finde, wie die EU-Chefin von der Leyen und andere Politiker behaupten, dass wir das Problem der hohen Energiepreise mit mehr erneuerbaren Energie gar nicht hätten…

  • Von der Leyen und andere Politiker haben es nicht oder falsch verstanden. Der langfristige Hauptgrund für die Energieknappheit sind die fehlenden Investitionen in 80% der Energieressourcen und -erzeugung… Wir haben NICHT zu wenig Energieressourcen, es gibt mehr als genug! Wir müssen nur in sie investieren….
  • Wir können unser Energiesystem nicht „umstellen“, ohne eine wirklich praktikable Lösung im weltweiten Maßstab zur Hand zu haben.

Von der Leyen behauptet dagegen „wir müssen mehr in Erneuerbare investieren“: EU’s von der Leyen: „We must invest in renewables for more stable energy prices“ | Reuters

Prof. Claudia Kemfert (eine der bekanntesten „Energieökonominnen“, die die deutsche Regierung beraten) behauptet auf Twitter aus meiner Sicht irreführend „mehr erneuerbare Energien werden die Energiepreise senken“.

  •  Selbst die IEA sagte im Dezember 2020 (hier auf S. 13), dass „der Systemwert variabler erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne mit steigendem Anteil an der Stromversorgung abnimmt“.

Bloomberg (hier) drückt die aktuelle Situation am Energiemarkt diesmal unverblümter aus: „Die Welt erlebt gerade die erste große Energiekrise der sauberen Energiewende. Es wird nicht die letzte sein“.

 

Die Energiepreise müssen angepasst werden

Mein Beitrag auf LinkedIn von vor 2 Wochen zum Thema Energiepreise

Warum die Kohle-, Gas- und Energiepreise nicht so hoch bleiben können…

Kohle- und Gaspreise haben in der vergangenen Woche neue Höchststände erreicht, und die Strompreise sind in mehreren westlichen Märkten in die Höhe geschnellt.

Seit Jahren weise ich auf die strukturelle Verknappung der Energierohstoffe und die daraus resultierenden hohen Preise hin … angetrieben durch Unterinvestitionen in ~80 % der Energie (das sind Öl, Kohle und Gas) und Überinvestitionen in so genannte variablen erneuerbaren Energien – vor allem Wind und Solar. Die derzeitigen Energiepreiserhöhungen sind eine Manifestation globaler Phänomene, darunter u. a.

  • enorme finanzielle Post-Covid Stimulierungen und der daraus resultierende drastische Nachfrageanstieg,  während das Angebot nicht mithalten konnte.
  • geopolitische „Spiele“ (siehe Russland oder China/Australien).
  • allgemeiner Mangel an Investitionen in Ressourcen vor, während und nach Covid (man bedenke, dass in Wind/Solar 2019/2020 etwa 13 Mal mehr investiert wurde als in Öl, Kohle und Gas zusammen).

Die Tatsache, dass Banken, Regierungen und Institutionen vor Investitionen in viele Bergbauaktivitäten zurückschrecken, insbesondere wenn diese etwas mit fossilen Brennstoffen zu tun haben, ist ein langfristiger Trend und ein zunehmendes Problem für die Welt als Ganzes. Dieser Trend wird zu Störungen der globalen industriellen Abläufe führen, die schwer vorhersehbar sind. Obwohl die Energieausgaben „nur“ 2-5 % des globalen BIP ausmachen, ist Energie der Kern all unserer Aktivitäten…

Ohne Energie gibt es keine Lebensmittel, kein sauberes Wasser, keine Impfstoffe, keine Schulen, keine Brücken, kein Netflix, keine Schuhe, keine Formel-1-Rennen, keine Teslas, keine iPhones,… Sie verstehen sicher, was ich sagen will.

Die Kohleindustrie, die über ein Viertel der Primärenergie und über 35 % der weltweiten Elektrizität liefert, ist nicht mit der Tabakindustrie vergleichbar… Glauben Sie mir… so etwas können nur Leute sagen, die nicht die Zeit haben, die Energiemärkte zu verstehen und die nicht begreifen, wie unsere Welt funktioniert. Ein Genussmittel wie Tabak mit Energie zu vergleichen, finde ich persönlich lächerlich.

 

Warum behaupte ich dann unter diesen Umständen „Die Kohle-, Gas- und Energiepreise können nicht so hoch bleiben“? Die Kohlepreise in Europa erreichten im Oktober kurzzeitig 300 USD pro Tonne (von weniger als 50 USD im Jahr 2020). Die asiatischen LNG-Preise überstiegen 40 USD/mmBtu von weniger als 2 USD/mmBtu im Mai 2020 (LNG = Liquified Natural Gas, mmBtu = 1,000,000 British thermal units). Infolgedessen verdienen Kraftwerke in Europa fast 100 EUR/MWh mehr, wenn sie Kohle statt Gas verbrennen, und dies trotz rekordhoher CO2-Preise von über 60 EUR/t.

Zu Ihrer Information: Die Börsenpreise für Strom haben in Europa kurzzeitig 400 EUR/MWh überschritten. Erinnern Sie sich noch an 2020, als sie bei unter 40 EUR lagen?

Es ist eigentlich ganz einfach: Man kann von den Verbrauchern industrieller Energierohstoffe nicht ernsthaft erwarten, dass sie ihre Produktion bei solch hohen Inputpreisen fortsetzen. Zementfabriken werden aufhören, Zement zu produzieren, Kraftwerke werden aufhören, Strom zu produzieren, Ziegelhersteller werden aufhören, Ziegel zu produzieren, Papierfabriken werden aufhören, Papier zu produzieren, Stahlhersteller werden aufhören, Stahl zu produzieren… vielleicht nicht alle, aber immer mehr.

 

Focus vom 19.10.2021 über Benzinpreisanstieg (hier)

 

Die Regierungen müssten eingreifen und entweder die häufig kontrollierten Strompreise erhöhen, oder die Industrie zwingen, mit Verlust zu produzieren, oder Endverbraucherpreise in die Höhe schnellen lassen. So oder so könnten weniger Produkte hergestellt werden (einschließlich weniger Teslas, denn die Zulieferindustrie von Tesla leidet unter dem Kohlemangel in China), da die Nachfrage zurückgehen wird, getrieben durch erhöhte Preise. Die Aktienkurse würden einbrechen, da die Unternehmen keine Produkte mehr herstellen. Kredite können nicht zurückgezahlt werden, da die Unternehmen nicht genug produzieren. Geschäftspläne werden in den Mülleimer geworfen…

Argus Gas: links: wöchentlicher europäischer industrieller Gas-Bedarf TWh/d, rechts: wöchentlicher industrieller Gasbedarf United Kingdom mm m3/d

Dazu kommt noch eine drohende Kreditkrise. Welcher Importeur oder Händler verfügt über eine ausreichende Banklinie, um Hunderte von Millionen Tonnen Rohstoffe zu dreifachen/vierfachen Preisen zu handeln? Die Kredite sind knapp, der Warenfluss wird zum Erliegen kommen (oder zumindest abnehmen), und die Leistungsrisiken werden steigen. Immer mehr Unternehmen werden in eine Liquiditätskrise geraten, und am unteren Ende wird der Verbraucher darunter leiden.

Gleichzeitig passt sich das Angebot an, die hohen Preise sind ein Anreiz für meine Kinder, mehr Kohle auszugraben und mit der Schubkarre zu einem Schiff zu transportieren. Diese Angebotsanpassung erfolgt wahrscheinlich genau dann, wenn die Preise zu fallen beginnen, was alles noch schlimmer macht.

Deshalb glaube ich, dass diese hohen Preise nicht von Dauer sein können. Die Preise müssen sich schnell etwas normalisieren. Wenn sie es nicht tun, wird der Markt die Preise mit ziemlicher Sicherheit zu einer noch heftigeren Anpassung zwingen. Je später die Preise angepasst werden, desto schlimmer wird es.

Dies steht nicht im Widerspruch zu meiner früheren Aussage, dass wir in eine Zeit der Energie- und Ressourcenknappheit mit all ihren Folgen eintreten – einschließlich der erhöhten Gefahr von Stromausfällen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ein neuer Rohstoff-Superzyklus mit allgemein hohen Rohstoffpreisen (inkl. fossiler Brennstoffe) begonnen hat.

Ich sehe voraus, dass die Preise trotz der sich abzeichnenden Energieknappheit im kommenden Winter sehr bald, d.h. noch vor Neujahr, deutlich fallen oder zumindest sehr stark variieren werden. Trotz der erwarteten Preisanpassungen werden Preise immer noch weit über den Grenzkosten der Produktion und somit über den Preisen von 2019/20 liegen, so dass sich die Produzenten keine Sorgen machen müssen.

Baker et al. (Bloomberg-Artikel hier) spricht einige wichtige Punkte an: „Die Welt erlebt gerade die erste große Energiekrise des Übergangs zu sauberer Energie. Es wird nicht die letzte sein.

 

Anmerkung der EIKE-Redaktion

Dr. Lars Schernikau, Deutscher, ist Energieökonom, Rohstoffhändler, und Entrepreneur. Er ist seit fast 20 Jahren in der Rohstoff- und Energiebranche tätig. Zuvor war er bei der Boston Consulting Group in den USA und Deutschland tätig. Er studierte in den USA, Frankreich und Deutschland. Wir danken Herrn Schernikau für die freundliche Genehmigung, dass wir seinen Beitrag bei uns veröffentlichen können. Er schreibt regelmäßig über Energie und Klima.

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/tci-gruender-hohn-will-oelfirmen-den-kredithahn-zudrehen-17581932.html

https://www.boell.de/de/2020/12/17/die-carbon-bubble-finanzwirtschaft-am-kipppunkt

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/eib-europas-wichtigste-zwischenstaatliche-bank-wird-nachhaltig-a-1296600.html

 

 

 




Stakeholder Kapitalismus – grüner Faschismus zurück in die Steinzeit

„Was ist eigentlich los zurzeit?“ fragen sich viele. Abschaffung unserer verlässlichen Kohle- und Kernkraft-Werke, Benzin- und Diesel-Autos soll es bald nicht mehr geben, Engpässe in der Energieversorgung und von Baumaterial werden spürbar, die Inflation erreicht bald 5 %,…. die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Die einfältigen Mediengläubigen unter uns glauben immer noch, die extrem kostspielige Reduzierung des Spurengases CO2 mit 0,04% Volumenanteil in der Luft könne irgendein Klima von tropisch bis polar „retten“, ohne dass diese Irrsinnsaktion unsere Lebens- und Wohlstandsbasis berührt oder gar zerstört. Aber um die Einfältigen soll es hier nicht gehen. Auch besser informierte und durchaus kritische Zeitgenossen kommen nicht mehr klar. Was sind eigentlich die treibenden Kräfte, die hinter dem sich abzeichnenden Desaster stecken? Die Antwort ist leider nicht in zwei/drei Worten möglich, denn haben Sie schon einmal etwas über Stakeholder Kapitalismus gehört? Eine vollständige Antwort würde den Rahmen einer EIKE-News sprengen. Es gibt aber Schlaglichter, die maßgebend Aufklärung geben. Solch eines ist der folgende Beitrag von Frau Andrea Andromidas, in welchem Sie über die ideologischen Grundlagen und die Hauptantreiber des Schlamassels informiert werden, welches inzwischen die gesamte westliche Welt wie eine Seuche infiziert hat.

Ihr Horst-Joachim Lüdecke

 

Von Andrea Andromidas

Es lohnt nicht, dem jüngsten Buch von Klaus Schwab mit dem Titel „Stakeholder Capitalism [1] eine ganze Besprechung zu widmen. Schwab ist aber Sprecher des Davos Forums (hier), daher wenigstens ein prüfender Blick auf einige Kapitel. Immerhin räumt Schwab in seinem Buch ein, dass der „Neoliberalismus“ gescheitert ist und das Anschlussmodell jetzt unter der Bezeichnung „Stakeholder-Kapitalismus“ an seine Stelle treten solle. Das Davos-Forum der Superreichen nennt das gleiche Modell nach Belieben auch „große Transformation“, „Green Deal“ oder „Great Reset“.

Bevor wir nun hier konkreter auf die trickreich verpackten Pläne für diese angeblich beste aller Finanzwelten eingehen, sei dem Leser die Charakteristik dieser Politik verständlich gemacht. Sie wird uns in Kapitel 7 mit der Überschrift „Die Menschen und der Planet“ vorgeführt. Darin lamentiert Klaus Schwab, dass sich der Club of Rome mit seiner These, die Grenzen des Wachstums wären schon vor 50 Jahren erreicht worden, weltweit nicht habe durchsetzen können.

Ganz im Gegenteil hätten nicht nur China, sondern auch viele Länder Asiens den Pfad der Industrialisierung erfolgreich beschritten und seien so ein Beispiel für viele andere Schwellenländer geworden. Das bedrohe aber den Planeten, sagt Schwab. „Zwischen 1990 und 2020 vollzog sich in China das größte wirtschaftliche Wunder der Geschichte, aber dafür ist China jetzt der größte Verursacher von Treibhausgasen (s. S.153)“. Zu allem Übel für die Klimaprobleme unseres Planeten komme nun noch die Aussicht hinzu, dass auch afrikanische Länder wie Äthiopien erfolgreich die Überwindung extremer Armut anstrebten.

Schwab fragt: Was ist der Grund für diese hartnäckige Ablehnung der Thesen des Club of Rome? Seine Antwort lautet: Die Natur des Menschen ist es. „Das zeigt uns das zentrale unauflösbare Problem. Die Fähigkeit, die den Menschen dazu verhilft, die Armut zu überwinden und ein besseres Leben zu führen ist gleichzeitig dafür verantwortlich, dass der Planet für zukünftige Generationen zerstört wird. Die Ursachen für den Klimawandel sind nicht nur das Resultat einer selbstsüchtigen Generation von Industriellen und Babyboomers im Westen. Sie sind die Konsequenz des menschlichen Strebens nach einer besseren Zukunft (s. S.154)“.

Deutlicher und schamloser kann man diese längst widerlegte These des legendären Pfarrers Malthus [2] nicht ausdrücken, und Schwab wiederholt sie mehrere Male. Genau das, was den Menschen vom Tier unterscheidet, nämlich die Fähigkeit und der unbändige Wille zur Verbesserung seiner Lebensbedingungen durch technischen Fortschritt, ist den Oligarchen seit jeher ein Dorn im Auge.

Dann schildert Schwab auf vier Seiten ziemlich wahrheitsgemäß den wirtschaftlichen Fortschritt Äthiopiens, den Bau von Straßen, einer wichtigen Eisenbahnlinie, selbst eines Flughafens und die Entstehung eines Industrieparks. Über die Stadt Awasa sagt er: „Die Arbeit dort ist nicht einfach, noch ist sie besonders erfüllend, aber sie ist eine große Veränderung gegenüber dem, was die Leute vorher kannten. Sie bringt ein wesentlich stabileres Einkommen, Arbeitsplätze in der Real- statt in der Schattenwirtschaft und eine bescheidene aber realistische Möglichkeit für persönliche Entwicklung. Es ist ein Industrialisierungsprozess im Gange………es ist immer noch das erfolgreichste Entwicklungsmodell das die Welt kennt (s. S.156)“.

Und diese Entwicklung, die im Vergleich zu den Industrieländern eine sehr bescheidene Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung geschaffen habe, sei sogar unter Anwendung einer ökologisch orientierten Strategie zustande gekommen. „Wasserkraft, Biokraftstoff, Wind- und Sonnenenergie haben sich seit 1990 verdoppelt, und liefern in Äthiopien 90% der Energieversorgung.

Dennoch habe sich der Verbrauch fossiler Rohstoffe vervierfacht und entsprechend auch die CO2-Emissionen. „Das zeigt, dass es selbst heute kein Patentrezept für arme Länder gibt, die Industrialisierung mit einem ökologischen Fußabdruck zu vereinbaren. Wirtschaftliche Entwicklung und ein höherer Lebensstandard gehen mit wachsenden CO2 – Emissionen Hand in Hand (s. S.157)“ (Hervorhebung im Original).

Deshalb gemäß Schwab: Jede weitere erfolgreiche Armutsbekämpfung (selbst unter Verwendung sogenannter erneuerbarer Technik!) habe im Interesse des Planeten zu unterbleiben. Stakeholder Kapitalismus diene keinem anderen Zweck, als genau dies sicherzustellen. Man muss schon recht hartgesotten sein, wenn einem bei dieser ungeheuerlichen Aussage von Schwab nicht der Atem stockt.

 

Was ist entmaterialisiertes Wachstum?

Nachdem Sie nun verstanden haben, worum es eigentlich geht, lässt sich der Rest einfacher erfassen. Das Zauberwort, an dessen Ausformung die Finanzlobby nun schon 20 Jahre arbeitet, heißt „Entmaterialisiertes Wachstum“. Das Konzept ist simpel. Es bedeutet, dass man nicht mehr in Brücken und Straßen, in Kraftwerke oder Landwirtschaft investiert, sondern in Finanzgebilde, die nicht wertschöpfend sind. Das gegenwärtig bekannteste Beispiel ist der CO2-Emissionshandel. Die Wirtschaftstätigkeit vieler Unternehmen wird damit eingedämmt und bestraft, während Profiteure sich daran bereichern können.

Dass Vertreter von Wirtschaftsverbänden diesen Unsinn befürworten, ist eine Folge neoliberaler Denkart und nicht verschieden von den bekannten Jahrzehntelangen Spekulationen, die auf Kosten der Gesellschaft gingen und damals riesige Löcher in unsere gesamte Infrastruktur gerissen haben.

Kann man sich beim CO2-Emissionshandel noch entfernt vorstellen, dass das ganze Geschäftsmodell an 0,04 % der Luft hängt, wird die Vorstellung darüber, was denn nun eigentlich das neue Etikett ESG (Environment, Social, Government) bedeuten soll, äußerst schwierig. Denn darunter fällt alles, was die Finanzmafia als unseren Planeten schädigendes, unethisches und der Regelung nicht entsprechendes Verhalten definiert. Das neue Saubermann-Etikett des Stakeholder-Kapitalismus ESG soll dafür sorgen, dass eine generelle Verschiebung der Wirtschaftstätigkeit gesetzlich verankert wird. Es soll nicht mehr investiert werden dürfen in das, was die Gesellschaft braucht, sondern zwangsweise-gesetzlich nur noch in das, was dem inzwischen längst bankrotten Finanzsystem und dem damit verbundenen Machtanspruch dient: Eine neue grüne Finanzblase und totale politische Kontrolle.

 

Die Säulen des Stakeholder-Kapitalismus

Im Zuge ehemals deregulierter Finanzmärkte entwickelten sich die Flagschiffe der sogenannten vierten industriellen Revolution, die GAFA-Konzerne Google, Amazon, Facebook und Apple, zu gewaltigen und weitestgehend unregulierten Monopolen. Facebook`s Zuckerberg, Apple`s Tim Cook oder Peter Thiel, Mitbegründer von PayPal und Palantir sind der Meinung, dass Monopole besonders geeignet seien, um ethische Werte für den Rest der Wirtschaft zu formulieren, weil sie sich um den eigenen Profit nicht mehr sorgen müssten.

Auch Larry Fink von BlackRock macht sich stark für die Einführung des ESG, weil er sich um das Wohl des Planeten sorge. Firmen, die sich nur um den kurzfristigen Profit kümmern, hätten das Wohl der nächsten Generationen nicht im Blick. Der internationale Business Council des Weltwirtschaftsforums unter der Leitung von Brian Moynihan, CEO der Bank of America, präsentierte deshalb, so Schwab in seinem Buch, Ende letzten Jahres die „Stakeholder Capitalism Metrics“. Diese Metrics sollen, ganz ähnlich wie die Taxonomie der EU, in Zahlen messen, welche Fortschritte Unternehmen in Richtung auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Zielen gemacht haben. Die „Stakeholder Capitalist Metrics“ sollen nach den Plänen der Finanzsparte bereits 2022 eingeführt sein und werden angeblich von mehr als zwei Dritteln der 140 Firmen des DEF-Business Councils unterstützt.

Alle großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die sogenannten Big Four (Deloitte, KPMG, EY, PwC) hätten an der Entwicklung der Metrics mitgearbeitet und setzten sich dafür ein, dass sie auf dem schnellsten Weg zu einem internationalen Standard und damit zur Realität würden. Für das Modell des Stakeholder-Kapitalismus gibt es infolgedessen im Rahmen der Wirtschaftsgeschichte nur einen treffenden Namen

Faschismus mit grünem Gesicht

 

Quellenangaben

1) Stakeholder Capitalism, A Global Economy that Works for Progress, People and Planet, 2021 World Economic Forum, Published by John Wiley&Sons, Inc. Hoboken, New Yersey, eine deutsche Ausgabe ist vorgesehen.

2) Thomas Robert Malthus, 1766-1834. Er verbreitete damals schon im
Auftrag der Ost-Indien – Gesellschaft die Ansicht, dass die Tätigkeit
des Menschen die Natur überfordere.




Diesmal ein politischer Nobelpreis für Physik?

Von Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke

Soeben hat ein Deutscher Physiker den Physiknobelpreis erhalten, der insgesamt an drei Klimaforscher ging. Zweifellos ein Grund zu Freude und Gratulation. Ist es erlaubt, auch eine andere Seite anzusprechen?

Wofür bekommt ein Forscher im Fach Physik eigentlich den Preis? Die Antwort (hier) lautet „Die Regeln für den Nobelpreis verlangen, dass die Bedeutung der anerkannten Forschungsleistung von der Zukunft getestet wurde“, im Originaltext The rules for the Nobel Prize in Physics require that the significance of achievements being recognized has been „tested by time“.

Diese Regel wurde nicht selten verletzt, ein prominentes „Opfer“ war sogar Albert Einstein, der nicht für seine Relativitätstheorie den Nobelpreis erhielt, sondern für seine Theorie des photoelektrischen Effekts (hier). 1922 war die allgemeine Relativitätstheorie längst an der Natur, nämlich einer gemäß Relativitätstheorie exakt vorausberechneten Lichtablenkung getestet, die damals in einer Sonnenfinsternis nachgewiesen wurde (hier). Einstein hätte daher noch einmal den Nobelpreis erhalten müssen. Warum nicht? Spekulationen darüber finden sich im Internet und sollen hier nicht verfolgt werden.

Im aktuellen Fall des Nobelpreises für Klimaforschung verhält es sich nun genau umgekehrt. Ohne die grundlegenden Arbeiten der drei Nobel-Laureaten – theoretische Basis für alle komplexeren Klimamodelle – auch nur im Geringsten kritisieren zu wollen, muss doch daran erinnert werden, dass der gemäß Nobelpreis-Vergaberegeln notwendige Test, hier brauchbare Aussagen von Klimamodellen bzw. Bestätigungen mit Messungen der mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Facharbeiten, bis jetzt aussteht (hier, hier, hier). Dafür können die drei Laureaten natürlich nichts. Hier geht es uns natürlich vorrangig um den deutschen Nobelpreisträger Klaus Hasselmann. Für ihn hat die Max-Planck-Gesellschaft unter dem Titel „Der menschliche Fingerabdruck im Klimarauschen“ eine Begründung des Nobelpreises veröffentlicht, in der zu lesen ist „Klaus Hasselmann entwickelte das statistische Modell, mit dem sich die Erderwärmung dem Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zuschreiben lässt“ (hier).

Wäre schön, wenn damit die Kernfrage nach dem Klimaeinfluss des Menschen geklärt wäre. Sie ist es leider nicht! Hasselmanns Arbeit ist nur ein Ansatz unter vielen anderen Ansätzen, von denen viele seine Schlussfolgerungen bestätigen, fast ebensoviele aber auch widerlegen – im „für“ und „wider“ alles ausgewiesene Fachexperten der Klimaforschung. Die Klimawissenschaft ist sich daher keineswegs über das Ausmaß der Wirkung des anthropogenen CO2 einig. Dies belegen allein schon die riesigen Unsicherheiten, die das IPCC der sog. Klimasensitivität des CO2 zuschreibt.

Drückt man es vorsichtig aus, so zweifeln nur wenige Klimaforscher an der erwärmenden Wirkung des anthropogenen CO2 in der tiefen Atmosphäre. Der Dissens (echte Wissenschaft ist immer Dissens, nie Konsens!) betrifft die Stärke dieser CO2-Wirkung. Jüngste Veröffentlichungen betonen neben dem CO2 ebenso wichtige und starke natürliche Ursachen der rezenten globalen Erwärmung, so beispielsweise in der noch druckfrischen Fachpublikation N. G. Loeb et al., Satellite and Ocean Data Reveal Marked Increase in Earth’s Heating Rate, Geophysical Research Letters, 16. Jun, 2021, Volume 48, Issue 13. Eine anschaulichere Erklärung des Inhalts dieses papers ist (hier) zu finden.

 

Eine neue Religion kommt dazwischen

Tatsächlich bleibt bei diesem Nobelpreis ein „Geschmäckle“ zurück (Badensische Mundart). Inzwischen ist nämlich den alten Religionen von Buddhismus, Hindusimus, Islam usw.usw. bis hin zum Christentum ein neuer Religionskonkurrent entstanden. Die Religion „Klimawandel“ mit der Erbsünde „menschgemachtes CO2“. Ob diese neue Religion die Köpfe der auswählenden Experten des Nobelkommittess in Stockholm nicht doch ein wenig vernebelt hat? Sie, liebe Leserin und lieber Leser, mögen selber entscheiden. Schließlich hat sie sogar die Köpfe unseres Verfassungsgerichts vernebelt, die sich in ihrem Klimaschutzbeschluss über viele der bisher geltenden juristischen Regeln salopp hinwegsetzten.

Daher sei an dieser Stelle folgender Trost für alle hervorragenden Physiker ausgesprochen, die den Preis auch verdient hätten, aber leer ausgingen und mindestens noch ein Jahr warten müssen: „Ihr habt nicht gegen Ergebnisse von Forscherkollegen, sondern gegen eine neue Religion verloren, und dagegen ist kein Kraut gewachsen“. Ob der für den aktuellen Nobelpreis erforderliche Test, nämlich die reale Wirklichkeit der nobelpreisbelohnten Arbeiten zu belegen, jemals erfolgreich sein wird, ist keineswegs ausgemacht. Wohl aber könnte ein ultimativer Test der neuen Klima-Religion überraschend schnell Realität werden. Zurzeit stranguliert sich nämlich die westliche Welt an ihrer neuen Klima-Religion selber – in einem kaum noch vorstellbaren Masochismus. Mit mutwillig selbstzerstörter, ehemals bestens funktionierender und modernster Industrie und Kraftwerken (so etwas Irres gab es noch nie in der Geschichte der Menschheit) und als Folge davon mit schwindendem Wohlstand wird die globale Arena jetzt endgültig für China frei. Zum großen Teil ist sie es ja schon. Man darf bezweifeln, ob dann in einem China mit der bekannten industriellen und fortschrittsshungrigen Verve von der Klimareligion auch nur noch ein Krümelchen übrigbleibt.