Deutschland müsste auch bei Gas-Importstopp an Gazprom zahlen

Aufgrund der bestehenden Gas-Lieferverträge müsste Deutschland vermutlich auch dann Gazprom weiterhin bezahlen, wenn man auf den Bezug russischen Erdgases verzichten würde.

von Henrik Paulitz

Das liegt an den „Take-or-Pay“-Klauseln in den Lieferverträgen. Es könnte die kuriose Situation entstehen, dass Deutschland weit überteuertes LNG-Gas beispielsweise aus den USA bezieht und zugleich an Russland Überweisungen „für heiße Luft“ vornehmen müsste. Das müsste eigentlich all jenen sehr bewusst sein, die Deutschland derzeit heftig drängen, vertragsbrüchig zu werden. Was steckt dahinter?

Nach jüngsten russischen Forderungen zur künftigen Bezahlung von Gas-Lieferungen verwies die deutsche Bundesregierung auf die bestehenden Verträge und begründete damit ihre Ablehnung einer Zahlung in Rubel. Die Verträge für den Import von Erdgas aus Russland beinhalten aber weitere beachtenswerte Aspekte, über die in der deutschen Öffentlichkeit bislang nicht gesprochen wird.

 

Take-or-Pay-Verträge, die über das Jahr 2020 hinausgehen

Es geht überwiegend um langfristige Verträge mit Laufzeiten von 10 bis 25 Jahren mit festgelegten Mengen und Preisen. Mehr noch: Es handelt sich um so genannte Take-or-Pay-Verträge, bei denen die deutschen Importeure eine unbedingte Verpflichtung zur Zahlung übernommen haben, unabhängig davon, ob man das Erdgas tatsächlich importiert oder nicht. Man muss also die für etliche Jahre vor-bestellte Abnahmemenge bezahlen, ob das Gas am Ende fließt oder nicht.

Um Schwankungen bei der Nachfrage gerecht zu werden (z.B. industrielle Konjunktur, Temperaturen etc.), werden dabei gewisse Flexibilitäten eingeräumt, oft ein Korridor von 80 bis 110 Prozent der vereinbarten Jahresmenge, so ein mit den Modalitäten vertrautes Beratungsunternehmen. Daneben werden oft auch monatliche Flexibilitäten vereinbart. Wer diese Mengen unterschreitet, bezahlt die abgenommenen Mengen trotzdem (kann sie aber teilweise dann zu einem späteren Zeitpunkt noch abnehmen) – take or pay. Ein ehemaliger hochrangiger Manager der Gasbranche bestätigt das: Wenn man einen solchen Liefervertrag breche, dann entstünde eine unmittelbare Fälligkeit. Das sei auch keine Frage für ein Schiedsgericht, da es sich ja nicht um eine Ermessensentscheidung handelt. Man könne der Zahlungsverpflichtung nicht entgehen. Seiner Aussage nach wollen die deutschen Erdgasunternehmen die Verträge einhalten. Man wäre auch tatsächlich gut beraten, die Lieferungen weiterhin anzunehmen.

Entsprechend hatte der größte Importeur russischen Erdgases, Uniper, am 7. März mitgeteilt, man verurteile den russischen Einmarsch in die Ukraine scharf. Man werde auch keine neuen langfristigen Lieferverträge für Erdgas mit Russland abschließen. Mit dem Neustart des LNG-Terminalprojekts in Wilhelmshaven plane man eine verstärkte Diversifizierung der Bezugsquellen. Bezüglich der laufenden Verträge hält man aber fest: „Bestehende langfristige Gasimportverträge mit Russland bleiben Teil der sicheren europäischen Gasversorgung.“ Medienberichten zufolge hat Uniper Verträge mit russischen Energieunternehmen, die über das Jahr 2030 hinausgehen.

 

Höhere Gewalt in Form von Sanktionen?

Das oben genannte Beratungsunternehmen geht davon aus, dass die Take-or-Pay-Klausel für die aktuelle Situation nur begrenzt relevant wäre. Die Sanktionen seien als „höhere Gewalt“ zu sehen, was die Erfüllung von Verträgen objektiv unmöglich mache. Die importierenden Unternehmen wären somit vermutlich aus dem Schneider. Es ist aber davon auszugehen, dass die finanziellen Forderungen von Gazprom sich dann an den sanktionierenden deutschen Staat, somit an die Steuerzahler richten würden.

Man würde es sich wohl auch zu einfach machen, davon auszugehen, Moskau würde und müsse das dann einfach so hinnehmen. Dabei ist von Bedeutung, dass Gazprom keineswegs dem russischen Staat alleine gehört: Nahezu die Hälfte der Gazprom-Aktien befinden sich in der Hand privater Aktionäre, ein Großteil aus dem Westen. Die US-Großbank Bank of New York Mellon verwaltete – jedenfalls vor Jahren – rund 26 Prozent der Gazprom-Aktien.

Es dürften also auch sehr viele westliche sowie US-amerikanische Großaktionäre ein ganz erhebliches Interesse daran haben, dass Deutschland seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gazprom zuverlässig nachkommt. Sie wären sicherlich „not amused“, würde Deutschland seinen Vertragsverpflichtungen nicht nachkommen. Sehr schnell könnte Deutschland dann vielleicht doch vor einem internationalen Schiedsgericht verklagt werden.

 

Erfahrungen der Ukraine

Ausgerechnet die Ukraine kennt die Situation, dass es mit Take-or-Pay-Verträgen mit Gazprom kaum möglich ist, unbeschadet die vereinbarten Gasliefermengen nicht zu bezahlen. Jahrelang litt die Ukraine unter den von Julija Tymoschenko 2009 unterzeichneten Verträgen mit hohen Abnahmeverpflichtungen und hohen Preisen. Nach jahrelangen Verhandlungen, in denen die ukrainische Nachfolgeregierung vergeblich versuchte, zu günstigeren Konditionen zu kommen, entschied das Land schließlich, zunehmend eigenes Erdgas zu fördern und verstärkt wieder Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung zu nutzen. Die Ukraine war 2012 auf dem besten Weg, seine Erdgasimporte zu halbieren.

Gazprom bzw. Russland verwiesen aber auf die bestehenden Take-or-Pay-Verträge und sprachen von ukrainischen „Schulden“ für das zwar teilweise nicht mehr bezogene, dennoch aber zu bezahlende Erdgas. Man beharrte auf Einhaltung der Verträge.

Es folgten die auch vom westlichen Ausland kräftig unterstützten Maidan-Proteste in Kiew. 2014 kam es zum Regime-Change, zur Annexion der Krim und zum Ostukraine-Krieg. Mit dem Ostukrainekrieg wurden Kohlebergwerke im Donbass zerstört und außer Betrieb gesetzt, so dass die Ukraine ihre Kraftwerke nicht in geplantem Umfang zur Stromerzeugung mit eigener Kohle befeuern konnte. Mit der Annexion der Krim und der „Nationalisierung“ des ukrainischen Erdgas-Förderunternehmens Tschernomorneftegas auf der Krim war die geplante Ausweitung der Erdgasförderung der Ukraine im Schwarzen Meer nicht mehr durchführbar. Royal Dutch Shell und ExxonMobil stoppten ihre „ukrainischen“ Erdgasprojekte.

Die Krim-Annexion und der Ostukrainekrieg sorgten insofern dafür, dass die Ukraine ihre angestrebte Energie-Unabhängigkeitsstrategie nicht wie vorgesehen durchführen konnte, so auch die Einschätzung des NATO Defence College in Rom vom April 2015. Vor diesem Hintergrund hatte die Akademie Bergstraße schon vor Jahren damit gerechnet, dass Russland weitere Gebiete entlang des Asowschen Meeres einschließlich der Hafenstadt Mariupol und die Küste entlang des Schwarzen Meeres militärisch unter Kontrolle bringen könnte, um der Ukraine weitere Möglichkeiten der Erdgasförderung zu entziehen. Nun ist es geschehen.

Der aktuelle Krieg in der Ukraine könnte insofern insbesondere auch der „Ressourcenkontrolle“ dienen, wobei es sich dabei nach den Analysen der Akademie Bergstraße um ein praktisch universelles Kriegsziel handelt. Die reichen Energievorkommen der so genannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk könnten jetzt dauerhaft unter russische Kontrolle kommen, ebenso wie die reichhalten Erdgasvorkommen der Region. Wieder einmal also würde Russland mit militärischer Macht dafür sorgen, das Energie-Angebot knapp zu halten und ein Land daran zu hindern, seine eigenen Energie-Vorkommen nutzen zu können.

 

Wirtschaftskrieg gegen Deutschland?

Diese Interessen Moskaus bzw. von Gazprom (und seinen auch westlichen Aktionären) sollte man zumindest kennen und mit in Erwägung ziehen, wenn Deutschland derzeit an einer möglichen Neuausrichtung seiner Erdgaspolitik arbeitet. Unterhalb der Schwelle eines Krieges gibt es weitere Möglichkeiten für unfreundliche Aktivitäten, die erheblichen Schaden anrichten können. Ein Cyberangriff beispielsweise auf die Stromversorgung könnte im ungünstigsten Fall zu einer Katastrophe nationaler Tragweite führen.

Die aktuellen Geschehnisse könnte man in Teilen schon als einen gegen Deutschland gerichteten Wirtschaftskrieg interpretieren. Der erhebliche Erwartungsdruck nicht nur der ukrainischen Regierung, sondern auch von Seiten der USA und von anderen westlichen Verbündeten, Deutschland solle seine langfristigen Erdgaslieferverträge nicht einhalten, wohl wissend, dass Gazprom auf eine vertragsgemäße Zahlung Deutschlands bestehen wird, ist schon bemerkenswert.

Würde man diesen Forderungen nachgeben, dann könnte die kuriose Situation eintreten, dass Deutschland jetzt langfristige Lieferverträge für den Bezug von hochpreisigem LNG-Gas u.a. aus den Vereinigten Staaten abschließt, zusätzlich aber weiterhin gegenüber Gazprom zahlungspflichtig wäre, selbst wenn kein russisches Erdgas mehr importiert wird. Irgendwann müsste Deutschland diese „Schulden“ dann möglicherweise doch begleichen. „Putins Krieg“ ist auch für Deutschland brand-gefährlich. Die Sanktionen könnten in Deutschland weitaus mehr Schaden anrichten als sie dem Kreml weh tun. Ein potenzieller Erdgas-Lieferstopp bedroht die gesamte Volkswirtschaft.

Der Vorstandsvorsitzende des Chemieriesen BASF, Martin Brudermüller, sagte der FAZ, dass die russischen Gaslieferungen bisher die Basis für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und der europäischen Industrie seien. Über die Geschäftsbeziehungen ist direkt oder indirekt ein Großteil der Unternehmen betroffen, gerade auch im Mittelstand. Brudermüller fragt: „Wollen wir sehenden Auges unsere gesamte Volkswirtschaft zerstören?“

Ebenso fürchtet auch der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) einen „Zusammenbruch unserer Industrie“ als Folge eines Gas-Embargos. Möglicherweise geht es manchen, die jetzt den sofortigen Verzicht auf russisches Erdgas fordern, weniger um das Leid der ukrainischen Bevölkerung und um die Beendigung des Kriegs in der Ukraine, als vielmehr um eine drastische Reduktion der deutschen Industrie und des Wohlstands, „um die Klimaziele zu erreichen“. Viele Andeutungen von Studiogästen in Talkshows oder auch bei Phoenix deuten darauf hin, dass man die aktuellen Geschehnisse gerne nutzen möchte für die weitere „Transformation“ Deutschlands. Ein Einbrechen der Wirtschaft und potenzielle Massenarbeitslosigkeit werden zugunsten eines „Klimaschutzes“ achselzuckend in Kauf genommen, dabei wären solche Entwicklungen dazu geeignet, den gesamten Kontinent zu destabilisieren und den Krieg in Europa auf gefährliche Weise auszuweiten, statt zu beenden.

 

Hinweis der EIKE-Redaktion

Wir danken Herrn Paulitz ganz herzlich für die freundliche Genehmigung, seinen Artikel in den EIKE-News übernehmen zu dürfen. Der Beitrag erschien am 2. April 2022 bei „Tichys Einblick“ in sehr geringfügig anderer Form, verglichen mit der, die uns seitens des Autors Herrn Paulitz persönlich zuging. Wir geben hier die Originalform wieder und haben lediglich zwei Überschriften angepasst. Das Artikelbild wurde von EIKE dem lizenzfreien unsplash entnommen.

Henrik Paulitz ist Leiter der Akademie Bergstraße für Ressourcen-, Demokratie- und Friedensforschung. Siehe: www.akademie-bergstrasse.de.




Komplett sinnentleert: Christian Lindners „Freiheitsenergien“

Zitat Christian Lindner: „Erneuerbare Energien leisten nämlich nicht nur einen Beitrag zur Energiesicherheit und -versorgung. Erneuerbare Energien lösen uns von Abhängigkeiten. Erneuerbare Energien sind deshalb Freiheitsenergien.“

von Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke

Diese Aussage machte Christian Lindner anlässlich der Sondersitzung des Bundestags zum Krieg in der Ukraine am 28.02.2022 (hier). Sachlich verrückter geht’s kaum noch, und unsere derzeitige Welt ist alles andere als arm an Verrücktheiten. Nun ist die deutsche Sprache aber manchmal heimtückisch, so dass man Lindner’s Aussage nicht als komplett falsch bezeichnen darf. Wind- und Sonnenenergien sind tatsächlich Freiheitsenergien, denn sie kommen und gehen frei, wann sie wollen. Leider belegt der Kontext der Aussage von Lindner, dass er es nicht in diesem Sinne gemeint hat. Schade für unseren Finanzminister, er hat aus kompletter Unkenntnis der realen Eigenschaften von Wind- und Sonnenenergie ein super Bonmot verpasst und stattdessen nur sachlichen Unsinn von sich gegeben.

Dass die Eigenschaft des „Kommens und Gehens“ von Wind- und Sonnenenergie nicht gerade UNSERE Freiheit fördert, haben bereits die ersten Politikwendehälse begriffen, die ungerührt kürzester Wendezeit und fragwürdiger Aussagen unseres Finanzministers plötzlich von grünen Energien nichts mehr wissen wollen und wieder „Kohle- und Kernenergie“ wünschen. So beispielsweise der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, aber auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze gemäß BILD, 4. März 2022 und BR24 (hier). Rekordwendehals Söder möchte die letzten 3 verbliebenen AKW 3 bis 5 Jahre länger laufen lassen. Schulze möchte die Frage der 3 noch im Betrieb befindlichen AKW „diskutieren“.

Ähnlich kühne Forderungen ertönen gemäß BILD auch seitens Politikern der zweiten und dritten Reihe – ein Schelm, wer dabei an erträumte zukünftige Karrieren denkt. Vom Sachinhalt ihrer Wenden haben sie zwar kaum Ahnung, anderenfalls hätten wir es mit Zynikern ohne Verantwortungsbewusstsein zu tun. Jeder Einzelfall gibt daher ein kleines Rätsel auf. Nicht ungewiss ist freilich die technische Expertise von Chritian Lindner über „Erneuerbare“: keine Ahnung, Hauptsache regieren. Selbst der deutsche „Savonarola“ von „Klimaschutz“ und Energiewende, unser Wirtschaftsminister Robert Habeck, scheint allmählich zu begreifen, dass mit Erneuerbaren kein gesundes Industrieland zu betreiben ist (hier, hier). Vielleicht hat er sich ja den Vortrag von Prof. Hans-Werner Sinn „Energiewende ins Nichts“ angesehen (hier), oder gar, noch schlimmer, ein wenig auf der EIKE-Webseite herumgestöbert? Vor wenigen Tagen jedenfalls konnte sich noch niemand den Verständnis- und Sinneswandel von Habeck vorstellen.

Man kann Freiheit in Sachen Energieversorgung aber auch einmal realistisch mit den Augen der von Medien und Politik konsequent ignorierten Fachleute sehen. Echte Freiheitsenergien sind unsere heimische Braunkohle und waren es unsere heimischen Kernkraftwerke. Steinkohle gehört auch noch dazu, wenngleich etwas vom Weltmarkt abhängig.

Freiheitsenergie ist jedenfalls nicht das russische Gas, wie es die deutsche Politik jetzt bitter erfahren musste. Bereits schon aus Preisgründen gehört russisches Gas nicht zu den Freiheitsenergien, denn bekanntlich ist der Energiepreis der Brotpreis unserer Wirtschaft. Und schon gar keine Freiheitsenergie ist das LNG aus den USA. Die politische Anhängigkeit hat hier zwar nicht einmal annähernd russische Brisanz, aber sie ist vorhanden. Vielleicht „schwant“ es ja inzwischen auch unserem Politikpersonal, dass JEDE Abhängigkeit, sogar die von befreundeten Nationen, niemals den Interessen des Abhängigen dient.

USA-LNG ist zudem noch teurer als russisches Gas. Es darf nicht vergessen werden, dass der CO2-Fußabdruck von USA-LNG alle Grenzen sprengt und vermutlich sogar den der Kohleverbrennung übersteigt. Die CO2-Emissionen durch Fracking, Förderung und Transport des USA-LNG verhageln gnadenlos seine CO2-Bilanz. Und falls man sich überhaupt noch für CO2-Bilanzen interessiert (es sieht angesichts der weltpolitischen Entwicklung nicht gut für CO2-Fanatiker aus), wird man die CO2-Frage zugunsten weit wichtigerer Probleme zumindest ans letzte Ende des politischen „to do“ stellen.

Hinzu kommt, dass die Mehrheit des deutschen Politikpersonals in Sachen Qualität keinen Spielraum mehr nach unten aufweist. Heruntergewirtschaftete Bundeswehr, eine zerstörte ehemals sichere Energieversorgung, Verbrechen gegen Natur- und Landschaftsschutz durch unnütze Windräder und Photovoltaik, Genderunfug, wachsende Unfreiheit und zunehmende Bildungsferne an Schulen und Universitäten, Abschaffung des Verbrenungsmotors, sowie immer mehr platte Staats- und Medienzensur sind nur die wichtigsten Negativbeispiele. Was Zensur und Staatspropaganda angehen, sind viele Zeitgenossen inzwischen der aktuellen Meinung, dass ARD/ZDF auch nicht besser sind als RT. Mit dem heutigen Sperren von RT und Sputnik hat sich die EU (hier) als eine überstaatliche Zensurbehörde entpuppt, die es ihren Bevölkerungen nicht mehr zutraut, selber zu entscheiden, was Fakes oder was vernünftige Nachrichten sind. Eine derartige Organisation wird sich reformieren müssen, oder sie wird nicht überleben.

Also liebe Politiker, die ihr durch den Ukraine-Krieg an einem vom Fuchs aufgeschreckten Hühnerstall erinnert (Pardon für diesen leider zutreffenden Vergleich), lasst jetzt besser von „Klimaschutz“ und jedem CO2-Vermeidungsunsinn die Finger. Wendet Euch besser den beiden dringlichsten und überlebensnotwendigen Aufgaben zu, welche sind:

– Unserem Land wieder eine verlässliche Energieversorgung zu verschaffen, in dem Kohle und Kernkraft absolute Priorität haben und

– für unser Land eine funktionierende und ernst zu nehmende Bundeswehr aufzubauen, indem Ihr das Personal an der politischen Spitze der Bundeswehr postwendend in den verdienten Ruhestand schickt, durch Militärfachleute ersetzt und unser Nato-Soll von 2% des deutschen Bruttoinlandsprodukts erfüllt.

Wenn ihr dies ernsthaft anpackt, bleibt für Euren oben aufgezählten sachlichen Unsinn der Vergangenheit ohnehin weder Zeit noch Geld übrig.

 




Wie die Wissenschaftler der Welt für den »Klimawandel« weichgeklopft wurden

Eine Buchrezension von

Siegfried Hettegger

Dieses Buch, direkt beim Verlag und im Buchhandel erhältlich, behandelt die Anfänge der Klimabewegung und die Frühzeit des UN-Klimarates (IPCC) [1] bis zu seiner Korrumpierung in Madrid 1995 – einem Wendepunkt in der Geschichte der Klimawissenschaft, der weitreichende Folgen hatte. Das Buch ist im Original auf Englisch [2] erschienen und wurde jetzt vom Ahriman-Verlag ins Deutsche übersetzt.

Der Autor Bernie Lewin ist Australier und von Beruf Soziologe und Archivar. Schon als Teenager war er in der Umweltschutzbewegung aktiv, stand der Klimabewegung aber von Anfang an skeptisch gegenüber. Weil das Klimathema alle anderen Umweltanliegen immer mehr in den Hintergrund drängte, wollte er genau wissen, warum die Meinung vorherrschte, dass die Gefahr einer weltweiten Klimaerwärmung eine gesicherte wissenschaftliche Basis habe. Das führte ihn zu einer jahrelangen und umfangreichen Recherche: Er sprach mit den beteiligten Wissenschaftlern aller Seiten und beschreibt als Historiker akribisch die Geschehnisse, Personen und zahlreiche Konferenzen. Das Ergebnis ist eine brisante Wissenschaftsgeschichte der Klimaideologie. Es geht in dem Buch also nicht um die Frage, ob es eine gefährliche menschengemachte Erderwärmung gibt oder nicht – dafür bietet im deutschen Sprachraum Horst-Joachim Lüdecke eine gute Übersicht [3] –, sondern um die Frage: Wie konnte sich die Behauptung einer menschengemachten Klimaerwärmung überhaupt durchsetzen und zum allgemeinen wissenschaftlichen Dogma werden?

Eiszeit oder Erderwärmung?

Weltuntergangspropheten gab es schon immer in der Geschichte der Menschheit – neu ist heute nur, dass sie sich auf die Wissenschaft berufen. Bereits Ende des 19. Jh. hatte es Spekulationen über eine damals durchaus erwünschte Klimaerwärmung durch die industrielle Freisetzung von CO2 gegeben, die in der Wärmeperiode der ersten Hälfte des 20. Jh. wieder aufgegriffen wurden, aber keine Anerkennung fanden. In Folge der Erdabkühlung zwischen 1940-1975 kam es ab 1970 zu Katastrophenmeldungen und Panik­mache wegen einer drohenden Eiszeit. Klimaän­derungen traten erstmals in das öffentliche Bewusstsein, und die Nixon-Regierung setzt einen „Sonderaus­schuss für das gegenwärtige Interglazial“ ein. Als die Jahre wieder wärmer wurden, drehte auch die Panikmache ihre Richtung, hin zu einer gefährlichen Klimaerwärmung durch Umweltver­schmutzung.

Alles begann mit dem großen Kohlendioxyd-Forschungsprogramm

Die Energiekrise Anfang der 1970er Jahre löste weltweit eine Debatte über die Energiepolitik aus und führte zu einer Kontroverse über die Vorteile von Kohle- und Kernenergie. Bereits 1974 warb die USA bei den UN für ein internationales Klimaprogramm, während gleichzeitig national die Weichen dafür gestellt wurden, die Auswirkungen fossiler Energieträger zu untersuchen. Das amerikanische Energieministerium startete ein großangelegtes und langandauerndes CO2-Forschungsprogramm, das die Universitäten und das große Netz der National Laboratories über viele Jahre hin mit millionenschweren, nie versiegenden Fördergeldern überflutete. Dadurch wurde die CO2-Frage zum beherrschenden Hauptthema der Klimaforschung, noch lange bevor sie in das Bewusstsein der Öffentlichkeit trat.

Umweltschutzbewegung und Politik

Zeitgleich mit der Energiekrise formierte sich eine weltweite Umweltschutzbewegung, die Kritik an Umweltverschmutzung, Bevölkerungsexplosion und Ressourcenverbrauch übte, deren Leitthema jedoch die Ablehnung der Kernenergie wurde. Internationale Umwelt- und Klimakonferenzen wurden organisiert und Ende der 1980er Jahre erobert die Klimahysterie die Welt. Eine zweite Welle der Umweltschutzbewegung rollte an unter dem Schlagwort „nachhaltige Entwicklung“ und fokussierte sich auf Klimaerwärmung durch CO2, die zum Haupt­problem der Menschheit erklärt wurde. Ein politischer Aktivismus begann und Regierungen forderten erstmals Emissions­beschränkungen. Die Umweltorganisation der Vereinten Nationen [4] war eine treibende Kraft hinter dem UN-Klimaabkommen.

Die Haltung der Wissenschaft

Die meisten führenden Wissenschaftler sahen die CO2-Frage nicht als dringlich an und nahmen dazu eine kritische Haltung ein. Denn solange man die natürlichen Klimaschwankungen, die es ja nachweislich gibt, nicht erklären und keine Messlatte aufstellen kann, ist es nicht möglich, einen behaupteten menschengemachten Anteil daran zu identifizieren. Wissenschaftlich galt die anthropogene Klimaerwärmung bis 1995 als hypothetische Spekulation.

Doch die Politik war der Wissenschaft weit voraus und forderte Maßnahmen gegen den Klimawandel. Der Druck auf die Wissenschaftler nahm zu, einen Nachweis für den menschlichen Einfluss auf das Klima zu finden, um den unsicheren Klimamodellen eine empirische Absicherung zu geben. Die meisten Wissenschaftler hingen am finanziellen Tropf des CO2-Forschungsprogrammes, womit eine neue „Wissenschafts­gemeinde“ herangezüchtet worden war, die für die „Jagd auf den ersten Nachweis“ bereitstand.

Gründung des IPCC

In Washington war man sich uneins: Die US-Umweltschutzbehörde und das State Department beteiligten sich an der Kampagne für ein internationales Klimaabkommen, doch gab es auch Gegenstimmen, und ein Regierungsgutachten hatte sich gegen politische Maßnahmen ausgesprochen. Als Kompromiss legte sich die amerikanische Regierung auf ein internationales Gremium der UNO zur wissenschaft­lichen Lagebeurteilung fest. Damit schlug die Geburtsstunde des IPCC, der von der WMO [5] gemeinsam mit der UNEP gegründet wurde und den Auftrag hatte, die Frage des Klimawandels wissenschaftlich zu begutachten und Empfehlungen für die geplante Klimakonvention zu erarbeiten. 1990 erschien der erste Sachstandsbericht des IPCC. Zwar wurde darin eine Klimaerwärmung prognostiziert, doch bezüglich der politisch wichtigen Frage der Ursache kam der Bericht zum ernüchternden Ergebnis, dass es noch keinen Nachweis für eine anthropogene Erderwärmung gebe und ein empirischer Nachweis noch jahrzehntelang dauern könne. Auch beim zweiten Sachstandsbericht, an dem ab 1994 gearbeitet wurde, kamen die Wissenschaftler zunächst zum gleichen Ergebnis. Damit, so schien es, war politisch das Ende des IPCC besiegelt, denn die Politik hatte sich von ihm erwartet, dass er nicht den Klimawandel in Frage stellt, sondern wissenschaftliche Begründungen dafür liefere, warum gegen die drohende Klimaerwärmung gehandelt werden müsse.

Madrid 1995 als Wendepunkt

Doch dann kam es zu einer überraschenden Wende. Der zum Leitautor des entscheidenden Ursachenkapitels ernannte junge amerikanische Klimamodellforscher Ben Santer hatte in letzter Minute unter Berufung auf eine eigene, unveröffentlichte Arbeit die Aussage hinzugefügt, dass in den Klimadaten „ein Muster erkennbar ist, wonach das Klima auf menschliche Aktivitäten reagiert.“ Diese Behauptung widersprach der skeptischen Grundhaltung des gesamten Kapitels und stand in direktem Widerspruch zu dessen Resümee. Santer präsentierte als Beweis ein Diagramm mit dem Verteilungsmuster atmosphärischer Erwärmung und Abkühlung nach Breitengraden und Höhe, das angeblich einen menschlichen „Fingerabdruck“ im Himmel zeigt (das Diagramm ist auf dem Cover des Buches abgebildet). Santer stieß auf den entschiedenen Widerspruch zahlreicher Wissenschaftler, die Frage blieb aber unentschieden. Als Santers Arbeit Monate später veröffentlicht wurde, konnten seine Kritiker aufzeigen, dass das verräterische Muster bei der Berücksichtigung weiterer Daten wieder verschwand, d. h. der angebliche Beweis löste sich in Luft auf.

Zurück zum IPCC. Auf der abschließenden Sitzung der Arbeitsgruppe in Madrid 1995 kam es dann zum Showdown: Santers Befund, der Nachweis sei erbracht, war als zentrale Erkenntnis in den Bericht aufgenommen worden. Es gab erbitterten und anhaltenden Widerstand gegen die Änderungen, doch schlussendlich ließen sich die Wissenschaftler weichklopfen und beschlossen nach drei zermürbenden Verhandlungstagen die folgende Formulierung über den Nachweis: „Die Abwägung des Belegmaterials weist auf einen erkennbaren menschlichen Einfluss auf das Weltklima hin.“ Noch in der Nacht gelangte dieser Durchbruch an die Medien und die Meldung „Experten einig: Weltweite Erwärmung hat begonnen“ ging um die Welt. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stand, dass nun jede wissenschaftliche Unsicherheit ausgeräumt wäre.

Nach der Veröffentlichung des IPCC-Berichtes konnte Frederick Seitz, eine Autorität in amerikanischen Wissenschaftskreisen, aufdecken, dass die beschlossene Textfassung vom Leitautor Santer nachträglich abgeändert worden war. Kritische Formulierungen waren eigenmächtig geändert oder entfernt worden, um jeden Widerspruch zum neuen Fazit zu beseitigen. Seitz schreibt in seinem Leitartikel im Wall Street Journal mit dem Titel „Eine große Täuschung über die globale Erwärmung“: „In meinen mehr als 60 Jahren als Mitglied der amerikanischen wissenschaftlichen Gemeinschaft, einschließlich meiner Tätigkeit als Präsident der National Academy of Sciences und der American Physical Society, habe ich nie eine beunruhigendere Korruption des Peer-Review-Prozesses erlebt als die Ereignisse, die zu diesem IPCC-Bericht geführt haben.“

Der konkrete Hintergrund für diese nachträgliche Fälschung wurde auch noch bekannt: Vor dem Treffen in Madrid hatte die US-Regierung beim IPCC schriftlich interveniert und gefordert, dass der ursprüngliche Bericht in „geeigneter“ Weise abgeändert werden müsse. Mitgeschickt wurden konkrete Anweisungen, welche Punkte in welcher Hinsicht zu verändern wären.

Es folgte die heftigste öffentliche Auseinandersetzung, die es jemals um den IPCC gab. Zahlreiche führende Wissenschaftler kritisierten die Täuschung des IPCC. Die Folge war aber, dass gegen diese massive Kritik alle wissenschaftlichen Institutionen ihre Reihen schlossen und sich hinter den IPCC stellten.

Die Folgen

Madrid 1995 war die „Schlacht von Hastings [6] in der Klimawissenschaft, als die Feinde der Wissenschaft die Linien durchbrachen und alle ihre Institutionen überrannten“, schreibt Lewin. Diese schwerwiegende Täuschung über den angeblichen ersten Nachweis einer anthropogenen Klimaerwärmung ist heute kaum noch bekannt und fehlt auch in einschlägigen Sachbüchern.

Die Folgen waren weitreichend: Der Widerstand von betroffenen Unternehmen („Carbon Club“) zerbröckelte und die Unternehmen gaben sich fortan einen grünen Anstrich. Die Politik kann sich bei Klimamaßnahmen auf die „Wissenschaft“ berufen, und die Kritiker können als „Klimaskeptiker“ oder sogar „Klimaleugner“ denunziert und ausgegrenzt werden. Dem IPCC dagegen rettete die Täuschung über den ersten Nachweis das Leben und machte es zur ersten wissenschaftlichen Autorität in Klimafragen.

Das Buch von Lewin füllt eine Lücke in der Wissenschaftsgeschichte des IPCCs und dokumentiert detailliert, dass der – übrigens bis heute nicht erbrachte – „erste Nachweis“ nur auf Täuschung und Fälschung beruht und nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wenn man weiß, mit welchen Mitteln die Klimaideologie durchgesetzt wurde, dann kann man sie besser durchschauen. Das ist das große Verdienst dieses Buches, das deshalb in keiner Bibliothek fehlen sollte.

Quellenangaben:

[1] Intergovernmental Panel on Climate Change (Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen)

[2] Searching for the Catastrophe Signal: The Origins of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Global Warming Policy Foundation (GWPF), 2017.

[3] Horst-Joachim Lüdecke: Energie und Klima, 4. Auflage, Expert-Verlag 2020

[4] United Nations Environment Programm (UNEP, gegründet 1972)

[5] World Meteorological Organisation (Weltorganisation für Meteorologie)

[6] Erster Sieg des normannische Heeres 1066 unter Wilhelm dem Eroberer gegen die Angelsachsen.

 

In den EIKE News sind bisher folgende Beiträge von und über Bernie Lewin erschienen:

Der letzte Tag, an dem die Klimatologie noch eine Wissenschaft war. Bernie Lewin, 12.09.2012, übersetzt von Chris Frey und Helmut Jäger

Nach dem ,Katastrophensignal‘ – als die Wissenschaft das politische Treibhaus betrat. Bernie Lewin, 01.12.2017, übersetzt von Chris Frey

Künstlich fabrizierter Konsens: Historie der Anfänge des IPCC. Judith Curry, 07.01.2018, übersetzt von Chris Frey

 




Wald.Holz.Energie: Eine fragwürdige Broschüre des Österreichischen Biomasse-Verbands

Die Broschüre propagiert die stärkere Nutzung des Waldes wie zum Beispiel durch Holzheizungen und vermehrte Holznutzung im Hausbau. Dabei schießt sie mit frei erfundenen Behauptungen von Klimakatastrophen weit über dieses Ziel hinaus und entwertet damit komplett ihren durchaus ordentlichen Sachinhalt; warum?

von Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke

Die Frage, wer den Inhalt der aufwendig gestalteten Broschüre (hier) maßgebend prägt, beantworten bereits zwei ihrer insgesamt vier Vorworte. So folgt die Autorin eines dieser beiden Vorworte, Frau Katharina Rogenhofer, in der Sachaussage der bekannten Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Aber auch das Hauptvorwort von Franz Titschenbacher, Präsident des österreichischen Biomasse-Verbands, erinnern mehr an Klimaideologie – Markenzeichen des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung -, als an das unschuldige Thema „Holzwirtschaft“. Auffallend, weil sogar deutsche Verhältnisse weit in den Schatten stellend, ist die „Expertise“ von Frau Leonore Gewessler, Autorin des letzten Vorworts und Bundesministerin Österreichs für gleich sechs(!) Staatsressorts auf einmal, nämlich „Klimaschutz“, „Umwelt“, „Energie“, „Mobilität“, „Innovation“ und „Technologie“.  Als akademisch-berufliche Basis weist sie für diese Mammutaufgabe ein Bachelorstudium der Politikwissenschaften auf, einschlägige Berufstätigkeit ist dagegen leider Fehlanzeige (hier). Da kann man nur noch für unser schönes Nachbarland die Daumen drücken.

Worum geht es in der Broschüre?

Es ist unübersehbar, dass die Hauptforderung der Broschüre die vermehrte Nutzung der Biomasse des Waldes ist. Sie soll durch eine intensivere Aufforstungspflege erreicht werden. Mag sein, dass dies ein vernünftiger Weg ist, dies soll hier nicht vertieft werden. Zumindest ist die Forderung naheliegend und legitim, denn die Broschüre wird schließlich vom Biomasse-Verbands Österreichs gezeichnet.

Ungewöhnlich ist dagegen, dass die Forderung eines Lobbyverbands ( das ist nicht abwertend gemeint, nichts gegen Lobbyismus ) deutlich erkennbar von grüner Ideologie gekapert wurde. Grünideologische Begründungen für die Forderung des österreichischen Verbands Biomasse finden sich nicht nur in den oben genannten Vorworten sondern auch in vielen Sachbeiträgen der Broschüre. Sogar der emeritierte Professor Hans-Joachim Schellnhuber, Klimaaktivist von etwas fragwürdigem Weltruf, wurde mit einem Artikel des Titels „Klimastabilität braucht negative Emissionen“ betraut, obwohl er wohl kaum zu den Forstexperten zu zählen ist.

Was ist an der Broschüre zu kritisieren?

Der Autor ist natürlich auch kein Forstexperte. Seine naive Vermutung bestand sogar zuerst darin, dass die absolute Naturbelassung des Waldes mit nur wenigen, ausschließlich der notwendigsten Forstpflege dienenden Maßnahmen auch von den „Grünen“ propagiert würde. Das wird aber in den klimaaktivistisch geprägten Beiträgen der Broschüre vehement abgelehnt. Und dies wiederum belegt unmissverständlich, dass es den Grünen nicht um Naturschutz, sondern um gesellschaftlichen Umsturz geht. Ebenfalls abgelehnt wird die wohl selbstverständliche Logik, dass die Kernenergie die primäre Lösung des CO2-Emissionsproblems ist – immer vorausgesetzt, dass anthropogene CO2-Emissionen wirklich ein Problem sind, was wissenschaftlich nicht belegt ist / 6 /. Nur die Zunahme des weltweiten Pflanzenwuchses und damit auch der Welternten an Nahrungspflanzen durch mehr CO2 ist gesichert (hier). Aber auch hierauf soll nicht weiter eingegangen werden.

Interessanter ist die Frage, welche klimaaktivistischen Argumente für die Nutzung des Waldes als Biomasse in der Broschüre verwendet werden und wie stichhaltig sie sind. Um hier etwas Ordnung zu schaffen, im Folgenden in 6 Punkten A) – F) die wesentlichen in der Broschüre aufgeführten Argumente (kursiv) zusammen mit ihren Autoren:

  1. Die Menschheit befindet sich auf dem Weg in eine Klimakatastrophe. Stürme, Überflutungen, Dürren, Waldbrände und Missernten haben zugenommen…: Vorwort des Autors Franz Titschenbacher.
  2. Wir haben mit der Hochwasserkatastrophe in Deutschland, den Verwüstungen durch einen Tornado in Tschechien, den verheerenden Borkenkäferschaden im Waldviertel und einen der größten Waldbrände der österreichischen Geschichte im Wiener Quellschutzwald in den vergangenen Monaten einen Vorgeschmack davon bekommen, welche Folgen der Klimakrise uns in den nächsten Jahren erwarten. Die Wälder werden weiter und immer schneller sterben, wenn wir nicht schnell und entschlossen handeln…: Vorort von Katharina Rogenhofer.
  3. .. um die verheerenden Folgend es Klimawandels zu verhindern… und weiter … Klimasystem massiv gestört … und weiter … Gefahr von Kippunkten …: Beitrag von Michael Obersteiner, S. 18.
  4. … die Erde erwärmt sich rapide … und weiter …dies führt zu Extgremwetterereignissen, wie lang anhaltenden Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen … und weiter … im Jahr 2020 eine Rekordzahl von 29 Wirbelstürmen im Atlantik … und weiter …Seit Beginn des holozäns sind das Klima und die globale Mitteltemperatur sehr lange stabil geblieben …: Beitrag von Hans-Joachim Schellnhuber, S. 28.
  5. … Klimaneutralität … und weiter … die Klimakrise …: Beitrag von Martin Höbarth, S. 38.
  6. … Weg zur Klimaneutralität …: Beitrag von Stefan Zwettler, S. 48

 

Die von A) – F) freien Beiträge der Broschüre sind, nicht unerwartet, von besserer fachlicher Qualität. Sie gehen von den inzwischen gesetzlichen Klimaschutz-Maßnahmen als gegebenen Voraussetzungen in ihrer Argumentation aus. Das ist in Ordnung, denn ein Unternehmen kann nur in einem realen Umfeld erfolgreich Geschäfte betreiben, und es ist selten sinnvoll, sich offen gegen die Strömungen der Zeit zu stemmen.

Wir wollen uns daher nur mit den Behauptungen A) – F) beschäftigen. Zutreffend oder nicht? Werden sie überhaupt belegt? Dazu ist es zuvor nötig, im Folgenden die Basis der hier vorgenommenen Kritik zu nennen:

  1. Die begutachtete Klimafachliteratur. Sind die Befürchtungen A) – F) in der Fachliteratur, wissenschaftlich belegt und gesichert, überhaupt aufzufinden?
  2. Die Aussagen des IPCC (intergovernmental panel on climate change) zur Fragestellung von Extremwetterveränderungen, hier insbesondere der IPCC-Sachstandsbericht AR5 von 2013. Um Missverständnisse zu vermeiden: die IPCC-Sachstandsberichte (jeder stets von riesigem Umfang und deswegen von Medienschaffenden kaum jemals gelesen) sind nicht mit den viel kürzeren „IPCC-Berichten für Politiker“ zu verwechseln. Letztere werden von den jeweiligen Regierungen mitgeschrieben und sind daher für verlässliche Fachaussagen wertlos. Sie stimmen mit den allein maßgebenden Sachstandsberichten oft nicht überein. Wenn nämlich den Regierungen bestimmte wissenschaftliche Erkenntnisse der Sachstandsberichte nicht passen, werden sie in den Berichten für Politiker einfach weggelassen. Als Paradebeispiel können die weiter unten ausführlich behandelten IPCC-Aussagen zu Extremwetterereignissen dienen. Diese kommen in den deutschen IPCC-Berichten für Politiker überhaupt nicht vor!

 

Was ist eigentlich Klima, was „Klimaschutz“, und was sind Klimakatastrophen?

Das Klima jeder Klimazone von tropisch bis polar ist das jeweilig lokale statistische Mittel des Wetters über mindestens 30 Jahre. So definiert es die Klimawissenschaft und die Weltmeteorologie-Organisation. Ein Globalklima gibt es infolgedessen nicht. „Klimaschutz“ gibt es ebenso wenig ( deswegen wird dieser Begriff im vorliegenden Beitrag stets in Anführungszeichen gesetzt ), denn ein statistisches Mittel kann man nicht schützen. Aber selbst, wenn man es könnte: Welche Klimazone soll dann vor einer befürchteten Erwärmung zuerst geschützt werden, die Tropen oder die kälteren Zonen? Die Russen wären über ein etwas wärmeres Sibirien vermutlich nicht unglücklich.

Über Klima und „Klimaschutz“ sagte Prof. Heinz Miller, ehemaliger Vize-Direktor des Alfred-Wegener Instituts (AWI) in Bremerhaven / 1 /:

Wer von Klimaschutz redet, weckt Illusionen. Klima lässt sich nicht schützen und auf einer Wunschtemperatur stabilisieren. Es hat sich auch ohne Einwirkungen des Menschen oft drastisch verändert. Schlagworte wie Klimakollaps“ oder Klimakatastrophe“ sind irreführend. Klima kann nicht kollabieren, die Natur kennt keine Katastrophen“.

Die Klimas unterschiedlicher Erdregionen ändern sich noch nicht einmal immer gleichsinnig. So wird die Antarktis aktuell kälter, die Arktis dagegen wärmer. Dieser Vorgang kehrt sich zyklisch etwa alle 60 Jahre um, die Wissenschaft spricht von Klimaschaukel / 2 /.

Es ist daher zu betonen: Steter Klimawandel ist naturgesetzlich, Klimakonstanz gab es noch nie. Die EU und Deutschland glauben an eine Klimaschädlichkeit des anthropogenen CO2 und erstreben globale Klimastabilität mit CO2-Vermeidungsmaßnahmen . Dieses Vorhaben ist pure Hybris, denn es kollidiert mit den Naturgesetzen. Vorteilhafter Klimawandel für die Menschen war beispielsweise die Periode der mittelalterlichen Warmzeit (Grönland = Grünland, die Wikinger konnten im Mittelalter dort bescheidenen Ackerbau betreiben), katastrophal für die Menschen dagegen die „kleine Eiszeit“ von Mitte des 15. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Umkehrung der Regel „warmes Klima ist vorteilhaft“, „kaltes Klima ist nachteilig“, ist aus der Menschheitsgeschichte nicht bekannt. Kaltes Klima bedeutete stets Hungersnöte und Seuchen, warmes Klima dagegen war stets gleichbedeutend mit kulturellen Höhepunkten. Ohne die zweite große Holozän-Warmzeit um 4500 Jahre vor uns mit ihren dadurch begünstigsten Hochkulturen an Nil und Euphrat gäbe es unsere modernen Zivilisationen vermutlich nicht.

 

Haben Extremwetter nach Beginn der Industrialisierung in Klimazeiträumen zugenommen?

Die Befürchtungen A) – F) in der Broschüre behaupten dies. Aber stimmt das überhaupt? Meist wird in solchen Behauptungen ganz einfach Klima mit Wetter verwechselt. Als erstes Beispiel dafür kann die Überschwemmungskatastrophe im deutschen Ahrtal dienen. In den deutschen Medien wurde so gut wie nicht darüber berichtet, dass eine mindesten gleich starke Überschwemmung an exakt der gleichen Stelle (Ahrtal) im Jahre 1804 stattfand, als es praktisch noch kein menschgemachtes CO2 gab / 3 /. An vielen Flüssen sind zudem historische Hochwasserpegelwände zu finden, welche, in Stein gehauen, die Behauptung von zunehmenden Hochwassern als falsch entlarven. Sogar das Gegenteil ist richtig. Die stärksten Hochwasserereignisse ereigneten sich in der schon erwähnten „kleinen Eiszeit“ zwischen Mitte des 15. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts / 4 /. Und dabei gab es damals noch mehr Ausweichmöglichkeiten für Hochwasser, weil Flüsse und Bäche noch nicht so verbaut waren wie heute.

 

Die Aussagen von IPCC und der Klimafachliteratur über Extremwetter

Klimaerwärmung lässt vordergründig einen Verstärkungstrend für heftige Wetterereignisse erwarten, weil chemische Reaktionen bei höherer Temperatur schneller ablaufen. Diese Sicht ist aber falsch. Unwetter und Stürme hängen nicht von absoluten Temperaturen, sondern von Temperaturdifferenzen ab. Nur wenn sich die Temperaturdifferenz zwischen Polar- und Äquatorial-Gegenden erhöht, muss mit heftigeren Extremwetterereignissen gerechnet werden. In der jüngsten Klimaänderung war aber die Temperaturerhöhungen im polnahen Norden wesentlich stärker als die am Äquator. Dies bedeutet verringerte Temperaturdifferenzen zwischen Pol und Äquator und somit Abnahme, nicht Zunahme von Extremwetterheftigkeiten und -häufigkeiten auf der Nordhalbkugel. Dies entspricht, ganz im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung, den Messungen. Sie sind vom IPCC in seinem Bericht AR5 ab 1950 dokumentiert / 5 /, dem Beginn guter direkter Messdaten. Im Folgenden wörtlich aus dem AR5, Kapitel 2.6, des IPCC Sachstandsbericht von 2013 zitiert (es gibt keine deutschen Versionen der Sachstandsberichte):

Tropische Zyklone, in AR5, WG1, Kapitel 2.6, S. 216:

Current datasets indicate no significant observed trends in global tropical cyclone frequency over the past century and it remains uncertain whether any reported long-term increases in tropical cyclone frequency are robust, after accounting for past changes in observing capabilities”.

Dürren, in AR5, WG1, Technical Summary, S. 50:

There is low confidence in a global-scale observed trend in drought or dryness (lack of rainfall), owing to lack of direct observations, dependencies of inferred trends on the index choice and geographical inconsistencies in the trends

Zusammenfassung, in AR5, WG1, Kapitel 2.6, S. 215:

In summary, the current assessment concludes that there is not enough evidence at present to suggest more than low confidence in a global scale observed trend in drought or dryness (lack of rainfall) since the middle of the 20th century, owing to lack of direct observations, geographical inconsistencies in the trends, and dependencies of inferred trends on the index choice. Based on updated studies, AR4 conclusions regarding global increasing trends in drought since the 1970s were probably overstated. However, it is likely that the frequency and intensity of drought has increased in the Mediterranean and West Africa and decreased in central North America and north-west Australia since 1950.

Überflutungen, in AR5, WG1, Technical Summary, S. 112:

„There continues to be a lack of evidence and thus low confidence regarding the sign of trend in the magnitude and/or frequency of floods on a global scale over the instrumental record.

Hagel und Gewitter, in AR5, WG1, Kapitel 2.6, S. 216:

In summary, there is low confidence in observed trends in small-scale severe weather phenomena such as hail and thunderstorms because of historical data inhomogeneities and inadequacies in monitoring systems.

Und schließlich fasst das IPCC in AR5, WG1, Kapitel 2.6, S. 219 zusammen:

There is limited evidence of changes in extremes associated with other climate variables since the mid-20th century.

Für die Dokumentation von Tornados in den USA ist die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) zuständig. Sie hat die historischen Trends von Tornados in den USA ab 1954 mit entsprechenden Grafiken publiziert und keine auffälligen Zunahmen an Häufigkeit oder Stärke gefunden (hier,hier) Schaut man auf die Südhemisphäre, sieht es dort nicht nur ähnlich aus, hier nehmen die Zyklone an den australischen Küsten sogar auffallend ab. Mit einem simplen Mausklick gelangt man auf die entsprechende Grafik der offiziellen australischen Wetterbehörde (hier).

Die starken kurzfristigen Schwankungen im Bereich weniger Jahre in der vorgenannten australischen Grafik verdeutlichen, wie die in den Medien regelmäßig auftauchenden Nachweise“ von Extremwetterzunahmen zustande kommen. Die Zeiträume sind für klimarelevante Aussagen stets zu kurz. Eine global zunehmende Heftigkeit oder auch Anzahl von Stürmen, Tornados und Zyklonen im 20. Jahrhundert und weiter bis heute ist ein Mythos. Dasselbe gilt generell für alle Extremwetter weltweit. Übrigens hat hinsichtlich Extremwettern auch der AR6 des IPCC nichts Neues gefunden, was verständlich ist, denn die 8 Jahre zwischen 2013 bis 2021 sind dafür zu kurz. Einzige Ausnahme davon ist in leichtes Ansteigen von Temperaturextremen. Dies ist aber für den Zeitraum von 1850 bis heute, in welchem eine natürlicher Wiedererwärmung nach der kleinen Eiszeit stattfand und immer noch stattfindet, zu erwarten und nicht ungewöhnlich.

Fazit

Klimakatastrophen seit Beginn der Industrialisierung 1850, die sich statistisch signifikant von der natürlichen Klimavariabilität abheben, finden sich weder in der Klimafachliteratur noch den Sachstandsberichten des IPCC, ebenso wenig maßgebende Veränderungen von Extremwetterereignissen an Stärke oder Häufigkeit in Klimazeiträumen von mindestens 30 Jahren. Von „Klimanotstand“ kann keine Rede sein. Es sei der Vermeidung von Missverständnissen wegen noch einmal betont, dass „das Gewöhnliche am Wetter seine Ungewöhnlichkeit ist“, was leider bedeutet, dass wir, genauso wie unsere noch so weiten Vorfahren, stets mit Extremwetterkatastrophen zu rechnen haben. Die Broschüre des Österreichischen Biomasse-Verbands bedarf daher einer Korrektur, welche die wissenschaftlich belegten Fakten berücksichtigt.

Quellenangaben

/ 1 / http://www.zeit.de/2007/24/P-Heinz-Miller

/ 2 / P. Chylek et al., 2010, Twentieth century bipolar seesaw of the Arctic and Antarctic surface air temperatures, Geophys. Res. Lett. 37

/ 3 / https://de.wikipedia.org/wiki/Hochwasser_der_Ahr_am_21._Juli_1804

/ 4 / http://real-planet.eu/hochwasser.htm

/ 5 / IPCC, 2013. Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge and New York: Cambridge University Press.

/ 6 / Die sog. Klimasensitivität als globale Temperatursteigerung bei jeder Verdoppelung der atmosphärischen CO2 – Konzentration wird vom IPCC und von der Fachliteratur mit so hoher Unsicherheit angegeben (von 0,5 °C bis herauf zu 5 °C), dass von einer verlässlichen Handlungsgrundlage für die Politik nicht die Rede sein kann.

Zum Autor

Begutachteten Klimafachveröffentlichungen von Horst-Joachium Lüdecke sind in EIKE, https://eike-klima-energie.eu/, unter „Publikationen“ aufgeführt, ferner (hier); sie erschienen in Fachjournalen wie Climate of the past der European Geoscience Union, in Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics, in Hydrology: regional studies (beide Elsevier Verlag), in „Polarforschung“ des Alfred-Wegener Instituts Bremerhaven usw. Seit ca. 2 Jahren ist Lüdecke regelmäßig eingeladener (anonymer) Reviewer für neue Fachartikel in drei verschiedenen Klimafachjournalen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Das Ende von „Klimaschutz“ und Energiewende

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, und sogar die Ampel-Pfeifen wissen es: Es ist nichts mehr mit „Klimaschutz“ und Energiewende, aus und vorbei! Nur Deutschland wird bei diesem gefährlichen Unsinn als Letztes zurückbleiben.

von Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke

Ein interessanter Artikel in der WELT

Man darf sich keinesfalls auf das öffentlich-rechtliche TV, die Aussagen von Industriebonzen, oder gar auf die Verlautbarungen von Advokatenwissenschaftlern wie Stefan Rahmstorf und Claudia Kemfert verlassen, weil es sich hier um Sprachrohre der jeweils aktuellen Regierung handelt. Die einzigen ordentlichen Informationen zu Klima und Energie findet man dagegen in neutralen alternativen Medien wie Tichys Einblick, Achgut, Politically incorrect (PI), die podcasts von Roger Köppel, insbesondere fachlich aber in EIKE, no tricks zone von Gosselin und der kalten Sonne, medial allgemeiner schließlich in der jungen Freiheit, der preußischen Allgemeinen und der Schweizer Weltwoche. Hatte man sich irgendwo dort informiert, wusste man es bereits schon länger: Das Endspiel von „Klimaschutz“ und Energiewende läuft. Das zum Sprichwort gewordene Phänomen von Nagetieren, die sinkende Schiffe verlassen, ist bereits in den ersten mutigen Mainstream-Medien zu spüren.

Hier soll aber von einem medial bekannten Meteorologie-Professor Hans v. Storch die Rede sein, der sich stets konsequent durch einen nie festzulegenden, weiten Meinungskorridor bewegte und dabei sowohl mit Gesinnungsfreund  (hier) als auch Gesinnungsfeind (hier) unhöflich-ruppig umging. Seine offenkundige Vorgehensweise, sich nie festzulegen, bewirkte immerhin, dass er dem öffentlichen Verdikt eines „Klimaleugners“ bislang nicht zum Opfer fiel. Bei den Medien, die sich „Klimaleugner“ heute nicht mehr leisten können, war von Storch daher immer willkommener Gast. Insofern ging seine Strategie auf. Ob dies auch in Zukunft so sein wird, ist freilich fraglich. Denn überraschenderweise hat er endlich einen entscheidenden Schritt zusammen mit seinem Mitautor Professor Nico Stehr in einem zumindest für seine Verhältnisse sensationell-kritischen Artikel in der WELT gewagt. Der Titel „Deutschlands Klimapolitik ist chancenlos – weil sie das falsche Ziel verfolgt“ lässt auf den ersten Blick nicht an Deutlichkeit zu wünschen übrig.

Was sagen denn nun diese beiden Professoren Neues und Kritisches? Leider hat der Artikel eine Bezahlschranke, daher hier erst einmal maßgebende Zitate, mehr ist nicht möglich:

Zum CO2 und dessen Klimaeinfluss: Zitat – „Dabei wird der Effekt global gesehen kaum spürbar sein, und eine deutsche Vorbildfunktion ist illusorisch. Dass sich das Klima ändert, ist unvermeidbar“ – Zitatende.

Zur missbräuchlichen Zuordnung von Wetterkatastrophen zum Klimawandel: Zitat – „Stattdessen werden Extremereignisse wie etwa die Flutkatastrophe an der Ahr 2021 als Folge des menschengemachten Klimawandels gedeutet, gegen die nur die Minderung der deutschen Emissionen helfen würde. Unabhängig von der Sinnhaftigkeit, weltweit die Emissionen zu mindern, geht es in diesem Fall vor allem um regionale Anpassungen in direkter Verantwortung der Länder“ – Zitatende.

Zur Senkung der Treibhausgase die Überschrift des Artikels: Zitat – „Deutschlands Klimapolitik ist chancenlos – weil sie das falsche Ziel verfolgt“ – Zitatende.

Zum Klimawandel: Zitat – „Ob der vom Menschen verursachte Klimawandel wirklich reversibel ist, bleibt unsicher. Die IPCC-Berichte, auch der jüngste von 2018, schätzen, dass sich der Klimawandel erst in Hunderten von Jahren umkehren könnte, nachdem die Emissionen vollständig gestoppt wurden. Mit anderen Worten: Der anthropogene Klimawandel ist mindestens viele Generationen lang irreversibel“ – Zitatende.

Was ist zu tun: Zitat – „Die Verletzlichkeit unserer Existenzgrundlagen steigt in dem Maß, in dem die wachsende Weltbevölkerung in Regionen siedelt, die gefährdet sind, in denen wachsende Bevölkerungsgruppen schutzlos marginalisiert werden und aufgrund der politischen Ökonomie Opfer von sogenannten Naturkatastrophen werden. Dramatisch hat sich diese gewachsene Verletzlichkeit gezeigt bei der Ahrflut, die zu einer Katastrophe wurde in einer Region, die trotz historischer Evidenz auf ausreichende Anpassung weitgehend verzichtet hatte“ – Zitatende.

 

Was steht eigentlich im WELT-Artikel, und ist alles in Ordnung?

Ist der Artikel uneingeschränkt ok? Nicht ganz! Warum wird von v. Storch und von Stehr nicht das Ende der CO2-Vermeidung gefordert, eine Aktion, deren volkswirtschaftliche Schädlichkeit ihnen bestens bekannt sein müsste. Die Autoren schreiben nämlich Zitat – „Derzeit wird das vorhandene politische Kapital fast ausschließlich in die Vermeidung nationaler Emissionen investiert. Das ist zweifellos ein förderungswürdiges Unterfangen – aber es ist nur beschränkt wirksam“ – Zitatende.

Mit Verlaub, liebe beiden Autoren, das ist purer Quatsch und wieder das schon bekannte „Herumdrucksen“ und Feigheit vor einer ungeschminkten Wahrheitsaussage. Wenn nämlich etwas beschränkt wirksam ist ( vermutlich ist CO2-Einsparung sogar von vernachlässigbarer Wirksamkeit und angesichts des weltweiten besseren Pflanzenwuchs durch mehr CO2 sogar mit Sicherheit kontraproduktiv ), dann kann man nicht ernsthaft von „förderungswürdig“ sprechen, ohne verlässliche wissenschaftliche Belege in der Hand zu haben. Die gibt es aber bekanntlich heute nicht und wird es auch in naher Zukunft nicht geben. Der sachliche Unsinn der Autoren von „förderungswürdig“ erinnert an den Spruch von Mark Twain „als sie ihr Ziel völlig aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen„, denn eine bessere Beschreibung der derzeitigen Bemühungen der Ampel-Koalition zu Klimaschutz und Energiewende gibt es nicht.

Leider fehlen im WELT-Artikel auch zwei/drei dringend erforderlichen Worte zum unabdingbaren Beenden der Energiewende, die bekanntlich ohne „Klimaschutz“ nicht denkbar ist. Aber ist dann wenigstens der Rest paletti? Auch dies leider nein. Das, was in der WELT nun steht, ist wie oben erwähnt zum Einen nicht vollständig korrekt, und zum Anderen sind die zutreffenden Aussagen längst schon viel früher gemacht worden, daher bekannt und ein alter Hut. Beispiele gefällig? Bitte schön:

  1. Es ist fast täglich in den bereits eingangs erwähnten alternativen Medien und vor allem in EIKE zu finden.
  2. Es steht in einfacheren Worten und verständlicherweise kürzer im Parteiprogramm der AfD. Damit besitzt diese demokratisch gewählte, wie die Pest von den Altparteien gefürchtete und mit unfairen Mitteln bekämpfte Volkspartei ein anzuerkennendes Alleinstellungsmerkmal im Spektrum der großen politischen Parteien Deutschlands. Um Missverständnisse zu vermeiden: EIKE ist politisch strikt neutral. Falls aber eine politische Partei, egal welcher Farbe, mit den Aussagen von EIKE zu Klima und Energie übereinstimmt, dann freuen wir uns darüber und denken gar nicht daran, dies irgend einer Rücksichtnahme wegen unseren Lesern zu verschweigen.
  3. Es ist in vielen ordentlichen Sachbüchern zu finden. Als die beiden ersten Adressen zum Klimathema sind zu nennen die „Unerwünschten Wahrheiten: Was Sie über den Klimawandel wissen sollten“ von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning und zum Zweiten das Sachbuch „Energie und Klima: Chancen, Risiken, Mythen“ von Horst-Joachim Lüdecke, welches gleichgewichtig mit Klima die dazugehörige Energiewende zum Gegenstand hat.
  4. Es wird in der Klimaschau von Sebastian Lüning (hier) darüber berichtet – einer Serie im Wochentakt zu Klima- und Energie-Themen auf hohem wissenschaftlichen Niveau, weil stets auf begutachteten Fachpublikationen basierend.

Zur Energiewende noch nebenbei: hier ist die Anzahl der guten Sachbücher, welche sich nur mit diesem Thema beschäftigen und in aller Regel schonungslos die Fakten dieses bodenlosen, verhängnisvollen Unfugs schildern, einfach zu groß, um Empfehlungen zu geben. Daher, liebe Leser, googeln Sie bitte selber. Sie werden übrigens kaum Bücher finden, die positiv über die Energiewende berichten, einfach deswegen, weil es über diese hirnrissige Aktion nichts Positives zu berichten gibt.

Besser zu spät als nie

Natürlich ist es immer noch verdienstvoll, wenn endlich auch v. Storch und Nico Stehr, zwar unvollständig und viel zu spät, nun auch selber Farbe bekennen, sich im Großen und Ganzen unmissverständlich kritisch äußern und das bestätigen, was bereits an unzähligen anderen Stellen gesagt und veröffentlicht wurde. Beide sind anerkannte Wissenschaftler, und für solche gehört es sich eigentlich, Vorgängerpublikationen und Institutionen mit gleichen Aussagen wie den ihren zu zitieren. Das ist im Artikel der WELT nicht erfolgt. Zur Ehrenrettung der beiden Autoren ist allerdings zu vermuten, dass die Redaktion der WELT aus nachvollziehbaren Gründen damit nicht einverstanden gewesen wäre. Eigentlich ist es in einer funktionierenden Demokratie ein absolutes „no go“, wenn unzählige fachlich ernst zu nehmende Stimmen über eine gefährliche Entwicklung öffentlich nicht nur totgeschwiegen, sondern auch noch allen denkbaren Übeln zugeordnet werden.

Ob den Autoren Hans von Storch und Nico Stehr ihr Artikel in der WELT gut bekommen wird? Wie es gegenwärtig in Deutschland (noch) steht, ist nicht davon auszugehen. Man wird sie als „Klimaleugner“diffamieren und in eine wie auch immer geartete (selbstverständlich rechte) Ecke stellen. Mit den Medieneinladungen wird es wohl auch vorbei sein – es sei denn, das schon erwähnte Phänomen von aus Schiffen fliehenden Nagetieren ergreift jetzt auch mutige Medienvertreter, die sich bisher nur nicht trauten. Dies ist aber bei den heutigen Staatsmedien und den angeblich freien Medien, die sich mehrheitlich in freiwilliger Selbstgleichschaltung üben, kaum so schnell zu erwarten.

Mitleid mit den beiden WELT-Autoren ist nicht angebracht. Warum sollen nicht auch einmal sie zu spüren bekommen, was es bedeutet, die Wahrheit zu sagen, wenn diese politisch höchst unerwünscht, ja anstößig ist. Obwohl das, was im WELT-Artikel steht, den beiden Wissenschaftlern schon ewig lange bekannt ist und sie dennoch bis heute zum „Klimaschutz“-Unfug schwiegen oder herumredeten, dankt ihnen EIKE an dieser Stelle trotzdem für ihren späten Schritt. Es ist immer noch besser zu spät, als niemals.