Bis Greta Thunberg in ihr Leben trat

In ihrem neuen Roman „Über Menschen“ beschreibt Juli Zeh eine Frau, Dora, Mitte dreißig, Werbetexterin, die während der ersten Corona-Phase 2020 vor ihrem zum radikalen und fanatischen Klima- und Corona Schützer mutierten Lebenspartner, Robert, Biologe mit Hochschulabschluss, Online-Journalist, aus Berlin flieht.

Ziel der Flucht vor Roberts öko-grünen Klima- und Corona-Obsessionen aus ihrem bis dato deutlich zufriedenen Berliner Berufs- und Privatleben ist ein fiktives Dorf in der Prignitz. Dort in „Bracken“ versucht sie, sich neu zu finden und zu sortieren. Sie begründet ein auf sich gestelltes Leben, dessen werktätiger Schwerpunkt sich rasch von der kreativen Home-Office-Arbeit als Werbetexterin verlagert, ein jüngst erworbenes, nahezu baufälliges ehemaliges Gutsverwalterhaus samt großem Flurstück herzurichten und zu bewirtschaften.

Die Begegnungen und Erlebnisse am ländlich-dörflichen, radikal fremden und abgeschiedenen Fluchtziel bilden den größten Teil des Romans. Im Zentrum steht die Entwicklung einer überaus sublimen und eindringlich geschilderten Beziehung zum unmittelbaren Nachbarn. Er heißt Gote und stellt sich selber vor: „Ich bin der Dorf-Nazi“.

Statt einer weiteren Aussteigergeschichte erzählt Juli Zeh die höchst aktuelle Geschichte einer Vertreibung, einer von öko-grüner Klima-Hysterie, Katastrophenleidenschaft und Corona-Phobie erzwungenen Stadtflucht in tiefste ländliche Provinz. Doras Berliner

Hinterlassenschaft bleibt durchgängig präsent. Die Einschübe und Rückblicke zu Beruf, Familie, Stadtleben und natürlich zum verlassenen Partner Robert verleihen den ländlichen Ereignissen wie der aus dem neuen Leben geborenen Anschauung der Welt erstaunliche Tiefe, Maßstab und Schwingung. Statt mit den einleitenden Kapiteln zurück gelassen zu werden, tragen sie den gesamten Roman wie eine mal schwach, mal deutlich durchscheinende Grundierung die letzten Farben auf der Oberfläche eines Gemäldes trägt.

Das gilt an vorderster Stelle für Doras „Beziehungsgeschichten“. Indem sie Dora in der „ländlichen Provinz“ auf Männer mit politisch rechter, rechts-radikaler und nazistischer Gesinnung treffen lässt, scheint die Autorin zunächst ein verbreitetes Klischees zu bedienen. Und dass ausgerechnet der unbestrittene Dorf-Nazi als unmittelbarer Nachbar auftritt, macht das Arrangement – zunächst – nicht origineller.

Aber dies ist nur der allererste, zumal oberflächliche Eindruck. Denn tatsächlich verläuft die tiefgründig erzählte Geschichte dieser Nachbarschaft zwischen Dora und Gote äußerst spannungsreich und erhält besonderes Gewicht durch die Frage:

Wie kann es sein, dass eine hoch sensible, kreative, politisch korrekte Frau, die soeben vor krassester Klimaschutz- und Corona-Radikalität in die Einsamkeit geflohen ist, dort in wachsende menschliche Nähe, gar Partnerschaft zum Dorf-Nazi gerät?

Anfangs mag man Schadenfreude empfinden nach dem Motto: „Vereinsamte Städterin tauscht militant-radikalen Klima- und Corona Schützer gegen radikalen Dorf-Nazi“. Aber für solchen Kitsch lässt die Geschichte keinen Raum. Vielmehr führt sie den Leser, ob gewollt oder ungewollt sei dahingestellt, zu einer fundamentalen Frage:

Zur Überwindung der krassen Klima-, Öko- und Corona-Radikalität ihres Partners Robert fand Dora nur das Mittel des Bruchs samt ihrer Flucht in die Einsamkeit. Wie konnte es ihr dagegen gelingen, die Nazi-Radikalität ihres neuen Nachbarn Gote nicht nur zu ertragen, sondern sogar bis hin zu einer fürsorglichen Partnerschaft zu überwinden?

Juli Zeh schildert Doras Leiden an der Wandlung ihres Partners Robert zum so unverständlichen wie unerträglichen öko-grünen Klima- und Corona-Katastrophiker frei von sentimentalem Pathos in eindringlicher und überzeugender Sachlichkeit:

„Dora weiß nicht mehr, wann es angefangen hat. Sie weiß noch, dass sie schon während Roberts Klimaschützerphase manchmal dachte, dass er übertreibt. Wenn er die Politiker als Volltrottel und seine Mitmenschen als selbstsüchtige Ignoranten beschimpfte. Wenn er sich über Doras Fehler bei der Mülltrennung aufregte, als hätte sie ein Verbrechen begangen. Da schien er ihr manchmal übereifrig und unversöhnlich, und sie überlegte, ob er vielleicht an einer Neurose, an einer Art politischem Waschzwang litt, der aus dem nachdenklichen, sanften Menschen einen Besessenen gemacht hat.“ (Juli Zeh, Über Menschen, München 2021)

Bereits dieser kurze Auftakt benennt wesentliche Merkmale Katastrophen-orientierter Radikalisierung:

Die aktuellen Politiker sind Volltrottel, Versager und dem heraufziehenden Unheil nicht gewachsen. Die nicht dem Katastrophenwahn verfallenen Mitmenschen, besonders die nicht mitmarschierenden Lebenspartner sind selbstsüchtig und ignorant. Sie kapieren nicht die den übereifrigen und unversöhnlichen Sehern von Krise und Untergang offenbarten Gebote der Stunde. Indem sie sich den Untergangs-Besessenen entziehen und sich deren massiv übergriffigen Konzepten der Katastrophenabwehr trotzig widersetzen, handeln sie verbrecherisch.

Weiter heißt es in dieser fulminanten Skizze der Erweckungsgeschichte eines öko-grünen Katastrophikers und Untergangssehers:

„Robert wurde politisch aktiv. In der Online-Zeitung, für die er arbeitete, gründete er ein eigenes Ressort für Klimafragen. Außerdem fing er an, sein Leben zu ändern, ernährte sich vegan, kaufte klimafreundliche Klamotten und ging regelmäßig zu den Freitagsdemonstrationen. Dass Dora nicht mitkommen wollte, verstörte ihn. Glaubte sie nicht an den menschengemachten Klimawandel? Sah sie nicht, dass die Welt auf den Untergang zusteuerte? Die Statistiken hielten Einzug in ihre Gespräche. Robert verwies auf Zahlen, Experten und Wissenschaft.“

Dora reagierte als „Repräsentantin der dummen Masse“. Sie sträubte sich. Sie entdeckte und analysierte eine Fülle von Ungereimtheiten und Widersprüchen in den öko-grünen Argumenten zu den Gründen, den Ausmaßen wie den Therapien der drohenden Flut an Katastrophen. Sie versucht Roberts Gemütszustand zu erahnen, wie er hinter jeder Tüte einen Tornado, hinter jeder Glühbirne eine Überschwemmung und hinter jedem SUV einen Bürgerkrieg sehen mochte. Schließlich pflegt sie den Gedanken, dass der Katastrophenwahn die eigentliche Katastrophe sei. So konnte und wollte sie sich partout nicht überzeugen lassen, sie gab sich trotzig:

„Eher eine Art Trotz, ein inneres Ankämpfen gegen die Verhältnisse. Deshalb musste sie Robert irgendwann sagen, dass er aufpassen solle, ab wann es bei seinen Statistiken nicht mehr um ernsthafte Anliegen, sondern ums Rechthaben gehe.“

Aber Robert „saß vor ihr wie eine Instanz, strahlend und selbstsicher. Über jeden Irrtum, jeden Zweifel erhaben. Angehöriger einer Gruppe, die das Mängelwesen Mensch transzendiert hat,…Robert brauchte sich die Sinnfrage nicht mehr zu stellen. Er hatte sogar den Projekte-Kreislauf überwunden, indem er viele kleine zu erreichende Ziele gegen ein vermutlich unerreichbares Großziel eintauschte.“

Um zu retten, was vielleicht noch zu retten war, beschloss Dora, sich Mühe zu geben. Sie verzichtete auf Fleisch. Sie kaufte im Bioladen ein. Robert zuliebe wechselte sie sogar zu einer politisch-korrekten, extremer Nachhaltigkeit verpflichteten Agentur und akzeptierte dort ein geringeres Gehalt.

Doch das alles genügte dem von Katastrophenglauben und Weltrettungsauftrag Besessenen nicht. Dora musste begreifen, dass es in dieser Sphäre von Erweckung, Glauben und Besessenheit nicht um Rationalität geht. Robert folgt Greta Thunberg, wo und wann immer möglich. In ihrem Banne verliert er jegliches Interesse und die Fähigkeit, sich mit Dora zu unterhalten, gemeinsam die Fakten von allen Seiten zu betrachten und alles, was sich als absolute Wahrheit präsentiert, wieder und wieder auf den Prüfstand des tatsächlich und nachvollziehbar Erkannten zu stellen.

Aber es geht nicht um maßvolle und damit praktikable Veränderungen im Alltäglichen. Wer sich sicher ist, über die peinvolle Prüfung durch Attacken von Katastrophen- und Weltuntergangsangst in den Kreis der Berufenen, gar der Erleuchteten gelangt zu sein und in diesem Bewusstsein die heraufziehenden Katastrophen, den nahenden Weltuntergang als Festmahl genießt, lässt sich nicht abspeisen mit dem Linsengericht einer Alltagskorrektur. Er wird fanatisch, er will die Macht, ohne Wenn und Aber.

Das Opfer der Anderen, der Leugner, der Uneinsichtigen ist deren Freiheit. Sie werden missachtet und beiseitegeschoben. Sie haben ihr Recht auf Selbstbestimmung verwirkt. Andersartigkeit und Selbstbestimmung schrumpfen in der höheren Einsicht der Untergangsfanatiker zum unbedeutenden Relikt, bedeutungslos im Kampf um Alles oder Nichts, unbeachtlich im totalitären Kampf um die Rettung der Welt:

„Schließlich begriff Dora, was er wollte, und das konnte sie ihm nicht geben.Er wollte Gefolgschaft. Er wollte ihr Sträuben bezwingen. Er wollte, dass sie einen Treueschwur auf die Apokalypse leistete, und wurde immer wütender auf ihren heimlichen Trotz.“

Damit ist vorgezeichnet, dass die 2020 aufkommende Corona-Epidemie wie ein Brandbeschleuniger Roberts Katastrophenwahn und Weltrettungsfanatismus endgültig zum Lodern bringen musste. Die allgemeine Panik verschaffte Robert Genugtuung, sein Untergangswahn mutierte zur bereitwillig aufgenommenen Berufung:

„Endlich hat das Warten ein Ende, die Katastrophe ist da. Das Schiff ist leck geschlagen, endlich kann man etwas tun. Alles hört auf ein Kommando, jeder Zweifel wird zur Meuterei. Endlich denken alle dasselbe. Endlich reden alle über dasselbe. Endlich gibt es verbindliche Regeln für eine außer Kontrolle geratene Welt. Endlich geht die verdammte Globalisierung in die Knie…“ 

Robert stürzt sich fanatisch in das Endzeitspiel, „The Walking Dead in Berlin“, er unterwirft Dora einem über die staatlichen Regeln hinausreichenden völligen Lockdown. Damit erzwingt er den endgültigen Showdown:

„Sie fragte noch einmal nach, ob er tatsächlich gerade versuche, ihr das Verlassen der Wohnung zu verbieten. Robert dachte kurz nach, er lachte sogar verlegen. Dann nickte er… Das war der Augenblick, in dem sich in Doras Kopf ein Schalter umlegte. Sie schaute das schwarze Display an und dann Robert, der immer noch vor ihr stand. Sie glaubte, diesen Mann nicht mehr zu kennen. Es gab drei Möglichkeiten: Entweder war sie in einen absurden Film geraten, in dem sie eine Rolle spielen musste, ohne das Drehbuch gelesen zu haben. Oder Robert war verrückt geworden. Oder sie selbst. Dora wollte nichts davon. Sie wollte nur noch weg. Ihr Gehirn kam bei dem, was gerade passierte, nicht mehr mit. Sie spürte keinen Schmerz. Nur Verstörung und einen überwältigenden Fluchtreflex. Sie sagte Robert, dass sie eine Weile woanders leben werde, und packte ihre Sachen.“

In dieser Gemütsverfassung begegnet Dora am Fluchtziel, in Bracken dem mit Robert völlig unvergleichbaren Gote; unvergleichbar bis auf einen Wesenskern: Beiden Männern eignet enorme Radikalität.

Dora begegnet ihrem Nachbarn Gote erstmals an der Trennmauer auf der Grundstücksgrenze. Sie sieht nur seinen Kopf mit sauber rasiertem rundem Schädel, der „glänzt wie eine Bowlingkugel“, Tränensäcken, verwaschenem Blick und Bartstoppeln. Sie schätzt sein Alter auf Mitte vierzig, also etwa zehn Jahre älter als sie selber.

Die Begegnung verläuft außerhalb von Norm und Gepflogenheit. Gote ranzt die neue Nachbarin unvermittelt an, weil deren kleiner Hund in seinem Kartoffelbeet gebuddelt hat, klassifiziert den Hund als „total hässlich“ und wirft ihn bedenkenlos über die Mauer zurück auf Doras Grundstück. Anschließend kommt es noch zur eindrucksvollen Selbstvorstellung mit Handreichung und Bekanntgabe: „Gote, ich bin der Dorf-Nazi“.

Abgesehen von der Gote eigenen durchgängigen Unerzogenheit, Ruppigkeit und seinen oft allzu flotten, beleidigenden Sprüchen erfährt der Leser wenig über die praktische Bedeutung dieser nazistischen Grundhaltung. Einmal singt Gote mit drei weiteren Dorfnachbarn im Bierrausch das Horst-Wessel-Lied. Ein anderes Mal beschimpft er, ebenfalls betrunken, einen homosexuellen Dorfnachbarn als Arschficker und Schwanzlutscher.

Die damit nur grob umrissene Ausgangslage zur Nachbarschaft von Dora und Gote ist nicht dazu angetan, beim Leser die Entwicklung einer engeren Beziehung zwischen den so unterschiedlichen und einander wesensmäßig fremden Nachbar zu erwarten. Aber anders als gegenüber Robert behält Dora gegenüber Gote die Nerven, bekämpft wieder und wieder erfolgreich die aus Gotes Ruppigkeiten, Übergriffen und radikalen Parolen genährten Zweifel, gibt sich und ihrem Nachbarn Zeit und vertraut darauf, dass es ihr erspart, bleiben wird, nach Berlin nun auch in Bracken den Stecker zu ziehen, vor Radikalität zu fliehen. Und die Geduld, gepaart mit großzügiger Anpassungsbereitschaft bei Verteidigung der eigenen inneren Freiheit zahlen sich im Laufe der Geschichte mehr und mehr aus. Dora und Gote werden gewiss kein Liebespaar, aber sie werden ein Paar. Ein Paar das sich gegenseitig unterstützt, hilft und auf einer schwer zu fassenden Ebene „paarhaft“ derart miteinander kommuniziert, dass sich Vertrautheit und wechselseitiges Vermissen bei Abwesenheit des jeweils anderen einstellen. Fast überflüssig zu sagen, dass die besondere Beziehung zu Gote die verbindenden Erinnerungen an Robert mehr und mehr verdrängt.

Es mag dem geneigten Leser überlassen bleiben, mithilfe eigener Lektüre dieses eindrucksvollen Romans „Über Menschen“ von Juli Zeh zu entscheiden, ob er wie der Autor dieser Anmerkungen über die Hürde springen mag zu sagen:

Doras Beispiel ist plausibel. Mit einer gehörigen Portion an Kraft, Toleranz und Menschlichkeit mag es eher möglich sein, sich als Mitmensch an die Seite eines Menschen rechter Gesinnung als an die Seite eines totalitären Katastrophikers zu stellen.




Umweltgruppen: NABU bekommt Konkurrenz*

Nachdem der neue Präsident des Naturschutzbunds Deutschland (NABU), Jörg-Andreas Krüger, Ende letzten Jahres mit den Grünen sein neues Strategiepapier zur „Beschleunigung eines naturverträglichen Ausbaus der Windenergie“ ausgehandelt hatte, erfolgte von offizieller Seite die schärfste Kritik an der Neuausrichtung des NABU von dessen Konkurrenz.

Harry Neumann, Vorsitzender der Naturschutzinitiative e.V. (NI) mit Sitz in Quirnbach (Westerwald) stellte klar, dass Windenergie grundsätzlich nicht naturverträglich ausgebaut werden könne, schon gar nicht in den Dimensionen, auf welche die politischen Ziele im Rahmen der Energiewende mittlerweile hinauslaufen. Das Papier sei alles andere als eine Grundlage für den vorgeblich geschlossenen „Frieden“ der Windkraftindustrie mit der Natur, sondern belege eher den Abschied des einstigen Vogelschutzverbandes vom Natur- und Artenschutz. Nach dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“ werde die Umwandlung von Landschaften und Wäldern in Energie-Industriegebiete gerechtfertigt.

Krügers Strategiepapier mit Grünen

Als grobe Irreführung bezeichnete Neumann die Abmachung, dass zwei Prozent der Landesfläche als Vorrangflächen für Windparks genügen würden. Da die Politik die Windenergie „als tragende Säule der Energiewende“ propagiere und im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes in der aktuellen Fassung die Forderung der Windlobby nach einer Vervielfachung der Windkraft an Land und Offshore unterstütze, stünden im Hintergrund die sogenannte Nationale Wasserstoffstrategie, Elektromobilität und Power-to-X (Speichertechnologie).

Naturschützern, die mit der offenbar ins Ungewisse führenden Strategie des NABU-Vorstands hadern, bietet sich die Naturschutzinitiative als Alternative an. Vorgänger des 2016 gegründeten Vereins war die „Naturschutzinitiative Westerwald“. Mit ihrer Satzung hat die Naturschutzinitiative sichergestellt, dass ihre Arbeit dauerhaft in Unabhängigkeit von Politik, Industrie und Lobbyverbänden betrieben wird. Noch ist der neue Naturschutzverein vornehmlich in Rheinland-Pfalz, dem angrenzenden Hessen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Baden-Württemberg tätig. Man freue sich aber auch über Fördermitglieder aus den Bundesländern, die derzeit noch nicht betreut werden, heißt es.

Kritik von innen wie außen

Der aktuelle Vorsitzende hatte 2014 seinen Posten als Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Rheinland-Pfalz wegen interner Konflikte beim Thema Windkraft und Naturschutz aufgegeben. 2016 trat er endgültig aus dem BUND aus und begründete dies unter anderem mit dessen enger Verflechtung mit der Landespolitik und der Windkraftindustrie. Die Klimawende sei zum Maß aller Dinge erklärt und der Naturschutz verhandelbar geworden. Die große Bedeutung der Biodiversität für den Natur- und Klimaschutz sowie die Folgen der industriellen Eingriffe durch die Windenergie-Strategie für die biologische Vielfalt würden demgegenüber ausgeblendet.

Gegenwärtig wird der NABU von massiven internen Protesten und Mitgliederaustritten wegen des Alleingangs seines neuen Präsidenten geschüttelt, ohne dass jedoch Rücktritte auf höchster Ebene bekannt geworden seien. Dabei dürfte eigentlich niemand von dem weitreichenden Zugeständnis des NABU an die Grünen und die Windbranche überrascht gewesen sein, hatten doch die NRW-Landesverbände von BUND, NABU und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) zusammen mit dem Bundesverband Windenergie (BWE) bereits 2015 eine Erklärung formuliert, die dem damaligen grünen NRW-Landesumweltminister Johannes Remmel am 26. Juni im Düsseldorfer Landtag überreicht wurde.

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„Wenn aber der Kontrolleur gemeinsame Sache mit dem zu Kontrollierenden macht, wo bleibt dann die Kontrolle?“, fragte seinerzeit zweifelnd das Online-Magazin „eifelon“. Ende Januar dieses Jahres nun kritisierte Naderer den Alleingang Krügers scharf und distanzierte sich im Namen des drittgrößten NABU-Landesverbands Nordrhein-Westfalen förmlich.

Mit einem klaren Bekenntnis zum unverhandelbaren Schutz der heimischen Wälder, von Natura-2000-Gebieten, Landschaftsschutzgebieten und Naturparks positioniert sich demgegenüber die Naturschutzinitiative. Man werde nicht tatenlos zusehen, wie die Natur als Lebensgrundlage sowie zunehmend auch der Rechtsstaat und die Naturschutzgesetze unter die Räder kommen.

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)*  Anmerkung der EIKE-Redaktion :

https://www.preussische-allgemeine.de/ ; Hervorhebungen im Text: EIKE-Redaktion.

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Nordsee: Meeres-Anstieg schwächt sich ab

Zunächst : 

Der Meeresspiegel steigt seit dem Ende der letzten Eiszeit, und hat sich seither im Gesamt-Trend immer mehr verlangsamt :

Abb. 1

Im Detail ist das allerdings etwas differenzierter,  d e n n  – es hat in den Jahrtausenden und auch in Jahrhunderten nach der Eiszeit immer wieder Beschleunigungen und Abschwächungen gegeben, ja – mehr noch – die dominierende Transgression wurde immer mal wieder durch Regressionen unterbrochen. Darüber hat Karl-Ernst Behre vom Küstenforschungs-Institut NIHK in Wilhelmshaven ein ganzes Buch geschrieben [2]. Daraus diese Graphiken:

 

Abb. 2

Die in Abb.2 nachgewiesene starke Dünkirchen-II-Transgression in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung (n.Chr.) von mehr als 1,5 Metern führte übrigens maßgeblich mit dazu, daß der in der Wesermarsch ansässige Volksstamm der Chauken („Altsachsen“) abwanderte :

Abb. 3

Welch ein Glück – von derartigen Anstiegsraten des Meeres sind wir heute weit entfernt! (=> Abb. 4-6).

An der Deutschen Nordseeküste gibt es zwei sehr alte Pegel-Meßstellen mit säkularen Meßreihen: Norderney seit 1890 und Cuxhaven sogar seit 1843. Das sind auch im globalen Maßstab außergewöhnlich lange Zeitreihen. Um so interessanter ist es, sich die Trends diesen Reihen in den Abbildungen 4-6 an zu schauen:

Abb. 4

Abb. 5

Die Ergebnisse sind eindeutig, und die Polynome zeigen es signifikant :

Der Meeres-Anstieg an der Nordsee schwächt sich aktuell in einem säkularen Zeitraum ab !

Mit Pegelauswertungen an der Nordsee hat sich schon vor einigen Jahren auch eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Siegen beschäftigt, mit diesem Ergebnis [3]:

„Mit seiner ausgezeichneten Dissertation im Rücken erhielt Dr. Thomas Wahl vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein Stipendium für einen Forschungsaufenthalt am College of Marine Science, University of South Florida.  Die Ergebnisse [4] – von Siegen aus koordiniert – lassen einerseits aufatmen, geben andererseits aber keine Grundlage für gänzliche Entwarnung. Jensen: „Es gibt ein relativ konstantes Anstiegsverhalten des Mittleren Meeresspiegels seit Beginn des 20. Jahrhunderts, aber keinen außergewöhnlichen Anstieg in den letzten Jahrzehnten, den wir direkt dem Klimawandel zuschreiben könnten. “Die globalen Werte passten auch zur Nordsee, es gebe aber regionale Besonderheiten. Jensen: „Diese Ergebnisse geben uns eine gewisse Planungssicherheit für den Küstenschutz im Allgemeinen.“

Auch beim Wissenschafts-Konsortium REKLIM findet man eine entsprechende Graphik [5], hier ergänzt durch Kommentierungen verschiedener Behörden :

Abb. 6

Der Vollständigkeit halber sei noch das erwähnt: Auch an den Ostsee-Pegeln gibt es keine Beschleunigung des Meeres-Anstieges (=> Abb.7). Die mittleren Jahresanstiege liegen an der Ostsee mit  

Abb. 7

Und nun DAS,  von dem immerhin renommierten HELMHOLTZ-Zentrum [6] :

„In den letzten 100 Jahren ist der Meeresspiegel in Cuxhaven durchschnittlich um etwa 18 cm angestiegen. In den letzten 50 Jahren ist der Meeresspiegel in Cuxhaven durchschnittlich um etwa 15 cm angestiegen. … Das 19 jährige Mittel des Meeresspiegels in Cuxhaven (2002-2020) zählt zu den höchsten 5% seit Messbeginn.“  D a z u   wird diese Graphik publiziert :

 

Abb. 8

Nun ist in der mathematischen Statistik bekannt: Jede Meßreihe – ob im Labor oder in der Natur – weist Streuungen auf. Diese können größer oder kleiner sein, und werden als „statistisches Rauschen“ bezeichnet. Daraus folgt: Je länger eine Meßreihe ist, und um so geringer das „Rauschen“ ist, um so signifikanter sind die dort hinein gelegten Regressionen und Polynome. Aber selbstverständlich gilt auch die Umkehrung: So zeigen die Pegelmessungen schon von Jahr zu Jahr erhebliche Schwankungen. Folglich bedarf es langer Zeitreihen, um signifikante Trends zu beweisen. Derartige signifikante Polynome sind in die langen(!) Zeitreihen der Abbildungen 4-6 eingefügt. Nun sucht sich das HELMHOLTZ-ZENTRUM [6] kurze(!) „ausgewählten Zeiträume“ von nur 50 bzw. 19(!) Jahren aus einer 180-jährigen Reihe, um der Nordsee eine Meeres-Anstiegs-Dramatik ab zu gewinnen. Wird dazu eine statistische Signifikanz-Analyse vorgelegt ?  NEIN, Fehlanzeige !

Eine derartige an Suggestion grenzende Aussage zu einer ausgewählten/ausgesuchten kurzen Daten-Reihe ist eines renommierten Instituts wie des Helmholtz-Zentrums unwürdig. Und: Eine derartige kurze(!) Daten-Auswahl ist insignifikant. Das grenzt an Irreführung und Manipulation. d e n n – wenn man derartig vorgeht, dann kann man aus dieser 180-jährigen Reihe beliebig andere Zeiträume heraus suchen, die das genaue Gegenteil der Helmholtz-Aussagen zeigen, und die genau so insignifikant sind. Dazu muß man nicht allzu weit zurück gehen, sondern nur den der HELMHOLTZ-Auswahl unmittelbar voraus gehenden Zeitraum von 1968 (Pegel 520 cm) bis 1996 (Pegel 498 cm) betrachten: Der Meeresspiegel ist in diesen 28 Jahren um 22 cm ab gesunken ! Statistischer Unfug! Das Eine wie das Andere!

WARUM machen die DAS ? WARUM machen die wohl  SO WAS ?

F a z i t :

Die vieljährigen Pegel-Meß-Reihen von Cuxhaven (180 Jahre) und Norderney (130 Jahre) zeigen eine signifikante Abschwächung des Meeres-Anstieges (=> Abb.4-6). Von irgend einem „CO2-Klima-Trend“ keine Spur, eher das Gegenteil. Und nun suggeriert das HELMHOLTZ-Zentrum mit willkürlich ausgewählten sehr kurzen Zeiträumen von 19 bzw. 50 Jahren einen beschleunigten Anstieg, ohne jegliche Signifikanz-Analyse. Das ist eines solchen renommierten Instituts unwürdig.

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Q u e l l e n :

[1]  https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Aktueller_Meeresspiegelanstieg

[2]  K.-E. BEHRE, Eine neue Meeresspiegelkurve für die südliche Nordsee, Isensee-Verlag (2003).

[3]  https://www.uni-siegen.de/start/news/forschung/536040.html

(2) Wahl, T., Jensen J., Frank, T. and Haigh, I.D. ; (2011) Improved escmates of mean sea level changes in the German Bight over the last 166 years, Volume 61, Number 5, 701-705.

[5]  REKLIM, Unser Klima (2011), S.9, Abb. 2.4, Polynom ergänzt.

[6]  https://www.meeresspiegel-monitor.de/  und    https://meeresspiegel-monitor.de/cuxhaven/sla/index.php.de

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A n m e r k u n g :  Der vorstehende Beitrag in etwas besserer Abb.-Qualität als PDF  h i e r :

Puls.MSp.2021.Tx.kpl.(X)




Mutation sozialistischer Ideen*

Es steht ausser Frage, dass die Folgen der staatlich verfügten Einschränkungen massiver, tiefgreifender und gefährlicher sind als die Bedrohung durch das Coronavirus. Für mich ist das der entscheidende Punkt. Das ist politisch höchst inkorrekt, und viele Corona-Apokalyptiker dürften meine Ansicht als Desinformation bezeichnen.

In meinem Buch «Quarantäne», das im April 2020 erschien, schrieb ich, dass mir die Leute, die unter Verweis auf die Pandemie Freiheit und Demokratie einschränken wollen, mehr Angst machen als das Virus selbst. Ich habe gewarnt, «dass die Auswirkungen der politisch verordneten Therapie schlimmer sein werden als die Auswirkungen der Krankheit». Ich gab auch meiner Befürchtung Ausdruck, dass die «Pandemie Tür und Tor öffnen wird für immer mehr staatliche Eingriffe in unser Leben».

Heute, zwölf Monate nach dem Auftreten der ersten Fälle von Covid-19 in Europa und zehn Monate nach dem Erscheinen meines Büchleins, haben wir mehr Daten, mehr Hypothesen und Theorien und auch mehr Erfahrungen, aber ich wüsste nicht, warum ich an meinem damaligen Kommentar etwas ändern sollte.

Absolut unmoralisch

Wir erfahren eine brutale Unterdrückung der Demokratie, wie wir es seit dem Untergang des Kommunismus in Europa nicht mehr erlebt haben. Die angeordneten Einschränkungen, Quarantänebestimmungen und Lockdowns haben das Coronavirus nicht besiegen können, aber die Kollateralschäden gefährden die Grundlagen unserer freiheitlichen Gesellschaft in dramatischer Weise.

Ich unterschätze keineswegs den hohen Blutzoll der Pandemie in unseren Ländern und will ihn auch nicht kleinreden, aber ich bin nicht bereit, das eigentümliche und befremdliche Schweigen über die Kehrseite zu akzeptieren – die gravierenden Kosten, die sich in der Verschlechterung unser aller Leben offenbaren, die enormen wirtschaftlichen Kosten, die Auswirkungen auf die staatlichen Finanzen, auf den Bildungssektor, auf unser aller seelische Gesundheit, ganz zu schweigen von der sich verschlechternden Verfassung unserer politischen, sozialen und ökonomischen Systeme.

Ich gehöre nicht zu denen, die die Kosten eines Menschenlebens technokratisch messen und beziffern, aber ich widerspreche ganz entschieden all jenen, die nicht sehen wollen und nicht akzeptieren, dass es zwischen divergierenden Zielen der menschlichen Gesellschaft einen schwierigen Konflikt gibt. Es ist kein Zeichen einer moralischen Haltung, wenn man sagt, dass es solche Konflikte nicht gibt. Diese Konflikte zu leugnen, ist absolut unmoralisch. Sie zu verschweigen, ist viel schlimmer, als sie explizit zu thematisieren, und daher sollten auch wir offen darüber sprechen.

Ich möchte betonen, dass ich, was den Ursprung der Corona-Pandemie angeht, kein Anhänger von Verschwörungstheorien bin, obwohl ich verstehe, wie sie aufkommen konnten – die Art und Weise, wie die Pandemie von staatlicher Seite kommuniziert wurde, war offensichtlich nicht überzeugend. Aber Verschwörungstheorien leugnen das komplexe Verhältnis zwischen sozialen Phänomenen, die von den Sozialwissenschaften seit Jahrhunderten erforscht werden.

Pseudofortschrittliche Konstrukte

Ich sehe die Covid-Pandemie und die damit einhergehenden politischen, ökonomischen und sozialen Kosten als Zusammenspiel von zerstörerischen Ideen und Ideologien mit starken politischen und unternehmerischen Interessen. Ihre Propagandisten wollen die Freiheit von Menschen und Märkten schwächen, die in modernen Gesellschaften die Lebensqualität garantiert. Dieses Zusammenspiel ist so stark, dass es eine Lawine auslösen könnte, die unsere fragilen Gesellschaften ernsthaft bedroht.

Ihr Erfolg wird ermöglicht durch die Angst der schweigenden Mehrheit und die radikalen Ambitionen der politischen Linken. Die Neue Linke ist das Produkt einer Mutation sozialistischer Ideen. Dieses verbindet neue pseudofortschrittliche Theorien einer aggressiven Umweltbewegung, einer brachialen Genderpolitik, einer unerbittlichen Klimahysterie und eines utopischen Egalitarismus.

Covid-19 bot diesen gefährlichen Progressiven neue Möglichkeiten. In einem kleinen Büchlein, das im Oktober 2020 erschien, stellte ich die Frage: Ist Covid-19 nur eine Krankheit oder eher ein Instrument zur radikalen Transformation der menschlichen Gesellschaft? Ich fürchte, Letzteres trifft zu. Die radikale Transformation der Gesellschaft ist nicht das Ergebnis von Covid-19, sondern des Covidismus.

Wir müssen den Covidismus bekämpfen und anfangen, rational und mutig zu agieren. Quarantäne, Lockdowns und andere untaugliche Einschränkungen zu fordern, sollte nicht als Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein und Mitgefühl gesehen werden. Es ist allzu oft nur billiger Opportunismus, wenn nicht gar Feigheit. Die schweigende Mehrheit sollte ihre Stimme erheben – je früher, desto besser.

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Václav Klaus war Staats-, Minister- und Parlamentspräsident der Tschechischen Republik. Aus dem Englischen von Matthias Fienbork.

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)*  Anmerkung der EIKE-Redaktion  :

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in der WELTWOCHE Zürich : | Die Weltwoche, Nr. 7 (2021)| 17. Februar 2021 ; EIKE dankt der Redaktion der WELTWOCHE und dem Autor Vaclav Klaus  für die Gestattung der ungekürzten Übernahme des Beitrages, wie schon bei früheren Beiträgen :  http://www.weltwoche.ch/ ; Hervorhebungen und Markierungen v.d. EIKE-Redaktion.

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Zum gleichen Thema ist jüngst in der WELTWOCHE und dann bei EIKE dieser Aufsatz erschienen: https://www.eike-klima-energie.eu/2021/02/08/corona-ist-das-klima-trainingslager/

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Naturschutz : Basis gegen den Coup der Lobbyisten*

Im November 2019 rückte Jörg-Andreas Krüger (52) als Nachfolger von Olaf Tschimpke (63) an die Spitze des Naturschutzbunds Deutschland (NABU). Krüger, zuvor Mitglied der Geschäftsleitung des WWF, nahm alsbald Kontakt zur Partei- und Fraktionsspitze der Grünen in Berlin auf.

Monatelang verhandelte ein kleiner Kreis um den neuen Präsidenten mit Grünen-Parteichef Robert Habeck und dem Vize-Chef der Grünen-Bundestagsfraktion Oliver Krischer über ein abgestimmtes Strategiepapier zum schnelleren Ausbau der Windenergie. Anfang Dezember 2020 meldete die „Süddeutsche Zeitung“ den ausgehandelten Schulterschluss zwischen der einflussreichen Umweltschutzorganisation und den Grünen. Deren erklärtes Ziel ist 100 Prozent „Ökostrom“ bis 2030.

Schulterschluss für Ökostrom

In einem vierseitigen Positionspapier „zur Beschleunigung eines naturverträglichen Ausbaus der Windenergie“ erläutern die Vertragspartner ihre Vorstellungen von einem „besseren Klimaschutz“ im Einklang mit dem Naturschutz. Dass fast nichts an diesen Plänen „Öko“ ist, empört zahllose NABU-Aktive im ganzen Land.

Auf seiner Internetseite wirbt der NABU visuell für eine zukünftige Normalität in den ländlichen Gegenden, wie sie den tonangebenden Parteifunktionären vorschwebt. Ein Foto zeigt eine von Hecken umsäumte Agrarlandschaft mit einem angrenzenden Windpark. 16 Windräder ragen hoch in den blauen Himmel auf. Die Atmosphäre ist friedlich. Bilder wie dieses können jedoch die tiefe Spaltung auf allen Ebenen des NABU mit seinen über 800.000 Mitgliedern nicht kaschieren.

Mit seinem Coup hat Krüger den Naturschutzverband ohne Rücksprache mit der Basis und ohne formellen Beschluss auf einen Kurs umgesteuert, der eine Zerreißprobe nach sich ziehen könnte. Mit den Grünen und der Energiewirtschaft fordert jetzt auch der NABU, zwei Prozent der Landfläche Deutschlands für den Bau von Windparks freizugeben. De facto liefe dies auf eine Verdopplung der jetzt schon mit Windkraftanlagen besetzten Fläche hinaus.

Da der Platz für neue Windräder immer knapper wird, kann ein Zubau von weiteren Anlagen auch in bereits belasteten Regionen ermöglicht werden, sofern diese als „Vorranggebiete“ ausgewiesen sind. Nach dem Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ sollen Bundesländer, die ihre Ziele übererfüllen, finanziell belohnt werden. Wer sie nicht erreicht, muss einen Ausgleich schaffen.

NABU droht Zerreißprobe

In dem Papier finden sich weitere Vorschläge, die auf eine erhebliche Stärkung der Windkraftinvestoren abzielen. Der stärkste Tabubruch aus Sicht der Kritiker: Lange Planungs- und Genehmigungsverfahren mit Rechtsstreitigkeiten aufgrund von Belangen des Artenschutzes könnten in Zukunft verhindert werden, wenn für die Interessen der Windenergiewirtschaft der Ausnahmegrund der „öffentlichen Sicherheit“ angewendet wird.

Damit plädieren Grüne und NABU für die Erteilung artenschutzrechtlicher Ausnahmen vom Tötungsverbot. Nur Gegenden, in denen besonders viele windenergiesensible Vogelarten heimisch sind, sollen zu Ausschlussgebieten erklärt werden. Übrig bleibt von der behaupteten Aufwertung der Naturschutzbelange in dem Strategiepapier einzig der Ausschluss von weiteren Windparks in nicht dafür ausgewiesenen Flächen.

Bislang war der NABU eine der letzten großen Naturschutzorganisationen, die bei den zahllosen lokalen Konflikten wegen geplanter Windparks noch den Vogel- und Artenschutz ins Feld führte. Kein anderer Umweltverband klagte so häufig gegen die Windindustrie. Unterschätzt wurde von der NABU-Leitung der Widerstand von Tausenden mit Herzblut engagierten Mitgliedern vor Ort, aber auch von einigen Vorsitzenden einflussreicher Landesverbände. Nicht alle wollen namentlich zitiert werden.

Protest medial wenig beachtet

Von einem Kampf gegen den Vogelschutz ist die Rede. Statt ein Stoppschild gegen den Ausverkauf der Natur aufzurichten, der in den ländlichen Gegenden seit Jahren läuft, gebe nun nach Maßgabe der Bundesspitze auch der letzte Anwalt der Umwelt grünes Licht für immer mehr Windräder in den Gemeinden und weitere Rodungen in den Wäldern. Man werde sich „bis zum letzten Hemd gegen diese Nummer wehren“. Bezeichnenderweise wurde den Stimmen zorniger Aktiver gegen ein aus dem Ruder gelaufenes Verständnis von Klimaschutz lediglich von dem wenig bekannten Online-Magazin Riffreporter/Flugbegleiter Gehör verschafft, einer Genossenschaft von freien Journalisten.

Lob erntete die neue NABU dagegen vom Bundesverband Windenergie. Die Branche kann nun mit Rückendeckung des NABU gegen dessen eigene Mitglieder vorgehen, wenn sich diese mit Bürgerinitiativen vehement gegen Windparkprojekte in ihrer Region wehren.

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)*  Anmerkung der EIKE-Redaktion :

Dieser Aufsatz ist zuerst erschienen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung;  19. Februar 2021, S.4; EIKE dankt der PAZ-Redaktion sowie der Autorin Dagmar Jestrzemski für die Gestattung der ungekürzten Übernahme, wie schon bei früheren Artikeln :   https://www.preussische-allgemeine.de/ ; Hervorhebungen im Text: EIKE-Redaktion.

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