Klima-Zwickmühle in Polen

Prof. Richard Lindzen drückte es am 8. Oktober 2018 auf einem Vortrag bei der GWPF so aus: „Da also haben wir es! Eine implausible Vermutung, gestützt von falschen, aber ständig wiederholten Beweisen, wurde zur politisch korrekten ,Wahrheit‘ und wird herangezogen, um die industrielle Zivilisation zu stürzen“ (hier).

Die Konferenz der Parteien des UNFCCC – COP24 – wird diesem Ziel demnächst in Katowice in Polen erneut frönen. Tausende Delegierte und Aktivisten werden zu diesem jährlichen Ritual einfliegen. Die Kontrolle des menschlichen Einflusses auf das Klima des Planeten bleibt für sie das dringendste Anliegen unserer Zeit – und sei es auch noch so abwegig.

Man erwarte also einen Hauch von Millenarismus* in der oberschlesischen Luft, eine Verpflichtung, die Gesellschaft in ein nachhaltiges Utopia zu transformieren. Ein UN-Klima-Bürokrat drückte es Anfang 2015 so aus: „Wir geben uns selbst die Aufgabe, innerhalb einer festgelegten zeitlichen Periode, absichtlich das Modell der ökonomischen Entwicklung zu verändern, welches seit den letzten 150 Jahren vorherrschend war“.

[*Man schaue hier bei Wikipedia, was das ist – sehr treffender Ausdruck! Anm. d. Übers.]

Aber jetzt gibt es ein großes Dilemma, eine Klima-Zwickmühle [climate catch-22*]. In dem Roman von Joseph Heller aus dem Jahr 1961 sagte es der der B25-Bomberpilot John Yossarian so:

Es gab nur einen Catch, und das war Catch-22 … Er wäre dumm, noch weitere Missionen zu fliegen, und geisteskrank, wenn man es nicht tut; aber wenn man geistig gesund ist, müsste man sie fliegen (J Heller, Catch-22, 1961, p. 56, ch. 5) video.

[*Catch-22: noch einmal zu Wikipedia hier. Anm. d. Übers.]

Eine Klima-Zwickmühle ist ein ähnliches Dilemma. Es tauchte jüngst auf, zusammen mit der Erkenntnis, dass es finanziell unmöglich und technisch undurchführbar ist, einen vermeintlich gefährlichen anthropogenen Klimawandel oder globale Erwärmung zu verhindern. Es ist also etwas darin enthalten, was Lindzen als „unergründliche Dummheit“ bezeichnet, nämlich jedweder Versuch, ein atmosphärisches Phänomen zu modifizieren oder zu beseitigen.

Nach einer solchen Erleuchtung könnte man denken, dass eine Agentur dumm wäre, weitere Konferenzen abzuhalten, aber geistig gesund, wenn sie das katastrophistische Spiel aufgeben würde. Man mache sich klar: Eine Zwickmühle steht nicht auf der Agenda von COP24.

Man betrachte das erste Hindernis: die Finanzen. Man sagt uns, dass sehr viel Geld in den Green Climate Fund (GCF) der UN fließen müsse, und zwar dringlich – mindestens 100 Milliarden Dollar jährlich ab dem Jahr 2020.

Tatsächlich hat UN-Generalsekretär António Guterres vor einigen Wochen ein Ultimatum gesetzt. Er warnte am 30. September vor der „Bedrohung eines Runaway-Klimawandels“ – was immer das sein soll – bis zum Jahr 2020, falls nichts getan wird.

Irgendwer hat entschieden – nicht angeordnet – dass das Schreckgespenst unserer Tage sich „offenbar schneller bewegt als wir selbst“ – oder zumindest schneller als Dollars der entwickelten Ökonomien in den GCF fließen.

Falls wir unseren Kurs bis zum Jahr 2020 nicht ändern, riskieren wir, den Punkt zu überschreiten, an welchem wir noch einen Runaway-Klimawandel verhindern können, mit katastrophalen Folgen für die Menschen und alle natürlichen Systeme, die uns erhalten … wir rasen auf den Rand des Abgrunds zu. Noch ist es nicht zu spät für eine Kursänderung. Aber jeder Tag, der vergeht bedeutet, dass die Welt sich ein wenig mehr aufheizt und dass die Kosten unserer Inaktivität steigen.

Irgendwer muss auch die vielen Tausend bezahlen, die in diese Zeit- und Geldverschwendung involviert sind, einschließlich all jener, die kreative Wege der Bezahlung entwickeln. Im vagen Jargon des UN-Klimasprech‘ ist der Begriff „Rebadging“-Projekt [etwa: Umgestaltungs-Projekt] populär. Darunter kann man fast alles verstehen: vom Auswechseln von Kochherden in Bangladesh bis zum Sponsoring „gendergerechter“ Trinkwasser-Unternehmungen in Äthiopien.

Man stelle sicher, dass man einen „Klima-sicheren“ Ansatz in seinem Finanzierungsantrag geltend macht. Man sei auch optimistisch. Wie thematisch weit entfernt von seinem Projekt die atmosphärische Turbulenz auch sein mag, ob es nun anthropogener Natur ist oder einfach ein Zufalls-Akt irgendeiner Gottheit – man hat dann immer eine Chance auf Genehmigung.

Und wer könnte leugnen, dass eine wachsende Anzahl der „ärmsten und verundbarsten Menschen“ in der Welt schon jetzt hässliche Klima-Auswirkungen verspüren? Oder dass sie dringend Hilfe brauchen, um gegen „dieses Problem anzugehen, das sie nicht verursacht“ haben?

Warum also all das Theater, wenn die Lösung so einfach ist? Um das globale atmosphärische Gleichgewicht wieder herzustellen und den Entwicklungsländern eine stärkere „Klima-Widerstandsfähigkeit“ zu verpassen, ist alles, was die entwickelte Welt tun muss, eine guten Anteil von „Klima-Reparationen“ in den GCF einzuzahlen und den Elefanten im Porzellanladen zu ignorieren.

Jetzt betrachte man das zweite Hindernis. Billige, auf fossilen Treibstoffen beruhende Energie – ein entscheidender Faktor des heutigen Wohlstands – soll dem IPCC zufolge durch Erneuerbare ersetzt werden – innerhalb eines Jahrzehnts! Mehr dazu weiter unten.

Anfang Dezember kann man in Katowice wettermäßig tägliche Temperaturen zwischen 0°C und 10°C sowie gelegentlich Regen, vielleicht auch mal Schnee erwarten. Im Sitzungssaal wird es natürlich wärmer sein, vermutlich konsistent mit einem Runaway-Klimawandel.

Das Entscheidende bei dem Treffen ist es, die Implementierungs-Richtlinien des Pariser Klima-Abkommens zu übernehmen. Das ist deswegen entscheidend, weil es das wahre Potential des Paris-Abkommens freisetzen kann einschließlich der Verstärkung von Klima-Maßnahmen, damit das zentrale Ziel des Abkommens erreicht werden kann, nämlich die globale mittlere Temperatur nicht stärker als um 1,5°C steigen zu lassen.

Was kann nobler sein als die Hoffnung zu propagieren, dass eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlicher Expertise und beiderlei Geschlecht die Aufgabe übernehmen kann, den globalen Thermostaten von russischen Hackern zu manipulieren und ein Goldlöckchen-Klima für jedermann zu erzeugen, überall und für immer? Und doch ist nicht einmal das IPCC in der Lage zu bestätigen, ob Gaia sich versteckt hat in einer Höhle auf der Südinsel von Nowaja Semlja, irgendwo in Belutschistan oder in einem Pausenraum in Genf.

Don Quichotte attackierte nur Windmühlen in Spanien. Er hat nicht versucht, sie zu bauen. Dennoch, die Perspektive „Klima-Maßnahmen zu verstärken“ mit dem Geld anderer Menschen, um die Menschheit zu retten, hätte ihn sicher dazu gebracht, die Spinnweben von seinem Speer zu wischen und mit den Kohlenstoff-Cowboys zum nächsten Deal zu reiten.

Ein Vierteljahrhundert ist schon ein ziemlicher Zeitraum. Da ist es keine Überraschung zu hören, dass jede UNFCCC-Konferenz eine einheitliche Signatur, ein einheitliches Thema oder einen einheitlichen Schlachtruf anstrebt – wie etwa „wir können die Welt retten“. Das für Beziehungen zu den Medien zuständige Team der Agentur bringt allgemein etwas entsetzlich Banales fertig und arbeitet es um in etwas entsetzlich Manipulatives.

Im Dezember 2009 beispielsweise hat man „HOPE in Hopenhagen“ gedroschen (Kopenhagen 2009, COP15). Zwölf Monate später wiederholte sich das, diesmal auf der Yucatan-Halbinsel in Mexiko. Über 15.000 Personen drängelten sich in das Moon Palace Hotel für ein Eröffnungsfest mit tropischen Drinks, Salsa, Karaoke, Gitarrenklänge, Stelzenläufer mit Sombreros und natürlich Tequila. Sie tanzten die Nacht hindurch zum Titelsong von COP16 – „Lasst uns das CAN in Cancun dreschen!“

In Katowice wird es vermutlich etwas kleinlauter zugehen. Die Stimmung ist heute düsterer. Falls es einen Titelsong gibt, wird der vermutlich nicht lauten „lasst uns mehr COAL in Katowice dreschen!“. Ob Europas größter Kohle-Erzeuger sich grün färbt, ist unklar, aber vermutlich hat sich das UNFCCC für diesen Ort entschieden, weil es will, dass man das glaubt – oder umgekehrt.

Jedes Entwicklungsland hat sein Ruder in irgendeinem Stadium in den Klimawandel-Jauchegrube gesenkt. Sie alle wollen nämlich ein des versprochenen Zauber-Puddings. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, wie ein Treffen des GCF-Gremiums Anfang Juli dieses Jahres gezeigt hat.

Die Pazifikinseln haben lange Zeit in dieser Grube kräftig gerührt. Sie alle sind Mitglied in der Allianz kleiner Inselstaaten. Diese alarmistische Gruppe macht etwa 20% des UN-Stimmenanteils aus. Als die Allianz im Jahre 1945 gegründet worden war, waren es 51 Mitglieder, heute sind es 193. Tuvalu, das viertkleinste Land der Welt (26 km²) mit etwa 11.000 Einwohnern, hat das gleiche Stimm-Gewicht wie China.

Auch Fidschi wird beim COP24 in Erscheinung treten. Es wird die „hochrangige politische Phase“ seines Talanoa Dialogs für Klima-Ambitionen anführen. Talanoa ist ein Wort aus der Fidschi-Sprache, welches „einen Prozess eines umfassenden und transparenten Dialogs mittels des Austausches von Stories und Gedanken beschreibt“. Viel Glück dabei!

Mit vielen Militärputschen, rassischen Spannungen und periodischen Einschränkungen der Pressefreiheit hat Fidschi zu einem solchen Prozess viel beizutragen. Er wird sich auf drei Fragen konzentrieren: „Wo sind wir? Wohin wollen wir gehen? Wie kommen wir dorthin?“ Ja – wie bloß?

Inzwischen verschwende man einen Gedanken an die 91 Autoren des IPCC-Sonderberichtes 15 (SR15). Man hat es fertig gebracht, ein Dokument hervorzuzaubern, dessen schwülstige Komplexität nur noch von der Schwere übertroffen wird, mit der die kontroversen Schlussfolgerungen darin der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Vorbereitet für für COP21 des UNFCCC im Dezember 2015 lautet der vollständige Titel von SR15 [übersetzt]:

Globale Erwärmung um 1,5 Grad: Ein IPCC-Sonderbericht über die Auswirkungen einer globalen Erwärmung von 1,5°C über das vorindustrielle Niveau und damit im Zusammenhang Leitlinien zu globalen Treibhausgas-Emissionen im Zusammenhang mit der globalen Verstärkung von Maßnahmen gegen die Bedrohung durch Klimawandel, nachhaltige Entwicklung und Bemühungen zur Auslöschung von Armut.

Es ist unklar, wann die UN erstmals ein erhellendes Momentum hatten. Man wusste vermutlich in einem bestimmten Stadium, dass man ein großes Kaninchen aus dem Hut zaubern musste, um sicherzustellen, dass der Zug weiter fährt. Man musste auch den Talanoa Dialog von Cop24 anbieten mit einer Rechtfertigung, warum man den Druck auf die entwickelten Länder bzgl. Finanzierung erhöhte. Falls dieses Kaninchen der SR15 war, dann sind wir die Hasen.

Wie auch immer dem sei, von allen Zeremonien, die es in der Welt gibt, sind nur einige sehr wenige weniger inspirierend als ein IPCC-Meeting, um die jüngsten Ergebnisse abzusegnen. Man betrachte hierzu beispielhaft die 48. Sitzung, abgehalten im vorigen Monat in Incheon, Koreanische Republik. (Video; Erföffnungsrede).

Das Schicksal der bewohnbaren Welt steht offenbar auf der Kippe, und doch bemüht man sich darum, es aus dem Verhalten der Delegierten abzuleiten. Vielleicht war es der Jetlag oder man war der Apokalypse müde. Vielleicht schlagen sie sich immer noch mit dem Geschwafel der SR15-Computermodelle herum wie etwa MAGICC and FAIR.

Das IPCC verlangt von uns, dessen Prämisse zu akzeptieren: dass nämlich nur dessen Aufgebot von Tausenden die Geheimnisse von „Klimawandel“ enthüllen kann. Wenn der IPCC-Vorsitzende Hoesung Lee fortfährt, sich darüber auszulassen, wie viele Beiträge (42.000) in drei Arbeitsgruppen und viele Entwürfe er für seine Eröffnungsrede erhalten hat (ab der 8. Minute) impliziert er, dass uns dieser verworrene Prozess der Wahrheit näher bringt. Je mehr, desto trübseliger. Wahrheit in der Wissenschaft ist eine verzwickte Sache. Allgemein jedoch hängt sie mehr von den Naturgesetzen ab als von einem Handzeichen. Zu viele Köche neigen dazu, den Brei zu verderben.

Eine Presseerklärung des IPCC vom 8. Oktober verkündete, was stets eine vollendete Tatsache ist: Regierungen haben die Veröffentlichung der SR15-Summary für Politiker abgesegnet (hier).

War das all die Mühe wert? Nach drei Jahren der Analysen von hunderten Wissenschaftlern, hat Jim Skae, Leiter der Arbeitsgruppe III, vorige Woche dieses freimütige Eingeständnis abgegeben:

Die grundlegende Nachricht lautet, dass wir die globale Erwärmung nicht unter 1,5°C halten können. Im Rahmen der chemischen und physikalischen Naturgesetze ist das zwar möglich. Aber es bedarf dafür gewaltiger Transitionen in allen Arten von Systemen – Energie, Landverbrauch, Transportwesen. Aber was der Report erreicht hat ist, eine deutliche Botschaft an Regierungen auszusenden des Inhalts, dass es physikalisch möglich ist. Es liegt jetzt in ihrer Hand zu entscheiden, ob sie diese Herausforderung annehmen wollen. Video link (26 Sekunden)

Die Gesetze der Physik und der Chemie? Was ist mit den Gesetzen der Politik, der Wirtschaft, der Selbstinteressen, des Überlebens und so weiter? Hat Mr. Skae nicht seine eigene Frage beantwortet? Es ist physikalisch möglich, aber praktisch unmöglich.

In der Presseerklärung wurden nicht die dunklen Geheimnisse der alarmistischen Hinterzimmer erwähnt. Hier folgt eine aus dem Report:

Unsicherheiten in den Projektionen eines zukünftigen Klimawandels nebst dessen Auswirkungen stammen aus einer Vielfalt unterschiedlicher Quellen, einschließlich der Hypothesen, die aufgestellt wurden hinsichtlich zukünftiger Emissions-Leitlinien (Moss et al. 2010), der inhärenten Grenzen und Vermutungen der Klimamodelle, welche für die Projektionen herangezogen worden waren, darunter Grenzen bei der Simulation der regionalen Klima-Variabilität (James et al., 2017) (SR15, page 61)

Dr. John Constable, für Energie zuständiges Mitglied der GWPF, führte eine eindrucksvolle Analyse des SR15 durch. Er kam zu dem Ergebnis:

Liest man SR15 sorgfältig, sollte der Report die Politiker zu der Einsicht bringen, dass die Hindernisse bzgl. einer Begrenzung der Erwärmung auf 1,5°C oder sogar mehr nicht einfach willkürliche Blockierungen sind wie Felsen auf einer Straße, die entfernt werden müssen, sondern es sind fundamentale und strukturelle Probleme angesichts der gegenwärtig verfügbaren politischen Optionen. Diese zeitigen mit Sicherheit viel schlimmere Folgen als der Klimawandel, den sie abschwächen sollen.

As for the global renewable energy outlook, Constable made the following observation.

Er äußerte auch vernichtende Kritiken hinsichtlich bestimmter Klauseln. Die Zahlen beziehen sich auf die headline statements im SR15.

C2.6 untersucht die Größenordnung der auf Energie bezogenen Investitionen, um das 1,5°C zu erreichen. Die Autoren nennen eine Summe von Investitionen, die im Mittel 900 Milliarden US-Dollar mit einer Spannbreite zwischen 180 und 1800 Milliarden jährlich ausmachen, und zwar im Zeitraum 2015 bis 2050. Der Verweis auf die Hauptstudie selbst (S. 2 bis 84) zeigt die relevante Glasur: „Schätzungen und Vermutungen aus Modellierungen zeigen eine wesentliche Verschiebung der Investitions-Muster und enthalten ein finanzielles System, welches effektiv den Abschwächungs-Herausforderungen Rechnung trägt (hohes Vertrauen)“

Übersetzung: Die Finanzen der gesamten Welt müssen der Klima-Abschwächung gewidmet werden, und das ist unwahrscheinlich.

Beide UN-Agenturen scheinen sich des gegenwärtig prekären Zustandes der globalen Finanzmärkte gar nicht bewusst zu sein, wobei einige Experten eine ernste Krise bis zum Jahr 2020, wenn nicht noch eher prognostizieren.

Was dir globalen Aussichten bzgl. erneuerbarer Energie betrifft, beobachtete Constable Folgendes:

Übersetzung: Selbst unter den günstigsten Annahmen hinsichtlich Erneuerbarer und Energie-Speicherung ist der erforderliche globale Übergang im Stromsektor nach wie vor nicht mehr als eine theoretische Möglichkeit.

Eine von Constable nicht beantwortete Frage ist, wie es das UN-Team Klima fertig gebracht hat, die Realität so falsch darzustellen. Haben die Schöpfer von MAGICC und FAIR einige schlechte Tage in ihren Büros gehabt? War die SR15-Übung scharfsinnig erdacht worden, als ein Auftakt-Signal für COP24 zu fungieren wie oben angemerkt?

Der neue Nobelpreisträger William Nordhaus, ein Klima-Ökonom, kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 2°C über das so genannte vorindustrielle Niveau ist ökonomisch und praktisch unmöglich. Auch er macht geltend, dass der SR15-report die Kosten drastisch unterschätzt, welche beim Übergang zu Null-Emissionen anfallen würden.

In einem bestimmten Stadium im Lebenszyklus einer Bürokratie kann dessen Verewigung wichtiger werden als die Aufgabe, die zu lösen sie vor Jahren, Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten geschaffen worden war.

In einigen Instanzen weiß man, wann es genug sein muss. Andere werden zum Rücktritt gezwungen aufgrund von Wettbewerb oder wegen Scheiterns am Markt. Es wird jedoch immer einen Markt für Katastrophismus und der Verheißung der Erlösung geben.

Dennoch besteht der Zeitgeist – einschließlich eines großen Teils der politischen Kaste der Welt – darauf, dass der COP-Zirkuns weitergehen muss – zumindest bis das Geld ausgeht oder die Menschheit dem Pommes-Frites-Schicksal erlegen ist, welches uns unermüdlich angedroht wird, wenn wir keine dringenden „Klima-Maßahmen“ ergreifen.

Auf der 41. IPCC-Sitzung Anfang 2015 wurde die Entscheidung getroffen, einen weiteren Zustandsbericht zu erstellen. In der ersten Hälfte des Jahres 2022 soll AR6 fertig gestellt sein.Vermutlich werden weitere Berichte folgen – bis zum Erbrechen: Catch-22.

Link: https://wattsupwiththat.com/2018/11/19/climate-catch-22-in-poland/

Übersetzt von Chris Frey EIKE




Energie­kompetenz in Bayern: Sonne und Wind stellen keine Rechnung

Umweltminister*innen bereiten sich immer lange vorher auf ihren Job vor

Inzwischen ist es zur Regel geworden, dass wenn ein Öko-gläubigster Lokalredakteuer*in (hier: Ausbildung Journalist, vorwiegend politische Berichterstattungen) den ideenreichen Vorstellungen eines politisch Verantwortlichen lauscht, man sich nur noch wundert, was beide den Bürgern dann als Sachkompetenz und investigativen Journalismus zu „verkaufen“ vermögen.

Der neue, bayerische Umweltminister ist kaum im Amt und schon weiß er zu erklären: Er hätte schon längst die Welt gerettet, wäre er schon früher zu einem entsprechend einflussreichen Posten gekommen.
Und nun hat eine der unvorhersehbaren Tsunamiwellen der Geschichte seine Provinzpartei in den Himmel gehoben und der entsprechende Posten ist auf einmal da. Klar, dass jetzt die Arbeit beginnt, welche schon lange auf die richtige Person an den Schalthebeln zur Lenkung der Ökogeschichte gewartet hat. Und welche es sind, verkündete der Minister im Interview:

Der Minister kennt die wahren Kosten

[1] (Umweltminister Glauber:) „Die Energiewende war mit ein Grund, warum ich in die Landespolitik gegangen bin. Denn Wind und Sonne stellen keine Rechnung“ …
Es stellt sich nur die Frage: Wer stellt die Rechnungen dann und warum [3]? Auf die Idee, nachzufragen, warum Deutschland trotzdem inwischen den höchsten Privatkunden-Strompreis in Europa – mit weiter, ausschließlich steigender Tendenz – hat, kam der Interviewer nicht.

Bayern hat die Kraftwerke, welche Strom in Sekunden regeln können und intelligent sind

[1] (Umweltminister Glauber:) … Es wird immer der Eindruck erweckt, mit dem Abschalten des letzten Atomkraftwerkes gingen in Bayern die Lichter aus, wenn es die beiden Trassen nicht geben sollte. Für mich greift dieses Argument nicht mehr“ … „Wir haben in Bayern eine ganze Reihe moderner Kraftwerke, die ihre Leistung binnen Sekunden regeln können … darauf können wir aufbauen. Wir müssen beides vorantreiben – den Bau intelligenter Kraftwerke – und den Ausbau erneuerbarer Energien“
„Intelligent“ ist heutzutage das alles (er)lösende Zauberwort. Früher musste man bei Problemen noch den berüchtigten „Arbeitskreis“ gründen, heute reicht es, etwas einfach nur „intelligent“ zu machen. Man braucht angeblich nur ausreichend zu „schulen“: Das Netz, die Zähler, die Umspannstationen, die Leitungen, die Speicher, die Einspeisung, den Verbrauch, die vorbereiteten Zwangsabschaltungen …
Bezogen auf das Interview fehlt dazu die Nachfrage: Was war an den bisherigen Kraftwerken nicht „intelligent“? Wahrscheinlich meint der Minister als „die intelligenten“, die wegen zu hoher Kosten in Bayern wieder abeschalteten Gaskraftwerke. Diese wieder hochzufahren und weitere zu errichten, ist allerdings keinesfalls intelligent, sondern erst einmal nur teuer. Intelligent – im Sinne einer „Milchmädchenrechnung“ – ist nur das Eingeständnis, dass die Zwangsabschaltung der konventionellen Grundlastkraftwerke auch in Bayern, den vollständigen Neuaufbau solcher erfordert, wofür ideologiebedingt, ausschließlich teuer mit Gas betriebene in Frage kommen.

Der Akku im Keller soll zum Ausrüstungsstandard werden

[1] (Umweltminister Glauber:) „Wir suchen gerade wieder nach Wegen, wie wir die Photovoltaik wieder voranbringen können. … Die Bauherren sollen dieses Geld (Anmerkung: anstelle in unsinnige Gebäudeisolation zu steckendes) lieber in eine Solaranlage auf dem Dach und einem Energiespeicher im Keller investieren“ …
Im ganzen Interview wird nicht mit einer Silbe über wirkliche Kosten gesprochen. Selbstverständlich kann man seinen Strombedarf im Keller zwischenspeichern (sofern man einen dafür hat). Nur rechnet sich das wegen der immensen Kosten ausreichend großer Akkuspeicher derzeit nicht [4]. Es war beim bisherigen, bewährten Versorgungssystem auch vollkommen unnötig, sogar unsinnig.
Die Politik arbeitet jedoch mit Nachdruck daran, dies zu ändern, indem die Energiesicherheit abgeschafft wird [5] und gleichzeitig die Stromkosten so in die Höhe getrieben werden, dass sich der eigene Speicher im Keller (zur eigenen Solarnalage) dann doch irgendwann lohnt.

Die lokalen Versorger sollen noch mehr Macht (über ihre Kunden) bekommen

[1] Frage des Interviewers: „Die kommunalen Enrergieversorger beziehen sie mit ein?“
Umweltminister Glauber: „ Absolut. Sie waren mal ganz vorne dabei. Aber dann hat die Politik sie aus dem Spiel genommen. Wir wollen sie zurückholen“ …
Dem Minister scheint entgangen zu sein, dass lokale Versorger beileibe nicht „aus dem Spiel sind“, sondern ihres längst gekonnt durchziehen und zwar gegen ihre eigenen Kunden [6]. Wenn sich diese dann beschweren, machen sie allerdings die Politk dafür verantwortlich [7].

Er wird mit seinen Ideen zur lokalen Versorgung (Inselnetze und Bürgerspeicher) bei lokalen Versorgern allerdings offene Türen einrennen. Denn diese haben solche Ideen längst als zusätzliches Geschäftsfeld erkannt und beginnen es auszubauen, wobei sie auch vor vollkommen unseriösen Kostenangaben nicht zurückschrecken [8].

Windräder dort hinstellen, wo noch keine sind

[1] (Umweltminister Glauber:) … „Einer der großen Fehler war, dass wir dort weitere Windkrafträdr gebaut haben, wo ohnehin schon Anlagen standen. Das ist der falsche Ansatz, Das schafft keine Akzeptaz, Wir sollten uns jetzt auf den Bürger konzentrieren“ ...
Es stellt sich die Frage, ob der Minister schon einmal überlegt hat, warum sich Windkraftanlagen auf bestimmten Gebieten – zum Beipiel Höhenrücken – konzentrieren. Sie aus optischen Gründen stattdessen nun in die Landschaft zu verteilen und es noch dazu als „pfiffige Idee“ zu verkaufen, kommt dem Begriff Schildbürgerstreich recht nahe.
Sicher meint Herr Glauber damit aber auch, dass die 10 H Abstandsregel – dank deren Herr Seehofer Bayern vor den schlimmsten Landschaftsverschandelungen, wie sie in Deutschlands Norden hemmungslos mit teils katastrophalen Auswirkungen bereits vollzogen wurde bisher bewahrt hat -, abgeschafft gehört.
Da sich Ältere nicht so leicht übertölpeln lassen, muss man bei den Jungen beginnen. Wenn diese eine ursprüngliche Landschaft gar nicht mehr kennenen und ensprechend „informiert“, heißt indoktriniert sind, glauben die auch, dass „Windspargel“ auch in Bayern wie die Bäume zur Natur gehören, die dann Klimalandschaft heißt:
[1] (Umweltminister Glauber:) … „Wenn ein Kind heute ein Windkraftrad sieht, das seine Gemeinde mit Strom versorgt, wird es das später nicht für einen optischen Makel halten. Wenn wir die Nachhaltigkeit solcher Projekte vermitteln, wird die Akzeptanz steigen“

Klimaschutz erfordert Ökoenergie

[1] (Umweltminister Glauber:) … „Der Koalitionsvertrag velangt eine sichere Stromvesorgung. Er lässt aber Platz dafür, dass wir da Thema neu denken und den Klimaschutz ernst nehmen. Das geht nicht anders als über erneuerbare Energien“ …
Auch Herr Glauber ist also ein Öko-Gläubiger. Scheinbar hat auch er noch nie nachgerechnet, oder wenigstens nachgesehen, wie wenig solche Maßnahmen wirklich am Klima verändern, sofern sie überhaupt etwas daran verändern [9]. Aktuelle Information zum CO2-Forcing scheint auch an ihm vollkommen vorbeigegangen zu sein [10].

Fazit

Entwederist der Minister in der falschen Partei, oder die Freien Wähler Bayerns entwickeln sich zu den „NEUEN GRÜNEN“. An Faktenignoranz und Unkenntnis über das ihm zugefallene Sachthema kann er mit den Protagonisten dieser Partei schon locker mithalten.
Man kann es aber entschuldigen: Seine (Vor-)Vorgängerin von der CSU (und die CSU selbst [11]) waren in dieser Hinsicht um keinen Deut vernünftiger oder fachlich klüger [12]. Wobei die hier kurz dargestellten Überzeugungen des (schon älteren) Autors heute ja gar nicht mehr als vernünftig gelten. Die Jugend erfährt (und glaubt) darüber ganz neue Erkenntnisse:
EIKE 26.03.2017: Wie geil ist das denn, wir können Energie erzeugen, ohne die Landschaft kaputt zu machen
EIKE 06.01.2017: Weil wir erneuerbare Energie besser nutzten, ist zum Ende des Jahrhunderts Energie im Überfluss vorhanden

Resignation

Die jährliche Klimakonferenz steht vor der Türe und es beginnt wieder das gleiche Spiel wie jedes Jahr: Die Politik übertrumpft sich gegenseiti beim Klimaretten. Wie um zu zeigen, wie schnell angeblich unverbindliche Vereinbarungen (wie der UN-Migrationspakt) zum dann auf einmal doch ganz wichtigen Universalgesetz werden (wie der unverbindliche Klimavertrag) will die GRÜN unterwanderte EU-Zentrale vorschreiben.
Meldung der EU-Kommission. SHZ, dpa-Meldung, 28. November 2018: WIRTSCHAFT OHNE TREIBHAUSGASE: EU-Kommission verlangt völlige Abkehr von Öl, Kohle und Gas
Mit der Veröffentlichung der Strategie will die Kommission wenige Tage vor der Weltklimakonferenz in Kattowitz ein Signal setzen
Brüssel  Im Kampf gegen den Klimawandel fordert die EU-Kommission eine Wirtschaft ohne Treibhausgase binnen 30 Jahren. „Heute schlagen wir eine Strategie vor, damit Europa als erste Volkswirtschaft der Welt bis 2050 klimaneutral wird“, erklärte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete am Mittwoch in Brüssel.
Gemeint ist eine völlige Abkehr von Öl, Kohle und Gas in der Wirtschaft, der Energieversorgung und im Verkehr bis zur Mitte des Jahrhunderts. Zudem müssten andere Quellen für Klimagase gestopft und auch Kohlendioxid aus der Luft abgeschöpft werden, etwa durch Aufforstung von Wäldern. „Wir können es schaffen, und wenn wir Erfolg haben, werden andere folgen“, meinte Arias Cañete.

Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu wissen, welcher der EU-Staaten die Vorgaben dann mindestens zu 110 % einhalten wird.
Der Bayerische Umweltminister (und viele andere in Deutschland) wird dann ebenfalls dumm aus der Röhre schauen: Die gerade erst mit viel Geld neu aufgebaute GAS-Kraftwerks-Infrastruktur ist dann ebenfalls verboten. Öko-„Fachpersonen“ werden einwenden: Das ist dann ja konvertiertes Gas aus Wind und Sonne. Es mag dann notgedrungen so sein: Dann kostet die kWh aber zu heutigem Preis zwischen 0,5 … 1 EUR/kWh [13], zuzüglich der Inflationsrate bis dorthin. Auch hier bleibt es dabei, dass die fehlenden Rechnungen von Sonne und Wind andere stellen.

Auch trifft es dann die privaten Häuslebesitzer (und viele andere): Öl- und Gasheizungen sind dann natürlich auch verboten. Wenn vielleicht nicht ganz, so zumindest mit immensen Zusatzkosten – beispielsweise für CO2-Zertifikate – belastet. Aber um die Welt vor dem Klima zu retten (welches ausschließlich in von Menschen programmierten Simulationen „untergeht“) und eher bald mit dem Beginn der überfälligen, nächsten Eiszeit droht [14]. ist unseren Politikern wirklich nichts zu teuer.

Zudem: Die Untertanen wollen es doch auch. Zumindest wissen das welche, die angeben, der Völker Stimmen zu vertreten:
SHZ, dpa-Meldung: … Klimaschützer des Climate Action Networks, von Greenpeace und WWF hatten die Kommission schon zu Wochenbeginn zu einer ehrgeizigen Strategie gedrängt. Sie halten allerdings einen noch schnelleren Umbau der Wirtschaft für nötig: Klimaneutralität schon bis 2044.
Auch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen mahnte erst am Dienstag zu raschem Handeln und betonte: „Deutschland und Europa könnten hier Führungsstärke zeigen“.

Quellen

[1] Lokalausgabe der Nordbayerischen Nachrichten, 24. November 2018: Wir wollen die Photovoltaik wieder voranbringen

[2] EIKE 10.05.2018: Es ist ja so, dass Strom künftig kostenlos zur Verfügung stehen wird …

[3] EIKE 25. 11 2017: Der Beginn der Offenbarung – Das EEG wird 2 Billionen EUR kosten (erst mal als Anfangsbudget)

[4] EIKE 18.05.2017: Rechnerisch lohnt sich die solare Eigenversorgung nicht – so lange unser Versorgungsnetz stabil ist. Doch das wird sich ja ändern

[5] EIKE 02.11.2016: Verwundert, weil ihr Stadtteil dank EEG zeitweise keinen Strom bekommt? Auf unserer Homepage wurde doch darüber informiert!

[6] EIKE 30.11.2016: Ökostrom verschieben zur Lösung der EEG-Blockade Ein lokaler Versorger ist innovativ und löst das Speicherproblem – Koste es was es wolle

[7] EIKE 22.11.2016: Energieversorger helfen ihren Kunden gegen teuren EEG-Strom! Aktion lokaler Versorger in Bayern: Energiewende bezahlbar

[8] EIKE 15.06.2017: Fake News: Diesmal Klimaretter und Stadtwerke: Die Stromspeicherung kostet vielleicht ein oder zwei Cent

[9] EIKE 29.04.2017: CO2 neutral in die Zukunft der Armut zurück segeln

[10] Novo Argumente 09.05.2018: Klima, Konsens, Kohlenstoffdioxid

[11] EIKE 05.10.2015: Das Positionspapier des CSU Arbeitskreises Energiewende Keine Vernunft mehr, nirgendwo

[12] EIKE 21.11.2015: Die bayerische Umweltministerin Frau Scharf: Extremwetter, Extrem-Hochwasser und die Unberechenbarkeit des Wetters nehmen zu. Doch stimmt das wirklich?




Präsident Trump: Vierter nationaler Klima-Zustands­bericht ist manipuliert, um schlechte Ergeb­nisse zu produ­zieren

Report der US-Regierung gerät mit Trump aneinander, heißt es doch darin, dass der Klimawandel die Wirtschaft schädigt

(Reuters) – Der Klimawandel wird die US-Wirtschaft bis zum Ende des Jahrhunderts Milliarden Dollar kosten, und zwar in jedem Bereich von Gesundheit bis zu Infrastruktur. Dies geht aus einem Regierungs-Report hervor, welcher am Freitag veröffentlicht worden ist und welchen das Weiße Haus falsch nennt.

Die Studie steht im Widerspruch zur Politik von Präsident Trump, der den Umwelt- und Klimaschutz aus der Obama-Ära zurückgefahren hat, um die Produktion heimischer fossiler Treibstoffe zu maximieren, darunter auch Rohöl. In dieser Hinsicht sind die USA weltweit führend und rangieren noch vor Saudi-Arabien und Russland.

Die Sprecherin des Weiße Hauses Lindsay Walters sagte, dass der neue Report „zum größten Teil auf dem extremsten Szenario basiert, was schon lange etablierten Trends widerspricht infolge der Annahme, dass … es zu limitierte Technologie und Innovation sowie zu einer rapiden Zunahme der Bevölkerung kommen werde“.

Die nächste Aktualisierung des Nationalen Klima-Reports „gibt uns die Gelegenheit, einen transparenteren und mehr auf Daten fußenden Prozess durchzuführen, auf dessen Grundlage es breitere Informationen bzgl. der Bandbreite potentieller Szenarien und Folgen geben wird“.

Mehr: https://www.reuters.com/article/us-climate-change-usa/clashing-with-trump-u-s-government-report-says-climate-change-will-batter-economy-idUSKCN1NS19D

Wir haben diese Art grundloser Angsterzeugung schon früher erlebt wie etwa bei der Story um das „Ende von Bier“, die vor einem Monat durch die Welt geisterte.

Wie die Brauerei-Zunft hat verlauten lassen, dass eine grundlegend falsche Hypothese bei der Prophezeiung des „Endes von Bier“ der Umstand war, dass Landwirte sich in keiner Weise an geänderte Umstände anpassen würden, und dass sie Hopfen in genau der gleichen Art und Weise anbauen wie heute ohne jeden Versuch Anbaugebiete oder Pflanztermine zu ändern, um der neuen Temperatur-Bandbreite Rechnung zu tragen.

Das „Ende des Bieres“ zu prophezeien unter Missachtung der Anpassung an geänderte Umstände ist so, als ob man prophezeit, dass jeder, der ins Wasser springt, auch ertrinkt, weil man die Möglichkeit missachtet, dass die Menschen auch schwimmen können.

Es ist einfach, schlechte Ergebnisse zu prophezeien, wenn man den Report so manipuliert, dass sämtliche anderen Möglichkeiten ignoriert werden.

Link: https://wattsupwiththat.com/2018/11/24/president-trump-admin-claims-fourth-national-climate-assessment-was-rigged-to-produce-bad-outcomes/

Zum gleichen Thema gibt es noch einen Beitrag aus anderer Sicht, aber mit dem gleichen Tenor:

Experten zur Klimawandel-Einschätzung: „jede einzelne Folgerung in diesem jüngsten Report der Regierung ist falsch!“

Penny Starr

Der Vierte Nationale Klimazustands-Report der [US-]Bundesregierung wurde von Linksextremen und Umweltgruppen gepriesen als eine düstere Warnung vor Tod und Zerstörung in den USA, falls wir die globale Erwärmung nicht stoppen.

Aber Kritiker des Reports, darunter Wissenschaftler, haben den Bericht als „Übertreibung“ und schlechte Wissenschaft verurteilt und sogar gesagt, dass die Schlussfolgerungen darin „falsch“ sind.

„Dieser jüngste Klimareport reiht sich ein in alle anderen – außer dass er sich durch noch größere Übertreibungen und noch schlechtere Wissenschaft auszeichnet. Er stellt eine Einmischung in die Politik seitens sich selbst bedienender und nicht gewählter Bürokraten dar“, sagte der Präsident des Heartland Institutes Tim Huelskamp nach der Veröffentlichung des Reports.

„Mit einer neuen, für den Dezember geplanten Ausgabe erreicht die vom Heartland Institute veröffentlichte Serie Climate Change Reconsidered des Nongovernmental International Panel on Climate Change (NIPCC) 4000 Seiten“, sagte Huelskamp. „Jene Berichte verweisen auf viele hundert begutachteter wissenschaftlicher Studien, die belegen, dass jede einzelne Schlussfolgerung dieses jüngsten Regierungsreports falsch ist.

Dieser Report des Klima-alarmistischen Staates im Staate in unserer Regierung kommt sogar noch hysterischer daher als einige Reports der UN“, stellte Huelskamp fest. „Der Gedanke, dass die globalen Temperaturen bis zu 12 Grad innerhalb der nächsten 80 Jahre steigen könnten, ist absurd, und weder tatsächliche Daten noch aktuelle Beobachtungen stützen dies“.

„Dieser Report ist eine wissenschaftliche Peinlichkeit ohnegleichen“, sagte Wissenschaftsdirektor Jay Lehr vom Heartland Institute. „Nicht nur, dass er sich auf Computermodelle zur Prophezeiung des Klimas bis zum Ende dieses Jahrhunderts stützt, sondern auch, dass er sich auf Computermodelle von vor fünf Jahren stützt, die sich inzwischen als lächerlich falsch erwiesen haben und nicht einmal ansatzweise die Realität seit dem Jahr 2013 abbilden konnten“.

Lehr zufolge ist der Report angefüllt mit „krass absurden Schlussfolgerungen“ und dient nur dazu, den UN mehr Macht und Geld zuzuspielen.

Breitbart News berichtete, dass dass die Einschätzung u. A. Prophezeiungen düsterer Konsequenzen durch den Klimawandel enthält, einschließlich von Todesfällen durch höhere Temperaturen.

CNN berichtete: „Höhere Temperaturen werden auch mehr Menschen töten, heißt es in dem Report. Allein im Mittleren Westen, wo es den Prophezeiungen zufolge zur stärksten Zunahme von Extremtemperaturen kommen soll, wird es bis zum Jahr 2090 zusätzlich zu 2000 vorzeitigen Todesfällen kommen“.

Auch heißt es in dem Report, dass es verstärkt zum Ausbruch von durch Insekten übertragene Krankheiten kommen wird einschließlich des West-Nil-Virus‘, was sich bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln könnte.

Auf der Website wattsupwiththat.com wird darauf hingewiesen, dass im Kapitel 6 des dort „alarmistisch“ genannten Reports zum Klimawandel einigen der Behauptungen darin widersprochen wird:

Im kürzlich veröffentlichten Climate Science Special Report (2017) des U.S. Global Change Research Program wird im Kapitel „6.1.2 Temperature Extremes“ eindeutig belegt, dass Temperaturänderungen in den USA während der letzten 118 Jahre immer moderater geworden sind, mit höheren Werten von Kaltextremen und niedrigeren Werten von Warmextremen. Mit anderen Worten, Klima-Extremtemperaturen in den USA sind weniger extrem geworden“.

Kritiker haben auch Ratschläge für Präsident Trump bereit, welcher gesagt hat, dass keineswegs belegt ist, dass der Klimawandel dem Menschen geschuldet sei.

„Präsident Trump war per Gesetz verpflichtet, diesen Report zu veröffentlichen, aber er ist nicht verpflichtet, ihn ernst zu nehmen – und das wird er mit Sicherheit auch nicht tun“, sagte Huelskamp. „Anderenfalls würde er seine vernünftige Agenda mit dem Abbau von Vorschriften unterminieren und den Krieg gegen fossile Treibstoffe neu entfesseln“.

„Glücklicherweise findet sich unter den Beratern von Präsident Trump Dr. William Happer, der genau weiß, wie gescheitert diese Modelle daherkommen, und er wird dem Präsidenten nahelegen, keinen einzigen Aspekt der US-Politik darauf zu stützen“, sagte Jay Lehr.

„Hier läuft der Staat im Staate Amok“, sagte James Taylor, Leiter des Bereiches Umwelt- und Energiepolitik am Heartland Institute. „Die Trump-Regierung muss die eingebetteten Linksradikalen mit der Wurzel ausreißen, welche verantwortlich sind für diesen einseitigen Propaganda-Report, der sogar noch unglaubwürdiger ist als Al Gore“. Taylor weiter: „Die Linken haben die Wissenschaft bereits politisiert, und Präsident Trump hat allen Grund, diese Herrschaften in den Tochteragenturen der Exekutive zu ersetzen durch Klimarealisten“.

Lehr sowie 18 namhafte Wissenschaftler verfassten eine 54 Seiten starke Kritik des Reports 2017 des Global Change Research Programms, welcher Heartland zufolge genauso alarmistisch war.

Diese Kritik findet sich hier.

Beide Beiträge übersetzt von Chris Frey EIKE




Winter 2018/19 – Kälte oder Milde nach Rekord-Sommerhalbjahr?

1. Die Bauernregeln und die „Milde Oktober – kalte Winter“-Regel

Der zeitweise sehr milde Oktober 2018 ruft die Regel „Ist Oktober mild und fein (trocken- sonnig), wird ein harter Winter sein“ auf den Plan. Der Zusammenhang zwischen Oktobertemperaturen und denen des Folgewinters ist in Deutschland seit 1761 bis 2017 aber eher positiv, was der Regel widerspricht, jedoch mit einem Bestimmtheitsmaß von nur etwa 1% untauglich für Vorhersagen. Korrekter formuliert, lautet die Regel folgendermaßen: „Ist der Oktober in Deutschland wesentlich (mehr als 1,5 Kelvin) zu warm und gleichzeitig merklich zu trocken, beides bezogen auf den Langjährigen Mittelwert, so wird der Folgewinter mit etwa 80%iger Wahrscheinlichkeit zu kalt ausfallen.“ Die genannten 1,5 Kelvin entsprechen etwa der einfachen Standard-Abweichung des DWD-Temperaturmittels für Oktober, beim Niederschlag beträgt diese knappe 30 mm – grob gesagt, erfüllen alle Oktober ab etwa 10°C und mit nicht mehr als 31mm Niederschlag im DWD-Mittel dieses Kriterium. Der Oktober 2018 erbrachte diese Voraussetzungen. Mit gewissen Abstrichen traf diese Regel seit 1881, dem Beginn regelmäßiger Niederschlagsaufzeichnungen, aber nur sehr selten (1906/07, 1953/54, 1969/70, 1995/96) zu; vielen Strengwintern, so dem von 1928/29, allen Strengwintern der 1940er oder dem Winter 1962/63 (Bodensee zugefroren), ging ein entweder nasser oder kalter Oktober voraus. Außerdem war der Oktober 2018 eben nicht durchgängig zu warm und zu trocken; am Monatsanfang und in der letzten Dekade wies er auch herbstlich kühle Phasen auf. Wesentlich ist nun, dass bei den genannten vier Fällen der vorangehende September zu kühl oder etwa temperaturnormal verlief. Aber 2018 ging dem insgesamt milden, sehr trockenen Oktober ein deutlich zu warmer September voraus. In solchen Fällen könnte die Regel „Ist der September gelind, bleibt der Winter ein Kind.“ dominant sein (Vergleichsfall nur 1949/50, als dem sehr milden September 1949 mit 16,3°C ein mild-trockener Oktober mit 10,6°C und nur 23mm und dann ein Mildwinter mit +1,7°C folgten). Noch aufschlussreicher ist der Zusammenhang der Kombination „zu hoher Luftdruck und zu warmer September“ zum Folgewinter. In Potsdam liegen diese Daten seit 1893 vor; der merklich zu warme September 2018 wies einen auffallend zu hohen Luftdruck auf:

In der Tabelle sind zu milde Winter (9 Fälle) rot, normale (1 Fall) grau, zu kalte (2 Fälle) blau hinterlegt; die Original-Luftdruckmonatsmittelwerte Potsdams sind nicht auf Meeresspiegelhöhe reduziert. Nur in einem Fall (1989/90) überschritt die Wintertemperaturabweichung die einfache Standardabweichung; und nur 2009/10 wurde sie knapp unterschritten. Die September mit Überschreitung der einfachen Temperatur-Standardabweichung in Potsdam sind orange markiert. Mit mehr als 80% Wahrscheinlichkeit folgt also einem merklich zu warmen September mit hohem Luftdruck ein milder bis normaler Winter; allerdings ist die Zahl der Vergleichsfälle relativ gering.

Fällt das Laub sehr schnell, ist der Winter rasch zur Stell‘.“ Die relativ frühe Laubfärbung und der Blattfall sind eine Folge der kalten Nächte Ende September/Anfang Oktober 2018. Sie werden nämlich durch Kältereize ausgelöst, wobei die Temperaturen mehrmals unter Werte von etwa 7 bis 4°C absinken müssen. Besonders prächtig wird die Färbung, wenn es nach sehr kalten Nächten mit manchmal schon schwachen Frösten, die das Laub aber noch nicht erfrieren lassen, wieder sehr mild und sonnig wird, so wie Anfang Oktober 2015. In diesem Jahr beeinträchtigten die anhaltende Dürre und ein überreicher Fruchtbehang zusätzlich die Färbungsintensität und deren Dauer; nur stellenweise gab es leuchtende Farben. Wesentliche Hinweise auf den Charakter des Winters liefern Zeitpunkt und Intensität der Laubfärbung und des Blattfalls also nicht. „Ist Martini (10./11.11.) trüb und feucht, wird gewiss der Winter leicht.“ Um den 10.11.2018 herrschte nur teilweise trübes, feuchtes, überall merklich zu mildes Wetter; stellenweise schien reichlich die Sonne. Wegen der Kalenderreform von 1583 (10 Tage Verschiebung aller Lostage) ist auch die Witterung um den 20.11. beachtenswert, welche feucht-kalt war. „Elisabeth (19.11., diesmal nasskalt) sagt an, was der Winter für ein Mann“. „Wie’s Wetter an Kathrein (25.11., diesmal etwas zu mild, kaum Regen), so wird es auch im Januar sein.“ Solche Regeln treffen keinesfalls immer zu. Insgesamt deutet die Mehrzahl der Bauernregeln auf einen milden bis normalen Winter hin.

2. La Nina oder El Nino – was bedeutet das?

Bislang herrschen 2018 im tropischen Südost- Pazifik einschließlich der Südamerikanischen Küste vorwiegend etwas zu niedrige Meeresoberflächentemperaturen; am Äquator im Ostpazifik etwas zu hohe – nichts Auffälliges also. Die meisten Prognosen deuten aber einen Übergang zu „El Nino“ an; ob das eintritt, ist noch unklar. Direkte Auswirkungen auf die Winterwitterung in Deutschland lassen sich daraus aber nur schwer ableiten; schwache El Ninos gehen möglicherweise aber mit einer erhöhten Neigung zu höherem Luftdruck über Grönland/Island einher, was Kaltwinter begünstigt.

3. Nachlassende Sonnenaktivität – Menetekel der Abkühlung

Direkte Sonnen- und Infrarotstrahlung schwanken nur wenig, umso mehr aber das solare Magnetfeld, die Teilchenstrahlung („Solarwind“, verantwortlich u.a. für Polarlichter), die Radiostrahlung und die von der oberen Erdatmosphäre weitgehend absorbierte kurzwellige Strahlung (Röntgen, kurzwelliges UV). Sie beeinflussen Wetter und Klima wesentlich; allerdings besteht noch Forschungsbedarf. Die Sonnenfleckenanzahl bildet die Sonnenaktivität grob ab; je mehr Sonnenflecken, desto höher die Sonnenaktivität. Die Sonnenaktivität wirkt auf verschiedenen Zeitskalen; hierzu wird intensiv geforscht. Im Jahr 2018 nahm die Fleckenzahl tendenziell weiter ab; oftmals war die Sonne völlig fleckenlos, was Kältewellen in den kommenden Monaten begünstigen könnte.

Dem noch intensiven 23. folgte der schwache 24. SCHWABE- Zyklus. Dieser ist mit maximal nur gut 100 Flecken einer der schwächsten Sonnenfleckenzyklen seit 200 Jahren:

Nach dem absoluten Zyklus-Maximum (Februar 2014) sank die Fleckenzahl. Der Winter 2018/19 ist der fünfte nach dem Maximum des SCHWABE- Zyklus. Die 23 Vergleichswinter seit 1760/61 liegen mit etwa +0,3°C etwas über dem Wintermittel dieses 258ig-jährigen Zeitraumes, wobei aber auffällt, dass die letzten acht, beginnend mit 1934/35, allesamt mehr oder weniger zu mild waren. Sehr kalte Winter treten ohnehin bevorzugt zum Minimum des Schwabe-Zyklus oder 1 bis 2 Jahre nach diesem auf; letztmalig 2009/10, davor 1995/96 und 1996/97 sowie 1986/87. Dreizehn der zwanzig kältesten Winter nach 1945 in Deutschland traten in der Nähe des Sonnenminimums auf, nur sieben in der Nähe des Maximums. Hier zeigt sich schon eine gewisse Verzögerung, mit der die Wintertemperaturen der solaren Aktivität folgen. Möglicherweise hat der SFZ Nr. 25, der ebenfalls sehr schwach ausfallen soll, im Herbst 2018 bereits begonnen. Eine bessere Aussagefähigkeit hat der solare Ap-Index, welcher die magnetische Wirkung der solaren Teilchenstrahlung beschreibt. Er hatte sein Minimum zwischen 2008 und 2010, was die damaligen Kälte-Winter mit erklären könnte. Gegenwärtig ist aber der Ap-Index, im Gegensatz zur Anzahl der Sonnenflecken, noch etwas höher, was für einen eher normalen Winter spricht:

Während der kommenden Jahrzehnte sinkt die Sonnenaktivität aber vermutlich weiter (neues Dalton- oder Maunder-Minimum), was weltweit abkühlend wirkt und in Mitteleuropa meridionale Lagen (im Winter oft kalt) begünstigt. Das träge Klimasystem reagiert nur mit Verzögerungen von etwa 10 bis 30 Jahren auf die schon nach 1990 beginnende tendenzielle Abschwächung der Sonnenaktivität, so dass sich negative Auswirkungen erst ab den 2020er Jahren deutlicher zeigen werden. Vermutlich gab es deswegen bereits in den letzten 20 Jahren nur noch eine gebremste Erwärmung in Deutschland; in Zentralengland kühlte es sich gar leicht ab:

Bei globaler Betrachtungsweise (die „Erdmitteltemperatur“ ist strenggenommen ein wertloses Kunstgebilde) fehlt, trotz des starken El Ninos 2015/16, nun schon seit gut 20 Jahren eine signifikante „globale“ Erwärmung. Insgesamt lässt die geringe Sonnenaktivität 2018 einen eher normalen bis zu kalten Winter erwarten.

4. Die Zirkulationsverhältnisse: Zumindest zeitweise Rückkehr der Westlagen?

Westliche Luftströmungen (Zonale Großwetterlagen) bringen milde Atlantikluft nach Deutschland, nördliche und vor allem östliche Kaltluft. Bei Süd- und Zentralhochlagen muss ein starker Wind die bodennah aus Ost einsickernde oder vor Ort immer wieder neu entstehende Kaltluftschicht vertreiben, ansonsten können auch sie im Tiefland bitterkalt sein, während es auf den Berggipfeln sehr mild ist. Der Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Luftströmungen mit Westanteil (Großwettertypen W, SW und NW) sowie den Wintertemperaturen in Deutschland ist sehr eng (folgende Grafik):

Für längerfristige Vorhersagen muss man die Zirkulationsverhältnisse vorhersehen können, was kaum möglich ist. Im Herbst 2018 war die Zonalzirkulation fast durchgängig viel zu schwach, wie schon seit Februar, was aber nur dann einen Kaltwinter nach sich ziehen kann, wenn sie sich weiterhin nicht beschleunigt. Ob die seit der Jahrtausendwende zu beobachtende leichte Abnahme der Westlagenhäufigkeit in diesem Jahr eine Rolle spielt, ist mehr als fraglich. Wegen der aktuell abklingenden Ostwind-Phase der QBO (Erklärung siehe Punkt 7) kann eine Zonalisierung Richtung Winter vermutet werden. Die zwei folgenden Kartenbeispiele (Quellen: wetterzentrale.de) zeigen, wie die Zirkulation über Europa Anfang Dezember für einen Kaltwinter in Deutschland in etwa zumindest zeitweise aussehen müsste. Sie sind freilich idealtypisch und können in großer Variationsbreite auftreten. Die erste Möglichkeit wäre ein markanter troposphärischer Kältepol, kenntlich an den blauen bis violetten Farben, deutlich östlich von Grönland im europäischen Sektor der Arktis; aus dem es massive Kälteausbrüche, verbunden mit Austrogungen nach Süden, geben kann, so wie im Dezember 1981:

Die zweite Möglichkeit ist die allmähliche, „ruhige“, aber oft sehr wirkungsvolle, anhaltende Kaltluftzufuhr aus Osten. Dazu muss kein ausgeprägter troposphärischer Kältepol in unserer Nähe liegen; es reicht eine massive Meridionalisierung der Höhenströmung, und zwar so, dass ein markanter Höhenkeil über dem Ostatlantik/Westeuropa Richtung Nordmeer/Arktis weist, der auf seiner Ostseite ein kräftiges „Skandinavien- Hoch“ stützt, so wie Anfang Dezember 2002:

Zumindest bis Ende der ersten Dezemberdekade deuten sich derartige Situationen nicht vordergründig an; siehe folgendes Kapitel „Die Mittelfristigen Modelle“. Danach sind sie freilich nicht gänzlich auszuschließen. Die Zirkulationsverhältnisse geben momentan also eher Hinweise auf normale bis milde Winterwitterung.

5. Die mittelfristigen Modelle: Lauer Frühwinter-Auftakt?

Die verbesserte Kurzfrist-Vorhersagegüte (etwa 1 bis 4 Tage im Voraus) resultierte aus der Entwicklung und Verfeinerung numerischer Modelle, basierend auf Gleichungen der Thermodynamik, in Verbindung mit immer schnelleren Computern sowie mehr und besseren Mess- oder Beobachtungsdaten per Satelliten und Automaten. Für längerfristige Vorhersagen dienen sogenannte Ensemble-Modelle, bei denen man die Ergebnisse mehrerer Modell-Läufe (gerechnet mit leicht variierten Anfangsparametern) mittelt. Sie liefern keine detaillierten Vorhersagen, doch gute Abschätzungen der Luftdruckverhältnisse für etwa eine Woche im Voraus und vage für bis zu 15 Tagen. Die Ensemble-Vorhersagekarte des NOAA (US-Wetterdienst) vom 25.11. für den 10.12.2018 zeigt tiefen Luftdruck südlich von Grönland bis zum Nordmeer, hohen Luftdruck westlich von Frankreich (Quelle: NOAA). Sollte das so eintreten (noch sehr unsicher), so würde über Mitteleuropa eine relativ milde West- bis Nordwestströmung herrschen; nach Winter sieht das nicht aus:

In den Modellrechnungen entstehen bei derart langen Vorhersagezeiträumen aber oft gravierende Differenzen der einzelnen, gerechneten Läufe, oben das amerikanische GFS von 24.11., 00 UTC, unten nur 12 Stunden später, jeweils für den 10. Dezember 2018 berechnet (Quelle). Man erkennt deutliche Unterschiede:

Die obere Karte ähnelt einer Skandinavien-Hochlage mit trockener Kälte, die untere einer antizyklonalen, milden Westwetterlage. Letztere ist wahrscheinlicher, weil sie auch von den meisten Modell-Läufen am 25.11.2018 so gezeigt wurde. Bis etwa Mitte Dezember wird es also mit erhöhter Wahrscheinlichkeit keinen „richtigen“ Winter geben; leider auch nur wenig vom dringend benötigten Niederschlag; Nachtfröste mit Glätte sind zeit- und gebietsweise aber durchaus möglich.

6. Die aktuelle Tendenz der Wintertemperaturen in Deutschland

Trends erlauben nie Rückschlüsse auf den Einzelfall und keine Extrapolation in die Zukunft. Die Wintertemperaturen entwickelten sich in den letzten gut 30 Jahren folgendermaßen:

Trotz der sehr milden Winter 2013/14 und 2015/16 und kontinuierlich steigender CO2-Konzentration (obere, grüne Linie) fiel das Wintermittel seit 31 Jahren, wenngleich nicht signifikant, weil die schon erwähnte nachlassende Sonnenaktivität und schwächere Zonalzirkulation bereits Wirkung zeigen. Und die DWD-Daten sind nicht wärmeinselbereinigt. Einen deutlicher fallenden Trend zeigt die wärmeinselarme Station Amtsberg/Erzgebirge:

Aber die „richtige“ Kälte dürfte indes wegen der Trägheit des Klimasystems erst in wenigen Jahren bis Jahrzehnten zuschlagen („Kleine Eiszeit“). Die seit einigen Jahren wieder leicht steigende Zahl von Nebeltagen weist gleichfalls auf eine sehr langsam beginnende Abkühlung hin.

7. Die Nordatlantische Oszillation (NAO), die AMO, die QBO und der Polarwirbel

Der NAO-Index ist ein Maß für die Intensität der Westströmung über dem Ostatlantik im Vergleich zum Langjährigen Mittel. Positive NAO-Werte bedeuten häufigere und intensivere, im Winter eher milde Westwetterlagen. Bei negativen NAO-Werten schwächt sich die Intensität der Zonalströmung ab, bei stark negativen Werten kann sie gar in eine Ostströmung umschlagen oder meridional verlaufen. Die NAO war im Sommer und bis weit in den Herbst fast durchweg positiv; erst ab dem Spätherbst zeitweise negativ (Quelle):

Mitunter verändert sich die NAO sprunghaft (schwere Vorhersagbarkeit). Die AMO (ein Maß für die Wassertemperaturschwankungen im zentralen Nordatlantik) beendet gegenwärtig ihre Warmphase. Ein kompletter AMO-Zyklus dauerte seit Beginn regelmäßiger Messungen immer etwa 50 bis 80 Jahre, somit ist in naher Zukunft ein Wechsel in die Kaltphase wahrscheinlich. Mehr zum Zusammenhang von AMO, NAO und den Temperaturverhältnissen in Deutschland unter anderem hier http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/im-takt-der-amo-und-der-nao-3-das-haeufigkeitsverhalten-der-grosswetterlagen-und-dessen-auswirkungen-auf-die-deutschland-temperaturen/ . Die folgende Abbildung beginnt mit dem 10-jährigen Gleitmittel ab 1880/81 unter Einbeziehung der Werte ab 1871/72. Die AMO (grün) verhält sich fast spiegelbildlich zu NAO (obere schwarze Kurve), der Westwetterlagenhäufigkeit (unterste, violette Kurve) und den Wintertemperaturen in Deutschland. Die Gleitmittel wurden dann nochmals 15-jährig geglättet (fette Linien).

AMO-Warmphasen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für einen kalten Winter leicht, weil diese Konstellation kalte, nordöstliche Strömungen („Wintermonsun“) begünstigen könnte. Und die sogenannte QBO (Windverhältnisse in der unteren Stratosphäre der Tropen, die etwa alle 2,2 Jahre zwischen West und Ost wechseln) war im Oktober in den tieferen Schichten noch in der Ostwind-Phase, scheint aber momentan von der oberen Stratosphäre her in die Westwind-Phase zu drehen. Wenn sich diese Westwind-Phase auch in der unteren Stratosphäre einstellen sollte, könnte das Zonale Lagen und damit einen Mildwinter forcieren. In diesem Zusammenhang lohnt noch ein Blick auf die mögliche Entwicklung des Polarwirbels. Ein ungestörter, sehr kalter Polarwirbel im 10-hPa-Niveau (gut 25 Km Höhe, Stratosphäre) ist kreisrund und in der Arktis extrem kalt, was Westwetterlagen begünstigt, welche in Deutschland mild sind. Für den 11. Dezember wird ein Polarwirbel vorhergesagt, der gut entwickelt und kaum gestört ist; in seinem Zentrum über Island herrschen unter minus 84°C – leider ein wichtiges Vorzeichen für milde Witterung über Mitteleuropa (Quelle: Französischer Wetterdienst):

Ein schönes Beispiel für einen massiv gestörten Polarwirbel mit starker Stratosphären-Erwärmung über der Arktis findet sich Mitte Februar 2018; knappe zwei Wochen später folgte in Deutschland eine markante Kältewelle aus Nordost:

NAO, QBO, AMO und das Verhalten des Polarwirbels deuten also auf einen eher normalen bis milden Winter hin.

8. Verursacht das angeblich verschwindende Arktische Meereis kältere Winter? Für die relativ kalten Winter 2009/10 und 2012/13 wurde das schwindende arktische Meereis, speziell im September, verantwortlich gemacht. Mit etwa 4,7 Millionen Km² gab es im Septembermittel 2018 eine größere Eisfläche, als zum bisherigen Negativ-Rekordmittel von 3,57 Millionen Km² (Sept. 2012) (Daten: NSIDC, National Snow and Ice Data Center der USA). Bei AMO-Warmphasen wird mehr Wärme in die europäische Arktis eingetragen. Die minimale Eisausdehnung und die geringere Westlagenhäufigkeit der 2000er Jahre „passen“ gut zum AMO-Maximum. Genaueres Zahlenmaterial zur Eisausdehnung liegt leider erst seit 1979 vor (Einführung der flächendeckenden, satellitengestützten Überwachung). Zumindest in diesem relativ kurzen Zeitraum von mehr als 35 Jahren bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen der AMO und der Fläche des winterlichen Arktis-Meereises:

Ähnlich wie in den 1930er Jahren, als während der damaligen AMO-Warmphase ebenfalls ein Meereisrückgang sowie vor allem ein starkes Abschmelzen der Grönland-Gletscher herrschte. Näheres dazu hier. Die These „weniger Arktiseis – mehr Winterkälte in Deutschland“ ist unhaltbar; tatsächlich fehlt jeglicher Zusammenhang:

Auch bei Betrachtung anderer Bezugszeiträume besteht keine Korrelation. Die aktuelle Meereisbedeckung im Vergleich zu den Vorjahren auf der Nordhalbkugel kann man hier abrufen. Laut einer Fehlprognose von Al Gore sollte der Nordpol schon im Spätsommer 2013 eisfrei sein. Näheres hier. Im Herbst 2018 setzte das Eiswachstum relativ spät und verhalten ein, aber nur kurzzeitig gab es weniger Eisflächen, als im Spätherbst 2012, ab Anfang November wuchs die eisbedeckte Fläche dann stark; das könnte den Temperaturgegensatz zwischen niederen und hohen Breiten verstärken und milde Westlagen im Frühwinter begünstigen. Insgesamt hat das komplizierte, wenig erforschte Zusammenspiel zwischen Meeresströmungen, AMO, Meereis und Großwetterlagen wahrscheinlich großen Einfluss auf die Witterungsverhältnisse. Die Ausdehnung der Schneebedeckung im Spätherbst (Okt/Nov) in Eurasien hat ebenfalls keine eindeutigen Auswirkungen auf die deutsche Winterwitterung. So bedeckte der Schnee in den Spätherbsten 1968, 70, 72, 76, 93, 2002, 09, 14,15 und 16 auf der größten zusammenhängenden Landmasse der Erde eine deutlich überdurchschnittliche Fläche, doch nur die 3 Winter 1968/69, 2002/03 und 2009/10 waren danach zu kalt, während die anderen 7 zu mild ausfielen; letztmalig der von 2016/17, trotz des kalten Januars. Eine große Überraschung bot dieser Analyseteil trotzdem. Im Herbst und Winter wächst nämlich die mit Schnee bedeckte Fläche Eurasiens; nur im Frühling und Sommer nimmt sie ab. Sollte es Dank des „Klimawandels“ nicht immer weniger Schneeflächen in allen Jahreszeiten geben?? Und die wahre Ursache für die Abnahme im Frühjahr/Sommer ist nicht das CO2, sondern vermutlich mehr Sonnenschein (siehe folgende Abbildung):

9. Analogfälle (ähnliche Witterung wie 2018)

Bei dieser Methode werden die dem Winter vorangehenden Monate hinsichtlich ihres Witterungsverlaufs untersucht. Erschwerend dabei ist das Fehlen mehrerer Vergleichsfälle für das ungewöhnlich trocken-warme Sommerhalbjahr 2018; allenfalls 1947, 1982 und 2003 ähneln diesem, jedoch mit großen Abstrichen. Deren Folge-Winter 1947/48, 1982/83 und 2003/04 verliefen mehr oder weniger deutlich zu mild. Betrachtet man alle mehr oder weniger zu kalten Winter der vergangenen 4 Jahrzehnte inklusive solcher, die bei milder Gesamtwitterung mindestens eine mehrwöchige Kälteperiode aufwiesen, so gingen diesen Wintern bis auf die Ausnahme von 2011 Herbste voraus, die schon mindestens einen auffälligen Kälteeinbruch hatten. Dabei war nur selten der Herbst insgesamt zu kalt, aber er wies dann mindestens einen zu kalten Monat oder wenigstens eine markante Kaltphase auf (November 1978, 1980, 1981, 1984, 1985, September 1986, September 1990, November 1993, November 1995, September 1996, September/Oktober 2002, November 2005, September 2008, Oktober 2009, November 2010, Oktober 2012, 2015, Oktober/November 2016, September 2017). Schneite es bereits im Oktober stellenweise bis ins Flachland (2002, 2009, 2012 und 2015), so war in den ersten 3 Fällen der gesamte Winter zu kalt; 2015/16 kam es nur im Januar besonders in Nordostdeutschland zu längeren, winterlichen Phasen. Vor den meisten fast durchgängig milden Wintern (1973/74,1974/75,1987/88,1988/89,1989/90, 2006/07, 2007/08, 2013/14, 2014/15) waren die Herbste entweder rau, gemäßigt oder extrem mild; markante Kälteeinbrüche fehlten jedoch oder waren so wie auch 2018 nur kurz (November 1988 und 1989). Das Witterungsverhalten im September/Oktober 2018 (beide zu mild und zu trocken) ähnelte, freilich nur sehr grob, dem im Jahre 1949 und 2006; der Folgewinter 1949/50 verlief etwas, der von 2006/07 extrem mild.

Zu warmen Sommern folgen meist milde statt kalte Wintern (positiver Zusammenhang). Für seriöse Vorhersagen ist diese Beziehung freilich auch viel zu schwach. Zwischen den Herbst- und Wintertemperaturen findet sich sogar ein etwas deutlicherer positiver Zusammenhang. Schon der August liefert aber manchmal erste Hinweise. Er wies 2018 nach der Objektiven Wetterlagen-Klassifikation des DWD (seit 1979 verfügbar) mit 26 Tagen etwas zu viele mit Westanteil, darunter 19 mit Südwestanteil und nach der HESS/BREZOWSKY-Klassifizierung mit 6 Tagen etwas zu viele mit Südanteil auf. Ähnlichen Augusten folgten in der Vergangenheit zu 50 bis 60% milde und nur zu 10 bis 25% kalte Winter; die restlichen waren normal; auch nach dem August 2017 traf diese Regel zu. Auch die zu geringe Anzahl der Wetterlagen mit nördlichem Strömungsanteil zwischen Juli und September 2018 ist ein gewisser Hinweis auf einen eher milden Winter. Aber der dem Winter vorausgehende März (2018 zu kalt) lässt einen zu kalten Winter mit erhöhter Wahrscheinlichkeit noch möglich werden. In den 125 Fällen seit 1761, bei denen der Vor- März im Deutschlandmittel weniger als +3°C erreichte, also merklich zu kalt war, verlief der folgende Winter in 57 Fällen zu kalt, in je 34 Fällen normal und zu mild. Fast allen der kältesten Winter mit unter minus 4°C im DWD-Mittel, so denen von 1783/84, 1798/99, 1829/30, 1837/38, 1840/41, 1928/29, 1939/40 und 1962/63, gingen kalte Märzen voraus; lediglich der Winter 1946/47 hatte einen normalen Vormärz. Ähnliche Beziehungen ergeben sich zwischen Vormärz und Januar. Seit fast 60 Jahren hat es jedoch keinen derartigen Strengwinter mehr gegeben; und es bleibt fraglich, ob diese „Vormärzregel“ in unserem momentanen „Klimaoptimum“ noch von Bedeutung ist; vielleicht kündigt sie wenigstens einen einzelnen, kalten Wintermonat an. Sehr widersprüchliche Signale sendete auch der zweigeteilte November 2018. Dessen erste, extrem milde Hälfte mit hohem Luftdruck über Osteuropa (viele Südlagen) deutet eher einen Kaltwinter an; während die kalte zweite Hälfte mit hohem Luftdruck, der von Skandinavien nach Island/Grönland abzog, eher auf einen Normalwinter schließen lässt. Insgesamt deutet sich nach den Analogfällen also eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen normalen bis zu milden Winter, aber vielleicht trotzdem mit einer längeren Kaltphase oder einem kalten Wintermonat, an.

10. Die Hurrikan-Aktivität (Nordatlantik) und Zyklonen-Aktivität (nördlicher Indik)

Mit gewissen Abstrichen (mangelnde Beobachtungsmöglichkeiten vor Einführung der Satellitentechnik) ist die jährliche Anzahl der Tropischen Wirbelstürme im Nordatlantik (Hurrikane) und der Zyklone (nördlicher Indischer Ozean) etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. Die verheerenden, meist wenige Tage bis selten länger als zwei Wochen existierenden Hurrikane gelangen nie nach Mitteleuropa. Aber sie beeinflussen unsere Witterung. Sie schwächen bei bestimmten Zugbahnen das Azorenhoch oder kommen bei Einbeziehung in die Westdrift als normale Tiefs nach Europa, wo sie im Spätsommer/Frühherbst mitunter einen Witterungsumschwung einleiten. Auch die Anzahl der im nördlichen Indischen Ozean jährlich vorkommenden Wirbelstürme (Zyklone) könnte einen gewissen Einfluss auf unsere Winterwitterung haben; es gibt von 1890 bis 2014 eine leicht negative Korrelation (tendenziell kältere Winter, wenn dort viele Zyklone auftraten). Im Mittel von 1851 bis 2017 sind gut 5 Hurrikane pro Jahr (die Saison beginnt meist erst zwischen Mai und Juli, doch 2016 gab es schon im Januar einen Hurrikan, und endet spätestens Anfang Dezember) aufgetreten. Erreichte ihre Zahl mindestens 10 (1870, 1878, 1886, 1887, 1893, 1916, 1933, 1950, 1969, 1995, 1998, 2005, 2012 und 2017), so waren von den 14 Folgewintern 11 zu kalt, und nur 3 (1998/99, 1950/51 und 2017/18, da aber kalter Februar!) zu mild. Bei fast all diesen Fällen brachte allerdings schon der Spätherbst markante Kältewellen; selbst vor zwei der milden Wintern waren diese zu beobachten; besonders markant 1998, und 2017 war der September zu kalt. Bei deutlich übernormaler Hurrikan-Anzahl besteht eine erhöhte Neigung zur Bildung winterlicher Hochdruckgebiete zwischen Grönland und Skandinavien. In diesem Jahr gab es bislang erst 8 Hurrikane und damit nur etwas zu viele, was undeutlich für einen kalten Winter spricht. Im Indischen Ozean war die Zyklonen-Aktivität 2018 auch leicht überdurchschnittlich, was ebenfalls auf einen eher kalten Winter hindeutet. Die Wirbelsturm- Aktivität weist diesmal also, wenn auch nur sehr vage, auf einen Kaltwinter in Deutschland hin.

11. Die Langfrist- Vorhersagen einiger Institute, Wetterdienste und Privatpersonen:

UKMO (Großbritannien): Stand 11.11.2018 Winter (D, J, F) mit gering erhöhter Wahrscheinlichkeit in Deutschland zu mild (folgende Karte):

Anmerkung: Hier wird nur die erste UKMO- Karte gezeigt. Es gibt zwei weitere, eine mit der Probability (Wahrscheinlichkeit) für einen normalen Winter und eine für einen zu kalten; erstere weist eine Wahrscheinlichkeit von 20 bis 40% auf; während ein zu kalter Winter zu etwas über 20% wahrscheinlich ist.

Neuerdings wird auch eine Median-bezogene Wahrscheinlichkeitsaussage angeboten; sie zeigt eine partiell leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für über dem Median liegende Wintertemperaturen besonders in Süd- und Mitteldeutschland:

Die aktuellen Karten jederzeit hier.

Meteo Schweiz Stand Nov. 2018: Gering erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen zu milden Winter. Zu kalter Winter zu knapp 30% wahrscheinlich; normaler zu 33%. Die „doppelten T“ sind die Fehlerbalken; die Prognose gilt nur für die Nordostschweiz:

LARS THIEME (langfristwetter.com) Vorhersage von Anfang November 2018: Dezember normal, Januar sehr kalt, Februar etwas zu mild. Winter insgesamt etwa normal. Die Prognose bezieht sich vorrangig auf Mittel- und Nordostdeutschland:

IRI (folgende Abbildung), Vorhersage vom Nov. 2018: Kaum Aussagen für Deutschland; lediglich in Ostsachsen und Südbayern leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen zu kalten Winter; zu mild in weiten Teilen Nord- und Osteuropas:

DWD (Offenbach): In Deutschland 0,5 bis 1°C zu mild, bezogen auf den Mittelwert der Jahre 1990 bis 2017 (Stand Nov. 2018):

NASA (US-Weltraumbehörde) Karten vom November 2018: Alle drei Wintermonate und Winter insgesamt zu mild:

Donnerwetter Berlin (Quelle). Neben den Aussagen für Berlin werden auch gesamtdeutsche getroffen, freilich ohne Bezugswert; Stand Nov. 2018:

Alle 3 Wintermonate in Deutschland zu kühl; in Berlin soll der Winter um 2 bis 3 Kelvin zu kalt ausfallen; wobei der Januar 2019 die stärksten negativen Abweichungen bringen soll.

CFSv2- Modell des NOAA (Wetterdienst der USA, folgende 3 Abbildungen, Eingabezeitraum 14. bis 23.11. 2018): Winter insgesamt zu mild. Dezember (links) normal, nur in Südwestdeutschland etwas zu mild, Januar (rechts) besonders in Ostdeutschland sehr mild, Februar (unten) besonders an den Küsten sehr mild. Die vorhergesagten Temperaturabweichungen beziehen sich auf die Mittelwerte der Periode 1981 bis 2010. Diese experimentellen, fast täglich aktualisierten, aber leider oft falschen Prognosen gibt es hier (Europe T2m, ganz unten in der Menütabelle; E3 ist der aktuellste Eingabezeitraum):

Die Mehrzahl dieser experimentellen, nicht verlässlichen Langfristprognosen deutet einen eher normalen bis zu milden Winter an.

Fazit: Eindeutige, verlässliche Anzeichen für einen Winter sowohl in die extrem kalte als auch in die extrem milde Richtung fehlen. Die Prognosesignale sowie die Vorhersagen der Wetterdienste und Institute tendieren bei großer Unsicherheit in Richtung eines normalen bis zu milden Winters. Gegenwärtig kündigen sich keine markanten Kälteeinbrüche bis mindestens zum 10. Dezember an. Insgesamt fällt der Winter 2018/19 nach momentanem Stand also in etwa normal bis mäßig-mild aus und wird im Deutschland- Mittel auf -0,5 bis +2,5°C geschätzt (LJM 1981 bis 2010 +0,9°C); bei den sehr widersprüchlichen Prognosesignalen muss die weitere Entwicklung aber noch abgewartet werden. In den Kategorien „zu kalt“, „normal“ und „zu mild“ stellen sich die Wahrscheinlichkeiten des Winters 2018/19 folgendermaßen dar:

Die Schneesituation für Wintersport besonders in Lagen unter 1.500m bleibt zumindest in der ersten Dezemberdekade meist mangelhaft, weil intensive Niederschläge fehlen und es zeitweise auch hier zu Plustemperaturen kommen kann. Geschätzte Dezember- Monatsmitteltemperatur für Erfurt- Bindersleben (Mittel 1981- 2010 +0,5°C) 0,0 bis +2,5°C (normal bis zu mild). Für Jan/Feb. 2019 lässt sich noch kein Temperaturbereich schätzen; doch deuten manche Signale auf einen eher kalten Januar 2019 und einen eher sehr milden Februar hin. Das Schneeaufkommen nach Mitte Dezember ist kaum vorhersehbar (langfristige Niederschlagsprognosen sind besonders unsicher). Zur Winterlänge fehlen bisher ebenfalls noch Hinweise. Die Hochwinterwitterung (Jan/Feb.) kann erst anhand des Witterungstrends zum Jahreswechsel etwas genauer abgeschätzt werden; momentan ist ein normaler bis milder Hochwinter deutlich wahrscheinlicher, als ein durchgehend zu kalter. Wegen eines möglichen Wechsels zur Westwindphase in der unteren Stratosphäre (QBO) sind nämlich längere, sehr milde Phasen noch nicht völlig ausgeschlossen; sie stehen im Widerspruch zu einigen Prognosesignalen für einen kalten Januar. Sollte der Dezember zu mild ausfallen, so erhöht das die Wahrscheinlichkeit für einen milden Hochwinter 2019 noch weiter.

Dieses Fazit wurde aus 10% der Tendenz der Bauernregeln, 10% Sonnenaktivität, 20% Zirkulationsverhältnisse, 10% Mittelfrist- Modelle, 10% NAO, AMO,QBO, Polarwirbel, 15% Analogfälle, 5% Wirbelsturm-Aktivität und 20% der vorwiegenden Tendenz der Langfristprognosen gewichtet. Aktualisierung voraussichtlich Ende Dezember.

Zusammengestellt von Stefan Kämpfe, unabhängiger Klimaforscher, am 25.11. 2018




Warum ist es so cool, pessimistisch zu sein?

Hat sich während der letzten 20 Jahre die Prozentzahl der in extremer Armut lebenden Bevölkerung verdoppelt, fast halbiert oder ist sie in etwa gleich geblieben? Als der schwedische Statistiker und Gesundheitsexperte Hans Rosling seinen Mitmenschen im Jahre 2013 diese Frage vorlegte, war er erstaunt ob deren Antworten. Nur 5% der befragten Amerikaner gaben die richtige Antwort: Extreme Armut hat sich fast halbiert. Verschmitzt hatte er darauf hingewiesen, dass ein Schimpanse viel besser abgeschnitten hätte, indem er eine Zufalls-Antwort gegeben hätte. Menschen sind also schlimmer als nur ignorant: Sie glauben, viel Düsteres über die Welt zu wissen, was in Wirklichkeit gar nicht stimmt.

Vor seinem frühzeitigen Tod im vorigen Jahr hat er zusammen mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter ein ausgezeichnetes Buch veröffentlicht, in welchem es um einen derartigen reflexiven Pessimismus geht. Sein Titel sagt alles: Factfulness: Ten Reasons We’re Wrong About the World—and Why Things Are Better Than You Think [eine Rezension des Buches beim EIKE findet sich hier]. Als Autor eines Buches mit dem Titel „The Rational Optimist“ bin ich glücklich, auf ihren Zug aufspringen zu können, in welchem auch Autoren wie Steven Pinker, Björn Lomborg, Michael Shermer und Gregg Easterbrook sitzen.

Uns Neuen Optimisten bläst aber immer noch der Wind ins Gesicht. Egal wie überzeugend unsere Beweise sein mögen, wir stoßen regelmäßig auf Unglauben und sogar Feindlichkeit, als ob die Betonung des Positiven etwas Herzloses sei. Menschen halten an ihrem Pessimismus bzgl. des Zustandes der Welt fest. John Stuart Mill beschrieb diese Tendenz bereits im Jahre 1828 sehr treffend: „Ich habe beobachtet, dass nicht derjenige als weise bewundert wird, der hofft, wenn andere verzweifeln, sondern nur derjenige, der verzweifelt, wenn andere hoffen“. Es ist cool, pessimistisch zu sein.

Studien kommen konsistent zu dem Ergebnis, dass Menschen in entwickelten Gesellschaften dazu neigen, pessimistisch zu sein hinsichtlich ihres Landes und er Welt, aber optimistisch hinsichtlich ihres eigenen Lebens. Sie erwarten, mehr zu verdienen und länger verheiratet zu bleiben als es allgemein der Fall ist. Eine Eurobarometer-Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass fast doppelt so viele Europäer ihre eigenen ökonomischen Perspektiven als im nächsten Jahr besser werdend einschätzen als umgekehrt. Gleichzeitig jedoch erwarten sie mit größerer Wahrscheinlichkeit, dass die Perspektiven ihres Landes sich eher verschlimmern als verbessern. Der Psychologe Martin Seligman von der University of Pennsylvania nennt einen Grund dafür: Wir glauben, unser eigenes Schicksal selbst in die Hand nehmen zu können, aber nicht das Schicksal der ganzen Gesellschaft.

Es gibt mit Sicherheit heutzutage viele Gründe, sich über den Zustand der Welt Sorgen zu machen, von Terrorismus über Fettleibigkeit bis hin zu Umweltproblemen, aber hinter der Persistenz des Pessimismus‘ hinsichtlich unseres Planeten muss es einige weitere Erklärungen jenseits der Fakten geben. Hier kommen ein paar Vorschläge:

Schlechte Nachrichten kommen plötzlich, während sich gute Nachrichten nur graduell erschließen. Daher haben schlechte Nachrichten einen höheren Nachrichtenwert. Schlachten, Bomben, Unfälle, Morde, Stürme, Überschwemmungen, Skandale und Katastrophen aller Art neigen dazu, über gute Nachrichten zu triumphieren. Im Gegensatz dazu findet die graduelle Abnahme der Armut in der Welt kaum einmal ihren Weg in die Schlagzeilen. Rosling drückt es so aus: „In den Medien übertreiben die ,Nachrichten-werten‘ Ereignisse das Ungewöhnliche und konzentrieren sich auf abrupte Änderungen“.

Flugzeugabstürze ereignen sich immer seltener, aber über jeden Einzelnen wird viel ausführlicher berichtet als früher.

Dies ist ein Teil dessen, was Psychologen den „Verfügbarkeits-Bias“ nennen, eine Marotte menschlicher Wahrnehmung, die zum ersten Mal in den siebziger Jahren angesprochen worden ist. Die Menschen überschätzen das Ausmaß der Kriminalität erheblich, weil kriminelle Akte die Nachrichten ganz unverhältnismäßig beherrschen. Aber zufällige Gewaltausbrüche finden immer ihren Weg in die Nachrichten, weil sie selten auftreten, während routinemäßige Freundlichkeit keinen Nachrichtenwert haben, weil sie so allgemein verbreitet ist.

Schlechte Nachrichten sind immer wichtig; gute Nachrichten vielleicht nicht. In prähistorischen Zeiten war es sinnvoller, sich über Risiken Gedanken zu machen – man vermied es damit, etwa von einem Löwen angefallen zu werden – als Erfolge zu feiern. Vielleicht haben Menschen deshalb einen „Negativitäts-Bias“. In einer Studie haben Forscher an der McGill-University untersucht, welche Nachrichten ihre Probanden wählten, um sie zu lesen. Das war für sie ein Augen öffnendes Experiment. Es stellte sich heraus, dass selbst dann, wenn die Leute sagen, sie wollen mehr gute Nachrichten hören, sie viel interessierter an schlechten Nachrichten waren: „Unabhängig davon, was die Teilnehmer sagten – sie legten eine Bevorzugung für negative Nachrichten an den Tag“, folgerten die Autoren Mark Trussler und Stuart Soroka.

Menschen denken in relativen, nicht absoluten Kategorien. Was interessiert ist, wie gut es einem im Verhältnis zu anderen Menschen geht, weil es das ist, was über den Wettbewerb um Ressourcen (und Partner) in der Steinzeit bestimmte. Gesagt zu bekommen, dass es anderen besser geht, ist daher eine Art schlechter Nachrichten. Verbessern sich die Umstände, nehmen die Menschen diese Verbesserungen als garantiert hin und überarbeiten ihre Erwartungen.

Mit der Verbesserung der Welt erweitern die Menschen ihre Definition, was schlechte Nachrichten sind. Dieses neue Ergebnis der Harvard-Psychologen David Levari und Daniel Gilbert, bekannt unter der Bezeichnung „Prävalenz-induzierte Konzept-Änderung“ [?] zeigt, dass je seltener irgendetwas wird, umso umfassender das Konzept revidiert wird. Eines ihrer Experimente ergab, dass je seltener sie blaue Punkte zeichneten, desto wahrscheinlicher bezeichneten Menschen violette Punkte als „blau“. Je seltener sie bedrohliche Gesichter zeigten, umso eher beschrieben die Probanden ein Gesicht als bedrohlich. „Es gibt auf allen Ebenen eine robuste Tendenz zu ,kriechen‘, wenn man das eigentlich nicht tun sollte“.

Man betrachten das Beispiel Luftverkehr: Flugzeugabstürze ereignen sich immer seltener – das Jahr 2017 war das erste Jahr ohne überhaupt einen einzigen Flugzeugabsturz, trotz der vier Milliarden Menschen in der Luft – aber jeder Absturz erhält drastisch mehr Aufmerksamkeit. Manche Leute halten Flugzeuge immer noch für ein riskantes Transportmittel.

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Der ganze Beitrag nebst Kommentaren steht hier hinter einer Zahlschranke.

Übersetzt von Chris frey EIKE