Die Net Zero-Agenda kommt zu uns – mit horrenden Stromrechnungen

Sophie Mellor, Fortune

Angesichts rekordhoher Energiekosten geht Europa das Gas aus und es kommt zu einer „Stromkrise“, die sich seit Jahren anbahnt. Während die weltweite Nachfrage nach Gas in die Höhe schießt, hat Europas Einsatz von intermittierenden erneuerbaren Energiequellen wie Wind- und Solarenergie in Verbindung mit dem aggressiven Ausstieg aus der Kohleverbrennung und der hohen EU-Kohlenstoffbesteuerung zu einer Verknappung des Stromangebots geführt.

Die Gaskrise auf dem Kontinent führt zu extremer Volatilität: In Großbritannien stieg der Strompreis am Donnerstag innerhalb von sieben Stunden um das Zehnfache auf ein Rekordhoch von 2.300 £ (3.180 $) pro Megawattstunde (MWh), da Irland, das regelmäßig Windenergie nach Großbritannien exportiert, selbst mit Versorgungsengpässen zu kämpfen hatte.

Damit sind sie nicht allein.

Diese Volatilität hat zu höheren Preisen geführt, die in Spanien, Deutschland und Frankreich Rekordhöhen erreicht haben. Privathaushalte tragen unterdessen die Hauptlast der Kosten.

Die horrenden Rechnungen kommen zu einem Zeitpunkt, da sowohl die Europäische Union als auch das Vereinigte Königreich darauf drängen, bei der Dekarbonisierung ihrer Energienetze weltweit führend zu werden. Letztes Jahr hat sich die EU beispielsweise verpflichtet, bis 2050 eine Netto-Null-Energieversorgung zu erreichen, was bedeutet, dass Kohlenstoff-intensive Energiequellen im Laufe des nächsten Jahrzehnts zugunsten nachhaltigerer Quellen wie Wind- und Solarenergie abgeschafft werden. Die Sache wird noch komplizierter: Die Energiepreise sind in diesem Jahr in die Höhe geschnellt, da die Nachfrage überall zunimmt, so dass die Hausbesitzer mitten im Auf und Ab eines zunehmend volatilen globalen Marktes stehen.

Nach Angaben des Strommarktbetreibers der iberischen Halbinsel (OMIE) zahlen die Kunden in Spanien und Portugal derzeit durchschnittlich 140 € (165 $) für eine MWh Strom – der höchste Preis seit 2002. Und am Donnerstag lag der Day-Ahead-Strompreis in Spanien bei einem Rekordwert von 152,32 €/MWh. In Frankreich und Großbritannien kündigte EDF Energy an, seine variablen Standardtarife ab 1. Oktober um 12 % zu erhöhen, um den steigenden Energiekosten im Großhandel Rechnung zu tragen. Auch der französische Referenzstrompreis für die Lieferung im nächsten Jahr erreichte mit 99,50 €/MWh ein Rekordhoch.

Derartige Rekordpreise für Gas werden normalerweise nicht in den Monaten vor dem Winter verzeichnet, wenn mehr Strom zum Heizen benötigt wird.

Eine umstrittene Verbindung

Wenn es eine Rettungsleine gibt, könnte sie aus Russland kommen.

Der staatliche russische Energieriese Gazprom gab am Freitag bekannt, dass er den Bau der umstrittenen 750 Meilen langen Erdgaspipeline Nord Stream 2 nach Deutschland abgeschlossen hat. Das Timing könnte nicht besser sein, denn es kommt nur einen Tag, nachdem die Strompreise in Großbritannien einen neuen Rekord erreicht haben und Irland davor gewarnt hat, dass eine Stromlücke zu Stromausfällen führen könnte.

Wenn alles nach Plan läuft, könnte innerhalb eines Monats russisches Gas auf den europäischen Kontinent fließen.

Bis dahin werden die europäischen Verbraucher den Preis dafür zahlen müssen. „Ich sehe keinen Grund für Stromausfälle, denn es gibt mehr als genug Stromversorgungsquellen. Es wird einfach nur teuer werden“, sagt Carlos Torres Diaz, Leiter der Gas- und Strommärkte beim Energie-Forschungsunternehmen Rystad Energy.

Jahre der Entstehung

Die derzeitige Energiekrise ist das Ergebnis jahrelanger politischer Entscheidungen, von denen viele in bester Absicht getroffen wurden, und hat Europa in eine heikle politische Lage gebracht.

In den letzten Jahren hat Europa seine eigenen Gasfelder stillgelegt, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern. Das größte Gasfeld Europas, das niederländische Groningen-Feld, wird derzeit acht Jahre früher als ursprünglich geplant stillgelegt, wobei die Fördermenge auf ein „Minimum“ reduziert wird, das nur noch als Reserve-Energiequelle dienen soll. Auch die Gasproduktion in Großbritannien ist nach Angaben des globalen Beratungsunternehmens für natürliche Ressourcen Wood Mackenzie im bisherigen Jahresverlauf um 28 % zurückgegangen, und auch die norwegische Gasproduktion ist aufgrund von Wartungsarbeiten zum Stillstand gekommen.

Russland hat die zunehmend prekäre Energieversorgung Europas nicht ignoriert. Russland hat die Erdgasausfuhr im Sommer aus Gründen der Gewinnmaximierung eingeschränkt und Europa damit in die Enge getrieben. Jetzt, da die Verunsicherung in Europa zunimmt, bemüht sich Russland, so schnell wie möglich Gas durch die Nord Stream 2-Pipeline zu leiten.

Der ganze Beitrag steht hier.

Link: https://www.thegwpf.com/europes-net-zero-agenda-hits-home-with-eye-watering-energy-bills/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Aufgeweckte Unternehmen müssen hinsichtlich ESG* aufwachen!

Paul Driessen

[ESG = Environmental, Social and Governance Standards, etwa gleichbedeutend mit der Umwelt-Gängelung von Allem und Jedem bei uns. A. d. Übers.]

Die vorherrschenden „Ethik“-Modelle ignorieren wichtige Energie-, Umwelt-, Arbeits- und Menschenrechtsfragen.

Eine wachsende Zahl von Unternehmen, Banken, Universitäten und Investmenthäusern führt Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards (ESG) und Offenlegungsvorschriften ein. Sie werden von Aktivisten, Gesetzgebern und Aufsichtsbehörden dazu gedrängt, dies zu tun. Viele erhoffen sich, durch vom Steuerzahler subventionierte Projekte im Bereich der „erneuerbaren“ Energien reich zu werden.

Fast alle hoffen, ihren Ruf zu verbessern, indem sie behaupten, sie würden die Welt zu einem besseren Ort machen mittels Reduktion der Emissionen fossiler Brennstoffe und damit der Temperaturen auf dem Planeten und extremer Wetterereignisse.

Kürzlich hat das US-Repräsentantenhaus ihnen Auftrieb gegeben. Mit 215:214 Stimmen (parteiübergreifend) wurde ein Gesetzentwurf verabschiedet, der die Pläne der Börsenaufsichtsbehörde unterstützt, neue ESG-Regeln einzuführen, die von börsennotierten Unternehmen verlangen, „Klimarisiken“ offenzulegen, die angeblich durch die Förderung und Nutzung von Öl, Gas und Kohle verursacht werden. Einige glauben, dass die SEC nun ESG-Klima-Behauptungen und Fehlverhalten genauer unter die Lupe nehmen könnte, aber das scheint unwahrscheinlich.

Unabhängig davon müssen die Unternehmen aufwachen und sich der Realität in den Bereichen Klima, erneuerbare Energien und ESG bewusst werden.

Die immer hysterischeren Behauptungen über das Klima und das Wetter wurden von Dr. Roy Spencer, Gregory Wrightstone, Marc Morano, Steven Koonin und anderen gründlich entlarvt. Aber das wirklich Ungeheuerliche an der ESG ist die Art und Weise, wie sie die massiven, weit verbreiteten Schäden, die durch pseudo-erneuerbare Energien verursacht werden, geflissentlich ignoriert.

[Hervorhebung vom Übersetzer]
Wind und Sonnenlicht sind sicherlich sauber, erneuerbar und nachhaltig. Aber ihre stark verstreute, unvorhersehbare und wetterabhängige Energie nutzbar zu machen, um den riesigen und wachsenden Energiebedarf der Menschheit zu decken, ist es absolut nicht. Dazu werden Ländereien und Rohstoffe benötigt, die alles andere als erneuerbar sind, und es werden Brennstoffe und Verfahren verwendet, die absolut nicht sauber, grün, ökologisch oder nachhaltig sind. Weil sie dies nicht erkennen, sind ESG-Programme unehrlich, ja sogar betrügerisch – und müssen reformiert, untersucht oder abgeschafft werden.

[Kursiv im Original, Fettdruck vom Übersetzer]

Der Flächen- und Rohstoffbedarf für Wind-, Solar- und Batterieanlagen ist astronomisch. Onshore-Windturbinen benötigen neunmal mehr Metalle und Mineralien pro Megawatt als ein modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk. Ein Onshore-Fundament für eine 3-MW-Turbine benötigt 600 Kubikmeter (1.500 Tonnen) Beton, plus Bewehrungsstahl.

Für Offshore-Windkraftanlagen werden 14 Mal mehr Materialien pro MW benötigt. Allein für die 2100 260 Meter hohen Offshore-Turbinen (30.000 Megawatt), die Präsident Biden bis 2030 installieren will, würden 110.000 Tonnen Kupfer sowie Millionen Tonnen Stahl, Aluminium, Glasfasern, Kobalt, Seltenerdmetalle und andere Materialien benötigt.

Bei einem durchschnittlichen Kupfergehalt von 0,44 % in den weltweiten Erzvorkommen müssten allein für das Kupfer 25 Millionen Tonnen Erz abgebaut und verarbeitet werden, nachdem 40 Millionen Tonnen Abraum abgetragen wurden, um die Erzlagerstätten zu erreichen!

Rechnet man die Materialien für Solarpaneele, weitere Onshore- und Offshore-Windturbinen, Backup-Batteriesysteme, Elektrofahrzeuge, Übertragungsleitungen und voll elektrische Heiz- und Kochsysteme für Privathaushalte hinzu – um die gesamten USA, Europa und die Welt zu versorgen – so würde die „grüne Energiewende“ Hunderte von Milliarden Tonnen Metalle, Mineralien und Kunststoffe, Billionen Tonnen Erze, Billionen Tonnen Abraum und Tausende von Bergwerken, Verarbeitungsanlagen und Fabriken erfordern. Nahezu alle diese Betriebe verwenden fossile Brennstoffe.

[Kursiv durchweg im Original]

Die amerikanischen Gesetze und Einstellungen machen den Bergbau in den Vereinigten Staaten nahezu unmöglich, selbst die Förderung von ESG-zertifizierten „grünen“ Energieanlagen. Das bedeutet, dass der größte Teil des Abbaus und der Verarbeitung in Afrika, Asien und Lateinamerika stattfinden wird, zunehmend durch chinesische Unternehmen. Die Produktion findet zunehmend in China statt, weshalb das Land jeden Monat mehr Kohlekraftwerke baut.

Bei Pseudo-Clean-Energy-Aktivitäten werden gefährliche Chemikalien eingesetzt und giftige Schadstoffe freigesetzt. Sie benötigen riesige Mengen an Wasser, oft in den wasserärmsten Regionen der Welt. Sie verursachen eine saure Minenentwässerung, Berge von Abraumhalden und führen oft zu riesigen „Seen“ mit giftigen Chemikalien aus der Raffinierung der Erze. In den meisten Fällen gibt es so gut wie keine Vorschriften für die Kontrolle der Umweltverschmutzung, die Rekultivierung des abgebauten Landes, den Schutz bedrohter Arten, die Sicherheit am Arbeitsplatz, Kinder- und Sklavenarbeit und faire Löhne.

Am Kobaltabbau sind bereits 40.000 afrikanische Kinder [in deutscher Übersetzung beim EIKE hier] im Alter von vier Jahren beteiligt! Viele chinesische Solarmodule werden mittels uigurischer Zwangsarbeit hergestellt. Die „grünen“ Bestrebungen der ESG würden diese Sklaverei um ein Vielfaches verstärken.

Diese Tragödien finden in Übersee statt – aus den Augen und aus dem Sinn – und lassen ESG-Aktivisten und Profiteure unaufhörlich falsche Behauptungen aufstellen, dass Energie, die fossile Brennstoffe ersetzt, sauber und tugendhaft ist. Wenn jedoch Wind-, Solar- und Batterieanlagen installiert werden, werden die negativen Folgen in den gesamten Vereinigten Staaten nachhallen.

Hunderte Millionen Hektar Landschaft, Lebensraum für Wildtiere und Küstengebiete würden in Mitleidenschaft gezogen; Millionen von Vögeln, Fledermäusen, Schildkröten und anderen Wildtieren würden vertrieben, verstümmelt und getötet. Und wenn ihr kurzes produktives Leben zu Ende ist, werden Milliarden von Turbinenschaufeln, Solarpaneelen und Batterien auf gigantischen Mülldeponien landen, weil sie nicht recycelt werden können; ihre giftigen Metalle und Chemikalien könnten in Böden, Flüsse und Grundwasser gelangen. Das Gleiche wird in Europa, Kanada, Australien und anderswo geschehen.

[Hervorhebung vom Übersetzer]

Selbst an windigen Tagen werden die 2.100 monströsen Offshore-Turbinen von Mr. Biden den Spitzenstrombedarf des Staates New York im Sommer nicht decken können. Allein um den Bedarf der US-Küstenstädte zu decken, wären Zehntausende von Turbinen erforderlich. Die mit der Installation der Turbinen verbundenen Bagger- und Aufschüttungsarbeiten würden Mollusken und andere benthische Arten ersticken. Vibrationsgeräusche würden die Navigation und Kommunikation von Walen und Schweinswalen beeinträchtigen. Ihre bloße Anwesenheit würde die Sicherheit von Flugzeugen, Fischerei-, Marine- und Handelsschiffen erheblich beeinträchtigen.

Für eine einzige industrielle Solaranlage in der Nähe von Fredericksburg, Virginia, mussten Tausende von Hektar Wald gerodet werden. Dominion Energy plant in Virginia Solaranlagen auf einer Fläche, die einem Viertel von Delaware entspricht. Die für den amerikanischen Südwesten geplanten Solaranlagen würden Millionen von Hektar Wüstenlebensraum überdecken. Wind- und Solaranlagen würden Dutzende von Vogel- und anderen Arten bedrohen oder ausrotten, die Umweltschützer seit Jahrzehnten einsetzen, um Bohrungen, Fracking und Pipelineprojekte zu verhindern.

Um weit entfernte Wind-, Solar- und Batterieanlagen mit Industriezentren und städtischen Gebieten zu verbinden, wären Tausende von Kilometern an neuen Übertragungsleitungen erforderlich – und noch mehr Stahl, Kupfer und Beton. Batteriebrände haben bereits Elektrofahrzeuge und Häuser zerstört. Stellen Sie sich vor, in riesige Lagerhallen, gefüllt mit Tausenden von Batteriemodulen, würden riesige, unkontrollierbare Feuersbrünste ausbrechen.

Biodieselprojekte haben bereits wichtige Schutzgebiete von Orang-Utans zerstört, und Tausende Hektar US-amerikanischer Laubwälder wurden zu Holzpellets für das britische Kraftwerk Drax verarbeitet.

Bedrohte, gefährdete, wandernde und marine Arten müssen geschützt werden – überall dort, wo Bergbau, Verarbeitung und Herstellung stattfinden, und überall dort, wo „erneuerbare“ Energieanlagen in Betracht gezogen werden. Die Auswirkungen von Infraschall und Lichtflimmern auf die menschliche Gesundheit müssen die Richtschnur für Entscheidungen darüber sein, wie nahe an Häusern und Unternehmen Windturbinen errichtet werden dürfen.

Reformierte ESG-Regeln – nennen wir sie Umwelt- und Menschenrechtsprinzipien (Environment and Human Rights (EHR) Principles) – müssen verlangen, dass all diese Fragen bei jedem Wind-, Solar-, Batterie-, Übertragungs- und Biokraftstoffprojekt berücksichtigt werden.

Die Menschen müssen im Voraus wissen, wie viele Turbinen, Paneele, Batterien und Stromleitungen geplant sind, wie viele Tonnen Metalle, Mineralien, Beton und Kunststoffe dafür benötigt werden, woher diese Materialien kommen und unter welchen Umwelt-, Verschmutzungs-, Sicherheits-, Lohn- und Kinderarbeitsstandards sie eingesetzt werden. Unternehmen und Regierungsbehörden müssen bescheinigen, dass die Lieferketten frei von Kinder- und Sklavenarbeit sind.

Vor der Genehmigung von Projekten müssen projektspezifische, umfassende und kumulative Umweltstudien für die USA und die ganze Welt durchgeführt werden, einschließlich regelmäßiger, unabhängiger Überprüfungen der Vertreibung, Verletzung und Tötung von Vögeln, Fledermäusen, Reptilien, Walen, Schweinswalen und anderen wild lebenden Tieren. Die Projektstudien müssen alle Auswirkungen auf die Umwelt, die menschliche Gesundheit, die Menschenrechte und andere Aspekte weltweit umfassend bewerten und dürfen nicht im Schnellverfahren durchgeführt werden.

Diese realitätsnahen EHR-Grundsätze werden dazu beitragen, dass jede „grüne Zukunft“ auf ethischen Standards beruht, die alle menschlichen und ökologischen Folgen berücksichtigen und die Welt tatsächlich zu einem besseren Ort machen. Sie können auch dazu beitragen, die Ermittlungen der SEC und die strafrechtliche Verfolgung von ESG-Fehlverhalten und -Betrug anzuleiten – und den dringend benötigten Bergbau in den Vereinigten Staaten voranzutreiben, um unsere Abhängigkeit von China, Russland, den Taliban in Afghanistan und anderen gegnerischen Ländern bei wichtigen und strategischen Mineralien zu verringern.

Link: https://www.heartland.org/news-opinion/news/woke-companies-must-wake-up-on-esg

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Sind Chinas Klima-Versprechungen nichts als eine Ladung heißer Luft? (Jawohl!)

Paul Homewood, NOT A LOT OF PEOPLE KNOW THAT

[Vorbemerkung des Übersetzers: Autor Paul Homewood zeigt hier ohne weiteren Kommentar einen Beitrag in The Spectator. – Ende Vorbemerkung]

China ist bereit, seine Zusammenarbeit in Klimafragen als Geisel für westliche Zugeständnisse in anderen Bereichen zu nehmen.

Nur wenige Städte in China stehen so sehr für die Abhängigkeit des Landes von der Kohle wie Tianjin, wohin Alok Sharma diese Woche reiste, um über die Zusammenarbeit in Klimafragen zu sprechen. Die Stadt liegt an der Küste einer der am stärksten verschmutzten Regionen Chinas, und ihr Hafen ist ein wichtiges Drehkreuz für den Handel mit 100 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr – das entspricht etwa dem Zwölffachen des jährlichen Kohleverbrauchs Großbritanniens.

Der chinesische Kohleverbrauch wird in diesem Jahr voraussichtlich um etwa zehn Prozent steigen. Um diese Nachfrage zu befriedigen, werden in der Inneren Mongolei, dem größten Kohlefördergebiet Chinas, im Eiltempo riesige neue Tagebaugruben in Betrieb genommen, von denen aus die Lieferungen die Küste hinunter nach Tianjin gebracht werden. Es besteht die Möglichkeit, dass Sharma beim Einflug einen Blick auf den riesigen Hafen, die Kohlehalden oder den Stau der auf das Anlegen wartenden Schiffe erhascht hat. In diesem Fall hätte er ein viel klareres Bild von Chinas Engagement für eine „nachhaltige Zukunft“ erhalten als die leeren Phrasen und vagen Versprechen seiner Gastgeber.

China hat zugesagt, dass seine Treibhausgasemissionen vor 2030 ihren höchsten Stand erreichen und das Land bis 2060 kohlenstoffneutral werden soll. Sharma, der im November in Glasgow den Klimagipfel der Vereinten Nationen COP26 leiten wird, möchte, dass China seine Ziele vorverlegt. Zumindest erwartete er vom Sonderbeauftragten für Klimawandel-Angelegenheiten, Xie Zhenhua, genauere Angaben darüber, wie China seine Ziele erreichen will. Er bekam keine – denn China macht einen großen Sprung in die entgegengesetzte Richtung.

China ist der größte Umweltverschmutzer der Welt und für 27 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – und es wird noch schlimmer werden. Das Land eröffnet neue Kohlekraftwerke und erhöht die Emissionen jährlich in einem Maße, das die Einsparungen der gesamten übrigen Welt zusammen genommen übersteigt. Im vergangenen Jahr wurden weltweit Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 37,75 Gigawatt stillgelegt, mehr als die Hälfte davon in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union, wie aus einer Analyse von Global Energy Monitor hervorgeht, das Trends bei fossilen Brennstoffen untersucht. In dieser Zeit hat China 38,4 Gigawatt an neuen Kraftwerken in Betrieb genommen – das ist dreimal mehr neue Kohlekraftwerkskapazität als der Rest der Welt zusammen.

China hat sich geweigert, von seinen Zieldaten abzurücken, und sich geweigert, Einzelheiten darüber zu nennen, wie es sie erreichen will. Diese Woche hieß es in einem bissigen Leitartikel der Global Times, einer Boulevardzeitung der Kommunistischen Partei:

China hat bereits seinen eigenen Klimafahrplan angekündigt und wird sich an sein eigenes Tempo halten.

Unterdessen baut China derzeit an mehr als 60 Standorten im ganzen Land neue Kohlekraftwerke, und die lokalen Behörden planen noch mehr. Weit davon entfernt, einen Plan für das Erreichen des „Emissionsmaximums“ im Jahr 2030 vorzulegen, scheint es, als ob China dies als Endpunkt eines Wettlaufs zum Bau möglichst vieler Kohlekraftwerke betrachtet. Es ist eine Bauwut, die die Bemühungen der übrigen Welt um eine Emissionsreduzierung ins Lächerliche zieht.

Der einzige Lichtblick ist ein offensichtlicher Rückgang der Zahl der neuen Kohlekraftwerke, die China im Rahmen seiner Belt and Road Initiative in Entwicklungsländern finanziert. Dieser Rückgang scheint eher auf den steigenden Kohlepreis und die Sorge um die Verschuldung zurückzuführen zu sein als auf eine Änderung der chinesischen Politik, obwohl Peking dies durchaus als Zugeständnis darstellen könnte.

China redet zwar viel über saubere Energie und Nachhaltigkeit. Es erzeugt mehr Energie aus Solarenergie als jedes andere Land und ist bestrebt, den Weltmarkt für viele grüne Technologien zu beherrschen. Aber 85 Prozent des Energieverbrauchs entfallen immer noch auf fossile Brennstoffe, und davon wiederum 57 Prozent auf Kohle.

Drei Tage vor Sharmas Besuch hatte der US-Klimabeauftragte John Kerry seine eigenen Treffen in China – ebenfalls in Tianjin, was einen nützlichen Einblick in Chinas Taktik bot. Kerry hatte gehofft, dass Klimafragen, die für die ganze Welt von so großer Bedeutung sind, von den heiklen bilateralen Spannungen abgekoppelt werden könnten. Wang Yi, der chinesische Außenminister, sagte ihm jedoch, er solle das vergessen, die Klimazusammenarbeit sei untrennbar und die USA sollten „aufhören, China in der Welt einzudämmen und zu unterdrücken“.

Dies deutet darauf hin, dass China bereit ist, seine Zusammenarbeit in Klimafragen als Geisel für Zugeständnisse in anderen Bereichen zu nehmen. Wenn das der Fall ist, sollten westliche Verhandlungsführer sehr vorsichtig sein. Diejenigen, die chinesischen Beamten bei Verhandlungen über Handel, Cyberspionage und vieles mehr gegenüber gesessen haben, werden mit der Taktik vertraut sein: die Opferrolle spielen, verschleierte Drohungen, vage Versprechungen, ein Mangel an Details bei jeglichen Zugeständnissen – und letztendlich das Ignorieren jeglicher erzielter Vereinbarung.

Der ehemalige Präsident Barack Obama, ein starker Befürworter der Zusammenarbeit mit China, schrieb in seinen Memoiren A Promised Land, dass Peking mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas „so ziemlich jede vereinbarte Regel des internationalen Handels umgeht, verbiegt oder bricht“. China ist ein Meister darin, dieses System zu seinem Vorteil zu nutzen. Es ist naiv zu glauben, dass es bei Klimafragen anders ist.

https://www.spectator.co.uk/article/are-china-s-climate-promises-just-a-load-of-hot-air-?mc_cid=8d54cf7c76&mc_eid=870a48a53b

Link: https://wattsupwiththat.com/2021/09/11/are-chinas-climate-promises-just-a-load-of-hot-air-yes/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Bürger organisieren sich zum Protest gegen Offshore-Windprojekte

Bonner Cohen, Ph. D.

[Hinweis: Alle Zahlenangaben werden hier umgerechnet in europäische Einheiten angegeben.]

Die Pläne der Regierung Biden, eine Reihe riesiger Offshore-Windenergieprojekte vor der Atlantik-, Pazifik- und Golfküste zu errichten, stoßen auf heftigen Gegenwind von Seiten der Anwohner, die mit den wirtschaftlichen und ökologischen Folgen der Vorliebe erneuerbarer Energien durch die herrschende Klasse zu kämpfen haben werden.

Auf der Insel Nantucket im US-Bundesstaat Massachusetts – nicht weit entfernt von der malerischen Insel Martha’s Vineyard – haben die Anwohner Klage gegen die Umweltverträglichkeitsprüfung für das geplante Projekt Vineyard Wind eingereicht, bei dem 100 riesige Turbinen 20 km vor der Küste installiert werden sollen. Es gibt jedoch bereits Pläne, das Projekt auf angrenzende Pachtgebiete auszuweiten und insgesamt 600 Turbinen mit einer Höhe bis 200 m in den Gewässern der Region zu installieren. Die Bewohner von Nantucket schließen sich Gruppen an, die sich von North Carolina bis Neuengland und entlang der Großen Seen gebildet haben, um ihre Gemeinden und die Tierwelt vor den Schäden zu schützen, die sie befürchten, sobald die Rotoren der Turbinen zu drehen beginnen.

Auf Nantucket haben Bürger die Gruppe ACK Rats gegründet, in Anspielung auf den Codenamen des örtlichen Flughafens, ACK, wobei Rats für „Residents Against Turbines“ steht.

„Einige Leute sind gegen die Entwicklung der Offshore-Windenergie, weil sie ihre Aussicht auf das Meer beeinträchtigen wird. Manche sind dagegen, weil die Strompreise steigen werden. Einige sind dagegen, weil es der kommerziellen Fischerei schaden wird“, sagte Val Oliver, Mitbegründer der ACK Rats, in einer Erklärung.

Umweltschäden

„Dies sind zwar alles berechtigte und wahre Bedenken, aber was uns in unserem Widerstand gegen die industrielle Offshore-Erschließung motiviert, ist die Tatsache, dass sie zur Zerstörung unseres Meeresbodens und seines Ökosystems führen und tödliche Auswirkungen auf unzählige Vögel, Käfer, Fledermäuse, Fische und den vom Aussterben bedrohten Nordatlantikwal (Right Whale) haben wird. Wir sind heute hier, um diese Arten zu retten, insbesondere den vom Aussterben bedrohten Glattwal“, fügte sie hinzu.

In der Klage der ACK Rats heißt es, dass das Bureau of Ocean Energy Management (BOEM) in seiner Umweltverträglichkeitserklärung (Environmental Impact Statement EIS) und in einem Nachtrag zur EIS die Auswirkungen des Vineyard Windprojektes auf Wale und andere Meeressäuger, Fische, Vögel, Meeresschildkröten, Luftqualität, Treibhausgasemissionen, kulturelle Ressourcen, Ästhetik und andere Ressourcenkategorien nicht ausreichend berücksichtigt hat. Sie fügt hinzu, dass die beiden NEPA-Dokumente (National Environmental Policy Act) von BOEM es auch versäumt haben, eine rechtlich angemessene Reihe von Alternativen zu untersuchen und die Auswirkungen des Projekts abzumildern, sowie die kumulativen Auswirkungen des Projekts grob unterschätzt haben.

Unterdessen berichtet das Jefferson Journal, dass eine breite Koalition von Offshore-Windkraftgegnern aus mehreren Bundesstaaten bereit ist, die gut finanzierte und subventionierte Windenergieindustrie zu bekämpfen. Sie nennen sich „Koalition für den Schutz und die Sicherheit des Meeres“. Einer der Anführer der Koalition ist David Stephenson vom Caesar Rodney Institute in Delaware. Stephenson, das Thomas Jefferson Institute for Public Policy in Virginia (Herausgeber des Jefferson Journal) und andere verfolgen die Klage der ACK Rats aufmerksam. Wenn die Umweltverträglichkeitsstudie von BOEM für Vineyard Wind vor Gericht gekippt werden kann, hoffen sie, dass dies ein Schuss vor den Bug eines ähnlichen geplanten Projekts vor der Küste Virginias sein wird.

Dominion Energy, ein in Richmond ansässiger Energieversorger, steht hinter dem Coastal Virginia OffshoreWindprojekt, das 43 km vor der Küste von Virginia Beach errichtet werden soll. In der ersten Phase soll das Projekt nach Angaben von Dominion eine Leistung von 2600 Megawatt erbringen. Die Virginia State Corporation Commission (SCC) schätzt die Gesamtkosten des Dominion-Projekts für die Verbraucher bis zum Jahr 2030 auf 37 Milliarden Dollar, da der Strom aus unzuverlässigem Wind erzeugt wird.

Derzeit ist in den USA nur ein einziges Offshore-Windprojekt in Betrieb, nämlich das 30-Megawatt-Projekt Block Island mit fünf Turbinen vor der Küste von Rhode Island. Block Island wurde 2016 in Betrieb genommen, liegt jetzt aber still. Vier der Turbinen sind aufgrund von Spannungsbrüchen außer Betrieb – ein Problem, das bereits Offshore-Windturbinen in Europa heimgesucht hat.

Offshore-Windkraft verliert rapide an Effizienz

Die Befürworter der Windenergie – Offshore- und Onshore-Windkraftanlagen – rühmen sich stolz mit der „Kapazität“ ihrer Projekte, eine bestimmte Menge an Strom zu erzeugen. Die Kapazität ist jedoch nicht mit der tatsächlichen Produktion zu verwechseln. Auch wenn der Wind auf See beständiger weht als an Land, verlieren Windturbinen auf See ihre Effizienz, sobald sie in Betrieb genommen werden, und ihre Effizienz nimmt von Jahr zu Jahr ab. Am Ende ihres Lebenszyklus‘ – nach etwa 20 Jahren – liegt ihre Produktion weit unter dem, was ursprünglich angekündigt wurde. Das Ersetzen veralteter Offshore-Windturbinen ist ein teures Unterfangen, dessen Kosten auf die Steuerzahler umgelegt werden. Und die neuen Turbinen, die die alten ersetzen, unterliegen dem gleichen, ständig sinkenden Wirkungsgrad.

Offshore-Wind ist Augenwischerei in ihrer reinsten Form. Halten Sie es von Ihrem Strand fern!

Autor: Bonner Cohen, Ph. D. is a senior policy analyst with CFACT, where he focuses on natural resources, energy, property rights, and geopolitical developments. Articles by Dr. Cohen have appeared in The Wall Street Journal, Forbes, Investor’s Busines Daily, The New York Post, The Washington Examiner, The Washington Times, The Hill, The Epoch Times, The Philadelphia Inquirer, The Atlanta Journal-Constitution, The Miami Herald, and dozens of other newspapers around the country. He has been interviewed on Fox News, Fox Business Network, CNN, NBC News, NPR, BBC, BBC Worldwide Television, N24 (German-language news network), and scores of radio stations in the U.S. and Canada. He has testified before the U.S. Senate Energy and Natural Resources Committee, the U.S. Senate Environment and Public Works Committee, the U.S. House Judiciary Committee, and the U.S. House Natural Resources Committee. Dr. Cohen has addressed conferences in the United States, United Kingdom, Germany, and Bangladesh. He has a B.A. from the University of Georgia and a Ph. D. – summa cum laude – from the University of Munich.

Link: https://www.cfact.org/2021/09/05/citizens-organize-to-block-offshore-wind-projects/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE




Was wir früher Lügen nannten, nennt man nun Computersimulation Moral

… so ähnlich lautete ein Songtext der Sängerin Milva [10]. Damals war das Militär angesprochen. Heute lässt sich damit synonym ein Vorgehen von Kampftruppen gegen das sich ständig wandelnde Klima beschreiben.
Helmut Kuntz

Klimaforscher entsetzt: Venedig versinkt früher als erwartet im Meer

Nach den Fluten in Deutschland ließ die nächste Klima-Katastrophenmeldung nicht lange auf sich warten. Wie das romantische Ahrtal, wird auch Venedig in Fluten versinken …
MSN-Nachrichten: SAT.1, 07.09.2021

Bild 1 Meldung von SAT.1 (und ProSieben) zu Venedig.

Im Video wird davon gesprochen, was die Klimaforscher erwarten: Der Meeresspiegel soll bei Venedig „ … um mehr als einen Meter in den nächsten Jahrzehnten steigen … sei sogar ein Anstieg um 170 cm bis zum Jahr 2100 möglich …

Bild 2 Aussage im Video zu Venedig

Bild 3 Aussage im Video zu Venedig

Dabei hatte eine noch unveröffentlichte Studie der Beratungsgruppe der Vereinten Nationen für den Klimawandel im Juni dieses Jahres noch festgestellt, dass es bis zum Jahr 2100 „voraussichtlich“ 50 cm Anstieg werden (könnten).

Bild 4 Meldung von euronews. Link: Venedig

Die Studie(n)

In den Videos ist kein Hinweis auf die Studien zu finden, welche Venedig „früher als erwartet“ im Meer versinken lassen. Doch hat „Der Standard“ ebenfalls darüber berichtet. Und was für die ökogläubigen, deutschen Bürger unwichtig ist, ist für seine (kritischeren?) österreichischen Leser vermerkt: Um welche Studien es sich dabei handelt.

[1] DerStandard, 7. September 2021: WELTERBE IN GEFAHR Steigender Meeresspiegel: Venedig droht schon bald unterzugehen
In wenigen Jahrzehnten könnte das Weltkulturgut um über einen Meter unter Wasser stehen.
Bereits eine 2018 veröffentlichte Studie im Fachjournal „Nature Communications“ kam zu dem Schluss, dass die
Folgen des Klimawandels für Venedig und dutzende andere Weltkulturerbestätten eine große Bedrohung darstellen …

Zitiert wird dazu im Artikel des „Standard“ vom 7. September 2021 zuerst eine Studie [2], welche bereits im Oktober 2018 veröffentlicht wurde.
Dabei zeigt sich wieder der häufige und typische Fall, dass Medien durch Wiederholen (und so tun, als wäre es aktuell herausgegeben) den Klimaalarm neu schüren.

Genau diese Studie wurde damals vom Autor rezensiert:
[3] EIKE 31.10.2018: Zeugnisse vergangener Kulturen sind durch den Klimawandel in Gefahr. Die Bedrohung betrifft vor allem Weltkulturerbestätten im Mittelmeerraum Teil 2 (2)
[4] EIKE 30. Oktober 2018: Zeugnisse vergangener Kulturen sind durch den Klimawandel in Gefahr. Die Bedrohung betrifft vor allem Weltkulturerbestätten im Mittelmeerraum Teil 1(2)

Das Ergebnis war eindeutig:
[3] [4] … Die aktuell postulierte Gefährdung hat eine Wahrscheinlichkeit von 1 % und muss nicht vom Klimawandel kommen, da sie schon immer bestand … Alle Gefährdungsszenarien stammen ausschließlich aus Modellsimulationen Der Anstieg von Flut- und Erosionsrisiko von bis zu 50 Prozent … basiert auf einem im Mittelmeerraum angenommenen Meeresspiegelanstieg von durchschnittlich 1,46 Meter bis zum Jahr 2100. Dieser Anstieg könnte mit einer fünfprozentigen Wahrscheinlichkeit (95. Perzentil) unter einem hohen Klimawandelszenario (RCP8.5) eintreten.

Grafisch sieht diese 5-prozentige Wahrscheinlichkeit unter rcp8.5 wie im Bild 5 aus. Dazu 5 % Wahrscheinlichkeit zu errechnen, schafft ein falsch geeignet parametrierter Computer mühelos. Sich zu trauen, so etwas zu publizieren, ist allerdings nur in den Klima-„Wissenschaften“ möglich.

Bild 5 Wirklicher und simulierter Pegelanstieg bei Venedig von 1885 – 2100 [3]

Nun hat eine wirklich neue Studie die schlimmen Vorhersagen der vorhergehenden Studie allerdings bestätigt:
[1] Der Standard: Im Extremfall bis zu 170 Zentimeter
… Eine aktuelle Studie lässt befürchten, dass die Uhr für Venedig schneller abgelaufen sein könnte, als man zunächst angenommen hatte. Ein Team von Klima- und Meeresforschern warnt nun im Fachmagazin „Natural Hazards and Earth System Sciences“ vor einem Anstieg des Meeresspiegels um mehr als einen Meter in den kommenden Jahrzehnten.
Sollte der Klimawandel nicht entscheidend gebremst werden, sei bis zum Jahr 2100 ein Anstieg um bis zu 120 Zentimeter möglich, hieß es. Als Extremszenario wurde sogar ein Anstieg um rund 170 Zentimeter berechnet.

Die Verlinkung im Artikel verweist dazu auf eine Seite der EGU (European Geosciences Union) „Venice flooding: understanding, prediction capabilities, and future projections“, welche auf eine Studie verweist: [5] Davide Zanchettin at al., 01 Sep 2021: Sea-level rise in Venice: historic and future trends
In dieser neuen Studie liest man dann (unter anderem):
(Übersetzt mit Deepl) [5] ... Die derzeit beste Schätzung der durchschnittlichen Rate des Meeresspiegelanstiegs während des Beobachtungszeitraums von 1872 bis 2019 auf der Grundlage von Tide-Gauge-Daten nach Beseitigung von Absenkungseffekten beträgt 1,23 ± 0,13 mm / Jahr. Eine höhere – aber unsicherere – Rate des Meeresspiegelanstiegs ist für die letzten Jahre zu beobachten. Zwischen 1993 und 2019 wird eine durchschnittliche Veränderung von etwa +2,76 ± 1,75 mm/Jahr aus den Gezeitenpegeldaten nach Entfernung der Absenkung geschätzt …
… liegt die wahrscheinliche Bandbreite des atmosphärisch korrigierten relativen Meeresspiegelanstiegs in Venedig bis 2100 zwischen 32 und 62 cm für das RCP2.6-Szenario bzw. zwischen 58 und 110 cm für das RCP8.5-Szenario.
Ein plausibles, aber unwahrscheinliches High-End-Szenario, das mit dem starken Abschmelzen des Eisschildes verbunden ist, liefert bis 2100 etwa 180 cm relativen Meeresspiegelanstieg in Venedig. Projektionen von vom Menschen verursachten vertikalen Landbewegungen sind derzeit nicht verfügbar, aber historische Beweise zeigen, dass sie das Potenzial haben, einen signifikanten Beitrag zum relativen Meeresspiegelanstieg in Venedig zu leisten und die Gefahr durch klimatisch induzierte Meeresspiegeländerungen zu verschärfen.

Zu dieser Aussage folgt dann Bild 5. Der Unterschied zwischen dem Pegel „Venedig“ und dem Pegel „Triest“ hat als Ursache, dass Venedig versinkt (was in den angezogenen PSML-Pegeln nicht korrigiert ist, so dass sich der Tidenpegel-Anstieg und die Senkungen addieren), während Triest auf Felsgrund steht und somit kaum isostatische Veränderungen erfährt. Für den Anstieg alleine des Meerespegels dieser Region ist der Tidenpegelverlauf von Triest deshalb der richtige(re).

Bild 5a [5] Pegelverläufe Venedig (ca. 2,4 mm/pa) und Triest (ca. 1,47 mm/pa)

Als normaler Bürger wird man mit dem Bild 5a allerdings verärgert. Wenn er in den PSMSL-Pegelviewer schaut, findet er (nicht nur) gerade zu dieser Gegend (Venedig) Pegeldaten, welche um das Jahr 2000 enden und bei weitem nicht so früh beginnen, wie in Bild 5 gezeigt. Zwar wird in der Studie dazu ein Link zu PSMSL angegeben, der allerdings wieder nur auf die Pegeldateien mit den eingeschränkten Datenlängen zeigt.
Anscheinend gibt es aber doch bis aktuell reichende Daten, sofern Figure 2 (Bild 5) aus der Studie stimmt, welche dem normalen Bürger aber vorenthalten werden.

Weiter geht es in der Studie (Übersetzt mit Deepl): [5] Die RSL-Zeitreihen von Triest, Marseille und Genua zeigen hundertjährige Trends zwischen 1,2 und 1,3 mm/Jahr … Die Schätzungen stimmen mit dem Trend des Meeresspiegelanstiegs von 1,2 ± 0,1 mm / Jahr aus dem 20. Jahrhundert überein, der von Marcos et al. (2016) für die gleichen Stationen gemeldet wurde.

Trotz dieser Pegelangaben werden in dieser Studie dann beliebig hohe Pegelanstiege simuliert:

Bild 6 [5] (Teilbild) Figure 7Observed and projected trends of Mediterranean sea-level variations. (c) Projected northern Adriatic RSL anomalies and associated uncertainties related to socio-economic scenarios (shading: 5th–95th percentile range; line: median). See main text for details on the calculation of uncertainties. Adapted from Thiéblemont et al. (2019). Bild vom Autor ergänzt

Pegeldaten

In [3] [4] wurden umfangreich Pegeldaten ausgewertet und dargestellt. Beim Klima kann sich in den vergangenen drei Jahren aber vielleicht Wichtiges ereignet haben, auch wenn es niemand – nicht einmal die alles permanent beobachtenden „Öffentlich-Rechtlichen“ mitbekommen haben. Deshalb eine aktualisierte Pegel-Nachschau.

Bild 7 PSMSL-Pegelverlauf Venedig 1960 – 2000 (da endet der aktuelle PSML-Datensatz). Pegelanstieg 0,43 mm/pa. Grafik vom Autor erstellt

Bild 8 PSMSL-Pegelverlauf bei Rijeka 1960 – 2020 (da endet der aktuelle PSML-Datensatz). Pegelanstieg 1,3 mm/pa. Grafik vom Autor erstellt

Um die Aussagen der Studie zu verdeutlichen, eine Grafik:

Bild 9 PSMSL-Pegelverlauf Venedig mit verschiedenen Projektionen bis zum Jahr 2100. Grafik vom Autor erstellt

Schon aktuell hat sich (nicht nur) das rcp8.5-Scenario als grottenfalsch erwiesen

Im folgenden Bild sieht man, wie stark die Szenarienprojektionen bereits aktuell vom wirklichen Tidenpegelverlauf abweichen. Beim Klimawandel stört es aber keinen „Wissenschaftler“, etwas zu publizieren, das bereits zum Publizierzeitpunkt als grottenfalsch erkennbar ist. Sie wissen, dass kein Freitagshüpfer, kein Klimacamper und auch kein Journalist es nachprüfen würde, alleine schon deshalb nicht, weil die „Wissenschaftlichkeit“ durch Angabe einer statistischen Wahrscheinlichkeit gesichert wurde …

Bild 10 [2] Fig. 2. Darin vom Autor der gemessene Tiden-Pegelanstieg von Rijeka zugefügt

Landsenkungen sind das viel größere Problem. Damit lässt sich aber kein Klimaalarm simulieren …

Ehrlicherweise geht diese Studie (ganz kurz) auf das ein, was in Venedig – wie in vielen „besonders schlimm“ vom Klimawandel „betroffenen“ Küstenstädten – das wirkliche Problem ist [6] [9]. Allerdings wird es auch gleich wieder ignoriert.
(Übersetzt mit Deepl) [5] Vertikale Landbewegungen
… es wird beobachtet, dass natürliche Prozesse, insbesondere Konsolidierung und anthropogene Aktivitäten weiterhin mit Raten von 10 bis −2 mm / Jahr beitragen. Daher können menschliche Aktivitäten erheblich zum Anstieg der RSL beitragen, aber detaillierte Szenarien sind derzeit nicht in der Literatur verfügbar, und dies ist ein allgemeines Problem.
All diese natürlichen und anthropogenen Beiträge haben das Potenzial, die RSL in Venedig zu erhöhen und die negativen Auswirkungen des lokalen Meeresspiegelanstiegs zu verschärfen, mit einem Beitrag in der Größenordnung von 10 cm pro Jahrzehnt auf subregionaler Ebene und möglicherweise viel größer lokal.

Man muss sich das immer wieder vor Augen führen: Der Tiden-Pegelanstieg in der nördlichen Adria liegt seit den 60er Jahren irgendwo zwischen 0,5 … 1,4 mm/pa (laut PSML bei Venedig nur ca. 0,5 mm/pa). Die Senkung der Lagune von Venedig soll jedoch zwischen 2 … 10 mm/pa betragen (wobei dieser Wert für Venedig aktuell etwas zu hoch gegriffen sein dürfte, wie es die PSMSL-Daten von Bild 7 zeigen).
Trotzdem wird alleine ein simulierter, zukünftig extrem zunehmender Pegelanstieg als Problemursache ausgemacht.

Ein Hintergrund könnte (wie bei den vielen anderen, von massiven Senkungen betroffenen Küstenstädten rund um die Welt) sein: Für eine selbst verursachte Senkung gibt es keine automatischen Hilfsgelder vom Ausland, für „Klimawandel-Folgen“ hat jedes Land bedingungslosen Anspruch darauf.

Unwahrscheinliche, aber plausible High-End-Veränderungen

Seit das PIK die These ausgegeben hat, dass auch unwahrscheinlichste Ereignisse, welche zwar physikalisch nicht möglich sind, von Computern aber als denkbar – wenn auch mit geringster Wahrscheinlichkeit – ausgegeben werden, publiziert werden sollen und das IPCC im neuen AR6 (inzwischen auch der DWD und unsere Behörden) deshalb vorwiegend mit dem real nicht möglichen rcp8.5-Szenario simulieren [7], weil sich nur damit ein „ausreichender“ Klimaalarm erzeugen lässt, wurden völlig neue „Klimawelten“ für die zunehmende Zahl gut bezahlter Simulationsforscher erschlossen.

Und seitdem ist kein Szenario mehr vor der Klima-Simulationswut sicher:
(Übersetzt mit Deepl) [5] … Bis zum Jahr 2100 wird erwartet, dass natürliche lokale Absenkungen zu einem RSL-Anstieg von etwa 10 cm im Vergleich zum späten 20. Jahrhundert führen werden. Der projizierte klimatisch induzierte Anstieg des venezianischen Meeresspiegels aus Schätzungen für die GMSL, korrigiert um die regionale Umverteilung von Massenbeitragskomponenten wie Gletschern, Eisschilden und Grundwasser, liegt im Bereich von 21 bis 52 cm (von 48 bis 100 cm) bis 2100 für das sozioökonomische Szenario RCP2.6 (RCP8.5). Das Schmelzen von Eisschilden liefert einen höchst unsicheren Beitrag. Ein RSL-Anstieg in Venedig von über 180 cm bis 2100 ist eine unwahrscheinliche, aber plausible High-End-Veränderung unter starker Schmelze Grönlands und der Antarktis.

Venedig sank auch früher schon schneller als erwartet

Die Zeiten, als noch einigermaßen ehrlich publiziert wurde, sind endgültig vorbei. Früher waren die Überschriften zwar fast wortgleich, doch kam danach wenigstens ohne Verschwurbelung die Erklärung:
[8] Die Presse, 22.03.2012: Venedig sinkt schneller als erwartet
Ein US-Forscher schlägt Alarm: Der Grund von Venedig soll um zwei Millimeter pro Jahr sinken.
Venedig versinkt immer schneller im Wasser. Der Forscher Yehuda Bock, Experte des Ozeanografischen Instituts der Universität von San Diego in Kalifornien, errechnete, dass der Grund von Venedig derzeit um zwei Millimeter pro Jahr sinkt. In den kommenden 20 Jahren soll der Meerespegel in Venedig um acht Zentimeter höher als jetzt sein, sollte die Lagunenstadt weiterhin mit diesem Tempo sinken.
Das Phänomen betreffe nicht nur die Stadt, sondern auch die Lagune mit ihren 120 Inseln, stellte Bock fest. Der nördliche Teil der Lagune sinke um rund zwei bis drei Millimeter im Jahr, der südliche Teil um etwa drei bis vier Millimeter …

Auch Studien wiesen darauf hin, nicht nur für Venedig, sondern weltweit:
[9] Syvitski, J. P. M. et al., 2009: Sinking deltas due to human activities

Bild 11 [9] Table 1. Representative deltas analyzed using MODIS imagery, SRTM data, and ancillary data (see Methodology section and 15 for details). Commentary in the storm surge column is as follows: LP= little potential; MP = moderate potential; SP = significant potential). Net Subsidence (or Relative Sea Level Rise) rates are time variable, and provided ranges cover different times and areas of a delta, where known; question marks are for unknown estimates.

Quellen

[1] Der Standard, 7. September 2021: WELTERBE IN GEFAHR Steigender Meeresspiegel: Venedig droht schon bald unterzugehen

[2] Lena Reimann at al., 16. October 2018: Mediterranean UNESCO World Heritage at risk from coastal flooding and erosion due to sea-level rise

[3] EIKE 31.10.2018: Zeugnisse vergangener Kulturen sind durch den Klimawandel in Gefahr. Die Bedrohung betrifft vor allem Weltkulturerbestätten im Mittelmeerraum Teil 2 (2)

[4] EIKE 30. Oktober 2018: Zeugnisse vergangener Kulturen sind durch den Klimawandel in Gefahr. Die Bedrohung betrifft vor allem Weltkulturerbestätten im Mittelmeerraum Teil 1(2)

[5] Davide Zanchettin at al., 01 Sep 2021: Sea-level rise in Venice: historic and future trends 

[6] EIKE 18.06.2019: Küstenstädte versinken, (auch) weil das Geld stattdessen zur CO2-Reduktion hinausgeworfen wird

[7] Tichys Einblick, F. Vahrenholt, 8. Sept. 2021: IPCC UND DEUTSCHE MEDIEN Die künstlich erzeugte Angst vor der Fünf-Grad-Erwärmung

[8] Die Presse, 22.03.2012: Venedig sinkt schneller als erwartet

[9] Syvitski, J. P. M. et al., 2009: Sinking deltas due to human activities

[10] Lied „Wenn der Wind sich dreht“, Textstelle „Was wir Kinder Lügen nannten. Nennt man nun Moral“