Die nivellierten Kosten der schwimmenden Offshore-Windparks

Andrew Montford, Global Warming Policy Forum

Wir präsentieren die möglicherweise erste Schätzung der nivellierten Kosten für schwimmende Offshore-Windkraftanlagen.

Letztes Jahr habe ich in einem Blogbeitrag die finanzielle Situation von Hywind, dem ersten kommerziellen schwimmenden Offshore-Windpark im Vereinigten Königreich und dem ersten der Welt, dargelegt. Es war eine hässliche Geschichte, mit einem enorm verlustbringenden Betrieb, der nur durch einen enormen Transfer von Subventionen in den schwarzen Zahlen gehalten wurde. Hywind hat jedoch vor kurzem seine zweite Reihe von Finanzergebnissen seit der vollen Inbetriebnahme veröffentlicht, so dass wir jetzt beginnen können, die Betriebsleistung und die zugrunde liegenden Kosten in den Griff zu bekommen und eine, wie ich glaube, erste Schätzung der nivellierten Kosten der schwimmenden Offshore-Windkraft zu veröffentlichen.

Mit seiner Lage vor Peterhead in einem scheinbar günstigen Windgebiet überrascht es nicht, dass die Leistung von Hywind etwas besser ist als die eines typischen Offshore-Windparks. Die Befürworter der erneuerbaren Energien weisen gerne darauf hin, dass der Kapazitätsfaktor (der erzeugte Strom in Prozent des theoretischen Maximums) 57 % erreicht hat. In den Jahren 2020/2021 wird dieser Wert jedoch auf nur 51 % sinken, was nur wenige Punkte über dem Wert der jüngsten festen Offshore-Windparks liegt.

Gleichzeitig sind die Kosten außerordentlich hoch. Wir wussten bereits, dass die Kapitalkosten mit 8,9 Mio. £/MW etwa dreimal so hoch sind wie die von festen Offshore-Windparks. Aber auch die Betriebskosten sind viel höher als man erwarten würde. Als Faustregel gilt, dass die Betriebskosten für feste Offshore-Windkraftanlagen bei etwa 100.000 £/MW pro Jahr beginnen und dann mit zunehmendem Alter der Turbinen ansteigen. Hywind scheint jedoch von einer viel höheren Basis ausgegangen zu sein – seine Betriebskosten liegen im Durchschnitt bei über 200.000 £/MW pro Jahr, seit es in Betrieb ist.

Da die Betriebsleistung nur geringfügig günstiger ist als bei festen Offshore-Anlagen und die Kosten um ein Vielfaches höher sind, besteht keine Hoffnung, dass die nivellierten Gesamtkosten von Hywind etwas anderes als katastrophale teuer sein werden. Ich schätze die Stromgestehungskosten auf £224/MWh, ein Wert, der seit dem letzten Jahr unverändert ist, was darauf hindeutet, dass der Wert einigermaßen stabil ist. Dieser Wert ist etwa doppelt so hoch wie der für feste Offshore-Windkraftanlagen und vielleicht fünf- bis sechsmal so hoch wie der, den wir für Strom aus Gasturbinen erwarten würden. (Wie immer, wenn man Wind und Gas vergleicht, sollte man beachten, dass der Vergleich irreführend ist, da die Windkraft aufgrund ihrer Unterbrechungen, die teuer zu korrigieren sind, eine erhebliche zusätzliche Kostenbelastung mit sich bringt).

Es kann also kaum ein Zweifel daran bestehen, dass Hywind ein Fehlschlag ist. Kincardine, der zweite schwimmende Offshore-Windpark des Vereinigten Königreichs, wird wohl noch teurer werden. Es scheint außer Zweifel zu stehen, dass schwimmende Offshore-Windparks ein finanzielles Desaster sind.

Dennoch überrascht es nicht, dass die Regierung das Projekt trotzdem vorantreibt.

[LCOE = Levelized Costs of Energy = Durchschnittliche Kosten pro erzeugter Energie-Einheit über die Nutzungsdauer einer Anlage]

LCOE assumptions

WACC: 5%
Lifespan: 20 years
Output deterioration: 2.1% per annum
Opex increase: 5.7% per annum

Die Berechnungen können hier herungter geladen werden: hywindDownload

Link: https://www.thegwpf.com/levelised-cost-floating-offshore-wind/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Der Siegeszug der 100 % „erneuerbaren“ Elektrizität: Deutschland und Kalifornien

Francis Menton

Wenn Sie als Staat oder Land in die Riege der Klimatugendlichen aufsteigen wollen, ist der wichtigste Maßstab Ihre Verpflichtung, bis zum frühestmöglichen Zeitpunkt den größten Teil oder die gesamte Energie aus „erneuerbaren Energien“ (hauptsächlich Wind und Sonne) zu gewinnen. Alle tun es, und Sie sind ein Niemand, wenn Sie nicht mitbieten. Erst vor ein paar Wochen (14. Juli) hat die Europäische Kommission laut Reuters ein Angebot abgegeben, wonach bis 2030 40 % des Endenergieverbrauchs aus „erneuerbaren Energien“ stammen sollen. Hier in den USA ist das jüngste Vorhaben der Biden-Regierung (vom 28. April) ein Ziel von 80 % des Stromverbrauchs bis 2030, was an sich schon ehrgeizig ist, auch wenn Strom nur eine Minderheit des Endenergieverbrauchs darstellt. Der Kongress muss sich noch mit dem Angebot der Regierung Biden befassen.

Sowohl in der EU als auch in den USA gibt es nationale und bundesstaatliche Champions, die allen anderen weit voraus sind. In der EU ist das Deutschland. Deutschland beschloss die Energiewende bereits 2010, um seinen Energiesektor auf Wind- und Solarenergie umzustellen. Seitdem hat Deutschland seine Ziele für erneuerbare Energien immer weiter erhöht. Zuletzt hat sich Deutschland im Dezember 2020 per Gesetz das verbindliche Ziel gesetzt, bis 2030 65 % des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Hier in den USA ist Kalifornien unser Vorreiter. Das maßgebliche Gesetz in Kalifornien ist das berühmte SB 100, das 2018 erlassen wurde und verbindliche Ziele für den Stromsektor von 60 % aus „erneuerbaren Energien“ bis 2030 und 100 % bis 2045 festlegt.

Wie die Leser hier wissen, hat der Manhattan Contrarian von Zeit zu Zeit ein hohes Maß an Skepsis darüber geäußert, ob diese verbindlichen Ziele in der realen Welt erreicht werden können. In der Tat habe ich oft darauf hingewiesen, dass es bei einem Anteil von etwa 40-50 % der Elektrizität aus „erneuerbaren Energien“ praktisch unmöglich ist, den Anteil der Elektrizität aus erneuerbaren Energien zu erhöhen, indem man einfach mehr erneuerbare Kapazitäten hinzufügt. Soweit mir bekannt ist, hat bisher noch kein großes Land seinen Anteil an der Stromerzeugung aus „erneuerbaren Energien“ über einen längeren Zeitraum auf über 50 % gesteigert. (Wenn mir ein Leser ein Beispiel nennen kann, wäre ich sehr interessiert.)

Aber vielleicht bin ich auch nur ein Spinner. Diese Genies in Deutschland und Kalifornien müssen doch wissen, was sie tun. Schauen wir uns also die neuesten Nachrichten an.

Deutschland

Die Website No Tricks Zone hat am 27. Juli einen Bericht über die Stromproduktion in Deutschland für das erste Halbjahr 2021 veröffentlicht. Der Beitrag von No Tricks Zone basiert auf Daten, die auf der deutschen Website Die kalte Sonne zusammengestellt wurden.

Und die Antwort lautet, dass Deutschland in der ersten Hälfte des Jahres 2020 die Marke von 50 % seines Stroms aus „erneuerbaren Energien“ erreicht hatte. Im Jahr 2021 sank dieser Anteil jedoch wieder auf 43 %:

„Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch ist im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr von 50 % auf 43 % gesunken“, berichtet „Die kalte Sonne“.

Was war geschehen? Der Wind weht einfach nicht mehr so stark:

„Die Produktion von Windenergie an Land und auf See ging um 20 % zurück.“ . . . Der Grund für den starken Rückgang ist den Ergebnissen zufolge auf ungünstige Wetterbedingungen zurückzuführen. „In diesem Jahr war es vor allem im ersten Quartal besonders windstill. …“

Hat also die Solarenergie den Rückstand aufgeholt? Leider nein:

„Die Sonnenleistung war gering. . . . Die Solarenergieleistung stieg um bescheidene 2 %.“

Wie hat Deutschland also die Differenz aufgeholt? Die Antwort ist nicht überraschend:

„Die Kohleenergie erlebte eine Renaissance. Braunkohlekraftwerke produzierten 45,8 Terawattstunden des Nettostroms – das ist der Strommix, der aus der Steckdose kommt.  Das ist ein starker Anstieg um 37,6 % gegenüber 2020, als nur 33,6 Terawattstunden erzeugt wurden. Auch die Nettoproduktion der Steinkohlekraftwerke ist gestiegen, und zwar um 38,9% auf 20,4 Terawattstunden nach 14,4 Terawattstunden im Jahr 2020.“

Im Grunde ist Deutschland an die Grenze dessen gestoßen, was durch den Zubau von Wind- und Solarkraftwerken erreicht werden kann. Um den angestrebten höheren Marktanteil der „erneuerbaren“ Energien zu erreichen, müssen große und schnell wachsende Mengen an netzgekoppelten Speicherkapazitäten installiert werden. Bislang haben sie mit diesem Prozess kaum begonnen.

Kalifornien

Vielleicht erinnern Sie sich an die enthusiastische Schlagzeile der LA Times vom 29. April: „California just hit 95% renewable energy“. Der 29. April war genau der Tag, an dem Präsident Biden sein Ziel verkündet hatte, bis 2030 80 % des US-Stroms aus „erneuerbaren Energien“ zu gewinnen. Jetzt zeigte Kalifornien der Welt bereits, dass es weit voraus war und im Grunde den ganzen Weg bis zum Ziel zurückgelegt hatte:

Am Wochenende geschah etwas Bemerkenswertes: Kalifornien hat fast 95 % erneuerbare Energien erreicht. Ich sage es noch einmal: 95 % erneuerbare Energien. So viel Zeit wir auch damit verbringen, darüber zu sprechen, wie wir 100 % saubere Energie erreichen können, so scheint dies doch manchmal noch in weiter Ferne zu liegen, ganz gleich, ob es sich um das kalifornische Ziel für 2045 oder das aggressivere Ziel von Präsident Biden für 2035 handelt. Doch am Samstag, kurz vor 14.30 Uhr, kam eine der größten Volkswirtschaften der Welt diesem Ziel einen Steinwurf näher.

(Hervorhebung im Original {= der LA Times})

Aber vielleicht sollten wir uns jetzt noch nicht zu sehr freuen. Erstens: Obwohl der Autor (Sammy Roth) von „95 % erneuerbaren Energien“ spricht, stellt sich beim weiteren Lesen heraus, dass er nur von Strom spricht, der nur etwa 30 % des Energieverbrauchs ausmacht. Und wie lange haben die erneuerbaren Energien die 95 % des Stromverbrauchs gedeckt?

Die Zahl von 94,5 % am Samstag – ein Rekord, wie mir der California Independent System Operator bestätigte – war nur von kurzer Dauer, nämlich nur vier Sekunden lang.

Wie sieht es also im Laufe mehrerer Monate oder eines Jahres wirklich aus? Dazu müssen Sie die Jubelreporter der MSM ignorieren und versuchen, einige allgemeine Statistiken zu finden. Hier sind die Zahlen der California Energy Commission für das gesamte Jahr 2020. Der Gesamtbeitrag der „erneuerbaren Energien“ zur Stromversorgung soll 33,09 % betragen. Darin enthalten sind jedoch 2,45 % aus „Biomasse“, 4,89 % aus „Erdwärme“ und 1,39 % aus „kleinen Wasserkraftwerken“. Zieht man diese ab, verbleiben 24,36 % aus Wind- und Sonnenenergie. Und da Elektrizität nur etwa 30 % des Endenergieverbrauchs ausmacht, bedeutet dies, dass Wind und Sonne nur etwa 8 % des gesamten Energieverbrauchs in Kalifornien ausmachen.

Auf der Website des California’s Independent System Operator (CAISO) findet sich ein Diagramm für die tägliche Stromerzeugung, das das Problem drastisch veranschaulicht. Der Spitzenbedarf an Strom in Kalifornien liegt bei etwa 40 GW und tritt in der Regel zwischen 18 und 20 Uhr auf. Die überwiegende Mehrheit der „erneuerbaren“ Produktion stammt aus der Solarenergie. Die derzeitige Solarkapazität liefert an einem sonnigen Hochsommertag wie heute etwa 12 GW von etwa 9 Uhr morgens bis 17 Uhr abends – und in der übrigen Zeit, auch während des Spitzenverbrauchs, nichts. Im Winter liegt die Leistung eher bei 8 GW von 10 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags und in der restlichen Zeit bei Null. Bislang gibt es so gut wie keine netzweite Energiespeicherung. Abends werden die Erdgaskraftwerke hochgefahren, und es wird Strom aus Arizona und Nevada importiert – hauptsächlich Erdgas, Kernkraft und Kohle. Fast 30 % des kalifornischen Stroms stammen aus Importen aus den Nachbarstaaten.

Der ganze Beitrag steht hier.

Link: https://wattsupwiththat.com/2021/07/30/the-triumphant-march-toward-100-renewable-electricity-germany-and-california/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Europas teurer Klima-Club und seine Gegner

Tilak Doshi

Eine Analyse der Energiewirtschaft und damit zusammen hängender politischer Dinge-

Die EU hat am 14. Juli mit ihrem lang erwarteten „Fit for 55“-Paket eine ganze Reihe zusätzlicher klimapolitischer Maßnahmen veröffentlicht, um Europa bis 2050 Kohlenstoff-neutral zu machen. Darin enthalten ist auch der umstrittenste Punkt – der Kohlenstoff-Grenzausgleichs-Mechanismus (carbon border adjustment mechanism CBAM). Am 19. Juli brachten demokratische US-Gesetzgeber einen ähnlichen Gesetzesentwurf ein, der darauf abzielt, importierte Waren aus Ländern, die keine strengen Umweltrichtlinien haben, nach ihrem Kohlenstoffgehalt zu besteuern. In einem führenden Zeitungsartikel heißt es, die USA würden „Unternehmen, die Stahl, Eisen und andere Waren in die USA verkaufen wollen, dazu verpflichten, einen Preis für jede Tonne Kohlendioxid zu zahlen, die während ihrer Herstellungsprozesse ausgestoßen wird. Wenn Länder das nicht tun können oder wollen, könnten die Vereinigten Staaten ihren eigenen Preis durchsetzen“. Es hat den Anschein, als sei die Nordhaus-Klimaklub das politische Vehikel der Wahl für Befürworter des „Klimanotstands“ auf beiden Seiten des Atlantiks geworden.

Warum der Klima-Klub?

Auf den ersten Blick ist die Logik des Klima-Clubs ganz einfach. Er soll die früheren, fehlerhaften Strukturen des Kyoto-Protokolls (1997) und des Pariser Abkommens (2015) ersetzen, bei denen es sich um freiwillige internationale Vereinbarungen zur Verringerung der Kohlenstoffemissionen handelte. Um das Problem der „Trittbrettfahrer“ zu entschärfen, das bei solchen Vereinbarungen unweigerlich auftritt, würde der Klima-Club eine Anreizstruktur zur Bestrafung derjenigen Nationen schaffen, die sich nicht an die Regeln halten.

Die EU und die USA wollen Handelszölle erheben, um die Kosten für Kohlendioxid-Emissionen, die bei der Herstellung einer importierten Ware entstehen, an die Kosten anzugleichen, die ein inländischer Hersteller für die Herstellung derselben Ware zahlen würde. Europäische und amerikanische Unternehmen sind weniger wettbewerbsfähig, weil sie für ihre Emissionen zahlen müssen, während ausländische Unternehmen, die in diese Länder exportieren, davon befreit sind. Daher werden Vorschriften zur Emissionsreduzierung Unternehmen im Westen dazu ermutigen, ihre Produktion in Entwicklungsländer zu verlagern, die weniger strenge Emissionsbeschränkungen haben, ein Prozess, der als „Carbon Leakage“ bekannt ist. Brüssel und Washington, so wird behauptet, beabsichtigen lediglich, „gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen“. Es stellt sich natürlich die Frage, wessen Spielfeld?

Die Europäische Kommission wird die CBAM zunächst auf Einfuhren aus energieintensiven Sektoren wie Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel und Elektrizität anwenden, die ab Januar 2026 in Kraft treten werden. Eine Analyse einer Bank hat ergeben, dass Russland, die Türkei, die Ukraine, Indien und China am stärksten von der CBAM betroffen sein werden. Die Komplexität des von Brüssel ausgearbeiteten Plans sorgt dafür, dass Exporteure in die EU alle Hände voll zu tun haben werden. Die exportierenden Unternehmen müssen detaillierte Kohlenstoffbilanzen über ihre Emissionen erstellen und dabei auch den Prozentsatz der Emissionen berechnen, der bereits anderweitig durch Kohlenstoffsteuern abgedeckt ist (im Inland und für Importe, die zur Herstellung der Exporte verwendet werden). Wenn diese komplexen und teuren Analysen die Möglichkeiten der Unternehmen, insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen, übersteigen, wird die EG einseitig Kohlenstoffzölle auf der Grundlage der schmutzigsten 10 % der europäischen Hersteller derselben Ware festlegen.

Die Gegner des Klima-Klubs

Am 26. Juli eröffnete China seine erste Abwehrsalve gegen den Plan der EU, die weltweit erste Kohlenstoff-Grenzsteuer einzuführen, und erklärte, dass damit Klimaprobleme in die internationalen Handelsnormen eingreifen, gegen die WTO-Regeln verstoßen und die Aussichten auf Wirtschaftswachstum untergraben würden. Anfang April, als sich abzeichnete, dass sowohl die EU als auch die US-Regierung unter Biden extraterritoriale und unilaterale Maßnahmen in Erwägung ziehen, um der Welt ihre eigenen Vorlieben bei der „Bekämpfung des Klimawandels“ aufzuzwingen, bezog auch Indien eine ähnliche Position wie China. Es gab eine gemeinsame Erklärung mit dem BASIC-Block – Brasilien, Südafrika, Indien und China – heraus, in der es CBAM als „diskriminierend“ bezeichnete und seine „große Besorgnis“ zum Ausdruck brachte. Die Benzinpreise bleiben hoch und könnten weiter steigen, aber es gibt einen Haken: Die USA bleiben auch 2020 der weltweit größte Ölproduzent (hier).

Gegner des Klimaclubs – eines Clubs, der sowohl exklusiv als auch strafend für Nichtmitglieder zu sein droht – weisen darauf hin, dass Kohlenstoff-Grenzsteuern dem Artikel 4 des UN-Klimagremiums zuwiderlaufen. Dieser bezieht sich auf „Gemeinsame, aber differenzierte Verantwortlichkeiten und entsprechende Fähigkeiten“, die seit dem ersten UN-Erdgipfel in Rio 1992 ein fester Bestandteil der Klimaverhandlungen sind.

Letzte Woche berief sich Indien auf dem G20-Gipfel zum Thema Klimawandel und Energie auf dieses seit langem geltende Gerechtigkeitsprinzip, um dem von der EU, den USA, der UN-Klimabehörde und anderen von reichen Ländern dominierten multilateralen Organisationen wie der IEA, der Weltbank und dem IWF unterstützten „Netto-Null-Ziel bis 2050“ entgegenzutreten. Indiens Umweltminister Bhupender Yadav sagte: „Angesichts des legitimen Wachstumsbedarfs der Entwicklungsländer fordern wir die G20-Länder auf, sich zu verpflichten, die Pro-Kopf-Emissionen bis 2030 auf den globalen Durchschnitt zu senken“.

Während der weltweite Durchschnitt bei 6,5 Tonnen CO2-Äquivalent pro Kopf liegt, emittiert Indien nur knapp 2 Tonnen, während die USA 17,6 Tonnen und Deutschland 10,4 Tonnen ausstoßen. Da die reichen Länder seit der industriellen Revolution bereits den größten Teil des verfügbaren „Kohlenstoffs“ in der atmosphärischen Senke „verbraucht“ hätten, sei das Ziel „Netto-Null bis 2050“ unzureichend, so Indien.

Die Kritiker sind nicht auf die Entwicklungsländer beschränkt. Australiens Premierminister Scott Morrison bezeichnete den vorgeschlagenen Kohlenstoffzollplan als „Handels-Protektionismus unter einem anderen Namen“. Russland ist ebenso wie China der Ansicht, dass die CBAM gegen die WTO-Regeln verstößt, und hatte seinen Standpunkt bereits vor einem Jahr deutlich gemacht, als die EU ihre Green-Deal-Pläne vorstellte, die Kohlenstoffzölle beinhalteten.

Probleme mit dem Klima-Klub

Abgesehen von Artikel 4 des UN-Klimagremiums gibt es Bereiche, in denen die vorgeschlagenen Kohlenstoffzölle mit den WTO-Handelsregeln in Konflikt geraten könnten. Sie könnten gegen das WTO-Nichtdiskriminierungsgebot verstoßen, einen Grundpfeiler der internationalen Handelsnormen, der besagt, dass jeder Vorteil, der den eingeführten Erzeugnissen eines WTO-Mitglieds gewährt wird, unverzüglich und bedingungslos auch den gleichen Erzeugnissen aller anderen WTO-Mitglieder gewährt werden muss. Kohlenstoffzölle könnten auch gegen die WTO-Regel der „Inlandskonkurrenz“ (national treatment rule) verstoßen, ein weiterer Grundstein des modernen internationalen Handels im Rahmen des WTO-Systems, der verlangt, dass importierte Produkte nicht weniger günstig behandelt werden dürfen als gleichartige inländische Produkte. Wenn die europäischen Erzeuger weiterhin kostenlose Emissionszertifikate erhalten (wie dies derzeit im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems der Fall ist), wird die EU gegen die Regel der „Inlandskonkurrenz“ verstoßen.

Es hat den Anschein, dass die vermeintlichen Mitglieder des Klima-Clubs der reichen Länder mit dem Rest der Welt auf eine Sackgasse zusteuern, was die Regeln des internationalen Handels angeht, die im Großen und Ganzen seit dem Zweiten Weltkrieg vorherrschen. Auf der einen Seite stehen etwas weniger als 20 % der Weltbevölkerung, die von politischen Eliten vertreten werden, die davon überzeugt sind, dass die „Wissenschaft settled ist und eine „Klimakrise“ bevorsteht. Auf der anderen Seite steht die große Mehrheit der Weltbevölkerung – über 6 Milliarden Menschen – die sich in den letzten Jahrzehnten aus der elenden Armut befreit haben oder dies verzweifelt versuchen. Diejenigen, die in Asien, Afrika und Lateinamerika in den Genuss der Früchte des Wirtschaftswachstums und des technologischen Fortschritts kommen – oder zumindest die Chance haben, diese zu genießen – machen sich weniger Sorgen um den Kohlenstoff-Fußabdruck des Wirtschaftswachstums als vielmehr darum, dass das Wirtschaftswachstum nach den verheerenden Folgen der Covid-Pandemie wieder in Gang kommen wird.

Demokratie ist vorherrschend

Aber es gibt noch eine letzte Wendung. Die westlichen politischen Eliten, die von Klimamodellen überzeugt sind, die angeblich Jahrzehnte in die Zukunft hinein schlimme Klimabedingungen prophezeien, scheinen vor ihrer eigenen Haustür mit den Zwängen der Demokratie konfrontiert zu werden. Nachdem die Schweiz ihre Verhandlungen mit der EU abgebrochen hatte, lehnte das Land letzten Monat in einem Referendum ein Klimaschutzgesetz ab. Das Referendum lehnte alle drei Teile des Gesetzes in getrennten Abstimmungen ab: zu CO2, zu Pestiziden und zu Trinkwasser. Vor zwei Tagen verschob der britische Premierminister Boris Johnson, der sich mit seinen Plänen, Gaskessel in britischen Haushalten zugunsten teurer neumodischer Wärmepumpen zu verbieten, einem zunehmenden Widerstand seiner Wähler gegen die steigenden Heizkosten ausgesetzt sieht, die Pläne seiner Regierung um fünf Jahre auf 2040.

Die größte Lektion für Europa in Sachen Massenpolitik gegen die von den Eliten der Metropolen unterstützte Klimaschutzpolitik waren die Gelbwesten-Proteste, die durch die Kraftstoffsteuern ausgelöst wurden. Ein scharfsinniger Beobachter drückte es so aus: „Die Franzosen lieben einen guten Aufstand, aber die politische Gegenreaktion auf die Pläne der französischen Regierung, die Kohlenstoffsteuern auf Kraftstoff zu erhöhen, könnte ein Vorbote dessen sein, was in Ländern, die sich dem Kreuzzug gegen die globale Erwärmung verschrieben haben, auf uns zukommen wird“. Es überrascht daher nicht, dass ein leitender Wirtschaftswissenschaftler der Deutschen Bank, einer der größten europäischen Banken, davor warnte, dass für den Erfolg des Green Deal der EU „ein gewisses Maß an Ökodiktatur notwendig sein wird“. Die Gegner des Klimaclubs haben den Lauf der Geschichte auf ihrer Seite.

Tilak Doshi

I have worked in the oil and gas sector as an economist in both private industry and in think tanks, in Asia, the Middle East and the US over the past 25 years. I focus on global energy developments from the perspective of Asian countries that remain large markets for oil, gas and coal. I have written extensively on the areas of economic development, environment and energy economics. My publications include “Singapore in a Post-Kyoto World: Energy, Environment and the Economy” published by the Institute of Southeast Asian Studies (2015). I won the 1984 Robert S. McNamara Research Fellow award of the World Bank and received my Ph.D. in Economics in 1992.

Link: https://wattsupwiththat.com/2021/07/29/europes-expensive-climate-club-and-its-detractors/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Können wir den Klima-Wissenschaftlern trauen?

Tom Chivers, Unheard, 26 July 2021
Die Reaktion auf das Buch von Steven Koonin zeigt, wie vergiftet diese Debatte inzwischen ist.

Das Problem beim Schreiben über Wissenschaft – egal welche – ist, dass Wissenschaftler Menschen sind wie wir anderen auch. Sie sind keine perfekten, körperlosen, wahrheitssuchenden Agenten, sondern gewöhnliche, fehlerhafte Menschen, die sich in sozialen, beruflichen und wirtschaftlichen Strukturen bewegen.

Vor allem sind Wissenschaftler, wie Menschen, sozial. Wenn sie in einem sozialen oder beruflichen Umfeld leben, das an X glaubt, ist es schwer zu sagen, dass sie nicht an X glauben; wenn sie sich dazu bekannt haben, an Y zu glauben, werden sie nicht dumm dastehen und zugeben wollen, dass sie nicht an Y glauben. Es kann sogar schwierig sein, Forschungsarbeiten zu finanzieren oder zu veröffentlichen, wenn sie nicht mit dem übereinstimmen, was die breitere Gruppe glaubt.

All dies macht es für einen Außenstehenden sehr schwer, wissenschaftliche Behauptungen zu beurteilen. Sie können zwar einen Experten fragen, aber dieser wird ein Experte des sozialen und beruflichen Milieus sein, mit dem Sie sich befassen, und er wird wahrscheinlich die Überzeugungen dieses sozialen und beruflichen Milieus teilen. All das macht es oft schwer, zu verstehen, warum Wissenschaftler das tun und sagen, was sie tun. Vor allem, wenn es um politisch aufgeladene wissenschaftliche Behauptungen geht, Behauptungen zu brisanten Themen wie Rasse, Geschlecht, Armut – und natürlich Klima.

Daran musste ich denken, als ich das neue Buch von Steven Koonin, Unsettled, las. Koonin ist (wie es prominent auf der Vorderseite des Buches heißt) der „ehemalige Unterstaatssekretär für Wissenschaft, US-Energieministerium, unter der Obama-Regierung“. Die Herausgeber sind offensichtlich sehr darauf bedacht, die Verbindung zu Obama zu betonen: „…unter der Trump-Administration“ hätte vielleicht nicht den gleichen Stellenwert gehabt.

Koonin wurde vor einigen Jahren bekannt, als er einen kontroversen Meinungsartikel für das Wall Street Journal mit der Überschrift „Climate science is not settled“ geschrieben hatte. Damit reagierte er auf die seiner Meinung nach weit verbreitete Meinung unter politischen Entscheidungsträgern und in der breiten Öffentlichkeit, dass die Klimawissenschaft in der Tat settled ist. Seine besondere Sorge galt der Tatsache, dass wir noch nicht genau vorhersagen können, wie sich das Klima in Zukunft verändern wird. Das Buch selbst kann man sich am besten als eine erweiterte Fassung dieses Meinungsbeitrags vorstellen, der um Grafiken ergänzt wurde.

Wir können seine These grob in drei Bereiche unterteilen. Erstens: Entgegen der „Mainstream-Darstellung in den Medien und bei den politischen Entscheidungsträgern“ ist es schwer, sicher zu sein, dass sich das Klima durch den menschlichen Einfluss in bedeutendem Maße verändert hat. Insbesondere sind Überschwemmungen, Regenfälle, Dürren, Stürme und Rekordtemperaturen nicht häufiger geworden, und obwohl sich das Klima eindeutig erwärmt und der Meeresspiegel gestiegen ist, ist es schwer, den menschlichen Einfluss von den natürlichen Schwankungen sicher zu trennen.

Zweitens seien die Klimamodelle höchst unsicher und hätten Mühe, die Vergangenheit erfolgreich zu beschreiben, ganz zu schweigen von der Zukunft, so dass wir uns nicht auf zuversichtliche Aussagen über die Zukunft des Klimas verlassen sollten. Und wenn wir die Vorhersagen des IPCC akzeptieren, dann sind sie nicht von einer unmittelbar bevorstehenden Katastrophe geprägt. Stattdessen deuten sie auf einen langsamen Wandel hin, an den sich die Menschheit leicht anpassen kann, und im Großen und Ganzen auf ein weiteres Gedeihen der Menschheit.

Und drittens, so Koonin weiter, können wir im Grunde sowieso nichts dagegen tun, zum Teil, weil Kohlendioxid so lange in der Atmosphäre verbleibt, vor allem aber, weil sich die Entwicklungsländer schnell entwickeln und dabei immer mehr Kohlenstoff verbrauchen, was eigentlich eine gute Sache ist.

Dies sind – so Koonin – im Großen und Ganzen nur die Aussagen der IPCC-Zustandsberichte und anderer wichtiger Klimaanalysen. Die öffentliche Diskussion, die seiner Meinung nach voller Untergangsstimmung, Apokalypse und ungerechtfertigter Gewissheit ist, hat sich vom aktuellen Stand der Wissenschaft abgekoppelt. Und er gibt den Wissenschaftlern – nebst den politischen Entscheidungsträgern, den Medien und der Öffentlichkeit – die Schuld an dieser Entkopplung.

[….]
Ich habe dieses Buch in der Überzeugung begonnen, dass der Klimawandel ein ernsthaftes Problem ist, und ich habe es nur etwas weniger zuversichtlich beendet; Koonin hat mich nicht überzeugt. Aber ich bin froh, dass „
Unsettled“, so fehlerhaft [?] es auch ist, geschrieben wurde. Wie ich eingangs sagte, ist die Wissenschaft in einem politisch aufgeladenen Umfeld sehr schwer zu beurteilen. Wissenschaftler sind genauso anfällig für Gruppendenken und motivierte Argumente wie alle anderen, und ich weiß sehr wohl, dass es einige gibt, die meinen, sie müssten heterodoxe Ansichten geheim halten. Die Rezensionen, die sich so wenig um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Argumenten bemühen, geben mir nicht die Gewissheit, dass die Klimawissenschaft eine einzigartige Disziplin ist, die frei von Gruppendenken ist.

Eine Sache, die Koonin vorschlägt, ist das so genannte „Red Teaming“ von Klimawissenschaftlern: Wissenschaftler dazu zu bringen, als gegnerische Kritiker des bestehenden Konsenses aufzutreten, eine Methode, die unter anderem von Superforecastern angewandt wird, um ihre Genauigkeit zu verbessern, indem sie aktiv nach Fehlern in ihrer Argumentation suchen. Die Wissenschaft kann nur Fortschritte machen, wenn Annahmen überprüft werden. Rote Teams in Klimainstitutionen – egal welcher Art – scheinen eine gute Idee zu sein, und ich würde sie unterstützen.

Ob das möglich ist oder nicht, ist natürlich schwer zu sagen. Die Klimadebatte ist so stark aufgeladen, so grenzwertig vergiftet, dass es für jeden Klimawissenschaftler schwierig sein könnte, die Rolle des roten Teams zu übernehmen, ohne sich selbst das Leben schwer zu machen. Laut Koonin sagte ein hochrangiger Klimawissenschaftler zu ihm: „Ich stimme mit so ziemlich allem überein, was Sie geschrieben haben, aber ich traue mich nicht, das in der Öffentlichkeit zu sagen“. Der alte Spruch „In meinen E-Mails stimmen mir alle zu“ ist zwar nicht neu, aber es würde mich nicht überraschen, wenn ein bisschen Wahrheit darin steckt.

Aber wenn die katholische Kirche jemanden ertragen konnte, der für den Teufel eintritt, dann sollte die Klimawissenschaft auch jemanden ertragen können, der es für die Skeptiker tut. Und in der Zwischenzeit leistet dieses Buch eine akzeptable Arbeit.

Full book review
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

Bemerkung: Obiger Link führt zum ganzen Beitrag, falls jemand die Übersetzung überprüfen will. Hier stehen lediglich Auszüge aus diesem Beitrag in einem Rundbrief der GWPF, so dass kein Link angegeben werden kann.




Energie-Ungleichgewicht der Erde

Willis Eschenbach

Wie ich sehe, gibt es einen neuen Beitrag auf WUWT, in dem behauptet wird, dass der böse Mensch für die Zunahme des Energieungleichgewichts auf der Erde verantwortlich ist, welches in der Studie als ∆EEI bezeichnet wird. (Das Delta „∆“ bedeutet „Veränderung in“.) Die in dem Beitrag diskutierte, diesem Phänomen zugrunde liegende Studie trägt den Titel [übersetzt] „Anthropogener Antrieb und Reaktion führen zu dem beobachteten positiven Trend im Energie-Ungleichgewicht der Erde“.

Worauf stützt sich diese Behauptung des anthropogenen Antriebs? Seltsamerweise ist es nicht die übliche Behauptung, dass dies darauf zurückzuführen ist, dass CO2 mehr langwellige Strahlung absorbiert. Stattdessen wird in der Pressemitteilung folgende Ursache behauptet:

…wir empfangen die gleiche Menge an Sonnenlicht, reflektieren aber weniger zurück, weil erhöhte Treibhausgase Veränderungen in der Wolkendecke, weniger Aerosole in der Luft, die das Sonnenlicht reflektieren – d.h. sauberere Luft über den USA und Europa – und einen Rückgang des Meereises verursachen.

Ich habe noch NIE die Behauptung gehört, dass erhöhte Treibhausgase „Wolkenveränderungen“ verursachen. Woher sollten sie das wissen?

Nun, auf dieselbe Art und Weise, wie sie in ihrer Studie behaupten, alles bzgl. ihrer Pseudo-Wahrsagerei zu wissen, außer dass sie Computermodelle statt Tiere verwenden. Sie untersuchen die Eingeweide von Klimamodellen und vergleichen sie mit den CERES- und anderen Satellitendatensätzen. Das beeindruckt mich nicht.

Wie dem auch sei, werfen wir einen genaueren Blick auf ihre Behauptungen. Es stimmt, dass der CERES-Satellitendatensatz tatsächlich ein zunehmendes Ungleichgewicht aufweist. Wir können damit beginnen, uns die relative Größe des Ungleichgewichts anzusehen. Abbildung 1 zeigt die tatsächliche Größe der Veränderungen der ein- und ausgehenden Energie, der beiden Energieströme, die verglichen werden, um die Veränderungen des Energieungleichgewichts der Erde (∆EEI) zu ermitteln.

Abbildung 1. Die Erde empfängt und strahlt im globalen Durchschnitt rund um die Uhr etwa 240 Watt pro Quadratmeter (W/m²) ab.

Wie Sie sehen können, ist die Veränderung recht gering. Sie beträgt weit weniger als ein Prozent der Flüsse selbst.

Ungenauigkeit

Kann der CERES-Datensatz angesichts der winzigen Größe des Ungleichgewichts im Vergleich zu den zugrunde liegenden Energieströmen überhaupt für diese Frage verwendet werden? Natürlich wurde diese Frage untersucht. Hier liest man dazu:

Die Anforderungen an die absolute Genauigkeit, die für die Quantifizierung des Energieungleichgewichts der Erde (EEI) erforderlich ist, sind jedoch entmutigend. Das EEI ist ein kleines Residuum der TOA-Flussbedingungen in der Größenordnung von 340 W/m². Die EEI liegt zwischen 0,5 und 1 W/m² (von Schuckmann et al. 2016), was etwa 0,15 % der gesamten ein- und ausgehenden Strahlung am TOA entspricht.

Angesichts der Tatsache, dass die absolute Unsicherheit der solaren Bestrahlungsstärke allein 0,13 W m-2 beträgt (Kopp und Lean 2011), erfordert die Beschränkung der EEI auf 50 % ihres Mittelwerts (~0,25 W/m²), dass die beobachtete gesamte ausgehende Strahlung mit 0,2 W/m² oder 0,06 % bekannt ist. Die tatsächliche Unsicherheit für CERES, die sich allein aus der Kalibrierung ergibt, beträgt 1 % SW- und 0,75 % LW-Strahlung [eine Standardabweichung (1σ)], was 2 W/m² oder 0,6 % der gesamten TOA-Ausgangsstrahlung entspricht. Hinzu kommen Unsicherheiten, die sich aus der Umrechnung von Strahldichte in Lichtstrom und der zeitlichen Interpolation ergeben.

Mit den jüngsten Verbesserungen der Instrumentenkalibrierung der CERES-Ausgabe 4 beträgt das Netto-Ungleichgewicht der CERES-Standarddatenprodukte etwa 4,3 W m-2 und ist damit viel größer als der erwartete EEI. Dieses Ungleichgewicht ist problematisch bei Anwendungen, die ERB-Daten für die Bewertung von Klimamodellen, Schätzungen des jährlichen globalen mittleren Energiehaushalts der Erde und Studien, die auf meridionale Wärmetransporte schließen lassen, verwenden.

Das ist also die Unsicherheit des Ungleichgewichts … ± 4,3 W/m². Das macht die Bestimmung des Energieungleichgewichts an der Oberseite der Atmosphäre (TOA) etwas problematisch, da es weniger als 1 W/m² beträgt …

Und dann ist da noch die Frage der Drift. Im Laufe der Zeit verschieben sich die Satelliten leicht in ihren Umlaufbahnen, die Instrumente altern, und die gemeldeten Werte driften mit der Zeit langsam ab. Die Autoren des Papiers beleuchten dies im Grunde nur auf folgende Weise:

Obwohl es eine ausgezeichnete Übereinstimmung zwischen den einzelnen Satelliten gibt, von denen CERES seine Daten ableitet, gibt es dennoch das Potenzial für systematische Fehler im Zusammenhang mit dem beobachteten Trend aufgrund der Instrumentendrift. Wir schätzen die CERES-Trends auf 0,20 W/m²/decade (unter der Annahme einer Normalverteilung), basierend auf den besten realistischen Einschätzungen der Beobachtungsunsicherheit (N. Loeb, CERES Science Project Lead, persönliche Mitteilung)

Nennen Sie mich skeptisch, aber ich finde das alles andere als befriedigend … mir scheint, dass der CERES-Datensatz überhaupt nicht geeignet ist, um Trends von weniger als einem halben W/m² pro Jahrzehnt in der Restdifferenz von zwei großen Werten zu diagnostizieren.

Daten

Lassen wir diese große Unsicherheit beiseite und schauen wir uns die beiden Datensätze an, aus denen die EEI besteht. Dabei handelt es sich um die ausgehende langwellige Strahlung an der Obergrenze der Atmosphäre (Top-of-Atmosphere, TOA) und die eingehende Sonnenstrahlung. Ich verwende oft die „Bruchpunktanalyse“ [breakpoint analysis], um zu untersuchen, was vor sich geht. Eine Beschreibung der von mir verwendeten Funktionen der Haltepunktanalyse ist hier zu finden. Abbildung 2 zeigt die Bruchpunktanalyse der abgehenden Langwelle.

Abbildung 2. Bruchpunktanalyse, langwellige Strahlung an der TOA. Die blauen Linien zeigen die individuellen Trends von Datenabschnitten, die gelbe Linie zeigt den Gesamttrend.

Dies ist interessant. Die ausgehende langwellige Strahlung ist im Wesentlichen gleichbleibend bis etwa 2015 (plus/minus etwa ein halbes Jahr), dann gibt es eine Verschiebung nach oben, verbunden mit einem schnell steigenden Trend.

Und warum? Ich kann nicht garantieren, dass es niemand weiß … aber das ist jedenfalls meine Vermutung. Wir können spekulieren, aber Ursache und Wirkung sind im Klimasystem wie Sand in den Händen …

Wie sieht es mit der Sonneneinstrahlung aus? Abbildung 3 zeigt das Ergebnis:

Abbildung 3. Breakpoint-Analyse, TOA solare (kurzwellige) Strahlung. Die blauen Linien zeigen die individuellen Trends von Datenabschnitten, die gelbe Linie zeigt den Gesamttrend.

Dieser ist etwas komplexer. Zunächst nahm die eingehende Sonnenstrahlung schnell zu. Dann flachte sie ab, gefolgt von einem sprunghaften Anstieg um 2015 (zur gleichen Zeit wie der Anstieg der langwelligen Strahlung).

Warum haben sowohl die solaren als auch die langwelligen Flüsse Anfang 2015 einen Wendepunkt? Es könnte mit dem großen El Nino/La Nina 2015-2016 zusammenhängen … oder auch nicht, wenn man bedenkt, dass es mehr Nino/Nina-Wechsel während des Aufzeichnungszeitraums gibt und dass der El Nino-Höhepunkt erst Ende 2015 liegt. Vielleicht liegt es an einer Änderung der Instrumentierung. Auch das ist eine sehr schwer zu beantwortende Frage.

Wir können uns das Energieungleichgewicht auch auf andere Weise ansehen. Erstens: Hier ist ein Diagramm, das sowohl die ein- als auch die ausgehende Energie zeigt, zusammen mit den LOWESS-Glättungen der beiden Datensätze:

Abbildung 4. Dieselben Datensätze wie in Abbildung 1, aber in einem anderen Maßstab, einschließlich LOWESS-Glättungen beider Datensätze.

Dies ist merkwürdig. Manchmal bewegen sich die ein- und ausgehenden Strahlungsflüsse in Harmonie, und manchmal bewegen sie sich gegenläufig. Insbesondere bewegen sie sich nach den Wendepunkten im Jahr 2015 in Harmonie. Zumindest können wir sagen, dass wir es in beiden Fällen mit komplexen Prozessen zu tun haben …

Zum Schluss noch der Unterschied zwischen den LOWESS-Glättungen, die die tatsächlichen Änderungen des TOA-Energieungleichgewichts der Erde (∆EEI) wiedergeben. Abbildung 5 zeigt diese Änderungen:

Abbildung 5. Das Energieungleichgewicht der Erde, März 2000 – Februar 2021

Dies ist höchst interessant. Das Ungleichgewicht beginnt bei etwa 0,4 W/m². Kurz darauf sinkt es auf die Hälfte dieses Wertes. Dann geht es hoch, runter und wieder hoch auf 1,2 W/² … bevor es schnell wieder auf 0,2 W/m² zurückfällt. Dann springt er wieder auf 1,2 W/m2, wandert ein wenig umher, steigt auf einen Spitzenwert von 1,4 W/m² … und fällt dann wieder auf etwa 0,4 W/m² zurück. Sie endet also ungefähr dort, wo sie begonnen hat.

Es tut mir leid, aber wer behauptet, in Abbildung 5 einen „menschlichen Fingerabdruck“ zu sehen, hat seltsame Finger.

Schließen möchte ich mit einer Karte, welche die Komplexität des gesamten Energie-Ungleichgewichts zeigt:

Abbildung 6. Energieungleichgewicht an der Spitze der Atmosphäre, auf der Basis von 1° Breitengrad mal 1° Längengrad.

Einige Dinge sind zu beachten. Die beteiligten Zahlen sind sehr groß. In den Tropen gelangt viel mehr Sonnenenergie in das System als langwellige Energie das System verlässt. Das Gegenteil ist in der Nähe der Pole der Fall, wo viel weniger Sonnenenergie in das System eintritt als langwellige Energie das System verlässt. Dies ist ein Hinweis auf die „Advektion“, die riesige, ständig stattfindende horizontale Bewegung von fühlbarer und latenter Wärme aus den Tropen zu den Polen. Außerdem empfängt der Ozean im Allgemeinen mehr Sonnenenergie, als er an langwelliger Energie verliert, und das Gegenteil gilt für das Land. Dieser Unterschied ist z. B. im Mittelmeerraum sichtbar.

Ich halte es für höchst unwahrscheinlich, dass unsere Instrumente die Gesamtsumme auf ein Zehntel Watt pro Quadratmeter genau bestimmen können … ja, das ist die Antwort, die wir erhalten, aber der kleinste Fehler, die kleinste Abweichung im System, die kleinste Verschiebung der Null-Linie des Ungleichgewichts, und wir würden um viel mehr als das Ungleichgewicht selbst daneben liegen, ganz zu schweigen von der noch kleineren Veränderung des Ungleichgewichts.

Link: https://wattsupwiththat.com/2021/07/29/earths-energy-imbalance/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE