Fehlstart in den Frühling: Kalte, windarme erste Märzwoche 2022 in Deutschland – die Energiekrise spitzt sich weiter zu

Stefan Kämpfe

Wer nach dem sehr milden Winter auf einen zeitigen Lenz hoffte, wurde vorerst enttäuscht. Die tagsüber regional fleißige Märzensonne konnte die Kälte nicht vertreiben; nachts herrschte fast überall leichter, gebietsweise mäßiger Frost. Und wer angesichts der Ukraine-Krise nun populistisch Importstopps für russisches Öl und Gas fordert, sollte sich lieber mal die deutsche Stromerzeugung in der ersten, sehr windschwachen Märzwoche kritisch ansehen.

Als ob Hyper-Inflation, Corona-, Energie- und Ukraine-Krise nicht schon schlimm genug wären, vergällte uns nun auch noch der März den Start in den Frühling. Meteorologisch gesehen ist dieser so genannt „Märzwinter“ nicht ungewöhnlich. Viele werden denken, die Kälte stamme aus dem hohen Norden oder aus dem ferneren Osteuropa. Aber dem ist nicht so – sie entstand quasi vor Ort, als nach dem Zusammenbruch der im Februar dominanten Westlagen ein Hochdruckgebiet über dem nördlichen Mitteleuropa und Südskandinavien entstand – „Winter aus Versehen“, sozusagen. Die in dieser Jahreszeit recht milde subpolare Meeresluft (mP) geriet unter den Einfluss dieses Hochs und alterte vor Ort, was wieder einmal zeigt: Nicht das CO2 bestimmt das Temperaturniveau, sondern die Großwetterlage. Fehlt der kräftige, wärmende Westwind vom Atlantik, so kühlt es selbst im Vorfrühling bei einem Sonnenstand wie um den 10. Oktober noch merklich ab – selbst ganz ohne Schneedecke oder Eis auf der Ostsee.

Abbildung 1: Kaum Wind in der kalten Nacht vom 1. um 2. März 2022. Man erkennt über dem Nord-Ostseeraum und weiten Teilen Deutschlands keinerlei Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks), so dass Windstille herrschte und die Luft in der wolkenarmen Nacht stark abkühlte. Bildquelle Bodenwetterkarte des Metoffice vom 2. März 2022 01 Uhr bei wetter3.de, Ausschnitt.

So ähnlich setzte sich das mit leichten Variationen im gesamten ersten Märzviertel fort, und nach dem milden Winter zeigte sich nun ein ganz anderes Bild der Temperaturabweichungen:

Abbildung 2: Dicke Minuszeichen bei den Temperaturabweichungen in Deutschland vom 1. bis zum 6. März 2022. Bildquelle: bernd-hussing.de

Aber wer etwa glaubt, wegen der „immer schlimmeren Klimaerwärmung“ sei das bloß ein Ausrutscher, der wird bei einem Blick auf den Temperatur-Märztrend der letzten 35 Jahre eines Besseren belehrt.

Abbildung 3: Keine Märzerwärmung in Deutschland trotz fehlender WI-Bereinigung und stark steigender CO2-Werte. Der bislang sehr kühle März 2022 könnte noch kräftig aufholen und so um die 5°C schaffen, sicher ist das aber nicht.

Ein dringender Appell an den FDP-Generalsekretär: Herr Lindner, bitte schauen Sie sich die Ergebnisse der deutschen Stromerzeugung in der ersten Märzwoche an!

Herr Lindner, der offenbar dem unguten Beispiel von Frau Merkel folgen und die Grünen links überholen will, machte anlässlich der Sondersitzung des Bundestags zum Krieg in der Ukraine am 28.02.2022 folgende Aussage: „Erneuerbare Energien leisten nämlich nicht nur einen Beitrag zur Energiesicherheit und -versorgung. Erneuerbare Energien lösen uns von Abhängigkeiten. Erneuerbare Energien sind deshalb Freiheitsenergien.“ Näheres dazu hier. Nun, da hatte er offenbar entweder keine guten Berater, oder aber bewusst gelogen. Denn gerade die „Erneuerbaren“, besonders Wind- und Sonnenenergie, liefern derart wenig und derart unzuverlässig, dass sie uns erst in die Abhängigkeit vom russischen Gas getrieben haben. Und selbst der forcierte Ausbau von Wind- und Solarenergie, wie er im Koalitionsvertrag vom Dezember 2021 angekündigt wurde, löst das Problem der Volatilität der Erneuerbaren Energieerzeugung nicht. Im Jahr 2021 trug Erdgas 26,7 % zum deutschen Primärenergiebedarf bei, davon bezog Deutschland 55 % aus Russland. Die Windenergie mit ihren über 30.000 Windrädern trug lächerliche 3,5 % zum Primärenergiebedarf bei – und das mit hoher Fluktuation. Das heißt konkret: Selbst eine Verzehnfachung (!) der Anzahl der Windräder, bei der dann auf nahezu jedem Quadratkilometer Deutschlands ein Windrad stehen müsste, würde nicht einmal annähernd unseren Energiebedarf decken können. Es kommt aber noch schlimmer: Zunehmend häufen sich Wetterlagen, bei denen wenig oder gar kein Wind weht; die Windräder selbst geraten immer mehr in Verdacht, diese Flauten zu erzeugen; Näheres dazu hier und hier. Der letzte, wirklich ergiebige Windtag in Deutschland war der 25. Februar, seitdem wehte der Wind nur in homöopathischen Dosen. Ein Blick auf die Stromerzeugung in der ersten Märzwoche zeigt das eindrucksvoll:

Abbildung 4: Verlauf der deutschen Stromerzeugung nach Energieträgern in der ersten Märzwoche 2022. Von den benötigten 50 bis 70 GW (Last, schwarze Linie) konnten die über 30.000 Windräder nur lächerliche 1,5 bis allerhöchstens 25 GW beisteuern; meist aber deutlich unter 10 GW (hell blau-grünliche Fläche). Die schon recht fleißige Märzensonne stand nur für eine kurze Mittagszeit zur Verfügung; nicht aber in den laststarken Morgen- und Abendstunden; nachts sowieso gar nicht (keine Grundlastfähigkeit). Summa summarum leisteten Braun- und Steinkohle, Kernenergie und das politisch momentan sehr unbeliebte Erdgas stets 50 bis 80% der Stromproduktion! Biomasse (grün) und Wasserkraft (dunkelblau) sind praktisch nicht mehr ausbaufähig. Deutschland, einst ein zuverlässiger Stromexporteur, wird zunehmend von Stromimporten abhängig (weiße Flächen unter der Lastlinie) und muss seine Überschüsse (gelbe Spitzen über der Lastlinie) meist billig verschleudern. Zur Beachtung: Es handelt sich nur um die Stromproduktion; bei der Primärenergie (Heizen, Verkehr, Industrie) schnitten die „Erneuerbaren“ noch viel, viel schlechter ab. Bildquelle energy-charts.info, ergänzt.

Doch wer nun meint, das Heil liege im weiteren, massiven Ausbau der Solarenergie, dem sei folgende alte Bauernregel mit auf den Weg gegeben: „Märzensonne, nur kurze Wonne, Märzenschein lässt nicht viel gedeih’n“. Zumal alle „Erneuerbaren“ nicht oder nur unter unverhältnismäßig hohem Aufwand gespeichert werden können – da bietet auch die von Lindners scheingrüner FDP propagierte Wasserstofftechnologie keine Lösung, weil sie Energieverluste von 70 bis 85% erzeugt. Und die Sonne schien im Dezember 2021 sowie im Januar 2022 fast überhaupt nicht.

Weitere Aussichten: Eher windschwach, aber wärmer und zeitweise sonnig?

Zuerst die schlechte Nachricht: Richtig viel Wind scheint es auch in den kommenden Wochen nicht zu geben. Aber dafür zaghaft steigende Tagestemperaturen bei relativ viel Sonnenschein; leider oft noch kalte Nächte. Diesmal könnten wir also noch mal von Blackouts oder Heizungsausfällen verschont bleiben, aber bis zum nächsten Winter müssen energiepolitische Nägel mit Köpfen gemacht werden. Dazu gehören möglicherweise auch eine Laufzeitverlängerung der letzten Kernkraftwerke sowie eine Sicherung der heimischen Braunkohle weit über das Jahr 2030 hinaus. Und zähneknirschend wird man wohl auch russisches Erdgas als Energieträger akzeptieren müssen.

Stefan Kämpfe, unabhängiger Natur- und Klimaforscher

 




Der „Decline Effect“ – wie kann es dazu kommen?

Kip Hansen

Was genau ist der Decline-Effekt? Ist es die Tatsache, dass bestimmte wissenschaftlich entdeckte Wirkungen mit der Zeit abnehmen, je mehr sie untersucht und erforscht werden? Fast, aber nicht wirklich. Das Wiki hat diese Definition für uns:

„Der Decline-Effekt kann auftreten, wenn wissenschaftliche Behauptungen im Laufe der Zeit immer weniger Unterstützung erhalten. Der Begriff wurde erstmals von dem Parapsychologen Joseph Banks Rhine in den 1930er Jahren beschrieben, um das Verschwinden der außersinnlichen Wahrnehmung (ESP) bei den von Rhine durchgeführten psychischen Experimenten im Laufe des Studiums oder der Zeit zu beschreiben. In seiner allgemeineren Bezeichnung bezeichnete Cronbach in seinem wissenschaftlichen Übersichtsartikel „Beyond the two disciplines of scientific psychology“ (auch als pdf hier) das Phänomen als „generalizations decay“ [1]. Der Begriff wurde 2010 in einem Artikel von Jonah Schooler in The New Yorker erneut verwendet.“

Einige sind der Ansicht, dass der Decline Effect nicht nur eine Abnahme der Unterstützung im Laufe der Zeit ist, sondern dass er sich vielmehr auf eine Abnahme des Effektes im Laufe der Zeit bezieht – oder, nach Ansicht einiger, auf beides, auf das eine oder das andere.  Das heißt, dass die Unterstützung abnimmt, weil die gefundenen Effektgrößen abnehmen, oder dass aufgrund der abnehmenden Unterstützung die berichteten Effektgrößen abnehmen.  Als Ursache für den Rückgang werden häufig genannt: Publikationsverzerrungen, Zitationsverzerrungen, methodische Verzerrungen und Prüfereffekte. Teil 1 dieser Serie war ein Beispiel für Prüfereffekte.

Um es ganz klar zu sagen: Der Decline Effekt bezieht sich in keinem Fall auf einen tatsächlichen Rückgang der realen Auswirkungen bestimmter physikalischer Phänomene, sondern lediglich auf die in Forschungsberichten gefundenen und/oder angegebenen Effektgrößen im Laufe der Zeit.

Eine der besten Diskussionen über den Decline-Effekt wurde vor über einem Jahrzehnt in The New Yorker veröffentlicht. In einem Artikel mit dem Titel: „The Truth Wears Off – Is there something wrong with the scientific method?“ [etwa: Die Wahrheit verschleißt – stimmt etwas nicht mit der wissenschaftlichen Methode?] von Jonah Schooler. Mit 2100 Wörtern dauert die Lektüre etwa 10 Minuten – und ist jede Minute wert.

Schoolers Artikel beginnt mit folgendem Satz:

„Die Verrücktheit der Hypothese war der Punkt: [Jonathan] Schooler weiß, dass es für Präkognition[man denke an ESP -kh]keine wissenschaftliche Erklärung gibt. Aber er testete keine übersinnlichen Fähigkeiten, sondern den Decline-Effekt. „Zunächst sahen die Daten erstaunlich aus, genau wie wir es erwartet hatten“, sagt Schooler. „Ich konnte nicht glauben, wie viel Präkognition wir gefunden haben. Aber dann, als wir die Probanden weiter untersuchten, wurde die Effektgröße“ – ein statistisches Standardmaß – „immer kleiner und kleiner.“ Die Wissenschaftler testeten schließlich mehr als zweitausend Studenten. „Am Ende sahen unsere Ergebnisse genauso aus wie die von Rhine“, so Schooler. „Wir fanden diesen starken paranormalen Effekt, aber er verschwand bei uns.“

Es ist besorgniserregend, dass der Decline-Effekt bedeuten könnte, dass mit der wissenschaftlichen Methode etwas nicht in Ordnung ist. Eine Gruppe hat vor zwei Jahren eine sorgfältige Studie durchgeführt und wirklich beeindruckende, starke Effekte festgestellt, aber seither haben weitere Studien immer weniger starke Effekte gezeigt, was ihre ursprünglich unterstützte Hypothese in Zweifel zieht. Was ist hier los?

Viele Leser sind statistisch bewandert und können die Möglichkeit erkennen, dass es sich bei diesem Effekt lediglich um eine Regression zum Mittelwert handelt. Wenn das Experiment wiederholt wird und mehr Datenpunkte gesammelt werden, kommt es zu anfänglichen statistischen Ausreißern, zunächst zu ungewöhnlich hohen oder niedrigen Werten, und dann, wenn immer mehr Ergebnisse eingehen, tendiert der Durchschnitt der gesamten Ergebnisse dazu, sich dem tatsächlichen statistischen Mittelwert anzunähern. Ich werde nicht zu viel Zeit darauf verwenden, aber dieses Bild wird Ihnen helfen, das Konzept zu verstehen:

Aber wir haben ein Problem mit unseren ESP-Ergebnissen – sie fanden nur hohe Werte der ESP-Fähigkeit, nicht einige wirklich hohe und einige wirklich niedrige, im Gegensatz zu unseren zufällig generierten Zahlen im obigen Diagramm. Ohne Ausreißer, die sowohl hoch als auch niedrig sind, ist es schwer, die ESP-Ergebnisse auf Regression zurückzuführen. Die wahrscheinlichste und üblichste Ursache dafür ist, dass die Forscher nach ESP gesucht haben und nicht nach dem Fehlen von ESP.  Das ist der Grundsatz, dass man im Allgemeinen das findet, wonach man sucht, entweder absichtlich oder durch einen psychologischen Effekt.

In der Praxis habe ich einen Verwandten, dessen Familientradition die Zahl 13 bevorzugt – die Glückszahl seines Urgroßvaters. Mein Verwandter ist daher überrascht, wie oft die Zahl 13 oder Kombinationen, die diese Zahl enthalten (313, 1313, 3131, 1:13 usw.), im täglichen Leben auftauchen – und ist fest davon überzeugt, dass sie häufiger vorkommt, als es statistisch belegbar ist. Sie sehen, wonach sie suchen. Oder sie bemerken das Vorkommen der Zahl, weil sie dafür sensibilisiert sind.

In Wissenschaft und Forschung ist dies oft unbeabsichtigt – es kann das Ergebnis eines schlechten Studiendesigns, voreingenommener Datenerhebungsmethoden oder subjektiver Beobachtungen sein, die durch Erwartungen beeinflusst werden. Studien, die sich auf Daten stützen, die „mit den Augen gemessen“ werden – ein Mensch mit einer Stoppuhr, der zählt, wie oft ein Schimpanse seine rechte oder linke Hand benutzt, wie schnell eine Spinne auf Reize reagiert usw. – können leicht schief gehen. Diese Art von Ursachen wären methodische Probleme.

Oder, wenn Jonathan Schooler Recht hat, in einem größeren Bereich, könnte es durch Publikations-Verzerrungen und besonders durch unveröffentlichte Ergebnisse verursacht werden. Fachzeitschriften mögen große, aufsehenerregende Ergebnisse. Zeitschriften mögen keine ungültigen, negativen oder „nichts gefunden“-Studien. Das bedeutet, dass bei einer Meta-Analyse veröffentlichter Arbeiten in der Regel die Studien mit großen Ergebnissen gefunden werden – und nicht die vielen, die winzige oder gar keine Auswirkungen aufgezeigt hatten. Diese Arbeiten mit null oder winzigen Effekten sind möglicherweise in Zeitschriften erschienen, die keinen wirklichen Einfluss haben: nicht englischsprachige, kleine oder obskure Zeitschriften. Schooler weist darauf hin, dass viele Studien mit Nullbefunden oder geringen Auswirkungen abgelehnt und nicht veröffentlicht werden oder, schlimmer noch, nie von Forschern geschrieben werden, die wissen, dass ihre Chancen auf eine Veröffentlichung gering sind.

In neuen Forschungsbereichen neigen Wissenschaftler dazu, nach Ergebnissen zu suchen, die den großen Resultaten ähneln, die denjenigen, die als erste über die neuen Phänomene berichteten, Ruhm und Erfolg brachten.  Wenn sie diese finden, beeilen sie sich mit der Veröffentlichung. Finden sie hingegen keine großen, beeindruckenden Ergebnisse, denken sie vielleicht, dass sie sich in irgendeiner Weise geirrt haben und sind nicht bereit, sich dem neuen Trend zu widersetzen. Publikations-Verzerrungen wirken sich auf Meta-Analysen aus. In den meisten Bereichen, die nicht politisiert werden oder einem erzwungenen Konsens unterliegen, werden die Ergebnisse schließlich richtig, es werden mehr und mehr realistische Effekte gefunden, der Decline-Effekt tritt ein und die Wissenschaft entwickelt sich weiter.

Eine weitere Möglichkeit, wie Meta-Analysen verzerrt werden können, ist:

Voreingenommenheit bei der Quellenangabe

Das Zitieren oder Nicht-Zitieren von Forschungsergebnissen, je nach Art und Richtung der Ergebnisse. Autoren neigen dazu, positive Ergebnisse gegenüber negativen oder ungültigen Ergebnissen zu zitieren, und dies wurde für einen breiten Querschnitt von Themen festgestellt. Die unterschiedliche Zitierung kann dazu führen, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, eine Intervention sei wirksam, obwohl sie es nicht ist, und sie kann zu einer Überrepräsentation positiver Ergebnisse in systematischen Übersichten führen, wenn diejenigen, die nicht zitiert werden, schwer zu finden sind.

Die selektive Zusammenführung von Ergebnissen in einer Meta-Analyse ist eine Form der Verzerrung durch Zitate, die besonders heimtückisch ist, da sie das Wissen beeinflussen kann. – Wiki

Denken Sie nur an die Auswirkungen, die diese beiden Faktoren auf Themen haben, deren öffentliche Wahrnehmung von Meta-Analysen abhängt, wie z. B. die IPCC-Zustandsberichte oder die NOAA- und NASA-Berichte über den Meeresspiegel, das Klima oder extreme Wetterereignisse, die nur das verwenden, was die Autoren dieser Berichte als „anerkannte““ Studien und „maßgebliche“ Quellen betrachten. Einer der ersten Schritte einer Meta-Analyse ist die Auswahl der zu berücksichtigenden Studien, und allzu oft bedeuten „anerkannt“ und „maßgebend“ in der Praxis einfach „stimmt mit uns überein“.

[Hervorhebung im Original]

Methodische Verzerrungen

Dies ist eine breite Problemkategorie, die jedoch am einfachsten zu lösen ist. In den ersten Stadien der Wissenschaft über die Versauerung der Ozeane [Ocean Acidificagtion OA] gab es viele Voreingenommenheiten: die größte davon war die a priori-Annahme, dass die Senkung des pH-Wertes des Meerwassers schlecht sei – dass sie unweigerlich zu negativen Auswirkungen führe. Um dies zu beweisen, weil es „so offensichtlich“ war, führten Forscher, die sich nicht mit der Chemie des Meerwassers auskannten, Experimente mit „gesenktem pH-Wert“ durch, wobei sie die einfachste Methode anwendeten, die sie in der High School gelernt hatten: Sie fügten dem Meerwasser einfach Säure hinzu. Chris Cornwall und Catriona Hurd haben eine wichtige Arbeit veröffentlicht, in der sie einige dieser Unsinnigkeiten richtig gestellt haben (siehe hier und hier). Nachdem die Verfahren korrigiert worden waren, wurden bei OA-Experimenten im Allgemeinen weit weniger schädliche Auswirkungen festgestellt. Und jetzt, wo sich die Arbeiten über die Auswirkungen auf das Fischverhalten als höchst fragwürdig erweisen, wird das Feld von den Klimakrisengegnern zurückgedrängt. Zur Verteidigung der OA-Forscher wurden Standards für ordnungsgemäße Methoden der OA-Forschung entwickelt und vom European Project on OCean Acidification (EPOCA) veröffentlicht, das die Broschüre „Guide to best practices for ocean acidification research and data reporting“ [etwa: Leitfaden für bewährte Praktiken bei der Erforschung der Ozeanversauerung und der Datenerfassung] herausgegeben hat.

In anderen Bereichen sind methodische Verzerrungen an der Tagesordnung. Auf dem Gebiet des Meeresspiegels gibt es immer noch viele Arbeiten, die einfach den Durchschnitt der Daten von Gezeitenpegelstationen bilden (Gezeitenpegel, die jeweils den relativen Meeresspiegel an einem einzigen Ort messen) und dann die Satellitenmessungen des eustatischen Meeresspiegels mit den Beobachtungsreihen der Gezeitenpegel für den lokalen relativen Meeresspiegel verbinden (ein Fehler, bei dem Äpfel, Birnen und Bananen im Obstsalat landen), oder den neuesten methodischen Wahnsinn der hybriden Meeresspiegel-Rekonstruktionen (bei denen alle oben genannten Fehler zusammen auftreten).

Es gibt und gab viele Lösungsvorschläge für das, was als „Saving Science“-Bewegung bekannt geworden ist. Dazu gehören eine ernsthafte und detaillierte Replikation wichtiger Ergebnisse und die Vorab-Registrierung von Studien (einschließlich Hypothese, Datenerfassung, Methoden, Datenanalysemethoden, alles). Die Vorabregistrierung ermöglicht eine Überprüfung der vorgeschlagenen Studie durch Fachkollegen, bevor Aufwand und Geld für einen schlecht durchdachten Plan aufgewendet werden.

Meiner Meinung nach müssen die Forschungsbereiche ihre klügsten Köpfe zusammenbringen und echte Forschungsziele aufstellen, um ihre Grundlagen zu stärken und Wissenslücken aufzuzeigen – sie müssen sich Ziele setzen, um grundlegendes Wissen zu wiederholen und zu verifizieren und Wissenslücken zu schließen. Der Sinn von Saving Science besteht darin, das Gute vom Schlechten zu trennen, die Wahrheiten von den Mythen, die entdeckten Grundprinzipien von den aktuellen wissenschaftlichen Moden.

Mit anderen Worten: Wir müssen aufhören, herumzualbern. Wir brauchen ein paar Forscher, die verrückte Dinge erforschen. Aber wir brauchen auch dringend korrigierende wissenschaftliche Studien – Wissenschaft, die die wissenschaftlichen Fehler der Vergangenheit korrigiert. Es gibt viel zu viele Bereiche wie die OA-Forschung, die Erforschung des Meeresspiegels und die Korallenriff-Forschung, die auf gefährlichen Pfaden ins wissenschaftliche Nirgendwo abgewandert sind, indem sie modischen Versionen der Realität gefolgt sind, die zu Tatsachen geworden sind, Memos, die selbst ex nihilo geschaffen wurden, um soziale und politische Agenden zu fördern.

Bemerkungen des Autors hierzu:

Der Decline-Effekt bedeutet nicht unbedingt, dass jemand betrügt.  Er kann nur bedeuten, dass das, was auf den ersten Blick wichtig erschien, keine große Sache ist.  Leider wollen junge Forscher, die mit einem großen Fund einen Treffer landen, oft auf diesem Pony reiten und eine Festanstellung, Reichtum und Ruhm erlangen.  Wenn nachfolgende Forscher die ursprüngliche(n) große(n) Entdeckung(en) nicht wiederholen und in Frage stellen können, kommt es zu Problemen. Diejenigen, die versuchen, die wissenschaftlichen Aufzeichnungen zu korrigieren, werden als „Angreifer der Wissenschaft“ beschimpft, obwohl sie selbst Wissenschaftler sind.

Die Wissenschaft kann sich nicht selbst korrigieren, wenn diejenigen, die versuchen, die notwendigen Korrekturen vorzunehmen, dafür angegriffen werden.

[Hervorhebung vom Übersetzer]

Link: https://wattsupwiththat.com/2022/02/28/the-decline-effect-part-2-how-does-this-happen/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Winter 2021/22 – seine Milde wurde oft grob richtig vorhergesagt

Stefan Kämpfe

Alle Jahre wieder: Mit Beginn des meteorologischen Frühlings steigt der Schwülegrad enorm – aber nur für alle Prognostiker, denn die zu Beginn des Meteorologischen Winters vorgestellten Prognosen müssen sich nun am Tag der Wahrheit einer kritischen Prüfung stellen. Anders, als im Vorwinter, unterschätzten die meisten davon diesmal die Milde, erbrachten aber eine gewisse Vorhersageleistung, denn das Klimamittel des Referenzzeitraumes (1990/91 bis 2019/20) lag mit +1,4°C vom realen Eintrittswert des Winters 2021/22 (+3,3°C) noch weiter entfernt, als viele der Prognosen. Es wurden nur Temperaturprognosen bewertet; Aussagen zu Niederschlägen blieben unberücksichtigt.

Bevor die Prognosen nochmals gezeigt und bewertet werden, soll ein Blick auf die Entwicklung der Wintertemperaturen seit dem „Klimasprung“, welcher mit dem Mildwinter 1987/88 in Deutschland begann, geworfen werden. Anders als Sommer und Herbst, erwärmte sich der Winter im Deutschland-Mittel seitdem nur unwesentlich. Mit 3,3°C zählt der abgelaufene Winter bei unseren momentanen Klimabedingungen, wie sie seit 1988 herrschen, zu den deutlich milden Wintern. Keiner der drei Wintermonate wies aber seit 35 Jahren einen signifikanten Trend auf: Während sich der Dezember noch leicht und der Februar kaum erwärmte, kühlte der Januar unwesentlich ab. Offenbar scheint die winterliche Klimaerwärmung in Deutschland ausgereizt – viel mehr als allerhöchstens um die 5°C kann ein Winter hierzulande wohl nicht erreichen, und auch dafür müsste praktisch durchweg so windiges Westwetter herrschen, wie im Februar 2022.

Abbildung 1: Kaum winterliche Erwärmung auch bei den Einzelmonaten in Deutschland seit 1987/88 – trotz deutlich steigender CO2-Konzentrationen und des deutlich zu milden Winters 2021/22. Diese DWD-Daten sind nicht WI-bereinigt; andernfalls wären die Trends am Ende um wenige Zehntelgrad niedriger. Selbstredend, dass auch der Gesamtwinter (hier nicht gezeigt) seit 1988 nur noch eine unwesentliche Erwärmung erfuhr und die stark steigende CO2-Konzentration keinen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Wintertemperaturen hatte.

Wie leicht sich Kälte bei Hochdruckwetter etablieren kann, zeigte der Ausklang des meteorologischen Winters: Ganz ohne Kaltluftzufuhr oder Schneebedeckung wurden in einer gealterten Subpolarluft nach klarer Nacht am Morgen des 28. Februar 2022 fast überall in Deutschland Fröste zwischen minus 1 und minus 8°C registriert (Sonnenstand und Tageslänge entsprechen da schon wieder der von etwa Mitte Oktober).

Abbildung 2: Außer unmittelbar an den Küsten überall im Nordwesten leichter, im Südosten teils auch mäßiger Strahlungsfrost am Morgen des 28.02.2022. Eine Schneedecke, welche normalerweise Strahlungsfröste verstärkt, fehlte im Tiefland völlig. Bildquelle: wetterzentrale.de

Europa, die milde Insel der Glückseligkeit im sonst eher kalten Nordwinter 2021/22?

Im Dezember konnte man noch auf Winterkälte hoffen – außer den unerwünschten Westlagen gab es auch ein paar Tage mit kälterem Nord- und Ostwetter. Aber im Laufe der Zeit verlagerte sich der troposphärische Kältepol nach Nordostkanada, was die Tiefdrucktätigkeit auf dem Nordatlantik anfachte. Die Sturmtiefs zogen dann nach Europa. Folgerichtig verlief dieser Winter der Nordhalbkugel fast nur in Mittel- und Westeuropa nahezu durchgängig sehr mild, was eben seine Ursache in der hier stark dominanten nordwestlichen bis westlichen Anströmrichtung hatte („milder“ Atlantik- und Nordseeeinfluss). Schon in Nordeuropa gab es wenigstens im Dezember recht kalte Phasen, das arktische Meereis wuchs stärker, als in den Vorjahren, und besonders in Nordamerika und Ostasien, aber auch im Nahen bis Mittleren Osten sowie in Indien häuften sich Berichte über Kälte- und Schneerekorde – wie schon im Südwinter 2021. Näheres finden Interessierte in den zahlreichen Kältereports von Christian Freuer beim EIKE, beispielsweise hier.

Die Bewertung der Langfrist-Vorhersagen einiger Institute, Wetterdienste und Privatpersonen

Zuerst wird im Folgenden nochmals die ursprüngliche Prognose gezeigt; darunter erfolgt jeweils die Bewertung; meist auf die CLINO- Periode 1991 bis 2020 bezogen, abweichende Referenz-Zeiträume sind in den betreffenden Prognosen genannt. Eine Bewertung mit objektiven Maßzahlen wie etwa dem Root Mean Square Error (rmse) oder der Reduktion der Varianz (RV) war leider bei keiner Prognose möglich; da man hierfür eine genaue Prognosezahl benötigt. Bei Intervallangaben wurde ein „Treffer“ daher mit Note 2 bewertet, wenn er dieses vorhergesagte Intervall traf; verfehlte er dieses um nicht mehr als +/- 0,5 Kelvin, so ergab das Note 3, darüber bei bis zu +/- 1K Abweichung Note 4; bei noch mehr Abweichung Note 5, über +/- 2 K Note 6. Bei Prognosen mit mehreren Teilprognosen (etwa für den gesamten Winter und die 3 Einzelmonate) wurden diese einzeln ebenso gewertet und dann die Gesamtnote gemittelt. In die Bewertung wurde auch einbezogen, ob genauere Vorhersagen über den Gesamtwinter hinaus zu Einzelmonaten erfolgten. Fehlten diese ganz, so wurde um eine Note abgewertet. Wo Bezugswerte und/oder konkrete Zahlenprognosen ganz fehlten, wurde ebenfalls um eine Note abgewertet. Reine Wahrscheinlichkeitsaussagen konnten, sofern sie in etwa zutrafen, bestenfalls die Note 4 erhalten, weil ihr Aussagewert einfach zu gering ist.

Vorab die als Bewertungs-Richtwert dienenden Daten: CLINO 1991 bis 2020 für das DWD-Mittel: Dez. +1,8°C Jan +0,9°C Feb. +1,5°C Winter +1,4°C. Eintrittswerte Winter 2021/22: Dez. +2,6°C Jan. +2,8°C Feb. +4,5°C Winter +3,3°C

UKMO-Metoffice (Großbritannien): Stand 11.11.2021 Winter (D, J, F) mit erhöhter Wahrscheinlichkeit in ganz Deutschland zu mild (folgende Karte):

Anmerkung: Hier wird nur die Metoffice-Karte mit der Wahrscheinlichkeit des Abweichens vom Median gezeigt. Es gibt zwei weitere. Diese Median-bezogene Wahrscheinlichkeitsaussage zeigt, wie die anderen Karten auch, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für über dem Median liegende Wintertemperaturen besonders über der südlichen Arktis, der nördlichen Ostsee und Teilen des Mittelmeeres:

Die aktuellen Karten jederzeit hier

Benotung: Die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass das Wintermittel über dem CLINO-Median liegen würde, trat ein, Note 4.

Meteo Schweiz Stand Nov. 2021: Leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen normalen und etwa 45% für einen zu milden Winter. Zusammen ergibt das eine Wahrscheinlichkeit von gut 85% für „normal“ bis „zu mild.“ Zu kalter Winter zu kaum 15% wahrscheinlich. Die „doppelten T“ sind die Fehlerbalken; die Prognose gilt nur für die Nordostschweiz, ist aber auch für Süddeutschland repräsentativ:

Benotung: Auch in der Nordostschweiz verlief dieser Winter zu mild, was grob vorhergesagt wurde, Note: 4.

Donnerwetter.de Stand 11. November 2021: Die „Prognosen“ lagen dekadenweise ab der zweiten Dezemberdekade vor. Fast alle Dekaden sollen mehr oder weniger zu kalt ausfallen, so dass ein insgesamt um etwa 3K zu kalter Winter in Berlin zu erwarten wäre (Prognose hier nicht gezeigt, da bildlich schwer darstellbar; siehe hier unter Kapitel 11 „Langfristprognosen“.

Benotung: Von der dritten Dezember-Dekade einmal abgesehen, krasse Fehlprognose ohne jeden Wert, Note 6.

ZAMG (Wetterdienst Österreichs) Stand Mitte Nov. 2021: Dezember mit leicht erhöhter Wahrscheinlichkeit zu kalt, immerhin noch gut 30% Wahrscheinlichkeit für einen normalen und etwa 25% für einen zu milden Dezember. Im Januar 2022 ähnliche Verhältnisse; für Februar lag noch keine Aussage vor. Die Aussagen gelten bestenfalls auch für Süddeutschland; vor allem für das südliche Bayern und Baden-Württemberg (Prognose hier)

Benotung: Auch in Österreich verliefen der Dezember und der Januar zu mild, der Januar etwas weniger deutlich, als in Deutschland. Insgesamt deutliche Unterschätzung, Angaben zum Februar und zum Gesamtwinter fehlten, Note: 6.

LARS THIEME (langfristwetter.com) Vorhersage von Anfang November 2021. Siehe folgende Tabelle (die Prognosen beziehen sich auf die CLINO-Normalperiode von 1981 bis 2010 und gelten vorwiegend für das ostdeutsche Flachland). Es soll danach einen normal temperierten Dezember, einen zu milden Januar und einen sehr milden Februar geben; der Winter verliefe insgesamt zu mild:

Benotung: Dezember um etwas mehr als 1K deutlich unterschätzt, Note 4. Januar grob getroffen, Note 3. Februar gut getroffen, Note 2. Abwertung auf Gesamtnote 4, weil konkrete Zahlenangaben zu den erwarteten Monatsmitteln ganz fehlten.

IRI (folgende Abbildung), Vorhersage vom Nov. 2021: Besonders in Mittel- und Norddeutschland erhöhte Wahrscheinlichkeit für übernormale Wintertemperaturen:

Benotung: Grob richtige Einschätzung eines zu milden Gesamtwinters, Note 4.

DWD (Offenbach): In Deutschland etwa 0,5 bis 1°C zu mild, bezogen auf den Klimamittelwert der Jahre 1990 bis 2019, der ca. knappe 1,4°C beträgt (Stand 8. Nov. 2021):

Benotung: Der eigentlich unübliche Bezugszeitraum 1990-2029 weist ein Wintermittel von knapp 1,4°C auf, daher Unterschätzung des Winters um etwa 1K, Note 4.

NASA (US-Weltraumbehörde) Karten vom November 2021: Dezember in Nordwestdeutschland etwas zu kühl, sonst normal, Januar und Februar insgesamt um etwa 0,5 bis 1K zu mild:

Benotung: Dezember um etwa 1K unterschätzt, Note 4. Januar um reichlich 1 K unterschätzt, Note 5. Februar um etwa 2 K unterschätzt, Note 5, Gesamtnote 5

CFSv2- Modell des NOAA (Wetterdienst der USA, folgende 3 Abbildungen, Eingabezeitraum 15. bis 24.11. 2021): Winter insgesamt etwa 0,5 bis 1,0 K zu mild. Dezember (oben) in Norddeutschland 0,5 bis 1 K zu mild, sonst normal, Januar (Mitte) temperaturnormal bis 1 K zu mild, Februar (unten) 1 bis 2 K zu mild. Die vorhergesagten Temperaturabweichungen beziehen sich auf die Mittelwerte der Periode 1981 bis 2010. Diese experimentellen, fast täglich aktualisierten, aber unsicheren Prognosen hier (Europe T2m, ganz unten in der Menütabelle; E3 ist der aktuellste Eingabezeitraum):

Benotung: Dezember leicht um etwa 0,5K unterschätzt, Note knappe 3. Januar um etwa 1 K unterschätzt, Note 4. Februar um reichlich 1K unterschätzt, Note 4. Gesamtnote 4.

Fazit (Prognose des Autors vom 25.11.2021): Eindeutige, verlässliche Anzeichen für einen sehr kalten oder extrem milden Winter fehlen; die meisten Signale deuten auf einen bestenfalls normalen, wahrscheinlich aber eher etwas zu milden Winter hin, der aber eventuell kältere Abschnitte oder einen zu kalten Monat aufweisen wird. Die Vorhersagen der Wetterdienste und Institute tendieren auch bei großer Unsicherheit in Richtung eines normalen bis milden Winters. Gewisse Hoffnungen auf Kälte machen die seit 2018 besonders massiven Zirkulationsstörungen (häufige Blockierung der Westdrift). Insgesamt fällt der Winter 2021/22 nach momentanem Stand also bei großer Unsicherheit normal bis mild aus und wird im Deutschland-Mittel auf +0,5 bis +3,5°C geschätzt (LJM 1991 bis 2020 +1,4°C). In den Kategorien „zu kalt“, „normal“ und „zu mild“ stellen sich die Wahrscheinlichkeiten des Winters 2020/21 folgendermaßen dar:

Die Schneesituation für Wintersport ist besonders in Lagen über 800m schon Anfang Dezember recht gut. Geschätzte Dezember- Monatsmitteltemperatur für Erfurt-Bindersleben (Mittel 1991- 2020 +0,8°C) +0,5 bis +3,5°C (normal bis mild). Für Jan/Feb. 2022 lässt sich noch kein Temperaturbereich schätzen; doch deuten viele Signale auf einen eher normalen bis mäßig-milden Januar und einen sehr milden Februar hin. Das Schneeaufkommen nach Mitte Dezember ist kaum vorhersehbar (langfristige Niederschlagsprognosen sind besonders unsicher); doch dürften die intensiven Schneefälle ab Ende November zumindest in der Adventszeit Wintersport ab den höheren Mittelgebirgslagen zulassen. Zur Winterlänge fehlen bisher ebenfalls noch Hinweise. Die Hochwinterwitterung (Jan/Feb.) kann erst anhand des Witterungstrends zum Jahreswechsel etwas genauer abgeschätzt werden; momentan ist ein eher milder Hochwinter am wahrscheinlichsten. Sollte der Dezember aber eher kühl ausfallen, so erhöht das die Wahrscheinlichkeit für einen kalten Hochwinter 2022, besonders im Januar, zumindest etwas.

Dieses Fazit wurde aus 15% der Tendenz der Bauern- Regeln, 10% Sonnenaktivität, 20% Zirkulationsverhältnisse, 15% Mittelfrist- Modelle, 10% NAO, AMO,QBO, Polarwirbel, 15% Analogfälle, und 15% der vorwiegenden Tendenz der Langfristprognosen gewichtet.

Benotung: Das Erfurter Dezembermittel betrug +2,2°C (Treffer, Note 2). Das Deutschland-Wintermittel wurde knapp getroffen, Note knappe 2. Insgesamt wurde die Milde dieses Winters aber unterschätzt; deshalb und wegen der weiten Schätz-Intervalle Abwertung auf Gesamtnote 3.

Stefan Kämpfe, unabhängiger Natur- und Klimaforscher

 




Das unruhige Meer

Willis Eschenbach

Seit etwa vierzig Jahren werden wir mit endlosen Panikmache-Behauptungen konfrontiert, dass der Meeresspiegelanstieg zunimmt und alle Küstenstädte ertrinken werden. Ich habe gezeigt, dass ein Teil dieser Hysterie auf das unsachgemäße Zusammenfügen der vier aufeinander folgenden Satellitenaufzeichnungen des Meeresspiegels zurückzuführen ist [in deutscher Übersetzung beim EIKE hier]. Hier sind die vier Aufzeichnungen zusammen mit ihren jeweiligen Trendlinien:

Abbildung 1. Vier Satellitenaufzeichnungen des Meeresspiegels und ihre linearen Trends.

Wie Sie sehen können, stimmen die ersten beiden Satelliten (Topex und Jason-1) überein, ebenso wie die zweiten beiden Satelliten (Jason-2 und Jason-3). Die Satellitenpaare stimmen jedoch in hohem Maße nicht miteinander überein.

Als Reaktion auf diese Unstimmigkeiten zwischen den Satelliten haben die „Wissenschaftler“ die vier Aufzeichnungen einfach zusammengefügt, die Unstimmigkeiten zwischen den Trends der früheren und späteren Satelliten ignoriert und erklärt, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt. Hier ist dieses Stück wissenschaftlicher Untugend:

Abbildung 2. Das unsachgemäße Zusammenfügen der Satellitenaufzeichnungen durch die Universität von Colorado, die eine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs propagiert. QUELLE

In der Vergangenheit habe ich die Frage der Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs auf eine andere Art und Weise untersucht. Ich habe die drei wichtigsten Schätzungen des globalen Meeresspiegels (Jevrejeva, Church & White und Ray & Douglas) genommen und die 30-jährige Beschleunigung betrachtet. Mit „nachlaufender Beschleunigung“ meine ich, dass ich einen Zeitpunkt wählte und die Beschleunigung (oder Verlangsamung) über die vorangegangenen 30 Jahre betrachtete. Ich habe dieses Verfahren für jedes Jahr der Aufzeichnung wiederholt. Hier ist das Ergebnis:

Abbildung 3. Dreißig Jahre nachlaufende Beschleunigung, drei globale Meeresspiegel-Schätzungen.

Dies zeigt etwas recht Merkwürdiges. Anstatt sich stetig zu beschleunigen oder zu verlangsamen, hat sich der Anstieg des Meeresspiegels während des Aufzeichnungszeitraums einige Male deutlich beschleunigt und verlangsamt.

Heute ist mir klar geworden, dass es auch einen anderen Weg gibt, um das Thema anzugehen. Um das zu erklären, möchte ich zunächst etwas abschweifen.

Das eigentliche Problem bei der Bestimmung der Anstiegsrate des Meeresspiegels besteht darin, dass die Aufzeichnungen der Gezeitenpegel nicht um das Heben und Senken des Landes korrigiert werden. Hier sind einige Beispiele:

Abbildung 4. Beispiele für längere (75 Jahre und mehr) Aufzeichnungen des Meeresspiegels. Die Farben zeigen, dass ich nicht glaube, dass Wissenschaft in langweiligem Schwarz-Weiß sein sollte.

Sie können die Problematik erkennen. In einigen Gebieten, wie der Region um die Nordsee (z. B. die ersten 4 Aufzeichnungen, linke Spalte), wurde das Land seit der letzten Eiszeit von einer großen Eislast befreit. Das hat zur Folge, dass es sich schneller nach oben bewegt als der Meeresspiegel ansteigt. Und das bedeutet, dass der relative Meeresspiegel sinkt. Entlang der Ostküste der USA ist das Gegenteil der Fall: Das Land sinkt, so dass der relative Meeresspiegelanstieg übertrieben ist. Schließlich führt in einigen Gebieten die Entnahme von Öl oder Wasser aus dem Boden zu Bodensenkungen. Infolgedessen … kann man den Gezeitenmessern nicht trauen. Sie geben nur die relative Veränderung des Meeresspiegels an, nicht aber die absolute Veränderung.

Die zweite Herausforderung besteht darin, dass die meisten Aufzeichnungen des Meeresspiegels recht kurz sind. Hier ist ein Histogramm der Aufzeichnungen nach Länge (Gesamtjahre der Beobachtungen):

Abbildung 5. Histogramm der Längen aller Meeresspiegelaufzeichnungen. Farben wie in Abbildung 4.

Meine heutige Erkenntnis war, dass ich zunächst alle langen Aufzeichnungen des Meeresspiegels entzerren konnte. Dann könnte ich die 30-jährigen Trends berechnen, und daraus die 30-jährige Beschleunigung ermitteln.

Das habe ich also getan. Von den insgesamt 1.544 existierenden Aufzeichnungen der Gezeitenpegel haben nur 135 Aufzeichnungen von 75 Jahren oder länger. Ich habe diese Aufzeichnungen entkoppelt und die durchschnittlichen 30-jährigen Trends berechnet:

Abbildung 6. Durchschnittlicher 30-jähriger rückläufiger Trend, 135 abweichende 75-jährige oder längere Aufzeichnungen des Meeresspiegels.

Wie Sie sehen können, sind die Trends nach oben und unten gegangen, aber es gibt keinen offensichtlichen Gesamtanstieg. Die höchste Anstiegsrate war um 1915 zu verzeichnen.

Zur Überprüfung meiner Berechnungen des nachlaufenden Trends habe ich die LOWESS-Glättung verwendet, um die 30-jährige nachlaufende Beschleunigung zu berechnen, und sie der obigen Abbildung 3 hinzugefügt:

Abbildung 7. Wie in Abbildung 3, aber einschließlich der aus den in Abbildung 6 gezeigten Trends berechneten Beschleunigung.

In Anbetracht der Tatsache, dass ich nur eine kleine Teilmenge von weniger als 10 % der 1.544 Datensätze verwende, bin ich mit diesem Ergebnis recht zufrieden.

Ein paar Anmerkungen. Erstens zeigen alle diese Ergebnisse, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels, vor dem wir seit Jahren eindringlich gewarnt werden, nicht stetig beschleunigt. Der Anstieg des Meeresspiegels verlief recht ungleichmäßig, beschleunigte sich in einigen Jahrzehnten und verlangsamte sich in anderen Jahrzehnten.

Da wir nur spärliche Informationen über die Geschwindigkeit des vertikalen Landanstiegs oder -rückgangs an den einzelnen Standorten der 1.544 Gezeitenstationen haben, ist die Bestimmung des globalen absoluten (nicht relativen) Meeresspiegelanstiegs eine Art Ratespiel. Als Beweis dafür sind hier die Meeresspiegelanstiegsraten aus den drei oben gezeigten globalen Aufzeichnungen von Jevrejeva, Church und White sowie Ray und Douglas aufgeführt:

Abbildung 8. Durchschnittliche Anstiegsraten des Meeresspiegels, 1900 – 1990. Ich habe die Daten nur bis 1990 verwendet, um die unangenehme Angewohnheit der Wissenschaftler zu vermeiden, die fehlerhaften Satellitenaufzeichnungen (siehe Abbildung 1) an das Ende der Pegelaufzeichnungen anzuhängen.

Meine Schlussfolgerung? Genosse Obamas zwei Anwesen am Meer, eines auf Hawaii und eines in Martha’s Vineyard, sowie Bill Gates‘ 43-Mega-Dollar-Anwesen am Meer in San Diego (siehe unten) …

… sind nicht in Gefahr, überflutet zu werden, egal wie laut sie über den sogenannten „KLIMA-NOTSTAND“ schreien.

Weitere Informationen: Wie können wir den Meeresspiegel genau messen, wenn der Ozean so aussieht wie auf dem Bild am Anfang dieses Beitrags? Die Antwort ist der „Mess-Schacht“, der seit Hunderten von Jahren verwendet wird. Dabei handelt es sich um ein senkrechtes Rohr mit nur einem winzigen Loch am Boden, durch das das Wasser ein- und austritt. Wie der Name schon sagt, werden damit die vertikalen Bewegungen „gestoppt“ und der Meeresspiegel zu jedem Zeitpunkt genau ermittelt. Hier NOAA zu diesem Thema:

Link: https://wattsupwiththat.com/2022/03/02/the-uneasy-sea/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Der grüne Wahn des Westens hat Putin gestärkt

Michael Shellenberger

Während wir Plastikstrohhalme verboten haben, hat Russland gebohrt und die Stromerzeugung aus Kernenergie verdoppelt.

Wie hat Wladimir Putin – ein Mann, der ein Land regiert, dessen Wirtschaft kleiner ist als die von Texas und dessen durchschnittliche Lebenserwartung 10 Jahre niedriger ist als die von Frankreich – es geschafft, einen unprovozierten Großangriff auf die Ukraine zu starten?

[Hervorhebung im Original]

Auf diese Frage gibt es eine tiefgreifende psychologische, politische und fast zivilisatorische Antwort: Er will mehr, dass die Ukraine Teil Russlands ist, als der Westen, dass sie frei ist. Um dies zu erreichen, ist er bereit, enorme Verluste an Menschenleben und Schätzen zu riskieren. Die Bereitschaft der USA und Europas, sich militärisch zu engagieren, stößt an ernste Grenzen. Und Putin weiß das.

Was in dieser Erklärung jedoch fehlt, ist eine Geschichte über die materielle Realität und grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge – zwei Dinge, die Putin viel besser zu verstehen scheint als seine Kollegen in der freien Welt und insbesondere in Europa.

Putin weiß, dass Europa 3,6 Millionen Barrel Öl pro Tag produziert, aber 15 Millionen Barrel Öl pro Tag verbraucht. Putin weiß, dass Europa 230 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr fördert, aber 560 Milliarden Kubikmeter verbraucht. Er weiß, dass Europa 950 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr verbraucht, aber nur halb so viel produziert.

Der ehemalige KGB-Agent weiß, dass Russland 11 Millionen Barrel Öl pro Tag produziert, aber nur 3,4 Millionen verbraucht. Er weiß, dass Russland heute über 700 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr produziert, aber nur etwa 400 Milliarden verbraucht. Russland fördert jedes Jahr 800 Millionen Tonnen Kohle, verbraucht aber nur 300.

So kommt es, dass Russland etwa 20 Prozent des europäischen Öls, 40 Prozent des Gases und 20 Prozent der Kohle liefert.

Die Rechnung ist einfach. Ein Kind könnte das machen.

Der Grund, warum Europa keine muskulöse Abschreckungsdrohung hatte, um eine russische Aggression zu verhindern – und in der Tat die USA daran hinderte, Verbündete dazu zu bringen, mehr zu tun – ist, dass es Putins Öl und Gas braucht.

Die Frage ist, warum.

Wie ist es möglich, dass sich die europäischen Länder, insbesondere Deutschland, in den 30 Jahren seit dem Ende des Kalten Krieges in eine solche Abhängigkeit von einem autoritären Land begeben haben?

Darum: Diese Länder sind von einer wahnhaften Ideologie beherrscht, die sie unfähig macht, die harten Realitäten der Energieerzeugung zu verstehen. Die grüne Ideologie besteht darauf, dass wir keine Kernenergie und kein Fracking brauchen. Sie besteht darauf, dass es nur eine Frage des Willens und des Geldes ist, auf erneuerbare Energien umzusteigen – und zwar schnell. Sie besteht darauf, dass wir eine Degrowth-Wirtschaft brauchen und dass uns das „Aussterben“ der Menschheit droht. (Ich muss es wissen, ich war selbst einmal gläubig.)

John Kerry, der Klimabeauftragte der Vereinigten Staaten, hat die Kurzsichtigkeit dieser Sichtweise perfekt eingefangen, als er in den Tagen vor dem Krieg sagte, dass die russische Invasion in der Ukraine „natürlich tiefgreifende negative Auswirkungen auf das Klima haben könnte. Wenn man einen Krieg führt, hat das natürlich massive Auswirkungen auf die Emissionen. Aber ebenso wichtig ist, dass man die Aufmerksamkeit der Menschen verlieren wird“.

Aber es war die Konzentration des Westens auf die Heilung des Planeten durch „sanfte Energie“, erneuerbare Energien und die Abkehr von Erdgas und Kernenergie, die es Putin ermöglichte, die Energieversorgung Europas in den Würgegriff zu nehmen.

Während der Westen in eine hypnotische Trance verfiel, in der es um die Heilung seiner Beziehung zur Natur, die Abwendung der Klimaapokalypse und die Anbetung eines Teenagers namens Greta ging, machte Wladimir Putin seine Züge.

Während er im eigenen Land die Kernenergie ausbaute, damit Russland sein wertvolles Öl und Gas nach Europa exportieren konnte, verbrachten die westlichen Regierungen ihre Zeit und Energie damit, sich mit dem „Kohlenstoff-Fußabdruck“ zu beschäftigen, einem Begriff, der von einer Werbeagentur im Auftrag von British Petroleum kreiert wurde. Sie haben Plastikstrohhalme wegen der wissenschaftlichen Hausaufgaben eines 9-jährigen kanadischen Kindes verboten. Sie bezahlten stundenlange Therapien gegen „Klimaangst“.

Während Putin die russische Erdöl- und Erdgasproduktion ausbaute und dann die Kernenergieproduktion verdoppelte, um mehr Exporte seines kostbaren Gases zu ermöglichen, schaltete Europa, allen voran Deutschland, seine Kernkraftwerke ab, schloss Gasfelder und weigerte sich, weitere durch fortschrittliche Methoden wie Fracking zu erschließen.

Die Zahlen erzählen die Geschichte am besten. Im Jahr 2016 kamen 30 Prozent des von der Europäischen Union verbrauchten Erdgases aus Russland. Im Jahr 2018 stieg diese Zahl auf 40 Prozent. Im Jahr 2020 waren es fast 44 Prozent, und Anfang 2021 fast 47 Prozent.

Trotz seiner Schwärmerei für Putin widersetzte sich Donald Trump im Jahr 2018 dem diplomatischen Protokoll und rügte Deutschland öffentlich für seine Abhängigkeit von Moskau. „Deutschland ist, soweit es mich betrifft, in der Gefangenschaft Russlands, weil es so viel Energie aus Russland bezieht“, sagte Trump. Dies veranlasste die damalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in höflichen Kreisen als letzte ernstzunehmende Führungspersönlichkeit des Westens gelobt worden war, zu der Aussage, dass ihr Land „seine eigene Politik machen und seine eigenen Entscheidungen treffen kann“.

Das Ergebnis ist die schlimmste globale Energiekrise seit 1973, welche die Preise für Strom und Benzin weltweit in die Höhe treibt. Im Grunde handelt es sich um eine Krise der unzureichenden Versorgung. Aber die Knappheit ist absolut künstlich fabriziert.

Die Europäer – angeführt von Persönlichkeiten wie Greta Thunberg und führenden Vertretern der Europäischen Grünen Partei und unterstützt von Amerikanern wie John Kerry – glaubten, dass eine gesunde Beziehung zur Erde eine Verknappung der Energie erfordert. Durch die Umstellung auf erneuerbare Energien würden sie der Welt zeigen, wie man leben kann, ohne dem Planeten zu schaden. Aber das war ein Wunschtraum. Man kann kein ganzes Stromnetz mit Sonnen- und Windenergie versorgen, denn Sonne und Wind sind unbeständig, und die derzeit verfügbaren Batterien sind nicht einmal billig genug, um große Mengen Strom über Nacht zu speichern, geschweige denn über eine ganze Jahreszeit hinweg.

Im Dienste der grünen Ideologie hat man das Perfekte zum Feind des Guten gemacht – und zum Feind der Ukraine.

Link: https://bariweiss.substack.com/p/the-wests-green-delusions-empowered?utm_source=url&s=r

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE