Die Unsicherheit bei der Abschätzung des solaren Antriebs in der Arktis ist 100- bis 350-mal größer als die angeblichen Klimaauswirkungen von CO₂

Kenneth Richard

In einer neuen Studie (Liu et al., 2026) bestätigen Wissenschaftler, dass Wolken „die Lufttemperaturen in Bodennähe erheblich beeinflussen“, indem sie die Strahlungsbilanz verändern und die Erwärmungsraten in der gesamten Arktis beeinflussen. So kann beispielsweise ein bewölkter Tag im Winter einen Strahlungsantrieb durch Wolken (CRF) von 20–30 W/m² bewirken und die Oberfläche der Arktis um 6–9 °C erwärmen.

Aufgrund massiver Unsicherheiten bei der Schätzung des Wolkenanteils (CF) und seiner Strahlungseffekte bestehen jedoch weiterhin „erhebliche Unstimmigkeiten zwischen den Datensätzen hinsichtlich der Trendstärke“, und somit „gibt es nach wie vor keinen Konsens über den langfristigen Trend des gesamten Wolkenanteils in der Arktis in den letzten Jahrzehnten“.

Systematische Fehler (Verzerrungen) bei der Schätzung der abwärtsgerichteten kurzwelligen Strahlung (SW) können von einem Datensatz zum nächsten um 90–160 W/m² abweichen. Insgesamt weichen die Datensätze bei der Schätzung der abwärtsgerichteten kurzwelligen Strahlung in der Arktis um 20–70 W/m² voneinander ab, weshalb unsere Messungen „nicht ausreichen, um die Anforderungen an die Schätzung des Strahlungsenergiebilanz“ zu erfüllen.

Der Anstieg des atmosphärischen CO₂-Gehalts wird als treibende Kraft der modernen Erwärmung der Arktis angesehen. Diese Zuordnung kann jedoch nicht mehr als eine Spekulation sein. Die Unsicherheit von 20–70 W/m² bei der Schätzung der solaren Oberflächenstrahlung in der Arktis ist 100- bis 350-mal größer als die kumulierten CO₂-Auswirkungen bei ausschließlich klarem Himmel über einen Zeitraum von 10 Jahren (0.2 W/m² nach Feldman et al., 2015).

Image Source: Liu et al., 2026 (übersetzt mit Google Translate)

Link: https://notrickszone.com/2026/08/06/uncertainty-in-estimating-solar-forcing-across-the-arctic-is-100-350x-larger-than-co2s-alleged-climate-impact/




Peer Review entspricht nicht dem wissenschaftlichen Verfahren

Cap Allon

Durch das Peer-Review-Verfahren lässt sich nicht feststellen, ob eine wissenschaftliche Behauptung wahr ist. Dennoch wird der Vermerk „peer-reviewed“ mittlerweile wie ein Gütesiegel der Unfehlbarkeit zur Schau gestellt. Die Arbeit hat das Peer-Review-Verfahren bestanden, also ist die Diskussion beendet.

Falsch! Das Peer-Review-Verfahren ist ein Auswahlverfahren einer Fachzeitschrift.

Ein Herausgeber leitet ein Manuskript an eine Handvoll Wissenschaftler weiter, die eine Veröffentlichung, eine Überarbeitung oder eine Ablehnung empfehlen.

In der Regel wiederholen sie das Experiment nicht.

Sie überprüfen die Daten nicht unabhängig.

Sie reproduzieren das Ergebnis nicht.

Sie lesen den Artikel und teilen dem Herausgeber ihre Meinung mit.

Diese Meinung kann Fehler aufdecken oder das Manuskript verbessern. Sie kann aber auch voreingenommen, nachlässig oder völlig falsch sein.

Unabhängig davon stellt sie keinen wissenschaftlichen Beweis dar.

Die Wissenschaft schreitet durch Beobachtung, Beweise, Reproduzierbarkeit und Falsifizierung voran. Eine Behauptung erlangt Glaubwürdigkeit, indem sie wiederholte Versuche, sie zu widerlegen, übersteht – nicht, weil zwei anonyme Gutachter ihre Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift genehmigt haben.

Die -Problemeroutinemäßige externe Begutachtung durch Fachkollegen wurde erst im Laufe des 20. Jahrhunderts zum Standard. Die Zeitschrift „Nature“ verlangte erst ab 1973, dass jede Arbeit einer externen Begutachtung unterzogen wird. Die Arbeit von Watson und Crick aus dem Jahr 1953 über die Struktur der DNA wurde nicht extern begutachtet. Auch Einsteins vier bahnbrechende Arbeiten aus dem Jahr 1905 wurden keinem Verfahren unterzogen, das dem heutigen System auch nur annähernd ähnelt. Ihr Wert wurde durch Beweise begründet, nicht durch die Genehmigung der Redaktion.

Das Peer-Review-Verfahren ist nicht einmal standardisiert. Fachzeitschriften wenden unterschiedliche Regeln, unterschiedliche Gutachter und unterschiedliche Schwellenwerte an. Ein Gutachter kann die Veröffentlichung empfehlen, während ein anderer das gleiche Manuskript rundweg ablehnt. Das Schicksal einer Arbeit kann daher davon abhängen, welche Experten ein Herausgeber zufällig auswählt – und davon, ob diese Experten die Schlussfolgerungen der Arbeit gutheißen.

Gutachter können natürlich Konkurrenten sein. Sie können ihre eigene Arbeit verteidigen, vorherrschende Theorien schützen und Ideen behindern, die ihren Status oder ihre Finanzierung gefährden.

Aber selbst wenn wir so tun, als seien die Absichten immer redlich, sind Gutachter nicht einmal besonders gut darin, Fehler zu entdecken. In einer BMJ-Studie erhielten 607 Gutachter Manuskripte, die neun absichtlich eingefügte schwerwiegende Fehler enthielten. Im Durchschnitt fanden sie weniger als drei. So viel zum „Goldstandard“.

Außerdem bekommen die Leser selten die Einwände, Meinungsverschiedenheiten oder ungelösten Bedenken der Gutachter zu sehen. Sie erhalten den fertigen Artikel und das magische Etikett: „peer-reviewed“. Dieses Etikett wird dann zum Ersatz für eine gründliche Prüfung, was besonders in politisierten Bereichen wie der Klimawissenschaft üblich ist.

Ein begutachteter Artikel kann falsch sein. Ein abgelehnter Artikel kann richtig sein.

Es ist ein Filter – kein Schiedsrichter der Wahrheit.

Die Begutachtung hilft dabei zu entscheiden, was in eine Fachzeitschrift aufgenommen wird – mehr nicht.

Link: https://electroverse.substack.com/p/antarctic-blast-brings-rare-snow?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email (Zahlschranke)

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Was ist Temperatur?

Andy May

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal an einer ernsthaften Debatte über die Definition von „Temperatur“ beteiligen würde. Aber genau das ist auf Twitter passiert – und zwar mit Leuten, die einen Abschluss in Physik und anderen Naturwissenschaften haben! Da ich 42 Jahre lang als Petrophysiker mit Schätzungen der kinetischen und effektiven Temperatur gearbeitet habe, kannte ich diese Themen in- und auswendig und habe mir darüber nie weitere Gedanken gemacht. Es war daher ein Schock für mich zu hören, wie Leute (frei übersetzt) sagten, dass es sich dabei nicht wirklich um Temperaturen handele. Die von ihnen vorgeschlagene einzige Definition von „Temperatur“ ist die thermodynamisch-statistische Definition:

Gleichung 1:

Dabei ist T die Temperatur, U die innere Energie, S die Entropie, ∂U/∂S die partielle Ableitung der inneren Energie nach der Entropie, N die Teilchenzahl und V das Volumen. Die Ableitung erfolgt unter Beibehaltung des Volumens und der Teilchenzahl; es handelt sich also um eine Gleichgewichtstemperatur, die außerhalb des Labors keine Bedeutung hat. Außerdem ist die Entropie nur in der Gleichgewichts-Thermodynamik eine genau definierte Zustandsfunktion; außerhalb des Gleichgewichts kann die Entropie statistisch definiert werden (siehe Boltzmann), ist jedoch nicht eindeutig und erfüllt nicht die gleiche Rolle.

Gleichung 1 kann als Definition der „Gleichgewichtstemperatur“ bezeichnet werden, und wenn sich ein System im Gleichgewicht befindet, ist dies eine exakte Definition. Sie folgt unmittelbar aus dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik. Der erste Hauptsatz besagt, dass Energie weder erzeugt noch vernichtet, sondern nur von einer Form in eine andere umgewandelt werden kann. Allerdings ist der erste Hauptsatz nicht die einzige Definition von Temperatur, wie der Begriff heute verwendet wird. Es gibt viele andere Temperaturdefinitionen, die sowohl im allgemeinen Sprachgebrauch als auch in der Wissenschaft gebräuchlich sind. Betrachten wir einige davon:

Kinetische Temperatur

Man kann die momentane Temperatur von Molekülen in einer Stoßwelle, einem Plasma, einer turbulenten Strömung oder einem mittels Laser erwärmten Gas messen. Sie ist eine Funktion der mittleren kinetischen Energie der Moleküle im Gas (oder einem anderen Fluid) (Reif, 2009). Diese Temperatur findet breite Anwendung in der Stoßwellenphysik, der Plasmaphysik, der Petrophysik (meinem früheren Berufsfeld) sowie in Simulationen der Molekulardynamik. Es handelt sich um eine gültige Temperatur, die kein thermodynamisches Gleichgewicht voraussetzt.

Effektive Temperatur

Es gibt einige Systeme, die überhaupt keine Gleichgewichtstemperatur aufweisen. Dennoch definieren wir für diese Systeme routinemäßig eine effektive Temperatur (Herzberg, 1950). Dazu gehören Turbulenzen, körnige Materialien, aktive Materie, sich bewegende dissipative Systeme usw. Diese Temperaturen sind legitim und nützlich.

Nichtgleichgewichtssysteme besitzen eine Temperatur, manchmal sogar mehr als eine, je nach den verwendeten Parametern. Beispielsweise kann ein Molekularstrahl eine Schwingungs- oder Rotationstemperatur aufweisen, wobei diese voneinander abweichen können. Plasmen können eine Elektronentemperatur oder eine Ionentemperatur haben. NMR-Systeme weisen eine Spintemperatur auf. Elektronische Schaltungen haben eine Rauschtemperatur. Diese Temperaturen sind aussagekräftig und wichtig, insbesondere wenn sich das System weit vom Gleichgewichtszustand entfernt befindet.

Lokale Temperatur

Dies ist die Temperatur, die in klimawissenschaftlichen und meteorologischen Untersuchungen verwendet wird. Sie bildet die Grundlage für die Wärmeleitung und die Hydrodynamik. Man geht von einem lokalen thermodynamischen Gleichgewicht über ein bestimmtes Volumen aus und misst oder nimmt eine lokale Temperatur für dieses Volumen an. Dies ist die Logik, die den berühmten Navier-Stokes-Gleichungen zugrunde liegt. Dieses angenommene „lokale Gleichgewicht“ gilt für kleine Volumina (zum Beispiel ein „Luftpaket“) über kurze Zeiträume. Das Problem bei einigen Klimamodellen besteht darin, dass sie ein „lokales Gleichgewicht“ für Volumina und Zeiträume annehmen, die viel zu groß und zu lang sind.

Diskussion

Die Temperatur ist keine primitive mechanische Eigenschaft wie die Masse; sie ist eine emergente statistische Eigenschaft, welche die Verteilung der Energie auf die Freiheitsgrade charakterisiert (Landau & Lifshitz, 1980). Die Masse kann unabhängig vom Rest des Universums oder des Systems gemessen werden und ändert sich nicht, wenn sich das umgebende System verändert. Die Temperatur folgt aus dem 0. Hauptsatz der Thermodynamik, der besagt:

Befindet sich System A im thermischen Gleichgewicht mit System B,

und befindet sich System B im thermischen Gleichgewicht mit System C,

dann befindet sich A im thermischen Gleichgewicht mit C.

Der 0. Hauptsatz besagt, dass „Temperatur“ eine aussagekräftige physikalische Größe ist, weil das thermische Gleichgewicht transitiv ist. Er definiert die Temperatur zwar nicht, garantiert jedoch, dass sie aussagekräftig und messbar ist. Oft hört man, dass die Temperatur transitiv sei, doch dies trifft nur unter Laborbedingungen oder im Gleichgewicht zu. Außerhalb des Gleichgewichts kann die Temperatur ihre Transitivität verlieren, und unterschiedliche Freiheitsgrade können zu unterschiedlichen Temperaturen führen. Die Transitivität ist die Grundlage der Gleichgewichtstemperatur, jedoch nicht aller Temperaturmessungen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die thermodynamische Definition der Temperatur nur für Gleichgewichtszustände gilt, die Physik jedoch viele andere Temperaturkonzepte wie die kinetische, die effektive, die lokale und die verallgemeinerte Temperatur verwendet, die für die Beschreibung realer Systeme fernab vom Gleichgewicht unerlässlich sind. Die Beschränkung des Begriffs „Temperatur“ auf seine Gleichgewichtsdefinition lässt das breite Spektrum physikalischer Systeme außer Acht, in denen die Temperatur klar definiert und unverzichtbar ist.

Bibliography

Herzberg, G. (1950). Molecular Spectra and Molecular Structure. Volume I: Spectra of Diatomic Molecules. Second Edition. D. Van Nostrand.

Landau, L. D., & Lifshitz, E. M. (1980). Statistical Physics, Third Edition. Butterworth-Heinemann.

Reif, F. (2009). Fundamentals of Statistical and Thermal Physics. Waveland Press, Inc.

Link: https://andymaypetrophysicist.com/2026/08/08/defining-temperature/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Der Tod wissenschaftlicher Journale

John Ridgway

Vorbemerkung des Übersetzers: In diesem Beitrag geht es zwar nicht nur um den Fachbereich Klima, von dem wir Realisten ja wissen, wie voreingenommen man ist. Beklemmend ist jedoch, dass auch in anderen Wissenschaftsbereichen Ideologie und Propaganda zulasten echter Wissenschaft Einzug gehalten haben. – Ende Vorbemerkung

Ein weiterer Nagel im Sarg der Wissenschaft?

Um das Thema der ideologischen Unterwanderung der Wissenschaft fortzusetzen, das bereits hier sowie hier und hier behandelt worden war, hielt ich es für sinnvoll, den Fokus auf die Rolle jener wissenschaftlichen Fachzeitschriften zu richten, die traditionell das Beste präsentieren, was die Wissenschaft zu bieten hat. Insbesondere werde ich die beunruhigende ideologische Vereinnahmung hervorheben, die dazu geführt hat, dass Publikationen wie „Nature“, „Scientific American“ und das „Science“-Magazin den Geboten objektiver Sachlichkeit den Rücken gekehrt haben, um stattdessen Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit nachzugehen. Dies ist eine Angelegenheit von großer Bedeutung, fungieren diese Zeitschriften doch als „Gatekeeper“ und sorgen dafür, dass wissenschaftliche Standards gewahrt bleiben. Darüber hinaus bieten sie Wissenschaftlern die Möglichkeit, ihre Arbeit zu veröffentlichen und so ihre Karriere voranzutreiben. Die ideologische Unterwanderung solcher Publikationen wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf die kollektive Integrität der wissenschaftlichen Gemeinschaft, sondern bietet auch einen Rahmen für die Vertiefung dieser Missstände. Sie führt zu einer Wissenschaft, die weniger am Streben nach der Wahrheit interessiert ist als vielmehr an der Verfestigung propagierter Narrative. Nehmen wir uns also einen Moment Zeit, um zu betrachten, wie diese einst angesehenen und vertrauenswürdigen Publikationen so in Ungnade fallen konnten.

Nature

Der Niedergang ist per Definition eher ein Prozess als ein Ereignis. Lässt sich jedoch ein einzelnes Ereignis als entscheidender Wendepunkt für den Niedergang des „Nature“-Portfolios identifizieren, dann ist dies zweifellos die Veröffentlichung der „Ethik-Leitlinien“ für Einreichungsvorschläge im Jahr 2022. Die Leitlinien sollten die Veröffentlichung von Artikeln verhindern, die „Schaden“ anrichten, und gleichzeitig die wissenschaftliche Exzellenz fördern. Zu diesem Zweck heißt es in den Leitlinien:

Unabhängig von der Art des Inhalts (Forschungsbeitrag, Rezension oder Meinungsbeitrag) und – im Falle von Forschungsbeiträgen – unabhängig davon, ob ein Forschungsprojekt von einer zuständigen institutionellen Ethikkommission geprüft und genehmigt worden ist, behalten sich die Herausgeber das Recht vor, Änderungen zu verlangen (oder den Beitrag nach der Veröffentlichung zu korrigieren oder anderweitig zu überarbeiten) sowie in schwerwiegenden Fällen die Veröffentlichung zu verweigern (oder den Beitrag nach der Veröffentlichung zurückzuziehen): …Inhalte, welche die Rechte und die Würde einer Person oder einer Menschengruppe auf der Grundlage sozial konstruierter oder gesellschaftlich relevanter Gruppenzugehörigkeiten untergraben – oder vernünftigerweise als solche wahrgenommen werden könnten.

So haben sich die Herausgeber unter diesem Vorwand das Recht eingeräumt, wissenschaftliche Erkenntnisse zu zensieren oder deren Veröffentlichung zu verweigern, wenn sie der Ansicht sind, dass diese die Sache der sozialen Gerechtigkeit untergraben. Diese Leitlinie befreit „Nature“ von der Verpflichtung, stets wissenschaftliche Fakten zu respektieren, und ersetzt diese stattdessen durch das Vorrecht, alternative Wahrheiten zu konstruieren, die auf den von der Redaktion bevorzugten Ideologien basieren.

Die Auswirkungen dieser neuen Richtlinien blieben nicht unbemerkt. Professorin Anna Krylov ist eine angesehene Chemikerin an der University of Southern California, die in der Sowjetunion aufgewachsen ist. Sie erkannte die offensichtlichen Parallelen zur Hegemonie der Sowjetzeit und reagierte darauf mit der Veröffentlichung eines viel beachteten offenen Briefes, in dem sie erklärte, dass sie künftig keine Peer-Reviews mehr durchführen und nicht mehr mit der Nature Publishing Group zusammenarbeiten werde. Als Grund führte sie an, dass die von der Redaktion eingeschlagene Richtung dazu führe, dass „in Nature-Zeitschriften veröffentlichte Artikel nicht mehr als seriöse Wissenschaft angesehen werden können“.

Der Brief erregte schnell die Aufmerksamkeit prominenter Wissenschaftler, insbesondere von Professor Richard Dawkins, der Krylov in den sozialen Medien öffentlich unterstützte. Besondere Besorgnis erregte die erklärte Absicht des Nature-Portfolios, eine sogenannte „Zitier-Gerechtigkeit“ einzuführen. Am 26. Oktober 2025 schrieb er:

„Nature“ galt einst als die renommierteste wissenschaftliche Fachzeitschrift der Welt. Heute ist sie eine von vielen, denen vorgeworfen wird, Autoren eher aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Identitätsgruppe zu bevorzugen als aufgrund der Qualität und Bedeutung ihrer wissenschaftlichen Arbeit.

Mir sind keine bibliometrischen Studien bekannt, die eindeutige Belege für die Entstehung eines solchen Trends liefern, und es liegen auch keine schlüssigen Beweise vor, die bestätigen, dass die Richtlinien zu einer Verlagerung des Schwerpunkts im „Nature“-Portfolio geführt haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass Beobachter eine solche Verlagerung nicht wahrgenommen hätten. Kritiker haben darauf hingewiesen, dass sich Leitartikel, Kommentarspalten und Meinungsbeiträge zunehmend auf Themen wie Zitiergerechtigkeit, Antirassismus in den MINT-Fächern und die Überwachung der Inklusion konzentrieren. Die Herausgeber bestreiten solche Vorwürfe nicht, sondern erklären vielmehr, dass dies eigentlich eine gute Sache sei. Die Naturwissenschaften würden nicht verdrängt, behaupten sie. Stattdessen werde das Spektrum wissenschaftlicher Interessen erweitert, was doch gut für die Wissenschaft sei, oder? Nun, vielleicht, aber nur, wenn diese Erweiterung nicht entlang ideologischer Linien vorangetrieben wird, wie es ganz offensichtlich der Fall zu sein scheint.

Ein großes Problem, das mit redaktioneller Nachsicht einhergeht, ist das Ausmaß, in dem sie zur Selbstzensur bei denjenigen führt, die veröffentlicht werden möchten. Eine schonungslose Darstellung des Problems eines kuratierten Sachverhalts und der daraus resultierenden Selbstzensur lieferte kürzlich der Klimawissenschaftler Patrick Brown, als er von seinen eigenen Erfahrungen bei der Einreichung von Artikeln zur Waldbrandforschung berichtete:

Ich wusste, dass ich in meiner Forschung nicht versuchen durfte, andere zentrale Aspekte als den Klimawandel zu quantifizieren, da dies die Botschaft verwässern würde, die renommierte Fachzeitschriften wie „Nature“ und deren Konkurrent „Science“ vermitteln wollen … Als ich zuvor versucht hatte, von der hier beschriebenen Vorgehensweise abzuweichen, wurden meine Artikel von den Herausgebern hochkarätiger Fachzeitschriften umgehend abgelehnt, ohne dass sie überhaupt einem Peer-Review-Verfahren unterzogen worden wären.

Die Gegenreaktion war massiv und heftig. Es genügt zu sagen, dass Browns Vorwürfe mit Gegenvorwürfen zurückgewiesen wurden, er sei ein Wissenschaftler mit sehr wenig Verstand und noch weniger Integrität. Mit den Worten von Dr. Magdalena Skipper, Herausgeberin von „Nature“:

Das Einzige, worin wir Patrick Browns Aussagen zu den redaktionellen Abläufen in wissenschaftlichen Zeitschriften zustimmen ist, dass Wissenschaft nicht auf die Weise betrieben werden sollte, wie er diese [Studie] veröffentlicht hat. Wir prüfen derzeit sorgfältig die Auswirkungen seiner geschilderten Vorgehensweise; zweifellos reflektieren diese mangelhafte Forschungspraxis und entsprechen nicht den Standards, die wir für unsere Zeitschrift festgelegt haben.

Aber unterm Strich gilt: Wenn es um die Forschung zu Waldbränden geht – und wenn es keine gezielte Auswahl von Beiträgen gibt, die Studien bevorzugt, welche klimatische Auswirkungen quantifizieren, gegenüber solchen, die stattdessen nicht-klimatische Faktoren quantifizieren –, warum hat „Nature“ dann eine Fülle von Ersteren veröffentlicht, während ich von Letzteren noch kein einziges Beispiel gefunden habe? Ich weiß nicht, was ich aussagekräftiger finde – die nachweislich objektive Bestätigung von Browns Vorwurf oder die verzweifelten Versuche von „Nature“, diesen zu leugnen, gepaart mit dem Eifer, ihn wegen seiner „Sünden“ zu „canceln“. Interessanterweise wollte Skipper das letzte Wort haben:

Wenn es um Wissenschaft geht, hat „Nature“ keine bevorzugte Haltung.

Oh doch, das hat sie, Magdelana, und wenn du ihre ethischen Richtlinien beachtet hättest, wüsstest du das.

Scientific American

„Scientific American“ wurde 1845 gegründet und ist die älteste kontinuierlich erscheinende Monatszeitschrift in den USA. Über 200 Nobelpreisträger haben Artikel beigesteuert, darunter Albert Einstein, Thomas Edison, Marie Curie und Stephen Hawking; an historischem Prestige mangelt es der Zeitschrift also nicht. „Journal Storage“ (JSTOR) bezeichnet sich selbst als „die Autorität in Sachen Wissenschaft und Technik für ein breites Publikum“. Doch nach einer jüngsten Verlagerung hin zu gesellschaftlichen und politischen Kommentaren hat sein glänzender Ruf für wissenschaftliche Objektivität deutlich an Glanz verloren.

Obwohl es sich nicht um eine begutachtete Fachzeitschrift handelt, verfügt „Scientific American“ dennoch über beträchtlichen Einfluss. Dies war den Redakteuren zweifellos bewusst, als sie beschlossen, Joe Bidens Präsidentschaftskampagne im Jahr 2020 offiziell zu unterstützen, gefolgt von der von Kamala Harris im Jahr 2024. Diese offene Unterstützung für die Demokratische Partei brach mit einer 175-jährigen Tradition politischer Unparteilichkeit. Zur Begründung ihrer Entscheidung verwies „Scientific American“ auf Donald Trumps Skepsis gegenüber Covid, seinen Widerstand gegen den Klimaschutz und seine geplanten Kürzungen bei den wissenschaftlichen Bundesbehörden. Dies war ein regelrechter Krieg gegen einen Politiker, der entschlossen war, eine vermeintliche Dominanz linker, liberaler „Woke“-Kräfte in der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu beseitigen.

Ob das Eintreten für die Demokratische Partei irgendeine Wirkung hatte (abgesehen davon, dass es das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Objektivität von Wissenschaftlern untergraben hat), ist eine müßige Frage. Dem Ruf der Chefredakteurin Laura Helmuth hat es jedenfalls nicht gutgetan, als sie nach Trumps Sieg eine mit Schimpfwörtern gespickte Tirade in den sozialen Medien veröffentlichte, in der sie Trumps Anhänger als „Faschisten“ und „Fanatiker“ brandmarkte. Und der Ruf der Zeitschrift hat sicherlich nicht gewonnen angesichts ihrer bewussten Hinwendung zur Befürwortung der „kritischen sozialen Gerechtigkeit“ (CSJ) als legitimes Thema für wissenschaftliche Berichterstattung. Insbesondere der Nachruf auf E.O. Wilson kam überhaupt nicht gut an, zeigte dieser doch deutlich, wie sehr das Verständnis der Zeitschrift von Wissenschaft durch den CSJ-Rahmen verzerrt worden war.

Edward O. Wilson war ein legendärer Biologe und Naturschützer aus Harvard, dessen Ruf über jeden Zweifel erhaben war – zumindest bis „Scientific American“ seine Sichtweise darlegte. In einem von Dr. Monica R. McLemore verfassten Gastbeitrag mit dem Titel [übersetzt] „Das komplizierte Vermächtnis von E.O. Wilson“ wurde Wilson als Rassist und Sexist dargestellt. Warum das? Offenbar lag es an seiner Befürwortung der Soziobiologie. In den Worten des Kommentars:

Sein Werk „Sociobiology: The New Synthesis“ trug zur falschen Dichotomie von „Natur versus Erziehung“ bei und begründete ein ganzes Forschungsgebiet der Verhaltenspsychologie, das auf der Vorstellung beruhte, dass Unterschiede zwischen Menschen durch Genetik, Vererbung und andere biologische Mechanismen erklärt werden könnten.

Die Autorin bezeichnete diese als „problematische Überzeugungen“ und brachte ihre tiefe Enttäuschung zum Ausdruck. Doch dies war nichts im Vergleich zu der Enttäuschung derjenigen, die ihre oberflächliche Ablehnung eines wissenschaftlichen Forschungsgebiets verurteilten, das nur von jenen mit Argwohn betrachtet wird, die die Welt durch die Brille der CSJ sehen.

Der Kommentar von McLemore war kein Einzelfall, auch wenn er außergewöhnlich schlecht informiert und ideologisch gefärbt war. Vielmehr verdeutlichte er, in welche Tiefen ein einst renommiertes Magazin gesunken war. Eine Publikation, die zuvor für ihre objektive Darstellung der Naturwissenschaften bekannt war, ist heute kaum mehr als ein Sprachrohr für trendige (und, offen gesagt, wissenschaftsfeindliche) Ansichten, die sie als „Autorität in Sachen Wissenschaft und Technik für ein breites Publikum“ disqualifizieren.

All dies erklärt, warum „Scientific American“ den Klimawandel so oft ausdrücklich unter den Gesichtspunkten der sozialen Gerechtigkeit, der Rassengleichheit und der ökologischen Fairness beleuchtet. Tatsächlich gibt es eine eigene Rubrik zum Thema soziale Gerechtigkeit, in der man Artikel wie „Diskriminierung hat Menschen mit anderer Hautfarbe in ungesunde städtische Wärmeinseln gefangen“, „Der Vater der Umweltgerechtigkeit blickt auf die von ihm ins Leben gerufene Bewegung zurück“, „Wie der Feminismus Maßnahmen gegen den Klimawandel leiten kann“ und „Neuer IPCC-Bericht befasst sich mit einem vernachlässigten Aspekt des Klimaschutzes: den Menschen“ findet. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich noch ganz altmodisch und politikfrei intensiv mit der Wissenschaft auseinandersetzen konnte.

„Scientific American“ unterstützt die Demokratische Partei unter anderem deshalb, weil es Trumps Kürzungen bei den Mitteln für wissenschaftliche Bundesbehörden ablehnt. Trump hingegen ist von der Vorstellung getrieben, dass die Strukturen der Wissenschaft von „woke“- und linksliberalen Kräften dominiert werden. Wenn überhaupt, dann trägt die „Woke“-Infektion von „Scientific American“ also dazu bei, Trumps Argumentation zu untermauern.

Science

„Science“ wird von der American Association for the Advancement of Science (AAAS) herausgegeben und gilt allgemein als Hauptkonkurrent von „Nature“; zusammen mit „Scientific American“ bildet die Zeitschrift das Dreigespann. Passenderweise gilt in Sachen ideologischer Vereinnahmung das Motto: „Was ihr könnt, können wir noch besser.“ So warf beispielsweise „Science“-Chefredakteur Holden Thorp nach der US-Präsidentschaftswahl 2024 Trump „die Bereitschaft vor, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus, Rassismus, Transphobie, Nationalismus und die Missachtung der Wahrheit zu instrumentalisieren“. Das sind 76,9 Millionen Menschen, die von einer Plattform linker sozialer Ideologie herabgewürdigt wurden, welche sich als Verfechterin der Wissenschaft tarnt.

Wenn überhaupt, ist „Science“ bei der Förderung des Konzepts eines wissenschaftlichen Aktivisten noch unverhohlener als „Nature“. Im März 2024 veröffentlichte „Science“ einen Artikel, in dem das Recht von Wissenschaftlern verteidigt wurde, öffentliche Erklärungen abzugeben, um „die Gesellschaft zu gestalten“. Kritiker, die argumentierten, die vorrangige Verpflichtung müsse darin bestehen, als neutraler Vermittler von Fakten zu fungieren, wurden beiseitegeschoben. Stattdessen, so argumentierte „Science“, hätten Fachzeitschriften und wissenschaftliche Organisationen die Pflicht, einzugreifen und konkrete Definitionen zu Themen wie Rassismus und Geschlecht zu formulieren. Im Falle des letzteren war „Science“ ganz eindeutig. Ein Artikel mit dem Titel „The variable nature of sex“ schloss sich den Bedenken eines Anthropologen hinsichtlich der „problematisierenden Definitionen von Geschlecht“ an, die dessen binäre Natur auf Kosten des Kontinuums sexueller Ausdrucksformen betonten. Man kann „Science“ sicherlich nicht vorwerfen, in Fragen kritischer sozialer Gerechtigkeit auf der Seite der Unentschlossenen zu stehen.

Tatsächlich gibt es keinen größeren Verfechter der sogenannten „affirmative action“ als die Zeitschrift „Science“. Als der Oberste Gerichtshof der USA im Jahr 2023 gegen Maßnahmen zur bevorzugten Einstellung im Hochschulbereich entschied, verurteilte die Redaktion von „Science“ diese Entscheidung. Darüber hinaus hat „Science“ regelmäßig den Einsatz verbindlicher DEI-Erklärungen bei der Einstellung von Wissenschaftlern verteidigt. So schrieb beispielsweise Shirley Malcom, Leiterin der Initiative „STEM Equity Achievement (SEA) Change“ bei der American Association for the Advancement of Science, in einem Artikel aus dem Jahr 2024 mit dem Titel „Strengthen the case for DEI“:

DEI im Bereich STEMM ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Exzellenz. Es umfasst Themen, die über Rasse und ethnische Zugehörigkeit hinausgehen, darunter Geschlechterfragen, Behinderung und andere Aspekte der Identität, die in der Vergangenheit dazu genutzt wurden, Chancen einzuschränken. STEMM sollte im Idealfall der gesamten Gesellschaft zugutekommen. Dies wird jedoch erst dann geschehen, wenn das Land eine STEMM-Gemeinschaft schafft, die so vielfältig ist wie die Bevölkerung, der sie dienen soll.

Ein politisches Ziel ist es, eine STEMM-Gemeinschaft zu schaffen, die ebenso vielfältig ist wie die Bevölkerung, der sie dient. Das wissenschaftliche Ziel wäre es, eine STEMM-Gemeinschaft zu schaffen, die wissenschaftlich so kompetent ist, wie es die Bevölkerung zulässt.

Was die redaktionelle Haltung der Zeitschrift „Science“ zum Thema Klimawandel-Skeptizismus angeht, so wird diese in einem Artikel mit dem Titel „The challenge of climate-change neoskepticism“ verdeutlicht, in dem das Fortbestehen von Skepsis als eine Pathologie abgetan wird, die auf motiviertem Denken und einem mangelnden Verständnis dafür beruht, wie Entscheidungsfindung unter Unsicherheit funktioniert. Man muss sich immer wieder fragen, wie parteiisch eine Publikation werden muss, damit sie jede Zurückhaltung, ihre eigene Position unkritisch zu akzeptieren, als „Herausforderung“ und nicht als Anlass zum Nachdenken betrachtet.

Zusammenfassung

Obwohl ich diese Diskussion auf nur drei namhafte wissenschaftliche Publikationen beschränkt habe, ist das Problem der ideologischen Vereinnahmung weitaus umfassender. Hätte ich die Zeit und die Lust dazu gehabt, hätte ich die Kritik auf mehrere andere Publikationen ausweiten können, die ähnliche Kritik auf sich gezogen haben. Dazu gehören „The Lancet“, das „New England Journal of Medicine“ (NEJM) und verschiedene führende Fachzeitschriften, die von der American Psychological Association (APA) herausgegeben werden. Sie alle machen mit und verzichten auf nützliche Forschung zugunsten von kritischem Geschwätz über soziale Gerechtigkeit, das in einer Welt objektiver, politikfreier wissenschaftlicher Erkenntnistheorie keinen Platz hat. Dies ist nicht nur symptomatisch für die Art und Weise, wie die wissenschaftliche Gemeinschaft in den letzten Jahren nach links abgedriftet ist, sondern liefert auch den Wind der Veränderung, der zu dieser Abdrift beiträgt. Für einen Klimaskeptiker ist dieses Phänomen von Interesse, nicht nur, weil es dazu beigetragen hat, antiwissenschaftliche Vorstellungen in Bezug auf Geschlecht und Rasse zu fördern, und nicht nur, weil es anti-meritokratische Richtlinien für Einstellung und Beförderung schürt und billigt. Die grundlegendere Bedeutung liegt in der Tatsache, dass all dies ohne die zugrunde liegende Annahme nicht möglich wäre, dass die Konsensmeinung die richtige sein muss und dass alle möglichen Maßnahmen ergriffen werden müssen, um alternative Narrative zu unterdrücken. Die kritische Sozialgerechtigkeit mit ihrem Konzept der „progressiven“ Wissenschaft hat sich durchgesetzt, weil eine solche Vereinnahmung innerhalb einer konsensorientierten Gemeinschaft, die jede abweichende Meinung enthusiastisch verurteilt – selbst innerhalb einer Gemeinschaft, die vorgibt, nach den Grundsätzen der wissenschaftlichen Methode zu handeln –, immer möglich sein wird. Wenn die Möglichkeiten und Gefahren einer ideologischen Vereinnahmung bei den Lesern von Cliscep keinen Anklang finden, dann weiß ich nicht, was ich anbieten könnte, das dies tun würde.

Link: https://cliscep.com/2026/08/03/the-death-of-the-science-journal/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Das grüne Imperium schlägt zurück!

David Turver, THE DAILY SCEPTIC

In letzter Zeit hatte man den Eindruck, dass wir in der Energie- und Klimapolitik einen neuen Aufbruch erlebt hätten, nachdem die „Energie-Jedi“ die Debatte gegen das Ziel der Netto-Null bis 2050 für sich entschieden hatten. Die Partei „Reform“ führte den Wahlkampf mit dem Versprechen, das Netto-Null-Ziel aufzugeben. Vor kurzem sind die Tories diesem Beispiel gefolgt, indem sie das Ziel für 2050 aufgegeben, ihren eigenen Plan für günstigen Strom vorgelegt und damit begonnen haben, die Partei von Netto-Null-Eiferern wie Gavin Barwell zu säubern.

Doch das „grüne Imperium“ schlägt mit einem neuen Artikel (hier in der kostenlosen Version) von Tim Stanley im „Telegraph“ zurück, und auch Greg Jackson hat sich zu Wort gemeldet und Stanleys Artikel bejubelt. Sogar DV selbst hat sich eingeschaltet, um Tim Stanley zu unterstützen. Das Problem mit Tim Stanleys Argumentation ist – wie bei vielen Befürwortern von Netto-Null – dass sie auf Eindrücken und Emotionen basiert und nicht auf der Analyse tatsächlicher Daten.

Zeit, sich näher damit zu befassen, was Tim Stanley und Greg Jackson so falsch verstanden haben.

Die Behauptungen von Tim Stanley

Stanley erklärte, die Waldbrände in Europa seien „gnadenlos und hartnäckig“ und würden durch den langen, heißen Sommer „unendlich verschlimmert“. Er wies zudem darauf hin, dass Großbritannien in den letzten sechs Jahren die drei schlechtesten Ernten seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt habe, und warnte, dass bis 2050 voraussichtlich ein Drittel des landwirtschaftlichen BIP von Bangladesch verloren gehen werde. Er erklärte ferner, Pakistan erlebe derzeit einen Solarboom, und bezeichnete es als lächerlich, dass Großbritannien zögere, diesem Beispiel zu folgen. Stanley behauptete ferner, dass sich die Entwicklungsländer mehr Sorgen um den Klimawandel machten als wir. Schließlich charakterisierte er die „Netto-Null“-Skeptiker der Online-Rechten als diejenigen, die sich „in eine Ecke wütender Irrelevanz reden“, „fehlgeleitete Sympathie für den Teufel“ hätten und denen es an Mitgefühl oder Charme mangele. Allerdings wurde er in seinen Ausführungen inkohärent, als er behauptete, er plädiere nicht für ein ideologisches Bekenntnis zur Dekarbonisierung, und sagte, Kemi Badenoch habe Recht, das Dogma der Zielvorgaben aufzugeben.

Greg Jackson befand, Tim Stanleys Artikel sei „hervorragend geschrieben“ und dass Lösungen auf Basis erneuerbarer Energien „wirtschaftlich zunehmend vorteilhafter sind als die Alternativen mit fossilen Brennstoffen“. Laut Jackson ist Solarstrom der günstigste Strom der Welt, und Onshore-Windenergie sei „wahnsinnig günstig“. Er ist der Ansicht, dass ein freierer Strommarkt erneuerbare Energien nutzen könnte, um die Energiekosten zu senken.

Stanleys Artikel wurde durch ein apokalyptisches Bild von tobenden Waldbränden in Europa illustriert (siehe Abbildung 1). Auch wenn solche Brände für die Betroffenen sicherlich erschreckend sein müssen, sollte die Politik auf der Grundlage von Fakten und nicht anhand emotionaler Bilder gestaltet werden.

Abbildung 1 – Tim Stanley behauptet, Waldbrände hätten sich unermesslich verschlimmert.

Dieses Bild wurde verwendet, um Stanleys Behauptung zu untermauern, dass Waldbrände in Europa gnadenlos und hartnäckig seien und durch lange, heiße Sommer unermesslich verschlimmert würden. Wir können diese Behauptung anhand der von „Our World in Data“ (OWID) bereitgestellten Daten überprüfen, wie in Abbildung 2 dargestellt:

Abbildung 2 – Kumulierte durch Waldbrände zerstörte Fläche nach Wochen

Dies zeigt, dass sich die Lage bei den Waldbränden in Europa keineswegs unendlich verschlimmert, sondern dass die Zahl der Brände auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen liegt. Es sei darauf hingewiesen, dass die Definition von Europa durch OWID ganz Russland umfasst. Doch selbst wenn man den geografischen Geltungsbereich der Grafik auf die EU-27 beschränkt, ist das Jahr 2026 seit Jahresbeginn das sechstschlimmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, wobei die Brandfläche lediglich 42 % derjenigen des schlimmsten Jahres 2012 beträgt. Diese Daten widerlegen die gesamte Prämisse von Stanleys Artikel.

Tim Stanley könnte auch anmerken, dass viele dieser Brände in Frankreich von Menschen verursacht wurden, nur nicht so, wie er denkt – denn in Frankreich wurden 162 Personen wegen des Verdachts auf Brandstiftung bei Waldbränden festgenommen.

Die schlechtesten Ernten in Großbritannien?

Tim Stanley behauptete außerdem, Großbritannien habe in den letzten sechs Jahren die drei schlechtesten Ernten seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. Obwohl die Daten von OWID nur bis 2024 reichen, lässt sich anhand von Abbildung 3 erkennen, dass diese Behauptung falsch ist:

Abbildung 3 – Britischer Index für Getreideerträge und Landnutzung

Die jüngsten Produktions- und Ertragswerte waren im Vergleich zu den letzten 30 Jahren nicht ungewöhnlich. Der Produktionshöchststand wurde 1984 erreicht, als die Getreideproduktion rund 174 % über dem Referenzwert von 1961 lag; allerdings wurden damals fast 32 % mehr Flächen für den Getreideanbau genutzt. Im Jahr 2024 war die Getreideproduktion doppelt so hoch und die Erträge lagen um 106 % über denen von 1961, obwohl 3,1 % weniger Fläche genutzt wurde. Es sieht ganz so aus, als hätten uns diese bösen, aus fossilen Brennstoffen gewonnenen Düngemittel dabei geholfen, uns zu ernähren. Besorgniserregender ist jedoch, dass die für den Getreideanbau genutzte Fläche offenbar einen Abwärtstrend eingeschlagen hat. Vielleicht ist es doch keine so gute Idee, erstklassiges Ackerland mit Solarmodulen zu bedecken.

Landwirtschaft in Bangladesh bedroht?

Stanleys Behauptung, wonach ein Drittel des landwirtschaftlichen BIP in Bangladesch gefährdet sei, scheint auf einem Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2022 zu beruhen. Auch hier verfügt OWID über Daten, die zeigen, dass diese Befürchtung bestenfalls unbegründet ist:

Abbildung 4 – Landwirtschaftliche Produktion in Bangladesch (in US-Dollar)

Das landwirtschaftliche BIP in Bangladesch steigt rasant, und die von der Weltbank prognostizierten 13,3 Millionen Klima-Migranten werden wahrscheinlich nicht kommen, da die Zahl der Todesfälle durch Naturkatastrophen in diesem Land von einem einmaligen Höchststand von 1,9 Millionen im Jahr 1943 – bedingt durch eine Dürre – auf nur noch 28 im Jahr 2025 gesunken ist, wobei 10 dieser Todesfälle auf Erdbeben zurückzuführen sind, die natürlich nichts mit dem Klima zu tun haben.

Bangladesch scheint sich zudem mehr um die wirtschaftliche Entwicklung als um den Klimawandel zu sorgen, steigt doch der Energieverbrauch stark und beruht fast ausschließlich aus fossilen Brennstoffen:

Abbildung 5 – Energieverbrauch in Bangladesch nach Energiequellen

Dies widerspricht Stanleys Behauptung, dass Entwicklungsländer sich mehr Sorgen um den Klimawandel machen als wir.

Solarboom in Pakistan?

In seinem Artikel behauptete Tim Stanley außerdem:

Das heutige Pakistan erlebt einen Solarboom. Wie kommt das? Weil Millionen von Bauern, die die durch Korruption in die Höhe getriebenen hohen Strompreise satt haben, günstige Solarmodule aus China gekauft und diese auf ihren Dächern und Balkonen angebracht haben.

Er tadelte Großbritannien daraufhin dafür, dass es diesem Beispiel nicht folge. Es stimmt, dass Pakistan mittlerweile fast 19 % seines Stroms aus Solarenergie erzeugt und der Anteil der Solarenergie rasant wächst. In Großbritannien liegt der Anteil der Solarenergie an der Stromerzeugung bei 6,6 %. Trotz dieser unterschiedlichen Verbreitung der Solarenergie ist die Kohlenstoffintensität der pakistanischen Energieversorgung höher als die von UK, wie aus Abbildung 6 hervorgeht:

Abbildung 6 – CO₂-Ausstoß pro Energieeinheit in UK und in Pakistan

Im internationalen Vergleich erzeugt Pakistan sehr wenig Strom: Pro Kopf fallen lediglich 764 kWh an, verglichen mit dem weltweiten Durchschnitt von 3.860 kWh, den 4.203 kWh in UK und den 7.474 kWh in China. Ein wesentlicher Grund dafür, dass abgelegene Regionen Pakistans auf Solarenergie umsteigen ist, dass weniger als 55 % der Haushalte an das Stromnetz angeschlossen sind. Für sie ist der Zugang zu etwas Solarstrom besser als gar kein Strom. Ein weiterer Grund, warum Pakistan für Solarenergie besser geeignet ist, ist der Breitengrad. Pakistan liegt zwischen 23 und 37 Grad nördlicher Breite, wo es sonniger ist als in Großbritannien, das viel weiter nördlich liegt. Aus diesem Grund stufte die Weltbank Pakistan hinsichtlich des praktischen Solarenergiepotenzials in etwa im obersten Quartil der Länder ein, während Großbritannien den vorletzten Platz belegte, knapp vor Irland.

Machen sich arme Länder Sorgen?

Wie oben dargestellt, scheint Bangladesch sich keine allzu großen Sorgen um den Klimawandel zu machen – im Widerspruch zu Tim Stanleys Behauptung, dass arme Länder besorgter seien als wir. OWID stellt auch Daten zu den Kohlendioxidemissionen nach Einkommensgruppen bereit, siehe Abbildung 7:

Abbildung 7 – Jährliche CO₂-Emissionen nach Einkommensgruppe

Auch wenn die Emissionen aus Ländern mit hohem Einkommen wie Großbritannien sinken, steigen die Emissionen aus Ländern mit oberem und unterem mittleren Einkommen stark. Die Emissionen aus Ländern mit niedrigem Einkommen sind gering und steigen nur langsam. Länder mit hohem Einkommen werden ärmer werden und von Ländern mit oberem mittleren Einkommen überholt werden, die ihren Wohlstand steigern wollen.

In Afrika steigt die Nachfrage nach Öl und Gas. So setzt sich beispielsweise der kenianische Landwirt Jusper Machogu für fossile Brennstoffe in Afrika ein, weil er „einfach mit der Schufterei aufhören“ will. Er ärgert sich darüber, dass Greenpeace sich wie ein Neokolonialist verhält und den Bau einer neuen Ölraffinerie in seinem Land blockiert. Ein weiterer Schlag gegen Tim Stanleys unbelegte Tirade.

Sind erneuerbare Energien wirtschaftlich immer attraktiver?

Wenden wir uns nun den Behauptungen von Greg Jackson zu, wonach erneuerbare Energien „wirtschaftlich immer attraktiver“ seien und ein freierer Markt für erneuerbare Energien die Energiekosten senken würde. Wie wir bereits erörtert haben und wie aus Abbildung 8 hervorgeht, hat Großbritannien bereits die höchsten Strompreise für die Industrie in der entwickelten Welt, und auch die Preise für Privathaushalte gehören zu den höchsten überhaupt:

Abbildung 8 – Internationale Strompreise für die Industrie (p pro kWh)

Die Laufzeit von Differenzkontrakten (CfDs) wurde auf 20 Jahre verlängert, und die in der Ausschreibungsrunde AR7 für Offshore und Onshore-Windenergie zugeschlagenen Preise sind gestiegen. Die Preise für Solarenergie sind leicht gesunken, auf vergleichbarer Basis bei 15-jährigen Verträgen sind sie jedoch ebenfalls gestiegen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Grundkosten für erneuerbare Energien sinken.

Die Lage verschlechtert sich noch weiter, weil die Kosten für die Einbindung intermittierender erneuerbarer Energien in das Stromnetz in die Höhe schießen. Die Kosten für Ausgleichsmaßnahmen, Reservekapazitäten und den Netzausbau werden sich bis 2030/31 gegenüber dem Niveau von 2024/25 verdreifachen, wie aus Abbildung 9 hervorgeht:

Abbildung 9 – Prognose der Netzanbindungskosten (in Mrd. £)

Anstatt „wirtschaftlich immer attraktiver“ zu werden, werden intermittierende erneuerbare Energien immer teurer. Würden wir den Strommarkt liberalisieren – indem wir beispielsweise die CO₂-Steuern auf Strom aus Gaskraftwerken senken, Subventionen für erneuerbare Energien abschaffen und diese dazu verpflichten, ihre Netzanbindungskosten selbst zu tragen –, würden die meisten Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien scheitern und es gäbe kaum neue Investitionen. Greg Jackson irrt in beiden seiner Hauptargumente.

Wem fehlt es an Mitgefühl?

Tim Stanleys emotionalste Aussage war, als er den „Netto-Null“-Skeptikern vorwarf, sie hätten ihr Mitleid fehlgeleitet auf den Teufel gerichtet und es mangele ihnen an Mitgefühl. Man könnte sich fragen, was daran mitfühlend sein soll, Strom so teuer zu machen, dass Familien sich zwischen Heizen und Essen entscheiden müssen. Wo bleibt das Mitgefühl für die Öl- und Gasarbeiter in Aberdeen, die jeden Monat 1.000 Arbeitsplätze verlieren? Gibt es auch nur ein Fünkchen Mitgefühl für die Stahlarbeiter in Port Talbot, die Raffineriearbeiter in Grangemouth oder die Tausenden weiteren Menschen, die in anderen energieintensiven Branchen wie der Petrochemie, der Chemie, der Keramik- und der Glasindustrie ihren Arbeitsplatz verlieren? Ist es nicht schlichtweg unzumutbar, den Entwicklungsländern die günstigen und reichlich vorhandenen Kohlenwasserstoffe vorzuenthalten, die sie für ihre wirtschaftliche und soziale Entwicklung benötigen?

Wir wissen, dass die Energie-Jedi die Debatte gewinnen, wenn das „grüne Imperium“ auf emotionale Bilder und verlogene Schmähungen zurückgreifen muss, um seinen Standpunkt zu vertreten. Keines von Tim Stanleys Argumenten hält einer genauen Prüfung stand, und der Jubel-Fan Greg Jackson sieht sich gezwungen, völlig falsche Behauptungen aufzustellen, um zu verhindern, dass sein Unternehmen Octopus Energy in weitere Verluste stürzt.

Das Problem ist, dass Lügen schon um die halbe Welt gereist sind, bevor die Wahrheit überhaupt ihre Stiefel angezogen hat – daher kann der Gegenangriff des „grünen Imperiums“ vorübergehend wirksam sein. Aber eines ist sicher: Die Energie-Jedi werden zurückkehren, und die wirtschaftliche und physikalische Realität wird sich durchsetzen.

David Turver writes the Eigen Values Substack page, where this article first appeared.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/08/04/green-empire-strikes-back/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE