Erwacht Europa aus seinem Net Zero-Alptraum?

Duggan Flanakin

Anfang letzten Monats schockierte der französische Präsident Emmanuel Macron Europa, indem er die Europäische Union dazu aufforderte, keine weiteren Vorschriften für angeschlagene Industrien zu erlassen. Die EU habe bereits „mehr als ihre Nachbarn“ getan, um den Planeten vor dem ökologischen Untergang zu bewahren, so Macron. Jeder weitere Schritt würde die europäische Produktion und damit den Wohlstand gefährden.

Vielleicht um sich als den wahren Führer eines vereinten Europas zu präsentieren hat sich Macron während der letzten Wochen zu einer Vielzahl von Themen geäußert – er entschuldigte sich bei den osteuropäischen Ländern dafür, dass er nicht auf ihre Warnungen vor der russischen Aggression gehört hätte, und schlug vor, nach Verhandlungen mit der russischen Führung Wladimir Putin und andere wegen Kriegsverbrechen zu verfolgen.

Ein wichtiger Grund für Macrons Forderung nach einem Stopp der weiteren Selbstgeißelung wegen der „Klimakrise“ ist seine Ansicht, dass „wir in Bezug auf die Regulierung den Amerikanern, den Chinesen und jeder anderen Macht in der Welt voraus sind.“ In einer anderen Rede sagte Macron: „Ich ziehe Fabriken vor, die unsere europäischen Standards, die die besten sind, respektieren, und nicht solche, die noch mehr Standards und immer mehr wollen – aber keine weiteren Fabriken haben.“

Auf Macrons Kommentare folgte eine Woche später die Nachricht, dass die Europäische Volkspartei (zu der auch die deutschen Christdemokraten gehören) erwägt, ihre Unterstützung für den Green Deal der Europäischen Kommission zurückzuziehen. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Vorschlägen, die EU-weite Ziele für die Beseitigung von Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 beinhalten – und die 11 EU-Länder bereits angenommen haben.

Im März gewann die niederländische Bauern-Bürger-Bewegung (BoerburgerBeweging, BBB) mit fast 20 Prozent der Stimmen 15 Sitze im Senat des Landes. Die Partei wurde gegründet, um sich gegen den Plan der Regierung zu wehren, 3000 Familienbetriebe aufzukaufen, um die Stickstoffemissionen (und damit den Düngemitteleinsatz) zu senken und den Viehbestand zu reduzieren. Die Bewegung hat sich ausgeweitet und spricht nun sowohl Land- als auch Stadtbewohner an, welche die traditionellen, konservativen niederländischen sozialen und moralischen Werte vertreten.

Im Mai hat die neu gegründete Partei „Bürger in Wut“ bei den Landtagswahlen in Bremen bei ihrem ersten politischen Versuch fast 10 Prozent der Stimmen erhalten. Der Stimmenanteil der Partei könnte durch das Verbot der klimaskeptischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) bei den Bremer Wahlen gestiegen sein. Die AfD liegt jetzt in Deutschland in den Umfragen höher als die Grünen und nähert sich den Sozialdemokraten von Bundeskanzler Olaf Scholz (deutlich hinter den Christdemokraten).

Waren es Nachrichten wie diese, die Macron, der letztes Jahr mit 58 Prozent der Stimmen gegen Marine Le Pen seine Wiederwahl gewann, dazu brachten, seine Haltung zu ändern? Während des Wahlkampfs 2022 hatte Le Pen die grüne Agenda nicht verleugnet, aber darauf bestanden, dass der Übergang „viel langsamer erfolgen sollte als das, was den Franzosen auferlegt wird“. Nun scheint es, dass Macron Le Pens Standpunkt zur Ökologisierung Frankreichs übernommen hat.

Die europäischen Klimakatastrophisten waren im vergangenen September entsetzt über die Wahl von Giorgia Meloni zur ersten weiblichen Ministerpräsidentin Italiens, aber es ist ihre Führungsrolle, welche die Opposition gegen solche grünen Idole wie (nur) Elektroauto-Mandate antreibt. Während ihres erfolgreichen Wahlkampfs bezeichnete Meloni den Green Deal der Europäischen Union als „Klima-Fundamentalismus“ und stellte den Umfang der Finanzmittel für den grünen Wandel in Frage.

Ihre Botschaft lautete, dass die Kohlendioxid-Emissionen gesenkt werden könnten, ohne dass Wirtschaftswachstum und Entwicklung geopfert werden müssten. „Greta Thunbergs Ideologie (die von den EU-Bonzen geteilt wird) wird dazu führen, dass wir Tausende von Unternehmen und Millionen von Arbeitsplätzen in Europa verlieren“, argumentierte sie. Stattdessen versprach sie, sich auf das Fachwissen und die Kreativität von Unternehmen und Unternehmern zu verlassen, um langfristige Klimaziele zu erreichen.

Zuvor hatte Meloni vor einem spanischen Publikum erklärt: „Man hat uns jahrelang gesagt, dass es keine Alternative zur ökologischen Ideologie gibt…. Aber sie haben sich geirrt oder uns belogen. Denn wir wissen jetzt, dass unsere Energieabhängigkeit dramatisch ist und dass der Übergang zur Elektrizität ohne Kontrolle über die Rohstoffe uns noch abhängiger von China machen wird als wir es von Russland sind.“

Die Norweger sind im vergangenen Monat den Gegnern fossiler Brennstoffe entgegen getreten, indem sie Pläne für weitere Bohrungen in den arktischen Gebieten der Barentssee ankündigten. Die norwegische Regierung hat zu weiteren Öl- und Gasfunden aufgerufen, um die Energiesicherheit zu erhöhen und die europäischen Partner bei der Energieversorgung zu unterstützen.

Erdöl- und Energieminister Terje Aasland forderte die Öl- und Gasunternehmen auf, ihrer „sozialen Verantwortung“ nachzukommen und „nichts unversucht zu lassen“, um weitere Erdgasvorkommen in der Barentssee zu finden. „Das Erdölabenteuer im Norden hat gerade erst begonnen“, rühmte Aasland und wies darauf hin, dass Norwegen seine Erdölindustrie ausbauen – und nicht abwickeln – müsse.

Politiker neigen dazu, den Umfragen zu folgen, und eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergab, dass viele Europäer zwar durch Berichte über eine „Klimakrise“ alarmiert, aber nicht bereit sind, ihren Lebensstil grundlegend zu ändern, um diejenigen zu besänftigen, die extreme Maßnahmen zur „Rettung des Planeten“ fordern. Während 81 Prozent der Italiener (der höchste Wert aller Länder) angaben, sie seien sehr oder ziemlich besorgt über den Klimawandel, sagten weit weniger, sie würden nie wieder Produkte aus Einwegplastik kaufen.

Beträchtliche Minderheiten waren sogar bereit, ihren Fleisch- und Milchkonsum einzuschränken, aber nur einer von zehn Deutschen würde freiwillig ganz auf Fleisch und Milchprodukte verzichten oder weniger Kinder bekommen.

Nur ein Drittel der Befragten in den sieben befragten Ländern würde freiwillig auf ein Elektrofahrzeug umsteigen – obwohl die EU und die einzelnen Länder diese Fahrzeuge ihren Bürgern bald aufzwingen würden. Große Mehrheiten von weit über 60 Prozent lehnten Verbote für Fahrzeuge mit fossilen Brennstoffen ab. Und die meisten wollten nicht auf Privatfahrzeuge verzichten, sondern nur auf öffentliche Verkehrsmittel.

Das American Inflation Reduction Act IRA hat die europäischen Regierungen und Unternehmen in eine Zwickmühle gebracht. Entweder erhöhen die Regierungen ihre eigenen Subventionen für die Ökologisierung ihrer Wirtschaft, oder sie riskieren eine Deindustrialisierung. Das IRA zwingt Unternehmen, Europa in Richtung Nordamerika zu verlassen, um in den Genuss von Bidens massiven klimabezogenen Subventionen zu kommen. Natürlich reagierte die EU-Regierung mit ihrem eigenen 250-Milliarden-Euro-Green-Deal-Industrieplan.

Der britische Schatzkanzler Jeremy Hunt sagte, seine Regierung werde sich eher auf regulatorische Reformen als auf Subventionen konzentrieren, um grüne Investitionen anzulocken. [Kein Wunder, dass es bei der Verabschiedung der Schuldenobergrenze im Kongress neue Unterstützung für eine Reform der Genehmigungsverfahren gab.]

Aber, wie Joseph Sternberg im Wall Street Journal schrieb, können sich die USA ebenso wenig wie Europa grüne Subventionen leisten.

Trotz des „Tauwetters“ in Europa setzt sich kaum ein europäischer Politiker mit den Unstimmigkeiten bei den globalen Temperaturdaten oder den Beweisen für ein wachsendes (und nicht schrumpfendes) antarktisches Schelfeis auseinander. „Die Wissenschaft“ in Frage zu stellen – selbst wenn diese „Wissenschaft“ teilweise reine Spekulation ist – ist ein Grund, sich im europäischen (und amerikanischen) Metaversum zu entlarven.

Die Wirtschaft in Frage zu stellen ist daher die einzige Möglichkeit, die Klima-Lemminge zu bremsen. Die Fragen kommen jetzt schnell – aber die Absolutisten weigern sich, sich zu bewegen.

Wird Europa der Weisheit von Giorgia Meloni und den Norwegern – und, mit Verspätung, Emmanuel Macron – folgen? Oder werden die Barone von Brüssel Europa weiter in den Abgrund treiben?

This article originally appeared at Town Hall

Autor: Duggan Flanakin is a Senior Policy Analyst with the Committee For A Constructive Tomorrow. A former Senior Fellow with the Texas Public Policy Foundation, Mr. Flanakin authored definitive works on the creation of the Texas Commission on Environmental Quality and on environmental education in Texas. A brief history of his multifaceted career appears in his book, „Infinite Galaxies: Poems from the Dugout.“

Link: https://www.cfact.org/2023/06/13/is-europe-awakening-from-its-net-zero-nightmare/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Mythos der Finanzierung des Klima-Skeptizismus‘ durch Big Oil vs. Realität der milliardenschweren Förderung des Klima-Alarmismus‘ durch Big Green

Chris Morrison, DAILY SCEPTIC

Im Jahr 2019 schrieb der Klimaaktivist und UCL-Geografieprofessor Mark Maslin, dass die Ölfirmen 200 Millionen Dollar pro Jahr für die Förderung von etwas ausgeben, das er als „Klimawandel-Leugnung“ bezeichnete. Die Behauptung der „dunklen Mächte“ wird seither regelmäßig verwendet. Der Guardian berichtete kürzlich, dass Big Oil „die Menschheit auswringt und verwies erneut auf die 200 Millionen Dollar, die jährlich für die Lobbyarbeit zum Klimawandel ausgegeben werden. Tolle Geschichte. Schade nur, dass es keine wirklichen Beweise gibt, um sie zu untermauern.

Das geht aus einem neuen Werk des Enthüllungsjournalisten Ben Pile hervor. Er führt die Maslin-Behauptung auf einen Forbes-Artikel zurück, der sich wiederum auf die Arbeit von InfluenceMap stützt, einer internationalen Denkfabrik, die sich „mit Klima- und Nachhaltigkeitsfragen befasst“. InfluenceMap behauptet, eine Finanzierungsmethodik zu verwenden, die auf den „besten verfügbaren Daten“ beruht, aber Pile stellt fest, dass es einen „Turm von Schätzungen“ gibt. Dabei handelt es sich größtenteils um Vermutungen, „nicht um die Entdeckung von Belegen“, wie er anmerkt.

Im Einzelnen stellt Pile fest, dass dieser Stapel von Annahmen die Definition von Bereichen der Unternehmenstätigkeit, die für die Klimalobbyarbeit genutzt werden könnten, und die Schätzung der mit diesen Aktivitäten verbundenen Ausgaben beinhaltet. Anschließend wird der Anteil der Ausgaben geschätzt, der auf Themen im Zusammenhang mit dem Klimawandel ausgerichtet ist, bevor schließlich eine Einstufung als „Lobbyarbeit“ oder „Marke“ vorgenommen wird, je nachdem, ob die Aktivität mit einer politischen Agenda zusammenhängt. Alles in allem, so Pile, „sind es nur Vermutungen“. Die Arbeit ist „performativ“ und erweckt den Eindruck einer Untersuchung, um einen der wichtigsten Glaubensartikel der grünen Ideologie in die Tat umzusetzen.

Er fährt fort: „Und so ist der Gedanke einer ganzen Industrie der Klimaleugnung, die den Interessen der großen Ölkonzerne dient, zur respektabelsten Verschwörungstheorie auf allen Ebenen der Gesellschaft geworden – der Online-Troll fühlt sich bei der Wiedergabe der Verleumdung genauso wohl wie der Vorsitzende der international anerkannten wissenschaftlichen Organisation.“

Natürlich gibt es keinen Grund, warum Big Oil, zu dem Exxon Mobil, Shell, BP, Chevron und Total gehören, kein Geld ausgeben kann, um einen Beitrag zur Energiedebatte zu leisten. Fossile Brennstoffe decken über 80 % des weltweiten Energiebedarfs und leisten einen enormen Beitrag für die Gesellschaft, indem sie unter anderem Milliarden von Pfund in staatliche Fonds und individuelle Rentensysteme pumpen. Das Ölgeschäft ist ein rechtmäßiges Unternehmen, das dazu beigetragen hat, der Menschheit einen Lebensstandard zu verschaffen, der für die große Mehrheit der Menschen früher fast unvorstellbar war. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass sie sich in der aktuellen Debatte eher bedeckt gehalten haben, möglicherweise in der Annahme, dass sie auch dann noch 80 % der weltweiten Energieversorgung sicherstellen müssen, wenn der Wahnsinn der Netto-Null-Subventionen vorbei ist.

Der emeritierte Professor Richard Lindzen vom MIT stellt fest, dass das aktuelle Klimanarrativ – von der „settled“ Wissenschaft bis zu Net Zero – „absurd“ ist, aber Billionen von Dollar sagen derzeit, dass es nicht absurd ist. Piles neuestes Werk – eine ausgezeichnete Untersuchung vieler Quellen, die den Klima- und Net-Zero-Extremismus finanzieren – geht sehr detailliert auf viele der grünen Milliardärsstiftungen ein, die alles finanzieren, von aktivistischen Wissenschaftlern über politische Kampagnen bis hin zu Teilen der Mainstream-Medien, darunter natürlich auch der Guardian. The Daily Sceptic hat über viele dieser Aktivitäten berichtet und zum Beispiel die Finanzierung von grüner Propaganda in Schulen und die Bereitstellung von Armageddon-freundlichen Texten für Nachrichtenredaktionen und TV-Meteorologen erwähnt.

Um einen Einblick in die enormen Geldmengen zu geben, die für die Finanzierung der grünen Agenda zur Verfügung stehen, hat Pile die nachstehenden Informationen tabellarisch zusammengestellt und dabei alle jährlichen Zuschüsse von InfluenceMap’s eigenen Wohltätern geschätzt:

Insgesamt gewähren allein die Geldgeber von InfluenceMap jedes Jahr Zuschüsse in Höhe von etwa 1,2 Milliarden Dollar zur Finanzierung der Lobbyarbeit für den Klimawandel. Und das sind nur die Fonds, zu denen InfluenceMap eine direkte Beziehung hat. Es gibt noch viele andere, darunter die Rockefeller-Familie, Bezos, Bloomberg, Gates sowie die Hewletts, Packards und Gettys.

Im Gegensatz dazu stellt Pile fest, dass sich in einem kleinen Bürogebäude in Westminster in der Tufton Street 55, dem Schauplatz der Farbwürfe und Proteste der Extinction Rebellion, eine Reihe kleiner Denkfabriken befindet, darunter die Global Warming Policy Foundation, die, wie er es vorsichtig ausdrückt, „nicht so recht zu den vorherrschenden Ideologien der wachen westlichen Politik und Medien passen“. Insgesamt schätzt Pile das Einkommen aller neun Kampagnen-Organisationen auf nur 6,7 Millionen Dollar.

Pile kann nachweisen, dass Milliarden von Dollar in „offenkundig falsche“ philanthropische Stiftungen geflossen sind, wobei das Geld angeblich dazu verwendet wurde, Narrative zu konstruieren, falsche zivilgesellschaftliche Organisationen zu gründen, die Öffentlichkeit, politische Entscheidungsträger, Regierungen und zwischenstaatliche Behörden aktiv zu fehlinformieren und Gefälligkeiten von oder in Forschungsorganisationen, Medienunternehmen und öffentlichen Einrichtungen zu kaufen. Jeder gegenteilige Einfluss von Big Oil ist einfach nicht vergleichbar, fügt er hinzu.

Die enormen Summen, die der Green Blob ausgibt, werden zur Kenntnis genommen, aber Pile stellt fest, dass die Mitglieder verwirrt sind, warum sie nicht in einer grünen Utopie leben. Sie halten es seit langem für unnötig, sich zu erklären, und ziehen es vor, zu verleumden, Ängste zu schüren, Straßen zu blockieren, moralische Erpressung anstelle von Vernunft einzusetzen – und Verschwörungstheorien rund um Ölfirmen zu erfinden. Darüber hinaus ist selbst nach fast zwei Jahrzehnten Lobbyarbeit eine ausreichend effektive grüne Technologie noch immer ein ferner Traum. Die Windkraft hat versagt, Elektroautos sind ein teurer Luxus und Wärmepumpen kosten ein Vielfaches von Gasheizungen. Die Aktivisten fordern, dass sich die Gesellschaft angesichts der Unzulänglichkeiten der grünen Technologie und des „Klimanotstands“ neu organisieren muss. Dies erfordert den Aufbau supranationaler politischer Agenturen in Form von technokratischen Bürokratien mit beispielloser Macht, die sich der demokratischen Kontrolle entziehen und von nicht rechenschaftspflichtigen Fachleuten bevölkert werden.

„Der Umweltschutz ist eine Elitenideologie, und die Angst vor dem Klimawandel beschäftigt nur die obersten Schichten der Gesellschaft. Der Rest von uns findet sie unglaubwürdig, irgendwie lächerlich und offensichtlich eigennützig“, so Pile abschließend.

Chris Morrison is the Daily Sceptic’s Environment Editor.

Link: https://wattsupwiththat.com/2023/06/15/myth-of-big-oils-funding-of-climate-scepticism-vs-reality-of-big-greens-billions-driving-climate-alarmism/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Sonne, Temperatur und Modelle

Willis Eschenbach

ERSTER TEIL – REALE WELT

Ich fing an, über die Beziehung zwischen der Absorption der Sonnenstrahlen an der Oberfläche und der Temperatur nachzudenken. Hier sind die CERES-Satellitendaten, die diese Beziehung zeigen:

Abbildung 1. Temperatur und Absorptionsgrad der Sonnenstrahlung an der Oberfläche. Die Strahlung wird in Watt pro Quadratmeter (W/m²) angegeben.

Wie wir aufgrund unserer täglichen Erfahrung erwarten würden, steigt die Temperatur bei mehr Sonnenschein und sinkt sie bei weniger Sonnenschein.

Es stellt sich natürlich die Frage, um wie viel die Oberflächentemperatur für jedes zusätzliche W/m² an absorbierter Strahlung an der Oberfläche steigt.

Wir können uns dieser Frage auf drei verschiedene Arten nähern. Erstens, ein Streudiagramm der in Abbildung 1 gezeigten monatlichen Werte, zusammen mit der Trendlinie:

Abbildung 2. Streudiagramm, monatliche Temperatur im Vergleich zum Anteil der Sonnenstrahlung, der an der Oberfläche absorbiert wird. Da die monatlichen Durchschnittswerte mit Unsicherheit behaftet sind, habe ich die Deming-Regression und nicht die lineare Standardregression verwendet.

Die zweite Möglichkeit, die Beziehung zwischen der Oberflächentemperatur und der absorbierten Sonneneinstrahlung zu berechnen, ist eine lineare Regression auf der Basis von Gitterzellen, gewichtet nach der Fläche der Gitterzellen. Dies ergibt die gleiche Antwort, nämlich 0,22 °C pro zusätzlichem W/m² absorbierter Sonnenstrahlung.

Die dritte Möglichkeit, die Beziehung zu untersuchen, besteht darin, die langfristigen Durchschnittswerte von Temperatur und absorbierter Sonnenstrahlung als Streudiagramm für jede einzelne Gitterzelle zu betrachten. So können wir sehen, was bei unterschiedlichen Temperaturen passiert:

Abbildung 3. Streudiagramm, Mittelwerte der Gitterzellen, Temperatur gegenüber der durchschnittlichen absorbierten Sonnenstrahlung. Die Steigung der roten Linie zeigt den Trend der Temperatur im Verhältnis zur absorbierten Sonnenstrahlung bei verschiedenen Temperaturen.

An diesem Diagramm sind mehrere Dinge interessant. Erstens ist die Beziehung zwischen der absorbierten Sonnenstrahlung und der Temperatur über den größten Teil der Erde (zentrale Region oben) ziemlich linear, mit einem durchschnittlichen Trend (Steigung der roten Linie) von 0,21 °C pro W/m².

Um dies besser zu verstehen, ist hier eine Grafik, die zeigt, wie viel Sonnenstrahlung an der Oberfläche absorbiert wird:

Abbildung 4. Von der Oberfläche absorbierte Sonnenstrahlung (abwärts gerichtete Strahlung minus reflektierte Strahlung)

Die Auswirkung der fast durchgängigen Bewölkung an der intertropischen Konvergenzzone (ITCZ) ist als gelber Streifen knapp über dem Äquator zu erkennen.

Um auf Abbildung 3 zurückzukommen: In den Gebieten mit geringer Sonneneinstrahlung steigt die Temperatur mit zunehmender Sonneneinstrahlung sehr schnell an. Die folgende Karte zeigt, wo sich diese Gebiete befinden:

Abbildung 5. Teile der Welt, in denen die absorbierte Sonnenstrahlung im Jahresdurchschnitt weniger als fünfzig Watt pro Quadratmeter beträgt.

Und am rechten Ende der Skala in Abbildung 3 erwärmt sich die Oberfläche in Gebieten, in denen die durchschnittliche absorbierte Sonnenstrahlung über 210 W/m² liegt, überraschenderweise gar nicht so sehr. Die durchschnittliche Reaktion in den unten dargestellten farbigen Gebieten beträgt 0,03 °C pro W/m². Hier sind diese Gebiete:

Abbildung 6. Teile der Welt, in denen die absorbierte Sonnenstrahlung im Jahresdurchschnitt mehr als zweihundertzehn Watt pro Quadratmeter beträgt.

Die horizontalen gepunkteten Linien über und unter dem Äquator auf der Karte in Abbildung 6 zeigen die Grenzen der Tropen. Man beachte, dass sich die meisten tropischen Ozeane nicht weiter erwärmen, wenn die absorbierte Sonnenstrahlung über 210 W/m² ansteigt.

Und am Ende haben wir drei verschiedene Schätzungen, wie stark die Temperaturen steigen, wenn die Sonneneinstrahlung zunimmt, und wie stark sie sinken, wenn die Sonneneinstrahlung abnimmt. Alle drei Schätzungen liegen in der Größenordnung einer Temperaturänderung von 0,2 °C je 1 W/m² Änderung der absorbierten Sonnenstrahlung. Und alle drei zeigen, dass die Temperatur mit der absorbierten Sonneneinstrahlung variiert, d. h. mit mehr Sonnenschein steigt sie an und mit weniger Sonnenschein sinkt sie, so wie wir es jeden Tag beobachten.

ZWEITER TEIL – MODELLWELT

Nachdem ich mir angesehen habe, was tatsächlich passiert, warf ich einen Blick darauf, was die Modelle sagen. Die Modelldaten sind auf der wunderbaren KNMI-Website verfügbar, indem man „Monthly CMIP5 scenario runs“ auswählt. Diese stammen aus dem Fifth Computer Model Intercomparison Project (CMIP5). Die Lufttemperatur an der Oberfläche wird als „TAS“ (Temperature Air Surface) bezeichnet. Die abwärts gerichtete Sonneneinstrahlung an der Oberfläche wird als „RSDS“ (radiation shortwave downwelling surface) bezeichnet, die reflektierte Sonneneinstrahlung an der Oberfläche als RSUS (radiation shortwave upwelling surface). Die absorbierte Strahlung ist die absteigende Sonnenstrahlung minus die reflektierte Sonnenstrahlung.

Ich habe mit den Temperaturdaten begonnen. Ich interessierte mich für die historischen Daten, die für die vier „Szenarien“, yclept RCP26, RCP45, RCP60 und RCP85, im Wesentlichen identisch sind. Ich verwendete die RCP26-Daten. Die historischen Daten enden im Jahr 2012. Hier die CMIP5-Rekonstruktion der mittleren globalen historischen Temperatur im Vergleich zur globalen Temperatur von Berkeley Earth:

Abbildung 7. Berkeley Earth und CMIP5-Modelltemperaturen im Vergleich.

Nun, das ist ziemlich respektabel. Die Modelle haben die wichtigsten Veränderungen der historischen Temperaturen gut nachgebildet. (Das wirft die Frage auf, wie verschiedene Modelle mit sehr unterschiedlichen Klimaempfindlichkeiten die Temperatur so gut nachbilden können, eine Frage, die ich in „Dr. Kiehl’s Paradox erörtert habe … aber ich schweife ab.)

Nachdem ich all das getan hatte, schaute ich mir die modellierte absorbierte Sonnenstrahlung an … und mir fielen die Augen aus dem Kopf. Hier ist das modellierte Ergebnis. Wie bei der Temperatur sind die Ergebnisse für die Sonneneinstrahlung in den vier Szenarien im Wesentlichen identisch, daher zeige ich RCP26:

Abbildung 8. CMIP5 RCP26 historische Anomalie der absorbierten Oberflächen-Sonnenstrahlung.

Huch? Die Temperaturen steigen und die absorbierte Sonneneinstrahlung sinkt? Wie bitte? Wie unglaublich ist das denn?

Aber moment da ist noch mehr! Hier sind die gleichen RCP26-Solardaten, diesmal einschließlich der Projektion der absorbierten Sonnenstrahlung an der Oberfläche bis zum Jahr 2100:

Abbildung 9. CMIP5 RCP26 historische und projizierte Anomalie der absorbierten Oberflächen-Sonnenstrahlung.

Das ist … merkwürdig. Die modellierte absorbierte Sonnenstrahlung an der Oberfläche nimmt über den gesamten historischen Zeitraum bis 2012 ab, um dann sofort wieder zu steigen.

Wahrscheinlich ist das nur ein Zufall.

Aber bedenken Sie … wenn sie irgendwie steigende historische Temperaturen bei sinkender historischer absorbierter Sonnenstrahlung erhalten, stellen Sie sich vor, wie hoch ihre zukünftigen Prognosen bei steigender absorbierter Sonnenstrahlung sein werden. Das ist eine Win-Win-Situation für die Alarmisten!

Und wie kommt es, dass ich derjenige bin, dem diese Dinge auffallen, und nicht die guten Leute, die die Modelle betreiben, oder die Leute von CMIP5?

Immer wieder neue Fragen.

Link: https://wattsupwiththat.com/2023/06/19/sun-temperatures-and-models/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Wie man mit Graphiken lügen kann

Willis Eschenbach

Ein Online-Freund hat mich auf eine merkwürdige Veränderung des grönländischen Eisschildes aufmerksam gemacht. Hier sind zwei Grafiken des Danish Polar Portal:

Abbildung 1. Oberflächen-Massenbilanz (SMB), Polarjahr 2022-2023.

Auf der Polarportal-Website heißt es:

Die blaue Kurve zeigt die Oberflächen-Massenbilanz der aktuellen Saison, gemessen in Gigatonnen (1 Gt ist 1 Milliarde Tonnen und entspricht 1 Kubikkilometer Wasser).

Die dunkelgraue Kurve zeigt den Mittelwert des Zeitraums 1981-2010.

Das hellgraue Band zeigt die Unterschiede von Jahr zu Jahr. Für jeden Kalendertag zeigt das Band die Spanne über die 30 Jahre (im Zeitraum 1981-2010), wobei jedoch die niedrigsten und höchsten Werte für jeden Tag weggelassen wurden.

Und was ist die Oberflächen-Massenbilanz (SMB) von hause aus? Wiederum vom Polar-Portal:

Die Differenz zwischen Schneefall und Abfluss wird als Oberflächen-Massenbilanz bezeichnet. Sie ist im Laufe eines Jahres immer positiv, da nicht der gesamte gefallene Schnee wieder von der Eisdecke abfließt.

Die Oberflächen-Massenbilanz ist NICHT identisch mit der GESAMT-Massenbilanz (d. h. Gesamtgewinn oder -verlust der Eiskappe), die auch die Masse einschließt, die verloren geht, wenn Gletscher von Eisbergen abkalben, das Schmelzen von Gletscherzungen, wenn sie mit warmem Meerwasser in Berührung kommen, sowie Reibungs- und andere Effekte am Boden des Eisschilds.

Aus meiner Sicht ist es merkwürdig, dass trotz der für diese Jahreszeit ungewöhnlich warmen Bedingungen im Nordatlantik die Oberflächen-Massenbilanz stärker gestiegen ist als jemals zuvor im Zeitraum 1981-2010. Stellen Sie sich das mal vor.

Auf eines kann man sich beim Wetter verlassen, nämlich dass es nicht das tut, was man von ihm erwartet …

Dabei handelt es sich jedoch nur um die Oberflächen-Massenbilanz (SMB). Die Gesamtmasse des grönländischen Eisschildes nimmt weiter ab. Und hier kommt die grafische Trickserei ins Spiel. Leute wie das Polar Portal zeigen gerne Diagramme über den kumulativen Verlust des Grönlandeises:

Abbildung 2. Polar Portal-Grafik des Eisverlusts seit 2003

Auf der Suche nach einem längeren Datensatz habe ich hier einen erstellt, der auf den Daten des British Antarctic Survey (IMBIE) basiert. Natürlich konnte ich sie nicht so langweilig gestalten wie die meisten Diagramme. Ich mag es, wenn meine Diagramme kleine Kunstwerke sind:

Abbildung 3. Kumulativer Eismassenverlust seit 1992, Grönland.

OHA! Bei der Geschwindigkeit, mit der es abnimmt, sind wir eindeutig dabei, die grönländische Eiskappe vollständig zu verlieren …

… aber das ist nur der Verlust. Welchen Unterschied macht das für die Gesamtmasse des grönländischen Eisschildes? Abbildung 4 zeigt diese Veränderung:

Abbildung 4. Veränderung der gesamten grönländischen Eismasse, 1992-2021.

Wieder einmal sieht es so aus, als stünden wir am Rande eines Abgrunds.

Es gibt jedoch noch ein kleines Detail, das berücksichtigt werden muss. Bei der Betrachtung von Gesamtwerten wie der Veränderung der gesamten Grönlandeismasse ist es wichtig, dass die vertikale „Y“-Achse bei Null beginnt. Dies nennt man ein „nullbasiertes“ Diagramm, und in der wunderbaren Welt der Klimawissenschaft sind sie ziemlich selten. Abbildung 6 zeigt, warum die Alarmisten genau diese nicht mögen:

Abbildung 5. Null-basierte Grafik der Veränderung der gesamten grönländischen Eismasse, 1992-2021.

Man beachte, dass es sich in Abb. 5 um genau die gleichen Daten handelt wie in Abbildung 4 oben!

Puh! Es sieht so aus, als ob die Katastrophe abgewendet ist. Und wenn Grönland weiterhin so viel Eis verliert wie bisher, wird es um das Jahr 14700 n. Chr. komplett verschwunden sein.

Das erinnert mich an den alten Witz. Ein Wissenschaftler sagt: „Die Sonne wird in fünf Milliarden Jahren zu einer Nova“. Einer der Zuhörer steht auf und sagt: „Was! Das ist ja furchtbar! Was haben Sie gesagt?“

Der Wissenschaftler wiederholt seine Aussage, und der Mann sagt: „Oh, Gott sei Dank. Ich dachte schon, ich müsste meinen Lebensstil ändern. Ich dachte, Sie sagten fünf Millionen Jahre!“

Verrückte Welt, verrückte Stimmung …

Link: https://wattsupwiththat.com/2023/06/17/graphic-lying/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




„Peak Green“ im Westen: was das für den Osten bedeutet

Tilak Doshi, Forbes

Die jüngsten politischen Ereignisse sowohl in der EU als auch in den USA signalisieren „Peak Green“. Im Gegensatz zu „Peak Oil“, dessen Zeitpunkt trotz vieler früherer zuversichtlicher Vorhersagen nie gekommen zu sein scheint, scheint „Peak Green“ jetzt zu erfolgen, in Echtzeit. Was genau ist Peak Green? Der Beginn des Endes einer Periode sich ständig ausweitender und kostspieliger Klimaschutzvorschriften für Unternehmen und Haushalte ist so gut wie jede Definition. Es gab eine Reihe von Rückschlägen für die grüne Sache auf beiden Seiten des Atlantiks.

Für die politischen Entscheidungsträger in den Entwicklungsländern des Ostens, die etwa sieben der acht Milliarden Menschen auf der Welt repräsentieren, stellen diese politischen Herausforderungen für die westlichen Regierungen, die sich der radikalen Klimaagenda verschrieben haben, eine einzigartige Chance dar. Die Entwicklungsländer haben jetzt die Chance, zur Schaffung einer neuen Weltordnung beizutragen, die ihren legitimen Bestrebungen nach einer raschen wirtschaftlichen Entwicklung und einem besseren Lebensstandard für ihre Bürger mehr entgegenkommt.

Erreicht die grüne Bewegung in Europa ihren Höhepunkt?

Eine kurze Liste von politischen Schlüsselereignissen, die auf den „Höhepunkt der grünen Bewegung“ hindeuten, würde Folgendes beinhalten, ohne dass die Reihenfolge der Bedeutung eine Rolle spielt. Anfang März beschloss die EU zur großen Verärgerung der EV-Lobby, den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor, die mit der aus Wasserstoff gewonnenen „E-Fuels“-Technologie betrieben werden (die ihrerseits in großem Maßstab nicht erprobt und sehr teuer ist), über das Jahr 2035 hinaus zu erlauben, obwohl zuvor ein vollständiges Verbot in der Eurozone geplant war. Dazu kam es nach heftigen Einwänden der deutschen und der italienischen Regierung, die damit auf die Interessen ihrer mächtigen Automobilindustrie reagierten.

Mitte März gingen die niederländischen Wähler an die Urnen und brachten die populistische Bauern-Bürger-Bewegung (BBB) im Senat vor der Regierungspartei in Führung, wodurch die politische Landschaft des Landes neu definiert wurde. Damit wurden die Pläne der Regierung, die niederländische Agrarindustrie, den zweitgrößten Exporteur der Welt, zu dezimieren, um ein weiteres Umweltproblem zu lösen, zumindest vorläufig auf Eis gelegt. Diesmal sind es die Stickstoffdünger, die Lachgas (N₂O), ein Treibhausgas, in die Atmosphäre freisetzen.

Doch nichts könnte deutlicher auf eine grüne Hochstimmung unter den gemäßigten europäischen Politikern hinweisen als Macrons Forderung nach einer „Pause“ bei weiteren Klimaregelungen im vergangenen Monat. In einer Rede vor den Mitarbeitern einer Aluminiumfabrik in Dünkirchen sagte er:

„Ich ziehe Fabriken vor, die unsere europäischen Standards, die die besten sind, respektieren, und nicht solche, die noch mehr Standards und immer mehr hinzufügen wollen – aber ohne noch mehr Fabriken zu haben… Wir haben bereits viele Vorschriften auf europäischer Ebene erlassen, mehr als unsere Nachbarn… Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass keine neuen Vorschriften geändert werden, weil wir sonst alle Spieler verlieren.“

Es überrascht nicht, dass Macrons Rede bei den europäischen Grünen und linken Politikern Empörung auslöste. Ein französischer Abgeordneter bemerkte: „Macron greift jetzt Wort für Wort dieselbe Rede auf wie die europäischen Rechten und Rechtsextremen, die die Umsetzung des restlichen europäischen Klimapakets verhindern wollen.“ Sogar Ursula von der Leyen – Präsidentin der Europäischen Kommission und Verfechterin des europäischen Green Deal-Ziels der „Klimaneutralität“ bis 2050 – räumte als Reaktion auf Macrons Aufruf ein, dass die Gesetzgeber die „Absorptionsfähigkeit“ der Staaten in der EU berücksichtigen müssten, die mit einer Fülle neuer Klimavorschriften aus Brüssel konfrontiert seien.

Wo alles anfing

Im Dezember 1985 wurde Joschka Fischer, ohne Krawatte und in Turnschuhen, als hessischer Energie- und Umweltminister vereidigt. Fischer, ein Radikaler aus der linken Studentengeneration der 68er, war von 1998 bis 2005 Außenminister und Vizekanzler im Kabinett von Gerhard Schröder. Fischer war seit den 1970er Jahren eine der führenden Persönlichkeiten der deutschen Grünen, die von Jahr zu Jahr stärker wurden. Ihren Höhepunkt erlebte die Partei in der Regierungskoalition des jetzigen Bundeskanzlers Olaf Scholz. Wirtschaftsminister und Grünen-Chef Robert Habeck schien unaufhaltsam zu sein und führte die Umfragen im Frühjahr und Sommer 2022 an. Habeck hatte keinen Hehl aus seinen Ambitionen gemacht, seine grüne Partei bei der Bundestagswahl 2025 zum Sieg zu führen und der nächste deutsche Regierungschef zu werden.

Doch in den letzten Wochen hat sich vieles geändert. Die jüngste Veröffentlichung der monatlichen DeutschlandTrend-Umfrage vom 2. Juni ergab, dass die Alternative für Deutschland (AfD) in der Wählergunst bei 18 % liegt und damit gleichauf mit den Sozialdemokraten von Bundeskanzler Olaf Scholz. Norbert Röttgen, ein führender Abgeordneter der Christdemokraten in der Opposition, bezeichnete die [Ergebnisse dieser] Umfrage als „eine Katastrophe“ und „ein Alarmsignal für alle Parteien der Mitte“. Im Rahmen der deutschen Koalitionspolitik und des deutschen Verhältniswahlrechts stellt die Popularität der AfD das Mandat des Regierungsbündnisses in Frage.

Eine YouGov-Umfrage, die eine Woche später (9. Juni) veröffentlicht wurde, ergab, dass 20 % der deutschen Wähler der AfD ihre Stimme geben würden, was sie zur zweitstärksten Partei hinter der Mitte-Rechts-CDU (28 %) und vor der SPD von Scholz (19 %) macht. Der Wiederaufstieg der AfD, einer Partei, die von den Mainstream-Medien unweigerlich als „rechtsextrem“ bezeichnet wird, ging in erster Linie auf Kosten der Grünen, die durch politische Skandale und eine zunehmend belastende Klimapolitik in den freien Fall geschickt wurden. Während letztere in den letzten zwei Jahrzehnten ein fester Bestandteil der deutschen Politiklandschaft waren, hat sich die Aufregung über die kürzlich angekündigten Pläne der Grünen, ab dem nächsten Jahr neue Gasheizungen zugunsten teurer Wärmepumpen zu verbieten, als der sprichwörtliche Tropfen erwiesen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Am 25. Mai hielt Lord Frost die jährliche GWPF-Vorlesung über das „dunkle Europa“, in der er darauf hinwies, dass die EU auf dem Altar des ausgerufenen „Klimanotstandes“ in „Miserabilismus, Wachstumsschwäche und wirtschaftlichen Niedergang“ versinkt. Am selben Tag wurde gemeldet, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession eingetreten ist (definiert als zwei Quartale mit negativem Wachstum). Am 8. Juni meldete Eurostat, dass sich auch die EU als Ganzes in der Rezession befindet. Da Europa die Folgen der Sanktionen gegen russische Energieimporte zu spüren bekommt, die zu steigenden Energie- und Strompreisen, Inflation und Rezession führen, ist die grüne Bewegung in Europa nun in der Versenkung verschwunden. Parteien, die gegen die uneingeschränkte grüne Klimaagenda sind, bilden jetzt Regierungskoalitionen in Finnland und Schweden sowie Italien.

Und in den USA?

Auf der anderen Seite des Atlantiks gibt es nur wenige Anzeichen dafür, dass der gesamtstaatliche Vorstoß der Regierung Biden für Netto-Null-Emissionsziele bis 2050 ernsthaft in Frage gestellt wird. Im August wurde das euphemistisch als Inflation Reduction Act (IRA) bezeichnete Gesetz verabschiedet, das einen Tsunami von Subventionen und Steuergutschriften für umweltfreundliche Projekte wie Elektrofahrzeuge, erneuerbare Energien und Batterietechnologien vorsieht. Von einigen als die „wichtigste Klimamaßnahme in der Geschichte der USA“ bezeichnet, prognostiziert das Congressional Budget Office die Kosten des IRA auf etwa 390 Milliarden Dollar über das Jahrzehnt 2022-31. Das Ways and Means Committee des US-Kongresses geht jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Kosten angesichts der nicht gedeckelten Steuergutschriften und der lockeren Kreditbedingungen in der Gesetzgebung wahrscheinlich das Dreifache der CBO-Prognose betragen werden, nämlich 1,2 Billionen Dollar.

Auf lokaler Ebene gibt es in den ländlichen Gebieten Amerikas eine anhaltende Gegenbewegung gegen große Wind- und Solarprojekte. Robert Bryce berichtet seit über einem Jahrzehnt über den ländlichen Widerstand gegen Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien im ländlichen Raum der USA und führt seit 2015 die Renewable Rejection Database. Diese Ablehnung durch lokale Gemeinden steht im Widerspruch zu der Hoffnung, dass die 127 Milliarden Dollar, die im Rahmen des IRA für erneuerbare Energien bereitgestellt wurden, zu einem massiven Anstieg neuer Solar- und Windprojekte führen werden. Landnutzungskonflikte behindern seit Jahren das Wachstum von flächenintensiven Projekten für erneuerbare Energien – sowohl in den USA als auch in Europa. Und je mehr Projekte vorgeschlagen werden, desto mehr ländliche Gemeinden erheben Einspruch.

Die frontalste Herausforderung für den Moloch des Klimaindustriekomplexes in den USA ist jedoch der Vorstoß der Generalstaatsanwälte der republikanischen Bundesstaaten gegen die Einführung von ESG-Investitionsstrategien (Environmental, Social and Governance) durch den Unternehmenssektor. Im Januar veröffentlichten einundzwanzig Generalstaatsanwälte ein Schreiben an die beiden größten Beratungsunternehmen für Stimmrechtsvertreter, Institutional Shareholder Services (ISS) und Glass, Lewis & Company, die den US-Markt für die Beratung von Stimmrechtsvertretern in den USA beherrschen. Sie haben großen Einfluss darauf, wie institutionelle Aktionäre im ganzen Land über Unternehmensbeschlüsse abstimmen. In dem Schreiben warnen die Generalstaatsanwälte vor möglichen Verstößen gegen die Treuepflicht und das Kartellrecht. Die Stimmrechtsberater könnten gegen ihre gesetzlichen und vertraglichen Pflichten gegenüber ihren Kunden verstoßen haben, indem sie fossile Brennstoffe diskriminierten und sich bei dieser sektorbezogenen Diskriminierung untereinander absprachen.

Angesichts potenzieller Rechtsstreitigkeiten aus Gründen der Treuepflicht und des Kartellrechts sind mächtige ESG-Treiber, die Verhaltensänderungen im Unternehmenssektor erzwingen, wie Larry Fink, CEO von BlackRockBLK (-1,2 %), inzwischen etwas milder geworden. Als selbsternannter Prophet der Geschäftswelt hatte er in seinem Brief an die CEOs im Jahr 2020 implizit vor seinem Votum gegen Unternehmensvorstände und Führungskräfte gewarnt, die nicht gewissenhaft über „Pläne zur Erreichung von Netto-Null bis 2050“ berichten. Als Chef des weltgrößten Investmentfonds mit einem verwalteten Vermögen von 8,5 Billionen Dollar räumt er nun bescheiden ein, dass „es Sache der Regierungen ist, Politik zu machen und Gesetze zu erlassen, und nicht der Unternehmen, einschließlich der Vermögensverwalter, die Umweltpolizei zu spielen“.

Nach dem ESG-Rückschlag in den USA haben nun mindestens sieben Mitglieder (darunter fünf der acht Gründungsunterzeichner) der vom UN-Klimabeauftragten Mark Carney ins Leben gerufenen Net-Zero Insurance Alliance die Gruppe verlassen. Die größten europäischen Versicherer wie AXA, Allianz, Swiss Re, Munich Re, Zurich Insurance und Hannover verließen die Gruppe unter Androhung eines Kartellverfahrens. Im September drohten große Wall Street-Banken, die ebenfalls von Carney gegründete Net Zero Financial Alliance wegen rechtlicher Risiken zu verlassen. Morgan StanleyMS -1,1 %, JPMorgan und Bank of AmericaBAC -0,6 % gehören zu den führenden Banken, die einen Ausstieg erwägen, da sie befürchten, wegen der strengen Dekarbonisierungs-Verpflichtungen der Allianz verklagt zu werden“. Die grüne Bewegung in den USA zeigt Anzeichen dafür, dass sie ihren Höhepunkt erreicht hat, zumindest im Hinblick auf den Schwung, den ihr Trojanisches Pferd namens ESG erreicht hat [dieser Beitrag steht in deutscher Übersetzung hier].

Entwicklungsländer: Wo stehen sie?

Schon bei den ersten UN-Verhandlungen, die 1992 auf dem „Earth Summit“ in Rio de Janeiro im Rahmen des Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) begannen, vertraten führende Entwicklungsländer wie China, Indien, Brasilien und Südafrika die Position der „Dritten Welt“. Die Entwicklungsländer trugen „gemeinsame, aber differenzierte Verantwortung“. Dies bedeutete, dass die Industrieländer (in erster Linie der Westen, aber auch seine Verbündeten, darunter die Industrieländer Japan und Südkorea) verbindliche Verpflichtungen zur Verringerung der Kohlenstoff-Emissionen um bestimmte Mengen innerhalb eines bestimmten Zeitraums eingingen (die angeblich von der Wissenschaft vorgegeben wurden). Die Entwicklungsländer hatten nicht nur keine verbindlichen politischen Verpflichtungen, sondern sollten auch beträchtliche Unterstützung in Form von „Klimafinanzierung“ erhalten, um die Eindämmung des Klimawandels und die Anpassung daran zu fördern.

Der restliche Beitrag steht hier.

Link: https://wattsupwiththat.com/2023/06/17/peak-green-in-the-west-what-it-means-for-the-east/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE