Maßstäbe für die Klima-Agenda setzen

John Ridgway

Wie die Klimaschutz-Agenda die Welt der ISO-Normen erobert hat.

Früher, als ich dafür zuständig war sicherzustellen, dass meine Kollegen alle relevanten Unternehmensstandards vollständig einhielten, war mein Leben von einem ständigen, zermürbenden Kampf geprägt, andere davon zu überzeugen, die Liebe zum Detail genauso ernst zu nehmen wie ich. Oft genug führte dies zu verärgerten Vorwürfen der Pedanterie, aber manchmal kam es wirklich auf die Details an. Nehmen wir zum Beispiel die Zeit, als ich entdeckte, dass mein Chef es für akzeptabel hielt, dass der Gang zur Feuertreppe durch vierzig Kartons mit leicht entflammbaren Archivunterlagen versperrt war. In meiner Rolle als Gesundheits- und Sicherheitsbeauftragter erkannte ich schnell das Risiko, das dieses kleine Detail darstellte. Verständlicherweise war ich daher bestrebt sicherzustellen, dass es in der neuesten Risikobewertung für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz enthalten war, die ich meinem obersten Chef vorlegte. Als er den Bericht jedoch entgegennahm, schien er wenig beeindruckt. „Vielen Dank“, antwortete er in einem Ton, der jeglicher Aufrichtigkeit entbehrte, „denn jetzt, wo Sie das zu Papier gebracht haben, muss ich etwas dagegen unternehmen!“ Endlich Erfolg, dachte ich – aber nur so lange, bis ich feststellte, dass es für einen Geschäftsführer tatsächlich viel einfacher ist, seinen Arbeitsschutzbeauftragten zu entlassen, als vierzig Kartons mit archivierten Unterlagen zu entfernen.

Ich habe Ihnen das nicht erzählt, um Ihr Mitgefühl zu gewinnen (obwohl ich mich nicht beschweren würde, wenn es mir entgegengebracht würde). Ich habe es vielmehr getan, um einen wichtigen Punkt anzusprechen, bevor ich darauf eingehe, wie die Sorge um den Klimawandel die Welt der Unternehmensstandards erfasst hat. Das Problem ist, dass solche Standards und die ihnen zugrunde liegenden Sensibilitäten bestenfalls einen schwachen Einfluss auf die Gedanken und Handlungen eines durchschnittlichen, selbstgemachten Industriekapitäns haben. Aber das wird den bürokratischen Moloch dennoch nicht aufhalten.

Nehmen wir zum Beispiel die ISO 14001, den „Goldstandard“ für Umweltmanagementsysteme in Unternehmen. Es waren nicht das plötzliche Interesse meines Chefs an Nachhaltigkeit und das Umweltbewusstsein des Unternehmens, die dazu führten, dass mein Unternehmen die ISO 14001-Zertifizierung erhielt. Vielmehr war es meine eigene Erkenntnis, dass unser Hauptkunde, die britische Regierung vorhatte, eine Anforderung einzuführen, wonach jeder Lieferant oder Subunternehmer aus der Privatwirtschaft über eine solche Zertifizierung verfügen musste, wenn er sich um künftige Regierungsaufträge bewerben wollte. Der „Alpha-Gorilla“ musste keinen einzigen kostbaren Moment seiner Zeit opfern, um dieses Problem anzugehen, denn man konnte sich darauf verlassen, dass ich es erkannte und mich darum kümmerte, so dass er sich wichtigeren Problemen widmen konnte, wie zum Beispiel der Frage, wie man das einmal etablierte Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 umgehen könnte. Und solche Dinge haben die Angewohnheit, nach unten durchzusickern. Die Regierung bestand darauf, dass unsere eigenen Unterauftragsvereinbarungen die gleichen vertraglichen Anforderungen enthalten sollten, und so konnte das Elend, ein Corporate-Governance-Gedöns aufzubauen, das eigentlich niemand will, bis ganz nach unten in die Lieferkette weitergegeben werden.

Wie dem auch sei, mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass das Leben für den durchschnittlichen, verantwortungslosen Manager, noch schwieriger geworden ist, der es vorzieht, die kleinen Details der Umsetzung staatlicher Vorgaben zum Umweltmanagement und zur Eindämmung des Klimawandels seinen Untergebenen zu überlassen. Und das alles nur wegen der Aktivitäten eines relativ unbekannten Beamten aus Rotherham.

Neulich habe ich mich gefragt, wer wohl der berühmteste Nigel Croft der Welt ist (ja, seit ich im Ruhestand bin, habe ich wirklich unglaublich viel Zeit). Also habe ich nachgeschlagen und herausgefunden, dass Nigel Howard Croft ehemaliger Vorsitzender der Gemeinsamen Technischen Koordinierungsgruppe der ISO für Managementsystemnormen ist. Während seiner Amtszeit leitete er die Umsetzung der ISO-Londoner Erklärung zum Klimaschutz. Insbesondere war Nigel maßgeblich an der Einführung des ISO-Leitfadens 84:2020 beteiligt, einem Leitfaden, der für diejenigen verfasst wurde, die mit der Ausarbeitung von ISO-Normen betraut sind. Es stellt sich heraus, dass Personen, die solche Normen verfassen, bestimmte Erwartungen erfüllen müssen, darunter auch die Gewährleistung, dass der Klimawandel angemessen berücksichtigt wird. Mit den Worten der Londoner Erklärung:

Der ISO-Leitfaden 84 unterstützt Normungsgremien dabei, Klimabelange in jeder Phase zu berücksichtigen – von der Planung über die Ausarbeitung bis hin zur Aktualisierung. Er bietet Instrumente zur Bewertung von Klimaauswirkungen und stellt sicher, dass Normen zur Emissionsminderung und zur Stärkung der Klimaresilienz beitragen. Durch die Förderung von Ressourceneffizienz, kohlenstoffarmen Lösungen und langfristiger Klimaanpassung unterstützt der Leitfaden 84 die Entwicklung von Normen, die ein nachhaltiges und klimaresilientes Wachstum vorantreiben.

Ich lasse euch das jetzt erst einmal einen Moment auf euch wirken.

Okay, die Zeit ist um. Das bedeutet, dass nicht nur die Umweltnormen, sondern jede ISO-Norm zu einem potenziellen Instrument wird, um Organisationen dazu zu zwingen, sich dem riesigen Projekt des Klimaschutzes anzuschließen. Um es mit den Worten von Guide 84 zu sagen:

Dieses Dokument richtet sich an Entwickler von ISO-Normen und anderen Dokumenten und soll dazu anregen, Bestimmungen zur Berücksichtigung der Auswirkungen, Risiken und Chancen des Klimawandels in Normen aufzunehmen. Es verfolgt folgende Ziele:

— Normungsgremien in die Lage zu versetzen, zu entscheiden, ob die betreffende Norm Aspekte, Probleme, Auswirkungen, Risiken und/oder Chancen im Zusammenhang mit dem Klimawandel berücksichtigen sollte;

— den Normungsgremien einen systematischen Ansatz an die Hand zu geben, um die Auswirkungen, Risiken und Chancen des Klimawandels auf kohärente und einheitliche Weise zu berücksichtigen – sowohl bei neuen als auch bei überarbeiteten Normen – und zwar in einer Weise, die dem Ziel und dem Anwendungsbereich der zu erarbeitenden Norm entspricht;

— soweit praktikabel, die Kohärenz und Kompatibilität zwischen Normen zu fördern, die sich direkt oder indirekt mit dem Klimawandel befassen, sowie deren breitere Anwendung zur Unterstützung der Nachhaltigkeit.

Das bedeutet natürlich nicht, dass alle ISO-Normen zwingend eine Klausel enthalten müssen, die sich mit dem Klimawandel befasst, aber es bedeutet, dass die Verfasser dieser Normen ernsthaft darüber nachdenken sollten. Wie Sie gerade gelesen haben, sollte diese Leitlinie zudem nicht nur für noch zu erarbeitende Normen gelten, sondern auch für bereits bestehende.

Ich beschloss, dies auf die Probe zu stellen, indem ich einen alten Bekannten von mir heranzog: ISO 9001. Zu meiner Zeit ging es dabei nur um Qualitätsmanagement und hatte nichts mit dem Klimawandel zu tun. Doch Folgendes stand in einer Änderung aus dem Jahr 2024:

Abschnitt 4.1

Am Ende des Unterabschnitts ist folgender Satz hinzuzufügen:

Die Organisation hat festzustellen, ob der Klimawandel ein relevantes Thema ist.

Abschnitt 4.2

Am Ende des Unterabschnitts ist folgende Anmerkung hinzuzufügen:

ANMERKUNG: Relevante interessierte Kreise können Anforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel haben.

ISO 9001 hat also nicht nur auf die Forderung des Leitfadens 84 reagiert, sich für den Klimaschutz einzusetzen, sondern hat diese Verpflichtung auch an die Zertifikate-Inhaber weitergegeben.

Da die ISO 9001-Zertifizierung weit verbreitet ist, dürfte es nicht allzu viele Organisationen geben, die davon ausgeschlossen bleiben. Aber ISO 9001 ist auch recht allgemein gehalten, und es stimmt tatsächlich, dass relevante Interessengruppen Qualitätsanforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel haben können. Doch wie sieht es mit anderen ISO-Normen aus? Cybersicherheit ist beispielsweise eher ein Nischenthema. Sicherlich kann ISO 27001 – die Norm für Informationssicherheits-Managementsysteme – unmöglich eine Anforderung enthalten, die den Klimawandel abdeckt, oder?

Falsch! Auch hier gibt es wieder eine eigene Änderung der ISO 27001 für 2024, die genau die gleichen Klauseln vorschreibt. Und was ist mit Gesundheit und Sicherheit? Die entsprechende Norm ist die ISO 45001 – und ratet mal, was passiert. Ich könnte noch weitermachen.

Der ISO-Leitfaden 84:2020 scheint also tatsächlich das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Ich bin mir sicher, dass Nigel ein wirklich netter Kerl und ein echter Profi ist. Es ist nur so, dass er auch der Bürokrat unter den Bürokraten war; was leider bedeutet, dass er, als er vom Klimawandel-Virus befallen worden war, zu einem Superspreader wurde.

Das erinnert mich daran, wie die britische „Education and Training Foundation“ (ETF) die übergreifenden Berufsstandards für den Weiterbildungssektor „aktualisiert“ hat und von Pädagogen verlangt, nachhaltige Praktiken vorzuleben und die für ihr Fachgebiet relevanten Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung zu fördern. Und glauben Sie mir, sie erwarten tatsächlich, dass jedes Fachgebiet die perfekte Gelegenheit bietet, die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung zu fördern. Mathematik, Zahnmedizin, Geschichte, Medienwissenschaften – wählen Sie ein beliebiges Fach, und Sie haben sofortigen Zugang zu Ressourcen, die es Ihnen ermöglichen, Ihr Fachgebiet in die perfekte Plattform für die Förderung der Klimaschutz-Agenda zu verwandeln.

Mir scheint also, dass der Drang, sich über die Auswirkungen des Klimawandels Sorgen zu machen, mittlerweile so fest institutionalisiert ist, dass es kaum noch ein Fachgebiet gibt, das nicht für diesen Zweck vereinnahmt werden kann. Das beginnt bereits im Bildungssystem und setzt sich am Arbeitsplatz fort. Und damit alle auf dem gleichen Stand sind, gibt es stets Standards und Richtlinien, die sicherstellen, dass die eigenen Bedenken der offiziellen Lesart entsprechen.

Ich bin einfach so froh, dass ich mittlerweile viel zu alt bin, um mich mit all dem aus erster Hand auseinandersetzen zu müssen. Ich bin glücklich im Ruhestand, und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht mit dem exquisiten Vergnügen aufwache zu wissen, dass ich nicht zur Arbeit gehen muss und dass mein Tag stattdessen mit nichts anderem als müßiger Neugier und der Suche nach anderen einflussreichen Nigels gefüllt sein kann.

Link: https://cliscep.com/2026/06/12/setting-the-standard-for-climate-concern/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Im Kohlenstoffbudget fehlen einige Zahlen

Cap Allon

In einer neuen Studie des Geowissenschaftlers Istvan Janos Kovacs heißt es, dass die geologischen CO₂-Emissionen aus Regionen innerhalb der Platten nach wie vor nur unzureichend quantifiziert sind. Dabei handelt es sich um Regionen, die weit entfernt von aktiven Vulkanen und Plattengrenzen liegen.

Genau das ist der springende Punkt.

Die moderne Kohlenstoffbilanzierung konzentriert sich auf vulkanisches CO₂ und nutzt diese geringen Zahlen, um die umfassendere geologische Frage auszublenden. Dies lässt jedoch diffuses, tektonisches und aus dem tiefen Mantel stammendes CO₂ außer Acht, das durch kontinentale Regionen außerhalb von Vulkanbögen entweicht.

Die Studie verweist auf das Pannonische Becken, wo aus dem Mantel stammendes CO₂ durch Deformationszonen und Extensionsstrukturen aufsteigt, ohne dass dort aktiver Vulkanismus herrscht. Die geschätzten Flüsse überschneiden sich mit ruhenden Vulkansystemen.

Graphik: CO₂ aus der Tiefe benötigt keinen ausbrechenden Vulkan, um an die Oberfläche zu gelangen. Verwerfungen, Deformationszonen und alte Plattenstrukturen können Wege aus mantelgebundenen Reservoirs in die Kruste bilden.

Die Erde braucht keinen ausbrechenden Vulkan, um geologisches CO₂ freizusetzen.

Verwerfungszonen, Mantelfluide, Reaktionen in der unteren Kruste und CO₂-reiche lithosphärische Reservoirs können Kohlenstoff nach oben transportieren. Ein Teil wird eingeschlossen. Ein Teil löst sich auf. Ein Teil wird später freigesetzt.

Aktuellen Klima-Kohlenstoff-Modellen fehlen robuste Parameter für diese Quellen.

Das ist die fehlende Größe.

Der Öffentlichkeit wird gesagt, das Kohlenstoffbudget sei präzise genug, um Energiebeschränkungen, Steuern, Verbote und wirtschaftliche Umstrukturierungen zu rechtfertigen. Doch ein messbarer natürlicher geologischer Input ist nach wie vor schlecht erfasst und fehlt weitgehend in den Modellen.

Kohlenstoffreservoirs in tiefen Erdschichten, Mantelfluide und langfristige Entgasungsprozesse werden noch immer kartiert.

Den Kohlenstoffkreislauf als geklärt zu bezeichnen, während diese Prozesse nur unzureichend quantifiziert sind, ist ein Witz.

Link: https://electroverse.substack.com/p/june-snow-returns-to-the-alps-oregons?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email (Zahlschranke)

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Hier kommt der Super-Mega-Ultimate-Hyper-Giga-Godzilla-El-Niño

Charles Rotter

Die Schlagzeilenmacher waren sehr fleißig. Ein Blick auf die Klimapresse des vergangenen Monats zeigt ohne eine bestimmte Reihenfolge [alle Schlagzeilen übersetzt]:

„Atmosphärischer Alarmzustand: Der Super-El-Niño von 2026 entwickelt sich derzeit zu einer rekordverdächtigen Intensität“ (Severe Weather Europe)

„Der Godzilla‘-El-Niño kommt: Diese Ausprägung hat die Welt noch nie zuvor gesehen“ (Open Magazine)

„Wie eine monströse Hitzewelle im Ozean einen Super-El-Niño anfachen könnte“ (Bulletin of the Atomic Scientists)

„‚Super-El-Niño droht, während La Niña vor dem Höhepunkt der Hurrikansaison 2026 nachlässt“ (Daily Caller)

„Der El Niño von 2026 entwickelt sich ungewöhnlich schnell und könnte mit dem stärksten jemals gemessenen mithalten“ (Down to Earth)

„Ein seltener Super-El-Niño wird immer wahrscheinlicher. Das ist zu erwarten“ (Fortune)

Der aktuelle Zustand des äquatorialen Pazifiks ist nach Angaben derjenigen, deren Aufgabe es ist, den äquatorialen Pazifik zu überwachen, ENSO-neutral. Dies ist die offizielle Einschätzung des NOAA Climate Prediction Center gemäß der jüngsten ENSO-Diagnosediskussion. Die Anomalien der Meerestemperatur liegen stellenweise über dem Durchschnitt, doch das gekoppelte Ozean-Atmosphäre-System hat noch nicht umgeschlagen. Der El-Niño-Alarm ist in Kraft. Die nächste monatliche Diskussion ist für morgen, den 11. Juni, angesetzt und könnte die Zahlen verändern – oder auch nicht.

Zwischen den tatsächlichen neutralen Bedingungen im Pazifik und den Schlagzeilen von Godzilla-Ausmaßen ebendort besteht eine Diskrepanz, die einer näheren Betrachtung bedarf.

Eine kurze Chronik des „Klima-Godzilla“

Die Namensgebung für starke El-Niño-Ereignisse folgt den Inflationsgesetzen einer schlecht verwalteten Währung. Wir begannen mit „El Niño“, dem meteorologischen Namen. Dann kam „starker El Niño“ für die größeren Ereignisse. Dann „sehr starker El Niño“. Dann „Super-El Niño“. Dann, für kurze Zeit, „Bruce Lee El Niño“, geprägt von einigen Medien Mitte der 2010er Jahre, bevor der Begriff aus Gründen, die man sich vorstellen kann, stillschweigend wieder in den Ruhestand geschickt wurde. Im Jahr 2015 kamen wir dann bei „Godzilla El Niño“ an, einem Begriff, der einem NASA-Wissenschaftler zugeschrieben wird, von jedem Medienunternehmen auf der Welt aufgegriffen und auf das Ereignis von 2015–16 angewendet worden war.

Der Godzilla von 2015–16 sollte episch werden. Der Pazifik erwärmte sich stark. Die Schlagzeilen taten, was Schlagzeilen eben tun. Kalifornien, das sich damals mitten in einer vierjährigen Dürre befand, wurde Erleichterung versprochen, die in Form von Winterregen biblischen Ausmaßes kommen sollte, und man sagte dem Land auch, dass dies die neue Normalität sei, dass der El Niño die Erleichterung sei und dass diese Erleichterung zudem katastrophal sein würde. Das war das Genre.

Was danach geschah, ist der Erinnerung wert. Das Ereignis von 2015/16 erreichte nach den traditionellen Messungen des Oceanic Niño Index nahezu Rekordwerte, führte zu einer moderaten atmosphärischen Kopplung, hatte in Kalifornien nur geringe Auswirkungen (etwas Regen, nicht genug, um die Dürre zu beenden) und trug zu einem Rekord-Wärmejahr bei, das in den Langzeitaufzeichnungen nicht vom bestehenden Erwärmungstrend zu unterscheiden war. Im Juni 2016 erklärte Mike Halpert von der NOAA Godzilla offiziell für tot: Es ist nichts mehr übrig. Steckt eine Gabel rein, es ist vorbei.

Das war Godzilla 1, oder Godzilla 3, wenn man das Ereignis von 1997–98 als Godzilla 0 und das von 1982–83 als Proto-Godzilla zählt. Die Reihe wurde regelmäßig neu aufgelegt. Wir sind jetzt bei Godzilla 2026 angelangt, der derzeit für den Kinostart vorbereitet wird.

Was die NOAA tatsächlich sagt

Die aktuelle ENSO-Diagnosediskussion ist hilfreich, um die meteorologischen Fakten von den Medienberichten zu unterscheiden. Die Diskussion vom Mai 2026 bestätigt, dass ein El Niño wahrscheinlich eintreten wird: mit einer Wahrscheinlichkeit von 82 % im Zeitraum Mai bis Juli und von 96 % für den Winter von Dezember 2026 bis Februar 2027. Dieser Teil findet sich in fast jedem Pressebericht.

Was in fast keinem der Presseberichte steht, ist der nächste Absatz. Die NOAA stellt fest, dass die Zuversicht hinsichtlich des Auftretens von El Niño gestiegen ist, fügt jedoch einen Satz hinzu, den die Presse lesen sollte:

Es besteht nach wie vor erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der maximalen Stärke von El Niño, wobei keine Stärkeeinstufung eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 37 % aufweist.

Lesen Sie das noch einmal, denn die Presse hat es nicht getan. Die NOAA sagt: Wir sind ziemlich sicher, dass sich ein gewisser El Niño entwickeln wird. Wir sind uns jedoch nicht sicher, wie stark er ausfallen wird. Keine Stärke-Kategorie – weder schwach, noch mäßig, noch stark, noch sehr stark – hat eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 37 %. Das ist keine Vorhersage für einen Godzilla. Das ist eine Vorhersage, die besagt: „Wir werden ein El Niño-Phänomen haben, und wir werden euch sagen, wie stark es ist, sobald wir es wissen.“

Das Climate Prediction Center merkt zudem trocken an, dass stärkere El-Niño-Ereignisse keine starken Auswirkungen garantieren. Sie sorgen lediglich für die Bedingungen, unter denen starke Auswirkungen entstehen können. Ob die Atmosphäre tatsächlich so mit der warmen Anomalie in Wechselwirkung tritt, dass sich echte Wetterauswirkungen in den nachgelagerten Regionen ergeben, hängt von einer Reihe separater sommerlicher Dynamik ab, die sich noch nicht entfaltet hat. Der „Godzilla“ von 2015–16 erreichte einen fast rekordverdächtigen Höchstwert bei der Meerestemperatur-Anomalie, führte aber zu einer atmosphärischen Kopplung, die rückblickend betrachtet durchschnittlich war.

Die Frühjahrs-Hürde der Vorhersagbarkeit

Es gibt einen triftigen Grund, warum all dies unsicherer ist, als die Schlagzeilen mit ihren Prozentangaben vermuten lassen. Man nennt dies die „Frühjahrs-Vorhersagebarriere“. ENSO-Prognosen, die im späten Frühjahr erstellt werden, weisen systematisch größere Fehler auf als Prognosen, die im Spätsommer oder Herbst erstellt werden. Diese Barriere spiegelt die saisonale Dynamik des äquatorialen Pazifiks wider, der zwischen etwa April und Juni chaotischer ist als zu anderen Jahreszeiten.*

*Einschub des Übersetzers: Aus der Sicht eines Prognostikers mit über 40 Jahren Berufserfahrung ist dies ein höchst interessanter Absatz. Die „Frühjahrs-Vorhersagebarriere“ gab und gibt es nämlich sehr ausgeprägt auch bei uns. Während meiner gesamten Laufbahn war immer wieder auffällig, wie ungenau die Modellsimulationen des Wetters im Frühjahr im Vergleich zu anderen Jahreszeiten war. Aber auch schon vor dem Aufkommenden numerischer Modelle war dieser Effekt zu beobachten: Am Meteorologischen Institut der Freien Universität Berlin wurde seit den 1950er Jahren eine Eintreff-Statistik der Wetterprognose geführt. Der regelrechte Einbruch der Prognosegüte im Frühjahr war auch damals schon deutlich erkennbar.

Über die Ursachen dieses Phänomens kann man nur spekulieren. Ins Gespräch gebracht wurde die Umkehrung des Temperaturgefälles zwischen Festland und Ozean im Frühjahr gebracht. Diese gibt es umgekehrt aber auch im Herbst, ohne dass ein solcher Einbruch der Vorhersagegüte auftrat. – Ende Einschub

Der Höhepunkt des sich entwickelnden El Niño wird im aktuellen Prognosezyklus voraussichtlich erst im November oder Dezember erreicht. Eine verlässliche Prognose für diesen Höhepunkt wird erst im Spätsommer vorliegen. Die „Godzilla“-Schlagzeilen, die im Mai und Anfang Juni zu lesen sind, bewegen sich im ungünstigsten Teil des Vorhersagefensters. Michelle L’Heureux, die das CPC-ENSO-Team leitet, hat darauf in fast jeder der jüngsten Prognoseaktualisierungen hingewiesen. Die Schlagzeilen haben dies jedoch nicht aufgegriffen.

Die stille Herabstufung des Relativen ONI

Noch ein weiterer Aspekt, den die Presse bisher völlig außer Acht gelassen hat. Im Februar 2026 stellte die NOAA offiziell auf den Relative Oceanic Niño Index (RONI) als primären Maßstab für Anomalien im tropischen Pazifik um. Der RONI berechnet die Anomalie des Niño-3.4-Index im Verhältnis zum tropischen Mittelwert und nicht im Vergleich zu einer festen historischen Basislinie.

Diese Änderung ist von Bedeutung. Der gesamte tropische Ozean hat sich ebenso wie der Rest des Planeten erwärmt. Vergleicht man Niño 3.4 mit einer festen Referenzperiode von 1991 bis 2020, ergibt sich eine größere Abweichung als beim Vergleich mit einer ebenfalls erwärmten tropischen Referenzperiode. Die relative Abweichung ist es, die tatsächlich die Kopplung mit der Atmosphäre und die daraus resultierenden Wetterauswirkungen antreibt. Die feste Abweichung ist die Schlagzeilenzahl, die es einem Autor ermöglicht, von „der höchsten jemals gemessenen Temperatur“ zu sprechen.

Durch die Umstellung auf RONI hat die NOAA stillschweigend die scheinbare Stärke der jüngsten El-Niño-Ereignisse im Vergleich zu den Zahlen mit fester Basislinie heruntergestuft, die Journalisten nach wie vor verwenden. Die in der Presse genannten ONI-Werte über 3 sind die Anomalien nach alter Methode mit fester Basislinie. Die relativen Anomalien, auf die die Meteorologie tatsächlich reagiert, sind geringer. Fast niemand außerhalb der Behörde hat seine Artikel aktualisiert.

Aufbauschende Adjektive

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass die Liste der Begriffe, mit denen die Klimapresse den noch nicht ganz eingetretenen El Niño von 2026 in diesem Jahr bisher beschrieben hat, Folgendes umfasst:

Super. Mega. Monster. Godzilla. Code Red. Looming. Historic. Record-breaking. Unprecedented. Rapid-fire. Catastrophic. Dangerous. Cataclysmic. Apocalyptic. Devastating. Dramatic. Atmospheric. Coming. Imminent. Building. Brewing. Threatening.

Diese Liste ist absichtlich unübersetzt gelassen! A. d. Übers.

Der Artikel in „Down to Earth“ geht noch einen Schritt weiter und vergleicht das für 2026 prognostizierte El-Niño-Ereignis mit dem Superereignis von 1876–78, wobei er hilfreich anmerkt, dass das Ereignis von 1876 „einer der Hauptgründe für eine weltweite Hungersnot war, der rund 50 Millionen Menschen zum Opfer fielen“. Dies ist die Art von Vergleich, die eine Prognose in den richtigen Kontext stellt. Der Kontext ist, dass ein Subsistenz-Agrarsystem der viktorianischen Ära ohne moderne Bewässerung, Transportmöglichkeiten, Kühltechnik, Wettervorhersagen oder internationale Lebensmittelmärkte mit extremen Wetterbedingungen zu kämpfen hatte. Die Schlussfolgerung für das Jahr 2026, in dem all diese Dinge vorhanden sind, bleibt dem Leser überlassen.

Bis Godzilla 2030 werden wir neue Adjektive brauchen. Darf ich vorschlagen: Hyper-Saiyan-El-Niño. El-Niño-Endform. El-Niño-Director’s-Cut-Erweiterte-Ausgabe. Das Multiversum von El Niño. El-Niño-Endspiel. El-Niño-Beginn.

The Daily Caller informierte seine Leser diese Woche, dass dem La-Niña-Muster „die Puste ausgeht“, was ein Terminus ist, das der AP Style Guide nicht kennt, aber wahrscheinlich kennen sollte. La Niña schwindet. La Niña verblasst. La Niña geht sanft in jene gute Nacht. Der Pazifik wurde zu einem Haushaltsgerät vermenschlicht. Uns geht es als Zivilisation ganz gut.

Worum es wirklich geht

Es wird wahrscheinlich zu einem El Niño kommen. Er wird sich wahrscheinlich in den nächsten Monaten entwickeln. Er wird wahrscheinlich Ende 2026 oder Anfang 2027 seinen Höhepunkt erreichen. Er könnte stark ausfallen. Er könnte moderat ausfallen. Er könnte im Sande verlaufen. Die NOAA, also die Behörde, welche die offizielle Vorhersage erstellt, hat keine Stärke-Kategorie mit einer Wahrscheinlichkeit von über 37 % angegeben. Die Presse berichtet vor allem von der rund 30-prozentigen Wahrscheinlichkeit, dass es ein beispielloses Ereignis wird, während sie die rund 60-prozentige Wahrscheinlichkeit verschweigt, dass es unauffällig verlaufen wird.

Der „Godzilla“ von 2015–16 sollte beispiellos sein. Er führte zu einer überdurchschnittlich starken Saison, keinem Zusammenbruch der Zivilisation und einem Ende der Reihe, die etwa drei Jahre dauerte, bevor es zum nächsten Neustart kam. Das Ereignis von 1997–98 davor verlief ähnlich. Der Medienzyklus war bei beiden identisch mit dem, den wir jetzt erleben: Die Schlagzeilen führten mit den Worst-Case-Szenarien, die tatsächlichen Ereignisse waren bemerkenswert, aber beherrschbar, und der nächste Zyklus begann, als sich der Pazifik das nächste Mal erwärmte.

Ich bin froh, wenn ich mich irre und sich 2026–27 als der schlimmste El Niño aller Zeiten herausstellt. Die ehrliche Antwort lautet, dass es noch niemand weiß, und die Leute, die am besten darüber Bescheid wissen, sagen das auch ganz offen. Die NOAA selbst spricht von 37 %. Die Presse verkauft 90 %.

„Godzilla 2026“ läuft gerade in den Kinos. Im November werden wir sehen, ob die Filmreihe eine weitere Fortsetzung gebraucht hat.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/06/10/here-comes-the-super-mega-ultimate-hyper-giga-godzilla-el-nino/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Eine statistische Auswertung des Gejammers von Klimawissenschaftlern als politische Aktivisten

Charles Rotter

Ein Ende Mai in „Environmental Communication“ veröffentlichter Artikel stellt ein sogenanntes „zweidimensionales Rahmenkonzept“ vor, mit dem analysiert werden soll, wie Klimawissenschaftler den öffentlichen Raum erleben. Hauptautor ist Victor Avramov vom Athena-Institut der VU Universität Amsterdam. Die Mitautoren sind an der Universität Amsterdam und am Rathenau-Institut in Den Haag tätig. Die Arbeit wurde vom niederländischen Forschungsrat im Rahmen der Dutch Science Agenda unter der Aktennummer NWA.1397.21223.014 finanziert und von den niederländischen Steuerzahlern bezahlt.

ABSTRACT

Klimaforscher werden zunehmend in eine polarisierte öffentliche Debatte hineingezogen, was die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft auf die Probe stellt. In dieser Studie haben wir 35 Klimaforscher – aus unterschiedlichen Fachbereichen und mit unterschiedlichem Dienstalter –, die in den Niederlanden tätig sind, zu ihren Vorstellungen von und Erfahrungen mit der Öffentlichkeitsarbeit befragt. Auf der Grundlage unseres empirischen Materials entwickeln wir einen analytischen Rahmen mit einer Achse aus Politisierung und Partizipation, auf der wir ihre Aussagen verorten. Indem sie ihre öffentlichen Aktivitäten entlang dieser Dimensionen abgrenzen, heben die Klimawissenschaftler Bedenken hinsichtlich wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit, politischer Wirksamkeit, normativer Verantwortung und individueller Kapazitäten hervor. Zwar besteht ein klarer Gegensatz zwischen denjenigen, die sich für strenge Klimapolitik einsetzen oder Fehlinformationen bekämpfen müssen, und denjenigen, die glauben, ihre Hauptaufgabe bestehe darin, fundiertes Wissen bereitzustellen und normative Entscheidungen Aktivisten oder Politikern zu überlassen, doch arbeiten nur wenige Wissenschaftler mit Interessengruppen zusammen. Wir argumentieren, dass es eine Lösung für den Konflikt zwischen Wissenschaft und Politik bieten könnte, wenn man verschiedene Interessengruppen zu Wort kommen lässt und sie an der Wissensproduktion beteiligt.

Die Stichprobengröße beträgt fünfunddreißig. Die Stichprobe besteht aus fünfunddreißig Klimaforschern aus den Niederlanden. Das statistische Verfahren besteht darin, sie fünfzig bis neunzig Minuten lang zu befragen, die Interviews zu transkribieren, die Transkripte induktiv zu kodieren und die daraus resultierenden Codes anschließend in einem zweidimensionalen Diagramm darzustellen. Die Achsen sind mit „Politisierung“ (sic, durchgehend) und „Partizipation“ beschriftet. Die Achsen haben keine Einheiten. Das Diagramm enthält keine Datenpunkte und keine Skala, sondern nur vier sanft gefärbte Flecken unterschiedlicher Größe mit den Bezeichnungen „Abgrenzung“, „Wirkungsstreben“, „Aktivismus“ und „Mitgestaltung“. Die größeren Flecken stehen für eine größere Anzahl von Befragten, die in etwa Ähnliches gesagt haben. Die Platzierung der Flecken innerhalb ihrer Quadranten wird durch die Entscheidung der Autoren bestimmt, dass die Flecken dort hingehören.

So sieht sozialwissenschaftliche Forschung im Jahr 2026 aus.

Was die 35 Befragten zu sagen haben

Die den größten Teil des Artikels ausmachenden Interviewzitate verdienen es, ausführlich gelesen zu werden. Die Darstellung ist weniger aufschlussreich als die Zitate selbst.

Hier erklärt der Befragte P23, warum wissenschaftliche Neutralität möglicherweise überbewertet wird:

Ich bin nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Bürger, und ich habe eine Heidenangst vor dem, was gerade geschieht. Warum sollte es mir nicht gestattet sein, mich dazu zu äußern, und warum sollte es meiner Glaubwürdigkeit schaden, wenn es doch gerade die Wissenschaft ist, die mir hilft zu verstehen, was vor sich geht?

Der Artikel geht nicht darauf ein, ob „Angst im Nacken“ eine solide Grundlage für professionelles Verhalten ist. Der Artikel ordnet P23 in den oberen linken Quadranten ein, der mit „Aktivismus“ beschriftet ist. Dies wird als legitime Rolle für einen Wissenschaftler dargestellt.

Hier ist der Befragte P28, ein Professor für Geowissenschaften, der die Wirksamkeit formeller wissenschaftlicher Beratung für die Europäische Union mit der Wirksamkeit von Straßenprotesten vergleicht:

Ich werde bald nach Brüssel reisen, um mit der EU zu sprechen. Vielleicht rede ich ins Leere … aber manchmal bezweifle ich die Wirksamkeit dieser Rolle im Vergleich zu dem, was wir erreichen, wenn wir einfach auf die Straße gehen.

Der Artikel wirft nicht die auf der Hand liegende Frage auf, ob ein Wissenschaftler, der zu dem Schluss gekommen ist, dass Straßenproteste wirksamer sind als wissenschaftliche Beratung, im eigentlichen Sinne noch als Wissenschaftler gelten kann. P28 erscheint in „Activism“. P28 liefert mehrere weitere Zitate, die die Autoren aufschlussreich finden.

Hier ist P28 über die Lasten, ein moralisches Vorbild unter den Unerleuchteten zu sein:

Ich fühle mich einigen Kollegen, mit denen ich gut befreundet war, tatsächlich entfremdet, weil sie die Klimakrise nie auf sich selbst, auf ihr eigenes politisches Leben, beziehen wollten.

Der Artikel wertet dies als Beweis für institutionelle Spannungen mit aktivistischen Wissenschaftlern. Diese Spannungen sind real. Eine andere Lesart, die der Artikel nicht berücksichtigt ist, dass die betreffenden Freunde es vielleicht leid waren, belehrt zu werden.

Hier ist P15, im gleichen allgemeinen Bereich der Darstellung, über die Demütigung, als das bezeichnet zu werden, was sie offensichtlich sind. Der Befragte, so berichtet der Artikel, gab zu, sich selbst zensiert zu haben, aus Angst, als Aktivist bezeichnet zu werden. Der Artikel stellt dies als Problem dar. Der abschreckende Effekt einer zutreffenden Bezeichnung hindert den Aktivisten daran, mehr Aktivismus zu betreiben. Die zutreffende Bezeichnung ist das Problem. Der Aktivismus ist die Datenlage.

Die Graphik

Das methodische Kernstück bildet Abbildung 1, ein zweidimensionales Schema, in dem die vier Cluster der Interviewaussagen anhand ihres relativen Grades an Politisierung und Partizipation dargestellt sind. Die Achsen sind nicht skaliert. Die Punkte sind nicht koordiniert. Die Platzierung der Punkte in den jeweiligen Quadranten wurde von den Autoren gemeinsam festgelegt. Die Bildunterschrift weist darauf hin, dass eine höhere Farbdichte eine höhere Häufigkeit darstellt, was dem Diagramm seine einzige quantitative Dimension verleiht: wie oft die Befragten Aussagen machten, die in die einzelnen Cluster fielen, wie durch die Codierungsentscheidungen der Autoren festgelegt.

Abbildung 1. Zweidimensionales Rahmenkonzept, das durch die induktive Analyse des Engagements von 35 Klimawandelforschern im öffentlichen Raum gewonnen worden ist. Die Cluster stellen Aussagen aus den Interviews dar, die entsprechend dem Ausmaß grafisch dargestellt wurden, in dem sie auf politisierende und/oder partizipative Erfahrungen sowie auf Rollenwahrnehmungen im öffentlichen Raum hindeuten. Eine höhere Farbdichte steht für eine höhere Häufigkeit.Das Diagramm verfügt über Achsen. Die Achsen sind beschriftet. Das Diagramm enthält Cluster. Die Cluster haben bestimmte Positionen. Das Diagramm verfügt über eine farbcodierte Legende.

Das Diagramm verfügt über Achsen. Die Achsen sind beschriftet. Das Diagramm enthält Cluster. Die Cluster haben bestimmte Positionen. Das Diagramm verfügt über eine farbcodierte Legende. Dies macht das Diagramm in dem Sinne wissenschaftlich, dass es wie Wissenschaft gestaltet ist.

Bei genauerer Betrachtung zeigt die Grafik dem Leser, dass von fünfunddreißig Interviews die größte Gruppe von Aussagen in den oberen linken Quadranten fiel, der als „Aktivismus“ bezeichnet ist. Die zweitgrößte Gruppe fiel in den mittleren Bereich, der als „Wirkungsorientierung“ bezeichnet ist. Eine kleinere Gruppe erscheint auf der rechten Seite, bezeichnet als „Mitgestaltung“. Ein schmaler Streifen erscheint unten links, bezeichnet als „Abgrenzung“. „Abgrenzung“ ist die Position von Wissenschaftlern, die glauben, dass es ihre Aufgabe ist, Wissenschaft zu betreiben und die Politik den Politikern sowie den Aktivismus den Aktivisten zu überlassen.

Die Studie behandelt diesen schmalen Streifen als die zu überwindende Grundlinie. Der Aktivismus-Block oben links wird als eine reifere und weiter entwickelte Position dargestellt. Der Co-Creation-Block auf der rechten Seite ist die Position, welche die Studie letztendlich empfiehlt.

Wohin das führt

Die Diskussion kommt zu dem Schluss, dass der Ausweg aus dem „Gefangensein zwischen Wissenschaft und Politik“ in der Partizipation liegt. Konkret geht es um Bürgerversammlungen, in denen Wissenschaftler und Bürger gemeinsam über Klimaforschung beraten. Der abschließende Absatz verrät aufschlussreich:

In einem aktuellen Forschungsprojekt untersuchen wir das Potenzial der demokratischen Innovation von Bürgerversammlungen im Bereich der Wissenschaftskommunikation.

Der Artikel, der den Würgegriff diagnostiziert und Bürgerversammlungen als Heilmittel verschreibt, wurde von Personen verfasst, die für die Erforschung von Bürgerversammlungen finanziert werden. Die Diagnose passt wie angegossen zum Rezept. Der niederländische Steuerzahler bezahlt für beides.

Die Diskussion preist zudem intellektuelle Bescheidenheit und die Rolle als ehrlicher Vermittler von Wissen und stellt fest, dass Wissenschaftlern, die Bürgerversammlungen leiten, Neutralität zugetraut werden muss. Unter den im Rahmenmodell dargestellten 35 Befragten findet sich im Quadranten „Abgrenzung“ fast niemand, dem man glaubhaft Neutralität zutrauen könnte. Die neutralen Wissenschaftler bilden nach den Daten der Studie selbst eine kleine Randgruppe. Die Aktivisten und die Befürworter der Bürgerbeteiligung machen den Großteil aus. Die in der Studie empfohlene Lösung für das Vertrauensproblem besteht darin, dass diese Aktivisten und Befürworter der Bürgerbeteiligung die Bürgerversammlungen leiten sollten, in denen man ihnen Neutralität zutraut.

Ein Hinweis zum weiteren Kontext

Hinter diesem methodischen Theater verbirgt sich ein ernstzunehmender Punkt. Die 35 Befragten repräsentieren einen Berufsstand, der in den letzten fünfzehn Jahren seine öffentliche Glaubwürdigkeit darauf aufgebaut hat, Wissenschaftler zu sein. Diese Glaubwürdigkeit wurde für Szenarien zugesichert, die inzwischen offiziell ad acta gelegt worden sind (siehe unsere ausführliche Berichterstattung vom letzten Jahr über das Ende von SSP5-8.5 und SSP3-7.0), für darauf aufbauende Zuordnungsbehauptungen sowie für ein politisches Programm, das die Gewissheit der Wissenschaft stets überbewertet hat. Das Vertrauen der Öffentlichkeit hat sich entsprechend verlagert. Die 35 Befragten des Artikels sind Teil des Systems, das diese Verlagerung hervorgebracht hat, und haben dies bemerkt.

Die Avramov-Studie ist das Ergebnis dessen, was passiert, wenn die Menschen innerhalb dieses Systems sich umschauen, feststellen, dass die Dinge aus dem Ruder gelaufen sind, und zu dem Schluss kommen, dass das Problem in den Grenzen zwischen Wissenschaft und Politik liegen muss. Nicht im wissenschaftlichen Inhalt. Nicht in der Auswahl der Szenarien. Nicht in der Übereinstimmung veröffentlichter Schlussfolgerungen mit den Förderprioritäten staatlicher Forschungsräte. Nicht in dem seit fünfzehn Jahren bestehenden Muster, Ergebnisse überzubewerten, um bereits bestehende politische Präferenzen zu stützen.

Das Problem, so die Argumentation dieses Artikels, besteht darin, dass die Wissenschaftler nicht ausreichend Aktivismus praktiziert haben.

[Hervorhebung im Original]

Die Lösung besteht in mehr Aktivismus, der unter einem anderen Namen betrieben wird und an dem Bürger beteiligt sind, die durch deliberative Prozesse mit ins Boot geholt wurden. Nach den eigenen Angaben der Zeitung wollen die aktivistischen Wissenschaftler Vertrauen genießen und gleichzeitig politisch sein. Sie wollen neutral sein und gleichzeitig Aktivisten sein. Sie wollen gehört werden und gleichzeitig belehrend auftreten. Sie wollen als Wissenschaftler angesehen werden und gleichzeitig auf die Straße gehen. Sie wollen vom Staat bezahlt werden und ihm gleichzeitig die Wahrheit sagen. Sie stecken, wie der Titel sagt, mitten im Getümmel. Sie haben auch eine Heidenangst. Die Zeitung zeichnet all dies sorgfältig nach.

Die fünfunddreißig Befragten aus den Niederlanden sind nun dokumentiert. Der niederländische Forschungsrat, der für diese Erkenntnisse bezahlt hat, wird vermutlich weitere in Auftrag geben.

Das ist der Förderzyklus, der seine Arbeit tut – und genau dafür war der Förderzyklus schon immer da.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/06/08/a-statistical-evaluation-of-the-whining-of-climate-scientists-as-political-activists/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Erholung aus der Kleinen Eiszeit soll eine „Krise“ sein

Cap Allon

Seit der Kleinen Eiszeit hat sich die Erde erwärmt. Darüber herrscht Einigkeit. Umstritten ist jedoch, warum die heutige Klimadebatte an einem der kältesten Zeitpunkte der letzten Jahrtausende ansetzt und die anschließende Erwärmung dann als Beweis für eine vom Menschen verursachte Klimakrise gewertet wird.

Die Kleine Eiszeit war für das Leben auf der Erde ziemlich traumatisch. Die Gletscher rückten vor. Die Vegetationsperioden verkürzten sich. Die Winter wurden strenger. Das Meereis breitete sich aus. Ernteausfälle traten häufiger auf. Dann wurde es allmählich wieder wärmer – eine Erholung, die heute als „Katastrophe“ verkauft wird.

Der Öffentlichkeit werden steigende globale Temperaturen, steigende Meereswärme, zurückweichende Gletscher, schrumpfendes Eis und steigende CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre präsentiert. Man sagt ihr, dies seien Beweise dafür, dass der Mensch den Anstieg verursacht habe. Doch all dies sind lediglich Anzeichen für eine Erwärmung. Sie beweisen aber nicht, was den Anstieg verursacht hat. Ein Planet, der eine Kälteperiode hinter sich lässt, würde die gleichen allgemeinen Anzeichen zeigen.

Höhere Temperaturen lassen das Eis zurückweichen. Wärmere Ozeane speichern mehr Wärme und halten weniger gelöstes CO₂ zurück, wodurch mehr davon in die Atmosphäre zurück gelangen kann. Geringere Bewölkung in den unteren Schichten, wie sie in modernen Satellitenaufzeichnungen zu sehen ist, lässt mehr kurzwellige Sonnenstrahlung die Oberfläche erreichen und erwärmt Land und Ozeane direkt.

Das sind keine abwegigen Behauptungen. Es handelt sich um die erwarteten/beobachteten Vorgänge eines sich erwärmenden Systems.

Die Ljungqvist-Rekonstruktion von 2010 ist eine Proxy-Rekonstruktion für die außertropische nördliche Hemisphäre. Sie zeigt, dass der Temperaturverlauf im späten Holozän vor der Industrialisierung nicht flach verlief.

Die römische und die mittelalterliche Warmzeit gingen den Kohlekraftwerken voraus. Dazwischen lag das „dunkle Zeitalter“. Darauf folgte die Kleine Eiszeit. Das Klima veränderte sich, weil das System ständig in Bewegung ist. Ein Großteil der modernen Klimaforschung tut so, als wäre das nicht der Fall.

Natürliche Einflussfaktoren werden so dargestellt, als seien sie mächtig genug, um das Klima im Laufe der Erdgeschichte zu prägen, und plötzlich zu schwach, um eine Rolle zu spielen, sobald industrielle Emissionen ins Spiel kommen. Wolken spielen jedoch nach wie vor eine Rolle, ebenso wie der Austausch mit den Ozeanen und die Sonnenvariabilität. Die Ozeanzirkulation transportiert weiterhin Wärme über den Planeten. Vulkanische Aktivität und interne Variabilität haben 1850 nicht aufgehört.

Die moderne Klimapolitik beginnt die Geschichte in einer Kältespirale, zeichnet den Anstieg nach oben und ignoriert die älteren Warmzeiten.

Die Welt erwärmte sich nach der Kleinen Eiszeit. Na sowas!

Link: https://electroverse.substack.com/p/alaska-cold-refuses-to-quit-atlantic?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email (Zahlschranke)

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE