Entwarnung bzgl. der Preisspitze der sozialen Kosten von Kohlenstoff

Ross McKitrick

In der Fachzeitschrift Nature Scientific Reports habe ich einen neuen Artikel veröffentlicht, in dem ich erneut einige empirische Arbeiten zu den Veränderungen der landwirtschaftlichen Erträge bei einer CO₂-induzierten Klimaerwärmung untersuche. Eine einflussreiche Studie aus dem Jahr 2017 hatte argumentiert, dass die Erwärmung zu großen Verlusten bei den landwirtschaftlichen Erträgen auf globaler Ebene führen würde. Dies spielte eine große Rolle bei der Aufwärtskorrektur der Schätzung der Social Cost of Carbon (SCC) der Biden-Regierung, die als Grundlage für regulatorische Entscheidungen bei der Festlegung von Klimavorschriften in den USA dient. Ich zeige, dass bei der statistischen Modellierung viele Daten nicht berücksichtigt wurden, und wenn sie einbezogen werden, gibt es selbst bei einer Erwärmung um 5 °C keine Hinweise auf Ertragsverluste.

Hintegrund

Im Jahre 2023 kam ein Team von Wirtschaftswissenschaftlern, die für die Biden-Regierung arbeiteten, zu dem Schluss, dass der SCC um einen erheblichen Betrag erhöht werden muss. Je höher der SCC-Wert ist, desto kostspieliger ist die von der Behörde zu rechtfertigende Belastung durch Vorschriften. Dies wirkte sich nicht nur auf die US-amerikanischen Vorschriften aus, sondern auch auf die kanadischen, da das kanadische Umweltministerium die neuen US-Werte übernahm, um eine Reihe von neuen Treibhausgas-Vorschriften zu rechtfertigen. Im Mai 2023 schrieb ich einen Meinungsartikel über die Änderung des SCC, in dem ich auf die wichtige Rolle hinwies, die eine Revision der prognostizierten Schäden für landwirtschaftliche Erträge spielte. Es ist zwar schwer nachzuvollziehen, woher die Änderungen genau kamen, aber ich schätze, dass etwa 50 Dollar des Anstiegs des SCC-Wertes um etwa 100 Dollar im Jahr 2030 (bei konstantem Abzinsungssatz) auf die überarbeiteten Schätzungen der landwirtschaftlichen Ertragsschäden zurückzuführen sind.

Diese Revisionen wurden auf Schätzungen von Ernteertragsverlusten aus einer 2017 in Nature Communications veröffentlichten Studie von Frances Moore et al. mit dem Titel „New science of climate change impacts on agriculture implies higher social cost of carbon“ zurückgeführt. Ich werde diese Studie M17 nennen. Ich war mit dieser vertraut, weil Kevin Dayaratna und ich das untersucht hatten, als wir eine Antwort auf einen Kommentar von Philip Meyer zu einer Studie von uns über die SCC vorbereiteten. Ich wusste zum Beispiel, dass M17 einen Datensatz verwendet, der ursprünglich für eine 2014 in Nature Climate Change veröffentlichte Studie von Andy Challinor et al. mit dem Titel „A meta-analysis of crop yield under climate change and adaptation“ entwickelt worden war. Ich werde diese Arbeit als C14 bezeichnen. C14 und M17 kamen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich der Auswirkungen der CO₂-induzierten Erwärmung auf die Ernteerträge. Im C14-Modell gleicht die CO₂-Düngung den Schaden der Erwärmung aus, während im M17-Modell der kombinierte Effekt für die meisten Nutzpflanzen bei den meisten Erwärmungspfaden negativ ist. Woher kommt also der Unterschied?

Es war nicht möglich, dies durch einfaches Lesen der Studien festzustellen. Keine der beiden Arbeiten enthielt eine detaillierte Erläuterung ihrer Regressionsanalyse. Insbesondere M17 gab weder seine Regressionsergebnisse an noch war sein Modell direkt mit C14 vergleichbar. Daher beschloss ich 2023, mir die Daten zu beschaffen und zu versuchen, die Ergebnisse beider Arbeiten zu wiederholen. In beiden Studien wurde zwar angegeben, dass die Daten online auf einer Website namens http://www.ag-impacts.org verfügbar seien, doch eine solche Website existiert derzeit nicht, und die Einträge der Wayback-Maschine enthielten keine Daten. Ich schrieb Moore eine E-Mail, um sie um ihre Daten zu bitten, aber sie arbeitete damals für die Biden- Regierung und ihre Universitäts-E-Mail war inaktiv. Daraufhin wandte ich mich an Challinor, der prompt antwortete und mir seinen Datensatz schickte.

Der C14-Datensatz

Bei den Daten handelte es sich um eine Zusammenstellung der Ergebnisse zahlreicher Simulationen von Ernteerträgen, die von anderen Autoren in der ganzen Welt durchgeführt wurden. Bei der Datei handelte es sich um eine Excel-Tabelle mit 1.722 Zeilen, die jeweils zahlreiche Variablen aus den zugrunde liegenden Studien enthielten, darunter die Art der Kulturpflanze, den Ort der Studie, die Änderung des CO₂-Gehalts (dC), die Änderung der Temperatur (dT), die Änderung des Niederschlags (dP), die Änderung des Ertrags (dY), die Angabe, ob Anpassungsmaßnahmen einbezogen wurden, und verschiedene andere Details. Es war sofort ersichtlich, dass viele der dC-Einträge fehlten. Tatsächlich schien nur die Hälfte des Datensatzes für die Regressionsmodellierung geeignet zu sein, was Challinor bestätigte. Da die Ergebnisse von Challinor auf einer einfachen linearen Regression beruhten, war es ein Leichtes, sie zu reproduzieren. Die Anzahl der verwendbaren Datenzeilen in der Version, die ich erhielt, unterschied sich geringfügig von der in C14 angegebenen, und meine Replikation war nicht exakt, aber nahe genug.

Das Regressionsmodell von M17 war viel komplizierter als das von C14, da es alle möglichen Kreuzproduktterme sowie einige zusätzliche Temperaturdaten enthielt, die mir Moores Mitautor Tom Hertel schickte. Meine Koeffizientenschätzungen waren ähnlich denen in M17, aber wiederum nicht exakt. Ich habe dann die M17-Regressionsergebnisse verwendet, um Ertragsprognosen nach Kulturarten zu erstellen. Ich konnte meine Schätzungen mit einigen unveröffentlichten Berechnungen vergleichen, die mir von Moore nach Beendigung ihrer Abordnung nach Washington zugesandt wurden. Meine Replikationen waren wieder nicht exakt, aber ziemlich nahe dran, so dass ich zufrieden feststellte, auf dem richtigen Weg zu sein.

Viele der Unterschiede zwischen M17 und C14 sind auf unterschiedliche Wahl der Regressionsgleichung zurückzuführen. C14 ermöglichte es, dass der CO₂-Düngungseffekt bei steigenden Konzentrationen linear war, während M17 abnehmende Erträge zur Folge hatte. In einer Version meiner Analyse verwendete ich ein flexibles Regressionsmodell, das es den Daten erlaubte, die Reaktion zu bestimmen, und es stellte sich heraus, dass sie nahezu linear war, was die C14-Version unterstützte. Ein Gutachter erhob jedoch später Einwände gegen meinen Ansatz, und obwohl ich den Einwänden nicht zustimmte, entfernte ich diese Diskussion, da sie für die Hauptaussage der Studie nicht notwendig war. M17 schränkte auch die Rolle der Anpassung ein, so dass, wenn kein Klimawandel stattfindet (dC = dT = 0), die Anpassung allein die Erträge nicht steigern kann. Dies war eine vernünftige Annahme, da das Modell versucht, die durch den Klimawandel verursachten Ertragsreaktionen nachzuvollziehen.

Aber ich war auch neugierig auf all diese fehlenden dC-Einträge. Ich begann, die zugrunde liegenden Quellen zu überprüfen und stellte fest, dass in vielen Fällen entweder die Zahl verfügbar war oder durch Konsultation der Dokumentation für das simulierte Klimaszenario wiederhergestellt werden konnte. Ich konnte 360 fehlende dC-Einträge wiederherstellen, was es mir ermöglichte, die Regressionen mit einem viel größeren Datensatz durchzuführen. Und das machte einen sehr großen Unterschied.

Reanalyse des erweiterten Datensatzes

In der folgenden Abbildung, die die Ertragsveränderungen in Abhängigkeit von der Erwärmung für vier Pflanzenarten zeigt, wird der ursprüngliche Datensatz als „C14“ bezeichnet. Bei dem erweiterten Datensatz („Alle“) haben sich die Regressionskoeffizienten so verändert, dass die Ertragssimulationen ohne CO₂-Düngung selbst bei einer Erwärmung von 5 °C keine Ertragseinbußen aufweisen:

Auch ohne die ökonomische Modellierung konnte ich daher zu dem Schluss kommen, dass die M17-Analyse keine Korrektur der SCC-Schätzung rechtfertigte (außer vielleicht nach unten).
Ich schrieb die Ergebnisse auf und reichte sie bei der Zeitschrift ein, in der C14 veröffentlicht worden war: Nature Climate Change. Das war vor etwa einem Jahr (Ende Februar 2024). Das NCC lehnte es ab, die Arbeit zu begutachten und teilte mir mit: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Ihre Ergebnisse von ausreichendem unmittelbaren Interesse für die breitere Gemeinschaft der Klimaschützer sein werden“. Dem stimme ich voll und ganz zu – ich denke, dass meine Ergebnisse für die Gemeinschaft der Klimaschützer überhaupt nicht von Interesse sein werden, da sie die Sache nicht voranbringen! Das NCC schlug mir vor, meine Studie stattdessen bei Nature Scientific Reports [NSR] einzureichen, was ich auch tat.

Der NSR ließ die Studie überprüfen, und Anfang Juni wurde mir mitgeteilt, dass sie abgelehnt wurde. Die Gutachter argumentierten, dass meine Gleichung, die dC mit dT verbindet, falsch sei und dass meine empirische Analyse von der Wahl zweier Schlüsselparameter (Basis-CO₂ und Klimasensitivität) abhänge, die bei einer geringfügigen Änderung meiner Gesamtergebnisse auseinanderfallen würden. Es gab zwar einen Tippfehler in meiner dC-dT-Gleichung, der sich jedoch nicht auf den Code auswirkte, und es war leicht zu zeigen (da ich meine Daten und meinen Code eingereicht hatte), dass meine Ergebnisse gegenüber den vorgeschlagenen Parameteränderungen unverändert blieben. Also beschloss ich, der Redaktion zu schreiben und die Entscheidung anzufechten. Ein leitender Redakteur setzte sich mit mir in Verbindung und teilte mir mit, dass es ein formelles Einspruchsverfahren gibt, und erklärte mir, wie ich es nutzen kann, wies mich aber auch darauf hin, dass die Bearbeitung von Einsprüchen in der Regel sehr lange dauert und nur selten angenommen wird. Nichtsdestotrotz reichte ich an einem Freitag im Juni alle Unterlagen ein. Am Montagmorgen wurde mir mitgeteilt, dass mein Einspruch angenommen worden war, und mir wurde geraten, eine überarbeitete Fassung des Manuskripts einzureichen, was ich auch sofort tat.

Ich habe dann lange gewartet. Im Oktober fragte ich bei der Zeitschrift nach und erfuhr, dass sie neue Gutachter suchten, aber bis jetzt noch keine Antworten erhalten hatten. Im Dezember fragte ich erneut nach und erhielt die Auskunft, dass sie neue Gutachter gefunden, aber noch keine Rezensionen erhalten hätten. Anfang Januar trafen dann aber die neuen Gutachten ein, und sie waren sehr positiv. Die geforderten Überarbeitungen waren hauptsächlich redaktioneller Art, aber die Analyse und die Schlussfolgerungen wurden beibehalten. Von diesem Zeitpunkt an war die Veröffentlichung Routine.

Wohin mit dem SCC?

Natürlich hat sich das Thema durch die Durchführungsverordnung der Trump-Regierung vom 20. Januar, mit der die SCC mit der Begründung ausgesetzt wurde, dass sie „durch logische Mängel, eine schwache empirische Basis, Politisierung und das Fehlen einer gesetzlichen Grundlage gekennzeichnet ist“, inzwischen etwas erledigt. Die EPA hat bis Mitte März Zeit, Leitlinien zur Lösung dieser Probleme herauszugeben und möglicherweise die Verwendung des SCC ganz zu streichen. Ich hatte noch keinen Kontakt zu den Leuten, die an diesem Projekt arbeiten, aber wenn mich jemand von ihnen fragen würde, würde ich ihm Folgendes sagen:

Die Messung des SCC ist kein wissenschaftliches Verfahren, das mit der Messung des Gewichts eines Atoms oder der Lichtgeschwindigkeit vergleichbar ist. Der SCC basiert auf sogenannten Integrierten Bewertungsmodellen (Integrated Assessment Models, IAMs), die unzählige Annahmen enthalten und komplizierte „Falls-dann“-Aussagen ergeben. Wenn die folgenden Annahmen zutreffen, dann verursacht eine Tonne CO₂-Emissionen Schäden im Wert von X Dollar auf der Welt. Wer die „Falls“-Aussagen auswählt bestimmt, was die „Dann“-Aussage sein wird. Und man kann Studien auswählen, die jeden beliebigen SCC-Wert garantieren, auch wenn einige plausibler sind als andere. Letztendlich wird der SCC-Wert durch den politischen und sozialen Prozess der Auswahl derjenigen bestimmt, die den Bericht verfassen dürfen. Der SCC-Bericht aus der Ära Biden wurde von Leuten verfasst, die ihre Fühler nach Gründen ausstreckten, um den SCC-Wert in die Höhe zu treiben, und die Beweise ignorierten, die in die andere Richtung wiesen. In dem Bericht wird der Leser sogar gewarnt, dass sie wahrscheinlich viele Gründe übersehen haben, warum der SCC-Wert noch höher ist, als sie geschätzt haben, weil es sicherlich viele andere Schäden im Zusammenhang mit CO₂ gibt, an die sie noch nicht gedacht haben. (Sie behaupteten, den Nutzen der CO₂-Düngung in einer ihrer beiden IAMs berücksichtigt zu haben, aber sie taten dies auf der Grundlage der M17-Analyse. Mit anderen Worten, sie haben es nicht berücksichtigt.)

Aus wirtschaftlicher Sicht ist das schmutzige kleine Geheimnis der Klimapolitik, dass CO₂-Emissionsreduzierungen so kostspielig sind, dass selbst wenn die US-Regierung die SCC-Schätzung von Biden akzeptieren würde, nur sehr wenige klimapolitische Maßnahmen einen Kosten-Nutzen-Test überstehen würden, und wenn der SCC auf etwas Vernünftigeres gesenkt würde, würde das keine von ihnen. In diesem Sinne wird es den Klimaaktivisten also keine Freude bereiten, am SCC festzuhalten.

Aber abgesehen von der Frage, wie hoch die magische SCC-Zahl sein sollte, ist die größere Frage, wie man eine Bürokratie davon überzeugt, den Prozess der Erstellung des Berichts nicht zu manipulieren. Der SCC-Bericht der Interagency Working Group aus dem Jahr 2013 rühmte sich damit, 11 verschiedene Regierungsbehörden konsultiert zu haben, und der Bericht für 2023 rühmte sich zusätzlich mit dem Input der National Academies of Science und externer Experten. Gähn. Je mehr Behörden beteiligt sind, desto weniger wird ein Bericht geprüft. Es ist so gut wie sicher, dass niemand die zugrundeliegenden Daten überprüft oder Replikationen vorgenommen hat. Und ich weiß aus Erfahrung mit dem IPCC und anderen bürokratischen Prozessen, dass Überprüfungskommentare, die gegen die Voreingenommenheit des Verfassers eines Kapitels sprechen, ignoriert oder wegdiskutiert werden, während Kommentare, die die Voreingenommenheit des Verfassers bestätigen, als bare Münze genommen werden. Das wissenschaftliche Establishment hat sich allen Versuchen widersetzt, die Prozesse zur Bewertung des Klimas zu verbessern, weil sie immer die Autoren auswählen durften. Aber jetzt wird ein ganz anderes Team die Auswahl treffen. Wenn die Granden des Establishments plötzlich beschließen, dass ihnen der Prozess nicht gefällt, hätten sie sich früher äußern müssen.

Link: https://judithcurry.com/2025/02/21/debunking-the-2023-hike-in-the-social-cost-of-carbon/#more-31881

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Neue Studie: Durch Ozean-Erwärmung sollte eigentlich Wasserdampf zunehmen – aber dieser nimmt seit 2008 ab

Kenneth Richard

„Unsere Ergebnisse sind unerwartet: Trotz steigender Meerestemperaturen hat die globale Eo [Ozeanverdunstung/Wasserdampf] im letzten Jahrzehnt abgenommen.“ – Ma et al. (2025)

Eine 2024 in PNAS veröffentlichte Studie bestätigte erneut, dass Klimamodelle nicht simulieren können, was in der realen Welt in Bezug auf grundlegende Variablen des Klimawandels wie Wasserdampf geschieht, dem wichtigsten Treibhausgas der Erde (aufgrund seiner angeblich wärmeverstärkenden „Rückkopplungs“-Kapazität).

Nach den neuesten Klimamodellen sollte die spezifische Luftfeuchtigkeit (SH) als Folge der CO₂-induzierten globalen Erwärmung zunehmen. 40 Jahre Beobachtungen (1980-) zeigen jedoch keinen zunehmenden SH-Trend über ariden/semi-ariden Regionen.

Nach modernen Klimamodellen sollte die relative Luftfeuchtigkeit (RH) als Folge der CO₂-induzierten globalen Erwärmung relativ konstant bleiben, wenn nicht sogar leicht abnehmen. Doch 40 Jahre Beobachtungen (1980-) zeigen keinen leicht abnehmenden Trend, sondern einen abnehmenden Trend, der „im Durchschnitt um eine Größenordnung stärker ist als in den Modellen.“ Mit anderen Worten: Die Klimamodelle liegen um den Faktor 10 daneben.

Die Autoren haben die Tragweite dieser Klimamodellfehler nicht unterschätzt:

„Dies stellt eine große Lücke in unserem Verständnis und in der Klimamodelltreue dar, die so schnell wie möglich verstanden und behoben werden muss, um zuverlässige Hydroklima-Projektionen für aride/semi-aride Regionen in den kommenden Jahrzehnten zu liefern.“

Nun hat eine neue Studie erneut bestätigt, dass es seit 2008, dem Jahr des „Wendepunkts“ (TP), einen „unerwarteten“ Rückgang der Ozeanverdunstung (die für 85 % der Ableitung des globalen atmosphärischen Wasserdampfs verantwortlich ist) gegeben hat.

Diese robusten Ergebnisse, die einen Rückgang der Ozeanverdunstung (Eo) oder des Wasserdampfs auf zwei Dritteln der Erde – hauptsächlich auf der Südhalbkugel – bestätigen, finden sich in allen vier für die Studie verwendeten Satellitendatensätzen.

Es sei darauf hingewiesen, dass Dr. Koutsoyiannis im Jahr 2020 eine Studie veröffentlicht hat, aus der hervorgeht, dass das Ausbleiben eines vom Modell erwarteten Anstiegs der globalen spezifischen Luftfeuchtigkeit nicht erst seit 2008 oder 1980, sondern bereits seit Ende der 1940er Jahren zu beobachten ist.

Die Beobachtungen scheinen nicht in Einklang zu stehen mit dem Narrativ der „Wasserdampf-Rückkopplung“.

Link: https://notrickszone.com/2025/02/24/new-study-ocean-warming-is-supposed-to-increase-water-vapor-but-its-been-declining-since-2008/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE




Es ist höchste Zeit, dass die „Grünenergie“-Betrügereien unter Druck geraten

Larry Bell

Ein kostspieliger grüner neuer Betrug, der auf widersprüchlichen Sonderinteressen der pseudowissenschaftlichen Klimawissenschaft und der Renditen suchenden Wind- und Solarindustrie beruht, die sich gegenseitig völlig ungerechtfertigte Ängste und Fantasien einreden.

Jede Behauptung, die Wissenschaft ist „settled“ bzgl. der Existenz einer durch Kohlendioxid verursachten Klimakrise, ist ein verlogener, zerstörerischer und kostspieliger Betrug.

Eine von der gemeinnützigen wissenschaftlichen Global Climate Intelligence Group (CLINTEL) veröffentlichte Weltklimaerklärung“, die 2023 von 1609 informierten Wissenschaftlern und Fachleuten unterzeichnet wurde – darunter zwei Nobelpreisträger – behauptet das Gegenteil, nämlich dass es keinen solchen Konsens über den Klimanotstand gibt.

Darüber hinaus sind die vom Klimaalarmismus getriebenen Vorschläge, Amerika schnell von den mehr als 80 % durch fossile Brennstoffe bereitgestellte Energie wegzubringen, indem die intermittierenden Wind- und Solarsysteme ausreichend ausgebaut werden, die derzeit zusammen etwa 3 % produzieren, zusätzlich illusorisch, wobei die Solarenergie weniger als 1 % beiträgt.

Barton Swaim vom Wall Street Journal stellt fest, dass in den letzten drei Jahrzehnten jeder, der sich nicht der Überzeugung anschloss, dass „die Wissenschaft feststeht“, dass das Leben auf der Erde durch die „globale Erwärmung“ und später durch den „Klimawandel“ unmittelbar vom Aussterben bedroht ist, als Spinner oder noch schlimmer als „Klimaleugner“ abgestempelt worden ist.

Die letztgenannte Charakterisierung – ein beleidigendes Epitaph, das mir und vielen meiner Schriften zu diesem Thema manchmal entgegengeschleudert wird – stellt eine offensichtliche Korrelation mit unwissenden Ungläubigen dar, die schreckliche historische Ereignisse geleugnet haben.

Also ja, das Klima ändert sich, und zwar seit unser Planet eine Atmosphäre hat. Und wenn es nicht so wäre, bräuchten wir kein anderes Wort dafür als „Wetter“.

Swaim weist darauf hin, dass „die Möglichkeit, dass eine ganze akademische Disziplin, die Klimawissenschaft, durch Gruppendenken und Selbstbeweihräucherung einen schweren Fehler begangen haben könnte, nicht für möglich gehalten wurde. In vielen Kreisen herrscht diese Orthodoxie noch immer unangefochten.“

Glücklicherweise scheint sich dieser Umstand jetzt zu ändern.

Wie in der letzten Kolumne dieses Verfassers vom 7. Februar festgestellt, bietet der erdrutschartige Wahlsieg von Präsident Donald Trump eine Fülle von Beweisen dafür, dass die Mehrheit der Amerikaner die Geduld und das Mitleid mit der Politik einer woken* Regierung verloren hat.

[*Auch für diesen Terminus wäre der Übersetzer für einen Vorschlag eines guten Terminus’ in deutscher Sprache dankbar]

Erlasse beruhen auf unbegründeten alarmistischen Klimabehauptungen und völlig unrealistischen Projektionen grüner Kapazitäten, welche die Energiekosten und den Lebensstil der Verbraucher, die Geschäfts- und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie den nationalen Wohlstand und die Sicherheit ersticken.

Man braucht nur einen Blick auf Kalifornien und New York als abschreckende Beispiele zu werfen.

Das kalifornische Legislative Analyst Office (LAO) hat kürzlich einen Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass sich die durchschnittlichen monatlichen Stromtarife für Privatkunden in Kalifornien seit 2019 fast verdoppelt haben – ein Trend, der durch die grüne Energiepolitik negativ beeinflusst wurde.

Das LAO führt diese Preiserhöhungen vor allem auf ehrgeizige Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasen (THG) und vom Steuerzahler finanzierte Energieprogramme zurück, die nach Hawaii zu den zweithöchsten Tarifen der Nation geführt haben.

Der kalifornische Renewable Portfolio Standard (RPS) schreibt vor, dass bis 2030 60 % des Portfolios eines Stromversorgers aus teureren „erneuerbaren Energiequellen“ stammen müssen, und die von Gouverneur Gavin Newsom im Jahre 2022 unterzeichnete Gesetzgebung sieht vor, dass 85 % der Treibhausgasemissionen des Staates bis 2045 unter das Niveau von 1990 gesenkt werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Kalifornier durch Programme, die mit ihren Steuergeldern Tausende von Ladestationen für Elektrofahrzeuge errichten, höhere Energiekosten zu tragen haben, was wiederum den Strombedarf und die Stromknappheit erhöht.

Als Konsequenz daraus stellte das LAO fest, dass „die Strompreise für Privathaushalte in Kalifornien im Durchschnitt fast doppelt so hoch sind wie im Rest der Nation.“

Dennoch macht New York große Fortschritte, wenn es darum geht, mit Kalifornien und Hawaii um die Auszeichnung für die höchsten Stromkosten der Nation zu konkurrieren.

In dem Bemühen, eine landesweite Vorgabe zu erfüllen, wonach bis 2030 70 % der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (einschließlich Wasserkraft aus Quebec) stammen sollen, schlägt der Investor Con Edison, der New York City und seine Vororte versorgt vor, die Stromrechnungen um durchschnittlich 11,4 % und für Gas um 13,3 % zu erhöhen.

Dadurch werden die durchschnittlichen Stromrechnungen für Privathaushalte auf etwa 500 Dollar monatlich steigen, 154 Dollar mehr als noch vor fünf Jahren.

Und die lebenswichtige Wasserkraft aus Quebec?

Eine weitere im Bau befindliche Übertragungsleitung, die mehr Strom liefern soll, kostet satte 6 Milliarden Dollar, viermal mehr als die von Con Edison für dieses Jahr vorgeschlagene Strompreiserhöhung.

Dennoch warnte der New Yorker Independent System Operator im November vor möglichen Stromengpässen im nächsten Jahr, wenn die Leitung nicht bis Mai in Betrieb genommen wird.

In der Zwischenzeit haben die staatlichen Aufsichtsbehörden im letzten Frühjahr drei Offshore-Windkraftverträge wegen steigender Zinsen und Inflation gekündigt, ebenso wie eine geplante 280 km lange Übertragungsleitung, die New York City mit Strom aus gigantischen Wind- und Solarparks im Norden des Staates versorgen sollte.

Es hat nicht geholfen, dass der frühere Gouverneur Andrew Cuomo die vorzeitige Abschaltung des Kernkraftwerks Indian Point angeordnet hat, das etwa ein Viertel des Stromes von New York City erzeugt, sowie ein Verbot von Fracking und ein Veto gegen Gaspipelines eingelegt hat.

Diese Maßnahmen werden die Stromkosten weiter in die Höhe treiben, da Con Edison nach eigenen Angaben mehr Geld für die Modernisierung der Infrastruktur benötigt, um das Stromnetz zu stärken, wenn mehr intermittierende erneuerbare Energien ans Netz gehen, insbesondere in einer Zeit, in der der Strombedarf aufgrund der New Yorker Klimavorschriften steigt, die Gasanschlüsse für neue Gebäude verbieten.

Kein Wunder, dass das tiefblaue [= von Demokraten regierte] New York und Kalifornien zusammen mit Illinois bei den Bevölkerungsverlusten im Jahr 2023 landesweit führend sind.

Ironischerweise sind diejenigen, die am wenigsten in der Lage sind, sich diese unnötigen finanziellen Belastungen zu leisten, die durch eine kläglich fehlgeleitete Klimaalarm-Energiepolitik verursacht werden, typischerweise dieselben Menschen mit dem niedrigsten Einkommen, einschließlich vieler älterer Menschen, die sich die Umzugskosten nicht leisten können … genau die gleichen Bevölkerungsgruppen, um die sich die Liberalen mit ihrem virtue signalling scheinheilig am meisten kümmern.

This article originally appeared at Newsmax

Link: https://www.cfact.org/2025/02/23/about-time-climate-green-energy-scams-take-well-deserved-heat/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Warum berichten die Mainstream-Medien nicht, dass die ozeanische Zirkulation in vollem Umfang bestehen bleibt?

Anthony Watts

Seit Jahrzehnten wird in den Mainstream-Medien behauptet, dass die atlantische meridionale Umwälzzirkulation (Atlantic Meridional Overturning Circulation, AMOC) kurz vor dem Zusammenbruch steht, was katastrophale Folgen für den Planeten hätte. Dies ist falsch. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass der Klimawandel die Atlantikströmung nicht verändert hat, obwohl die Medien und einige angebliche Experten immer wieder das Gegenteil behaupten.

Der Hollywood-Katastrophenfilm The Day After Tomorrow aus dem Jahr 2004 zeigte, wie ein Abschalten der AMOC die Welt in eine sofortige Eiszeit stürzen würde. Die Geschichte basierte lose auf den Vorhersagen einiger Wissenschaftler, dass die AMOC und die sie speisenden regionalen Meeresströmungen sich gefährlich verlangsamen würden. Die Mainstream-Medien haben diese unbestätigten Behauptungen aufgebauscht und damit dem Science-Fiction-Blockbuster zum Erfolg verholfen.

Die Mainstream-Medien haben in regelmäßigen Abständen die gleiche Weltuntergangsgeschichte verbreitet und davor gewarnt, dass sich die AMOC verlangsamt, abschwächt oder zusammenbricht, wobei für jeden Zustand ein Klimachaos vorhergesagt worden ist.

Zum Beispiel:

– Im Jahr 2015 titelte die Washington Post: „Die Zirkulation des Ozeans war seit 1000 Jahren nicht mehr so träge. Das sind schlechte Nachrichten“.

– Im Jahr 2021 warnte NBC News: „Ein entscheidendes Ozean-Zirkulationssystem wird schwächer. Wissenschaftler sagen, das sei ein weiteres Zeichen für einen sich erwärmenden Planeten.“

– Im Jahr 2023 schürte CNN Panik mit: „Eine wichtige Meeresströmung ist vom Zusammenbruch bedroht. Wissenschaftler sagen, es wäre eine Klimakatastrophe“.

Doch wie Climate Realism wiederholt betont hat, widerlegt die Wissenschaft diese Behauptungen (siehe hier). Diese Behauptungen über eine abnehmende AMOC und andere großräumige Meeresströmungen, die das Wetter bestimmen und den Klimawandel beeinflussen, basieren größtenteils auf den Projektionen spekulativer Klimamodelle und nicht auf realen Beobachtungen oder überprüfbaren Forschungsergebnissen.

Zwei aktuelle, von Fachleuten begutachtete Studien, eine vom Februar 2025 und eine vom Januar 2025, beide in Nature veröffentlicht bestätigen, worauf viele Klimarealisten schon seit Jahren hinweisen – die AMOC ist seit mindestens 60 Jahren stabil und zeigt keinen signifikanten Abwärtstrend. Die Wissenschaftler kamen außerdem zu dem Schluss, dass es keine glaubwürdigen Hinweise darauf gibt, dass ein solcher Zusammenbruch unmittelbar bevorsteht oder in absehbarer Zukunft sogar wahrscheinlich ist. In Bezug auf die Klimamodelle, die einen Zusammenbruch der AMOC vorausgesagt haben, kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Klimamodelle fehlerhaft sind und die Risiken überbewerten – die Simulationen der Modelle stimmen nicht mit den tatsächlich gemessenen Trends überein.

Wo bleibt also die flächendeckende Medienberichterstattung über diese beruhigende Nachricht? Wo sind die CNN-Sondersendungen, die Meinungsbeiträge der New York Times und die atemlosen Schlagzeilen des Guardian, die verkünden, dass keine Katastrophe bevorsteht? Sie sind nirgends zu finden.

Jetzt, da wir zwei von Experten begutachtete Studien haben, wonach die AMOC seit mindestens sechs Jahrzehnten stabil ist und es äußerst unwahrscheinlich ist, dass sie in absehbarer Zeit zusammenbricht, ist das Schweigen der Mainstream-Medien ohrenbetäubend. Die gleichen Journalisten, die eifrig über das Worst-Case-Szenario berichteten, sind nun nicht bereit, über Erkenntnisse zu berichten, die ihrer früheren Panikmache widersprechen.

Die Ergebnisse der jüngsten Studien bestätigen, was frühere Forschungsarbeiten gezeigt haben, die bei Climate Realism und Climate at a Glance zitiert wurden: Die Meeresströmungen sind komplex, werden von einer Vielzahl natürlicher Zyklen beeinflusst und sind nicht so anfällig wie alarmistische Darstellungen vermuten lassen.

Während die Mainstream-Medien die Öffentlichkeit und die Politiker ständig ermahnen, „der Wissenschaft zu folgen“, ignorieren sie bequemerweise wissenschaftliche Untersuchungen, wenn diese Zweifel an der Behauptung aufkommen lassen, dass der Klimawandel alles Schlechte verursacht.

Die atlantische meridionale Umwälzzirkulation bricht nicht zusammen, verlangsamt sich nicht katastrophal und steht nicht kurz vor dem Ausbruch einer Eiszeit. Die neueste wissenschaftliche Forschung bestätigt, was Beobachtungsdaten schon seit Jahrzehnten zeigen: AMOC-Schwankungen sind natürlichen Ursprungs, und es gibt keine bevorstehende Krise. Das sind die guten Nachrichten, die Journalisten und Nachrichtenkanäle, die behaupten, die Wahrheit zu verkünden, berichten sollten, aber wir von Climate Realism werden davon berichten.

[Hervorhebung im Original]

Link: https://climaterealism.com/2025/02/why-isnt-the-mainstream-media-reporting-that-ocean-circulation-is-doing-well/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 




Benny Peiser: Europa ist auf dem falschen Weg und muss einen Ausweg finden

GWPF

Benny Peiser ist seit über 15 Jahren Direktor der britischen Global Warming Policy Foundation (GWPF). Nun tritt der scharfe Kritiker der Klimapolitik zurück. Axel Reichmuth vom Schweizer Magazin „Nebelspalter“ konnte mit ihm über die Gefahren von Net Zero und die Ziele seiner Stiftung sprechen (Link)

Der Link verweist auf ein Video dieses Interviews auf der (deutschsprachigen) Website des „Nebelspalters“. – Im Folgenden sind die Fragen kursiv gesetzt. A. d. Übers.]

Benny Peiser, Sie sind seit 2009 Direktor der GWPF und gehen bald in den Ruhestand. Was will die GWPF?

Benny Peiser: Wir sind eine unabhängige Denkfabrik. Das GWPF wurde von Nigel Lawson, Margaret Thatchers ehemaligem Schatzkanzler, und mir gegründet. Lawson, der leider vor zwei Jahren verstorben ist, hat schon früh erkannt, dass die Klimapolitik zu schweren wirtschaftlichen und politischen Krisen führen würde – vor allem, wenn der Westen im Alleingang vorgeht. Seit unserer Gründung versuchen wir, Politiker und die Öffentlichkeit über die Folgen einer übereilten Klimapolitik aufzuklären.

Ihre Stiftung setzt sich also für mehr Vernunft in der Klimapolitik ein?

Ganz genau. Denn in einer Zeit des apokalyptischen Denkens wird die Vernunft erdrückt. Dann gibt es nur noch Gut und Böse. Alle kritischen Ansichten werden unter den Teppich gekehrt.

Der Vorwurf, ein Klimaleugner zu sein, ist Ihnen sicher bekannt. Sind Sie einer?

Dieser Begriff ist eine der Hauptwaffen, mit denen apokalyptische Alarmisten Kritiker zum Schweigen bringen wollen. Es ist sozusagen das Ausspielen der Nazi-Karte. Ich selbst habe nie den Klimawandel oder den Treibhauseffekt geleugnet. Die menschlichen CO₂-Emissionen haben aller Wahrscheinlichkeit nach zur derzeitigen Erwärmung beigetragen.

Nach Ansicht des IPCC haben Treibhausgase nicht nur zum Klimawandel beigetragen, sondern sind zu 100 Prozent die Ursache dafür.

Dies ist eine sehr extreme Position, die im Wesentlichen leugnet, dass es natürliche Einflüsse auf den Klimawandel gibt. Ich möchte das in Frage stellen.

Welche Hauptposition vertreten Sie und die GWPF in der Klimadebatte?

Wir haben keinen gemeinsamen Standpunkt. In unserer Denkfabrik gibt es Experten mit unterschiedlichen Ansichten. Aber wir sind uns einig, dass es nicht genug kritische Debatten gibt. Sowohl in der Klimawissenschaft als auch in der Klimapolitik muss es eine offene und breite Diskussion darüber geben, welcher Weg der richtige ist. Stattdessen wird uns von den führenden Forschern erzählt, dass bereits alles feststeht. Jeder Kritiker wird dämonisiert. Das muss aufhören.

Wollen Sie persönlich jede Klimapolitik verhindern – oder geht es Ihnen nur um das richtige Tempo?

Ich bin der Meinung, dass eine unilaterale Klimapolitik, bei der Europa und einige wenige westliche Staaten einen Alleingang machen, zum Scheitern verurteilt ist. Weil die Entwicklungs- und Schwellenländer wirtschaftlich aufholen wollen, können sie letztlich nicht zum Verzicht auf fossile Energieträger gezwungen werden. Deshalb scheitert seit Jahrzehnten jeder Versuch, auf den UN-Klimakonferenzen ein rechtsverbindliches Abkommen zu erreichen.

Stellen Sie das Ziel, von Öl, Kohle und Gas wegzukommen, grundsätzlich in Frage?

Nein. Es gibt sicherlich einen vernünftigen Trend zur Dekarbonisierung, der durch die technologische Entwicklung vorangetrieben wird. Aber das Ziel, in nur 25 Jahren Netto-Null zu erreichen, ist illusorisch. Es wird erwartet, dass im Jahr 2050 mindestens die Hälfte der Energieerzeugung immer noch aus fossilen Brennstoffen bestehen wird. Wir müssen akzeptieren, dass die Dekarbonisierung länger dauern wird und nicht von der Politik verordnet werden kann. Wohin kollektive Hysterie und forcierte Klimapolitik führen, sehen wir derzeit auf unserem Kontinent: Europa ist auf dem falschen Weg und steckt in einer Wirtschaftskrise. Jetzt müssen wir einen Ausweg aus dieser Krise finden.

Was sagen Sie jemandem, der wirklich Angst vor dem Klimawandel hat?

Es ist schwierig, jemanden von übertriebenen Ängsten abzubringen. Das ist so, als würde man versuchen, einen frommen Menschen davon zu überzeugen, dass die Welt nicht vor 6000 Jahren erschaffen wurde. Wir stellen jedoch fest, dass eine wachsende Zahl von Menschen inzwischen viel mehr Angst vor dem mit der Klimapolitik verbundenen sozialen und wirtschaftlichen Niedergang als vor dem Klimawandel selbst hat. Sie beginnen zu zweifeln, ob die globale Erwärmung wirklich so furchterregend ist wie sie dargestellt wird.

Woher bekommt die Global Warming Policy Foundation ihr Geld?

Wir finanzieren uns durch Spenden von Mitgliedern und Unterstützern. Ein großer Teil der Spenden kommt von unabhängigen Unternehmern, die über „Cancel Culture“ in der Klimapolitik besorgt sind. Aber wir nehmen kein Geld von der Energiewirtschaft oder von Leuten, die mit ihr verbunden sind. Unser Budget ist mit rund einer halben Million Euro pro Jahr sehr klein. Das ist kein Vergleich zur Klimalobby und den grünen NGOs, die über Milliarden verfügen.

Gibt es dunkle Machenschaften hinter Ihrer Institution, wo die Strippen gezogen werden?

Nein! Unsere Geldgeber haben keinen Einfluss darauf, was wir sagen und veröffentlichen.

Die GWPF veröffentlicht regelmäßig Berichte und Studien von Experten. Machen Sie auch Lobbyarbeit im engeren Sinne, zum Beispiel im britischen Parlament?

Nein, wir betreiben keine Lobbyarbeit und führen auch keine politischen Kampagnen durch. Wir stellen nur Informationen zur Verfügung, die weltweit eine möglichst große Wirkung haben sollen. Wir sind unabhängig und keiner Partei verpflichtet.

Was haben Sie seit Gründung der GWPF im Jahre 2009 alles erreicht?

Damals waren wir einsame Stimmen in der Wildnis. Das hat sich jetzt geändert. Leider sind viele der Dinge, vor denen wir seit 15 Jahren gewarnt haben, wahr geworden: Die Kosten der Klimapolitik sind weiter gestiegen, der industrielle und wirtschaftliche Niedergang Europas hat begonnen. Das Versprechen einer grünen Wirtschaft hingegen hat sich als Wunschtraum entpuppt. Deshalb werden jetzt überall kritische Stimmen laut, die das Netto-Null-Ziel in Frage stellen. Unsere Stiftung hat zu dieser Entwicklung beigetragen.

Sie haben kürzlich in einer Rede gesagt, dass Ihr Nachfolger als Direktor des GWPF es sicherlich viel leichter haben wird als Sie. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

In der Zwischenzeit hat sich das politische Klima verändert. Der Niedergang Europas, politisch, wirtschaftlich und militärisch, hat viele Menschen alarmiert. Die utopische Klimapolitik hat wesentlich zu diesem Niedergang beigetragen. Mein Nachfolger, der bald benannt werden wird, hat es leichter, weil viele Politiker inzwischen erkannt haben, dass es so nicht weitergehen kann. Jetzt geht es darum, radikale Reformen zu entwickeln und umzusetzen, um das Schlimmste zu verhindern.

Wen halten Sie für den Haupt-Urheber dieser Änderung in der Klimapolitik? Donald Trump?

Nicht nur Trump. Auch in der EU ist ein Wandel zu beobachten. Hier hatte die Klimapolitik in den letzten 20 Jahren oberste Priorität. Das ist nun vorbei. Und es werden immer mehr Stimmen laut, dass der Kontinent den Brüsseler Green Deal wirtschaftlich und geopolitisch nicht überleben wird. Natürlich beschleunigt Trump diese Entwicklung. Amerika schlägt jetzt einen anderen Weg ein. Aber diese Desillusionierung begann schon lange vor Trumps zweitem Wahlsieg.

Eine forcierte Klimapolitik führt schnell zu höheren Preisen und wirtschaftlichen Schäden. Proteste aus der Bevölkerung sind immer die Folge. Glauben Sie, dass das Scheitern des Green Deals der EU vor diesem Hintergrund unvermeidlich ist?

Jawohl, das ist wie im Sozialismus. Auch die Klimapolitik basiert auf der Auffassung, dass Gesellschaft und Wirtschaft von oben gesteuert werden müssen. Die Führung bestimmt, was produziert werden darf und was nicht und welche Technologien zum Einsatz kommen sollen. Wir haben es hier mit einem klassischen Sozialismus im grünen Gewand zu tun – einem Ökosozialismus, der unweigerlich scheitern und ein tragisches Ende nehmen wird.

[Hervorhebung vom Übersetzer]

Dann braucht es doch keine Organisationen wie die GWPF. Man könnte sich zurücklehnen und warten, bis sich diese Art von Politik von selbst erledigt.

Das ist bis zu einem gewissen Grad richtig. Aber es ist unsere Aufgabe, so schnell wie möglich den notwendigen Meinungsumschwung herbeizuführen und damit weiteren Schaden abzuwenden. Und wir müssen mithelfen, Ideen zu entwickeln, wie wir aus dem Schlamassel herauskommen können.

Welche Rolle werden fossile Brennstoffe in Zukunft spielen?

Das ist eine offene Frage. Ich gehe aber davon aus, dass Öl, Kohle und Gas noch viel länger wichtig sein werden als bisher angenommen. Das wird wahrscheinlich für das ganze Jahrhundert der Fall sein, es sei denn, es gibt eine Revolution in der Kerntechnik, die uns plötzlich Energie billig und im Überfluss liefert.

Ist alles eine Frage der Technologie? Werden technologische Innovationen das Klimaproblem lösen?

Davon bin ich überzeugt. Allerdings kann man heute nicht wissen, welche Technologien das sind und welche Auswirkungen sie haben werden. Die technologische Entwicklung ist nicht vorhersehbar. Aber eine zentral geplante Ökowirtschaft, wie sie in Europa seit Jahrzehnten praktiziert wird, ist zum Scheitern verurteilt.

Wird sich der ewige Klima-Alarm irgendwann an einem bestimmten Punkt von selbst erledigen?

Auf jeden Fall. Vor allem wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass wir uns auf die eine oder andere Weise an den Klimawandel anpassen müssen. Die Menschen wissen heute sehr gut, wie sie sich vor Überschwemmungen, Hitzewellen oder Stürmen schützen können – die es immer gegeben hat und immer geben wird. Die Zahl der Menschen, die an den Folgen extremer Wetterereignisse sterben, ist in den letzten hundert Jahren bereits um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Anpassung funktioniert in jeder Hinsicht und ist die beste, billigste und wirksamste Klimapolitik der Welt.

Welche Rolle spielen die Medien ikn der Debatte um Klimapolitik?

Die traditionellen Medien befinden sich allgemein in einer existenziellen Krise und werden von den neuen sozialen Medien herausgefordert und zunehmend verdrängt. Die meisten Menschen, vor allem junge Menschen, lesen keine Zeitungen mehr. Viele traditionelle Fernsehsender befinden sich in einer ähnlichen Krise. Daran sind die traditionellen Massenmedien zum Teil selbst schuld, denn sie haben zu lange auf ihrem hohen Ross gesessen und das Vertrauen der Öffentlichkeit verloren. Dies gilt insbesondere für das Klimathema, wo sich viele Massenmedien oft als reine Instrumente der Panikmache und Propaganda erwiesen haben. Wenn die traditionellen Medien überleben wollen, müssen sie beweisen, dass sie sich reformieren und ausgewogene Informationen liefern können.

Wird die GWPF noch weitere 16 Jahre lang gebraucht werden?

Ich bin überzeugt, dass es unabhängige Denkfabriken wie die unsere noch lange Zeit geben wird. Sie werden mindestens so lange gebraucht, bis offenes und freies Denken an die Universitäten zurückkehrt.

Wie bereits erwähnt, gehen Sie jetzt in den Ruhestand. Ziehen Sie sich ganz zurück?

Nein, ich werde im Vorstand der Global Warming Policy Foundation bleiben. Aber natürlich werde ich nicht mehr in das Tagesgeschäft eingebunden sein und kann mich verstärkt meinen eigenen Forschungsprojekten widmen.

Benny Peiser wuchs in Deutschland auf. Er studierte Politikwissenschaft, Englisch und Sportwissenschaft und promovierte an der Universität Frankfurt am Main. 1993 zog er nach Großbritannien, wo er unter anderem an der Fakultät für Sportwissenschaften der Universität Liverpool lehrte. Im Jahr 2009 gründete Peiser gemeinsam mit Nigel Lawson die Global Warming Policy Foundation, deren Direktor er seitdem ist. Ende März wird der 67-Jährige die Leitung der Denkfabrik abgeben.

Link: https://www.thegwpf.org/benny-peiser-europe-is-on-the-wrong-track-and-has-to-find-a-way-out/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE