Diesel-Verteu­felung: Krieg gegen das eigene Volk: Diesel: Die Lücken­medien im Glashaus (4)

In den bisherigen Teilen dieses Aufsatzes wurde nachgewiesen, dass die NO2-Belastung der Luft in ganz Deutschland und auch an den sogenannten „Hotspots“ in den Städten auf im Prinzip unbedeutende Werte zurückgegangen ist. Wichtiger Grund hierfür ist die stetige Ablösung älterer durch jüngere Fahrzeuge mit besseren Abgasbehandlungssystemen. Dieser Trend wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Auch wurde aufgedeckt, wie fragwürdig die Messmethoden sind und welche Tricks und Manipulationen zum Einsatz kommen. Im dritten Teil wurden die teils grotesk übertriebenen Behauptungen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Stickstoffdioxid sowie die offensichtliche Parteilichkeit sowohl der öffentlich-rechtlichen Medien als auch industriefeindlicher Behörden behandelt. Auch der jetzige vierte Teil wird sich mit diesem Aspekt nochmals vertieft beschäftigen müssen. Vorher allerdings müssen noch zwei Mythen angegangen werden, die von den Verfechtern der Heilslehre vom alleinseligmachenden Elektromobil pausenlos und mit ebensoviel Aggressivität wie Unkenntnis der Fakten hinausposaunt werden: Die Märchen vom alleinseligmachenden Öffentlichen Personennahverkehr und von der unendlich verfügbaren (selbstfahrenden) Elektromobilität.

Ist das Auto in der Stadt der Zukunft verzichtbar?

Es gibt vor allem in den großen Städten gutsituierte Schichten im sportlichen Alter, die das Glück haben, bei gutem Aus- oder Einkommen in geringer Entfernung zum Ausbildungs- oder Arbeitsplatz wohnen zu können. Diese oft höher gebildeten und entsprechend sprachgewandten Zeitgenossen machen sich in den Medien sowie in vielen Kommentaren und Blogs mit einer Lautstärke bemerkbar, die weit höher ist als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Defizite haben sie dagegen oft mit Blick auf Sachkunde und Verantwortungsbewusstsein. Sie lehnen das Auto ab und verzichten oft demonstrativ darauf, den Führerschein zu machen. Da die Bevölkerung jedoch nicht nur aus Fahrradkurieren mit überentwickeltem Geltungsdrang besteht, sollte man sich bei solchen Fragen eher an Fachleute wenden, welche sich beruflich mit den täglichen Realitäten der Mobilität beschäftigen müssen: Den Stadtplanern und ihrer Detailarbeit, Bild 2.

Bild 2. Ohne detaillierte Planung würde die Verkehrsprobleme in unseren Städten zu völligem Chaos führen (Grafik: [STPL])

Wie sehr sich deren Gedankenwelt von „grünen“ Vorstellungen unterscheidet, zeigt eine Analyse von Dr. Gerd Held [GEHE], die sich auch auf Ergebnisse der Gesamtverkehrsprognose 2025 für die Länder Berlin und Brandenburg [VERK] stützt. Dabei ist festzuhalten, dass man menschliche Aktivitäten räumlich nicht beliebig komprimieren kann. Der teure Raum in Hochhaustürmen ist nur noch für große, finanzstarke Verwaltungseinheiten erschwinglich. Industriebetriebe, kleinere Gewerbe und erst recht Normalverdiener werden verdrängt. Bezahlbar bleiben Wohn- und Gewerberaum deshalb nur bei multizentralen Konzepten. Dementsprechend weiträumig muss auch das Verkehrssystem ausgelegt werden. Doch wenn sich Besiedlung und menschliche Aktivitäten auf eine größere Fläche verteilen, kann man nicht alles mit den Linienkonzepten des ÖPNV abdecken. Vor allem dann nicht, wenn nicht nur Arbeitswege, sondern auch Einkäufe, Dienstleistungen, Ver- und Entsorgung sowie Sport und Freizeit einzubeziehen sind. Beurteilungsgrundlage ist sinnvollerweise dabei die Verkehrsleistung, weil diese auch die Entfernungen berücksichtigt. Kernaussagen der Analyse zeigt die folgende Tabelle:

Trotz steigenden Anteils der Rad- und Fußwege sowie des ÖPNV bleibt das Auto die entscheidende Grundlage der Mobilität. Würde man beispielsweise die Ausweichmöglichkeiten an die Peripherie durch massive Beschränkungen des motorisierten Individualverkehrs (MIV) unterbinden, so käme es auf den bereits jetzt angespannten innerstädtischen Wohnungsmärkten zu untragbaren Zuständen. Das Fahrrad ist kein barrierefreies Verkehrsmittel und stößt mit zunehmenden Entfernungen an „harte“ Grenzen, vor allem wenn es um größere Lasten bzw. um Personen mit Einschränkungen bezüglich Fitness oder Gesundheitszustand geht. Noch realistischer statt der „Verkehrsleistung“ wäre es, wenn man auch die Sachleistung des Transports (mitgeführte Dinge, z.B. bei Großeinkauf) einbeziehen würde. Spätestens, wenn man den Gewerbeverkehr von Handwerk und Lieferdiensten in die Betrachtung mit einbezieht, macht sich diese Dienstleistungsfunktion des Verkehrs deutlich bemerkbar. Die autofreie Stadt ist und bleibt eine Utopie.

Elektromobilität – Utopien ohne Substanz

Als eine Art Allheilmittel für alle Probleme der Mobilität werden derzeit Autos mit elektrischen Antrieben sowie selbstfahrende Fahrzeuge propagiert, die man anfordern und verlassen kann, damit sie sich fahrerlos zum nächsten Kunden begeben und diesen dann zum gewünschten Ziel transportieren können. Beides sind reine Utopien, in die dennoch auf Druck der Politik ungeheure Summen investiert werden. Während der Diesel-Skandal VW wohl so um die 25 Mrd. € gekostet hat, investiert der Konzern jetzt „freiwillig“ weitere 70 Mrd. in die beschleunigte Entwicklung des elektrischen Fahrens. Dieses Geld ist zum Fenster hinausgeworfen. Es gibt:

  1. Zuwenig Lithium auf der Welt. Bergbaulich gewinnbar sind nach aktuellen Schätzungen vermutlich lediglich knapp 40 Mio. Tonnen [GREE]. Bei einem Kfz-Bestand von derzeit um 1,5 Mrd. Stück und einem Lithiumbedarf von ca. 10 kg/ Fahrzeug (einschl. LKW) würde man demnach 1,7 Mal den derzeitigen weltweiten Kfz-Bestand mit Batterien ausrüsten können. Danach wäre Schluss, es gibt derzeit kein praktikables Recycling für Lithium.
  2. Zuwenig Strom in Deutschland. Die Umstellung der gesamten deutschen Fahrzeugflotte auf Batteriebetrieb würde einen zusätzlichen Strombedarf von knapp 340 Terawattstunden (TWh) bedingen. Die gesamte Stromerzeugung lag 2016 bei 648 TWh. Wo soll der Strom herkommen, wenn wir außerdem noch Kohle- und Kernkraftwerke abschalten und die Regierung sich darauf festgelegt hat, bis 2050 den Gesamt-Stromverbrauch von 524 TWh/ Jahr auf 393 TWh/ Jahr [ELMO] zu senken?
  3. Zuwenig Leitungen. Um den gesamten Kfz-Verkehr zu elektrifizieren, muss praktisch das gesamte deutsche Stromnetz erneuert und verstärkt werden, bis herab zum einzelnen Hausanschluss und mitsamt aller Trafostationen und Umspannwerken. Das Netz besteht zurzeit aus ca 35.000 km Höchstspannungsleitungen (Bild 3), deren Umbau bzw. Erweiterung je nach Ausführung zwischen 1,2 und 11,2 Mio €/ km kosten dürfte [CLEA]. Dazu kommen ca. 77.000 km Hochspannungsleitungen (110.000 V), 479.000 km Mittelspannungsleitungen (20.000 V) sowie 1,2 Mio km Niederspannungsnetz bis zu den Haushalten. Die Kosten für die erforderliche Verstärkung der Netze lassen sich kaum abschätzen, könnten jedoch sogar den dreistelligen Milliardenbereich überschreiten. Zahlen müsste die Allgemeinheit.

Bild 3. Das deutsche Höchstspannungsnetz hat eine Länge von ca. 35.000 km. Jeder Kilometer Neubau kostet zwischen 1,2 und 11,2 Mio. €.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ein gewisses Marktsegment für rein elektrische Fahrzeuge gab es schon immer und wird es auch in Zukunft geben. Aber die Vorstellung einer flächendeckenden Umstellung des Verkehrs von Verbrenner auf Strom ist für die absehbare Zukunft weder durchführ- noch bezahlbar. Bei den Ländern, die derzeit mit teils extremen Zielen vorpreschen wie die Niederlande oder Norwegen, könnte man fast den Verdacht haben, dass es hier Kräfte gibt, die auf ein Ende mit Schrecken hinarbeiten, weil es die einzige Möglichkeit zu sein scheint, einem Schrecken ohne Ende zu entgehen.

Und was das viel gerühmte selbstfahrende Auto angeht: Das kann klappen. In Städten ohne menschliche Fahrer, ohne Radfahrer und ohne spielende Kinder wäre es auch heute schon denkbar. Bei 6-10 km/h alles kein Problem. Doch ein fahrerloses Auto, das bei heutigen Verkehrsverhältnissen den Arc de Triomphe umrundet, ohne halb Paris lahmzulegen? Da glaubt man wohl besser an den Weihnachtsmann.

Zurück zum „Faktenfinder“

Hierin knöpfen sich die Autoren nach ihren Ausführungen über die angeblichen Gesundheitsgefahren durch NO2 nochmals die Wissenschaftliche Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik vor. Diese hatte in einem Statement vom Juni 2017 behauptet, dass das NOx-Emissionsproblem technisch gelöst und Diesel-PKW künftig nicht mehr als Problem anzusehen seien. Gemeint war damit die neueste Euronorm (Euro6dtemp) zur Harnstoff-Einspritzung, die für Neuzulassungen ab dem 1.1.2019 gelten wird. Dem widerspricht der von den Verfassern zitierte Sprecher des „Bundesumweltamtes“ (das zwar eigentlich Umweltbundesamt heisst, aber Schwamm drüber) wie folgt: „Lastwagen halten schon jetzt die Grenzwerte ein, weil deren Harnstoff-Einspritzanlagen ausreichend dimensioniert sind. Für Autos, die derzeit auf der Straße sind, gilt das natürlich nicht. Und genau die sind ja für die hohen NOx-Werte verantwortlich und werden noch lange im Land unterwegs sein“. Die Grafik aus seinem eigenen Amt (UBA-Telegramm 1/2016, Bild 4) stützt diese pessimistische Einschätzung allerdings nicht wirklich, dokumentiert sie doch einen kontinuierlichen Rückgang der NO2-Immissionswerte an allen Messstellen, selbst an denen in den so genannten Hot-Spots. Auf den „kleinen“ Versprecher mit NOx statt NO2 wird in einer späteren Folge dieser Reihe noch näher eingegangen.

Bild 4. NO2-Jahresmittelwerte 2005 bis 2015 (Grafik: UBA)

Dann gibt es jedoch noch eine zweite Grafik zum gleichen Sachverhalt und aus dem gleichen Jahr, die etwas anders aussieht, Bild 5.

Bild 5. Darstellung der NO2-Immissionswerte an Messstationen mit gegenüber Bild 4 geänderter Zeitspanne (Grafik: UBA)

Bild 4 und Bild 5 zeigen verblüffend unterschiedliche Verläufe der an verkehrsnahen Messstellen in Städten gemessenen Werte. Beim UBA wird man sich darüber Gedanken machen müssen, wie sich derartige Diskrepanzen auf die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Behörde auswirken könnten.

Ungeachtet dessen ist das Interessante an der Aussage des UBA-Sprechers, dass er geschickt eine unbestreitbare Tatsache dazu benutzt, um einen Sachverhalt irreführend darzustellen. Dass es immer Autos geben wird, die nach dem Kauf noch viele Jahre länger als üblich benutzt werden, ist eine Binsenweisheit. Schließlich brummen auch heute noch diverse Oldtimer aus den 30er Jahren über unsere Straßen. Entscheidend für das Abgasgeschehen ist jedoch der ständige Generationswechsel, bei dem vor allem die ältesten Fahrzeuge mit dem schlechtesten Emissionsstandard ausgetauscht werden. Und trotz aller Kritik ist auch beim Diesel EURO-4 besser als EURO-3, EURO-5 besser als EURO-4 und EURO-6 besser als EURO-5. Zur künftigen Entwicklung gibt es eine anschauliche Grafik aus einer Mittelfristprognose des ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH [TREM], Bild 6.

Bild 6. Prognostizierte Entwicklung des PKW-Bestandes nach Emissionsstandards (Grafik: [TREM])

In die gleiche Richtung zielt auch eine Prognose aus den Hintergrundinformationen zur neuesten Version 3.3 des HBEFA-Handbuchs [HBEFA], Bild 7.

Bild 7. Detailliertere Prognose zur Ablösung älterer Dieselfahrzeuge durch Modelle mit den verschiedenen Varianten der EURO-6-Abgasnorm (Grafik: [HBEFA])

Diese neuere Untersuchung aus dem Jahre 2017 geht detaillierter auf die verschiedenen Unterkategorien der EURO-6-Kategorie bei Dieselfahrzeugen ein. Auch nach dieser Prognose ist mit einer vergleichsweise schnellen Ablösung vor allem der Fahrzeuge mit EURO-4 und EURO-5 zu rechnen. Beide Untersuchungen sind sowohl im Umweltministerium als auch im UBA, die zu den Auftraggebern der Studien gehören, bestens bekannt. Dass Fr. Hendricks nebst ihren Untergebenen ungeachtet der ihr bekannten Fakten so lautstark gegen die Autohersteller wettern, ist nicht mehr mit Vorsorgedenken für die Bevölkerung zu erklären. Erklärbar ist dies nur durch die offene Industriefeindlichkeit der Akteure. Einen interessanten Einblick in die dahinter steckenden rot-grünen Netzwerke gibt ein kürzlich in den „Stuttgarter Nachrichten“ erschienener Artikel [MAFI]. Da erfährt man interessante Details wie z.B. die Tatsache, dass ein früherer Chef des Vereins Deutsche Umwelthilfe (das ist der Verein, der aktuell versucht, Deutschlands Autoindustrie kaputt zu klagen) bis heute als Staatssekretär an prominenter Stelle in deutschen Ministerien sein Unwesen treiben darf. Zum gleichen Dunstkreis gehört auch Matthias Machnig, der im Bundesumweltministerium Staatssekretär war, als in Brüssel die Luftreinhaltungsrichtlinie beschlossen wurde, auf die sich die DUH bei ihren Klagen stützt. Interessanterweise ist es auch der gleiche Personenkreis, der bereits die Abwicklung der deutschen Stromkonzerne zugunsten der „Energiewende“ managte. Umso schwerer fällt es daher zu verstehen, was denn die Betriebsräte der Autobranche dazu treibt, mit einer solchen Organisation zu paktieren. Was man dort mit der Automobilbranche vorhat, kann sich doch jeder an fünf Fingern abzählen. Im Unterschied zu den Mitarbeitern bei Daimler, Bosch oder Audi muss sich niemand von diesen hohen Herrschaften Sorgen wegen Arbeitsplatz oder Rente machen. Diesen Leuten geht es um Ideologie – und ganz nebenher hat man ja auch nichts dagegen, wenn sich dadurch die Taschen füllen. Seltsamerweise scheinen derartige Recherchen nicht zum Aufgabengebiet der öffentlich gefütterten deutschen Sendeanstalten zu gehören. Das müssen die unterbezahlten Redakteure von lokalen Zeitungen ohne jegliche Unterstützung oder Anerkennung aus eigenem Antrieb erledigen.

Fakten und „Faktenfinder“

Die bisherige Analyse der von den „Faktenfindern“ von NDR und Tagesschau präsentierten Aussagen lässt erkennen, dass man sich dort alles andere als kritisch-investigativ mit dem Thema NO2-Immissionen der Stadtluft beschäftigt hat. Stattdessen übernimmt man einfach die Positionen von Hendricks und dem UBA, als seien deren Ansichten der Weisheit letzter Schluss. Eine eigenständige kritische Wertung von Daten und Hintergründen ist nicht einmal in Ansätzen erkennbar. Dies bestätigt die bereits bisher gemachte Erfahrung, dass die Mehrzahl der Medien – allen voran die Fernsehanstalten ARD, ZDF und ihre Landesdependancen – beim sogenannten „Diesel-Skandal“ einseitig, parteiisch und irreführend berichten. Statt um Ausgewogenheit und Sorgfalt bemüht man sich offenkundig eher darum, das Thema so darzustellen, wie die Bundesbehörden sowie die etablierten Parteien es gerne haben möchten. Abweichende Meinungen von Medien, Journalisten oder Bloggern werden als unglaubwürdig hingestellt. So leistet man dem ideologischen Ziel der Deindustrialisierung Deutschlands durch „Dekarbonisierung der Volkswirtschaft“ Vorschub. Der Diesel ist dabei nur das erste Opfer. Es wird danach weitergehen, und zwar alternativlos.

Fred F. Mueller

Demnächst folgt Teil 5

Quellen

[CLEA] https://www.cleanenergy-project.de/stromtrassen-erdkabel-kosten-stromkunden-milliarden/

[ELMO] https://eike.institute/?s=Das+deutsche+Energiewende-Wunder%3A+Elektromobilit%C3%A4t+ganz+ohne+Strom

[FAKT] http://faktenfinder.tagesschau.de/inland/stickstoffdioxid-111.html

[GEHE] http://wordpress.gerdheld.de/?p=1667

[GREE] https://www.greentechmedia.com/articles/read/Is-There-Enough-Lithium-to-Maintain-the-Growth-of-the-Lithium-Ion-Battery-M

[HBEFA] HBEFA Version 3.3 Background Documentation Berne, 25. April 2017

[MAFI] http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.umwelthilfe-in-ministerien-das-netzwerk-der-diesel-gegner.ce6d4b7e-2a2a-4379-87f9-70b5feeb5845.html

[STPL] http://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.jsp?loginkey=showMap&mapId=verkehr_strnetz@senstadt

[TREM] Aktualisierung „Daten- und Rechenmodell: Energieverbrauch und Schadstoff-Emissionen des motorisierten Verkehrs in Deutschland 1960-2030“ (TREMOD, Version 5.3) für die Emissionsberichtserstattung 2013 (Berichtsperiode 1990-2011) ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH




Deutschland wird seine Ziele bzgl. globaler Erwärmung wohl nicht erreichen…

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel steht am Sonntag vor ihrer Wiederwahl, aber der unbequeme Report der Gruppe Agora Energiewende zu den Zielen ihrer Regierung bzgl. globaler Erwärmung dürfte ihr trotz ihres Sieges ganz und gar nicht gefallen.

Aber man erwarte nicht, dass Merkel zurücksteckt. Tatsächlich sagte sie vor ein paar Tagen, dass ihre Regierung „Wege finden werde, um das Klimaziel 2020 zu erreichen“, worunter auch die fortgesetzte Schließung von Kohlekraftwerken fällt.

„Ich bezweifle, dass sich in Deutschland kurzfristig sehr viel ändern wird“, sagte Benny Peiser, Direktor der in UK ansässigen GWPF.

Trotz der Kosten „steht die große Mehrheit der Deutschen nach wie vor hinter der Energiewende“, sagte Peiser mit Verweis auf Deutschlands Transitions-Pläne.

Die „Energiewende“ ist nur ein Teil des deutschen Planes, seine Wirtschaft zu dekarbonisieren. Mittels der Energiewende hofft Deutschland, wegzukommen von fossilen Treibstoffen, vor allem Kohle, hin zu Solar- und Windenergie.

Agora Energiewende zufolge wird das Verfehlen der Emissionsziele „nicht nur knapp, sondern ein grandioses Scheitern sein“. 40% des in Deutschland im Jahre 2016 verbrauchten Stromes wurde mit Kohle erzeugt, wogegen Wind und Solar verblassen.

„Das Grüne-Energie-Fiasko ist jedoch in keiner Weise Wahlkampfthema – nicht zuletzt, weil es einen All-Parteien-Konsens gibt hinsichtlich von etwas, das sich als die katastrophalste Entscheidung von Angela Merkel herausstellen dürfte“, sagte Peiser. [Da hat er wohl noch nichts von der AfD gehört. Wie nannte es Herr Gauland so treffend: die „Konsensparteien“. Anm. d. Übers.]

Deutschland begann im Jahre 2011 mit der Subvention grüner Energiequellen nach der Havarie des Kernkraftwerkes in Fukushima. Merkel startete eine aggressive Verschiebung hin zu Solar- und Windenergie, um die Kernkraftwerke des Landes zu ersetzen.

Aber das kommt die Deutschen teuer zu stehen.

Bloomberg zufolge hat Deutschland während der letzten Jahrzehnte 780 Milliarden Dollar ausgegeben, und doch reicht das immer noch nicht aus, um das Land seinem nationalen Ziel nahezubringen, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40% zu reduzieren. „Wir erwarten, dass die Kosten der Energiewende ab Anfang 2020 sinken werden – erneuerbare Energie durch neu errichtete Wind- und Solar sind jetzt die billigste Energiequelle in Deutschland“, sagte Christoph Podewils, Direktor bei Agora [wo hat er denn das her?! Anm. d. Übers.]. „Natürlich gibt es noch viele Unwägbarkeiten – Marktdesign, Vorschriften, Netzausbau und Erweiterung, Akzeptanz und Dekarbonisierung von Wärme und Transport – aber die Kosten spielen keine Rolle mehr“.

Allerdings fühlt der durchschnittliche Deutsche den Schmerz. Die Stromkosten sind dreimal so hoch wie in den USA, hauptsächlich wegen gestiegener Steuern auf Energie, um die Subventionen für grüne Energie stemmen zu können. Wärme ist so teuer geworden, dass sie „die zweite Miete“ genannt wird.

Die Industrie in Deutschland andererseits ist von den gesetzlich vorgeschriebenen Abgaben ausgenommen aus Angst, dass sie anderenfalls nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Das bedeutet noch höhere Kosten für Bürger und den Mittelstand.

Deutschlands Emissionen liegen derzeit um 27% unter dem Niveau des Jahres 1990, was führend ist im Vergleich mit anderen europäischen Ländern, aber immer noch weit hinter dem zurückbleibt, was zur Erreichung des Zieles erforderlich ist.

Emissionen sind gesunken, während Kohlekraftwerke aufblühen. Kohle, besonders Braunkohle, ist eine billige Energiequelle in Deutschland, welches grüne Energiequellen subventioniert hat, damit diese wettbewerbsfähig bleiben. Kohle ist außerdem eine viel zuverlässigere Energiequelle, ist sie doch nicht von Wind und Sonne abhängig.

„Deutschlands CO2-Emissionen im Stromsektor sind seit 1995 nicht gesunken“, sagte Peiser. „Das Land wird fast mit Sicherheit seine Klimaziele bis 2020 weit verfehlen. Alles, was man mit den Erneuerbaren erreicht hat ist, die Null-Kohlenstoff-Kernenergie und die Niedrig-Kohlenstoff-Gasenergie aus dem Markt zu drängen, während die Erzeugung von Energie mittels Kohle zunehmend wettbewerbsfähig ist und aufblüht“.

Link: https://wattsupwiththat.com/2017/09/23/germany-probably-wont-meet-its-global-warming-goal-despite-shelling-out-800-billion-for-green-energy/

Übersetzt von Chris Frey EIKE




Globale Erwärmung: Wer sind jetzt die Leugner?

Eine neue, im Journal Nature Geoscience veröffentlichte Studie gibt vor, Maßnahmen der globalen Regierungen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes zu stützen, um das Potential für globale Erwärmung während der nächsten 100 Jahre oder so abzumildern. Aber was die Studie in Wirklichkeit tut ist, praktisch jedes aktuelle Argument für radikale Maßnahmen gegen die Erwärmung zu untergraben.

Warum? In der Studie wird eingeräumt, dass 12 führende Universitäten und Modelle der Regierung, auf welche sich die Prophezeiungen der Klimaerwärmung stützen, fehlerhaft sind.

„Es gab einfach nicht die beschleunigte Erwärmung nach dem Jahr 2000, die in den Modellen zu sehen war“, sagt Myles Allen, Professor für Geowissenschaften bei Oxford und einer der Autoren der Studie. „Aus den Beobachtungen geht das einfach nicht hervor“.

Und natürlich hat er recht. Wie wir hier schon oft geschrieben haben, scheint der so gefürchtete Trend der „globalen Erwärmung“ irgendwann um das Jahr 1998 zum Stehen gekommen zu sein. Wir wissen, dass das so ist, weil die Temperaturmessungen via Satelliten zeigen, dass es seitdem praktisch keine Änderung mehr gegeben hat. Und Satellitenmessungen sind die genauesten Messungen der gesamten Atmosphäre und nicht nur aus Teilen davon.

Den UN-Modellen zufolge hätte die Temperatur um das Jahr 1995 stark zu steigen beginnen sollen. Bis zu diesem Jahr sollten wir demnach einen Temperaturanstieg von fast 1°C erreicht haben, was in geologischen Zeiträumen gedacht ein extrem kurzer Zeitraum wäre. Es waren jene Modelle, aufgrund derer der Welt das Narrativ übergestülpt wurde, dass sich unsere globalen ökonomischen Prioritäten schleunigst ändern müssen.

Die Wirklichkeit: Praktisch keine Änderung der Temperatur. Schlicht und ergreifend: die Modelle sind falsch!

Und doch fahren die Befürworter des Dogmas der globalen Erwärmung ungebremst damit fort, die Karrieren wissenschaftlich Abtrünniger zu ruinieren und Beleidigungen zu verbreiten wie etwa die Skeptiker als „Leugner“ zu bezeichnen – womit all jene, die mit der Wissenschaft der globalen Erwärmung nicht übereinstimmen, mit „Leugnern“ des Holocausts gleichgestellt werden sollen – während sie selbst nur allzu offensichtliche Fakten über „Klimawandel“ leugnen.

Wie wir schon im Mai geschrieben hatten, hatte der Sunday Telegraph in UK berichtet, dass die Temperaturen Anfang dieses Jahres stark zurückgegangen waren, nachdem zuvor 2016 das „heißeste Jahr jemals“ aufgetreten war. Wie kann das sein? 2016 war ein El Nino-Jahr, die immer besonders warm ausfallen.

„Während der letzten Monate sind die globalen Temperaturen um über 0,6°C gefallen: genau wie es vor 17 Jahren nach einem ähnlich starken El Nino der Fall war“. Nicht nur das, denn trotz der doom-and-gloom-Prophezeiungen durch bezahlte „Wissenschafts“-Prognostiker ist das Eis sowohl in der Arktis als auch in Grönland in diesem Jahr gewachsen [teilweise rekordverdächtig, wie man hier erkennen kann {deutschsprachig!}. Anm. d. Übers.].

Die jüngsten Revisionen von Klimadaten gingen allesamt nur in eine Richtung: Ältere Daten wurden zu kühleren Temperaturen hinab korrigiert, während Temperaturen aus jüngerer Zeit nach oben korrigiert worden sind. In einer ordentlichen Statistik würde Rauschen nicht durchweg nur in eine Richtung zeigen.

Aus all dem folgt: es sieht verdächtig danach aus, als ob Wissenschafts-Statistiker, welche große, fette Schecks von Regierungen erhalten, jedes nur denkbare Interesse daran haben, den Gedanken einer unvermeidlichen und katastrophalen Erwärmung weiter zu verbreiten, oder, wenn man so will, Geschäftsbücher zu fälschen.

Link: https://www.thegwpf.com/global-warming-who-are-the-deniers-now/

Übersetzt von Chris Frey EIKE




Ganz(?) München steht Kopf, denn die Stadt verfehlt ihre Ziele beim Kampf gegen den Klimawandel

Die Umwelt-Akademie e.V. und Netzwerk Klimaherbst e.V., Mittwoch, 27.09.2017, 19:00h: Die umweltpolitischen Sprecher der Parteien im Münchner Stadtrat: Sebastian Schall (Anmerkung: Studium Druck und Medientechnik), CSU Jens Röver, (Anmerkung: Dipl.-Politikwissenschaftler), SPD Sabine Krieger (Anmerkung: Lehramt an Gymmasien Sport und Sozialkunde, Studium Geografie), GRÜNE debattieren, wie die Stadt München ihre sich selbst gesteckten Klimaschutzziele erreichen will.

Anlass der Aktionen ist die schonungslos aufgedeckte Gefahr, die Stadt München könnte ihre CO2-Reduktionsziele nicht erreichen und damit Mitschuld am sich verschlimmernden Klima tragen. Jeder wird verstehen, dass Stadträte, welche aufgrund der Studie nun von ihrer möglichen Zukunftsschuld wissen, Entlastung brauchen. Und wie diese nur aussehen kann, wurde bereits verkündet.
[2] … Das Klimaziel müsse „in allen Bereichen zur Chefsache erklärt werden“, sagte Timpe bei der Vorstellung des Münchner Gutachtens am Donnerstagabend. Ob Oberbürgermeister, Firmenchefs, Bauunternehmer oder die Münchner Bürger – alle müssten aktiv in die Problematik einbezogen werden …

Der Anspruch

Stolz, wie es alle Stadtoberen sind (wenn die Bürger es bezahlen dürfen), will sich die bayerische Landeshauptstadt global positionieren. Und das nicht nur mit dem Oktoberfest, sondern mit wirklichen, höheren Werten:
[2] …angesichts des Anspruchs der Landeshauptstadt München, zu den Vorreitern beim Klimaschutz unter deutschen und internationalen Kommunen und Metropolen zu gehören …
Das ist verständlich und auch erforderlich, denn der Konkurrenzdruck ist enorm:

[2] … Ein vergleichbares Ziel haben sich in Deutschland zum Beispiel schon die 41 Kommunen gesetzt, die als sogenannte Masterplankommunen „100 Prozent Klimaschutz“ von der Bundesregierung gefördert werden …
Beispielhaft wurden die Stadtwerke München mit einem erklecklichen Budget ausgestattet, um dem CO2-Neutralitätsanspruch näher zu kommen:

WIKIPEDIA: Stadtwerke München
Die Ausbauoffensive Erneuerbare Energien ist mit einem Budget von rund neun Milliarden Euro ausgestattet worden.
München kann sich das allerdings problemlos aus der Portokasse leisten, denn ihr Schuldenstand ist im bundesweiten Vergleich zu vernachlässigen. Alleine bis zum „normalen Mittelwert“ ist unglaubliche „Schuldenluft“ nach oben frei:

SZ, 4. Januar 2017: Haushalt Theoretisch hat jeder Münchner knapp 500 Euro Schulden
Die Stadt verzeichnet einen neuen Rekord bei den Gewerbesteuern – und gibt trotzdem mehr Geld aus, als sie einnimmt
.

Im Vergleich: Die Summe der 103 deutschen kreisfreien Städte ist (im Mittel) mit 5.316 Euro je Einwohner verschuldet, Berlin hatte im Jahr 2014 einen Schuldenstand von 17.371 EUR / Einwohner [7].

Problemerkennung und Weg zur Lösungsfindung

Wenn in kommunalen Verwaltungen Probleme erkennbar werden, sind diese oft plötzlich hilflos. Warum sollte das beim Klimamanagement anders sein. Die 11 Klimaschutzmanager*innen der Stadt München sind mit Projektarbeiten voll ausgelastet und die Umweltreferentin ausgebildete Juristin. Wer wäre da noch übrig gewesen, das schon länger bekannte Problem zu analysieren?

Bild 1 Stadt München, Klimaschutzprojekt der Klimaschutzmanager*innen [8]. Bildquelle: Screenshot aus der Broschüre

Zum Glück gibt es jedoch immer „Helferlein“, welche so etwas gegen einen Obolus lösen, zumindest viele Wege dahin weisen. Genau so machte es die Stadt und befragte ein ausgewiesen Klimawandel-affin eingestelltes Institut.

Die Studie

Wie angedeutet: Wer bei einem Öko-Institut e.V. eine Studie beauftragt, wird sicher nicht erwartet haben, eine neutrale Analyse über Sinn und Unsinn seiner Klimaschutzmaßahmen zu erhalten. Entsprechend ist das Ergebnis der Studie und sie geht mit der Stadt auch hart ins Gericht.
Öko-Institut e.V., Juli 2017: [1] Klimaschutzziel und –strategie München 2050 Endbericht
[2] … München dürfte theoretisch von Juni 2019 an überhaupt keine Emissionen mehr ausstoßen, wenn es bis dahin einen gleichbleibenden Energiebedarf gibt.
Ganz so schlimm wurde es dann doch nicht. Etwas kompromissfähig muss man auch beim Verhindern des Klimauntergangs sein:

[6] … Die Gutachter raten der Stadt, die Anstrengungen zu verschärfen, sodass im Jahr 2030 nur noch drei Tonnen CO2 pro Person in die Atmosphäre geblasen werden (2013 waren es noch 11,8 Tonnen) und 2050 nur noch drei Tonnen pro Person,
allerdings versehen mit dem Hinweis, welche Konsequenzen dies hat:

Studie: [1] … Selbst das ambitionierte Ziel von 0,3 t Treibhausgas-Emissionen pro Kopf und Jahr ist zusammen mit dem in Tabelle 6-1 vorgeschlagenen zeitlichen Verlauf nicht kompatibel mit dem 1,5°-Ziel der internationalen Klimapolitik (vgl. Kapitel 6.2). Zur Erreichung des 1,5°-Zieles müsste die Reduktion der Emissionen sehr viel schneller erfolgen.

Stadt München: Ermittlung des Emissionsbudgets

Studie: [1] … Für die folgende Betrachtung wurde der Ansatz gewählt, dass das Emissonsbudget für die LH München entsprechend der Münchner Bevölkerung festgelegt wird. D.h., der Anteil der LH München am Gesamtbudget entspricht dem Anteil der Müncher Bevölkerung an der Weltbevölkerung im Jahr 2014. Da die Weltbevölkerung und die Münchner Bevölkerung nach aktuellen Schätzungen in einem ähnlichen Maße ansteigen, ist die Verwendung der Bevölkerungszahl aus dem Jahr 2014 ausreichend. Weitere Faktoren, wie zum Beipiel der größere Wohlstand in den Industriestaaten (und damit auch in München) gegenüber den Schwellen- und Entwicklungsländern, werden in diesem Ansatz nicht berücksichtigt.

Bild 2 Budgetszenarien München für das 1,5 Grad-Ziel [1]

Stadt München: Klimanutzen und CO2-Vermeidungskosten

Leider beinhaltet die Studie keine globalen Kostenaussagen oder Gesamt-Zusammenfassungen. Es wird deshalb von den öfters als Mittelwert gelisteten 20 EUR / t CO2 ausgegangen.
Damit wurde vom Autor ganz grob abgeschätzt, welchem „Klimanutzen“ welche Kosten gegenüberstehen. Berücksichtig wurde mit dem Faktor 0,75 die endliche Verweildauer des CO2 in der Atmosphäre von ca. 100 Jahren. Gerechnet wurde mit dem (noch) vom IPCC angegebenen Forcing von +3 Grad / CO2-Verdopplung, wie auch mit dem inzwischen als realistischer angesehenen Forcing von maximal +1 Grad / CO2-Verdopplung.

Bild 3 Anhand der Werte [1] Tabelle 6-3 abgeschätzte Klimawirkung und CO2-Vermeidungskosten der Szenarien (vom Autor erstellt)

Stadträte von München: Diesen Absatz bitte lesen

Damit ist dieser Artikel beim Kernpunkt angekommen. Die Stadträte von München sollten sich gut überlegen, ob man mit diesem vielen Geld auf der Welt nicht wesentlich mehr Nutzen erzielen kann, als über die vorgesehene, nutzloseste Art die Temperatur verringern zu wollen, wie es die CO2-Vermeidung darstellt. Nur, weil es andere Städte ebenfalls vormachen, wird es nicht sinnvoller:
EIKE 25.04.2017: [1] Wo Klimaschutzprogramme bestimmen, spielen Sinn und Geld überhaupt keine Rolle mehr
Auch den Bewohner von München bringt es überhaupt nichts, außer, dass ein Teil der städtischen Ausgaben mit CO2-Weihwasser bespritzt ist und dem Bau von Ökokathedralen dient.

München erwärmt sich gegenüber dem Umland um bis zu 10 °C. Da ist ein „Temperatur-Reduzierungsversuch“ durch CO2-Vermeidung erkennbar das Sinnloseste, was sich selbst klimahysterische Träumer überhaupt vorstellen können. Scheinbar träumen diese aber nicht.

Nur nebenbei sei noch erwähnt, dass CO2 ein lebensnotwendiger Pflanzendünger ist und der Planet sich aktuell seit 300 Mio. Jahren wieder am CO2-Minimum der letzten Milliarden Jahre befindet, alle Grünpflanzen dieser Erde somit buchstäblich „am Hungertuch“ nagen und nach mehr CO2 lechzen. Die Grünpflanzen haben beim IPCC jedoch keine Stimme.

Exkurs: Die Ableitung des globalen „1,5°-Ziels“ für München

Studie: [1] Die Weltgemeinschaft hat sich im November 2015 auf dem Weltklimagipfel in Paris darauf geeinigt, die Erwärmung der Erdatmosphäre auf einen Wert deutlich unterhalb von 2 Grad zu begrenzen. Die Begrenzung der Erderwärmung um 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Wert ist als Maximalziel im Beschluss enthalten.
Zur Begrenzung der Erderwärmung ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen des Weltklimarats (www.wri.org/ipcc) eine Begrenzung der CO2-Menge in der Atmosphäre erforderlich. Je geringer die angestrebte Erderwärmung, desto geringer ist die zulässige CO2-Konzentration in der Atmosphäre und demnach die Menge an CO2, die insgesamt in die Atmosphäre emittiert werden darf.
Die mögliche absolute Menge, die noch emittiert werden kann, das sogenannte Emissionsbudget, wurde vom International Panel of Climate Change (IPCC) in mehreren Modellierungsläufen für verschiedene Klimaziele berechnet. Demnach ist es für den weltweiten Klimaschutz nicht nur wichtig, bis zu einem Zieljahr 2050 ein bestimmtes relatives Minderungsziel gegenüber einem Ausgangsjahr zu erreichen. Vielmehr ist letztlich entscheidender, welche kumulierten Emissionen ab heute bis zum Jahr 2050 insgesamt erzeugt werden.
In Abbildung 6-1 ist das verbleibende CO2-Emissionsbudget für die Klimaziele „Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 2 Grad“ (links) und „Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad“ (rechts) gegenübergestellt. Demnach beträgt das insgesamt verbleibende CO2-Budget, wenn die Erderwärmung mit 66 %iger Wahrscheinlichkeit auf 2 Grad begrenzt werden soll, ab dem Jahr 2015 noch 850 Gt CO2. Bei einer Begrenzung mit 66 %iger Wahrscheinlichkeit auf 1,5 Grad sind es nur noch 240 Gt CO2, die ab 2015 von der Weltgemeinschaft emittiert werden können.

Bild 4 Budgetszenarien Welt bis zum Jahr 2050 [1]

Studie: [1] Über eine Methode zur Verteilung des verbleibenden Budgets innerhalb der Staatengemeinschaft gibt es noch keine Festlegungen. In der Wissenschaft werden verschiedene Ansätze diskutiert.
Denkbar sind zum Beispiel Verteilungsansätze, die zur Berechnung nationaler Emissionsbudgets von einer gleichen Menge kumulierter Emissionen pro Kopf über einen bestimmten Zeitraum ausgehen. Weitere Ansätze gehen davon aus, dass Staaten, die bereits stärker zur Belastung der Atmosphäre beigetragen haben, auch stärker zur Eindämmung der Emissonen beitragen müssen (Verursacherprinzip). Die Verteilung der Minderungsverpflichtungen entsprechend dem Wohlstand der verschiedenen Länder wird bei Anwendung eines „Leistungsfähigkeitsprinzips“ angestrebt. Für weitere Ausführungen zu weiteren Optionen für die Verteilung des Emissionsbudgets, deren unterschiedliche Ausgestaltung sowie Vor- und Nachteile vergleiche zum Beispiel Marina Cazorla and Michael Toman (2000) und Kleber (2011).

Anhang: Wie (un-)genau kennt man das globale CO2-Budget?

In der Studie ist das CO2-Budget gelistet und so getan, als wäre dieses diskussionslos. Wie alles beim AGW-Klimawandel ist es aber nicht so. Das vom IPCC angegebene Budget basiert lediglich auf Vermutungen und den üblichen Computer-Simulationen.
Folgerichtig wird auch von Fachleuten darüber immer noch heiß diskutiert und man ist meilenweit von einem Konsens entfernt. Auszüge zu solchen Diskussionen anbei:

kaltesonne, Uli Weber, 29. April 2017 (sehr stark gekürzt): [9] Prozentrechnung müsste man können: Das en(t)liche CO2-Budget
Auf dem Internetblog „Klimalounge“ war am 11. April 2017 ein Artikel mit dem Titel „Können wir die globale Erwärmung rechtzeitig stoppen?“ erschienen. Mit der Aussage, ein befürchteter Temperaturanstieg von 1,5 bis 2 Grad erlaube nur noch ein globales CO2-Budget von 150 bis 1050 Gigatonnen (Gt), wird dann über Ausstiegszenarien aus den kohlenstoff-basierten fossilen Energieträgern schwadroniert. Dort wird behauptet, das Temperaturniveau, auf dem die globale Erwärmung später zum Halten käme, wäre in guter Näherung proportional zu den kumulativen CO2-Emissionen und um die globale Erwärmung zu stoppen, müssten noch vor 2050 globale Nullemissionen für CO2 erreicht werden.
… Bis zum Jahre 2015 hatte der Mensch aus der Nutzung fossiler Energieträger etwa 1400 Gt CO
2 zusätzlich in die Atmosphäre eingebracht (Quelle) und damit den CO2-Gehalt der Atmosphäre auf 400 ppm erhöht. Hier die IPCC-Abbildung aus dem Klimalounge-Artikel vom 11. April 2017:

Bild 5 [9] CO2-Budgetgrafik aus dem IPCC Synthesebericht (2014)

… Die Aussagen über das verbleibende globale CO2-Budget basieren offenbar auf dem Blasenwert aus der obigen IPCC-Grafik mit (480-530 ppm = 3.000 Gt CO2 = 1,75-2,0 dT °C).
… Wir können aus dem IPCC-Blasenwert mit (480-530 ppm = 3.000 Gt CO
2 = 1,75-2,0 DT °C) einmal ganz vorsichtig eine mittlere CO2-Konzentration von 510 ppm für einen maximalen anthropogenen Temperaturanstieg unter 2 Grad entnehmen. Diese 510 ppm entsprechen dann knapp 6.000 Gt CO2. Abzüglich der natürlichen atmosphärischen CO2-Menge ergibt sich daraus also ein ursprüngliches globales Emissionsbudget von 2.800 Gt CO2 für eine Temperaturerhöhung unter 2 Grad, das sogar noch um 200 GT CO2 kleiner ist, als im IPCC-Bubble angegeben wird. Von diesem ursprünglich verfügbaren globalen CO2-Budget von 2.800 Gt CO2 wären bereits 1.400 Gt CO2 „verbraucht“. Dieser Wert stimmt übrigens auch recht gut mit den Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung überein, nach denen sich die Konzentration von CO2 seit Beginn der Industrialisierung um ca. 40 Prozent erhöht haben soll.
… Die Aussage über eine kumulative Wirkung von CO
2 zur Bemessung des verfügbaren CO2-Budgets in dem zitierten Klimalounge-Artikel ist aber nur insoweit korrekt, wie sich dieses CO2 auch noch in der Atmosphäre befindet. Das anthropogene CO2 hat in unserer Atmosphäre nämlich eine Verweildauer von nur etwa 120 Jahren (hier unter dem Stichwort „Kohlendioxid“).
Das globale CO2-Budget ist also gar nicht kumulativ, sondern fortlaufend „erneuerbar“! Mit dieser Verweildauer von etwa 120 Jahren für das anthropogene CO2 in unserer Atmosphäre beträgt das fortlaufende globale CO2-Budget für den anthropogenen CO2-Ausstoß also etwa 2.800 Gt CO2 pro 120 Jahre. Damit dürfte dann ein vorgeblich menschengemachter Temperaturanstieg sicher unter 2 Grad bleiben. Wir haben also eigentlich bis zum Jahre 2060 Zeit, um den anthropogenen CO2-Ausstoß auf jährlich 23 Gigatonnen (=2.800 Gt CO2 / 120 Jahre) zu begrenzen und damit das ominöse 2-Grad Ziel dauerhaft zu abzusichern. Von Null-Emissionen ab 2050 kann also selbst dann keine Rede sein, wenn man tatsächlich an einen menschengemachten Klimawandel durch CO2-Emmissionen glauben will.
… Die Dekarbonisierung der Welt erweist sich damit zum wiederholten Male als eine völlig unnötige Selbstkasteiung der Menschheit. Und aufgrund dieser religiös anmutenden Agenda will die westliche Welt jetzt freiwillig ihre kohlenstoff-basierte Lebensgrundlage zerstören und unseren daraus resultierenden Lebensstandard vernichten.

Selbstverständlich gibt es auch die genau gegensätzliche Extrem-Darstellung:
KLIMARETTER.INFO, 26. Juli 2017 (gekürzt): [10] CO₂-Budget vielleicht überschätzt
Möglicherweise muss sich die Weltgemeinschaft an ein noch knapperes CO2-Budget gewöhnen. Das hat jedenfalls eine neue Studie ergeben, die in dieser Woche im Fachmagazin Nature Climate Change erschienen ist. ….
Eine Studie von Klimaforschern wirft die Frage auf, wie das Zwei-Grad-Ziel eigentlich zu verstehen ist.
Genau genommen ist es nur eine Definitionsfrage … Wann aber die vorindustrielle Periode überhaupt anfängt, steht nicht in dem Vertrag. Ist die Zeit unmittelbar vor dem Durchbruch der Industrialisierung gemeint, also das Ende des 19. Jahrhunderts, oder schon eine frühere Phase? … Dass das einen Unterschied macht, zeigt die neue Studie: Schon in der Periode zwischen 1401 und 1800, so schreiben die Autoren, habe sich das Erdsystem durch menschliche Einflüsse um 0,2 Grad erwärmt …
Bezieht man das
Zwei-Grad-Ziel nun auf diese längere Periode, muss man den Status quo anders als bislang üblich beschreiben: Dann hat sich die Erde nicht „nur“ um das eine Grad erwärmt, das seit Ende des 19. Jahrhunderts durch die Industrialisierung und alles Folgende hinzugekommen ist, sondern schon um 1,2 Grad. Die Differenz zur Zwei-Grad-Marke verringert sich entsprechend – und so auch das CO2-Budget, bei einem Startpunkt im Jahr 1401 sogar um ganze 40 Prozent. Im Jahr 2014 hatte der Weltklimarat IPCC ein globales Budget von 3.000 Milliarden Tonnen CO2 ermittelt, das dann auf 1.800 Milliarden Tonnen zusammenschrumpfen würde. ..

Beim Klimawandel ist Desinformation alltäglich

Leider zeigt der Artikel auf Klimaretter.info [10] nur, wie von einer „Klimaintelligenz“ konsequent auch Desinformation verbreitet wird. Dass es aufgrund der vorhandenen, aber viel zu ungenauen Daten nicht möglich ist, vor der Industrialisierung einen angeblichen, anthropogenen Einfluss zu extrahieren, wurde in zwei Artikel aus ähnlichem Anlass bereits dargestellt:
EIKE 04.01.2017: Hat Kolumbus versehentlich die kleine Eiszeit angestoßen?
EIKE 09.09.2016: Hat die barbusige Dame um 1830 gegen den Klimawandel gekämpft? Eine ganz aktuelle Studie legt es nahe
Zudem ist der Klimavertrag zwar sehr ungenau und sagt wirklich nicht, wann die „vorindustrielle Zeit“ beginnt. Er sagt nicht einmal, welche Starttemperatur anzunehmen ist (Anmerkung: Die Differenz der möglichen Angaben beträgt immerhin 0,46 Grad, also so viel, wie der Unterschied zwischen dem 1,5 und 2 Grad Ziel), was bereits Anlass für einen detaillierten Artikel darüber war:

EIKE 04.10.2016: [4] Klimavertrag von Paris im Bundestag erreicht 100 % Zustimmung
Dass sich daraus jedoch ableiten ließe, es wäre eine Zeit zwischen 1400 … 1800 gemeint oder denkbar, ist vollkommener Schwachsinn und nur der Publizierwut der Autor*innen und der Hysterieschürung geschuldet.

Eher bemerkenswert am Artikel ist das Eingeständnis, dass die aktuelle Erwärmung bereits mehrere Hundert Jahre früher begann, als es immer berichtet wird. Diese Feststellung ist nicht neu und wurde auch öfters thematisiert:
EIKE 26.03.2016: Rekonstruierte Temperaturverläufe der vergangenen zwei Jahrtausende
EIKE 11.05.2016: Die Problematik der Temperaturrekonstruktion Eine beispielhafte Sichtung dazu anhand des Projektes PAGES2k

Die Folgerung des Artikels von klimaretter.info hätte deshalb auch lauten können: Damit ist belegt, dass der Mensch nicht die wesentliche Ursache der aktuellen Erwärmung sein kann.
Mit diesem Eingeständnis bräche aber eine sorgfältig konstruierte (und computersimulierte) Gedankenwelt und Einkommensquelle für zig-tausend Klimaforscher und –Verwalter zusammen.

Warum reklamiert dieses (offensichtliche) Datenchaos dann niemand?

Antwort:
-Die meisten der 195 im IPCC paritätisch vertretenen Länder sind potentielle Empfänger künftiger Klimahilfsgelder. Diese werden den Teufel tun, es zu reklamieren. Vielleicht haben sie sogar dafür gesorgt, dass der Vertrag so ungenau geblieben ist und nur das Geldausschütten konkretisiert [4].
-Die Vertreter der das Geld gebenden Nationen haben teils fachliche Qualitäten, die jeglicher Beschreibung spotten [11]. Zudem sind deren Maßnahmen durch die Wünsche von Staatsführer*innen, – vollkommen unabhängig von Fakten, durch eine Klimarettung in die Geschichte eingehen zu wollen – vorgegeben.

Eine bekannte Erscheinung lässt sich in Deutschland dabei ebenfalls (wieder) beobachten. Wenn der / die große Vorsitzende den Weg gewiesen hat und alle Probleme mit wenigen Buchstaben behauptet zu lösen, folgen viele, gerade auch aus der „Intelligenz“ bedingungslos.

Quellen

[1] Öko-Institut e.V., Juli 2017: Klimaschutzziel und –strategie München 2050 Endbericht

[2] SZ 16. September 2017: Klimaschutz So wird München seine Klimaziele nicht einhalten

[3] BR24 15.09.2017: Klimaziele 2030 unerreichbar Bei Kohlendioxid-Reduzierung braucht München mehr Zeit

[4] EIKE 04.10.2016: Klimavertrag von Paris im Bundestag erreicht 100 % Zustimmung

[5] EIKE 17. September 2017: Reiche Länder hinsichtlich Extremwetter belastbarer

[6] SZ Printausgabe vom 16. / 17. September 2017, S. 81: Gefährliches Luftschloss

[7] berlin.de, Senatsverwaltung: Schulden des Landes Berlin

[8] Landeshauptstadt München, Broschüre: Die Klimaschutzmanagerinnen und Klimaschutzmanager der Landeshauptstadt München Tätigkeitsfelder und Projekte

[9] kaltesonne, Uli Weber, 29. April 2017: Prozentrechnung müsste man können: Das en(t)liche CO2-Budget

[10] KLIMARETTER.INFO, 26. Juli 2017: CO₂-Budget vielleicht überschätzt

[11] EIKE 21. August 2017: POLITISCHE BILANZ: Nicht „ob“, sondern „wie schnell“
EIKE 20.07.2017: Randalen von Atomfrontkämpfern werden von Frau Hendricks ausdrücklich als „Freunde des Staates und der Gesellschaft“ gelobt

EIKE 13. Juli 2017: Wie viele Unterschriften zum Klimavertrag wurden mit Geldversprechungen gekauft?

EIKE 27.03.2017: Nee, bei uns gibt´s keine Klimaleugner

EIKE 08.03.2017: In einer Zeit, die immer mehr von Unsicherheit und Ängsten geprägt ist, macht Klimaschutz Mut

[1] EIKE 25.04.2017: Wo Klimaschutzprogramme bestimmen, spielen Sinn und Geld überhaupt keine Rolle mehr




Temperaturen der letzten 150 Jahre: Wenn harte Messdaten nachträglich verändert werden

Ein Schmuddelthema der Klimadiskussion ist die nachträgliche Veränderung von Messdaten in den offiziellen Temperaturzeitreihen. Während die entsprechenden Forscher ihren regelmäßigen Eingriff in die Datenbanken als “Korrektur” und “notwendige Anpassung” bezeichnen, sehen einige Skeptiker darin plumpe Manipulation. Wie so immer im Leben, findet sich die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. Wir haben bereits mehrfach über die Problematik hier im Blog berichtet. Im heutigen Beitrag wollen wir neue Analysen und Publikationen aus diesem hochsensiblen Bereich vorstellen.

Im Juni 2017 fasste eine Gruppe um James Wallace III ihre Untersuchungsergebnisse zu Datenveränderungen in den wichtigsten Temperaturdatenbanken zusammen. Dabei erkannten sie, dass im Laufe der Zeit natürliche Zyklen in der Temperaturentwicklung der letzten 150 Jahre systematisch händisch abgemildert wurden, was das Vertrauen in die Daten untergräbt. Das pdf der Studie finden Sie hier. Die Bedenken der Wallace-Gruppe bekräftigen Kritikpunkte, die Ross McKitrick bereits 2010 auf SSRN vorbrachte.

Der HadCRUT-Datensatz wird vom Hadley Centre des UK Met Office sowie der Climatic Research Unit (CRU) of the University of East Anglia und bezieht sich auf die globale Temperaturentwiclung de letzten 150 Jahre. Immer wieder werden neue Versionen erstellt, mittlerweile ist man bei HadCRUT4 angelangt. Die Tendenz der nachträglichen Datenveränderungen wird in einem direkten Vergleich von HadCRUT3 und HadCRUT4 deutlich (via Woodfortrees) (Abb. 1):

Abb. 1: Entwicklung der globalen Temperaturen gemäß früherer Version HadCRUT3 im Vergleich zum aktuellen HadCRUT4-Datensatz. Graphik: Woodfortrees.

Gut zu sehen: Die nachträglichen Veränderungen der Archivdaten haben den “Hiatus” der letzten 15 Jahre in eine Phase leichter Erwärmung von etwa 0,1°C verwandelt. Nicht gerade die feine englische Art, um die unbequeme Erwärmungspause aus der Welt zu schaffen. Leider enden die HadCRUT-Daten im Jahr 2015, so dass man den Vergleich nicht bis heute (2017) verlängern kann. Im Jahr 2012 brachte die IPCC-nahe Plattform Realclimate einen weiter zurückreichenden Vergleich von HadCRUT3 und HadCRUT4 (Abb. 2):

Abb. 2: Entwicklung der globalen Temperaturen gemäß früherer Version HadCRUT3 im Vergleich zum aktuellen HadCRUT4-Datensatz. Graphik: Realclimate.

Zu erkennen: Die modernen Temperaturen wurden um etwa ein Zehntel Grad hochgesetzt, während die Temperaturen um 1900 nahezu unverändert blieben. Unterm Strich führte dies zu einer nachträglich produzierten Versteilung der Erwärmung, sozusagen “anthropogen”, denn von Wissenschaftlern selber am Schreibtisch erzeugt.

Die Datenveränderungen gehen unterdessen weiter, auch nach 2015. Im Stil der Salamitaktik wird die Erwärmung immer weiter künstlich versteilt. Ole Humlum bringt in seinem monatlichen Newsletter Climate4You die jeweils aktuellen Klimadaten. Unter anderem vergleicht er die verschiedenen Versionen der Datensätze miteinander. Hier die kürzlichen Veränderungen des GISS-Datensatzes, der vom bekennenden Klimaaktivisten Gavin Schmidt verantwortet werden. In rot die Vorversion aus dem Mai 2015, in blau die aktuellen Daten (Abb. 3). Ergebnis: Wieder eine Salamischeibe: Erwärmung um ein halbes Zehntelgrad versteilt.

Abb. 3: Entwicklung der globalen Temperaturen gemäß früherer GISS-Version aus dem Mai 2015 (rot) im Vergleich zum aktuellen GISS-Datensatz (blau). Graphik: Climate4You.

Nächstes Beispiel: NCDC-Datensatz, wo sich das gleiche Bild bietet (Abb. 4).

Abb. 4: Entwicklung der globalen Temperaturen gemäß früherer NCDC-Version aus dem Mai 2015 (rot) im Vergleich zum aktuellen NCDC-Datensatz (blau). Graphik: Climate4You.

Lange galten die Satellitendatensätze UAH und RSS als zuverlässiger als die Bodendatensätze, die ständig nachjustiert werden. Zumindest für die RSS-Daten gilt dies mittlerweile nicht mehr, denn auch hier hat man nun mit dem Verändern der Daten begonnen (Abb. 5). Auch hier beträgt die künstliche Versteilung jetzt 0,1°C. Man wundert sich, dass ähnliche Korrekturen durchgeführt wurden, obwohl die Messverfahren und Begründungen äußerst unterschiedlich sein sollten. Die RSS-Änderungen wurden in einem Paper von Mears & Wentz (2017) u.a. mit dem Absinken der Satellitenbahn begründet.

Abb. 5: Entwicklung der globalen Temperaturen gemäß früherer RSS-Version aus dem Mai 2015 (rot) im Vergleich zum aktuellen RSS-Datensatz (blau). Graphik: Climate4You.

Die RSS-Datenveränderungen kommen nicht ganz unerwartet. Der UAH-Satellitendatenexperte Roy Spencer hatte bereits zu Jahresbeginn 2017 vermutet, dass RSS auf Druck der anderen Temperaturdatenbanken Änderungen durchführen würde. Um die Unabhängigkeit der verschiedenen Temperaturdatensysteme ist es offenbar nicht gut bestellt. Vielmehr herrscht Gruppendenken vor. In einem unaufgeregten, lesenswerten Blogbeitrag kommentierte Roy Spencer die RSS-Veränderungen und erläuterte, weshalb er ihnen kritisch gegenübersteht.

Die Temperaturdatenveränderungen der verschiedenen Systeme ist bedenklich. Letztendlich handelt es sich um einen Änderungsbetrag von vielleicht ein oder maximal zwei Zehntelgrad. Irgendwann werden die Justierungen aufhören müssen. Bei einer von den Modellen prognostizierten Erwärmung von zwei Zehntelgrad pro Jahrzehnt wird der Zeitpunkt kommen, wo der Spielraum der Datenmassage voll ausgereizt ist. Bis dahin sollten wir die Vorgänge kritisch begleiten, die in den Medien unbeachtet bleiben.

Link: http://www.kaltesonne.de/temperaturen-der-letzten-150-jahre-wenn-messdaten-nachtraglich-geandert-werden/

Dieser Beitrag ist zuerst im Blog „die Kalte Sonne“ erschienen.