Tödliches Kohlendioxid oder nützlicher Naturstoff? Mofetten in Deutschland

(ARG)

Im nordrhein-westfälischen Horn-Bad Meinberg trat natürliches Kohlendioxid aus, das mehrere Menschen verletzte. Der Vorfall ereignete sich in einem Kurpark, der für seine natürlich sprudelnde Minelalquelle bekannt war – beziehungsweise, wegen dieser Quelle errichtet wurde.

Mofetten sind natürliche Kohlendioxid-Quellen im Boden, die vor allem aus der Gegend und das böhmische Karlsbad bekannt sind – aber auch in der Eifel, deren Maare erloschene Vulkane sind. Im lippischen Bad Meinberg wurde um 1770 vom Landesherrn ein Kurpark um eine vermeintliche Wasserquelle herum angelegt, die sich später als Gasquelle (Mofette) herausstellte. Wobei Mofetten meist „blubbern“ – also sowohl Wasser wie auch CO2 enthalten. Erhöht-moderate CO2-Konzentrationen in der Luft (> 1%, ansonsten im Mittel o,o42%) wirken auf Patienten beruhigend und schmerzlindernd, weswegen man Mofetten in vielen Kurorten findet.

Zu viel Kohlendioxid in der Atemluft wirkt allerdings betäubend oder einschläfernd, weswegen Schweine vor der Schlachtung heutzutage mit CO2 betäubt werden. Anfang März kam es im Kurpark Bad Meinberg zu einem verstärkten Austritt des Gases, der mehrere Personen in Mitleidenschaft zog (Ohmacht?). Besonders schwer hatte es eine Reinigungskraft im Keller des Kurgebäudes getroffen, da sich im Gebäude vermutlich Gas ansammelte und aufkonzentrierte.

Das CO2-Vorkommen unter der Stadt ist lange bekannt und wird als „Meinberger Dom“ bezeichnet – die Mofette, bzw. deren unterirdische Quelle, soll weltweit eine der größten unterirdischen CO2-Quellen sein. Oder stammt das Kohlendioxid aus viel tieferen Schichten und kann in einer Bruchzone, auf der Meinberg wohl liegt, ausgasen?

Die „Deep hot Biosphere“-Theorie von Thomas Gold, dem 2004 verstorbenen Physiker und Multigenie, weist darauf hin. In seinem Buch, deutsch „Die Biosphäre der heißen Tiefe“, erklärt Gold, daß sich Kohlenwasserstoffe und -Oxide wie Methan (Erdgas), Kohlendioxid, Kohle und Mineralöl gleichzeitig mit der Entstehung des Planeten gebildet hätten und nicht (nur) von prähistorischen Plankton-Sedimenten oder Farn-/Nadelwäldern abstammten, also nicht „fossil“ sind. Der Physiker vermutete zudem, daß tief im Erdmantel (unter 30-50km Tiefe) sich bakterienähnliche Lebewesen von den dort reichlich vorkommenden energiereichen Kohlenwasserstoff-Lagerstätten ernähren. Das energiearme CO2 könnte ein Stoffwechsel-Endprodukt dieser Organismen sein und langsam nach oben strömen.

Nun ist Bad Meinberg nicht Neapel und hat auch keinen Vesuv nebenan, der alle paar Jahrhunderte verheerend ausbricht. Aber die Existenz einer Mofette mitten im Ort, und das Wissen um einen „Gasdom“ sollte die Behörden schon zur Vorsicht gemahnen – ähnlich der Situation in Kohleminen, die meist auch gefährliches Gas enthalten.

Erweitern Sie Ihr Wissen um die natürlichen Kohlenstoffvorkommen auf der Erde – und bestellen Sie Thomas Gold: Die Biosphäre der heißen Tiefe und der Mythos der fossilen Energieträger

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Die Gasspeicher leeren sich: Uns trennt noch eine Kälteperiode von der Notstandssituation, von Fritz Vahrenholt

von Fritz Vahrenholt

Zunächst die aktuelle atmosphärische Temperaturentwicklung des Planeten Erde nach Satellitenmessung, Daten von der Universität von Alabama am Standort Huntsville UAH – Dr. Roy Spencer.

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Die Gasspeicher leeren sich: Uns trennt noch eine Kälteperiode von der Notstandssituation

Der durchschnittliche Gasverbrauch im Winter beträgt in Deutschland 4 TWh Erdgas pro Tag, an kalten Tagen unter -5 °C ca. 5 TWh, an milderen Tagen sinkt er auf 3 TWh.
Der Verbrauch wird gedeckt durch

1. Pipelinegas
2. LNG-Gas
3. Entnahme aus den im letzten Jahr gefüllten Gasspeichern

1.Die Pipeline-Importe belaufen sich zurzeit bei 2,7 TWh. 44% davon kommen aus Norwegen, 24% aus den Niederlanden und 21% aus Belgien/Frankreich. Die letzteren beiden Importe sind LNG-Gas, da sowohl die Niederlande, Belgien als auch Frankreich keine eigenen Erdgasquellen für den Export zur Verfügung haben. Das macht diese Quellen verletzlich, wenn in diesen Ländern eine eigene Knappheit vorliegt. Der Speicherstand in den Niederlanden (5.Februar) liegt bei 22,4%, in Frankreich bei 28,5%.

2. Die aktuellen LNG-Importe in Deutschland belaufen sich auf etwa 0,4- 0,6 TWh pro Tag über die Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran. Sie können zwar auf bis zu 1 TWh hochgefahren werden. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass eine zusätzliche Menge an LNG-Gas in Deutschland mit erheblicher Verzögerung ankommt. Die Belade- und Transportzeit eines LNG-Tankers vom Golf von Amerika nach Brunsbüttel dauert 18 Tage.

3. Die Entnahme von Erdgas aus den deutschen Speichern betrug im Januar etwa 0,4  bis 1 TWh je nach Kältesituation. Diese Batterie für den Winter läuft langsam aber sicher leer. Der aktuelle Füllgrad der Speicher liegt bei 29%. Diese Menge ist im Prinzip auch entnehmbar. Das entscheidende Problem ist aber, daß mit sinkendem Füllstandsgrad auch der Druck sinkt und somit die Entnahmeleistung des Speichers abnimmt, wie der sehr gute Übersichtsartikel zur Versorgungssicherheit von Markus Schall beschreibt.

Schon unterhalb eines Füllstandsgrades von 50% geht die Entnahmerate (Gas pro Stunde) auf Grund des geringeren Druckes zurück. Bei 35% Füllstandsgrad ist die Entnahmerate bereits um 22% gesunken. Darunter sinkt sie dann stärker als linear ab. Unterhalb von 20% ist die Entnahmerate so stark gesunken, daß die Speicher keine Nachfragespitzen mehr abdecken können, was zu einem Risiko von Versorgungsengpässen in einer Kaltwetterlage führen kann.

Die meteorologische Situation in den nächsten 14 Tagen wird zunächst von leicht ansteigenden Temperaturen bis zum 12.2. gekennzeichnet, um danach möglicherweise erneut in eine deutliche, bundesweite Frostperiode zurückzufallen. Kommt es zu dieser Entwicklung wird Ende Februar die 20% Marke des Füllstands deutscher Gasspeicher unterschritten.

Nach der Gasnotfallverordnung von Minister Habeck sind folgende Kriterien für die Beurteilung einer Gasnotfalllage heranzuziehen:

„- Als kritisch wird die Lage eingestuft, wenn die prognostizierte Durchschnittstemperatur der kommenden sieben Tage min. zwei Grad Celsius unter dem Durchschnitt der vorherigen vier Jahre liegt“
„- Als kritisch wird die Lage eingestuft, wenn der Füllstand unter den Speicherpfad fällt, der auf das 40%-Niveau am 01. Februar des jeweiligen Jahres führt.“

Beide Kriterien sind seit dem 1. Februar erfüllt. Es ist schon erstaunlich, dass die Bundesnetzagentur bei einem Speicherstand von unterhalb 30% immer noch abwiegelt und erklärt : „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein.“

Aber man versucht sich durchzumogeln und hofft auf eine Erwärmung in den nächsten vier bis sechs Wochen. Und wieder einmal stehen Landtagswahlen in Baden-Württemberg vor der Tür.

Nach Ausrufung einer Notfallstufe muss die Bundesnetzagentur Maßnahmen ergreifen, um die Versorgung von Haushalten und öffentlichen Einrichtungen zu gewährleisten. Das kann dann nur noch durch Abschalten von Industrie-und Gewerbebetrieben erfolgen.  Sollte es dazu kommen, wäre das ein Alptraum für die deutsche Energiepolitik:ein Resultat des Versagens. Der schon angeschlagene Investitionsstandort Deutschland würde nachhaltig beschädigt.

Warum sind wir in eine solche Situation geraten ? Zum einen haben Gaseinkäufer und die Politik wohl die vier letzten milden Winter in die Zukunft fortgeschrieben. In einer allgemeinen Wahrnehmung einer Klimakatastrophe kommen sehr kalte Winter offenbar nicht mehr vor.

Zusätzlich ist aber seit dem 1. 1. 25 die Versorgung Osteuropas mit russischem Erdgas reduziert worden, da die Ukraine den Transit des Gases zu diesem Datum gestoppt hat. Die Versorgung über die einzig noch verbliebene, über die Türkei verlaufende Turkstream-Pipeline reicht aber nicht aus, so dass das deutsche Gasnetz auch die Nachbarn Österreich, Tschechien und indirekt die Slowakei versorgt. Über die Slowakei und Polen erhält die Ukraine Gas in Umkehrung der bisherigen Fließrichtung (reverse Flow). Die gesamte Exportmenge ist mit 1TWh täglich erheblich und liegt in der Höhe der täglichen Entnahme aus den deutschen Gasspeichern. Die Grafik zeigt den Anstieg der Exporte aus Deutschland seit der Schließung der Transgas-Pipeline aus der Ukraine.

Quelle: Bundesnetzagentur

Quelle: Bundesnetzagentur

Quelle: Bundesnetzagentur

Quelle: Bundesnetzagentur

Wie immer sich die Erdgasversorgung in den nächsten 3 Wochen entwickelt, es gäbe einen guten Anlaß, die politische Debatte über die eigene Erdgasversorgung durch Schiefergas aus der norddeutschen Tiefebene zu eröffnen. Dort lagert ausreichend preiswertes Erdgas für die nächsten 30 Jahre. Die Förderung von Erdgas aus 1000 m tiefen Gesteinsschichten ist seit 2017 durch Bundesgesetz verboten (Fracking-Verbot).




Woher kommt der Strom? Windstrom-Erzeugungstiefpunkt

von Rüdiger Stobbe

Die aktuelle Analysewoche hatte am Mittwoch einen Windstrom-Erzeugungstiefpunkt. Dieser korrelierte mit dem Stromhöchstpreis (186€/MWh; 0,186€/kWh) der Woche. Anschließend stieg die Windstromerzeugung an und erreichte schließlich am Samstag zusammen mit den anderen „Erneuerbaren“ (Wasserkraft, Biomasse und den sonstigen Erneuerbaren) vor Beginn der PV-Stromerzeugung den Strombedarf Deutschlands. Das ist selbstverständlich auch dem geringen Wochenendbedarf in Verbindung mit dem Karneval geschuldet. Zu Negativpreisen kam es nicht; der Wochentiefstpreis lag bei 35€/MWh, 0,35€/kWh). Es wechselten sich im Lauf der Woche Im- und Exporte ab. Zunächst überwogen Stromimporte, ab Mittwochabend wurde fast durchgehend Strom exportiert. Netto wurden 194 GWh mehr Strom ex- als importiert.

Einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der 8. Analysewoche 2026 gibt Agora-Energiewende. Diese NGO erstellt auch Prognosen, wie die Stromerzeugung aussehen würde, wenn die Erneuerbaren einen bestimmten Ausbaugrad erreicht hätten. Wir nehmen den möglichen Prognose-Höchstwert von 86 Prozent Ausbaurate. Die Residuallasten liegen am Mittwoch über 70 GW. Zu Wochenende kommt es zu starker Strom-Übererzeugung.

Was ist Kraftwerks-Leistung? Was ist Energie?

Gigawatt (GW) ist eine Einheit für Leistung, also für die maximale Fähigkeit eines Kraftwerks, Strom zu erzeugen. Gigawattstunden (GWh, TWh) sind eine Einheit für Energie, also für die tatsächlich produzierte Strommenge über eine bestimmte Zeit. Die Beziehung ist einfach: Energie = Leistung × Zeit. Ein Kraftwerk mit 1 GW Leistung erzeugt bei Volllast theoretisch maximal: 1 GW × 8.760 h = 8,76 TWh pro Jahr. Wie viel elektrische Energie tatsächlich entsteht, bestimmt beim Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerk im weitesten Sinn der Mensch über die Brennstoffzufuhr und Zufuhrdauer. Die Energie für eine Stunde wird üblicher- und für den Normalbetrachter irreführenderweise mit GW bezeichnet. Die manchmal verwendete Schreibweise „GWh pro Stunde“ ist nur eine umständliche Form von GW – mathematisch kürzt sich die Sunde („h“ und „pro Stunde“) weg.

Sonderfall Wind- und Solarkraft

Bei Wind- und Solarkraft bestimmt nicht der Betreiber, sondern das Wetter die Strom-Produktion. Eine 5-MW-Windkraftanlage könnte theoretisch 43,8 GWh/Jahr erzeugen, liefert an Land aber realistisch in Deutschland nur etwa 20 Prozent davon (auf See 40 bis 50 Prozent), also rund 8,8 GWh/Jahr – im Mittel 1 MW-Dauerenergie. Bei Solarpaneelen mit ebenfalls 5 MW installierter Leistung halbieren sich die Werte nochmals wegen verschiedener Kapazitätsfaktoren: Nacht, Winter, flacher Sonnenstand, Bewölkung und Temperaturverluste.

In diesem Zusammenhang mein wiederkehrender Appell an die Verantwortlichen von „Unsererdemokratie“ und die „Freunde der Energiewende“: Stoppen Sie die Energiewende. Streichen Sie die CO2-Steuern und bauen Sie wieder eine kostengünstige, verlässliche Energieversorgung mit Kernenergie auf, bevor es zu spät ist. Hören Sie auf, einer Schimäre nachzujagen. Die Energiewende ist zum Scheitern verurteilt.

Tageswerte

Jeder Tag beginnt mit dem Überblick, den Agora-Energiewende zur Verfügung stellt. Die smard.de-Charts und -Tabellen ermöglichen vielfältige Analysen. Erkunden Sie das Potenzial.

Windstrom fällt. PV-Strom winterlich schwach.  Die Strompreise wurden nicht ausgeworfen

Wind-Stromerzeugung zieht etwas an. Die Strompreise.

Ein Windloch über Mittag. Die Strompreise.

Die regenerative Stromerzeugung zieht an und bleibt konstant. Die Strompreise.

Regenerative Stromerzeugung steigt weiter. Die Strompreise.

Jetzt wieder fallende regenerative Stromerzeugung auf hohem Niveau bei niedrigerem (Wochenend-)Bedarf. Die PV-Stromerzeugung kaum vorhanden.  Die Strompreise.

Windstrom stark. Die Strompreise .

Die bisherigen Artikel der Kolumne „Woher kommt der Strom?“ seit Beginn des Jahres 2019 mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Ab Ausgabe 1/2026 bilden die öffentlichen Analyseseiten smard.deAgora Energiewende und Energy-Charts die Datengrundlage dieser Kolumne. Stromdaten.info läuft aus.




Hamburg für Klimasozialismus? Berlin kann das auch!

Der Hamburger Klimaentscheid, offiziell „Hamburger Zukunftsentscheid“, war ein Volksentscheid am 12. Oktober 2025, bei dem die Hamburger über eine Verschärfung des Klimaschutzgesetzes abstimmten.

Die meisten Bürger an der Urne ahnten wohl nicht, welche gewaltigen Kosten ihre Entscheidung bei konsequenter Umsetzung für ihre Mietkosten haben würden. Mittlerweile vielleicht aber schon, da die Medien fleißig darüber berichteten.

Daher läuft die Klimapolitik zunehmend formalrechtlich über die Justiz – oder exekutiv hinter verschlossenen Türen.

Die Berliner Zeitung BZ berichtete kürzlich, wie die Umverteilung via „Klima“ ohne Beteiligung oder Information der Bürger festgezurrt wird:

Ein Klima-Deal, der Belastungen für die Bürger in Berlin verschweigt

Inhalt: Die Hauptstadt besitzt mehrere Eigenbetriebe, die nun jeden zweiten Euro „klimafreundlich“ ausgeben sollen. Das kann alles mögliche bedeuten. Was es realiter bedeutet, zeigt die Berliner E-Bus-Flotte, die von 8-12 Uhr fährt, und dann erst mal stundenlang an die Ladesäule muß.

Wer hat das entschieden? Die BZ:

Den Pakt besiegelte die Politik mit sechs Senatsmitgliedern, sowie 22 Vorständen und Geschäftsführern – und seitenweise Erklärungen.




Frankreichs neues Elektrizitätsprogramm (PPE3) im Zeichen der Grünen Geisteskrankheit

von Edgar L. Gärtner

Nachdem der ohne parlamentarische Mehrheit regierende neue französische Premierminister Sébastien Lecornu nach langem Hin und Her auf der Grundlage des berüchtigten Paragrafen 49.3 der Verfassung seinen ersten Staatshaushalt per Dekret erlassen hatte, konnte er sich endlich der mittelfristigen Planung der Elektrizitätsversorgung des Landes in Form eines Plans für die Jahre 2025 bis 2035 widmen. Wir haben bereits in mehreren Beiträgen auf die Inkohärenz der bislang vorgelegten Plan-Entwürfe hingewiesen.

Das Programm ist kein Gesetz

Der am 12. Februar 2026 mit deutlicher Verspätung vorgelegte dritte Plan für das Jahrzehnt von 2025 bis 2035, genannt „Programmation Pluriannuelle de l’Électricité (PPE3)“ brauchte nach Ansicht von Premierminister Sébastien Lecornu nicht von der Nationalversammlung abgestimmt werden, obwohl deren Mehrheit den damaligen Entwurf der PPE3 bereits im Oktober 2024 abgelehnt und eine parlamentarische Debatte mit anschließender Abstimmung über ein ordentliches Gesetz gefordert hatte. Diese Forderung wurde in diesem Jahr nur noch von den Abgeordneten des Rassemblement National (RN) unterstützt, während die mit dem RN konkurrierenden gemäßigt rechten Republikaner (LR) kniffen. Lecornu und seine Getreuen beeilten sich, die PPE3 zu dekretieren, um der angekündigten Publikation einer vom neuen EDF-Präsidenten Bernard Fontana in Auftrag gegebenen Studie über die schädlichen Auswirkungen des häufigen Hoch- und Runterfahrens der KKW wegen der Vorfahrt des sehr unregelmäßig ins Netz eingespeisten Wind- und Solarstroms zuvorzukommen. Diese von erfahrenen Spezialisten erstellte Studie ist seit dem 16. Februar 2026 im Internet einsehbar. (Wir haben über die bislang nur über Indiskretion bekannt gewordenen Ergebnisse dieser Expertise schon am 2. Februar berichtet.)

Die PPE3 tritt sofort nach der Verkündung durch die Regierung in Kraft. Wie die Erfahrungen mit den beiden Vorgängerplänen lehren, handelt es sich dabei eher um rechtlich wenig verbindliche Richtwerte. Nach der Renationalisierung des monopolistischen Stromkonzerns Électricité de France (EDF) ist aber zu erwarten, daß die staatlichen Vorgaben wenigstens ansatzweise in technische Weichenstellungen übersetzt werden, auch wenn finanzielle Engpässe durch das nicht nur in Frankreich drohende Finanzchaos sowie Widerstände durch Volksbewegungen nach dem Muster der „Gilets Jaunes“ (Gelbwesten) zu erwarten sind.

Frankreich, ein Strom-Paradies

In Frankreich gibt es zurzeit, im Unterschied zu Deutschland oder Spanien, kein grundlegendes Problem der Elektrizitätsversorgung. Es gibt im Gegenteil beachtliche Überkapazitäten in der Größenordnung von bis zu 100 Terawattstunden (TWh). Selbst im Hinblick auf das von Brüssel dogmatisch festgelegte Ziel der Kohlenstoff-Neutralität bis zum Jahre 2050 steht die Elektrizitätsversorgung Frankreichs mit einem Kernenergie-Anteil von über 70 Prozent und einem Wasserkraftanteil über 20 Prozent besser da als die aller Nachbarländer. Es braucht also kein Milliarden-Programm, das (nach offizieller Lesart) gleichzeitig die Produktion „erneuerbarer“ Elektrizität ankurbeln und die Weiterentwicklung der Kernenergie-Anwendung fördern soll.

Seit der Jahrhundertwende, d.h. seit einem Vierteljahrhundert blieb der Strombedarf Frankreichs nahezu konstant. Der industrielle Elektrizitätseinsatz sank seit den Nullerjahren wegen der beängstigenden Deindustrialisierung sogar um etwa 20 Prozent. Die gesamte französische Elektrizitätserzeugung belief sich im Jahre 2025 auf 544 TWh. Davon kamen 370 TWh aus Kernkraftwerken. Diese könnten aber leicht bis zu 450 TWh erzeugen. Nur deren im internationalen Vergleich geringe Auslastung verhinderte, dass der Überschuss noch deutlich größer wurde als die oben erwähnten 100 TWh. Diese wurden in die Nachbarländer exportiert, wodurch die chronisch negative französische Handelsbilanz wieder einmal positiv wurde. EDF hält daher konservativ an der Prognose eines Elektrizitätsbedarfs von lediglich 450 TWh im Jahre 2030 fest. Dieser Bedarf könnte schon heute problemlos ohne den Zubau weiterer Erzeugungskapazitäten gedeckt werden.

Die deutschen Grünen halten sich Konkurrenz vom Leibe

Wozu also die ehrgeizigen Pläne für die Verfünfzehnfachung der Zahl der Offshore-Windräder und die Vervielfachung der Photovoltaikanlagen an Land? Der Ingenieur Fabien Bouglé, der einer nationalen Anti-Windkraft-Initiative vorsteht, hat beim privaten Nachrichten-TV-Sender CNews vor wenigen Tagen die folgende Erklärung geliefert: Die grün-rot-schwarzen deutschen Regierungen wollten nicht die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile akzeptieren, die Frankreich aus seiner günstigen Struktur der Elektrizitätsversorgung mit niedrigen Strompreisen erwachsen. Deshalb versuchen deutsche Parteien und Stiftungen seit Jahrzehnten die französische Energiepolitik in ihrem Sine zu beeinflussen. Es gelang deutschen Lobbyverbänden in wichtigen französischen Ministerien Fuß zu fassen. Das Office Franco-Allemand pour la Transition Energétique (OFATE) im französischen Wirtschaftsministerium war und ist eng mit dem berüchtigten deutschen Anti-Kernkraft- und „Erneuerbaren“-Lobby-Think Tank „Agora Energiewende“ vernetzt. Darauf habe ich hier wiederholt hingewiesen.

Abgesehen vom rechten Front National Le Pens waren in der Tendenz alle französischen politischen Formationen für solche Einflüsse empfänglich, denn nicht nur in der französischen politischen Klasse, sondern auch bei Unternehmen und Wirtschaftsverbänden herrschten über Jahrzehnte Bewunderung und/oder Neid gegenüber der beeindruckenden Effizienz und den Exporterfolgen Deutschlands, überall findet man Hinweise auf das deutsche „Wirtschaftswunder“, das es nachzuahmen gelte. Nur wenige kritische Stimmen schmähten das als „Germanolâtrie“. So begann im 21. Jahrhundert auch die in Deutschland ursprünglich von den USA übernommene Idee einer totalen ökologischen Wende der Wirtschaft, deren Umstellung auf „grünes Wachstum“ in dem zuvor mehr traditionsverbundenen und behäbigen Frankreich an Attraktivität zu gewinnen, weil man dachte, das bringe einen neuen Wachstumsschub. Auch in der Radio- und TV-Werbung von EDF ist seit Jahren fast nur noch von der „Energiewende“ und der Notwendigkeit der Förderung „erneuerbarer“ Energiequellen die Rede. Das naheliegende Umdenken angesichts des voraussehbaren Scheiterns der „Energiewende“, der fortschreitenden Deindustrialisierung und des beginnenden Zusammenbruchs der deutschen Wirtschaft steckt noch in den Anfängen. Die meisten haben noch nicht richtig mitbekommen, dass aus einer Attraktion ein abschreckendes Beispiel geworden ist.

EU-Kommission strengt Vertragsverletzungsverfahren an

Doch erklärt die Faszination vieler Franzosen für das rheinische Modell der „sozialen Marktwirtschaft“ und der darauf aufbauende Einfluss der deutschen „Energiewende“-Lobby nur zum Teil, weshalb die unzuverlässigen „Erneuerbaren“ im PPE3, trotz der Tatsache, dass auch Staatspräsident Emmanuel Macron für den Beinahe-Blackout, zu dem es im vergangenen Jahr in Spanien gekommen ist, das Übergewicht von Wind- und Solarstrom im spanischen Netz verantwortlich machte, so großen Raum einnehmen. Da hilft nur der Hinweis auf den Druck der Brüsseler EU-Kommission weiter. Diese hat Frankreich wiederholt (zuletzt im vergangenen Monat) ermahnt, die EU-Vorgaben für eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für „Erneuerbaren“-Projekte umzusetzen. Das ist Rückenwind für die in Frankreich operierenden Wind- und Solar-Lobbys, die frech für sich in Anspruch nehmen, die Interessen der wettbewerbsorientierten Privatwirtschaft gegen das Staatsmonopol EDF zu vertreten. Hauptergebnis und uneingestandenes Ziel dieser Lobby ist jedoch, wie wir zu Beginn dieses Monats bereits gezeigt haben, die Verteuerung der Elektrizität in Frankreich.

Dennoch sieht die PPE3 eine starke Steigerung der „decarbonisierten“ Elektrizitätsproduktion auf 650 bis 693 TWh bis zum Jahre 2035 vor. Von einer „Décroissance“ (Schrumpfung) der Endnachfrage ist im Unterschied zu früheren Entwürfen der PPE3 zum Glück nicht mehr die Rede. Zum allergrößten Teil soll die nun projektierte Zunahme aber auf die „Erneuerbaren“ entfallen und nur zum geringen Teil auf Kernreaktoren. Deren Gesamt-Ausstoß soll bis 2035 nur um 2 Prozent nach oben gehen und im Vergleich mit dem Jahr 2006 sogar sinken. Für die terrestrische Windkraft ist die Verdoppelung bis 2035 vorgesehen, für die Offshore-Windkraft gar eine Vervielfältigung um den Faktor 15.

Nur die Verbilligung des Stroms hilft

Wurden in Frankreich wegen der reparatur- und wartungsbedingten gleichzeigen Abschaltung etwa der Hälfte der Kernkraftwerke nach dem Ende des Covid-Lockdowns noch Ängste vor einem drohenden Blackout im Winter geäußert, so überwiegen heute in der französischen Wirtschaftspresse Warnungen vor Überkapazitäten und sinkender Auslastung der Kernkraftwerke. Diese können die bestehenden Kernkraftwerke mit einem Fixkosten-Anteil von etwa 80 Prozent leicht unrentabel machen. Um EDF wieder deutlich in die schwarzen Zahlen zu bringen, bedürfte es einer Strategie, um in Frankreich mithilfe niedriger Preise die Stromnachfrage anzukurbeln. Klar fordert das bis zum Tage nur die juristisch an ihrer Präsidentschaftskandidatur gehinderte FN-Gründerin Marine Le Pen in ihrer Stellungnahme zum PPE3. Die Umsetzung der Brüsseler Vorgaben in Sachen CO2-Neutralität und „Erneuerbare“ im PPE3 verhindert aber genau das. Sie würde, wie die PPE3 den Franzosen zusätzliche E-Produktions- und Netzkosten in der Größenordnung von 400 Milliarden Euro bescheren. Es liegt auf der Hand: Die weitere Verfolgung des „Net-Zero“-Ziels mithilfe der unsteten und unzuverlässigen „Erneuerbaren“ bringt Frankreich gegenüber den bewährten Kernreaktoren nur Kosten, aber nicht den geringsten Wohlstandsgewinn.

So könnte auch bei den europäischen Nachbarn die Erkenntnis reifen: Nur wer verschwindet, kann klimaneutral werden. Präsident Emmanuel Macron und seine Verbündeten haben jedoch entschieden, den Brüsseler Vorgaben weiter zu folgen. Das erklärt wohl auch die bislang schwankende Haltung der bürgerlichen Republikaner (LR) zum Ausbau der Windkraft-Kapazität. Auch politisch neutrale Experten wie der Politikwissenschaftler Jean-François Roux setzen deshalb ihre Hoffnung in den Sieg des anti-woken RN bei den 2027 anstehenden Präsidentschaftswahlen. Dann würde endlich einer der großen EU-Mitgliedsstaaten damit beginnen, dem von US-Präsident Donald Trump entschiedenen und von seinem Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz in höflichen Worten vorgetragenen Befreiungsschlag des Ausstiegs aus dem „Klimakult“ zu folgen. Nur so wäre es möglich, nicht nur unseren Wohlstand, sondern auch die europäische Kultur zu bewahren.

Die „Elite“ ist krank

Dass mit der westlichen „Elite“ etwas nicht stimmt, wissen wir spätestens seit der Veröffentlichung der so genannten Epstein-Files. Doch auch die Mitglieder der EU-Kommission und die Spitzen der Brüssler EU-Bürokratie erweisen sich als „pas bien catholique“ (nicht gut katholisch), wie die Franzosen sagen würden. Die machtversessenen „Leader“ der EU unter Ursula von der Leyen sind aber wohl nicht so dumm, daß sie nicht erkennen könnten, dass sie ihre eigene Machtbasis untergraben, wenn sie am suizidalen „Klimakult“ festhalten. Sie applaudierten zwar der Münchner Rede Marco Rubios (die sie vermutlich nicht verstanden haben), machen aber munter weiter mit ihrem aussichtslosen Versuch, die Welt über den moralischen Nutzen des Grünen Selbstmords zu belehren und diese Sicht mit Rede- und Berufsverboten durchzusetzen. Das legt den Schluss nahe, dass es sich bei der noch maßgeblichen Haltung europäischer „Eliten“ nicht lediglich um einen Ausdruck ideologischer Verblendung oder religiöser Verbohrtheit handelt, sondern um eine ansteckende Geisteskrankheit genannt Nihilismus oder Narzissmus, die sich nicht unbedingt in neurologischen Befunden zeigt.