Apokalyptisches Gerede und echte Probleme – Klimapanik und Corona-Sars

What a Diff’rence a Day Made…

Noch Ende Februar gab es in Hamburg FFF+Antifa-Aufmärsche mit Greta Thunberg, auf denen eine junge fanatische Frau brüllt:

Ich fasse es nicht, daß 2019 als das „Klimaschutz-Jahr“ betitelt wurde, obwohl so viel Schlimmes passiert ist. In Brasilien ist eine Fläche Regenwald verbrannt, so groß wie Liechtenstein! Der Amazonas ist die Lunge unserer Erde! In Australien haben die Buschfeuer schon eine Fläche Bayerns und BaWüs verwüstet! Und sie wüten weiter, während Siemens u.a dort die Kohle abbauen will! Ich stehe seit März fast jeden Freitag auf den Straßen, statt zur Schule zu gehen. Ich will nicht weiter in einer Welt leben müssen, wo trotz vorhandener Technologien für erneuerbare Energien weiter Kohle- und Atomkraftwerke gebaut werden! Ich will kein Artensterben mehr, ich will keine Überschwemmungs- und Hungertoten mehr! Es MUSS gehandelt werden!

Sehen Sie selbst:

Nun, da die – teilweise menschgemachte – Katastrophe in Form eines SARS-Virus und einer internen Wirtschaftsblockade tatsächlich über uns gekommen ist, was sagen die FFF-Kinder und die Medien da?

Nun, das hier: Greta Thunberg hat nach eigner Angabe das SARS2-Virus und wartet in einer eigens angemieteten Wohnung in Stockholm auf Genesung. Wohl als Folge der Tatsache, daß das kranke Mädchen von ihren Eltern und Medienstrategen seit Ende 2018 um den Planeten gejagt wird, teils in Segelschiffen, die für Mädchen und Minderjährige denkbar ungeeignet sind, sah Greta schon in Madrid und bei vd Leyen in der EU-Kommission abgemagert und krank aus.

Daß sie jetzt einen Infekt hat, SARS oder „nur“ Grippe, tut nicht Wunder. Eine richtige Auszeit wird ihr aber auch in dem Zustand nicht vergönnt, weil die Infektion schon wieder benutzt wird, um in die Schlagzeilen zu kommen, aus denen man von der Wuhanseuche verdrängt wurde. Es ist zum Heulen.

Quelle: Twitter, Gretas Konto

 




Corona und Klimaalarm: Denkfehler vermeiden

Warum führen vorschnelle Analogien in die Irre?

Unter der Überschrift Wissenschaftsleugnung in Zeiten von Corona nahm der Klimaforscher und Alarmist Stefan Rahmstorf kürzlich abwertend Stellung zu einem millionenfach geklickten Video des Arztes und Politikers Wolfgang Wodarg, in welchem dieser die Corona-Angst als unbegründet und die aktuellen Maßnahmen als unnötigen Schaden kritisiert. „Die wirtschaftlichen Folgen werden mehr Menschen umbringen als jedes Virus“, fasst ein Kommentator das Wodarg-Video zusammen.

Rahmstorf nimmt das Video zum Anlass, soziologische und argumentative Gemeinsamkeiten von Corona- und Klimaskeptikern aufzulisten. Er subsumiert sie unter dem Begriff „Wissenschaftsleugnung“ und meint, damit beide gemeinsam als unseriös, unwissenschaftlich und unverantwortlich entlarvt zu haben.

Abgesehen davon, dass einige von Rahmstorfs Vorwürfen gegen Klimaskeptiker schlichtweg falsch sind (es gibt durchaus zahlreiche seriöse Wissenschaftler dort, die sich eben nicht „nur an ein Laienpublikum“ wenden, sondern in anerkannten internationalen Fachzeitschriften publizieren), mag sein Vergleich vielleicht soziologisch interessant sein, trägt zur Coronadebatte aber ebenso wenig bei wie zur Klimadebatte. Sind extrem wirtschaftsschädliche, sogar lebensfeindliche, Maßnahmen angebracht, um eine möglicherweise größere drohende Gefahr abzuwenden? Corona und Klima sind naturwissenschaftlich unabhängige Problemfelder und erfordern separate Beurteilungen.

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse wurden noch nie durch Analogiebetrachtugen zwischen verschiedenen Disziplinen gefunden.

(Ebenso käme kein Mediziner auf die Idee, die Abwägungen von Nebenwirkungen gegen Therapienutzen von einer Krankheit auf eine ganz andere zu übertragen.)

Daher möchte ich uns Klimarealisten davor warnen, uns auf das Niveau von Rahmstorf zu begeben. Wir sollten nicht aufgrund vordergründiger wissenschafts- und wirtschaftssoziologischer Gemeinsamkeiten unsere begründeten Erkenntnisse im Bereich Klima und Energie vorschnell auf die Coronakrise übertragen, über die wir noch so wenig wissen. Gerade diejenigen von uns, die seit Jahrzehnten eine Wissensbasis im Bereich Klima und Energie aufgebaut haben, sind möglicherweise anfällig für Denkfehler in vordergründig ähnlichen Situationen. Bevor ich dazu komme, diese Vermutung zu begründen, möchte ich Sie zu einem kleinen Experiment auffordern. Es wäre schön, wenn Sie sich dazu etwas Zeit nehmen könnten. Lesen Sie die folgenden zehn Aussagen und notieren Sie zu jeder Aussage eine der folgenden Zahlen: 1 = ich lehne die Aussage ab, 2 = ich bin unentschieden, 3 = ich stimme zu.

  1. Klimawandel gab es schon immer.
  2. Es gibt nicht genügend verlässliche Messungen globaler Daten über einen genügend langen Zeitraum zurück, um zu beurteilen, ob der aktuelle Klimawandel gegenüber früheren Klimawandeln Besonderheiten aufweist.
  3. Ohne die Ursachen von früheren und aktuellen Klimawandeln verstanden zu haben, ist es unmöglich, zukünftige zu prognostizieren. Modelle, die dies versuchen, sind nicht aussagekräftig.
  4. Der Anteil von menschlichen CO2-Emissionen an aktuellen Klimawandeln ist nicht vorhanden oder gering; insofern hat der Mensch keine oder geringe Einwirkungsmöglichkeit auf die weitere Entwicklung. (Schutz gegen Klimawandel ist nicht möglich.)
  5. Gefahren des aktuellen Klimawandels sind nicht größer als die Gefahren früherer Klimawandel. Extremwetter haben nicht nachweislich zugenommen.
  6. Eine deutliche Reduktion von menschlichen CO2-Emissionen in kurzer Zeit ist nur durch erhebliche Beschädigung unserer Lebensgrundlagen möglich, zerstört die globale Fortentwicklung des Wohlstands und damit verbunden Gesundheit, Bildung und Umweltschutz. Sie bringt im Ergebnis ungleich mehr Schaden als Nutzen.
  7. Die westlichen, insbesondere deutschen, Medien schüren die Angst, indem sie fast gleichgeschaltet über den zunehmenden Klimawandel berichten sowie über Extremwetter, die alle den menschlichen CO2-Emissionen zugeschrieben werden.
  8. Die Regierung lässt sich ausschließlich von klimawandel-alarmistischen Wissenschaftlern beraten.
  9. „Experten“, die in den Medien auftreten, sind durchweg Alarmisten, die den aktuellen und bevorstehenden Klimawandel und Extremwetter übertreiben, und daher unglaubwürdig.
  10. Linke Gruppierungen versuchen, unter dem Deckmantel des Schutzes vor Klimawandel und Extremwetter die Abschaffung der Marktwirtschaft und Demokratie voranzutreiben.

Wenn Sie sich schon länger kritisch mit dem Klimathema beschäftigen, stimmen Sie vermutlich den meisten der Aussagen zu und können ihre Meinung gut begründen oder sogar wissenschaftlich belegen. Nun kommt die zweite Runde. Gehen Sie die obigen Aussagen noch einmal durch und ersetzen Sie überall menschliche CO2-Emissionen durch Infektionen mit dem neuen Coronavirus, Klimawandel durch Virusepidemie(n) und Extremwetter durch Todesfälle (die Farben sollen Ihnen dabei helfen).  Beobachten Sie sich dabei: Fühlen Sie sich bei der Beantwortung der abgewandelten Aussagen sicher, und haben Sie das Gefühl, genug über Corona zu wissen, um ggf. auch die Politik verantwortlich beraten zu können? Oder fühlen Sie sich eher unsicher und unwohl, wenn man Sie nach Ihrer Meinung fragt? Vergleichen Sie anschließend Ihre Antworten zwischen beiden Runden. Meine Vorhersage wäre, dass diejenigen, bei denen die Antworten zwischen beiden Runden stark übereinstimmen, sich in der zweiten (Corona)Runde eher wohl und sicher fühlten, und dass umgekehrt diejenigen mit abweichenden Antworten sich eher unwohl und unsicher fühlten.

Niemand will sich unwohl und unsicher fühlen. Psychologisch ist es daher verlockend, uns mit einer Analogie à la Rahmstorf, nur mit umgekehrten Vorzeichen, über fehlendes Wissen hinwegzuhelfen und neben „Klimaschutz“ nun auch gleichsam automatisch gegen Coronaschutz zu sein. Ich kenne Sie nicht, aber wenn Sie sich beim Ersetzen von Klima durch Corona wohl gefühlt haben, könnte es sein, dass Sie unbewusst bekannte psychologische Strategien zur Reduktion von Komplexität und Unsicherheit angewandt haben: Die so genannte PSI-Theorie, die auf den deutschen Psychologen Dietrich Dörner zurückgeht und u.a. von Harald Schaub weiterentwickelt wurde, beschreibt, durch welche typischen Denk- und Problemlösefehler menschliches Handeln und Entscheiden in komplexen Situationen gekennzeichnet ist. Ca. 95% aller Menschen erliegen zunächst spontan diesen Fehlern. Der nächste Abschnitt enthält Auszüge aus dem Enzyklopädie-Aufsatz von Schaub [1], die ich im folgenden Abschnitt wörtlich wiedergebe.

 

Denk- und Problemlösefehler in komplexen Situationen

Was zeichnet nach Schaub [1, S. 2 – 4] eine komplexe Situation aus?

  • Vielzahl der Faktoren: Es gibt eine große Anzahl von Variablen, die alle wichtig sind und beachtet werden müssen. [..] Mögliche Problemlösefehler resultieren aus dem inadäquaten Umgang mit der Schwerpunktbildung (entweder zu rigide an einem Schwerpunkt festhalten oder keinen Schwerpunkt bilden).
  • Vernetztheit: Die Variablen einer Situation beeinflussen sich wechselseitig. In einem vernetzten System kann kaum nur eine Sache gemacht werden. Ein vernetztes System gleicht einer Sprungfedermatratze. Wird die Matratze an einer Stelle gedrückt, dann wackelt es an vielen anderen Stellen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, beim Entscheiden Neben- und Fernwirkungen zu beachten. Mögliche Problemlösefehler resultieren vor allem aus dem Nichtbeachten von Neben- und Fernwirkungen und dem ausschließlichen Berücksichtigen der Hauptwirkung.
  • Dynamik: Ein eigendynamisches System verändert sich selbst auch ohne direkte Eingriffe des Entscheiders. Die Dynamik ergibt sich oft aus der Vernetztheit, z.B. wenn diese aus positiven und negativen Rückkopplungen besteht. Aus der Eigendynamik entsteht häufig Zeitdruck und die Notwendigkeit der Prognose der Zukunft. Mögliche Problemlösefehler resultieren aus keinen oder falschen Prognose. So werden typischerweise exponentielle Entwicklungen nur linear extrapoliert.
  • Intransparenz: Die meisten Problemsituationen sind nicht vollständig durchschaubar. Es gibt oft Bestandteile der Situation, die eigentlich beachtet werden müssten, die aber nicht zugänglich sind. Der Entscheider muss sich ein Modell der Situation bilden und ist auf die Verwendung von Indikatoren angewiesen. Mögliche Problemlösefehler resultieren aus der Verwendung falscher Indikatoren, oder zu stark simplifizierter Modelle.
  • Polytelie: Das Handeln ist in der Regel auf mehr als ein Ziel hin ausgerichtet. In politischen Situationen sollten und werden z.B. oft ökonomische, ökologische und persönliche Ziele gleichzeitig verfolgt. Viele dieser Ziele sind nicht miteinander verträglich, d.h. sie widersprechen sich. Aus dieser Tatsache leitet sich die Notwendigkeit ab, Ziele zu balancieren und zu hierarchisieren. [..] Mögliche Problemlösefehler resultieren u.a. daraus, dass Ziele nicht konkretisiert werden, und damit Zielwidersprüche und -inkompatibilitäten nicht erkannt werden.
  • Neuartigkeit: Viele Bereiche in komplexen Situationen sind, zumindest zum Teil, neuartig. Der Problemlöser kennt ihre Strukturen nicht und sollte versuchen, etwas darüber in Erfahrung zu bringen [..] Mögliche Problemlösefehler resultieren aus dem Nichterkennen der Neuartigkeit und aus einer reduzierten Hypothesenbildung.

Auf die aktuelle Coronakrise treffen leider alle fünf Punkte zu.

Was sind Ursachen von Denkfehlern in komplexen Situationen?

Dörner unterscheidet in der PSI-Theorie zwei Gruppen von Ursachen [1, S. 20].

  1. a) Kognitive Ursachen
  • Begrenzte Verarbeitungskapazität des Denkens
  • Begrenzte Kapazität des Gedächtnisses
  1. b) Motivationale Ursachen
  • Überwertigkeit des aktuellen Motivs
  • Schutz des eigenen Kompetenzempfindens

 

Wie kann man solche Denkfehler vermeiden?

Schon die Kenntnis typischer Denk- und Problemlösefehler von Menschen, die in kritischen und komplexen Situationen Entscheidungen treffen müssen, kann helfen diese zu vermeiden. (Dörner hat darüber hinaus Trainings mit Computersimulationen entwickelt, aber die helfen uns hier nicht weiter.)

Das Hauptproblem, das am Ende zu Fehlentscheidungen führt, ist selektive Informationssuche. Im Einzelnen handelt es sich dabei um folgende „Fallen“, die es zu vermeiden gilt [2]:

  • Hypothesengerechte Informationssammlung: Nur das zur Kenntnis nehmen, was zur eigenen Meinung passt.
  • Übergeneralisierung: Übertragung eines Denkmodells auf andere Situationen ohne Prüfung der strukturellen Passung.
  • Ungeprüfte Übertragung von Vorwissen: Bekannte Lösungen aus anderen Bereichen werden ohne Prüfung der Anwendungsbedingungen übertragen.
  • Bildung reduktiver Hypothesen: Wenige Variablen scheinen alles zu bestimmen, die Komplexität einer Situation wird ausgeblendet.
  • Dogmatische Verschanzung Verteidigung des eigenen Denkmodells gegen Falsifizierung, bis hin zum Aufstellen von Verschwörungstheorien.
  • Keine oder unangemessene Extrapolation der Situation in die Zukunft.

Alle derartigen Strategien unseres Unterbewussten reduzieren zwar Komplexität und Unsicherheit, führen aber in der Sache nicht weiter. Leider sind sie auch bei verantwortlichen Politkern festzustellen. Als mündige Bürger sollten wir also eine möglichst gut begründete rationale Meinung zu den aktuell relevanten Fragen haben. Dazu gehört im ersten Schritt zum Beispiel, bei Corona nicht in Analogien zur Klimadiskussion zu denken und zu argumentieren. Daher mein Appell besonders an die Experten im Thema Klima und Energie: Gehen Sie zurück auf Los, drücken Sie die mentale Reset-Taste.

Bei Corona kann alles ähnlich wie beim Klima sein oder eben auch ganz anders.

Angesichts der Kürze der Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus wissen wir wenig, und es gibt einen Zielkonflikt. Um angemessene Entscheidungen zu treffen, müsste man (insbesondere die verantwortlichen Politiker) aber wissen:

  1. Wie gefährlich ist das neuartige Coronavirus, d.h. wie viele Menschen in welcher Zeit werden daran schwer erkranken und sterben, wenn man keine Maßnahmen ergreift?
  2. Wie viele Schwerkranke und Tote sind durch Maßnahmen welcher Art und welcher zeitlichen Ausdehnung zu verhindern?
  3. Wie hoch werden die Kosten solcher Maßnahmen sein, wirtschaftlich, psychosozial und gesundheitlich?
  4. Wann werden wirksame Behandlungs- und vor allem Impfstoffe verfügbar sein?

Diese Informationen werden in der Zeit, in der weitreichende Entscheidungen anstehen, nicht verfügbar sein.

Zuverlässige Information liefert aktuell fast ausschließlich das tägliche Geschehen und dessen Bewertungsversuche durch Menschen, die Wissen und Erfahrung in entsprechenden Bereichen erworben haben. Niemand kann evidenzbasiert vorhersagen, welche Kosten-Nutzen-Rechnung schließlich aufgehen wird. Dennoch stehen täglich Entscheidungen mit weit reichenden Folgen an, und ich gebe zu, ich bin froh, dass ich am grünen Tisch darüber sinnieren darf und sie nicht verantwortlich treffen muss.

Die oben genannten Psychologen Dörner und Schaub raten für das Handeln in unbekannten komplexen Situationen [1, S. 22, leider nur in Computerszenarien getestet]: Probieren Sie Entscheidungen aus und beobachten Sie sorgfältig die Folgen. Das scheinen die Politiker aktuell zu versuchen, aber ich befürchte, sie erliegen nur zu leicht den oben beschriebenen Denkfallen, vor allem aufgrund von b) „Überwertigkeit des eigenen Motivs“.

Wie können wir als Bürger ein möglichst umfassendes Wissen über die komplexe, neuartige und dynamische Situation ansammeln?

Es klingt einfach: Vermeiden die oben genannten Fallen der selektiven Informationssuche, das heißt: Informieren Sie sich so umfassend und unvoreingenommen aus so verschiedenen Quellen wie möglich. Nutzen Sie möglichst viele verschiedenartige Quellen, auch und gerade solche, die Ihrer aktuellen Haltung widersprechen oder von Gruppierungen kommen, denen Sie normalerweise nicht zuhören. Kultivieren Sie Ihr Gespür für Widersprüche zwischen und sogar innerhalb verschiedenen Statistiken und Expertenmeinungen. Versuchen Sie dann, durch weitere Information und Gedankenaustausch Widersprüche aufzulösen, oder halten Sie sie auch zunächst aus. Vielleicht ergeben sich schon bald neue Informationen.

Zum Ausprobieren hier ein paar Leseempfehlungen, welche, aber nur (!) in ihrer Gesamtheit, hoffentlich die wichtigsten mit Stand 24. März 2020 verfügbaren Informationen beinhalten und, gerade auch mit ihren Widersprüchen, zum Nachdenken anregen können. (Auf eine Diskussion in den Kommentaren freue ich mich. Bitte erst lesen, dann ergänzen.)

A) Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V.: COVID-19: Wo ist die Evidenz? März 2020.

(u.a. Vergleich von COVID-19 mit Grippewellen und Todesursachen)

https://www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/nachrichten/covid-19-wo-ist-die-evidenz

B1) T. Pueyo: The Hammer and the Dance. 21. März 2020. Deutsch von Christina Müller: Der Hammer und der Tanz

(Warum die aktuellen Maßnahmen nötig sind und wie es weitergehen sollte; diese Publikation wurde von einer US-Autorengruppe aus Medizin, Statistik und Wirtschaft erstellt und wird derzeit u.a. von schweizerischen und deutschen Klinikärzten gelobt.)

https://medium.com/tomas-pueyo/coronavirus-der-hammer-und-der-tanz-abf9015cb2af

Dazu gehört eine frühere Publikation:

B2) T. Pueyo: Coronavirus: Why You Must Act Now. 12. März 2020. Deutsch von Max Balbach: Coronavirus: Warum Du jetzt handeln musst

(Über statistische Zusammenhänge bei den Fallzahlen, auf die man vielleicht nicht unmittelbar kommt.)

https://medium.com/@maxbalbach/coronavirus-warum-du-jetzt-handeln-musst-fb26b1ccb207

C1) H.-W. Sinn: „In Europa droht die Vergemeinschaftung der Schulden“. 20. März 2020.

(Wirtschaftliche Folgen der Maßnahmen, mit EU-Kritik)

https://www.welt.de/wirtschaft/plus206671483/Hans-Werner-Sinn-zu-Coronavirus-In-Europa-droht-die-Vergemeinschaftung-der-Schulden.html

C2) D. Gaisenkersting: Corona-Krise in Deutschland: Soziale Katastrophe zeichnet sich ab. , World Socialist Web Site, 20. März 2020.

(Anschauliche Berichte von Arbeitern, Angestellten und Kleinunternehmern über die ersten wirtschaftlich-sozialen Folgen der Maßnahmen)

https://www.wsws.org/de/articles/2020/03/20/deut-m20.html

Es war ein Anliegen dieses Beitrags, die Coronakrise aktuell nicht mit der Klimathematik zu vermengen. Dennoch möchte ich mit der Prognose schließen, dass nach überstandener Coronakrise jedes der beiden „Klima-Lager“ vermutlich versuchen wird, die Erfahrungen für sich zu interpretieren. Die Alarmisten werden sagen: Bei Corona haben die Menschen erlebt, dass eine Einschränkung möglich ist. Wir Realisten werden sagen: Bei Corona haben die Menschen erlebt, was das kostet. Vielleicht werden sich die „Klimaziele“ dann schon von selbst erfüllt haben. Und vielleicht ist auf absehbare Zeit auch ganz einfach kein Geld mehr aufzubringen für einen „Green Deal“ …

Quellennachweise

[1] Schaub, H. (2006). Störungen und Fehler beim Denken und Problemlösen. In: Joachim Funke (Hrsg.). Denken und Problemlösen. Enzyklopädie der Psychologie / C / 2 ; 8), S. 447 – 482. Göttingen: Hogrefe.

[2] Hofinger, G. (2003). Fehler und Fallen beim Entscheiden in kritischen Situationen. In: Stefan Strohschneider: Entscheiden in kritischen Situationen. Frankfurt: Verlag für Polizeiwissenschaft.

 

 

 

 




Empathie für die Opfer der „Klimakatastrophe“ und mitleidslos gegenüber SARS-Kranken

Ich denke nicht, dass ein Quantum Gutes im Holocaust enthalten war, nicht einmal ein Quäntchen, und ich glaube nicht daran, dass Menschen in Grenzsituationen über sich selbst hinauswachsen, plötzlich freundlich und hilfsbereit werden, wie sie es vorher nie waren. Das mag so sein, wenn sie sich bei einem Stromausfall mit Kerzen und Batterien aushelfen, aber nicht, wenn es um ein letztes Stück Brot geht oder auch nur eine Rolle Toilettenpapier. Dann fallen sie übereinander her, und es wäre unfair, es ihnen übelzunehmen. Not macht erfinderisch, aber sie lässt nicht das Gute über das Böse siegen. Homo homini lupus est.

Dennoch gibt es so etwas wie „positive Kollateralschäden“. Klingt erst einmal absurd, stimmt aber. Die Medizin ist durch Kriegsverletzungen wesentlich vorangekommen, jeder Flugzeugabsturz hilft, das Fliegen sicherer zu machen. Trotzdem würde kein Mensch freiwillig an Bord eines Flugzeugs gehen, dem ein halber Flügel fehlt, nur um zu sehen, wie lange sich die Maschine in der Luft halten kann. Aber das ist es, was wir derzeit erleben, einen Absturz nach dem anderen. Ein Virus macht’s möglich.

„Warum ist in Zeiten von Corona so viel möglich, wo doch andere politische Entscheidungen, z.B. beim Klima, immer so wahnsinnig lange dauern“, fragte sich die Redaktion eines Hörfunk-Magazins beim Radio Berlin-Brandenburg und reichte die Frage an den Soziologen Harald Welzer weiter. Das sei in der Tat „merkwürdig“, antwortete dieser.

„Der Klimawandel ist langfristig eine weit größere Gefahr für das Überleben als das Corona-Virus, aber wir sehen in der Klimapolitik das exakte Gegenteil“, da sei alles „total kompliziert“, man müsse „auf alle Rücksicht nehmen“,

die Bürger, die gelben Westen, die Autoindustrie, während in den Talk-Shows Politiker sitzen und ständig darüber reden würden, dass man den Menschen nichts vorschreiben kann“, Freiheit sei doch das Wichtigste, und eine Öko-Diktatur dürfe es nicht geben. Dagegen sei

„die Corona-Story eine Lerngeschichte allererster Güteklasse, Flugzeuge bleiben am Boden, Massenevents bleiben aus“.

Im Ergebnis werde das nicht nur eine Wirtschaftskrise zur Folge haben, sondern auch einen „signifikanten Rückgang der Treibhausgas-Emissionen weltweit“, am Ende werde man sehen, dass es auch „mit weniger von allem geht, ohne dass die Welt untergeht“. So etwas, sagt der Soziologe, habe es schon mal gegeben, beim Ausbruch eines isländischen Vulkans, „der den europäischen Flugverkehr völlig lahmgelegt hat“, auch damals sei die Welt nicht untergegangen.

„Das heißt, wir können aus dieser Geschichte lernen, dass wir vieles von dem, das wir jetzt als notwendig voraussetzen, am Ende gar nicht brauchen“. Fazit: „Von Corona lernen, heißt Überleben lernen.“

Eine Lichterkette der Dummheit und Niedertracht

Nun gehört Welzer mit seinen Arbeiten zu den Gütern, die wir weder am Anfang noch am Ende unbedingt brauchen. Gäbe es sie nicht, würden wir deren Fehlen nicht mal bemerken. Auch hat der Ausbruch des Eyjafjallajökull im Frühjahr 2010 – ich war dabei – mitnichten den europäischen Flugverkehr völlig lahmgelegt. Ein Sprecher der Lufthansa bezeichnete „die Auswirkungen“ als „gering“. „Die Flugzeuge umfliegen das betroffene Gebiet einfach und kommen ein paar Minuten später in New York an. Das ist kein Drama.“ – Außer vielleicht für Harald Welzer, der eine Book-Party in New York verpassen könnte.

Allerdings liegt er vollkommen richtig, wenn er sagt, wir könnten aus der Corona-Krise lernen. Zum Beispiel, wie deutsche Intellektuelle ticken, die derzeit eine Lichterkette der Dummheit und Niedertracht bilden. Luisa Neubauer, das „deutsche Gesicht“ der Fridays-for-Future-Bewegung hat die Lage schnell und intuitiv erfasst. Sie ahnt, dass der „menschengemachte Klimawandel“ angesichts der Corona-Katastrophe seinen Schrecken verliert, dass es sehr lange keine FfF-Demos geben wird und Schulschwänzer keine Ausrede haben werden, dem Unterricht zugunsten des Weltuntergangs fernzubleiben. Sie hakt sich bei Welzer unter und gibt bekannt, „was unsere Demokratie jetzt braucht“, nämlich:

„Solidarität, Verantwortungsbewusstsein, Weitsicht & Umsicht. Daher verlegen wir unseren Austausch, Kontakt, Leben ins digitale und häusliche.“

Und so, wie Igor Levit und James Blunt jetzt im eigenen Wohnzimmer oder vor leeren Rängen spielen und ihre Konzerte ins Internet streamen, werden auch die Öko-Kids nur noch digital demonstrieren. Was natürlich auch ein Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen sein könnte.

Der Hamburger Kleinverleger und Großbürger Jakob Augstein fragt sich und seine Twitter-Freunde, ob

„angesichts einer Sterblichkeit von z. Zt. vielleicht 4% die Panik in Sachen #Corona gerechtfertigt“ sei. „Das ist weniger als bei echter Grippe.“

Und wie Luisa Neubauer macht er sich weniger Sorgen um seine eigene Gesundheit als um die der Demokratie.

„Demokratie braucht Austausch, Kontakt, Leben. Die eingesperrte Gesellschaft ist keine offene Gesellschaft. Lässt sich der Schutz der Wenigen wirklich nicht ohne Einsperren der Vielen gewährleisten?“

Ungesagt bleibt, ob sich Augstein zu den Wenigen, die geschützt werden müssen, zählt oder zu den Vielen, die jetzt eingesperrt werden. Eine offene Gesellschaft kann sich auch eine Pandemie leisten, so lange die Sterblichkeit vier Prozent nicht überschreitet und Augstein nicht zu den Wenigen gehört.

Welzer, Neubauer, Augstein, Precht et alii debili

Ähnlich entspannt reagiert auch der Arzt und Sprecher der „Scientist for Future“, Eckart von Hirschhausen, der über das Thema Wirksamkeit einer intravenösen Immunglobulintherapie in der hyperdynamen Phase der Endotoximänie beim Schwein promoviert hat. Danach verlegte er sich erfolgreich auf „medizinisches Kabarett“ und bespaßt als „Deutschlands Arzt Nummer Eins“ ARD-Zuschauer und Teilnehmer von Betriebsfesten mit Themen wie Warum pupsen wir im Flugzeug häufiger als auf der Erde?

Auf die Frage, was er über das Corona-Virus denken würde, antwortete er am Rande eines Empfangs des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, die Debatte darüber sei „eine Scheindiskussion“.

 „Wir wissen, dass Grippe letztes Jahr 25.000 Leute getötet hat, warum reden wir so viel über ein Virus, das wahrscheinlich harmloser ist?“

Einen solchen suizidalen Optimismus zu toppen, das schafft nur einer – der Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht. Corona, sagt er, sei so gefährlich wie eine Grippe, „mit einer Mortalitätsrate von 0,3% der Betroffenen eine sehr kleine Bedrohung“, der Klimawandel dagegen „eine ganz große Menschheitsbedrohung“. Es sei doch seltsam, dass „die Leute mehr Angst um ihr Leben haben, als um das Überleben der Menschheit“. Er selbst trete dem Corona-Virus „völlig unbefangen“ entgegen. „Alles, was ich bis jetzt von dem Virus verstanden habe, ist, dass es gefährlich ist für Leute mit schwachem Immunsystem und für sehr alte Menschen. Und da ich zu beiden nicht dazuzähle, fühle ich mich nicht besonders bedroht…“

Welzer, Neubauer, Augstein, von Hirschhausen, Precht et alii debili – mein Immunsystem ist stabil, aber nicht stabil genug. Mir wird schlecht. Diese selbstverliebten Maskengesichter, die von „Sterblichkeit“ und „Mortalitätsrate“ reden, als ginge es um von Aussterben bedrohte Insekten oder Käfer. Voller Empathie für die Opfer der Klimakatastrophe auf Kiribati und vollkommen mitleidslos für die Alten und Schwachen in den Plattenbauten nebenan.

Wir sind an einem Punkt angekommen, den die SPD-Politikerin und ehemalige Beauftragte für Migration und Integration, Aydan Özoguz, in einem „Strategiepapier“ vom September 2015 vorhergesagt hat:

„Unsere Gesellschaft wird weiter vielfältiger werden, das wird auch anstrengend, mitunter schmerzhaft sein. Unser Zusammenleben muss täglich neu ausgehandelt werden.“

Özoguz meinte damals die Folgen der Zuwanderung. Nun ist es ein Virus, das uns zwingt, unser Zusammenleben täglich neu auszuhandeln. Gestern wurden Fußballspiele abgesagt, heute Gottesdienste aller Religionen verboten, morgen könnten die Blutkonserven knapp werden. Bis das Virus besiegt ist.

Das kann eine Weile dauern. Und vielleicht findet jemand bis dahin das Quantum Gutes, das im Schlechten versteckt sein könnte.

„Die Krise wird vieles verändern, manches davon können wir ins Gute wenden“,

sagt Christian Lindner, der Vorsitzende der Freien Demokraten, dessen Partei auch ohne Corona gegen das Ableben ankämpft. Was könnte er gemeint haben?

Die nächste Weltklimakonferenz, die in Glasgow stattfinden soll, wird ausfallen. Greta kehrt in ihre Schule zurück, und Ursula von der Leyen wird sich nicht daran erinnern können, sie jemals nach Brüssel eingeladen zu haben. Die staatlichen Subventionen für den Kauf von E-Autos werden eingestellt, die Dieselverbote aufgehoben. Bayern erklärt sich zu einem souveränen Staat und bietet Österreich und der Schweiz eine alpine Föderation an.

Alles wird wieder gut. Aber nie wieder so, wie es einmal war.

Zuerst erschienen auf Broders Achse des Guten. Mit freundlicher Genehmigung.

 




Corona möglicherweise durch Klimawandel angetrieben? Harald Lesch

Auf die Frage des Moderators, mit welchen Veränderungen man in der Gesellschaft „langfristig rechnen“ müsste, ob „etwas hängenbleiben“ werde, antwortete Lesch:

„Die Entschleunigung war noch nie so schnell“,

noch nie sei diese Gesellschaft so schnell auf Null heruntergebremst worden. Was eben passiert sei,

„werden wir nicht vergessen und hoffentlich daraus eine ganze Menge an Lehren ziehen“.

Wir würden lernen müssen, was für unsere Dasseinsvorsoge wichtig wäre, dass „wir ein Teil der Natur“ sind, was bedeutet:

„Solche Epidemien werden, möglicherweise durch den Klimawandel angetrieben, häufiger über uns kommen…“

So kann man es sagen. Man kann auch sagen, dass Gewalt möglicherweise durch Brutalität angetrieben wird. Möglicherweise auch nicht. Lesch sagt nicht, dass „solche Epidemien“ wie Corona durch den Klimawandel angetrieben werden, er insinuiert nur, dies könnte der Fall sein. Was ihn nicht davon abhält, sich später darüber zu echauffieren, dass die meisten Leute zwischen Hypothesen und Tatsachen nicht unterscheiden könnten und deswegen auf fake news hereinfallen würden.

Die meisten Leute werden das Wörtchen möglicherweise schnell vergessen und sich nur noch daran erinnern, dass Epidemien wie Corona durch den Klimawandel angetrieben werden. Und wer den Klimawandel, zumal den menschengemachten, infrage stellt, der trägt dazu bei, dass Epidemien dieser Art häufiger über uns kommen könnten.

Egal, ob das eine Hypothese oder eine Tatsache ist, es ist das, was Prof. Harald Lesch unter „Wissenschaft“ versteht. Möglicherweise.

 

Zuerst veröffentlicht auf der Achse des Guten, mit freundlicher Genehmigung.




Naomi Seibt etabliert sich auf der internationalen Bühne: Interview SKYNews Australien

Naomis Auftritt auf unserer Konferenz.