Woher kommt der Strom? steigende Durchschnittswerte für Ökostrom

Anteil der erneuerbaren Energien pro Jahr, Monat, Woche, Tag an der Stromerzeugung
Was nutzen mir fast 70 Prozent Anteil Strom mittels erneuerbarer Energieträger, wenn der Bedarf – wie immer am Sonntag – gering ist und die konventionellen Stromerzeuger bereits auf niedrigem, nicht weiter absenkbarem Niveau produzieren. Da nutzen nahezu 70 Prozent im Durchschnitt am Tag gar nichts. Außer den benachbarten Ländern, die den Strom mit Bonus geschenkt bekommen. So geschehen in dieser Woche. Ebenfalls diese Woche gab es zwei Tage, an denen die Stromerzeugung mittels der erneuerbaren Energieträger Wind- und Sonnenkraft zeitweise gegen Null ging. Sonnenstrom nachts sowieso, Windstrom leider über Tag und Nacht ebenfalls: Fast Null. An Land, auf See. Was nutzen da irgendwelche Durchschnittswerte? Nichts!
Um zusätzlich einen bitteren Tropfen in den süßen Wein der Durchschnittswerte zu träufeln, sei angemerkt, dass diese immer auch 15 bis 20 Prozent Strom aus Biomasse und Wasserkraft enthalten. Diese grundlastfähigen erneuerbaren Energieträger sind keine Kinder der Energiewende, sondern immer schon Bestandteil des deutschen Strommix‘. Wird mittels Biomasse und Wasserkraft erzeugter Strom prozentual herausgerechnet, ergeben sich entsprechend geringere Durchschnittswerte, häufig unter 50 Prozent, manchmal unter 10 Prozent.

70 Prozent der Energie durch Umwandlungsprozesse verloren

Da Biomasse und Wasserkraft am Limit ihrer Ausbaufähigkeit stehen, muss jeglicher Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung faktisch mittels Wind- und Sonnenkraftwerke erfolgen. Und deren Stromerzeugung kann zeitweise eben gegen Null gehen. Oder so stark sein, dass der Strom einfach nicht benötigt wird. Ein Ausgleich dieser Pole durch Speicher, Power-to-X usw. steht im benötigten Umfang nicht, noch lange nicht zur Verfügung. Ich behaupte sogar, dass dieses Unterfangen praktisch unmöglich ist.
Nehmen wir die grüne Wasserstoffproduktion. Diese benötigt viel Energie. Nun ist bis heute nicht ein einziges Mal auch nur eine Stunde überschüssiger Strom mittels Wind- und Sonnenkraft plus Biomasse und Wasserkraft erzeugt worden. Wenn dies denn irgendwann mal der Fall wäre, gingen 70 und mehr Prozent der Energie durch Umwandlungsprozesse verloren. Aus einer  Terawattstunde (TWh) Strom wird beim Umweg über den Wasserstoff 0,3 TWh Strom. Das ist ist keine überzeugende Rechnung. Zumal es zusätzlich notwendig ist, beispielsweise 4 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 3 MW in Betrieb zu nehmen, um am Ende faktisch den möglichen Strom einer 3 MW-Anlage zu erzeugen. Dieser Chart belegt das eindrucksvoll mit diesmal durchaus sinnvollen Durchschnittswerten der realen Stromerzeugung des Jahres 2019 plus Bezug zur installierten Leistung.
Die 21. Woche ist ein weiteres Beispiel für die Tücken einer Stromversorgung, die immer mehr auf die erneuerbaren Energieträger Wind- und Sonnenkraft setzt und konventionelle Stromversorger abschalten will. Die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts, der daraus generierte Chart sowie die Import-/Exportdaten für das aufgelaufene Jahr 2020 und der 21. Woche vervollständigen die Analyse.
Wenn Sie den Chart des jeweiligen Tages in den Tagesanalysen öffnen, kann der prozentuale Anteil von Wind- und Sonnenstrom einfach ermittelt werden. Der absolute Anteil „Wind-/Sonnenstrom“, der dort ausgeworfen wird, muss lediglich durch den Wert „Strom gesamt“ dividiert und mit 100 multipliziert werden. Vorteil gegenüber der Addition der prozentualen Werte. Eine Einschätzung der Prozentwerte gegenüber den absoluten Werten des jeweiligen Tages wird möglich. Noch ein Hinweis zu den Durchschnittswerten der Energy-Charts und den von mir ermittelten. Es können geringfügige Differenzen vorliegen, weil die Werte der Energy-Charts praktisch jederzeit angepasst werden (können). Die von mir verwendeten Werte sind Stichtagswerte und werden nicht nachträglich verändert.

Die Tagesanalysen

Sonntag, 17.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 69,64 Prozent, davon Windstrom 28,57 Prozent, Sonnenstrom 25 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,07 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Sonntag: Wenig Bedarf (12:00 Uhr = 60 GW) – Viel regenerativ erzeugter Strom (12:00 Uhr = 53,2 GW knapp 90%) – Überangebot ==> Negative Strompreise. Zum Abend fehlt Strom. Da wird dieser importiert. Für schlappe 23,95 €/MWh um 21:00 Uhr. Aus der Schweiz, aus Frankreich, aus Dänemark. Länder, die den Strom am Mittag mit Bonus geschenkt bekamen.
Montag, 18.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 61,86 Prozent, davon Windstrom 24,58 Prozent, Sonnenstrom 22,88 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,41 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Fast die gleiche regenerative Stromerzeugung wie gestern. Allerdings ist der Bedarf = kein Überangebot etwas größer. Deshalb keine negativen, sondern nur im Verhältnis zu den Importpreisen morgens und abends geringe Strompreise, die Deutschland für seinen Exportstrom erzielt.
Dienstag, 19.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 54,39 Prozentdavon Windstrom 17,54 Prozent, Sonnenstrom 21,93 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,91 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Der Wind lässt nach, die Sonne scheint kräftig. Zum Abend wird viel Strom benötigt und gut bezahlt. Der am Morgen benötigte Strom fällt preislich nicht so stark ins Gewicht.
Mittwoch, 20.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 40,19 Prozent, davon Windstrom 4,67 Prozent, Sonnenstrom 18,69 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,82 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Strombedarf um 12:00 Uhr gut 70 GW. Regenerative Stromerzeugung gut 31 GW. Konventionelle Stromerzeugung gut 33 GW. Es fehlen 6 GW Strom, um den Bedarf zu decken. Der gleiche Tag um 3:00 Uhr: Strombedarf gut 48 GW. Regenerative Stromerzeugung gut 9 GW, davon Windstrom 1,7 GW. Konventionelle Stromerzeugung gut 29 GW. Die Strompreise, welche Deutschland an die Nachbarn bezahlt. Das Wetter war sonnig, es wehte kaum Wind in Deutschland. Ein herrlicher Vorsommertag.
 Donnerstag, 21.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 57,45 Prozent, davon Windstrom 6,38 Prozent, Sonnenstrom 31,91 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 19,15 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Noch sonniger, noch weniger windig ist der Donnerstag. Es wird so viel Sonnenstrom erzeugt, dass dieser für um die 12–15 €/MWh exportiert werden kann. Dennoch: Es bleibt so, dass Deutschland beim Export regelmäßig geringere Preise erzielt, als es den Nachbarn für den Stromimport bezahlen muss.
Freitag, den 22.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 64,08 Prozent, davon Windstrom 31,07 Prozent, Sonnenstrom 16,50 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,50 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Die Windstromerzeugung zieht an. Die Sonnenstromerzeugung halbiert sich fast. Deutschland benötigt den ganzen Tag per Saldo Importstrom.
Samstag, 16.5.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 70,48 Prozent, davon Windstrom 41,90 Prozent, Sonnenstrom 11,43 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 17,14 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Weniger Bedarf als Montag bis Freitag. Die regenerative Stromerzeugung zieht an. Wenig Bedarf, viel Bedarf interessieren Wind und Sonne wenig, gar nichts. Von Deutschland benötigter Strom wird höher bezahlt als Strom, der abgegeben wird. Wie gehabt.
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Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr. Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.
Zuerst erschienen bei der Achse des Guten; mit freundlicher Genehmigung.
Rüdiger Stobbe betreibt seit vier Jahren den Politikblog  www.mediagnose.de
 




Woher kommt der Strom? permanente Minderstromerzeugung

Ein Kraftwerk-Insider berichtet: “Die Einschläge häufen sich”.
Wobei ich noch mal ausdrücklich betonen möchte, dass ich hier nicht beurteilen will, ob die Preise wirklich günstig sind. Kraftwerke, die keinen Strom produzieren, haben außer in der Ersparnis von Brennstoffkosten/CO2-Zertifikate keinen Vorteil. Der laufende Betrieb geht weiter, die Kosten dafür entstehen auch, wenn eben kein Strom produziert wird. Was allerdings bei Stromerzeugern mittels fossiler Energieträger nicht anfällt, sind die Kosten für die CO2-Zertifikate. Die tragen die ausländischen Stromproduzenten, deren Strom Deutschland importiert.
Die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts und der daraus generierte Chart ergänzen die Analyse. Die Charts mit dem Import/Export der 20. Woche und des aufgelaufenen Jahres 2020 belegen, dass Deutschland in erster Linie Strom aus Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark importiert. Es ist alles dabei: Strom aus Kernkraft, Kohle- und Gasstrom, Strom aus erneuerbaren Energieträgern. Wobei bemerkenswert ist, dass der Anteil des Stroms aus Kernkraft am Strommix der Schweiz und Frankreich wesentlich höher ist als der Deutschlands. Die Niederlande beziehen ihren Strom vor allem aus der Verstromung von selbst im Land gefördertem Gas, welches noch Hauptenergieträger des Landes ist. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern, weil die Gasförderung wohl erhebliche tektonische Probleme bereitet.

Die Tagesanalysen

Sonntag, 10.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 64,21 Prozent, davon Windstrom 26,32 Prozent, Sonnenstrom 18,85 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 18,95 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Der tiefste Preis des Tages ergibt sich, als Deutschland das bisschen an Strom, welches über die Mittagsspitze überschüssig ist, exportieren muss. Ansonsten zieht die Windstromerzeugung an, was am Montag, zu einem Windstrombuckel führt.
Montag, 27.4.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 72,44 Prozent, davon Windstrom 51,18 Prozent, Sonnenstrom 7,09 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,17 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Die Entwicklung zum bereits erwähnten Windstrombuckel führt in der Nacht zum Montag zu Strompreisen nahe Null. Deutschland verfügt im Zeitraum von 00:00 bis 4:00 per Saldo über etwas zu viel Strom, den es praktisch verschenken muss. Den Rest des Tages importiert Deutschland Strom zu Preisen zwischen 8 und 25 €/MWh.
Dienstag, 12.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 59,84 Prozentdavon Windstrom 24,59 Prozent, Sonnenstrom 19,67 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,57 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Mit dem Abbau des Windstrombuckels kehrt die nahezu vollständige Stromunterdeckung wieder ein. Über die Mittagsspitze sind Stromimport/Stromexport nahezu ausgeglichen. Um 7:00 gibt es mit gut 33 €/MWh eine Preisspitze. Ansonsten liegt der Importpreis zwischen 17 und 29 €/MWh.
Mittwoch, 13.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 45,69 Prozent, davon Windstrom 15,52 Prozent, Sonnenstrom 13,79 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,38 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Relativ schwache Stromerzeugung durch regenerative Energieträger. Die Wind- und Sonnenstromerzeugung schwächelt. Der Importstrompreis zieht an. Frankreich und die Schweiz liefern den meisten Strom.
 Donnerstag, 14.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 50,86 Prozent, davon Windstrom 18,10 Prozent, Sonnenstrom 16,38 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,38 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Heute liefern die Niederlande einen Großteil des Stroms, den Deutschland benötigt, um die Nachfrage zu befriedigen. Natürlich sind die Schweiz, Dänemark und Frankreich ebenfalls dabei. Österreich und Tschechien machen kleine, aber feine Preisdifferenzgeschäfte.
Freitag, den 15.5.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 61,61 Prozent, davon Windstrom 26,79 Prozent, Sonnenstrom 18,75 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,07 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Heute führt etwas mehr Windstrom zu einer Erzeugungskante über die Mittagszeit. Am Morgen und Abend gibt es Preisspitzen. Stromlieferanten für Deutschland: Wie gehabt.
Samstag, 16.5.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 69,16 Prozent, davon Windstrom 27,10 Prozent, Sonnenstrom 25,23 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,82 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Wochenende: Relativ wenig Strombedarf, leichter Wind und viel Sonne bedeuten viel Strom über die Mittagszeit. Strom, der um die 8–10 €/MWh exportiert wird. Morgens und abends wird Strom benötigt. Da werden höhere Preise aufgerufen.

Der Stillstand, wenn nicht das Ende der Energiewende

Es war nicht das große Thema in den Medien. Es war nur eine kleine EEG-Novelle, die beschlossen wurde. Der Auszug aus der Zusammenfassung der Bundestagsverwaltung zur Debatte vom 14.5.2020 belegt, wie komplex das EEG mittlerweile geworden ist:

Mit der Annahme des Koalitionsentwurfs (19/18964) werden das Privileg für Bürgerenergiegesellschaften, ohne immissionsschutzrechtliche Genehmigung an den Ausschreibungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz 2017 teilnehmen zu dürfen, sowie die darauf aufbauenden Regelungen dauerhaft gestrichen. Im Übrigen bleibt die Bürgerenergie mit ihren Regelungen (etwa das sogenannte Einheitspreisverfahren) unverändert. Im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie wird es im Antragsverfahren 2020 für die Besondere Ausgleichsregelung ermöglicht, die Wirtschaftsprüferbescheinigung und das Zertifikat zur Energieeffizienz bis 30. November 2020 nachzureichen. […] Die Grünen wollten mit ihrem Änderungsantrag (19/19215) den sogenannten 52-Gigawatt-Deckel ersatzlos streichen, um den aus ihrer Sicht absehbaren Markteinbruch bei der Neuinstallation von Fotovoltaik im Segment bis 750 Kilowatt-Peak abzuwenden. Dies hätte zur Folge gehabt, dass die Regelungen des EEG unverändert weitergelten und eine Vergütung nach dem EEG für Fotovoltaik-Anlagen im Segment bis 750 Kilowatt-Peak, die nicht an einer Ausschreibung teilnehmen, weiterhin in Anspruch genommen werden können. Quelle: Hier klicken.

Die Ablehnung bzw. die Verzögerung (Versprochen für den Herbst!) des Wegfalls Förderdeckel Photovoltaik zeigt hingegen noch etwas. Der Bundestag räumt nicht bedenkenlos alle Hindernisse in Sachen Begünstigung erneuerbarer Energieträger weg. Was die Verfechter der Energiewende selbstverständlich zum Kochen bringt. Keine Förderung in Sachen Photovoltaik bedeutet den Einbruch des weiteren Ausbaus nicht nur wie bereits der Windkraft, sondern nun auch noch von Photovoltaikanlagen. Was praktisch den Stillstand, wenn nicht gar das Ende der Energiewende bedeutet. Denn ob im Herbst der Förderdeckel fällt, ist angesichts der katastrophalen Gesamtwirtschaftslage wegen der Lockdown-Maßnahmen mehr als fraglich.
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„Organic-Flow“-Batterie: ökologisch Strom speichern wie Benzin oder Heizöl?

Um die von vorn herein nicht funktionierende Energiewende der Angela Merkel noch zu retten, treiben Journalisten eine Energiespeicher-Sau nach der anderen durchs Dorf; vom Wasserstoff bis zur Alu-Luft-Batterie. In einem aktuellen Artikel stellt das Handelsblatt den „Organic Flow“-Akkumulator vor, der mit Lignin funktionieren soll.

Für die Nicht-Biowissenschaftler unter uns: Das Material wird vor allen von Bäumen in die Zellulosewände ihrer Wasserleitgefäße eingelagert und somit massiv stabilisiert – so entsteht Holz. Lignin fällt in großer Menge in der Papierindustrie an, wo das es von der Zellulose getrennt wird.

Eingesetzt werden soll der „Abfallstoff“ in einer Flußbatterie als flüssiger Elektrolyt, nach dem Prinzip einer Redox-Flow-Batterie. Das Ergebnis ist nicht brennbar wie ein Lithiumakku, dafür aber auch nicht sehr fix, da die Energie nur sehr langsam abgegeben werden kann. Die Leistung und der Energieinhalt sollen zudem „fast beliebig“ skaliert werden können. Im Auto erscheint ein solch träger Akku nicht sinnvoll; daher sei die Batterie günstig als Zwischenspeicher von Ökostrom aus Windkraft etc, um „Lastspitzen im Stromnetz abzufedern“, wie ein Experte vom Fraunhofer-Institut meint.

Man könne mit der Flußbatterie „Lücken schließen“, für kleine Heimspeicher (von Leuten mit Solarpanneele auf dem Dach) oder im Vorfeld der Power-to-X-Projekte wie grünem Wasserstoff, den unsere Wissenschaftsministerin Anja Karliczek aus Afrika importieren will. Auch in EIKEs Heimstatt Jena will nun eine Firma namens Jena Batteries die organischen Batterien bauen.

Nun können wir Menschen bekannterweise Energie lange nicht so gut so gut speichern wie die Natur – als Folge thermodynamischer Beschränkungen. Es gibt grundsätzlich immer mindestens einen Faktor, der unsere Bestrebungen völlig zunichte macht. Wo ist also der Haken der „Ökobatterie“? Einer ist der hohe Preis, der aber nur daher rühre, daß die Batterien halt nicht im großen Maßstab produziert würden. Dennoch sind sich die Unternehmer aus Alzenau und Jena sicher, daß ihr Produkt langfristig konkurrenzfähig werde. Dann aber bitte ohne Subventionen über die Forschungsphase hinaus – dann glauben wir es. Ich befürchte aber eher, daß die verantwortlichen Politiker neben der Technik zur Gewinnung von Ökostrom bald auch die Zwischenspeicher fördern werden; schon, um die Energiewende wenigstens ein paar Jahre länger aufrecht erhalten zu können.




Die Angst vor dem Atom

In der Unterwelt

Radioaktivität, woher sie auch kommen mag, beschert uns mit „ionisierender Strahlung“, und die kann tatsächlich gefährlich sein. Um das zu verstehen müssen wir uns furchtlos hinab in die Unterwelt der Atome begeben.

Hier scharen sich negativ geladenen Elektronen um einen positiven Atomkern, und zwar immer so viele, dass sich die elektrischen Ladungen kompensieren. Wenn man versuchen würde, eines der Elektronen zu entfernen, dann würde man schnell merken, dass das nicht einfach ist, denn plus und minus ziehen sich bekanntlich an.

Mit Pfeil und Bogen

Wir könnten es mit elektromagnetischer Strahlung versuchen, mit Licht etwa. Wir könnten mit einer Lampe auf die Atome einstrahlen; also mit Lichtteilchen, genannt Photonen, auf das Atom schießen. Doch das ließe die Elektronen unbeeindruckt. Sie blieben fest an ihrem Kern. Würden wir das Licht jetzt doppelt so stark machen, dann passierte immer noch nichts. Es wäre so, als würden wir mit Pfeil und Bogen auf Panzer schießen. Egal wie viele Schützen wir hätten, wir kämen nie durch. Erst mit panzerbrechender Munition hätten wir eine Chance.

Zum Panzerknacken müssen wir kleinere Wellenlängen verwenden, nämlich ultraviolettes, unsichtbares „Licht“. Diese Lichtteilchen sind andere Kaliber, die können ein oder mehrere Elektronen aus dem Atom katapultieren. Was dann übrig bleibt ist ein „Ion“, ein Atom, dem Elektronen fehlen. Zurecht wird die UV-Strahlung daher als „ionisierend“ bezeichnet. Röntgen- und Gammastrahlen haben noch kürzere Wellenlängen, sie sind die großkalibrigen Waffen, die Bazookas der ionisierenden Strahlung.

Rettet die Moleküle

Häufig finden wir mehrere Atome, die sich zu einem schönen Molekül arrangiert haben. Da würde ionisierende Strahlung ziemliches Unheil anrichten, denn die Elektronen sind gewissermaßen der Klebstoff in dem ganzen Arrangement.

Besonders komplizierte und filigrane Strukturen aus Tausenden von Atomen aber finden wir in lebenden Zellen, also auch in uns höchstpersönlich. Und der heilige Gral aller Moleküle residiert im Kern dieser Zellen, in Form einer Doppel-Helix. Hier sind der Bauplan der Zelle selbst und das Programm für ihren Tagesablauf gespeichert.

Falsch programmiert

Würde nun, aus welchem Grund auch immer, ionisierende Strahlung in unsere Zellen eindringen und dort Moleküle zerschlagen, dann würde die Zelle absterben; jeder komplexe Mechanismus hört auf zu funktionieren, wenn man brutal auf ihn einschlägt. Die tote Zelle würde dann in einem Routineprozess vom Körper entsorgt werden, ohne große Formalitäten. Würde die Strahlung in den Kern der Zelle eindringen, und dort Programme und Daten für die Selbstorganisation der Zelle verändern, so würde sie auch das kaum überleben.

Aber eben nur kaum! Da bleibt noch eine winzige Wahrscheinlichkeit, dass besagte Programme durch Strahlung derart abgewandelt werden, dass die Zelle weiterlebt, ab jetzt aber mit zufällig verfälschten Parametern. Und das ist die Gefahr! Würde etwa in das Programm für die Zellteilung eingegriffen, dann könnte es passieren, dass die Instruktion für das spontane Ableben der Zelle unterdrückt wird, dass eine „unsterbliche“ Zelle entstünde. Deren Zellteilung ginge ungebremst weiter. Und auch die identischen, unsterblichen Tochterzellen würden sich ungezügelt vermehren, Generation nach Generation. So entstünde ein Tumor.

Fatale Folgen

Die Wahrscheinlichkeit für genau dieses zufällige Ereignis ist extrem niedrig, aber die ionisierenden Teilchen – woher sie auch stammen mögen – wirken in solchen Mengen auf uns ein, dass genau diese dramatische Veränderung tatsächlich eintreten kann. Und es genügt, dass eine einzige der Billionen von Zellen des Körpers diese Veränderung erfährt, um Krebs auszulösen. Das Risiko im Verlauf des Lebens eine solche, durch ionisierende Strahlung ausgelöste Erkrankung zu erleiden wird auf etwa 1% geschätzt.

Das ist nicht viel, dennoch wird man versuchen, ionisierender Strahlung aus dem Weg zu gehen, wo immer möglich. Und hier kommen wir zum Thema Kernkraftwerk. In dessen Innerem herrscht mörderische ionisierende Strahlung, und auch der verbrauchte Brennstoff strahlt noch lange vor sich hin. Davon sollte man sich fern halten. Aber Angst haben?

Sie war nie unbefleckt

Uns wird suggeriert, die Erde sei in Sachen Radioaktivität jungfräulich gewesen, bis da ein paar verrückte Doktor Frankensteins mit ihren Bomben und Meilern kamen, um dem friedlichen Idyll für immer ein Ende zu setzen. Das ist nicht der Fall. Die Erde war niemals unbefleckt.

Schon unsere Vorfahren seit Adam und Eva waren dieser Strahlung ausgesetzt, denn der Schöpfer hat buchstäblich alle möglichen Substanzen zum Bau von Himmel und Erde verwendet, und viele davon waren radioaktiv. In den Milliarden Jahren seither sind zwar die meisten zerfallen, sie haben sich unter Abgabe von ionisierender Strahlung schrittweise in „normale“ Stoffe verwandelt, aber einige hartnäckige Substanzen haben bis heute überlebt, als „natürliche Radioaktivität“.

Dieser Artikel erschien zuerst bei www.think-again.org und im Buch „Grün und Dumm“.




Stefan Rahmstorf wehrt sich gegen seine mediale Verdrängung durch das Virus: katastrophale Prognosen von CMIP6

Rahmstorf hatte im März bereits Furore gemacht, als er sich in einem Artikel in Scilogs-Spektrum in die Debatte um „Coronaleugner“ oder „Wissenschaftsleugner“ wie Wolfgang Wodarg einschaltete. Die Pointe: Wodarg hatte 2010 mit seiner Kritik an Seuchen-Alarmisten wie Christian Drosten absolut recht behalten; während politiknahe Wissenschaftler wie Rahmstorf oder Drosten von der Realität wiederholt Lügen gestraft werden.
Unter seinem Spektrum-log-Artikel erntete Rahmstorf denn auch ordentlich Kritik, bis er entnervt die Kommentarfunktion abschaltete. Dafür durfte er im Mai nun einen eigenen Artikel bei Relotius online schreiben. Darin beklagt er zwischen den Zeilen den Aufmerksamkeitsverlust für seine Panikmache zur Klimakatastrophe durch die Panikmache zum SARS2-Virus.

Schon heute feststellen läßt sich allerdings, dass Corona in der öffentlichen Wahrnehmung fast alle anderen Themen verdrängt. Dabei hat die Dringlichkeit des Klimaschutzes nichts an Aktualität eingebüßt, im Gegenteil.

Um die Notwendigkeit der üppigen Weiterfinanzierung des „grünen Umbau(s)“, also auch von Rahmstorfs Institut PIK, zu unterstreichen, behauptet er nun wieder einmal eine „deutlich stärkere globale Erwärmung“ vorher. Den „Beweis“ liefern die berüchtigten Klimamodelle bzw. die Modellsammlung CMIP6 der An-Institute des Weltklimarates IPCC, die zu den „wichtigsten Werkzeugen der Klimaforschung“ gehörten.
Eher das einzige, sollte Rahmstorf sagen, denn andere Methoden lassen sich nicht so schön für die Sage vom Weltuntergang manipulieren. Zur Erinnerung der Funktionsweise eines Klimamodells: Es handelt sich um eine nicht-lineare, also chaotische Berechnung, die auf Annahmen beruht.

Diese Annahmen werden natürlich so gewählt, daß etwas möglichst Katastrophales herauskommt. Denken Sie an den berühmten „Schmetterlings-Effekt“, nach dem der Flügelschlag eines kleinen Flattermanns in der Sahara einen Wirbelsturm vor Peking auslösen kann. Das ist aber nur mathematisch möglich und wird in der Realität mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geschehen. Genauso gut könnten Sie einen Stapel Skatkarten in die Luft werfen und darauf hoffen, daß die Asse, Zahlen und Figuren sich genau in der richtigen Reihenfolge auf dem Boden einfinden.
Natürlich bemüht Rahmstorf auch wieder seine geliebte „Klimasensitivität“, die finanzpraktisch natürlich sehr hoch ist, was heißen soll, daß ein bissel CO2 mehr in der Luft sofort zu einer gewaltigen Erhitzung der bodennahen Luftschichten führe. Nach „neuester Analyse“ liege sie im Bereich von mehr als 4,5°; um diesen Betrag stiege also die mittlere Lufttemperatur. Im abgeschlossenen Experiment ohne jede andere Einflußgröße mag das funktionieren; allerdings mit jedem Gas, das mehr als zwei Atome hat. Daß die Erdatmosphäre ein gewaltiges nicht abgeschlossenes System mit etlichen Einflußgrößen ist, wird ignoriert. Womit die Klimamodelle aus dem CMIP6-Topf obsolet werden.
Interessanterweise gibt Rahmstorf ein paar Schwächen der Modelle zu und fragt, welches „näher an der Wahrheit“ liege. Tatsächlich geht es dabei aber nur um die Frage, wie schlimm die Katastrophe ausfalle. Denn:

„Auch auf der Basis der bisherigen, etwas weniger hohen Abschätzung der Klimasensitivität brauchen wir sehr rasch eine ganz erheblich ambitioniertere Klimapolitlitk, um die Paris-Ziele noch einzuhalten und teure Folgeschäden, massives menschliches Leid und unwiederbringliche Verluste von Tier- und Pflanzenarten zu verhindern.“

Es ist nicht zu fassen. Die Corona-Volksquarantäne, die eine Ahnung auf die dekarbonisierte Wirtschaft nach Rahmstorfs Geschmack vermittelt, erzeugt durch sinnlose Isolation und Arbeitsplatz-Vernichtung „massives menschliches Leid“, und dieser Mann will noch mehr davon!