Kann die Kernfusion das Klima retten?

Als „Klimaleugner“ staunt man, wie viele Artikel die Qualitätspresse in letzter Zeit zum Thema alternative Energien heraushaut. Wenn unsere verwirrten Eliten gleichzeitig Kernkraft- und Kohlekraftwerke dichtmachen und Wärmekraftmaschinen in Autos verbieten wollen, fragt sich mittlerweile wohl selbst der linke Klimajournalist in der Metropole, woher in Zukunft dann diese Elektronen-Dinger in der Steckdose kommen sollen und mit welchem Auto man zum Flughafen fahren kann (die Berliner Öffis meidet die Elite aus tabuisierten Gründen bekanntlich eher).

Zumindest fragen sich die Hauptschriftleiter der großen Zeitungen (und TV-Sender) wohl, was sich auch Otto Normalverbraucher fragen könnte. Da der Windradbau von Bürgern zunehmend via Klage blockiert wird und der Lithium-Akkumulator selbst vom Klima-Lesch verdammt wird, müssen unbedingt neue Visionen her, um Hoffnung zu stiften, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Da die Grünen und ihre Hofmedien in den 1980ern den Kernspaltungsreaktor trotz neuer Konzepte pauschal mit dem Etikett „Weltuntergangsmaschine“ versehen haben, muß nun die Kernfusion verstärkt promoviert werden, wenn auch nur medial. Die Fusion hat im grünen Lager erstaunlicherweise kaum Feinde, warum auch immer. Am technischen Verständnis kann es nicht liegen; eine hüpfende FFF-Demonstrantin, die den Begriff „Massendefekt“ erklären kann, ist kaum vorstellbar. Heise.de behauptet nun, daß „just zu dieser Zeit“, also in unserer Gretchen-Ära, bedeutende Fortschritte im Bereich der Fusionsforschung gemacht wurden. Diese vermögen angeblich, „den Traum, unbegrenzte saubere und sichere Energie aus der thermonuklearen Fusion von Atomkernen“ einzulösen.

Jede Technologie hat allerdings immer Nachteile. Wie soll die angeblich bald zur Verfügung stehende Fusionierung funktionieren? Grundsätzlich werden schwere Wasserstoff-Atome (Deuterium) mit überschweren Wasserstoff-Atomen (Tritium) gewaltsam miteinander verschmolzen. Dabei entsteht gigantisch viel Energie, die man gerne nutzen würde. Die Sache geht aber leider nur bei Drücken um 200 Millionen bar und etwa 15 Millionen Grad Celsius (hier) und (hier). Fertig gebracht hat man das bereits in sehr unschöner Form als „Wasserstoffbombe“, bei welcher die hier als etwas euphorisch bezeichneten „warmen, druckhaltigen“ Bedingungen von einer „Atombombe“ erzeugt werden, um welche das eigentliche Fusionsmaterial als Lithiumdeuterid-Hülle angebracht ist.

Diese unschöne Nutzung der Kernfusion friedlich zu zähmen bemüht sich seit vielen Jahrzehnten die Fusionsforschung. Glücklicherweise sind Grüne bekanntlich naturwissenschaftlich nicht gut gebildet (um den Ausdruck „total bekloppt“ zu vermeiden), sonst wäre ihre Begeisterung für die Kernfusion nämlich schnell dahin. Der überschwere Wasserstoff (Tritium) ist nämlich ein höchst gefährlicher radioaktiver Strahler. Seine Halbwertszeit beträgt so um die zwölf Jahre, und er ist deswegen gefährlich, weil die Körperchemie nicht zwischen normalem Wasserstoff-Atom ohne Neutron und einem überschweren mit zwei Neutronen (Tritium) unterscheiden kann. Verzeihung, liebe Grüne, das ist für Euch zu schwer, daher speziell für Annalena Baerbock: Wenn Tritium in größeren Mengen geschluckt oder eingeatmet wird, sollte man sein Testament besser schon mal gemacht haben. Tritium ist weit gefährlicher als das dank Annalena entdeckte, neue Element Kobold.

Die Kernfusion wird seit Jahrzehnten mit Milliardenaufwand öffentlich beforscht; zentrale Probleme konnten aber bislang nicht gelöst werden. Einem, nämlich der Erfüllung des Lawson-Kriteriums ist man schon sehr nahe gekommen. Wesentlich ferkeliger sind aber die folgenden Probleme:

– die bei der Fusion entstehenden Strahlungs- und Teilchenprodukte zerstören ihrerseits wieder das Fusionsplasma, das man mühsam in entsprechenden Anordnungen erzeugen muss.

– sie zerstören auch die Wände des Reaktors.

– und wie holt man die für Dampfturbinen brauchbare Wärme aus dem Fusionsreaktor heraus, ohne dabei den sensiblen Fusionsprozess zu zerstören? Es weiß bis heute niemand.

Diese geringfügigen Probleme haben dazu geführt, dass seit Beginn der Fusionsforschung vor vielen Jahrzehnten immer von einem Zeitraum von 50 Jahren die Rede ist, ab dem der Durchbruch erzielt sein wird. Dieser Zeitraum hat sich bis heute nie geändert – vermutlich wird er es auch nicht bis zum St.-Nimmerleinstag. Denn selbst dann, wenn alles technisch gelöst sein sollte, steht es in den Sternen, ob der Kostenaufwand solch einer Maschine mit den vergleichsweise simplen Spalt-Kernreaktoren der Generation IV mithalten kann. Immerhin laufen diese Dinger schon, als russische BN-Typen. Deutschland hat es dagegen vergeigt und vergurkt, bei den Generation IV – Brütern vorne mitzumachen. Den Generation IV-Reaktor in Kalkar hat die Politik punktgenau dicht gemacht, als er alle Genehmigungsverfahren absolviert hatte. „Wir schaffen das“, ans Ende der technologischen Wertschöpfungskette dieser Welt zu rutschen, auf dem besten Wege dahin sind wir bereits, oder nicht, liebe Grüne?

Laut Heise.de wollen nun neben den staatlichen Projekten wie ITER private Firmen kleinere, billigere Reaktoren entwickeln und dafür unterschiedlichste Ideen umsetzen. Besonders aussichtsreich seien Konzepte mit mittleren Dichten des Plasmas (Zahl der Ionen pro Volumeneinheit) und mittleren Einschlußzeiten (Zeit der Zusammenführung der Ionen durch das Magnetfeld). Die privaten Firmen seien durch den Druck der Geldgeber besser in der Lage, schnell funktionierende Parameter-Kombinationen zu finden.

Der geneigte Leser, der an dieser Stelle konkretere Informationen vermißt, denkt richtig. Im Heise-Artikel wird keine Firma genannt, kein neues Konzept genauer vorgestellt. Der Text ist ein im schlechten Sinne typisch journalistisches Erzeugnis; also eines, das ohne Grund eine Technologie bejubelt, und das auch noch im Sinne einer frei erfundenen Ideologie der Church of Global Warming. Pikant in dem Zusammenhang ist, daß der Heise-Autor typisch kapitalistisch handelnde Firmen als kompetenteste Akteure darstellt. Angesichts der um sich greifenden Antifa-isierung von Fridays for future einschließlich deutlich geäußertem Antikapitalismus fragt man sich, was die Klimaretter eigentlich wollen, außer unserem Besten natürlich, unserem Geld.

In den nächsten Jahrzehnten aber sind Kohle und Öl noch ausreichend vorhanden und billig genug. Ergänzend dazu könnte zur Bereitstellung elektrischer Energie die Kernspaltung wieder eingeführt oder weitergeführt werden, sofern nicht im Bund und den Ländern überall klimasozialistische Parteien unterschiedlicher Färbung von schwarz-weißblau bis grün an der Macht sind, die von ihren Ablaßhändlern in Redaktionen und Schulen propagandistisch unterstützt werden.

Mal sehen, welche Wunderwaffe gegen den Klimawandel die Ablaßhändler von Heise und den anderen Organen als nächstes bejubelt wird. Als V4 sozusagen, damit haben wir ja Erfahrung (wenn auch nichts daraus gelernt). Mit der Fusion wird das sicher die nächsten 50 Jahre nichts, zumindest nicht am Markt. Die Zappelstrom-Windräder werden in den kommenden Monaten und Jahren immer mehr Stromausfälle verursachen, so daß auch Stadtbewohner die Propeller-Monster immer mehr hassen werden. Welche klimafreundliche Energietechnologie wird als nächstes als DIE Lösung angepriesen werden? Wetten werden angenommen!




Trotz Netz-Chaos laufend Rekordmeldungen – die Erneuerbaren-Gaukelei

Doch je mehr Strom mittels Wind- und Sonnenkraft erzeugt werden wird, desto kritischer wird es werden mit der Versorgungssicherheit. Denn die von mir so genannte Netzausregelungsreserve, die nicht nur aus der im Vorfeld kalkulierten und eingekauften Regelenergie besteht, sondern auch aus Kohlekraftwerken, die dann, wenn erneuerbar erzeugter Strom wegbricht, aus einem Bereitschaftsmodus Strom erzeugen, der, wenn er für die Versorgung  Deutschlands benötigt wird, in das Netz eingespeist, oder – bei Nichtbedarf in Deutschland – ins benachbarte Ausland verkauft wird. Dahinter verbirgt sich auch ein spekulatives Moment. Wichtig: Das Kraftwerks- und Netzmanagement ist insgesamt ein höchst komplex-komplizierter Vorgang, der hier von mir nur ansatzweise und vor allem in seinen Auswirkungen abgehandelt werden kann.

Jetzt, zum Herbst, zum Winter, ist der tägliche Strombedarf hoch. Es kommt immer wieder – Paradebeispiel 42. Woche – zu erheblichen Einbrüchen der Wind- und Sonnenstromerzeugung. Nun müssen die auf „Reserve“ laufenden thermischen Kraftwerke einspringen. Manchmal reicht aber auch das nicht aus. Dann wird Strom aus dem benachbarten Ausland importiert. Bei entsprechenden Kosten. Wie wir unten sehen werden. Am 14., 15. und 17. Oktober 2019.

Die Detailzahlen der 42. Woche in der Tabelle und der daraus generierte Chart. Wie immer mit den Werten des Fraunhofer ISE.

Die Tagesanalysen

Sonntag, 13.10.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 59,68 Prozent

Der heutige Sonntag ist von einer durchgängig mehr als ausreichenden Stromübererzeugung gekennzeichnet. Mit der Folge, dass der Export-Strompreis bis auf zwei Ausnahmen (00:00 und 18:00 Uhr) die 30.000 Euro Marke pro GWh nicht erreichte. Weil nach Sonnenuntergang die über Tag angestiegene Windstromerzeugung die untergehende Sonne strommäßig ausgeglichen hat, fiel der Preis ab 19:00 Uhr noch mal stark. Um 23:00 Uhr wurden – wie bereits um 14:00 Uhr – lediglich unter 5.000 Euro pro GWh erzielt.

Montag, 14.10.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 43,71 Prozent

Zum Sonnenaufgang hin nahm die Windstromerzeugung stark ab. Es entstand von 6:00 bis 9:00 Uhr eine Versorgungslücke – Regelenergie hin, (auch spekulative) Kraftwerksreserve her – die durch Importstrom, vor allem aus Dänemark, aus Frankreich und der Schweiz, geschlossen werden musste. Die Länder lassen sich das gut bezahlen.

Dienstag, 15.10.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 34,93 Prozent

Zum Glück zog die Windstromerzeugung ab 18:00 Uhr wieder an. Sonst wäre es in der Nacht zum Mittwoch recht eng geworden. So tat sich nur zwischen 16:00 und 21:30 Uhr eine recht ordentliche Versorgungslücke auf. Etwa 20 GWh fehlender Strom musste zugekauft werden. Preis: Bis zu 67.000 € pro GWh um 19:00 Uhr für 4,569 GWh.

Mittwoch, 16.10.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 44,16 Prozent

Der „ruhigste“ Tag der Woche.  Es gibt sogar Zeiträume, in denen Strom zu auskömmlichen Preisen exportiert werden kann.

Donnerstag, 17.10.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 38,82 Prozent

Nach Sonnenuntergang tut sich eine Lücke bei der Bedarfsdeckung auf. Die Schweiz hilft aus. Sie verkauft Deutschland einen Teil der Strommenge zu Preisen von weit über 50.000 €, welchen sie genau diesem Deutschland in den Stunden zuvor um einiges günstiger abgenommen hat. So, wie die Schweiz es auch wieder ab 21:00 Uhr tut.

Freitag, 18.10.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 50,32 Prozent

Im Verlauf des Freitags – ab 8:00 Uhr – zieht die Windstromerzeugung an. Die Sonne scheint ziemlich schwach. Überschüssiger Strom muss dennoch zu recht günstigen Preisen abgegeben werden.

Samstag, 19.10.2019: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 50,74 Prozent

Wochenende. Das bedeutet verhältnismäßig wenig Strombedarf in Deutschland. Nur am Sonntag ist er noch geringer. Im Herbst, im Winter aber immer über 1 TWh pro Tag. Auch am Wochenende. Die in Deutschland erzeugte Strommenge ist mehr als ausreichend. Es wird durchgängig Strom exportiert. Sogar an der kritischen Schnittstelle 17:00 Uhr. Etwas später, um 19:00 Uhr, werden sogar 47.900 Euro pro GWh erzielt. Für immerhin 4,519 GWh. Ansonsten liegt der Exportpreis nahezu durchgängig unter 40.000 Euro pro GWh.

Rekordmeldungen sind Gaukelei

Der BDEW meldet einen neuen Rekord in Sachen Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energieträger, (Abbildung 1 bitte unbedingt anklicken. Sie öffnen gleichzeitig alle Abbildungen und Mehr.) In den ersten 3 Quartalen 2019 wurden 183 TWh Strom aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft gewonnen. Wenn man 3/4 des Primärenergiebedarfs Deutschlands, das sind 2.688 TWh zugrunde legt, machen die 183 TWh Strom aus Erneuerbaren insgesamt 6,39 Prozent aus. Das hört sich ganz anders als die jubilierend „Rekord“ genannten 42,9 Prozent an. Der Korrektheit ist es geschuldet, wenn erwähnt wird, dass neben der Stromerzeugung durch Erneuerbare weitere Teile des Primärenergiebedarfs erneuerbar erzeugt werden. Biomasse wird in erheblichem Umfang auch zwecks Energieerzeugung zum Heizen, zum Fahren usw. verwendet. Insgesamt betrug der Anteil der Erneuerbaren an der Primärenergie 2018 in Deutschland gut 14 Prozent. Wobei der Anteil von Wind- und Sonnenenergie lediglich 4,45 Prozent betrug (Abbildung 2). Auch wenn dieser Anteil im Jahr 2019 und später insgesamt auf über 5 Prozent, vielleicht sogar an die 6 Prozent steigen sollte, ist und bleibt das Ergebnis ernüchternd. Vor allem auch im Hinblick auf den finanziellen Aufwand, der dafür nötig war, ist und sein wird.

Energiewendefreunde in Politik und Medien gaukeln dem angesichts der höchst komplexen Materie praktisch ahnungslosen Bürger immer wieder vor, die Energiewende sei mit „Rekorden“ auf einem guten Weg. Eine Energiewende, die ja kein Selbstzweck ist, sondern anderen Ländern Vorbild sein soll, damit diese auch endlich in die Rettung der Welt einsteigen. Was die anderen Staaten ganz sicher nicht tun werden. Dafür sind die Kosten zu hoch, ist das Ergebnis der bisherigen Energiewende in Deutschland einfach viel zu schwach.

Weit weg von der ganz großen Bühne „Primärenergie Deutschland“ möchte ich auf ein aktuelles Detailproblem der Stromversorgung in Deutschland hinweisen. Die Netzentgelte müssen zum Teil dort gezahlt werden, wo sie anfallen. Bundesländer, zum Beispiel Brandenburg oder Schleswig-Holstein, mit vielen Windkraftanlagen werden benachteiligt. Die vielen Windkraftwerke müssen selbstverständlich an das allgemeine Stromnetz angeschlossen werden. Die entstehenden Kosten werden nicht auf die Netzentgelte deutschlandweit umgelegt, sondern auf das Netz des/der Netzbetreiber(s) des jeweiligen Bundeslandes, das Netz, welches die Gemeinde versorgt, das Netz, wo die Windkraftanlagen gebaut und angeschlossen wurden. Mit der Folge, dass die Stromkunden in diesem Bereich nicht nur die Windräder vor der Haustür haben, sondern oft auch noch die dadurch entstandenen Mehrkosten tragen müssen.

Den Anbieter gegebenfalls wechseln

Beispiel (Abbildung 3): Ein Haushalt in Neuruppin (Brandenburg) zahlt für 3.500 KWh Haushaltsstrom gemäß Vergleichsportal bei den Stadtwerken Neuruppin 1.149,48 Euro. Die 3.500 KWh Haushaltsstrom kosten bei den Münchener Stadtwerken 1.091,21 Euro. Das sind 9,5 Prozent weniger als in Neuruppin. Hinzu kommt, dass die Menschen in Neuruppin wesentlich weniger verdienen als in der bayerischen Landeshauptstadt. Das verschärft die Ungerechtigkeit noch mal. Selbstverständlich ist jedem – egal, ob in Neuruppin, München oder sonst wo – zu empfehlen, jedes (!) Jahr einen Stromvergleich zu fahren und den Anbieter gegebenfalls zu wechseln. Damit kann eine Menge Geld gespart werden.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Menschen in den Ländern mit vielen Solar- und Windkraftanlagen in Sachen Energiewende durch Lärm, Flächenversiegelung und den höheren Preis doppelt belastet werden. Sie haben nicht nur die Windkraftanlagen mit allen Nachteilen vor der Haustür, sie bezahlen auch noch mehr für ihren Strom. Immerhin wird dieses Problem aktuell angegangen. Bis 2023 sollen die Netzentgelte schrittweise bundesweit vereinheitlicht worden sein (Abbildung 4).

Vergangene Woche habe ich über das klimapolitisch vollkommen unsinnige Abschalten des KKW Philippsburg 2 berichtet. In diesem Zusammenhang habe ich auch die geringe Ausbeute von Strom aus Wind- und Sonnenkraftanlagen in Baden-Württemberg erwähnt. Da bin ich einer statistischen Ungenauigkeit aufgesessen. In der Übersicht „Kraftwerke der allgemeinen Versorgung“ (Abbildung 5) sind unter dem Punkt „Sonstige erneuerbare Energieträger“ nicht Wind- und Sonnenkraftwerke, sondern nicht näher bezeichnete Energieträger wie vielleicht die Geothermie gemeint. Um die Angelegenheit wieder ins richtige Licht zu rücken, habe ich mir die Zahlen für Baden-Württemberg 2017 (Abbildung 6) angeschaut. Da macht die Windstromerzeugung 3,3  Prozent der Gesamtstromerzeugung Baden-Württembergs aus. Der Sonnenstromerzeugungsanteil liegt immerhin bei 8,2 Prozent. Macht mit 11,5 Prozent  insgesamt nur einen Bruchteil, konkret nicht mal die Hälfte des durchschnittlichen Anteils der bundesdeutschen Wind- und Sonnenstromerzeugung (Abbildung 7) aus.

Die Sache mit der „Windhöffigkeit“

Der geringe Ausbau insbesondere der Windkraftwerke hat Gründe. Zum einem ist es ganz sicher landschaftspolitisch nicht gewollt, die wenigen nahezu hundertprozent-windhöffigen (Windhöffigkeit meint die Eignung des Windes an einem Ort, ein Windrad anzutreiben) Gebiete wie zum Beispiel die Höhen des Schwarzwaldes oder der Schwäbischen Alb zu verunstalten, und damit Einbrüche im Tourismus zu riskieren. Zum anderen ist die Windhöffigkeit in Baden-Württemberg im Verhältnis zu den norddeutschen Bundesländern Niedersachsen, Brandenburg usw. insgesamt recht gering (Abbildung 8).

Hinzu kommt eine physikalische Besonderheit. In der Vergangenheit wurden Windkraftanlagen da gebaut, wo die Windhöffigkeit für Deutschland verhältnismäßig groß ist. Wenn denn nun aber zusätzliche Anlagen erstellt werden müssen, um z.B. den Wegfall des Stroms aus Kernkraftwerken – das sind bis Ende 2022 immerhin 76 TWh – auszugleichen, muss naturgemäß auch auf Standorte zurückgegriffen werden, wo der Wind nicht (so) ergiebig weht. Man könnte denken, dass z.B. 10 oder 20 Prozent weniger Wind auch nur 10, 20 Prozent weniger Stromerzeugung zur Folge hätten. Dem ist nicht so.

Die Windstromerzeugung steigt und sinkt mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Was bedeutet, dass zum Beispiel 20 Prozent weniger Wind fast 50 Prozent weniger Strom erzeugen. Um den gleichen Stromertrag, wie am Referenzstandort (= 100 Prozent = beste Windhöffigkeit) zu erzielen, wäre dementsprechend eine Verdoppelung der installierten Leistung Windkraft notwendig. Wenn man die Windkarte Baden-Württembergs und die Brandenburgs (Abbildung 8) nebeneinander betrachtet, wird der Unterschied sichtbar. Um den gleichen Stromertrag zu erlangen, müsste – wenn man von den Höhen des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb absieht – wesentlich mehr Windkraftleistung installiert werden, um den gleichen Ertrag wie in der Fläche Brandenburgs zu erzielen. Allein der Unterschied zwischen den hellgelben Bereichen = 3,4 m/s und den dunkelgelben Bereichen der Windkarte Brandenburg = 4 m/s beträgt 15 Prozent. Da braucht es dann bereits gut 60 Prozent mehr installierte Windkraftleistung, um mit 3,4 m/s die gleiche Strommenge zu generieren wie mit 4 m/s.

Die Windhöffigkeit spielt für die Stromausbeute und damit für die Wirtschaftlichkeit einer Windkraftanlage deshalb eine mehr als entscheidende Rolle. Deshalb werden in verhältnismäßig windschwachen Gebieten wie z.B. Baden-Württemberg und Bayern nur relativ wenige Windkraftwerke gebaut (werden). Im Zusammenhang mit der Windhöffigkeit möchte ich erwähnen, dass mich Gerald Pesch aus Raeren (Belgien) auf diesen wesentlichen Sachverhalt im Einzelnen aufmerksam gemacht hat. Von Gerald Pesch stammt auch das Berechnungsprogramm zur Windhöffigkeit und ihrer Auswirkung, welches Sie neben diversen Musterberechnungen unter Abbildung 8 ganz unten aufrufen können.

Im Übrigen bekomme ich viele, viele Zuschriften – sogar in Neuseeland wird die Kolumne gelesen – mit wertvollen Hinweisen und Fragen. Etliches fließt in meine Artikel ein. Vieles hilft, meine Kenntnisse zu erweitern. Vor allem aber beweist es, dass es noch eine große Anzahl Menschen gibt, die sich nicht ein X für ein U vormachen lassen. Vielen Dank dafür.

Ordnen Sie Deutschlands CO2-Ausstoß in den Weltmaßstab ein. Es wurden die Zahlen 2017 – bisher 2015 – hinterlegt. Es gibt tatsächlich Länder mit wirklich wenig CO2-Ausstoß. Schauen Sie mal in den Tschad oder nach Mali. Das wären doch so richtige Paradiese für unsere FFF- und XR-Zeitgenossen. Zum interaktiven CO2-Rechner: Hier klicken.

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

Rüdiger Stobbe betreibt seit über 3 Jahren den Politikblog www.mediagnose.de.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors. Zuerst erschienen bei der Achse des Guten.




Klima-Gaga: „Klimawandel wird Infrastruktur massiv stressen“

Die Eidgenossen unter unseren Lesern kennen ihre Umweltministerin Simonetta Sommaruga sehr genau. Man könnte sie, für die anderen deutschsprachigen Leser, mit Katrin Göring-Eckardt vergleichen, der obersten Bieneretterin aus Thüringen. Die kompetente Politikerin erwähnte kürzlich, daß die Lebensadern der Schweiz deren Infrastrukturen seien. Eine wichtige Erkenntnis, auf die konservative EIKE-Leser niemals gekommen wären; stand doch immer die Vermutung im Raum, die Infrastruktur eines hochentwickelten Industrielandes diene hauptsächlich ästhetischen Zwecken.

Die eidgenössische Politikerin, mit ähnlich intellektuellem Tiefgang ausgestattet wie ihre Kollegin aus dem Bundestag, erklärte auf einer Tagung von Einsteins Alma mater, der ETH Zürich,

„Murgänge, verschüttete Straßen, aber auch eine Stromversorgung, die nicht mehr funktioniert. All das ist für die Bevölkerung, aber auch für die Wirtschaft mit einem großen Schaden verbunden.“

Seltsam, ihre Argumente passen eigentlich eher auf die Gefahren der Energiewende. Man denke an die flächendeckenden Stromausfälle in den australischen Metropolen.

Ein von der Regierung beauftragter Ökonom, wohl so eine Art PIK-Edenhofer, errechnete jährliche Schäden an Infrastruktur und Energiewirtschaft von bis zu einer Milliarde Franken per annum im Jahr 2050. Der geneigte Leser weiß, daß diese Kosten wohl eher den Schweizer Klimaschutzmaßnahmen zuzuordnen sind; wobei die eine Milliarde etwas tief gegriffen sein dürfte.

Nun hat der Ökonom ja „gerechnet“, was recht rational klingt. Woran macht er es denn fest? Konkret meint unser Experte, daß die Heißzeit-Katastrophe mit „stärkeren Niederschlägen“ (also doch keine Wüstenbildung?) einherginge, die die Verkehrswege „degradierten“, zu deutsch, abbauten. Schienen und Straßen leiden also unter dem Wetter, das war ja bislang nicht so. Unser Ökonom scheint weder ein gutes historisches Gedächtnis zu besitzen, noch jemals vom Zweiten Hauptsatz der Wärmelehre gehört zu haben.

Jetzt bereits müsse die Schweizer Bahn SBB 15 Millionen Franken per annum ausgeben, um die Schienen vor Naturgefahren zu schützen. Ich schätze, daß die SBB das auch schon tat, bevor jemand Eiszeit- oder Heißzeitkatastrophen erfand. Interessanterweise unterstützt der Leiter der Abteilung „Naturrisiken“ der SBB den Unfug. Sitzt der auf einem Versorgungspöstchen für Richtig-Gesinnte? Die Eidgenössische Technische Hochschule jedenfalls betreibt „Forschung“ für die SBB zum Thema.

Weiterhin sehen die „Berechnungen“ des Regierungs-Ökonomen in den nächsten Jahren trockenere Sommer vorher, was die Produktion der Schweizer Wasserkraftwerke drossele. Die Aufheizung der Atmosphäre verursache höhere Kosten durch Klimaanlagen.

Man merkt: Hier werden ganz normale natürliche Vorgänge, die es immer schon gab, als menschgemachtes Problem hingestellt; eine primitive, aber effiziente Taktik, weil der Laie nicht nachhakt.

Interessanterweise sieht der Ökonom auch positive Folgen der Klimakatastrophe: Die angeblich milderen Winter verursachten weniger Straßenschäden und geringere Kosten der Heizung. Da hat er sich ja praktisch widersprochen: Gleichen die Einsparungen im milden Winter nicht die Kosten der heißen Sommer aus? Dann wäre doch alles schick.

Nein, das wäre aus politischer und finanzieller Sicht natürlich verheerend und darf deswegen nicht sein. Die Schweiz muß jetzt schon reagieren, sagt Sommaruga. „Ganz konkret“ müsse abgeklärt werden, wo Forschung nötig sei. Was die „Abklärung“ allein kosten mag? Und, als Kern der Klimaschutzmaßnahmen, sei die Reduktion der CO2-Emissionen nötig. Also, liebe Nachbarn in den Alpen, macht Euch auf etwas gefasst.

 

 

 




Deutschland schaltet Atomkraftwerke ab, Frankreich baut sechs neue


 




Von Hitze- und Kältetoten – Journalismus im Klimafieber

Umso wichtiger wäre es deshalb, dass der Wissenschaftsjournalismus diesen Forschern genau auf die Finger guckt, sowohl was die Qualität der Forschung als auch die Grenzziehung zur Politik oder gar zum Aktivismus anbelangt. Aber bedauerlicherweise wird auch in diesem speziellen Bereich des Klimajournalismus meist jede Ambivalenz oder Skepsis für schädlich gehalten. Passend dazu kann ich mich weder daran erinnern, in den letzten Jahren jemals etwas über mögliche positive gesundheitliche Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland gelesen zu haben noch auch nur, dass es schon nicht so schlimm kommen werde. Dabei würde das der Faktenlage – und um die soll es hier gehen – am nächsten kommen. Aber das widerspricht natürlich fundamental dem hier geltenden journalistischen Kampfauftrag: Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten.

Welche Gesundheitsprobleme werden nun typischerweise von wissenschaftlicher oder journalistischer Seite für Deutschland mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht? Eigentlich nie fehlt die Warnung vor einer Zunahme oder Verschlimmerung von Atemwegserkrankungen. Der Hauptschuldige: das Gas Ozon. Zweierlei ist dabei von Belang: Ozon kann, erstens, ab einer gewissen Konzentration in der Atemluft durchaus zu Reizungen und auch verminderter Lungenfunktion führen, vor allem bei vorgeschädigten Atemwegen. Und, zweitens, ein Konzentrationsanstieg wird durch Sonneneinstrahlung und eine hohe Konzentration an Vorläuferschadstoffen in der Luft befördert. Habe ich es nur überlesen oder wurde tatsächlich nicht über die kurze Mitteilung des Umweltbundesamts vom September 2018 berichtet, dass erfreulicherweise die Konzentration dieser Ozonvorläuferstoffe zwischen 1990 und 2016 insgesamt um etwa 60 Prozent zurückgegangen ist?

Auch etwas eigentlich sehr Naheliegendes wird nie thematisiert: Führt eine Erwärmung nicht auch zu milderen Herbst- und Wintermonaten, was sich gerade für Menschen mit empfindlichen bzw. hyperreagiblen Atemwegen günstig auswirkt, da kalte Luft ihnen nicht zuträglich ist? Ganz abgesehen von dem mit einer Erwärmung doch wohl auch verbundenen geringeren Risiko, an grippalen Infekten oder Schlimmerem zu erkranken?

Ein anderer gesundheitlicher Dauerbrenner ist die Prognose, dass Allergien auf Grund der bei bestimmten Pflanzen durch den Klimawandel früher einsetzenden  – und damit insgesamt längeren – Blüte zunehmen werden. Vielleicht verhält es sich ja auch so. Allein, bis heute fehlen wirklich harte Daten, die das überzeugend belegen könnten. Was der Beliebtheit dieser Prognose aber bisher nicht wesentlich geschadet hat.

Die Kälte ist der Bösewicht

Für Journalisten – aber offenbar auch für gar nicht so wenige Mediziner – scheint es unverrückbar festzustehen, dass eine Erwärmung auch in unseren Breiten sich in gesundheitlicher Hinsicht nur ungünstig auswirken kann. Damit allerdings nur schwer vereinbar ist schon die Tatsache, dass sich die meisten Sterbefälle in Deutschland zwischen Dezember und März ereignen. Im Spätsommer, also im August und September, fällt die Sterberate dagegen am niedrigsten aus. Auch die Tatsache, dass im milden Freiburg die Lebenserwartung höher als in Hamburg ist, aber geringer als im warmen Australien, wo man wiederum fast zwei Jahre länger als in Hamburg lebt, sollte vielleicht zu denken geben.

In der einschlägigen Diskussion geht es aber immer nur um zusätzliche „Hitzetote“ und so gut wie nie um die naheliegende Frage, ob bei weiterer Erwärmung das Sterberisiko in den kalten Monaten nicht doch abnehmen könnte. Denn immerhin sind weltweit – abgesehen von Afrika, dort gibt es keine verwertbaren Sterbestatistiken – von den insgesamt 7,7 Prozent temperaturabhängigen Todesfällen 7,3 Prozent kältebedingt. Deutlicher geht’s ja wohl nicht! Aber haben Sie das schon mal irgendwo – außer auf achgut.com – gelesen?

Entgegen zahllosen Behauptungen von medizinischer und medialer Seite nimmt trotz ja nun seit knapp vier Jahrzehnten währender globaler Erwärmung die hitzebedingte Sterblichkeit weltweit – aus den genannten Gründen wieder ohne Afrika – nicht zu, sondern ab. Zurück zu führen ist das auf physiologische Anpassungsprozesse des Menschen und solche von Gesundheitssystem und Gesellschaft. Dennoch gibt es natürlich auch weiterhin, vor allem bei länger anhaltenden Hitzewellen, eine Übersterblichkeit, die aber bei weitem nicht mehr so stark ausfällt wie noch vor gut dreißig Jahren – trotz zwischenzeitlicher globaler Erwärmung.

Für Deutschland sind Zahlenangaben zu „Hitzetoten“ immer mit besonderer Vorsicht zu genießen, da nur in Berlin und Hessen die Sterbestatistiken eine exakte Berechnung ermöglichen. Auf ganz Deutschland bezogene Angaben, in denen von zehntausend Hitzetoten im Sommer 2018 die Rede ist, basieren dementsprechend lediglich auf Schätzungen, die in diesem Fall auch noch unvollständig sind. Denn nicht berücksichtigt dabei wurde der sogenannte Harvesting Effekt, also die einer Übersterblichkeit in aller Regel folgende Untersterblichkeit. Erst wenn man diesen Effekt von der hitzebedingten Übersterblichkeit abzieht, erhält man ein wirklich realistisches Bild.

Wie aus Fake Wahrheit wird

Aber das gängige Narrativ hält sich bekanntlich nur begrenzt oder auch gar nicht an Fakten. Ein recht typisches Beispiel dafür ist die folgende Behauptung aus der Welt vom 14.10.2019: „Höhere Temperaturen führen im statistischen Mittel beispielsweise zu mehr Herzinfarkten“. Das kommt davon, wenn man als Wissenschaftsjournalist entweder einfach nur von anderen abschreibt oder bestimmten Quellen, wie hier ganz offensichtlich dem Deutschen Ärzteblatt, blind vertraut. Wobei ich zugeben muss, dass die Hauptschuldigen hier die Verfasser der entsprechenden Herzinfarktstudie und ihre redaktionellen Helfer sind, die einfach etwas behaupten, was die statistisch nicht signifikanten Studienergebnisse schlicht nicht hergeben. Eine neuartige Form von Fake-Wissenschaft, die den Fake gar nicht mehr besonders zu verbergen versucht, sondern ihn vollmundig schönredet. Natürlich für die gute Sache, bei der ganz offensichtlich selbst eherne Wissenschaftsstandards mal eben so und bisher ungestraft ignoriert werden können.

Zu guter Letzt darf im Kanon der auf den Bundesbürger lauernden gesundheitlichen Bedrohungen natürlich Folgendes nicht fehlen. Wieder beziehe ich mich der Einfachheit halber auf den eben genannten Welt-Artikel: „Und wenn das Klima hierzulande erst einmal den tropischen Stechmücken genehm ist, werden sich auch Malaria und Dengue-Fieber verbreiten.“ Auch wieder eine von diesen faktenfreien Behauptungen. Weder Malaria noch Dengue-Fieber werden sich in Deutschland „verbreiten“, also endemisch werden. Sich in Deutschland bis, sagen wir mal, 2050 mit Malaria zu infizieren, dürfte in etwa so wahrscheinlich sein, wie im Treppenhaus einer Hochhaussiedlung von einer Python erwürgt zu werden. Was einem durchaus passieren kann, etwa, wenn der Reptilienfreund von nebenan vergessen haben sollte, die Tür zum Terrarium zu schließen.

Eine deutlich oberhalb dieses Pythonrisikos angesiedelte realistische Gefahr, sich in Deutschland mit Malaria infizieren zu können, wäre allenfalls dann vorstellbar, wenn die Erwärmung einen sehr deutlichen Zahn zulegt, zehntausende Afrikaner aus malariaverseuchten Gebieten nach Deutschland gekommen sind und sich hier vorzugsweise in den wärmsten Gegenden niedergelassen haben und unser Land sich bereits sehr deutlich den typischen afrikanischen Verhältnissen angenähert hat, zum Beispiel in puncto Gesundheitssystem, Gesundheitsvorsorge und Hygienestandards.

Fake von in Deutschland sich ausbreitenden Tropenkrankheiten

Es reicht nämlich nicht, dass es über einige Monate oder auch das ganze Jahr in manchen Ecken von Deutschland so warm ist, dass krankheitsübertragende Mücken und der kälteunempfindlichste unter den vier infrage kommenden Malariaerregern dort grundsätzlich überleben können. Dazu sind die biologischen, medizinischen und ökologischen Voraussetzungen für die Verbreitung von Malaria viel zu komplex, ganz abgesehen von den Möglichkeiten der Medizin, vorbeugend oder auch heilend eingreifen zu können.

Man kann dem Fake von der Gefahr sich künftig in Deutschland ausbreitender Tropenkrankheiten auch anders argumentativ begegnen, nämlich in Form einer Plausibilitätsprüfung: Man nehme dazu eine Region, etwa den australischen Bundesstaat Queensland im tropischen und subtropischen Nordosten des Kontinents. Dort sind in weiten Teilen des Bundesstaates zweifellos die klimatischen Voraussetzungen für die Ausbreitung von Malaria und Dengue-Fieber gegeben, und zwar in einem Maße, das Deutschland nie auch nur annähernd erreichen wird. So liegt die jährliche Mitteltemperatur der im tropischen Teil gelegenen Großstadt Cairns bei etwa 25 Grad, Freiburg bringt es auf 11,4 Grad und Hamburg gerade mal auf 10,2 Grad. Auch Moskitos gibt es in vielen Regionen von Queensland reichlich.

Dennoch haben sich dort bisher weder Malaria noch Dengue-Fieber verbreitet. Für Malaria besteht überhaupt kein Infektionsrisiko, für das Dengue-Fieber nur ein sehr geringes. Nach einer aktuellen Mitteilung des verantwortlichen Gesundheitsministeriums verhält es sich so: Tritt in Queensland einer der seltenen Erkrankungsfälle auf, wurde das Dengue-Virus jeweils von einer infizierten Person aus dem Ausland eingeschleppt, aus deren Blut in Queensland dann eine Mücke das Virus aufgenommen und später durch einen Stich an das nächste oder die nächsten Opfer weiter gegeben hat. Es ist aber trotz stark begünstigender klimatischer Verhältnisse bisher kein Pool von mit dem Dengue-Virus Infizierten entstanden, aus dem sich die Mücken stets bedienen könnten.

Insbesondere die Vorstellung, Malaria könnte in Deutschland endemisch werden, ist geradezu absurd und lächerlich. Aber solche Prognosen können natürlich bei ohnehin ängstlichen Personen – etwa jungen Mädchen mit einem hohen Neurotizismus – die Ängstlichkeit noch befeuern. Und vielleicht ist genau das ja auch beabsichtigt.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors. Zuerst auf der Achse des Guten veröffentlicht.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wolfgang Meins ist Neuropsychologe, Arzt für Psychiatrie und Neurologie und apl. Professor für Psychiatrie. In den letzten Jahren überwiegend tätig als gerichtlicher Sachverständiger im sozial- und zivilrechtlichen Bereich.