Maja Göpel: „Das Wichtige an der Pandemieerfahrung ist, daß die Idee implodiert ist, dass es nicht anders geht, als wir es bisher machen“
Maja Göpel ist unseren Lesern bekannt als ehemalige Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) und Leiterin der Berliner Dependance des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, der NRW-Version des PIK von Schellnhuber und Rahmstorf. Außerdem ist sie Mitglied des Club of Rome und Mitgründerin von Scientists for Future SFF.
Als interessenneutrale Wissenschaftlerin kann man sie also nicht so recht bezeichnen; gerade ihr Engagement für SFF mit Eckart von Hirschhausen („Die Erde hat Fieber!“) macht klar, daß sie eine Aktivistin ist. Im November wechselte sie als Forschungsleiterin an The New Institute TNI, eine Denkfabrik (Thinktank) des Hamburger Großreeders Erck Rickmers. Der seltsame Name des Institutes verwundert zunächst; die Selbstbeschreibung läßt aber keinen Zweifel, worum es dieser NGO geht:
Die Klimakrise ist eine Herausforderung und ein Symptom für unser weit verbreitetes Versagen, das Leben auf der Erde mit unserem Verhalten und Handeln zu unterstützen. Wir befinden uns in einem Kreislauf des Überkonsums mit der Ausbeutung und Zerstörung unserer natürlichen Ressourcen. Wir stehen vor einer Zukunft in einer anderen Welt. Die Klimakrise ist Teil einer Reihe miteinander verbundener Krisen. Wir müssen unsere Volkswirtschaften und Demokratien grundlegend überdenken und umstrukturieren, wenn wir das Leben auf der Erde erhalten wollen.
Im Klartext: TNI käut das 50 Jahre alte Dogma des Club of Rome wieder, nach dem unsere kapitalistische (?) und auf Wachstum ausgelegte Wirtschaftsweise die Biosphäre der Erde zerstöre und bald unbewohnbar mache, mit dem aktuellen Fokus auf den „Klimakollaps“. Daß die vielen unterschiedlichen behaupteten Weltuntergänge frei erfunden sind, bewies zum Beispiel unser Autor Peter Ridd anhand des Großen Barriere-Riffes vor Australien.
Politische, also finanzielle Interessen ideologisieren meist schnell, wenn eine genügend große Anzahl privilegierter und an Transferzahlungen interessierter Kostgänger vorhanden ist. Da werden dann nicht nur „Narrative“ über böse alte weiße Männer erzählt, sondern auch Versatzstücke der echten Wissenschaft benutzt, um dem eigenen Weltbild einen vernünftigen und moralischen Anstrich zu geben.
Das können nicht nur Vertreter aus den Natur- und Meteowissenschaften wie Rahmstorf, Schellnhuber und Latif sehr gut, sondern auch politische Wirtschaftswissenschaftler wie Edenhofer und Maja Göpel, die die Stichwörter zur Etablierung der enormen finanziellen Transferleistungen liefern, man denke an die CO2-Steuer.
Passend dazu die erste Antwort von Göpel im Interview:
Ideologien sind geschlossene Weltbilder. Die helfen uns nicht weiter in liberalen, aufklärungsorientierten Gesellschaften mit einem hohen Anspruch an ihre Innovations- und Erneuerungsfähigkeit. Denkmuster zu hinterfragen, ist deshalb auch eine emanzipatorische Agenda. Einer meiner liebsten Theoretiker ist Antonio Gramsci.
Der Verweis auf Gramsci ist fast schon frech, da der Kommunist in den 1920ern die Strategie formulierte, die Genossen seien im Bereich der Wirtschaft und Politik chancenlos und müßten daher den Bildungs- und Kultursektor erobern, um das Land für ihre Bedürfnisse umzudrehen. Und genau das haben die extremistischen 68er gemacht – ihr „Marsch durch die Institutionen“ und die Nutzung von ökologischen Panik-Erzählungen unterschiedlichster Art haben ihnen viel Macht und Geld ohne Leistung beschert. Göpel gibt durch ihren Verweis auf Gramsci erstaunlich offen zu, was sie und ihre Kollegen antreibt.
Allerdings baut sie noch einen besonderen Dreh ein und behauptet, daß es nur eine „Erzählung“ sei, wirtschaftliches Wachstum und Umweltschutz (Klimaschutz?) seien vereinbar. Die Kapitalisten seien also die wahren Gramscisten – das ist nun wirklich eine Wendung, wie sie Orwell nicht besser hätte erfinden können.
Im weiteren sieht Göpel sich und ihre Kollegen als die neutralen Wissenschaftler, denen zu Unrecht vorgeworfen werde, Lobbyisten für elitäre Transferempfänger zu sein.
Da kann es schon kommod sein, die Übermittler der Analysen als Interessenvertreter für eine bestimmte Klientel abzustempeln.
Passend dazu will Göpel die liberale Marktwirtschaft wie z.B. Katja Kipping zur Lösung des „Klimaproblems“ gar nicht abschaffen, sondern behauptet sogar, daß das gegenwärtige System mangels Berücksichtigung der Ökologie gar nicht liberal sei.
Auch eine unsichtbare Hand als Marktmechanismus kann nur funktionieren, wenn die Preise in etwa die Kostenwahrheit abbilden und ein gewisses Maß an Gerechtigkeit in der Verteilung von Informationen, Bildung, Geld, Besitz und Macht nicht unterschritten wird.
Mit „Kostenwahrheit“ sind angebliche Schäden wie zum Beispiel die Folgen von Kohlendioxid-Emissionen in die Atmosphäre gemeint. Was aus so einer Argumentation folgen könnte, zeigt der ARD-Spielfilm Ökozid, in dem eine Gerichtsverhandlung gezeigt wird, an deren Ende Deutschland zu gewaltigen Zahlungen an „klimageschädigte“ Länder im Süden verpflichtet wird.
Große Stellschrauben sind: CO2 ausreichend hoch zu bepreisen und die dreckigen Subventionen endlich abzubauen, um die Energiewende hin zu erneuerbaren Quellen und diversen Speicherformen für Energie so schnell wie möglich voranzutreiben. (…)
Von der europäischen Ebene ist mit dem Green Deal nun endlich ein Ansatz formuliert worden, der dem entspricht, was wir „Whole Institution Approach“ nennen, also das Ziel der Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft wirklich als Querschnittsthema und auch Wettbewerbsstrategie zu verankern.
Heißt, unsere sowieso schon durch zahlreiche Hindernisse wie Öko- und Gendergesetze durchregulierte Rest-Marktwirtschaft vollends in ein Kommandosystem umzuwandeln, in dem von Steuern lebende Eliten die Früchte der Arbeit anderer problemlos abschöpfen können, oder zumindest leichter.
Interessanterweise kritisiert Göpel das dogmatische „Folgt DER Wissenschaft“ von Greta, Lesch & Co.:
Darüber hinaus gibt es bei Studien Unsicherheiten, sobald es sich um komplexe lebendige Systeme handelt und nicht um Maschinen. „Unite behind the Science“ bedeutet daher nicht, dass es nur eine klare Wahrheit gibt. Der Wunsch nach Orientierung in einer Umbruchzeit darf nicht in dogmatische Fronten münden, dann wird die Suche nach dem nächsten gemeinsamen Schritt sehr schwer. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Erkenntnisse und Interessen stark und offen zu vertreten, aber idealerweise ohne Aversion oder gar Hass gegen diejenigen, die andere haben.
In dem Zusammenhang sei erinnert, daß Anders Levermann vom PIK der taz sagte, die sonst so häufig bemühten Kipp-Punkte gäbe es gar nicht mehr. Man hat den Eindruck, daß die Klima-Gramscisten im Sinne des „Doppeldenks“ von Orwell in 1984 versuchen, Festlegungen zunehmend zu vermeiden, um nicht für die absehbaren Folgen haftbar gemacht werden oder schnell situationsbezogen für sie selbst günstig reagieren zu können.
Die von der Politik ausgerufene Corona-Pandemie ist ein wichtiger Konkurrenzfaktor für die Klimaaktivisten, die aus den Medien verdrängt wurden und auch nicht mehr ihre freitäglichen Demos veranstalten dürfen. Nichtsdestotrotz nutzt Göpel die Seuchenerzählung in ihrem Sinne, als „Beweis“ für die Notwendigkeit einer Transformation:
Das Wichtige an der Pandemieerfahrung ist, dass die Idee implodiert ist, dass es nicht anders geht, als wir es bisher machen. Nicht für alle, aber für diejenigen mit sicheren Jobs war neuer Zeitwohlstand eine positive Erfahrung, und es gibt viele Umfragen, in denen die dauernde Pendelei ins Büro und auch die volle Arbeitszeit lieber nicht wiedergewollt werden. Aber solange unsere Alltagsroutinen durch To-go-Verkaufsbuden führen und unsere Aufmerksamkeit mit Werbe- und Marketingbotschaften vermüllt wird oder auf Kurzlebigkeit getrimmte Trends und Halbwertzeiten wie Fast Fashion und Elektrogeräte nicht politisch angegangen werden, bleibt Konsumismus eben die vermeintliche „Normalität“.
Fazit: Man merkt schon, daß Göpel aus ihrer privilegierten Position einer Tochter der diskutierenden Klasse heraus spricht und deren Interessen vertritt. Es ist ihr übrigens quasi in die Wiege gelegt: Sie wuchs in einer Art Ökobauernhof-Kommune in Niedersachsen auf, mußte den Ökologismus als finanzielle oder Karriere-Strategie also gar nicht erst entdecken.
Der UN-Klimagipfel: Nach dem Notstand ist vor dem Notstand
Das ist in Corona-Zeiten nicht anders als in jeder anderen Epoche der menschlichen Geschichte. Früher bedurfte es allerdings der Kriegsführung mit Armeen und Waffen, um Herrschaftsansprüche durchzusetzen. Heute erledigen dies supranationale Organisationen, die einst als völkerverbindende Institutionen gegründet wurden, längst aber der globalen Durchsetzung kollektivistischer Ideologien sowie der Etablierung favorisierter Industrien dienen. Sie haben sich zu schlagkräftigen Formationen entwickelt, deren Waffen so vernichtend sind wie Panzer und Kanonen. Ob Weltgesundheitsorganisation, Vereinte Nationen, Weltklimarat oder all die anderen Satelliten, die angeblich zum Wohl der Weltgemeinschaft um die immer gebrechlicher erscheinenden Demokratien kreisen – das Leben der Menschen wird kaum noch dort bestimmt, wo sie zuhause sind. Uniformes Handeln ist das Gebot der Zeit, weil angeblich nur so den vielen Bedrohungen für das menschliche Leben entgegengewirkt werden kann, deren inflationäres Auftauchen ausgesprochen beachtlich ist. Dabei haben sich in der Vergangenheit viele der Weissagungen der selbsternannten Weltverbesserer nicht bewahrheitet, sind vorhergesagte Horrorszenarien ausgeblieben und müssen prognostizierte Weltuntergänge immer wieder verschoben werden. Dennoch glauben ihnen die Menschen.
Wie bei Corona sollen durch die gesetzliche Verankerung des Klimanotstands neue weitreichende Grundrechtseingriffe dauerhaft legalisiert werden
Nun hat UN-Generalsekretär Guterres die Katze aus dem Sack gelassen: Auch nach Corona denkt niemand im herrschenden Olymp daran, die Zügel noch einmal locker zu lassen. Anlässlich eines virtuellen Klimagipfels in London forderte der Portugiese, der einst als Präsident der Sozialistischen Internationalen fungierte und später als UN-Hochkommissar die Flüchtlingsströme organisierte, die Staats- und Regierungschefs aller Länder der Welt mögen umgehend den „Klimanotstand“ ausrufen. Was als symbolische Geste bereits in vielen Städten und Regionen passiert ist, soll auf diese Weise institutionalisiert werden, um per gesetzlicher Verankerung neue weitreichende Grundrechtseingriffe dauerhaft zu legalisieren. Während wir bereits einen erheblichen Teil unserer verfassungsmäßigen Rechte aus „Gesundheitsgründen“ abgegeben haben, wird also bald der Nachschlag zur „Rettung“ des Klimas folgen. Realisten dürfte bewusst sein, dass die Notstandsgesetze, mit denen inzwischen regiert wird, von Dauer sein werden. Gesetze, die einmal da sind, nimmt niemand mehr zurück. Das Damoklesschwert einer vermuteten Pandemiegefahr wird auch nach Corona über der Demokratie schweben. Schon die nächste Grippewelle, vielleicht aber auch nur der Masernausbruch in den Kitas einer Region, könnte die gesetzlichen Mechanismen erneut in Gang setzen. Guterres will dies auch für den sogenannten Klimaschutz erzwingen. Und er hat durchaus gute Karten. Der Notstand soll so lange verhängt werden, „bis Klimaneutralität erreicht ist“. Dass dieser Begriff so unwissenschaftlich ist wie all die anderen Messzahlen, Statistikmodelle und Entscheidungsparameter, die der Klima-, Umwelt- oder Corona-Politik zugrundeliegen, wird inzwischen kaum mehr wahrgenommen.
Es würde die Ärmsten der Armen um Generationen zurückwerfen, wollte man ihnen die unheilvolle Klimaideologie der westlichen Welt aufzwingen
Kern des dramatischen Appells des UN-Generalsekretärs ist der Ruf nach der Vermeidung jeglicher „zusätzlicher Treibhausgase“. Die plumpe populistische Forderung ist gefährlich, weil sie nicht nur auf einem fehlenden Grundverständnis des hochkomplexen Klimasystems beruht, sondern vor allem einen Aktionismus propagiert, der – ähnlich, wie wir es bei den Corona-Maßnahmen erleben – zu unübersehbaren Kollateralschäden führen wird. Die Entwicklungs- und Schwellenländer würden um Generationen zurückgeworfen, wollte man ihnen die Klimaideologie der westlichen Welt aufzwingen. Schon heute konstatieren Experten ernüchtert, dass die Errungenschaften vieler Länder der „Dritten Welt“ – Erfolge im Gesundheitswesen, die Reduzierung der Sterblichkeit sowie der Sprung aus der totalen Armut – in weniger als einem Jahr Corona zunichte gemacht worden sind. Noch weit mehr Ungemach droht den Ärmsten der Armen, sollte das rigide UN-Klimaregime global verordnet werden. Daran ändern auch die von Merkel eilig zugesagten 500 Millionen Euro an weiteren „Klimageldern“ nichts. Milliarden von Menschen haben völlig andere Probleme als die Elfenbeinturmbewohner der westlichen Politik. Und ein „Klimanotstand“ ist ohnehin weit und breit nicht zu sehen. Allenfalls ein Klimawandel, dem wir uns anzupassen haben, wollen wir unser Dasein auch künftig aktiv gestalten. In entwaffnender Offenheit hat einer ausgesprochen, was tatsächlich hinter dem UN-Vorstoß steckt: Der britische Premierminister Johnson versprach Millionen „grüner“ Arbeitsplätze. Es geht um die Etablierung neuer Geschäftsmodelle. Und wie bei Corona soll ein verordneter „Notstand“ die rasche Verwirklichung gegen alle bisherigen Widerstände möglich machen. Welch durchschaubares Spiel.
Zuerst erschienen auf der Liberalen Warte.
Mein aktuelles Werk Weltchaos erhalten Sie auf Wunsch signiert direkt von mir und darüber hinaus überall im Handel. Die früheren Werke Chronik des Untergangs, Hexenjagd und Das Grauen gibt es ebenfalls im Buchhandel. Spukschloss Deutschland erhalten Sie als Ebook.
Woher kommt der Strom? Die Konventionellen müssen übernehmen
49. Woche
(Abbildung, bitte unbedingt anklicken, es öffnen sich alle Abbildungen und Mehr, sowie der Energierechner),
Außer eben, dass er keinesfalls kontinuierlich erzeugt wird. Da Sonnenstromerzeugung in dieser Woche zwar stattfindet, bezogen auf den Bedarf und die installierte Leistung Solar kaum nennenswert ist, müssen die konventionellen Stromerzeuger (Abbildung 1) wieder in weiten Teilen dieser Woche die Stromversorgung Deutschland zum größten Teil übernehmen. Man frage sich, woher der Strom kommen soll, wenn der graue, der braune und der schwarze Balken nicht mehr da sind. Eingedenk der Volatilität der regenerativen Energieträger Wind- und Sonnenkraft gelingt den Konventionellen in dieser Woche die Bedarfsdeckung jedenfalls gut. Wenn allerdings für kurze Zeit nicht genügend Strom in Deutschland erzeugt wird und eine kleine Stromlücke entsteht, so dass der Bedarf nicht gedeckt werden kann, dann kostet der Importstrom (Abbildung 2) auch schon mal 110€/MWh (Höchstpreis der Woche). Wobei der Strommarkt dank der konventionellen Erzeugung diese Woche insgesamt recht ordentliche Preise, die fast immer über 30€/MWh liegen, abwirft. Meist werden sogar Exportstrompreise über 40€, manchmal sogar bis zu annähernd 80€/MWh erzielt. Wer Strom wann importiert, exportiert und welche Preise gezahlt werden, zeigt Abbildung 3. Abbildung 3, die besonders anschaulich zeigt, wie eine bezogen auf die Woche kleine Stromlücke ins „Preiskontor“ Deutschlands schlägt. Da freuen sich Frankreich und die Schweiz, die Niederlande und Dänemark. Sogar Polen liefert Strom nach Deutschland. Strom, für den das Kohleland noch weniger als die Hälfte einige Stunden zuvor an Deutschland gezahlt hat. Als es Strom aus Deutschland importierte. Sie erkennen das an den schwarzen Bereichen in den IMEX-Balken.
Die Charts mit den Im- und Exportzahlen für das aufgelaufene Jahr 2020 sowie den Zahlen der 48. Woche sind unter Abbildung 4 aufgeführt. Der Wochenchart zeigt, dass Deutschland eine Menge Strom aus Frankreich.
Die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts und der daraus generierte Chart (Abbildung 5) belegen nochmal eindrucksvoll, wie die Stromversorgung Deutschlands aussähe, wenn es die konventionelle Stromerzeugung (Kernkraft, Braun- und Steinkohle sowie Gas) nicht gäbe.
Da würde auch eine angenommene Verdoppelung der Wind- und Sonnenstromerzeugung nicht viel weiterhelfen. Abbildung 6 zeigt das für die 48. Woche. Dort können Sie auch die Exceltabelle mit dem kompletten Chart herunterladen.
Die Tagesanalysen
Sonntag, 29.11.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 23,08 Prozent, davon Windstrom 8,46 Prozent, Sonnenstrom 3,85 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,77 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Den konventionellen Stromerzeugern fiel es heute nicht schwer, ihren Anteil zu Sicherstellung der Bedarfsdeckung Deutschlands zum regenerativ erzeugten Strom hinzu zu produzieren. War der Bedarf doch gering. Genau wie die erneuerbare Stromerzeugung gering war. Die Preise reichten von 36 bis knapp 60€/MWh. Diese Nachbarn importierten aus, exportierten nach Deutschland.
Montag, 30.11.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 28,83 Prozent, davon Windstrom 17,18 Prozent, Sonnenstrom 3,07 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 8,59 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Am ersten Werktag der Woche zog über die Windstromerzeugung an. Die konventionelle Stromerzeugung folgte dem Anstieg durch Herunterfahren der Produktion kaum. Die Erzeugung wurde praktisch gehalten. Der überschüssige Strom konnte zu zum Teil mehr als auskömmlichen Preisen verkauft werden. An diese Nachbarländer.
Dienstag, 1.12.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 22,93 Prozent, davon Windstrom 12,10 Prozent, Sonnenstrom 0,64 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,19 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken
In der Nacht von Montag auf Dienstag kam es schon zum Rückgang der Windstromerzeugung. Am Dienstag ging es weiter Richtung Null Windstromerzeugung. Die Strompreise waren wieder auskömmlich. Auch die Importpreise bewegten sich für Deutschland heute nicht in exorbitante Höhen. Kaum erneuerbar erzeugter Strom, viel konventionell erzeugter Strom, das wirkt auf die Preise. Das bringt Geld. Wenn denn richtig gesteuert wird. Das gelingt den Konventionellen heute nur teilweise. So wird mühsam generierter Ertrag wieder weggeschenkt.
Mittwoch, 2.12.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 18,24 Prozent, davon Windstrom 6,29 Prozent, Sonnenstrom 1,26 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,69 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Ein Tag des Grauens für die Freunde der Energiewende. Das Wetter will einfach nicht verstehen, dass es im Herbst stürmisch sein soll. Dass die Sonne fast gar nicht scheint, ist hingegen nichts Besonderes. Besonders auffällig sind die beiden Stromlücken, die teuer geschlossen werden müssen. Die konventionellen Kraftwerke bullern auf Hochtouren. Die Pumpspeicher liefern Strom, was das Zeug hält: Es reicht nicht. Also kostet es. Hier noch mal gefragt: Woher soll der Strom kommen, wenn die konventionelle Stromversorgung, nicht mehr da ist? Der Vollständigkeit halber: Diese Nachbarn machten gute Geschäfte. Österreich gehörte diesmal nicht dazu. Dafür aber Polen. Gratulation. Polnischen Kohlestrom für über 100€/MWh nach Deutschland zu liefern, das ist schon ein Coup. Prosit!
Donnerstag, 3.12.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 37,79 Prozent, davon Windstrom 27,91 Prozent, Sonnenstrom 0,58 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,30 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Die regenerative Stromerzeugung zieht an. Es entstehen gleichmäßige Stromüberschüsse, da die Konventionellen exakt nachführen. Leider ist in der Vorabendzeit zu viel Strom im Markt, so dass diesmal um diese Zeit nicht der erwartete richtig gute Schnitt gemacht werden kann. Der fand bereits am Vormittag statt, als um 9:00 Uhr 66€/MWh erzielt wurden. Dänemark, Schweden und die Niederlande exportierten nach Deutschland. Ab 7:00 Uhr praktisch nur noch Dänemark und Schweden. Die übrigen Nachbarn kauften Deutschland Strom ab.
Freitag, 4.12.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 44,70 Prozent, davon Windstrom 34,30 Prozent, Sonnenstrom 1,16 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,30 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Heute lässt die regenerative Stromerzeugung über Tag wieder kontinuierlich nach. Die Konventionellen führen vorbildlich nach. Eine feine Leistung der Techniker und Ingenieure. Diesmal klappt auch der „Gute Schnitt“. Zum Vorabend wird ein auskömmlicher Preis erzielt. An diesem Chart erkennt man gut, dass der Preis umso mehr steigt, desto weniger die regenerative Stromerzeugung Strom liefert. Ein Sachverhalt, der immer wieder ins Auge fällt. Diese Nachbarn nehmen Deutschland den Strom ab.
Samstag, 5.12.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 29,05 Prozent, davon Windstrom 16,22 Prozent, Sonnenstrom 2,03 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,81 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.
Auch zum Einstieg ins Wochenende wird die regenerative Stromerzeugung so konventionell „aufgefüllt“, dass der Bedarf passgerecht gedeckt werden konnte. Bis 8:00 Uhr liegt der Strompreis um die 35€/MWh. Ab 9:00 Uhr wird er auskömmlich. Diese Nachbarn zahlen.
Eine ´nette` Anekdote schrieb Leser Wagner:
Mein Erlebnis: auf einer Ausflugsfahrt vor der Nordseeküste zu den Seehundbänken erzählt der Kapitän, dass viele Windräder noch nicht angeschlossen sind und keinen Strom liefern. Um das Einrosten(?) Zu verhindern, werden Sie regelmäßig mit Diesel „angeworfen“.
Leser Horst Hauptmann meint:
Windenergieanlagen (WEA) haben Asynchrongeneratoren, die im Weichstart mit Thyristoren zugeschaltet und in der Nähe der Netzfrequenz (Drehzahl) mit einem Generatorschalter fest auf das Netz synchronisiert (zugeschaltet) werden. Je größer die Drehzahldifferenz zwischen Netz und WEA, desto größer der Synchronisierungs-Stromstoß. Mit anderen Worten: Photovoltaikanlagen (PV) und WEA können betrieben werden, weil das Netz mittels konventioneller Kraftwerke stabil gehalten und geregelt wird. Ohne Netz keine Wind- oder Solarstrom. Wenn nach einem Blackout die Netze wieder angefahren werden müssen und keine konventionellen Kraftwerke zur Verfügung stehen, kann man den Netzaufbau vergessen* oder er dauert ewig, weil die Netze vom Ausland her aufgebaut werden müssten (sofern dort noch konventionelle Kraftwerke vorhanden und am Netz sind). Wie man die Leistungsbilanz von WEA und PV im Inselbetrieb stabil halten will, die Frequenz regeln, die immer ziemlich genau 50 Hz (Abbildung 7) betragen muss, ist mir ein Rätsel. […]
*Deshalb haben große konventionelle Kraftwerke gewaltige Batteriespeicher „nebenan“. Die dienen der Glättung der Netzfrequenz mittels Regelenergie und der Herstellung der Schwarzstartfähigkeit des Großkraftwerks.
Im Zusammenhang mit der in den vergangenen Wochen angesprochenen Elektromobilität, möchte ich noch auf Abbildung 8 verweisen, unter der Sie die aktuellen Zulassungszahlen E- und Hybridautos finden, die Leser Peter Hager zusammengetragen hat.
Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de Aber bitte immer höflich. Ist klar, nicht wahr?
Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.
Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.
Rüdiger Stobbe betreibt fast fünf Jahre den Politikblog www.mediagnose.de
Klimaschau – die Tagesschau von Sebastian Lüning
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LIZENZHINWEIS: Foto Prof. Dr. Anders Levermann: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (https://commons.wikimedia.org/wiki/Fi…),
„LevermannPortrait web“, https://creativecommons.org/licenses/…
LINKS: El Niño: Pressemitteilung PIK: https://www.pik-potsdam.de/de/aktuell…
Ludescher et al. 2019: https://arxiv.org/pdf/1910.14642.pdf
El Niño Vorhersage: http://www.bom.gov.au/climate/enso/in…
Bericht auf Notrickszone: https://notrickszone.com/2020/11/15/u…
Kältewellen Neue Arbeit: Blackport & Screen 2020, https://www.nature.com/articles/s4155… Frühere Hypothese: z.B. Petoukhov & Semenov 2010, https://agupubs.onlinelibrary.wiley.c… https://scilogs.spektrum.de/klimaloun… https://weather.com/de-DE/wetter/ausl…
Ausführliche Schilderung des Disputs in Kapitel 22 in „Unerwünschte Wahrheiten“: https://www.amazon.de/gp/product/3784…
Golfstrom Fu et al. 2020: https://advances.sciencemag.org/conte…
PM GEOMAR: https://www.geomar.de/news/article/de…
Bericht auf dkS: https://kaltesonne.de/die-golfstromsa…
Ausführliche Schilderung des Golfstrom-Disputs in Kapitel 12 in „Unerwünschte Wahrheiten“: https://www.amazon.de/gp/product/3784…
Sturmportal Sturmmonitor des Helmholtz-Zentrums Geesthacht: https://coastmap.hzg.de/portal/apps/s…
Kapitel 23 (Stürme) im Buch „Unerwünschte Wahrheiten“: https://www.amazon.de/gp/product/3784…
Medicanes Tagesschau-Beitrag: https://www.tagesschau.de/ausland/med…
Cavicchia et al. 2013: https://link.springer.com/article/10….
Lionello et al. 2006 (Kapitel 6.3.3.): https://www.sciencedirect.com/science…
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Medicane Tagesschau – Der Fall “Nordsee”: https://kaltesonne.de/um-antwort-wird…
Tagesschau – Der Fall „Ghoramara“: https://kaltesonne.de/um-antwort-wird…
Ökozid ARD-Webseite: https://www.daserste.de/unterhaltung/…
Mitwirkung des Max-Planck-Instituts für Völkerrecht: https://www.mpg.de/16033730/interview… DWDL-Zuschauerzahlen: https://www.dwdl.de/zahlenzentrale/80…
Jan-Philipp Hein in der Jüdischen Allgemeinen: https://www.juedische-allgemeine.de/m…
Jan Fleischhauer im Focus: https://www.focus.de/politik/deutschl…
Stefan Winterbauer auf Meedia: https://meedia.de/2020/11/20/nur-einm…
Beitrag auf dkS: https://kaltesonne.de/stell-dir-vor-e…
Prof. Dr. Anders Levermann taz-Artikel: https://taz.de/Klimaphysiker-ueber-Er…
Herbstflaute Agorameter: https://www.agora-energiewende.de/ser…
BGR-Energiestudie Studie als pdf: https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Ene…
CO2-Rekord Tagesschau-Bericht: https://www.tagesschau.de/ausland/co2…
Wetterrückschau Deutschlandwetter November 2020, DWD: https://www.dwd.de/DE/presse/pressemi…
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