Woher kommt der Strom? Still ruht der See

von Rüdiger Stobbe

Woche 25 – Das bringt weitgehend schönes, praktisch windfreies Wetter im Sommer (Abbildung) mit sich.

Selbstverständlich scheint die Sonne. Aber leider nur am Tag, so dass die regenerative Stromerzeugung, wenn man von Biomasse und Wasserkraft absieht, in den zugegeben kurzen Nächten praktisch zu Erliegen kam.  Die Gesamtzahlen der 25. Woche hier im Überblick und im Vergleich ab 2016. Obwohl die konventionelle Stromerzeugung (Abbildung 1) einen erheblichen Teil zur Stromversorgung beisteuerte, kam es täglich zu Versorgungslücken (Abbildung 2), die durch Importstrom geschlossen werden mussten. Per Saldo wurden 16,10 GW Strom importiert. Dafür wurden 2,17 Mio € von Deutschland bezahlt. Kein wirklich gutes Geschäft. Ursache: Der Exportstrom wird (muss) günstiger abgegeben (werden) als für Importstrom bezahlt werden muss. Da freuten sich unsere Nachbar. Sogar Polen machte diese Woche gute Geschäfte beim Export seines Kohlestroms nach Deutschland (Abbildung 3). Selbstverständlich wird der CO2-Ausstoß zum Beispiel dieses Kohleimports mit den Exporten Deutschlands im CO2-Tool – dort mehr Infos dazu – auf Stromdaten.info verrechnet.

Die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts und der daraus generierte Chart liegen unter Abbildung 4 ab. Es handelt sich um Werte der Nettostromerzeugung, der „Strom, der aus der Steckdose“ kommt, wie auf der Webseite der Energy-Charts ganz unten ausführlich erläutert wird.

Die Charts mit den Jahres- und Wochenexportzahlen liegen unter Abbildung 5 ab. Abbildung 6 ermöglicht, dass Sie ihr eigener Energiewender werden. Abbildung 7 beinhaltet die Charts, welche eine angenommene Verdoppelung und Verdreifachung der Wind- und Solarstromversorgung visualisieren. Zu diesem Thema gibt es noch bemerkenswerte Ausführungen nach den Tagesanalysen. Abbildung 8 enthält ein Video, in dem sich Joachim Weimann zu den Kosten der Energiewende äußert. Das Interview stammt aus dem Jahr 2015, ist dennoch hochaktuell. Ergänzt wird dieser Beitrag durch einen diesmal brandaktuellen Beitrag der HHL Leipzig Graduate School of Management mit Prof. Sinn und Prof. Althammer.

Beachten Sie bitte unbedingt den Stromdateninfo-Tagesvergleich ab 2016 in den Tagesanalysen. Dort finden Sie die Belege für die im Analyse-Text angegebenen Durchschnittswerte und vieles mehr. Der Vergleich beinhaltet einen Schatz an Erkenntnismöglichkeiten. Überhaupt ist das Analysetool stromdaten.info mittlerweile ein sehr mächtiges Instrument der Stromdatenanalyse geworden.

Bemerkenswert ist eine Aussage von Bundeswirtschaftsminister Altmaier in Sachen Elektromobilität. WELTonline zitiert:

„Wir werden unser Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020, das jedermann für unerreichbar gehalten hat, in diesem Juli erreichen, also mit nur einem halben Jahr Verspätung“, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dem „Tagesspiegel“. Das weitere Ziel von sieben bis zehn Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2030 könne sogar übertroffen werden. Der Wandel hin zu einer individuellen, aber klimafreundlichen Mobilität verankere sich langsam im allgemeinen Bewusstsein, zudem gebe es Innovationsschübe durch die Unternehmen. 

Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit und die Quelle des WELTonline-Artikels finden Sie unter Abbildung 9.

Tagesanalysen

Montag, 21.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 52,86 Prozent, davon Windstrom 21,49 Prozent, Solarstrom 18,94 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,42 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Heute (und Morgen) wird noch ein wenig Windstrom erzeugt. Dann ist praktisch erstmal Schluss mit dieser Form der erneuerbaren Stromerzeugung. Nachts findet keine Stromerzeugung in nennenswertem Umfang statt. Die konventionellen Stromerzeuger lassen Stromlücken zu. Zuviel konventionelle Erzeugung würde den Stromüberschuss über Mittag weiter verbilligen. Die Preise würden insgesamt sinken. Das will man nicht. Man will Geld verdienen. Der Stromkunde zahlt. Der Handelstag. 

Dienstag, 22.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 41,39 Prozentdavon Windstrom 13,82 Prozent, Solarstrom 14,49 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,08 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Wind- und PV-Stromerzeugung lassen nach. Die Konventionellen gleichen die Stromlücken wieder nicht aus. Aus den gleichen Gründen wie gestern. Das Preisniveau liegt etwas höher als gestern. Der Handelstag.

Mittwoch, 23.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 35,12 Prozentdavon Windstrom 5,21 Prozent, Solarstrom 16,52 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,38 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Die Windstromerzeugung on- und offshore ist heute im Verhältnis zur installierten Leistung keine Erwähnung wert. Die Konventionellen halten still. Die Stromlücken werden mit Importstrom geschlossen. 120€/MWh kostet der Strom in der Spitze am Morgen, am Vorabend sind es gar 135€/MWh. Wer kassiert?

Donnerstag, 24.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 31,85 Prozentdavon Windstrom 3,27 Prozent, Solarstrom 14,57 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,01 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Der heutige Strombedarf wird fast komplett importiert. Wind weht kaum. Die Sonne ist auch nicht besonders stark. Die konventionelle Stromerzeugung bleibt weitgehend unter dem Bedarf. Das Preisniveau ist hoch. So freuen sich alle Handelspartner. Nur der Stromkunde zahlt.

Freitag, 25.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 34,77 Prozent, davon Windstrom 3,17 Prozent, Solarstrom 17,38 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,22 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Etwas mehr Solarstrom führt über Mittag zu Stromexporten. Ansonsten wird importiert. Das Preisniveau ist weiterhin im hohen Bereich. Die Konventionellen. Der Handelstag.

Samstag, 26.6.2021: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 45,56 Prozent, davon Windstrom 2,27 Prozent, Solarstrom 26,90 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,39 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Noch etwas mehr Solarstrom, aber, weil Wochenende = weniger Bedarf, führen zu etwas  niedrigeren Exportpreisen über Mittag als die Tage vorher. Die Importpreise liegen heute generell höher. Die Konventionellen. Der Handelstag.

Sonntag, 27.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 52,15 Prozent, davon Windstrom 7,17 Prozent, Solarstrom 29,17 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,81 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Viel Solarstrom, wenig Bedarf. Heute geht die Rechnung der Konventionellen nicht auf. Über Mittag brechen die Preise ein. Zum Abend will man aber noch mal richtig Kasse machen. Die gesteigerte konventionelle Erzeugung  führt immerhin noch zu einem Preis in der Spitze von 95€/MWh für den konventionell erzeugten Strom. Selbstverständlich auch für den Importstrom. Aber den zahlen nicht die Konventionellen, sondern ebenfalls der Stromkunde. Der Handelstag.

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

Rüdiger Stobbe betreibt seit über fünf Jahren den Politikblog www.mediagnose.de

 




Die Klimaschau von Sebastian Lüning: Wie gesund ist Schalldruck von Windkraftanlagen?

Die Klimaschau informiert über Neuigkeiten aus den Klimawissenschaften und von der Energiewende. Themen der 49. Ausgabe vom 7. Juli 2021:

0:00 Begrüßung 0:22 Die Zukunft der Wirbelstürme 4:12 Umwelt-Auswirkungen erneuerbarer Energien 6:51 Wie gesund ist Windkraft-Schalldruck?

Thematisch sortiertes Beitrags-Verzeichnis aller Klimaschau-Ausgaben: http://klimaschau.tv




Die Temperaturen im Juni und wieviel CO2 gelangt in die Ozeane

von Fritz Vahrenholt

In den letzten Rundbriefen hatte ich die Gerichtsbeschlüsse des Bundesverfassungsgerichtes und des Gerichts in Den Haag untersucht. Mittlerweile haben Sebastian Lüning und ich einen detaillierten Faktencheck des Verfassungsgerichtsbeschlusses vorgenommen. Die fehlerhaften Annahmen und irreführenden Schlussfolgerungen sind in Kürze in einem Buch nachzulesen : „Unanfechtbar ? Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes zum Klimaschutz im Faktencheck“. Das Buch erscheint im Langen- Müller Verlag und ist ab 15. Juli im Buchhandel erhältlich.

Zunächst aber wie immer zur Temperaturkurve.

Die Abweichung der globalen Mitteltemperatur der satellitengestützten Messungen vom Durchschnitt der Jahre 1991-2020 sank im Juni 2021 auf

– 0,01 Grad Celsius.

Der Durchschnitt der Temperaturerhöhung seit 1979 beträgt 0,14 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Betrachtet man die letzten 20 Jahre, so sieht man die positiven Maxima in den El Nino-Jahren 1998, 2010, 2016 und 2020 und die Minima in den La Nina-Jahren 1999, 2008, 2011 und 2021.

Die Aufnahme des CO2 durch Ozeane hält sich nicht an den Verfassungsgerichtsbeschluß

In seinem Beschluss zum Klimaschutzgesetz kommt das Gericht zu einer für die Entscheidung zentralen Aussage über den Verbleib des von Menschen emittierten CO2:

„Nur kleine Teile der anthropogenen Emissionen werden von Meeren und der terrestrischen Biosphäre aufgenommen… Im Gegensatz zu anderen Treibhausgasen verlässt CO2 die Erdatmosphäre in einem für die Menschheit relevanten Zeitraum nicht mehr auf natürliche Weise. Jede weitere in die Erdatmosphäre gelangende und dieser nicht künstlich wieder entnommene CO2-Menge erhöht also bleibend die CO2-Konzentration und führt entsprechend zu einem weiteren Temperaturanstieg.“ (Randnummer Rn. 32)

Über die steigende Aufnahme der terrestrischen Biosphäre hatte ich bereits im newsletter vom Juli 2019 berichtet . Wie das Gobal carbon project ermittelte, wurden 2019 31 % des emittierten CO2 durch vornehmlich Pflanzen aufgenommen und 24 % durch die Ozeane, zusammen also 55 %. Soviel zu dem Satz „nur kleine Teile der anthropogenen Emissionen“.

Auch der folgende Satz des Gerichtes hält einer Nachprüfung nicht stand:

“ Im Gegensatz zu anderen Treibhausgasen verlässt CO2 die Erdatmosphäre in einem für die Menschheit relevanten Zeitraum nicht mehr auf natürliche Weise.“

Da diese Feststellungen die Ausgangsbasis für das für Deutschland vom Gericht festgelegte CO2-Restbudget ist, lohnt es sich, die Sachverhalte genauer zu untersuchen.

Denn im Pariser Klimaschutzabkommen wird in Artikel 4 als Ziel des Abkommens die Verringerung der Emissionen definiert, „um in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen den anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen aus Quellen und dem Abbau solcher Gase durch Senken… herzustellen“ (Übersetzung BMU)

Dazu schauen wir uns zunächst die steigende CO2 -Aufnahme der Ozeane an, wie sie das Global Carbon Project, das u.a. von der World Meteorologial Organisation (WMO) und der UNEP getragen wird und als IPCC – nah bezeichnet werden kann. Die schwarze Linie führt zu einer Aufnahme von 9,6 GT CO2, einem Viertel der Emissionen. Doch neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass die Aufnahme deutlich größer sein kann.

Neuere Forschungsergebnisse zur CO2-Aufnahme der Ozeane

Im September 2020 veröffentlichte Andrew Watson von der Universität Exeter mit anderen Wissenschaftlern, darunter Peter Landschützer vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, in Nature Communications eine aufsehenerregende Neuberechnung der CO2-Aufnahme durch die Ozeane. Die Forscher stellten fest, dass die millimeterdicke Diffusionsschicht der Ozeanoberflächen, in der der Austausch der CO2-Moleküle mit der Atmosphäre stattfindet, deutlich kühler ist als bisherigen Berechnungen zugrundegelegt wurde. Bisher wurden die CO2-Konzentration im Meer auf Grund der Messungen im Ansaugstutzen von Schiffen oder durch Bojen gemessen. Watson und Kollegen stellten aber fest, dass die Temperaturen in den obersten Millimetern – also der Diffusionsschicht- der Ozeanoberfläche deutlich kühler sind, als die im Meterbereich gemessenen. Eine Ursache hierfür ist die „Verdunstungskälte“, die bei der Verdunstung des Wassers insbesondere in den Tropen freigesetzt wird und die oberen Millimeter abkühlt. Die Austauschzone kann daher deutlich mehr CO2 aufnehmen als bisher gedacht, da kühleres Wasser nach dem Henry- Gesetz mehr CO2 aufnehmen kann als wärmeres Wasser. Die Wissenschaftler berechnen, dass dadurch 3 GT ( Milliarden Tonnen) mehr CO2 aufgenommen wird, als bisher angenommen. Das sind immerhin rund 100 Gt mehr CO2 in den nächsten 30 Jahren.

Die schwarze Linie im folgenden Diagramm zeigt die deutliche Absenkung gegenüber den bisherigen, gestrichelt gezeigten, Berechnungen, aber auch den rapiden Abfall seit 2005. Es ist bislang nicht geklärt, warum in der Zeit von 1995 bis 2005 die Ozeanaufnahme trotz steigender CO2– Konzentration in der Atmosphäre nahezu konstant blieb (rote Linie). Beachten Sie : die Angaben sind in GT Kohlenstoff. Die y-Achse muss daher mit 3,667 multipliziert werden, um die Zahlen auf GT CO2 umzurechnen und mit dem oben gezeigten Diagramm vergleichen zu können. Weiter ist zu beachten, dass die Aufnahme hier negativ angegeben wird. Im obigen Diagramm des Global Carbon Project ist die Aufnahme als positive Zahl angegeben.

Mit steigender Konzentration des CO2 in der Luft steigt die CO2-Aufnahme durch die Ozeane

In der 9. Klasse lernt man üblicherweise die Wirkungsweise des Henry-Gesetzes kennen. Es besagt, dass die Konzentration eines Gases über einer Flüssigkeit direkt proportional zur Konzentration des Gases in der Flüssigkeit ist. Das kennen wir von der Mineralwasserflasche. Erhöht man den Druck bzw. die Konzentration des CO2 in der Luft, so erhöht sich entsprechend die Konzentration  im Wasser.

Die Klimawissenschaft nimmt an, dass sich um 1860 das CO2 in der Atmosphäre und in den Ozeanen im Gleichgewicht befand. Die Konzentration betrug 280 ppm in der Atmosphäre. Um 1960 hatte die Konzentration auf Grund der Emissionen durch den Menschen schon 314 ppm, also 34 ppm mehr als im Gleichgewichtszustand erreicht. Und heute sind es 410 ppm, also 130 ppm mehr als 1860.

Dadurch stieg nach dem Henry-Gesetz natürlich auch die Aufnahme des CO2 durch die Ozeane, Die Aufnahme steigt seit einigen Jahrzehnten stärker als die Emissionen, so dass heute schon 55 % der jährlichen Emissionen von Ozeanen und Pflanzen aufgenommen werden. Anders ausgedrückt : etwa 5 ppm werden  vom Menschen jährlich ausgestossen, 2,7 ppm werden insgesamt aufgenommen (alle Zahlen aus Global carbon project). 2,3 ppm verbleiben in der Atmosphäre. Bei konstanter, nicht weiter steigender Emission nimmt die Aufnahme von Ozeanen und Pflanzen weiter zu und immer weniger CO2 verbleibt in der Luft. Bei 450 ppm CO2 werden bereits zwei Drittel (3,4 ppm)  durch Ozeane und Pflanzen aufgenommen und nur noch 1,6 ppm CO2 verbleibt in der Luft.

Würde es der Weltgemeinschaft bis 2050 bei einer dann vorliegenden Konzentration von 450 ppm gelingen, die Emission im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte zu halbieren auf etwa 2,5 ppm , so wäre demnach ein unmittelbarer Rückgang der CO2 – Konzentration in der Atmosphäre die Folge – und zwar jährlich um (3,4 -2,5 ppm = 0,9 ppm). Die Katastrophenszenarien könnten ad acta gelegt werden. Und wir wären im Einklang mit dem Pariser Abkommen, dass ja fordert, dass Quellen und Senken von CO2 ins Gleichgewicht zu bringen seien. Eine Nullemission -die ohnehin nicht erreicht wird, solange China und die sich entwickelnde Welt wachsende CO2-Emissionen austossen – ist nicht erforderlich.

Verfassungsklage : die nächste rollt an

Die Deutsche Umwelthilfe hat am 5.Juli bekanntgegeben, dass die Organisation ( die u.a. vom Bundesumweltministerium gefördert wird)  zusammen mit einigen Kindern vor dem Bundesverfassungsgericht Klage gegen die Länder Bayern, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg eingereicht hat. Die Umwelthilfe will erreichen, dass auch die beklagten Ländern Bayern, NRW und Brandenburg verbindliche Emissionminderungsgesetze erlassen. Die Organisation kündigte weiter an, dass sie auch gegen deutsche Unternehmen vor das Bundesverfassungsgericht ziehen werde.

Da kann man nur hoffen, dass die Berichterstatterin des Gerichts, Frau Prof. Gabriele Britz sich zwischenzeitlich einen breiteren Überblick über die klimawissenschaftlichen Grundlagen für folgenschwere Urteile verschafft hat. Denn schon der letzte Beschluss wird als das größte Fehlurteil eines deutschen Gerichts in die Geschichte eingehen.




Die Klimaschau von Sebastian Lüning: Swiss Re und der ominöse Faktor 10

Die Klimaschau informiert über Neuigkeiten aus den Klimawissenschaften und von der Energiewende. Themen der 48. Ausgabe vom 4. Juli 2021:
0:00 Begrüßung
0:21 Weniger Todesfälle durch Extremwetter
2:12 Schädliche kleine Wasserkraftwerke
6:06 Swiss Re und der ominöse Faktor 10

Thematisch sortiertes Beitrags-Verzeichnis aller Klimaschau-Ausgaben: http://klimaschau.tv




Klimaspaß mit EIKE: Rezension zu Annalena Baerbocks Wahlkampfbuch „Jetzt“

Auch abseits der ganzen Plagiate ist das neue Wahlkampfbuch „Jetzt: Wie wir unser Land erneuern“ nicht uninteressant, weil es zeigt, wie die Kanzlerinnenkandidatin und ihr Umfeld ticken, und mit welchen Tricks die „Die Arbeit tun die anderen“*- Partei versucht, sich Steuertransfers und Privilegien zu sichern.

* Zitat von Alexander Wendt.

Gerade macht ein Video die Runde, in dem man Plagiatsjäger Stefan Weber und TV-Köchin und Grünen-Abgeordnete (EU) Sarah Wiener streiten sieht. Der Vorwurf an Weber: Er kümmere sich um ein paar „vergessene Fußnoten“ und nicht um den Inhalt. Weber entgegnet kühl, Wiener habe den Sachverhalt nicht verstanden.

Wahrscheinlich weiß sie sehr wohl, was Sache ist, und argumentiert deswegen um den heißen Brei. Einen wahren Kern hat Wieners Aussage dennoch: Man muß sich einfach einmal um den Inhalt von „Jetzt“ kümmern.

Eigentlich hatten wir vor, nach Plagiaten zu stöbern, auch auf Englisch. Da aber Dr. Weber viel effizienter ist, und die x-te abgeschriebene Stelle keinen Neuheitswert mehr hat, gehen wir zu den Aussagen Baerbocks.

Was schon auf der ersten Seite auffällt: Das Buch hat ein Profi-Ghost verfaßt, aller-höchst-wahrscheinlichst. Wie die Leser nicht nur von Danisch.de wissen, hat Baerbock in 25 Jahren so gut wie gar nichts veröffentlicht. Ein paar Artikel als Schülerin/Studentin für die Hannoversche Allgemeine, ansonsten: nichts. Keine Masterarbeit in London, die auffindbar wäre, keine Dissertation, keine „völkerrechtliche“ Studie. Heißt, schon aus Gründen fehlender Erfahrung wäre sie wohl gar nicht in der Lage, ein lesbares Buch zu erstellen.

Der Ghost ist gut, weil er alle Tricks der heutigen Publizistik kennt. Das Buch fängt an mit einer „menschelnden“ Geschichte  – Baerbock wohnte vor Potsdam mal in Ostberlin in der Nähe des Alexanderplatzes gegenüber einem bekannten Gebäude, auf dem das originelle Motto prangt:

Dieses Haus stand früher in einem anderen Land.

Ist zwar von Jean-Remy von Matt, einem Westler-Werbeguru, gibt aber so ein schönes halb-revolutionäres Wende-Gefühl. Dieses erste Bild gibt schon den roten Faden des Buches vor: Die Kanzlerinnenkandidatur von A.C.A.B. als eine Art neue Wende in einem Staat, auf den sich der Mehltau der Merkel-Ära gelegt hat. Die verehrte Kraftwerkabschalterin Merkel wird natürlich nicht namentlich erwähnt; und auch nicht die DDR-artigen Probleme, die Herostrata ihrem und den Nachbarländern beschert hat.

Im Gegenteil; Baerbock zielt eher darauf ab, daß die Kabinette Merkel die Klimapolitik nicht entschieden genug vorantrieben. Die echten Probleme wie explodierende Sozialkosten, Sozialeinwanderung, importierter Terrorismus, Desindustrialisierung, Bildungskatastrophe, Autoritarismus, Entdemokratisierung, werden höchstens in Einzelfällen touchiert, aber die Schuldigen nicht benannt. Gut – das ist man ja zum Teil selbst. Zitate:

[Die Politik] war geprägt von Mutlosigkeit und einem zaghaften Auf-Sicht-Fahren statt Weitblick. Als könnten wir trotz fundamentaler globaler Veränderung, trotz eines Auseinanderdriftens der Gesellschaft im Grunde so weitermachen wie bisher. (…)

Jede gute Politik beginnt damit, sich der Wirklichkeit zu stellen. Realitäten anzuerkennen, um sie zu verändern. (…)
Die Überzeugung, daß demokratische Politik der Ort ist, an dem wir um eine bessere Zukunft für uns alle ringen, bestimmt mein Handeln.(…)

[Reichstag 1933:] Hier wurde das Ermächtigungsgesetz beschlossen, mit dem die Demokratie sich selbst abschaffte und eine Diktatur begründete. (…)

Unsere Demokratie lebt von Voraussetzungen, die sie nicht selbst garantieren kann und die nicht auf ewig garantiert sind (…).

Demokratische Macht wird nur auf Zeit verliehen. Sie muß immer wieder neu begründet und behauptet werden. Sie wird verteilt und kontrolliert. Regeln sind verbindlich und gelten unabhängig von Personen. Fehler können korrigiert werden, weil es nicht nur Schwarz oder Weiß gibt.

Es erscheint schon zynisch, wenn die Grünen-Chefin formuliert wie ein AfD-Abgeordneter bei der Regierungsschelte, in Wirklichkeit aber das Gegenteil meint, nämlich das exakte So-Weitermachen, Umverteilen von unten nach oben, Ermächtigen, Entdemokratisieren, Desindustrialisieren und Wirklichkeit-ignorieren wie bisher. Allerdings noch forcierter als das regierende Kabinett Merkel.

Das Buch ist aber neben der Propagierung von Coronismus, Klimarettung, EU-Zentralismus und anderen Totalitarismen erkennbar für die Mitte der Gesellschaft geschrieben. Baerbock lobt ihre Großmutter und deren Generation, die das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut hätten; und die mutigen DDR-Bürgerrechtler. Das ist schon bemerkenswert, da Trümmerfrauen-Rhetorik sonst eher Sache der Union war; und die Wende in der DDR war gerade den Grünen überhaupt nicht recht. Claudia Roth zum Beispiel warnte 1989/90, daß die Massenwanderung von sozialismusfeindlichen Trabifahrern die Sozialsysteme der Bonner Republik überfordern würde (2015 sagte sie das nicht). Man sieht, hier ist eine neue Generation von Grünen am Drücker, die sich mit zumindest einigen Realitäten arrangiert. Was die Ausbildung angeht, hat sich aber nichts geändert: Wie Fischer, Roth, Göring-E. et alii ist Baerbock ja praktisch beruflos.

Um auch Leser, die nicht zu den oberen zehn Millionen, dem Grünenmilieu, gehören, anzusprechen, schreibt sie (bzw. der Ghost) ab und an eine kleine Grußadresse an den Arbeiter. So meint sie zum Beispiel, daß die Regierung in der P(l)andemie-Maßnahmenkrise die „Konkurrenzfähigkeit des deutschen Einzelhandels gegenüber digitalen Plattformen“ (Amazon…) nicht genügend gestärkt habe. Zum Teil reitschustert sie sogar ein bißchen, wenn sie kritisiert, daß unser Gesundheitssystem zu sehr auf Wirtschaftlichkeit „heruntergestutzt“ sei. Im zweiten Kapitel „Der Mensch im Mittelpunkt“, geht sie sogar ausdrücklich auf ihre soziale Seite ein und äußert Verständnis für Arbeitnehmer aus der Industrie, die angesichts ihrer ökologischen Great-Reset-Pläne um ihre Jobs fürchten. Lösungen. nennt sie wohlweislich nicht – vergißt aber nicht zu erwähnen, daß sie einmal bei einer Tafel und im Impfzentrum ausgeholfen habe.

Und das langsame Internet, das erwähnt sie, weil es irgendwie jeden nervt. Fast schon lustig ist es, wenn Baerbock „moderne Polizeiwachen“ fordert; das dürfte in grünen Kreisen geradezu sauer aufstoßen. Aber gut, ist ja Wahlkampf, muß sie halt sagen.

Nach der schönen Wendegeschichte mit dem Haus erzählt Baerbock ein bißchen von sich selbst; von ihrem Berufsalltag, ihren kleinen Töchtern, ihrem emanzipierten Mann, ihrer bodenständigen und früher unterprivilegierten Großmutter. Durchaus geschickt, Persönliches lesen Parteifreunde und Interessierte gern. Sie hält sich auch weitgehend mit ihren Hochstapeleien zurück – negativ fällt nur die „Völkerrecht“-Sache im Umschlagstext auf; da hätte der Verlag vorsichtiger sein müssen, die Lebenslaufkatastrophe war schon bekannt bei Drucklegung.

Richtig böse sind die Passagen zur angeblichen Klimakatastrophe, deren Verhinderung, die „Klimaneutralität“, eine „gerechtere Gesellschaft und den Erfolg auf den Märkten der Zukunft“ verspreche. Das ist schon obszön, da längst bekannt ist, daß Klima-Umverteilung die Reichen noch reicher macht und niemand auf dem Planeten unsere Photovoltaik-Windrad-Technologie haben will, weil außer Deutschland und vielleicht den Biden-USA kein einziger Staat auf der Erde ernsthaft CO2-Emissionen auf Null bringen will. Schönes aktuelles Beispiel: Die Berliner Firma Rocsun von XR-Chefin Annemarie Botzki, die robuste PV-Elemente für Böden anbot, ist pleite. Außer Förderspesen nix gewesen.

Im dritten Kapitel „Verändern, um es besser zu machen“ geht es sogar nur um das Haupt-Wahlkampfthema der Grünen, die Rettung des Klimas. Zitate:

Die Wirklichkeit sehen. (…) Wir können die Grundlagen für einen klimagerechten Wohlstand legen.

Wir wissen: Wenn Die Kippunkte im Klimasystem erreicht sind, leben wir in einer anderen Welt.

Jaja, das unentdeckte Land, die Zukunft. Ob jemand vom PIK mitgeschrieben hat? Das Institut ist ja nur ein paar Kilometer von Baerbocks Wohnung entfernt. Wahrscheinlich aber nicht – Anders Levermann hatte den Kippunkten in der taz schon eine Absage erteilt.

In einigen Passagen gibt sie, das überrascht, wieder einmal ihre altbekannte Ahnungslosigkeit beim Thema Energie („Stromspeicher im Netz“) zum Besten:

Im Strombereich gibt es mit den erneuerbaren Energien sehr ausgereifte und direkt einsetzbare Alternativen.

Immerhin:

Im Verkehr ist das nur bedingt der Fall, und hier wiederum macht es einen großen Unterschied, ob Menschen in der Stadt oder auf dem Land wohnen.

Und ob man reich und grün, oder Geringverdiener ist, möchte man hinzufügen. Tut sie sogar selber gewissermaßen:

[Die Politik,] die ökologische Modernisierung sozial gestaltet, damit sie für alle funktioniert – für die Stahlarbeiterin in Salzgitter, den Pendler aus der brandenburgischen Prignitz oder den SGBII-Bezieher im bayrischen Tirschenreuth.

Glaubt man sofort, oder? Um ihre Expertise in sachlichen Fragen unter Beweis zu stellen, wiederholt das Buch alte unbewiesene Behauptungen wie die Klimawandelfolge der Buschbrände in Australien, oder den gewaltigen Eisverlust Grönlands (im Sommer, aber das vergißt sie, zu erwähnen…). Zwar hat der Weltklimarat bereits gesagt, daß Extremwetter wie Sturmfluten nicht häufiger werden; das Buch arbeitet aber trotzdem mit der Behauptung, da es so schön zur gerade aktuellen ARD/ZDF-Linie paßt.

Um Druck aufzubauen, wird das Extremwetter als erhebliche Wirtschaftsgefahr dargestellt, die die Wettbewerbsfähigkeit bedrohe (welche sagt sie nicht); und daher würde Klimaschutz mehr Arbeitsplätze retten als vernichten – ein echter Wettbewerbsvorteil (Details nennt sie nicht).

Im vierten Kapitel geht es um dies und das, um Infrastruktur, die böse AfD, Stadt und Land, Gesundheitsversorgung, Sport, Digitalisierung, Steuern. Also teils neutrale Themen, die schon Merkel ab und zu gerne nutzte, um von den selbstgemachten Problemen abzulenken und ein paar Lippenbekenntnisse in die Mikrofone zu diktieren. Im vorletzten und fünften Kapitel behandelt der Ghost mit seiner Auftraggeberin auf rund 50 Seiten die Themen EU, Weltpolitik, Flucht und Migration, Völkerrecht (das mußte wohl…), die UNO („VN“ im Buch), Donald Trump, China und Digital-Terrorismus. Gerade hier wirkt das meiste schon von der Formulierung her fremdgeschrieben, weil Baerbock bekanntermaßen fast keine internationale Erfahrung hat – was für grüne Funktionäre ungewöhnlich ist, wenn man zum Beispiel an Kollegin Luisa Neubauer-Reemtsma denkt. Baerbock stammt aus Niedersachsen, studierte im nahen Hamburg, war mutmaßlich gar nicht ein Jahr durchgängig in London, und wohnt seit den Nullern im beschaulichen Potsdam, der Puppenstube der Berliner Elite. Keine bekannten Weltreisen, nur ein Auslandsjahr mit 16 in Florida. Da sie auch nicht so richtig studiert hat, hat sie wohl außerhalb ihres weißen deutschsprechenden Bürger- und Akademikermilieus kaum Erfahrung mit anderen Kulturen und Ethnien.

Abschließend muß man sich fragen, wieso der geschickte Ghost überhaupt so viel abgekupfert hat. Vielleicht saß er ab und zu mit AB zusammen und forderte ein bißchen Input, um Authentizität zu simulieren, und sie gab ihm in ihrer Not Angelesenes. Oder, das ist wahrscheinlicher, es mußte schnell gehen. Zwar steht der Wahltermin im September fest; aber vielleicht hat man das Buch vor allem zur Abwehr des Lebenslaufdebakels lanciert, um die Kandidatin als ernsthafte Visionärin darzustellen. Da das Werk nur 238 Seiten <A5 mit recht großen Buchstaben hat, war es wohl schnell geschrieben.

Nebenbei: Am 6.7. wurden im Buch schon 43 neue auffällige Fragmente gefunden.

Interessant auch, daß das Buch „Jetzt“ trotz des jungen Alters bereits einen umfangreichen Wikipedia-Artikel hat. Wer mag ihn geschrieben haben? Die grüne Parteizentrale, oder einsame Wölfe wie unser Andol? Mittlerweile schreiben dort aber viele andere mit, die erkennbar kritisch eingestellt sind, weil die Plagiatur den größten Raum einnimmt. Vermutung: Grüne haben den Artikel zu Reklamezwecken eingestellt, und dann sanmmelten sich die Kritiker. Da viel zu viele mitschreiben und damit tatsächlich einmal etwas Demokratie in einem politisch relevanten Artikel existiert, kann man ihn nicht einfach wieder stillegen oder die Kritik rauslöschen. Deswegen entbrannte am 2. Juli eine regelrechte Editierschlacht, die bis dato andauert. Schauen Sie sich einmal die Dokumentation der Änderungen an, das sind Tausende in einer Woche.