Woher kommt der Strom? Es wird richtig teuer

Nach meiner Erfahrung kalkulieren die konventionellen Stromerzeuger (Abbildung)

ihre Stromerzeugung so, dass nicht so viel Strom über die Mittagsspitze produziert wird, dass er mit hohen Verlusten (negative Strompreise) verschenkt werden muss. Das allerdings hat zur Folge, dass am Morgen und am Nachmittag zu wenig Strom in Deutschland produziert wird. Da reicht auch der massive Einsatz der Pumpspeicherkraftwerke nicht aus. Es fehlt Strom (Abbildung 1), der letztendlich von unseren Nachbarn dem Industriestaat Deutschland zur Verfügung gestellt wird (Abbildung 2). Die Rechnung der konventionellen Stromproduzenten geht an einem Tag der Woche nicht auf. Da fallen dann doch negative Strompreise an. Bleibt die Frage, ob sich die an sich vernünftige und einleuchtende Kalkulation unter dem Strich rechnet. Schließlich muss der Importstrom auch bezahlt werden. Allerdings nicht von den Kraftwerksbetreibern. Es sind direkt die Stromkunden, denen der Import in Rechnung gestellt wird. Konventionelle Kraftwerke werden nur dann betrieben, wenn Gewinne in Aussicht stehen oder eine echte Notlage – es ist nicht genügend Strom im Markt – zu bewältigen. Dass die gesamte Gemengelage der Stromerzeugung und die damit verbundene Versorgungs(un)sicherheit höchst komplex ist, leuchtet ein, wenn man Abbildung 1 noch mal betrachtet. Die Windstromerzeugung ist sehr volatil. Sie reicht von annähernd 0 GW bis über 30 GW innerhalb von nicht mal 72 Stunden. Dazu zusätzlich zweimal die starke Sonnenstromerzeugung in einem eingeschränkten Zeitfenster.

Das Preis-Ergebnis sieht in der Übersicht so aus: Abbildung 3. Wenn man die realen Zahlen saldiert, kommt dieses Ergebnis heraus: Insgesamt wurden unter dem Strich 43,59 GWh exportiert und zusätzlich neun Millionen € mitgegeben. Der Preis pro MWh lag im Export, also der Betrag, den Deutschland erhielt bei 38,77 €. Für eine MWh, die Deutschland importierte, mussten 50,93 € bezahlt werden. Die Zahlen im Detail finden Sie unter Abbildung 4.

Abbildung 5 enthält die Charts mit den Im- und Exporten Strom der 13. Woche und seit Beginn des Jahres 2021. Grundlage sind die Werte der Energy-Charts. Ebenfalls mit den Werten der Energy-Charts wurde die Tabelle sowie der aus dieser Tabelle generierte Chart hergestellt (Abbildung 6).

Die nach Energieträgern aufgeschlüsselte Stromerzeugung der 13. Analysewoche liegt unter Abbildung 7. Klicken Sie dort auf den Ergebnislink. Schalten Sie z. B. den per Kernkraft erzeugten Strom ab. Sie sehen sofort, welche Stromlücken sich zu den bereits vorhandenen – geschlossen durch den rot gekennzeichneten Importstrom – auftun. Nun noch z. B. die Braunkohle wegklicken. Da bekommt man eine schöne Aussicht auf die kommende Stromversorgung. Oder glaubt irgendjemand, dass zusätzliche Wind- und Sonnenkraftwerke die entstehenden Lücken bis Ende 2022 und Zug-um-Zug bis Ende 2038, manche fabulieren gar bis Ende 2030, weil sonst die Welt unterginge, wirklich nachhaltig schließen könnten? Nein, es wird Strom aus Kernkraft und auch fossil hergestellter Strom importiert werden. Hinzu kommt konventioneller Strom (Gas) aus heimischer Produktion. Nochmal und immer wieder: Der Ausstieg aus der Kernenergie ist und bleibt im Sinn der Verminderung des CO2-Ausstoßes in Deutschland kontraproduktiv.

Jetzt kommt Peter Hager aus Lauf an der Pegnitz mit seiner Anfrage an die Bundesnetzagentur ins Spiel. Abbildung 8 enthält die leicht modifizierte Anfrage, die von jedem Leser dieser Kolumne kopiert und an den für sie zuständigen Bundestagsabgeordneten und/oder Landtagsabgeordneten gemailt werden sollte. Damit am Ende niemand der Verantwortlichen sagen kann, er hätte nichts gewusst.

Bedenken Sie bitte: Es geht nicht nur um Strom, ein warmes Zuhause und heiße Mahlzeiten. Es geht um die Art und Weise, wie wir in Zukunft leben wollen. In einer Strom-Mangelwirtschaft mit Stromzuteilung oder in einem freiheitlichen und sicheren Rechtsstaat, in der jeder Mensch seine Grundbedürfnisse individuell erfüllen kann. Eine dauerhaft-sichere und nachhaltige Energieversorgung auch mittels Strom gehört unbedingt dazu.

Tagesanalysen

Montag, 29.3.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 65,50 Prozent, davon Windstrom 38,64 Prozent, Solarstrom 15,33 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,53 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Zum Wochenbeginn tut sich am Nachmittag die bereits hinlänglich bekannte Stromlücke auf. Nachdem der Strom über Tag preiswert verkauft wurde, steigen die Preise zum späten Nachmittag. Stromimport ist nötig. Reicht am Vormittag der konventionelle Pumpspeicherstrom noch aus, um gute Preise zu erzielen; am frühen Abend ist es hoffnungslos. Zu groß ist die Stromlücke. Der Handelstag im Detail. Vor allem Frankreich macht feine Preisdifferenzgeschäfte.

Dienstag, 30.3.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 49,02 Prozentdavon Windstrom 15,59 Prozent, Solarstrom 20,17 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,26 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Viel Solarstrom. Aber die Windstromerzeugung sinkt komplett ab. Jetzt gibt es morgens und abends eine Stromlücke. Ach was, Lücke. Da klaffen fast schon Canyons. Gut, wir wollen nicht übertreiben. Doch nur um die Stromübererzeugung um die Mittagsspitze gering zu halten, ist es m. E. ökonomisch kaum zu verantworten, die Importmenge so zu steigern. Oder doch? Billig war es jedenfalls nicht. Selbstverständlich werden Pumpspeicher eingesetzt. Selbstverständlich geben unsere Nachbarn ihren Strom gerne an Deutschland ab. Noch brauchen sie ihn nicht selbst.

Mittwoch, 31.3.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 39,77 Prozentdavon Windstrom 4,06 Prozent, Solarstrom 21,40 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,31 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Fast kein Windstrom. Dafür gibt’s es viel Solarstrom. Und wieder Stromlücken, die hochpreisig geschlossen werden müssen. Natürlich bullern die Konventionellen. Doch es reicht nicht. Es soll nicht reichen. Sonst würde die Gasverstromung hochgefahren. Das aber wäre wohl teurer als der Stromimport. Ich weiß es nicht, ich kann es nicht beurteilen. Teuer, teuer aber ist es so oder so. Energiewende pur.  Der Handelstag.

Donnerstag, 1.4.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 52,26 Prozent, davon Windstrom 23,63 Prozent, Solarstrom 15,42 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,21 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Die Windstromerzeugung nimmt über Tag wieder zu. Die Solarstromerzeugung lässt etwas nach. Die Stromlücken werden kleiner. Bleiben aber dennoch teuer. Am Vorabend ist es fast schon tragisch, dass trotz erheblichem Pumpspeichereinsatz eine Mini-Lücke über bleibt, die fast 70€/MWh kostet. Der Handelstag.

Freitag, 2.4.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 64,65 Prozent, davon Windstrom 35,42 Prozent, Solarstrom 15,13 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,10 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Windstrom plus Solarstrom steigen über Mittag Richtung Bedarf. Prompt fällt der Strompreis in den negativen Bereich. Die konventionelle Stromerzeugung fährt komplett herunter. Nur die für die Netzstabilität notwendigen 20 GW, es ist zum Teil etwas mehr, zum Teil etwas weniger, werden produziert. Der Handelstag. Dänemark, Frankreich und Schweden machen gute Geschäfte.

Samstag, 3.4.2021: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 64,43 Prozent, davon Windstrom 30,71 Prozent, Solarstrom 17,72 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,01 Prozent. Die Agora-ChartmatrixHier klicken.

Wochenende: Wenig Bedarf. Geht heute die Kalkulation der Konventionellen auf? Sie denken jedenfalls nicht daran, die Produktion hochzufahren. Die entstehenden Lücken werden hochpreisig geschlossen. Der Exportstrom wird billig abgegeben. Diese Nachbarn profitieren.

Sonntag, 4.4.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 64,35 Prozent, davon Windstrom 28,93 Prozent, Solarstrom 19,77 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,65 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Noch weniger Bedarf. Deutschland steht praktisch still. Ab 8:00 Uhr zieht die Windstromerzeugung an. Zusammen mit dem Sonnenstrom kann ab 9:00 Uhr für den Rest des Tages Strom exportiert werden. Bis dahin kostet der Importstrom trotz der Nacht- und Morgenstunden – da ist Strom in aller Regel günstig – richtig Geld. Zum Vorabend wird massiv Pumpspeicherstrom produziert, damit zum Abend mal Kasse gemacht werden kann. Von Deutschland. Und es funktioniert. Da fällt kaum ins Gewicht, dass um 15:00 Uhr der Strom verschenkt wurde, oder?

Die 13. Analysewoche belegt, dass das Handling, das optimale Nachführen der konventionellen Stromerzeugung bezogen auf die Wind- und PV-Stromerzeugung faktisch unmöglich ist. Die möglichen Szenarien sind so vielfältig, dass sie kaum korrekt kalkuliert werden können. Solange unsere Nachbarn den fehlenden Strom nach Deutschland liefern können und wollen, ist es nur teuer. Wenn aber wesentliche konventionelle Stromerzeuger (Kernkraft, Kohle) vom Netz genommen werden, dann wird es schwierig.

Es wird oft übersehen, dennoch ist es äußerst wichtig:

In diesem Jahr fällt die Förderung der ersten Windkraft- und PV- Anlagen weg. Die 20 Jahre und mehr sind vorbei. Was nun mit den oft noch funktionstüchtigen Anlagen geschehen soll, dass analysiert ein Artikel der enexion group, den Sie unter Abbildung 9 aufrufen können. Das Problem: Das Entsorgen dieser Anlagen wäre nicht im Sinn der Energiewende, der Weiterbetrieb ist meist unwirtschaftlich, weil ohne Subventionen. Ein typisches Energiewendeproblem, oder?

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr. 

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

 




Die Klimaschau von Sebastian Lüning: Keine CO2-Steuer in Großbritannien, Regenmuster in Afrika entschlüsselt




„Geisterwälder“ durch Meeresspiegelanstieg in Nordamerika?

Das Klimaschutz-Magazin Spektrum.de publizierte vor kurzem erneut einen alarmistischen Bericht über sterbende Wälder. Dabei wird nach üblichem Muster ein Ausschnitt der natürlichen Realität genutzt, um eine menschengemachte Gefahr zu konstruieren. Eine Arbeitsgruppe von der renommierten Duke-Universität habe nach eigenen Angaben herausgefunden, daß rund 11 Prozent des Waldes im Alligator-River-Schutzgebiet durch Versalzung abgestorben seien. Das Salz kommt vom – natürlich – steigenden Meerwasser in der Nähe.

Lustigerweise berichtet Spektrum, daß solche versalzten „Geisterwälder“, die nur noch aus Baumleichen bestehen, im Nordwesten der USA eine altbekannte Landschaftsform seien, da ein schweres Erdbeben im Jahre 1700 (sic!!) die Küste um zwei Meter fallen ließ und so die nahen Wälder vom Meerwasser verschlungen oder zumindest versalzt wurden. Es gibt also natürliche Kastastrophen, geben sie zu, aber heute, ja heute, da ist es der Klimawandel.

Die Argumentation nutzt seit langem fast jeder „Klimachützer“ oder „Klimaforscher“. Unser Referent Peter Ridd aus Australien berichte auf unserer letzten Konferenz zum Beispiel, daß die Korallenbleiche des Großen Barrie-Riffs entgegen den Darstellungen seiner Klima-Kollegen keineswegs Folge menschlicher Eingriffe sei.

Die Duke-Forscher unterstreichen ihre Klimawandel-Argumentation damit, daß „Ausmaß und Geschwindigkeit“ des Baumsterbens zunähmen. Aber nicht nur das Klima direkt sei schuld – sondern auch andere, natürlich menschgemachte Probleme förderten den Landverlust, zum Beispiel alte Entwässerungsgräben der Landwirtschaft.

Was nicht fehlen darf, sind – tata! – „Extremwettererignisse“, die laut IPCC ja eigentlich nicht zunähmen. Trotzdem, ist halt so, Dürre und Waldbrände, plus Sturmflut hätten zB. 2012 5.000 Hektar Geisterwald entstehen lassen.

Was den kritischen Leser von Spektrum wundert, ist, wie die Wissenschaftsredaktion eigentlich in der enormen Menge an Klima-Weltuntergangsliteratur, die weltweit mit Milliarden (oder schon Billionen?) Steuergeldern gefördert wird, solche eher schwachen Themen findet. Oder zeich




„Viele Klimaskeptiker bezweifeln auch die Coronagefahren“: neues Schmäh-Buch aus dem Herder-Verlag

„Intersektionalismus“, zu deutsch etwa „Schnittmengenbildung“, bezeichnet in den politisierten akademischen Fächern die Kombination unzusammenhängender Themen, um angeblich neue Forschungsfelder zu eröffnen. Damit kann man zusätzliche Fördergelder einwerben und strategische Allianzen von Interessensgruppen, die von Transfergeldern leben, begründen.

Insofern wundert es nicht, daß in dem gerade erschienen Buch im ehemals renommierten Herder-Verlag nicht nur „rechte Coronaleugner“, sondern auch „marktradikale Klimaleugner“ in die Pfanne gehauen werden. Die Spiegel-Journalistin Susanne Götze und die Correctiv-„Klimareporterin“ Annika Joeres haben dazu ein paar alte Behauptungen ihrer bisherigen Artikel und ihres Buches Die Klimaschmutzlobby aufgewärmt und sie als Kapitel in „Fehlender Mindestabstand“ zusammengeschrieben; ergänzt durch ein paar coronige Statements.

Gleich zu Beginn tragen die Autorinnen dick auf: Eine „altbekannte Allianz“ aus Klimaleugnern (wir), Marktradikalen (das sind wohl Marktwirtschaftler) und Rechtspopulisten (AfD & WerteUnion) mit „Grundmißtrauen gegen die Wissenschaft“ wetterte gegen das Corona-Regime der Regierung und ihrer treuen Journalisten.

Daß wir Aktiven von EIKE, Historiker, Physiker, Ingenieure, Biologen etc. so derart gegen Wissenschaft seien, ist schon eine interessante Behauptung. Oder meinten sie den Büffelfellträger aus dem Capitol in Washington?

Joeres und Götze behaupten zudem, daß auf den „Hygienedemos“ viele bekannte Klimaleugner zu sehen gewesen seien – ja wer denn?

Zu EIKE konkret meinen die beiden:

Mit dabei: der deutsche Verein EIKE, der sich selbst Europäisches Institut für Klima und Energie nennt. Der Verein befeuert die Skepsis gegenüber der Gefährlichkeit des Covid-19-Virus. Er hat seinen Sitz in Jena und hatte vor der Epidemie das Ziel, Zweifel am menschgemachten Klimawandel zu säen. Derzeit geht es beim Verein darum, wie angeblich „närrisch“ die politische Reaktion auf Corona ausfiel.

Nicht ganz, wir haben auch jetzt durchgehend das Ziel, Zweifel am Klima-Tamtam von Opportunisten zu säen; und nebenbei an allen anderen Panik-Kampagnen, die nur darauf abzielen, die Freiheit der Gesellschaft abzubauen und das Geld der Bürger von unten nach oben umzuverteilen (zum Beispiel in die Taschen von regierungstreuen Journalisten).

Danach wird ein bißchen mit der AfD verglichen, deren Arm EIKE angeblich ist, weil Michael Limburg Mitglied ist und Kontakt zu MdB Karsten Hilse hat. Von Hilse wird erwähnt, daß er zur Wendezeit Volkspolizist war. Schon lustig, daß eine Journalistin aus dem linken Lager, das die DDR mehr oder minder heimlich als das bessere Deutschland ansah, auch mit der DDR-Keule kommt, wenn es gerade nützlich ist. Nebenbei: Der gutaussehende Hilse war auch mal „Mister Brandenburg“. Ist das nicht kapitalistisch, klassistisch und attraktivistisch? Ich gebe zu, den letzten Ausdruck habe ich gerade erfunden. Hoffentlich bauen Joeres und Götze da jetzt keine neue NGO-Theorie drauf auf….

Im weiteren Text kommt etwas zum „Sturm“ auf den Reichstag, mit dem wir nichts zu tun hatten und bei dem es auch gar nicht ums Klima ging. Danach werden erwartungsgemäß Heartland und die Tabakindustrie erwähnt, Professor Werner Müller aus Mainz, Max Otte, Hans-Georg Maaßen und die WerteUnion, Piers Corbyn und Donald Trump. Man sieht, ein buntes Sammelsurium, das wirkt, als hätten die beiden Autorinnen krampfhaft versucht, einen Zusammenhang zwischen Klima- und Coronakritikern herzustellen. Es fehlt nur noch eines dieser hübschen Schaubbilder mit den Vernetzungen der Satanischen – am besten mit EIKE als dicker Spinne im Zentrum des Netzes. Ganz am Schluß schreiben die beiden allerdings etwas, dem wir zustimmen können:

„Ihr Ziel ist dasselbe geblieben wie im Kampf gegen Tabakverbote oder Klimapolitik:

Der Staat soll sich aus der Wirtschaft und dem Leben der Menschen heraushalten.“

Ja, weitgehend zumindest, denn der Staat ist zur Beute von Interessensgruppen geworden, zu denen sämtliche Autoren des vorliegenden Buches gehören.

Viel interessanter als der substanzlose Text von Joeres und Götze ist das Drumherum. Besonders pikant ist die Tatsache, daß das diffamierende und politisch einseitige Buch im katholischen Herder-Verlag erschien – er machte seit den 1980ern seine besten Geschäfte mit Büchern über die Päpste – Johannes Paul II., Benedikt XVI., und aktuell Franz I.

Wie kommt ein derart konservatives Haus dazu, klar linke Traktate zu veröffentlichen? Vielleicht liegt es an den beiden neuen Geschäftsführern, die erstaunlich jung sind, unter 40. Ein gewichtigerer Grund ist aber wohl – wie üblich – das liebe Steuergeld. Veröffentlicht wird das Buch nämlich mit „Unterstützung“ des Zentrum Liberale Moderne, einer jungen Berliner NGO, die weder modern noch liberal ist, sondern grün und ganz, ganz links. Gründer sind Marieluise Beck und Ralf Fücks von B‘90/Grüne. Finanziert wird der Verein – man ahnt es – natürlich auch aus dem Bundeshaushalt.

Man darf also davon ausgehen, daß die beiden jungen Geschäftsführer das Buch hauptsächlich verlegten, weil damit die berühmte „Staatsknete“ (taz) reichlich hereinkommt. Einmalig bringt das vielleicht nicht so viel – da aber die Regierung immer mehr Zeitungen indirekt einkauft, die wegen Linkslastigkeit und weitaus kompetenterer Konkurrenz im Netz pleite zu gehen drohen, ist damit zu rechnen, daß auch brave Verlagshäuser in Zukunft immer mehr sicheres Steuergeld erhalten können. Ob sie ihre Meinungs- – und PR-Bücher überhaupt verkaufen, ist gleichgültig, das Steuergeld kommt auch so herein; ähnlich den abschmierenden geförderten Zeitungen, deren Verkaufszahlen seit Jahren im freien Fall sind.

Daß die Regierung und ihr anschwillender NGO-Apparat auch konservative katholische Verlage schmiert, ist besonders delikat; so kann man vermutlich sicherstellen, daß sich hier keine christlichen Dissidenten sammeln, und zudem „Neutralität“ simulieren.

Daß der konservative Herder-Verlag sagen könnte, man habe nicht gewußt, wessen Bücher man hier verlegt, ist nicht wahrscheinlich, da neben Götze und Joeres die üblichen Verdächtigen der ganz linken NGO- und Zeitungsszene schreiben:

  • Sebastian Leber vom Berliner Tagesspiegel, der mit seinem Artikel „Danke, liebe Antifa“ 2014 einiges an Unverständnis erntete;
  • Herausgeberin Heike Kleffner, die laut Wiki als freie Journalistin über rechte Gewalt, Neonazis und die Situation von Asylanten unter anderem für die taz, Zeit Online, den Tagesspiegel, Jungle World, Jetzt und die Frankfurter Rundschau schrieb;
  • Herausgeber Matthias Meisner, der sich laut Wiki ausführlich mit den Demonstrationen der Pegida und der Diskussion um die Immigrationspolitik befaßt. Zu seiner Berichterstattung über die Themen Immigranten, AfD und Pegida, aber auch zur Rolle der sozialen Medien in der journalistischen Arbeit bezog er in verschiedenen Interviews Stellung, unter anderem für lügenpresse.de und beim Deutschlandfunk. Seit Dezember 2020 ist Meisner einer der Kolumnisten der Dresdner Migrantenorganisation Mission Lifeline.
  • Patrick Gensing, der umstrittene „Faktenchecker“ der Tagesschau
  • Matthias Quent von der Amateu-Antonio-Stiftung
  • Ralf Fücks vom oben erwähnten Zentrum liberale Moderne und B‘90/Grüne

Neben den Autoren sprechen auch die Überschriften der Kapitel und Buchteile Bände. Eine Auswahl:

  • Schlaglichter: von Stuttgart bis Washington DC

Die Wutbürger von der B96, Mit Bier und Sauna gegen Corona, Abstrus aber brandgefährlich (über QAnon)

  • Ideologien: von Rassismus bis Verschwörungsglaube

Der QAnon-Boom, „Corona und Bargeldabschaffung sind zwei Seiten einer Medaille“

  • Akteurinnen und Akteure (sic!) der neuen Allianz

Reichs- und Regenbogenfahnen, Polizisten auf Coronademonstrationen, Hetze die zum >Abschuß< freigibt

  • Die Angegriffenen: Beleidigungen, Hetzkampagnen, Morddrohungen

Sündenböcke der Pandemie, >Die Schimpfwörter werden bleiben< (über anti-asiatischen Rassismus)

 




Die Temperaturen im März und energiepolitische Wirrungen

Die weitere Entwicklung wird maßgeblich davon abhängig sein, ob La Niña ausläuft oder sich in der 2.Hälfte des Jahres verstärkt fortsetzt. Die Chancen stehen laut der US- amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA  60 zu 40, dass der Ost- Pazifik wieder bis Juni zu normalen Temperaturen (graue Balken) zurückkehrt. Danach erwartet die NOAA eher eine zweite La Niña (blaue Balken). Dann sind kühlere Temperaturen wie vor zehn Jahren zu erwarten.

von Prof. Vahrenholt

von Prof. Vahrenholt

Die Wirrungen der Energiewende: die Zerstörung des Schwarzwaldes durch Grün-Schwarz

Die Koalitionsgespräche in Baden-Württemberg zwischen Grünen und CDU haben den ersten Verlierer fest vereinbart den baden-württembergischen Wald. Die erste und offenbar wichtigste Vereinbarung der Sondierungsgespräche ist die Festlegung der „Vermarktung von Staatswald- und Landesflächen für die Windkraftnutzung. So können bis zu 1000 neue Windkraftanlagen entstehen“.
 Die bedeutendste Fläche des Landes ist in der Tat der Staatswald mit 329 000 ha Fläche. Zieht man von dieser Fläche die Nationalparkflächen ab (dort wird man es wohl nicht wagen, Schneisen zu schlagen), bleibt immer noch eine Fläche von 190 000 ha übrig. Davon müsste man eigentlich noch die Vogelschutzgebiete und FFH Gebiete, soweit sie nicht in den Nationalparkflächen enthalten sind, abziehen. Aber selbst wenn man das nicht tut, kommt ein Windrad (Minister Altmaier: Die Kathedralen der Energiewende) auf 190 ha. Das ist eine Fläche von 1,4 mal 1,4 km². Also stehen dann im Abstand von 1,4 km jeweils ein Windrad mit den entsprechenden Zufahrtsstraßen, die die Waldstücke zerschneiden.
Damit die Verbreitung in Windkraftanlagen in naturempfindlichen Gebieten besser vorankommt, hatte ja bereits im November 2020 AGORA Energiewende, der Thinktank, der die Bundesregierung berät, die Lockerung des Tötungsverbots geschützter Arten im Naturschutzrecht verlangt.

Doch selbst 1.000 Windkraftanlagen bieten keine gesicherte Stromversorgung im windschwachen Ländle. Der Wegfall der Kernkraftwerke wie Philippsburg 2 (immerhin 13 % der Stromversorgung), kann nur durch stärkeren Import von Strom aus dem Ausland kompensiert werden, darunter das älteste Kernkraftwerk der Welt, das Kernkraftwerk Beznau, das nur sechs Kilometer südlich der baden-württembergischen Grenze im Kanton Aargau steht. Baden-Württemberg verteufelt die Kernkraft, nimmt aber gerne den Strom aus ausländischen Kernkraftwerken.
Wer mag, kann ja mal 1000 Windkraftwerke in die dunkelgrünen Flächen der untenstehenden Grafik einzeichnen.

Quelle für die Grafik: ForstBW

Die Energiewende vor dem Scheitern 

Aber was für Baden-Württemberg schiefgehen wird, geht auch in ganz Deutschland nicht auf. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW rechnet durch den Kernenergieausstieg (-8 GW) und den Kohleausstieg (-10 GW) trotz eines Zubaus von 4 GW Gaskraftwerken bis Ende 2022 mit einer Unterversorgung Deutschlands mit Strom. Dadurch „sinkt bis 2023 die konventionelle Kraftwerkskapazität von heute 90 GW auf 75,3 GW. Die Jahreshöchstlast hingegen wird laut Prognose der Bundesnetzagentur dann etwa 81,8 GW betragen“. Da weder Wind- noch Solarenergie gesicherte Leistung liefern, wird es dann, so der BDEW, „eine Lücke an gesicherter Leistung“ geben.

Das ist mittlerweile auch dem Bundesrechnungshof (BRH) aufgefallen. In seiner Pressemitteilung zum Sonderbericht vom 30.März 2021 titelt der Rechnungshof: „Sichere und bezahlbare Stromversorgung zunehmend in Gefahr“. Es lohnt sich die Langfassung des Berichtes zu lesen. Selten ist ein Bundesministerium so abgewatscht worden, wie das Wirtschaftsministerium unter Peter Altmaier. Der Rechnungshof kommt zum Ergebnis, dass die durch den Kernenergie- und Kohleausstieg entstehenden Netzengpässe bis 2025 nicht beseitigt werden (S.30).
Der Bundesrechnungshof geht weiter davon aus, dass die Letztverbrauchspreise für Strom in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Schon heute liegen die Strompreise um 43% über dem Durchschnitt in Europa.
Nach seiner Auffassung wirken sich folgende Faktoren gleichzeitig auf die Strompreise aus:

•Der weitere Zubau nachfrageunabhängig produzierender Erneuerbare-Energien-Anlagen.

•der dadurch in großem Umfang notwendige Netzausbau und

derzeit noch fehlende Speicherkapazitäten für Strom aus erneuerbaren Energien.

Das Fazit ist alarmierend: „Der Bundesrechnungshof sieht die Gefahr, dass die Energiewende in dieser Form den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet, die finanzielle Tragkraft der letztverbrauchenden Unternehmen und Privathaushalte überfordert und damit letztlich die gesellschaftliche Akzeptanz aufs Spiel setzt. Nach Schätzungen aus dem Jahr 2016 müssen in den Jahren 2000 bis 2025 rund 520 Mrd. Euro (nominal) einschließlich der Netzausbaukosten für die Energiewende im Bereich der Stromerzeugung aufgebracht werden.“
Der Bundesrechnungshof bekräftigt deshalb seine Auffassung, dass es nicht vorrangig Ziel sein kann, die Energiewende „um jeden Preis“ umzusetzen.“(S.48)

Das hätte ich nicht besser formulieren können.
Mehr zu diesen Themen sehen Sie auf der Klimaschau Nr. 26 von Sebastian Lüning.