Das Ende des Erneuerbare-Energien-Wahns ist nah… sagt Michael Shellenberger

Erneuerbare Energien sind in Kalifornien und Deutschland ins Stocken geraten – Großbritannien kündigt Fracking zur Erdgasgewinnung an – Südkorea kürzt erneuerbare Energien, um Atomkraft zu finanzieren
Die globale Energiekrise scheint die Entschlossenheit westlicher Politiker gestärkt zu haben, den Übergang zur grünen Energie nicht nur fortzusetzen, sondern zu beschleunigen. Letzten Monat unterzeichnete US-Präsident Joe Biden ein Gesetz, mit dem 370 Milliarden Dollar für Windkraft, Solarenergie, Elektroautos und andere Formen grüner Technologie ausgegeben werden sollen. Die kalifornischen Gesetzgeber und Regulierungsbehörden haben kürzlich beschlossen, 54 Milliarden Dollar für saubere Technologien auszugeben, die Öl- und Gasbohrungen einzuschränken und den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor bis 2035 zu verbieten.
Und der Präsident der Europäischen Kommission bekräftigte gestern die „massiven Investitionen der Europäischen Union in erneuerbare Energien“, denn „sie sind billig, sie sind einheimisch, sie machen uns unabhängig“.
Aber der Schein kann trügen. In Wahrheit macht die Energiekrise die Grenzen der erneuerbaren Energien und den Bedarf an fossilen Brennstoffen schnell deutlich. Biden hat die politische Bedrohung durch hohe Benzinpreise erkannt und so viel Erdöl aus den strategischen Erdölreserven der Öffentlichkeit freigegeben, dass diese auf dem niedrigsten Stand seit fast 30 Jahren sind. Sechs Tage nachdem die kalifornischen Regulierungsbehörden den Verkauf von Verbrennungsmotoren verboten hatten, forderte der Netzbetreiber des Bundesstaates die Einwohner auf, ihre Elektrofahrzeuge aus Angst vor Stromausfällen nicht zwischen 16 und 21 Uhr aufzuladen. Und die europäischen Regierungen werden in diesem Winter über 50 Milliarden Dollar für neue und erneuerte Kohle- und Erdgaslieferungen und -anlagen ausgeben.
Offiziell setzen Regierungen und Unternehmen weiterhin auf große Investitionen in erneuerbare Energien und Elektrofahrzeuge. Weltweit werden die Solarinstallationen im Jahr 2022 so schnell steigen wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr. Toyota und Honda kündigten an, 2,5 Mrd. bzw. 4,4 Mrd. USD für die Herstellung von Elektrofahrzeugbatterien in den USA auszugeben, Piedmont Lithium kündigte an, in Tennessee eine Anlage zur Verarbeitung von Lithium für Elektrofahrzeuge zu bauen, und First Solar kündigte 1,2 Mrd. USD für eine neue US-Solarzellenfabrik an. Kalifornien wird 6,1 Milliarden Dollar für E-Fahrzeuge ausgeben. Und Europa hat seine Zusage, in den nächsten fünf Jahren 210 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien zu investieren, nicht zurückgenommen.
Doch andere Daten verkomplizieren dieses Bild. Die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von fossilen Brennstoffen ist in den letzten 20 Jahren von 86 % auf 84 % gesunken. Solar- und Windenergie liefern nur 5 % der weltweiten Energie. Und es gibt so wenige Elektrofahrzeuge, dass sie den Erdölverbrauch nur um ein halbes Prozent der weltweiten Nachfrage reduzieren.
Währenddessen stoßen Orte mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien an ihre Grenzen. Die Menge des kohlenstofffrei erzeugten Stroms in Kalifornien ist in den letzten zehn Jahren um 10 % zurückgegangen, da aufgrund der Dürre weniger Wasserkraft zur Verfügung stand und das Kernkraftwerk San Onofre, das 9 % der gesamten Stromerzeugung des Bundesstaates ausmachte, 2011 geschlossen wurde. In Deutschland ging die Gesamtmenge des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms im Jahr 2021 zurück, obwohl der Gesamtstromverbrauch stieg.
Kalifornien investierte Milliarden in Batterien, um Stromausfälle zu verhindern, und ist damit der Beweis dafür, dass Batterien kein Ersatz für Erdgas sind. Die Speicherung von nur zwölf Stunden Strom für die USA würde 1,5 Billionen Dollar kosten, stellt der Analyst Mark Mills in einem wichtigen neuen Bericht des Manhattan Institute fest,
„und in diesem Umfang würde die Nation immer noch regelmäßig im Dunkeln sitzen.“
Steigende Energiepreise, die Verschuldung der öffentlichen Hand und der weitaus höhere Materialbedarf der erneuerbaren Energien werden diese im nächsten Jahrzehnt vielerorts unerschwinglich machen. Solar- und Windenergieprojekte erfordern pro Energieeinheit etwa 300 % mehr Kupfer und 700 % mehr seltene Erden als fossile Brennstoffe. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur und anderer Organisationen benötigen Wind- und Solarenergie sowie Batterien 1.000 % mehr Stahl, Beton und Glas, 300 % mehr Kupfer und 4.200 %, 2.500 %, 1.900 % bzw. 700 % mehr Lithium, Graphit, Nickel und seltene Erden als fossile Brennstoffe, um die gleiche Energiemenge zu erzeugen.
Warum ist das so? Und was bedeutet das für die Zukunft der Energie?
Russlands Putin und Chinas Xi bauen Erdgas und Kernkraft aus, wollen aber, dass der Westen auf erneuerbare Energien umsteigt, und das aus gutem Grund.
Gestern warnten 40 Vorstandsvorsitzende europäischer Metallunternehmen vor der „existenziellen Bedrohung“ ihrer Industrien aufgrund von Energieknappheit und den „zusätzlichen Rohstoffen, die für die Abkehr von fossilen Brennstoffen benötigt werden“. Sie wiesen darauf hin,
daß „50 % der Aluminium- und Zinkkapazitäten in der EU aufgrund der Krise bereits vom Netz genommen werden mussten….Die Hersteller sehen sich mit Strom- und Gaskosten konfrontiert, die mehr als zehnmal so hoch sind wie im letzten Jahr und den Verkaufspreis für ihre Produkte weit übersteigen. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Schließung eines Werks sehr oft zu einer dauerhaften Situation wird, da die Wiedereröffnung mit erheblichen Unsicherheiten und Kosten verbunden ist.“
Wie wäre es, einfach Materialien aus China zu beziehen? Chinas Marktanteil an erneuerbaren Energien und EV-Mineralien ist bereits doppelt so hoch wie der OPEC-Anteil an Öl, stellt Mills fest und stützt sich dabei auf Daten der IEA und anderer. Die USA sind bei 17 erneuerbaren Energien und EV-kritischen Mineralien zu 100 % von Importen abhängig; bei 28 anderen machen die Importe mehr als 50 % der Inlandsnachfrage aus. China dominiert bereits die Solar- und Batterieproduktion. Mineralien machen 60-70% der Kosten für die Herstellung von Solarzellen und Lithiumbatterien aus.



Ana Elias: Der Einfluß der Sonne auf langfristige Veränderungen in der unteren und oberen Atmosphäre

14. Internationale EIKE Klima- und Energiekonferenz, IKEK-14, 12.-13. November 2021, Kultur- und Kongreßzentrum Gera

Prof. Dr. Ana G. Elias von der Universidad Nacional de Tucuman, Facultad de Ciencias Exactas y Tecnologia, Departamento de Fisica, Argentinien, spricht über den Einfluß der Sonne auf langfristige Änderungen der Erdatmosphäre. Ihr Vortrag als pdf




Maria da Assunção Araújo: Alarmist scenarios versus objective data on sea level changes

14. Internationale EIKE Klima- und Energiekonferenz, IKEK-14, am 12.-13. November 2021, Kultur- und Kongreßzentrum Gera

Prof. Dr. Maria da Assunção Araújo von der Universidade do Porto, Departamento de Geografia in Portugal ist Spezialistin für Meeresspiegelmessung. Deutsche Version mit Untertitel folgt. Ihre Präsentation finden Sie hier: 




Das „Neue Normal“ der Grünen ist und bleibt das Alte Normal

Grünfeld, Robert

Der langjährige Spiegel-Autor Gabor Steingart, jetzt Handelsblatt, schreibt im Focus über erhebliche Konsequenzen der Corona-, Energie- und Klimapolitikkrise. Aber nicht, was Sie jetzt denken – nein, die schöne neue grüne Welt westlicher Eliten sei ein Hirngespinst, das sich nun auflöse.

Steingart, der das Sturmgeschütz der Postdemokratie mutmaßlich wegen fortschreitenden Realitätsverlustes der Spiegel-Redaktion verließ, sieht vier zentrale Irrtümer des grün-westlichen Weltbildes, die sich nun offenbaren. Seine Gedanken mit Ergänzungen von uns:

  1. Ende des Ölzeitalters? Seit Anfang der 70er behaupten grüne Vordenker, das Erdöl sei bald erschöpft. Unfug – es wird laufend neues gefunden, und neue Quellen werden erschlossen. Die Macht des russischen Erdgases auf politischer Ebene stürzt Europa nach fast 50 Jahren wieder in eine Energiepreiskrise. Pikanterweise gemeinsam mit den Wind-und PV-Parks Europas, die ein Heidengeld kosten.
  2. Klimarettung sei DAS politische Weltthema. Nein, die westliche PR-Maschine läuft zwar auf Hochtouren und manipuliert auch das Denken der Menschen in Ostasien oder Südamerika. Die praktische Politik in den nichtwestlichen Ländern orientiert sich trotzdem an der Sicherung billiger Energieversorgung. Diktatorische Staaten nutzen zudem den westlichen Klimaalarmismus, um die Wirtschaft des Westens auseinander zu nehmen oder aufzukaufen.
  3. Die Zukunft gehöre der Dienstleistungsgesellschaft. Gilt nur für reiche und entwickelte Staaten in Europa oder Ostasien. Tatsächlich kann die „saubere“ Dienstleistungswirtschaft nur existieren, wenn irgendwo auf der Welt jemand die dreckige Produktion macht.
  4. Die USA seien die letzte verbliebene Großmacht. Denkste – das totalitär-stalinistisch regierte China mit seinem Manchester-Kapitalismus kann mit seiner steigenden Finanzkraft und seinen P(l)andemie-PR-Tricks die Welt bald genauso dominieren wie die USA nach dem Ersten Weltkrieg mit ihrer schieren Wirtschaftskraft. Hinzu kommt das militärisch und politisch starke Rußland, und das bevölkerungsreiche und wirtschaftlich expandierende Indien.

Steingarts kluges Fazit:  

Die neue Normalität erinnert sehr an die alte. Vielleicht sollten wir unseren Blick auf die Welt den Realitäten anpassen, auch wenn das schwer fällt. Leo Tolstoi ahnte es: „Alle wollen die Welt verändern, aber keiner sich selbst.“




Woher kommt der Strom? Insgesamt schwache Windstromerzeugung

Die 34. Woche des Jahres 2022 (Factsheet KW 34) zeichnete sich durch eine insgesamt schwache Windstromerzeugung bei für die Jahreszeit zufriedenstellender PV-Stromerzeugung aus. Weil der Wind weht, wie er will, kam es am bedarfsarmen Sonntag zur stärksten Windstromerzeugung der Woche. Zusammen mit dem PV-Strom und der nötigen konventionellen Ergänzung inkl. sehr teurem Gasstrom stürzte der Strompreis mit 60,80€/MWh weit unter die 100€/MWh-Marke. Der Sachverhalt belegt sehr schön, dass in erster Linie Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Das Merit-Order-Prinzip dient als technische Grundlage der Preisbestimmung. Der Sonntag belegt, dass der Strom bei erheblichem Überangebot plus wenig Nachfrage teilweise weit unter den Gestehungskosten der Kraftwerke abgegeben werden muss. Merit-Order-Prinzip hin oder her. Wobei das Narrativ – Je mehr regenerative Stromerzeugung, desto günstiger wird der Strompreis – ein ´vergiftetes` ist. Wenn denn die regenerativen aus welchen Gründen auch immer keinen oder zu wenig Strom liefern, muss der – unabdingbare – konventionelle Backup-Kraftwerkspark, der teuer erstellt und unterhalten werden muss, einspringen, damit die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Es gilt erstens: Keine Wind- und PV-Kraftwerke ohne konventionelles Backup. In der wirtschaftlichen Gesamtrechnung muss dieser Sachverhalt immer mitgedacht werden. Denn zweitens gilt: Die Stromversorgung eines Industrielandes, die auf die regenerativen Energieträger Wind- und Solarkraft baut, ist die teuerste überhaupt. Es müssen zwei Versorgungsstränge aufgebaut und unterhalten werden. Weil: Egal wie viele Windkraftanlagen – Die Sonne scheint nachts ohnehin nicht – gebaut wurden und werden: Wenn wenig oder sogar kein Wind weht, wird wenig oder kein Strom per Windkraft erzeugt. Die Prognose vom  22.8.2022 & 22.8.2040 mit 86% regenerativem Ausbau  von Agora-Energiewende belegt das eindrucksvoll. Von 9:00 bis 16:00 Uhr deckt die Solarkraft den Strombedarf. Ansonsten gingen ohne den konventionellen Backup-Kraftwerkspark die Lichter aus. Selbstverständlich haben die Freunde der Energiewende sofort den Gedanken „Speicher“ im Kopf. So viele Speichermöglichkeiten gibt es nicht, wird es nicht geben. Denn das Problem besteht nicht nur an dem einem Tag. Es besteht die ganze Woche, ja sogar den kompletten August 2022. Im Sommer scheint nun mal oft die Sonne, der Wind weht selten und schwach. Die Auswirkung auf die Preise wird katastrophal sein. Wenn konventioneller Strom benötigt zur Deckung des Bedarfs nötig wird, gehen sie durch die Decke. In der Mittagsspitze, wenn Deutschland überschüssigen PV-Strom verkaufen muss, gehen die Strompreise in den Keller. Bei dem erkennbar massiven Überangebot wahrscheinlich sogar häufig in den negativen Bereich.

Detailanalysen

Bei der Tabelle mit den Werten der Energy-Charts und dem daraus generierten Chart handelt es sich um Werte der Nettostromerzeugung, den „Strom, der aus der Steckdose kommt“, wie auf der Website der Energy-Charts ganz unten ausführlich erläutert wird. Nutzen Sie den höchst empfehlenswerten virtuellen Energiewende-Rechner. (Wie viele Windkraft- und PV-Anlagen braucht es, um Kohle- und/oder Kernkraftstrom zu ersetzen? Zumindest im Jahresdurchschnitt.) Ebenso den bewährten Energierechner.

Schauen Sie sich an, wie sich eine angenommene Verdopplung (Original-Excel-Tabelle) beziehungsweise Verdreifachung (Original-Excel-Tabelle) des Wind- und Photovoltaik (PV)-Stroms auswirken würde. Beachten Sie bitte, dass der Strom bei entsprechender Kennzeichnung im Chart (= 1) oft eben nur im Tagesdurchschnitt ausreicht.

Sogar bei einer angenommenen Verdreifachung würde es nicht immer reichen, die Stromversorgung Deutschlands sicher zu stellen. In der Vergangenheit war und aktuell ist die regenerative Stromerzeugung zur kompletten Bedarfsdeckung „Strom in Deutschland“ praktisch immer unzureichend. Dieser Chart belegt den Sachverhalt eindrucksvoll. Man erkennt darüber hinaus, dass zum Beispiel gut 40 Prozent regenerative Stromerzeugung im Jahr 2021 nur ein Durchschnittswert sind, und dass die gut 50 Prozent im Jahr 2020 trotz Zubaus weiterer regenerativer Stromerzeugungsanlagen durchaus nicht sicher erreicht werden. Der Wind, der Wind, das himmlische Kind, der Wind macht halt, was er will. Wobei noch ein physikalisch-technisches Problem hinzukommt: Weht der Wind schwach, wird – wie aktuell – wenig Strom produziert. Weht er richtig stark, wird sehr viel Strom produziert. Dann müssen die Windkraftanlagen unter Umständen aus dem Wind genommen, abgeregelt werden.

Der Chart mit den Import- und Exportzahlen bis zum 28. August 2022 sowie der Vortrag von Professor Brasseur von der TU Graz sind sehr erhellend. Prof. Brasseur folgt nicht der Wissenschaft. Er betreibt Wissenschaft.

Die aktuelle WiSo-Dokumentation ist dank Prof. Schwarz von der BTU Cottbus und diversen Energiewendeprotagonisten (Graichen, Kemfert, Paech) in jeder Hinsicht informativ. Dass die Energiewende faktisch gescheitert ist, veranschaulicht auch Professor Fritz Vahrenholt in seinem Vortrag beim „Berliner Kreis in der Union“.

Am 30.8 2022 erschien ein neuer Artikel der enexion-group, der sich mit der Entwicklung der Energiewende seit dem Jahr 2016 und des Einflusses von Angebot und Nachfrage auf die Preisbildung beschäftigt.

Beide Teile der Betrachtung „Leschs-E-Auto-Analyse“ zusammen finden Sie hier. Weiterhin lesenswert ist der Artikel vom 3. Juni 2022 der Enexion-Kolumne zur Energiewende: Energiewende & die Bundesnetzagentur, Politik und Gaswirtschaft. Sehr zu empfehlen ist das aktuelle Kompendium für eine vernünftige Energiepolitik der Bundesinitiative Vernunftkraft e.V. Es kann auch als Nachschlagewerk genutzt werden.

Beachten Sie bitte unbedingt die Stromdateninfo-Tagesvergleiche, möglich bis 2016, in der jeweiligen Tagesanalyse unten. Dort finden Sie die Belege für die im Analyse-Text angegebenen Durchschnittswerte und vor allem auch die Im- und Exportwerte. Der Vergleich beinhaltet einen Schatz an Erkenntnismöglichkeiten. Das Analysewerkzeug  stromdaten.info ist ein sehr mächtiges Instrument, welches mit dem Tool „Fakten zur Energiewende“ nochmals erweitert wurde. Falls Sie die Agora-Handelstage vermissen: Bitte die in den Tagesanalysen verlinkte Agora-Chartmatrix aufrufen.

Wichtige Info zu den Charts: In den Charts von Stromdateninfo ist Solarstrom gelb markiert und immer oben, oft auch über der Bedarfslinie. Das bedeutet aber nicht, daß dies der Strom ist, der exportiert wird. Im Gegenteil. Wegen des Einspeisevorrangs wird dieser Strom, genau wie anderer regenerativ erzeugter Strom, bevorzugt in das Netz eingespeist. Zum Export bleibt praktisch nur konventionell erzeugter Strom übrig, der immer allein aus Netzstabilisierungsgründen benötigt wird. Gleiches gilt für zusätzliche Stromsenken, umgangssprachlich Stromverbraucher genannt. Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge zum Beispiel erhöhen den Bedarf erheblich, so sie denn im geplanten Umfang realisiert werden sollten. Der hierfür zusätzlich benötigte Strom wird aber durchaus nicht regenerativ gedeckt. Die Sonne scheint nicht mehr und länger, der Wind weht nicht stärker, nur weil zusätzlicher Strom benötigt wird. Deshalb wird der zusätzlich benötigte Strom aktuell immer zusätzlich konventionell erzeugt. Jedenfalls so lange, bis der „massive Ausbau“ der „Erneuerbaren“ plus Speicher realisiert wurde und 100 Prozent grüner Strom nicht nur im Durchschnitt, sondern auch tatsächlich zur Verfügung steht, wenn er benötigt wird.

Tagesanalysen

Montag, 22.8.2022: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 47,63 Prozent, davon Windstrom 7,89 Prozent, PV-Strom 23,19 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,55 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix mit Handelstag „Strom-Import/Export“.

Der Wochenanfang bringt bis auf den Mittagszeitraum kaum regenerativ erzeugten Strom. Der Preis von 835€/MWh, der um 20:00 Uhr aufgerufen wird, ist noch lange nicht der Spitzenpreis der Woche. Die Im- und Exportwerte Deutschlands und die von Deutschlands Nachbarn können hier analysiert werden.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 22. August ab 2016.

Dienstag, 23.8.2022: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 41,78 Prozent, davon Windstrom 9,69 Prozent, PV-Strom 19,74 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,35 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix mit Handelstag „Strom-Import/Export“.

Etwas stärkere Windstromerzeugung auf niedrigem Niveau. Heute liegt der Spitzenpreis um 19:00 bereits bei 957€/MWh. Die Im- und Exportwerte Deutschlands und die von Deutschlands Nachbarn können hier analysiert werden.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 23. August ab 2016.

Mittwoch, 24.8.2022: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 41,35 Prozent, davon Windstrom 9,76 Prozent, PV-Strom 19,43 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,16 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix mit Handelstag „Strom-Import/Export“.

Frage: Was wäre ohne konventionelle Kraftwerke? Es wäre sofort alles dunkel! Sie sind absolut notwendig. Deshalb überschreitet der Preis die 1.000€/MWh-Grenze. Die Im- und Exportwerte Deutschlands und die von Deutschlands Nachbarn können hier analysiert werden.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 24. August ab 2016.

Donnerstag, 25.8.2022: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 41,30 Prozent, davon Windstrom 10,09 Prozent, PV-Strom 18,99 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,21 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix mit Handelstag „Strom-Import/Export“.

Ein ähnliches Bild wie gestern. Der Preis allerdings fällt in der Spitze heute unter die 1.000€/MWh-Marke. Die Im- und Exportwerte Deutschlands und die von Deutschlands Nachbarn können hier analysiert werden.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 25. August ab 2016.

Freitag, 26.8.2022: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 38,38 Prozent, davon Windstrom 11,76 Prozent, PV-Strom 13,97 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,64 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix mit Handelstag „Strom-Import/Export“.

Der Freitag wartet mit magerer PV-Stromerzeugung auf. Deshalb eine gewaltige Stromlücke am Vormittag, die mit über 1.000€/MWh zum Beispiel um 8:00 geschlossen werden muss. Die Vorabend-Stromlücke fällt sehr gering aus. Der Wind frischt zum Abend auf. Gemeinsam mit erhöhtem Pumpspeicherstrom wird der Stromimport zum Vorabend minimiert. Die Im- und Exportwerte Deutschlands und die von Deutschlands Nachbarn können hier analysiert werden.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 26. August ab 2016.

Samstag, 27.8.2022: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 41,60 Prozent, davon Windstrom 17,57 Prozent, PV-Strom 9,78 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,25 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix mit Handelstag „Strom-Import/Export“.

Das Wochenende beginnt. Wenig PV-Strom, wenig Bedarf. Die Windstromerzeug aber zieht über Tag an. Deshalb nur am Vormittag eine kleine Strom-Versorgungslücke. Das Preisniveau sinkt. Die Im- und Exportwerte Deutschlands und die von Deutschlands Nachbarn können hier analysiert werden.

Belege für die Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 27. August ab 2016.

Sonntag, 28.8.2022: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 53,91 Prozent, davon Windstrom 23,47 Prozent, PV-Strom 16,67 Prozent Strom Biomasse/Wasserkraft 13,77 Prozent. Quelle der prozentualen Auswertung ist die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts. Die Agora-Chartmatrix mit Handelstag „Strom-Import/Export“.

Sonntag: Noch weniger Bedarf. Die regenerative Stromerzeugung aber zieht an. Die Preise purzeln in den Keller (60,80€/MWh um 14:00 Uhr) wie bereits oben ausführlich erläutert. Um zum Nachfragestarken Vorabend wieder in Richtung 700€/MWh anzusteigen.  Importstrom ist heute nicht gefragt. Das Geld bleibt unter dem Strich bei den einheimischen Strom-Erzeugern. Bezahlt wird der „Spaß“ wie immer vom deutschen Stromkunden. Wenn er es denn kann und/oder will. Da habe ich beim größten Teil der Menschen, Firmen und Betriebe bei den aktuellen Preisen (Durchschnitt seit Jahresbeginn) meine Zweifel. Die Im- und Exportwerte Deutschlands und die von Deutschlands Nachbarn können hier analysiert werden.

Belege für die Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 28. August ab 2016.

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.