Neue Rekorde auf dem Weg zur Kernfusion – Klimaschau 129

Die Klimaschau informiert über Neuigkeiten aus den Klimawissenschaften und von der Energiewende. Themen der 129. Ausgabe:

0:00 Begrüßung 0:18 Neue Rekorde in der Kernfusion 8:29 Manche Insekten mögen’s heiß 9:37 Das wärmende Ozonloch




Die Wochen vor dem Notstand – von Fritz Vahrenholt

Fritz Vahrenholt

Bevor wir auf die zu befürchtenden Notstandssituationen durch unzureichende Gas-und Stromversorgung in Deutschland eingehen, werfen wir einen Blick auf die Temperaturentwicklung.
Die Abweichung der globalen Temperatur vom 30-jährigen Mittel der satellitengestützten Messungen der University of Alabama (UAH) ist im September 2022  gegenüber dem August geringfügig von 0,28 Grad auf 0,24 Grad Celsius gefallen. Die durchschnittliche Temperatursteigerung pro Jahrzehnt beträgt seit 1979 0,13 Grad Celsius, eine wenig besorgniserregende Entwicklung.

 

Die Deindustrialisierung Deutschlands geht weiter
Minister Habeck kümmert sich nicht um die reale bescheidene Temperaturentwicklung. Seine Pressekonferenz zum vorzeitigen Kohleausstieg im rheinischen Revier begann er am 4.10. mit den dramatischen Worten:
In einer Zeit, in der Politiker die Menschen auffordern, sich auf länger als 72 Stunden andauernde Stromabschaltungen vorzubereiten, in einer Zeit, in der reihenweise Betriebe wegen zu hoher Strompreise die Produktion einstellen, in einer Zeit, in der für viele Familien die Strom- und Gasrechnungen unbezahlbar werden, schwingt der Wirtschaftsminister die große Keule der Angst über eine Klimaentwicklung, die von der Realität (s. Grafik oben) nicht gedeckt ist. Er braucht aber die Angstkulisse, weil er mittlerweile merkt, dass seine Energiepolitik des doppelten Ausstiegs aus  Kernenergie und Kohle brandgefährlich für das Land und die Menschen ist. Und so muss er wiederwillig die zeitlich begrenzte Rückkehr  in die Kohlekraftverbrennung „begrünen“ mit dem Versprechen: Bis März 2024 zurück in die Kohle und danach umso schneller wieder aus der Kohle auszusteigen.
Zwölf Kohlekraftwerke mit 7 GW sollen aus der Reserve geholt werden oder nicht stillgelegt werden, um die Stillegung der 3 letzten Kernkraftwerke  (4,5 GW) zu kompensieren und Gaskraftwerke zu einem kleinen Teil zu ersetzen. Diese Kohlekraftwerke sollen bis März 2024 weiterlaufen. Und was kommt dann?
Um dem angeschlagenem Wirtschaftsminister hinsichtlich der damit verbundenen CO2-Mehremissionen zu helfen, sprangen ihm RWE-Chef Markus Krebber und die CDU/Grüne- Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zur Seite. Man habe sich geeinigt, den Braunkohleausstieg, der für 2038 geplant war, nunmehr um acht Jahre auf 2030 vorzuziehen und 3.000 MW Braunkohlekraftwerke bereits  2030 stillzulegen. Krebbers Wahlkampfhilfe für die Grünen, deren Zustimmungswerte sich vor der Niedersachsen-Wahl am 9.10. im Absturz befinden, wird auf dem Rücken der 5.500 Kumpel im rheinischen Revier vorgenommen, deren Stellen 2030 gestrichen werden. Krebber behandelt die Arbeitnehmer als Spielmasse: erst werden Hunderte aus dem Vorruhestand gerufen, die Braunkohlekraftwerke Neurath und D und E bis 2024 weiterzubetreiben, danach gehen tausende Arbeitsplätze verloren. Dabei sind nicht einmal diejenigen Arbeitplätze eingerechnet, die als Zulieferer für die Kraftwerke oder Abnehmer von günstigem Braunkohlestrom in Schwierigkeiten kommen. Denn der Verzicht auf Braunkohle muss durch teurere Kraftwerke ersetzt werden, die aber erst noch gebaut werden müssten. Und jeder Energieexperte fragt sich, wie denn die wegfallenden Strommengen ersetzt werden sollen.
Auch hier verteilt der hilfsbereite RWE Vorstandsvorsitzende Krebber politisch orientierte Beruhigungspillen: Es sollen Gaskraftwerke her, die so schnell wie möglich auf Wasserstoff umgestellt werden können. Krebber merkt selbst, dass das völlig unwirtschaftlich ist:
Aber er kennt das Gegengeschäft der Bundesregierung für ihren wohlgefälligen Vorstandvorsitzenden. Der Bund werde „einen Rahmen schaffen, um Investitionen in diese Anlagen zu ermöglichen“, anders ausgedrückt: RWE mit Dauersubventionen aus Steuermitteln zu unterstützen. Krebber:
„RWE wird sich an dieser Ausschreibung beteiligen. Ich gehe davon aus, dass ein großer Teil, wenn nicht alles, von RWE bereitgestellt wird.“
RWE macht sich vom Acker : 5,9 GW Braunkohle werden im rheinischen Revier bis 2030 geschlossen. Als mögliche Kompensation werden Investitionen in 1 GW unzuverlässiger Erneuerbarer Energien und 3 GW vom Steuerzahler subventionierte Gaskraftwerke angekündigt. Letztere sollen ab 2030 zu 50 % durch Wasserstoff gespeist werden und ab 2035 vollständig durch Wasserstoff.
Es ist aber völlig illusorisch, diese Wasserstoffmengen für Wasserstoff-ready-Gaskraftwerke bis 2030 bereitzustellen. Die Stahlindustrie allein benötigt für eine Umstellung von 25 Mio. t Roheisenerzeugung im Hochofen mit Wasserstoff 2 Mio. t Wasserstoff. Um nur diese Menge an Wasserstoff zu produzieren, werden etwa 110 TWh erneuerbaren Stroms benötigt. Das entspricht der heutigen gesamten Windstromproduktion an Land, vom Strom für die E-Mobilität, die Wärmepumpen, die chemische Industrie, den Flug-und LKW Verkehr ganz zu schweigen. Das Versprechen Krebbers entpuppt sich als die gleiche Wolkenschieberei, die wir von Wirtschaftsminister Habeck kennen. Für Kraftwerke wird kein Wasserstoff da sein und er wird unbezahlbar sein. Wir wissen heute noch nicht, wie er transportiert oder wie er gespeichert werden soll.
Die erste kleine Versuchsturbine von Kawasaki soll 2024 ausprobiert werden.. Aber ausgestiegen wird heute mit der Begründung, dass RWE sich damit auf dem 1,5 Grad-Ziel des Weltklimarates befinde. In Wirklichkeit will man eines kaschieren: RWE sucht das Weite. RWE interessiert es nicht mehr, was aus dem Standort Deutschland wird. Anstatt für grüne Kohlekraftwerke mit CO2-Abscheidung in Deutschland zu kämpfen, will man zwei Drittel der Investitionen bis 2030, etwa 25 Milliarden € im Ausland tätigen. Parallel zur Pressekonferenz mit Minister Habeck wurde bekannt, dass RWE für 6,8 Milliarden Dollar das US-amerikanische Solar- und Windkraftunternehmen  Con Edison Clean Energy Businesses übernimmt.
Hier die Sterbetafel der Braunkohlekraftwerke, die nun noch einmal durch den Ausstieg von RWE in 2030 verschärft wurde. Und wenn es nach Wirtschaftsminister Habeck geht, erfolgt die Fortsetzung des Ausstiegs in den Braunkohlerevieren des Ostens.
Nach dem Bergbau kämpft die Chemieindustrie ums Überleben
Wenn die Kumpel im Tagebau gehofft hatten, dass ihre Gewerkschaft für eine Zukunft der Braunkohle, etwa durch eine Weiterentwicklung zur grünen Braunkohle mit CO2-Abscheidung kämpft, wurden sie eines Besseren belehrt. Der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis machte lediglich darauf aufmerksam, dass es keine Abweichung von den versprochenen staatlichen Anpassungsgeldern und Vorruhestandsversorgungen geben darf. Von der SPD in Nordrhein-Westfalen war ohnehin kein Widerstand mehr zu erwarten. Mit industriellen Arbeitsplätzen in der Rheinschiene kann die Landespartei schon lange nichts mehr anfangen. Deswegen verliert sie auch den Zuspruch der Facharbeiter, Ingenieure, der Arbeiter im Handwerk und in der Industrie.
Allein die östlichen Ministerpräsidenten ließen sich nicht von der Ausstiegsorgie aus dem einzigen bedeutsamen heimischen Energieträger mitten in der tiefsten Energiekrise, die Deutschland jemals erlebt hat, anstecken. Nach MP Reiner Haseloff würde ein Ausstieg vor 2038 den Industriestandort Deutschland „nachhaltig schwächen“ .
Auch der Ministerpräsident von Brandenburg, Dietmar Woidke, reagierte ablehnend:
Beide Ministerpräsidenten ließen sich nicht von den unverschämten, arbeitnehmer- und industriefeindlichen Sprüchen des Staatsekretärs im Wirtschaftsministerium, Michael Kellner, beeindrucken. Kellner, von 2013 bis  2021 Politischer Bundesgeschäftsführer der GRÜNEN hatte gefordert:
Aber Kellner ist ein ideologischer Politruk, dem die Linie der Partei vor den Interessen des Landes wichtiger ist. Er hätte sich schlau machen können über die weltweiten Bemühungen, aus Verbrennungsprozessen CO2 abzuscheiden, so wie es das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz vor zehn Jahren schon entwickelt hat. Nicht die nächste Stufe der technischen Entwicklung des CO2-freien Kohlekraftwerks zählt, sondern das auf Parteitagen gepflegte dumme Vorurteil der „dreckigen Kohle“. Die CO2-Abscheidung, wie sie ihn Norwegen, den USA und Kanada mittlerweile praktiziert wird, würde die CO2-Emissionen schneller und kostengünstiger senken als die Habeckschen und Krebberschen Phantome von Wasserstoffkraftwerken.
Im Osten spürt man die Gefahr, die sich mit dem Braunkohleausstieg verbindet. Man spürt dort auch schon die Folgen des Ölboykotts der Druschba-Pipeline. Im Chemiepark Leuna wurde die Produktion auf die Hälfte gedrosselt. In Schwedt bangen die Menschen um ihre Zukunft. Die Hoffnung des Bundeswirtschaftsministers, Erdöl über den Hafen Danzig anliefern zu lassen, lässt sich bislang nicht realisieren, da die polnische Regierung sich dagegen sperrt, die Raffinerie zu beliefern, solange die russische Rosneft an der Raffinerie beteiligt ist. Der polnischen Regierung reicht es nicht, wenn die Raffinerie unter die Treuhandschaft der Bundesnetzagentur gestellt wird. Sie verlangt die Enteignung.
Beim Stillstand von Schwedt und Leuna kippt die gesamte ostdeutsche chemieverarbeitende Industrie, mit Dominoeffekten von der Elektrotechnik bis zum Maschinenbau. Auch die Bauwirtschaft  wird getroffen. 100 % des Bitumens und des Asphalts kommen in Ostdeutschland aus Schwedt.
In einer die Industriearbeitsplätze bedrohenden Lage von knappen und zu teuren Energieträgern Gas, Öl und Strom, dürfen nicht weitere Abschaltungen erfolgen,  sondern das Energieangebot muss erweitert werden. Da geht es um die eigene Erdgasförderung, um CO2-reduzierte Braunkohle und um Kernenergie. Stattdessen versucht die Bundesregierung mit immer neuen Rettungschirmen die Preise über Staatsschulden abzupuffern. Das wird nicht lange gut gehen.
Die Initiative Rettet unsere Industrie will auf diese falsche Weichenstellung aufmerksam machen. Hier kann man sich informieren und den Aufkleber fürs Auto bestellen. Atomkraft nein danke war gestern-  heute heißt es :
„Rettet unsere Industrie“.



Katastrophale Energiewende nur in Europa, Australien und USA? Mitnichten – sogar Bangladesch leidet

In Sri Lanka wurde wegen angeordneter „ökologischer“ Düngemittelverringerung und anschließender drohender Hungersnot die Regierung regelrecht verjagt. Der Vorfall zeigte, daß die Klimarettungs-Agenda internationaler Finanz- und Wirtschaftskreise nicht nur die Wirtschaft der Industrieländer ruiniert, sondern vor allem die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern in den Hunger treibt.

Passend dazu schreiben die Kollegen von der Freien Welt, daß im bitterarmen Bangladesch gerade ähnliches geschieht:

In Bangladesch sind am Dienstag 130 Millionen Menschen von einem landesweiten, siebenstündigen Stromausfall getroffen worden, 75% der Bevölkerung. Das bettelarme Land hat – ähnlich wie Deutschland – unter Druck von »Klimaaktivisten« auf Erdgas und »Erneuerbare« statt Kohle und Dieselkraftwerke umgestellt und leidet jetzt unter der weltweiten Gasknappheit.

2021 stellte Bangladesch den Bau von zehn neuen Kohlekraftwerken ein und verlässt sich nun zu 50% auf Erdgas, das um 23% teurer geworden ist. »Klimaaktivisten« drängen das Land darauf, von billigen, zuverlässigen fossilen Energieträgern wie Kohle und Diesel auf unzuverlässige, teure »erneuerbare« Energie umzusteigen.

Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt und produziert nur 0,09% des CO2-Ausstoßes weltweit. CO2 ist ein ungiftiges, natürlich auftretendes Gas, das nur 0,04% der Erdatmosphäre ausmacht. Davon sind etwa 4% vom Menschen gemacht.

D.h. der gesamte jährliche CO2-Ausstoß von ganz Bangladesch beträgt etwa ein 100-Millionstel der Erdatmosphäre. Deswegen erleiden die Bangladeschis jetzt landesweite Stromausfälle, die 160 Mio. Menschen in Gefahr bringen.

Das Wirtschaftswachstum von Bangladesch, einem wichtigen Hersteller der Modeindustrie, wird dieses Jahr voraussichtlich nur 6,6% statt 7,1% betragen. Textilhersteller beklagen regelmäßige zehnstündige Stromausfälle.

Seit Juli verordnet die Regierung »rollende Blackouts« um das Stromnetz zu entlasten. Bei Protesten gegen die Einschränkungen wurden drei Menschen getötet und mindestens 100 verletzt, so die Times of India.

Kritiker wie Michael Shellenberger und Jordan Peterson werfen »Klimaaktivisten« vor, die »Klimawende« gehe in erster Linie zu Lasten der Ärmsten der Welt.




Wortmeldung: Habeck mal wieder überfordert – Woher kommen die Mondpreise?

.. fragt Kollege Martin Moczarski von eigentümlich frei!




Lebensgefährliche Kernkraft – oder lebensgefährliche Energiewende? Michael Shellenberger fragt – und antwortet!

Grünfeld, Robert

Daß die Klimarettung und die Energiewende ausgesprochen natur- und umweltfeindlich sind, wissen nicht nur Anwohner auf dem Land, die riesige Windrotoren in der Nachbarschaft ertragen müssen. Daß Kernkraftwerke nicht nur wesentlich ökologischer sind als „Erneuerbare“, sondern auch wesentlich gesünder für die Menschen, ist ebenfalls ein seit 45 Jahren geleugneter Fakt.

Auf seinem Blog bei Substack analysierte der kritische Naturschützer Michael Shellenberger gerade die Zahlen der Opfer von Kernkraft und – Lithium-Akkumulatoren! Hier ein übersetzter Auszug aus seinem Text:

Seit Jahrzehnten weisen Kritiker von Kernkraftwerken auf deren einzigartige Gefährlichkeit hin. Bei einem Verlust des Kühlwassers für die Reaktorkerne können die Betreiber die Kontrolle verlieren, so dass diese schmelzen und möglicherweise giftige Partikel in die Umwelt gelangen. Bei Nuklearunfällen müssen die Menschen Schutzräume aufsuchen und Fenster und Lüftungsöffnungen schließen, um das Einatmen von strahlendem Feinstaub zu vermeiden. Außerdem können sich Atomunfälle auf unvorhersehbare und mysteriöse Weise entwickeln, z. B. durch Wasserstoffgasexplosionen, wie sie beim Atomunfall in Fukushima 2011 auftraten.

Dennoch sind Kernkraftwerke nach wie vor die sicherste Art der Stromerzeugung und eine der harmlosesten aller menschlichen Aktivitäten. In den Vereinigten Staaten ist noch nie jemand an den Folgen der Kernenergie gestorben, niemand wird an der Strahlung des Unfalls von Fukushima im Jahr 2011 sterben, und nur etwa 200 Menschen haben ihr Leben durch das Feuer und die Strahlung des Brandes von Tschernobyl verkürzt. Und da Kernkraftwerke die Verbrennung fossiler Brennstoffe verhindern, haben sie nach Berechnungen des Klimawissenschaftlers James Hansen bis heute fast zwei Millionen Menschenleben gerettet.

Die Fähigkeit, durch die Spaltung von Atomen enorme Wärmemengen freizusetzen, hat in der Tat eine einzigartige Gefahr in die Welt gebracht, aber aus jahrzehntelanger Erfahrung ist klar, daß die Einzigartigkeit der Gefahr von Kernkraftwerken darin besteht, wie wenige Menschen sie töten, aber wie viele sie erschrecken. In Fukushima und Tschernobyl wurden weit mehr Menschen durch die zu umfangreichen und zu langen Evakuierungen verletzt als durch die strahlenden Partikel.

Und nun zeigt eine Reihe von tödlichen Unfällen, daß sogar Lithiumbatterien tödlicher sind als Atomkraft. Am vergangenen Samstag kam ein achtjähriges Mädchen in New York City bei einem Brand ums Leben, der durch eine Lithiumbatterie in einem Elektroroller ausgelöst wurde. Allein in New York City forderten Brände von Lithiumbatterien im Jahr 2021 drei Todesopfer und 57 Verletzte, während in der ersten Hälfte des Jahres 2022 fünf Menschen getötet und 73 verletzt wurden.

Bei einem Brand in einer Tesla-Batterieanlage in Moss Landing in Monterey County, Kalifornien, wurde heute Morgen so viel giftiger Rauch freigesetzt, dass die Feuerwehr und der Sheriff einen Schutzraum anordneten und die Bevölkerung aufforderten, Fenster und Lüftungsöffnungen zu schließen und mehrere Straßen zu sperren. Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind Schutzraumanordnungen nicht nur bei nuklearen Unfällen üblich, sondern werden auch zum Schutz der Bevölkerung vor chemischen Bränden und anderen Unfällen eingesetzt.

Brände von Lithiumbatterien sind ebenso wie Nuklearunfälle unvorhersehbar, mysteriös und schwer zu beherrschen. Die Batteriebrände, die 2013 die ersten Boeing 787 Dreamliners am Boden hielten, waren schwer zu kontrollieren und mysteriös. Ein Tesla, der drei Wochen lang auf einem Schrottplatz in Sacramento stand, fing spontan, wiederholt und auf mysteriöse Weise Feuer.

„Die Batterien haben das Feuer immer wieder neu entfacht“, so die Feuerwehrleute, die es nur dadurch stoppen konnten, dass sie den Tesla auf die Seite drehten.

Lithiumbatterien sind also tödlicher und gefährlicher als Atomkraftwerke. Das gilt natürlich für die USA, wo die Kernkraft noch nie jemanden getötet hat. Aber es gilt wahrscheinlich auch weltweit, oder es wird gelten, wenn man die steigende Zahl der Todesopfer durch Lithiumbrände in den nächsten zehn Jahren betrachtet, und vor allem, wenn man die Todesfälle pro Energieeinheit berechnet, da in Kernkraftwerken viel mehr Strom erzeugt als in Batterien gespeichert und geliefert wird.

All dies wirft eine Frage auf: Wenn Lithiumbatterien so viel gefährlicher sind als Kernkraftwerke, warum ist die Kernkraft dann so viel mehr gefürchtet?

Der offensichtliche Grund für die Angst der Menschen vor der Kernenergie sind die Unfälle. Ein Atomunfall ist die größte Geschichte der Welt. Feuerwehrleute kämpfen darum, das Feuer zu löschen und die Reaktorkerne zu kühlen. Die Behörden versuchen, die Öffentlichkeit zu beruhigen und zu besänftigen, was ihr Misstrauen noch verstärkt. Die verwirrenden Strahlungswerte sind messbar erhöht. Die Anwohner fliehen.

Und die Unfälle scheinen das breitere gesellschaftliche Trauma zu absorbieren. Die Kernschmelze von Three Mile Island in Pennsylvania im Jahr 1979 ereignete sich nur wenige Tage nach der Veröffentlichung des Anti-Atomkraft-Thrillers China-Syndrom, der von einem Zynismus gegenüber der Regierung und den Unternehmen nach dem Vietnamkrieg geprägt war. Der Vorfall von Tschernobyl 1986 ereignete sich nach Jahren der sowjetischen Stagnation, der Angst vor einem Atomkrieg mit dem Westen und wachsenden internen Forderungen nach Demokratie. Und der Unfall in Fukushima im Jahr 2011 ereignete sich nur wenige Stunden, nachdem rund 15 000 Menschen durch einen Tsunami ums Leben gekommen waren, und nach Jahren des wachsenden Mißtrauens der Öffentlichkeit gegenüber der Regierung.

Doch die Angst vor Atomunfällen ist nicht gleichmäßig verteilt, sondern konzentriert sich eher auf Liberale (in USA heißt das Linke – red.) und ältere Amerikaner. Dieser Zusammenhang erklärt, warum Liberale, die tendenziell gegen Atomwaffen sind, die Kernenergie stärker ablehnen als Konservative, die sie eher befürworten. Und die Assoziation hilft zu erklären, warum die Baby-Boomer, denen in der Schule beigebracht wurde, sich durch beängstigende „Duck-and-Cover“-Übungen auf einen Atomkrieg vorzubereiten, stärker gegen die Kernenergie eingestellt sind als ihre Kinder der Jahrtausendwende. Assoziationen, wie irrational sie auch sein mögen, sind mächtig.

Was bei der Erklärung fehlt, ist der intensive Krieg, den die liberale und radikale Linke seit den 1960er Jahren gegen die Kernkraft geführt hat. Malthusianische Naturschützer, die gegen das Wirtschaftswachstum, die moderne industrielle Zivilisation und den Menschen im Allgemeinen waren, bekämpften die Kernkraft, weil sie so billig war, nicht weil sie teuer war. Die anarchistische oder liberale Linke bekämpfte die Kernenergie, weil sie eine zentralisierte Energieerzeugung erforderte, während sie eine stärker dezentralisierte Energie- und Nahrungsmittelerzeugung wünschte. Und die Progressiven, die öffentliche Stromversorgungsunternehmen befürworteten, bekämpften die Kernenergie, als sie in Privatbesitz überging.

Jede dieser Gruppen nutzte die natürlichen und verständlichen Ängste vor der Kernenergie durch gut finanzierte Kampagnen aus, die von berühmten Persönlichkeiten wie Jane Fonda unterstützt wurden, die die Hauptrolle in dem Film „China Syndrome“ spielte und dazu beitrug, dass dieser gedreht wurde, und die Millionen von Teilnehmern anzogen. Eine solche Bewegung gegen Lithium gibt es nicht. Im Gegenteil, dieselben Progressiven, die in den 1960er und 1970er Jahren gegen die Kernenergie kämpften, sind heute die größten Befürworter von Lithiumbatterien, die sie als eine Möglichkeit ansehen, die inhärente Unzuverlässigkeit der wetterabhängigen erneuerbaren Energien auszugleichen.

Ein letztes Merkmal von Lithiumbatterien, das die Kernenergie nicht hat, ist ihre Banalität und Allgegenwärtigkeit. Die meiste Zeit des Tages und auch in diesem Augenblick liegt eine Lithiumbatterie auf meinem Schoß, in meinem Laptop, während ich diesen Beitrag verfasse. Und weniger als einen Meter entfernt befindet sich eine weitere Lithiumbatterie in meinem Telefon. Selbst wenn Lithiumbatterien wesentlich mehr Menschen töten würden, würden wir sie immer noch alle lieben, weil sie so viel Komfort in unseren Geräten und Apparaten bieten.

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