Pflugscharen zu Schwertern schmieden?

von Hans Hofmann-Reinecke

Könnte ein Land versuchen aus dem nuklearen Brennstoff seiner Kernkraftwerke Bomben zu bauen? Aber wer sollte heute auf eine solch mörderische Idee kommen! Nun, vielleicht ein Land, das glaubt, dieser Schritt sei die einzige Chance, um sich gegen einen übermächtigen Angreifer zu verteidigen.

Bislang hatten bei uns drei vermeintlich existenzielle Risiken den Schrecken der Kernkraft ausgemacht: Unfall, Endlagerung und Bomben. Jetzt aber treten diese Ängste in den Hintergrund, denn ihr Nutzen wird überdeutlich: Kernkraft bietet zuverlässige, preiswerte und saubere Energie, und das zu jeder Jahreszeit.

78% der Deutschen wünschen derzeit den Weiterbetrieb der verbliebenen Kraftwerke bis Sommer 2023, 67% bis 2026. Den Bau neuer Kraftwerken befürworten immerhin 41%. Zu kaum einem anderen politischen Thema gibt es in der Bevölkerung heute eine solch klare Haltung. Es wird für die Grünen Politiker immer schwieriger werden, sich dieser Mehrheit der Vernünftigen zu widersetzen und gleichzeitig noch einen Anschein von Demokratie und Logik zu wahren.

Die apokalyptischen Reiter verlieren ihren Schrecken.

Das drohende Gespenst eines Unfalls wurde durch Fukushima letztendlich entschärft, nachdem nicht mehr verheimlicht werden konnte, dass durch das Reaktorunglück niemand zu Tode gekommen war, während Tausende in durchaus konventionellen Strukturen ihr Leben verloren: in Eisenbahnen, in ihren Häuser und auf den Straßen.

Auch die langfristige Lagerung verbrauchter Brennelemente scheint gelöst, nachdem in Europa demnächst das erste Endlager in Betrieb genommen wird.

Bleibt noch das dritte Risiko, dass aus dem nuklearen Brennstoff eines Kernkraftwerks Bomben gebaut werden könnten. Aber wer sollte so etwas wollen? Nun, eine Nation, die glaubt, sich nur so gegen einen übermächtigen Angreifer verteidigen zu können. Auf jeden Fall bräuchte so eine Nation dann aber eigene Kernkraftwerke.

In der Ukraine steht Europas größtes Kernkraftwerk mit sechs Druckwasser-Reaktoren und einer elektrischen Gesamtleistung von 5.700 Megawatt.

Lassen wir dahingestellt, ob dieses Land auch nur im Geringsten die Absicht haben könnte Bomben zu bauen, und ob die russischen Besatzer Zugang zu den Anlagen überhaupt erlauben würden. Aber lassen Sie uns dennoch, unabhängig von der aktuellen militärischen Realität, in Gedanken durchspielen, ob aus dem nuklearen Brennstoff von Reaktoren Bomben gebaut werden könnten. Könnte man, um das Bibelwort umzudrehen, aus nuklearen Pflugscharen nukleare Schwerter schmieden?

Die kritische Masse

Es gibt zwei Typen von Spalt-Atombomben: solche aus Uran und solche aus Plutonium (für eine Fusions-Wasserstoffbombe braucht man eine vorgeschaltete Fissions-/Spalt-Bombe). In einem ausreichend großen Klumpen vom jeweiligen Stoff läuft spontan eine nukleare Kettenreaktion ab, bei der Neutronen die Atomkerne spalten, wobei weitere freie Neutronen entstehen, die den Vorgang fortsetzen. Das geschieht mit sehr hoher Geschwindigkeit und es werden im Vergleich zu konventionellen Explosionen die millionenfachen Energien freigesetzt.

Die ausreichend große Menge dafür, genannt kritische Masse, liegt bei ca. 25 kg Uran. Dabei kann man aber nicht den Stoff nutzen, so wie er in der Natur vorkommt. Wie so viele andere Elemente kommt auch Uran in verschiedenen Sorten, verschiedenen „Isotopen“ vor, die im Aussehen und den chemischen Eigenschaften völlig identisch sind, deren Atomkerne aber eine leicht unterschiedliche Masse haben. Für „unsere“ Zwecke taugt nur das Uran mit Masse 235 Gramm pro Mol, welches gerade mal 0,7% des natürlichen Stoffs ausmacht, der Rest ist U-238.

Für die meisten Reaktortypen muss der Anteil von 0,7% auf ca. 4% „angereichert“ werden, für Bomben auf über 90%. Das ist schwierig. Während man Gold und Silber durch Säure trennen kann – Silber löst sich auf, Gold nicht – gibt es zur Trennung der Isotope kein chemisches Verfahren, denn für die Chemie sind die verschiedenen Isotope identisch. Stattdessen verwandelt man das Uran in eine gasförmige chemische Verbindung und schickt dieses Gas durch Zentrifugen, in denen die etwas schwereren U238 Moleküle nach außen driften. In unendlich komplizierten Anlagen mit Hunderten von Zentrifugen, wird so sehr mühsam eine Anreicherung erzielt.

Die Hersteller von Brennstoff für unsere Kernkraftwerke betreiben solche Anlagen. Wir könnten dann die von ihnen gelieferten, fabrikneuen Brennstäbe zerlegen und das auf 4% angereicherte Uran für eine Bombe beiseiteschaffen.

Das müsste jetzt noch weiter auf 90% angereichert werden, um „waffenfähiges“ Uran zu bekommen. Das aber geht nicht ohne die erwähnten Zentrifugen, und solch eine Anlage kann man nicht kurzfristig in einer Garage aufbauen, es wäre ein gigantisches Projekt. Der Iran arbeitet seit vielen Jahren genau daran und macht in dem Zusammenhang immer wieder Schlagzeilen.

Mit anderen Worten: der rasche Bau einer Uran-Atombombe auf der Basis unbenutzter Brennstäbe ist ausgeschlossen.

Und was ist mit Plutonium?

Wie steht es um eine Bombe aus Plutonium? Dieser Stoff kommt nicht in der Natur vor, er entsteht allerdings während des Betriebs eines Reaktors in den Brennstäben. Man bräuchte etwa vier Kilogramm davon für eine Bombe. Die könnte man aus ausgedienten Brennstäbe gewinnen, indem man das Plutonium chemisch von den anderen Bestandteilen, etwa vom Uran, trennt. Da es sich um unterschiedliche Elemente handelt kann man sie so ähnlich trennen wie Silber und Gold.

Aber solch ein Vorgehen ist dennoch unmöglich, denn die Brennstäbe sind nach dem Einsatz im Reaktor dermaßen radioaktiv, dass ihre Handhabung nach wenigen Minuten eine tödliche Strahlungsdosis mit sich brächte. Die Abtrennung vom Plutonium aus benutzen Brennstäben – der PUREX -Prozess – wird in industriellem Maßstab in Wiederaufbereitungsanlagen durchgeführt, allerdings erst nach einer Wartezeit von fünf bis zehn Jahren, in der die Brennstäbe Teile ihrer Radioaktivität verloren haben. Aber auch dann noch werden alle Arbeiten hinter dicken, strahlungssicheren Glasscheiben mit Robotern durchgeführt.

Mit anderen Worten: auch die Plutonium-Bombe kann nicht ad hoc aus Reaktor-Material hergestellt werden. Zudem wäre der Bau der Bombe selbst, auch wenn das Material vorhanden wäre, eine große Herausforderung. Man vermutet, dass Nordkorea zwar über ausreichend Plutonium verfügte, dass die ersten Tests aber gezeigt hätten, dass das Knowhow für die Konstruktion einer „effizienten“ Bombe fehlte.

Die IAEA

Auch wenn friedliche und kriegerische Anwendung von Kerntechnik auf den ersten Blick nahe bei einander zu liegen scheinen, so ist der praktische Weg vom Reaktor zur Bombe in Form eines kurz- oder mittelfristigen Projekts unmöglich. Der Betrieb von Kernkraftwerken ist für ein Land weder eine notwendige, noch eine hinreichende Bedingung um Bomben zu bauen. Weder Israel noch Nordkorea haben Kernkraftwerke, aber Bomben haben sie.

Dazu kommt, dass es eine Organisation gibt, die eigens zur Verhinderung derartiger Aktivitäten geschaffen wurde: Die Internationale Atom-Behörde IAEA mit ihrer Safeguards-Division. Sie hat die Aufgabe, über jedes Gramm Plutonium oder Uran-235 Buch zu führen und den Betreibern der Kraftwerke über die Schulter zu schauen, um Mißbrauch für kriegerische Zwecke zu verhindern.

Dieser dritte Vorbehalt gegen Atomkraft, nämlich die Gefahr eines Bombenbaus, ist also offensichtlich haltlos. Deutschlands Weg zurück zur Kernenergie sollte also nichts mehr im Wege stehen, denn der Frieden lässt sich nicht dadurch sichern, dass Technologien verboten werden. Es wäre dagegen zielführend, dass Intelligenz und logische Disziplin, so wie sie bei deren Entwicklung zum Einsatz kommen, auch bei politischen Entscheidungen Anwendung fänden.

Dieser Artikel erschien zuerst im Blog des Autors Think-Again. Sein Bestseller „Grün und Dumm“ ist bei Amazon erhältlich.




Der Mythos der ökologischen „Sauberkeit“

von Daniel Greenfield

„Sauber“ ist ebenso wie „intelligent“ zur Voraussetzung für jede Technologie geworden. Beides ist ein Mythos.

Intelligente Technologie ist Überwachungstechnologie. Sie ist nicht aufgrund ihrer inhärenten Qualitäten intelligenter, sondern weil sie Daten sendet und empfängt, die es ihr ermöglichen, bei der Manipulation der Nutzer „intelligenter“ zu sein. Der intelligente Teil der intelligenten Technologie kommt von den Menschen. Das gilt auch für den dummen Teil, wenn Menschen ihre Privatsphäre und Unabhängigkeit für die Vorteile der ihnen angepaßten Technologie opfern.

Saubere Energie ist noch mehr ein Mythos. Mit dem Inflationserhöhungsgesetz fließen weitere Milliarden in die ineffizienten Formen der Energieerzeugung, die der Staat seit über 50 Jahren subventioniert, weil eine Werbeagentur der Madison Avenue sie als „sauber“ bezeichnet hat.
Energie ist von Natur aus sauber und schmutzig. Um die dem Universum innewohnenden Kräfte nutzbar zu machen, muss man Metall abbauen, Bäume fällen und fossile Brennstoffe in Plastik umwandeln, um daraus Maschinen zu bauen. Sobald diese Maschinen in Betrieb sind, geben sie Wärme ab, denn ob „sauber“ oder „schmutzig“, so funktioniert der zweite Hauptsatz der Thermodynamik. Nicht einmal Al Gore kann sich der Entropie entziehen, und nicht einmal das glänzendste Solarpanel, die eleganteste Windturbine oder der sanft brummende Tesla können verhindern, dass Energie verschwendet wird, wenn sie auf lokaler oder nationaler Ebene übertragen, gespeichert oder für die eine oder andere Sache verwendet wird.
Die einzige wirklich energieeffiziente Energie stammt von biolumineszenten Lebewesen wie Glühwürmchen. Wir haben sie nicht erschaffen, und trotz aller Prahlerei der Technokraten können wir sie nicht nachbauen.

Saubere Energie hängt von riesigen Minen für seltene Erden ab, die vom kommunistischen China betrieben werden und alles in ihrer Umgebung vergiften. Für Windturbinen werden riesige Mengen an Balsaholz benötigt, für die der Amazonas abgeholzt wird. Weder Turbinen noch Solarzellen werden recycelt, wenn sie kaputt gehen. Sie landen auf Mülldeponien und werden zu Giftmüll. Das Einatmen von Glasfasern aus abgetrennten Windturbinen oder das Trinken von schwermetallbelastetem Wasser aus Solarpaneelen stellt ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar.

Ein Großteil des sauberen Mülls, den wir „Recycling“ nennen, landet ebenfalls auf Mülldeponien. Der Unterschied zwischen schmutzigem und sauberem Müll besteht darin, daß wir einen Teil des sauberen Mülls nach China oder in Länder der Dritten Welt schicken, wo er unter primitiven Bedingungen recycelt und dann zu uns zurückgeschickt wird. Das heißt, bis China gegen die giftigen Gefahren der Recyclingindustrie vorging und begann, einen Großteil unseres sauberen Mülls abzulehnen, der nun in ebenso sauberen Mülldeponien landet.
Es war nicht umweltgerecht, Pizzakartons oder Colaflaschen um die halbe Welt zu schicken. In einem Artikel wurde eine chinesische Stadt, in der Plastik rezyklisiert wurde, als „tote Zone“ beschrieben, in der es „nichts Grünes“ gibt, in der „Wellpappkartons, alte Plastikfässer und riesige getrocknete Plastikpfützen“ zerkleinert, „in Metallwannen voller ätzender Reinigungsflüssigkeit gegossen“ und dann der „überschüssige Müll und die Reinigungsflüssigkeit“ „in eine Abfallgrube am Rande der Stadt geworfen“ werden.
Das ist die schmutzige Realität hinter dem Recycling-Dreieck und den Werbespots mit Cartoon-Wegwerfartikeln, die darauf warten, auf Geheiß von willigen Kindern zu neuen Produkten recycelt zu werden.
Der saubere Teil der sauberen Energie oder des Mülls liegt nicht darin, wie er hergestellt wird, sondern darin, wie wir ihn wahrnehmen.
Ein Solarmodul wirkt ästhetisch sauberer als ein Kohlekraftwerk. Ein Elektroauto gibt ein künstliches Raumschiffsbrummen von sich, wenn es die Straße entlang gleitet. Ein Windrad glänzt weiß. Solche trivialen Oberflächeneindrücke, die die Architektur mit dem Prozeß verwechseln, sind ein Milliarden-Dollar-Betrug.

Solar- und Windenergiesysteme werden als natürlicher als jede andere Energieform dargestellt, weil die Assoziation mit Sonne und Wind sie irgendwie von den schmutzigen Realitäten der Thermodynamik isoliert. Das Design und die Marken-PR von Solarmodulen und Windturbinen verbreiten den Mythos, daß es sich um saubere Schnittstellen für den Empfang dieser magischen Gaben des Himmels handelt.
Die Neoromantik der 1960er Jahre lehnte die industrielle Revolution ab. Als die Blumenkinder zu bürgerlichen Vorstädtern heranwuchsen, die in Werbeagenturen und gemeinnützigen Organisationen arbeiteten, wollten sie eine Technologie, die die gleiche Illusion philosophischer Konsistenz aufrechterhalten würde. Anstatt ihren Prinzipien treu zu bleiben, gaben sie der industriellen Revolution einen neuen Namen, um sie viel teurer, weniger effizient und für die dreckige Arbeiterklasse unzugänglich zu machen. Die neue Technologie wäre, wie ihr Leben in den Vorstädten, moralisch und ästhetisch sauber. Wie der Müll, der in China recycelt und in einer glänzenden Flasche mit gereinigtem Leitungswasser zurückgegeben wird, würde sie den Schmutz wieder sauber machen.
Idealisten glauben, daß es im Leben nur Schwarz und Weiß gibt, schmutzig oder sauber, und daß man beides absolut voneinander trennen kann. Das Universum läßt sich nicht in solch saubere Kategorien einteilen. Dennoch hat die Linke zwei Jahrhunderte damit verbracht, die Gesellschaft auf der Suche nach einer sauberen Utopie zu zerlegen. Dreck, Bergarbeiter, Fabriken und Menschen, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten, stinken nach Unterdrückung. Als der Klassenkampf der grünen Neoromantik wich, wurde die Arbeiterklasse zugunsten einer sauberen postindustriellen, computerisierten Zukunft aufgegeben. Die schmutzigen Jobs wurden nach China verlagert, während die Arbeiterklasse mit dem Rust Belt und Meth-Amphetamin (Pervitin) zurückgelassen wurde. Amerika sollte eine saubere Nation werden, in der alle um einen Apple-Laptop herum sitzen, bevor sie in ihre Elektroautos steigen und einen Ausflug machen. Rauchen war nicht erlaubt.

Aber was ist überhaupt sauber? Die alte Linke hat immer beklagt, daß physische und moralische Sauberkeit miteinander verwechselt werden, und die neue Linke ist diesem Irrtum ohnehin verfallen. Die neue Meisterklasse rät Kohlebergleuten, das Programmieren zu lernen oder Solaranlagen zu installieren. Wie bei den alten Eliten ist ihr wahrer Einwand, daß sie schmutzig sind. Die unsinnigen Lehren des Umweltschutzes sind die ästhetischen Fetische der Oberschicht. Sie stehen für eine kulturelle Sensibilität, nicht für eine wissenschaftliche. Ihr Vokabular riecht nach Flucht vor den Realitäten des Lebens, nach intelligenter Technologie, sauberer Energie und in der „Cloud“ gespeicherten Informationen.
Technologie ist keine Magie. Die einzige Intelligenz ist menschlich, die einzige Energie ist schmutzig, und die Cloud ist ein Haufen von Servern, die einem Weltkonzern gehören und von Kohlekraftwerken betrieben werden, deren ständiger Lärm so laut ist, daß die Mitarbeiter Gehörschäden erleiden können.
Der Mythos der Sauberkeit wird durch die Flucht vor der Realität genährt. Diese Realitätsflucht hat einen hohen Preis, nicht nur in Form von Milliardenverlusten und zerstörten Leben durch umweltpolitische Spielereien, sondern in der gesamten blutigen Geschichte der Linken, die eine einzige lange Flucht vor der Realität in die Tyrannei der Philosophenkönige ist.
Die Energie der Linken und ihr Müll sind nicht sauberer als ihre Ideologie und ihre Geschichte. Und es sind diejenigen, die im Inneren am schmutzigsten sind, die das größte pathologische Bedürfnis haben, nach außen hin sauber zu sein.

Daniel Greenfield ist ein Shillman Journalism Fellow am David Horowitz Freedom Center. Dieser Artikel erschien zuerst im  Center’s Front Page Magazine,außerdem auf Gatestone.




Klimaaktivisten von „Letzte Generation“ attackieren 110 Millionen Dollar teures Gemälde von Claude Monet in Potsdam

Grünfeld, Robert

In der Potsdamer Villa Barberini griffen Aktivisten ein dort ausgestelltes Gemälde von Claude Monet mit flüssigem Kartoffelbrei an. Die Höhe der Schäden sind noch unbekannt. Wie bekannt wurde, ist das Gemälde selber evtl. nicht betroffen, wohl aber der sehr wertvolle historische Rahmen.

In der Klimaretter-Szene ist ein interessantes Phänomen zu beobachten: Sobald eine Gruppierung an einem Ort eine neue Form des Aktivismus ausprobiert hat, verbreitet sich die Idee rasend schnell – sogar in ganz Europa. So hat sich das Straßen-Festkleben, wohl in Hamburg erfunden, schnell nach Berlin, Wien, Rom und Paris, und die ganze deutschsprachige Provinz ausgebreitet.

Da das Asphaltkleben nun nicht mehr „cool“ genug war, wechselte man zum Kunstwerk-Kleben in Museen. Im August pappten sich zwei Aktivisten an ein Bild von Lucas Cranach d. Ä. in der Berliner Gemäldegalerie und in Dresden an die weltberühmte Sixtinische Madonna mit den beiden berühmten Engelchen, von Raffael. Nachdem in London Täter die 15 Sonnenblumen (1888) von Vincent van Gogh, zum Glück glasgesichert, mit Tomatensoße überschütteten, imitierte nun eine Gruppe ausgerechnet in Potsdam, wo sich das gleichnamige Klima-Institut gar nicht weit weg vom Palais Barberini befindet, die Idee.

In Brandenburg wurde etwas bodenständigerer Kartoffelbrei für den Anschlag genutzt. Das Video zeigt, wie die Aktivisten von „Letzte Generation“ völlig unbehelligt das Gemälde Monets mit Brei bedecken und dann ungerührt in einer Art Sprinter-Start-Pose ihre Parolen aufsagen. Zum Glück ist auch dieser Monet mit einer Glasscheibe gesichert – dennoch ist nicht ganz sicher, ob das Bild keinen Schaden genommen hat.

Von Claude Monet – http://www.wikipaintings.org, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29921399

Warum gerade dieses Werk aus der Serie „die Getreideschober“ das Opfer ist, begründen die Täter so:

Monet liebte die Natur und hielt ihre fragile Schönheit in seinen Werken fest.

Das Bild soll zudem das heute teuerste des Malers Claude Monet sein, es wird auf ca. 111 Mio. € geschätzt.  Man zerstört oder beschädigt ein Symbol für die fragile Natur, um die fragile Natur zu retten? Die Logik der Täter aus dem Umfeld von FfF ist wie so häufig nur schwer nachvollziehbar. PR ist sowieso meist nur Propaganda im Sinne der Verschleierung des echten Motivs. Die Achse des Guten analysiert:

Unsere „altehrwürdige“ Kultur ist in ihren Augen nichts wert vor dem nahen Ende der Welt. Das wollen sie uns sagen.

Die Sachbeschädigungen und Nötigungen sind neben den juristischen Tatbeständen aber auch als Drohung an die träge Mehrheitsgesellschaft adressiert, deren Klassensymbole (Kunst, Mobilität, Bequemlichkeit, Konsum) infrage gestellt werden sollen. Die Klima-Rotgardisten wollen uns belehren und prangern unseren Lebensstil an, den sie als Bedrohung sehen und nun selbst handgreiflich ins Visier nehmen. Als Gesten des Konjunktivs kündigen sich hier Tatrechtfertigungen an, die die Dialektik des Terrors in sich tragen.

Ähnlich bewertet der Philosoph Dushan Wegner die Taten:

Wenn Klima-Aktivisten tatsächlich zuerst an innerer Zerrissenheit leiden, ähnlich wie radikale Islamisten, dann müssten wir ja erleben, dass diese Leute die Infrastruktur, aber auch die Kultur des Westens angreifen, oder?

Nun, genau das erleben wir.

Oder, etwas profaner, wie es Michael Klein auf Sciencefiles vor Jahren schon ausdrückte: Bedingt durch ewig lange Ausbildungszeiten und/oder nutzlose Blümchen-Studien wollen junge Menschen ihre Selbstwirksamkeit oder ihren Status schneller und leichter erreichen, indem sie sich einer ideologischen Gruppe anschließen und „Aktionen“ machen, mit denen sie in den Medien erscheinen. Andy Warhol hätte gesagt: „15 Minuten Ruhm“.

Der Text der Attentäter in Potsdam ist recht interessant:

Menschen hungern, Menschen frieren, Menschen sterben. Wir sind in einer Klimakatastrophe!

Das Hungern und Frieren ist eher das Ergebnis der Energiewende – oder klimatologischer Umweltschutzpolitik wie auf Sri Lanka, wo wegen Düngerverbot die Ernte einbrach und die hungernden Menschen die Regierung verjagten. In Bangladesch passiert gerade ähnliches. Man faßt es nicht – die Aktivisten drehen die Verhältnisse einfach um und behaupten, daß die Folgen ihrer politischen Haltung, in Deutschland seit 22 Jahren politisch umgesetzt, die Schuld des fossilen „Gegners“ sei.

Pikant ist auch, daß massive Kälteeinbrüche seit Winter 20/21 auf der ganzen Nordhalbkugel belegen, daß die Theorie von der Erderwärmung Unfug ist, weswegen von Seiten der Profiteure auch vermehrt die Begriffe „Klimakrise“ oder „Katastrophe“ genutzt werden – Orwellsches Doppeldenk ist damit leichter möglich. Im Süd-Sommer 21/22 kam es in Südamerika zu massiven Kaffeernte-Ausfällen, weil es kalt war wie lange nicht mehr.

Das Palais Barberini in Potsdam, nach einem sehr ähnlichen Gebäude in Rom benannt, wurde übrigens mit Spenden des Software-Unternehmers Hasso Plattner rekonstruiert, nachdem es nach dem Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt abgetragen wurde. Die Monet-Gemälde der Ausstellung sind auch von Plattner finanziert. Eine Stellungnahme des Milliardärs und Mäzens ist noch nicht bekannt.

Wer jedoch Stellung nahm, war eine NDR-Rundfunkrätin, die die Gemälde-Attacke verteidigt: „Tomatensuppe und Kartoffelbrei sind Kunst“.
Wetterfrosch und Aktivist Özden Terli sieht es ähnlich:

Also würde es ein Künstler machen, wäre es eine Kunstaktion. Machen es Klimaschützer ist man empört und sieht die Unterstützung der Bevölkerung beim Klimaschutz (Behauptung) gefährdet oder man versagt selbst die Unterstützung des Klimaschutzes. Ernsthaft?

Die beiden Attentäter sind trotz des Angiffs auf den Millionen teuren Monet schon wieder auf freiem Fuß.

Nicht nur, das, wie Boris Reitschuster aufklärt: Kartoffelbrei-Werferin war trotz 1296 Nötigungs-Fällen nicht in Haft. Mirjam Herrmann kommt aus Passau und ist schon seit Jahren politisch aktiv – sie wechselt aber offenbar schnell das Thema:

Mirjam, bin 23 Jahre alt und studiere Jura in Passau und London. Sie beratet Geflüchtete im Asylrecht bei der Refugee Law Clinic Passau und bin Teil des Teams für politische Bildung im Verein „Chancen Gestalten Passau“. Sie reist gerne und lernt neue Kulturen und Menschen kennen und freut sich darüber, wenn neue Kulturen und Menschen direkt hier nach Deutschland kommen und unsere Gesellschaft ein wenig herausfordern.

https://twitter.com/jam_mi_tz/status/1584297157682921472




Deutscher Energiespeicherbedarfist sehr viel höher als gedacht – Klimaschau 131

Die Klimaschau informiert über Neuigkeiten aus den Klimawissenschaften und von der Energiewende.

Themen der 131. Ausgabe: 0:00 Begrüßung 0:21 Deutscher Energiespeicherbedarf ist höher als gedacht 4:06 Windanfälliges arktisches Meereis 6:28 Ärgerlicher Fehler im Kohlenstoffkreislauf

 




„Scientist Rebellion“ klebt in der Autostadt Wolfsburg: alternative Reaktion des Managements

Grünfeld, Robert

Nicht nur Fridays for Future hat mehrere Neben-Organisationen wie Scientists 4 Future, sondern auch Extinction Rebellion XR – die Gruppe Scientist Rebellion. Einige Vertreter klebten sich in der Autostadt Wolfsburg neben schönen Karossen von Porsche, darunter Hybridmodelle, auf den Boden. Vor der Tür standen weitere 15 Aktivisten mit Plakaten, die Kunstblut verschütteten.

Interessant in diesem Zusammenhang: VW ist der erste Hersteller, der ankündigte, ab 2030 nur noch E-Autos herstellen zu wollen (allerdings rückte man davon wieder ab). Entgegen der üblichen Reaktion der Polizei, ließ das Management die Aktivisten kleben und schaltete abends das Licht aus und die Heizung ab. Damit erfüllten Sie eine Forderung von Kritiker nach pädagogischem Umgang mit den Aktivisten.

Immerhin standen die sanitären Einrichtungen des Gebäudes den Klebern zur Verfügung. Dennoch beschwerte sich ein Unterstützer, VW hätte den sieben Aktivisten keine Schüssel (etc.) zur Entleerung bereitgestellt.

 

https://twitter.com/alexandergrevel/status/1582835898294493184

Ob die Ökoterrorristen, fälschlich von den Medien Aktivisten genannt, tatsächlich durchgehend über 24 Stunden am Boden kleb(t)en, ist nicht bekannt. Es ist aber unwahrscheinlich, daß sie kein Aceton oder ähnliches mit sich führen, um sich zu befreien, wenn keine Kamera filmt. Daher wirkt die Forderung nach einem Nachttopf eher bemüht und konstruiert – offenbar haben die Aktivisten nicht damit gerechnet, daß man sie tatsächlich einmal kleben lassen würde, statt sie publikumswirksam mit Polizei zu räumen.

Gut so – die Berliner Polizei sollte – sofern verkehrstechnisch möglich – in Zukunft ähnlich verfahren: Die Klebestelle absichern, den Verkehr umleiten und den Notfalldiensten das Hindernis bekanntgeben, damit diese von vornherein andere Wege nehmen. Da die Aktivisten wohl stets wohlhabende Studenten oder Akademiker sind, die bequem Revolution spielen wollen, würden sie von stunden- oder nächtelangem Kleben in der Kälte und ohne WC in Zukunft von ihren narzißtischen Aktionen abgeschreckt.