“Solange China oder Amerika ihren Ausstoß nicht deutlich verringern, ist es völlig irrelevant, was wir tun”

von Klimanachrichten.de (ehemals Kalte Sonne)

Der Focus hat ein längeres Interview mit dem bekannten Klimaforscher Mojib Latif getätigt. Er kommt zu interessanten Schlüssen und ernüchternden Einschätzungen. Das ist vor allem vor dem Hintergrund der nicht erfolgreichen Volksabstimmung in Berlin spannend. Einige der warnenden Stimmen, wie der ZDF-Meteorologe Özden Terli sahen bereits die Schuld für sämtliche Wetterextreme bei denjenigen, die entweder nicht zur Wahl gingen oder mit Nein stimmten.

“Joachim Müller-Jung meint hingegen in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ , die Spitze des IPCC habe sich “in seinem Zweckoptimismus selbst übertroffen“. Im Bericht lese man von „Botschaft der Hoffnung“, „vielfachen, machbaren und effektiven Optionen“ und „wir haben es immer noch selbst in der Hand“. Er frage sich, ob der IPCC seine Strategie geändert habe. Wie sehen Sie das?

Latif: Das weiß ich nicht. Ich habe diese Art der Kommunikation nie betrieben. Ich habe stets klar gesagt, dass es so gut wie ausgeschlossen ist, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das würde bedeuten, dass die Welt bis 2030 den CO2-Ausstoß mindestens halbiert. Das sehe ich nicht.
Wenn ich einige Politiker in Deutschland höre, die sagen, dass wir unsere Emissionen senken müssen, damit das Klima nicht aus dem Ruder läuft, dann ist das so nicht richtig. Es zählt nur der weltweite Ausstoß. Solange China oder Amerika ihren Ausstoß nicht deutlich verringern, ist es völlig irrelevant, was wir tun.”

Andere sind für solche Aussagen schon auf dem Twitter-Scheiterhaufen gelandet.
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Spanien plant einen massiven Ausbau Erneuerbarer Energien in den nächsten Jahren. Das geht aus einem Artikel bei rnd hervor.

“Wind- und vor allem Sonnenergie sind heute dank rasant verbesserter Technik ein gutes Geschäft, Subventionen braucht es keine mehr. Willige Investoren und Investorinnen sind also da. Im vergangenen Jahr schimpften sie über einen gewaltigen Antragsstau – der sich nun aufzulösen beginnt. Und wie! In den vergangenen Monaten haben die zuständigen Umweltbehörden mehr als 1400 Projekte für neue Sonnen- und Windparks freigegeben. Sollten sie alle verwirklicht werden, würde sich die installierte Wind- und Solarleistung in den kommenden zweieinhalb Jahren von heute 34.500 Megawatt auf gut 103.000 Megawatt verdreifachen.

Das sind gewaltige Zahlen. 103.000 Megawatt sind 103 Gigawatt, und das ist nur etwas weniger als die Gesamtleistung aller Kraftwerke – konventioneller, atomarer und erneuerbarer – die zurzeit in Spanien in Betrieb sind, nämlich 117 Gigawatt. Anders als Atom- oder Gaskraftwerke können Wind- und Solarkraftwerke aber nicht rund um die Uhr laufen, sondern nur, wenn Wind weht oder die Sonne scheint, weswegen deren installierte Leistung eine höhere sein muß.”

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Niclas Höhne kommentiert im Spiegel den Synthesebericht des IPCC. Er beweist dabei eine interessante Denkweise.
1. Beispiel Kernenergie 

Strom aus Wind und Sonne statt Atom/Fusion: Regenerative Energien sind das Rückgrat der Klimawende. Eine Diskussion über Kernenergie oder gar Kernfusion  als Langfristlösung ist hinfällig, da der Ausbau viel zu lange dauern würde, ganz abgesehen von den hohen Kosten, fehlender Endlagerung und hohen Sicherheitsrisiken.

In den Handlungsempfehlungen des IPCC steht explizit Kernenergie. Das verdrängt er besser.

2. Beispiel Gas 

Gas sparen statt LNG/Fracking: Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas heißt, ab jetzt keine neue Infrastruktur für fossile Energieträger zu schaffen. Auch im Angesicht der Energiekrise ist Gas zu sparen das oberste Gebot, nicht neue Flüssiggas-Terminals errichten und auch keine neue heimische Förderung mit besonders schädlichem Fracking-Verfahren fördern.
Die Terminals werden gebaut, weil ein bedeutender Lieferant weggefallen ist. Im Übrigen würde die Reduzierung von LNG-Importen, weil man eigene Gasreserven nutzt, ein erhebliches Einsparpotential haben. Wir werden Gas noch lange Zeit brauchen, weil die Regenativen Energien ein Backup brauchen. Auch das wird besser verdrängt.

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Ohne China geht es auch an anderer Stelle nicht. Focus berichtet über ein Dilemma. Der chinesische Hersteller Huawai stellt auch Komponenten für den Betreib von Windkraftanlagen her.

“Im Windschatten dieser Diskussion steht allerdings, dass Huawai auch für die Energiewende einige unverzichtbare Komponenten liefert. Bei sogenannten Wechselrichtern, die für den Einsatz von Solarenergie notwendig sind, ist Huawei Weltmarktführer. Und wenn es darum geht, die geeignete Software zu entwickeln, um Windenergie optimal zu verteilen, führen an den Chinesen allenfalls Trampelpfade vorbei.

Und genau das fällt jetzt der Bundesregierung auf – und vor die Füße: Beim Ausbau der Offshore-Windparks auf hoher See, einem unverzichtbaren Bestandteil der Energiewende, ist Huawei für einzelne Bauteile ebenfalls ein erfolgreicher Anbieter. Die Chinesen rechtssicher auszuschließen, ist mühsam. Die Bundesregierung könnte also in ein politisches Dilemma geraten: Entweder sie lässt mit den Chinesen bauen und kommt ihren Klimazielen näher, oder sie schmeißt auch hier chinesische Anbieter aus dem Verfahren, was die Sache verzögern könnte.”

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Professor Lamai Messari-Becker im Interview bei Karriereführer.

Die Baubranche ist für rund ein Drittel des Energieverbrauchs und CO2-Ausstoßes verantwortlich, hinzu kommen Sonderabfälle. Wo sollte man ansetzen, um das Bauen schnell und wirksam nachhaltiger zu machen? „

„Man wird Prioritäten setzen müssen. Da nicht der Neubau, sondern der Bestand die CO2-Emissionen der Gebäude dominiert, muss das Sanieren an Bedeutung zunehmen. Da Erneuungs- und Sanierungszyklen von Gebäuden zu lang sind, muss neben Maßnahmen wie Gebäudedämmung auch die klimaneutrale Wärmeversorgung adressiert werden, etwa aus Geothermie, Fernwärme oder Wasserstoff.

Mit Blick auf Bauabfälle müssen wir Ressourcen möglichst sparsam einsetzen und im Kreislauf halten. Recycling und Rückbarkeit müssen also zum Standard werden. Dabei könnte uns ein Ressourcenausweis für Gebäude helfen, wie ich ihn 2019 der Bundesregierung vorgeschlagen habe. Ein solcher soll alle Material- und Energieaufwände, auch die der Herstellung erfassen, um „graue Energie“ sichtbar zu machen und Anreize für innovative Ideen zu geben. Materialien, die als Sonderabfall enden, müssen langsam, aber sicher aus dem Markt genommen und ersetzt werden, egal, ob es Rotoren-Blätter von Windkraftanlagen, Batterien von E-Autos oder Baustoffe betrifft.”

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Carly Tozer und Nandini Ramesh auf The Conversation:

Was Sie erwarten, wenn Sie einen El Niño erwarten (die Antwort könnte Sie überraschen)

La Niña und El Niño sind in Australien heutzutage wohlbekannte Begriffe. Mit ihnen sind bestimmte Erwartungen verbunden: Bei La Niña erwarten wir feuchte Bedingungen und bei El Niño trockene Bedingungen. Diese Erwartungen wurden in den letzten Jahren zweifellos erfüllt, als Regionen in ganz Australien während aufeinanderfolgender La-Niña-Ereignisse rekordverdächtige Regenfälle und schwere Überschwemmungen erlebten. Es mag Sie jedoch überraschen zu erfahren, dass nicht alle La Niñas naß und alle El Niños trocken waren. Im Frühjahr 2020 zum Beispiel war es in Australien trotz eines La Niña relativ trocken und warm. Offizielle Stellen haben das jüngste La Niña für beendet erklärt, und jetzt sind wir auf El Niño-Wache. Sie werden sich daher vielleicht fragen: Wie oft können wir während eines El Niño mit Trockenheit in Australien rechnen? Unsere neue Studie versucht, diese Frage zu beantworten, und das Gegenteil für La Niña. Wir fanden heraus, dass La Niña und El Niño gute Indikatoren für feuchte und trockene Bedingungen im östlichen Australien insgesamt sind. Aber an einigen Orten, einschließlich

Was wir taten

Wir haben uns auf das Frühjahr konzentriert, da die Niederschläge im Frühjahr in der Vergangenheit am stärksten mit La Niña/El Niño zusammenhingen. Wir verwendeten einen einfachen Ansatz, der als „Terzillenanalyse“ bekannt ist.
Zunächst ordneten wir die Niederschlagsdaten der letzten 72 Jahre vom nassesten zum trockensten Frühjahr. Dann haben wir die Daten in Drittel aufgeteilt. Quellen mit Niederschlagssummen im unteren Drittel gelten als „trocken“, Quellen im mittleren Drittel als „durchschnittlich“ und Quellen mit Niederschlagssummen im oberen Drittel als „naß“.
Durch diese Aufteilung der Daten können wir sagen, dass jede Quelle normalerweise eine 33%ige Chance hat, trocken zu sein, eine 33%ige Chance, durchschnittlich zu sein, und eine 33%ige Chance, nass zu sein. Unser Ziel war es, herauszufinden, ob sich diese „normalen“ Chancen während El Niño und La Niña Ereignissen ändern.

Verändern La Niña und El Niño die Niederschlagswahrscheinlichkeiten im Osten Australiens?

Für die Niederschlagsmenge im Durchschnitt der ostaustralischen Bundesstaaten lautet die kurze Antwort: Ja.
Die folgende Abbildung zeigt die Niederschlagsdaten, aufgeteilt in nasse, durchschnittliche und trockene Felder sowie in La Niña-, neutrale und El Niño-Felder. Wenn La Niña und El Niño die Niederschlagsquoten nicht verändern würden, würde man erwarten, dass eine gleichmäßige Anzahl von Punkten über alle Felder verteilt ist. Dies ist jedoch nicht der Fall.

https://theconversation.com/what-to-expect-when-youre-expecting-an-el-nino-the-answer-might-surprise-you-198510

Die fast leeren „trockenen“ Kästchen bei La Niña und die „nassen“ Kästchen bei El Niño zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, in Ostaustralien trockene Bedingungen bei La Niña oder nasse Bedingungen bei El Niño zu erleben, sehr gering ist. Andererseits verdoppelt La Niña die normale Wahrscheinlichkeit von 33 %, feuchte Bedingungen zu erleben, und El Niño verdoppelt die Wahrscheinlichkeit trockener Bedingungen.
Dieses Ergebnis ist hilfreich, um allgemeine Erwartungen für den Osten Australiens festzulegen. Aber es gilt nicht unbedingt für alle Orte, wie wir weiter unten erläutern.

Wie sieht es mit einzelnen Orten aus?

In Teilen des nördlichen und südöstlichen Australiens, einschließlich des Murray-Darling-Beckens, erhöhen La Niña und El Niño die normalen Chancen auf feuchte bzw. trockene Quellen erheblich (orangefarbene und rote Bereiche).

An einigen Orten jedoch verändern La Niña und El Niño die normalen Chancen auf feuchte oder trockene Bedingungen nicht merklich. Zu diesen Orten gehören große Teile Westaustraliens, der Südwesten Tasmaniens sowie die südliche und östliche Küste des australischen Festlands, einschließlich der Ostküste (gelbe und weiße Bereiche).

Die Ostküste ist der östlichste Teil Australiens, zwischen der Ostküste und der Great Dividing Range. Die scheinbar schwache Beziehung zwischen La Niña und El Niño und der Ostküste mag überraschend erscheinen. Man denke nur an die großen Regenmengen, die in den letzten Jahren während La Niña an der Ostküste gefallen sind, einschließlich des Rekordjahres 2022 in Sydney.

Historisch gesehen haben die Niederschläge an der Ostküste jedoch nur eine schwache Beziehung zu La Niña und El Niño gehabt. Und warum? Weil die Niederschläge in dieser Region besonders empfindlich auf die Häufigkeit der lokalen Winde aus Ost bis West reagieren. Diese Windströmung ist jedoch nicht unbedingt eng mit La Niña verbunden.

Im Jahr 2022 gab es mehr dieser Ost-West-Windströmungen als üblich, was zu hohen Niederschlagsmengen in Sydney führte.

In der Region Sydney liegt die normale Chance auf einen nassen Frühling bei 33 % – und diese steigt bei La Niña nur geringfügig auf 38 %. Dies deutet darauf hin, dass La Niña kein starker Indikator für feuchte Bedingungen in dieser Region ist.

https://theconversation.com/what-to-expect-when-youre-expecting-an-el-nino-the-answer-might-surprise-you-198510

Die Wahrscheinlichkeit, bei La Niña feuchte oder bei El Niño trockene Bedingungen zu erleben, hängt davon ab, wo man sich in Australien befindet. Autor zur Verfügung gestellt

Wenn Sie einen El Niño erwarten, ist der Ort wichtig

Die Ausrufung einer El-Niño-Wetterlage so früh im Jahr ist mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Aber die Menschen denken trotzdem über die Möglichkeit trockener Bedingungen nach.

Die Wahrscheinlichkeit, in einem El Niño trockenes Wetter zu erleben, hängt jedoch davon ab, wo man sich in Australien befindet.

In der Karte oben rechts sind die Regionen in Orange und Rot mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Trockenheit konfrontiert. In den roten Regionen ist die Wahrscheinlichkeit, dass es trocken ist, aufgrund historischer Beziehungen sehr hoch. In den anderen Regionen ist die Wahrscheinlichkeit eines trockenen Frühlings etwa normal (33 %).

El Niño spielt zwar eine wichtige Rolle bei der Abschwächung des australischen Klimas, ist aber nicht der einzige Faktor, der für trockene Bedingungen in Australien verantwortlich ist. Prozesse wie der Dipol des Indischen Ozeans, der Southern Annular Mode und andere verwandte oder nicht verwandte Wettersysteme tragen alle zur Klimavariabilität Australiens bei.

Es ist also wichtig, diese Faktoren sowie Ihren spezifischen Standort in Australien zu berücksichtigen, wenn Sie die Bedeutung einer El Niño-Vorhersage für Sie interpretieren.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)




Während Olaf Scholz von Klimarettungs-Wirtschaftschancen schwärmt, erklärt Mojib Latif, Klimarettung nur bei uns sei „irrelevant“

von AR Göhring und Michael Limburg

Daß die Rettung der Welt nicht nur moralisch gut sei, sondern auch ganz eigennützig Vorteile für die deutsche Wirtschaft hätte, ist ein seltsames Narrativ der Ära Merkel/Ampel. Doch das krasse Gegenteil ist richtig: „Weltrettung“ verbrennt das Geld der wertschöpfenden Wirtschaft in Milliarden- oder Billionenhöhe in Projekten, die keiner ohne Zwang bzw. gesicherte Gewinne, dank Subventionen und Steuern auch nur mit der Kneifzange anfassen würde.

Dennoch wärmt Ampel-Kanzler diesen Irrsinn höchstpersönlich via Twitter gerade wieder auf:

Quelle: Twitter

Und er will uns damit glauben machen, dass die Endlosdiskussionen von voriger Woche nicht nur „Wachstumschancen“ bringen, er sagt leider nicht für wen, und weil wir die Digitalisierung schaffen, die so, dank Regierungsbeschlusses, nunmehr unverdrossen voran schreitet, vielleicht vom Fax zum Morsealphabet könnte man versucht sein zu fragen, sondern dass „wir“ per Beschluss – wie weiland das Zentralkomitee der SED  in der untergegangenen DDR – auch den „menschgemachten“ Klimawandel aufhalten werden.

Man fragt sich: Twittert Olaf Scholz eigentlich persönlich wie weiland Donald Trump, oder läßt er das von seinem Sozialmedien-Team erledigen? Dann sollte er dem Personal doch etwas häufiger auf die Finger schauen.

Pikant ist, und das weiß Twitterer Scholz wohl nicht, obwohl er ja sonst immer darauf achtet der „Wissenschaft zu folgen“, daß fast zeitgleich der bekannte und sonst wohl gelittene Klimaprofessor Mojib Latif im Focus-Interview die genau gegenteilige Ansicht vertrat. Nämlich, ,wie jeder mit klarem Kopf und auch ohne „Klimawissenschaftler“ zu sein, weiß, daß eine Reduktion deutschen CO2s alleine überhaupt keine Wirkung hat.

“Wenn ich einige Politiker in Deutschland höre, die sagen, daß wir unsere Emissionen senken müssen, damit das Klima nicht aus dem Ruder läuft, dann ist das so nicht richtig. Solange China oder Amerika ihren Ausstoß nicht deutlich verringern, ist es völlig irrelevant, was wir tun.”

Womit er zwar recht hat, aber auch nur wieder die halbe Wahrheit sagt. Denn auch seine weltweite Reduktion bringt keinerlei Auswirkungen auf den Anstieg der CO2-Konzentration. Dies zeigt exemplarisch der weltweit einmalige Lockdown-Großversuch, der 2021 zu einer gewaltigen Absenkung der CO2-Emissionen um gigantische 2,4 Gigatonnen Kohlendioxid führte (das ist immerhin mehr als die dreifache Menge der deutschen, und rd. 70 % der EU Emissionen ). Selbst das brachte nicht mal die Spur einer Delle im weltweiten Anstieg dieser Konzentration.

Mauna Loa CO2 Konzentration veröffentlicht vom Met-Office

Die einfache Konsequenz daraus: Was immer wir tun, hat keinerlei Einfluß auf die CO2-Konzentration, und damit auch keinerlei Einfluß auf das Weltklima. Das wollte er aber nicht sagen.
Dazu fällt uns folgender etwas abgewandelter Witz ein, von dem wir uns natürlich sofort und ausdrücklich distanzieren und von Nachahmung gründlich abraten:
Sagt ein Abgeordneter oder eine Journalist zum Bundeskanzler: Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, der Respekt vor dem Amt verbietet es den Bundeskanzler einen ausgemachten Dummkopf zu nennen. Außerdem wäre es eine Amtsträgerbeleidigung. Doch sicher darf man hingegen einen ausgemachten Dummkopf ‚Herr Bundeskanzler‘ nennen, oder? Dann wäre das wohl keine Beleidigung, und daher auch nicht ehrenrührig, oder strafbar, sondern eher als Kompliment zu verstehen.
Finden Sie nicht auch Herr Bundeskanzler?



Woher kommt der Strom? Energiewendefakten

11. Analysewoche 2023 von Rüdiger Stobbe

Die 11. KW begann regenerativ kräftig. Bis Dienstag war die Windstromerzeugung stark. Um nach einem Absacker am Mittwoch zum Donnerstag einen „Zwischenbuckel zu bilden und zum Wochenende in ´Flautennähe` abzusinken. Außer am Montag und Dienstag war die PV-Stromerzeugung insgesamt befriedigend.

Ein Blick auf die Hochrechnung des Agora Zukunftsmeters belegt für 68 Prozent Ausbaugrad der „Erneuerbaren“ immer noch eine jederzeitige Stromversorgungslücke, die neben Importen zum größten Teil konventionell = fossil geschlossen werden muss. 81% Ausbaugrad, das Ziel der Ampel für das Jahr 2030, weist zu Beginn der Analysewoche (Montag, Dienstag) eine erhebliche Strom-Übererzeugung aus. Ab Mittwoch wechseln sich mittägliche Strom-Übererzeugung mit Stromlücken zum Rest des Tages ab. Am Donnerstag allerdings ist auch am Vorabend bis hin zum Freitagvormittag und über die Mittagszeit zu mehr Strom im Markt als zur Stillung der Nachfrage benötigt wird. Das wirkt stark preissenkend. Ebenfalls preissenkend wirkt der abrupte Wechsel von Strom-Übererzeugung (PV-Strom) zu Stromlücken wegen mangelndem Windstrom nach Sonnenuntergang.  Damit die Lücken am Vorabend geschlossen werden können, müssen Backup-Kraftwerke „warmlaufen“, damit sie rechtzeitig den immer geringer werdenden und dann wegfallenden PV-Strom ersetzen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Prognosen alles glasklar zeigen. Die Realität allerdings ist den Kraftwerksbetreibern durchaus nicht bekannt. Sie kann vollkommen anders aussehen als die angenommenen, die spekulativen Werte. Da man immer auf „Nummer sicher“ gehen wird, wird es auch zu einer preissenkenden Strom-Übererzeugung kommen. Wenn es denn überhaupt Länder gibt, die in erheblichem Umfang über Bedarf anfallenden Strommengen abnehmen. Man sollte am besten bereits jetzt anfangen Wasserstoffproduktionsanlagen in industriellen Maßstab bauen, um für die Zukunft gewappnet zu. Eine Zukunft die zumindest zeitweise erhebliche Mengen Strom im Überfluss = über Bedarf hinaus bringen wird. Da es bisher aber nicht geschafft wurde, die Ladeinfrastruktur für den geplanten Hochlauf Elektromobilität herzhaft in Angriff zu nehmen, sehe ich schwarz. Eines ist und bleibt jedenfalls komplette Energieverschwendung: Windparks für grünen Strom zu bauen, der dann in Wasserstoff transformiert Busse, Züge oder Kfz im Alltagsbetrieb antreibt (siehe dazu Artikel 10/2023 dieser Kolumne).

Montag, 13. März 2023 bis Sonntag, 19. März 2023Anteil Wind- und PV-Strom 43,8 Prozent. Anteil regenerativer Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 55,0 Prozent, davon Windstrom 33,5 Prozent, PV-Strom 10,4 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,2 Prozent.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Wochenvergleich zur 11. Analysewoche ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zur KW 11/2023 Factsheet KW 10/2023 – ChartProduktionHandelswocheImport/Export/Preise, CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040.

  • Der Heizungstipp: Gas-, Ölheizung oder Wärmepumpe? Der Tipp vom Schornsteinfeger hier.
  • Weitere Informationen zur Wärmepumpe im Artikel 9. Analysewoche.
  • NEU: Prof. Ganteförs überraschende Ergebnisse zu Wärmepumpe/Gasheizung (Quelle des Ausschnitts)
  • Lohnt die Produktion von Grünem Wasserstoff? Der Artikel 10. Analysewoche gibt Auskunft
  • Achtung: Es gibt praktisch keinen überschüssigen PV-Strom. Ebenso gibt es praktisch keinen überschüssigen Windstrom. Auch in der Summe der Stromerzeugung mittels beider Energieträger plus Biomassestrom plus Laufwasserstrom gibt es keine Überschüsse. Der Beleg 2022, der Beleg 2023. Überschüsse werden bis auf sehr wenige Stunden im Jahr immer konventionell erzeugt!

Nach den Tagesanalysen gibt Peter Hager aktuelle Informationen zu den Windkraftausbauplänen – Stichwort: Scholz & Wirtschaftswunder

Jahresüberblick 2023

Daten, Charts, Tabellen & Prognose zum bisherigen Jahr 2023Chart 1Chart 2ProduktionStromhandelImport/Export/Preise/CO2Agora 2030Stromdateninfo Jahresvergleich ab 2016

Tagesanalysen

Was man wissen muss: Die Wind- und PV-Stromerzeugung wird in unseren Charts fast immer „oben“, oft auch über der Bedarfslinie angezeigt. Das suggeriert dem Betrachter, dass dieser Strom exportiert wird. Faktisch geht immer konventionell erzeugter Strom in den Export. Die Chartstruktur zum Beispiel mit dem bisherigen Jahresverlauf 2023 bildet den Sachverhalt korrekt ab. Die konventionelle Stromerzeugung folgt der regenerativen, sie ergänzt diese. Falls diese Ergänzung nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, wird der fehlende Strom, der die elektrische Energie transportiert, aus dem benachbarten Ausland importiert.

Montag, 13. März 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 59,3 Prozent. Anteil erneuerbarer Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 68,5 Prozent, davon Windstrom 53,1 Prozent, PV-Strom 6,2 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,2 Prozent.

Die regenerative Erzeugung ist überdurchschnittlich. Aus Netzstabilitätsgründen wird ´zu viel` konventioneller Strom über Bedarf erzeugt, was den Strompreis ab 12:00 Uhr für knapp vier Stunden auf 0€/MWh sinken lässt. In nachfragestarken Zeiten (Vormittag/Vorabend) auch bei Deutschlands Nachbarn, ist der Strompreis hingegen hoch.  Das Preisniveau ist insgesamt niedrig.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 13. März ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 13.3.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Dienstag, 14.3.2023: Anteil Wind- und PV-Strom 53,2 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 63,1Prozent, davon Windstrom 48,1 Prozent, PV-Strom 5,1 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,00 Prozent.

Auch heute ist die regenerative Stromerzeugung überdurchschnittlich. Allerdings deutet sich zur Nacht auf Mittwoch ein Absinken an. Ab 00:00 bis 05:00 Uhr liegt der Strompreis wieder nahe 0€/MWh. Zum Vorabend werden über 150€/MWh erreicht. Dann fällt der Strompreis wieder (leicht).

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 14. März ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 14.3.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Mittwoch, 15. März 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 37,5 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 47 Prozent, davon Windstrom 25,8 Prozent, PV-Strom 9,9 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,3 Prozent.

Die regenerative Stromerzeugung hat über Nacht erheblich nachgelassen. Zum Vorabend muss sogar Strom importiert werden. Das kostet bis zu 200€/MWh. Es gibt praktisch keine Strom-Überproduktion. Deshalb sind die Preise insgesamt mehr als auskömmlich.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 15. März ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 15.3.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Donnerstag, 16. März 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 45,7 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 56,00 Prozent, davon Windstrom 32,1 Prozent, PV-Strom 13,6 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,3 Prozent.

Heute baut sich der Windbuckel der Nacht von Donnerstag auf Freitag auf. Es ist eine starke PV-Stromerzeugung zu verzeichnen. Die kleinen Stromlücken vorher sind kaum erwähnenswert.  Die Strompreisentwicklung.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 16. März ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 16.3.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Freitag, 17. März 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 43,4 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 54,3 Prozent, davon Windstrom 30,9 Prozent, PV-Strom 12,5 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,00 Prozent.

Der nächtliche Windbuckel mit Niedrigpreisen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag baut sich heute über Tag wieder ab. Der Strompreis steigt. ´Höhepunkt`: Die Phase des Stromimports am Vorabend.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 17. März ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 17.3.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040.

Samstag, 18. März 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 33,2 Prozent. Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 47,2 Prozent, davon Windstrom 16,8 Prozent, PV-Strom 16,4 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,00 Prozent.

Die Windstromerzeugung geht über Tag scharf Richtung 0 Prozent, um sich zum Abend wieder etwas zu ´berappeln`. Wäre die PV-Stromerzeugung nicht stark, wäre es noch dramatischer. Dennoch: Bereits ab 14:00 Uhr sind erhebliche Stromimporte notwendig, damit die Versorgungssicherheit Deutschlands in Sachen Strom gewährleistet ist. Dass das den Strompreis treibt, braucht nicht weiter erwähnt zu werden.

Belege für die Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 18. März ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 18.3.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040.

Sonntag, 19. März 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 26,2 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 40,8 Prozent, davon Windstrom 14,4 Prozent, PV-Strom 11,8 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,6 Prozent.

Belege für die Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 19. März ab 2016.

Wenig Bedarf, schwache Windstrom-, schwache PV-Stromerzeugung, fast den ganzen Tag ist Importstrom notwendig. Für die konventionellen Stromproduzenten lohnt es nicht, Kraftwerke zusätzlich anzufahren. Das würde nur zusätzliche Kosten verursachen und den Strompreis, den sie erhalten, senken. Da wäre man doch dumm. Denn am Ende zahlt ohnehin der Stromverbraucher. Da ist gut Geld verdienen.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 19.3.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040.

Peter Hagers Fakten zu Kanzler Scholz´ „Wirtschaftswunder“

Teil 1 – Fokus Windenergie

Bundeskanzler Scholz wird nicht müde, ein neues deutsches Wirtschaftswunder anzukündigen. Schließlich sollen durch die Umsetzung der Energiewende Investitionen von mehreren hundert Milliarden Euro in den so genannten ´Klimaschutz` erfolgen. In Wirklichkeit soll unter dem Label des „Klimaschutzes“ ein bestehendes, auf konventionellen Energien basierendes, Energiesystem mit „erneuerbaren Energien“, zum überwiegenden Teil mit Windkraftanlagen und PV-Anlagen, ersetzt werden. Hinzu kommen – vielleicht – zahlreiche Backup-Kraftwerke (Gas/Wasserstoff), ein dringend erforderlicher Ausbau der Stromnetze, große Batteriespeicher als Kurzzeitspeicher (Fragwürdig!) sowie Elektrolyseure für die Wasserstofferzeugung zur Langzeitspeicherung.

Erklärtes Ziel der Ampel ist es, dass bis zum Jahr 2030 80 Prozent des deutschen Stromverbrauchs mit „Erneuerbaren Energien“ erzeugt werden sollen. Das dieser Wert lediglich einen Durchschnitt wiedergibt, wissen die Freunde der Energiewende vielleicht. Kommuniziert, inklusive der sich daraus ergebenden Folgen für die Stromwirtschaft, wird der Sachverhalt von den Freunden der Energiewende gleichwohl nicht. Um die 80 Prozent zu erreichen, ist gemäß Ampel diese Erweiterung Installierter Leistung Windkraft notwendig:

  • WKA (Land): 115 GW (installierte Leistung Ende 2022: 58,23 GW)
  • WKA (See): 30 GW (installierte Leistung Ende 2022: 8,13 GW)

Um das zu erreichen, fordert Olaf Scholz u.a. den Bau von vier bis fünf Windrädern pro Tag bis zum Jahr 2030. Wann und wie das genau beginnen/erfolgen soll, hat Herr Scholz für sich behalten. Hören Sie zum Sachverhalt das Kontrafunk- Interview mit dem Autor dieser Kolumne, Rüdiger Stobbe .

Für den Erfolg einer Auktion – staatlich geförderte Leistung wird versteigert – liegt in dem Volumen der ersteigerten Leistung. Man kann so viel Leistung ansetzen, wie man will, wenn diese nicht gezeichnet wird, nutzt es nicht. Die Windkraftanlagen mit Förderung werden nicht gebaut. Das hat sich bei den Konstrukteuren der Energiewende offensichtlich noch nicht herumgesprochen.

Doch zunächst der aktuelle Sachstand „Konkreter Ausbau WKA im bisherigen Jahr 2023“. Schaut man sich die aktuellen Ausbauzahlen der Bundesnetzagentur (Stand Februar 2023) an, ist man bei den Windkraftanlagen noch weit vom Wirtschaftswunder entfernt.

Der Nettozubau WKA (Neubauten abzüglich des Rückbaus bestehender WKA) ist viel zu gering.

Windkraft, WKA (Land)

  • Januar 2023: 62,5 MW / 21 WKA (Januar 2022: 114,2 MW / 31 WKA)
  • Februar 2023: 142,8 MW / 41 WKA (Februar 2022: 158,3 MW / 38 WKA)

Um das Ziel für 2030 zu erreichen, betrüge der erforderliche Ausbau laut Bundesnetzagentur 604 MW (Februar 2023).

WKA (See):

  • Januar 2023: 38,1 MW / 4 WKA (Januar 2022: 0 MW)
  • Februar 2023: 38,1 MW / 4 WKA (Februar 2022: 0 MW)

Um das Ziel für das Jahr 2030 zu erreichen, betrüge der erforderliche Ausbau laut Bundesnetzagentur 598 MW (Februar 2023).

Mit der „Grünen Brechstange“ hat die Ampel diverse formale, juristische und teilweise monetäre Hindernisse aus dem Weg geräumt. Bürger, Natur und Umwelt spielen eine immer geringere Rolle. Der Plan muss „durchgeholzt“ werden. Dennoch dürfte der Zubau von Windkraftanlagen nicht wie vorgesehen vorangehen. Im Jahr 2022 und im bisherigen Jahr 2023 waren die Ausschreibungen bei WKA (Land) insgesamt unterzeichnet:

  • 2022 (4 Ausschreibungen): 3.226 MW bezuschlagt (Ausschreibungshöhe: 4.572 MW)
  • 01/2023 (bisher eine Ausschreibung): 1.441 MW bezuschlagt (Ausschreibungshöhe: 3.210 MW nur für Februar)

Die Zahlen belegen wie so oft im Grünen Universum des Guten, dass man zwar Träume (hier: Ausschreibungshöhe) haben darf, dass die Realität (hier: Bezuschlagungsfakten) allermeist eine andere ist. Vor allem wenn man bedenkt, dass ein Zuschlag noch lange nicht „Gebaut und in Betrieb“ bedeutet.

Quelle der Werte Bundesnetzagentur

Gründe für den geringen Ausbau und die erheblichen Unterzeichnungen

  • Hohe Inflation und zunehmend steigende Personalkosten verteuern die Projekte
  • Steigende Finanzierungs-Zinsen
  • Geringe Windgeschwindigkeiten im Süden machen Anlagen dort unwirtschaftlich
  • Angehobene Einspeisevergütungen gleichen die Mehrkosten nicht aus
  • Zunahme des Rückbaus ausgeförderter Anlagen. Diese sind nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.
  • Mangel an Fachkräften

Peter Hager deutete an, dass es im Bereich Photovoltaik besser aussieht. Mehr dazu demnächst in Teil 2 seiner Informationen mit dem Fokus Solarkraft

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Rüdiger Stobbe betreibt den werbefreien Politikblog Mediagnose.




Radikalisiert EIKE die Massen? Schon wieder ein Buch über uns

von AR Göhring und Holger Thuß

Kürzlich erschien erneut eine Publikation, in der EIKE sogar ein eigenes Kapitel gewidmet ist. Titel des Buchs: „Massenradikalisierung: Wie die Mitte Extremisten zum Opfer fällt“

Autorin des Buches ist Julia Ebner, die unsere Konferenz in Gera 2021 unter halb falschem Namen, „undercover“ besuchte (wir berichteten). „Besuchen“ ist eigentlich etwas übertrieben, da Ebner insgesamt kaum eine Stunde anwesend war – sie kam am ersten Tag erst spät während des letzten Vortrags und sammelte nachher beim Abendessen schnell ein paar „anstößige“ Aussagen, um gleich wieder zu verschwinden. Am nächsten Tag erschien sie dann früher, wurde aber wegen des falschen Namens im Zusammenhang mit den 2021 einzuhaltenden Corona-Dokumentationsegeln nicht hereingelassen – unsere Sicherheitsleute hatten sie schnell erkannt.

Ihre halbe Stunde beim EIKE-Abendessen hat sie nun, anderthalb Jahre später, zu einem Buch-Kapitel verarbeitet, unter dem Titel „Unter Klimawandelleugnern“.

Wer ist Julia Ebner? Sie ist aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen als Kulturmoderatorin und Expertin für den nach ihren Angaben erstarkenden Rechtsextremismus bekannt, der nun via „Klima“ oder „Corona“ in die Mitte der Gesellschaft einwirke. Sie war vor einigen Jahren mehrfach bei Markus Lanz, außerdem beim Deutschlandfunk und anderen Öffentlich-Rechtlichen, zu Gast und arbeitet seit einiger Zeit beim Institute for Strategic Studies in Berlin.

Die der Öffentlichkeit eher unbekannte Organsation wurde in London gegründet und ist eine der zahlreichen Nicht(oder doch?)-Regierungsorganisationen, die sich die Regierungen der westlichen Länder als „fünfte Gewalt“ im Staate halten und die mittlerweile als eine Art Nebenregierung die Interessen elitärer Gruppen vertreten.

Ebners Alleinstellungsmerkmal ist die Undercover-Recherche in von ihr als „feindlich“ bzw. „rechts“ verorteten Gruppen. Der Gegenstand ihres Interesses ist allerdings erstaunlich bunt sortiert, da das Panoptikum von der identitären Bewegung über Coronakritker und Klimaskeptiker bis hin zu Islamisten reicht. Man könnte auch sagen, alles was Fridays for Future, Klimakleber, Grüne und die öffentlich-rechtlichen Sender nicht mögen – in der Beziehung ist Ebner nicht besonders originell.

In den rund 20 Seiten über unsere Konferenz berichtet die Autorin leider mit keinem Wort über die Vorträge, die sie sich auf unserem Youtube-Kanal sogar in übersetzter Form hätte anschauen können – auch das ein bekanntes Muster von Gegnern der „Klimawandelleugner“: Das Fachwissen von Kritikern wird meist ignoriert, da man selbst als politisch überzeugter Laie einfach den offiziellen Kanälen, Aktivisten und Politikern glaubt, weil es einem nutzt, und weil man qua Ausbildung sowieso keinen Zugang zu Zahlen & Figuren hat. So gibt Ebner inhaltlich nur ein paar Allgemeinplätze von IPCC, PIK und Co. über Klimaschutz, Eisbären, Wetter und CO2 wieder, zu unseren Themen sagt sie nichts.

Stattdessen wiederholt sie im EIKE-Kapitel die üblichen Narrative, nach denen wir äußerst wohlhabend seien („kennen keine Geldsorgen“), weil mit wir ja „großzügigen Spenden aus der Öl- und Brennstoffindustrie finanziert“ seien. Beweise führt sie nicht an – immerhin vermeidet sie es, den offensichtlich konsultierten Wikipedia-Artikel über uns auch noch zu zitierten. Dafür schafft sie es aber, völlig neue Behauptungen aufzustellen, da sie meint, daß unser Präsident Holger Thuß als „früherer AfD-Politiker“ 2007 EIKE gegründet habe (die AfD wurde erst 2013 gegründet…). Selbst im Wiki-Artikel über Thuß ist nachzulesen, daß unser Chef seit gut dreißig Jahren durchgehend Mitglied der CDU ist. Und EIKE wurde als Idee von Holger Thuß und Michael Limburg erfunden und von 19 späteren Mitgliedern im Februar 2007 im Kongresshotel in Hannover gegründet.

Mehrfach betont sie im Text die Anwesenheit „alter weißer Männer“, „weißer Haare“ und die Seltenheit von Frauen unter 50 auf der Konferenz. In Anbetracht ihres journalistischen Engagements gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von „Extremisten“ fragt man sich, ob ihr ihre eigene Feindseligkeit gegen die Gruppen der weißen Männer und der Senioren nicht auffällt. Seltsam außerdem, daß sie am Ende des Kapitels von ihrer Angst berichtet, nach ihrer Enttarnung die Beine in die Hand nehmen zu müssen – ist eine Weißhaarigen-Konferenz so gefährlich?

Da „Klimawandelleugnung“ selbst heute noch nicht ganz ausreicht, um als Demokratie-gefährdender Extremist zu gelten, fand die Autorin auf der Konferenz natürlich einen waschechten „Neonazi“, der praktischerweise beim Abendessen neben ihr saß und erzählt habe, er sei wegen migrationsfeindlicher Äußerungen aus einer Burschenschaft geflogen. Stimmt aber nicht – jener „Nazi“, „Tom“, wie sie ihn nennt, war nie Mitglied einer Studentenverbindung, sondern in der FDP und ist dort in Ungnade gefallen. Dennoch schließt sie aus dieser einen Begegnung allgemein, daß es „mehr Überschneidungen zwischen der Szene der Klimawandelleugner und rechtsextremen, ultranationalistischen Kreisen gebe“, als sie gedacht habe. Wenn sie das Abendessen nicht nach einer halben Stunde schon wieder verlassen und sich mit mehreren der 200 Gäste und Referenten unterhalten hätte, hätte sie vielleicht einen anderen Eindruck bekommen – aber darum ging es offenbar nicht. Sie wollte wohl ein paar nur möglichst skandalöse und im Sinne der Buch-Intention gut verwertbare Aussagen und Beobachtungen mitnehmen.
Passend dazu die Bemerkung, daß Gera eine Stadt sei, aus der viel „Neonazi-Musik“ komme. Ob das stimmt oder nicht – was hätte sie gesagt, wenn sie unsere Münchener Konferenz 2019 undercover besucht hätte? Daß München in den 30ern Hauptstadt der NS-Bewegung war, und EIKE daher gut hierher passe? Pikant: Daß EIKE seinen Sitz in Jena hat, erwähnt sie nicht – die Saalestadt ist im Gegensatz zum benachbarten Gera ja auch ein grün-alternativer „Leuchtturm“….
Man merkt- hier geht es eher um „Framing“ als um echte Information. Sie behauptet auch, auf unserer Konferenz hätte niemand eine Corona-Maske getragen – kein Wunder, sie war ja hauptsächlich beim Essen anwesend, und da mußte man nicht Maske tragen (auch sie trug keine).

Man muß zugeben, schreiben kann Ebner recht gut – wer sich im Thema „Klima“ nicht auskennt, der könnte dem eingängig verfaßten Text leicht Glauben schenken und EIKE mindestens für einen Verschwörungstheoretiker-Club halten. Wobei das Buch „Massenradikalisierung: Wie die Mitte Extremisten zum Opfer fällt“ schon im Titel andeutet, daß es sich dabei mehr um eine Projektion handelt – man beschuldigt andere zu tun, was man selber tut. So geht es im Buch nicht nur um „Klimawandelleugner“, sondern auch um Maskulisten (Incels?), Rassisten von „White lives matter“ (?), Transphobiker, Impfgegner und Rußland, denen allesamt die „Mitte zum Opfer fällt“. „Transphobiker“ sind ja Feinde von Menschen, die ihr Geschlecht wechseln, aber haben Sie schon einmal etwas von „Incels“ und „White lives matter“ gehört?
Es wirkt also schon etwas bemüht, mit Hilfe abseitiger oder kleiner Gruppen, die keiner kennt, ein Bedrohungsszenario aufzubauen.

Autorin Ebner soll seit ein paar Jahren in Oxford Doktorandin sein – dazu paßt, daß das vorliegende Buch nach Angabe des Verlags eine Übersetzung aus dem Englischen ist. Eine englische Ausgabe ist zumindest im Netz aber nicht zu finden – soll es überhaupt eine geben?

Bibliografie:
Massenradikalisierung – Wie die Mitte Extremisten zum Opfer fällt. Warum unsere Demokratie bedroht ist wie noch nie
Aus dem Englischen von Kirsten Riesselmann. Erscheinungstermin: 13.03.2023
Fester Einband, 360 Seiten. ISBN 978-3-518-47314-6
suhrkamp taschenbuch 5314, suhrkamp nova

Andere Werke der Autorin:

  • Wie Extremisten die neuen Technologien nutzen und uns manipulieren. Aus dem Englischen von Kirsten Riesselmann. Suhrkamp Verlag, September 2019. ISBN 978-3-518-47007-7
  • Wut: was Islamisten und Rechtsextreme mit uns machen. Aus dem Englischen von Thomas Bertram. Konrad Theiss Verlag März 2018 ISBN 978-3-8062-3701-6
  • Radikalisierungsspirale: Das Wechselspiel zwischen Islamismus und Rechtsradikalismus. In: Wissen schafft Demokratie: Band 2: Schwerpunkt Diskriminierung Amadeu Antonio Stiftung 2017 ISBN 978-3-940-87831-1 S. 148–159



Habecks wahnwitziger Heizungsplan gekippt? – Fritz Vahrenholt spricht Klartext

Julian Reichelts Firma Rome-Medien produziert das interessante Talk-Format Stimmt!, in dem gewichtige Stimmen zur aktuellen Politik gehört werden, die im Massen-TV nicht (mehr) vorkommen, darunter Wolfgang Bosbachs Tochter Caroline, vom Jungen Wirtschaftsrat der Union, Fritz Vahrenholt und Energie-Ökonom Björn Peters.

Gerade diskutierte Moderator Sebastian Vorbach mit diesen Gästen unter anderem zum Thema der Habeckschen Heizungsinitiative, die ab 2024 eine Erneuerung aller „fossilen“ Heizungen vorsieht.

Prof. Vahrenholt verwies in leidenschaftlicher Weise darauf, daß der grüne Plan des Wirtschaftsministers sowohl wirtschaftlicher, sozialer, und vor allem umweltpolitischer Unfug sei: