Woher kommt der Strom? Ordentliche regenerative Stromerzeugung

von Rüdiger Stobbe

17. Analysewoche 2023

Der Wochenanfang zeichnete sich noch durch eine recht ordentliche regenerative Stromerzeugung aus.  Am Mittwoch, so ab 5:00 Uhr ging es dann bergab. Der Strombedarf sank ab Freitag ebenfalls. Es stand ein langes Wochenende vor der Tür. Das Weniger an Strombedarf bedeutete gleichwohl nicht, daß keine Stromimporte notwendig wurde. Im Gegenteil. Die deutsche Stromversorgung fußt seit dem 15. April zu einem erheblichen Teil auf Stromimporten. Dann muss man keine Kohlekraftwerke zum Ausgleich des weggefallenen Stroms aus Kernkraft einsetzen. Das „verbessert“ den CO2-Ausstoß. Am Sonntag allerdings, gerade am besonders bedarfsarmen Sonntag vor dem 1. Mai schien die Sonne in Deutschland besonders kräftig auf die Solarpaneelen. Stromimport war über die Mittagsspitze nicht notwendig. Zwecks Netzstabilisierung aber konventionelle Fossilstrom-Erzeugung mittels großer Generatoren. Was den Strompreis wegen des Marktüberschusses sofort in den negativen Preisbereich katapultierte.

Donnerstag, 24. April 2023 bis Freitag, 30. April 2023Anteil Wind- und PV-Strom 40,4 Prozent. Anteil regenerativer Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 55,0 Prozent, davon Windstrom 24,5 Prozent, PV-Strom 15,9 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,6 Prozent.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Wochenvergleich zur 17. Analysewoche ab 2016

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zur 17. KW 2023: Factsheet KW 17/2023  – ChartProduktionHandelswocheImport/Export/Preise, CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040.

Jahresüberblick 2023 bis zum 30.4.2023

Daten, Charts, Tabellen & Prognose zum bisherigen Jahr 2023Chart 1Chart 2ProduktionStromhandelImport/Export/Preise/CO2Agora 2030Stromdateninfo Jahresvergleich ab 2016

Tagesanalysen

Was man wissen muss: Die Wind- und PV-Stromerzeugung wird in unseren Charts fast immer „oben“, oft auch über der Bedarfslinie angezeigt. Das suggeriert dem Betrachter, dass dieser Strom exportiert wird. Faktisch geht immer konventionell erzeugter Strom in den Export. Die Chartstruktur zum Beispiel mit dem bisherigen Jahresverlauf 2023 bildet den Sachverhalt korrekt ab. Die konventionelle Stromerzeugung folgt der regenerativen, sie ergänzt diese. Falls diese Ergänzung nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, wird der fehlende Strom, der die elektrische Energie transportiert, aus dem benachbarten Ausland importiert.

  1. Analysewoche

Montag, 24. April 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 51,8 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 63,5 Prozent, davon Windstrom 41,0 Prozent, PV-Strom 10,8 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,7 Prozent.

Der Montag wartet mit gleichmäßiger, recht starker regenerativer Stromerzeugung auf. Der Stromüberschuss über Mittag findet seine Abnehmer im benachbarten Ausland zu erklecklichen Preisen. Der am Vormittag notwendige Stromimport dagegen kostet richtig Geld.

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Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 24.4.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Dienstag, 25. April 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 44,0 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 55,4 Prozent, davon Windstrom 33,0 Prozent, PV-Strom 11,0 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,5 Prozent.

Am heutigen Dienstag sinkt die regenerative Erzeugung. Es gibt kaum Überschussstrom. Dafür muss nicht nur wie gestern am Vormittag sondern auch am Nachmittag Strom und sogar –  wenn auch nur sehr wenig – Strom über Mittag importiert werden. Sehen Sie selbst: Die Strompreise.

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Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 25.4.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Mittwoch, 26. April 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 40,1 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 52,1 Prozent, davon Windstrom 23,6 Prozent, PV-Strom 16,5 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,0 Prozent.

Fast über ganzen Tag sind am heutigen Mittwoch Stromimporte vonnöten.  Ab etwa 5:00 Uhr sinkt die Windstromerzeugung nochmals ab. Die Strom-Vorabendlücke ist gewaltig. Der Strompreis auch. Die deutschen Stromproduzenten profitieren mit. Warum also extra fossile Kraftwerk zu hohen Kosten mit Brennstoffverbrauch anwerfen. Solange die Nachbarn Strom liefern (können).

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Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 26.4.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Donnerstag, 27. April 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 33,0 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 47,0 Prozent, davon Windstrom 10,9 Prozent, PV-Strom 22,1 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,0  Prozent.

Sehr geringe Windstrom-, aber ganz gute PV-Stromerzeugung machen Stromimporte über den ganzen Tag notwendig. Die Strompreisentwicklung.

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Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 27.4.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Freitag, 28. April 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 32,9 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 47,3 Prozent, davon Windstrom 22,4 Prozent, PV-Strom 10,4 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,4 Prozent

Heute beginnt für viele Menschen das verlängerte 1. Mai-Wochenende. Der Bedarf ist bereits geringer als an einem gewöhnlichen Freitag, weil viele Leute in den Kurzurlaub aufbrechen. Die Windstromerzeugung zieht etwas an, die PV-Stromerzeugung schwächelt. Wieder wird den ganzen Tag Strom importiert. Das benachbarte Ausland verdient gut. Die deutschen Stromerzeuger auch. Der Stromkunde zahlt.

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Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 28.4.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Samstag, 29. April 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 37,6 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 53,8 Prozent, davon Windstrom 22,9 Prozent, PV-Strom 14,7 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,2 Prozent.

Der Strombedarf sinkt nochmals. Keine 60 GW (12:00 Uhr = 58,8 GW Höchstbedarf) werden benötigt. Stromimporte und Preisbildung.

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Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 29.4.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Sonntag, 30. April 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 39,9 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 57,2 Prozent, davon Windstrom 10,9 Prozent, PV-Strom 29,0 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 17,3 Prozent.

Nochmals weniger Bedarf, nochmals weniger Windstrom, aber bereits eine sommerliche PV-Stromerzeugung (13:00 Uhr = 36,5 GW) lassen den Importstrom versiegen. Die deutsche Fossil-Stromerzeugung reduziert ihre Produktion auf die für die Systemstabilität des Stromnetzes nötige Strommenge. Der Strompreis stürzt ab. In den negativen Bereich. Um 13:00 liegt er bei -5,30€/MWh.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 30. April ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 30.4.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2, Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Auszug aus dem Artikel …

Energiewende & der Zauberstoff der Energiewende – Wasserstoff – Teil 1

„Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung, die Explosionen in Fukushima seien ´Atomexplosionen gewesen, handelte es sich um Wasserstoffexplosionen. …

Beipiel einer Wasserstoffexplosion

Quelle: ZDF-Dokumentation zu Fukushima – Der ewige Gau?

… Um Wasserstoff zu transportieren, zu speichern und zu tanken sind höchste Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Das betrifft Material und das Handling.“

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier.

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Rüdiger Stobbe betreibt den Politikblog Mediagnose.




„Habeck zerstört das Land“ – Fritz Vahrenholt bei BildTV

Fritz Vahrenholt, ehemaliger Umweltsenator (SPD) und Energieexperte, sagt bei Viertel nach Acht:

„Die deutsche Energiepolitik zerstört unsere Wirtschaft und führt Deutschland in die Katastrophe. Sie überfordert die Bürger und dient letztlich nicht dem Klimaschutz. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist dafür verantwortlich und die aktuelle Affäre um seinen Staatssekretär Patrick Graichen zeigt, dass es im Ministerium nicht um Kompetenz, sondern um Ideologie geht. Kanzler Scholz muß eingreifen.“




Finanzkapitalistische Seilschaften der Energiewende: Blackrock-Managerin in Habecks Ministerium

von AR Göhring

Die Abteilung Wirtschaftspolitik im Bundesministerim für Wirtschaft und Klimaschutz wird von einer ehemaligen Blackrock-Managerin, Elga Bartsch, geleitet. Und das schon seit November 2022. Man sieht – die finanzkapitalistische und nepotistische Basis der grünen „Klimarettung“ ist schon seit mindestens einem halben Jahr bekannt, wird aber erst seit April 23 immer deutlicher gemacht.

Die Ökonomin arbeitete zuletzt bei der Vermögensverwaltungsgesellschaft Blackrock, wie es am Dienstag aus Kreisen des Ministeriums hieß. (…)

Bis zum Sommer dieses Jahres hatte Bartsch noch das Volkswirtschafts- und Kapitalmarkt-Research des BlackRock Investment Instituts in London geleitet. Dort schied sie Ende Juni auf eigenen Wunsch aus, um ein längeres Sabbatical anzutreten. Zuvor war sie viele Jahre lang Europa-Chefvolkswirtin der Investmentbank Morgan Stanley.

Warum wurde nicht sofort auf die – gelinde gesagt – paradoxe Personalie in allen grünen Kanälen, von ARD & ZDF bis zu Spiegel, SZ & Zeit aufmerksam gemacht – und Habeck dafür gegrillt? Nun, es wurde sehr wohl berichtet. Zitat aus der Zeit (!):

Warum holt sich Robert Habeck eine Heuschrecke in sein Ministerium?
Mit Elga Bartsch wird eine BlackRock-Managerin zur Chefökonomin der Regierung. Die Personalie verrät viel über den Richtungsstreit der Ampel – und über den Kapitalismus.

Auch das ur-grüne Blatt taz berichtete frühzeitig vom Abu-Graichen-Clan im Klimaministerium, sogar als erstes:

Wirtschafts- und Klimaministerium: Energiewende als Familienprojekt

Es gibt heuer in den westlichen Ländern sehr viele „Linke“, weil es sich finanziell einfach lohnt. Daher treten sich nicht wenige gegenseitig auf den Fuß – in Interessensgruppen müssen nicht alle Interessen kongruent sein; vor allem, wenn die Gruppen immer größer werden und es immer mehr Profiteure gibt, die sich gegenseitig die Beute neiden. „Feind – Todfeind – Parteifreund“ witzelt man daher in Unionskreisen. Und ein linker Journalist mit Festgehalt hat nun einmal andere Neigungen als ein Energiewende-Lobby-Kapitalist: So wundert es den geneigten EIKE-Leser nicht, daß ein taz-Reporter wie Bernhard Pötter andere Ideale hat als Patrick „Abu“ Graichen.

Dennoch kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die bundesdeutschen Qualitätsmedien nicht verschweigbare Entitäten einmal erwähnen, durchaus kritisch, danach aber nicht mehr. Die Skandalisierung bleibt aus. Typisches Beispiel aus dem ARD-Sender Phoenix: Informieren mit der Schere: ARD streicht Graichen-Kritik.

Und andere, weniger professionelle taz-Journalisten wie Ulrike Herrmann, die sonst stets den Kapitalismus als Hauptursache der Klimakastastrophe sieht, hat bei Maischberger verdächtig viel Verständnis für die kapitalistische Vetternwirtschaft des Patrick Graichen – sie behauptete allen Ernstes, daß der Staatssekretär seinen Trauzeugen nur deshalb einstellte, weil der in Sachen Energiewende firm sei. Man findet ja im klimaverrückten Deutschland mit seiner ausufernden akademischen Klimaszene sonst keine Klimaexperten, nicht wahr.

Ausschnitt Maischberger, 2.5.23. https://www.daserste.de/information/talk/maischberger/sendung/maischberger-790.html

Die Firma Blackrock kennt Otto Normalmedienkonsument hauptsächlich durch die Personalie Friedrich Merz, dessen Millionärsstatus von der Presse gern mit seiner Tätigkeit für die Firma erklärt wird. Was machen die Blackrocker eigentlich? Wikipedia ist deutlich:

BlackRock Incorporated ist eine international tätige US-amerikanische Investmentgesellschaft mit Sitz in New York City. Mit über zehn Billionen (!) US-Dollar an verwaltetem Vermögen ist BlackRock der weltgrößte Vermögensverwalter,etwa in der halben Größe der Vermögenswerte aller Finanzunternehmen in Deutschland.BlackRocks Kundschaft besteht aus Privatanlegern und Institutionen wie Banken, Pensionskassen, Stiftungen, Versicherer, Staatsfonds und Zentralbanken. Der Hauptsitz von BlackRock befindet sich im Wolkenkratzer 50 Hudson Yards im Viertel Hudson Yards in Midtown Manhattan.

Klassische Linke und Grüne ekeln sich schon beim Lesen des Artikels. Aber jetzt immer weniger, denn seit 2020 setzt der Gründer Larry Fink verstärkt auf Investment in „Klimaschutz“. Und – für EIKE-Leser besonders interessant:

In einem Interview äußerte sich BlackRock-Chef Larry Fink kritisch über die Unvorhersehbarkeit von Demokratien und betonte die Vorliebe der Finanzmärkte für autoritäre Regierungen bei langfristigen Investitionen.

Im Klartext: Fink ist der politische Inhalt völlig gleich, solange für ihn selbst und seine Kunden möglichst großer Profit hängenbleibt. Viele jüngere Grünwähler oder Klimakleber mögen sich selber beruhigen, daß der Klima-Finanzkapitalismus in Ordnung sei, wenn er das Klima rette. Einige ältere Grünanhänger mögen aber ahnen, daß das Öko-Investment wie das des Larry Fink nur ein Schneeballsystem ist, daß Geld aus der Realwirtschaft nach (ganz) oben umverteilt – und wer zu weit unten im System steht, wird bald ruiniert sein. Das eigene Vermögen ist zwar nicht weg – aber es haben andere wie der Abu-Graichen-Clan und Larry Finks Kunden.

Es bleibt zu hoffen, daß immer mehr Linke und Grünwähler in den DACH-Staaten diesen Fakt begreifen und Konsequenzen daraus ziehen. Wir von EIKE stehen bereit und klären über die brutale, unideologische und sehr unschöne Realität auf!




Es ist wieder Zeit für Wunderwaffen: Kanzler Scholz setzt jetzt auf Geothermie

von AR Göhring

Der Kanzler macht bei seiner Afrikareise in Kenia Halt bei einem Kraftwerk, in dem aus Erdwärme Energie gewonnen wird. Für Scholz eine vorbildliche Technologie, auch um die deutschen Klimaziele zu erreichen.

meldet das grüne Hausblatt Süddeutsche Zeitung.

Gerade in der Heimat des Kanzlers gibt es seit über 100 Jahren die weltweit höchste Dichte fähiger Ingenieure. Wenn Erdwärme so effizient wäre, wie nun behauptet – warum hat sie dann bislang keiner genutzt? Weil deutsche Ingenieure traditionell ideologisch sind und von der Fossil- und Kernkraftindustrie bestochen?

Geothermie ist unerschöpflich. Anders als Solar oder Wind ist sie rund um die Uhr 365 Tage im Jahr verfügbar“, schwärmt der kenianische Energieminister Davies Chirchir zur Begrüßung in einem Festzelt neben dem Swimmingpool.

Ja, an wenigen geeigneten Orten. Genau wie Wasserkraft in Norwegen.

„Wir haben in Deutschland keine vulkanischen Regionen wie diese hier, aber wir haben sehr viele Gegenden und Landschaften, in denen Geothermie gute natürliche Voraussetzungen hat“

so der Universalgelehrte Olaf Scholz, der wie seine ÖR-Kollegen Luisa Neubauer, EvH und – natürlich – Harald Lesch vermutlich eine der immer zahlreicher werdenden Wiedergeburten des Gottfried Wilhelm Leibniz ist.

Gibt es in der Geschichtswissenschaft den Begriff „Wunderwaffen-Taktik“? Wenn nicht, wäre die Einführung angeraten. Immer wenn unfähige Konzernmanager oder Regimepolitiker zu lange Unfug getrieben haben und die Realität wie eine Betonwand mit hoher Geschwindigkeit auf sie zukommt, reagieren die Inkompetenten, die ihre Herrschaft noch etwas ausdehnen wollen (Zeit, das unverdiente Vermögen in Sicherheit zu bringen…) mit der Propagierung angeblicher Wunderwaffen. Deren Technologie ist allerdings meist schon lange bekannt und hat sich nicht bewährt – oder braucht, siehe Aggregat 4, jahrzehntelange zähe Forschungsarbeit, bis der Schwellenwert der seriellen Nutzbarkeit endlich überschritten ist.

Hätte sich Scholz und die Journaille kundig gemacht, würden sie das Thema Geothermie vorsichtiger anfassen. Es gab nämlich scho etliche Versuche in den DACH-Ländern:

In Basel hat man das vor einigen Jahren auch mal versucht, das Erdbeben war sehr „saftig“, viele Schäden an Häusern. Die Firma, welche die Bohrungen gemacht hatte, hat sich dann in die Insolvenz verabschiedet, weil sie die Schadenersatzforderungen nicht stemmen konnte. (Zitat FB-Kommentator)

Die Geothermie-Katastrophe in Staufen: Eine Stadt in Bewegung

 




„Atomausstieg“ vs. „Endlager“

von Klaus-Dieter Humpich

Man glaubt es kaum: Der „Atomausstieg“ wurde mit der Abschaltung der letzten drei Kernkraftwerke in Deutschland vollzogen, aber die Öko-Sozialisten glauben, alles geht so weiter, wie bisher. Die Parteileitung der Grünen verkündet stolz in den Talkshows, daß nun der Strom billiger wird, weil ja die „Atomkraftwerke“ nicht mehr länger die Netze verstopfen. Oh, heilige Einfalt, warum nur, sind dann die Strompreise mit jeder Abschaltungswelle immer weiter gestiegen? Warum nur, haben die Länder mit hohem Kernenergieanteil (Frankreich) deutlich geringere Stromkosten als die Länder (Dänemark) mit viel Windstrom? Warum nur, wechselt GB – mit gegenüber Deutschland geradezu idealen Windverhältnissen – zurück zur Kernenergie? Aber seid nicht bange, wenn erstmal der letzte Quadratmeter mit einer Windmühle voll gestellt oder von einer chinesischen Photovoltaikanlage überdacht ist, bricht das Paradies auf Erden aus. Bis dahin müßt ihr nur mehr bezahlen für den Aufbau des Real-Existierenden-Öko-Sozialismus, denn der Robert muß jetzt auch noch mit eurem Geld den Strompreis für die Industrie subventionieren.

Der Weg bis hier

Wenn man verstehen will, wie es zu der heutigen Situation gekommen ist, kommt man nicht umhin, sich die Argumentation der Anti-Atomkraft-Bewegung zu verdeutlichen:

Es begann damit, die Angst vor der Strahlung zu erzeugen. Im Zusammenhang mit „Atommüll“ gipfelte die Propaganda mit der Aussage, nur wenige Gramm Plutonium könnten die ganze Menschheit ausrotten. Eigentlich grottenschlechte Propaganda, sind doch allein durch die Kernwaffentests in der Atmosphäre rund sechs Tonnen fein verteilt worden.
Das Märchen von den technisch nicht beherrschbaren Reaktoren – die erstmal explodiert – Millionen Tote verursachen und die Umgebung für zehntausende Jahre unbewohnbar machen. Nach Tschernobyl und Fukushima glaubte daran kein Mensch mehr. Das Argument war unbrauchbar geworden.
Die Erzählung von der teuren „Atomkraft“, die die Netze mit unbrauchbarer Grundlast verstopft. Genau die Gruppen, die den Bau mit immer neuen Klagen verzögerten und immer neue Ideen zur Verteuerung erfanden, „beschleunigen“ heute den Ausbau der Windmühlen. Noch nie wurden Bürgerrechte und der Naturschutz so mit Füßen getreten, wie unter der derzeitigen Regierung.
Das Verbot von Recycling in der Kerntechnik. Abgenutzte Brennelemente durften nicht weiter aufbereitet werden, damit die Lüge von der nicht vorhandenen Lösung der „Atommüllfrage“ und der „Endlagerproblematik“ als letzte Propaganda gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie noch erhalten blieb.

Leider verfingen diese Argumente mit tatkräftiger Unterstützung der Medien. Es vergeht auch heute noch keine Sendung im Staatsfernsehen, in dem dieser Blödsinn nicht breitgetreten wird. Deutschland maßt sich wieder einmal an, in der unendlichen Weisheit seiner (gewählten) Politiker „voranzugehen“ und die Welt mit seinen Irrlehren zu beglücken. Deutschland wieder allein gegen die Welt.

Die Vertagung auf Sankt Nimmerlein

Vielleicht aus Übermut, vielleicht weil man die eigenen Bürger für dämlich hält, wurde per Gesetz die Forderung erhoben, ein Endlager zu finden, was den „Atommüll“ für eine Million Jahre „sicher“ einschließen soll. Man glaubte das Totschlagargument gegen die Kerntechnik gefunden zu haben: Keiner kann etwas für eine Million Jahre garantieren, ergo muß man sofort aus der Kernenergie aussteigen. Hat prima geklappt, nur haben die „Atomexperten“ sich bis heute keine Gedanken gemacht, wie sie aus dieser Propaganda-Nummer wieder rauskommen wollen. Der Ausstieg ist vollzogen, wie aber kriegt man das „Endlager“ weg? Im Moment erscheint als einzige Lösung die Vertagung auf den Sankt Nimmerlein Tag. Im Moment wird bereits eine Inbetriebnahme in etwa 100 Jahren diskutiert. Kann sich noch jemand erinnern, wie die Milliarden Rücklagen der Industrie in einen Fond durch den Genossen Tritin überführt wurden? Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Konnte ja auch wirklich keiner ahnen, daß die Grünen plötzlich in der Regierung sitzen. Nur mal so am Rande bemerkt, wo sind eigentlich die Rücklagen der Windmüller, wenn eines nicht so fernen Tages die komplette Nord- und Ostsee wieder renaturiert werden muß?

Der vollzogene Atomausstieg

Der Atomausstieg ist vollzogen. Es gibt keine friedliche Nutzung der Kernenergie mehr in Deutschland. Damit wird auch kein „Atommüll“ mehr produziert. Die vorhandenen Mengen sind auf das Gramm genau bezifferbar. Auf der Seite des Nationalen Begleitgremiums (NGB) werden sie mit 27 000 Kubikmeter angegeben. Abgesehen davon, daß eine solche Angabe ohne Material und „Verstrahlung“ ziemlich sinnlos ist, entspricht das einem Würfel mit 30 m Kantenlänge. Wird höchste Zeit für unsere „Atomexperten“, sich das mal vor Augen zu führen. Zumindest im NGB hat man den Schuß noch nicht gehört. Man schwadroniert munter weiter, von einem Bergwerk und zieht Vergleiche zu Bure in Frankreich (Ton) und Skandinavien (Granit). Leute, wir sind ausgestiegen, ergo brauchen wir kein Endlager das für 100+ Jahre betrieben werden soll. Das ist der entscheidende Unterschied: Diese Nationen wollen weiterhin Kernenergie nutzen, d. h. es fällt dort weiterhin täglich neuer „Atommüll“ an. Deswegen bauen die auch Endlager, die für mehr als 100 Jahre betrieben werden sollen – betrieben, nicht einfach nur halten. Solch ein Endlager ist ein Komplex aus Bergwerk, Einlagerung und Verpackung. Das Bergwerk wird die ganze Zeit parallel zur Einlagerung weiter betrieben, weil keiner ein solch großes Bergwerk erst fertig baut und dann erst mit der Einlagerung beginnt. Die Verpackung ist ein oberirdischer Industriekomplex mit Eingangskontrolle, Umverpackung usw. Alles zusammen hunderte sichere Dauerarbeitsplätze am Standort. Hinzu kommen noch Zulieferer in der Umgebung. Das ist der Grund, warum sich die Gemeinden in diesen Nationen um das „Endlager“ bewerben. Aufwiegler von außen haben wenig Chancen. All das brauchen wir nicht mehr in Deutschland. Wir brauchen quasi nur eine „Deponie“, in der einmalig diese (kleine) Menge sicher verschwindet. Deshalb sind ganz neue Ansätze gefragt.

Die Bestandsaufnahme

Am Anfang steht eine genaue Bestandsaufnahme. Wo lagern welche Abfälle? Eine genaue Beschreibung jeder einzelnen Tonne bzw. jedes einzelnen Bauteils ist nötig. Die aktuelle Dosisleistung ist zu dokumentieren, sind die Stoffe fest, flüssig, wasserlöslich, sind sie brennbar usw. Im nächsten Schritt ist auf dieser Basis die Nachbehandlung, die mögliche Konzentration oder Dekontamination zu ermitteln. Auf die reichhaltigen Erfahrungen in USA, GB und Frankreich ist zurück zu greifen. Notfalls sind Eigenentwicklungen nötig. Da wir ja ausgestiegen sind, ist vor dem Bau eigener Anlagen die Dienstleistung aus solchen Ländern nachzufragen. Geld ist aus den Rücklagen genug vorhanden. Zügigen Ausschreibungen steht also nichts im Wege. Im Folgenden ein paar Anmerkungen, um auch Laien zu verdeutlichen, wo die Reise hingehen muß.

Brennelemente

„Abgebrannte“ Brennelemente werden überall auf der Welt als Rohstoffquelle betrachtet. Dies war einst auch in Deutschland so, bis die Anti-Atomkraft-Bewegung in typischem Neusprech Rohstoff in Müll umetikettierte. Von Anfang an war ein Recycling geplant und wurde übergangsweise in Frankreich und GB durchgeführt. Dies diente auch dazu, die Menge an „Atommüll“ deutlich zu verringern. Werden doch in einem Leichtwasser-Reaktor nur rund 5% des Uran gespalten. Nur diese 5% ergeben die radioaktiven Spaltprodukte. 95% können bei der Wiederaufbereitung zurück gewonnen werden und weiter zur Energieerzeugung genutzt werden. Erst wurde die Wiederaufbereitung bekämpft und (in Deutschland) verboten und anschließend das Märchen vom „Flug ohne Landebahn“ erfunden. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Erst die Anti-Atomkraft-Bewegung hat mit viel Medienunterstützung das Atommüllproblem erschaffen.

Spaltprodukte erzeugen bei ihrem Zerfall Wärme. Sie müssen deshalb unmittelbar nach der Entnahme aus dem Reaktor in einem Wasserbecken zur Kühlung und Abschirmung gelagert werden. Spaltprodukte mit kurzer Halbwertszeit zerfallen schnell und sind dann weg, haben aber auch eine entsprechend große Wärme-Leistung produziert. Nach ein paar Monaten hat die Leistung soweit abgenommen, daß sie in Behälter zur sog. Trockenlagerung umgepackt werden können. Ein beträchtlicher Sicherheitsgewinn, da ab dann (ohne Wasser) die Kühlung passiv ist. Je länger sie lagern, um so harmloser werden sie, da immer weniger Spaltprodukte pro Zeiteinheit zerfallen – die Strahlung wird immer geringer.

Es gibt heute grundsätzlich zwei Wege: Man verpackt sie in Stahlbehälter mit Kühlrippen (z. B. CASTORen) und stellt diese in Lagerhallen zum Schutz vor Wetter etc. oder steckt diese in tonnenschwere Betonzylinder, die man auf eine Betonplatte (Erdbebenschutz) im Gelände stellt (z. B. System Holtec). Die Strahlung solcher Freilager ist so gering, daß immer gern Photos von der Umarmung eines Behälters gemacht werden. Die Erfindung der Gefahr durch Terrorismus ist faktisch nicht vorhanden, da diese „Brennelemente-Bunker“ auch durch keine Panzerfaust zerlegt werden können. Da wir Deutschen aber zum Gürtel noch gern die Hosenträger tragen, spricht auch nichts dagegen, diese Behälter in irgendwelchen Stollen abzustellen bis sich ein Käufer findet. Wenn man ganz gehässig sein will, kann man sie auch in irgendeinem Bergwerk versenken: Wenn wir aussteigen, soll auch kein anderer Uran nutzen.

Glaskokillen

Deutschland hat Brennelemente nach Frankreich und GB zur Wiederaufbereitung geschickt. Dort wurde das PUREX-Verfahren verwendet. Ein chemisches Verfahren, das besonders reines Uran und Plutonium erzeugt. Die Spaltprodukte und Minoren Aktinoide verbleiben in der Lösung und sind Abfall. Heute entzieht man dieser Lösung in den USA noch wertvolle Isotopen für die Medizin. Zur sicheren Lagerung wird dieser radioaktive Cocktail in Glas eingeschmolzen und in Edelstahlbehälter abgefüllt. Das ist der Atommüll, den die Franzosen in ihrem Endlager in Bure in einer Tonschicht einlagern werden. Vor der endgültigen Einlagerung müssen diese Behälter zum Abklingen zwischen gelagert werden. Wie lange, richtet sich nach der Strahlung die sie noch abgeben (Arbeitsschutz) und der Restwärme. Gewisse Temperaturen an deren Oberfläche dürfen nicht überschritten werden und Ton ist ein schlechter Wärmeleiter.

Wo und wie man diese aus Frankreich und GB zurück gelieferten Behälter endgültig lagert, kann diskutiert werden. Ganz gewiss braucht man dafür aber kein neues Bergwerk errichten. Wie gesagt, wir sind ausgestiegen, neue Kokillen kommen also nicht hinzu.

Reststoffe beim Rückbau

Wenn man die Kernkraftwerke rückbaut, bleibt eine Menge Abfall übrig. Nur der geringste Teil strahlt. Man kann ihn also in den üblichen Kreislauf für Schrott und Baustoffe übergeben. Bei strahlenden Bauteilen muß man zwischen Aktivierung und Kontaminierung unterscheiden. Letztere ist lediglich eine Verschmutzung mit radioaktiven Stoffen. Es gibt zahlreiche Methoden die radioaktiven Stoffe – den Atommüll – zu entfernen. Die dekontaminierten Rohre etc. werden dem normalen Altmetallhandel übergeben. Letztlich ist es eine Kostenfrage, wieviel Atommüll übrig bleibt. Ein Beispiel aus der Praxis: Früher wollte man komplette Dampferzeuger (400 to, 20m lang) im Schacht Konrad einlagern. Seit Jahren ist es Stand der Technik, diese durch Cyclife Sweden in deren Fabrik zerlegen zu lassen. Es kommt ein Metallblock in der Größe eines Kühlschranks zur Endlagerung zurück, in dem die Radioaktivität eingeschmolzen ist. Für die paar „Kühlschränke“, die nach dem Abriß unserer Kernkraftwerke übrig bleiben könnten, braucht man gewiss kein neues Bergwerk. Wie gesagt, wir sind ausgestiegen, es kommen keine neuen Reaktoren hinzu. Das Dekontaminieren ist allemal billiger.
Problematische Abfälle

In den Jahrzehnten sind etliche tausend Fässer mit allen möglichen radioaktiven Inhalten angefallen. Die Bandbreite geht über Arbeitskleidung, Werkzeuge, Filter, Schlämme usw. Diese Fässer sollte man so nicht endlagern. Wie gesagt, wir sind ausgestiegen. Es lohnt nicht, wie in anderen Ländern Sondermülldeponien für leicht radioaktive Stoffe anzulegen. Das kostengünstigste wird sein, man verbrennt diese Fässer komplett und unbesehen in einer Sondermüllverbrennung. Die verbleibende (radioaktive) Asche wird üblicherweise mit Zement vermischt und als Beton eingelagert.
Nachwort

Wenn wir wollten, könnten wir das Kapitel Kernenergie durch den „Atomausstieg“ sehr schnell abschließen. Geld für ein regelrechtes Konjunkturprogramm wäre in Form der angelegten Rücklagen vorhanden. Die Grünen könnten noch ihren Erfolg feiern – wenn es auch ein Pyrrhussieg war, aber das werden sie noch merken. Allerdings wird der Widerstand aus der Anti-Atomkraft-Bewegung erbittert sein. All die, die sich eine Nische als Aktivist oder Experte für irgendwas in einem staatlich finanzierten Projekt geschaffen haben, werden um ihre Existenz kämpfen. Die besten Posten im Kampf ums Klima und in den Ministerien sind ja schon besetzt. Wer zu spät kommt, straft das Leben oder der Atomausstieg frißt seine Eltern.

zuerst hier erschienen