„Bevölkerungsbombe“ 2.0: Die Tagesschau geht zurück zu den Wurzeln des Ökologismus

von AR Göhring

Die Tagesschau rekurriert gerade auf die alte Erzählung von der „Bevölkerungsbombe“ aus dem Jahr 1968 – der Schmetterlings-Experte Paul Ehrlich begann damit die ökologistische Bewegung.

Das Narrativ wurde allerdings im Sinne der „Klimakrise“ aktualisiert:

Ein internationales Klima-Forscherteam hält ein sicheres und gerechtes Leben für alle Menschen auf der Erde für kaum mehr möglich. Fast alle Grenzen seien bereits überschritten.

Paul Ehrlich behauptete in seinem Buch, und dann rund zehn Jahre lang in Interviews und Artikeln, daß das Ende nah sei: In den 1980ern zum Beispiel befürchtete er Milliarden Hungertote – allein in den reichen USA über 50 Millionen. Seine Grundargumentation lautete dabei, daß die Erdkruste mit der Biosphäre darüber schnell durch Emissionen vergiftet sein würde, und daß die Böden nicht in der Lage seien immer mehr Menschen zu ernähren. Die Fantasie-Prognosen des aufmerksamkeitssüchtigen Apokalyptikers wurden in den 80ern derart peinlich, daß Sensations-Presse ihn ausschlich – heute ist der Name Paul Ralph Ehrlich weitgehend unbekannt, einschließlich seiner Theorien.

Halt, nicht ganz: Das Märchen „es gibt zu viele Menschen“ oder „der Mensch mit der Industrie ist eine ökologische Seuche“ hat sich tief in das Bewußtsein der westlichen Bürger eingebrannt. Ob AfD-Wähler oder Grünen-Politiker – kaum jemand Befragtes würde sich heute gegen diese misanthropische Überzeugung aussprechen.

Kein Wunder, daß die Sensationspresse und das Revolver-Fernsehen die olle Kamelle immer wieder einmal auspackt, natürlich, ohne den peinlichen Erfinder zu nennen.

So hört sich die Ehrlich-Theorie im neuen klimatischen Gewand an: Nach Johan Rockström PIK, dürften in acht fundamentalen Bereichen die Grenzen der Belastbarkeit des Planeten nicht überschritten werden.

Dabei geht es um die Erderwärmung, den Zustand und die Funktionalität der Ökosysteme, die Verfügbarkeit von Oberflächen- und Grundwasser, sowie die Belastung von Luft und Umwelt mit Schadstoffen, Stickstoff und Phosphor.

Oder:

  • Gerechtigkeit zwischen den Tierarten und Stabilität des Erdsystems
  • Gerechtigkeit zwischen den Generationen
  • Intragenerationelle Gerechtigkeit zwischen Ländern, Gemeinschaften und Individuen

Was ein Geschwurbel! Wer es sich auf Englisch in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature antun möchte, hier.

Das Problem dabei, so Rockström und sein Team: Sieben der acht Grenzen seien bereits überschritten. Der Verlust der Biodiversität oder auch die Erderwärmung ließen sich aber nicht mehr rückgängig machen, was übersetzt bedeutet: Ein sicheres und gerechtes Leben sei, so die Forscher für viele Menschen auf der Erde heute und in Zukunft nicht mehr möglich.

Das Ende ist also schon da? Ungewöhnlich – Rockström riskiert, das Schicksal des peinlichen Ehrlich zu teilen.

Einige anderen Alarmisten ahnen wohl, daß Rockström et alii, ähnlich wie Habeck & Graichen, den Bogen überspannen und damit zahlreiche Fragen in der breiten Steuerzahler-Bevölkerung provozieren. Daher meint Henrique Pereira

.., Leiter der Forschungsgruppe Biodiversität und Naturschutz am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Halle-Jena-Leipzig: „Mein Hauptkritikpunkt an dem Konzept ist, daß diese Grenzen nicht wirklich von der Wissenschaft definiert werden, sondern stattdessen von der Wissenschaft beeinflußt sind. Das heißt, alle Grenzen beruhen auf der Einschätzung von Expertinnen und Experten, was ein zulässiges Risiko und zulässige Folgen sind, aber eine andere Gruppe von Expertinnen und Experten könnte zu anderen Zahlenwerten für die Grenzen kommen.“

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Planetare Grenzen




The science has NOT settled! Markus Lanz: Wie oft Herr Latif schon daneben lag

von AR Göhring und Klaus-Eckart Puls

Die Sendung von Markus Lanz am 25. Mai schlug doch einige Wellen: Die Massenmedien freuten sich, wie das Trio Lanz, Latif und Amman den AfD-Abgeordneten Steffen Kotré bearbeitete. Die Kritker von Cicero, Tichy über EIKE bis hin zur Achse und zahlreichen Twitter-Konten monierten das abgekartete Stück Nicht-Journalismus des ZDF.

Im Focus der wissenschaftlichen Seite der Kritik natürlich besonders der Grandseigneur der Klimaalarmisten, Mojib Latif (68), der im Studio den Politiker Kotré gemeinsam mit Lanz herablassend auslachte. Der ehemalige Mitarbeiter vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg war in den 90ern das Gesicht der Klimaforschung in den öffentlich-rechtlichen Medien – und als solches gern mit Vorhersagen zur Hand, wie schlimm sich die Erderwärmungskatastrophe schon in naher Zukunft auswirken würde. Unvergessen sein Spiegel-Interview aus dem Jahr 2.000, in dem er orakelte,

Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben

Pikant: Alle fünf Winter 2008/09 – 2012/13 waren kalt bis sehr kalt, und schneereich und überwiegend lang-anhaltend!
Darauf angesprochen, behauptete Latif 2012, die Spiegel-Leute hätten ihm das Zitat quasi in den Mund gelegt.

Der Spiegel hat mich damals falsch zitiert. Meine Prognose bezog sich nicht auf das Jahr 2010, sondern auf die Zeitspanne zwischen 2050 und 2100 sowie auf den Fall, daß keine Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen werden.

Das kann man glauben oder nicht – das Zitat selber kommt seltsamerweise nur in der Interview-Überschrift vor, nicht im Frage-Antwort-Text. Ein professioneller Fehler eines Jung-Journalisten, der Latif rettete? Wie dem auch sei – der Jahrhundert-Winter 20/21, also 20 Jahre nach Latifs Prognose, mit 70cm Schnee im Saaletal, Texas Freeze und Schnee-unter in Madrid, hätte allein schon ausreichen müssen, um all die Latifs, Rahmstorfs und Schellnhubers medial in Mißkredit geraten zu lassen. Stattdessen erklärten die Wetterfrösche von ARD&ZDF, die Kälte sei der Hitze geschuldet – was der renommierte Experte Latif damals nicht vorhersah. Warum nicht?

Die „20 Jahre“-Sache ist der bekannteste Schnitzer des Medien-Professors aus Hamburg. Aber längst nicht die einzige – was die Massenmedien gerne vergessen, wir aber nicht – wie EIKE-Vizepräsident Michael Limburg und unser Pressesprecher Horst Lüdecke hier schon zeigten. Und auch nicht zahlreiche andere Kritiker, wie der empfehlenswerte Youtube-Kanal Klimamanifest Heiligenroth, und der Twitter-Kanal TheRealTom.
Beide zeigen äußerst interessante Videos zu den Patzern des Herrn Latif – das von Heiligenroth ist sogar schon fünf Jahre abrufbar!

Gerade geht der Youtube-Kanal Vermietertagebuch viral. Der Betreiber Alexander Laue erinnert mit alten Aufnahmen aus den 90er Jahren an weitere legendäre Prognose-Krepierer des Klimaforschers Mojib Latif. 1997 zum Beispiel meinte er im NDR, die Nordatlantische Oszillation NAO würde für kalte Winter sorgen. Elf Jahre später wird er – erneut im NDR – auf die falsche Vorhersage angesprochen, bügelt sie aber väterlich-lächelnd ab, mit dem schönen Satz, man arbeite in der Klimawissenschaft halt „mit etwas Ungenauigkeit“. 2023 hingegen seien Klimaprognosen (die seines Doktorvaters Hasselmann) passend „wie die Faust aufs Auge“.

Weiterhin stellt unser Haus-Meteorologe Klaus Puls einige sehr interessante Grafiken und Zitate zur Verfügung, die zeigen, daß an der Richtigkeit der Klima-Vorhersagen nichts dran ist, und es stattdessen, wenn überhaupt, etwas kühler wird. Ein Interview der Presse mit Latif:

Die Presse: Zurück zur bisherigen Erwärmung, 0,8 Grad seit 100 Jahren. Für Vahrenholt kommt die Hälfte von der Sonne. Und beim IPCC kommt alles vom CO2?
ML: Nein, das hat der IPCC nie gesagt, er ist sehr vorsichtig und sagt, daß etwa die Hälfte der Erwärmung anthropogen ist.
Die Presse: Dann sagt er das Gleiche wie Vahrenholt?
ML: Ja, das ist es ja, was mich wahnsinnig macht: Da wird ein Popanz aufgebaut und dann genüßlich zerrissen.

Zur Schneebedeckung der Nordhemisphäre zwei schöne Grafiken:

F.Schnee-Bed.NHK.1980-2021

Datensammlung der Rutgers-Universität für die Jahre 1972 bis 2022. Rote Linie: Mittel des betrachteten Zeitraumes. Dicke blaue Linie: 53-Wochen-Mittelwert, dünne blaue Linie: wöchentliches Mittel. Werden Eis und Schnee weniger?

Übrigens: Mojib Latif kann auch kleine Brötchen backen, wenn er will. So meinte er

„Ich bin gescheitert“, gibt Deutschlands wohl bekanntester Klimaforscher vom Kieler Zentrum für Ozeanforschung ungewöhnlich kleinlaut zu. Seit 30 Jahren versuche er, die Politik wie die Gesellschaft mit der Dramatik des Klimawandels und den Folgen der Erderwärmung vertraut zu machen, doch noch immer werde er von den Menschen beinahe ungläubig gefragt, ob es wirklich so schlimm sei. Entsprechend bitter fällt sein persönliches Fazit aus : „Ich kann nicht überzeugen“, da könne er noch hundert Jahre reden.

Übrigens: Für diese „Erkenntnis“ bedarf es nicht des Herrn Latif, denn: Diese Einsicht hatten seine Alarmisten-Kollegen in den USA schon vor zehn Jahren:

„Die Schlacht, um die Amerikaner zur Annahme der wissenschaftlichen Erkenntnis vom Klimawandel zu gewinnen, ist verloren, erklärte am vergangenen Mittwoch ein Experte auf dem ASPEN-Umweltforum.“

„Klimatologen, hört auf, über die Klimatologie zu reden. Wir haben verloren. Es ist vorbei. Denkt nicht mehr daran,“ rief Foley am letzten Tag der dreitägigen Veranstaltung während einer Podiumsdiskussion einem überraschten Auditorium zu.“ „Sprecht über Dinge, die etwas bringen – Nahrung, Wasser, Lebensstil, Wohnorte, solche Sachen.“

 




Flugreisen: Erstmals 250.000 Flugbewegungen an einem Tag registriert

von AR Göhring

Zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen hat die Seite Flightradar am 25. Mai 2023 250.000 Flüge an einem einzigen Tag registriert.

Letzten Donnerstag haben wir mit 251.829 Flügen einen neuen Rekord aufgestellt – das erste Mal, dass wir mehr als 250.000 Flüge an einem einzigen Tag erfasst haben. Mit dem Beginn der hektischen Sommerreisesaison erwarten wir, dass wir diesen Rekord heute erneut brechen werden.

Verfolgen Sie jetzt 20k+ Flüge unter https://flightradar24.com

Kritische Stimmen vermuten, daß die Ausbringung von Kerosin-Verbrennungsprodukten in die Tropopause oberhalb von zehn Kilometern Folgen habe, unter anderem Erderwärmung. Das wäre schön, weil derzeit ein großes solares Minimum die Erde kühlt und mit Temperaturen wie in den 1970er Jahren zu rechnen ist.

Wie dem auch sei – nicht nur Klimaaktivisten aus der Showbranche wie Leonardo di Caprio fliegen mit der Privatmaschine von einer Klimakonferenz zur nächsten, auch Klimawissenschaftler reisen gern viel und weit. Es werde zwar auch immer häufiger kompensiert, aber die CO2-Kompensierungs-Anbieter stehen laufend in der Kritik, lediglich ein rechnerisches Finanzprodukt anzubieten, das sogar kontraproduktiv sei. „Klima“ ist nur ein – äußerst profitables – Geschäftsmodell; dem geneigten EIKE-Leser ist das nicht neu.

Die steigende Zahl der Flugreisen zeigt, daß das „Klima“-Gedröhne in der Politik, Reklame und im Journalismus keiner mehr so richtig Ernst nimmt. Und das ganz offen: Leo di Caprio gab im Dokufilm Before the Flood 2016 zu, einen erheblichen ökologischen Fußbadruck zu haben. Doch senie Worte reichten – auch danach machte der Multimillionär einfach weiter und ließ zum Beispiel eine australische Augenbrauendesignerin einfliegen, damit sie ihn vor der Oscar-Verleihung schön zupfe.
Aktuelles deutsches Beispiel: Der renommierte Schauspieler Benno Fürmann bekannte im Rossmann-Magazin Centaur, daß er trotz seines neuentdeckten Klimaaktivismus gern in den Urlaub fliege, deswegen aber Flugscham empfinde. Da diese Denkweise nicht sanktioniert wird und sich zumindest in der herrschenden Klasse ausbreitet, ist nachvollziehbar, wie der Flugrekord vom 25. Mai zustandekommt. Es gibt wohl eine Art stillschweigende Übereinkunft der oberen Hälfte, ein Märchen zu erzählen, an das man selbst nicht glaubt, zumindest nicht so richtig. Klingt verrückt, ist historisch aber bestens bekannt – waren zum Beispiel die berüchtigten Renaissance-Päpste katholisch? Mit zahlreichen Mätressen und Söhnen, die zum Kardinal erhoben wurden?




Woher kommt der Strom? Negativer Strompreis

20. Analysewoche

von Rüdiger Stobbe 

Regelmäßig macht in Energiewende-Kreisen das Narrativ die Runde, dass die Strompreise umso günstiger sein werden, desto mehr Strom regenerativ erzeugt wird. Wind und Sonne kosten schließlich nichts, sie stellen keine Rechnung. Tun Kohle und Gas übrigens auch nicht. Da machen nur die Förderer. So wie auch die Windmüller. Dafür sind fossile Energieträger wesentlich reichhaltiger. Vor allem kann mit fossilen Energieträgern der Strom bedarfsgerecht hergestellt werden. Der Bedarf ist gut kalkulierbar, wie die Vergangenheit der rein-fossilen Energieversorgung plus Kernkraft Deutschlands gezeigt hat. Die regenerative Stromerzeugung hingegen ist praktisch unkalkulierbar. Man weiß genau, wann die Sonne wo aufgeht. Man weiß aber nicht, wie stark sie auf allfällige Solarpaneelen scheinen wird. Es sei denn, es liegt ein Sommer-Hoch, z. B. das Azoren-Hoch auch über Deutschland. Ansonsten zeichnet sich das Wetter in der gemäßigten Klimazone Deutschlands durch Wechselhaftigkeit aus. Das gilt insbesondere für die Windstromerzeugung. Wann wo wieviel Wind weht, man weiß es nicht. Man weiß gleichwohl, dass es praktisch jedes Jahr einige in Summe Wochen Zeiten der Dunkelflaute gibt, die einen gewaltigen fossilen Backup-Kraftwerkspark notwendig machen. Diese unabdingbare Zweigleisigkeit der Stromversorgung Deutschlands ist der Strom-Versorgungssicherheit geschuldet und macht den regenerativ erzeugten Strom unter dem Strich wesentlich teurer als es auf dem Zettel unserer Energiewendefreunde aussieht.

Der Strompreis wird neben anderem (Individuelle Kontrakte) an der Strombörse gebildet. Dort gilt das Prinzip Angebot und Nachfrage.

Die Gestehungskosten spielen praktisch keine Rolle. Der freie Markt bestimmt den Preis. Allerdings spielt ein physikalisch- stromtechnischer Sachverhalt eine wesentliche Rolle bei der Zusammenstellung des Angebots: Auch wenn die regenerative Stromerzeugung sehr stark ist, wenn sie fast oder sogar ausreichen würde, um den Strom-Bedarf Deutschlands zu decken, müssen etwa 25 Prozent Strom der Gesamtproduktion zusätzlich konventionell erzeugt werden, was regelmäßig zu einem erheblichen Überangebot und damit zum Strompreis-Verfall führt.  Die zusätzliche konventionelle Stromerzeugung ist der Tatsache geschuldet, dass nur große Generatoren konventioneller Kraftwerke in der Lage sind, die Stromnetzstabilität (50Hz) zu gewährleisten. Sie rotieren pro Minute 3.000 Mal. Geschähe das nicht, gingen die Lichter aus, weil das Stromnetz ´kollabieren` würde. Der Preisverfall liegt im Strom-Überangebot begründet. Das ist der Preis für die Versorgungssicherheit. Zwar wird seit Jahren mit Hochdruck daran gearbeitet, das Problem der Netzstabilität „smart“ und „intelligent“ ohne große Generatoren zu lösen. Bisher signalisieren diese Begriffe jedoch nur eine ausgemachte Hilflosigkeit gegenüber der Problemlösung im notwendig großen Maßstab.

Und tatsächlich, in dieser Analyse-Woche war es so weit. Am Wochenende war der Bedarf sehr gering und die regenerative Stromerzeugung stark.  Was am Samstag um 12:00 Uhr dazu führte, dass der Strompreis auf -1,4€/MWh fiel. Am Sonntag waren es um 14:00 Uhr sogar 41,40€/MWh, die Deutschland den dankbaren Nachbarn als ´Bonus` mitgeben mussten. Zusätzlich zum geschenkten Strom. Am Donnerstag und Freitag war der Bedarf ebenfalls gering (Langes Wochenende wegen ´Himmelfahrt`). Die regenerative Erzeugung war allerdings auch etwas geringer als am Samstag/Sonntag. Auswirkungen auf den Preiswaren zwar vorhanden, doch nicht so massiv, wie am Wochenende mit den negativen Strompreisen. So stellen sich unsere Energiewendefreunde die „günstigen Strompreise selbstverständlich nicht vor. Deshalb bekommen die Wind- und Solarmüller auch den garantierten EEG-Preis aus dem Steuersäckel. Welchen am Ende des Tages ebenfalls der Stromkunde bezahlt. Die konventionellen Stromerzeuger werden für das Erbringen der Systemdienstleistung „Netzstabilisierung“ entschädigt.

Ansonsten wurde auch in der 20. Analysewoche wieder eine Menge Strom importiert. Da waren die Preise entsprechend hoch.

Wochenanalyse KW 20/2023

Montag, 15. Mai 2023 bis Sonntag, 21. Mai 2023Anteil Wind- und PV-Strom 47,3 Prozent. Anteil regenerativer Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 62,7 Prozent, davon Windstrom 25,8 Prozent, PV-Strom 21,4 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,5 Prozent.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Wochenvergleich zur 20. Analysewoche ab 2016

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zur 20. KW 2023: Factsheet KW 20/2023 – ChartProduktionHandelswocheImport/Export/Preise, CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040.

  • Der Heizungstipp: Gas-, Ölheizung oder Wärmepumpe? Heinz Fischer, Heizungsinstallateur aus Österreich hier bei Kontrafunk vom 12.5.2023
  • Weitere Informationen zur Wärmepumpe im Artikel 9. Analysewoche.
  • Prof. Ganteförs überraschende Ergebnisse zu Wärmepumpe/Gasheizung (Quelle des Ausschnitts)
  • Neu: Interview mit Rüdiger Stobbe zum Thema Wasserstoff plus Zusatzinformationen
  • Viele weitere Zusatzinformationen
  • Achtung: Es gibt aktuell praktisch keinen überschüssigen PV-Strom (Photovoltaik). Ebenso gibt es praktisch keinen überschüssigen Windstrom. Auch in der Summe der Stromerzeugung mittels beider Energieträger plus Biomassestrom plus Laufwasserstrom gibt es keine Überschüsse. Der Beleg 2022, der Beleg 2023. Überschüsse werden bis auf sehr wenige Stunden im Jahr immer konventionell erzeugt!

Nach den Tagesanalysen – Peter Hagers ´Wirtschaftswunder` Teil 2: Photovoltaik-Anlagen

Jahresüberblick 2023 bis zum 21.5.2023

Daten, Charts, Tabellen & Prognose zum bisherigen Jahr 2023Chart 1Chart 2ProduktionStromhandelImport/Export/Preise/CO2Agora 2030Stromdateninfo Jahresvergleich ab 2016

Tagesanalysen

Was man wissen muss: Die Wind- und PV-Stromerzeugung wird in unseren Charts fast immer „oben“, oft auch über der Bedarfslinie angezeigt. Das suggeriert dem Betrachter, dass dieser Strom exportiert wird. Faktisch geht immer konventionell erzeugter Strom in den Export. Die Chartstruktur zum Beispiel mit dem bisherigen Jahresverlauf 2023 bildet den Sachverhalt korrekt ab. Die konventionelle Stromerzeugung folgt der regenerativen, sie ergänzt diese. Falls diese Ergänzung nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, wird der fehlende Strom, der die elektrische Energie transportiert, aus dem benachbarten Ausland importiert.

Montag, 15. Mai 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 37,3 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 53,4 Prozent, davon Windstrom 16,7 Prozent, PV-Strom 20,6 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,1 Prozent.

Die regenerative Stromerzeugung lag leicht über dem Durchschnitt. Es wurde ganztäig Strom importiert. Das Preisniveau war hoch mit einer Spitze (168€/MWh) um 7:00 Uhr.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 15. Mai ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 15.5.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Dienstag, 16. Mai 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 50,2 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 63,6 Prozent, davon Windstrom 38,0 Prozent, PV-Strom 12,3 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,3 Prozent.

Trotz starker regenerativer Stromerzeugung wird praktisch ganztägig Strom importiert. Die Verantwortlichen lassen sich die CO2-Freiheit offensichtlich gerne etwas kosten. Alle verdienen. Der Stromkunde zahlt.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 16. Mai ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 16.5.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Mittwoch, 17. Mai 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 48,6 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 62,2 Prozent, davon Windstrom 28,7 Prozent, PV-Strom 19,9 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,5 Prozent.

Wieder starke regenerative Stromerzeugung weit über dem Durchschnitt. Wieder fast ganztägige Stromimporte. Mit entsprechenden Preisen.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 17. Mai ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 17.5.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Donnerstag, 18. Mai 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 42,1 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 59,7 Prozent, davon Windstrom 12,6 Prozent, PV-Strom 29,9 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 17,6 Prozent.

Das lange Himmelfahrt-Wochenende beginnt. Wenig Bedarf. Aber: Die Stromübererzeugung hält sich ebenso wie der Preisverfall in Grenzen.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 18. Mai ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 18.5.2023: ChartProduktion, HandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Freitag, 19. Mai 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 45,4 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 62,1 Prozent, davon Windstrom 21,5 Prozent, PV-Strom 23,9 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,7 Prozent.

Wieder ganztägiger Stromimport. Wieder wenig Bedarf. Noch erreicht der Strompreis die 0€/MWh-Marke nicht.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 19. Mai ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 19.5.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Samstag, 20. Mai 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 54,0 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 69,9 Prozent, davon Windstrom 32,5 Prozent, PV-Strom 21,5 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,9 Prozent.

Heute ist es so weit. Die 0€/MWh-Marke wird geknackt. Eine starke Überproduktion bezogen auf den geringen Bedarf ist die Ursache.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 20. Mai ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 20.5.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Sonntag, 21.2023: Anteil Wind- und PV-Strom 51,9 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 68,1 Prozent, davon Windstrom 26,5 Prozent, PV-Strom 25,5 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 16,1 Prozent.

Mit dem Sonntag kommt es noch heftiger. Um 14:00 Uhr werden den Stromabnehmern noch 41,40€/MWh mitgegeben. Macht summa summarum bei 9 GWh Gesamtexport in dieser Stunde schlappe 372.600 € zusätzlich zu Strom. Natürlich verteilt auf die verschiedenen Abnehmer.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 21. Mai ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 21.5.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Peter Hagers Analyse „Wirtschaftswunder Teil 1: Lage Windkraft heute Teil 2: Photovoltaik

Deutsches Wirtschaftswunder dank Energiewende? – Fokus Photovoltaik

Bundeskanzler Scholz wird nicht müde ein neues deutsches Wirtschaftswunder anzukündigen. Schließlich sollen durch die Umsetzung der Energiewende Investitionen von mehreren hundert Milliarden Euro getätigt werden. Doch in Wirklichkeit soll unter dem Label des „Klimaschutzes“ ein bestehendes, auf konventionellen Energien basierendes, Energiesystem mit „Erneuerbaren Energien“, zum überwiegenden Teil mit Windkraft- und PV-Anlagen, ersetzt werden.

Bis 2030 sollen 80 % des deutschen Strombedarfs regenerativ erzeugt werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, plant die Ampel-Regierung bis 2030 bei den PV-Anlagen einen massiven Zubau von 66,5 GW (Ende 2022) auf 215 GW – ungefähr hälftig verteilt auf Dächern und Freiflächen.

Die Zubauziele für die nächsten Jahre sind:

  • 2023: 9 GW
  • 2024: 15 GW
  • 2025: 18,5 GW
  • 2026: 20 GW
  • 2027-2030: jeweils 22 GW

Im Jahr 2022 wurde das Ausbauziel von 7 GW mit fast 7,2 GW übertroffen (der bisher höchste PV-Zubauwert mit 7,6 GW war in 2012).

Anhand der Zubauzahlen der ersten 4 Monate wird für 2023 das Zubauziel von 9 GW ebenfalls übertroffen werden:

Januar – April 2023: 3.711 MW, davon 1.150 MW Freifläche (Januar – April 2022: 2.538 MW, davon 1.116 MW Freifläche)

Die beiden wesentlichen PV-Segmente

PV-Freiflächenanlagen

Hier dominieren nach wie vor PV-Anlagen mit fester EEG-Einspeisevergütung. Diese werden über Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur (BNetzA) bezuschlagt und sind aufgrund der Realisierungszeiten von meist unter 2 Jahren ein guter Indikator für den weiteren Ausbau.

PV-Ausschreibungen, Freifläche, 2022

Ausgeschrieben: 3.124 MW (2021: 1.637 MW)
Gebotsmenge: 2.507 MW (2021: 3.620 MW)
Bezuschlagt: 2.389 MW (2021: 1.645)

Aufgrund der stark rückläufigen Gebotsmengen wurde von der BNetzA der maximale Gebotspreis auf 7,37 Cent/kWh angehoben (in 11/22: 5,9 Cent/kWh).

PV-Ausschreibungen, Freifläche, 2023 (Ausschreibung März)

Ausgeschrieben: 1.950 MW
Gebotsmenge: 2.869 MW
Bezuschlagt: 1.952 MW

Freiflächenanlagen mit festen Stromabnahmeverträgen zwischen dem PV-Anlagenbetreiber und einem Stromabnehmer ohne EEG (sog. Power Purchase Agreements = PPAs) werden durch Projektentwickler realisiert und gewinnen allmählich an Bedeutung.

  • Zubau in 2022: 747 MW
  • Zubau in 2023 (Januar – April): 399 MW

PV-Dachanlagen

Nach wie vor spielen beim PV-Zubau ´Dachanlagen` von Hausbesitzern, landwirtschaftlichen Betrieben sowie Gewerbebetrieben die größte Rolle.

Begründet ist dies durch die Änderung des Betreibermodells ab 2012. Bis 2012 waren PV-Anlagen mit Volleinspeisung mit EEG-Vergütung die Regel. Während sich die EEG-Vergütungsätze kontinuierlich verringerten stieg der Haushaltsstrompreis permanent an und im Jahr 2012 waren Hausstrompreis und Einspeisevergütung erstmals gleich hoch. Seitdem stieg der Haushaltstrompreis weiter – aktuell liegt der Preisunterschied bei rund 30 Cent je kWh.

So wurde der Eigenverbrauch des selbsterzeugten PV-Stroms (sei es ohne oder mit Batteriespeicher) für private Haushalte – aber auch für Gewerbebetriebe – immer interessanter.

Um PV-Anlagen für private Haushalte noch attraktiver zu machen, wurden von der Ampel im Rahmen des EEG 2023 zahlreiche Vereinfachungen (zum Beispiel Eigenstromnutzung und Einspeisung mit einer Anlage, Anschluss von Mini-PV-Anlagen, Balkonkraftwerke für den Eigenverbrauch) sowie Vergünstigungen wie beispielsweise null Prozent Umsatzsteuer beim Kauf seit 01.01.23 oder höhere Vergütungssätze bei Eigenverbrauch mit Einspeisung (z.B. 8,2 Cent/kWh bis 10 kWp)  sowie Volleinspeisung (13 Cent/kWh bis 10 kWp erhalten 8,2 Cent pro kWh ) eingeführt.

Auch wenn von der Ampel bei Freiflächenanlagen zum Teil mit der „Brechstange“ Hindernisse zu Lasten von Umwelt, Natur und Bürger aus dem Weg geräumt wurden, dürfte der Zubau von 15 GW im Jahr 2024 schwer zu realisieren sein:

  • Nach wie vor hohe Inflation und zunehmend steigende Personalkosten verteuern den Bau
  • Steigende Finanzierungszinsen
  • Mangel an Fachkräften
  • Sehr große Modulabhängigkeit von China
  • Teilweise recht lange Anmeldezeiten bei den Netzbetreibern
  • Limitierte Anschlusskapazitäten in den Verteilnetzen – vor allem für Freiflächenanlagen

Der nicht mit dem PV-Zubau Schritt haltende Ausbau der Verteilnetze – gilt ebenso für andere Projekte der Energiewende (Ladestationen, Wärmepumpen) –  wird mehr und mehr zum größten Hemmschuh der gesamten Energiewende.

Immer häufiger werden PV-Freiflächenanlagen erst mit Verspätung an das Verteilnetz – überwiegend das Mittelspannungsnetz – angeschlossen.

Zudem wird es deswegen bereits in diesem Jahr in den sonnenreichen Monaten zunehmend Abregelungen/Abschaltungen von PV-Freiflächenanlagen geben.

Überspitzt formuliert: Im Norden werden die WKA abgeregelt oder abgeschaltet und im Süden die PV-Anlagen. Und die Kosten tragen die Stromkunden.

Quelle

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier.

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Rüdiger Stobbe betreibt den Politikblog Mediagnose.




Das Geheimnis der Wolken – Klimaschau 149

Die Klimaschau informiert über Neuigkeiten aus den Klimawissenschaften und von der Energiewende. Thema der 149. Ausgabe: Zu viele Fehler: Wolken bereiten Klimamodellierern schlimme Kopfschmerzen.