Fukushima Block IV – Die Geschichte

Damit ist bereits die erste und wichtigste Erkenntnis gewonnen: Ein Standort muß gegen die – auch hier – bekannten Naturkatastrophen gesichert sein. Ein Verdrängen kann zur Katastrophe führen. Die Statistik ist gnadenlos: Ein Jahrtausendereignis kann schon morgen eintreten. Andererseits ist es wenig hilfreich, einen Tsunami auch in Bayern als potentielle Gefahr zu sehen.

Die zweite wichtige Erkenntnis ergibt sich aus der Anordnung der Blöcke im Kraftwerk Daichi. Dort sind die Blöcke 1 bis 4 praktisch “Wand an Wand” mit vielen gemeinsamen Gängen und Leitungen gebaut. Die Blöcke 5 und 6 stehen einige hundert Meter weiter entfernt. Auch hier ist die Erkenntnis geradezu trivial: Wenn man Reaktorblöcke unmittelbar nebeneinander baut und sogar miteinander verbindet, besteht die Gefahr, daß sich Ereignisse (Feuer, explosive Gase etc.) wie bei Dominosteinen weiter ausbreiten. Ja, die Problematik geht sogar über das eigentlichen Ereignis hinaus. Die Intervention durch Menschen wird auf lange Zeit durch großräumige Kontamination verhindert. Deutlicher, als im Falle des Reaktors 4, kann man das gar nicht aufzeigen: Der Reaktor 4 war zum Zeitpunkt des Ereignisses gar nicht in Betrieb und vollständig entladen. Es wäre also gar nichts passiert, weder durch die starken Erdstöße noch durch die Flutwelle! Erst das in den anderen Reaktoren entstandene Knallgas wurde ihm zum Verhängnis. Es hat sich über das gemeinsame Lüftungssystem ausgebreitet. Die Explosion brachte das obere Geschoß des Reaktorgebäudes zum Einsturz.

Die Sonderrolle der Blöcke 5 und 6

Die Blöcke 5 und 6 befinden sich einige hundert Meter nördlich von den Blöcken 1 bis 4 auf dem gleichen Gelände. Der Block 5 entspricht den Blöcken 2 bis 4 (Siede​wasser​reaktor BWR/4 (Mark I) mit 760 MWe) und ging zwei Jahre später als Block 3 (ebenfalls von Toshiba) in Betrieb. Bei Block 6 handelt es sich um eine modernere Version (BWR/5 (Mark II) mit 1069 MWe) ebenfalls von Toshiba errichtet und 1979 in Betrieb gegangen.

Im Zusammenhang mit dem Tsunami ist festzustellen, daß diese beiden Reaktoren praktisch nicht beschädigt wurden. Sie befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks gar nicht in Betrieb, sondern waren planmäßig für Wartungsarbeiten abgeschaltet. Beide Reaktoren waren frisch nachgeladen und bereits wieder vollständig verschlossen und zur Wiederinbetriebnahme bereit. Im Block 5 fand während des Unglücks gerade eine Druckprobe statt. Bei Wartungsarbeiten am Aufzug des Schornsteins kam ein Arbeiter durch das Erdbeben zu Tode. Der einzige Tote infolge des schweren Erdbebens und des Tsunami im Kraftwerk; obwohl sich während des Unglücks über 500 Arbeiter auf der Schicht befanden.Fukushima Block IV 20.11.13 15:01

Die Flutwelle richtete nicht so schweren Schaden, wie bei den benachbarten vier Reaktoren an. Hauptgrund dürfte gewesen sein, daß das Gelände rund drei Meter höher gelegen ist. Da die Reaktoren während der Naturkatastrophe abgeschaltet waren, war der Eigenstrombedarf kleiner: Es mußte nur die sehr viel geringe Nachzerfallswärme abgeführt werden. Ein Reaktor nach einem Brennelementewechsel, setzt aber nur wenig Wärme frei, da die sehr kurzlebigen (und damit sehr viel Zerfallswärme produzierenden) Elemente bereits während der Zwischenlagerung im Abklingbecken zerfallen sind. Entsprechend gering ist auch die benötigte elektrische Leistung für die Kühlmittelpumpen. Ein entscheidender Unterschied zu der Situation in den Reaktoren 1 bis 3.

Technisch gesehen, könnten die Blöcke 5 und 6 wieder den Betrieb aufnehmen. Derzeit erscheint das aber politisch nicht gewünscht. Eine endgültige Stilllegung erscheint wahrscheinlicher. Es gibt bereits den Vorschlag, diese Reaktoren als “Übungsgelände” für den komplizierteren Abriss der Ruinen 1 bis 4 zu nutzen.

Der Wert gemeinsamer Baugruppen

Fukushima Daiichi hatte eine elektrische Nettoleistung von 4546 MW. Entsprechend stark und vielfältig waren die Verbindungen mit dem Netz. Trotzdem wurden praktisch alle Leitungen und Schaltanlagen großräumig zerstört: Das Kraftwerk war auf seine Eigenversorgung angewiesen. Da wegen der schweren Erdstöße eine vollautomatische Schnellabschaltung ausgelöst wurde, war auch keine Eigenstromerzeugung mehr möglich. Als einzige Quelle blieben die Notstromdiesel. Die Blöcke 2, 4 und 6 verfügten jeweils über luftgekühlte Notstromdiesel. Allerdings wurden durch die Flutwelle alle Schaltanlagen der Blöcke 1 bis 4 zerstört, sodaß nur noch der Diesel von Block 6 einsatzbereit war. Ihm ist es zu verdanken, daß die Blöcke 5 und 6 planmäßig in einen sicheren Zustand überführt werden konnten. Wären die Diesel und ihre Schaltanlagen gegen Hochwasser gesichert gewesen (hochgestellt oder wasserdichte Gebäude), wäre praktisch nichts passiert!

Da bei diesen älteren Reaktoren, keine passiven Notkühlsysteme vorhanden sind, führt ein (längerer) Ausfall der Stromversorgung zwangsläufig zu einer teilweisen Schmelze von Brennelementen und damit zum Totalschaden. Genau diese passiven Kühleinrichtungen, die kein Eingreifen in den ersten 72 Stunden erforderlich machen, sind der entscheidende Sicherheitsgewinn der sogenannten Generation III+. Auch bei dem Tsunami hätte diese Zeitspanne ausgereicht, um Notstromaggregate von weit entfernt “einzufliegen”.

Als Konsequenz der Naturkatastrophe von Fukushima, richtet man nun überall überregionale Zentren mit zusätzlicher Sicherheitstechnik (Pumpen, Notstromaggregate, Werkzeuge etc.) ein. Sie übernehmen die (zusätzliche) Rolle von Feuerwehr-Wachen. Auch bei schweren lokalen Zerstörungen infolge Naturkatastrophen etc. kann dadurch sehr schnell eine Unterstützung mit Material und Fachpersonal erfolgen.

Als besonders gefährlich hat sich die Bauweise “Wand an Wand” erwiesen. In Deutschland waren solche Entwürfe von Anfang an ausgeschlossen. In Japan – und insbesondere im Ostblock – hat man die Sache offensichtlich etwas anders gesehen. Der Gewinn durch geringere Investitionskosten wurde durch die angebliche, gegenseitige Nutzungsmöglichkeit von Sicherheitseinrichtungen meist noch verklärt. Imposant oder gruselig – je nach Standpunkt des Betrachters – sind die gigantischen Turbinenhallen sowjetischerFukushima Kraftwerke. Nach Tschernobyl und Fukushima sind solche Konstruktionen international Geschichte. Ganz nebenbei, ist dies ein Beispiel dafür, daß man die technische Lebensdauer von Kernkraftwerken nicht beliebig ausdehnen sollte. Es gibt durchaus Kraftwerke, die so grundsätzliche Schwachstellen haben, daß man sie besser außer Betrieb nimmt und durch neue (sicherheitstechnisch überlegene) Konstruktionen ersetzt.

Besonders fatal ist es, wenn gemeinsame Lüftungssysteme und Kanäle vorhanden sind. Der Block 4 war zum Zeitpunkt des Unglücks abgeschaltet und vollständig entladen. Ein Unglück wäre praktisch ausgeschlossen gewesen, wenn nicht Wasserstoffgas von außen über das Lüftungssystem in das Gebäude hätte eindringen können. Ein eher klassisches Unglücks-Szenario einer Raffinerie oder einer chemischen Anlage. Block 4 würde heute noch genauso unversehrt dastehen, wie die Blöcke 5 und 6, wenn er nicht über das Lüftungssystem mit seinem “verunglückten Nachbarn” verbunden gewesen wäre! Damit wären wir beim zweiten grundsätzlichen Konstruktionsfehler dieses Reaktors. Das Gebäude war vertikal zweigeteilt. Im unteren Teil befand sich der Reaktor mit seinem Sicherheitsbehälter. Dieser Teil war durch dicke Betonwände geschützt. Diese Betonwände dienten primär der Abschirmung von Strahlung. Der obere Teil hingegen, war eine einfache Stahlträger-Konstruktion, die gegen Wind und Wetter mit Blech verkleidet war. Diese “Stahlbau-Halle” ist durch die (chemische) Wasserstoffexplosion eingestürzt und hat auch alle Krananlagen mit sich gerissen. Ein solches Unglück ist bei Kraftwerken, die gegen Flugzeugabstürze gesichert sind (also bei allen deutschen Reaktoren!) ausgeschlossen, da der erforderliche “Betonpanzer” natürlich auch gegen inneren Explosionen wirkt. Um es noch mal deutlich zu sagen: Alle modernen Reaktoren (auch heutige russische Anlagen) befinden sich in einem Betonbunker mit meterdicken Stahlbetonwänden, um sie gegen Einwirkungen von Außen (“EVA”, Flugzeugabsturz, Terrorismus etc.) zu schützen. Eine solche Konstruktion kann (praktisch) nicht zum Einsturz gebracht werden.

Abbruch von Block 4

Die Beseitigung von Block 4 ist die einfachste Aufgabe der Aufräumarbeiten. Alle Brennelemente haben sich zum Zeitpunkt des Unglücks außerhalb des Reaktors im Brennelementebecken befunden. Räumt man das Brennelementebecken aus, befindet man sich kurz vor dem sog. “gesicherten Einschluß”. Darunter versteht man die Entfernung aller Flüssigkeiten und möglichst aller brennbaren Materialien. Anschließend “mauert” man die restlichen (strahlenden) Teile ein und läßt die Strahlung erst einmal abklingen. Ein in den USA und Großbritannien vielfach erprobtes und in großem Maßstab angewendetes Verfahren. Das schöne am radioaktiven Zerfall ist ja, daß er immer nur abnimmt. Ganz im Gegenteil z. B. zu Quecksilber oder Asbest, die nie von allein weniger werden. Man muß nur lange genug warten (einige Jahrzehnte), bis die Radioaktivität so weit abgeklungen ist, daß man den restlichen Abriss ohne große Schutzmaßnahmen vornehmen kann. Allerdings wäre es bei der derzeitigen “Gemütslage” in Japan auch nicht überraschend, wenn man den Abriss unter großem Kostenaufwand “in einem Rutsch” durchführen würde.

Ein Lagerbecken für Brennelemente ist nichts weiter, als ein großes Schwimmbecken. In Großbritannien gibt es immer noch solche Becken – seit den frühen fünfziger Jahren – als “Freibäder”. Bisher ist nichts passiert. Allerdings ist das starke Algenwachstum und der Staubeintrag ein ständiges Problem: Die Becken verschlammen mit der Zeit immer mehr und die Wartung wird immer aufwendiger. Man ist deshalb vonFukushima dieser Methode abgekommen. Insofern ist die “Leichtbauhalle” oberhalb der Reaktoren von Fukushima eher dem damaligen Zeitgeist entsprechend gewesen.

Das Geheimnis solcher Lagerbecken ist ihre Tiefe. Das Wasser dient weniger der Kühlung, als der Abschirmung gegen Strahlung. Man braucht oberhalb der abgestellten Brennelemente noch einen

Arbeitsraum und darüber muß noch so viel Wasser vorhanden sein, daß die erforderliche Abschirmung gewährleistet ist. Andererseits ist diese Wassertiefe die ideale “Schutzschicht” für die am Boden stehenden Brennelemente. Sie hat den Schwung der rein gekrachten Teile (komplette Kranbahn mit Stahlträgern) so weit abgebremst, daß sie letztendlich “sanft” auf die Brennelemente herabgesunken sind. Die Brennelemente eines Siedewasserreaktors sind auch nicht gerade zerbrechlich, sodaß es wenig Schäden gegeben hat. Diese sind seit Monaten durch Unterwasserkameras genau dokumentiert.

Das Lagerbecken ist eine sehr stabile Konstruktion. Es besteht aus 140 bis 185 cm dicken massiven (ohne Durchbrüche für Rohrleitungen etc.) Stahlbetonwänden und ist komplett mit 6 cm Edelstahl ausgekleidet. Trotzdem hat man es nach der Explosion unterhalb durch eine zusätzliche Stahlkonstruktion verstärkt. Man wollte sicher sein, daß die Statik auch nach dem zusätzlichen Gewicht der Trümmer ausreichend ist. Inzwischen haben Neuberechnungen und umfangreiche Simulationen ergeben, daß es auch ohne Verstärkung schwersten Erdbeben standgehalten hätte. Eine ständige Vermessung zeigt, daß es sich auch durch alle Nachbeben und Taifune nicht bewegt hat.

Der schwierigste und gefährlichste Teil der Arbeit ist bereits erledigt: Das Abräumen des Trümmerhaufens auf dem Reaktor. Um das komplette Reaktorgebäude herum, hat man – weitestgehend ferngesteuert – eine gewaltige Stahlkonstruktion aufgebaut. Diese mußte so stabil sein, daß sie gleichzeitig als Kranbahn für einen Deckenkran und eine komplette Lademaschine dient und eine Schutzhülle für die “Baustelle” darstellt. Die gesamte Konstruktion steht auf eigenen Fundamenten neben dem ursprünglichen Reaktorgebäude und kragt freitragend über dieses hinweg, um zusätzliche Lasten für die Ruine zu vermeiden. Alles sicher, auch gegen schwerste Erdbeben und Wirbelstürme versteht sich. Eigentlich erstaunlich, daß ausgerechnet aus dem Land der Juristen, Sozialwirte und Lehrer, in dem man nicht einmal mehr einen Flughafen bauen kann, immer so getan wird, als sei Japan mit dem Ereignis von Fukushima total überfordert. Wieviel Jahre und Arbeitskreise es in Deutschland wohl gedauert hätte, bis man sich überhaupt auf eine Vorgehensweise geeinigt hätte?

Wahrscheinlich würden die Arbeiten immer noch ruhen, weil wir nicht genug Bischöfe für die unzähligen Ethikkommissionen etc. bereitstellen könnten. Völlig zu Recht, hat man mit gewissem Stolz bereits Journalisten an das Lagerbecken gelassen. So viel auch zum Thema Transparenz. Wer je versucht hat, an ein Brennelementebecken eines deutschen Kernkraftwerkes zu treten, weiß wovon ich rede. Strahlenphobie hat viele Ursachen, auch hausgemachte!

Parallel zu den Arbeiten, hat man bereits Transportbehälter angefertigt. Sie ähneln unseren Castoren. Diese werden mit dem Kran aufs Dach gehoben und in das Brennelementebecken zum Umpacken abgesenkt. Nach der Beladung werden sie zur genauen Untersuchung in das vorhandene Zentrallager auf dem Gelände gebracht. Alle Arbeiten finden bei Unterdruck statt, um etwaige Austritte von radioaktiven Gasen und

Aerosolen zu verhindern. Dafür hat man in der Ruine eine gigantische “Lüftungs- und Filteranlage” errichtet. Das Entladen ist nun fast schon eine Routinearbeit, wie in jedem anderen Kernkraftwerk unzählige maleFukushima ausgeführt.

Sind die Brennelemente wirklich keine Gefahr?

Kurz nach dem Unglück, haben sich “Deutsche Qualitätsmedien”, angefeuert von “Atomexperten”, gegenseitig versucht zu überbieten. Es wurden die wildesten Geschichten von schmelzenden Lagerbecken und einem größeren Schaden als durch die Atombombe von Hiroshima zusammengefaselt. Angst verkauft sich halt gut und war schon immer ein probates Mittel einschlägiger politischer Kreise. Kurz vor der Räumung des Lagerbeckens 4 drehen noch einmal alle Propagandaabteilungen voll auf: Es werden gekonnt Halbwahrheiten miteinander gemischt, bis man die “gefährlichste Situation in der Geschichte der Menschheit” konstruiert hat. Erstaunlich ist immer wieder, für wie dämlich die ihr Publikum halten. Ein Brennelementelagerbecken enthält notgedrungen sehr viel Wasser, da die Wasserschicht über den Elementen als Abschirmung der Strahlung dient. Eine Kettenreaktion in einem solchen Becken ist schon aus geometrischen Gründen ausgeschlossen. Es muß daher nur die Nachzerfallswärme abgeführt werden. Diese nimmt aber innerhalb der ersten Stunden nach dem Abschalten sehr stark ab. Sie ist so gering, daß ein Sieden des Wassers in solch einem Becken ausgeschlossen ist. Das Wasser wird lediglich erwärmt (deutlich unter 100 °C) und kann nur verdunsten, aber nicht “leer kochen”, wie ein Kochtopf auf der Herdplatte. Der vorhandene Kühlwasserkreislauf dient nur dazu, daß im Reaktorgebäude keine unnötig hohe Luftfeuchtigkeit entsteht.

Jedenfalls war das viel belächelte Besprühen aus Betonpumpen eher ein Gürtel zum Hosenträger. Es hätte auch gewirkt, wenn das Lagerbecken (Erdbeben, Explosion, reingestürzte Trümmer) undicht geworden wäre. Insofern eine richtige Maßnahme.

Es ist also keine Überraschung, daß die ersten geborgenen Brennelemente “wie neu” aussehen. Wenn einige der 1533 (1331 benutzte, 202 neue) vorhandnen Elemente undicht oder beschädigt sind, ist auch das kein Beinbruch. Man wird sie zusätzlich in Kassetten verpacken. Auch das ist zig mal geschehen. Anschließend beginnt das große Umpacken auf dem Gelände. Jeder Reaktor hat sein eigenes Abklingbecken. Zusätzlich befindet sich auf dem Kraftwerksgelände ein zentrales Lagerbecken in einem eigenen Gebäude. Dies dient auch bisher schon zur Zwischenlagerung bis zur Wiederaufbereitung. Um dort Platz zu schaffen, baut man nun ein Trockenlager. In diesem werden die “abgekühltesten” Brennelemente zukünftig gelagert. Wir kennen das in Deutschland aus dem Zwischenlager Gorleben.

Irgendwelche schwerwiegenden Unfälle während der Räumung sind äußerst unwahrscheinlich. Es handelt sich nicht um einen Haufen Mikado-Stäbchen, wie immer wieder von “Atomexperten” behauptet. Ein Brennelement besteht zwar aus vielen, fingerdicken Stäben, die aber durch Abstandshalter miteinander verbunden sind. Bei einem Siedewasserreaktor ist das Element auch noch von einem stabilen “Blechkasten” umgeben, um unerwünschte Querströmungen im Reaktor zu verhindern. Da die Fragestellung neuartig war, hat man in Japan inzwischen mit “unbenutzten” Brennelementen Versuche durchgeführt: Man hat aus einer Höhe von 5 m (!) 100 kg (!) schwere Stahlgewichte auf die Brennelemente fallen lassen. Dies hat zwar zu schweren Verformungen geführt, aber die Brennstäbe haben sich trotzdem nicht einmal geöffnet. Außerdem liegen die Brennelemente nicht einfach im Becken herum. Es gilt die “Bierkastenmethode”: Die Brennelemente werden vorsichtig von oben in stabile Lagergestelle (jeweils 10 Elemente in 3 Reihen) gestellt.  Oben guckt nur noch der Henkel des Brennelementes heraus. Der Spalt zwischen Brennelement und Kasten beträgt weniger als 15 mm. Umfallen kann da gar nichts. Ferner sind die Brennelemente durch die Gestelle vor herabfallenden Dingen geschützt. Es gibt nur zwei potentielle Gefahren: Die “Henkel” sind zu stark beschädigt oder kleinste Trümmerstücke sind in die Spalte zwischen Brennelement und Lagergestell gefallen.

Vor jedem Zug werden deshalb die “Henkel” mit einer extra entwickelten Meßtechnik vermessen. Erscheinen sie nicht mehr sicher genug, müssen andere “Greiftechniken” angewendet werden. Das Rausziehen geschieht nur sehr langsam (etwa 10 Minuten pro Element) um ein Klemmen oder Verkanten zu verhindern. Werden die Zugkräfte zu groß, wird sofort angehalten.

Das Kapitel der Reaktoren 4, 5 und 6 wird in wenigen Jahren abgeschlossen sein. Schon jetzt geht von diesen “Atomruinen” kaum noch eine Gefahr aus. Anders verhält es sich mit den Reaktoren 1 bis 3. Wie man aus dem Störfall in Harrisburg weiß, wird noch einige Zeit und viel Arbeit vergehen, bis auch diese drei Ruinen beseitigt sind. Es kann durchaus noch vier Jahrzehnte dauern, wenn die Japaner ihre extrem hohen Anforderungen aufrecht erhalten wollen. Dann allerdings, dürfte aus dem Kraftwerksgelände ein Erholungspark geworden sein. Sehr zum Bedauern aller “Atomkraftgegner”.




Protestierende Greenpeace-Jünger(In) äußert sich zum Klimawandel

Aufgenommen wurde es anlässlich der EIKE Klimakonferenz im Dezember 2009 in Berlin. Es ist zwar schon vier Jahre alt, aber in seiner Deutlichkeit nach wie vor hoch aktuell.

Video mit deutscher Synchronisierung vom Gespräch zwischen Lord Christopher Monckton, ehemals wiss. Berater von Lady Margret Thatcher, und der norwegischen Greenpeace Aktivistin Kerstin Blodig vom Dezember 2009 in Berlin. Frau Blodig bezeichnet sich selbst als führende Interpretin der skandinavisch – keltischen Musik.

Lord Christopher Monckton vom Science and Public Policy Institute, Großbritannien, interviewt Kerstin Blodig von Greenpeace.
Greenpeace nahm in der Vergangenheit großzügige Spenden vom Rockefeller-Brothers Fund an:http://www.undueinfluence.com/greenpeace.htm 

Mit Dank an Leser Hansen.




Warum ist es so schwer den Meeresspiegel zu messen?

Video zur Bestimmung des Meeresspiegels

Das Video ist in Englisch. Die Untertitel können vom Betrachter auch in Deutsch ausgegeben werden. Dazu auf die Menuezeile gehen (kommt hoch, wenn der Mauszeiger in die Nähe der unteren Begrenzung kommt. und dort die Untertitel Funktion aufrufen. Dort – in Englisch- auf "übersetzen drücken und "Deutsch" auswählen. Die verfügbaren Sprachen sind alphabetisch angeordnet.




Wie EEG und Energiewende Arbeitsplätze vernichten – Aber dieser Zusammenhang wird unterdrückt, weil es (klima)politisch nicht opportun ist

Outokumpu und das Edelstahlwerk in Bochum

Sie erinnern sich vielleicht, gelesen zu haben, dass der finnische Konzern Outokumpu sein Nirosta-Stahlwerk in Bochum Ende 2014 und damit zwei Jahre früher als geplant schließen will. Dann verlieren 3500 Menschen ihren Arbeitsplatz. Zwar hatte die IG Metall in einem Tarifvertrag mit dem Konzern vereinbart, dass der Bestand des Werkes mindestens bis 2016 gesichert sein sollte, aber darüber setzt dieser sich wohl hinweg. Zur  Begründung verwies er auf Überkapazitäten und den Preisdruck. Aber man las nichts davon, dass die Schließungsabsicht mit den zu hohen deutschen Stromkosten zusammenhängt. Doch es versteht sich, dass das Werk Bochum mit diesen Kosten, wenn auf dem (internationalen) Markt für Edelstahl Überkapazitäten und Preisdruck bestehen, nicht konkurrenzfähig sein und dem Druck widerstehen kann. Allerdings ist es (klima)politisch nicht opportun, auf den Zusammenhang von zu hohen Stromkosten und Betriebsschließungen hinzuweisen.

Die Vorgeschichte zur Schließung in Bochum

Wie geschickt bei dieser Verschleierung vorgegangen werden kann, lässt sich an der Vorgeschichte studieren. Gehört hatte das Edelstahlwerk Bochum zuvor ThyssenKrupp. Erst vor gut einem Jahr hatte ThyssenKrupp das Werk mit rund 15 000 Beschäftigten an den finnischen Konzern verkauft. Über die Hintergründe berichtete damals die Stromverbraucher-Schutzvereinigung NAEB*) in ihrem Newsletter 12/02 vom 17. Februar 2012 wie folgt:

Die Fusion von Thyssen und Krupp und der Gang nach Brasilien

„Früher gab es mal Thyssen für Edelstahl und Krupp für einfachen Stahl. Dann fusionierte man zu ThyssenKrupp und begann, als die Probleme für die Stahlproduktion zunahmen, eine Produktion für einfachen Stahl in Brasilien aufzubauen. Heute wird rund ein Drittel dieses Stahls in Brasilien produziert. Gibt ein Konzern nun einfach ein Geschäft auf, wenn es in Deutschland nicht mehr geht? Das von den Politikern verursachte Mannesmann-Desaster ist den Thyssen-Krupp-Managern noch klar vor Augen. Man muss also ins Ausland.

Wie kommt man geräuschlos ins Ausland?

Aber wie kommt man mit Edelstahl geräuschlos ins Ausland, zum Beispiel nach Finnland, einem Land mit preisgünstiger Energie, dem festen Willen zur Kernkraft, nah an der Rohstoffquelle und dem Standort eines Edelstahlproduzenten, der aber nur zwei Fünftel  der Produktionsmenge von ThyssenKrupp hat. Nun, man verkauft diesem Edelstahl-Zwerg sein Geschäft in Deutschland mit der Maßgabe, unrentable deutsche Standorte (wegen der Energiepreise) zu schließen. Diese Drecksarbeit macht nun Outukumpu. Damit die Politiker nicht zu sehr in Sorge über ein vollständiges Abwandern von ThyssenKrupp ins Ausland geraten, streut man gleichzeitig schlimme (durchaus korrekte) Verlustmeldungen über das Brasilien-Geschäft, so dass die Politiker argumentieren können, es gelte den Konzern zu retten.

Der Handel ThyssenKrupp mit Outokumpu

Wie konnte nun dieser Edelstahlzwerg Outukumpu überhaupt diesen Brocken schaffen. Nun, Thyssen-Edelstahl erhielt hauptsächlich nicht Geld, sondern an Outukumpu einen 30-Prozent-Aktien-Anteil. Das sollte reichen, um nach Abschluss der Drecksarbeit auf die Mehrheit bis zur Beherrschung aufzustocken. Wenn dann in der nächsten Stahlkrise die Kapazitäten der deutschen Rohstahlproduktion drastisch heruntergefahren werden, können die Politiker achselzuckend dieses zur Kenntnis nehmen und die Medien werden nicht einmal über einen Manager herfallen können wie man damals bei dem Mannesmann-Desaster über Herrn Cromme hergefallen ist.

Nicht ThyssenKrupp kritisieren

Wir sollten nicht an ThyssenKrupp Kritik üben, sondern die Entscheidung als einzige Möglichkeit des Unternehmens akzeptieren, mit der Kurzsichtigkeit der Politiker und der Meinung der überwältigenden Mehrheit von 99 Prozent  deutscher Sonnenanbeter umzugehen. Was können wir als Betroffene tun: Unsere Kinder in Ausland schicken, Anteile nicht in Deutschland produzierender Firmen erwerben, nach Mallorca in die Rente gehen,…. vielleicht uns aber auch zusammentun und nicht mehr nur Leserbriefe schreiben und Klartext reden: Ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen, Dummheit ist Dummheit, Schizophrenie ist Schizophrenie.“

Handel mit der Politik um einen geräuschlosen Rückzug aus Deutschland

Soweit damals der NAEB-Newsletter-Text. Die Überschrift hatte gelautet: „ThyssenKrupp schleicht sich auf leisen Sohlen von dannen.“ Jetzt also führt Outukumpu die „Drecksarbeit“ aus, die Werksschließung mit der Massenentlassung, und im Sonder-Newsletter 13/09 vom 6. Oktober 2013 schrieb der NAEB-Vorsitzende Heinrich Duepmann: „So schnell treten meine Prognosen ein. Insgesamt produziert Outukumpu in Deutschland Edelstahl heute noch an den Standorten Dillenburg, Krefeld, Benrath, Wilnsdorf, Unna, Schalksmühle mit geschätzt zwischen 8000 bis 10 000 Mitarbeitern. Die Zentrale für Öffentlichkeitsarbeit in Duisburg wird geleitet von einer des Deutschen nicht mächtigen finnischen Managerin, woraus man klar erkennen kann, wo es lang geht. Im Zusammenhang mit der Schließung Bochum hat das Management von Bochum betont, dass der Strompreis nicht die Ursache für die beabsichtigte Schließung ist. ….  Ich schließe daraus: Industrie-Unternehmen verständigen sich mit der Politik auf einen geräuschlosen Rückzug aus Deutschland, wenn sie die Energiewende nicht kritisieren. Und ich frage Sie, wo sollen Ihre Kinder denn noch einen produktiven Arbeitsplatz finden, an dem volkswirtschaftlicher Wohlstand generiert wird.“

Einige zusätzliche Beispiele für Arbeitsplatzverluste

Und nochmals aus NAEB-Newslettern zitiert: Wohl meldet die Agentur für Arbeit (früher schlicht und zutreffender: Arbeitsamt genannt) neue Beschäftigungsrekorde in Deutschland. Sie könnten sogar höher sein, denn regelmäßig geht unter, was EEG und Energiewende an Arbeitsplätzen mutwillig vernichten. Einige zusätzliche Beispiele: ThyssenKrupp gibt den Bereich Umformtechnik ab (25 000 Beschäftigte), das war 2011. Eon entlässt im Bereich Verwaltung 11.000 Beschäftigte. Eon gibt das Verteilnetz ab (Beschäftigte?). RWE baut 7 000  Arbeitsplätze ab, das GM-Opel Werk Bochum schätzungsweise 5 000.

Das Beispiel ZF wird Schule machen

„Die Entscheidung von ZF, seine Kunststoff- und Ledersparte an Chinesen abzugeben, bedeutet mittelfristig den Totalverlust der 2 700 Arbeitsplätze in Deutschland. In nicht ferner Zukunft werden dann in den in Deutschland produzierten Autos die Kunststoffe und Leder-Komponenten von einem chinesischen Lieferanten kommen. Das Beispiel wird Schule machen, und die nächsten 200 000 Arbeitsplätze im Auto-Zulieferbereich werden in den nächsten zehn Jahren verschwinden. Was sollen die Leute dann machen. Nun, 10 Prozent werden Fall-Manager bei den Arbeitsämtern, 10 Prozent werden Umschulungslehrer für Job-Suchende. Und diese 20 Prozent nehmen sich dann der restlichen 80 Prozent an. So erhält man wenigsten 40 000 Arbeitsplätze. Die sind zwar keine produktiven im Sinne der Betriebswirtschaft, aber das interessiert weder den Politiker noch den betroffenen Arbeitslosengeld-Bezieher.“ (Newsletter 13/08)

Weitere Beispiele

Andere Unternehmen, die zumindest auch an den hohen deutschen Energiekostens scheitern, sind weitere Edelstahlwerke von Outokumpu (Stillegung), die Gießerei Heger-Ferrit  in Sembach bei Kaiserslautern (Insolvenz), ein Stahlguss Betrieb mit 60 Beschäftigten (FAZ vom 5. September 2013), das Unternehmen Hydro Aluminium in Neuss (Verlagerung), Alu Norf in Neuss (Teilstillegung), S+C  bei Gummersbach (Insolvenz), GuD Kraftwerk in Irsching (Abschaltung), Textil Veredelungsfirma Drechsel in Selb (klagt gegen das EEG), Kalkwerk Flandersbach (Stillegung) und das BASF-Ammoniak-Werk (Verlagerung).   Eine Initiative von zehn großen Energieversorgern macht sich außer um die Stabilität der Stromnetze Sorgen auch um das Abwandern von Industrie wegen zu hoher Stromkosten. Es sind Eon (Deutschland), RWE (Deutschland), Vattenfall (Schweden), Enel (Italien), Eni (Italien), Iberdrola (Spanien), Gas Natural Fenosa (Spanien), GdF Suez (Frankreich), CZ  (Tschechien) und Gasterra (Niederlande).

Hydro Aluminium in Neuß

Im NAEB-Newsletter 13/10 vom 3. November 2013 war zu lesen: „Auch in der Aluminium-Branche sind die Stromkosten entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit. Der norwegische Produzent Hydro Aluminium findet es falsch, wenn in den Debatten bei uns häufig Industrieproduktion und Klimaschutz als unvereinbar angesehen werden, denn ohne Aluminium in Stromleitungen, Solar Modulen (die fertigen Module enthalten einen sehr hohen Anteil an Aluminium ) oder Autos ist die sogenannte Energiewende nicht zu schaffen. Hydro Aluminium produziert  bei Neuß das Aluminium in einer lückenlosen Wertschöpfungskette von der Schmelz-Elektrolyse (sehr stromaufwendig) bis zum Halbzeug.

Hydros Aluminiumhütte in Quatar dreimal größer als die in Neuß

In nächster Nachbarschaft steht das größte Walzwerk der Welt, einige Kilometer weiter eine große Aluminium-Veredelungsanlage, bei der unter anderem Alufolien und Lithographie-Platten hergestellt werden.  Für deren Premiumqualität ist die Schmelzelektrolyse unverzichtbar. Vor einigen Jahren wurde wegen der hohen Stromkosten die Aluminiumproduktion auf 20 Prozent  der ursprünglichen Produktion gedrosselt  und entsprechend mehr Vormaterial für die Walzwerke importiert.  In der Zwischenzeit hat die EU-Kommission der Aluminium-Industrie eine Erstattung der im Strompreis enthaltenen Kosten für CO2-Emissionen zugestanden.  Damit soll die Produktion wieder auf jährlich 150 000 Tonnen verdreifacht werden. In Quatar hat Hydro jetzt eine Aluminiumhütte für den Betrieb mit dem billigen dort vorhandenen Erdgas gebaut, die dreimal größer als die Neußer Hütte ist.  Wenn in dem Neußer Walzwerk einmal Modernisierungsinvestitionen anstehen, werden diese wahrscheinlich auch bzw. eher in Quatar gemacht werden.  Schon heute ist die Befreiung von der EEG-Umlage (und der Stromsteuer)  für die Aluminium-Industrie  existenziell.“

RWE plant 12 900 Entlassungen

Der Stromerzeuger RWE baut weiterhin viele Arbeitsplätze ab. Bis Ende 2016 will er seine Belegschaft von 73 600 auf 60 700 verringern. Das bedeutet, dass in dieser Zeit 12 900 Mitarbeiter entlassen oder in die Frührente geschickt werden. Vor fünf Jahren war für sie alle der Arbeitsplatz bei diesem starken Arbeitgeber noch bombensicher. Die Ursache für diesen spektakulären Niedergang ist eindeutig die „Energiewende“. Angesichts dessen erscheint es geradezu als paradox, dass  RWE diese ruinöse Wende auch noch mitmacht, längst selbst in das Windkraftgeschäft eingestiegen ist, sich auf seiner Web-Seite mit seinen Investitionen in dieses Geschäft brüstet und mit öffentlichen Anzeigen die „Energiewende“ sogar bewirbt. Seine von der Entlassung bedrohte Belegschaft müsste sich geradezu verhöhnt vorkommen und sich entsprechend artikulieren. Davon vernommen hat man allerdings bisher nichts, jedenfalls nicht öffentlich.

Die De-Industrialisierung Deutschlands schreitet voran

Der Exodus von Unternehmen und Branchen vollzieht sich von der Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt. Die De-Industrialisierung in Deutschland schreitet voran. Es scheint, als sei das gewollt. Schon der Morgenthau-Plan nach dem Zweiten Weltkrieg wollte aus Deutschland wieder einen Nur-Agrarstaat machen. Wir wissen, aus übergeordneten politischen Vorhaben mit Deutschland wurde anders verfahren. Wird Morgenthaus Plan jetzt auf schleichende Weise verwirklicht? Geschieht es mit Absicht? Und mit welcher?

*) Zur Information: Ich bin Mitglied im NAEB-Beirat.      NAEB-Web-Seite: http://www.naeb.info/

Dieser Beitrag ist zuvor auf meiner Blog-Seite www.kpkrause.de erschienen. Hier sind auch meine sämtlichen Beiträge seit dem 18. März 2008 verfügbar




COP 19 in Warschau: Der Gipfel der Zyniker, Heuchler und Träumer

Die ersten Meldungen im Radio und den öffentlich – rechtlichen TV-Sendern waren schon ein unverzeihbarer Skandal. Sie lauteten: In den Philippinen habe ein Tropensturm von ungewöhnlicher Stärke gewütet. Es seien mindestens drei Tote zu beklagen. „Drei Tote?“ Wer hat das denn in die Welt gesetzt? Und wie konnte eine solche Meldung alle Kontrollen einer Nachrichtenredaktion passieren, ohne dass es jemanden auffällt, dass Haiyan sich schon seit einigen Tagen als der stärkste Taifun seit Jahrzehnten auf den Inselstaat zubewegt?
Da ging mal wieder Schnelligkeit vor Nachdenken, Ahnungslosigkeit vor Wissen, Routine vor Sorgfalt. Heute-journal Moderator Klaus Kleber hat sich dann, als das wahre Desaster deutlich wurde, so halbwegs für die „Drei-Tote-Meldung“ entschuldigt. Aber damit wurde nicht erklärt, wie so etwas passieren kann.

Video (leider nur in Englisch) vom Vortrag des US-Astronauten von Apollo 7 Walt Cunningham (81) vor rund 300 Teilnehmern auf dem CFACT EIKE Kongress am 21.11.13 im Auditorium Maximum der Kardinal Stefan Wyschinski Universität in Warschau: Colonel Walt Cunningham war Pilot auf der Mondfähre Apollo VII , dem ersten bemannten Apollo-Flug in den Weltraum. Oberst Cunningham erklärt, warum Amerikas Raumfahrtpioniere schockiert und von der heutigen Politisierung der Wissenschaft bestürzt sind, um damit der globale Erwärmungs-Agenda zu dienen. Sie fordern die Abschaffung der Verfälschungen und Vorurteile aus der wissenschaftlichen Untersuchung und eine Rückkehr zu der strikten Anwendung von rein wissenschaftlichen Methoden.

Doch das war erst der harmlose Anfang einer Desinformationswelle. Ein Taifun in den Philippinen löst mittlerweile sofort eine Sondersendung bei der ARD aus, auch wenn die Redaktion noch nicht mehr weiß, als die wenigen Informationen, die ihr ein paar Agenturen gemeldet haben. Und wenn man schon nicht mehr zeigen kann, als die spärlichen Bilder, die gerade in den Nachrichten gesendet wurden, hilft ein Interview über die Ursachen des Taifuns. Und Moderatorin Hanni Hüsch wird unversehens zur Spezialisten für die Klimaerwärmung. In Hamburg bietet sich dann natürlich der immer verfügbare und unvermeidliche Mojib Latif an, beschäftigt im vom Staat finanzierten Hamburger Max Planck Institut für Meteorologie. Pflichtgemäß verkündet er: „Solche starken Taifune sind das Ergebnis der Klimaerwärmung.“ Das wird natürlich wissenschaftlich etwas verbrämter formuliert. Aber das Stichwort für die Träumer und Heuchler war gegeben: Haiyan ist das Ergebnis der unverantwortlichen Industriestaaten des Westens.

Das ist ebenso präzise und journalistisch unredlich wie die „Drei-Tote-Meldung.“  Hauptsache eine Sondersendung. Hauptsache schnell! Zwei Fragen hätte Frau Hüsch vorher klären sollen:
1.) Seit 15 Jahren haben wir eine leichte Temperaturabkühlung. Warum taucht dann gerade jetzt ein Monstertaifun auf? Latif begründete das mit einer Erwärmung des Pazifiks – an einigen Stellen. Aber die gibt es immer wieder, das ist nichts Neues.
2.) Selbst das Potsdamer Institut für Klimafolgeforschung, sozusagen das Zentralkomitee für die Erklärung der Klimakatastrophen hat mehrfach durch seinen Institutsleiter und Kanzlerinberater Prof. Hans Joachim Schellnhuber ausgesagt: Die natürliche Temperatur unserer Erde liegt bei 15 Grad. Und auch darüber besteht Einigkeit: Zurzeit beträgt die Welttemperatur 14,5 Grad. Wie also kann eine Klimaerwärmung, die nicht eingetreten ist, Taifune auslösen? Hanni Hüsch hat nicht gefragt. Sie hat aber noch viele Sondersendungen über die Katastrophe moderiert, die wenig erklärten, eher zur Kategorie „Elendsvoyeurismus“ gehörten.

Mojib Latif hat schon viel gesagt, wenn er die Klimazukunft beschreibt. Im Jahre 2000 versprach er uns, dass wir nie wieder im Winter Schnee schaufeln müssen. Als es dann in den letzten Jahren ganz anders kam, korrigierte er sich: Er habe von den Jahren 2050 bis 2100 gesprochen. Dann werden wir ihn nicht mehr befragen können.

Er und seine Erwärmungsfreunde haben auch für Südeuropa Dürren vorausgesagt. Das war 2000 als in Mallorca die Stauseen einmal leer waren. Seit 12 Jahren aber sind alle Seen in Südeuropa randvoll und gerade jetzt schwimmen in Sardinien die Autos durch die Straßen.
Von der Voraussage der angeblichen Zunahme der Hurrikans und Taifunen mal abgesehen, weil die in den letzten Jahren abgenommen haben, heißt es jetzt: Die wenigen Stürme würden aber heftiger. Das gibt keine Statistik her – bleibt eine Behauptung. Trotz Haiyan.
Was allerdings in den Tagen danach in und um die Warschauer Weltklimakonferenz aus dem Elend, das Haiyan angerichtet hat, gemacht wurde, ist an Zynismus nicht zu überbieten. Während die Konferenz wieder einmal zeigte, dass es kein verbindliches Klimaabkommen mehr geben wird, weil die Interessen der einzelnen Staaten zu unterschiedlich sind und sich nicht unter einer neuen gigantischen UN-Behörde mit supranationalen Vollmachten ausgleichen lassen. Sozusagen als Ersatzhandlung wurde in Warschau die moralische Keule geschwungen. Wer nicht an die Hochrechnungen und politischen Konstrukte des „Weltklimarates“ glaubt, wurde mehr oder weniger als mitverantwortlicher Mörder an den Opfern des Taifuns abgestempelt. Dass dies die sich selbst in den Stand der Heiligkeit versetzten so genannten Umweltverbände tun, ist fast selbstverständlich. Deren Zynismus können wir ja in Deutschland hautnah erleben, wenn sich zum Beispiel der B.U.N.D. und Nabu gegen entsprechende Zahlungen für das Aufstellen von Windrädern in geschlossenen Waldgebieten kaufen lassen.  Aber in Warschau hat auch der deutsche Christdemokrat und Umweltminister Peter Altmaier diese wilde These wiederholt. Auch er versucht damit aus der Zerstörung und dem vieltausendfachen Tod einfacher Menschen politisches Kapital zu schlagen. Dieser Zynismus ekelt mich an.
Dass auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ins selbe Horn bläst, ist schon eher verzeihlich. In Syrien muss er tatenlos zuschauen, wie ein Diktator sein Volk abschlachtet. Da gehen die Opferzahlen in die Hunderttausende. Als oberster UN-Repräsentant präsidiert er über eine Organisation, in der alle Staaten die Menschenrechtskonvention unterschrieben haben, aber sich mindestens die Hälfte nicht daran hält. Er muss Verbrechern und Mördern mit diplomatischem Geschick begegnen, damit die vielleicht ein bisschen weniger morden und stehlen. Also, da kommt es auf eine weitere Verdrehung der Realität nicht so an. Sein dringender Appell, doch bitte sehr, bis zur nächsten Konferenz 2015 in Paris ein Abkommen gegen die Erderwärmung unterschriftsreif vorzubereiten, wird nichts nutzen – und das ist gut so. Wir brauchen keine neue UN-Behörde, die anderen schon funktionieren kaum.

Was aber sehr viel Menschenleben retten könnte, wäre der Aufbau einer internationalen Katastrophen-Eingreiftruppe, die mehr Geld und mehr Befugnisse hat, als die bisherige UN-Hilfsorganisation. Auch in den Philippinen hat es sich wieder einmal gezeigt, dass vor allem Hilfe in den ersten Stunden oder Tagen viele Menschen retten könnte. Aber genau da hapert es. Meistens fehlt eine benutzbare Infrastruktur, fehlt es an Organisationserfahrung, an schwerem Gerät und Helikoptern. Wie wäre es, wenn die Staatengemeinschaft die 100 Milliarden Dollar, die für einen undurchsichtigen Klimafolgefonds für Entwicklungsstaaten vorgesehen sind, stattdessen für eine Katastrophenhilfe nutzen würde? Sie müsste jedem Staat zur Verfügung stehen, der vorher unterschreibt, dass er an diese Organisation auch Hoheitsrechte abtritt und nicht durch Zollgebühren auf Hilfslieferungen am Elend seiner Bürger noch verdienen will. Sie stünde dann bei allen Desastern zur Verfügung – ob Erdbeben oder Stürmen.

In den Philippinen haben die Amerikaner wieder einmal gezeigt, wie so etwas aussehen kann. Sie sind eingeflogen und haben erst einmal den Flughafen wieder benutzbar gemacht, damit die anderen Helfer überhaupt in Tacloban landen konnten. Eine Flotte unter Führung des Flugzeugträgers „Washington“ hat sich sofort auf den Weg gemacht mit tausenden Soldaten, Tonnen von Hilfsgütern, Fluggerät und Feldkliniken. Das entspricht in etwa der Aufgabenteilung in der Welt: Die Umweltretter von Greenpeace und WWF zum Beispiel sind für die moralische Entrüstung zuständig, die Amerikaner für die praktische massive Hilfe. Es ist schon am Rande der Peinlichkeit, wenn dann in den Sendungen darauf hingewiesen wurde, dass die Amerikaner damit natürlich auch ihre Dominanz im Pazifik unterstreichen wollten und dass sie in den Philippinen besondere Interessen pflegen. Ja, sie sind die Macht im Pazifik, aber kein Staat hilft so schnell und konsequent wie die USA. Die Nörgler haben übersehen, dass es die Amerikaner waren, die auch in Myanmar bei der großen Flutkatastrophe 2008, bei der zirka 180 000 Menschen ertrunken sind, mehr geholfen haben, als alle anderen Nationen zusammen, obwohl es sich um eine eher feindlich gesonnene Militärdiktatur handelte.
In den vielen Sondersendungen kamen leider nicht die Ursachen zur Sprache, die in diesem Fall mitverantwortlich sind, dass die Zahl der Todesopfer so hoch ausfiel. Ich kenne Tacloban noch aus den 80er Jahren. Damals hatte diese Ansammlung von Hütten und einfachen Holzhäusern nur knapp 100 000 Einwohner. Jetzt 30 Jahre später waren es 200 000. Die Philippinen haben eine der höchsten Geburtenraten der Welt, nicht zuletzt wegen des starken Einflusses der katholischen Kirche. Der jetzige Präsident Benigno Aquino III. war der Erste, der den Mut hatte, kostenlos Kondome zu verteilen, was ihm den Zorn der Kirche einbrachte.

Die explodierende Bevölkerungszahl hat nämlich zur Folge, dass Regionen in den Philippinen besiedelt werden, die dafür eigentlich absolut ungeeignet sind. Bei einer meiner Filmproduktionen entdeckte ich im Süden der Hauptinsel Luzon einen traumhaften Strand. Weißer Korallensand und Palmen soweit das Auge reichte, glasklares Meer. Aber weit und breit keine Siedlung, kein Touristenhotel, nichts. Mein Begleiter klärte mich auf: „Hier sind wir in der „Einflugschneise“ der Taifune. In deren Saison wird hier alles weggeblasen und weggespült.“ Die Mitte der Philippinen war deswegen immer dünner besiedelt als der Norden und der Süden. Aber irgendwo müssen die Menschen ja hin. Und so wuchsen auch die Siedlungen und Städte in der betroffenen Visayas – Region. Mit Klimawandel hat das überhaupt nichts zu tun.
Dass trotzdem bei uns der Eindruck entsteht, dass immer mehr furchtbare Katastrophen die Welt heimsuchen, liegt auch an dem journalistischen Wahrnehmungsgrad. Als ich einmal während meiner Korrespondentenzeit in Asien in Manila war und sich ein starker Taifun ankündigte, fragte ich bei der „heute-Redaktion“ an, ob ich darüber berichten solle. Es gab mehrere hundert Tote und Manila stand unter Wasser. Aber damals war ein Taifun in den Philippinen noch kein Thema. War weit weg. Heute würde das wohl eine Sondersendung werden, um die drohende Klimakatastrophe in Erinnerung zu bringen.

Erstaunlich zurückhaltend zeigten sich auch die Katastrophenreporter, wenn sie über die Sicherheitslage in den betroffenen Gebieten berichteten. Von bewaffneten Banden war da die Rede, von Kriminellen, die aus einem Gefängnis ausgebrochen seien. Nur einmal, bei einem Beitrag über ein Dorf, das eine Selbstschutztruppe aufgebaut hat, fiel das Wort „NPA“. Aber das wurde nicht übersetzt. Warum? Die NPA, die es immer noch in den ganzen Philippinen gibt, auch auf der direkt betroffenen Insel Samar, ist eine kommunistische Guerillaarmee, die die Menschen mit Schutzgeldzahlungen erpresst und jegliche wirtschaftliche Entwicklung verhindert. Die NPA (New Peoples Army) gilt als Steuereintreiber für die kommunistische Partei. Ihr Gründer lebt in den Niederlanden. Dass diese Verbrecher jetzt auch noch die obdachlose Bevölkerung bedrohen, ist offensichtlich im deutschen Fernsehen keine Nachricht.

Fazit: Je weiter entfernt sich eine Katastrophe abspielt, je besser lässt sie sich für innenpolitische Zwecke missbrauchen – und kein Elend ist furchtbar genug, um es nicht noch politisch auszunutzen.

Anmerkung:
Der Autor dieses Artikels war 6 Jahre als ZDF Fernost – Korrespondent auch für die Philippinen zuständig und hat dort fast 100 Nachrichten- und Dokumentationsfilme produziert. Von der Präsidentin Corazon Aquino, der Mutter des heutigen Präsidenten erhielt er die philippinische Auszeichnung „Rooster of Heroes“ für seine Berichterstattung über die Revolution 1986.

zuerst erschienen auf ACHGUT