Kommentar zur Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall des Bundesumweltamtes

Vorgeschichte und maßgebende Versäumnisse der MSWI Studie

Die Gutachter haben es sich mit der Sichtung von über 1200  Veröffentlichungen nicht leicht gemacht. Davon wurden 166 kurz im Text zitiert, aber nur die drei des US-amerikanischen Neurobiologen Alec Salt /2/ ausführlich besprochen. Es handelt sich um den experimentellen Nachweis, dass die äußeren Haarzellen im Innenohr Druckwellen im IS-Bereich in elektrische Signale wandeln können. Damit bewies Salt die  Wahrnehmbarkeit des IS unterhalb der Hörschwelle. Man muss den Autoren der MSWI danken, dass sie dieser Arbeit so viel Raum einräumten, obwohl sie wissen mussten, dass  damit das Standardargument, IS sei unschädlich, da unhörbar, falsifiziert worden war.

Nur einer einzigen weiteren Beobachtung gaben die Gutachter vergleichbares Gewicht. Sie betonten immer wieder, dass als besonders belästigend  Tonhaltigkeit im IS-Bereich und Pegelschwankungen im tieffrequenten Hörbereich empfunden würden. Dabei lägen die Modulationsfrequenzen dieser Schwankungen (nicht die Frequenzen der Seitenbänder!) im Bereich um 1Hz, also ebenfalls im IS-Bereich. Nicht unwichtig sind auch die Hinweise, dass Personen, die in ländlichen Gegenden wohnen, die älter sind oder die langzeitlich von IS belastet wurden, von diesen Beschwerden besonders betroffen seien.

Eine systematische Dokumentation der Häufigkeit der im Zusammenhang mit IS berichteten Beschwerden wird man in der MSWI nicht finden. Erwähnt  werden Schlafstörungen als Leitsymptom, Kopfschmerzen, Angstgefühle, Schwindel- und Unbehaglichkeitsempfindungen, Auswirkungen auf Konzentration und Reaktionszeit, auf  Nervensystem und Gleichgewichtsorgane und insbesondere Depressionen, als nichtmentale Beeinträchtigungen auch Herz- und Kreislaufprobleme.  Die viel beachtete Arbeit der amerikanischen Kinderärztin N. Pearpont /3/ wird ignoriert. Diese zeigte in zehn Fallstudien, dass  ursprünglich gesunde Personen, die im Umkreis von Windrädern wohnten, nach deren Inbetriebnahme so stark  unter psychischen Störungen gelitten hätten, dass sie zusammen mit ihren Familien den Wohnsitz wechseln mussten. Danach wären die betreffenden Krankheitsbilder verschwunden. Es mag sein, dass die Beweiskraft der von Pearpont angewandten Methode nicht allzu hoch ist, aber eine ähnliche schlagen auch die Autoren der MSWI für weiterführende Studien vor.

Alle psychischen Dysfunktionen, die in der MSWI als auch in Pearponts Arbeit  aufgelistet wurden, sind seit jeher bei  Föhn beobachtet worden (s. Tab. 1). Aber erst vor 10 Jahren konnte die Münchner Meteorologin E. Wanka /4/ praktisch unwiderlegbar nachweisen, dass schmalbandiger IS das Vehikel ist, mit dem Föhn auf den menschlichen Organismus einwirkt. Diese Übereinstimmung mit den in der

Autor

MWSI /1/

Pearpont /3/

Faust /6/

Wanka /5/

Jahr

2014

2009

1976

2003

IS-Quelle

Beliebig

Windrad

(Wetter)

Föhn/Wetter

Frequenz (Hz)

0.1 – 10

0.1 – 10

0.001 – 0.1

0.001 – 0.1

Symptome

Schlafstörungen,

Tinnitus

Schlafstörungen,

Tinnitus

Schlafstörungen

Kopfschmerzen,

Unbehaglichkeit

Kopfschmerzen,

Übelkeit

Kopfschmerzen

Kopfschmerzen,

Migräne, Phantom-

Schmerzen

Konzentrations-

Schwächen

Konzentrations-,

Gedächtnis- und

Lernschwächen

Konzentrations- und

Gedächtnis-

Schwächen

Angst, Depression

Angst, Panik,

Depression

Nervosität, Angst,

depressive

Stimmung, Suizid

Psychiatrische Störung,

Suizidversuch, Suizid

Reizbarkeit, Zorn

Aggression

Herz- und Kreis-

Laufprobleme

Herzrasen

Herz- und Kreislauf-

Probleme

Herz- und Kreislauf-

Probleme

Tab. 1: Vergleichende Auflistung der Symptome, die in der MSWI /1/ und in den Veröffentlichungen von Pearpont /3/, Faust /5/ und Wanka /6/ mit Infraschall in Verbindung gebracht werden.

MSWI zitierten Ergebnissen ist sehr bemerkenswert. Weiterhin ist Wankas Arbeit zu entnehmen, dass sehr breitbandiger IS, also Rauschen, keine solche Wirkung hat. Man kann daraus folgern – soweit ging Wanka allerdings nicht – dass das Signal-Rausch-Verhältnis der eigentliche, bisher verborgene Parameter ist, zu dem die beobachteten Beschwerden korreliert sind. Mit dieser Hypothese kann auch die in der MSWI erwähnte besondere Sensibilität der ländlichen Bevölkerung erklärt werden: dort ist der Pegel des von (verkehrs-)technischen Einrichtungen emittierten IS-Rauschens niedrig, daher wird  bei vorgegebener Signalamplitude das Signal-Rausch-Verhältnis entsprechend größer. Bekannt ist auch, dass nach Oberbayern Zugezogene erst nach etwa 10 Jahren föhnempfindlich werden – ebenfalls eine Analogie zu der in der MSWI erwähnten  Sensibilisierung mit der Dauer der IS-Belastung.

Das experimentum crucis von Wanka

Insgesamt gleichen die Wirkungen und Wirkmechanismen des föhngenerierten IS denen des windradgenerierten so sehr, dass es nicht einsichtig ist, warum in der MSWI die statistisch gut abgesicherten Ergebnisse der Föhnstdien nicht berücksichtigt wurden. Formal erklärt dies die  Beschränkung der MSWI auf den Frequenzbereich 0,1 – 20 Hz. Wetterbedingte IS-Resonanzen werden aber eher im Bereich 0,001 – 0,1 Hz beobachtet. In diesen beiden Teilbereichen des IS werden die von den Haarzellen in elektrische Wellen transformierten Druckwellen dem Zentralhirn durch das Nervensystem zugeleitet .  Die Frequenzanalyse  im Hörbereich ist komplizierter und  stellt so ein charakteristisches  Merkmal bereit, das den IS-Bereich vom Hörbereich bei menschlichen Organismen  abgrenzt. Trotzdem wird in der MSWI immer wieder versucht, Vorstellungen, die sich im Hörbereich bewährt haben, auf das Problem der Gesundheitsgefährdung durch IS zu übertragen. So geht man dort  davon aus, dass höhere Frequenzanteile zu den bekannten Belästigungen führen und  dass der Beitrag des IS auf eine Herabsetzung  der Hörschwelle bei einigen Personen beschränkt ist. Damit jedoch bleibt unverständlich, warum breitbandiger IS  (Rauschen) unschädlich, schmalbandiger aber schädlich ist.

Wesentlich plausibler scheint eine Hypothese zu sein, deren Bruchstücke vor allem im Internet zu finden sind und die die Bedeutung des IS für die Evolution unterstreicht. Sie lässt sich mit folgender Wirkungskette skizzieren: Erzeugung von IS durch die Schrittfolge eines Feindes – Wahrnehmung durch die äußeren Haarzellen oder das Gleichgewichtsorgan –  Interpretation durch das Zentralnervensystem als Bedrohung –  Schlaflosigkeit (besser erhöhte Wachsamkeit und Aufmerksamkeit) – Fight orflight bzw. Aggression oder Depression. Im Laufe der Evolution hat erst diese Art der Wahrnehmung den Fluchttieren das Überleben ermöglicht. Allgemein gilt, dass einfach strukturierte Signale, die sich mit großem aber konstantem  Zeitabstand wiederholen, vom Zentralnervensystem als Bedrohung interpretiert werden. So haben vom IS um den Schlaf Gebrachte den Eindruck, Einbrecher seien im Hause /3/. Im weiteren Sinne fällt unter dieser Kategorie die Unüberhörbarkeit der akustischen Warnsignale von Polizei-, Feuerwehr- und Rettungsdienstfahrzeugen, die Unübersehbarkeit der optischen Blinksignale bei Baustellen, Bahnübergängen und Leuchttürmen sowie die Unerträglichkeit eines tropfenden Wasserhahnes.   

Der MSWI sind quantitative Zusammenhänge zwischen IS-Pegel und Häufigkeit bestimmter Beschwerden nicht zu entnehmen. Trotzdem haben die Gutachter für die Dimensionierung von Experimenten, die diese Kenntnisse liefern sollen, präzise Vorstellungen. Die vorgeschlagene Zahl von Probanden ist jedoch viel zu klein, um Beschwerden außer Schlaflosigkeit und vielleicht noch Tinnitus nachzuweisen. Ein Blick in Wankas Diplomarbeit /5/ hätte geholfen. Auch ihr gelang es  nicht, durch Befragungen von  30 Probanden Korrelationen zwischen föhngeneriertem IS und Kopfschmerzen signifikant nachzuweisen. Erst mit ca. 1,5 Millionen Probanden, den Einwohnern von München und Umgebung, gelang ihr in einem natürlichen Experiment der Beweis, dass mit Föhn verknüpfter IS in München maximal eine Verdreifachung der durch Suizid, Suizidversuch oder psychische Störungen bedingten täglichen Rettungsdiensteinsätze bewirkt. Danach wären solche Folgen schwerster Depressionen bei ca. 0,1% des Bevölkerungsanteils, der windradgeneriertem IS ausgesetzt würde, zu erwarten. Da zumindest Suizid nicht als zumutbare Belästigung eingestuft werden kann, sollte dieser  Zahlenwert den Umfang der in der MSWI geplanten Stichproben bestimmen.

Obwohl alles darauf hinweist, dass das Phänomen der Gesundheitsgefährdung durch IS mit herkömmliche Theorien nicht erklärbar ist, wird im letzten Abschnitt der MSWI empfohlen, die Vorstellungen, die der TA Lärm und der DIN 45680 zugrunde liegen, mit minimalen Änderungen in die Neufassung dieser DIN-Vorschrift zu übernehmen. Etwas salopp ausgedrückt besagen diese Vorstellungen, solange IS nicht die Ohren betäubt und das Trommelfell zerreißt, sei er gesundheitlich unbedenklich. Darauf weist insbesondere die vorgesehene Streichung der Berücksichtigung einer Tonhaltigkeit hin sowie die Versuche, die Belästigungspotentiale von tieffrequentem Hörschall und von IS  gemeinsam durch eine Ein-Zahl-Bewertung zu charakterisieren.

Abschließende Bewertung der MSWI Studie

Die MSWI hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Mit der Betonung der Wahrnehmbarkeit des IS weit unterhalb der Hörschwelle und der besonderen Wirksamkeit schmalbandiger IS-Signale stellt sie den Stand der Wissenschaft angemessen dar, soweit es sich um Wirkungsmechanismen handelt. Ebenfalls zeigt sie, dass die Ausbreitung des IS nicht prognostizierbar sei. Dagegen werden wesentliche  Veröffentlichungen über die gesundheitsschädigenden Wirkungen des IS ignoriert. Als machbar  wird  eine Befragung vorgeschlagen, die mit Sicherheit schwere Gesundheitsstörungen nicht erfassen wird. Abschließend wird dem Gesetzgeber ohne hinreichende Begründung bescheinigt, dass  geringfügige Anpassungen der geltenden Schallschutzverordnungen genügen würden, IS-Immissionen angemessen zu bewerten. Die sich zwingend ergebenden Konsequenzen werden verschwiegen: der bisherigen Genehmigungspraxis für WEA-Standorte sind nachträglich  die Grundlagen entzogen worden und  Planungen für geeignete Standorte sind nicht mehr möglich.               

Es  wäre naiv, dem Bundesumweltamt zu unterstellen, es wäre sich der Brisanz, aber auch der Mängel der MSWI nicht bewusst gewesen. Man erkennt dies am Fazit, das offensichtlich nicht die sachliche Handschrift der Gutachter trägt. Es lautet:

 Eine nachhaltige Konfliktbewältigung erfordert eine ganzheitliche Beurteilung, die Festlegung von Grenzwerten sowie standardisierte und genormte Prognoseverfahren. Pauschale Ansätze, die eine Prognosesituation mit dem Ziel einer Konfliktbewältigung einseitig überschätzen wie beispielsweise die Festlegung von Mindestabständen, erscheinen ohne fundierte wissenschaftliche Kenntnisse über die Wirkmechanismen als nicht sachgerecht.

Dieses Fazit wird der Bedeutung der MSWI in keiner Weise gerecht.  Die Behauptung, es gäbe keine fundierten Kenntnisse über dieWirkmechanismen ist grob irreführend und steht im Widerspruch zum Inhalt der MSWI. Die Festlegung von Mindestabständen steht sowieso nicht mehr auf der  Agenda, da, wie auch in der MSWI festgestellt wurde, die Ausbreitung von Infraschall nicht prognostizierbar ist. Die Verwendung des Begriffes  nachhaltige Konfliktbewältigung soll wohl suggerieren, dass die Bewertung der Ergebnisse der Studie im gesellschaftlichen Konsens erfolgen müsse, was hieße, das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit könne Gegenstand eines Interessenaus-gleiches sein. Sachgerecht  wäre der Nachweis der gesundheitlichen Unschädlichkeit von windradgeneriertem IS, den der Verursacher zu erbringen hätte. 

Die Umweltämter des Bundes und der Länder haben jahrelang die Öffentlichkeit und die aufsichtsführenden Ministerien mit der These, windradgenerierter Infraschall sei gesundheitlich unbedenklich, da unhörbar, in die Irre geführt. Von dieser These hat es sich das BUA jetzt  klammheimlich verabschiedet. Trotzdem sieht es keinen Anlass, den forcierten Ausbau der Energiegewinnung aus Windkraft in Frage zu stellen. Dabei wird nach meiner Ansicht eine stetig zunehmende Gesundheitsgefährdung vieler Bürger in Kauf genommen. Die vorgeschlagenen Feldstudien besitzen allenfalls eine Alibifunktion. Sie werden bestätigen, dass windradgenerierter Infraschall Schlafstörungen bewirkt, wobei man wahrscheinlich versuchen wird, diese als zumutbare Belästigungen einzustufen – in Guantanamo zählte Schlafentzug als hochwirksame Foltermethode. Die Auslegung jedoch wurde so bemessen, dass die wesentlich schwerwiegenderen Folgereaktionen  vermutlich unterhalb der Nachweisschwelle verbleiben werden.

Literatur:

/1/ Krahe, D., Schreckenberg, D., Ebner, F., Eulitz, C., Möhler, U.,  Machbarkeitsstudie zu Wirkungen des Infraschalls , (2014), www.umweltbundesamt.de (PDF) 
/2/ Salt, A.N. andHullar, T.E., Responses oftheeartolowfrequencysounds, infrasoundand windturbines, Hearing Research, (268) 12- 21 (2010) 
/3/ Pearpont, N., Wind turbinesyndrome, K-selected Books (2009)
/4/ Wanka, R. and P. Höppe, Human biometeorologicalrelevanceoflowfrequencyair
pressureoscillations,
Meteorologische Zeitschrift, 14, 279 -284 (2005)
/5/ Wanka, R., Messung und Analyse niederfrequenter Luftdruckschwankungen in München, Diplomarbeit LMU München (2003)
/6/ Faust, V. Biometeorologie, Hippokrates Verlag, Stuttgart (1976)

*Anschrift: Dr. Joachim Schlüter, Hohlenweg 8, 79410 Badenweiler, e-mail: schlueter-j@gmx.de




2014, Ein Jahr voll Sinnlosigkeit im Kampf gegen den Klimawandel

Der Januar 2014 begann mit einem frostigen Paukenschlag, als arktische Luftmassen auf die  zentralen Vereinigten Staaten herabkamen, nach einem ähnlichen Ereignis im Dezember. Was einst ein Kälteeinbruch genannt wurde, wird nun bedrohlich ein „Polarwirbel“ getauft. Tägliche Rekord-Minus-Temperaturen wurden von Minnesota bis Boston aufgezeichnet, zusammen mit allzeit-höchsten saisonalen Schneefällen in vielen Städten.
In einem am 8. Januar veröffentlichen Video des Weißen Hauses, machte John Holdren, Chefwissenschaftsberater von Präsident Obama, die paradoxe Aussage  „Aber eine wachsende Zahl von Beweisen weist darauf hin, dass die Art von extremer Kälte, welche die  Vereinigten Staaten erleben, das Muster ist, dass wir immer häufiger erwarten können, wenn die globale Erwärmung weiter fortschreitet.“
Ebenfalls im Januar wurden Passagiere des Forschungsschiff Akademik Shokalskiy gerettet, nachdem das Schiff in der Nähe der antarktischen Küste für 10 Tage im Eis blockiert war. Die Expedition unter der Leitung von Professor Chris Turney hatte beabsichtigt zu untersuchen, wie das Wetter sich nahe der Antarktis durch die durch den Menschen verursachte globale Erwärmung änderte.
Am 16. Februar während einer Präsentation in Indonesien, erklärte Außenminister John Kerry, dass der Klimawandel „wahrscheinlich die weltweit am meisten gefürchteten Massenvernichtungswaffe“ sei. Nur zwei Tage später, setzten Demonstranten Kiew, die Hauptstadt der Ukraine unter Druck, was zum Rücktritt von Präsident Viktor Janukowitsch führte. Im März, vereinnahmte Russland die Krim. Im Juli, wurde Malaysia Airlines-Flug 17 über der Ostukraine abgeschossen, und die politischen Unruhen dauern bis heute an. Im Nahen Osten, wurde das Abschlachten unschuldiger Zivilisten und Enthauptung der westlichen Gefangenen ein wachsender Trend .Die durch Menschen verursachten Klima Opfer erscheinen dagegen  im Vergleich bemerkenswert gering.
Im März, veröffentlichte das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen den Klimawandel 2014: Auswirkungen, Anpassung und Verletzlichkeit, sind Teil des fünften Sachstandsbericht. Der Bericht sagt, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel die Weltagrarproduktion reduziert. Chefautor Dr. Mark Howden, sagte: „Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass der Klimawandel auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft hat, vor allem auf einige der Getreidekulturen wie Weizen und Mais. Die negativen Auswirkungen sind größer und schneller als wir bisher annahmen. “
In der Zwischenzeit ignorieren die Bauern weiterhin die Warnungen des IPCC. Nach Angaben des US Department of Agriculture, wurde weltweit der all-Zeit- Rekord der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2014 übertroffen, für alle drei großen Getreidekulturen, Reis Erhöhung um 1,1 Prozent, Weizen um 11,2 Prozent und Mais um satte 14,0 Prozent gegenüber 2013.
Die Obama-Regierung setzte ihre Attacke auf Kohlekraftwerke fort, die etwa 40 Prozent der US-Strom mit versorgt. Im Juni wurden von der EPA neue Beschränkungen für Kohlenstoff-Emissionen vorgeschlagenen, die es praktisch unmöglich machen würden, ein neues Kohlekraftwerk in den USA zu bauen. Zur gleichen Zeit werden mehr als 1.200 neue Kohlekraftwerke auf der ganzen Welt geplant, wobei zwei Drittel in Indien und China gebaut werden.
In seiner Dankesrede zum Nobelpreis 2007, warnte der ehemalige Vizepräsident Al Gore, dass das arktische Eis in weniger als sieben Jahren verschwunden sein könnte. Aber das arktische Meereis erholte sich 2014 und das antarktische Meereis wächst seit Jahrzehnten. Dieses sind Angaben der University of Illinois, nach Satellitenmessungen des globalen Meereisbereich über dem 30-Jahres-Durchschnitt am Ende des Jahres 2014.
Im September hielten die Vereinten Nationen einen Klimagipfel in New York, um die Welt zu drängen, Energie zu sparen und Emissionen zu reduzieren. Sprecher Leonardo DiCaprio, sagte: „Diese Katastrophe ist über die Möglichkeiten gewachsen, die Einzelne haben. Mr. DiCaprio versäumte seine häufige Flüge mit Kohlenstoff emittierenden Privatjets zu erwähnen oder sein Eigentum an der weltweit fünftgrößten Yacht, die er von einem Öl-Tycoon im Nahen Osten kaufte.
Im Oktober berichtete Klimaskeptiker das achtzehnte Jahr in Folge von globalen Temperaturen ohne Anstieg. Satellitendaten zeigen keine Temperaturerhöhung seit 1997. Die „Pause“ in der globalen Erwärmung ist jetzt alt genug, um zu stimmen oder (Wortspiel: to serve in the military)
Hurrikane und Tornados sind beliebte Ereignisse zur Erzeugung alarmierender Klima Schlagzeilen, aber die US-Wetterereignisse waren im Jahr 2014 gering.. Die Aktivität von US Tornados war unterdurchschnittlich und das Fehlen von starken Hurrikanen setzte sich fort. Keine Hurrikan Stufe 3 oder stärker an der die US Küste seit mehr als acht Jahren, die längste Periode seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1900.
Die letzte Hälfte des Jahres 2014 kam es zu einem starken Rückgang der Welterdöl Preise von über 100 Dollar pro Barrel auf unter 60 Dollar pro Barrel. Hydraulik Fracking und Horizontalbohrungen, Technologien, von US-Geologen und Erdöl-Ingenieure in den letzten zwei Jahrzehnten perfektioniert, erzeugt eine Explosion der US-Ölproduktion und löste den Rückgang der Weltmarktpreise aus.
Doch wird der gleichzeitige Rückgang der US-Benzinpreise um zwei Dollar pro Gallone nicht durch die Gläubigen einer vom Menschen verursachten globalen Erwärmung begrüßt. Der ehemalige Energieminister Stephen Chu sagte im Jahr 2008: „So müssen wir herausfinden, wie wir die Benzinpreise auf das Niveau von Europa steigern können.“  Der Englische Journalisten George Monbiot klagte: „Wir haben uns geirrt zu Peak Oil: es gibt genug im Boden um den Planeten zu frittieren.“

Mit all dem Klimaspaß im Jahr 2014, was wird 2015 bringen?

Steve Goreham ist Geschäftsführender Direktor des Climate Science Coalition of America und Autor des Buches The Mad, Mad, Mad World of Climatism: Mankind and Climate Change Mania.  Erhältlich bei Amazon.
Die Übersetzung besorgte Andreas Demmig




Der Mathe-Student, der nie rechnen konnte – Die surreale Welt des Boris Palmer

Aber lassen wir ihn doch einmal selbst zu Wort kommen:

„Im Mathematikstudium (Anmerkung des Autors: auf Lehramt, eine Abschlussnote habe ich nirgendwo gefunden) habe ich mir angewöhnt, immer den exakten Beweis zu führen. Wenn der gefunden wurde, habe ich keinen Widerspruch mehr zugelassen. Das ist in der Mathematik der einzige Weg zur Erkenntnis. Aber in der Politik führt er nicht zum Ziel. Denn da geht es auch um die Frage, wie ich mein Argument so erkläre, dass mein Gegenüber es annehmen kann. Darüber habe ich mir viele Jahre zu wenig Gedanken gemacht.“[1]

Bild rechts: Boris Palmer, Bündnis 90/Die Grünen in 2006 auf einem Grünen Parteitag in Köln; Lizenz über Wikipedia Hochgeladen von Flickr upload bot Link hier 

Zwei Punkte wollen wir festhalten. Erstens, wenn ein Beweis vorliegt, dann gilt dieser widerspruchslos. Zweitens, Argumente (dies sind keine Beweise) muss man so erklären, dass sie der Gegenüber annehmen kann.
Am 13.8.14 (der Tag des Mauerbaus) veröffentlichte Boris P. in der Welt einen Artikel mit dem Titel Wir kommen an Windrädern nicht mehr vorbei“.

Das Credo des Artikels lautet:

„Es ist nicht statthaft, zweifelhafte und wandelbare ästhetische Gegenwartsbedürfnisse über die Lebensbedürfnisse künftiger Generationen zu stellen. Wer heute nicht auf Strom und Wärme verzichten will, muss den Anblick von Wärmedämmungen und Windrädern ertragen.“

In was für einer Welt leben wir, wenn außer in Deutschland die Lebensbedürfnisse zukünftiger Generationen missachtet werden. Es tröstet etwas, dass dafür die meisten Menschen in Europa im Kalten und im Dunklen sitzen müssen, da sie auf den Anblick von Dämmplatten und Windmühlen verzichten. Aber wie sagte Siegmar Gabriel so treffend:
“Für die meisten anderen Länder in Europa sind wir sowieso Bekloppte”.  Vielleicht sind wir aber nicht nur bekloppt, sondern sogar wahnsinnig. Zumindest Boris P. nannte sich selbst auf einer Konferenz in Düsseldorf 2010, auf der es um das „Einpacken“ von Häusern und ganzen Städten, um Sinn und Unsinn des „Dämmwahns“ ging, einen „Dämmwahnsinnigen“. Er weiß vermutlich gar nicht wie recht er damit hat.
Während Gabriel in einem kurzen Augenblick der Erkenntnis gesteht:

Die Wahrheit ist, dass die Energiewende kurz vor dem Scheitern steht”, aber dies nicht konsequent zu Ende denkt, kommt der OB zu einer ganz anderen Schlussfolgerung:

Die Energiewende kann nur funktionieren, wenn wir auch schöne Landschaften mit Windrädern verändern. Die Auswirkungen von Windparks auf die Natur sind jedoch von wenigen Vogelarten abgesehen nahezu null. Jeder Kilometer Autobahn richtet mehr Schaden an der Umwelt an als ein Windpark. Die einzige relevante Beeinträchtigung der Windkraft bleibt die optische.“ „Die Zahl von derzeit rund 25.000 (onshore)-Windkraftstandorten in Deutschland müssen wir verdoppeln, um Deutschland erneuerbar zu versorgen.“

Etwaige Andersdenkende werden von ihm mit seiner Feststellung abgekanzelt:

„Wer sich intensiver mit den Initiativen auseinandersetzt, die im Namen des Naturschutzes gegen Windräder mobilisieren, stellt fest, dass dies häufig gerade die Menschen sind, die Bioprodukte für Firlefanz halten, große Autos in der Garage haben, nie Grün wählen würden und Umgehungsstraßen in freier Landschaft für einen Segen halten, kurz die Ökologie erst dann entdecken, wenn ihnen ein Windrad ins Blickfeld gerät.“

Lassen wir einen der Andersdenkenden zu Wort kommen. Enoch von Guttenberg, der vor 37 Jahren den BUND mitgegründet hat, diesen aber kürzlich aus Protest gegen die derzeitige Führung, die er wegen ihrer Zusammenarbeit mit der Windlobby als verantwortungslose und korrumpierte Technokraten bezeichnet, wieder verließ, sagt über die Windkraftanlagen:

„Windkraftanlagen sind nicht nur Geländefresser. Sie erfordern nicht nur die Erschließung, also die Entwaldung ganzer Höhenzüge. Sie sind zudem hocheffiziente Geräte zur Vernichtung von Vögeln und Fledermäusen. Die „Hinweise zur Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen“ der Bayerischen Staatsregierung vom 20. Dezember 2011 benennen als besonders gefährdet unter anderen den Schwarzstorch, den Weißstorch, die Wiesen- und die Rohrweihe, den Schwarz- und den Rotmilan, den Baum- und den Wanderfalken, den Wespenbussard, den Uhu, den Graureiher – all dies ohnehin bedrohte Vogelarten, die vom Sog der Windräder eingezogen und buchstäblich zerhäckselt werden. Den Fledermäusen lässt bereits der Druckunterschied im Umkreis der Rotoren ihre Lungen platzen.“

Quantifiziert und dokumentiert wurde dies von Clive Hambler von der Oxford Universität. Demnach „werden in jedem Jahr zwischen 6 und 18 Millionen Vögel und Fledermäuse in Spanien allein durch Windräder getötet, einschließlich seltener Gänsegeier, von denen in einem Jahr 400 Exemplare getötet worden sind, ….. In Tasmanien sind die Keilschwanzadler wegen der Windturbinen vom Aussterben bedroht. Norwegische Windparks töten jedes Jahr zehn Seeadler. Deutsche Windturbinen töten 200 000 Fledermäuse pro Jahr“.[2]
Mehrere Millionen Opfer pro Jahr sind also für den ökologischen OB „nahezu null“. Irgendwie muss der Mathematiker bei der Zahlentheorie geschlafen haben.
Mit den Zahlen scheint er eh ein Problem zu haben, denn was soll es bringen noch einmal 25 000 Windanlagen aufzustellen, wenn „gut 70 % aller deutschen Windräder unwirtschaftlich sind und die meisten investierenden Bürger kaltblütig betrogen und über die Tische gezogen werden.“ Im Übrigen konnten diese Zahlen von den Windrad-Bauern und -Betreibern bis jetzt nicht dementiert werden, da dies das Zahlenmaterial des eigenen Dachverbandes ist und ungewollt an die Öffentlichkeit gelangte.“ [3]
In Deutschland werden an einem „normalen Tag“ 65 GW Leistung benötigt. An einem Spitzenlasttag im Winter können es für wenige Stunden auch rd. 82 GW sein. Derzeit sind rd. je 32 GW Windleistung und 34 GW Photovoltaikleistung installiert. Wenn wir also nach Boris P. die Windenergie verdoppeln, dann sind wir bei knapp 100GW angelangt, was wohl immer ausreichen sollte. Dies impliziert zumindest sein Gedanke, wenn da nicht die vertrackte Natur wäre. Die folgende Graphik zeigt einen typischen Verlauf der real eingespeisten Energie.

Bei einer verdoppelten Windenergie kommen wir im Mittel auf knapp 11.5GW, was weniger als 18% der benötigten Leistung ist, aber im Minimum sind es nur rund 0,5%!
Dies ist ein klarer empirischer Beweis über den Unsinn von 100% „erneuerbarer“ Energie. Nehmen Sie sich beim Wort Herr Palmer, machen Sie eine 180° Wende und dulden Sie dann keinen Widerspruch.
In der Mathematik genügt ein Beweis um eine These zu falsifizieren. Aber vielleicht brauchen Sie noch einen? 
Und trotzdem geht es, wie Prof. Endres von der TU Clausthal gezeigt hat.
„Man muss die „erneuerbare“ Erzeugungskapazität bei einem Flächenverbrauch von ca. 20 % „nur“ auf ca. 500 – 600 GW erweitern und für die Speicherung von 40 TWh Strom (mehrwöchige Flaute) ein paar Milliarden Batterien installieren. Gehe ich von einem Preis von 100 EUR/kWh aus (sehr sehr sportlich), kostet der Spaß wohl rund 4 Billionen Euro nur für die Batterien, und das bitte alle spätestens 6 Jahre noch mal. Dazu kommt dann noch die Ladeelektronik usw.. Kurz und gut, der ganze Spaß würde Installationskosten von ca. 10 Billionen EUR erfordern, mit wiederkehrenden Kosten von ca. 5 Billionen EUR alle 6 Jahre und ca. 1 Billion EUR alle 10 – 15 Jahre für die WKA´s – ja, wenn das keine Perspektive ist.“
Zum Vergleich, der Bundeshaushalt von 2014 betrug knapp 0.3 Billionen Euro, Selbst wenn eine heilige Fee die Installationskosten übernehmen würde, überstiegen die jährlichen Wartungskosten den kompletten Haushalt.
Dies wird schwierig zu erwirtschaften sein, da die Windanlagen selber einen jährlichen Verlust zwischen 300- bis 500-tausend Euro verursachen. Konkret für den Windpark Münsterwald mit 7 WKA’s beträgt der Wert rund 3.2 Millionen Euro pro Jahr. Die Rechnung hierzu findet man im Anhang als pdf. Hochgerechnet auf die Wunschzahl des OB aus Tübingen ergibt dies weitere 20 Milliarden Kosten pro Jahr.
Sie können die Zahlen drehen, wie Sie wollen. Es ist nicht machbar. Beweis Nr. 2.
Langsam schwant mir, warum ich keine Abschlussnote gefunden habe.
Soviel zu den Beweisen. Kommen wir zu den Argumenten. Wie erklären Sie, dass der Pfälzerwald, der für die Grünen vor drei Jahren oberste Priorität als zusammenhängendes Waldgebiet hatte, nun den Windkraftanlagen geopfert werden soll? Ist Waldschutz der Firlefanz von gestern?
Sie bejahen auf der einen Seite die Vermaisung der Landschaft und fordern auf der anderen den Vorrang der Ökologie ein. Die größte Biogasanlage im Land benötigt 1000 Tonnen Mais pro Tag. 7000 Anla­gen stehen bereits, pro Jahr kommen im Durchschnitt etwa 1000 hinzu. Um diesen Widerspruch zu erklären muss man schon tief in die Kiste des dialektischen Materialismus greifen. Kampf und Einheit der Widersprüche wäre da das Stichwort. Der Segen dieser Philosophie ging, wenn auch vermutlich nur temporär, vor 25 Jahren unter.

Zwischenzeitlich hat man sich aber für eine neue Ideologie entschieden –
den Klimaschutz.

Als Experte dient Al Gore. Schon Al Gore hat in seiner „unbequemen Wahrheit“ darauf hingewiesen, dass in 99 Prozent aller wissenschaftlichen Publikationen die Erderwärmung als menschengemachte Tatsache akzeptiert ist.“
Al Gore, der Experte, der auf die Frage nach der Temperatur in zwei Kilometer Tiefe von ein paar Millionen Grad faselte, wobei es um die Erde(!) ging, Diese Temperatur gibt es nicht einmal in dieser Tiefe auf der Sonne. Al Gore der Ursache und Wirkung tauscht, damit die Ideologie stimmt.

Das obige Bild präsentiert er in dem Film „An inconvenient truth“. Und so sieht die Wahrheit aus, erst steigt die Temperatur und dann das CO2. Dies ist eine Folge der Temperaturabhängigkeit der Löslichkeit von CO2 in Wasser (Henry Gesetz). Aber was stören Naturgesetze den Experten.

So unglaubwürdig Al Gores „wissenschaftliche“ Aussagen sind, so unglaubwürdig sind auch die 99%. Die neueste und größte Studie besagt folgendes:

„We analyze the evolution of the scientific consensus on anthropogenic global warming (AGW) in the peer-reviewed scientific literature, examining 11 944 climate abstracts from 1991–2011 matching the topics ‘global climate change’ or ‘global warming’. We find that 66.4% of abstracts expressed no position on AGW, 32.6% endorsed AGW, 0.7% rejected AGW and 0.3% were uncertain about the cause of global warming.”[4] 

Womit die 99% auf ein Drittel geschrumpft sind. Bedenkt man noch, dass es viel schwieriger ist so genannte skeptische Artikel zu publizieren, wie climategate gezeigt hat, dann schrumpft die Konsensuszahl weiter.

[Climategate: From: Phil Jones <p.jones@xxxx>
To: "Michael E. Mann" <mann@xxxx> Der Erfinder der Hockeyschlägerkurve.
Subject: HIGHLY CONFIDENTIAL
Date: Thu Jul  8 16:30:16 2004
The other paper by MM (McIntyre und McKitrick, die den Erfinder überführten) is just garbage - as you knew. Pielke is also losing all credibility.
I can't see either of these papers being in the next IPCC report. Kevin and I will keep them out somehow - even if we have to redefine what the peer-review literature is!]

Dies ficht aber Boris P. nicht an. Er behauptet und nennt dies Argumentieren:
Klimaskeptiker sind Leute, die an die Stelle dieser Erkenntnis obskure Alternativerklärungen setzen, um die menschliche Sucht nach fossiler Energie zu rechtfertigen.“ 
Wo sind Ihre Argumente, die die Windkraftgegner annehmen können? Leider habe ich keine gefunden. Dafür gibt es Plattitüden, wie „große Autos in der Garage“ und das wohl Schlimmste in Ihrer Vorstellung „Menschen die nie Grün wählen“. Bitten Sie doch Herrn Kretschmann, dass per Gesetz nur noch Grün gewählt werden darf.


[1] Welt 26.10.14
[2] http://www.spectator.co.uk/features/8807761/wind-farms-vs-wildlife/
[3]http://www.deutscherarbeitgeberverband.de/aktuelles/2014_11_16_dav_aktuelles_BUND_Technokraten.html
[4] Cook et al. – Environ. Res. Lett. 8 (2013) 024024 (7pp)




Wind und Solar – nichts als Vergeudung von Energie und Ressourcen

In der Biologie gibt es schon lange den Begriff „Energieerntefaktor“. Damit beschrieb der amerikanische Forscher Charles Hall das Verhältnis zwischen dem energetischen Aufwand, den ein Raubtier treiben muss, um seine Beute zu fangen und zu töten, und dem Nutzen in Form von Energie, die es aus dem Verzehr dieser Beute ziehen kann. Ist die Beute zu klein oder der Jagdaufwand zu groß, dann wird dieser Erntefaktor negativ, d.h. der Räuber muss bei dieser Aktion einen Teil seiner im Körper gespeicherten Energiereserven zuschießen und erleidet einen entsprechenden Substanzverlust. Bei einem oder zwei Jagdversuchen mag das noch gut gehen, doch wenn es nicht gelingt, im Durchschnitt aller Jagden mehr Energie zu „erbeuten“ als verbraucht wurde, dann gehen die Reserven über kurz oder lang zu Ende und das Tier wird sterben. Für den Erntefaktor wird häufig auch der englische Fachbegriff EROEI (Energy Returned On Energy Invested) verwendet.
Nachdem Hall dieses Konzept erstmals auch für die Beurteilung von Kraftwerken verwendete, wird es inzwischen umfassend zur Charakterisierung der unterschiedlichsten Kraftwerkstypen angewandt [FEST, MERK]. Man bilanziert damit faktisch die in Bau, Betrieb und Rückbau sowie in die Beschaffung des Brennstoffs investierte Energiemenge einerseits und die in Form von Strom zur Verfügung gestellte Energiemenge andererseits, Bild 1.

Bild 1. Der Erntefaktor eines Kraftwerks. Die Brennstoffbereitstellung (Förderung, Aufbereitung, usw.) findet normalerweise außerhalb des eigentlichen Kraftwerks statt, wird aber fairerweise zur investierten Energie hinzugerechnet (Grafik: [FEST])

Konventionelle Kraftwerke im Plus

Die hier aus einer Publikation des Instituts für Festkörper-Kernphysik in Berlin übernommenen Daten basieren auf einer begutachteten internationalen Publikation von Weissbach et al. im Fachmagazin Energy (Band 52, April 2013, Seite 210-221) [WEISS]. Die Autoren fanden sowohl für fossile Kraftwerke als auch für Kernkraftwerke hohe positive Erntefaktoren zwischen 28 und 107, Bild 2. Die einzige Ausnahme betrifft den Einsatz von Biogas zum Betrieb eines Gas-und-Dampf-Kombikraftwerks. Hier wird aufgrund der hohen Aufwendungen zur Bereitstellung des Brennstoffs lediglich ein Erntefaktor von 3,9 erreicht. Obwohl dies vordergründig positiv erscheint, ist es dennoch bei weitem nicht ausreichend. Die Begründung hierfür folgt weiter unten.

Bild 2. Vergleich der Energieerntefaktoren verschiedener konventioneller Kraftwerke (Daten: [FEST])

Kraftwerke mit Speicherbedarf

Kraftwerke, deren Leistungsabgabe nicht exakt dem jeweiligen Bedarf angepasst werden kann, gehören in eine gesonderte Gruppe, da ihre momentan nicht benötigte Produktion in irgendeiner Form gespeichert werden muss. Neben den „klassischen“ EE-Kraftwerkstechnologien wie Wind- und Solarkraftwerke zählen hierzu auch Laufwasserkraftwerke, deren Produktion vom aktuellen Wasserangebot im Fluss abhängt und entsprechenden Schwankungen unterliegt. In jedem Fall müssen bei der Betrachtung des Erntefaktors der Aufwand für die Errichtung und den Betrieb der Speichereinrichtungen sowie die bei der Speicherung auftretenden Verluste mit berücksichtigt werden. Eine Aufstellung der Erntefaktoren bei Kraftwerkstypen, die Speicherung erfordern, zeigt Bild 3.

Bild 3. Erntefaktoren verschiedener wetterabhängiger Kraftwerkstechnologien sowie die Auswirkungen einer Speicherung (Daten: [FEST])
Bezüglich der durch die Speicherung zu überbrückenden Zeiträume unterscheidet man zwischen Speicherung über kurze Zeiträume – typischerweise im Tagesrhythmus wie beispielsweise bei Solarkraftwerken, die nachts keinen Strom liefern – und längerfristigem Speicherbedarf, wenn saisonale Schwankungen beispielsweise aufgrund unterschiedlicher Wasserzuflüsse z.B. im Hochgebirge berücksichtigt werden müssen. Letzteres geht fast nur beim Betrieb von Talsperren, deren großes Volumen als Speicher genutzt werden kann. Dieser Aufwand ist bereits in den Baukosten berücksichtigt. Eine saisonale Speicherung z.B. von Solarenergie über Monate hinweg ist aufgrund des schwachen Aufkommens im Winter weder technisch noch ökonomisch realisierbar, nicht zuletzt auch deshalb, weil es weder in Deutschland noch in den unmittelbaren Nachbarländern die topologischen Voraussetzungen für die Errichtung solch riesiger Speichervolumen gibt. Für alle anderen von EE-Befürwortern häufig vorgeschlagenen Speichertechnologien wie Druckluftspeicherung, Wasserstoffproduktion bzw. Methangassynthese („Windgas“) oder Batteriespeicherung gilt, dass sie aufgrund hoher Anlagenkosten sowie geringer Wirkungsgrade den Erntefaktor nochmals erheblich reduzieren.

Erntefaktor 1: Dahinvegetieren am Existenzminimum

Bei der Betrachtung der hier ermittelten Zahlen für die verschiedenen Arten der Gewinnung „erneuerbarer“ Energien könnte vordergründig der Eindruck entstehen, dass die Ergebnisse zwar nicht berauschend, aber dennoch positiv sind und es demnach nur eine Frage der Installation genügend großer Kapazitäten ist, um letztlich den Energiebedarf unserer Gesellschaft mithilfe von z.B. Sonne- und Windkraftwerken zu decken. Dies ist jedoch ein Trugschluss, denn für einen tatsächlich positiven Beitrag zur Energiebilanz bedarf es in unserer modernen Gesellschaft eines sehr viel höheren Erntefaktors als 1. Warum das so ist, kann man leicht anhand des Raubtier-Beispiels nachvollziehen. Ein Erntefaktor von 1 würde bedeuten, dass dieses Tier ständig am Rande des Hungertodes entlang vegetiert und keine Möglichkeit hat, seine Reserven für Notzeiten aufzustocken. Für Tiere, die beispielsweise Winterschlaf halten müssen, wäre dies das Todesurteil. Ein wesentlich höherer Erntefaktor als 1 wird auch benötigt, um Junge zeugen und aufziehen zu können. Ohne dies wäre die Art innerhalb kürzester Zeit zum Aussterben verurteilt.

Unsere Zivilisation erfordert Erntefaktoren von mindestens 14

Beim Menschen mit seiner komplexen und energieintensiven technischen Zivilisation sowie der außerordentlich hohen Aufwendungen, die wir beispielsweise in die Ausbildung unseres Nachwuchses investieren, sind entsprechend höhere Erntefaktoren zu berücksichtigen [MERK]. Deshalb muss ein Energiesystem einen Überschuss erzeugen, der groß genug ist, um damit Nahrung sowie alle Dinge des täglichen Bedarfs produzieren zu können. Darüber hinaus müssen auch die Ressourcen für die Errichtung von Gebäuden und Infrastruktur sowie den Betrieb von Spitälern und Universitäten bereitgestellt werden, und letztlich ist auch noch der Aufwand für die kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung zu decken. Technologisch hochstehende Zivilisationen wie die in Europa, Japan, China oder in den USA erfordern einen minimalen Erntefaktor von 14, Bild 4 und Tabelle 1.

Bild 4. Je komplexer und technologisch hochstehender eine Gesellschaft ist, desto höher muss der Erntefaktor EROEI der zur Energiegewinnung eingesetzten Technologien sein. Blaue Werte sind veröffentlicht, gelbe sind zunehmend spekulativ (Grafik: [MERK])
Tabelle 1. Minimal erforderliche Erntefaktoren EROEI bei der Gewinnung von konventionellem „süßem“ Rohöl zur Aufrechterhaltung bestimmter Zivilisationsstufen (Daten: [MERK])
Aktivität                                                                Minimaler EROEI
Förderung des Öls                                                 1,1/1
Raffineriebetrieb                                                    1,2/1
Transport                                                                  3/1
Nahrungsmittelproduktion                                      5/1
Unterhalt von Familien der Mitarbeiter                7-8/1
Ausbildung                                                         9-10/1
Gesundheitswesen                                                 12/1
Kulturangebot                                                        14/1
Die heute verfügbaren Wind- und Solarenergieanlagen sind demnach energetische „schwarze Löcher“, in denen vorhandene fossile Ressourcen sinnlos vergeudet werden. Je mehr man davon errichtet, desto grösser der Schaden.
 
Quellen
[FEST] http://festkoerper-kernphysik.de/erntefaktor
[MERK] http://www.windland.ch/wordpress/
[WEISS] http://dx.doi.org/10.1016/j.energy.2013.01.029




Gesundheitsgefahr durch Großwindradanlagen: Ärzte erheben ihre Stimmen

Die Webseite des Arbeitskreises AEFIS hier. Wir bringen ihren Beitrag unverändert als angehängtes pdf, bei dem wir lediglich auf S. 16 die Namen die Unterzeichner herausgeschnitten haben, weil einige von ihnen handschriftlich signiert waren (Datenschutz). Im so geänderten pdf-Dokument fehlen auf S. 16 somit die Unterzeichnernamen, und die Seitenzahl ist mitabgeschnitten. Die Unterzeichner (ohne handschriftliche Unterschrift) sind nachfolgend aufgeführt als
Prof. Dr. med. Heyo Eckel, Dr. med. Rolf Sammeck, Dr. med. Thoams Carl Stiller, Dr. med. Anita Schmidt-Jochheim, Dr. med.habil. Eberhard Franz, Dr. med. Ulrike Diehl, Dr. med. Martina Ohlmer,  Dr. med. Michael Jäkel, Dr. med. Herbert Klengel, Dr. med. Stephan Bartels.
Die bisherigen EIKE-News zum Thema „Infraschall durch Großwindkraftanlagen“ hier, hier, hier,hier, hier, hier.

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