U-Battery aus Europa

Interessant ist schon mal die Erschließung völlig neuer Marktsegmente durch die Reaktorleistung (hier 10 MWth und 4 MWel) und die nutzbare Temperatur (hier 750 °C). Diese neue Klasse wird als MMR (.micro modular reactor) bezeichnet. Wie schon die Bezeichnung „Uran-Batterie“ andeutet, wird ferner eine ununterbrochene Betriebszeit von mindestens 5 – 10 Jahren vorgesehen. Hiermit wird das Marktsegment der Kraft-Wärme-Kopplung auf der Basis von „Schiffsdieseln“ und kleinen Gasturbinen angestrebt. Ein sich in der Industrie immer weiter (steigende Strompreise und sinkende Versorgungssicherheit durch Wind und Sonne) verbreitendes Konzept. Hinzu kommen die Inselnetze in abgelegenen Regionen (Kleinstädte), Bergwerke und Produktionsplattformen auf dem Meer, Verdichterstationen in Pipelines usw. Hierfür kann ebenfalls auch die hohe Betriebstemperatur — selbst bei reiner Stromproduktion — von Vorteil sein, da sie problemlos Trockenkühlung (Wüstengebiete) erlaubt.

Die treibende Kraft hinter diesem Projekt ist — in diesem Sinne sicherlich nicht ganz zufällig — das Konsortium URENCO. Ein weltweiter Betreiber von Urananreicherungsanlagen. Solche Kaskaden aus Zentrifugen brauchen kontinuierlich gewaltige Mengen elektrische Energie. Man sucht also selbst nach einer Lösung für die immer teurere Versorgung.

Der Reaktor

Wieder ein neuer „Papierreaktor“ mehr, könnte man denken. Ganz so ist es aber nicht. Man hat von Anfang an auf erprobte Technik gesetzt. Es ist reine Entwicklungsarbeit — insbesondere für die Nachweise in einem erfolgreichen Genehmigungsverfahren — aber keine Forschung mehr zu leisten. Insofern ist der angestrebte Baubeginn 2024 durchaus realisierbar.

Fangen wir mit dem Brennstoff an. Es sind [TRISO] (TRISO) Brennelemente vorgesehen. Dieser Brennstofftyp ist bereits in mehreren Ländernerfolgreich angewendet worden. Diese Brennelemente überstehen problemlos Temperaturen von 1800 °C. Dadurch sind solche Reaktoren inhärent sicher. Gemeint ist damit, daß die Kettenreaktion auf jeden Fall infolge des Temperaturanstiegs zusammenbricht und eine Kernschmelzedurch die Nachzerfallswärme (Fukushima) ausgeschlossen ist. Man braucht somit keine Notkühlsysteme, dies spart Kosten und vor allem: Was man nicht hat, kann auch nicht kaputt gehen oder falsch bedient werden. Der Sicherheitsgewinn ist dadurch so groß, daß sich alle denkbaren Unfälle nur auf den Reaktor und sein schützendes Gebäude beschränken. Nennenswerte Radioaktivität kann nicht austreten und damit beschränken sich alle Sicherheitsanforderungen nur noch auf das Kraftwerksgelände selbst. Eine „revolutionäre Feststellung“, der sich die Genehmigungsbehörden langsam anschließen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die möglichen Standorte, Versicherungsprämien etc. Ein nicht mehr umkehrbarer Schritt auf dem Weg zu einem „normalen Kraftwerk“ oder einer „üblichen Chemieanlage“. Die Errichtung solcher Reaktoren in unmittelbarer Nähe zu Städten (Fernwärme) oder Industrieanlagen (Chemiepark, Automobilwerk etc.) ist nur noch eine Frage der Zeit.

Als Kühlmittel ist Helium vorgesehen. Der Reaktorkern wird aus sechseckigen Brennelementen als massiver Block aufgebaut. Mit dieser Technik besitzt GB eine jahrzehntelange Erfahrung. Kein Land besitzt mehr Betriebsjahre mit Reaktorgraphit. Der Vorteil gegenüber einem Kugelhaufen sind definierte Kanäle für das Kühlmittel und die Regelstäbe. Vor allen Dingen ergibt sich aber kein Staubproblem aus dem Abrieb der Kugeln während des Betriebs. Die notwendigen Rohrleitungen und das Gebläse zur Umwälzung des Heliums bleiben sauber. Dies erleichtert etwaige Wartungs- und Reparaturarbeiten. Der komplette Reaktor kann in einer Fabrik gebaut und getestet werden und mit einem LKW einsatzbereit auf die Baustelle gebracht werden.

Als Brennstoff dient angereichertes Uran. Die Anreicherung (< 20% U235) erlaubt einen mehrjährigen Betrieb ohne einen Brennstoffwechsel („Batterie“). Ob der Brennstoff vor Ort im Kraftwerk gewechselt werden muß oder der gesamte Reaktor zurück zum Hersteller gebracht werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt (Strahlenschutz). Der Ansatz einer „Batterie“ verringert jedenfalls die Größe eines etwaigen Brennelementenlagers am Kraftwerk und schließt eine mißbräuchliche Nutzung praktisch aus (Proliferation). Damit ist ein solches Kraftwerk auch problemlos in „zwielichtigen Staaten“ einsetzbar. Ferner verringert sich der Personalaufwand im Kraftwerk. Ein solches Kraftwerk wäre halbautomatisch und fernüberwacht betreibbar. Was den Umfang des erforderlichen Werkschutzes anbelangt, sind die Genehmigungsbehörden noch gefragt. Eine Chemieanlage — egal wie gefährlich — kommt heutzutage mit einem üblichen Werkschutz aus, während von Kernkraftwerken erwartet wird, eine komplette Privatarmee zu unterhalten. Alles Ausgeburten von „Atomkraftgegnern“ um die Kosten in die Höhe zu treiben. Verkauft wird so etwas als Schutz gegen den Terrorismus.

Der konventionelle Teil

Man plant keinen Dampfkreislauf, sondern eine Gasturbine als Antrieb des Generators. Kein ganz neuer Gedanke, aber bisher ist z. B. Südafrika an der Entwicklung einer Heliumturbine gescheitert. Helium ist thermodynamisch zu eigenwillig und außerdem ist bei einem Kugelhaufenreaktor mit einer radioaktiven Staubbelastung zu rechnen. Bei der U-Battery hat man sich deshalb für einen sekundären Kreislauf mit Stickstoff entschieden. Vordergründig kompliziert und verteuert ein zusätzlicher Wärmeübertrager zwischen Reaktorkreislauf (Helium) und Turbinenkreislauf (Stickstoff) das Kraftwerk, aber man hat es sekundärseitig nur noch mit einem sauberen und nicht strahlenden Gas zur beliebigen Verwendung zu tun. Stickstoff ist nahezu Luft (rund 78% N2) und man kann deshalb handelsübliche Gasturbinen verwenden. Auch an dieser Stelle erscheint das wirtschaftliche Risiko sehr gering. Der Wärmeübertrager Helium/Stickstoff übernimmt lediglich die Funktion der Brennkammer eines Flugzeugtriebwerkes (Leistungsklasse). Bei der vorgesehenen hohen Temperatur von 750°C des Stickstoffs bleibt nach der Turbine noch jegliche Freiheit für die Verwendung der Abwärme (Fernwärme, Prozessdampf etc.). Die immer noch hohe Temperatur am Austritt einer Gasturbine erlaubt problemlos eine Kühlung mit Umgebungsluft ohne große Verschlechterung des Wirkungsgrades. Ein immenser Vorteil für alle ariden Gebiete.

Die Projektierer

Eine zügige Verwirklichung scheint durch die Zusammensetzung der beteiligten Unternehmen nicht unwahrscheinlich: Amec Foster Wheeler (über 40000 Mitarbeiter in 50 Ländern) mit umfangreicher Erfahrung in Öl- und Gasprojekten. Cammel Laird als Werft. Laing O’Rourke als Ingenieurunternehmen. Atkins für Spezialtransporte. Rolls Royce als international führender Produzent von Gasturbinen (Flugzeuge und Schiffe), darüberhinaus mit umfangreicher Erfahrung in der Kerntechnik.

Bemerkenswert ist die Ausweitung des Projektes auf den Commonwealth. Kanada und Indien sind bereits dabei. Läßt der „Brexit“ hier grüßen? Nach bisherigem Stand der Dinge, könnte der erste Reaktor in Chalk River in Kanada gebaut werden. Dies ist auch kein Zufall, da in Kanada bereits über 200 potentielle Standorte für einen solchen MMR ermittelt wurden. Für diese potentiellen Kunden ist bereits ein neuartiges Geschäftsmodell in Arbeit: Sie bezahlen nur die gelieferte Wärme und und die elektrische Energie. Das Kraftwerk wird dann von einer Zweckgesellschaft finanziert, gebaut und betrieben. So kann dem Kunden das wirtschaftliche Risiko abgenommen werden. Es ist nicht anzunehmen, daß irgendein Bergwerk oder eine Ölraffinerie bereit ist in das „Abenteuer Kerntechnik“ einzusteigen. Andererseits sind solche sog. „Betreibermodelle“ in der einschlägigen Industrie lange bekannt und erprobt.

Noch ein paar Daten

Der Reaktor hat einen Durchmesser von etwa 1,8 m und eine Länge von etwa 6 m. Er ist damit problemlos auf einem LKW transportierbar. Das Helium soll einen Betriebsdruck von ca. 40 bar haben und eine Austrittstemperatur von 750 °C. Damit ergibt sich eine notwendige Wandstärke von unter 100 mm. Dies ist wichtig, weil hierfür keine speziellen Schmieden bzw. Rohlinge erforderlich sind. Nur wenige Unternehmen weltweit können demgegenüber Druckbehälter für Leichtwasserreaktoren schmieden.

Als Brennstoff soll auf knapp 20% angereichertes Uran (high assay, low enriched uranium (HALEU)) verwendet werden. Damit werden die TRISO-Kügelchen hergestellt, die zu Tabletten mit einer Höhe von ca. 40 mm und einem Außendurchmesser von ca. 26 mm gepreßt werden. Aus diesen werden die sechseckigen Brennelemente mit einer Kantenlänge von 36 cm und einer Höhe von 80 cm aufgebaut. Sie enthalten alle Kanäle für Regelstäbe, Instrumentierung usw. Der Kern des Reaktors besteht aus je 6 Brennelementen in 4 Lagen übereinander. Er beinhaltet etwa 200 kg Uran. Dies reicht für einen ununterbrochenen Vollastbetrieb von 5 Jahren.

Eine Doppelblockanlage (2 x 4 MWel) erfordert einen Bauplatz von ca. 10 x 12 m (Reaktoren, Wärmeübertrager und Turbinen im „Keller“, Halle für Wartungsarbeiten darüber). Hinzu käme noch Platz für Schaltanlagen, Kühler, Büros etc.

Es wird von Baukosten zwischen 45 bis 78 Millionen € für eine Doppelblockanlage ausgegangen (5600 bis 9750 €/KW). Das mag auf den ersten Blick hoch anmuten, aber man bewegt sich mit dieser Leistung von 8 MWel im Marktsegment der sog. Dieselmotoren-Kraftwerke. Hinzu kommen in entlegenen Standorten noch die meist höheren Kosten für den Dieselkraftstoff. Der für die „U-Battery“ ermittelte Strompreis von 9 Cent/KWh dürfte somit für den angepeilten Kundenkreis sehr attraktiv sein.

Inzwischen gibt es eine sehr enge Kooperation zwischen Kanada und GB. Ein paralleles, aber kooperatives Genehmigungsverfahren zeichnet sich ab. Weiterhin sind Indien, Japan, Polen, USA und Neuseeland bereits mit im Boot. Vielleicht schon die erste Morgendämmerung, wohin die Reise von GB nach dem Brexit geht? Jedenfalls nicht in das Rest-Europa, in dem unsere Kanzlerin so gut und gerne lebt.




Die „parallele Logik“ für eine Dekarbonisierung der Welt

Eine kritische Würdigung dieser Sendung ist hier auf EIKE zu finden.

Dieses große Lob gilt allein dem MONITOR-Forum, das gegenwärtig eine sachliche und sehr konträre Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern eines vorgeblich menschengemachten Klimawandels ermöglicht. Diese Diskussion wurde von der Redaktion zunächst mit einer Beschreibung der besagten Sendung eröffnet, also mit dem üblichen Skeptiker-Bashing. Aber dann, man lese und staune, konnten dort auf dem MONITOR-Forum konträre Ansichten völlig unzensiert ausgetauscht werden, wie es die dortigen Spielregeln versprechen, Zitat vom MONITOR-Forum:

Mitdenken. Mitreden. Mitstreiten.
Das MONITOR-Forum soll eine freie und unzensierte Plattform sein. Um Missbrauch zu verhindern wird das Forum moderiert – die Einträge werden erst nach vorheriger Kontrolle durch die Redaktion veröffentlicht. Wir bitten um Ihr Verständnis – und ggf. etwas Geduld
.“

Respekt, in diesem MONITOR-Forum werden vom Klimamainstream abweichende Meinungen tatsächlich nicht unterdrückt. Und damit kann man die Hoffnung verbinden, dass dieses Beispiel in der gesellschaftlichen Diskussion Schule machen möge. Denn man hebt eine gesellschaftliche Spaltung nicht auf, indem man einer kritischen Minderheit den Mund verbietet.

Im Verlauf dieser Diskussion auf dem MONITOR-Forum wurde aus der Vorgehensweise in der Studie “Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the scientific literature” von Cook at al. (2013) über einen 97%-Konsens für den vorgeblich menschengemachten Klimawandel (Anthropogenic Global Warming = AGW) eine „parallele Logik“ abgeleitet. Diese  „parallele Logik“ wurde dann als derjenige Hütchentrick entlarvt, mit dem aus einer verketteten Aussage (1)->(2)->(3) die verständnisstiftende Bezugsgröße (2) entfernt wird, um damit dann in der Öffentlichkeit eine „parallele Wahrheit“ (1)->(3) verbreiten zu können:

(1)    Zunächst wird eine Gruppe als 100%-Gesamtmenge (1) untersucht. Aus der zugrunde liegenden Fragestellung ergeben sich dann mehrere Teilmengen mit einem jeweils einheitlichen Spezifikum, die in ihrer Summe wiederum diese 100% ergeben.

(2)    Dann wird eine beliebige Teilmenge(2) mit einem ganz bestimmten Spezifikum ausgegliedert (1)->(2) und als neue 100%-Basis einer näheren Untersuchung unterzogen. Deren prozentuale Unter-Teilmengen beziehen sich dann in Summe ausschließlich auf die ausgegliederte Teilmenge (2).

(3)    Am Ende wird für eine dieser Unter-Teilmenge eine Aussage (3) abgeleitet und mit einem Prozentsatz aus der 100%-Teilmengenbasis (2) belegt, wobei der originäre Bezug (1)->(2)->(3) für den Wahrheitsgehalt dieser Aussage von entscheidender Bedeutung ist.

(4)    Die aus (1)->(2)->(3) abgeleitete Aussage bleibt also nur so lange wissenschaftlich gültig, wie die „Umetikettierung“ in Punkt (2) nicht verloren geht oder unterdrückt wird.

(5)    Und jetzt kommt der Hütchentrick der „parallelen Logik“ zum Tragen: Früher oder später wird die Aussage (1)->(2)->(3) einfach ohne die zwingende Einschränkung aus (2) direkt mit der ursprünglichen Gesamtmenge aus (1) in Beziehung gesetzt und führt zu einer ganz neuen „parallelen Wahrheit“ (1)->(3).

Vergleichen wir nun diese „parallele Logik“ mit dem Ergebnis von Cook et al. (2013):

(1)    Es wurden die Zusammenfassungen von 11.944 wissenschaftlichen Arbeiten aus der begutachteten wissenschaftlichen Literatur auf Aussagen zu AGW untersucht.

(2)    66,4 Prozent der Zusammenfassungen machten keine Angaben zu AGW und die verbleibenden 32,6 Prozent mit einer Position zu AGW wurden näher untersucht.

(3)    Von diesen 32,6% mit Aussagen zu AGW bestätigen 97,1% die AGW-Theorie.

Inzwischen wird das Ergebnis der Studie von Cook et al. (2013) aber öffentlich als 97%-Zustimmung aus der Gesamtmenge der dort untersuchten Klimaartikel und als Beweis für einen wissenschaftlichen 97%-AGW-Konsens verbreitet, so beispielsweise auch von Cook et al. (2016) selbst, wo man in der Kernaussage von allen publizierenden Klimawissenschaftlern spricht.

Die Differenz zwischen Propaganda und Wissenschaft beträgt am Beispiel von Cook et al. (2013) also genau 65,4%, nachfolgend der Beweis mittels konventioneller Logik:    

„Parallele Logik“ [%]: (1)->(3) mit 97,1% Zustimmung ohne Hinweis auf (2)

Konventionelle Logik [%]: (1)->(2)->(3) mit 97,1% Zustimmung aus 32,6% (1) = 31,7%

 [97,1% von Cook (2013) @Teilmenge(2)] – [31,7% von Cook (2013) @Gesamtmenge(1)] = 65,4%

Die mathematische Analyse verfügt genauso wenig über eine „parallele Logik“, wie sich die Wissenschaft selbst eine „höhere Wahrheit“ zuschreiben kann. Vielmehr hat sich die Wissenschaft im historischen Rückblick immer mehrheitlich mit demjenigen gesellschaftlichen System arrangiert, in dem sie tätig geworden ist. Die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Ideologie unterliegt daher jedem Einzelnen von uns selbst. Man kann also entweder selbständig nachdenken, oder man muss eben alles glauben, was einem so erzählt wird.

Merke: „Wer nichts weiß, muss alles glauben(Marie von Ebner-Eschenbach)

Das 97-Prozent-Problem war übrigens schon vor langer Zeit einmal Thema hier im KS-Blog.

Der Beitrag erschien zuerst bei die kalte Sonne hier




Das Sommertheater im Juli und andere Klima-Phantasien

Sehr geehrter Herr Limburg,

unser  Bericht über die Sonnenaktivität im Juli zeigt erneut, dass die Sonnenfleckenzahl mit 1,6  im langjährigen Vergleich außerordentlich schwach war. Dies gilt insgesamt für den im Dezember 2008 begonnenen und etwa noch 1 Jahr andauernden Sonnenzyklus, der seit 200 Jahren die schwächste Sonnenaktivität aufweist. Klimatisch wird das deswegen bedeutsam, weil auch der nächste Zyklus, der etwa bis 2030 andauern wird, sehr schwach zu werden droht.Die Auswirkungen werden wir erst mit einem Zeitverzug von einigen Jahren feststellen können. Aussagen über klimatische Einflüsse natürlichen oder anthropogenen Ursprungs kann man eben nur über eine Zeitdauer von 30 Jahren und mehr treffen.

Das Sommertheater im Juli

In der Hitze des nordeuropäischen Sommers hatte man einen anderen Eindruck. Da reichte schon ein heisser Juli in einer Region des Erdballs, um den letzten Beweis der Klimakatastrophe hervorzuzaubern.
„In 17 Jahren Wettervorhersage habe ich so etwas noch nicht erlebt“, echauffierte sich der Meteorologe Özden Terli im ZDF.
Das ist schlicht falsch. Im Juli 2015 war es auf der Nordhalbkugel wärmer, im Juli 2016 ebenso und auch im Juli 2017 war es wärmer. Und der Juli 2006 war in Deutschland  deutlich wärmer.

Temperaturen im Sinkflug

Entscheidend ist die globale Mitteltemperatur. Und da sind wir in 2018 im Sinkflug. Auch der August 2018 hat das eindrucksvoll belegt. Die heute bekanntgegebenen Daten der satellitengestützen UAH-Messungen für August zeigen nur noch eine um 0,19 °C  große Abweichung vom 30-jährigen Mittelwert. Ich werde mich nicht hinreißen lassen, daraus voreilige Schlüsse zu ziehen. Aber das, was sich grüne Alarmisten in  Politik, Wissenschaft und Medien an Sommertheater geleistet haben, ist nur noch zu subsumieren unter „Der Zweck heiligt die Mittel“.

Kippelemente für eine angstgeleitete Politik

Das gilt auch für  eine Arbeit, die in der Schwüle des Juli Furore machte. Eine Reihe von Wissenschaftlern um den bekannten Hans Joachim Schellnhuber ( die Arbeit wurde am 19. Juni eingereicht und am 6. Juli akzeptiert, ein neuer Sprintrekord zwischen Abgabe und Annahme) entwerfen darin eine Szenario, in dem bestimmte Kippelemente das Klima der Erde in neue, unentrinnbare heiße Gleichgewichte treiben. Das Entscheidende steht in der Schlussfolgerung : Zu vermeiden geht das nur durch eine neue „Erdsystemverwaltung“. Der Leser war gespannt auf Berechnungen, Softwarecodes, empirische Herleitungen- und findet nichts dergleichen. Reine Spekulation.Science Fiction. Hokus-Pokus.

Die Temperaturtrends bleiben konstant

Es bleibt dabei : trägt man Jahr für Jahr seit 1960 den Trend der ansteigenden Temperaturen auf, also von 1960 bis 1990, 1961 bis 1991, bis hin zu  1988 bis 2018, dann bleiben die Steigungen bei 1,6 bis 1,8 C pro Jahrhundert seit dreissig Jahren konstant. Da müsste man keine grosse Angst haben, vor dem was uns in diesem Jahrhundert erwartet. Das sagt uns die Empirie. Da braucht man Kippelemente aus der Science Fiction-Welt, um uns zu einer angstgeleiteten Politik zu verführen.

WGBU fordert Klimapass

Wie schlimm die Instrumentalisierung von Politik durch Klimawissenschaft und umgekehrt  geworden ist, zeigt eine brandneue Studie des WGBU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) Zeitgerechte Klimapolitik -Vier Intitiaven für Fairness.
Vorsitzender des Beirats ist Prof. Schellnhuber. Der Beirat berichtet direkt an die  Bundesregierung  und empfiehlt ihr Klimapässe für klimabedingte Migranten und Migrantinnen auszustellen. Der Klimapass „soll den einzelnen Menschen in die Lage versetzen, frei über seine Fortwanderung zu entscheiden“. Der WGBU geht von „Schätzungen für globale umweltbedingte Migration bis zum Jahr 2050 von 25 Mio. bis zu 1 Mrd. betroffenen Personen“ aus.“Schier unerträglich ist die Vorstellung, dass Millionen Klimamigrant*innen in den kommenden Jahrzehnten auf kriminelle Schlepperorganisationen angewiesen wären“. „In einer ersten Phase sollte der Klimapass den Bevölkerungen kleiner Inselstaaten, deren Staatsgebiet durch den Klimawandel unbewohnbar werden dürfte, frühzeitige, freiwillige und humane Migrationswege eröffnen. Mittelfristig sollte der Pass auch massiv bedrohten Menschen anderer Staaten, einschließlich Binnenvertriebener, zur Verfügung stehen. Als Aufnahmeländer sollten sich Staaten mit erheblichen historischen wie heutigen Treibhausgasemissionen und somit großer Verantwortung für den Klimawandel engagieren.“ Als kurzfristigen ersten Schritt schlägt der WGBU vor :“ Im Rahmen der 24. Klimakonferenz in Katowice (im Dezember 2018,d.Verf.) sollte die Bundesregierung als Vorreiterin potenzieller Aufnahmeländer den Klimapass als Angebot für die Bevölkerung flacher Inselstaaten vorschlagen“.

Flächenvergrößerung in Tuvalu

Erneut geht es mehr um Science Fiction. Denn es gibt mehrere Arbeiten der jüngsten Vergangenheit, die ein „Untergehen“ vieler Inselstaaten ausschließen, sondern ehereine Flächenvergrößerung feststellen.
Es lohnt sich das Politikpapier ( so nennen es die Wissenschaftler) nachzulesen, um das krude Denken derjenigen aufzuspüren, die mit allen Mitteln eine „Große Transformation“ herbeisehnen. Adressat ist die Bundesregierung, die das Papier in Person der Bundesumweltministerin Schultze und dem Wissenschaftstaatsekretär Schütte brav entgegennahmen und versprachen, die Vorschläge zu prüfen.
Es ist schlimm, wie dilettantisch unsere Bundesregierung agiert, es ist schlimm,wie eindimensional sie Kommissionen besetzt und es ist schlimm, dass niemand in dieser Bundesregierung den Mut hat, Vorschläge, die auf falschen Behauptungen beruhen, als das zu bezeichnen, was es ist : politische Propaganda sich selbst überschätzender Wissenschaftler.
Niemand widerspricht. Es ist unfassbar.

Herzlichst
Ihr
Fritz Vahrenholt




Die Modellrechnung

Zeitlich abgestimmt auf die Arbeit der „Strukturwandelkommission“, umgangssprachlich als „Kohlekommission“ und in interessierten Kreisen als „Kohleausstiegskommission“ bezeichnet, präsentiert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Studie mit Modellrechnungen zum zügigen Kohleausstieg, vor allem in Nordrhein-Westfalen. Nachdem öffentlich wurde, dass der Strukturwandel durch einen Kohleausstieg die Lausitz härter treffen würde als das Rheinland, richtet das DIW nun Kimme und Korn nach Westen. Die Hoffnung, die Reviere würden künftig ihre Forderungen konfrontativ stellen („Nein, fangt ihr an“), dürfte sich indes kaum erfüllen.

Der „Wochenbericht  33“ des DIW vom 15. August enthält den Beitrag „Erfolgreicher Klimaschutz durch zügigen Kohleausstieg in Deutschland und Nordrhein-Westfalen“und stellt nicht weniger als die Erreichung von Emissionszielen und mithin die Weltrettung der Bundesregierung und der Regierung in NRW anheim. Zu Beginn wird schlechtes Gewissen gemacht: Steinkohle und Braunkohle in Deutschland trügen mehr als ein Viertel zu den deutschen Treibhausgasemissionen bei. Verschwiegen wird, dass dafür 40 Prozent des Strombedarfs gesichert werden. Zudem stünden in NRW die meisten und ältesten Kohlekraftwerke und der Beitrag der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung betrüge derzeit nur 12,5 Prozent und sei somit „weit unterhalb des Bundesdurchschnitts von 36 Prozent“. Nachholbedarf wird gesehen.

Einen Blick auf die Ursachen wirft das DIW nicht, die Wissenschaftlichkeit des Berichts bleibt knapp über der Rasenoberkante. Hat der Anteil der Regenerativen in den Bundesländern vielleicht auch mit der geografischen Lage und mit der Bevölkerungsdichte zu tun? 524 Menschen teilen sich in Binnenland NRW einen Quadratkilometer, in Mecklenburg-Vorpommern sind es nur 69. Abstandsregeln für Windkraftanlagen sind für das Institut ohnehin kein Thema. Die Regierung in Düsseldorf versucht gegenwärtig, ihrer Vorsorgeverpflichtung gegenüber der Bevölkerung besser als ihre Vorgänger nachzukommen und will die Abstände erhöhen.

Präsentiert wird eine Modellrechnung für drei Pfade. Ein Referenzmodell, das die Entwicklung ohne politische Eingriffe beschreibt und zwei schärfere Ausstiegsvarianten. Das erinnert mich an Bertolt Brechts „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens“:

Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.

Die zwei beschleunigten Ausstiegspfade orientieren sich an den Vorschlägen zu frühzeitigen Stilllegungen von Kohlekraftwerken bis zum Jahr 2020, welche rund um die Jamaika-Sondierungen im November 2017 diskutiert wurden. Mit anderen Worten: Ein halbgarer politischer Kompromiss dient als Grundlage einer „wissenschaftlichen“ Betrachtung.

Da die berechneten Abschaltungen nicht die Emissionen ausreichend senken, sollen weiter laufende Kraftwerke auf 4.000 Betriebsstunden pro Jahr begrenzt werden. Natürlich wird kein Gedanke daran verschwendet, dass dann wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr denkbar ist und eine Subventionierung nötig wäre. Generell wird der ökonomische Aspekt des ganzen Vorhabens standhaft ignoriert, ein geistiges Armutszeichen für ein Institut, das sich der „Wirtschafts“forschung verschrieben haben will.

„Zurzeit wird ein Teil des deutschen Kohlestroms ins Ausland exportiert.“Nein, liebe Laien, es wird Strom exportiert. Man kann ebenso wenig nur Kohlestrom exportieren, wie man nur Ökostrom beziehen kann. Im Netz ist immer ein Strommix aus verschiedenen Quellen. Klingt komisch, ist aber so. Zudem wird manchmal mit Strom gehandelt und manchmal ist der Export pure Verzweiflung zum Zweck der Netzrettung, was sogar zu negativen Strompreisenim Großhandel führt. Dies passiert mit schöner Regelmäßigkeit, wenn viel Wind bläst und oder viel Sonne scheint. Dann können trotzdem nicht alle Kohlekraftwerke abschalten, weil immer noch jemand regeln und die Netzdienstleistungen bereitstellen muss, wozu die Regenerativen nicht in der Lage sind. So gesehen wird dann vor allem regenerativ erzeugter Strom exportiert.

Auf ähnlich dünner Basis geht es weiter. Bei den absehbaren Versorgungsproblemen durch Atom- und Kohleausstieg bei gleichzeitiger Sektorkopplung erspart man sich Berechnungen, sondern bleibt wolkig und schiebt die Verantwortung in Richtung Politik:

„Im Zuge einer verstärkten Verzahnung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr könnte die jährliche Spitze der Stromnachfrage entsprechend steigen. Die zunehmende Elektrifizierung sollte daher von einer adäquaten technologischen, marktlichen, ordnungsrechtlichen und regulatorischen Rahmensetzung flankiert werden. Diese sollte darauf hinwirken, dass gleichzeitig auftretende Spitzen der Stromnachfrage in den gekoppelten Sektoren vermieden oder zumindest gemildert werden.“

Im Klartext bedeutet dies, eine Rationierung einzuführen. Heizen und E-Mobil laden nur mit entsprechend genehmigtem Budget. Oder Wäsche waschen statt Heizen. Oder Auto laden statt Wäsche waschen. Energiearmut ist abzusehen, die verfügbare Strommenge wird sinken, die Preise werden steigen. Aber steigende Kosten bei eingeschränkter Versorgung für die Verbraucher sind kein Thema für das DIW. Stattdessen versteigt sich Frau Professor Kemfert zu der abwegigen Vorhersage, dass der Strom in Zukunft absehbar billigerwerden würde. Das war 2016 und es gibt wirklich keine Anzeichen, die diese aus der Luft gegriffene Prognose stützen würde. Wir sind Strompreis-Europameister beim Haushaltsstrom und Vizemeister beim Industriestrompreis. Im Jahr 2011 weissagte „Miss Energiewende“ (ZEIT) nach einem Blick in die grünglasige DIW-Prognosekugel eine EEG-Umlage für 2020 von 3,64 Cent pro Kilowattstunde. Wir werden sehen.

Das Thema Versorgungssicherheit schiebt man ebenso ab:

„Einerseits kann der Gesetzgeber verstärkt angebots- und nachfrageseitige Potentiale zur Flexibilisierung heben. Hierzu zählen beispielsweise Großbatteriespeicher . . .“.

Auch hier hätte man rechnen können. Keine Angabe zu nötigen Kapazitäten, verfügbaren Technologien, Preisen, Kosten, Betreibern, Standorten und notwendigen Terminen von Inbetriebnahmen. Wirklich alles von dem, was der „Wochenbericht“ vorschlägt, müsste über „Politikmaßnahmen“ reguliert werden und ließe sich nicht über den Markt herbeiführen. Energetischer Staatsdirektionismus soll Markt ersetzen. Bisher hat Plansozialismus realwirtschaftlich noch nie nachhaltig funktioniert.

Wirtschafts-Voodoo statt Wissenschaft

Dringend notwendige Berechnungen erspart sich das Institut. Was hätte man alles modellrechnen und berücksichtigen können?

–      Wie werden die deutschen wegfallenden Kapazitäten ersetzt?

  • Wie gehen die gesicherten Kapazitäten in den Nachbarländernzurück?
  • Anmerkung der Redaktion: Wie die europäischen gesicherten Kapazitäten zurückgehen hätte das DIW bei der EU erfragen oder hier der Zeitung „Die Welt“ entnehmen können. Haben sie aber nicht, das wäre zwar wissenschaftlich gewesen, hätte aber das gewünschte Ergebnis zerstört. Mit Dank an Leser Ordowski für den Hinweis
  • Welcher Speicherbedarf entsteht durch weiteren Zubau volatiler Einspeisung?
  • Welcher Strombedarf entsteht durch die Sektorkopplung? Welcher Netzausbaubedarf entsteht dadurch?

–      Was kostet das Ganze und wie hoch ist der Preis für eine Tonne CO2-Vermeidung? Wenn dieser höher ist als der Zertifikatspreis, wäre es sinnvoller, diese aufzukaufen und zu löschen.

Stattdessen bemüht das DIW den Adam Riese ausschließlich für den mathematischen Zusammenhang zwischen Kohlekraftwerksleistung und CO2-Emission, geht in die Prosa und erzählt vermeintlich positive Nebenwirkungen. Der schützenswerte Wald von Hambach könne erhalten bleiben, wenn der Tagebau nicht kommt. Was die Autoren denken, aber nicht schreiben: Dann kann man auch in diesen Wald Windkraftanlagen stellen. Der Tagebau Inden soll nicht bis 2030 betrieben werden, sondern schon 2020 schließen. Wer dann die Rekultivierung bezahlen soll, wenn der Betreiber dafür keine Rücklagen mehr bilden kann, wird nicht ausgeführt. Ökonomisches Denken ist nicht die Stärke der beauftragten Wirtschaftsvisionäre.

Auch sei die Nichterreichung der Senkungsziele im Gebäude- und Verkehrssektor nicht so schlimm, wenn man nur mehr Kohlekraftwerke abschaltet. Die wurden vermutlich nur zur CO2-Erzeugung gebaut.

 

Der Chef des DIW, Professor Fratzscher, bezeichnete höchst selbst die Energiewende  als „Experiment“(1). Seine Subalternen wollen aus einem laufenden Experiment heraus konkrete Entscheidungen für die Zukunft zimmern.

Kein Institut, außer dem DIW, kann davon leben, sich beim Thema Energie ausschließlich mit dem Kohleausstieg zu beschäftigen. Die Antwort auf die Frage, woher das Geld für diesen „Wochenbericht“ kommt, den man angesichts der flachen Qualität nicht mal als Gefälligkeitsgutachten bezeichnen kann, ist naheliegend.

Inzwischen schlägt die EU neue „Klimaziele“ für 2030 vor. 45 statt 40 Prozent sollten nun eingespart werden. Damit dürfte der nächste DIW-Wochenbericht zum noch schnelleren, ehrgeizigeren, entschlossenerem,  mutigeren, progressiveren Kohleausstieg nicht lange auf sich warten lassen. Mit dem zu erwartendem Fazit: Problemlos möglich, wenn nur die Politik endlich schnell, ehrgeizig, entschlossen, mutig und progressiv handeln würde.

Die alles entscheidende Berechnung bleibt das DIW in seinen Modellrechnungen ohnehin schuldig: Wie viel Grad globale Erwärmung werden durch die angepeilte Emissionssenkung vermieden?

1)Marcel Fratzscher „Die Deutschland-Illusion“, S. 96




Schwimmflügel für die Kernkraft

Russland befüllt jetzt mit den notwendigen Brennelementen das erste schwimmende Kernkraftwerk zur Versorgung von Verbrauchern an Land  Es ist die Akademik Lomonossow, deren Reaktoren von 2 x 35 MW Weiterentwicklungen der im jahrzehntelangen Einsatz befindlichen Reaktoren der russischen Eisbrecherflotte sind. Insbesondere asiatische Inselstaaten melden Interesse an.
Von Petr Zikmund.
Ende Juli begann im Nordhafen Murmansk die Beladung des weltweit einzigen schwimmenden Kernkraftwerks mit Brennstoff (Die Achse berichtete bereits). Das einzigartige Projekt zieht eine erhöhte Aufmerksamkeit auf sich: Mobile Atomkraft auf dem Wasser – lohnt sich das und ist es überhaupt sicher? Greenpeace nimmt seine übliche Position. Rosatom setzt sich für die Sicherheit des Projekts ein und erwartet, dass daraus ein Exportschlager wird.
Ab 2019 wird das schwimmende Atomkraftwerk Akademik Lomonossow, das erste seiner Art, mit der Strom- und Wärmeversorgung der Hafenstadt von Pewek im Nordosten Sibiriens beginnen, wo es zwei technologisch veraltete Erzeugungsanlagen ersetzen wird: das Atomkraftwerk Bilibino und das Wärmekraftwerk Tschaunskaja. Damit wird es zum nördlichsten Atomkraftwerk der Welt.
Zuvor wurde das Reaktorschiff, 144 Meter lang und 30 Meter breit, mit Hilfe von Schleppern durch die Ostsee von St. Petersburg, seiner „Wiege“, nach Murmansk transportiert – nun beladen dort die Experten von Atomflot, einer Tochtergesellschaft von Rosatom, die Reaktoren mit Kernbrennstoff. Die Akademik Lomonossow ist mit zwei Reaktoren mit je 35 MW Leistung ausgestattet (also beträgt die Gesamtkapazität der Anlage 70 MW), basierend auf den Technologien, die seit Jahrzehnten in Eisbrechern verwendet werden – naturgemäß angepasst und aktualisiert. Somit kann angenommen werden, dass die Zuverlässigkeit der Reaktoren von der Akademik Lomonossow durch langfristigen Betrieb der weltweit einzigen Atomeisbrecherflotte erwiesen ist. Diese Ansicht wird jedoch nicht von allen geteilt.
Greenpeace zeigt sich besorgt – seine Vertreter eifern anscheinend miteinander um die Wette, die Akademik Lomonossow in zwei oder drei Worten möglichst prägnant zu stigmatisieren, sie lefern sich sozusagen einen Wettbewerb um die beste Metapher. Die Spitzenanwärter:  „Tschernobyl auf Eis“ und “Nukleare Titanic“.
Im Allgemeinen halten sich die Umweltschützer an ihre traditionelle Rhetorik gegen Kernenergie und betonen, dass es sich um Kernreaktoren handelt, die nach ihrer Ansicht auf See noch mehr Risiken mit sich bringen. Besondere Bedenken verbindet der Greenpeace-Experte für Atomenergie Heinz Smital mit der von Russland geplanten Serienproduktion von schwimmenden Atomkraftwerken.

Geht die Akademik Lomonossow in Serie?

Bei Rosatom wiederum sieht man keinen Grund, die Sicherheit der Akademik Lomonossow zu bezweifeln: die Anlage sei mit hoher Sicherheitsreserve konzipiert, die alle möglichen Bedrohungen abdeckt und die Reaktoren gegenüber Tsunamis und anderen Naturkatastrophen unverwundbar macht. Offenbar gibt es hier einen direkten Bezug auf die Fukushima-Katastrophe im Jahr 2011, die, wie einst Tschernobyl, erhöhte Aufmerksamkeit auf nukleare Sicherheit und ihre Verbesserungsmöglichkeiten lenkte.
Die zwingende Notwendigkeit der Einhaltung aller Sicherheitsstandards, einschließlich der sicheren und umweltgerechten Behandlung der Brennstoffe, hebt Prof. Dr. Marco K. Koch, Vorstandsmitglied der Kerntechnischen Gesellschaft e.V., Leiter der Arbeitsgruppe Plant Simulation and Safety an der Ruhr-Universität Bochum hervor: Kleine modulare Reaktoren (die insbesondere auf der Akademik Lomonossow installiert sind) besitzen gewisse Vorteile, meint der Experte, wie beispielsweise die Kombination von aktiven und passiven Sicherheitssystemen, erhöhte Kühlungschancen im Falle eines hypothetischen Störfalls sowie ein dynamischeres An- und Abfahrverhalten.
Welche Aussichten bestehen also für die Akademik Lomonossow, wenn das Schiff seinen Betrieb beginnt? Wird es „Nachfolger“ haben? Rosatom blickt optimistisch in die Zukunft: Generaldirektor Alexej Lichatschow meldete schon früher Interesse an schwimmenden Kernkraftwerken aus mehreren südostasiatischen Ländern. Konzepte kleiner modularer Reaktoren könnten für Länder mit Inselnetzen tatsächlich interessant werden, glaubt Prof. Dr.-Ing. Thomas Schulenberg, Leiter des Instituts für Kern- und Energietechnik (IKET) am Karlsruher Institut für Technologie: „Darunter verstehen wir Netze, die nicht verbunden sind wie in Europa, sondern lokal begrenzt“, erläutert er.
Hier ist auch die Finanzseite sehr wichtig – besonders wenn es Entwicklungsländer angeht: Ein Entwicklungsland habe große Probleme, eine Summe von 10 Milliarden Euro für ein großes Kernkraftwerk zu bekommen – einen Kredit für eine zehnmal kleinere Summe bekommt man deutlich einfacher, so Schulenberg. Auf diese Weise könnte der Einsatz gleichartiger Anlagen wie die Akademik Lomonossow auf lange Sicht zur Erweiterung des Klubs von Staaten führen, die die Atomenergie nutzen.
Der Autor Petr Zikmund ist Tscheche, lebt seit 2016 in Deutschland und arbeitet als freier Journalist mit den Schwerpunkten Energiepolitik, -wirtschaft und -versorgung. 
Übernommen von ACHGUT hier