Dirk Maxeiner: Mein alternativer Klimabericht

Der Weltuntergang ist mein ständiger Begleiter, seit ich mich mit dem Thema Klima beschäftige. Eigentlich war ich der Meinung, die Apokalypse sei qua Definition ein einmaliges Ereignis. Die Welt kann doch nicht zweimal untergehen. Aber wir schreiben das Jahr 2018. Da geht sowas.

Ich habe eine kleine Sammlung von Zeitungsbeiträgen der letzten 30 Jahre und weiß gar nicht, wie viele „letzte Chancen“, „Fristen“ und „Kipppunkte“ ich inzwischen munter überlebt habe. Mein Favorit ist „Bild“ vom 3. Februar 2007 mit der Überschrift „Unser Planet stirbt!“ und der Zusatzzeile: „Jetzt amtlich“.

Die Apokalypse hatte in der Menschheitsgeschichte schon immer eine Menge Fans, besonders bei religiösen Heuchlern. In der jüngeren Menschheitsgeschichte fand sich stets irgendeine aufrechte Sekte, die der Meinung war, dass unser Mietvertrag auf dem Planeten leider ausgelaufen sei. Manche gingen in die Wüste, um das Ende zu erwarten, andere meuchelten sich vorsichthalber selbst, damit sie es hinter sich hatten. Wenn ich es richtig sehe, hat sich die letztere Version inzwischen durchgesetzt, zumindest in Deutschland. Aus Angst, das jüngste Klimagericht könnte über uns kommen, gibt sich die Industrienation vorsorglich lieber selbst die Kugel.

Mit diesem Phänomen beschäftigt sich die Eschatologie, „die Lehre von den letzten Dingen“, und damit verbunden „die Lehre vom Anbruch einer neuen Welt“. In der weltlichen Version findet sich sowas als „Grünes Parteiprogramm“ oder „Sofort-Programm Energiewende“, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Von Pfarrerstöchtern als politisches Programm kultiviert

Der Begriff Eschatologie wurde ursprünglich im lutherischen Protestantismus geprägt und dann von deutschen Pfarrerstöchtern als politisches Programm kultiviert. Der Bürger wird in Sünde gehalten, aber es werden ihm Hoffnungen auf eine jenseitige Heilsvollendung gemacht. Ein ebenso aktuelles wie bizarres Zeugnis dieser frommen Denkungsart ist ein Gespräch zwischen Richard David Precht und Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut, das sich der Frage widmet „Ist die Erde noch zu retten?“

So etwas hat seit dem Mittelalter Tradition und ist politisch äußerst hilfreich. Die gleichen Verantwortungsträger, die sich heute außer stande sehen, die Landesgrenzen zu bewachen, trauen sich die Regelung der Welttemperatur in 100 Jahren zu, da müssen sie nämlich nicht mehr gewählt werden.

Schon 1986 stand dem Kölner Dom auf einem Spiegel-Titel das Wasser bis zum Hals.  Die Nordsee lässt sich jedoch vergeblich bitten. Brav bleibt sie hinter’m Deich. Das hinderte ein Gastwirts-Ehepaar auf Langeoog nicht daran, gegen das EU-Parlament zu klagen, weil es in seinen Grundrechten verletzt würde. Die Presse zitiert das Langeooger Ehepaar so: „Was bei uns auf der Insel und in Norddeutschland passiert, ist ein globales Problem. Wir nehmen den Klimawandel besonders wahr, weil wir in und mit der Natur leben.“

Die beiden Wirtsleute müssen über eine geradezu übersinnliche Sensorik verfügen: In der Deutschen Bucht stieg der Meeresspiegel in den letzten hundert Jahren um 1,7 bis 2,5 Millimeter pro Jahr, insgesamt über diesen langen Zeitraum also 17 bis 25 Zentimeter. Deshalb werden die Deiche sicherheitshalber und routinemäßig ein bisschen höher gemacht, so wie sie vor meinem Haus ab und zu den Bürgersteig erneuern.

Wie ein Rudel amerikanischer Feuerwehrautos

Nun ist dieser Tage der „IPCC-Sonderbericht über 1,5°C globale Erwärmung“ erschienen, von dessen Zusammenfassung es hier eine erste deutsche Übersetzung gibt. Der Bericht saust gerade wie ein Rudel amerikanischer Feuerwehrautos durch die Medien. Das ist erstaunlich, denn es gibt zwar einen neuen Bericht, aber keine wesentlichen neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, beispielsweise über die sogenannte „Klimasensitivität“. Sie ist DIE Schlüsselgröße der gegenwärtigen Treibhaus-Hypothese – nur ist deren tatsächliche Größenordnung nach wie vor unklar. Allein diese Tatsache beinhaltet schon einen Irrtumsvorbehalt für sämtliche Prognosen künftiger Temperatur- und Klimaentwicklungen.

Die Klimasensitivität gibt an, um wie viel sich die Luft erwärmt, wenn man ihren Kohlendioxidgehalt verdoppelt. Der Wert ergibt sich nun aber nicht aus der Treibhauswirkung des Kohlendioxids alleine – die ist nämlich relativ gering. Vielmehr vermutet man eine „positive Rückkoppelung“ mit dem Wasserdampf, der mit mindestens zwei Dritteln Anteil das weitaus wichtigste Treibhausgas ist. Die Reaktionskette muss man sich in etwa so vorstellen: Mehr Kohlendioxid führt zu höheren Temperaturen, die wiederum mehr Wasser verdunsten lassen, was die Luft noch weiter erwärmt. Doch um wie viel? In einem komplexen System kann es schließlich auch negative Rückkoppelungen geben.

Seit über 30 Jahren liegen die Schätzungen der Klimasensitivität im Bereich zwischen 1,5 und 4,5 Grad Temperaturerhöhung. Dazu nichts Neues unter der Sonne, auch 2018 nicht. Der „Erfinder“ der Treibhausthese, Svante Arrhenius, schätzte sie Anfang des 20. Jahrhunderts auf 5 bis 6 Grad Celsius, lag also gar nicht so weit vom heutigen oberen Schätzwert ab. Tatsächlich liegt sie wohl eher am unteren Ende, dafür spricht die reale Temperaturentwicklung. So heißt es in dem neuen Bericht: „Menschliche Aktivitäten haben Schätzungen zufolge etwa 1,0°C globale Erwärmung über vorindustrielle Werte verursacht mit einer wahrscheinlichen Bandbreite von 0,8 bis 1,2 Grad“. Das ist nicht besonders aufregend, sondern eher beruhigend. Und damit das keiner merkt, wird halt die Drehzahl der Alarmsirene erhöht.

Wichtig ist dabei, das Wort „Schätzung“ zu ignorieren. IPCC-Berichte sind, genau genommen, Schätzungen von Schätzungen von Schätzungen. Das IPCC trägt hunderte von Einzelstudien zur Klimaentwicklung zusammen und destilliert daraus gewissermaßen einen demokratisch-politisch ermittelten Durchschnitt, mithin eine grobe Abschätzung des Forschungsstandes. Die Grundlagen der einzelnen Studien basieren aber ebenfalls auf Schätzungen, etwa der Klimasensitivität (siehe oben). Und diese Schätzungen und Annahmen werden in Computermodelle des Klimas oder der Atmosphäre eingegeben, die ebenfalls aufgrund grober Schätzungen und Annahmen programmiert werden. Selbst Messwerte der Welttemperatur sind keine harten Messungen, sondern geglättete und mit Abschätzungen ermittelte Durchschnittswerte, die obendrein ständig korrigiert oder angepasst werden.

Ein undurchsichtiges Klimaderivat

Am Ende weiß gar niemand mehr so richtig, was in solchen politisch zu einem „Konsens“ verschnürten Papieren an Substanz enthalten ist. Das kann man, wenn man ein bisschen bösartig ist, mit den Finanzderivaten vergleichen, in denen alle möglichen faulen Papiere neu verschnürt werden, bis niemand mehr weiß, welche Risiken er im Tresor liegen hat. („Derivate sind abgeleitete Finanzprodukte, die auf Basis von bestehenden Wertpapieren oder Krediten zusätzliche Handels- und Spekulationsmöglichkeiten schaffen“).

Schon die verschwurbelte Sprache des IPCC-Berichts deutet darauf hin, dass es sich um ein ausgesprochenes Klima-Derivat handeln könnte. Wissenschaftliche Hohlheit soll ganz offensichtlich mit Wortgeklingel übertüncht werden. Auf Seite 2 steht unter „A. Globale Erwärmung um 1,5°C verstehen“, Passus A.2:

„Die Erwärmung durch anthropogene Emissionen seit vorindustrieller Zeit bis heute wird für Jahrhunderte bis Jahrtausende weiter bestehen bleiben und wird weiterhin zusätzliche langfristige Änderungen im Klimasystem bewirken, wie zum Beispiel einen Meeresspiegelanstieg und damit verbundene Folgen (hohes Vertrauen), aber es ist unwahrscheinlich, dass diese Emissionen allein eine globale Erwärmung von 1,5 Grad verursachen (mittleres Vertrauen).“

Das einzige, was ich an diesem Passus verstehe, ist, dass ich nichts verstehe. Was wollen die bloß sagen? Und was heißt „unwahrscheinlich“? Was bedeutet „hohes Vertrauen“? Bedeutet es: Ist so, Ausnahmen bestätigen aber die Regel? Und was bedeutet „mittleres Vertrauen“? Kann sein, kann nicht sein? Nein das wäre viel zu einfach. Hier die Antwort des IPCC:

„Ein Vertrauensniveau wird unter der Verwendung von fünf Abstufungen angegeben: sehr gering, gering, mittel, hoch und sehr hoch“. Folgende Begriffe wurden verwendet, um die bewertete Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses anzugeben: praktisch sicher 99 – 100 % Wahrscheinlichkeit, sehr wahrscheinlich 90 – 100 %, wahrscheinlich 66 –100 % etwa ebenso wahrscheinlich wie nicht 33 – 66%, unwahrscheinlich 0 –33 %, sehr unwahrscheinlich 0 – 10 %, besonders unwahrscheinlich 0 – 1 %. Zusätzliche Begriffe (äußerst wahrscheinlich 95 – 100 %, eher wahrscheinlich als nicht > 50 – 100 %, eher unwahrscheinlich als wahrscheinlich 0 –  50%, äußerst unwahrscheinlich 0 –  5%) können ebenfalls verwendet werden wo angebracht.“

Ich habe angesichts solcher sprachlichen Konstrukte mit hohem Vertrauen das Gefühl, dass ich hier wahrscheinlich (0 – 50 Prozent) hinter die Fichte geführt werden soll. Aber was die können, das kann ich schon lange. Und deshalb hier mein alternativer Klimabericht für das Jahr 2100 (da lebe ich nicht mehr, hohes Vertrauen).

  • Der deutsche CO2-Ausstoß ist auf Null gesunken (mittleres Vertauen)
  • Industrie und verarbeitendes Gewerbe wurden erfolgreich abgewickelt (hohes Vertrauen)
  • Die verbliebenen deutschen Autofahrer sind auf Elektroautos umgestiegen. Strom gibt es zwischen 0.00 Uhr nachts und 4 Uhr in der Früh, für die einen an geraden, für die anderen an ungeraden Tagen (geringes Vertrauen).
  • Mathematik und Physik werden an deutschen Schulen nicht mehr gelehrt, sie gelten als politisch unzuverlässig (hohes Vertrauen)
  • Der Kölner Dom kann nicht untergehen, da es sich wahrscheinlich längst um eine Moschee handelt und Allah den Meeresspiegel sinken lässt wie Erdogan den Lirakurs (hohes Vertrauen).
  • Die Nationalhymne lautet sehr wahrscheinlich „Mit Morgenthau zu Berge“.

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Petition: GEGEN DAS DIKTAT DER ÖKOLOGIE – FÜR FAIRE MEDIEN UND DIE RODUNG DES HAMBACHER FORSTES!

PRO LAUSITZER BRAUNKOHLE E.V. & INITIATIVEN VON PRO LAUSITZER BRAUNKOHLE E.V.

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Die Zukunft sagt: Atomkraft, ja bitte! Aufruf zum Nuclear Pride Fest

 




Wer nichts weiß, muss alles glauben

Der Klimawandel-Alarmismus nimmt schon wieder schrille Töne an. Der Ausschuss für Klimaänderungen*) trompetet wieder Warnungen in die Welt. Einen Sonderbericht hat er veröffentlicht. Die Lückenmedien können sich gar nicht lassen vor Begeisterung mitzutrompeten.**)Beispiele dafür sind diese: „Klimarat: Jetzt helfen nur noch radikale Maßnahmen“ – „Klimabericht befeuert Debatte um den Kohleausstieg. Umweltschützer sehen sich durch Weltklimarast bestätigt“ – „Klimawandel: Die Zeit drängt. UN-Experten fordern rasches Handeln“ – „Jetzt mal schnell die Welt retten“ – „Erderwärmung: Lübecks Kampf gegen das Wasser“ – „Die Welt geht unter, macht was draus“. So tönen sie ihrem Publikum entgegen, das – weil dauerhaft indoktriniert – tief ergriffen und entsetzt ist, weil es nicht sämtliche Fakten kennt, auch nicht kennen kann, denn sie werden ihm vorenthalten. Da wir mit diesen Alarmtönen schon so lange und immer wieder traktiert werden, muss man auch immer wieder dagegenhalten.

Gegen den Klimawandel und CO2 der Natur kann der Mensch nichts ausrichten

Klimawandel in der Erdgeschichte hat es immer gegeben – im Wechsel Eiszeiten, Kaltzeiten, Warmzeiten. Niemand kann es bestreiten, es tut auch niemand. Das ist Natur, dagegen lässt sich nichts ausrichten. Eines Tages ist die Erzählung aufgetischt worden, das CO2 in der Lufthülle der Erde sei ein Gas, das wie in einem Treibhaus von Gärtnern die Erde erwärme. Auch dagegen kann der Mensch, wenn es denn so wäre, nichts machen. Aber zu dem natürlichen CO2 kommt von Menschen erzeugtes CO2 hinzu, nämlich durch das Verbrennen fossiler Rohstoffe (Kohle, Erdgas, Erdöl), um deren Energie in elektrische oder andere Energie umzuwandeln.

Gegner der Klimaschutzpolitik sind Geschäftsverderber und werden bekämpft

Ja, das ist Tatsache. Doch ebendieses menschengemachte (= anthropogene) Kohlendioxid – so wird uns gesagt – heize das Erdklima auf. Doch gibt es genug Wissenschaftler, die gegenteilige Informationen bieten. In meinen eigenen Beiträgen auf dieser Seite reiche ich sie weiter. Es sind weit über hundert. Sie finden sie alle hier  und hier  und hier. Mehr noch finden Sie bei dem Verein EIKE, der sich Europäisches Institut für Klima und Energie nennt (hier) und von Wikipedia (hier) und den Profiteuren der Klimaschutzpolitik als unglaubwürdig hingestellt wird. Klar, es verdirbt ihnen den erfundenen, hoch lukrativen Geschäftszweig. Diese Geschäftsverderber werden folglich bekämpft. Alle EIKE-Beiträge zur Klimaschutzpolitik hier.

Willfährig gemacht durch Alarmismus und Lücken-Information

Auch der neue Sonderbericht des IPCC dient dem Ziel, für die Menschen akzeptabel und hinnehmbar zu machen, dass anthropogenes Kohlendioxid ein „Klima-Killer“ ist, dass daher abgeschafft gehört und es folglich gerechtfertigt ist, Milliarden und Aber-Milliarden für das hehre Ziel auszugeben. Der neue Bericht soll die Menschen zusätzlich willfährig machen – willfährig durch Alarmismus und Lücken-Information. Das Leiden, dem sie durch die Klimaschutzpolitik ausgesetzt sind, ist ein politisch und geschäftlich erzwungenes Leiden. Daher darf es nicht sein, dass der Klimawandel n i c h t  menschengemacht,  n i c h t  anthropogener Art ist.  Da viele Wissenschaftler und nahezu sämtliche Politiker dies seit vielen Jahren herunterbeten, glauben es die Leut’. Solange sie nicht kundiger gemacht werden, solange sie sich nicht aus Eigenantrieb kundiger machen, was im Internet unschwer möglich ist, werden Sie glauben müssen, was ihnen vorgebetet wird. Wer nichts weiß, der muss alles glauben.

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*) Vollständiger Name: Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, abgekürzt IPCC). Näheres über ihn, aber mit Vorsicht zu lesen, bei Wikipedia hier.

**) Die Zitate stammen aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)vom 8. und 9. Oktober und aus den Lübecker Nachrichten vom 9. Oktober.

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Die Sicherheitsbereitschaft

Dieser Begriff bezeichnet eine staatliche Zwangsmaßnahme, die Teil des „Gesetzes zur Weiterentwicklung des Strommarktes“ (Strommarktgesetz) vom Juli 2016 ist. Geregelt sind in diesem auch die Kapazitätsreserve und die Netzreserve.

Im Grunde dient eine Bereitschaft immer irgendwie der Sicherheit, deshalb ist dieses kombinierte Substantiv schon im Wortsinn gedoppelt. Betroffen von dieser Bereitschaft sind ausschließlich Braunkohlekraftwerke, weil man sie auf Grund der CO2-Emissionen vom Markt ausschließen will. Trotz ständiger Behauptungen von Grünen und ihren Thinktanks, ihre Wirtschaftlichkeit wäre ohnehin nicht mehr gegeben, bedarf es administrativer Gewalt, sie außer Betrieb zu setzen. Richtig ist, dass die Preise der Emissionszertifkate steigen, aber ebenso steigen die Strompreise im Großhandel. Gaskraftwerke kommen auf wirtschaftlichem Weg nach wie vor nicht in der Stromproduktion zum Zug.

Einige Braunkohlekraftwerke wurden und werden per Gesetz in diese Zwangsbereitschaft geschickt. Die „Sicherheitsbereitschaft“ gilt für das Kraftwerk Buschhaus in Niedersachsen bereits seit 1. Oktober 2016, zwei Blöcke in Frimmersdorf (NRW) wurden am 1. Oktober 2017 zwangsabgeschaltet. In Niederaußem (NRW) gehen zum 1. Oktober 2018 für zwei Blöcke die Lichter aus, ebenso für einen Block in Jänschwalde (Brandenburg), dort folgt ein zweiter zum Oktober 2019 sowie einer in Neurath (NRW). Die Blöcke bleiben für vier Jahre in dieser Kaltreserve und werden dann per Gesetz stillgelegt. Damit sind dann 13 Prozent der Braunkohleleistung aus dem Rennen, verursachen aber in ihrer Bereitschaftszeit weiter Kosten, die der Stromkunde trägt.

Grund dieser schrägen und teuren Regelung ist ein Kompromiss zwischen Wirtschaftsministerium, Unternehmen und den Gewerkschaften IG BCE und Ver.di als Ergebnis politischer Auseinandersetzungen. Ursprünglich war ein „Nationaler Klimaschutzbeitrag“ geplant, der die Produktion aus Braunkohlekraftwerken so verteuern sollte, dass sie aus dem Markt gedrängt würden. Die Blöcke werden nun in einer Kaltreserve gehalten, so dass sie bei länger anhaltenden angespannten Versorgungslagen wieder angefahren werden könnten. Ex-Wirtschaftsminister Gabriel sprach vom zusätzlichen Gürtel zum Hosenträger. Abzusehen ist, dass politisch alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um diesen Fall zu vermeiden. Er würde Zweifel an den Erfolgsaussichten des weltweit einzigartigen deutschen Dekarbonisierungsweges wecken.

Betreiber LEAG wird wohl für die beiden in Zwangsbereitschaft stehenden Blöcke in Jänschwalde mehrere hundert Millionen Euro bekommen, die der Stromkunde zahlen muss. Das ist aber kein Geldgeschenk, sondern Entschädigung für Enteignung und Kostenerstattung für die Reservestellung.

Etliche technische Maßnahmen sind erforderlich und nicht zum Nulltarif zu haben.  Vor Abschaltung müssen Chemikalien dosiert werden, die in den Rohrleitungen eine Schutzschicht gegen Korrosion ausbilden, einige Rohrleitungen müssen nach Konservierung permanent belüftet werden. Kesselhäuser und Maschinenhaus müssen im Winter frostfrei bleiben (ein gutes Drittel des Eigenbedarfs eines laufenden Blockes ist nötig, um den Heizstrom dafür zu liefern und zusätzliche  Heizwasserregister müssen installiert werden). Eine kleine Bedienermannschaft bewegt  permanent nach Checklisten Pumpen, Antriebe und Armaturen, um die Beweglichkeit zu erhalten. TÜV-Prüfungen müssen trotz Stillstands zeitzyklisch durchgeführt werden.

Verhinderter Fortschritt

Hinzu kommt, dass innovative Entwicklungen zwangsweise beendet werden. SIEMENS testet an einem Block erfolgreich eine Speisepumpen-Antriebsturbine mit Magnetlagerung. Ein Dampfkessel wurde so umgebaut, dass zur Inbetriebnahme die kalte Brennkammer nicht mehr mit Heizöl vorgewärmt werden muss, sondern mittels einer Plasmazündung direkt mit Trockenkohlestaub gezündet werden kann. Diese neuen Techniken, die einen Entwicklungsweg künftiger konventioneller Kraftwerkstechnik aufzeigen, werden sich international durchsetzen. In Deutschland wird darauf großmütig verzichtet.

Kein Geld gibt es für die Lausitz für den Entfall von 600 direkten (Kraftwerk und Tagebau) Arbeitsplätzen und etwa 900 indirekten. Wie teuer sind 1.500 politisch vernichtete tarifliche Arbeitsplätze für die Region? Lässt sich das abfedern?

Eine Idee ist die Ansiedlung von Bundesbehörden in der Lausitz. Inwiefern diese Behörden ohne jede Wertschöpfung, die von unlustig angereisten Pendlern aus Berlin bevölkert würden, der Region helfen sollen, ist unklar. Ein paar Stellen für Hausmeister – pardon, Facility-Manager -, Chauffeure und Gebäudereiniger fallen sicherlich ab. Man erinnert sich an Zeiten, als Brandenburg bei Investoren mit niedrigen Löhnen warb.

Investitionen in die Infrastruktur, die ohnehin überfällig sind, wären willkommen. So der Breitbandausbau, vor allem aber der von Straßen und Schienen. 1948, als im Westen mit dem Marshallplan die Grundlage für das Wirtschaftswunder anlief, ließen die Sowjets das zweite Gleis zwischen Berlin und Görlitz abbauen. Eine von vielen Reparationsleistungen, im Übrigen für ganz Deutschland. Nach 40 Jahren DDR und 28 Jahren geeinter Bundesrepublik sind noch immer 123 Kilometern zwischen Görlitz und Lübbenau eingleisig. Das Staatsunternehmen Deutsche Bahn verlegt zwar ganze Bahnhöfe unter die Erde und verfügt über unterbeschäftigte Vorstände (oder warum sitzt Pofalla sonst in der „Kohlekommission“ und gibt dort den großen Zampano?), ansonsten steht das Staatsunternehmen exemplarisch für eine gescheiterte Verkehrswende. Die Dimensionen stillgelegter Streckenkilometer und Bahnhöfe sind erheblich, der Erfolg des Prinzips „Von der Schiene auf die Straße“ ist beachtlich, was an DB Schenker, DB Bus und IC Bus zu erkennen ist.

Selbst wenn das zweite Lausitzer Gleis kurzfristig, also nach Zeitrechnung der Deutschen Bahn in frühestens zehn Jahren, kommen sollte und Straßen wie die Lausitzmagistrale sowie die A16 von Cottbus nach Leipzig und andere gebaut und ausgebaut werden sollten, so sind gut ausgebaute Verkehrswege keine Garantie für die Ansiedlung von Investitionen. Man kann auf diesen Wegen auch schneller an der Lausitz vorbei fahren, zum Beispiel nach Polen, wo die Wojewodschaften Lubuski (Lebus) und Dolny Slask (Niederschlesien) mit Sonderwirtschaftszonen locken.

„Ich werde Arbeitsplätze zu den Menschen bringen“, so Wirtschaftsminister Altmaier im Vorfeld der Beratungen der Strukturkommission. Wie er das genau machen will, bleibt nebulös. Eine Batteriefabrik ist eine heiße Idee, Elon Musk habe ihm persönlich gesagt, dass künftig auch Flugzeuge elektrisch fliegen werden. Mancher Jurist glaubt sowas. Dass diese Fabrik gegen den größten chinesischen Batteriezellenhersteller CATL konkurrieren müsste, der am Rand von Erfurt bereits Tatsachen schafft, macht das Vorhaben nicht einfacher. Die weltweiten Lithium- und Kobaltkapazitäten sind im Wesentlichen vergeben – unter anderem an China. Die Chinesen haben direkten Zugang zu den Batterierohstoffen, Deutschland muss importieren, was noch zu haben ist.  Wenn viel Staatsknete in eine solche Fabrik fließen würde, wäre es der Umstieg von der Markt- in die Subventionswirtschaft. Die weckt nicht nur schlechte Erinnerungen an DDR-Planwirtschaft, sondern auch an die ehemalige „Solar-City“ Frankfurt/Oder.

Abgesehen von der Automobilindustrie gibt es in Deutschland kaum noch Fließbandfertigung, die Kosten für lebendige Arbeit sind im internationalen Vergleich sehr hoch. Um Elektrodenpaare in Batteriegehäuse zu setzen, bedarf es keiner großen Zahl gut gebildeter Facharbeiter.

 

Emissionssenkung mit Gewalt statt smart

Die Stilllegung beider Jänschwalder Blöcke mindert die CO2-Emissionen um etwa 7 Millionen Tonnen pro Jahr bei einem globalen anthropogenen Ausstoß von über 40.000 Millionen Tonnen, Tendenz steigend. Die gleiche Emissionsminderung träte ein, würde man die jetzigen Jänschwalder Blöcke durch Neubauten ersetzen. Dann bliebe die Versorgungssicherheit erhalten. Weitere Minderung hätte die geplante Demonstrationsanlage mit CCS-Technologie („Carbon Capture and Storage“) gebracht. Seinerzeit von Vattenfall initiiert, heute vom IPCC empfohlen, wurde sie politisch erwürgt. Die Pläne dazu waren fertig und verstauben jetzt als Irrtum deutscher Wirtschaftsgeschichte in den Aktenschränken. Gut, ein Teil der im entsprechenden Pilotversuch in Schwarze Pumpe gewonnenen Erkenntnisse ließ sich verkaufen, zum Beispiel nach Kanada, wo die Entwicklung weitergeht.

Obwohl in der Ethikkommission zur Rechtfertigung des Atomausstiegs 2011 fast nur vergeistigte Laien saßen, schätzten sie in ihrem Abschlussbericht ein, dass auf Grund des Atomausstiegs zur Bedarfsdeckung der Neubau von Kohlekraftwerken nötig werden würde. Das traut sich heute nicht mal mehr die Branche laut zu sagen.

Nun steigen wir gleichzeitig aus zwei verteufelten Technologien aus.

Die „Sicherheitsbereitschaft“ würde man nicht brauchen, hielte man sich an europäische Abmachungen und vorhandene Regelungen:

  1. Über den europäischen Emissionshandel lässt sich CO2marktgerecht vermeiden.
  2. Der Einspeisevorrang im EEG gibt den Regenerativen immer „freie Fahrt“ und ermöglicht ihnen, konventionelle Erzeugung zu verdrängen. Sie könnten also Kohlestrom auch dauerhaft verdrängen. Problem ist, dass sie es nur zeitweise schaffen.

Die Regenerativen liefern nicht zuverlässig, sonst wären die Ausstiege versorgungssicher und planbar. Anstelle den Markt per Gesetz außer Kraft zu setzen und Zwangsstilllegungen zu verfügen, sollte die politische Kraft darauf verwendet werden, regenerative Erzeugungsanlagen grundlast- und regelfähig zu machen. Dann ergäbe sich der Umstieg von selbst.

Nun verlieren zahlreiche Menschen in der Lausitz und anderswo ihren bisher wirtschaftlichen Arbeitsplatz durch Gesetz. Es gibt dadurch keinerlei positive „Klimafolgen“. Das Ergebnis ist rein symbolpolitischer Natur. Aber es hilft der Natur, denn ein sicherer Gewinner steht am Ende dieser politischen „Zeichensetzung“ schon fest: Der Wolf.