Die Zukunft sagt: Atomkraft, ja bitte! Aufruf zum Nuclear Pride Fest

 




Wer nichts weiß, muss alles glauben

Der Klimawandel-Alarmismus nimmt schon wieder schrille Töne an. Der Ausschuss für Klimaänderungen*) trompetet wieder Warnungen in die Welt. Einen Sonderbericht hat er veröffentlicht. Die Lückenmedien können sich gar nicht lassen vor Begeisterung mitzutrompeten.**)Beispiele dafür sind diese: „Klimarat: Jetzt helfen nur noch radikale Maßnahmen“ – „Klimabericht befeuert Debatte um den Kohleausstieg. Umweltschützer sehen sich durch Weltklimarast bestätigt“ – „Klimawandel: Die Zeit drängt. UN-Experten fordern rasches Handeln“ – „Jetzt mal schnell die Welt retten“ – „Erderwärmung: Lübecks Kampf gegen das Wasser“ – „Die Welt geht unter, macht was draus“. So tönen sie ihrem Publikum entgegen, das – weil dauerhaft indoktriniert – tief ergriffen und entsetzt ist, weil es nicht sämtliche Fakten kennt, auch nicht kennen kann, denn sie werden ihm vorenthalten. Da wir mit diesen Alarmtönen schon so lange und immer wieder traktiert werden, muss man auch immer wieder dagegenhalten.

Gegen den Klimawandel und CO2 der Natur kann der Mensch nichts ausrichten

Klimawandel in der Erdgeschichte hat es immer gegeben – im Wechsel Eiszeiten, Kaltzeiten, Warmzeiten. Niemand kann es bestreiten, es tut auch niemand. Das ist Natur, dagegen lässt sich nichts ausrichten. Eines Tages ist die Erzählung aufgetischt worden, das CO2 in der Lufthülle der Erde sei ein Gas, das wie in einem Treibhaus von Gärtnern die Erde erwärme. Auch dagegen kann der Mensch, wenn es denn so wäre, nichts machen. Aber zu dem natürlichen CO2 kommt von Menschen erzeugtes CO2 hinzu, nämlich durch das Verbrennen fossiler Rohstoffe (Kohle, Erdgas, Erdöl), um deren Energie in elektrische oder andere Energie umzuwandeln.

Gegner der Klimaschutzpolitik sind Geschäftsverderber und werden bekämpft

Ja, das ist Tatsache. Doch ebendieses menschengemachte (= anthropogene) Kohlendioxid – so wird uns gesagt – heize das Erdklima auf. Doch gibt es genug Wissenschaftler, die gegenteilige Informationen bieten. In meinen eigenen Beiträgen auf dieser Seite reiche ich sie weiter. Es sind weit über hundert. Sie finden sie alle hier  und hier  und hier. Mehr noch finden Sie bei dem Verein EIKE, der sich Europäisches Institut für Klima und Energie nennt (hier) und von Wikipedia (hier) und den Profiteuren der Klimaschutzpolitik als unglaubwürdig hingestellt wird. Klar, es verdirbt ihnen den erfundenen, hoch lukrativen Geschäftszweig. Diese Geschäftsverderber werden folglich bekämpft. Alle EIKE-Beiträge zur Klimaschutzpolitik hier.

Willfährig gemacht durch Alarmismus und Lücken-Information

Auch der neue Sonderbericht des IPCC dient dem Ziel, für die Menschen akzeptabel und hinnehmbar zu machen, dass anthropogenes Kohlendioxid ein „Klima-Killer“ ist, dass daher abgeschafft gehört und es folglich gerechtfertigt ist, Milliarden und Aber-Milliarden für das hehre Ziel auszugeben. Der neue Bericht soll die Menschen zusätzlich willfährig machen – willfährig durch Alarmismus und Lücken-Information. Das Leiden, dem sie durch die Klimaschutzpolitik ausgesetzt sind, ist ein politisch und geschäftlich erzwungenes Leiden. Daher darf es nicht sein, dass der Klimawandel n i c h t  menschengemacht,  n i c h t  anthropogener Art ist.  Da viele Wissenschaftler und nahezu sämtliche Politiker dies seit vielen Jahren herunterbeten, glauben es die Leut’. Solange sie nicht kundiger gemacht werden, solange sie sich nicht aus Eigenantrieb kundiger machen, was im Internet unschwer möglich ist, werden Sie glauben müssen, was ihnen vorgebetet wird. Wer nichts weiß, der muss alles glauben.

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*) Vollständiger Name: Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, abgekürzt IPCC). Näheres über ihn, aber mit Vorsicht zu lesen, bei Wikipedia hier.

**) Die Zitate stammen aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)vom 8. und 9. Oktober und aus den Lübecker Nachrichten vom 9. Oktober.

Dei Beitrag erschien zuerst auf dem Blog des Autors hier




Die Sicherheitsbereitschaft

Dieser Begriff bezeichnet eine staatliche Zwangsmaßnahme, die Teil des „Gesetzes zur Weiterentwicklung des Strommarktes“ (Strommarktgesetz) vom Juli 2016 ist. Geregelt sind in diesem auch die Kapazitätsreserve und die Netzreserve.

Im Grunde dient eine Bereitschaft immer irgendwie der Sicherheit, deshalb ist dieses kombinierte Substantiv schon im Wortsinn gedoppelt. Betroffen von dieser Bereitschaft sind ausschließlich Braunkohlekraftwerke, weil man sie auf Grund der CO2-Emissionen vom Markt ausschließen will. Trotz ständiger Behauptungen von Grünen und ihren Thinktanks, ihre Wirtschaftlichkeit wäre ohnehin nicht mehr gegeben, bedarf es administrativer Gewalt, sie außer Betrieb zu setzen. Richtig ist, dass die Preise der Emissionszertifkate steigen, aber ebenso steigen die Strompreise im Großhandel. Gaskraftwerke kommen auf wirtschaftlichem Weg nach wie vor nicht in der Stromproduktion zum Zug.

Einige Braunkohlekraftwerke wurden und werden per Gesetz in diese Zwangsbereitschaft geschickt. Die „Sicherheitsbereitschaft“ gilt für das Kraftwerk Buschhaus in Niedersachsen bereits seit 1. Oktober 2016, zwei Blöcke in Frimmersdorf (NRW) wurden am 1. Oktober 2017 zwangsabgeschaltet. In Niederaußem (NRW) gehen zum 1. Oktober 2018 für zwei Blöcke die Lichter aus, ebenso für einen Block in Jänschwalde (Brandenburg), dort folgt ein zweiter zum Oktober 2019 sowie einer in Neurath (NRW). Die Blöcke bleiben für vier Jahre in dieser Kaltreserve und werden dann per Gesetz stillgelegt. Damit sind dann 13 Prozent der Braunkohleleistung aus dem Rennen, verursachen aber in ihrer Bereitschaftszeit weiter Kosten, die der Stromkunde trägt.

Grund dieser schrägen und teuren Regelung ist ein Kompromiss zwischen Wirtschaftsministerium, Unternehmen und den Gewerkschaften IG BCE und Ver.di als Ergebnis politischer Auseinandersetzungen. Ursprünglich war ein „Nationaler Klimaschutzbeitrag“ geplant, der die Produktion aus Braunkohlekraftwerken so verteuern sollte, dass sie aus dem Markt gedrängt würden. Die Blöcke werden nun in einer Kaltreserve gehalten, so dass sie bei länger anhaltenden angespannten Versorgungslagen wieder angefahren werden könnten. Ex-Wirtschaftsminister Gabriel sprach vom zusätzlichen Gürtel zum Hosenträger. Abzusehen ist, dass politisch alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um diesen Fall zu vermeiden. Er würde Zweifel an den Erfolgsaussichten des weltweit einzigartigen deutschen Dekarbonisierungsweges wecken.

Betreiber LEAG wird wohl für die beiden in Zwangsbereitschaft stehenden Blöcke in Jänschwalde mehrere hundert Millionen Euro bekommen, die der Stromkunde zahlen muss. Das ist aber kein Geldgeschenk, sondern Entschädigung für Enteignung und Kostenerstattung für die Reservestellung.

Etliche technische Maßnahmen sind erforderlich und nicht zum Nulltarif zu haben.  Vor Abschaltung müssen Chemikalien dosiert werden, die in den Rohrleitungen eine Schutzschicht gegen Korrosion ausbilden, einige Rohrleitungen müssen nach Konservierung permanent belüftet werden. Kesselhäuser und Maschinenhaus müssen im Winter frostfrei bleiben (ein gutes Drittel des Eigenbedarfs eines laufenden Blockes ist nötig, um den Heizstrom dafür zu liefern und zusätzliche  Heizwasserregister müssen installiert werden). Eine kleine Bedienermannschaft bewegt  permanent nach Checklisten Pumpen, Antriebe und Armaturen, um die Beweglichkeit zu erhalten. TÜV-Prüfungen müssen trotz Stillstands zeitzyklisch durchgeführt werden.

Verhinderter Fortschritt

Hinzu kommt, dass innovative Entwicklungen zwangsweise beendet werden. SIEMENS testet an einem Block erfolgreich eine Speisepumpen-Antriebsturbine mit Magnetlagerung. Ein Dampfkessel wurde so umgebaut, dass zur Inbetriebnahme die kalte Brennkammer nicht mehr mit Heizöl vorgewärmt werden muss, sondern mittels einer Plasmazündung direkt mit Trockenkohlestaub gezündet werden kann. Diese neuen Techniken, die einen Entwicklungsweg künftiger konventioneller Kraftwerkstechnik aufzeigen, werden sich international durchsetzen. In Deutschland wird darauf großmütig verzichtet.

Kein Geld gibt es für die Lausitz für den Entfall von 600 direkten (Kraftwerk und Tagebau) Arbeitsplätzen und etwa 900 indirekten. Wie teuer sind 1.500 politisch vernichtete tarifliche Arbeitsplätze für die Region? Lässt sich das abfedern?

Eine Idee ist die Ansiedlung von Bundesbehörden in der Lausitz. Inwiefern diese Behörden ohne jede Wertschöpfung, die von unlustig angereisten Pendlern aus Berlin bevölkert würden, der Region helfen sollen, ist unklar. Ein paar Stellen für Hausmeister – pardon, Facility-Manager -, Chauffeure und Gebäudereiniger fallen sicherlich ab. Man erinnert sich an Zeiten, als Brandenburg bei Investoren mit niedrigen Löhnen warb.

Investitionen in die Infrastruktur, die ohnehin überfällig sind, wären willkommen. So der Breitbandausbau, vor allem aber der von Straßen und Schienen. 1948, als im Westen mit dem Marshallplan die Grundlage für das Wirtschaftswunder anlief, ließen die Sowjets das zweite Gleis zwischen Berlin und Görlitz abbauen. Eine von vielen Reparationsleistungen, im Übrigen für ganz Deutschland. Nach 40 Jahren DDR und 28 Jahren geeinter Bundesrepublik sind noch immer 123 Kilometern zwischen Görlitz und Lübbenau eingleisig. Das Staatsunternehmen Deutsche Bahn verlegt zwar ganze Bahnhöfe unter die Erde und verfügt über unterbeschäftigte Vorstände (oder warum sitzt Pofalla sonst in der „Kohlekommission“ und gibt dort den großen Zampano?), ansonsten steht das Staatsunternehmen exemplarisch für eine gescheiterte Verkehrswende. Die Dimensionen stillgelegter Streckenkilometer und Bahnhöfe sind erheblich, der Erfolg des Prinzips „Von der Schiene auf die Straße“ ist beachtlich, was an DB Schenker, DB Bus und IC Bus zu erkennen ist.

Selbst wenn das zweite Lausitzer Gleis kurzfristig, also nach Zeitrechnung der Deutschen Bahn in frühestens zehn Jahren, kommen sollte und Straßen wie die Lausitzmagistrale sowie die A16 von Cottbus nach Leipzig und andere gebaut und ausgebaut werden sollten, so sind gut ausgebaute Verkehrswege keine Garantie für die Ansiedlung von Investitionen. Man kann auf diesen Wegen auch schneller an der Lausitz vorbei fahren, zum Beispiel nach Polen, wo die Wojewodschaften Lubuski (Lebus) und Dolny Slask (Niederschlesien) mit Sonderwirtschaftszonen locken.

„Ich werde Arbeitsplätze zu den Menschen bringen“, so Wirtschaftsminister Altmaier im Vorfeld der Beratungen der Strukturkommission. Wie er das genau machen will, bleibt nebulös. Eine Batteriefabrik ist eine heiße Idee, Elon Musk habe ihm persönlich gesagt, dass künftig auch Flugzeuge elektrisch fliegen werden. Mancher Jurist glaubt sowas. Dass diese Fabrik gegen den größten chinesischen Batteriezellenhersteller CATL konkurrieren müsste, der am Rand von Erfurt bereits Tatsachen schafft, macht das Vorhaben nicht einfacher. Die weltweiten Lithium- und Kobaltkapazitäten sind im Wesentlichen vergeben – unter anderem an China. Die Chinesen haben direkten Zugang zu den Batterierohstoffen, Deutschland muss importieren, was noch zu haben ist.  Wenn viel Staatsknete in eine solche Fabrik fließen würde, wäre es der Umstieg von der Markt- in die Subventionswirtschaft. Die weckt nicht nur schlechte Erinnerungen an DDR-Planwirtschaft, sondern auch an die ehemalige „Solar-City“ Frankfurt/Oder.

Abgesehen von der Automobilindustrie gibt es in Deutschland kaum noch Fließbandfertigung, die Kosten für lebendige Arbeit sind im internationalen Vergleich sehr hoch. Um Elektrodenpaare in Batteriegehäuse zu setzen, bedarf es keiner großen Zahl gut gebildeter Facharbeiter.

 

Emissionssenkung mit Gewalt statt smart

Die Stilllegung beider Jänschwalder Blöcke mindert die CO2-Emissionen um etwa 7 Millionen Tonnen pro Jahr bei einem globalen anthropogenen Ausstoß von über 40.000 Millionen Tonnen, Tendenz steigend. Die gleiche Emissionsminderung träte ein, würde man die jetzigen Jänschwalder Blöcke durch Neubauten ersetzen. Dann bliebe die Versorgungssicherheit erhalten. Weitere Minderung hätte die geplante Demonstrationsanlage mit CCS-Technologie („Carbon Capture and Storage“) gebracht. Seinerzeit von Vattenfall initiiert, heute vom IPCC empfohlen, wurde sie politisch erwürgt. Die Pläne dazu waren fertig und verstauben jetzt als Irrtum deutscher Wirtschaftsgeschichte in den Aktenschränken. Gut, ein Teil der im entsprechenden Pilotversuch in Schwarze Pumpe gewonnenen Erkenntnisse ließ sich verkaufen, zum Beispiel nach Kanada, wo die Entwicklung weitergeht.

Obwohl in der Ethikkommission zur Rechtfertigung des Atomausstiegs 2011 fast nur vergeistigte Laien saßen, schätzten sie in ihrem Abschlussbericht ein, dass auf Grund des Atomausstiegs zur Bedarfsdeckung der Neubau von Kohlekraftwerken nötig werden würde. Das traut sich heute nicht mal mehr die Branche laut zu sagen.

Nun steigen wir gleichzeitig aus zwei verteufelten Technologien aus.

Die „Sicherheitsbereitschaft“ würde man nicht brauchen, hielte man sich an europäische Abmachungen und vorhandene Regelungen:

  1. Über den europäischen Emissionshandel lässt sich CO2marktgerecht vermeiden.
  2. Der Einspeisevorrang im EEG gibt den Regenerativen immer „freie Fahrt“ und ermöglicht ihnen, konventionelle Erzeugung zu verdrängen. Sie könnten also Kohlestrom auch dauerhaft verdrängen. Problem ist, dass sie es nur zeitweise schaffen.

Die Regenerativen liefern nicht zuverlässig, sonst wären die Ausstiege versorgungssicher und planbar. Anstelle den Markt per Gesetz außer Kraft zu setzen und Zwangsstilllegungen zu verfügen, sollte die politische Kraft darauf verwendet werden, regenerative Erzeugungsanlagen grundlast- und regelfähig zu machen. Dann ergäbe sich der Umstieg von selbst.

Nun verlieren zahlreiche Menschen in der Lausitz und anderswo ihren bisher wirtschaftlichen Arbeitsplatz durch Gesetz. Es gibt dadurch keinerlei positive „Klimafolgen“. Das Ergebnis ist rein symbolpolitischer Natur. Aber es hilft der Natur, denn ein sicherer Gewinner steht am Ende dieser politischen „Zeichensetzung“ schon fest: Der Wolf.




Deja Vu Ideologische Übernahme: Deutsche Wikipedia droht im Desaster zu enden

Offener Brief von Michael Klein und Arne Hoffmann an Jimmy Wales, Mitbegründer von Wikipedia:

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Feindliche, ideologische Übernahme: Deutsche Wikipedia droht im Desaster zu enden

Lieber Jimmy Wales,

wir schreiben Ihnen diesen offenen Brief, weil wir besorgt sind: Die deutsche Wikipedia ist in großer Gefahr. Die deutsche Wikipedia steht in der Gefahr, ein kompletter Fehlschlag zu werden, denn eine relativ große Anzahl ausschließlich ideologisch motivierter Personen, denen es nicht um die Verbreitung von korrekten Informationen geht, sondern darum, die eigene Ideologie als Information verpackt zu verbreiten, hat sich bei der deutschen Wikipedia eingenistet und droht die Wikipedia zu übernehmen. Die Folgen sind bereits jetzt katastrophal: Die deutsche Wikipedia ist immer weniger eine Informationsquelle, die korrekte und verlässliche Informationen bereitstellt. Die deutsche Wikipedia ist eine Quelle für ideologisch verbrämte Fehlinformationen.

Wir schreiben diesen offenen Brief gemeinsam und bringen entsprechend unsere je unterschiedlichen Erfahrungen in diesen offenen Brief ein. Das ist einmal die Erfahrung eines Wissenschaftlers, der sich täglich mit Fragen wissenschaftlicher Korrektheit und der Bewertung wissenschaftlicher Arbeiten beschäftigt, es ist einmal die Erfahrung eines Journalisten, der zum Ziel einer Kampagne aus Hass und Verleumdung auf Wikipedia geworden ist, deren Ziel darin besteht, seine Reputation zu zerstören.

Wir haben die deutsche Wikipedia über den Zeitraum einiger Monate hinweg beobachtet. Die Analyse, die die Grundlage dieses Offenen Briefes bildet, basiert entsprechend auf einer ausreichend großen Anzahl von Beobachtungen, sie ist daher geeignet, Ihnen einen sehr guten Einblick in die Verhältnisse, wie sie derzeit bei Wikipedia Deutschland herrschen, zu geben. Unsere Datenbasis erlaubt es uns, Ihnen sehr genau aufzuzeigen, was bei Wikipedia in Deutschland in höchsten Maße “faul” ist, und sie ist ausreichend um die im Folgenden gezogenen Schlußfolgerungen zu stützen. Wir sind jederzeit bereit, Ihnen die Belege für unsere Aussagen in vollem Umfang zur Verfügung zu stellen, verzichten aber an dieser Stelle darauf, da dies ein Offener Brief und kein Offenes Buch werden soll.

Wo die erheblichen Probleme der deutschen Wikipedia liegen, kann am Beispiel von vier gegenseitig verschränkten und sich gegenseitig verstärkenden Prozessen deutlich gemacht werden, aus wiederum eine sich selbst verstärkende Schleife resultiert, die, wenn sie nicht angehaltet wird, letztlich das Ende der deutschen Wikipedia bedeuten wird: Denn wird sie nicht angehalten, dann wird die Wikipedia zu einer Geheimgesellschaft, zu einem Kult degenerieren, in dem eine kleine Clique von die selbe Ideologie teilenden Administratoren darüber wacht, dass die Realität, wie sie nur außerhalb der ideologisch verklärten Sichtweise vorkommt, nicht Einzug in Wikipedia-Artikel hält. Diese Dystopie, ist leider zu real, denn eine Vielzahl von Personen, denen nichts ferner ist als der Geist, in dem Sie die Wikipedia gegründet haben, der Geist, der zum Ziel hatte, eine Vielzahl unterschiedlicher Menschen mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten an einem gemeinsamen Projekt arbeiten zu lassen, hat sich bereits in der Wikipedia eingenistet. Diese Ideologen wollen keine breite Informationsbasis, sondern eine Basis zur Verbreitung ihrer höchst eigenen Ideologie. Nichts könnte weiter vom Geist, in dem die Wikipedia gegründet wurde, entfernt sein.

Die vier gegenseitig verschränkten und sich gegenseitig verstärkenden Prozesse, die letztlich zum Ende der Wikipedia führen werden, sind die folgenden:

  • Das Fehlen jeglicher Form von Kriterien, die das Auffinden von Information und das Schreiben von Artikeln strukturieren.
  • Die daraus resultierende Selektivität vieler, wenn nicht der meisten Artikel in Wikipedia.
  • Die feindliche Übernahme der Wikipedia durch Ideologen, die durch die zuvor beschriebenen Prozesse erleichtert wird.
  • Die negativen Anreize für bzw. das Abschrecken von fähigen, potentielle/n Autoren, die zur Wikipedia beitragen wollten, darauf aber aufgrund der ideologischen Infizierung der Wikipedia verzichten, sowie die Verschwendung von Humanressourcen und die Lähmung von Ressourcen in so genannten Editier-Schlachten.

Das Fehlen eines kohärenten Sets von Kriterien

Die Erstellung einer Enzyklopädie ist in erster Linie eine Aufgabe, die eine ausgereifte und verlässliche Methode benötigt, die es ermöglicht, korrekte, verlässliche und repräsentative Informationen zu finden. In anderen Worten: Die Erstellung einer Enzyklopädie erfordert Menschen, die fähig und – wichtiger nocht – bereit sind, Informationen auszuwählen, die ein korrektes Bild vom im Artikel bearbeiteten Gegenstand vermitteln. Um Informationen aufzuspüren, die korrekt, verlässlich und repräsentativ sind, ist es notwendig, dann, wenn man alleine an einem Artikels arbeitet, etwas vom Gegenstand des Artikels zu verstehen. Sind mehrere Autoren an der Erstellung eines Artikels beteiligt, dann ist es notwendig, dass sich alle Autoren auf einen Katalog gemeinsamer Kriterien verpflichten, die es gewährleisten, dass das ausgewählte Material im Hinblick auf seine Korrektheit, Verlässlichkeit und Repräsentativität geprüft werden kann, ein Katalog, der die Basis dafür bereitstellt, eine Übereinkunft über den Inhalt eines Artikels zu erzielen. Im Moment gibt es in der deutschen Wikipedia keinerlei Kriterien, die diese Leistung erbringen könnten. Dies ist nirgends so deutlich wie bei den regelmäßig stattfindenden Editier-Schlachten.

Selektivität der Artikel

Das Fehlen von Kriterien, die die Auswahl von Informationen anleiten, schlägt sich in einer Vielzahl von Artikeln in der deutschen Wikipedia nieder, die nicht einmal rudimentäre Ansprüche an Verlässlichkeit, Fairness und Anstand erfüllen. Diese Artikel bestehen aus zusammengeklaubten Informationen, von denen nur der Autor weiß, warum er diese Informationen und keine anderen ausgewählt hat. In vielen Fällen sind diese Artikel ein Zerrbild der Realität, das bei denen, die es besser wissen, erst mit Lachen gutiert wird, bevor es der Anlass für Ärger über den Unsinn ist, der von der Wikipedia zugemutet wird. Diejenigen, die es nicht besser wissen, sind den Fehlinformationen in den entsprechenden Artikel schutzlos ausgeliefert und eine entsprechend leichte Beute für Ideologen aller Couleur. Was für die Reputation der Wikipedia schlecht ist, wenn z.B. in Beiträgen zu wissenschaftlichen Themen haarsträubende Falschdarstellungen enthalten sind, wird in seiner negativen Wirkung noch verstärkt, wenn im Text zitierte wissenschaftliche Autoren und deren Forschungsergebnisse oder deren theoretische Beiträge falsch dargestellt sind. Es wird fatal, wenn die Artikel Personen aus dem öffentlichen Leben zum Gegenstand haben. Dann wird die deutsche Wikipedia zum Boden, auf dem unfaire Behandlung, die an Hass grenzt oder die Grenze zur Gehäassigkeit längst überrschritten hat, dann wird die Wikipedia zum Schlachtfeld für ideologische Krieger.

Ideologische, feindliche Übernahme

Weil die Kriterien, die die Auswahl von Informationen anleiten, fehlen, ist es Ideologen ein Leichtes, Informationen, die ihre Weltsicht bestätigen, in einen Artikel einzufügen und andere Informationen, die der eigenen Weltsicht widersprechen, zu unterschlagen. Durch die Selektivität der Auswahl und Unterdrückung von Informationen machen diese Ideologen die deutsche Wikipedia zu einer Plattform der politischen Agitation und Propaganda. Um dabei möglichst erfolgreich zu sein, formen sie eine Art “geheime Gesellschaft”, die die Anonymität der Autorenschaft bei Wikipedia ausnutzt, um versteckt hinter Pseudonymen (z.B. “schwarze Feder” oder “Fiona Baine”) ideologische Kriegsführung zu betreiben und sich oftmals durch Nutzung multipler Pseudonyme gleich noch einen Startvorteil gegenüber Konkurrenten zu verschaffen.

Diese Ideologen nutzen Wikipedia als Plattform, um diejenigen, die sie als ideologische Feinde betrachten, mit Schmähungen, Beleidigungen und Verächtlichmachungen zu überziehen. Diese typische deutsche Form des Umgangs, ist für nicht-deutsche Beobachter schwer verständlich zu machen. Daher wollen wir Ihnen an dieser Stelle mit ein paar Beispielen aus Wikipedia-Artikeln einen “Gechmack” davon geben, was in der deutschen Wikipedia zwischenzeitlich normal ist. In Artikeln in der deutschen Wikipedia werden Menschen als “homophob” abgestempelt, ihre Arbeit wird als “Mist” diskreditiert, sie werden als Personen dargestellt, die ihre Großmutter verkaufen würden, wenn sie dadurch einen Vorteil erheischen könnten und vieles mehr, das die Grenze des Anstands und die Grenze des fairen Umgangs deutlich hinter sich lässt. Regelmäßig ist nicht die wissenschaftliche oder sonstige Lebensleistung von Autoren der Gegenstand von Artikeln in der Wikipedia, sondern deren politische Einstellung, die ebenso regelmäßig dann, wenn sie nicht der Einstellung des jeweiligen Wikipedia-Autoren entspricht, verächtlich gemacht wird. Mit andere Worten: Viele Wikipedia-Artikel sind recht gut darin ad-hominem Bewertungen abzugeben, aber ziemlich schlecht darin, dem Leser Informationen zu vermitteln.

Die beschriebene Behandlung von Menschen in Wikipedia-Artikeln ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Wir wissen, dass diese Form von Fehlverhalten für Menschen, die sich außerhalb des deutschen Kulturraumes befinden, nicht nachvollziehbar ist, aber es beschreibt dennoch die Verhältnisse, wie sie in der deutschen Wikipedia herrschen, Verhältnisse, die sich in schriftlichen Äußerungen niederschlagen, die hart an der Grenze zum Straftatbestand, wie er in den entsprechenden Paragraphen für Verleumdung und üble Nachrede niedergelegt ist, verlaufen.

Abschreckung fähiger Autoren und Editier-Schlachten

Das für die Wikipedia typische Mentoren-System, die Art, wie Wikipedia funktioniert, wie Artikel zu Stande kommen, die Arbeitsweise, die in der Frühphase der Wikipedia Garant schnellen Wachstums und Verantwortlicher für den Erfolg von Wikipedia war, dieses System ist heute zur größten Gefahr für den Fortbestand der Wikipedia geworden. Vor allem in Ländern wie Deutschland, in denen die Regeln von Fairness und Anstand nicht wie im angelsächsischen Raum für den Umgang miteinander vorausgesetzt werden können, führt das entsprechende System direkt in den Abgrund. Das Fehlen von Kriterien, eine daraus sich ergebende Selektivität der Artikel, die feindliche Übernahme der Editier-Funktionen durch Ideologen schreckt fähige und motivierte Personen von einer Mitarbeit in Wikipedia ab. Wir wissen von Wissenschaftlern, die sich großer internationaler Bekanntheit erfreuen, die führende Kapazität in ihrem Feld sind, im Marquis Who is Who in the World aufeführt sind, und die auf Einladung von Wikipedia-Autoren Beiträge für die Wikipedia erstellt haben. Die entsprechenden Beiträge haben es nie bis zur Veröffentlichung in der Wikipedia geschafft, denn ihr Inhalt hat die Wirklichkeit beschrieben, wie sie wirklich ist und nicht das ideologische Zerrbild dargestellt, dass die entsprechenden Wikipedia-Autoren erwartet haben. Dass die entsprechenden Wissenschaftler nach ihren Erfahrungen von einer Mitarbeit in Wikipedia absehen, dürfte keiner weiteren Erwähnung bedürfen.

Der ideologische Krieg in der Wikipedia ist mittlerweile so alltäglich, dass es ein Leichtes wäre, wenn man es denn wollte, die dadurch verloren gehende Zeit in Hunderten von Arbeitsstunden zu quantifizieren. Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, was in der deutschen Wikipedia mittlerweile normal geworden ist, genügt es, sich eines der gesellschaftspolitischen Themen vorzunehmen und entweder den Reiter “Diskussion” oder “Versionengeschichte” anzuwählen. Selbst für hartgesottene Leser sind die Schimpftiraden und der öffentliche Umgang der Wikipedia-Autoren miteinander und mit Kritik noch etwas, das sie schockieren kann. Zudem zeigt ein Blick in die Versionengeschichte, dass der Krieg zwischen Ideologen und denen, die mehr an der ursprünlichen Idee der Wikipedia ausgerichtet sind, in vollem Gange ist. Beide Lager sind in ihren Positionen eingegraben und freuen sich daran, die Änderungen der jeweils anderen Seite innerhalb kürzester Zeit rückgängig zu machen – wer mehr Zeit und Pseudonyme hat, nicht wer mehr Wissen und Kenntnisse hat, gewinnt diesen Krieg.

Gibt es wirklich jemanden, der denkt, dass Prozesse, wie die beschriebenen der deutschen Wikipedia keinen erheblichen und vielleicht auch irreparablen Schaden zufügen? Gibt es wirklich jemanden, der denkt, die Grabenkriege, die die Wikipedia zur Zeit auszeichnen, sind nicht dazu geeignet, willige und fähige Mitarbeiter innerhalb kürzester Zeit von einer Mitarbeit Abstand nehmen zu lassen? Gibt es wirklich jemanden, der nicht glaubt, dass die beschriebenen Prozesse über kurz oder lang das Ende der deutschen Wikipedia bedeuten werden?

Nein.

Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, diesen Offenen Brief zu schreiben. Die deutsche Wikipedia steht in höchster Gefahr die fünfte Kolonne welcher Ideologie auch immer zu werden. Es ist an der Zeit, dem Treiben Einhalt zu gebieten, und der beste Weg dazu, die deutsche Wikipedia aus den Klauen von Ideologen zu befreien, besteht darin, nur noch namentlich bekannte und mit ihrem Namen Verantwortung übernehmende Autoren Artikel für die Wikipedia schreiben und bearbeiten zu lassen. Derzeit ist es für anonyme Autoren ein Leichtes, andere mit ihrem Hass zu überziehen. Wären die enstprechenden Autoren namentlich bekannt, müssten sie für das, was sie schreiben, mit ihrem Namen einstehen, die Anzahl der Beleidigungen und Verächtlichmachungen in den Artikeln der Wikipedia würde in dem Maße sinken, in dem die Qualität der Artikel steigt, denn nicht nur macht es vorsichtiger, wenn man mit seinem Namen für etwas steht, die Verantwortungsübernahme mit dem eigenen Namen sorgt auch dafür, dass die Artikel, für die man verantwortlich zeichnet, besser recherchiert und somit qualitativ besser sind.

Wir hoffen, Sie nehmen diesen Offenen Brief in der Weise auf, in der er gemeint ist, als eindringlicher Ruf nach einschneidenden Maßnahmen bei der deutschen Wikipedia, als Ruf von zwei besorgten Menschen, die große Sympathien für den Geist haben, in dem die Wikipedia einst gegründet wurde.

Michael Klein
Arne Hoffmann

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Zuerst erschienen auf ScienceFiles am 29.7.2012




Das Hambach-Urteil: Zum Schaden des Volkes

Von Günther Leudinger

Der Paukenschlag kam am 5.10.2018 mit einer knappen Meldung der Deutschen Presseagentur dpa, in der es heißt: „Im Streit um die geplanten Rodungen im Hambacher Forst hat der Energiekonzern RWE nach Einschätzung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster die Notwendigkeit für die Versorgungssicherheit nicht belegt. Der Konzern und die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Behörde hätten nicht durch Tatsachen oder Unterlagen belegt, dass bei einem Rodungsstopp die Energieversorgung bundes- oder landesweit gefährdet sei, hieß es am Freitag in der Begründung der OVG-Entscheidung“.

 

Diese Entscheidung kam nach den zahllosen jahrelangen Rechtsstreitigkeiten, die mittlerweile so gut wie alle im Sinne von RWE und der Landesregierung entschieden worden waren, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Der Schaden für die RWE und die Landesregierung ist immens. Während die Fäkalienwerfer in den Baumhäusern und ihre aus ganz Deutschland zusammengeströmten Unterstützer ein Freudenfest feierten, musste RWE eilig eine Gewinnwarnung herausgeben und befürchtet, in nächster Zeit einen Teil seiner Stromerzeugungskapazitäten stilllegen zu müssen. In Zeitungsmeldungen war von zu erwartenden Verlusten in Höhe mehrerer Milliarden Eurodie Rede. Für die CDU-geführte Landesregierung war es ein PR-Desaster. Doch wie kam es überhaupt zu dieser unerwarteten Entscheidung?

 

Eine richterliche Retourkutsche?

Um dieses Urteil einordnen zu können, sollte man sich mit der Vorgeschichte beschäftigen. Denn erst vor kurzem gab es eine erbitterte Auseinandersetzung zwischen dem jetzt urteilenden Gericht und den NRW-Behörden, und zwar im Fall der Abschiebung des islamistischen Gefährders Sami Ben Mohamed A.Dieser hatte nach Zeugenaussagen Kontakte zu Al Quaida in Afghanistan und betätigte sich in Deutschland als sogenannter Hassprediger. Trotz jahrelanger Bemühungen um Abschiebung gelang es den Behörden aufgrund seiner ständigen juristischen Winkelzüge nicht, ihn loszuwerden. Letzte Stufe der Auseinandersetzung war ein Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen, welches die bevorstehende Abschiebung extrem kurzfristig untersagte. Dieses Urteil ging bei der Behörde erst ein, als der Flieger bereits weniger als eine Stunde von Tunesien entfernt war. Deshalb wurde der Flug fortgesetzt. Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen verurteilte diese Behördenmaßnahme am 15. August als „offensichtlich rechtswidrig. Die folgende Fehde zwischen dem Oberverwaltungsgericht Münster und den zuständigen Behörden sowohl des Bundes als auch des Landes NRW wurde mit großer Erbitterung geführt. Sami A. konnte jedoch trotz richterlicher Weisung bisher nicht zurückgeholt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass dies beim OVG Münster zu einem gewissen Groll gegenüber der Landesregierung führte. Immerhin waren die dort tätigen Richter seit Jahrzehnten unter einer SPD-geführten Regierung berufen worden, während die jetzige Regierung bekanntlich von der CDU geführt wird.

 

Sind unsere Richter wirklich unabhängig und neutral?

Im Prinzip sind Richter in unseren Rechtsstaaten nur dem Gesetz verpflichtet und verhalten sich parteipolitisch ebenso wie gesellschaftspolitisch neutral. Doch die Realität sieht offenkundig anders aus, wie nicht zuletzt die erbitterten Auseinandersetzungen in den USA um die Berufung von Brett Kavanaugh zum Richter im Obersten Gericht belegen. In Deutschland geht es zwar im Ton gesitteter, doch in der Sache dennoch knallhart ebenfalls um Einflussnahme der berufenden Gremien, in denen die jeweils führenden politischen Parteien das Sagen haben. Dies wird selbst von Richtern offen bemängelt, wie das folgende Wikipedia-Zitat belegt: „Das Richterwahlverfahren wird immer wieder kritisiert, insbesondere wird die mangelnde Transparenz des Verfahrens bemängelt und dass bei der Wahl neben der fachlichen Qualifikation auch die parteipolitische Ausrichtung der Kandidaten eine Rolle spiele. Dementsprechend forderten z. B. die Präsidenten der Oberlandesgerichte und des Bundesgerichtshofs auf ihrer Jahrestagung 2002 unter anderem, dass die Bundesrichter in einem transparenten Verfahren ausschließlich aufgrund ihrer persönlichen und fachlichen Eignung zu berufen seien. Der ehemalige BundesverfassungsrichterBöckenfördespricht von „Parteipatronage“ und „personeller Machtausdehnung der Parteien“. Der Einfluss der Exekutive ist sogar so stark, dass in der gleichen Qualle ausgeführt wird, dass: „Deutschland,…wäre es nicht schon Kernland der EU, ein problematischer Beitrittskandidat“ wäre. Und weiter: „Die Bundesvertreterversammlung des Deutschen Richterbundes(DRB) forderte am 27. April 2007, der Justiz die Stellung zu verschaffen, die ihr nach dem Gewaltteilungsprinzip und nach der im Grundgesetz vorgesehenen Gerichtsorganisation zugewiesen ist. Die Unabhängigkeit der Justiz werde zunehmend durch den Einfluss der Exekutive eingeschränkt“.

 

Missachtung wirtschaftlicher Aspekte

Juristen haben in unserer Gesellschaft das Privileg, sich nicht mit den wirtschaftlichen Konsequenzen ihrer Entscheidungen herumplagen zu müssen. Das geflügelte Wort hierfür lautet „Judex non kalkulat“ – der Jurist rechnet nicht. Worauf diese auch stolz sind. Was dann aber dazu führen kann, dass ein Gericht die Ausführungen eines Konzerns bezüglich der wirtschaftlichen Notwendigkeit einer Maßnahme wie der Abholzung des Hambacher Forsts souverän einfach beiseite wischt. Und sei es nur aus dem Grund, dass sie keine Vorstellung davon haben, was es heißt, eine so komplexe Unternehmung wie ein Kraftwerk mit direkt angeschlossenem Tagebau zu betreiben. Im Falle des oben angesprochenen Urteils ist es nicht auszuschließen, dass die zuständigen Richter in der Angelegenheit eine willkommene Gelegenheit gesehen haben könnten, einer ungeliebten neuen Landesregierung eins auszuwischen. Über die Konsequenzen für die Firma und das Bundesland braucht man sich in diesen Kreisen nicht den Kopf zu zerbrechen. Unterstellt man die bereits erwähnte Schadenshöhe von bis zu 5 Mrd. Euro, so könnte dieser Richterspruch jeden Einwohner von NRW – vom Säugling bis zur Greisin – rund 280,- Euro kosten. Von Arbeitsplatzverlusten gar nicht zu reden. Judex non kalkulat.