Öko-Infantilismus Teil 2

Nach der Ankunft der von Älteren für einen durchsichtigen Zweck missbrauchten jungen schwedischen Autistin Greta Thunberg mit einem High-Tech-Segelboot in Manhattan ist der Medien-Rummel um ihre Person und ihr Anliegen zumindest vorläufig abgeflaut. Denn von großem Bahnhof konnte man bei ihrem Empfang in New York durch eine überschaubare Zahl von Anhängern wahrlich nicht sprechen. Doch geben die hinter ihr stehenden Klima-Ablasshändler noch lange nicht auf. Zumal ihnen beamtete Professoren rasch beispringen und neue Argumente liefern.

Am einfachsten scheint da der Versuch, die Kritiker mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, ihnen das anzuhängen, was sie am kindischen Greta-Kult kritisieren. Hier das neueste Beispiel dafür: Nicht Greta, sondern ihre Kritiker sind kindisch. Denn wer die Lieblings-Kassandra unseres Medien-Kartells der globalistischen Alternativlosigkeit als infantil und verhaltensgestört tituliert, sehnt sich selbst nach einer heilen Welt. Also sollten sie besser den Mund halten. So kanzelte der bekannte Soziologe Armin Nassehi, in vornehmere Worte gekleidet,  kürzlich in der FAZall jene ab, die sich dem Klima-Schwindel entgegenstellen, und beruft sich dabei auf den einflussreichen niederländischen Kultur-Theoretiker Johan Huizinga (1872-1945), dessen Gesammelte Werke seit 2014 verfügbar sind. Hier ein Auszug: „Die errechneten sechs Atlantikflüge, welche die ganze Sache erzeugt, weisen auf eine kindliche Idee des Paradieses hin. Wundern sich diejenigen, welche die Sache aufdecken, wirklich darüber? Was ist der Erkenntniswert der Investigation? Was für eine Welt authentischer Akteure stellen sie sich vor?“

Und weiter: „All die heißen Themen der Zeit spielen in ihrer öffentlichen Inszenierung auch mit dem Motiv der Frage, wie denn eine heile Welt ohne Widersprüche aussehen würde, eine Welt vor der Vertreibung aus dem Paradies. Es wäre eine, in der Äußerung und Geäußertes, Sagen und Meinen, Intention und Rezeption, Wollen und Können, Inneres und Äußeres, Bedeutung und Interpretation, Sein und Schein, Signifikat und Signifikant in Deckung zu bringen sind. Es geht um vollständige Authentizität und Widerpruchslosigkeit. Es geht um die ganze Welt. Es geht darum, was Huizinga die Leugnung von Unterscheidungsvermögen nennt. Es wäre die autoritärste Welt, die man sich vorstellen kann, weil sie keine Abweichung vertragen kann.“

Johan Huizinga lag mit seiner Warnung vor der Verwechslung von Inszenierung und Realität gewiss nicht falsch. Aber ist sein Ansatz tatsächlich auf die Kritiker des Greta-Kultes anwendbar? Bedient sich Nassehi hier nicht lediglich eines scheinbar auf die aktuelle Situation passenden Denkansatzes, um jene mundtot zu machen, die vor einer Massenbewegung warnen, die jeglicher Vernunft Hohn spricht? Für den Aufklärer Henryk M. Brodersteht das außer Frage: Eine durch und durch infantile Gesellschaft geht vor einem infantilen Wesen in die Knie. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Infantilität, die sowohl in der Politik wie in der Kultur prägend geworden ist. Erwachsene Menschen nennen ihre Kanzlerin «Mutti», Kinder, die noch mit ihren Teddybären kuscheln, protestieren dagegen, dass man ihnen die Zukunft raubt, und die sogenannten Erwachsenen können vor Begeisterung kaum noch stehen.“

Der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz sieht das in der NZZähnlich: Greta und die Fridays-for-Future-Schüler sind die Kreuzritter der heilen Welt. Wie ihre wohlmeinenden Eltern auch, machen sie Ernst mit Nietzsches Idee des Übermenschen: für die ganze Welt die Verantwortung zu übernehmen. Doch noch viel peinlicher als die Kinder, die die Schule schwänzen, um die Welt zu retten, sind die Erwachsenen, die sie dafür loben. Als ob die Weisheit der Kinder Orientierung in einer überkomplexen Welt geben könnte.“  Er geht aber noch einen Schritt weiter und betont die religiöse Dimension der Greta-Kampagne: „Statt «Was darf ich hoffen?» fragt die heutige Religiosität «Was muss ich fürchten?». So hat sich in der westlichen Welt eine Ökumene der Ängstlichen formiert, die Schützenhilfe von engagierten Wissenschaftlern bekommt. Das läuft dann so: Am Anfang steht die Krise; die Krise begründet die Notwendigkeit der Forschung; die Bedeutsamkeit dieser Forschungen legitimiert ihre staatliche Finanzierung; die Forschung im «öffentlichen Interesse» braucht eine politische Organisation – und dort entsteht zuweilen, was Wissenschaftstheoretiker «scientific bias» nennen. Zu Deutsch: Man findet, was man erwartet. Und immer ist es fünf vor zwölf.“

In der Tat kann man meines Erachtens auch heute noch im angeblich areligiösen postmodernen Westen alle geistigen und kulturellen Irrwege auf den Verfall des Christentums beziehungsweise auf den Rückfall in infantile christliche Häresien zurückführen. So der drollige, später zum Katholizismus konvertierte britische Star-Autor Gilbert Keith Chesterton in seinem Buch „Orthodoxy“ im Jahre 1908: „Die heutige Welt steckt voller christlicher Tugenden, die durchgedreht sind. Sie sind durchgedreht, weil sie auseinander gerissen wurden und allein umherschweifen“ Chesterton warnte vor der Verabsolutierung des Guten. Denn wer das tue, lande mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Bösen. Der überragende scholastische Philosoph Thomas von Aquin (1225-1274) hatte diese Warnung in folgende Worte gefasst, die gar nicht oft genug zitiert werden können: „Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit; Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung.“ Diese Warnung vor einem grenzenlosen Humanitarismus könnte aktueller nicht sein.

Am Ursprung aller Häresien wie vor allem der Gnosis und des Manichäismus (einschließlich des Kommunismus) steht der Wunsch der Menschen, sich selbst zu erlösen und wie Gott zu werden. Chesterton drückte das mit unübertroffenem Witz so aus: „Der Mensch steht über dem Vieh; traurig ist er nur, weil er kein Tier ist, sondern ein unvollkommener Gott.“Was die Menschen von Gott trennt und erlösungsbedürftig macht, ist die Ursünde Adams und Evas. Spätestens seit der Ursünde-Lehre von Augustinus von Hippo (354-430 n. Chr.) vertritt die Kirche ein pessimistisches und daher höchst realistisches Menschenbild. Der Mensch ist zwar ein mit Vernunft begabtes Ebenbild Gottes und bezieht von daher seine Würde. Er ist aber unfertig und schwach und neigt deshalb zur Sünde gegen seinen Schöpfer, gegen sich selbst wie auch gegen seine Mitmenschen. Hoffnung und Zuversicht gründen sich deshalb weniger auf die Vernunft, die leicht selbstzerstörerisch werden kann, sondern auf die göttliche Gnade. Wie weit die Menschen selbst dazu beitragen können, die Gnade zu erlangen, ist unter den verschiedenen Konfessionen umstritten.

Ihre wichtigsten Lebens-Ressourcen Liebe und Sinn können die Menschen nicht selbst schaffen, wie das der Marxismus lehrt, sondern nur von außen (oder besser: von oben) empfangen. Erwachsen werden die Menschen, wenn sie einsehen, dass es kein irdisches Paradies geben kann, dass also das Leben hienieden gemäß den Zehn Geboten in erster Linie Leiden bedeutet, was kleine irdische Genüsse und Vorahnungen der himmlischen Freude nicht ausschließt. Das lehrt, wie der kanadische Star-Psychologe Jordan Peterson in seinem Bestseller „12 Rules for Life“ (2018) schön herausgearbeitet hat, nicht nur die Kirche, sondern auch der Buddhismus, wobei dieser allerdings den Blick nach innen richtet, während die Christen mit offenen Augen durch die Welt gehen.

Das Alte Testament schildert die bewegte Geschichte des Erwachsenwerdens des jüdischen Volkes. Ereignisse wie der Tanz um das Goldene Kalb, Gewaltausbrüche und/oder sexuelle Ausschweifungen stellen typische Rückfälle in Infantile bzw. pubertäre Attitüden dar. Erst die Menschwerdung des Gottessohnes Jesus Christus und dessen stellvertretenden Sühnetod am Kreuz eröffnen die Chance, dem durch die Ursünde bedingten Teufelskreis zu entkommen.

Dieser Glaube wurde in Verbindung mit der altgriechischen Philosophie und dem römischen Recht zum Fundament der europäischen Kultur. Allerdings ist dieses Fundament spätestens seit 1914 brüchig geworden. Mit dem Fundament ist nun aber auch die darauf gebaute Kultur, die Europas und Nordamerikas Aufstieg ermöglicht hat, in Gefahr. „Kulturen entspringen den Religionen. Letztlich entsteht die Lebenskraft, die jedwede Kultur erhält, in ihrer Philosophie, in ihrer Haltung gegenüber dem Universum. Der Verfall einer Religion schließt den Verfall ihrer korrespondierenden Kultur mit ein, was wir am klarsten am heutigen Zusammenbruch des Christentums sehen“,schrieb Chestertons Freund Hilaire Belloc in seinem Buch „Die großen Häresien“ schon kurz vor dem Zweiten Weltkrieg.

Nicht Gretas Autismus ist also das Problem, sondern die Tatsache, dass das mit ihrer mentalen Behinderung verbundene Schwarz-Weiß-Denken auf einen offenbar sehr fruchtbaren Boden trifft. Zu denen, die dieses Saatbett vorbereiteten, gehört zweifelsohne Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Laudato si‘“ (2015). Diese der „Sorge um das gemeinsame Haus“ und somit dem irrationalen Anliegen des „Klimaschutzes“ gewidmete Enzyklika dokumentiert die fortgeschrittene Verwechslung von Christentum und Gnosis, auch wenn sie daneben durchaus auch einige richtige Gedanken über die Eucharistie enthält. Denn die darin unterstützte Bekämpfung des Lebenselixiers Kohlenstoffdioxid um beinahe jeden Preis impliziert, dass man die Lebewelt einschließlich des Menschen für eine Schöpfung Satans hält.

Noch deutlicher wird da das Instrumentum laboris, das vorbereitende Dokument der vom Papst für diesen Herbst einberufenen Amazonas-Synode. Das in der Bibel festgehaltene Wort Gottes spielt in diesem Text kaum eine Rolle. Im Mittelpunkt steht stattdessen die vermeintliche Weisheit der armen Ureinwohner Amazoniens. Das Dokument ist geprägt von der Sehnsucht dekadenter Westler nach der Unschuld der Kindheit. Der „edle Wilde“ Rousseaus feiert so fröhliche Urstand. Folgte die Kirche dieser Linie, fiele sie von der von Papst Benedikt XVI. betonten Einheit von Glaube und Vernunft in den primitiven Schamanenkult zurück, kritisiert der Benediktiner-Pater Giulio Meiattini. Auch maßgebliche Teile der römischen Kirche frönen nun also dem postmodernen Wunschdenken und vergessen die biblische Wahrheit vom Wesen des Menschen.Es fehlt dann nur noch, dass die Kirche den in der Eucharistie sublimierten Kannibalismus durch richtige Menschenopfer ersetzt. Denn darauf läuft der grüne Kult um „Mutter Erde“, wie leicht zu zeigen ist, in Wirklichkeit hinaus.

 

 

 




Educated Guess: Wie wird eigentlich die durchschnittliche Erd-Temperatur berechnet?

Wie wird die Temperatur der Erde denn berechnet?

Es gibt sicher niemanden, der denkt, man liest die Erdtemperatur am entsprechenden Thermometer, sagen wir in Norwich, in East Anglia Super-Exaggerated Temperature ab.

Wie kommt sie dann zustande?

Das Grundproblem mit der Erdtemperatur besteht darin, dass Temperatur sehr heterogen ist. In der Arktis ist es kälter als in Mali und in München wärmer als in Aberystwyth, während es in Khartoum wärmer ist als in Reykjavik. Mit anderen Worten, um die Temperatur der Erde zu bestimmen, braucht man viele verschiedene Messstationen, sehr viele verschiedene Messstationen, die so über die Erde verteilt sind, dass ihr Gesamt auf die Erdtemperatur schließen lässt. Die Messstationen dürfen jedoch nicht nur an Land stehen, es muss sie auch auf dem Meer geben: auf Schiffen, in Bojen usw.

Derzeit gibt es weltweit vier Datensätze, die genug Temperatur-Informationen enthalten (sollen), um die Erdtemperatur zu bestimmen.

Der wohl umfassendste Datensatz ist der GISTEMP-Datensatz, den das Goddard-Institute for Space Science der NASA zusammenstellt. Er soll 99% der Erde mit Temperaturinformationen abdecken.

Daneben gibt es noch den MLOST-Datensatz der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) der USA, den HadCRUT4-Datensatz, der von UK Met Office Hadley Centre und der Univeristy of East Anglia (Climate Research Unit) zusammengestellt wird, sowie einen Datensatz, den die Japanese Meterological Agency (JMA) erstellt. Er hat mit rund 85% die geringste Abdeckung durch Messstationen. Die Daten stammen für HadCRUT4 aus rund 5.500 Messstationen, GISTEMP basiert auf rund 6.300 Einzeldaten, MLOST auf rund 7.000. Alle Messstationen befindet sich an Land. Die Temperaturmessung auf dem Meer ist ein eigenes Problem.

Die Datensätze unterscheiden sich nicht nur darin, aus wie vielen Messstationen sie ihre Informationen beziehen, sie unterscheiden sich auch in der Länge der Datenreihen. Die längste Datenreihe stellt HadCRUT4 bereit, sie beginnt 1850, GISTEMP und MLOST Daten beginnen mit dem Jahr 1880, die Daten der JMA beginnen im Jahr 1891.

Aus diesen Quellen stammen die Informationen, auf denen dann eine Abbildung wie die folgende basiert, die wir auf Basis der NASA GISTEMP Daten erstellt haben.

Die Musik bei dieser Abbildung spielt in dem, was links am Rand abgetragen ist: Average Temperature Anomalies. Was es damit auf sich hat, beschreibt NOAA wie folgt:

“The term temperature anomaly means a departure from a reference value or long-term average. A positive anomaly indicates that the observed temperature was warmer than the reference value, while a negative anomaly indicates that the observed temperature was cooler than the reference value.”

Nicht unbedingt der Gipfel an Transparenz und Informationsbereitstellung. Bei der NASA findet sich der folgende Splitter:

„This graph illustrates the change in global surface temperature relative to 1951-1980 average temperatures.”

Aus beiden Informationen kann man sich nun zusammenbasteln, was eine Temperatur Anomalie ist. Sie wird als Abweichung der täglich gemessen (Anmerkung der Redaktion genauer-aus Messungen, nach bestimmten aber unterschiedlichen Algorithmen errechneter) Durchschnittstemperatur für eine Messstation von einem Erwartungswert berechnet. Der Erwartungswert, der bei NASA und NOAA die Grundlage der Anomalien darstellt, ist der Mittelwert der Temperatur (an der entsprechenden Messstation) für den entsprechenden Tag im Zeitraum von 1951 bis 1980.

Für jede Messstation wird aus den Tagesdurchschnittswerten ein Monatsdurchschnittswert berechnet, der jeweils die Temperatur-Anomalie, also die Abweichung zur Durchschnittstemperatur für den Zeitraum 1951 bis 1980, angibt. Warum der Zeitraum von 1951 bis 1980 und nicht der Zeitraum von 1931 bis 1960? Weil der Zeitraum von 1931 bis 1960 die „Heisszeit“ der End-1930er und 1940er Jahre enthält:

Die Abbildung enthält Temperaturangaben für die vier oben genannten Datensätze HadCRUT4, GISTEMP (NASA GISS) und MLOST (NOAA). Wie man sieht, weichen die Temperaturangaben von einander ab. Indes: Es handelt sich hierbei um die Angabe der Erdtemperatur auf Basis tatsächlich gemessener Werte. Offenkundig gibt es mehr als eine durchschnittliche Erdtemperatur oder die Berechnung dessen, was durchschnittliche Erdtemperatur sein soll, ist nicht so einfach, wie gedacht.

Und das ist sie tatsächlich nicht. Stellen Sie sich vor, sie haben die Daten für ihre Messstationen, die sich an unterschiedlichen Orten der Erde befinden. Wie kommen Sie von den Einzeldaten zur durchschnittlichen Erdtemperatur?

Die Vorgehensweise von NASA, NOAA; Met Office / East Anglia und JMA ist weitgehend identisch. Die Erde wird in ein Netz von Quadraten eingeteilt, für jedes Quadrat wird die durchschnittliche Temperatur bestimmt. Für GISTEMP liegen die meisten Daten vor, also kann es sich das Goddard Center leisten, ein Grid aus Quadraten von jeweils 2 Breiten- und 2 Längengraden herzustellen. Alle anderen müssen mit 5 Breiten- und 5 Längengraden arbeiten.

Bislang haben wir quasi den Idealfall dargestellt. Die Realität besteht darin, dass alle vier Datensätze mit leeren Feldern in Ihrem Grid umgehen müssen. Die folgende Abbildung für HadCRUT4 zeigt, dass zum Teil erhebliche Lücken bestehen:

Die weißen Gridzellen sind solche, für die keine Informationen in HadCRUT4 vorhanden sind. Wenn Wissenschaftler mit leeren Zellen in ihren Daten konfrontiert sind, haben sie mehrere Möglichkeiten, man kann die leeren Zellen aus den räumlich gesehen nächsten Zellen, für die Werte vorliegen, berechnen. Diesen Weg geht man im Goddard Center der NASA. Es ist auch möglich, die fehlenden Werte mit dem errechneten „globalen Durchschnitt“ zu füllen. Diesen Weg gehen die Forscher bei HadCRUT4.

All die Entscheidungen, all die Unterschiede in der Berechnung der Erdtemperatur tragen dazu bei, dass die Modelle der Klimaforscher je nachdem, welchen Datensatz sie zu Grunde legen, unterschiedliche Ergebnisse ausspucken. Hinzu kommen nicht wirklich nachvollziehbare Entscheidungen wie die, die Erdtemperatur für die nördliche und südliche Hemisphäre zunächst getrennt zu berechnen und daraus einen Mittelwert für die endgültige Erdtemperatur zu errechnen. Der Hintergrund ist, dass es im Norden mehr Messstationen als im Süden gibt. Hinzukommt, dass die Distanz zwischen zwei Längengrad am Äquator größer ist als an den Polen. Um dieses Problem auszugleichen, werden die Ergebnisse aus den Zellen, für die Werte vorliegen, gewichtet (wie auch immer).

Die Darstellung der Berechnung der durchschnittlichen Erdtemperatur, die wir morgen für die Darstellung einiger Ungereimtheiten bei der NASA benötigen, sollte schon jetzt gezeigt haben, dass die Temperatursteigerung, die die Klimawandeljünger wie einen Fetisch anbeten, das Ergebnis eines sehr komplexen und mit vielen, sehr vielen Annahmen, Extra- und Interpolationen durchsetzten Prozesses ist. Die durchschnittliche Erdtemperatur, wie wir sie kennen, ist ein Educated Guess, mehr nicht.

Der Beitrag erschien zuerst bei ScienceFiles hier

Weiterführende links zum o.a. Thema hier




Gericht urteilt gegen den Schöpfer des Klimawandel-Hockeyschlägers

Ist der »Hockeyschläger« jetzt endgültig vom Tisch? Und damit die Basis für die These von der menschengemachten Erwärmung der Erde? Sein »Erfinder«, Michael Mann hat gerade in Kanada mit Pauken und Trompeten einen Prozess vor dem Obersten Gericht von British Columbia verloren. Den hatte er gegen Tim Ball angestrengt.

Michael Mann ist »Mister Hockey-Stick«, der mit seiner berühmten Hockeyschläger-Kurve 1998 die Grundlage für Greta Thunbergs und aller anderen Klimabewegten Panik legte. Er nämlich dramatisierte die Temperaturentwicklung der jüngsten Zeit, indem er die Verlaufskurve am Ende willkürlich steil nach oben zog. Mit diesem Kunstgriff brachte Michael Mann mehr Drama in die Klimadiskussion. Für die weltweite Propaganda sorgte Al Gore, Ex-Vizepräsident der US-Demokraten. Der pimpte damit seinen Weltuntergangsfilm »Eine unbequeme Wahrheit« auf. (Grafik Hockeystick-Kurve u.a. hier zu finden oder hier.)

Doch die Temperatur hält sich nicht an die Klimapanik-Vorgaben, pendelt bekanntlich in den vergangenen 30 Jahren um eine relativ gerade Linie, sie steigt und fällt nicht; die mittlere Temperatur der Erde weiß im Augenblick offenbar nicht so recht, ob es wärmer oder kälter werden soll. Das alles passt nicht in das Klimapanik-Konzept mit integriertem Angstfaktor. So kann man schlecht behaupten, wir stünden vor einer katastrophalen Erderwärmung. Bis eben Michael Mann zu seiner Radikallösung griff und am Ende die Kurve fälschte. Das Ergebnis sah wie ein Hockeyschläger aus. Eindrucksvoll – mit dem kleinen Nachteil, dass dies nicht durch die Daten gedeckt wurde.Der hochgelobte Michael Mann weigerte sich nämlich beharrlich, seine Rohdaten und Computercodes herauszurücken, damit nachgeprüft werden konnte, wie sein berühmter Kunstgriff zustandekam. Mann selbst hielt sich für den Inbegriff der Tugend und Kämpfer für die wissenschaftliche Wahrheit und entpuppte sich letztlich doch als plumper Fälscher. Er erwies sich überdies als sehr empfindlich gegenüber der Kritik, seine Grafik sei gefälscht, und griff immer wieder unter anderem seinen ärgsten Kritiker Tim Ball an. Der heute 81-jährige ist kanadischer Geograph und kritisiert in zahlreichen Kommentaren und Reden die These vom menschenerzeugten Klimawandel. Er warf dem IPCC auch vor, Gelder für die Hypothese der anthropogenen Erwärmung zu verschwenden und damit gleichzeitig richtige Forschung und ein tieferes Verständnis von Klima und Klimawandel zu verhindern.

Den hat der schnell beleidigte Michael Mann verklagt – und jetzt nach neun Jahren den Krieg in Schlachten vor den verschiedenen Instanzen endgültig verloren. Das Gericht wollte Beweise sehen, die konnte Mann nicht liefern. Er muss außerdem Prozesskosten in Millionenhöhe bezahlen. Michael Mann twitterte und wetterte wild um sich, bestreitet jetzt übrigens, dass er verloren hat: »Es gab einige wild unwahrheitsgemäße Behauptungen über die kürzliche Einstellung des Verleumdungsprozesses gegen Tim Ball, der in den sozialen Medien zirkuliert.«Mann erfuhr sein erstes Waterloo schon vor zehn Jahren bei jenem »Climategate«, als Hacker tausende von internen Mails der Klimaforscher veröffentlichten, aus denen der Schwindel hervorgeht. Climategate eröffnete auch Einblicke in das merkwürdige Gebaren des Potsdamer Klimafolgeninstituts PIK.

Gut möglich, dass auf Mann jetzt sein zweites Waterloo zukommt. Denn hinter dem jüngsten Urteil verbirgt sich Sprengstoff mit drastischen Folgen und weiteren Klagen. Denn das Gericht kann jetzt davon ausgehen, dass der klimatische »Hockeyschläger« auf gefälschten Daten beruht. Der Wissenschaftler hätte in diesem Falle nicht nur gezielt Regierungen getäuscht, sondern auch öffentliche Gelder mit wahrscheinlich krimineller Energie veruntreut. Ein heftiger Vorwurf. Denn dieser »Hockeyschläger« bildet die Grundlage für all die Klimapanik, die hier zahllose Investmentfondsgesellschaften und NGOs abziehen. Diese Grundlage wiederum beruht auf einer Fälschung.

Sie rückt jetzt auch verstärkt den Kardinalfehler der gegenwärtigen Klimapanik-Diskussion ins Rampenlicht: Es gibt keinerlei Kontrolle über das, was an wilden Klimakatastrophentheorien hinausposaunt wird. Die Katastrophenapostel bis hin ins Potsdamer Klimafolgeninstitut PIK (die Jörg Kachelmann kürzlich als: „lustig-scharlataneske[…] Konstruktionen aus der potsdämlich-professoralen Welt […], die so sehr verzweifelt einen Zusammenhang zwischen Hitze und Waldbränden konstruieren“ bezeichnete) dürfen unkontrolliert und unbehelligt jeden Unsinn über menschengemachte Klimaerwärmung erzählen und die Politik in ihrer Zerstörung eines Industrielandes bestärken. Mindestens als unverantwortlich muss eine solche Politik bezeichnet werden, die auf Grundlage einer unbewiesenen Theorie Milliarden verpulvert – ohne jegliche Qualitätskontrollen.In der Industrie finden nicht umsonst zu allen möglichen Qualitätsfragen permanent Audits statt – in Sachen »Klima« nichts dergleichen. Einige wenige Meinungsmacher bestärken sich lediglich gegenseitig.

Von jenem Hockeyschläger bis hin zu der vorläufigen Schließung des Tagebaues Jänschwalde und der Zerstörung der Autoindustrie ist es ideologisch nur ein kleiner Schritt. Doch jetzt scheint einiges ins Stocken geraten zu sein. Das Urteil in Kanada stürzt die Community der »Klimawissenschaftler« in eine tiefe Krise. »Eine bittere und peinliche Niederlage für den selbsternannten »Nobelpreisträger«, bewertet das Online-Tech-Magazin das Urteil in Kanada und fährt dort: »Hunderte von Peer-Review-Papiere zu Manns Arbeiten – jetzt erweisen sie sich als wertlos.«

Die Klimaapostel agieren zunehmend gereizter, sichtbar an der seit der »Klimakonferenz« in Krakau verstärkten Propaganda. Das System »Greta« ist letztlich die Spitze der Emotionalisierung der Klimapanik, mit der die Heimatfront der Unwilligen geknackt werden soll.Doch in Amerika zeigt sich, dass die Klimapanik jenseits des großen Teiches gestorben ist. »Greta« interessiert dort weitestgehend niemanden mehr, die Hintermänner in den diversen Fonds hatten wohl mit einem rauschenden Empfang gerechnet, wie das bei Mr. Obama sicherlich der Fall gewesen wäre. Der wird demnächst auf einem prächtigen, 15 Millionen Dollar teuren Anwesen auf Martha’s Vineyard in Massachusetts residieren, direkt am Atlantik. Hat er denn keine Angst vor seinen Prophezeiungen von steigenden Meeresspiegeln und ab- und versinkenden Küsten? Er glaubt wohl selbst nicht so recht an die Klimapanik.

Der Beitrag erschien zuerst bei TE hier

Nachtrag der Redaktion:

Michael Mann wurde immer tatkräftig unterstützt z.B. von den Potsdamer Klimaforschern Stefan Rahmstorf, ebenso wie Hans-Joachim Schellnhuber, der sich jüngst für Brandenburg als zukünftiger Umweltminister ins Spiel brachte, denn sie lobten diese „Rekonstruktion“ immer wieder überschwänglich[1] und erteilten ihr so den obersten Segen. Und das obwohl Michael Mann – wie seit langem bekannt ist- alle Regeln wissenschaftlichen Arbeitens missachtet hatte, verschiedene Datensätze miteinander verschnitten hatte, dabei die, die eine fallende Temperatur zeigten, einfach abschnitt und wohl deswegen niemandem erlaubte seine Daten und Berechnungsmethodik einzusehen, oder gar zu überprüfen. Diese im wissenschaftlichen Betrieb unerlaubte Art und Weise der Datenmanipulation brachte ihm aber in Kreisen der IPCC Chefwissenschaftler um Dr. Phil Jones das bewundernde Attribut „Mikes Nature trick“ ein, denn die besagte Arbeit erschien bereits 1998 im bis dahin weltweit renommierten Wissenschaftsmagazin „Nature“.

So blieb es mangels Fachkritik aus den eigenen Reihen dem Ingenieur und Statistiker Stephen McIntyre und dem Wirtschaftsstatistiker Prof. Ross McKittrick überlassen, schon bald nach der Veröffentlichung der Mann´schen Kurve, nachzuweisen, dass dessen Algorithmus so konstruiert war, dass, egal welche Daten vorn in die Blackbox seines Computers eingegeben wurde, am Ende immer ein Hockeyschläger herauskam.

Dieser Michael Mann erlitt jetzt vor dem obersten Bundesgericht von British Columbia mit seiner Klage gegen den Klimaforscher Dr. Tim Ball eine vernichtende Niederlage. Er versäumte nämlich, dem Gericht die Rohdaten und die von ihm selbst produzierten Software-Algorithmen vorzulegen, die es jedem neutralen Sachverständigem erlaubt hätte, die wissenschaftliche Korrektheit seiner Berechnungen zu überprüfen. Er zog es vor nicht zu liefern, wohl weil er immer geblufft hatte, war nun aber gezwungen, entweder den Bluff zuzugeben, oder den Fall, der ihn wohl einige Millionen Dollar kosten wird, zu verlieren.  Michael Mann zog es vor zu verlieren. Ein schwacher Trost später Gerechtigkeit. Denn der Hockeystick ist damit Geschichte, aber er hat die westliche Welt – uns alle- bisher einige Billionen € an „Klimaschutzgeldern“ gekostet.

[1] Sie­he z.B https://www.pik-potsdam.de/ser­vi­ces/in­fo­thek/PIK_EIKE_Argumentesammlung.pdf da­raus Zitat PIK: „Die Tem­pe­ra­tu­ren der letz­ten tau­send Jah­re wur­den seit Pub­li­ka­ti­on der ers­ten Proxy‐ ba­sier­ten Da­ten­rei­hen von Mann und Kol­le­gen­ mit ver­bes­ser­te Sta­tis­tik, grö­ße­rer Da­ten­ba­sis und von meh­re­ren an­de­ren For­scher­grup­pen neu re­kon­stru­iert. Die­se Re­kon­struk­ti­o­nen be­stä­ti­gen die Er­geb­nis­se der ur­sprüng­li­chen „Ho­ckeysti­ck‐Kur­ve“.Zitatende  Eine Google Su­che Schelln­hu­ber und Ho­ckey­stick er­gibt ca, 7.000 Tref­fer, Rahm­storf und Ho­ckey­stick so­gar rd. 15.000

Hinweis:

Natürlich hat dieses Urteil auch viele Klimaalarmisten aufgeschreckt. Auch Michael Mann sah sich genötigt in der ihm eigenen Art und Weise das Urteil in sein totales Gegenteil umzuinterpretieren. Hier wird darüber ausführlich berichtet. Der kanadische Radiosender Global News ließ seine hervorragend vorbereitete Moderatorin Danielle Smith Dr. Tim Ball dazu interviewen, der Manns Auslassungen wieder ins rechte Licht rücken durfte. Für des Englischen gut kundige Leser ein Muss.

So stellte Tim Ball richtig, dass das Gericht bereits für den 20. Feb. 2017 die Vorlage von Daten und Methode angeordnet hätte, Michael Mann aber wieder und wieder um Aufschub bat, bis das Gericht dann jetzt die Reißleine zog und gegen Mann entschied.

Michael Mann behauptet auch, dass seine Daten – (Anmerkung: die ersten 1000 Jahre – der Griff des Hockeyschägers- gewann Mann lt. Ball aus nur einem einzigen Bristle Cone Baum aus den Rocky Mountains, und als weitere Baumring-Daten sogar ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Abkühlung zeigten, schnitt er diese ab und spleißte stattdessen, die aus Messdaten gewonnen Temperaturwerte an. Das ging als Mikes Nature Trick in die Geschichte ein) seit 10 Jahren öffentlich zugänglich wären, wenn das so ist, stellt sich die Frage, warum er dem Gericht wieder und wieder die Übergabe dieser Daten verweigerte. Ein oder zwei links hätten doch auch dem Gericht genügt.




Klimakonferenz in Oslo 18. und 19.10.19

Anmeldungen siehe Poster, oder hier: https://www.climategate.nl/2019/09/klimaatconferentie-oslo/




Der leise Abschied der Industrie

Es ist parlamentarischer Alltag: Ein Antrag der AfD-Landtagsfraktion NRW („Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze sichern, weiteren Strompreissteigerungen entgegentreten: Kohleverstromung erhalten“ – Link am Ende) führte am 3. Juli zu einer Anhörung im Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Landesplanung. Das Ergebnis ist sensationell, auch wenn es öffentlich kaum Widerhall finden durfte. Denn das Ergebnis paßt nicht in die erwünschte Landschaft der Selbsttäuschung.

Zunächst drehten sich Fragen und Antworten um die Ergebnisse der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (WSB)“, umgangssprachlich meist „Kohlekommission“ genannt. Einige Sachverständige feierten deren Abschlussbericht als guten Kompromiss, der Handlungssicherheit gäbe.

Dass dieser „Kompromiss“ offenbar nur von einigen akzeptiert wird, grüne Teilnehmer bereits am Tag nach dem Abschlussbericht ihre Unzufriedenheit zeigten, einen zeitigeren Ausstiegstermin forderten und weder NGOs noch linksgrüne Parteien ihre gewalttätigen Fußtruppen im Hambacher Forst zurückpfiffen, spielte in dieser öffentlichen Beweihräucherung eines klimadevot motivierten Ergebnispapiers der Kohlekommission keine Rolle. Sogar eine grüne Bundestagsabgeordnete hatte im Hambacher Forst dafür gesorgt, dass die Kriminellen versorgt wurden. Die Frage, ob sie vor Ort mäßigend oder eher anstiftend auf diese einwirkte, lässt sich leicht beantworten. In jedem Fall eine seltsame Interpretation eines gefeierten Kompromisses durch eine Bundespolitikerin.

Unter den geladenen Sachverständigen der Veranstaltung befand sich der Chef der „Hydro Aluminium Rolled Products GmbH“ aus Grevenbroich. Bereits in der schriftlichen Stellungnahme hatte er wie folgt ausgeführt:

„Die Frage nach einer sicheren Versorgung mit elektrischer Energie darf sich in einem Industrieland wie Deutschland auch zukünftig nicht stellen; bevor auf konventionelle Energieträger verzichtet werden kann, müssen Erneuerbare Versorgungssicherheit gewährleisten.“

Allein die Notwendigkeit, darauf explizit hinweisen zu müssen – in einem hochentwickelten Industrieland, das dazu noch Exportweltmeister ist – wirft ein bezeichnendes Licht auf den derzeitigen wirtschafts- und energiepolitischen Zustand des Landes.

Aluminium ist das jüngste und global am schnellsten wachsende Industriemetall. Stringent und glasklar, auch mit erkennbarer persönlicher Betroffenheit, gingen die Aussagen des Hydro-Chefs über den Tisch:

Die Kohleverstromung sei kein Selbstzweck, es gäbe eine Gleichrangigkeit der energiepolitischen Ziele (neben Umweltschutz waren Preiswürdigkeit und Versorgungssicherheit gemeint), Speicher seien nicht existent.

Im internationalen Wettbewerb mit China und den USA, die ihre Wirtschaft stützten, wollen wir in Deutschland das abschalten, worauf die Industrie beruht. Er wende sich nicht prinzipiell gegen das Aus der Kohle, mahnte aber an, dies erst vorzunehmen, wenn man funktionierende Alternativen hat.

Der Umstieg auf Gas, in den niemand investieren werde, wenn auch Gaskraftwerke 2050 abgeschaltet werden sollen, treibe politisch induziert die Preise, was in anderen Ländern nicht der Fall sei. Investitionsentscheidungen der Industrie würden global getroffen.

„Denn unser Aluminium genauso wie die Produkte der chemischen Industrie oder der Stahlindustrie werden nicht im Internet hergestellt, und die werden auch zukünftig nicht im Internet hergestellt. Unsere Arbeitsplätze sind auch nicht virtuell. Wenn Arbeitsplätze verloren gehen in der Industrie, dann ist es nicht irgendetwas in der Industrie, was sich in Nordrhein-Westfalen, in diesem großen Industrieland, schon regeln lässt, nein, das sind persönliche Schicksale von meinen Kollegen. Das bitte ich auch, zu berücksichtigen.“

Und dann schob er eine Nachricht hinterher, die inhaltlich der Höhepunkt der Veranstaltung gewesen sein dürfte:

„In unserem Fall ist es so – ich denke, ich spreche für weite Teile der Industrie –, dass selbst Ersatzinvestitionen derzeit verschoben werden.“

Im Klartext heißt das, verschlissene Anlagen nicht mehr zu erneuern. Wie bei Nachbar Klaus, der neulich sagte, er fahre seinen Golf jetzt bis zum bitteren Ende, repariere nur das Nötigste, ein neues Auto brauche er dann nicht mehr.

Die Reaktion der Parlamentarier auf diese höchst alarmierende Aussage war schwierig zu erkennen. War die Information angekommen? Es gehört zu den Grundfähigkeiten von Politikern, auch zu brisanten Informationen Pokerface zeigen zu können. In Zeiten selektiver Wahrnehmung besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass die Nachricht einige Empfänger gar nicht erreichte. Wenn die Aufmerksamkeit mit dem Smartphone geteilt werden muss und man sich nur bei Nennung von Schlüsselwörtern wie „CO2“ der Veranstaltung wieder geistig zuschaltet, kann die eine oder andere Botschaft schon verloren gehen.

Mit einer Vertreterin der BDEW¹-Landesgruppe NRW hatte der Hydro-Aluminium-Manager und hier auch Sprecher der energieintensiven Industrie eine Verbündete im Raum – leider nur theoretisch. Schließlich versteht sich der BDEW als Interessenverband der deutschen Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft und sollte damit eng verbunden auch mit der energieverbrauchenden Industrie sein.

Die Beiträge von dieser Seite waren allerdings sehr ernüchternd. Neben Lobpreisungen der Ergebnisse der „Kohlekommission“ gab es wenig, im Grunde nichts, was den verlautbarten Sorgen der Industrie hätte entgegengestellt werden können. Hier einige Sätze, dem Zusammenhang entnommen, aber beispielhaft für die Vorstellungen beim BDEW. Nachzulesen im Protokoll (Verlinkung siehe unten).

– „Natürlich gibt es eine Menge zu tun“
– „Wir müssen die Rahmenbedingungen zügig angehen“
– „Das war einer der Hauptaspekte der WSB-Kommission, dass es gelungen ist, hier wirklich so einen breiten Konsens zu erzielen.“
– „Vor diesem Hintergrund muss man sich . . . wirklich auch jetzt mal die Chancen anschauen und vielleicht auch mal das Wörtchen „Wachstumsmöglichkeit“ in den Mund nehmen und in den Blick rücken.“
– „Diese Sachen muss man wirklich anpacken.“
– Zu den Netzen: „Auch das sind Sachen, die angepackt werden müssen. Die ergeben sich nicht von heute auf morgen, sondern die muss man planen. Auch dafür ist es natürlich wichtig, dass man die entsprechenden Rahmenbedingungen schafft, um auch der Netzstabilität gerecht zu werden.“
– „Es muss wirklich hier Hand in Hand gehen. Man darf sich hier sicherlich nicht nur auf eine Maßnahme versteifen, sondern es muss ein ganzes Potpourri von Maßnahmen geben, um sicherzustellen, dass der Kohleausstieg klappt, aber auch die Integration der neuen dezentralen Erzeugungen.“

Sogar der altbekannte Fake, Wind- und Sonnenenergie seien die „Arbeitspferde“ der Energiewende, wurde ausgegraben. Arbeitspferde reagieren allerdings auf Kommandos und schlafen zwischendurch nicht ein.

Offenbar wurde: Wer als Industrie einen solchen Verband im Rücken hat, der steht mit dem Rücken zur Wand. Der braucht auch keine Feinde mehr.

Nunmehr soll eine Grüne Hauptgeschäftsführerin des BDEW werden. Obwohl Frau Andreae zum Realo-Flügel gerechnet wird, ist nicht schwer zu vermuten, wo ihre Prioritäten liegen werden. In der Abwägung zwischen Industrie und CO2-Emissionen wird sie sich für die Weltrettung durch Senkung deutscher Emissionen entscheiden. Stromverbrauchende Industrie ist hinderlich dabei.

Auch die Netzgefährdungen und die Abschaltungen der Aluminium-Schmelzen in NRW wurden angesprochen. Am 6., 12. und 25. Juni kam es zu kritischen Netzsituationen, die nicht durch Mangel an Erzeugungskapazität, sondern durch schlechtes staatliches Marktmanagement verursacht wurden. Ein neues Preismodell hatte dazu geführt, dass vorzuhaltende Regelenergie billiger war als der Strom auf dem Spotmarkt. Deshalb nahmen Marktteilnehmer lieber die billigere Regelenergie in Anspruch, als an der Börse Strom zuzukaufen. Die war dann allerdings ausgereizt.
Gewinnorientiertes legales Verhalten kann man keinem Unternehmen vorwerfen außer in Deutschland, wo ein grottenschlechtes Staatsmanagement die größte Gefahr für das Energiesystem darstellt.

Der Vertreter des „Landesverbandes Erneuerbare Energien“ zitierte die Kohlekommission mit der Aussage, die Strompreise würden „nur moderat“ steigen. Eine Zahl an Eiskugeln gab er zwar nicht an, aber was man von solchen Aussagen halten kann, sieht man an aktuellen Meldungen und Hintergrundinformationen wie vom „Tagesspiegel Background“ (19. Juli): „Industriestrom nochmals teurer“, 6,9 Prozent über die letzten zwölf Monate. Großhandelspreise und Netzgebühren seien gestiegen. Dazu wird 2019 auch die EEG-Umlage wieder steigen. Bis 2025 gäbe es kein Versorgungsproblem, verkündete er außerdem. Das legen wir mal in die Wiedervorlage.

Zweifel waren einigen Sachverständigen völlig fremd, obwohl selbst der niedersächsische Ministerpräsident Weil (SPD), bestimmt kein Gegner der Energiewende, der FAZ am 28. Juni sagte, dass ein „Neustart“ der Energiewende nötig sei. Einen Neustart muss man, beispielsweise am Computer, nur tun, wenn`s nicht mehr läuft. Und dann sagte Weil etwas für deutsche Politiker sehr seltenes: Der Webfehler von Anbeginn sei der Atomausstieg ohne Drehbuch gewesen. Die Aussage enthält einen so wahren Kern, dass alle anderen Politiker diesen Zusammenhang zwischen Atom- und Kohleausstieg zwanghaft zu erwähnen vermeiden. Sie legen im Gegenteil noch einen drauf und wollen jetzt auch ohne Drehbuch aus der Kohle aussteigen.

Die schlichte Tatsache, dass man vor dem Aussteigen wissen sollte, wo man einsteigt, ist politisch und medial völlig unterbelichtet und war auch in der beschriebenen Anhörung nur Randthema. Unterdessen ist der Rückzug der energieintensiven Industrie noch nicht statistisch, aber schon am Kapitalstock zu erkennen².

Nochmals aus der Stellungnahme Hydro:

„Allerdings vermissen wir die notwendige Konkretisierung der Maßnahmen zur Absicherung von Versorgungssicherheit und von Bezahlbarkeit für die der Stromerzeugung nachgelagerten industriellen Wertschöpfungsketten.“

Und die mündliche Ergänzung:

„Wir sollten deshalb unsere Energiepolitik logisch und gesamthaft weiter betreiben.“

Womit der Hinweis auf fehlende Logik im deutschen Energiewende-Experiment gegeben war. Sie wird ersetzt durch Glauben, Wunsch und Hoffnung.


Hier geht es zu den Dokumenten der Anhörung: Antrag, Stellungnahmen und Protokoll (Anhörung vom 3. Juli)

1) BDEW – Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.
2) „Der langsame Rückzug der energieintensiven Industrien“
Handelsblatt v. 7.8.19

Nachtrag: Ergänzend bekannte Zahlen zum geplanten oder bereits laufenden Arbeitsplatzabbau renommierter Firmen. Die Aufzählung ist nicht vollständig, ich habe nicht zielgerichtet recherchiert. Der Großteil der entfallenden Arbeitsplätze ist tariflich hochwertig und hat entsprechende Steuerausfälle zur Folge.

Natürlich sind die Reduzierungen keine direkte Folge der Energiewende, aber Strompreise sind für die Wirtschaft maßgebender Faktor und standortentscheidend.
Mit einer weiteren nationalen finanziellen Belastung für CO2 verschlechtern sich für deutsche Unternehmen die Marktbedingungen im internationalen Wettbewerb.

BASF 6.000 bis 2021
Bayer 12.000 bis 2021
Siemens 2.700
Ford 5.000
Volkswagen 21.000 bis 2022
Thyssenkrupp 4.000
Kaufhof 2.600
Kuka 350
Sanofi 140
Deutsche Bank 18.000
WMF 400
Audi 13.500
Bosch 15.000
NordLB 2.400
Goodyear 1.100
Unicredit 2.500
Opel 600
Windindustrie 26.000 nur 2017, 2018 und 2019 weitere

Für die Bundesregierung ist die Bekämpfung des Klimawandels durch Senkung deutscher Emissionen der wichtigste Punkt auf der Agenda.

Eine weitgehende Deindustrialisierung kann die „Klimaziele“ 2030 erreichbar werden lassen.

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