Die Windkraftreserve

Je mehr die Energiewende vor unseren Augen zerbröckelt, desto absurder und abstruser werden Schuldzuweisungen und Lösungsvorschläge. Dabei wird deutlich, dass die dauerprogressiven klimaschützenden Funktionäre die Ahnungslosesten sind.

von Frank Hennig

Da beim besten Willen der um sich greifende Energiemangel, vor allem sichtbar an exorbitant steigenden Preisen, nicht mehr ignoriert werden kann, kommen wundersame Lösungsvorschläge.

Während vermeintlich Ewiggestrige nach einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke rufen, einer Ausweitung der Erdgasförderung im eigenen Land oder dem Einsatz von mehr Kohlekraftwerken, präsentiert Sascha Müller-Kraenner von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) einen neuen Vorschlag:

„Ich wünsche mir statt Kohlekraftwerken, die aus der Reserve geholt werden, eine Staatliche Windkraftreserve. Hier kann die Bundesregierung konkret in die Energiesicherheit unseres Landes investieren!“

Eine missverständliche Formulierung kann man wohl ausschließen. Stromspeicher für Windkraft meinte er offensichtlich nicht, sondern in der Tat Windkraftanlagen. Was ist eine Reserve? Üblicherweise ein gespeichertes Medium oder eine Anlage, die bereitsteht, um bei Bedarf etwas zu produzieren. Nimmt man auf eine längere Autofahrt einen Kanister mit Treibstoff mit, kann man ziemlich sicher die Reichweite kalkulieren, die man mit dem Inhalt des meist blechernen Gefäßes erreichen kann. Für den Strom gibt es keine Kanister und weil er zunehmend knapp und teuer wird, Stromspeicher absehbar nicht kurzfristig in nötiger Menge zur Verfügung stehen werden, möchte Herr Müller-Kraenner Windkraftanlagen in Reserve stellen.

Damit wären sie von der regulären Stromproduktion ausgeschlossen, der nichtproduzierte Strom müsste aus anderen Quellen mit entsprechenden CO2-Emissionen erzeugt werden. Genau deshalb gibt es aber im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den festgeschriebenen Einspeisevorrang, um den Strommix insgesamt emissionsärmer zu machen. Zunächst müsste also das EEG bezüglich dieses Einspeisevorrangs geändert werden, was Regierung und Branche seit Jahren erfolgreich zu verhindern wissen.

Aber machen wir als Gedankenexperiment weiter. Wann würde man auf diese Reserveanlagen zurückgreifen müssen? Sicherlich in wind- und sonnenarmen Zeiten. Beispielsweise am 12. September 2022 um 4 Uhr, als ganze 1.988 Megawatt Windstrom ins Netz flossen, entsprechend drei Prozent der installierten Leistung aller Windkraftanlagen in Deutschland und 4,7 Prozent der Netzlast zu diesem Zeitpunkt. Praktisch wäre also dieser geringe Anteil durch stehende „Reserveanlagen“ noch geringer gewesen, ihre Zuschaltung wäre im Grunde fast ohne Effekt. In Zeiten der Windstille wäre das Ergebnis genau null.

Zufallsstrom als Reserve? Dieser Vorschlag ist unfassbar blöd.

Wer ist der Mann mit dieser Idee? Sascha Müller-Kraenner ist einer der Bundesgeschäftsführer der DUH, ein Diplom-Biologe, der auch Philosophie und Öffentliches Recht studierte. Nach Tätigkeiten beim Deutschen Naturschutzring sitzt er im Beirat der Internationalen Klimaschutzinitiative der Bundesregierung und des Instituts für Ökosystemmanagement der Universität Eberswalde. 2007/08 lehrte er an der Hertie School of Governance unter anderen zum Thema „Internationale Energie- und Klimapolitik“, 2007 erschien auch ein Buch von ihm. Danach sind keine Veröffentlichungen oder Lehraufträge mehr bekannt, vermutlich nahm ihn die Tätigkeit des Geldeintreibens bei der DUH voll in Anspruch.

Nun, da wir in der energetischen Sackgasse sitzen, denkt er nicht über Ursachen nach, sondern entwickelt abstruse Ideen, die Einblick in seine zementierte Öko-Weltsicht offenlegen. Leute seines Kalibers sitzen heute in Ministerien und Institutionen. Wenn Minister Habeck Betriebsschließungen als Betriebsferien interpretiert, so ist das nur die Spitze des Eisbergs der Inkompetenz, die in stattlichen Stellen und NGOs, die inzwischen GOs sind, die Zügel in der Hand halten.

Zu vermuten ist, dass der Vorschlag Müller-Kraenners ernsthaft geprüft werden wird. Zunächst wird der hilflose Aktionismus täglich grüßender Verbrauchertipps weitergehen. Mein Vorschlag: Mehr sicher verfügbare Waschlappen als Reserve vorhalten.

 




Sievert oder Sauvignon – das Schweizer Endlager

von Manfred Haferburg

Die Geologie hat gesprochen und die Schweizer haben sie gehört.

„Die Geologie hat gesprochen. Es ist eine eindeutige Entscheidung.“, konstatiert die Schweizer Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra). Die Schweiz hat entschieden, dass das Endlager der Eidgenossen für hochradioaktiven Müll nahe der deutschen Grenze, direkt gegenüber der deutschen Gemeinde Hohentengen entstehen soll.

Das Herzstück für das Endlager sei der Opalinuston. Das Gebiet heißt in der Schweiz „Nördlich Lägern“ und liegt im Zürcher Unterland. Es handelt sich um ein hunderte Millionen Jahre altes, sehr dichtes Material, das entstehende Risse selbst schließt. Opalinuston besteht aus recht einheitlichen Tonen und Tonsteinen mit einzelnen Toneisensteingeoden-Lagen und schließt nach Ansicht von Experten radioaktiven Abfall langfristig am besten ein. „Falls sich beim Bau des Lagers oder im Lauf von Hunderttausenden Jahren durch Gesteinsverschiebungen Risse im Opalinuston bilden, würde dieser sie selbst wieder abdichten. Kommt der Opalinuston mit Wasser in Kontakt, quillt er auf und verschließt solche Risse“. Sagt die Schweizer Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle.

Ein Schweizer Endlager an der deutschen Grenze

Es gibt in der Schweiz mehrere Formationen mit Opalinuston. Warum wurde der Standort an der Grenze zu Deutschland gewählt? Die Schweizer Gesellschaft sagt, dass die Opalinuston-Schicht an der deutschen Grenze am dicksten sei und zudem sei der Abstand zu wasserführenden Schichten und zur Oberfläche größer als bei den anderen Standorten. In dem geplanten Endlager sollen die radioaktiven Abfälle aus Atomkraftwerken, Industrie und Forschung in hunderten Metern Tiefe eingebettet werden.

Der Bau des Lagers muss noch Genehmigungsverfahren durchlaufen und dürfte frühestens 2031 beginnen, die Einlagerung erst 2050.

Eine Verpackungsanlage für radioaktive Abfälle soll an dem jetzigen Zwischenlager in Würenlingen entstehen, weil dort bereits Bauten vorhanden seien, die genutzt werden können.

Bei vielen Menschen erzeugt der Begriff „Radioaktivität“ Unbehagen

Die von radioaktiven Stoffen ausgesandte ionisierende Strahlung wird häufig als bedrohlich empfunden, unabhängig davon, wie stark sie ist und woher sie stammt.

Wenn ich mir allerdings die Schutzmaßnahmen der Endlagerung ansehe, dann habe ich vor anderen Dingen Angst als vor Radioaktivität. Ich würde mich demzufolge vor einem Endlager in der Nähe meines Wohnortes weniger fürchten als vor Politikern, die glauben, dass sie die Gesetze der Physik und der Ökonomie per Beschluss im Bundestag ändern können.

Was geschieht mit dem hochradioaktiven Müll?

Die Sorgfalt beginnt mit der „Verpackung“ des Atommülls. Was nicht recycelt wird, verbrennt man in Drehrohröfen. Die Asche wird dann mit flüssigem Glas vermischt, das in Kupferzylindern erstarrt. Diese werden dicht verschweißt und kommen in wasserdichte Endlagergebinde, die ihrerseits dann im Endlager in 800 Meter tiefe Schächte weit unter dem Grundwasserspiegel in wasserdichte Tonzylinder eingebracht werden. Die einzelnen Gänge werden dann auch noch mit Ton verfüllt.

Diese Gesteinsformation gibt es unverändert seit 175 Millionen Jahren. Und obwohl auch die vielkolportierte Zeit der Endlagerung mit der Notwendigkeit der sicheren Einlagerung über einen Zeitraum von einer Million Jahren eine sinnlose Übertreibung ist, kann sie in diesen Gesteinsschichten gewährleistet werden.

Der deutsche Sonderweg der Endlagerung

Die Endlagersuche in Deutschland wird von der grünen Bewegung systematisch verunmöglicht und hinausgezögert. Dahinter steckt die Sorge, dass ihnen ihr wichtigstes Argument „Es gibt kein Endlager“ für den Atomausstieg abhandenkommt. Die Planungszeiträume für ein deutsches Endlager werden in Dekaden berechnet. Die Deutschen lagern derzeit die abgebrannten Brennelemente in Castorbehältern, die in gebunkerten Zwischenlagern aufgestellt sind.

Ich halte diese Lagerung allerdings für die derzeit weltweit beste Methode. Die abgebrannten Brennelemente enthalten nämlich noch 98 Prozent ihrer Energie, die mit den herkömmlichen Reaktoren nicht genutzt werden kann. Allerdings werden derzeit weltweit die neuen Reaktoren der Generation Vier entwickelt. Diese können diese nicht genutzte Energie in Strom und Wärme umwandeln. So steht in den Zwischenlagern so viel radioaktives Brennmaterial, dass mit den neuen Dual-Fluid-Reaktoren Deutschland für 350 Jahre mit Strom versorgt werden kann. In 15 Jahren spätestens steht diese Technologie zur Verfügung.

Echte Probleme überdecken künstliche Probleme

Zurzeit scheinen die Deutschen allerdings ganz andere Sorgen zu beschäftigen als mit einem künftigen Schweizer Endlager in Grenznähe. Der mediale Entrüstungssturm über die Schweizer Endlagerentscheidung hält sich offenbar noch in Grenzen. Das ZDF zeigte sich kurz und naturgemäß tief besorgt, allerdings wohl gegendert.

Die deutsche Strahlenangst ist eigentlich ein recht junges Phänomen. Bis in die Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts galt Radioaktivität in geringen Dosen als gesundheitsförderlich und der Schönheit dienend. Es gab sogar radioaktiv angereicherte Lebensmittel zu kaufen, zum Beispiel „Radiumbier in Flaschen“. Und es gab Kosmetika, radioaktive Gesichtscreme, radioaktive Zahnpasta und sogar radioaktive Kondome.

Der Prospekt des Radonbades in Menzenschwand (Schwarzwald) sagte noch bis vor Kurzem: „Zwei Quellen vom nahen Bachtal versorgen die Therme mit fluoridhaltigem Heilwasser (32°C. bis 37°C.) sowie das radonhaltige Heilwasser, das ausschließlich im Therapiebereich eingesetzt wird. Die Radontherapie wird seit vielen Jahren erfolgreich bei rheumatischen Erkrankungen und chronischen Schmerzen angewendet. Der örtliche Kurarzt verordnet die Radontherapie in Einzelwannenbädern“. 

Ich persönlich gehöre zu der Fraktion, die glaubt, dass radioaktive Strahlung in geringen Dosen eher gesundheitsförderlich als schädlich ist. Aber beweisen konnte das bisher noch niemand.

Verstrahlt – ist unsere Angst vor Strahlung rational?

Es gibt keinen Unterschied zwischen „natürlicher“ und „künstlicher“ Strahlung. Alles in unserer Welt ist radioaktiv – auch wir selbst. Unser Körper wird je Sekunde von 20.000 Strahlenteilchen getroffen, in Kurorten können es auch mal 100.000 sein.

Ohne Radioaktivität wäre kein höheres Leben möglich. Die Radioaktivität erzeugt 50 Prozent der Erdwärme. Ohne Radioaktivität gäbe es den Carbonat-Silikat-Zyklus nicht, den Thermostat unserer Welt als Voraussetzung für die Entwicklung von Leben.

Somit sind alle Menschen vollkommen „verstrahlt“. Jede Körperzelle enthält eine Million radioaktive Atome, jede Sekunde zerfallen 8.000 radioaktive Atome in unserem Körper – wenn wir so um 70 kg wiegen, sind das 8.000 Becquerel (Bq) –  bei Arnold Schwarzenegger könnten es sogar so um 12.000 Bq sein.

Sehen wir uns die Strahlenbelastung des Menschen, der wir auch ohne Endlager ausgesetzt sind, einmal an. Das sind in Deutschland durchschnittlich  2,4 Millisievert/Jahr.

Wo kommt nun unsere Strahlenbelastung her?

Ungefähr die Hälfte unserer Strahlenbelastung kommt von denen, die am meisten davor warnen, der Ärzteschaft.

• 45 Prozent Medizin: ein Ganzkörper-CT bringt so viel Strahlung wie 200-mal nach Tokyo fliegen.

• 30 Prozent Radon: ein Gas, das in unseren Kellern aus dem Gestein aufsteigt, sich dort gerne sammelt und beim Bierholen eingeatmet wird.

• 10 Prozent kosmisch: aus dem Weltraum einfliegende Teilchen, die es bis zur Erdoberfläche schaffen

• 14 Prozent terrestrisch: aus der Erde umherfliegende Teilchen

• 1 Prozent künstlich, alles zusammen: Tschernobyl, Atombombenversuche, Kernkraftwerke

Schon in Deutschland differiert die Strahlenbelastung sehr stark. Der durchschnittliche Wert variiert je nach Wohnort von 1 Millisievert (mSv) in der norddeutschen Tiefebene bis 10 mSv in gebirgigen Gegenden, z.B. der Eifel. Anderswo sind die Werte der menschlichen Strahlenbelastung 100-mal so hoch, ohne dass die dort lebenden Menschen irgendwelche Schäden erleiden. So beträgt die Strahlung in Brasilien, am Badestrand Guarapari 200 mSv, in Ramsar im Iran am sogenannten Schwarzen Stand 400 mSv. Das ist ganz nebenbei gesagt das Mehrfache der Strahlung, die in der Evakuierungszone um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima herrscht.

Nicht nur Kernkraftwerker oder Röntgenärzte sind leicht erhöhter Strahlung ausgesetzt. Piloten erhalten zusätzlich 1,2 Millisievert, wenn sie 600 Flugstunden/Jahr auf der Nord-Route fliegen. Raucher, die 20 Zigaretten pro Tag konsumieren, bekommen 14 mSv/Jahr zusätzlich ab. Ein Aufenthalt im Space Shuttle bestrahlt einen Astronauten mit ca. 200 Millisievert.

Sievert oder Sauvignon – die Dosis pro Zeiteinheit macht’s

Als letale Strahlendosis gelten fünf Sievert, die jemand in kurzer Zeit abbekommt. Dann wird er strahlenkrank und stirbt. Unterhalb von 0,2 Sievert sieht man nichts, auch kein Krebsrisiko. Der Mensch kann aber fünf Sievert über einen längeren Zeitraum verteilt abbekommen, ohne zu sterben oder zu erkranken.

Das ist wie mit dem Wein. Fünf Liter Sauvignon in wenigen Minuten gepichelt, würde man mit einer schweren Alkoholvergiftung vielleicht nicht überleben. 200 Liter Sauvignon über einige Jahre verteilt – wunderbar – und neben dem Genuss vielleicht sogar gesund.

Der Beitrag erschien zuerst bei ACHGUT hier




Entlastungspaketdesign

Heute erläutert der bekannte Entlastungspaketdesigner und Regierungsberater Jakob Ihrig-Raubach die Bedeutung von Entlastungspaketen als Element der erfolgreichen deutschen Energiewende.

von Jakob Ihrig-Raubach

Die Energieversorgung ist in Deutschland auf einem kritischen Weg! Völlig unerwartet ist jetzt nach dem Abschalten gesicherter Leistung -also von Kernkraft und Fossilen- plötzlich eine schwierige Situation eingetreten. Es gibt zu wenig Strom und die Preise steigen. Nun sollte man sich aber nicht durch reißerische Berichte in den meinungsbetreuenden Medien verwirren lassen. Bei der ansonsten bis ins Detail ausgearbeiteten und notwendigen Energiewende hin zum klimafreien Steckdosenstrom kann es natürlich immer zu Engpässen kommen. Dies wird auch durch einen breiten Konsens in der CO2 bewussten Bevölkerung so gesehen und nachhaltig getragen. Für die Beherrschung der möglichen, dann aber auf jeden Fall temporären Engpässe, liegen schließlich bereits Lösungsansätze auf den runden Tischen der zuständigen Ministerien, bzw. befinden sich diese bereits am Beginn der Anfangsphase der konzeptionellen Ausarbeitung.  Hierzu gibt es vor allem drei äußerst vielversprechende Stoßrichtungen:

Strombedarf als fluides Konstrukt begreifen

Der Strombedarf ist weniger eine physikalisch messbare Größe, als eher ein genderfluides Konstrukt, das eigentlich nur in der subjektiven Wahrnehmungswelt der überwiegend klimabewussten, grünurbanen Stromverbrauchseliten existiert. Hier sprechen wir vorwiegend über Haushalte mit Anschlußleistungen unterhalb 20 kW auf der 230 V Ebene.  Schon allein mit diesem psychomotorisch begründbaren Ansatz ließe sich der überwiegende Teil des vermutet physikalischen Strombedarfs wegdiskutieren. Schließlich gilt: Strom, der subjektiv nicht wahrgenommen wird, muss auch nicht erzeugt werden. Wie der Prenzlauer Bote berichtet, arbeitet das Potsdummer Institut für Klimaforschungsfolgen bereits an einem entsprechenden Papier, um diese Theorie in ein wissenschaftliches Licht zu rücken.

Restbedarfsbewirtschaftung durch gezielte Entlastungspakete

Es wird allerdings immer Bevölkerungsgruppen geben, die wissenschaftlich gesettelte Erkenntnisse negieren und erwarten, dass das Licht angeht, wenn der Schalter betätigt wird. Eine offene Gesellschaft muss auch solche Querleugner und Verschwörungsklimaretter mitnehmen. Herr Bundeskanzler Scholz hatte vor seiner letzten Amnesie bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass der Staat niemanden zurücklässt.  Dem Staat steht dazu ein umfangreiches Repertoire an planwirtschaftlichen Instrumenten zu Verfügung, die sich in den sozialistischen Wirtschaftssystemen des Ostens über Jahre bewährt hatten und alle paar Jahre wieder hervorgeholt werden, wenn es gilt, Wohlstand in der Bevölkerung auf breiter Front minimieren. Um den vorgeschlagenen Lösungsansatz zu verstehen, muss man allerdings zunächst etwas weiter ausholen:

Die Betrachtung der deutschen Energieprobleme aus rein technisch-physikalischer Sicht, d.h. Erzeugung und Verbrauch sind immer aufeinander abzustimmen, ist zu kurz gedacht. Nach den Gesetzen der Ökonomie führt ein knappes Gut zu hohen und bei besonderer Verknappung zu explodierenden Preisen. Das bedeutet im Rückschluss dann aber auch, dass man das Problem von zwei Seiten ansteuern kann. Entweder weniger grundlastfähige Kraftwerke stilllegen oder gar neu bauen ist die eine, die physikalische Scheibe der Medaille. Die andere ökonomische Scheibe hingegen lautet mehr und schneller Geld drucken!

Nicht der Strom ist knapp, sondern nur das Geld, um ihn zu bezahlen.

Geld wurde wahrscheinlich von den alten Phöniziern erfunden, aber wie man heute weiß, leider viel zu wenig. Und das ist der Punkt, an dem die moderne Makroökonomie ins Spiel kommt.  Besonders das auf ökomarxistische Planwirtschaft spezialisierte DIW hatte unter Prof. Kemfert in den letzten Jahren im Fachbereich erzeugungsfreie Energiewirtschaft hierzu bahnbrechende Arbeiten geleistet. Um die Energieknappheit zu lösen, muss der Staat nicht einmal unendlich viel Geld drucken, er muss nur schneller drucken, als die grundlastfähige Energieversorgung abgewickelt wird. Dann steht immer genug Geld zur Verfügung, um die explodierenden Preise zu bezahlen. In der Praxis muss man dieses Geld dann nur noch gezielt und punktgenau mit der Gießkanne verteilen. Hierzu dienen die Entlastungspakete. Jeder bekommt und hat genug Geld, um sich Strom zu kaufen. Ein simples aber effektives Prinzip, dass auch den Agora- und Greenpeace ´Energiefachspezialisten*Innen´ im Ministerium des erfahrenen Kinderbuchautors H. Beck einleuchtet.

 

Entlastungspaketdesign als Kernaufgabe der Berliner Ampel

Entlastungspaketdesign ist eine neue Forschungsrichtung, die neben Genderstudien und Klimatemperaturwandel zu den progressiven Future-Themen der Ampelregierung gehört. Entsprechend soll auch die Forschung auf diesem Gebiet durch ein multidimensional vernetztes Kompetenzcluster mit bundesweit strukturierten Akteuren aktiviert werden. Neben der Gründung diverser Fraunhofer Institute in Freiburg, Kassel und Bremen, soll ein Institut für Entlastungspaketdesign an der FU Berlin schon im Herbst eingerichtet werden. Hierbei stehen vor allem auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit basierende Ansätze im Vordergrund. Perspektivisch könnte am Ende eine Transformation der Gesellschaft weg von produktiver Wertschöpfung durch gewerbliche oder industrielle Arbeit mit all ihren unerwünschten Umweltbelastungen hin zur flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung mit Entlastungspaketen stehen. Jeder bekommt, alle bleiben zu Hause.  Zunächst soll mit den Entlastungspaketen aber vornehmlich das Energieproblem nachhaltig beseitigt werden.

 

Bilanzkreismanagement durch gezielte Einspeisung von Lastabwürfen als finales Rettungsnetz

Wenn weder die Fluidisierung des Strombedarfs noch die Versorgung mit Entlastungspaketen ausreichen steht ein weiteres Instrument zur Verfügung: Als finales Rettungsnetz könnte dann Bilanzkreismanagement durch gezielte Einspeisung von Lastabwürfen realisiert werden, wie eine grüne ´Fachfrau*mann´ für Netzstabilität kürzlich erläuterte.

Die nötigen Instrumente zum bedarfsorientierten Abschalt- und Verbrauchsmanagement sind also vorhanden. Was fehlt, ist nur das nötige Vertrauen in die Kreativität und Fähigkeiten der besten Ampelregierung, die wir in Berlin je hatten. Oder, um es mit den wohl gesetzten Worten unserer allseits beliebten Madame Trampolina zu sagen: „we should not always think in old boxes“!

 




Konfusion statt Kernfusion – Das Comeback der Kohle

Kohle statt Gas, lautet die jüngste Devise selbst der Grünen. Energiepolitikern flattern die Nerven. selten gab es so viele Kehrtwenden und Meinungsumschwünge wie dieser Tage. Fest im Glauben. dünn im Wissen und fernab der Realitäten zeigt sich die deutsche Energiepolitik

von Frank Hennig

Noch im vergangenen Jahr galt Erdgas als die saubere Brücke in die grüne Wunderwelt. Aber nicht nur Annalena Baerbock wachte am 24. Februar in einer anderen Welt auf. Die jahrelang gepriesene Brückentechnik Erdgas war im Tal harter globaler Realitäten versunken. Die Ampelregierung wird nun mit einer mehrdimensionalen Krise konfrontiert.

Gleichwohl hält es die Ampel für geboten, weiter am „idealerweise“ stattfindenden Kohleausstieg 2030 festzuhalten. Zunächst aber wollen zumindest einige Grüne die Kohle stärker nutzen, um Putin allenfalls auch mit einem Energie-Embargo drohen zu können. Es sei zwar „extrem bitter“, aber um sich von russischen Lieferungen unabhängiger zu machen, müsse Deutschland „die Kohlekraftwerke intensiver laufen lassen“, erklärte zum Beispiel Anton Hofreiter in der Talkshow Markus Lanz im April.

Mittel- bis langfristig stellt man sich vor, dass der Kohlestrom dann durch Windmühlen und Solaranlagen ersetzt werden kann. So sollen ab 2025 jährlich zehn Gigawatt (GW) installierter Leistung im Bereich Wind onshore gebaut werden. Der bisherige Spitzenwert lag 2017 bei 5,6 GW. Offshore betrug der Zubau 2021genau null, bis 2030 sollen fast vier GW jährlich dazukommen.

Wie das realisiert werden soll, steht indes in den Sternen. Die Industrie schwächelt. So haben die Turmbauer in Magdeburg und Fürstenwalde den Betrieb eingestellt, der Stahl ist zu teuer. Auch die Rotorblattfertigung in Lauch­ hammer und Rostock gibt es nicht mehr. Arbeitskosten und vor allem die Energiepreise sind im internationalen Wettbewerb nicht mehr darstellbar. Dazu passt die Bewertung der Wirtschaftsberatung EY, dass ausländische Investoren das Interesse an Deutsch­land verlören, während Frankreich und Großbritannien deutlich zulegten. Teure Energie, Bürokratie und immer weniger Fachpersonal seien die Gründe.

Kein Wunder, dass die Bestellungen für neue Windkraftanlagen angesichts dieser Schwierigkeiten zurückgehen. Die Ausschreibungsrunde im Mai er­brachte nur Gebote für 931 Megawatt (MW) bei einem Ausschreibungsvolu­men von 1320 MW.

Mittel- bis langfristig stellt man sich vor, dass der Kohlestrom dann durch Wind­ mühlen und Solaranlagen ersetzt werden kann

Das Klimaministerium erwägt nun staatliche Ausfallbürgschaften, um Betreiber-Insolvenzen zu vermeiden.„Die Anlagenbauer könnten so drauflosproduzieren“, sagt Oliver Krischer, bis vor kurzem einer der drei Parlamentarischen Staatssekretäre im Ministerium von Robert Habeck, jetzt Umweltminister in NRW Ein Traum wird wahr für die Branche.

Die Teile der Windkraftanlagen kommen künftig also ganz überwiegend aus dem Ausland, in Fragen der Abhängigkeit tauschen wir Russland gegen China aus. Immerhin entfallen dadurch hierzulande Produktion s-Emissionen. Wie groß die Rohstoff- und Materialmengen für den geplanten Zubau an Wind- und Solarstromanlagen sind und wo sie herkommen sollen, darüber hat sich offensichtlich noch niemand Gedanken gemacht.

Grüne Zwischenwelt

Die Aufforderung Robert Habecks nach dem Beginn des Ukraine-Krieges, nun „ohne Denkverbote zu denken“ – ein Eingeständnis, dass es vorher nicht so war -, führte zur unmittelbaren Reaktion seiner Parteifreundin Steffi Lemke (einer ausgebildeten Zootechnikerin). Kernkraft sei zu gefährlich, hielt die Umweltministerin dem Vizeka nzler das alte grüne Mantra entgegen. Dem alten Denken ist auch Habecks Staatssekretär Patrick Graichen noch verhaftet. Er fordert kommunale Unternehmen auf, schon jetzt den Rückbau der Gasnetze zu planen , denn 2045 seien alle Heizungen strombasiert.

Unterdessen läuft in Brandenburg das Projekt „Zukunftsnetz Nordwest“ zur Errichtung zweier Gas-Hochdruck­ leitungen. Zum einen soll das Heizkraftwerk Reuter-West in Berlin-Siemensstadt von Steinkohle auf Gas umgestellt werden, und zweitens sollen Gebäudeölheizungen durch Gasheizungen ersetzt werden – perspektivisch natürlich durch grünen Wasserstoff. Dass in Nordrhein-Westfalen gerade die Gashochdruckleitung ZEELINK gebaut wird, um den Übergang vom (künftig entfallenden) holländischen niederkalorischen L-Gas auf das höherwertige russische H-Gas zu realisieren. hat Graichen wohl auch nicht mitbekommen. 216 Kilometer soll ZEELINK lang werden, 100000 Tonnen Rohre werden dafür verbaut werden.

Die Grünen purzeln von der Erdgasbrücke. Da sie den Strom aus Erneuerbaren nicht herbeizaubern können, soll einstweilen Kohle, „kurzfristig“ sogar viel Kohle, genutzt werden. Die Sicherheitsbereitschaft der Braunkohlekraft­ werke, die 2023 ausgelaufen wäre, wird jetzt durch ein „Ersatzkraftwerke-Bereithaltungsgesetz“ abgelöst, flankiert von einem „Gasreduktionsgesetz“, um Gas nicht mehr für die Verstromung einsetzen zu müssen.

Kohle gegen Windstille, Kohle gegen Dunkelheit, Kohle statt Kernkraft, Kohle statt Gas. Aber ist es wirklich sinn­ voll, Kohlestrom für E-Mobilität und Wärmepumpen einzusetzen? Während andere Parteien zunehmend orientierungslos erscheinen, gehört den Grünen der Luftraum über der regenbogenfarbenen Parallelwelt.

Die FDP beschloss auf ihrem Parteitag im April 2022 immerhin eine Forderung nach Modifizierung der Ausstiegspläne bei Kernkraft und Kohle. Die FDP in Schleswig-Holstein will prüfen, ob das Kernkraftwerk Brokdorf wieder angefahren werden könnte. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) setzte sich zwar auf der Minis­ terpräsidentenkonferenz im Juni für eine längere Laufzeit der Kernkraftwerke ein. Sein Umweltminister Günther (Grüne) konterkarierte diese Aussage aber gleich wieder. In einer kruden Begründung verweist er auf Aussagen des IPCC, ohne die Empfehlung dieses Gremiums pro Kernkraft zu erwähnen.

Unterdessen arbeitet die Bürokratie unbeirrt weiter. Im November 2024 wird mit dem Kraftwerk Scholven Block B erstmals ein Kohleblock zwangsweise ohne Entschädigung stillgelegt. Mit großer Sicherheit wird er dann in die Netzreserve überführt werden. Warum legt man dann zwangsweise still?

Freudig begleiten die sogenannten Qualitätsmedien die Absicht der G7-Staaten, möglichst noch schneller aus der Kohle auszusteigen. Die zweite Seite der Medaille wird bewusst verdeckt. Diese zeigt, dass fünf der sieben Länder die Kernkraft weiter nutzen und überwiegend weiter ausbauen. Italien verfügt nur über vier Kohlekraftwerke, der Ausstieg dürfte ohne große Verwerfungen machbar sein. Dass Deutschland als einziges Land der G7 – und weltweit – zugleich aus Kernkraft und Kohle aussteigt, bleibt unerwähnt.

Mehr Kohle für den Staat

Ein verringertes Angebot an Strommarkt lässt die Preise steigen. Das Klimaministerium plant nun, ab 2023 auch eine C02-Bepreisung für die Müllverbrennung einzuführen. Da für die thermische Verwertung der nicht mehr recyclebaren Reste keine Alternative besteht, werden die Entsorgungspreise steigen.„Dem Klima“ wird es nicht helfen.

Der Weg zur Klimaneutralität werde Deutschland bis zu sechs Billionen Euro kosten, schätzten Experten des Beratungsunternehmens McKinsey bereits vor der jüngsten Preisrally. Das lässt die Kosten der Deutschen Einheit (knapp zwei Billionen Euro) in einem milden Licht erscheinen. Sondervermögen und Staatsbürgschaften werden dabei helfen. Und vielleicht bleibt ja eine schmale Hängebrücke fürs Gas. Aber erst einmal geht’s um die Kohle. •

 




Alt, arm und krank – Deutschland 2022

Wer wie Deutschland vorwiegend aussteigt, erlebt den Abstieg zwangsläufig und wird vom Vorreiter zum abschreckenden Beispiel, vom Exporteur zum Importeur und die Konjunktur wird zur Krise. Ein Land erkrankt, weil man sein Herz-Kreislauf-System, seine Energieversorgung, belastet und (zer-)stört. Es droht der Infarkt.

von Frank Hennig

Seit Jahren beharren unsere führenden Politiker darauf, dass wir in Sachen Energiewende Vorreiter seien. Sie haben Recht. Wir bewahren durch unser Tun viele andere Länder vor teuren Irrtümern. Wir treten auf die Minen, die Physik und Naturwissenschaften gelegt haben und von denen man hätte wissen können.

Wir sind das Beispiel, auf das mahnend verwiesen wird, wenn Strukturen und künftige Energiestrategien diskutiert werden. Präsident Macron warnte schon 2018, das deutsche Beispiel zeige, dass der Abschied von der Nuklearenergie eine Abhängigkeit von Kohle und Erdgas nach sich ziehe. Seitdem haben wir die Abhängigkeit nicht nur von der Kernkraft, auch von der Kohle auf Erdgas verlagert.

Kein anderes Land verfuhr wie wir. „Wir brauchen keine Nazis und keine braune Kohle“ tönte es von gehätschelten, aber mangelhaft gebildeten jungen Leuten. Heute ruft Anton Hofreiter von den Grünen nach brauner Kohle. Ist das Einsicht? Nein, es ist die blanke Verzweiflung. Die Energiewende hat bereits das Stadium erreicht, in dem Schuldige gesucht werden. Habeck beschuldigt Merkel, Trittin die CDU, das DIW eine fossile Lobby, die es nicht gibt. Nur die Grünen bleiben seltsam in einer Zwischenwelt, die sich niemand von der politischen Konkurrenz robust zu betreten wagt.

Freund Wladimir

Die deutsche Energiewende hat einen treuen Freund im Hintergrund: Wladimir Putin. Wohlwollend konnte er zusehen, wie Deutschland seine eigenen Energierohstoffe abschaffte, wie es alle anderen Sicherungsleinen ausklinkte, nur die mit dem Erdgas nicht. Als dann Deutschland und die NATO in Afghanistan kapitulierten, sah er die Zeit für die Umsetzung seiner Großmachtambitionen gekommen. Nun führt er einen Wirtschaftskrieg gegen uns. Vergessen wird, dass wir seit Jahren selbst einen Wirtschaftskrieg gegen unser eigenes Land führen. Hass und Hetze bauten sich auf gegen heimische Energierohstoffe und Technologien.

Die Braunkohle als langfristig kalkulierbarer und sicherer Bodenschatz wurde zum „Dreck“ und zum Lieblingsbösewicht der linksgrünen Erweckungsbewegung. Ehemals Konservative hielten sich zurück aus purer Angst, in die Ecke der „Klimaleugner“ geschoben zu werden.

Der Abstieg begann allerdings schon vor dem Krieg, schon vor Corona. Der Rückzug der Industrie hat eingesetzt, ihr Pulsschlag wird schwächer. Akut bedroht ist die GMB Glasmanufaktur Brandenburg in Tschernitz, der letzte verbliebene Solarglasproduzent in Europa. Die Ausrufung der Gas-Alarmstufe jagte vor Ort den Puls nach oben. Bei akutem Gasmangel müsste die Schmelzwanne innerhalb von 30 Tagen herunter gefahren werden, das Hochheizen der kalten Wanne würde 18 Monate dauern. 300 Arbeitsplätze sind in Gefahr und natürlich die hochfliegenden Osterpaket-Ziele des Klimawunder-Ministeriums. Wer in unserer CO2-zentrierten Weltsicht glaubt, die geringeren Emissionen seien wenigstens gut fürs Klima, der irrt. Mit 0,15 Tonnen CO2 pro 1.000 Dollar Bruttoinlandsprodukt gehören wir (noch) zur Weltspitze. In den USA sind es 0,25 Tonnen, in China 0,50.

Es gibt kaum mehr einen Grund, in Deutschland zu investieren. Die Unternehmensberater von Ernst & Young konstatieren ein sinkendes Interesse von ausländischen Investoren am kränkelnden Deutschland. Der grüne Ansatz der „angebotsorientierten Versorgung“ wird auch dort wahrgenommen. Weder das Lieferkettensorfaltspflichtgesetz noch drohende willkürliche Übergewinnsteuern werden als Einladung verstanden.

Die Demografie raubt die Fach- und Abwehrkräfte. Die Arbeitskosten für die knapper werdenden Pfiffigen und manuell Geschickten steigen. Einen Schaltschrank zu verdrahten ist deutlich lukrativer, als seinen Namen zu tanzen (es sei denn, man kommt im Staatsapparat unter). Erstmals seit 1991 weist unser Land eine negative Handelsbilanz auf. Damals gab es noch heimische Steinkohle, einen vereinigungsbedingten Nachfrageboom, eine weltweit bewunderte Autoproduktion, keine Subventionen für teils unausgereifte Autos und auch keine Technologieverbote. Der Markt regelte Angebot und Nachfrage. Befristete Geldabwürfe wie für ein 9-Euro-Ticket, einen zweifelhaften Tankrabatt oder einmalige zu versteuernde Hilfszahlungen an Arbeitnehmer gab es nicht und hätte es unter der damaligen Regierung auch nicht gegeben, denn Placebos helfen nicht.

Schneller bergab

Wir haben heute das Gegenteil von Nachfrage, die Verbraucher waren selten so pessimistisch und geizig wie heute. Es geht an die Substanz. Dazu kommen die Inflation, maßgeblich von der EZB unter deutscher Duldung verursacht, und ein immer schwächerer Euro. Gegenüber dem US-Dollar, dem Britischen Pfund, dem Schweizer Franken und selbst dem Rubel hat sein Wert abgenommen. „Stark wie die Mark“ ist Geschichte, der Euro wird zu einer Weichwährung, einer europäischen Lira. Das hilft beim Export, bei zu importierenden Energierohstoffen ist es blankes Gift. Der Wert deutscher Aktien ist auf einem Allzeittief.

Während jeder mit schmalerem Budget klarkommen muss, kleben sich Wohlstandsverwahrloste auf Straßen fest und sorgen für eine Gefäßverengung der Verkehrsadern. Der Vernunftausstieg hat Fahrt aufgenommen. Die Realitätsverweigerung der Regierung nimmt bizarre Formen an. Anstatt den Atomausstiegsbeschluss von 2011 dem Realitätscheck zu unterziehen und den Kohleausstieg wenigstens zu stoppen, wagt man im Koalitionsvertrag mehr Rückschritt. Obwohl der dort genannte beschleunigte Bau neuer Gaskraftwerke nicht kommen wird, hält man starrsinnig am Kohleausstiegstermin 2030 fest. Der Atomausstieg als Fundament grüner Ideologie wird nicht angetastet und von den etablierten Parteien unterwürfig akzeptiert. Ein krankes Land wird auf Diät gesetzt.

Postindustriell arm

Dieser Kurs lässt sich beibehalten, wenn nur genug Großindustrie verschwindet und Wirtschaft schrumpft. Dann könnte die energiearm-vegane Wirtschaftsweise funktionieren. Die postindustrielle Gesellschaft ist das Ziel der Grünen. Ohne Kernkraft, dafür mit kohlebetriebenen Ersatzkraftwerken werden wir die „Klimaziele“ allerdings nicht erreichen. Das geht nur mit weniger Industrieemissionen.

Wie retten wir wirtschaftliche Gesundheit und realen Wohlstand? Der Export der Gendertechnologie wird nicht helfen. Früher für Wirtschaftskompetenz bekannte Parteien folgen dem gegenwärtigen Kurs. Vermutlich haben sie keine Zeit, sich mit diesen Problemen zu befassen. Die CDU grübelt über die Quote, die FDP über südländische Kofferträger an unseren Flughäfen.

In der aktuellen Energiewendediskussion mangelt es akut an physikalischer Hygiene. Das mag mit der Bildungsmisere unter Politikern zusammenhängen („negativer Wissensvorsprung“), vor allem aber hat nicht immer der politische Gegner Schuld, wenn etwas nicht gelingt.

„Die Energiewende hat nur einen einzigen Feind: Die Unwissenheit über die physikalischen Gesetze, die ihr zugrunde liegen“

sagte Professor Sigismund Kobe schon vor Jahren.

Unterdessen stellen die „Erneuerbaren“ ihre Unfähigkeit zur Versorgung jeden Monat von neuem unter Beweis. Bei fast 65.000 Megawatt (MW) installierter Windleistung kamen im Juni durchschnittlich nur 7.880 MW von den Propellern, ganze 15 Prozent des theoretisch Möglichen. Im Minimum ging die Leistung sogar bis auf 564 MW herunter – der Leistung eines mittleren Kohlekraftwerks. Im Maximum wurden 40 Prozent oder 23.700 MW erreicht, für nur knapp zwei Stunden dieses Monats.

Und die Sonne? Über die Mittagszeit powert sie kräftig, nachmittags fahren dann auch die Gaskraftwerke hoch und gleichen aus. An vielen Tagen kippt der Stromexport zum –import. Nun scheint sie jeden Tag etwas weniger und für die Saga von der katastrophalen Erderhitzung wird sich im kommenden Winter die Bevölkerung kaum erwärmen. Sie wird froh sein über jedes Grad statistischer Abweichung nach oben, sonst kommt der Schüttelfrost bei abgesenkter Raumtemperatur und dem Blick aufs Monatsbudget.

Es droht ein multiples Organversagen. Wir sind darauf nicht vorbereitet.