Vorwärts zu Mangel und Armut

Eine korrupte Oberschicht, die das herrschende Narrativ beschützt, hat nirgendwo auf der Welt Schwierigkeiten mit knappen Ressourcen, Strompreisen oder dem eigenen CO2-Ausstoß. Nur darf die Gruppe natürlich nicht zu groß sein für die energetische Arche, sonst geht die Reise schief. Die meisten müssen über Bord gehen.

von Roger Letsch

Bevor es im politischen Theater zur Sache geht, kommt immer erst die Binse. Sie kann ruhig mehrere Seiten lang sein und muss nicht aus der eigenen Feder stammen. Wichtig ist lediglich, dass sie das gültige Narrativ bekräftigt. Etwa dass der Sozialismus siegt, Ozeanien schon immer mit Ostasien im Krieg war oder dass der Klimawandel ein großes – ach was, ein ernsthaftes… was rede ich, das größte – Problem sei und wir alle, die Menschheit, mehr noch die Europäer und am allermeisten die Deutschen Schuld an überhaupt allem tragen. Auch die Betrachtungen des Deutschlandfunks zu einer schrägen Studie eines unbedeutenden englischen Soziologieprofessors aus Leeds haben diese unvermeidliche Präambel.

„Dass der Klimawandel ein ernsthaftes Problem ist, darüber herrscht in Europa weitgehend Einigkeit. Die Menschheit muss ihren Energiebedarf senken, um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Allen vorweg: die Menschen in den Industrienationen. Das bedeutet, den Lebensstil ändern – weniger Auto fahren, weniger Fliegen, weniger Strom verbrauchen zum Beispiel.“

Haben Sie es bemerkt, Liebe Leser? Die Präambel, die wir in unterschiedlicher Form täglich auf allen Kanälen bis zur Ermattung der Skepsis ums Maul geschmiert bekommen, fiel gerade erstaunlich kurz aus. Ein Satz muss genügen, um die gewünschte Schläfrigkeit zu erzeugen. Doch was danach kommt, dieses „muss“ der Senkung unseres Energiebedarfs, steht mitnichten in den Klimazielen des Pariser Abkommens. Da ist lediglich von Beschränken (Anstieg der Durchschnittstemperatur), Senken (der Emissionen) und Lenken (Geld, was denn sonst) die Rede. Die im ersten Satz unterstellte Einigkeit soll uns jedoch zustimmend nickend über die Schwelle tragen, dass alles genau so geschehen muss mit Auto, Fliegen, Strom und dem ganzen Rest.

Endlich geht es den „Reichen“ an den Kragen!

„Ja aber“ denkt da vielleicht der überraschte Leser. „Die werden doch nicht … die können doch nicht … die haben doch Lösungen! Erneuerbare vor! Deshalb machen wir das hier doch alles!“ Die kurze Antwort lautet: Sie werden, sie können! Und die Lösungen sind nicht für euch viele da draußen gedacht, die ihr Auto fahrt, in den Urlaub fliegt und frech Strom verbraucht. Natürlich müsst ihr alle mitmachen, aber die neue, energiegewendete Welt ohne CO2 reicht leider nicht für alle. Doch da ist Trost.

Dieser DLF-Artikel, liebe Skeptiker, Taxifahrer, Berufspendler, Schichtarbeiter, Häuschen-im-Grünen-Abstotterer und Gebrauchtwagenkäufer, dieser Artikel ist für euch! Zwar geht euch angesichts der Energiekosten und der bevorstehenden Heizungskatarsis langsam ein Licht auf (LED, versteht sich), wohin die Reise geht, doch der englische Professor und nun auch der DLF sind diesmal nicht hinter euch her, sondern hinter dem unverschämt großen Fußabdruck der „Reichen“ und deren fadenscheinigen Rechtfertigungen. Und wer kann als gebeutelter Steuerzahler schon etwas dagegen haben, dass es denen endlich auch an den Kragen geht!

Ziel der Studie war es übrigens „…die Durchführbarkeit und Fairness von politischen Optionen zur Reduzierung des hohen Energieverbrauchs zu untersuchen“. Mir stellen sich da gleich zu Beginn folgende Fragen: Was ist hoch, was ist fair und zuallererst: Was ist reich? Die denkbar kleine Stichprobe von 30 Probanden wurde mit gekauften Marketingadressen in den „besseren Vierteln“ im urbanen englischen Raum rekrutiert, also mal direkt in jenem Umfeld, in dem sich die grüne Weltretterklientel wie der Mao’sche Fisch im revolutionären Wasser bewegt: brauchbarer ÖPNV, moderne Wohnsubstanz, Zentrumsnähe. 20 der Probanden wiesen „hohe monatliche Stromrechnungen“ und mehr als 16.000 km Autofahrten pro Jahr auf. „Hoch“ definiert man mit mehr als 120 Pfund, was im zugrundeliegenden Rechnungsjahr (2019/2020) etwa 140 Euro entsprach. Das ist zwar kaum Upperclass, sondern eher solider Mittelstand, aber das nur nebenbei. Fünf Haushalte hatten Stromrechnungen über 160 Pfund und fünf weitere hatten mehr als drei Autos, fuhren mehr als 24.000 km und waren auch noch Vielflieger.

Seht euch nur diesen Fußabdruck an!

Zumindest ein Drittel der Probanden gehörte beim Energieverbrauch also zu den oberen zehn Prozent im Land. Für Professoren an britischen Unis liegt das durchschnittliche Jahressalär übrigens bei 87.000 Pfund, was mehr als das Doppelte des BIP per Capita im Königreich ist. 160 Pfund für Strom im Monat ist also auch für Emittenten vom Kaliber Noel Cass weit unterhalb der Schmerzgrenze. Zumindest 2019/20, als der Strompreis in Großbritannien noch etwa ein Drittel unter dem deutschen lag. Für die sektorgekoppelte deutsche Energieversorgung der Zukunft klingt 180 Euro allerdings noch wie ein süßes Versprechen aus einer Utopie mit Trittinschen Eiskugeln. Demnächst heißt es eher: „Komm mit mir ins Wärmepumpenland, der Strompreis kostet den Verstand.“ Doch schlimm genug, so die Studie, was die reichen Briten 2020 sorglos trieben:

„Die Menschen haben über ihren Lebensstil gesprochen, als wäre es völlig normal und als würde es jeder tun. Das hat uns sehr interessiert, weil es zeigt, wie Menschen ihren Lebensstil rechtfertigen.“ 

Wir lernen: Mangel zwingt zur Sparsamkeit, Wohlstand nicht. Hätten Sie’s gewusst? Wer Sparsamkeit will, muss Mangel erzeugen – und wer will bestreiten, dass wir da gerade auf einem guten Weg sind! Die befragten englischen Klimasünder nehmen ihre moralisch verwerfliche Klimabilanz indes mit Ironie, Humor und Gleichgültigkeit, und die Studie listet süffisant und scharf kategorisiert auf, was da an falschen Antworten (alles außer „mea maxima culpa“) zu hören ist. Da gebe es die Umleitung von Verantwortung (Whataboutismus, Individualismus und Trittbrettfahrerei), die Nachteile des Klimaschutzes würden betont, es herrschte technologischer Optimismus (How dare you!), und einige halten Veränderungen für gänzlich unmöglich. Manche glaubten sogar, der abverlangte Verzicht bedeute in Konsequenz, die Menschheit gehe „zurück in die Höhlen“. Die Dinge auch mal bis zum bitteren Ende zu denken, ist eine Angewohnheit, die sehr eng mit dem englischen Humor verbunden zu sein scheint. Ich möchte meine Leser nicht mit den Einzelheiten dieses Generalbashings langweilen. Die Schlussfolgerung der Studie fällt jedenfalls, wie erwartet, deutlich aus und scheint dem DLF sehr zu gefallen:

„Menschen mit hohem Energieverbrauch werden möglicherweise niemals freiwillig auf Informationen, Ermahnungen und Appelle an Eigeninteresse reagieren, heißt es in der Studie. Deswegen halten die Wissenschaftler „stärkere staatliche Maßnahmen“ für erforderlich, auch solche, die in die „Wahlfreiheit der Verbraucher“ eingreifen.“

Klimaretter fliegen netter

Kleiner Einschub: Für alle, denen beim Lesen dieser Stelle im DLF-Artikel vor Schreck oder Empörung der Porscheschlüssel aus der Hand gefallen war, hat das DLF an dieser Stelle den Artikel „Der Klimawandel – eine Ungerechtigkeit“ mitsamt Foto von der Flutkatastrophe im Ahrtal eingeblendet. Die war zwar nicht dem Klimawandel oder den Reichen, sondern totalem politischen Versagen zuzuschreiben, aber wer weiß das schon noch. Immer schön hochhalten, die Hostie!

Es ist eine Kulturkonstante, dass Wohlstand zu mehr Konsum und damit auch zu höherem Energieverbrauch führt. Der Wunsch, sich „nach oben“ zu schuften, es einmal besser zu haben, den Kindern einen besseren Start ins Leben zu geben, zu sparen oder zu investieren… all diese Entwicklung treibenden menschlichen Aktivitäten setzen Legalität voraus. Schafft man diese Triebfeder ab oder entwertet sie durch einen moralischen Pranger, setzt man die Hauptproduktivkraft des Menschen schachmatt. Solche Versuche beginnen mit Ideen, die zu Worten werden, münden in Gewalt und enden in allerlei sozialistisch-kommunistischen Experimenten, in denen es dann über kurz oder lang allen gleich geht. Gleich schlecht.

Allen? Nicht allen! Durchstöbert man in der Studie die Fragen nach Antworten, die alle von einem Mangel an Flugscham, SUV-Scham und Enerieverbrauchscham zeugen, vermisst man eine Gruppe von „Menschen mit hohem Energieverbrauch“. Denn offensichtlich ist man in der Studie keinem Klimaaktivisten begegnet, der in den letzten Jahren Ägypten, Schottland, Spanien, Polen, Marokko, Frankreich, Peru, Qatar, Südafrika, Mexiko und Indonesien bereist hat. Was wie das Blättern im TUI-Katalog klingt, sind einige der letzten Tagungsorte des COP-Klimawanderzirkus, und die entsprechende entschuldigende Antwort hätte lauten müssen „Die Klimakonferenz COP28 ist in Dubai, da muss ich einfach fliegen! Und diese Privatjets, die sind ja gebaut, also warum soll man die nicht nutzen.“

Die Vielfliegerei in Privatjets im Dienste der Klimarettung ist im Sündenregister nicht verzeichnet und solches Treiben im Namen der Planetenrettung opportun, und wird es für immer und ewig bleiben. Praktisch auch, dass es nicht das persönliche CO2-Konto ist, das mit Miles & More gekoppelt wird, sondern das von Parteien, NGOs, ESG-konformen Firmen oder Regierungen. Den gewöhnlichen „Reichen“ wurden von der Partei des Klimaproletariats und seiner Media-Science-Claque schon mal die Instrumente gezeigt, verbunden mit der freundlichen Aufforderung, zu wählen. Reich bleiben und auf die andere Seite der Macht wechseln, um dort das Hohe Lied vom bösen CO2 zu singen. Oder genauso wie alle anderen mit zerstochenen Reifen im Klimapunktesystem landen, wo Dollar, Pfund, Euro und Gold keine gültigen Zahlungsmittel sind und nicht Verdienst, Laune oder Laster über Konsum, Kultur und Kunst entscheiden, sondern das zugeteilte CO2-Budget.

Widerstand?

Es gäbe noch eine dritte Möglichkeit, doch die ist einfach zu utopisch. Man könnte den Kampf aufnehmen, auch wenn man selbst scheinbar nicht unmittelbar von Inflation, Energieknappheit und Verboten betroffen ist.

Man könnte darauf hinweisen, dass es so etwas wie ein reiches Land mit knapper elektrischer Energie nicht gibt. Die Korrelation von Pro-Kopf-Einkommen und verfügbarer Energie ist einfach zu offensichtlich. Der in Deutschland, Großbritannien und weiten Teilen des Westens eingeschlagene Weg führt zu offensichtlich in die Energiemangelwirtschaft. Man könnte die Klimaretter und die Politiker fragen, wer in Großbritannien, in Deutschland und in allen anderen Industrienationen eigentlich die Steuern zahlt und den Wohlstand erwirtschaftet, den sie mit so großen Schubkarren verteilen oder wegwerfen möchten. All das könnte man tun, um den überall ins Kraut schießenden neo-planwirtschaftlichen Möchtegerns in die Parade zu fahren und vom eigenen Wohlstand – sei er erarbeitet oder ererbt – zu retten, was zu retten ist.

Kann das gelingen? Daran habe ich im Zeitalter der lähmenden Klimabinse so meine Zweifel. Um ein historisches Bild zu bemühen, erweckt derzeit alles ab obere Mittelschicht bei mir den Eindruck des französischen Adels im ausgehenden 18. Jahrhundert, als man die Axt nicht sehen wollte, die an die Gesellschaft gelegt wurde. Man genoss die hochfahrenden Reden der Philosophen in den Salons und die revolutionären Theaterstücke, weil man annahm, dass all dies nur gesprochen, nur geschrieben, nur gespielt sei und keine Folgen habe. Ich doch nicht! Mir doch nicht! Die doch nicht! Heute doch nicht! Man starb als Archetyp in der Theaterszene und applaudierte dem Tod in persona im Publikum. Doch schnell wurde aus dem Ruf nach Gleichheit vor dem Gesetz der Schrei nach Gleichheit der Vermögen, und weder der Applaus noch die Gleichgültigkeit von gestern sorgten für mildernde Umstände. Ein jeder mag in seiner Wirklichkeit erforschen, vor welchen der eigenen Lebensrealitäten die Klima-Guillotine der Neuzeit halt machen, welchen Reichtum sie tolerieren und welche Ausrede sie gelten lassen würde. Ein kaputter Rücken als Ausrede für den SUV? Netter Versuch! Für solche Extravaganzen reicht Ihre Stellung im System leider nicht aus.

In 25 Ländern liegt der Anteil der Menschen, die überhaupt Zugang zu Elektrizität haben, noch unter 50 Prozent. Bei 23 weiteren liegt er noch unter 75 Prozent. Im Tschad liegt der Wert sogar nur bei 11 Prozent. Alle diese Länder versammeln sich energetisch unter der Armutslinie, und weder Sonne noch Wind werden daran etwas ändern. Natürlich gibt es auch dort Wohlstand und in unserem Sinne „reiche Leute“. Eine korrupte Oberschicht, die das herrschende Narrativ beschützt, hat nirgendwo auf der Welt Schwierigkeiten mit knappen Ressourcen, Strompreisen oder dem eigenen CO2-Ausstoß. Nur darf die Gruppe natürlich nicht zu groß sein für die energetische Arche, sonst geht die Reise schief.

Was sich die bisher offenbar nicht vom Klimawahn betroffenen „Reichen“ fragen sollten, ist, ob sie tatsächlich einen Platz im Rettungsboot sicher haben, oder, nachdem das Schiff (in diesem Fall Deutschland) dank der Unfähigkeit des Kapitäns auf Grund gelaufen ist, mit der Plebs auf einem Floß der Medusa sitzen, wenn die Schleppleinen gekappt werden. Ob 180 Euro Stromrechnung im Monat und 16.000 km im Jahr für Sie nun viel oder wenig sein mögen, liebe Leser, für die meisten von uns wird gelten, was einst George Carlin sagte: “It’s a big club and you ain’t in it!“

 

Roger Letsch, Baujahr 1967, aufgewachsen in Sachsen-Anhalt, als dieses noch in der DDR lag und nicht so hieß. Lebt in der Nähe von und arbeitet in Hannover als Webdesigner, Fotograf und Texter. Dieser Beitrag erschien zuerst auf seinem Blog Unbesorgt.

 




Haferburgs großer Kernkraft-Countdown …Das Ende

Der letzte Tag Kernkraft in Deutschland: Eine Kugel Eis. Unser Autor Manfred Haferburg nimmt auf seine Weise Abschied.

von Manfred Haferburg

Ich möchte diesen letzten Beitrag zum Countdown mit einem afrikanischen Märchen einleiten, das ich irgendwo gehört habe, das aber noch nicht einmal die künstliche Intelligenz der Suchmaschine Bing im Netz finden konnte. Seither zweifle ich, ob künstliche Intelligenz nicht qualitätsmäßig so etwas ist wie Telefonsex.

Also erzähle ich die Geschichte aus dem Gedächtnis und erfinde einfach die Namen der Protagonisten nach meiner Fantasie. Mir ist bewusst, dass dies als kulturelle Aneignung missverstanden werden wird. Ich weigere mich trotzdem, den aus Diktaturen überkommenen Disclaimer voranzuschicken, dass ich es gar nicht so gemeint habe, sondern so, wie es die Missversteher für richtig halten. Ich habe es so gemeint, wie ich es gemeint habe.

Die Geschichte geht so:

Das Volk der Kijinga lebte in der großen Savanne von der Rinderzucht. Doch den Rindern ging es schlecht, sie waren abgemagert, weil sie kein frisches Gras mehr fanden. Es hatte seit zwei Jahren nicht geregnet, der Fluss war eine ausgetrocknete Gesteinshalde. Das war schon öfter passiert, aber diesmal schien es besonders schlimm zu sein. Alle Gebete und Zauber des Schamanen hatten nicht geholfen. Und zur letzten Wasserstelle war es fünf Stunden weit zu gehen.

Kiswahili, die Enkeltochter des Schamanen Mkuu wa Kijani, ging jeden Tag mit dem alten Kanister auf dem Kopf zur Wasserstelle, um Wasser für die Familie zu holen. Sie war ein seltsames Mädchen, sah oft seltsame Dinge, die andere nicht sahen, und seit der Trockenheit war sie nicht mehr in die Dorfschule gegangen.

Am Wasserloch angekommen, füllte sie ihren Kanister, als sie plötzlich im trüben Wasser ein Gesicht erblickte. Das sprach zu ihr: „Kiswahili, willst du, dass es regnet?“ Kiswahili nickte, das heißt, sie schüttelte den Kopf, weil bei den Kijinga das Nicken ein Kopfschütteln ist. Das Gesicht sprach weiter: „Willst du meinen Rat, wie alles ganz einfach wieder gut wird und es den Kijinga wieder herrlich gut geht?“ Die heiße Sonne brannte so heiß auf Kiswahilis Kopf, dass er weh tat. Kiswahili fragte: „Wer bist du?“. Das Wasser kräuselte sich, und das Gesicht sagte: „ich bin Swahili, der Gott aller Wasser. Und ich sage dir, es wird alles gut, wenn die Kijinga ihre Sünden büßen. Es gibt keinen anderen Weg“ 

Kiswahili sagte: „Wir sind einfache Leute. Was haben wir denn für Sünden getan?“ Wieder kräuselte sich das Wasser: „Ihr trinkt Wasser. Eure Rinder trinken Wasser. Das ist Sünde. Große Sünde. Die Savanne trocknet aus wegen Euch. Damit es wieder regnet, müsst ihr dafür büßen. Ihr müsst alle eure Rinder schlachten. Wirklich alle. Dann kommt der große Regen und die Götter werden Euch noch viel mehr Rinder schenken, dass es euch fürderhin gut gehe“. Das Wasser kräuselte sich, und das Gesicht verschwand. 

Im Kral angekommen, erzählte Kiswahili ihrem Onkel, dem Kijinga-Schamanen Mkuu wa Kijani, was sie gesehen hatte. Mkuu wa Kijani war tief ergriffen. Seine Nichte war eine Heilsbringerin, wie wunderbar für ihn und seine Position als Schamane der Kijinga. Sogleich verbreitete er die Nachricht unter den Kijinga. Einige erschraken so, dass sie an diesem Tag nichts mehr trinken wollten und Kopfschmerzen bekamen. Einer, der am Dorfrand wohnte und Asiyeamini hieß, sagte: „Was ist denn das für ein Unfug? Wo sollen denn die Rinder herkommen, wenn wir alle geschlachtet haben?“ Da wurde Mkuu wa Kijani ganz böse und führte die Dorfbewohner mit Knüppeln und Sensen vor die Hütte von Asiyeamini, auf dass sie ihn Mores lehrten. Asiyeamini wurde ordentlich verprügelt und seine Hütte niedergebrannt.

Tags darauf gab es ein großes Schlachtfest und die Kijinga stopften sich ein paar Tage die Bäuche voll, bis das viele Rindfleisch unter der Sonne stank und verbrannt werden musste. Mkuu wa Kijani hatte Regen angekündigt und alle warteten gespannt auf den Regen und die neuen Herden.

Und wenn sie nicht verhungert sind, dann warten sie noch heute.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leser. Als ich diese Geschichte hörte, fiel mir gleich Greta Thunberg ein (deshalb habe ich auch den Namen Kiswahili ausgewählt) und als Schamanen-Onkel fiel mir Eiskugel-Trittin ein (deshalb habe ich ja auch diesen seinen Namen Mkuu wa Kijani ausgewählt). So wie die Kijinga (deshalb habe ich ja den Namen Kijinga so ausgewählt) sich von einem seltsamen Mädchen verführen ließen, unterstützt von einem selbstsüchtigen fanatischen Onkel, ihre Lebensgrundlage zu zerstören, so lassen sich die Deutschen auch verführen, ihre alten Brunnen zuzuschütten, bevor die neuen Brunnen genügend Wasser geben. Deshalb sind sie auch hasa wajinga wajinga wajinga. Das ist auch Swahili und heißt Mambo – plemplem, oder besser „besonders dumme Dumme“.

In meiner Geschichte steht nicht, was die Kijinga mit dem Mädchen Kiswahili und dem Schamanen Mkuu wa Kijani gemacht haben, als sie merkten, dass sie Betrügern aufgesessen sind. Warum? Weil die Deutschen inzwischen auch gemerkt haben müssten, dass das mit der Kugel Eis nicht stimmte und sich Mkuu wa Kijani-Trittin trotzdem unbehelligt im Land der Geprellten bewegen kann.

Heute Abend um 24:00 Uhr ist es so weit, die Rinder werden geschlachtet. Dann warten die hasa wajinga wajinga wajinga auf den ständigen Sonnenschein und den mit 5 Bf konstanten Wind. Das ist komplett Mambo.

Der Beitrag erschien zuerst bei ACHGUT hier

 




Die gelbe Verwandlung

Für die FDP gilt: Wer zu spät kommt, ist im höchsten Maße unglaubwürdig. Wenn Leute wie MdB Lukas Köhler künftig das Sagen in der Partei haben werden, spielen Apotheker garantiert keine Rolle mehr. Da helfen auch situativ erstellte Grundsatzpapiere nicht.

von Frank Hennig

Das Gelb der FDP signalisierte früher die Vertretung von Interessen, vor allem des Mittelstands, der Selbständigen, der Leistungsträger, der Besserverdiener. Die Verkürzung auf eine „Apothekerpartei“ schadete nicht, denn man wusste, was der Kern war. Mit der Farbe Magenta wurde aus „Raider“ dann „Twix“, aber im Gegensatz zu den Schokoriegeln änderte sich auch der Inhalt. Sanftes Gleiten auf der Klimawelle ist seitdem angesagt und der Ansatz, eine nationale Klimamarktwirtschaft zu etablieren, wird scheitern. So wie man globale Probleme nicht national lösen kann, ist es nicht möglich, den globalen Kapitalismus von Deutschland aus „klimagerecht“ zu reformieren. Falls das überhaupt nötig sein sollte, denn die saubersten Industrien stehen in den hoch entwickelten Industrieländern und dass eine globale Erwärmung unser größtes Problem sei, erzählen uns Klima-Apokalyptiker.

Früher war die FDP auch Partei des Sachverstandes und nachvollziehbarer Entscheidungen. Heute verirrt sich die Partei in Ampelpolitik und hat noch nicht bemerkt, dass Gelb schon immer die kürzeste Phase an einer Ampel war.

In einem aktuellen Grundsatzpapier fordert die FDP nun, die nach dem 15. April abgeschalteten drei Kernkraftwerke in „betriebsbereitem“ Zustand zu halten. Die Rede ist von Energiesouveränität und dass Nordstream 1 und 2 nicht wieder in Betrieb genommen werden dürften. NS 2 war zwar noch nie in Betrieb und dass bei veränderten politischen Bedingungen in Russland der Betrieb der Leitungen sinnvoll sein könnte, spielt bei der FDP keine Rolle. Das erinnert an Annalena Baerbock, die „nie wieder“ etwas aus Russland importieren will.

Primär setze man allerdings auf erneuerbare „Freiheitsenergien“. Inwiefern die Abhängigkeit von Wetter und Tageszeit sowie von China etwas mit Freiheit zu tun hat, wird nicht erklärt.

Auch technisch-wirtschaftliche Erwägungen vermisst man im Papier. Zum einen sind die Anlagen mit den alten Brennelementen nicht mehr anfahrbar, die Bestellungen neuer hätte schon vor vielen Monaten erfolgen müssen. Aber damals war die FDP vermutlich mit dem Selbstbestimmungsgesetz voll ausgelastet, danach sonnte sie sich im vermeintlichen Sieg einer viermonatigen Laufzeitverlängerung.

Die Unternehmen wollen zudem selbst das Ende. Nach dem Atomausstiegsbeschluss 2002, der Laufzeitverlängerung 2010, dem Ausstiegsbeschluss 2011 und der Laufzeitverlängerung 2022 sind sie der Purzelbäume überdrüssig. Man müsste sie per Gesetz und mit viel Geld zu einer Bereitschaftshaltung zwingen, wofür wirklich kein politischer Wille erkennbar ist.

Dieses unausgegorene Grundsatzpapier ist bezeichnend für die inzwischen erreichte Inkompetenz der FDP auch in Wirtschafts- und Technologiefragen. Beispielhaft dafür steht auch eine Bundestagsrede von Dr. Lukas Köhler, Philosoph und Geschäftsführer eines Zentrums für Umweltethik und Umweltbildung. Im Dezember 2021 trat er vehement gegen eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ein. Es sei eine „nationalistische Idee“, andererseits auch eine sozialistische und Photovoltaik sei viel günstiger. Man brauche Speicher und Wasserstoff. Das half uns 2021 schon nicht, heute um so weniger, macht aber den Gehalt seiner Rede deutlich, mit der er in den Wettbewerb mit Robin Mesarosch (SPD) um das niedrigste Niveau tritt. Dieser bezieht übrigens seine Kompetenz aus der Tätigkeit als Social-Media-Referent bei der SPD. Köhler passt ideal zum grünen wie zum roten Koalitionspartner und zeigt, wohin die FDP künftig driften wird.

Die im Grundsatzpapier geforderte Technologieoffenheit wäre ein Thema in den Koalitionsverhandlungen gewesen. Diese durchzusetzen hätte aber Rückgrat erfordert. Auch in ihren früheren Einschätzungen lag die Partei daneben. Der damalige Vorsitzende Philipp Rösler in der Ausstiegsdebatte im Bundestag 2011: Es sei die richtige Balance gefunden worden, die EEG-Umlage solle bei 3,5 Cent bleiben. Sie wurde beim Stand von 6,5 Cent im Jahr 2022 durch Steuergeld halbiert und wird heute als Dauersubvention aus dem Staatshaushalt bestritten. Praktisch fließt aber wenig Geld, weil das inzwischen erreichte irre Niveau des Strommarktpreises die Subvention meist überflüssig macht.

Der im Vergleich zum Beschluss 2002 vorgezogene Atomausstieg 2022 sei „kein Risiko für die deutsche Wirtschaft“. Natürlich müssten der Netzausbau und der Bau konventioneller Kraftwerke schneller gehen. Dies ist nicht passiert, das hat die FDP in den vergangenen zehn Jahren offenbar auch nicht interessiert. Zum Zeitpunkt heute sind weder ausreichend konventionelle Kraftwerke gebaut worden noch kann der Netzausbau mit dem Zubau schwankender Stromeinspeisung mithalten. Vor allem fehlen die großen Nord-Süd-Leitungen. Dann sagte Rösler noch:

„Wir gehen fest davon aus, dass die Grünen künftig bei jeder Demonstration an unserer Seite stehen werden und jedem Gegner von neuen Kraftwerken und neuen Trassen zurufen werden: Wer Nein sagt zur Kernenergie muss Ja sagen zum Netzausbau und zum Kraftwerksneubau.“

Mehr Naivität geht kaum. Das bereits damals im Bau befindliche Kraftwerk Hamburg-Moorburg wurde von den Grünen politisch und von ihren militanten Fußtruppen gewalttätig bekämpft. In den Folgejahren reihten sich Tagebau- und Kraftwerksattacken sowie Gleisbesetzungen durch ideologisierte und mit parteigrünem Applaus versehene Anhänger aneinander. Das war die Begleitmusik für die juristischen Verfahren, die bei jeder sich bietenden Möglichkeit initiiert wurden.

Eine Medienmehrheit heizte die öffentliche Stimmung gegen Kohle- und Atomkonzerne an, während man Profite und Reichtum auf Seiten der „Erneuerbaren“ verschwieg. Trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung war Lützerath am Anfang des Jahres 2023. Hier lief die Eskalation zwar aus dem grünen Ruder, aber so geht es Zauberlehrlingen mit den Geistern, die man rief.

Das alles störte die FDP nicht, im Gegenteil, sie ging 2021 die Koalition mit den Grünen ein. Es ist müßig, die Grünen mit Vorwürfen zu überziehen. Die sagen ziemlich klar, was sie wollen: eine groß transformierte postindustrielle „klimagerechte“ Gesellschaft.

Ausschlaggebend sind aber die Kräfte, die ihnen die Steigbügel halten. Einstein formulierte seinerzeit so: „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“ In diesem Sinne spielen die ehemaligen Volksparteien wie auch die FDP eine unrühmliche Rolle und man muss sich ihrer nicht wahrgenommenen Verantwortung erinnern. Derzeit erfordert der Gesetzentwurf zum Namensrecht die ganze Aufmerksamkeit der FDP. Ein Problem, das die Menschen aus Sicht der Partei seit Jahren vor große Probleme stellt oder handelt es sich eher um eine merkwürdige Prioritätensetzung? Es ist Politik in Magenta.

 




Rolls-Royce SMR

Von Dr. Humpich

Der „Kleinreaktor“ (440–470 MWel) von R&R geht seinen Weg. Er hat gerade die erste Phase des dreiphasigen Genehmigungsverfahren erfolgreich abgeschlossen. Man erwartet den Abschluss des GDA (Generic Design Assessment) bis August 2026. Damit könnte das erste Kraftwerk (FOAK) noch vor Ende dieses Jahrzehnts seinen Betrieb aufnehmen – ehrgeizig, aber realistisch.

Der Antragsteller

Rolls-Royce ist ein Technologiekonzern (nicht zu verwechseln mit gleichnamiger Automarke), der Flugzeugtriebwerke, Dieselmotoren (ehemals deutsche MTU) und Kernreaktoren für die britische Atom-U-Boot Flotte herstellt. Er ist also absolut kein Neuling im Nukleargeschäft. Für den Zweck eines SMR (Small Modular Reactor) wurde die Tochter Rolls-Royce SMR Limited gegründet, die auch als verantwortlicher Antragsteller RP (Requesting Party) auftritt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß die gesamte Industrie und die Regierungen national und regional voll hinter dem Projekt stehen. Man will einen nationalen Reaktor, der vollständig in GB produziert werden kann. Man geht ersthaft von 16 solcher Kraftwerke allein in GB aus. Zum engsten Kreis des Projekts gehören Assystem, Atkins, BAM Nuttall, Jacobs, Laing O’Rourke, National Nuclear Laboratory, Nuclear Advanced Manufacturing Research Centre and TWI. Alles Unternehmen, die schon seit Jahren international in der Kerntechnik sehr erfolgreich tätig sind. Hinzu kommen noch Fertiger, wie z. B. Sheffield Forgemasters, die diese (kleinen) Reaktorgefässe etc. schmieden können. Bis auf die Dampfturbinen (einst eine deutsche Domäne) kann alles auf der Insel hergestellt werden. Man erwartet zusätzlich 6000 neue (gut bezahlte) dauerhafte Arbeitsplätze in dieser, durch Deindustrialisierung gebeutelten Region. In GB hat man schon länger leidig erkannt, daß man in keinem Land ohne starke Industrie den Wohlstand halten kann. Eine Erfahrung, die dem Öko-Sozialistischen Deutschland erst noch bevor steht.

Deshalb auch hier eine etwas andere Herangehensweise. Für den Standort der „Reaktorfabrik“ haben sich über hundert Gemeinden beworben. Aus diesen wurden über ein definiertes Auswahlverfahren acht für die letzte Runde ausgewählt: Sunderland in Tyne and Wear, Richmond in North Yorkshire, Deeside in Wales, Ferrybridge in Yorkshire, Stallingborough in Lincolnshire and Carlisle in Cumbria. Hinzu kommen noch Shotton, Deeside, in North Wales and Teesworks, Redcar, in north east England. Konkurrenz belebt das Geschäft. Wenn man „Arbeitsplätze“ zur Bewerbung ausschreibt, haben politische Agitatoren und Miesmacher nur wenig Einfluß. Erster Schritt wird die Fertigung für die Reaktordruckbehälter sein: Eine Investition von 100–200 Millionen £ und 200 Dauerarbeitsplätze. Eine weitere Fabrik ist für die bautechnischen Module und eine dritte Fabrik für die mechanischen, elektrischen und verfahrenstechnischen Module geplant. Insgesamt rund 6000 hochqualifizierte Dauerarbeitsplätze. Von diesen Fabriken sollen die fertigen und geprüften Module mit LKW bzw. Eisenbahn auf die Baustellen zur Montage geliefert werden. Ziel ist eine Montage innerhalb von 500 Tagen am Standort des Kraftwerks. Damit würde über 90% der Arbeitszeit in die Fabriken verlagert werden – ohne Witterungsrisiko und durch routinierte Fachkräfte.

Die Standorte

Parallel werden Standorte für 16 Reaktoren gesucht, die eine Fertigstellung bis 2030 garantieren können. Neben den üblichen kerntechnischen Anforderungen (seismisch, Fluten, Umweltschutz etc.) wurde auch ein umfangreicher sozioökonomischer Katalog erstellt. Auch hier gibt es ein Novum, die Wiederverwendung von stillgelegten Kernkraftwerken im Besitz der Nuclear Decommissioning Authority (NDA). In die Auswahl kamen Trawsfynydd und Sellafield. Darüberhinaus die Standorte Wylfa and Oldbury, die bereits für gescheiterte Projekte vorbereitet worden waren. Diese Standorte sind für jeweils 4–6 R&R SMR geeignet und waren für eine mögliche Leistung von 15 GWel vorgesehen. Zusätzlich wurden noch die Standorte Hartlepool (2 SMR), Heysham (3 SMR) und Bradwell (4–6 SMR) ausgewählt.

Auch das Industriegeschäft scheint anzulaufen. Der Chemiekonzern INEOS plant für seine Ölraffinerie Grangemouth in Schottland einen R&R SMR zur Versorgung mit Strom, Wärme und Wasserstoff.

Internationale Partner

Seit Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem US-Energieversorger Exelon. Exelon betreibt 21 Reaktoren in den USA und produziert damit 158 TWh elektrische Energie jährlich. R&R hat auch ein Abkommen mit dem tschechischen EVU ČEZ, dem staatlichen türkischen Stromversorger EUAS und der Jordan Atomic Energy Commission. Alle sollen den Einsatz in den jeweiligen Ländern ausloten. Schon länger untersucht Estland den Einsatz von SMR. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit Fermi Energia. Auf dem Kontinent wurde eine Kooperation mit Foratom Brüssel eingegangen.

Die französische Familie Perrodo hat sich mit 195 Millionen £ an R&R SMR und die Qatar Investment Authority (QIA) mit weiteren 85 Millionen £ beteiligt.

Da der Zeitrahmen für den ersten Reaktor sehr ambitioniert ist, hat sich R&R nun die Unterstützung des kanadische Ingenieurunternehmens SNC-Lavalin gesichert. R&R geht weiterhin davon aus, die Zulassung Mitte 2024 zu erhalten und schon 2029 das erste Kernkraftwerk am Netz zu haben.

Letzten August hat die niederländische ULC-Energy BV R&R SMR als Partner für den Bau von Reaktoren in den Niederlanden ausgewählt. Die niederländische Regierung hat im Dezember Kernenergie eine zentrale Rolle in ihrer Energiepolitik zugewiesen. Man plant in diesem Jahrzehnt dafür noch 5 Milliarden € bereit zu stellen. Der US Energieversorger Constellation will ULC beim Betrieb einer Flotte SMR unterstützen.

Die tschechische Škoda JS untersucht, wie sie R&R auf dem europäischen Markt unterstützen kann. Ein Pfund dabei ist, daß ihre Fabrik in Pilsen einst für die Produktion des sowjetischen 440 MWel Reaktor gebaut worden war. Heute ist dies ein Gemeinschaftsunternehmen mit Doosan aus Korea.

Die polnische Industria JSC will mit R&R zusammenarbeiten um ein Wasserstoff-Netz mit 50 000 to/a aufzubauen. Außerdem müssen über 8 GWel Kohlekraftwerke ersetzt werden.

Der Typ

Der R&R SMR hat nichts revolutionäres. Es ist eine „Miniatur“ eines konventionellen Reaktors. Ein Ansatz, wie ihn auch Russland (RITM) und China (ACP100) und neuerdings auch noch Frankreich (NUWARD) verfolgen. Es geht hier vornehmlich darum, wer als erster auf dem Markt ist und ihn über Stückzahlen machen kann. R&R hat beste Voraussetzungen, da sich China und Russland gerade politisch selbst (vorübergehend?) aus dem Weltmarkt verabschieden. Man geht allgemein von etwa 1000 Stück bis 2050 aus. Es ist daher durchaus nicht verkehrt, kein Risiko einzugehen und sich auf erprobte Druckwasser-Technologie zu beschränken. Man konzentriert sich vielmehr auf die Senkung der Kosten durch Modularisierung (75% der Gesamtkosten sollen in der Fabrik anfallen) und vereinfachte Montage auf der Baustelle (Lieferzeit unter 5 Jahren, von der Bestellung bis zur Übergabe). China baut hingegen ganz kommerziell ein „Kleinkraftwerk“ und Russland geht den Weg über Werften. Beides nicht unbedingt kostengünstig oder für den Weltmarkt geeignet.

Von R&R werden überall futuristisch anmutende Architektenskizzen verbreitet: Ein silberner Kokon umgeben von einem grünen Wall am Meer. Nichts erinnert an ein Kernkraftwerk. Dieser „gelandete Zeppelin“ ist aber nur die dauerhafte Hülle, unter der das eigentliche Kernkraftwerk witterungsunabhängig montiert wird. Der gesamte nukleare Teil z. B., befindet sich in einem normierten Betonbunker, der elastisch gelagert in einer Betonwanne schwimmt. Damit muß nicht jeder Reaktor in seinen Details neu an die seismischen Bedingungen seines Standorts angepaßt werden – Erdbebenschutz einmal anders gedacht.

Der Entwurf des nuklearen Teils ist ganz klassisch: Ein Reaktordruckgefäß umgeben von drei Dampferzeugern und einem Druckhalter. An jedem Dampferzeuger ist eine Hauptkühlmittelpumpe angeflanscht. Alles etwas hausbacken, funktioniert aber garantiert. Diese Bauteile sind dafür so klein, daß weder langfristig zu bestellende Rohlinge, noch spezielle (weltweit wenige) Fabriken notwendig sind. Andererseits stellt sich hier die Frage der Kostensenkung durch Skalierung: Ein Dampferzeuger eines R&R SMR hat eine Leistung von rund 450 MWth. Einer, der zwei Dampferzeuger eines AP1000, eine Leistung von rund 1700 MWth. Welche Kostendegression wirkt stärker, Größe oder Stückzahl?

Größe oder Stückzahl

Das gesamte Sicherheitskonzept ähnelt sehr den Prinzipien des Westinghouse AP1000. Auch dieser setzt auf Modularität. Er hat jedoch den Vorteil, bereits vier Reaktoren in Betrieb und zehn in Bau (teilweise als chinesische Lizenz CAP1000) vorweisen zu können. Der R&R SMR befindet sich wirtschaftlich in dem Schraubstock zwischen dem GE Hitachi BWRX-300 (Siedewasserreaktor mit 270–290 MWel) und dem AP1000 (1100 MWel) von Westinghouse. Der eine ist kleiner, der andere größer. Das Rennen ist (noch) ähnlich ungewiß, wie einst bei PC’s und Mobiltelefonen. Der Zug im oberen Leistungsbereich ist schon abgefahren – hinzu kommt noch der AP1400 aus Korea. Wer bei den SMR das Rennen macht, ist noch ungeklärt. Ein wesentlicher Punkt sind die weltweit vorhandenen Kohlekraftwerke, die in den nächsten zwanzig Jahren ihre wirtschaftliche Lebensdauer erreichen. Ihre Standorte weiter nutzen zu können, wird maßgeblich durch deren Leistung bestimmt. Man kann dann weiterhin verbrauchsnah produzieren. Ein enormer wirtschaftlicher Vorteil gegenüber der Windkraft, für die neben den Backup-Kraftwerken auch noch neue Hochspannugstrassen gebaut werden müssen – eine Tatsache, die Schlangenölverkäufer immer gern unterschlagen. Durch die hohe Sicherheit der SMR (z. B. R&R eine Kernschmelze – wie in Fukushima – in 10 Millionen Betriebsjahren) ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten bei der Wärmeversorgung: Einspeisung in vorhandene Fernwärmenetze bzw. Nutzung in der Industrie. Anders als beim Heizen mit Wind und Sonne, wird bei der Koppelproduktion praktisch mit der „Abfallwärme“ der Stromproduktion geheizt: Eine Investition – zwei Produkte.

Nachwort

Mag auch unser Robert „Deutschland Atomfrei“ melden, so wird doch deutlich, wo die Reise in Wirklichkeit hingeht. Haben gewisse Franzosen und deutsche Sozialdemokraten GB den baldigen Zusammenbruch durch den Brexit vorausgesagt, kann sich das Empire nun ohne den Klotz Brüssel wieder frei entfalten. Noch vor wenigen Jahren galt GB als das Mekka der Windindustrie. Endlose Küstengewässer mit starken Winden und relativ kurzen Wegen in die Verbrauchscenter. Deutsche Kombinate konnten nicht schnell genug ihre Kernkraftwerke schließen und das Geld deutscher Stromkunden in britischen Gewässern versenken. Heute versucht man noch zu retten, was zu retten ist: Wasserstoff soll das Schlangenöl heilen. Eine alte Regel des Bankwesens besagt, man soll nie gutes Geld schlechtem hinterher werfen. Mal sehen, wann die ersten deutschen EVU’s in Schieflage geraten und nach Steuergeldern schreien. GB setzt jedenfalls zielstrebig auf Kernkraft. Wenn Kombinatsleiter bei Siemens und Co. nicht dem vermeintlich süßen Honig der Subventionen gefolgt wären, könnten sie heute die Rolle von R&R spielen. Schließlich hat Deutschland einst die besten Druckwasserreaktoren der Welt gebaut, wie unzählige Weltrekorde der Stromproduktion beweisen. Deutschland war auch politisch ein international geschätzter Lieferant – schließlich wollen sich nicht alle Nationen gern von den USA, Russland oder China abhängig machen. Aber ganz im Gegenteil, wie der Abschalt-Aprilscherz zeigt, gilt immer noch die alte Volksweisheit: Wenn es dem Esel zu wohl geht, geht er aufs Eis tanzen…

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Blog des Autors hier

 




Wie die Grünen auf den Wasserstoff kamen

Edgar L. Gärtner

Wie kamen die deutschen Grünen darauf, im Wasserstoff die „Wunderwaffe“ zur Rettung der vermurksten Energiewende zu erblicken? Viele denken, diese fixe Idee sei erst in den letzten Jahren aufgekommen. Dem ist aber nicht so. Ich kann bezeugen, dass das Thema Wasserstoff untergründig schon seit der ersten Hälfte der 1990er Jahre bei den Ökos eine nicht unwichtige Rolle spielte. Damals galt ich als Mitbegründer und verantwortlicher Redakteur des damals völlig neuartigen Wirtschaftsinformationsdienstes „Ökologische Briefe“ als Sympathisant oder Mitläufer der Grünen, obwohl ich tatsächlich nicht einmal mit dem Gedanken spielte, mich dieser Partei anzuschließen. Die Grünen hatten für mich als studierter Biologe und Philosoph einfach nicht den richtigen Stallgeruch. Aber durch meine Tätigkeit als Fachjournalist im grünen Umfeld bekam ich natürlich einiges von den internen Debatten mit.

Schon damals herrschte aber die Meinung vor, dass jemand, der sich wissenschaftlich mit Ökologie beschäftigt hat, nur ein Grüner sein könne. Das dachte sich sicher auch der amerikanische Botaniker und Wissenschaftsautor Christopher Bird, als er sich zu Beginn der 1990er Jahre bei mir in Frankfurt meldete. Bird war als Autor bzw. Co-Autor des 1973 erstmals erschienenen Bestsellers „Das geheime Leben der Pflanzen“ bekannt geworden. Er starb bereits im Jahre 1996 mit erst 68 Jahren. Doch sein Co-Autor Peter Tompkins sorgte dafür, dass das Werk bis in die neueste Zeit immer wieder aktualisiert und neu aufgelegt wurde. Mir gegenüber stellte sich Bird allerdings als Ex-Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA vor und erwähnte seine Autorschaft nur nebenbei. Seine geheimdienstliche Tätigkeit wird übrigens noch heute in seinem Wikipedia-Eintrag ausdrücklich erwähnt. Als Ex-Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF) ging ich selbstverständlich davon aus, dass Bird noch immer über enge Kontakte zum CIA verfügte und verhielt mich entsprechend vorsichtig.

Soweit ich das überblicke, besuchte Bird auf seiner Rundreise in Deutschland und einigen Nachbarländern damals alle, denen er einen größeren Einfluss in der Öko-Bewegung zuschrieb. Da ich im Jahre 1979 das Buch „Arbeiterklasse und Ökologie“ und in den 1980er Jahren noch einige weitere Bücher zu dieser Thematik veröffentlicht hatte (vgl. den unfreundlichen Wikipedia-Eintrag über mich), zählte ich offenbar dazu. Dabei verhielt er sich keineswegs diskret, sondern ziemlich auffällig. Er trug einen Cowboy-Hut, Cowboy-Stiefel und einen breiten Nieten-Gürtel.

Zweck seiner Rundreise war nicht die Promotion seines Buches, das ich als Ex-Marxist reichlich esoterisch fand, sondern die gezielte Verbreitung eines dicken technischen Dossiers über die Vorteile und Perspektiven des Wasserstoff-Einsatzes. Dieses begann, so weit ich mich erinnere, mit der Frage, warum der mit 190.000 Kubikmetern Wasserstoff gefüllte deutsche Zeppelin LZ 129 „Hindenburg“ im Mai 1937 bei der Landung in Lakehurst bei New York in Flammen aufging. Nach diesem Unfall, bei dem übrigens „nur“ 35 der 97 Menschen an Bord ums Leben kamen, blieb das Thema Wasserstoff für längere Zeit mit Angst besetzt. Das von Bird verbreitete Dossier konzentrierte sich folglich auf die Frage, wie man die chemische Vereinigung von Wasserstoff und Sauerstoff technisch so gestalten könne, dass die gefürchtete Knallgasreaktion vermieden wird. Als Vorteil des Einsatzes von Wasserstoff als Energieträger wurde u.a. aufgeführt, dass dieser mit einer unsichtbaren, d. h. rußfreien Flamme brennt. Die Kosten der Wasserstoffnutzung für energetische Zwecke waren allerdings, soweit ich mich entsinne, darin kein Thema. Offenbar gelang es Bird, den Grünen mit diesem Dossier einen Floh ins Ohr zu setzen. Wie fast alle „grünen“ Ideen kam also auch die Begeisterung für den Wasserstoff mithilfe des CIA über den Atlantik zu uns nach Europa.

Dabei gab es in Deutschland insbesondere in der Chemischen Industrie auch schon vor dem Krieg reiche technische Erfahrungen mit dem Einsatz von Wasserstoff. Eine erste Elektrolyse-Anlage, bei der Wasserstoff allerdings eher als Nebenprodukt anfiel, wurde schon am Ende des 19. Jahrhunderts in Griesheim bei Frankfurt in Betrieb genommen. Später benötigte man für die Herstellung von Stickstoffdünger (und Schießpulver) nach dem Haber-Bosch-Verfahren immer größere Mengen Wasserstoff und lernte, damit sicher umzugehen. Im Umkreis der Nazi-Partei NSDAP gab es auch konkrete Überlegungen, Wasserstoff im Rahmen der NS-Autarkiepläne als Energieträger einzusetzen. In seiner Studie „Technik und Wirtschaft im Dritten Reich. Ein Arbeitsbeschaffungsprogramm“ (Heft 38 der Nationalsozialistischen Bibliothek, München 1933) konnte Dr. Ing. Franz Lawaczeck jedoch nachweisen, dass das wegen des schlechten Wirkungsgrades der Wasserstoffgewinnung und der dabei anfallenden hohen Kosten völlig unrentabel wäre. Deshalb verfolgten die Nazis diese Pläne nicht weiter. Sie bewiesen insofern mehr Realitätssinn als unsere heutigen Grünen mit „Klimaminister“ Robert Habeck.