Woher kommt der Strom? durchgängige regenerative Stromübererzeugung über Tag
33. Analysewoche 2026 von Rüdiger Stobbe
Die 33. Analysewoche des Jahres 2026 zeichnete sich wie bereits in der vergangenen Woche durch eine durchgängige regenerative Stromübererzeugung über Tag aus. Auch die Strompreise fielen über die Mittagsspitze wieder Richtung Null-Linie, um zum (Vor-) Abend wieder zu stark anzusteigen. Jetzt rächt sich der planlose Ausbau der PV-Stromerzeugung ohne Sinn und Verstand. Zum Beispiel am Donnerstag über Tag Strom geschenkt bekommen oder preisgünstig erwerben, zum Vorabend bis zu 339€/MWh für nach Deutschland gelieferten Strom kassieren: Da freuen sich die Nachbar-Spekulanten, deren Geschäft nahezu risikolos ist. Selbstverständlich wollen viele auf diesen vermeintlichen Gelddruckzug aufspringen. Deshalb die vielen Anträge von kapitalstarken Investoren für mehr oder weniger große, sprich leistungsstarke Batteriespeicher. Das aktuelle Stromnetz aber gibt diese Menge Anschlussmöglichkeiten nicht her. Deshalb hier noch mal die wichtigsten Aspekte des geplanten „Netzpaketes“ von Katherina Reiche:
- Streichung von Ausfallentschädigungen (Redispatch-Vorbehalt)
- Zulassung von gezielten Abregelungen bis zu 20 Prozent ohne Entschädigung
- Ende des pauschalen Einspeisevorrangs für Erneuerbare
- „Systemdienlichkeit“ und finanzielle Verantwortung der Akteure wird stärker in den Vordergrund gerückt.
- Digitalisierung soll vorangetrieben werden (zum Beispiel digitale Netzanschlussportale, Smartmeter Rollout)
Selbstverständlich sehen unsere Freunde der Energiewende ihre Ertrags- und Gewinnfelle davon schwimmen. Sie meinen, das Ende der Energiewende würde damit eingeleitet. Da ist was dran und das ist gut so. Wer die Welt retten will, soll dafür auch finanziell geradestehen und nicht nur locker und ohne Risiko den Steuerzahler abkassieren. Wenn ohne Subventionen nicht mehr in die Energiewende investiert wird, ist es nur folgerichtig, dass sie Zug-um-Zug beendet wird.
Einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der 33. Analysewoche 2026 gibt Agora Energiewende. Die Hochrechnung sieht in dieser Woche so aus. Wieder, also auch in der Zukunft mit entsprechend höher kalkuliertem Bedarf, ist die PV-Stromübererzeugung im Tagesverlauf sehr hoch, was die Preise in den Keller drückt, oder?
Der Pferdefuß der Stromspeicher
Je mehr Strom-Speicher in Deutschland zukünftig zur Verfügung stehen, desto geringer werden die Preisdifferenzen ausfallen. Oder: Je mehr sich Angebot und Nachfrage annähern, desto geringer wird der Verdienst. Sogar der Einkaufspreis über Tag wird steigen, weil genügend Nachfrage vorhanden sein wird. Kurz: Je mehr Speicher, desto weniger Preisdifferenzen, desto weniger Verdienst.
Was ist Kraftwerks-Leistung? Was ist Energie?
Gigawatt (GW) ist eine Einheit für Leistung, also für die maximale Fähigkeit eines Kraftwerks, Strom zu erzeugen. Gigawattstunden (GWh, TWh) sind eine Einheit für Energie, also für die tatsächlich produzierte Strommenge über eine bestimmte Zeit. Die Beziehung ist einfach: Energie = Leistung × Zeit. Ein Kraftwerk mit 1 GW Leistung erzeugt bei Volllast theoretisch maximal: 1 GW × 8.760 h = 8,76 TWh pro Jahr. Wie viel elektrische Energie tatsächlich entsteht, bestimmt beim Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerk im weitesten Sinn der Mensch über die Brennstoffzufuhr und Zufuhrdauer. Die Energie für eine Stunde wird üblicher- und für den Normalbetrachter irreführenderweise mit GW bezeichnet. Die manchmal verwendete Schreibweise „GWh pro Stunde“ ist nur eine umständliche Form von GW – mathematisch kürzt sich die Stunde („h“ und „pro Stunde“) weg.
Sonderfall Wind- und Solarkraft
Bei Wind- und Solarkraft bestimmt nicht der Betreiber, sondern das Wetter die Strom-Produktion. Eine 5-MW-Windkraftanlage könnte theoretisch 43,8 GWh/Jahr erzeugen, liefert an Land aber realistisch in Deutschland nur etwa 20 Prozent davon (auf See 40 bis 50 Prozent), also rund 8,8 GWh/Jahr – im Mittel 1 MW-Dauerenergie. Bei Solarpaneelen mit ebenfalls 5 MW installierter Leistung halbieren sich die Werte nochmals wegen verschiedener Kapazitätsfaktoren: Nacht, Winter, flacher Sonnenstand, Bewölkung und Temperaturverluste.
Tageswerte
Jeder Tag beginnt mit dem Überblick, den Agora Energiewende zur Verfügung stellt. Die smard.de-Charts und -Tabellen ermöglichen vielfältige Analysen. Erkunden Sie das Potenzial.
Windstrom steigt über Tag stark an. Zusammen mit PV wird der Bedarf überschritten. Die Strompreise.
Windstromerzeugung lässt nach. Die Strompreise.
Windstromerzeugung weiter schwach, PV reicht zur Bedarfsdeckung. Die Strompreise.
Winddelle über Tag wird ausgeglichen. Die Strompreise.
Windstromerzeugung sinkt wieder. Die Strompreise.
Windstrom erholt sich. PV-Strom reichlich. Die Strompreise.
Kaum Windstrom . Die Strompreise.
Die bisherigen Artikel der Kolumne „Woher kommt der Strom?“ seit Beginn des Jahres 2019 mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.
Ab Ausgabe 1/2026 bilden die öffentlichen Analyseseiten smard.de, Agora Energiewende und Energy-Charts die wesentliche Datengrundlage dieser Kolumne.