Ist der El Niño-Hype übertrieben?

Cap Allon

Der El Niño von 2026 gewinnt an Stärke, doch Prognosen über ein beispielloses Ereignis sind nach wie vor genau das – Prognosen. Das CFSv2-Modell der NOAA lässt ein deutlich weniger extremes Ereignis erwarten als die Schlagzeilen von einem „Monster“ vermuten lassen.

Der offizielle August-Ausblick der NOAA fällt sehr aggressiv aus.

Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes El-Niño-Ereignis in diesem Herbst und Winter bei über 90 %, und die Wahrscheinlichkeit, dass der RONI für Oktober bis Dezember einen Wert von +2,5 °C oder mehr erreicht, bei 69 % – was laut NOAA jedes Ereignis in den Aufzeichnungen seit 1950 übertreffen würde.

Der RONI – der Relative Oceanic Niño Index – ist der von der NOAA ermittelte Dreimonatswert der Temperaturen im Niño3.4-Gebiet nach Abzug des durchschnittlichen tropischen Erwärmungssignals, wodurch ein klareres Bild des ENSO selbst entsteht.

Die Beobachtungen haben jedoch noch keine beispiellosen Werte erreicht.

Der aktuelle Dreimonats-RONI der NOAA für Mai bis Juli liegt bei +1,0 °C. Zur gleichen Zeit im Jahr 2015 lag er ebenfalls bei +1,0 °C, während er 1997 bereits bei +1,2 °C lag. Diese Ereignisse erreichten schließlich einen Höchstwert von +2,3 °C. Die monatliche Niño3.4-Anomalie im Juli 2026 betrug +1,4 °C. El Niño gewinnt also eindeutig an Stärke – doch bislang bleibt seine Entwicklung im Rahmen der historischen Vorläufer.

Die Rohdaten der CFSv2-Simulationen stiegen im Frühjahr und Frühsommer dramatisch und lieferten zeitweise außergewöhnliche Niño3.4-Prognosen. In jüngster Zeit hat sich dieser unaufhaltsame Anstieg jedoch verlangsamt, wobei die neuesten Simulationen für Ende 2026 (und auch Anfang 2027) leicht nach unten tendieren.

Die Rohprognosen des CFSv2 für Niño3.4 stiegen im Frühjahr und Frühsommer stark, doch zeigen die jüngsten Berechnungen nun eine Abschwächung.

Aufschlussreicher ist der PDF- und korrigierte CFSv2 der NOAA.

Die Korrektur ist wichtig, da CFSv2 bekannte Prognoseverzerrungen aufweist, wie der Meteorologe Joe Bastardi anmerkt. Die NOAA passt die Rohdaten entsprechend der historischen Leistungsfähigkeit des Modells an und kalibriert anschließend die Ensemble-Streuung anhand der bisherigen Prognosefehler neu.

Diese Version fällt weitaus weniger dramatisch aus.

Wie die nachstehende Grafik zeigt, konzentriert sich die jüngste korrigierte relative Niño3.4-Prognose auf einen Höchstwert von etwa +2,3 °C gegen Ende des Jahres – immer noch ein gewaltiger El Niño, aber nicht mehr stärker als die stärksten Ereignisse in den historischen Aufzeichnungen.

Der bias- und streukorrigierte CFSv2-Wert der NOAA erreicht Ende dieses Jahres einen Höchststand von fast +2,3 °C, bevor er bis Anfang 2027 rasch in Richtung des neutralen Bereichs fällt.

Und dann bricht die Prognose rapide ein.

Die Modellwerte stürzen bis Anfang 2027 ab, viele nähern sich bis zum Frühjahr dem neutralen Bereich an, und einige fallen bis zum späten Frühjahr unter Null.

Ein starker El Niño ist nach wie vor durchaus möglich – sogar wahrscheinlich –, doch Behauptungen von einem „beispiellosen Monster“ werden durch die Daten nicht gestützt. Dann wird sich die Aufmerksamkeit auf das richten, was danach folgt. Historisch gesehen folgen auf große El-Niño-Ereignisse oft rasche Umkehrungen: Auf die Ereignisse von 1997–98 und 2015–16 folgten jeweils La-Niña-Ereignisse. Ich gehe davon aus, dass es diesmal genauso sein wird. Der Zeitpunkt und die Stärke bleiben abzuwarten.

Link: https://electroverse.substack.com/p/heavy-snow-to-hammer-new-zealand?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email (Zahlschranke)

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE