Hitzeprobleme: Aus ideologischen Gründen wird die beste Lösung verschmäht

 

Mit dem Bau von Klimaanlagen könnten in Europa jedes Jahr Zehntausende Hitzeopfer vermieden werden. Doch auf dem alten Kontinent rümpft man die Nase: Air Conditioning gilt als umweltschädlich. Hier zeigt sich, wie menschenfeindlich die Klimaideologie ist.

Von Peter Panther

Normalerweise quälen sich die Journalisten im Sommer auf der Suche nach Themen. Nicht so dieses Jahr: Die Hitzewelle, die schon im Juni begann, bietet die Gelegenheit für immer neue Schlagzeilen. Der Tenor: Der Klimawandel ist real, haben wir es nicht gesagt!

Besonders fette Titel gibt es, wenn man über die Zahl der Hitzetoten spekulieren kann. Da wird anhand der Übersterblichkeit abgeleitet, wie viele Menschen während besonders warmer Phasen zusätzlich gestorben sind – und diese Todesfälle werden dann flugs der Erderwärmung zugerechnet.

So verkündete das European Mortality Monitoring vor einigen Tagen, alleine im Juni habe es in Europa 10’000 zusätzliche Todesfälle gegeben. Kurz danach meldete die französische Nachrichtenagentur AFP dann schon 12’000 Hitzetote. Alleine in Deutschland sollen es über 5000 Opfer gewesen sein. Dass Kälte weltweit und auch in Europa rund zehnmal mehr Todesopfer fordert als Hitze, wird in den entsprechenden Medienberichten jeweils konsequent übergangen.

Europa hat weitaus am meisten Hitzetote

Wenn es aber wirklich stimmt, dass wegen des Klimawandels immer mehr Menschen an hitzebedingten Komplikationen sterben: Was wäre die beste Reaktion, um das Problem zu lösen? Hilft es wirklich, weniger Auto zu fahren und so den CO2-Ausstoss zu reduzieren, damit es in 50 Jahren vielleicht zwei Zehntelgrade kühler ist? Oder stattet man nicht besser alle Wohnungen – vor allem aber auch Spitalzimmer und Pflegeheime – umgehend mit Klimaanlagen aus? Wer schon einmal während des Sommers in den USA unterwegs war, kennt die Antwort: Air Conditioning ist eine vorzügliche Lösung gegen Hitze und verschafft sofort Linderung.

Doch in Europa verschmäht man Klimaanlagen. Das hat tödliche Folgen, wie eine internationale Studie vor zwei Jahren gezeigt hat. Hier wurden die Kontinente verglichen und die Zahlen zu den jährlichen Hitzetoten aufgerechnet. Das Resultat war, dass es in Europa weitaus am meisten Todesopfer wegen Hitze gibt: jährlich 655 pro zehn Millionen Einwohner. Das sind um Welten mehr als etwa in Afrika (jährlich 229 Hitzetote pro zehn Millionen Einwohner), Nordamerika (147 Hitzetote) oder Lateinamerika (62 Hitzetote). Der weltweite Schnitt liegt mit 236 Hitzetodesfällen pro zehn Millionen Einwohner gerade mal etwas mehr als ein Drittel so hoch wie in Europa.

Der Grund sind fehlende Klimaanlagen

Der Grund für diese Misere ist offensichtlich: Europa hat zwar eine überalterte Bevölkerung, die besonders anfällig für Temperaturextreme ist. Aber dasselbe gilt für die USA und Japan. Trotzdem erleiden dort nicht einmal zehn Prozent so viele Menschen den Hitzetod wie in Europa. Aber in den USA und in Japan sind mindestens 75 Prozent der Haushalte klimatisiert. In Europa sind es nur etwa 20 Prozent.

Das liesse sich mit Klimaanlagen schnell ändern, wie der amerikanische Umweltforscher Roger Pielke Jr. aufgrund von Daten für den Hitzesommer 2022 vorgerechnet hat: Damals zählte man in Europa 61’672 Hitzetote. Wären aber 40 statt nur 20 Prozent der Haushalte mit Air Conditioning ausgestattet gewesen, hätte man 6846 dieser Todesfälle vermeiden können. Mit einer Ausstattung von 76 Prozent der Haushalte wie in den USA wäre man schon auf 26’073 gerettete Leben gekommen. Und bei 90 Prozent Klimaanlagen sogar auf 34’766. Kurz gesagt: Die europäische Aversion gegen Air Conditioning endet jedes Jahr wohl für Zehntausende Menschen tödlich.

Das Wort «Klimaanlage» kommt nicht einmal vor

Doch diese Aversion ist kaum wegzubekommen. Denn immer, wenn europäische Politiker nach Hitzeschutzplänen rufen, erwähnen sie dabei Massnahmen wie Verschattung, Begrünung und Isolation. Klimaanlagen finden meist kaum Erwähnung – oder wenn, dann höchstens verschämt, als allerletzte Lösung. Air Conditioning gilt nämlich als schlecht, weil es selbst Energie braucht und damit die «Klimakrise» angeblich noch verschärft. In der Schweiz hat ein Politiker in einem parlamentarischen Vorstoss Air Conditioning sogar als «perfektes Beispiel einer Fehlanpassung an den Klimawandel» bezeichnet.

In Deutschland ist es nicht besser: Im aktuellen «Hitzeschutzplan» des Bundesgesundheitsministeriums von 2023 kommt das Wort «Klimaanlage» nicht einmal vor, wie die «Welt» publik gemacht hat. Und auf europäischer Ebene hat die EU-Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt letztes Jahr unter dem Titel «Den Teufelskreis der Klimaanlage durchbrechen» verkündet: «Während Europa unter immer höheren Sommertemperaturen leidet, verschafft herkömmliche Klimatisierung zwar kurzfristig Erleichterung, verschärft das Problem langfristig jedoch noch.»

Es geht um Schuld und Sühne

Dabei hat die Abneigung gegen kühle Luft aus einer Maschine tiefere psychologische Gründe. Hier geht es darum, dass man ein vorhandenes Problem kurzum mit einer geeigneten Technologie lösen könnte. Doch das widerspricht dem quasi-religiösen Klima-Narrativ. Dieses Narrativ besagt, dass wir Menschen uns an der Natur versündigt haben, indem wir fossile Brennstoffe «geplündert» und verbrannt haben. Nun müssen wir dafür büssen. Es geht um Schuld und Sühne. Und Busse tun bedeutet: verzichten, darben – und schwitzen

Also müssen die Bewohner Europa aus ideologischen Gründen weiterhin ohne Klimaanlagen leben, auch wenn sie dabei sterben. Die Klimaideologie zeigt hier ihr menschenfeindliches Gesicht.